Licht und Schatten im Berliner Profifußball

Wer hätte das gedacht, nachdem die Alte Dame in der laufenden Saison auf und neben dem Rasen so einige Lachnummern abgeliefert hat. In der Geisterspielserie läuft es bisher, da werden auch Spiele gewonnen, wo der Faktor Glück eine größere Rolle spielt. Am Pfingstsamstag siegten sie zufrieden und glücklich mit 2:0 gegen den FC Augsburg. Sah es in Halbzeit eins so aus, als wäre das eine klare Angelegenheit, so gerieten die drei Siegpunkte in der zweiten Hälfte mächtig in Gefahr. In der 89. Minute schien der verdiente Ausgleich für die Gäste zu fallen. Pech für die einen ist dann Glück für die anderen, der Ball ging nur an die Latte des Tores und war nicht drin. In der Nachspielzeit machten Darida und Piatek in einer tschechisch-polnischen Koproduktion alles klar. Das Spiel unter Woche in Leipzig hatte Körner gekostet und zum Ausfall von Plattenhardt und Matheus Cunha geführt. Die grandiose Serie seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs – 10 von 12 möglichen Punkten geholt – könnte in der Endabrechnung sogar einen Platz in Euro-League bedeuten. Allerdings heißt die Aufgabe, auswärts bei Borussia Dortmund zu bestehen.

Ein gegensätzliches Bild bietet der Rivale aus Berlin-Köpenick. Dem Aufsteiger ist der Re-Start bisher überhaupt nicht gut bekommen. Ein einziges Pünktchen von den zwölf möglichen wurde geholt. Das Abstiegsgespenst schwebt über der Alten Försterei. Es wird sich in den drei noch ausstehenden Heimspielen vertreiben lassen. Schalke, Paderborn und Düsseldorf müssen ihre Visitenkarten in der Alten Försterei erst abgeben und Köln und Hoffenheim stehen auswärts an. Die Ausgangsbasis sind 31 Punkte und die werden definitiv nicht reichen für eine zweite Saison im Oberhaus. Auf den Relegationsplatz, der aktuell nur vier Punkte entfernt ist, hat keiner in Köpenick Lust in diesem Jahr.

Zu Pfingsten – neudeutsch an Pfingsten – sind die Geschenke am geringsten spricht der Volksmund. Ein Lied davon kann der 1. FC Union Berlin singen. Am Pfingstsonntag unterlagen sie zwar nicht ganz sang- und klanglos bei Borussia Mönchengladbach mit 1:4, der Einsatz stimmte, es reichte nicht, der Unterschied zwischen den Teams war zu groß. Ein Glück, dass sie von dem Punktepolster aus der Hinrunde zehren können.

Der Champion-League Aspirant, die Borussia aus Gladbach ging schnell in Führung und legte bis zur Halbzeitpause nach. Ihr beste Phase hatten die Eisernen mit Beginn der 2. Halbzeit. Sebastian Andersson gelang per Kopf der Anschlusstreffer zum 1:2. Groß beeindrucken ließen sich die Gladbacher nicht legten bis zum Spielende noch zwei Treffer nach. „In der ersten Hälfte der Partie haben wir zu ängstlich agiert, zu viele Abspielfehler gemacht und die Duelle nicht gesucht. Nach der Pause kamen wir besser ins Spiel, haben gezeigt, dass wir es können und haben den Anschlusstreffer erzielt.“ so sah Unions Trainer Urs Fischer das Spiel.

