Weitere Corona-Fälle bei Hertha BSC – Trainings- und Spielbetrieb geht weiter

Das liest man gar nicht gerne, Hertha BSC verbreitete am 15.04.2021 folgende Pressemitteilung:

In der Lizenzspielermannschaft und dem Trainerteam von Hertha BSC sind drei weitere Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden.

Die Personen wurden umgehend separiert und befinden sich in häuslicher Quarantäne. Alle sind symptomfrei. Es handelt sich um Cheftrainer Pál Dárdai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Spieler Dodi Lukebakio.

Da Co-Trainer Andreas Neuendorf als Kontaktperson 1.Grades gilt, befindet auch er sich in häuslicher Quarantäne. Auch er ist symptomfrei.

Die Mannschaft wird übergangsweise von Sportdirektor Arne Friedrich betreut, der im Besitz einer Trainer-A-Lizenz des DFB ist.

Nach unmittelbarer Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf begeben sich Mannschaft, Trainerteam und enge Mitarbeiter um die Mannschaft ab heute (15.05.21) in eine behördlich angeordnete Isolation. Alle beteiligten Personen werden zunächst bis zum 28.04.21 ein gemeinsames Quartier beziehen, welches lediglich zu den Trainingseinheiten und den Spielen verlassen wird. Der Trainings- und Spielbetrieb kann somit weiterlaufen.

Arne Friedrich, Sportdirektor Hertha BSC: „Wir hatten nach Rücksprache mit unserem Hygienebeauftragen in der zurückliegenden Länderspielpause die Hygienemaßnahmen bereits nochmal verschärft, haben beispielsweise tägliche Schnelltests umgesetzt, bevor sie zur Pflicht im DFL Hygienekonzept wurden. Jetzt sind wir aufgrund der aufgetretenen Fälle zu dieser Isolations-Maßnahme gezwungen. Mit maximalen Kontaktbeschränkungen und täglichen PCR-Testungen werden wir größtmögliche Sicherheit schaffen. Wir werden diese herausfordernde Situation als Team annehmen und gemeinsam alles dafür tun, die nächsten Spiele erfolgreich zu bestreiten.“

Quelle: Hertha BSC/Presse

Viel Kampf und Krampf beim Hauptstadtderby und Feuer auf dem Dach

Mal abgesehen von der Anfangsphase, war das Spiel für die Zuschauer eine Zumutung, einfach nur schlecht. Spielten da hoch bezahlte Profis? Es wirkte streckenweise wie die Aufzeichnung eines Spiels der Berlin-Liga, mit der Abspielgeschwindigkeit von 110 %. Weder Pal Dardai noch Oliver Ruhnert redeten irgendwas schön. „Wir sind noch 14 Punkte vor Hertha. Wir sind nicht unzufriedener, als es sicher der Gegner ist.“ Richtig, Hertha enttäuschte mehr: „Ich habe meine Mannschaft nicht wieder erkannt. Wir haben nicht nach vorn verteidigt, waren nicht dynamisch. Wir müssen froh sein, nicht verloren zu haben. Wir müssen reden, wie so etwas sein kann.“

Wieder spielte der bei Hertha BSC ausgebildete Robert Andrich eine Rolle. Geht es gegen seinen Ausbildungsverein, hat er noch ein zusätzliches Messer zwischen den Zähnen. Seine Werte in diesem Spiel können sich sehen lassen. Er hatte 91 Ballkontakte, spielte 74 Pässe, wovon 64 ankamen und er traf in der 10. Minute passend zum Wochentag ins Tor. Die Gäste aus Charlottenburg, immerhin, fighteten zurück. Die Belohnung erfolgte in der 35. Minute, ein berechtigter, wenn auch kurioser Foulelfmeter, den Marvin Friedrich an Matteo Guendouzi verursacht hatte, verwandelte Dodi Lukebakio sicher. Das war es denn mit Fußball. Schlussendlich wurden die Punkte geteilt.

