Der 1. FC Union rüstet auf – weitere Geschäftsführer berufen

Das Präsidium des 1. FC Union Berlin nimmt die Entwicklung des Vereins und seiner Tochtergesellschaften in den vergangenen Jahren zum Anlass, die Geschäftsführung inhaltlich und personell zu erweitern.

Den Geschäftsbereich Marketing und Vertrieb, der zuletzt von Thomas Stäpke, Geschäftsführer Finanzen, kommissarisch geleitet wurde, verantwortet künftig Jan Boysen. Der 40-jährige Diplom-Ökonom leitete bisher das Team Sponsoring und Vermarktung des 1. FC Union Berlin und übernimmt die neue Aufgabe nach Übergabe der bisherigen Tätigkeit an einen neuen Teamleiter.

Neu geschaffen wird der Geschäftsbereich Digitalisierung. Für diesen zeichnet ab 01.10.2021 die 45-jährige Anja Kasper verantwortlich. Die Diplom-Betriebswirtin bringt langjährige Erfahrung bei der Leitung digitaler Projekte der Daimler AG mit und wird sich künftig den digitalen Herausforderungen für Union annehmen.  

Thomas Stäpke wird sich als Geschäftsführer Finanzen ab sofort mit besonderem Augenmerk der Finanzierung und dem Baukostencontrolling für die anstehenden Bauprojekte Neubau des NLZ und Ausbau des Stadions An der Alten Försterei widmen. 

„Den Anforderungen an einen schnell wachsenden Bundesliga-Club wollen wir uns auf allen Ebenen stellen, um den gesamten Verein und seine Tochtergesellschaften kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Professionalisierung und Spezialisierung der Geschäftsbereiche ist dafür unabdingbar, deshalb freuen wir uns, mit Anja Kasper und Jan Boysen künftig zwei neue ausgewiesene Fachleute in unseren Reihen zu wissen“, so Union-Präsident Dirk Zingler. „Mein Dank gilt zudem Thomas Stäpke, der die kommissarisch übernommene Aufgabe erfolgreich gemeistert hat und den Bereich Marketing und Vertrieb nun an Jan Boysen übergibt.“

Komplettiert wird die Geschäftsführung von den Präsidiumsmitgliedern Oskar Kosche (Lizenzierung) und Lutz Munack (Nachwuchs- und Amateurfußball), sowie Oliver Ruhnert (Profifußball) und Christian Arbeit (Kommunikation).

Quelle: 1. FC Union Berlin/Petra Mattuscheck

Unangenehme Freiburger in Berlin

In Mainz musste Hertha eher mit einer Niederlage rechnen. Diesmal aber hat mir die Einstellung der Berliner gefallen. Mainz brauchte einen „Sonntagsschuss“ um die Punkteteilung zu schaffen. Torwart Alexander Schwolow hat mir mit seinen Paraden, dem Stellungsspiel und Reaktionen besonders gefallen. Endlich konnte von einem Team und einer kämpfenden Einheit der Berliner gesprochen werden. In Heimoffice die Spiele der anderen zu schauen, hat bestimmt auch etwas gebracht. Schließlich wollen die Spieler weiter in Liga Eins ihr Geld verdienen. Wie aber geht’s weiter?

Zu erwarten ist oder etwa nicht, einem guten Spiel folgt ein schwaches. Den mit 41 Punkten gesicherten Freiburgern, aktuell Platz neun der Tabelle, sitzt nicht, wie den Herthanern, die sprichwörtliche Faust im Nacken. Ich erwarte einen Heimsieg! Das müsste doch mit der qualifizierteren  Spielkultur zu schaffen sein. Nach zwei Spielen ab der Quarantäne wären das dann vier Punkte. Da ist mehr als Daumendrücken angesagt. Schafft Hertha mehr als die Relegation?

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Hans-Peter Becker

Wäre ich Hertha-Trainer, rutschte mir bestimmt mal der Satz raus: “Viele Köche verderben den Brei!“ Ich wollte stets eigene Ideen verwirklichen. Ein Führungsgebilde – Präsident, Sportdirektor, Trainer – reichte mir stets. Nun bin ich aber mittlerweile 82 Jahre alt. Erfahrung soll ein hohes Gut sein. Schon aus dem Grunde schreibe ich den Herthanern ins Stammbuch, in der Not gezielt in die Mannschaft zu investieren, als in die Führungsetage.