Das Spiel in Gladbach bedeutete leider das Saisonaus für Julian Ryerson. In einer Pressemitteilung des Vereins hieß dazu: „Im gestrigen Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach zog sich der 22-Jährige nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung bei einem Foul eine Verletzung im rechten Knie zu und konnte die Partie nicht fortsetzen. Julian Ryerson wird konservativ behandelt und wird den Eisernen in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Ein weiterer Einsatz in der laufenden Saison ist damit ausgeschlossen.“

Marius Bülter © Foto: Hans-Peter Becker

Die Kaderplanung für die kommende Saison läuft auf Hochtouren. Einen Tag nach dem Spiel meldete die Vereinsführung die Verpflichtung von Marius Bülter. „Außenstürmer Marius Bülter wird auch in der kommenden Saison das Trikot des 1. FC Union Berlin tragen. Die Köpenicker zogen die im Leihvertrag zwischen Union und dem 1. FC Magdeburg vereinbarte Option und verpflichten den 27-Jährigen damit fest.“ Der Vertrag gilt für die 1. und 2. Bundesliga. „Der Schritt zu Union im letzten Sommer war genau der richtige. Ich wurde super von der Mannschaft aufgenommen und habe mich bei diesem besonderen Verein sofort wohlgefühlt. Für mich persönlich ist es ein unglaubliches erstes Bundesligajahr, in dem ich viele neue Erfahrungen sammeln und meinen Teil zum bisher guten Abschneiden in dieser Saison beitragen konnte. In den nächsten Wochen werde ich alles dafür geben, zusammen mit meinen Teamkollegen die Klasse zu halten, um auch in der neuen Saison wieder in der Bundesliga zu spielen“, so Marius Bülter.  

Hans-Peter Becker

Sebastian Polter kommt nur zum Training

Sebastian Polter, der Derby-Held vom vergangenen Herbst – verwandelte in der Alten Försterei einen Elfer gegen Hertha BSC – wird nicht mehr für den 1. FC Union Berlin auflaufen. Seine weitere fußballerische Zukunft hat er bereits seit einiger Zeit nicht mehr in Berlin-Köpenick gesehen. Der gebürtige Wilhelmshavener kam kurz nach dem Beginn der Saison 2014/15. Er wechselte auf Leihbasis vom FSV Mainz 05 zu den Eisernen. Wurde zum Stammspieler in der 2. Bundesliga und erzielte bei 29 Einsätzen 14 Tore. Er blieb, obwohl inzwischen zum Publikumsliebling avanciert, nicht Berlin. Sein neuer Arbeitgeber wurden die Queen Park Rangers. In der zweiten englischen Liga erzielte er in 51 Spielen 10 Tore und schloss sich am 10. Januar 2017 erneut dem 1. FC Union an. Seine Torgefahr stellte er erneut unter Beweis. Sein Schicksalsmoment wurde der 2. März 2018, als er sich beim Aufwärmen vor dem Spiel in Kaiserslautern einen Achilessehnenriss zuzog. Erst im September kehrte er auf den Rasen zurück. Im Heimspiel gegen Holstein Kiel wurde er in der 76. Minute eingewechselt und traf in der Nachspielzeit mit einem spektakulären Fallrückzieher zum 2:0. In der Aufstiegssaison gelangen ihm noch 8 Tore und dazu 2 Treffer im Pokalspiel in Dortmund. In der laufenden Bundesligasaison nach dem Aufstieg wurden es lediglich 13 Einsätze. Hinter Sebastian Polter und Anthony Ujah war er als Mittelstürmer nur die Nummer drei bei Trainer Urs Fischer.

Sebastian Polter © Foto: Hans-Peter Becker

Bis zum Auslaufen seines Vertrages am 30.06.2020 darf Polter lediglich aus arbeitsrechtlichen Gründen am Training teilnehmen. Der 1. FC Union wirft ihm unsolidarisches Verhalten vor. Auf der Homepage des Vereins war dazu folgendes zu lesen: „Es gehört zu den elementaren Werten des 1. FC Union Berlin, dass wir Unioner eine solidarische Gemeinschaft bilden, in der wir füreinander und für unseren Verein einstehen. Sebastian tut das als einziger Spieler der gesamten Lizenzspielerabteilung mit Mannschaft, Trainer- und Betreuerteam leider nicht. Das ist für uns nicht nachvollziehbar und sehr enttäuschend. Es ist meine dringlichste Aufgabe, gerade in schwierigen Zeiten, den Zusammenhalt aller Clubmitarbeiter und Spieler zu schützen, um unsere sportlichen Ziele nicht zu gefährden. Wir haben deshalb entschieden, dass Sebastian ab sofort nicht mehr Teil unseres Spieltagskaders sein wird“, erklärt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, die Entscheidung der Vereinsführung.“

