Irrer Kriegsvergleich des England-Trainers

So widersprüchlich es klingen mag, ich bin Gareth Southgate dafür dankbar, mich ganz persönlich an das menschenverachtende Verhalten seiner Landsleute im Krieg erinnert zu haben.

Es haben auch Leute versucht, bei uns einzufallen, und wir hatten den Mut, uns dagegen zu wehren. Man kann nicht verhehlen, dass die Energie im Stadion gegen Deutschland teilweise daher kam“ und etwas weiter „Ich habe es nie gegenüber den Spielern erwähnt, aber ich weiß, dass das dabei auch eine Rolle gespielt hat.“

Wen wundert es, ich habe mich über den Sieg der Italiener im Finale der Europa-Meisterschaft so richtig gefreut.  Zur EM-Nachlese ist es mir ein Bedürfnis dem lieben Trainer Englands zu antworten. Winston Churchill hatte befohlen, in Dresden kurz vor Kriegsende Menschen abzufackeln. Ja, der Krieg war bereits entschieden, Flüchtlinge aus Schlesien und Ostpreußen, die glaubten, dem Krieg entronnen zu sein und Dresden sicher erreicht zu haben, wurden sinnlos geopfert. In einer Stadt, in der es keine Kriegsindustrie gab, ausgerechnet dieser Fluchtweg wurde ihnen gemeinsam mit den vielen Einheimischen zum Verhängnis. Churchill bekam dafür einen Orden mehr angeheftet.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Headlight Pictures

Das habe ich nie vergessen, mich nicht mehr so oft daran erinnert. Als Kind habe ich von meinem Heimatort in der Nähe von Dresden die Flammen gesehen. Jetzt, nach dem bekannt wurde, mit welch irrem Vergleich der englische Trainer seine Motivation für das Spiel gegen Deutschland zog, ist es wieder hautnah. Das „Abfackeln“ wehrloser Menschen, welch „wunderbares“ Verhalten der Engländer damals.

Bestimmt entgegnet mir jetzt der eine oder andere, das gehöre nicht mehr hierher. In der Nachlese zur Europameisterschaft  habe ich lange überlegt. Die „sportliche Motivation“ des England-Trainers gegen Deutschland war auf der Titelseite einer großen Sportzeitschrift abgedruckt. Unfassbar peinlich, unpassend und sogar dämlich.

Was Deutschland unter Hitler veranstaltet hat, wurde zu Recht verurteilt. Genauso sinnlos war das Abfackeln von Menschen. Daran hat sich nach 76 Jahren nichts geändert. „Danke“ Gareth Southgate. Die Erinnerung ist in mir wieder wach geworden.

Christian Zschiedrich

Kaderplanungen bei Hertha und Union

Das wichtige 2:1 erzielte der gebürtige Berliner Jessic Ngankam in der 74. Minute – eingewechselt kurz zuvor. Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er für Hertha. Neun Spiele in Folge zuvor stand er nicht im Kader. Dramatisch war der Spielverlauf in der Veltins-Arena auf Schalke am 31. Spieltag.

Vielleicht rette Ngankam Hertha BSC auf Schalke vor dem Abstieg. Er ist aus Herthas Jugend hervorgegangen. Nun kam die Kunde von der schweren Knieverletzung. Nicht nur das Kreuzband soll kaputt sein. Tragisch für ihn. Er war nicht für Herthas neuen Saison-Kader geplant, sondern nach Fürth ausgeliehen.

Hertha will nicht wieder in Abstiegsnöte geraten und hofft, dass Suat Serdar, für 7 Millionen Euro von Schalke 04 gewechselt, bei Herthas Sturm-Problemen helfen kann. Es hat sich herumgesprochen, dass Hertha Geld hat. Fredi Bobic wird bei der Kaderzusammenstellung mehr als den Verantwortlichen in den Jahren zuvor zugetraut.