Der aktuelle Rausschmiss von Jens Lehmann wird zu verkraften sein. Er hat kein Glück, der Investor mit seinen Aufsichtsräten. Auch, wenn ich den Jens Lehmann stets als eine ehrliche Haut angesehen habe.

Nun gut, Fredi Bobic könnte was bewirken. Jetzt kommt noch, als Kaderplaner Dirk Dufner. Was wird aus Arne FrIedrich? Um Himmels willen, was hat Michael Preetz nur hinterlassen. Wen könnte man noch holen? Mir fällt da Dick van Burik ein.

Leider ist es so, Hertha muss erst den Verbleib in der Elite-Liga sichern und muss parallel für die 2. Liga planen. Im Vergleich zu Union: Die Köpenicker konnten schon zwei Spieler für die neue Saison unter Vertrag nehmen und verhandeln in aller Ruhe. Der Klassenerhalt steht fest, genauso ist es gewiss, Dirk Zingler bleibt Präsident bis 2025. Nun, lenken wir nicht ab, am Donnerstag, 6. Mai entscheidet sich für die Hertha, ob der nächste Schritt erfolgreich ist.

Christian Zschiedrich  

Crona und Finanzen – 1. FC Union macht 7 Millionen Minus

Die Mitgliederversammlung des 1. FC Union konnte nur virtuell stattfinden. Zunächst verlegt, in der Hoffnung doch noch zu einer Präsenzveranstaltung zusammenkommen zu können, mussten nun link’s an die Vereinsmitglieder verschickt werden. Aktuell hat der Verein 37.417 Mitglieder, 3.803 davon loggten sich ein, beteiligten sich und bekamen die Informationen aus erster Hand.

Leider passt die sportliche Bilanz nicht zu der finanziellen. Präsident Dirk Zingler war kurzfristig aus dringenden persönlichen Gründen verhindert, so hielt Präsidiumsmitglied Oskar Kosche den Rechenschaftsbericht. „Die Bereitschaft, die spürbaren Einnahmerückgänge gemeinsam zu tragen, war beeindruckend. Ob Mitglieder, Mitarbeiter, Partner, Banken und Sponsoren – alle haben dazu beigetragen, dass die vergangene Spielzeit sportlich erfolgreich mit dem Klassenerhalt beendet werden konnte. Sportlicher Erfolg, das haben die letzten Jahre bewiesen, ist die wichtigste Komponente, um auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. In diesem Fall bedeutet das, dass wir trotz eines negativen Betriebsergebnisses die nötigen Voraussetzungen schaffen konnten, um das Ziel Klassenerhalt in der Bundesliga erneut mutig und selbstbewusst in Angriff zu nehmen.“ Corona hat den Wachstumskurs jäh unterbrochen und ein Loch von 7,44 Millionen in den Etat gerissen. Insgesamt erwirtschaftete der Verein im Aufstiegsjahr, in der Saison 2019/20 70,40 Millionen Euro, musste allerdings Ausgaben in Höhe von 77,84 Millionen Euro stemmen. In der BZ wurde Kosche dazu mit den Worten zitiert: „Bilanziell betrachtet ist die Arbeit von zehn Jahren innerhalb von dreieinhalb Monaten vernichtet worden.“ Trotz des Schuldenstandes wird, auch eine Aussage Kosches, wird der Verein in der Lage sein, „die fälligen Verbindlichkeiten fristgemäß zu bedienen.“

Die Pandemie hat die Eisernen in der stabilsten Phase der Vereinsgeschichte getroffen. Weitere Einsparungen bei den Spielergehältern und in anderen Bereichen sind zunächst nicht geplant. Geholfen hat der Transfer von Stürmer Sebastian Andersson zum 1. FC Köln, der inoffiziell etwa 6 Millionen gebracht haben soll.

Für die gerade laufenden Saison, die bereits unter Corona-Bedingungen geplant wurde, wird mit Erträgen von voraussichtlich 77,79 Mio. Euro und Ausgaben von 77,75 Mio. Euro gerechnet. Am Ende soll wieder ein kleiner Überschuss von stehen.

