Zum Stand der Dinge in der Bundesliga

Noch drei Spiele, dann geht’s schon in die Rückrunde, in der Hertha in den letzten Jahren immer schlechter aussah, als in der Vorrunde. Ich traue Jürgen Klinsmann zu, Hertha vor dem Abstieg zu retten. Nach 14 Spielen sieht es nicht gut, eher alarmierend, aus. Hertha ist punktgleich mit  Düsseldorf, je 12, auf dem Relegationsplatz. Zum Glück gibt es mit je acht Punkten zwei Clubs die schlechter da stehen, den SC Paderborn und der 1. FC Köln. Seit der Drei-Punkte-Regelung ist das ein schneller änderbarer Zustand, das erlaubt immer wieder nach der Qualität der Teams zu fragen.

Klinsmann redet seinen Spielern Qualität ein. Er muss motivieren. Ich sehe die Qualität bei Hertha etwas kritischer. Individuelle Qualität ist in der Summe nicht gleich mannschaftliche Qualität. Wer hat den Kader zusammengestellt ? Wer hat den bereits nach nur 12 Spielen wieder geschassten Trainer verpflichtet ? Das Plakat in der Ostkurve während des Spiels gegen Dortmund sprach Bände.

Hoffen wir im kommenden Heimspiel gegen Freiburg auf die Wende. Der 1. Union muss zum SC Paderborn. Gegen Mannschaften, denen das Wasser bis zum Hals steht wird es schwer. Paderborn hat mit großem Kämpferherz in der Eliteliga beeindruckt und unglücklich Punkte liegen lassen.

Stolz darf Berlin auf seinen zweiten Bundesliga-Club sein. Nach 14 Spielen sind 19 Punkte auf dem Konto, immerhin sieben mehr, als der ambitionierte Lokalrivale vorweisen kann. Das muss der Hertha einfach wehtun. Noch vor Saison-Beginn trumpfte Michael Preetz immer mal wieder damit auf, dass Hertha sich über die Konkurrenz freue, aber zeigen werde, wer in Berlin die Nummer Eins ist.

Die Bayern dominierten jahrelang die Bundesliga. Meisterschaftsanwärter sind Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. Zwei Niederlagen in Folge, dass hat sich ja nicht einmal Niko Kovac erlaubt. Die Kaderzusammenstellung bei den Bayern wird kritisiert, fast wie bei der Hertha. Bei den Bayern sind es eher Luxusprobleme. Aktuell sind die Bayern – „nur“ – muss aus Bayern-Sicht gesagt werden, Tabellensiebenter. Clubs wie Bayer Leverkusen, der SC Freiburg, Schalke 04 und Borussia Dortmund sind davor platziert. Man stelle sich das Hohn-Gelächter vor, die Eisernen spielen bis Weihnachten weiter so effektiv und sammeln fleißig Punkte. Überholen sie bald die Bayern ? Ein bisschen träumen ist erlaubt. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Die Hürde in Paderborn muss erst einmal genommen werden.

Positiv, endlich wieder Spannung in der Bundesliga. Jeder kann jeden schlagen. Fußballfreunde, was wollt ihr mehr…

Christian Zschiedrich  

Klinsi macht’s – Covac nicht mehr Hertha-Coach

Keine schlechte Entscheidung, wie am Mittwochvormittag, am 27.11.2019 bekanntgegeben, ist Ante Covic (44) nach knapp fünfmonatiger Tätigkeit und dem 0:4 in Augsburg freigestellt (beurlaubt), kein Trainer mehr. Die Talfahrt wurde ihm mit nur 11 Punkten zum Verhängnis. Bis zum Ende der Saison übernimmt bei Hertha Jürgen Klinsmann sein Amt. Ausschlaggebend dürfte die Tatsache für den Ex-DFB-Teamchef gewesen sein, dass zum Abschluss seiner Karriere die Trainertätigkeit bei einem Bundesligisten bestimmt eine reizvolle Aufgabe sein wird. Deshalb will ich den Einfluss von Sponsor Lars Windhorst gar nicht hinein interpretieren. Klinsmanns Sitz im Aufsichtsrat bleibt dem Ex-Bundestrainer ja garantiert auch nach seiner Trainertätigkeit, für die ihn ja auch noch andere Angebote ins Haus flatterten. Aus meiner Sicht werde Ich Jürgen Klinsmann nie vergessen, dass er zu Zeiten meiner Sportsendung für den oft geschalteten Trailer sagte: „Berliner schauen TV Sport in Berlin“.