Prince Boateng soll die Mannschaft auf und neben dem Platz führen. Seine Fitness lässt wohl noch zu wünschen übrig, es ist ja noch Zeit bis zum ersten Punktspiel.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto: Hans Becker

Einen fähigen Kaderplaner kann auch der 1. FC Union vorweisen. Der Verein, hat in der vergangenen Saison den Rivalen aus Charlottenburg überflügelt. Wie wird es in der kommenden Saison aussehen, kann Hertha den Spieß wieder umdrehen? Wir sind am Ball und beobachten das Geschehen erforderlich kritisch.

Der 1. FC Union musste einige Leistungsträger abgeben. Erfahrungsgemäß ist der erneute Umbruch, Union verpflichtete bisher elf neue Spieler, eine ganze  Mannschaft, nie ganz einfach. Es braucht wieder eine Portion an Glück.

Bei der Hertha wird es zunächst darauf ankommen, dass die Chemie in der Führungsetage wieder stimmt. In Köpenick scheinen die Wege kürzer zu sein. Von Querelen in der sportlichen Leitung ist nichts bekannt. Wenn das Geld nicht so reichlich vorhanden ist, kommt es umso mehr auf die Geschlossenheit der Mannschaft an. Das hat in der letzten Saison gut funktioniert.

Im Fußball soll fast alles möglich sein. Warten wir ob, die Eisernen ihr Husarenstück wiederholen können. Schlussendlich führte der Weg bis in die neu geschaffene Conference League. Da laufen bereits die Qualifikationsrunden. Die Eisernen greifen erst in der Play-off Runde (ab dem 19. August) in das Geschehen ein. Sollten sie sich dort qualifizieren, müssen sie ihren Kader breiter aufstellen.

Für Olympia nominiert sind vier Spieler, die in Berlin unter Vertrag stehen. Zwei Unioner und zwei Herthaner, gerecht aufgeteilt, wurden von Trainer Stefan Kuntz berufen. Die Unioner Max Kruse und  Cedric Teuchert und von der Hertha Arne Meier und Jordan Torunarigha treten in Japan an. Max Kruse, voller Elan, freut sich und möchte sich auch in der Olympia-Auswahl beweisen. Arne Meier ist momentan erkrankt und bangt um Tokio. Am 22. Juli startet für die DFB-Auswahl das Turnier in Yokohama gegen Brasilien.

Christian Zschiedrich

Einige Überraschungen zur neuen Saison

Die Bundesliga beginnt am Freitag, dem 13.8.2021 mit Borussia Mönchengladbach – Bayern München. Einen Tag später empfängt der 1.FC Union Bayer Leverkusen und Hertha BSC muss dann am Sonntag, 15.8. beim 1.FC Köln antreten. Neue Anstoßzeiten sind zu beachten.  Es könnte eine spannende Saison werden, leider, wie seit Jahren, nur der Abstiegskampf. An der Spitze wird es eher wieder langweilig zugehen. Die üblichen Verdächtigen werden wieder die Plätze an den Fleischtöpfen unter sich ausmachen. Wer kommt am besten durch die Pandemie? Hertha will eine stabile Saison spielen, Europa ist noch nicht das Ziel. Der 1. FC Union baut schon mal vor. „Das wird eine schwere Saison“, lässt sich Urs Fischer zitieren. Die Eisernen spielen ja international und ziehen dafür ins Olympiastadion um. Sie müssen, den UEFA-Regeln sei Dank.

Wie immer geht es los bei den Erstligisten, mit den Spielen in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals, diesmal ab dem 6. August. Für unsere Berliner Bundesligisten bestimmte das Los Reisen zu Drittligisten. Hertha BSC fährt in den Norden nach Meppen und der 1.FC Union südwärts zu Türkgücü nach München.  Der dritte Berliner Vertreter könnte der BFC Dynamo sein. Zugelost wurde der VfB Stuttgart. Ein Gerichtsentscheid steht allerdings noch aus. Blau Weiß 90 hat ja bekanntermaßen Protest eingelegt. Die Zeit läuft allmählich davon. Der BFC hatte ja das Finale im Berliner Pokal gegen den BAK 07 für sich entschieden. Die Oberligisten sollten verzichten.