Zur Sprache kamen in der Versammlung Fragen zum Stand der Dinge beim Stadionausbau und Neubau des Nachwuchsleistungszentrums.

Das seit 2017 laufende vorhabenbezogene Bebauungsplanverfahren zur Erweiterung des Stadions An der Alten Försterei konnte noch nicht abgeschlossen werden. Über die zukünftige verkehrliche Erschließung im Bereich des ÖPNV sowie die Erörterung hierzu notwendiger Übergangsregelungen ist bislang noch keine abschließende Einigung erzielt worden. Der Erhalt des angestrebten Planungsrechts erscheint aber bis zum Ende des Jahres 2021 möglich.

Bei der Errichtung des zentralen Nachwuchsleistungszentrums am Köpenicker Bruno-Bürgel-Weg ist mit der Unterzeichnung des Erbbaupachtvertrages im Dezember 2020 ein entscheidender Schritt gelungen. Ein Baubeginn ist nach Erteilung der notwendigen Baugenehmigungen im Sommer 2021 realistisch.

Am Tag zuvor, am Dienstag, 26. Januar fand die Hauptversammlung der Stadionsbetriebs AG statt. Wie die Mitgliederversammlung konnten auch die Aktionäre lediglich virtuell zusammenkommen. Bis zu 7.197 Stimmen waren durch die im System angemeldeten Aktionäre, deren Bevollmächtigte sowie durch die Inanspruchnahme des Stimmrechtsvertreters der Gesellschaft vertreten und stimmten allen Anträgen der Tagesordnung mit deutlicher Mehrheit zu. So wurden Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2019/20 entlastet und der Jahresfehlbetrag der Gesellschaft in Höhe von 605.299,66 Euro auf neue Rechnung vorgetragen. Ein Verlust war somit auch in diesem Bereich zu verzeichnen. Dieser Betrag deckt sich mit Mietminderungen vonseiten des Vereins verursacht durch die Geisterspiele.

Hans-Peter Becker

Sebastian Polter kommt nur zum Training

Sebastian Polter, der Derby-Held vom vergangenen Herbst – verwandelte in der Alten Försterei einen Elfer gegen Hertha BSC – wird nicht mehr für den 1. FC Union Berlin auflaufen. Seine weitere fußballerische Zukunft hat er bereits seit einiger Zeit nicht mehr in Berlin-Köpenick gesehen. Der gebürtige Wilhelmshavener kam kurz nach dem Beginn der Saison 2014/15. Er wechselte auf Leihbasis vom FSV Mainz 05 zu den Eisernen. Wurde zum Stammspieler in der 2. Bundesliga und erzielte bei 29 Einsätzen 14 Tore. Er blieb, obwohl inzwischen zum Publikumsliebling avanciert, nicht Berlin. Sein neuer Arbeitgeber wurden die Queen Park Rangers. In der zweiten englischen Liga erzielte er in 51 Spielen 10 Tore und schloss sich am 10. Januar 2017 erneut dem 1. FC Union an. Seine Torgefahr stellte er erneut unter Beweis. Sein Schicksalsmoment wurde der 2. März 2018, als er sich beim Aufwärmen vor dem Spiel in Kaiserslautern einen Achilessehnenriss zuzog. Erst im September kehrte er auf den Rasen zurück. Im Heimspiel gegen Holstein Kiel wurde er in der 76. Minute eingewechselt und traf in der Nachspielzeit mit einem spektakulären Fallrückzieher zum 2:0. In der Aufstiegssaison gelangen ihm noch 8 Tore und dazu 2 Treffer im Pokalspiel in Dortmund. In der laufenden Bundesligasaison nach dem Aufstieg wurden es lediglich 13 Einsätze. Hinter Sebastian Polter und Anthony Ujah war er als Mittelstürmer nur die Nummer drei bei Trainer Urs Fischer.