Hintergründe für diese Entscheidung: Wunschtrainer Niko Kovac sagte Nein. Ich selbst erlebte mit ihm einst, was ein Freundeswort bedeutet. Es charakterisiert ihn absolut positiv. Freunde unterstützt man und löst sie nicht ab. Ich erinnere mich genau bei Dreharbeiten bei einem Hertha-Training zu Spielerzeiten des Niko Kovac. Ich fragte ihn nach den Abgangs-Gerüchten zu Bayern, „was ist dran Niko“? Er fragte: „Wann gedenkst du das auszustrahlen?“ – Antwort: „Erst am Sonntagabend“. „Garantiert kein Wort früher?“.  – „Garantiert kein Wort früher!“ – Niko bestätigte mir bereits Anfang der Woche als ersten Reporter seinen feststehenden Abgang ins Mikrofon!

Wer kennt schon die Modalitäten bei seinem Rauswurf in München genau? Vertraglich ist er noch 1 ½ Jahre mit Gehaltsansprüchen bei Bayern verpflichtet. Da kann er sich erholen. Mit seinen Erfolgen bei Eintracht Frankfurt und Bayern München, Deutscher Meister und Pokalsieger, und seinen Erfahrungen hat er keine Schwierigkeiten später wieder einen Verein zu finden. Viele Vereine wären dankbar… Hertha wollte ihn ja auch, hätte wahrscheinlich auch das Gehalt der Bayern übernommen. Es könnte sogar sein, dass Niko eine Abfindung von Bayern bekommt und damit sofort wieder tätig sein kann. Die Absage an Hertha  ist bestimmt darin begründet, dass Ante sein Freund und Antes Sohn Maurice sein Patenkind ist. Niko würde niemals als Nachfolger eines Freundes fundieren.

Zur neuen Saison als Nachfolger von Jürgen Kliensmann könnte es durchaus wieder bei Niko Kovac kribbeln. Co-Trainer Harry Gämperle (51) war ja auch im Gespräch. Er bleibt unangetastet auch den Herthanern erhalten. Soll Klinsi doch beweisen, dass  er auch als Bundesligacoach erfolgsorientiert handeln kann. Ob auch kurzfristig (?), ganz Berlin ist nun gespannt, ob Jürgen Klinsmann sogar derjenige ist, der Lucien Favre in die Wüste schickt.

Bei Hertha überschlagen sich die Ereignisse. Großes Stühlerücken ist angesagt. Im Moment läuft die PK mit der Vorstellung des neuen Trainers Jürgen Klinsmann. Er bringt einen neuen Co-Trainer und TW-Trainer mit. Arne Friedrich wird wohl Masnnschafts-Direktor. Hans-Peter Becker verfolgt die Pressekonferenz. Lieber Hans, bitte übernehme. Was gibt es Neues?

Christian Zschiedrich

Gleich zwei Bundesliga-Trainer vor dem Rauswurf ?

Dortmunds Ansprüche sind höher als die von Hertha BSC. Die Berliner wollten sich weiter verbessern. Pal Dardai wurde der nächste Schritt nicht mehr zugetraut. Ein neuer Trainer sollte neue Impulse setzen. Bis jetzt ging das nach hinten los. Da darf man ruhig mal nach der Qualität im Team fragen. Und ich frage mich, warum wohl schaue ich garantiert in den nächsten Tagen nach den sportlichen Eilmeldungen schneller als sonst und mit gemischten Gefühlen.

Bekommt Ante Covic überhaupt noch das Spiel gegen Dortmund oder ist er schon früher weg? Fünf sieglose Spiele, Hertha ist im Abstiegskampf. Martin Schmidt in Augsburg lehrte seinem Team eine ganz andere Körpersprache. Wie kann ein weiter entfernter Freistoß in der 17. Minute in flankenähnlicher Form ohne jegliche Berührung eines Abwehrspielers ins Tor gehen?

Das war der Anfang vom Ende bei der 1:4 Blamage. Rune Jarstein trug mit seinem fatalen und folgenschweren Patzer in der 26. Minute wesentlich dazu bei. Er ist der erste Torwart in Herthas Bundesliga-Geschichte, der mit Rot vom Platz flog. Der Ersatz-Keeper Dennis Smarsch war an den nächsten beiden Toren in seinem ersten Bundesliga-Einsatz eben nur Ersatz beim peinlichen Untergang.