Bereits im Juli nehmen die 2. Bundesliga und die 3. Liga den Spielbetrieb auf. Schalke 04 gegen den Hamburger SV, gleich am 1. Spieltag, was will man mehr. Die 3. Liga eröffnet mit der Partie VfL Osnabrück gegen den MSV Duisburg. Aufsteiger Viktoria 89, nun endlich wieder ein Berliner Verein in der 3. Liga, hatte zunächst Probleme mit der Spielstätte. Die entscheidende Hürde wurde genommen. Das Jahnstadion darf genutzt werden. Alle anderen Bemühungen, auch im Umland, scheiterten. Die Premiere in der neuen Liga erfolgt am Sonntag, 25. Juli gegen den Namensvetter aus Köln. Mal sehen, welcher Verein seinen Namen zu Recht trägt oder gibt ein Unentschieden zum Auftakt.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Headlight Pictures

Die Regionalliga Nord Ost beginnt am 25. Juli. Aufsteiger Tasmania trifft zum Auftakt auf Babelsberg 03.

Die Oberliga behandeln wir in Kürze gesondert. Corona brachte einiges durcheinander. Geplant sind 38 Spieltage, sechs mehr als vorgesehen, Sorgen und Probleme genug. 172 Mannschaften sind zum Auftakt der 1. Hauptrunde des Berliner Pokals, am 8. August, beteiligt. Für die Qualifikationsrunde wurden 44 Spiele ab Dienstag, 27. Juli ausgelost.  Dahingestellt sei, ob aus den vielen Testspielen (bis runter in den Kreisklassen) Aufschluss über künftige Qualitäten gezogen werden kann. Zum Meisterschaftsbeginn kann vieles bereits Makulatur sein. Ebenso, was beschert uns die Pandemie?

Christian Zschiedrich

Hertha scheint gelernt zu haben?

Für mich ist es auch, wie auf der virtuellen Mitgliederversammlung verkündet, ein Sieg der Vernunft, dass Trainer Pal Dardai mit seinem Team Andreas „Zecke“ Neuendorf und Admir Hamzagic, bis 2022 weitermachen darf. Es hätte wohl kaum ein Berliner und erst recht kein Hertha-Fan verstanden, wenn der Cheftrainer wieder ins hintere Glied zurückgemusst hätte. Letztendlich ist Hertha BSC mit Glück dem Abstieg entgangen und was der Trainer, unter widrigen Bedingungen geleistet hat, war bewundernswert.

Nochmals zur Erinnerung, Ngankam erzielte in der 73. Minute den Siegtreffer für Hertha auf Schalke. Wäre es nur Unentschieden ausgegangen, wer weiß ? Vielleicht hätte Hertha statt Köln durch die Mühle der Relegation gemusst. So war das Spiel in Hoffenheim nur Makulatur. War das eine miserable Saison!

Kommentar Christian Zschiedrich. Foto: Becker

Anerkennenswert, was Arne Friedrich leistete. Die Zusammenarbeit zwischen Sportdirektor und Cheftrainer passte. Die Zusammensetzung des Kaders passte nicht, das hatten beide nicht zu verantworten. Für die neue Saison wird Hertha hoffentlich ein besseres Händchen in der Kaderplanung haben. Nach dem Klassenerhalt hatte Pal Dardai darauf hingewiesen, dass es bei seinem Amtsantritt vorne und hinten nicht passte. Einige Profis hatten Probleme einfachste Regeln der taktischen Disziplin einzuhalten.

Pal Dardai ist Herthaner durch und durch. Für einen anderen Verein will er nicht arbeiten. Die Ansprüche bleiben bei Hertha BSC hochgesteckt. Der Trainer muss dem gerecht werden und die Mannschaft weiter entwickeln. Der bloße Klassenerhalt wird nicht das Saisonziel sein.

Präsident Werner Gegenbauer ist im Verein nicht unumstritten. Seine Sympathiewerte sind gesunken. Bei seiner Wiederwahl im Oktober 2020 hatte er lediglich einen Zuspruch von 56 Prozent. Selbstkritik ist angebracht. Hertha hat aktuell 38.407 Mitglieder. Sie freuen sich darüber, in Berlin wieder zahlenmäßig vor Union (37.464 Mitglieder) zu liegen. An der digital ausgetragenen Mitgliederversammlung nahmen 2.422 stimmberechtigte Mitglieder teil. Präsident Werner Gegenbauer überstand einen von Mario Pfeifer eingebrachten Antrag auf Abberufung – Ergebnis: 982 Stimmen für Gegenbauer, 622 für seine Abwahl, bei 95 Enthaltungen. Trotzdem, Hut ab vor Gegenbauer, der sich immerhin seit 2008 in der Führung behauptet. Es folgten nach dem gescheiterten Abwahlantrag erzürnte Kommentare: So ohne jegliche Alternative stürzt man keinen Präsidenten.