Sebastian Polter © Foto: Hans-Peter Becker

Bis zum Auslaufen seines Vertrages am 30.06.2020 darf Polter lediglich aus arbeitsrechtlichen Gründen am Training teilnehmen. Der 1. FC Union wirft ihm unsolidarisches Verhalten vor. Auf der Homepage des Vereins war dazu folgendes zu lesen: „Es gehört zu den elementaren Werten des 1. FC Union Berlin, dass wir Unioner eine solidarische Gemeinschaft bilden, in der wir füreinander und für unseren Verein einstehen. Sebastian tut das als einziger Spieler der gesamten Lizenzspielerabteilung mit Mannschaft, Trainer- und Betreuerteam leider nicht. Das ist für uns nicht nachvollziehbar und sehr enttäuschend. Es ist meine dringlichste Aufgabe, gerade in schwierigen Zeiten, den Zusammenhalt aller Clubmitarbeiter und Spieler zu schützen, um unsere sportlichen Ziele nicht zu gefährden. Wir haben deshalb entschieden, dass Sebastian ab sofort nicht mehr Teil unseres Spieltagskaders sein wird“, erklärt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, die Entscheidung der Vereinsführung.“

Was ist geschehen ? Nur einen Tag später sah sich die Vereinsführung genötigt, eine Erklärung nachzuschieben. Sie endet mit einer Erklärung der Anwälte von Sebastian Polter. „Sebastian Polter bedauert die ihm am 28.05.2020 mitgeteilte Entscheidung des 1. FC Union Berlin. Sebastian Polter weist den Vorwurf des unsolidarischen Verhaltens jedoch ausdrücklich zurück. Wahr ist, dass sich der 1. FC Union Berlin und Herr Polter wechselseitig Vereinbarungen zur Handhabung des Gehaltes aufgrund der Corona-Pandemie unterbreitet haben. Keine Vereinbarung hat die Zustimmung beider Seiten gefunden. Sebastian Polter betont, dass er sich nicht verweigert hat, seinem Herzensverein während der Corona-Pandemie wirtschaftlich entgegen zu kommen und zu helfen.“

In den Medien hat sich Polter bisher nicht geäußert. Nach Informationen der Berliner Boulevard-Zeitung BZ soll Polter ein Saison-Gehalt von ca. 1,5 Millionen EUR bekommen haben und sicher einer der am höchsten bezahlten Profis. War es nötig, jetzt diese Baustelle aufzumachen ? Der Aufsteiger hat den Klassenerhalt nicht sicher und braucht jetzt alle Konzentration, um in den verbleibenden 6 Spielen die fehlenden Punkte zu holen. In gut 4 Wochen ist Polter mindestens vereinslos und die Moral von der Geschicht ?

Hans-Peter Becker

Unentschieden in der Wuhlheide und Fanproteste

Der 1. FC Union Berlin hat am 24. Spieltag Zähler Nummer 30 geholt. Es kam zustande nach einem 2:2 in der Partie gegen den VfL Wolfsburg. Trotz eines verspielten 2:0 Vorsprung sprach Trainer Urs Fischer von einem wichtigen Punkt, über den er sehr froh ist. In der wieder restlos ausverkauften „Alten Försterei“ ging seine Mannschaft zunächst mit 2:0. Es waren zwei Freistöße von Kapitän Christopher Trimmel, die per Kopf von Sebastian Andersson und später von Marvin Friedrich (sein erster Saisontreffer) ins Tor buggsiert wurden. Aus dem Spiel heraus lief für die Eisernen wenig. Die Wolfsburger hatten gutes Rezept gegen die Angriffsversuche der Eisernen. Es haperte lediglich in der finalen Abschlusshandlung. Da bekamen die Eisernen meist rechtzeitig einen Fuß an den Ball.

In der ersten Halbzeit fiel ein Tor und das Spiel musste wegen einer Protestaktion der Fans zwei Mal unterbrochen werden. Ein Teil Fans protestierte gegen die Sprerre von Dortmunder Fans Auswärtsspielen ihres Vereins in Hoffenheim. Das Banner “ 2017, Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht! Fick Dich DFB ! Über die Wortwahl lässt sich streiten, Fußballer-Sprache. Als freie Meinungsäußerung geht das noch durch. Leider war das nicht alles, es wurden die Plakate mit Hopp im Fadenkreuz gezeigt und auf einem anderen wurde er als Hurensohn bezeichnet. Die Plakate mussten verschwinden und Spiel wurde fortgesetzt.