Ante Covic Foto: Christian Zschiedrich

„Wir haben die Schnauze voll“ klang es von den mitgereisten Hertha-Fans. Michael Preetz, noch ein Fürsprecher von Ante Covic in der Mitglieder-Versammlung, stellte sich in Augsburg nicht der Presse.

Im TV wurde gewitzelt, Berlin behalte ja zumindest einen Bundesliga-Club. Der, der die Hertha überholte, ist wohl nicht gemeint. Außerdem wird spekuliert, ob Jürgen Klinsmann gar als Trainer kommt. Weil Hertha gegen Augsburg lange Zeit in Unterzahl spielen musste, sei darauf hingewiesen, dass es auch anders geht, Mainz siegte mit Neutrainer Beierlorzer in Hoffenheimer mit 5:1.

Hertha steht jetzt zusammen mit Bremen und Düsseldorf – nur 11 Punkte, auf dem Relegationsplatz und das Torverhältnis entspricht nicht gerade dem eines Spitzenteams.

L. Favre Foto: C. Zschiedrich

Kommen wir zu Dortmund und Lucien Favre. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf der Jahreshauptversammlung: „Lucien, du hast weiter unser Vertrauen (Beifall), aber am Ende ist Fußball immer ergebnisorientiert“. Die Ergebnisse jedoch stimmen bei Beiden bisher nicht ! Am 13. Spieltag treffen sie im Olympiastadion aufeinander. Wer kann sich mit einem Sieg etwas Luft verschaffen oder wird es ein Unentschieden ? Allerdings ist beim Blick auf die Tabelle das Dortmunder Problem eher eines aus der Luxuskategorie.  

Beweisen Watzkes Worte Vertrauen? Wohl mehr eine letzte Chance und das trotz einer insgesamt besseren Siegquote im Vergleich zum in Dortmund hochverehrten Jürgen Klopp. Wenn wir schon im Trainergeschäft am vergleichen sind – Hansi Flick der neue Chef bei den Bayern München blieb auch gegen Düsseldorf weiter auf der Erfolgsspur.

Christian Zschiedrich

Herthas Trainer auf Bewährung

Ich bin sogar der Meinung, dass er sich wohl nicht behaupten kann. Sein Abgang ist nur noch eine Frage der Zeit. Ex-Bundestrainer und seit kurzem Hertha-Vorstand Jürgen Klinsmann wird in Kenntnis der Probleme nicht von sich aus spontan handeln, doch hinter Klinsmann steht der Investor Lars  Windhorst. Der will sein Geld gut angelegt wissen, ob so Erfolg zu kaufen ist, wird unterschiedlich beurteilt.

Als Ante Covic zur neuen Saison als Cheftrainer vorgestellt wurde, erlaubte ich mir in der Pressekonferenz die Frage, ob Ante, wenn es schiefgeht, so handeln werde wie Pal Dardai? Die Frage wurde als unverständlich und unangebracht angesehen. Ich gestehe, ein Fürsprecher für Ante Covic gewesen zu sein.

Hertha-Coach Ante Covic © Fotocredits herthabsc/citypress

Im September kommentierte ich, dass es bei Hertha nicht am Trainer liegt und nicht helfe, der Mannschaft wieder zu bescheinigen, nicht so schlecht gespielt zu haben. Es zählt eben nur das Ergebnis. So erging es auch Niko Kovac bei Bayern München. Dabei war seine Ausbeute gar nicht so schlecht. Wenn bei aller Kontroverse am Ende bei Hertha herauskommen sollte, Niko Kovac wird der Nachfolger von Ante Covic, er hätte sofort meine Sympathie.

Ante Covic spielt auf Bewährung bei der Hertha und wird sie nicht bestehen ? Das muss jeder Trainer, der so ein Amt übernimmt, einkalkulieren. Herthas nächste Aufgaben sind nicht von Pappe. Bekanntlich ist im Fußball alles möglich. Gegen prominente Mannschaften sah Hertha nicht so schlecht aus. Gegen Spitzenmannschaften musste der Trainer nicht zusätzlich motivieren. Je reizvoller die Aufgabe, umso beherzter war der Einsatz. Vielleicht hilft ihm die Mannschaft, die Ergebniskrise zu überwinden und lässt ihn nicht im Stich, wie offensichtlich die Spieler des FC Bayern ihren Trainer Nico Kovac.  