Foto: © Hans-Peter Becker

Für zusätzliche Schlagzeilen sorgten einige Fans, die sich vor dem Stadion versammelt hatten. Sie feuerten eine ganze Batterie Pyrotechnik in Richtung des Stadiondachs und dabei wurde eine Imbissbude in Brand. Wie dämlich ist das denn, es könnte ein teures Nachspiel haben. Zumal, wie die Bild berichtet, das Feuerwerk auf dem Dach des Stadions platziert war und per Fernzünder gestartet wurde. Es wird wohl ein Geheimnis der Verursacher bleiben und zeugt von eher geringer Intelligenz, die Gefahr heraufzubeschwören, das eigene Stadion abzufackeln. Das braucht nun wirklich keiner.

Der beste Mann des Spiels war Schiedsrichter Sascha Stegemann, der bei allen Zweikampfbewertungen richtig lag und sich bemühte, das Spiel nicht zu verpfeifen. Dass nach der Halbzeitpause der Spielfluss mehr und mehr versiegte, konnte er natürlich nicht beeinflussen.

Bleibt als Fazit, die Eisernen setzen ihre erfolgreiche Saison fort, haben weiter die Chance, in der kommenden Saison international zu spielen und Hertha? Die „Alte Dame“ hat bisher nur eine Menge Geld versengt und muss weiter um den Klassenerhalt bangen. Der nächste Gegner im Olympiastadion ist Borussia Mönchengladbach. Die Eisernen müssen zum FC Bayern nach München reisen.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 27. Spieltag

1. FC Union BerlinHertha BSC 1:1 (1:1)

04.04.2021 18:00 Uhr Stadion „An der Alten Försterei“

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Schlotterbeck – Trimmel, Andrich, Gentner, Prömel (74. Ingvartsen), Ryerson – Musa (83. Pohjanpalo), Kruse 3-4-3

Hertha BSC: Schwolow – Klünter, Stark, Torunarigha – Zeefeuik, Tousart, Guendouzi (79. Khedira), Mittelstädt – Lukebakio (62. Ascacibar), Cordoba (90. Piatek), Cunha 4-3-3

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Frederick Assmuth, Philipp Hüwe, Nicolas Winter 

Tore: 1:0 Andrich (10.), 1:1 Lukebakio (35. FE)

Spiel gegen Augsburg gedreht

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Kommentar Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Nach 80 Sekunden, Hertha hatte den langen Weg aufs Spielfeld gerade mal geschafft, hieß es durch Laszlo Benes 0:1. Ein Rückstand der Platzherren kam den Gästen planerisch zu Hilfe. Andre‘ Hahn köpfte das Leder über Deyovaisio Zeefuik und Klünter zu Benes, der die Kugel im Lauf erfolgreich volley nahm. Hertha wirkte versteinert. Zudem fehlten die Verletzten Sami Khedira (Wadenverletzung), Matheus Cunha (Oberschenkelverletzung)und Nemanja Radonjic (Adduktorenverletzung). Pal Dardai bot dafür Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek und John Cordoba in der Startelf auf. Fast hätte Niederlechner in Minute 38 die Führung noch ausgebaut. Sein Kopfball ging an den Pfosten.

Die ersten 45 Minuten verliefen aus Sicht der Gastgeber total enttäuschend. Ich überlegte mir, wie ich nach eventueller Niederlage wohl titeln müsste. „Hertha, nach neun Spielen wieder nicht gewonnen“, „kraftlose,  inkonsequente, blutleere und überforderte, „unausgereifte, halbherzige und einfallslose Hertha“, ich suchte nach passenden Attributen. Dem Verlauf bis dahin entnahm ich die Erkenntnis, Hertha weiß gar nicht worum es geht. Ein langweiliges, „bedeutungsloses“ Spiel!

Pal Dardai soll in der Halbzeitpause nicht laut geworden sein, brachte für Maximilian Mittelstädt den ebenfalls jungen Luca Netz und Matte’o Guendouzi für Santiago Ascacibar. Zum Siegen verdammt, der Coach muss laut oder nicht die richtigen Worte gefunden haben. Wie auch immer, Hertha zeigte im zweiten Durchgang großartige Moral und trat viel zielstrebiger und bissiger auf. In der 62. Minute setzte Piatek seinem sonst herausragend parierenden Landsmann Gikiewicz per Kopf den Ausgleich ins Nest. Das erste Tor für die Alte Dame seit drei Wochen. Die Maßflanke kam von Vladimir Darida.