Die Zeichen für Verbesserungen wurden verbal gegeben. Gegenbauer wird sich über Versäumnisse und Fehler seine Gedanken machen. Kein vorzeitiges Ende also, hoffentlich eine gute Perspektive für die Zukunft. Am 1. Juni 2021 trat Fredi Bobic sein Amt an. Wir bleiben am Ball und werden in Kürze über das Wirken von Carsten Schmidt, sein Einvernehmen mit Investor Lars Windhorst berichten und darüber hinaus, was es neues gibt vom Sportdirektor und Kaderplaner.

Was wurde zur neuen Saison noch verkündet? Es gibt es wohl keine Dauerkarten. Der Bier-Partner Berliner Kindl verlängert um weitere drei Jahre, Ärmelsponsor Hyundai verlängert bis 2022 und das neue Trikot soll Anfang Juli in den Handel kommen.

Christian Zschiedrich

Herthas Rettung

Mann-o -mann, war Herthas Sieg wichtig! Nach dem Schlusspfiff mit der quälend langen Nachspielzeit hatte sich die „Alte Dame“ zwei Matchbälle für direkten Klassenerhalt erspielt. Die Nerven lagen blank, der Schiedsrichter zeigte dem erbosten Dardai Senior die gelbe Karte. Mit seinem spitzbübischen Lächeln kommentierte der Hertha-Trainer anschließend: „Wir haben uns die Meinung gesagt, alles ist gut.“

Das 2:1 erzielte der gebürtige Berliner Jessic Ngankam in der 74. Minute – eingewechselt kurz zuvor. Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er für Hertha. Neun Spiele in Folge stand Ngankam nicht im Kader. Dramatisch der Spielverlauf in der Veltins-Arena auf Schalke. Bloß nicht das erste Tor kassieren, sondern selbst die Führung erzielen, war die Devise. Trotz neun, nicht zur Verfügung stehenden Spieler wurde nicht gejammert. Geschwächt schien vor allem die Offensive. Dem Spiel war deutlich anzumerken, es fehlten der Hertha Angriffsspieler.

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Sportick

Schalke ging  früh, das 1:0 fiel nach sieben Minuten, durch Harrit in Führung und hatte weitere Chancen. Boyata beruhigte die Nerven, sein Kopfball, nach Flanke Plattenhardt, saß. Mit dem 1:1 wurden auch die Seiten gewechselt. Dilrosun ließ eine Möglichkeit in der 44. Minute liegen. Hertha wurde im zweiten Durchgang besser, Radonjic ans Außennetz, Piateks Kopfball parierte Fährmann und Boyata traf den Pfosten. Schließlich wuchtete Ngankam per Linksschuss aus 20 Meter ins Gehäuse. Ein weiteres wichtiges Tor von ihm in dieser Saison, er traf in München zum zwischenzeitlichen Ausgleich, da reichte es nicht ganz für einen Punkt. Diesmal war es der siegbringende Treffer.

Ab der 83. Minute mussten die Gäste aus Berlin in Unterzahl weiter spielen. Der eingewechselte Lukebakio, sah zum zweiten Mal Gelb. Eine nur als dämlich zu bezeichnende Aktion ließ dem Schiedsrichter keine andere Wahl.

Der Fußballgott stand in diesem Match auf Herthas Seite. Mustafi traf nach einem Standard zunächst per Kopf den linken Pfosten und beim Nachschuss scheiterte Raman am Aluminium. Es lief bereits die dritte Minute der Nachspielzeit. Der Fußballgott stand in diesem Match auf Herthas Seite.