Christian Zschiedrich

Wenig Fußball, viel Leidenschaft – Rot Weiß gewinnt das Hauptstadtderby

Es war ein Derby, mit einem glücklichen Sieger. Die Eisernen investierten einfach mehr in dieses Spiel. Die Alte Dame war eine Stunde lang völlig indisponiert. Viel zu spät fingen sie an ihre Qualitäten einzubringen. Packende Torraumszenen gab fast nicht. Die Entscheidung fiel durch einen Strafstoß. In der 88. Minute versuchte sich Christian Gentner nach einer gelungenen Kombination mit einem Torschuss, den kann er ungehindert ausführen, der Ball geht daneben, Dedryck Boyata, Herthas Innenverteidiger will den Ball noch blocken und rauscht in den Schützen. Es war ein Foul nach vollzogener Aktion. Den verhängten Strafstoß nach Videobeweis verwandelte der eingewechselte Sebastian Polter. Das Derby war entschieden. Eine andere Entscheidung war in diesem qualitätsarmen Spiel nicht möglich. Den Eisernen wird das alles herzlich egal sein, wenigstens für eine Woche ist breites Grinsen angesagt.

Für den Zuschauer, sofern er nicht Fan der Eisernen ist, war das Spiel eine Zumutung. Die Gäste aus Berlin-Charlottenburg begannen mit einer 4-4-2 Staffelung. Gegenüber dem Pokalspiel gegen Dynamo Dresden veränderte Ante Covic seine Startelf auf sechs Positionen. Den Analysten von Hertha BSC war natürlich nicht entgangen, dass Union die letzten Siege durch Spiegelung der gegnerischen Taktik errungen hat. Hinzu kam eine große Laufbereitschaft und damit verbunden, die ständige Bereitschaft zum Gegenpressing. Urs Fischer veränderte seine Truppe gegenüber dem Pokalerfolg auf fünf Positionen hielt aber an dem 3-4-2-1 System fest. In der 1. Halbzeit erwies sich das als richtige Maßnahme. Man traute seinen Augen nicht, spielbestimmend waren die Rot-Weißen . Vor dem Strafraum der Herthaner waren sie allerdings mit ihrem Latein am Ende. Bis auf die Riesenchance durch Christopher Lenz in der 3. Spielminute, sein Kopfball prallte vom Innenpfosten wieder zurück, hatten die anderen insgesamt sechs Torschüsse bis zur Halbzeitpause keinerlei Torgefahr.

Was war mit der Alten Dame in Halbzeit 1 ? Es kam nichts, kein Zugriff, ganze zwei mickrige Torschüsse, genauso harmlos wie auf der anderen Seite. Die massive Mittelfeldpräsenz der Eisernen zwangen Herthas Aufbauspieler zu langen Pässen und da fehlte die Präzision. In der 42. Minute kam Hertha zu zwei Eckbällen. Union erkämpfte nicht einen einzigen. Es war bis zur Halbzeitpause eine Nullnummer auf der ganzen Linie.

Herthas Trainer reagierte, brachte Eduard Löwen für Per Skjelbred einen neuen Aufbauspieler und stellte die taktische Formation um. Hertha versuchte Unions Erfolgsrezept aus den Freiburgspielen zu kopieren. Sie spiegelten Unions taktische Formation und kamen etwas besser in das Spiel. Bei den Eisernen ersetzte Joshua Mees den indisponierten Marius Bülter. Viel besserer Fußball wurde in der 2. Halbzeit nicht gespielt. Die Entscheidung fiel folgerichtig durch einen Strafstoß, den Sebastian Polter in der 88. Minute verwandelte. Etwas glücklich gewinnt der 1. FC Union das erste Bundesliga Stadtderby, vor allem deshalb, weil sie mehr in das Spiel investierten und durch den gewohnt hohen läuferischen Aufwand – liefen über 5 km mehr – Hertha den Schneid abkauften.

Leider gab in dieser Halbzeit unschöne Szenen aus den Blöcken der Ultras. Der Schiedsricher Deniz Aytekin unterbrach in der 49. Minute das Spiel und schickte die Mannschaften vom Feld. Aus dem Block der Herta-Anhänger wurden Leuchtraketen abgefeuert. Es wird empfindliche Geldstrafen für beide Vereine geben. Das Derby hatte so einen negativen Höhepunkt, den keiner braucht.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Union Berlin: Rafal Gikiewicz – Marvin Friedrich, Keven Schlotterbeck, Neven Subotic – Christopher Trimmel, Robert Andrich, Christian Gentner, Christopher Lenz – Marcus Ingvartsen (90.+6 Julian Ryerson), Sebastian Andersson (80. Sebastian Polter), Marius Bülter (46. Joshua Mees). Trainer: Urs Fischer 3-4-2-1

Hertha BSC: Rune Jarstein – Lukas Klünter, Niklas Stark, Dedryck Boyata, Maximilian Mittelstädt (90.+2 Davie Selke) – Marius Wolf, Per Ciljan Skjelbred (46. Eduard Löwen), Marko Grujic, Javairo Dilrosun – Dodi Lukébakio, Vedad Ibisevic (82. Salomon Kalou). Trainer: Ante Covic 4-4-2/3-4-2-1

Tore: 1:0 Sebastian Polter (87.)