Letztendlich dauerte es bis kurz vor Beendigung des Matches bis Schiedsrichter Florian Badstübner in der 89. Minute auf den Punkt zeigte. Er muss früher selbst mal Fußball gespielt haben und weiß demzufolge, dass es nur einer leichten Berührung bedarf, um einen Spieler im hohen Tempo zu Boden zu schicken. Mads Pedersen foulte Lucas Tousart. Den Kontakt gab es zweifelsfrei am Hacken. Der eingewechselte Dodi Lukebakio verwandelte den Elfmeter zum 2:1. So soll und darf es für die Berliner weitergehen. – am nächsten Samstag, 13. März in Dortmund.

Christian Zschiedrich

Ein glücklicher Punkt für die Eisernen und wieder nichts für Hertha

Am Samstag, 27. Februar 2021 verließen die Hertha-Profis mit einer 0:2 Niederlage den Rasen in Wolfsburg. Der VfL war seit 2015 so etwas wie ein Auswärts-Lieblingsgegner. Ein Punkt war immer drin, die letzte Niederlage datierte vom 19. September 2015. Es war der 9. Spieltag der Saison 2015/16, Hertha verlor nach zwei Treffern von Bas Dost mit 0:2 und der Trainer der Hertha hieß Pal Dardai. Eine Überschrift hieß damals „Hertha im Pech“ und genau das wiederholte sich knapp fünfeinhalb Jahre später. Hertha spielte so gut wie es gerade können und Wolfsburg schoss die Tore, wieder genau zwei. Das erste war ein Eigentor, sieht immer blöd aus. Einer der schnellsten Innenverteidiger der Liga, Lucas Klünter kam zu spät oder zu früh, egal Ridle Baku konnte flanken und das unbedrängt, da war es passiert. Wolfsburg hatte bis dahin, immerhin waren bereits 37 Minuten gespielt, nicht einmal auf das Hertha Tor geschossen. Der Fußballphilosoph kann da nur sagen, „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“. Hertha traf nicht und kassierte folgerichtig einen weiteren Treffer in der 89. Minute. Deckel darauf und Pal Dardai musste, wie 2015, dem gegnerischen Trainer zum Sieg gratulieren. Abstiegskampf ist jetzt angesagt, mit Kratzen und Beißen, 11 Drecksäcke müsst ihr sein. Geht das mit diesem Kader oder beantragen Dardai und „Zecke“ Neuendorf eine Spielgenehmigung für sich. Spaß beiseite, jetzt kommt ein Gegner auf Abstiegskandidaten-Augenhöhe, gegen Augsburg wird ein Dreier fast zur Pflicht.

Es wird immer enger und dazu kommt Verletzungspech. Da zieht eine düstere Vorahnung auf am Horizont. Ausgerechnet zusammen mit Schalke 04 könnte man absteigen aus der Bundesliga, das Höchste der Höchststrafen für den Hertha-Fan. Würden die Königsblauen nicht gerade die Schlagzeilen beherrschen, wäre wohl die „Alte Dame“ am Pranger. Da wurden bis jetzt mal so richtig ein paar Millionen verknallt.

Bei Eisernen gab es nicht zu verknallen. Da wird solide Hausmannskost gekonnt und manchmal glücklich zu Punkten verarbeitet. Gegen die TSG Hoffenheim reichte es zu einem Punkt, mehr war diesmal nicht drin. Nach einer guten Anfangsphase kam nicht mehr. Max Kruse verwandelte einen Strafstoß und mehr war nicht. Die Eisernen gewannen nicht ein Mal die Laufwertung und profitierten von der Abschlussschwäche der Hoffenheimer. In der Tabelle haben sie jetzt 16 Punkte Vorsprung vor dem Ortsrivalen. Die Fußballnostalgiker wird das freuen.