Gefordert war Stadionsprecher und Kommunikationschef Christian Arbeit, der auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu den Vorgängen Stellung nahm. Es wurde am selben Tag auch eine Erklärung des Präsidenten Dirk Zingler verbreitet.

„Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend. Vor der Herausforderung, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, stehen wir alle. Jeder Einzelne ist aufgefordert, ihr entgegenzuwirken“, positioniert sich Dirk Zingler grundsätzlich und wirbt darüber hinaus im konkreten Kontext des Fußballs für eine differenzierte Sicht.

Aus eigenem Erleben kann ich schildern, dass die Aktion der Waldseite in den anderen Sektoren des Stadions kontrovers diskutiert wurde. Von Zustimmung bis kompletter Ablehung reichte das Spektrum der Meinungen. Es steht zu befürchten, dass es am kommenden Spieltag weiter gehen könnte und dazwischen liegt das Viertelfinale im Pokal.

Spieldaten

1. FC Union Berlin: Gikiewicz –Friedrich, Hübner, Subotic– Trimmel, Andrich, Gentner (73. Prömel), Lenz – Malli (66. Ingvartsen), Andersson, Bülter (83. Ryerson)

VfL Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Knoche, Brooks, P. Otavio – Steffen (63. Mehmedi), Gerhardt, Arnold, Brekalo (88. Klaus) – Ginczek (77. Victor), Weghorst

Tore: 1:0 Andersson (41.), 2:0 Friedrich (56.), 2:1 Gerhardt (60.), 2:2 Weghorst (81.)

Zuschauer: 22 012

 

Berliner Profifußball aktuell – mehr Schatten als Licht

Die Spiele von Hertha und Union hatten eines gemeinsam, eher grauer Liga-Alltag, beide hatten Probleme, eine gute Leistung auf den Platz zu bringen. Der 1. FC Union stand am Freitagabend mit den Fußballgott im Bunde und besiegte den abstiegsbedrohten FC Ingolstadt mit 2:0. Es interessiert hinterher eh nur ein paar Kolumnisten , wie das Ganze zustande kam. Ein umstrittener Foulelfmeter kurz vor der Pause und eine Abstauber von Akai Gogia sorgten für das Ergebnis.

Die kämpferische Auseinandersetzung forderte Tribut in Kartenform. Insgesamt verteilte Schiedsrichter Dr. Robert Kampka acht Karten, einmal Rot, einmal Gelb-Rot und sechs Gelbe, diese Aufzählung spricht nicht unbedingt für eine hohe Qualität im Spiel. Es gibt Spiele, wo die Schiedsrichterleistung Einfluss auf das Ergebniss haben kann. Ingolstadts Trainer Jens Keller musste sich nach dem Spiel auf die Lippen beißen und sein Kollege Urs Fischer räumte ein, einfach das Glück auf unserer Seite gehabt zu haben.

Ab der 75. Minute mussten die von Jens Keller trainierten Ingolstädter mit zwei Feldspielern weniger aus kommen. Nach einer Tätlichkeit flog Almog Cohen mit glatt Rot vom Platz und Robin Krauße sah gelb-rot nach einem harten Einsatz gegen Felix Kroos.

Der Ingolstädter Spieler wurde von einem vermeintlichen Fan des 1. FC Union über einen Tweet antisemitisch beleidigt. Beide Vereine erstatteten Anzeige und der 1. FC Union gab dazu eine Presseerklärung heraus. Präsident Dirk Zingler wird dort mit folgenden Worten zitiert: „Ich schäme mich für solche Unioner. Wir werden alles daransetzen, sie zu isolieren und strafrechtlich verfolgen zu lassen. Union steht für humanistische und demokratische Werte. Wer diese nicht teilt, hat in unserem Verein und in unserem Stadion nichts verloren“. Wir müssen den Kampf gegen die Verrohung unserer Gesellschaft entschlossen aufnehmen und ihn konsequent führen, auch in unseren Reihen.“ Es ist zu hoffen, dass die betreffende Person dingfest gemacht werden kann.

Zurück zum Fußball: Am Sonntag, 10. März werden Fans und Verantwortliche gespannt nach Hamburg geblickt haben. Der Ausgang des Derbys – der HSV siegte mit 3:0 – schickte die Eisernen wieder auf Platz 3 der Tabelle. Ende April kommt der HSV in die Alte Försterei.