Gelbe Karten: Keven Schlotterbeck (Union Berlin), Dedryck Boyata (Hertha BSC)

Schiedsrichter: Deniz Aytekin

Zuschauer: 22.012 im Stadion An der Alten Försterei

Wenigstens ein Unentschieden bei Werder Bremen

Nach acht Spieltagen drei Siege, drei Niederlagen, zwei Unentschieden, Tabellenplatz zehn mit elf Punkten, das ist nur Mittelmaß ! Das Remis in Bremen brachte wenigstens einen Punkt. Seit 17 Jahren warten die Berliner auf einen Sieg im Weserstadion, diesmal waren 41.447 Zuschauern dabei. Die frühe Führung der Platzherren gelang bereits in der 7. Minute durch Sargent, dessen Schuss aus 15 Metern Boyata unhaltbar für Rune Jarstein in den Winkel abgefälscht wurde. Der Berliner Keeper Jarstein konnte sich im Verlaufe des Spiels gleich mehrfach auszeichnen. Die Bremer besaßen die besseren Gelegenheiten. Allein Rashica hätte die Entscheidung für Bremen besorgen können, Jarstein rettete Hertha in höchster Not.

Lukebakio wurde von Trainer Ante Covic in der 56. Minute für Dilrosun eingewechselt und erzielte in der 70. Minute den Ausgleich.  Mit einem Haken schickte er seinen Gegenspieler auf die Knie. Der Belgier wiederholte den Trick, als der nächste Verteidiger kam. Von der Strafraumgrenze zog Lukebakio hart, flach und präzise ins lange Eck ab. Der Ball prallte vom Innenpfosten hinter die Torlinie. Am kommenden Samstag, 26.10. gibt es für die Berliner eine weitere Möglichkeit auf drei Punkte: Union spielt bei den Bayern in München (15.30 Uhr) und Hertha BSC, zur gleichen Zeit, trifft im Heimspiel auf die TSG Hoffenheim.

Christian Zschiedrich

Mit Kampf und Matchglück zum zweiten Bundesligasieg

Marius Bülter – sein dritter Saisontreffer stellte früh die Weichen auf Sieg ® Foto: Hans-Peter Becker

Die Eisernen haben ihre Niederlagenserie beendet. Zu der kämpferischen Leistung gesellte sich endlich die Portion Matchglück, die es manchmal braucht. Ein Sonntagsschuss von Marius Bülter, es lief noch die erste Spielminute, fand den Weg ins Tor. Knapp 10 Minuten später hätte Marcus Ingvartsen den Vorsprung ausbauen können. Sein Schuss landete am Pfosten. Er wäre für den Torwart nicht zu halten gewesen.

Für den Freiburger Torwart war nach 22 Minuten die Partie beendet. Die Gäste versuchten dagegen zu halten, hatten bis zur Halbzeit mehr Ballbesitz, waren allerdings nicht sehr effektiv. Sie brauchten eine Weile, um den Schock des sehr frühen Rückstandes zu verdauen. In der 26. Minute jubelte die Alte Försterei erneut. Der Treffer von Sebastian Andersson fand wegen eines Foulspiels keine Anerkennung. Er hatte sich in der Schutzzone des Torwartes beim Kampf um den Ball mit unlauteren Mitteln eingesetzt.

Der kurzfristig umformierten Abwehr des 1. FC Union – Michael Parensen mußte für Neven Subotic (muskuläre Probleme) ran – gelang es, die spielstarken Freiburger weitgehend vom eigenen Tor fernzuhalten. Erstmals gingen sie in ihrer noch jungen Bundesligageschichte mit einer Führung in die Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit setzten die Gäste aus dem Breisgau alles auf eine Karte, was blieb ihnen auch anders übrig. Trainer Christian Streich stellte taktisch um und brachte mit Niels Petersen einen zusätzlichen Stürmer. Optisch wirkten die Freiburger überlegen. Die Eisernen setzten einen leidenschaftlichen Kampf dagegen. Wie gegen Dortmund, war es erneut eine bemerkenswerte Laufleistung die zum Sieg beitrug. Über 124.00 Kilometer spulten die Akteure in den roten Trikots ab. Die endgültige Belohnung erfolgte in der 84. Minute, als Marcus Ingvartsen das 2:0 besorgte.