Was ist geschehen ? Nur einen Tag später sah sich die Vereinsführung genötigt, eine Erklärung nachzuschieben. Sie endet mit einer Erklärung der Anwälte von Sebastian Polter. „Sebastian Polter bedauert die ihm am 28.05.2020 mitgeteilte Entscheidung des 1. FC Union Berlin. Sebastian Polter weist den Vorwurf des unsolidarischen Verhaltens jedoch ausdrücklich zurück. Wahr ist, dass sich der 1. FC Union Berlin und Herr Polter wechselseitig Vereinbarungen zur Handhabung des Gehaltes aufgrund der Corona-Pandemie unterbreitet haben. Keine Vereinbarung hat die Zustimmung beider Seiten gefunden. Sebastian Polter betont, dass er sich nicht verweigert hat, seinem Herzensverein während der Corona-Pandemie wirtschaftlich entgegen zu kommen und zu helfen.“

In den Medien hat sich Polter bisher nicht geäußert. Nach Informationen der Berliner Boulevard-Zeitung BZ soll Polter ein Saison-Gehalt von ca. 1,5 Millionen EUR bekommen haben und sicher einer der am höchsten bezahlten Profis. War es nötig, jetzt diese Baustelle aufzumachen ? Der Aufsteiger hat den Klassenerhalt nicht sicher und braucht jetzt alle Konzentration, um in den verbleibenden 6 Spielen die fehlenden Punkte zu holen. In gut 4 Wochen ist Polter mindestens vereinslos und die Moral von der Geschicht ?

Hans-Peter Becker

Unentschieden Spieltag im Berliner Profifußball

Der nunmehr dritte Spieltag der Geisterrunde (insgesamt der 28. der Saison) brachte den Berliner Teams jeweils einen Punkt. Im frühen Spiel des Abends wird sich Hertha BSC mit gemischten Gefühlen wieder auf den Heimweg gemacht haben. Das 2:2 in Leipzig hört sich gut an, es war sogar mehr möglich. Der Alten Dame scheinen die Geisterspiele gut zu bekommen. Bereits nach 9 Minuten gelang der Führungstreffer durch Grujic, Klosterman glich für die Leipziger in der 24. Minute aus. In der streckenweise sehr hart geführten Auseinandersetzung sah der Leipziger Halstenberg in der 63. Minute die gelb-rote Karte. Trotzdem gelang den Haussherren die Führung in der 68. Minute, allerdings unter tätiger Mithilfe des Hertha-Keepers, der den Schuss unterschätzte und sich den Ball selbst einlegte. Es war eine äußerst unglückliche Aktion, des ansonsten tadelsfrei agierenden Jarstein.

Hertha schaffte den Ausgleich durch einen von Piatek verwandelten Foulstrafstoß in der 82. Minute. Alles in allem entsprach das Ergebnis dem Spielverlauf von zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Kompliment an den neuen Trainer, wie schnell er die kriselnde Hertha wieder in die Spur gebracht hat. Am 29. Spieltag kommt der FC Augsburg ins Olympiastadion. Während Hertha aus dem Niemandsland der Tabelle weiter nach oben klettern könnte, brauchen die Bayerischen Schwaben noch ein paar Punkte für den Klassenerhalt.