Hans-Peter Becker

Hertha weiter auf der schiefen Bahn und Union bleibt Eisern

Die Berliner Ausbeute war mager am 19. Spieltag der Bundesliga. In der frostigen Wuhlheide holten die Eisernen einen Punkt, wiederholten das Ergebnis vom Hinspiel und ärgerten erneut einen Champions-League Teilnehmer. Sie liefen wie die Wiesel, spulten über 6 km mehr ab als Mönchengladbach und hatten so das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite. Egal wer spielt, da steht immer eine kompakte Mannschaft auf dem Feld. In den bisherigen 19 Saisonspielen konnten nur in 4 davon nichts geholt werden. Ein Freistoß brachte die Eisernen in Front und mehr als den Ausgleich gestatteten die Eisernen nicht. Ziel war, ist und bleibt der Klassenerhalt, kann da eigentlich noch was schiefgehen?

Ein Blick zur Hertha verheißt dagegen was ganz anderes. Die Entfernung in der Tabelle zwischen den beiden wird immer größer, beträgt inzwischen 12 Punkte. Das Beben in Charlottenburg hat sich Ergebnis technisch nicht oder noch nicht niedergeschlagen. Bei der Eintracht in Frankfurt hielt die neu formierte Truppe von Pal Dardai (6 Neue in der Startformation) lange mit. Die größte Überraschung war, im Tor stand Rune Jarstein und der Routinier zeigte, dass er nichts verlernt hatte. Er hielt in der ersten Halbzeit den Kasten sauber. Hertha ging sogar in Führung. Das kleine Licht der Hoffnung bekam nur eine Minute, länger hielt die Führung nicht und in der Schlussphase wurde es bitter. Hertha verliert weiter und kommt der gefährlichen Zone der Tabelle näher. Der Relegationsplatz ist verdammt nah.

Viel Grund zum Optimismus gibt es rund um das Olympiastadion nicht. Es könnte sogar richtig bitter werden. Der nächste Gegner heißt Bayern München. Die Eisernen müssen nach Mainz und sollten sie dort punkten, käme das dem Ortsrivalen nicht ungelegen.

Hans-Peter Becker

Punkteteilung gegen Wolfsburg

Der 1. FC Union hat sich auch vom Wolfrudel in der Wuhlheide nicht beeindrucken lassen. In einem bis zum Schlusspfiff spannenden Spiel gab es, wie in der vergangenen Saison, ein leistungsgerechtes 2:2 Unentschieden.

Fast wäre den Eisernen wieder die in dieser Spielzeit obligate frühe Führung gelungen. Doch Sheraldo Becker ist nur mit den besten Sprintwerten der Liga ausgestattet. Sein linker Fuß ist für das Spiel mit dem Ball nur bedingt tauglich. So traf er in der zweiten Spielminute das leere Tor nicht. In der 10. Minute köpfte der Schweizer Nationalspieler Roberto Steffen den Ball ins Tor. Erstaunlich, mit einer Körpergröße von 1,70 ausgestattet erzielt er trotzdem viele Tore per Kopf. Die Abwehrrecken der Eisernen hatten sich mehr auf ihre Innenverteidigerkollegen in grün konzentriert, so dass im Schatten von Anthony Brooks und Marin Pongracic der Torschütze erfolgreich zielen konnte. Die Eisernen liefen dem Rückstand bis zur 29. Minute hinterher. Ein Fehler im Spielaufbau wurde den Wolfsburgern zum Verhängnis. Marcus Ingvartsen bediente Becker, der diesmal seinen fußballtauglichen rechten Fuß einsetzen konnte und den Ball unhaltbar in den Winkel setzte. Das Tor fiel aus dem Nichts, die Gäste hatten die Partie bis dahin im Griff. In der 42. Minute klärte Andreas Luthe gegen den allein durchgebrochenen Yannick Gehrhardt. Das Halbzeitergebnis war für die Eisernen ein bisschen schmeichelhaft.

In der zweiten Halbzeit steigerten sich die Eisernen und drehten in der 52. Minute das Spiel. Es ging um die Bewertung eines Zweikampfes zwischen Maximilian Arnold und Taiwo Awoniyi. War es überhaupt ein Foul und wenn ja, Freistoß oder Elfmeter. Der Videobeweis brachte das Urteil, Freistoß und rote Karte für Arnold. Es war zu viel um gar nichts zu geben, aber eine rote Karte ? Den Freistoß verwandelte Robert Andrich mit einem gekonnten Heber über die Mauer.