Der auswärts bisher ungeschlagene SC Freiburg musste die Heimreise ohne Punkte antreten.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

1. FC Union: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Parensen – Trimmel, Gentner (77. Kroos), Andrich, Lenz – Ingvartsen, Andersson (82. Ujah), Bülter (89. Mees)

SC Freiburg: Schwolow (23. Thiede) – Schmid, Heintz, Koch, Lienhart, Günter – Haberer, Abrashi (46. Petersen), Höfler, Höler (58. Grifo) – Waldschmidt

Schiedsrichter: Benjamin Cortus, Florian Heft, Christian Bandurski, Marcel Unger

Zuschauer: 22.012

Tore: 1:0 Bülter (1.), 2:0 Ingvartsen (84.)

Hertha hat wieder einen wertvollen Knipser

Javeiro Dilrosun, ein Holländer, trifft selbst und bereitet auch vor, so zum dritten Mal in Folge bei nunmehr drei Siegen der  Hertha hintereinander. Technisch gut ausgebildet und dazu sehr schnell, welch ein Gewinn für die Berliner Hertha. Die Hertha hing nach dem 4. Spieltag mit einem Pünktchen im Keller, jetzt schossen die Schützlinge von Ante Covic auf Platz 10 mit 10 Punkten hoch. Dank Dilrosun! In Köln hatte er zuletzt zum 1:0 getroffen, davor beim 2:1 gegen Paderborn und aktuell beim 3:1 über Fortuna Düsseldorf stellte er mit dem 2:1 vor dem Pausentee (44.) die Weichen auf Sieg. Sozusagen ein Hattrick bei drei Spielen in Folge. Wer hätte das nach dem 4. Spieltag gedacht?  Dabei hatte er, wie sich das für einen Torjäger „gehört“, noch weitere Chancen liegen lassen. Vergessen wir nicht Vedad Ibisevic, den Kapitän. Er blüht neben Dilrosun richtig auf – ebenfalls erfolgreich.

Weiterhin unverkennbar, Fußball bleibt ein Mannschaftssport, braucht aber solche Typen wie Dilrosun und Ibisevic. Wer sich bei den Berlinern auf der Bank tummelt, muss sich bei Gelegenheiten recht ordentlich anstrengen. Wiederum anders gedacht, wer dort gegen Düsseldorf Platz nehmen musste, der sorgt natürlich konkurrenzmäßig dafür, dass die Startnominierten Leistung bringen müssen.  Diesmal bestand die Reservebank wie folgt: Kraft, Kalou, Plattenhardt, Rekik, Torunarigha, Duda, Lukebakio, Selke und Leckie. Da  braucht Hertha für die Zukunft nicht Bange zu sein.

Dementsprechend selbstbewusst war die Gangart und der daraus resultierende Sieg, nämlich überzeugend und verdient. Vergleichsweise zu den Samstagspielen traute man mitunter seinen Augen und Ohren nicht. da lag Borussia Dortmund in Freiburg in der 90. Spielminute 2:1 auf der Siegerstraße, kassierte aber enttäuschend noch den 2:2 Ausgleich. Bayern München erwischte es noch schlimmer zu Hause gegen Hoffenheim, verlor der 7:2-Tottenham-Bezwinger die Partie letztendlich 1:2. Ab sofort spricht man von der ausgeglichenen Saison. So kann es von mir aus weitergehen.

Christian Zschiedrich  

Union verliert gegen Frankfurt

Der 1. FC Union Berlin muss sich am 6. Spieltag der Bundesliga-Saison 2019/20 geschlagen geben. Gegen die SG Eintracht Frankfurt agierten die Eisernen über weite Strecken gut, gerieten durch Treffer von Bas Dost (48.) und André Silva (62.) jedoch ins Hintertreffen. Anthony Ujah markierte in der 86. Minute den Anschluss, ausgleichen konnte Union trotz der druckvollen Schlussoffensive jedoch nicht. So endete die Partie mit 1:2 aus Berliner Sicht.