Nach der Quarantäne holte Hertha sieben Punkte aus drei Spielen. 1:1 in Mainz, dem folgte ein 3:0 gegen Freiburg und der Sieg auf Schalke. Ein Unentschieden im letzten Heimspiel gegen die zuletzt mit 1:4 gegen den SC Freiburg untergegangenen Kölner, dann kann auch Hertha, aktuell 34 Punkte rein rechnerisch nicht mehr direkt absteigen und mit einem Sieg wäre auch die Relegation at acta gelegt. Der FC mit Friedhelm Funkel wird nicht mit allzu großem Selbstvertrauen nach Berlin kommen und steht mit dem Rücken zur Wand.

Da lohnt es sich, bis zum Umfallen zu kämpfen, der rettende Hafen ist in Sicht. Der Berliner Junge Jessic Ngankam muss infolge der Stürmerflaute von Anfang an spielen. Krzysztof Piatek zog sich auf Schalke einen Bruch des Sprunggelenks zu, Lukebakio gesperrt, Cunha und Cordoba, die beiden Top-Torschützen, sind weiter verletzt. Mittelstädt und Darida sind ebenfalls angeschlagen. Es wird Abstiegskampf pur werden im Berliner Olympiastadion. Mal sehen, ob sie bereits den ersten Matchball nutzen können?

Christian Zschiedrich

Hertha muss die vielen Negativ-Kritiken wegstecken

Die Befürchtungen, dass Hertha nach einem guten Spiel – 3:0 gegen den SC Freiburg – ein schlechtes Folgen lässt, bewahrheitete sich beim 0:0 gegen Bielefeld. Bild sei mit „mau, harm- und ideenlos“ noch recht bescheiden zitiert. Der gesamte Berliner Blätterwald schien Herthas Auftritt überhaupt nicht zu verstehen. Umso lobenswerter wird garantiert geschlussfolgert werden, wenn Pal Dardai mit diesem Team letztendlich den Klassenerhalt geschafft haben sollte. Außerdem ist ja jetzt am Mittwoch, dem 12.05., auf Schalke wieder ein gutes Spiel zu erwarten. Und das dürfte dann zumindest die Hertha-Anhänger besser stimmen, als ein Sieg über Bielefeld. 

Wechselweise gute und schlechte Spiele sollten im Abstiegskampf nicht weiter fortan geboten werden. Das könnte in die Hose gehen. Versuchen wir, dem 0:0 im Heimspiel noch etwas Gutes abzugewinnen. Bielefeld wird in dieser Saison zweifelsfrei stärker als Schalke 04 eingeschätzt. Die Gefahr selbst ein Tor zu kassieren, war durchaus gegeben. Insofern verstehen bestimmt Insider, dass Hertha nicht aufgemacht hat, um Bielefelds Abwehr zu knacken. Zwei Siege in den letzten drei Spielen und Hertha ist gerettet. Allerdings ist im Fußball bekanntlich alles möglich. Zum Beispiel ist im Match zwischen Schalke und Hertha, der ausgesprochenen Zuneigung wegen, vielleicht kein Auswärtssieg zu erzielen. Dann wäre man im Nachhinein schlauer und hätte gegen Bielefeld die drei Punkte lieber einfahren sollen.

Was dann auf alle Fälle zur Sprache kommen wird – verstehe einer bloß die Rotation! Die überzeugende Mannschaft gegen Freiburg war von der Kondition doch so schlecht nicht, dass sie Erholung brauchte. Schließlich sind wir bei möglichen fünf Auswechselungen pro Partie gelandet. Da allein spielt die Qualitätsbreite im Gefüge eine große Rolle. Erst die nötigen Punkte einfahren und dann an Erholung denken, wäre aus meiner Sicht logischer. Ich wundere mich überhaupt nicht, dass viele Reporter in der Berichterstattung von einer guten und einer weniger guten Mannschaft sprechen. Man könnte sogar schlussfolgern, im Abstiegskampf zählt das „blinde Verstehen“, das „Eingespieltsein“ eines Teams nicht.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich rechne am Mittwoch beim abgeschlagenen Tabellenletzten selbstverständlich mit einem Sieg, auch wenn drei Tage darauf im Heimspiel gegen Köln gleich noch einmal die Fahnen geschwenkt werden dürfen.