Der Live Reporter redete mal wieder die Champions-League Teilnahme herbei. Ist das in diesem Stadion überhaupt möglich? Was für Gequatsche angesichts der angebotenen Fußballkultur. Nur mit rennen und grätschen ist der Sieg nicht immer zu holen. Dass die Wolfsburger, eher ein Aspirant für die europäische Königsklasse, die noch ausstehenden ca. 50 Spielminuten mit einem Spieler weniger bestritten , war nicht zu erkennen. Eher im Gegenteil, in der 66. Minute fiel der Ausgleich. Ein nicht ganz so klarer Handelfer, den der Niederländer Wout Wegehorst verwandelte. Handspieler Marcus Ingvartsen sah dafür die gelbe Karte. Mit der Punkteteilung ging das Spiel leistungsgerecht zu Ende. Schlüssel für den Punkterfolg war erneut die enorme Laufbereitschaft der Eisernen, es waren fast120 km für die gesamte Mannschaft. Man merkte es in der Schlussphase der Partie, als mancher Unioner aus dem letzten Loch zu pfeifen schien.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Hübner – Trimmel, Griesbeck (86. Ryerson), Andrich, Ingvartsen (86. Gogia), Lenz – Becker (77. Bülter), Awoniyi (77. Teuchert)

VfL Wolfsburg: Casteels – Baku (90.+3. William), Pongracic (46. Guilavogui), Brooks, Paulo Otavio – Gerhardt, Schlager, Brekalo (66. Mbabu), Arnold, Steffen – Weghorst

Schiedsrichter: Patrick Ittrich, Sascha Thielert, Christian Dietz, Tobias Stieler

Tore: 0:1 Steffen (10.), 1:1 Becker (29.), 2:1 Andrich (52.), 2:2 Weghorst (66.)

Hertha war dem SC Freiburg nicht gewachsen

Hoffentlich bin ich nicht vom Kommentator des Spiels beeinflusst worden, der Hertha im Tiefschlaf sah. Ich habe die Begegnung nicht live sehen können, aber doch das ganze Spiel im Fernsehen. Demnach muss Hertha noch hundert Millionen mehr investieren, um Fußball wie die Freiburger oder Mannschaften aus der Spitzengruppe bieten zu können. Besonders schlimm empfanden die Hertha-Fans die erste Halbzeit, in der fehlte nicht nur der Angriffsfußball, sondern die Spielweise insgesamt war zum Wegschauen oder zum Weglaufen. Kein Tempo und Torszenen waren auch nicht zu sehen.

Hertha schien auf dem Vormarsch, auf dem Weg zu sein, mit dem Ziel, besser als Union zu landen, hahaha! Den Vergleich lassen wir lieber. Drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, das spricht Bände. Es wäre meiner Meinung nach verkehrt, den blamablen, miserablen Start auf den Trainer zu schieben. Seid froh, Bruno Labbadia zu haben! Es liegt wirklich nicht am Trainer, das hat tiefere Gründe. Labbadia soll bloß nicht von selbst sagen, das tue ich mir nicht weiter an! Ohne ihn kann Hertha BSC  dem  „geliebten“ Schalke 04 die Hände reichen. Und was das bedeuten würde, wissen nicht nur Insider. Der Blick geht eindeutig nach unten.

Zur Halbzeit hätte ich gern die Kabinenpredigt gehört, wie den Großverdienern ins Gewissen geredet wurde. Ja, Hertha kann viel besser spielen, die ersten 45 Minuten waren grausam. So geschehen nach der Halbzeitpause. Die Belohnung war der 1:1 Ausgleich. War es plötzlich Powerfußball, war es Leidenschaft, war es das zu erwartende Aufbäumen? Es war nur von kurzer Dauer. Wer es nicht wissen sollte, ein richtungsweisendes Spiel  endete für Hertha mit 1:4. Labbadias Mimik verriet alles. Seine Anweisungen haben einen großen Erfahrungswert, sind fachlich genau das Richtige, nur umgesetzt wird davon nichts. Hertha präsentierte sich auf dem Platz selten als Mannschaft. Schaut einfach mal nach Köpenick.