Etwas später am Abend empfingen die Eisernen des FSV Mainz 05 zu Abstiegsduell in der coronabedingten stimmungsleeren Alten Försterei. Im Gegensatz zum Ortsrivalen haben die Köpenicker so ihre Probleme. Ohne ihre Fans im Rücken scheinen die spielerischen Defizite deutlicher hervorzutreten. Das 1:1, übrigens auf den Tag genau zum einjährigen Jubiläum des historischen Bundesligaaufstiegs, war glücklich. In einem kampfbetonten Spiel auf überschaubaren Niveau gingen die Gäste früh in Führung. Baku gelang in der 13. Minute die Führung. Ein bisschen Pech war dabei, denn die Balleroberung von Barreiro gegen Friedrich hätte auch als Foul gewertet werden können.

Die Eisernen waren bemüht, verteidigten aufopferungsvoll, ihre Angriffsversuche bleiben meist bereits im Ansatz stecken. Der Ausgleich fiel so folgerichtig durch einen ruhenden Ball, einen Freistoß, den Ingvartsen in der 33. Minute in die Maschen setzte. Der Mainzer Torwart hatte gepennt und davor seine Mauer schlecht gestellt. In der 42. Minute wurde die Aufgabe komplizierter, Andrich sah zum zweiten Mal und sorgte für Unterzahl seiner Mannschaft.

Die zweite Hälfte des Spiels war gekennzeichnet durch ein verzweifeltes Anrennen der Gäste. Die Eisernen verteidigten den einen Punkt, der ihnen wohl ein bissel mehr nützt als den Mainzern. Beide müssen weiter mit der Gefahr des Absteigens leben. Der nächste Gegener für die Fischer-Truppe ist die Borussia in Mönchengladbach, am Pfingstsonntag. Ob dort wenigstens ein weitere Punkt zu holen sein wird oder gar mehr, ist fraglich.

Hans-Peter Becker

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich

Hertha gelingt Revanche

Unions Trainer Urs Fischer ist Schweizer und ein passionierter Angler, beides prädestiniert ihn als eher ruhiger Zeitgenosse aufzutreten. Ruhig und besonnen wirkte er im Interview unmittelbar nach der Derbyklatsche nicht unbedingt. Der sympathische Schweizer-Akzent verbarg nur ein wenig seine Erregung über die 2. Halbzeit seines Teams. „Ich werde mir das alles nochmal anschauen und darüber wird zu reden sein.“

Die Eisernen hatten bis zur Halbzeitpause im Berliner Olympiastadion eigentlich fast alles im Griff. Sie hielten den Ortsrivalen vom eigenen Tor fern, mal abgesehen von Cunhas Chance in der 27. Minute. Der selbe Spieler wurde in der 38. Minute mit einem Steilpass bedient, der Union Keeper parierte, es wäre wohl Abseits gewesen. Der Keller in Köln hätte sich sicher gemeldet. Hinten sicher und mal sehen was sich vorn ergibt. Eckbälle und Freistöße sollten für ein bisschen Gefahr sorgen. Mit hoher Laufbereitschaft wurden Passwege zugestellt und die Räume eng gemacht. So konnte Urs Fischer mit den ersten 45 Minuten zufrieden sein.

Er ließ ein ähnliches System wie zuletzt gegen Bayern spielen. Das Personal wurde auf vier Positionen gewechselt. Für Schlotterbeck (gelb gesperrt) und Subotic spielten Parensen und Friedrich. In der Abwehr musste auf der linken Außenbahn zudem Lenz aus Verletzungsgründen durch Reichel ersetzt werden. Im Sturm spielte Andersson für Ujah, der zunächst auf der Bank saß.