Christian Zschiedrich

Unangenehme Freiburger in Berlin

In Mainz musste Hertha eher mit einer Niederlage rechnen. Diesmal aber hat mir die Einstellung der Berliner gefallen. Mainz brauchte einen „Sonntagsschuss“ um die Punkteteilung zu schaffen. Torwart Alexander Schwolow hat mir mit seinen Paraden, dem Stellungsspiel und Reaktionen besonders gefallen. Endlich konnte von einem Team und einer kämpfenden Einheit der Berliner gesprochen werden. In Heimoffice die Spiele der anderen zu schauen, hat bestimmt auch etwas gebracht. Schließlich wollen die Spieler weiter in Liga Eins ihr Geld verdienen. Wie aber geht’s weiter?

Zu erwarten ist oder etwa nicht, einem guten Spiel folgt ein schwaches. Den mit 41 Punkten gesicherten Freiburgern, aktuell Platz neun der Tabelle, sitzt nicht, wie den Herthanern, die sprichwörtliche Faust im Nacken. Ich erwarte einen Heimsieg! Das müsste doch mit der qualifizierteren  Spielkultur zu schaffen sein. Nach zwei Spielen ab der Quarantäne wären das dann vier Punkte. Da ist mehr als Daumendrücken angesagt. Schafft Hertha mehr als die Relegation?

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Hans-Peter Becker

Wäre ich Hertha-Trainer, rutschte mir bestimmt mal der Satz raus: “Viele Köche verderben den Brei!“ Ich wollte stets eigene Ideen verwirklichen. Ein Führungsgebilde – Präsident, Sportdirektor, Trainer – reichte mir stets. Nun bin ich aber mittlerweile 82 Jahre alt. Erfahrung soll ein hohes Gut sein. Schon aus dem Grunde schreibe ich den Herthanern ins Stammbuch, in der Not gezielt in die Mannschaft zu investieren, als in die Führungsetage.

Der aktuelle Rausschmiss von Jens Lehmann wird zu verkraften sein. Er hat kein Glück, der Investor mit seinen Aufsichtsräten. Auch, wenn ich den Jens Lehmann stets als eine ehrliche Haut angesehen habe.

Nun gut, Fredi Bobic könnte was bewirken. Jetzt kommt noch, als Kaderplaner Dirk Dufner. Was wird aus Arne FrIedrich? Um Himmels willen, was hat Michael Preetz nur hinterlassen. Wen könnte man noch holen? Mir fällt da Dick van Burik ein.

Leider ist es so, Hertha muss erst den Verbleib in der Elite-Liga sichern und muss parallel für die 2. Liga planen. Im Vergleich zu Union: Die Köpenicker konnten schon zwei Spieler für die neue Saison unter Vertrag nehmen und verhandeln in aller Ruhe. Der Klassenerhalt steht fest, genauso ist es gewiss, Dirk Zingler bleibt Präsident bis 2025. Nun, lenken wir nicht ab, am Donnerstag, 6. Mai entscheidet sich für die Hertha, ob der nächste Schritt erfolgreich ist.

Christian Zschiedrich  

Wer macht künftig das Rennen in Berlin ?

Gut, aktuell ist der 1. FC Union klar die Nummer 1. Man stelle sich vor, Hertha entgeht mit Glück und Geschick dem Abstieg und schafft den Klassenerhalt. Gravierende Veränderungen gab’s ja, bis auf den Präsidenten in der Führung. In der kommenden Saison sollten sich die frappierenden Fehler, das will ja keiner zum zweiten Mal erleben, nicht wiederholen. Wahrscheinlich wird Union nur in einer Saison die Nummer 1 bleiben. Das einzige, was ich in 12 Jahren unter Manager Dieter Hoeneß zum Vorwurf erhebe: dass er 30 Mark für Hertha ausgegeben hat, wenn nur 20 Mark zur Verfügung standen (wie sollte er es denn auch anders machen), sein größter Fehler, er hat Michael Preetz, seinen Nachfolger, in Sachen Einkaufspolitik und insgesamt nicht richtig angelernt.