Christian Zschiedrich

Weiter Unentschieden im Berliner Profifußball

Beider Berliner Vertreter in der Bundesliga lieferten zeitgleich ein Unentschieden in ihren jeweiligen Partien ab. Während Hertha im Olympia-Stadion eine Nullnummer ablieferte, konnten die Eisernen bis zum Schluss nicht ganz dicht halten. Nach einer 2:0 Führung in Stuttgart hieß es am Ende 2:2. Nun ja, in Köpenick wird man mit dem Punkt zufriedener gewesen sein, als in Charlottenburg.

Wie gefährlich die Eisernen bei Freistößen und Eckbällen sind, scheint sich in der Liga noch nicht ganz herumgesprochen zu haben. Unerklärlich, jedenfalls war es wieder ein ruhender Ball von Kapitän Christopher Trimmel, der früh im Spiel seinen Adressaten fand. Gegen die Bayern war es ein Eckball, hier war es eine Freistoßflanke, die per Kopf von Marvin Friedrich ins Tor befördert wurde. Die Stuttgarter liefen dem Rückstand lange hinterher und schienen in der 77. Minute endgültig auf die Verliererstraße zu geraten, als Taiwo Awoniyi einen Entlastungsangriff zur 2:0 Führung abschloss. Bis dahin hatten die Unioner aufopferungsvoll verteidigt und konnten die Führung bis zur 85. Minute halten. Der enorme Laufaufwand (über 120 km) machte sich bemerkbar und dazu der kleine Kader. Urs Fischer konnte die Reise nur mit 18 Profis antreten. In der 85. und in der 90. Minute schlug jedenfalls ein im Tor von Andreas Luthe.

Unions Trainer sah das Spiel so: “Natürlich sieht es unglücklich aus, weil wir die Gegentore spät bekommen. Über 90 Minuten gesehen ist das ein gerechtes Unentschieden. Die erste Hälfte gehörte uns, die zweite Hälfte gehörte Stuttgart, deshalb bin ich nicht enttäuscht: wieder ein Punkt auf dem Konto, der uns hilft.”

Hertha war im heimischen Olympia-Stadion stets bemüht, den Abwehrriegel der Mainzer zu knacken. Eine Torgefahr zu entwickeln gelang nicht. Es war viel Einsatz im Spiel und fast gar kein Ertrag. Die Spielstatistik weist zwar 11 Torschüsse aus, da wurde wohl alles mitgezählt, was irgendwie in die Nähe des Kastens kam. Denken wir positiv, immerhin ist Hertha jetzt seit 4 Spielen ungeschlagen und besser geht immer.

Hans-Peter Becker

Wochenende der Unentschieden

Hertha hat verdient bei Borussia Mönchengladbach einen Punkt geholt. Inwiefern dabei der Erfolg des Gegners in der Champions-League und somit ein mögliches nachlassen der Konzentration eine Rolle gespielt haben könnte, der Trainer Marco Rose wollte dem entgegensteuern. Er brachte sechs frische Kräfte, im Tor stand die Nummer zwei Tobias Sippel. Sein Kollege bei der Hertha nahm nur zwei Wechsel vor. Matheus Cunha fehlte ohnehin gelb gesperrt.

Hertha ließ von Anfang an keine Zweifel daran aufkommen, dass sie vom Niederrhein was mitnehmen wollten. Es hätte mehr als nur ein Punkt werden können. In der 47. Minute erzielte Matteo Guendouzi nach Vorarbeit von Vladimir Darida das 1:0. Es war der erste Bundesligatreffer für den Franzosen. Breel Embolo antwortete für Gladbach in der 70. Minute. In dem offenen Spiel hatten bis zum Schlusspfiff beide ihre Möglichkeiten für den Siegtreffer. Das er nicht gelang, dafür waren auch gute Torhüterleistungen auf beiden Seiten verantwortlich. Hertha scheint zudem endlich zu einer besseren mannschaftlichen Geschlossenheit zu finden. Die Abwehr wirkte stabil und die Ballverluste im Aufbauspiel konnten weiter verringert werden. Die Laufbereitschaft war höher als bei den Gladbachern. Sie liefen fast zwei Kilometer mehr als der Gegner. Weiter verbesserungswürdig ist dagegen die Passquote, 76% der Anspiele erreichten ihren Adressaten.