Die neu formierte Abwehr wurde zur Achillesferse. Nicht nur Routinier Parensen wirkte in einigen Situationen überfordert. Unmittelbar nach der Halbzeitpause kamen die Gäste aus Berlin-Köpenick überraschend offensiv auf den Platz zurück. Wollten sie die Hertha überrumpeln ? Sie wurden zu mutig und es kam es knüppeldick für die Eisernen. In der 51. Minute konnte Ibisevic einköpfen, Flanke nicht verhindert, Parensen kam zu spät und nur eine reichliche Minute später entwickelte sich aus dem Anstoß ein Hertha-Konter, den Lukebakio vollendete. Es waren noch 38 Minuten zu spielen und von den Eisernen kam nichts, sie ergaben sich in ihr Schicksal. Hertha konnte noch was für die Aufbesserung des Torverhältnisses tun. In der 61. und 72. Minute klingelte im Tor der Eisernen. Beim 3:0 wurde die Eiserne Abwehr förmlich eingeschmolzen. Cunha bereitete vor und konnte, nachdem Lukebakio mit seinem Versuch eines Fallrückziehers scheiterte, selbst vollenden. Ibisevic legte vor. Das für die Alte Dame verdiente Tor Nummer 4 erzielte Innenverteidiger Boyata mit wuchtigem Kopfstoß. Dem war ein Eckball, getreten von Plattenhardt, vorangegangen.

Es war das Spiel Heimschwäche (Hertha) gegen Auswärtsschwäche (Union), das Heimteam gewann, selbst in der Höhe, verdient. Die Eisernen müssen aufpassen, jetzt nicht weiter abzurutschen. Die zweite Halbzeit war der bisher schwächste Auftritt in der Bundesliga. Der nächste Gegner in der Alten Försterei ist der FSV Mainz, bereits am kommenden Mittwoch, 27.05. und anschließend wartet die Borussia in Mönchengladbach.

Hans-Peter Becker

Hertha BSC: Jarstein – Pekarik, Boyata, Torunarigha, Plattenhardt – Grujic, Skjelbred (80. Samardzic) – Lukebakio (75. Dilrosun), Darida (80. Maier), Cunha (66. Mittelstädt) – Ibisevic (75. Piatek)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Hübner, Parensen – Trimmel, Andrich (72. Kroos), Prömel, Reichel (63. Ryerson) – Ingvartsen (56. Ujah), Andersson (72. Polter), Bülter (63. Malli)

Tore: 1:0 Ibisevic (51.), 2:0 Lukebakio (52), 3:0 Cunha (61.), 4:0 Lukebakio (77.)

Hertha gewinnt das erste Corona-Spiel

Selbst vor dem Fernseher war es gewöhnungsbedürftig. Es wirkte wie die Übertragung eines Spiels zur Saisonvorbereitung während eines Trainingslagers in einem Spartensender. Der Torjubel kam lediglich von den Akteuren und den Mannschaftsbetreuern. In Sinsheim jubelten nur die Gäste. Die Alte Dame aus der Hauptstadt gewann mit 3:0 und revanchierte sich für die Hinspielniederlage. Es war zudem der gelungene Einstand für den neuen Trainer.

In einem ausgeglichenen Spiel war Hertha effektiver und gewann nicht unverdient. Das Ergebnis war um ein Tor zu hoch. Egal, die Herthaner haben es gerne mitgenommen. In der Startformation setzte Bruno Labbadia auf den Faktor Erfahrung. Der unter Klinsmann fast aussortierte Ibisevic stürmte von der ersten Minute an und in der Abwehr verteidigten Plattenardt und Pekarik auf den Außenpositionen. Mit einer 4-2-3-1 Staffelung wirkte Hertha gut organisiert. Die erste Halbzeit ging ereignisarm und ohne Tore vorüber. Ein Doppelschlag in der 58. und 60. Minute brachte die Berliner in Front. Das 1:0 war ein erzwungenes Eigentor durch einen Schuss von Pekarik und das 2:0 besorgte Ibisevic per Kopf. Die Hoffenheimer drängten auf den Anschluss und vergaben zwei gute Möglichkeiten. In der 74. Minute machte Matheus Cunha mit einer Einzelleistung den Sack zu. Erst ein gekonntes Dribbling, dann der Abschluss aus spitzem Winkel, das war brasilianische Fußballkunst.