Urs Fischer wechselte im Vergleich zum Spiel gegen Bayer Leverkusen auf vier Positionen: Neven Subotic, Ken Reichel, Manuel Schmiedebach und Akaki Gogia rückten für Christopher Lenz, Keven Schlotterbeck, Sheraldo Becker und Marcus Ingvartsen in die Mannschaft. Der Schweizer sah eine starke Anfangsphase seiner Mannschaft. Bereits nach sechs Minuten ging ein Raunen durch die Ränge, als Marvin Friedrich nach einer einstudierten flachen Ecke den Ball scharf aufs Tor brachte – doch der Fuß eines Frankfurter Verteidigers verhinderte kurz vor der Torlinie, dass das Leder sein Ziel fand. Dies war der Auftakt einer unterhaltsamen ersten Hälfte: In einem kurzweiligen Duell agierten beide Teams offensiv und weitestgehend auf Augenhöhe. So entwickelte sich schnell ein offener Schlagabtausch. In der zwölften Minute scheiterte Sebastian Andersson nach einem Ballverlust von Hasebe an Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp, im unmittelbaren Gegenzug verhinderte geschicktes Stellungsspiel von Marvin Friedrich, dass Erik Durm allein in den Strafraum der Eisernen ziehen konnte. Generell war Unions Vize-Kapitän heute gut aufgelegt: auch die nächste Großchance der Hessen verhinderte Friedrich, indem er Silva mit einer punktgenauen Grätsche vom Ball trennte, der sich vorher im Strafraum freigedribbelt hatte (17.). Zehn Minuten später war es Ken Reichel, der den Gegentreffer verhinderte: mit einem beherzten Flugkopfball beförderte er eine Flanke von Kostic aus dem Strafraum. Wiederum zehn Zeigerumdrehungen später trat Reichel offensiv in Aktion: einen verlängerten Eckball nahm er technisch sauber per Volley aus der Luft. Der Ball schoss zwar vielversprechend in Richtung Tor, wurde aber frühzeitig vom Körper eines Frankfurter Defensivspielers geblockt. Die letzte Chance des ersten Durchgangs gehörte schließlich der Eintracht. Da Rafal Gikiewicz den Kopfball von Silva jedoch mit einem starken Reflex parieren konnte, ging es ohne Tore in die Pause.

In Durchgang zwei erwischten die Adler den besseren Start. Einen Schuss von Filip Kostic konnte Rafal Gikiewicz noch parieren, den Nachschuss staubte Bas Dost jedoch unhaltbar ab (48.). Die Partie verlor im Vergleich zum ersten Durchgang etwas an Tempo – bis Sow und Silva aus dem Nichts den Fuß aufs Gaspedal setzten. Nach einem langen Lauf von Sow und anschließender Flanke stieg der portugiesische Nationalspieler im Strafraum in die Luft und köpfte das Leder gezielt entgegen Rafal Gikiewicz‘ Laufrichtung – 0:2 aus Berliner Sicht. Union kämpfte in der Folge um den Anschlusstreffer, Frankfurt verteidigte aber zumeist geschickt und ließ so wenig Zwingendes zu. Knapp eine Viertelstunde vor Schluss schalteten die Eisernen die Offensive nochmal einen Gang hoch und erhöhte den Druck spürbar. Durch den Druck öffneten sich Lücken in der Eintracht-Abwehr: Trimmel prüfte Trapp aus der Distanz (72.), Ujah mit einem flachen Schuss aus dem Strafraum (74.) und Becker mit einem Schlenzer Richtung Toreck (75.) – der Frankfurter Torhüter konnte aber all diese Chancen vereiteln. Schließlich gelang es Anthony Ujah aber doch, den Schlussmann der Eintracht zu überlisten. Einen flachen Pass von Sheraldo Becker verwandelte er von der Strafraumgrenze trocken zum 1:2. Da Union trotz der ansehnlichen Schlussoffensive der Ausgleich nicht gelingen wollte, endete die Partie auch mit diesem Spielstand.