Die Hertha sammelte also einen Punkt und kann in der bevorstehenden englische Woche gegen Mainz im Olympiastadion und auswärts in Freiburg versuchen, das Punktekonto bis Weihnachten weiter aufzufüllen.

Etwas später am Abend hatten in Berlin-Köpenick die Eisernen den FC Bayern zu Gast.

Das Unentschieden des 1. FC Union gegen den großen FC Bayern ist ein gefühlter Sieg. Chapeau! Eindrucksvoll bewiesen die Berlin-Köpenicker was mit mannschaftlicher Geschlossenheit und enormer Laufbereitschaft im Fußball möglich ist. Wer gedacht hatte, dass ohne Max Kruse die Chancen auf ein gutes Abschneiden noch geringer sind, wurde schnell eines Besseren belehrt.

Zwei Faktoren waren entscheidend. Laufen und Laufen, am Ende des Spiels hatten die Gastgeber über 5 Kilometer mehr runter gespult als der amtierende Gewinner der Champions League. Der Tracker zeigte 122,04 km für die Köpenicker, während der FC Bayern mit 116,58 km im Gesamtwert gemessen wurde. Neben der Laufbereitschaft waren die Standards wichtig. Die nicht immer sattelfeste Bayern-Abwehr gestattete vier Eckbälle und alle wurden gefährlich. Gleich der erste im Spiel saß. Nach nur vier Minuten landete der Ball im Tor der Bayern. Ursache war ein von Manuel Neuer abgewehrter Torschuss von Taiwo Awoniyi. Diese Führung hielt bis zur 67. Minute, Kingsley Coman lässt im Dribbling Marius Bülter und Christopher Trimmel aussteigen und Robert Lewandowski kann trotz Bedrängnis durch Christopher Lenz abstauben.

Der Ausgleich war verdient. Den berühmten Bayern-Dusel verhindert Unions Torwart Andreas Luthe mit einer Weltklasse-Reaktion in der 89. Minute, wieder ein überragendes Dribbling von Coman, Anspiel auf den eingewechselten Leroy Sane, doch sein Kopfball findet seinen Meister und so wurde es nichts mit einem Arbeitssieg für den FC Bayern.

Urs Fischer fasste das Spiel so zusammen: „Ich glaube heute haben wir die Möglichkeiten gehabt, das Spiel zu gewinnen. In den entscheidenden Szenen waren wir allerdings ein bisschen zu unpräzise und vielleicht auch zu unruhig. Auf der anderen Seite hätte es aber auch nochmal einschlagen können, deshalb bin ich wirklich zufrieden mit dem Punkt. Gegen den FC Bayern braucht es eine tolle Mannschaftsleistung um zu punkten, das hat meine Mannschaft heute sehr gut gemacht“.

Für die Eisernen geht es am Dienstag, 15.12. bei den bemerkenswert stark aufspielenden Stuttgartern weiter. Ihr Auftritt in Dortmund bedeutete das Ende von Trainer Lucien Favre. Er wurde nach der 1:5 Pleite einen Tag später entlassen. Die Dortmunder dann am Freitag, 18.12. der Gegner in der Alten Försterei.

Hans-Peter Becker

Hertha gewinnt das Hauptstadtderby

Der Konjunktiv ist nur sehr bedingt tauglich, um ein Fußballspiel zu bewerten. Man kennt das, hätte hätte Fahrradkette u.s.w., der Fakt ist, Hertha hat den Platz als Sieger verlassen. Als Gruß an die Fans, die leider wieder draußen bleiben mussten, tanzten die Blau-Weißen die menschenleere Ostkurve an.