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Hans-Peter Becker

Hertha wird in den ausstehenden sechs Spielen um den Klassenerhalt zittern. Hoffentlich setzt sich nicht fort, nach einem guten Spiel ein miserables Folgen zu lassen. Von den sechs Spielen müssen bei bisher nur 26 Punkten und dem vorletzten Platz mindestens vier (!) gewonnen werden! Das Entscheidende, weshalb Union in der Hauptstadt Spitze ist, ist die herausragende Kader-Politik mit Top-Einkäufen. Allerdings läuft Union Gefahr, entscheidende, wichtige Spieler zu verlieren und im Vergleich zu den Investment-Millionen von Hertha und anderen Bundesliga-Clubs nicht mithalten zu können. Gelobt sei das Finanzgebaren.

Ab dem 3. Mai entscheiden 20 Tage bei sechs Spielen über den Verbleib von Hertha BSC. Hertha hat alles in der eigenen Hand. Einfacher als gegen Mitabstiegs-Konkurrenten wäre es, gegen gesicherte Teams im Mittelfeld der Tabelle zu spielen oder sich gegen sich Champions- und Europa-League qualifizierte, Punkte erkämpfen zu können. Bei Herthas sogenannten Sechs-Punkte-Spielen fragt es sich, stellt Hertha wirklich ein Team, in dem „EINER FÜR DEN ANDEREN“ sich aufopfert. Laut Dieter Hoeneß sind die Spiele in Mainz und zum Abschluss in Hoffenheim die schwersten. Angeblich wird es Werder Bremen in seiner Negativspirale, sieben Pleiten in Folge, am schwersten haben, da herauszukommen.

6 Spiele in 20 Tagen: 3.5. in Mainz, 6.5. in Berlin gegen Freiburg, 9.5. in Berlin gegen Bielefeld, 12.5. auf Schalke, 15.5. in Berlin gegen Köln und am 22.5. auswärts in Hoffenheim. Dieter Hoeneß schaffte mit Trainer Jürgen Röber am vorletzten Spieltag in der Saison 1997/98 die Rettung. Wir wünschen die Duplizität der Ereignisse.  

Christian Zschiedrich

Bescheidene Aussichten für Hertha BSC

Sind wir realistisch, auch ohne Corona-Infizierung und Quarantäne wäre es schwer genug, dem Abstieg zu entrinnen. Jetzt hoffen wir, dass sich die Vor- und Nachteile etwa die Waage halten und Hertha in der Bundesliga verbleiben kann.

Zur Pandemie kommen nun auch noch Spaltungs-Absichten und Pläne des Kapitals in Sachen Super League hinzu. Das geht auf Mark und Knochen des geliebten Fußballsports, der sich von vielen und mir prophezeit, selbst kaputt macht. So mit ungehörten Warnungen seit Jahren, was in Sachen Geld-Sucht geschieht, von Menschen, die den Sport in erster Linie vor Augen haben. Was regte sich mein Schwiegervater und der im Handballsport in Berlin bekannte Erich Richter auf. Ihre Stimmen verhallten, mittlerweile liegen sie schon längst unter der Erde. Ich sah mich für meine 25-jährige Lokalsportsendung TV SPORT IN BERLIN ständig mit nicht gewährten Senderechten problematisiert.

Zurück zu Hertha, in Abwägung der angesprochenen Vor- und Nachteile nenne ich zuerst ein paar Vorteile: Die hat garantiert eine hungrige, ausgeruhte, verletzungsfreie Mannschaft. Zwei Wochen richtig genutzte Pause, können Kräfte mobilisieren und frei machen. Wer allerdings zur absoluten Ruhe gezwungen ist, beginnt erfahrungsgemäß bereits nach zwei Wochen bei null. Fahrradergometer und Laufband im Wohn- oder Schlafzimmer helfen, ersetzen keineswegs das Fußball-Training.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Hans-Peter Becker

Wenn kein Mannschaftstraining erfolgen kann, dann sind wir bei entscheidenden Nachteilen angekommen. Hertha steht aktuell auf Platz 16, dem Relegationsplatz und wird wahrscheinlich auf Platz 17, einem direkten Abstiegsplatz ins Geschehen eingreifen können. Arne Friedrich überlegt, ob wechselweise mit zwei verschiedenen Mannschaften gespielt werden soll. Das wäre meiner Meinung nach zu risikoreich. Das kann man in Test- und Freundschaftsspielen nicht aber in Punktspielen machen. Vom „blinden Verstehen“ hat Arne Friedrich bestimmt selbst Erfahrungen sammeln können.