Knieverletzung: Akaki Gogia fällt länger aus
Der 1. FC Union Berlin muss länger auf Offensivspieler Akaki Gogia verzichten. Der 27-Jährige wurde nach seinem Bundesliga-Startelfdebüt gegen Eintracht Frankfurt in der 59. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt. In der heutigen MRT-Untersuchung bestätigte sich die befürchtet schwere Verletzung:  ein Riss des vorderen Kreuzbandes am rechten Knie.
„Diese Verletzung trifft uns alle hart. Akaki Gogia hatte sich mit starken Trainingsleistungen in die Startelf gespielt, umso bitterer ist es, dass er nun lange ausfällt. Wir wünschen ihm einen guten Heilungsverlauf und werden ihn dabei bestmöglich unterstützen“, so Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball des 1. FC Union Berlin.
Akaki Gogia wird in der kommenden Woche operiert und beginnt anschließend mit der Reha.
Quelle: 1. FC Union/Marco Miethe

1. FC Union Berlin: GikiewiczTrimmel, Friedrich, Subotic, Reichel – Schmiedebach (65. Ujah) Andrich – Gogia (59. Becker), Gentner, Bülter (65. Mees) – Andersson
SG Eintracht Frankfurt: Trapp – Hasebe, Hinteregger, Touré – Durm (77. Chandler), Kamada (71. Kohr), Sow, Fernandes, Kostic – Dost (83. Paciência), Silva
Zuschauer: 22.012, Tore: 0:1 Dost (48.), 0:2 Silva (62.), 1:2 Ujah (86.)

Flutlicht am Freitagabend: Union empfängt Eintracht

Am Freitag, dem 27.09.2019, empfängt der 1. FC Union Berlin anlässlich des 6. Spieltags der Fußball-Bundesliga die SG Eintracht Frankfurt. Der Anpfiff der Partie erfolgt um 20:30 Uhr, das Stadion An der Alten Försterei öffnet um 18:30 Uhr.

Rückblick auf den vergangenen Spieltag: Union unterliegt Leverkusen, Frankfurt forciert Remis mit Dortmund
Am 5. Spieltag waren die Eisernen zu Gast bei Bayer 04 Leverkusen. An einem gebrauchten Tag aus Berliner Sicht wollte dem Aufsteiger wenig gelingen. Die Gastgeber trafen innerhalb von fünf Minuten doppelt (20., 25.) und verteidigten im weiteren Verlauf des Spiels unaufgeregt die Führung. Union musste die letzten 25 Minuten nach einem Platzverweis für Sebastian Polter in Unterzahl bestreiten. Mit einem Mann weniger auf dem Platz gelang es der Mannschaft von Urs Fischer nicht, sich gegen den Champions League-Teilnehmer durchzusetzen. Die Partie endete mit 0:2 aus Köpenicker Sicht.

Die Eintracht empfing am letzten Spieltag den BVB. In einer packenden Partie sah es beim Stand von 2:1 aus Borussen-Sicht lange aus, als würde Dortmund die drei Punkte mit nach Hause nehmen. Ein unglückliches Eigentor von Thomas Delaney in der 88. Minute markierte jedoch den Ausgleich des Spiels. Frankfurt verwaltete das Ergebnis geschickt und erzwang so die Punkteteilung.

Gegnercheck: Union will ersten Sieg gegen Frankfurt erkämpfen
Die Eisernen trafen bereits sieben Mal auf die Eintracht aus Frankfurt, zuletzt im Rahmen der Saison 2011/12 in der 2. Bundesliga. Das Hinspiel in Frankfurt endete 1:3 aus Berliner Sicht, im Rückspiel setzte es sogar ein 0:4. Auch in den vorherigen Begegnungen waren drei Unentschieden die besten Ergebnisse, die Union erzielen konnte. Umso höher ist nun die Motivation, den ersten Dreier gegen die Hessen einzufahren.

Der Cheftrainer der SGE, Adi Hütter, kann fast auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. Einzig Innenverteidiger Marco Russ fehlt wegen eines Achillessehnenrisses.

Urs Fischer muss im Union-Lager mehrere Angeschlagene vermelden. Grischa Prömel arbeitet weiterhin an seiner Genesung, Florian Hübner hingegen konnte das Mannschaftstraining bereits mehrfach vollständig absolvieren. Ob der Innenverteidiger für seinen ersten Saison-Einsatz bereits zur Verfügung steht, ließ der Trainer der Eisernen genau wie die Verfügbarkeit von Christopher Lenz und Suleiman Abdullahi auf der Pressekonferenz noch offen. Stattdessen gab er seine Einschätzung zum anstehenden Gegner preis:

„Frankfurt wird ein schwieriger Gegner. Sie sind international vertreten und haben eine tolle Saison hinter sich. Auch in den letzten Spielen fand ich die Eintracht stark, auch wenn gegen Arsenal das schlechte Ergebnis über die gute Leistung hinwegtäuscht. Die Mannschaft hat unglaublichen Zug zum Tor, schaltet schnell und verfügt über hohe individuelle Qualität. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber einmal mehr gilt es, sich dieser zu stellen.“

.Marco Miethe