Einmal noch zurück zum Konjunktiv. Wie wäre das Spiel ausgegangen, hätte in der 23. Spielminute nicht Robert Andrich ein so rüdes Foul an Herthas Lukas Tousart begangen. Die glatt rote Karte war die logische Folge. Es war ein Foul mit Potenzial für eine anschließende Krankenhauseinlieferung. Kurz zuvor waren die Eisernen durch Taiwo Aoniyi in Führung gegangen.

Hatte die Mannschaft aus Köpenick bis dahin eh nicht vor, die Initiative zu übernehmen, warum auch, so mussten sie jetzt noch mehr Beton anrühren. Bis zum Pausentee biss sich die „Alte Tante“ die Zähne aus. Lediglich in der 40. Minute kann Tousart einen Kopfball nach Ecke von Matheus Cunha anbringen. Andreas Luthe musste das erste Mal im Spiel energisch zu packen. „Es hat von Außen keinen Spaß gemacht, da zuzuschauen.“ Ein Zitat von Hertha Trainer Bruno Labbadia.

In der zweiten Hälfte stellte Labbadia um. Für Vladimir Darida kam Krystof Piatek und Tousart räumte seinen Platz für Javiro Dilrosun. Aus dem 4-1-3-2 wurde ein 4-3-3, die Eisernen verteidigten mit den neun verbliebenen Feldspielern meist in einem 5-3-1 oder 4-3-2 System. Das Bollwerk hielt bis zur 51. Minute unter tätiger Mithilfe des Union-Keepers erzielte Peter Pekarik das 1:1. Luthe konnte einen Schuss von Cunha aus der zweiten Reihe nur schräg nach vorn abwehren und Pekarik war mit sehenswerter Schusshaltung zur Stelle. Indirekt war Luthe in der 74. Minute an Gegentreffer Nummer zwei beteiligt. Er spielte einen langen Fehlpass ins Mittelfeld. Schlussendlich ist Piatek zur Stelle, sein Schuss wird noch unglücklich abgefälscht. Keine Chance für Luthe und Hertha hatte das Spiel gedreht. Piatek ist nur drei Minuten später erneut zur Stelle und sorgt für den Endstand.

Die Eisernen versuchten es eine erneute Niederlage im Olympiastadion abzuwenden. Unions Kapitän Christopher Trimmel traf nach dem Spiel dazu die richtige Aussage: „Wenn du 70 Minuten in Unterzahl spielst, dann ist es gegen jeden Bundesligisten schwer zu bestehen. Uns schwinden die Kräfte, Hertha schmeißt frische Spieler rein, dann wird es am Ende schwer. Ich hätte gern gesehen, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn elf gegen elf bis zum Ende gespielt hätten. Dann wäre das Ergebnis ein anderes gewesen, denke ich“. Allzu viele Torchancen haben die Eisernen nicht zugelassen, letztlich hat sich die größere individuelle Klasse des Ortsrivalen durchgesetzt. Leider werden wir nie erfahren, wie das Spiel bei Vollzähligkeit bis zum Schlusspfiff ausgegangen wäre.

Eine Schrecksekunde gab es für die Eisernen kurz vor dem Schlusspfiff. Max Kruse musste humpelnd vom Platz geführt werden. Eine Diagnose steht noch aus, es wäre fatal, sollte Kruse länger ausfallen.

Spieldaten:

Bundesliga 9. Spieltag

Hertha BSC – 1.FC Union Berlin 04.12.2020 20:30 Uhr

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (90.+2. Zeefuik)., Boyata, Torunarigha, Plattenhardt – Stark, Guendouzi – Darida (46. Piatek), Tousart (46. Dilrosun), Cunha (90.+2. Leckie) – Lukebakio (85. Mitteldstädt)

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Ryerson (83. Becker) – Trimmel (78. Bülter), Prömel (83. Teuchert), Andrich, Lenz (78. Gießelmann) – Ingvartsen – Awoniyi (54. Griesbeck), Kruse

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych, Mark Borsch, Stefan Lupp, Dr. Robert Kampka

Tore: 0:1 Awoniyi (20.), 1:1 Pekarik (51.), 2:1 Piatek (74.), 3:1 Piatek (77.)