Bereits vor der Quarantäne war ich in Bezug des Ausgangs des Aufeinandertreffens mit Mainz 05 der Ansicht, die kämpferische Komponente wird aufseiten der Mainzer liegen. Wie ist es mit Köln und den Mitkonkurrenten? Interessant und spannend, was Bielefeld gegen Schalke und Werder Bremen gegen Mainz machen wird. Wer der Herthaner bleibt denn künftig in Liga Zwei?  Fredi Bobic, Ja!  

Christian Zschiedrich

Bobic und Hütter weg – ist denn Gladbach beliebter und „beleibter“ als Frankfurt?

Dass Sportdirektor Fredi Bobic nach erfolgreichem Managen wegwill, das war angekündigt und hat bestimmt andere Gründe, als jetzt bei Trainer Adi Hütter. Für Bobic ist jetzt der Weg frei. Ab 1. Juni wird Bobic neuer Geschäftsführer bei Hertha BSC. So die Bekanntgabe nach einem Präsidiums-Beschluss. Über die Vertragsdauer machte der Club zunächst keine Angaben. Bobic, Europameister von 1996, steht bei Eintracht Frankfurt noch bis zum 1. Juni 2021 unter Vertrag. Er soll die Alte Dame wieder in erfolgreichere Zeiten führen. Fredi Bobic: „Ich freue mich, ab Sommer wieder Teil der Hertha-Familie zu sein. Nach meiner Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, gab es offene und überzeugende Gespräche, insbesondere mit dem Präsidenten Werner Gegenbauer.“

Hütter geht zum Bundesliga-Rivalen Borussia Mönchengladbach, vertraglich bis 2024. Da muss in Frankfurt nicht unbedingt die Talfahrt wie bei den Borussen, noch mit Trainer Marco Rose, einsetzen. Doch die Entscheidung von Hütter verwundert, weil Frankfurt ja vor einer möglichen Champions League-Premiere steht. Welch historische Chance und Hütter ist der Coach der Saison. Ein guter Trainer ist eben viel wert – Beispiel das Glück von Hertha BSC mit Bruno Labbadia.  

Täuschte etwa der Eindruck, dass sich Adi Hütter in Frankfurt wohlfühlte? Frankfurt bietet ja als Sportstadt eine ganze Menge. Ansässig ist der DFB mit seiner Zentrale. Es wird wieder einmal das Geld sein. Selbst die üppige Summe, die die Hessen für den eigentlich bis  2023 gebundenen Cheftrainer bekommen (kolportierte 7,5 Millionen), spricht Bände und nicht unbedingt für die Branche Fußball, in der auch für Trainer Millionen-Gehälter bezahlt werden. Ist Gladbach denn wirklich so gut „besattelt“?

Christian Zschiedrich kommentiert © Foto Sportick

In Frankfurt geht zudem Sportdirektor Bruno Hübner. Das ist die komplette Führungsriege. Ralf Rangnick (62) sagte auf Schalke wohlbegründet ab, liebäugelt jetzt nur, wenige Stunden nach der Abgangs-Verkündung von Hütter, mit Frankfurt. Wortbruch wird Hütter vorgeworfen. Da platzt wahrscheinlich die nächste Bombe. Nur mit wem redet Rangnick? Philip Holster ist Aufsichtsrat-Vorsitzender in Frankfurt und Ralf Rangnick ohne Verein. Im September 2018 wurde er Leipzig-Trainer und ab 2019 war er „Head of Sport and Development Soccer“. Der Plan in Frankfurt, Rangnick soll Trainer und Sportdirektor in Personalunion werden. Nicht nur der Spielermarkt ist in Bewegung. Schau’n war mal…

Christian Zschiedrich