Am Samstag, 9. März blieb in Freiburg von den guten Vorsätzen der Alten Dame zunächst nicht viel übrig. Die Freiburger gingen durch Niels Petersen nach einer Unachtsamkeit in der Hertha-Abwehr in Führung. Bis dahin boten beide ein zähflüssiges Spiel in der ersten Bundesliga. In der zweiten Halbzeit drehte Hertha auf. Alles wirkte etwas fahrig, doch der Angriffsdruck zahlte sich aus. Der Kapitän Vedad Ibisevic sorgte für den Ausgleich und leider auch für die Niederlage, als er einen Eckball unglücklich ins eigene Tor lenkte. Das war für Hertha das zweite Eigentor in Folge. So langsam wird es eng mit den internationalen Plätzen. Hertha bleibt in dieser Saison eine Wundertüte. Am kommenden Wochenende, 16. März können sie sich gegen Dortmund im Olympiastadion beweisen.

Hans-Peter Becker

Steven Skrzybski wird Schalker

Was sein jetzt ehemaliger Verein nicht geschafft hat, vollzieht jetzt Steven Skrzybski. Er steigt auf, mit dem Wechsel zu Schalke 04. Der 25jährige unterschrieb in Gelsenkirchen einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2020/21. Überrascht ist keiner im Lager der Eisernen, zumal das Geld, im Vertrag war eine  Ablösesumme im Falle eines vorzeitigen Wechsels festgeschrieben, gebraucht wird. Mit Skrzybski verlässt ein Urgestein und somit eine Integrationsfigur die Köpenicker. Im Januar 2001 kam er als 8jähriger in das Nachwuchsleistungszentrum. Dort durchlief er alle Nachwuchsmannschaften und gab am 13. November 2010 im Alter von 17 Jahren gegen den FSV Frankfurt sein Debüt als Profi. Insgesamt bestritt Steven Skrzybski 143 Pflichtspiele für die Profimannschaft des 1. FC Union Berlin, in denen ihm 30 Treffer gelangen.

Zu seinem Wechsel wird Skrzybski mit folgenden Worten zitiert:“Jeder kann sich vorstellen, dass ich mir die Entscheidung nicht leichtgemacht habe. Union zu verlassen, ist für mich ein besonderer Schritt und natürlich spielt mein neuer Verein dabei eine ganz entscheidende Rolle. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Schalke 04 mich schon immer fasziniert hat. Jetzt dorthin zu wechseln, ist die Erfüllung eines großen Traumes. Union bin ich unendlich dankbar für meine Ausbildung und die jahrelange Unterstützung. Ich wünsche dem Verein und allen, die dazugehören alles Gute und viel Erfolg.“

In einem Interview hatte Vereinspräsident Dirk Zingler geäußert, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird um den Spieler zu halten. Auf Grund seiner Biographie ist er für die Eisernen ein besonderer Spieler. Es ist aber auch verständlich, dass er im besten Alter nach neuen Herausforderungen sucht. In Gelsenkirchen spielt er in der ersten Liga und es winken Einsätze in der Champions-League. „Für uns kommt dieser Wechsel nicht überraschend, im Gegenteil, Steven hat ihn sich mit einer überragenden Saison verdient. Wir wünschen ihm viel Erfolg bei dieser enormen sportlichen Herausforderung“, kommentiert Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball des 1. FC Union Berlin den Wechsel.

Die sportliche Leitung hat jetzt Schwerstarbeit zu verrichten, ein neuer Trainer wird auch weiter gesucht.
Hans-Peter Becker

1. FC Union empfängt Regensburg

Die Situation für den 1. FC Union ist nicht einfach. Am 27. Spieltag stellt sich der Aufsteiger Jahn Regensburg in der Alten Försterei vor. Der letzte Auftritt der Regensburger in der Wuhlheide liegt schon eine Weile zurück, am 26.04.2013 sorgte ein von Torsten Mattuschka verwandelter Foulelfmeter für den 1:0 Sieg der Eisernen am 31. Spieltag. Für den Aufsteiger Jahn Regensburg bedeutete das, den sofortigen Abstieg. Am Samstag reisen die Regensburger wieder als Aufsteiger an. Die Gefahr des sofortigen Abstiegs besteht für sie in dieser Saison nicht. Im Gegenteil, der Jahn ist mit 39 Punkten Tabellenvierter, die Eisernen haben erst deren 35 auf der Habenseite.

Unter Woche gab der Präsident des 1. FC Union Dirk Zingler der Berliner Zeitung ein Interview. Er beantwortete auch Fragen zur Zukunft des Trainers Andre Hofschneider.

„Da brauchen wir gar nicht drum herum reden. Einen Trainerwechsel vollzielt man, um danach bessere Ergebnisse zu erzielen. Der Trainerwechsel führte nicht zu dem Effekt, den die Vereinsführung erzielen wollte. Das ist Fakt….Nur so viel kann ich sagen: André wird auch nach dem Spiel gegen Regensburg noch Trainer sein.“

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, die Mannschaften muss punkten, um nicht vollends in den Abstiegskampf zu geraten und es geht um den Job des Trainers in der nächsten Spielzeit. “Das wird davon abhängen, wie wir die nächsten acht Spiele gestalten. Im Moment stellen wir uns diese Frage nicht, da wir nicht den Fehler begehen wollen, dass wir uns schon jetzt mit den Fragen aus dem Sommer beschäftigen. Das führt nämlich zu einer mangelhaften Konzentration auf das Heute. Und die aktuelle Situation sollten wir alle ernst nehmen. Wer das nicht tut, bekommt Ärger.“

Mit Regensburg kommt eine Mannschaft, die in diesem Jahr noch keinen Auswärtssieg holen konnte. „Wir wollen dort bestehen und etwas Zählbares mitnehmen“, so ließ sich Jahn Trainer Achim Beierlorzer vernehmen. Größere personelle Probleme im Regensburger Lager sind nicht bekannt. Bei den Eisernen dagegen steht wieder ein Fragezeichen hinter Simon Hedlund. Die auf Konter ausgelegte Spielweise der Gäste könnte Hofschneider dazu verleiten, es mit einem offensiven 4-2-3-1 System zu versuchen. Hinter Philipp Hosiner als Sturmspitze könnte Marcel Hartel zentral als hängender Stürmer spielen und an den Seiten Akaki Gogia und Steven Skrzybski. Im defensiven Mittelfeld ist Felix Kroos gesetzt. Wer kommt daneben zum Einsatz, Grischa Prömel oder Stephan Fürstner. In der Innenverteidigung steht Frage, ob nicht Toni Leistner für Marvin Friedrich wieder in die Startformation rücken könnte. Es geht darum, Freistoßmöglichkeiten in torgefährlicher Nähe für die Regensburger zu verhindern. Mit dem gebürtigen Berliner Marvin Knoll haben die Regensburger einen Meister der ruhenden Bälle in ihren Reihen. Seine bisher 5 Saisontore resultieren sämtlich aus Frei- und Strafstößen.

Wie das gehen könnte, gegen Regensburg zu gewinnen hat Union in dieser Saison bereits gezeigt. Am 10. Spieltag kehrten sie mit einem 2:0 Sieg aus Bayern zurück. Das Spiel beginnt am Samstag um 13:00 Uhr. Das Stadion ist fast ausverkauft. Schiedsrichter der Partie wird Guido Winkmann sein.

Hans-Peter Becker

Wettkampf ist schöner – 1. FC Union startet in die neue Saison

Hans-Peter Becker Foto: Sportick

„Wir werden versuchen, in die 1. Liga aufzusteigen.“ Diese Äußerung des Präsidenten Dirk Zingler steht gewissermaßen als Motto über der bevorstehenden Saison für den 1. FC Union Berlin. Die Vorbereitung lief glänzend. Die Eisernen verloren nicht ein einziges Testspiel. Der Kader konnte verstärkt werden. Das Transferfenster ist ja noch geöffnet. Acht Profis verließen bis jetzt den Verein und sechs Neue wurden geholt.

Trainer Jens Keller hat auf einigen Positionen die Qual der Wahl. „Wir haben viele Positionen, wo es nicht einfach ist die Entscheidung zu treffen. Alle haben in der Vorbereitung gut mitgezogen, da gibt es mehrere Positionen und nicht nur die Torhüterposition, die vakant ist.“ Die größere Tiefe im Kader ist auch notwendig. Von Anfang an wollen die Eisernen ganz vorn dabei sein. Außerdem muss mit Verletzungen gerechnet werden. Die vergangenen vier Spielzeiten waren eher von einem Fehlstart gekennzeichnet. Die Ergebnisse der Vorbereitung sollten daher nicht zu hoch gehängt werden. „Ich habe schon einige Vorbereitungen erlebt, wo wir einiges gewonnen haben, dachten es geht so weiter und dann kam ein katastrophaler Ligastart. Wir sind gewarnt.“, so äußerte sich Steven Skrzybski nach dem Spiel gegen die Queens Park Rangers. Er war der Einzige, der beim letzten Test über die volle Spielzeit gehen musste, ab der 63. Minute wechselte der Trainer komplett durch. Auf der Torhüterposition hatte in Halbzeit 1 Jakob Busk gehalten und nach der Pause durfte sich Daniel Mesenhöler bewähren. Das Spiel endete im zweiten Anlauf – am Samstag zuvor musste es wegen eines Unwetters nach 13 Minuten abgebrochen werden –  mit 2:1 für die Eisernen. Damir Kreilach hatte Union in Führung gebracht. Kurz nach der Halbzeitpause sorgte Matt Smith für den Ausgleich. Die Entscheidung fiel durch einen von Philipp Hosiner verwandelten Foulelfmeter.

Mit dem Erstliga-Absteiger FC Ingolstadt wartet gleich ein ganz dicker Fisch am ersten Spieltag. Was den Saisonetat und den Marktwert des Kaders betrifft, so liegt die Mannschaft aus Bayern vor den Eisernen. Nach Lage der Dinge, ein ernsthafter Mitbewerber um die Aufstiegsplätze. Wäre ein anderer Gegner am 1. Spieltag besser gewesen ? Das ist egal meinte Jens Keller in der Pressekonferenz vor dem Spiel, „in einer Saison musste Du gegen jeden spielen.“ So einen richtigen Top-Favoriten gibt es wohl in dieser Spielzeit nicht. Eine Umfrage unter den Trainern ergab, dass von den 18 Befragten immerhin 10 Union Berlin zum Top-Favoriten erhoben. Die Erwartungen sind groß in der Mannschaft und dem Umfeld. Eine Situation, die Druck erzeugt, darüber dürfen Akteure nicht allzuviel nachdenken. In der Endphase der vergangenen Saison haben die Spieler genau diesen Fehler gemacht und nicht mehr mit Herz gespielt, wie sich Jens Keller ausdrückte.

Eine schwere Kader-Entscheidung hat er bereits getroffen. Jakob Busk ist die Nummer 1 im Tor. Daniel Mesenhöler wird aber auf jeden Fall im Pokal das Tor hüten. Am Schluss haben wirklich nur Nuancen den Unterschied ausgemacht. Die zuletzt angeschlagenen Stephan Fürstner und Kristian Pedersen konnten mittrainieren und stehen wohl zur Verfügung.

Ein Sieg am 1. Spieltag in der 2. Liga gelang dem 1. FC Union zuletzt am 7. August 2009. Als Aufsteiger wurde bei Rot-Weiss Oberhausen mit 3:0 gewonnen. Ganz so ungünstig, um etwas ähnliches zu wiederholen, stehen die Chancen nicht. Union konnte den Kader verstärken, hatte keine namhaften Abgänge und verfügt daher über eine eingespielte Mannschaft. Die Ingolstädter dagegen müssen eine neue Mannschaft formieren, neue Spieler und eine Systemumstellung. Leicht wird es nicht, Ingolstadt hat sechs Testspiele absolviert, die Bilanz: 2 Unentschieden und 4 Siege.

Etwa 1.000 Fans werden den 1. FC Union Berlin als Schlachtenbummler begleiten.
Das Spiel gegen die Schanzer beginnt am Samstag um 13:00 Uhr im Audi-Sportpark in Ingolstadt.

Hans-Peter Becker