Für den Rest der Saison darf der Trainer statt drei ja insgesamt fünf Spieler auswechseln. Das volle Kontingent schöpfte nur der Berliner Trainer aus. Sein Hoffenheimer Kollege brachte vier frische Kräfte. Für das bevorstehende Derby gegen den 1. FC Union wurde mit dem fünften Auswärtssieg der Saison gehörig Selbstbewusstsein getankt. Mal sehen, wie die Eisernen gegen den FC Bayern bestehen. Wenigstens für einen Tag sind sie mit einem Punkt am Lokalrivalen vorbeigezogen.

Hans-Peter Becker

Startaufstellung Hertha BSC

Jarstein, Pekarik, Torunarigha, Boyata, Plattenhardt, Grujic, Skjelbred (ab 86. Ascacibar), Lukebakio (ab 79. Piatek), Matheus Cunha (ab 78. Maier), Mittelstädt (ab 90. Dilrosun), Ibisevic (ab 79 Ngankam)

Jens Lehmann als Mitglied im Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KgaA vorgeschlagen

Die TENNOR Holding B.V. hat als Vertreter im Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, der aus neun Mitgliedern besteht, zum einen den ehemaligen Nationaltorwart Jens Lehmann und zum anderen Marc Kosicke, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Projekt b und Berater von Trainern und Führungskräften im Fußball, benannt. Die Beiden müssen nun auf der nächsten Hauptversammlung des Gremiums in diesem Kreis bestätigt werden.

Lars Windhorst, Chairman der Tennor Holding BV, die 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha GmbH und Co. KG hält: „Ich freue mich sehr, dass sich Jens Lehmann und Marc Kosicke für uns bei Hertha engagieren werden. Beide bringen ein hohes Maß an Erfahrung und Professionalität mit. Sie werden beitragen, die hohen Ziele von Tennor und Hertha zu erreichen und den Verein gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.“

Michael Preetz, Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC: „Wir pflegen selbstverständlich einen regelmäßigen Austausch mit Lars Windhorst und sind über den Vorgang informiert worden. Wir begrüßen beide herzlich in ihrer neuen Funktion bei Hertha BSC.“

Jens Lehmann sammelte als Spieler in diversen Bundesliga- und internationalen Vereinen Erfahrungen. Außerdem gehörte er über viele Jahre als Torwart der deutschen Nationalmannschaft an.

Jens Lehmann: „Das Angebot von Lars Windhorst, an der weiteren Entwicklung von Hertha BSC mitzuarbeiten, habe ich gerne angenommen. Ich sehe dies aktuell als eines der interessantesten Projekte im Fußball.“

Marc Kosicke ist Gründer und Geschäftsführer der Agentur Projekt b und berät seit vielen Jahren erfolgreich Fußballtrainer, darunter Ralf Rangnick, Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann. Davor war er 15 Jahre lang für die Sportartikel-Hersteller Adidas und Nike tätig.

Marc Kosicke: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen von Lars Windhorst und TENNOR. Mit meiner Expertise im Fußballbusiness leiste ich gerne einen Beitrag zum Erreichen der großen Ziele, die sich Hertha zusammen mit Lars Windhorst gesetzt hat.“

Quelle: Hertha BSC

Hertha BSC regelt die Zukunft der ehemaligen Cheftrainer Pal Dardai und Ante Covic

Pal Dardai wird Trainer der U16 bei Hertha BSC – Ante Covic übernimmt zunächst kein Nachwuchsteam

Nach seiner einjährigen Auszeit kehrt Pal Dardai wie geplant im Sommer als Trainer zu Hertha BSC zurück. Er wird ab dem 01.07.2020 die U16-Mannschaft übernehmen und gleichzeitig als Koordinator für den Aufbaubaubereich der Hertha BSC Akademie fungieren.

Michael Preetz: „Wie im vergangenen Sommer vereinbart kehrt Pal in unsere Akademie zurück und darüber freuen wir uns sehr. Er hat während seiner Auszeit sicher den ein oder anderen Anruf von anderen Vereinen bekommen. Dass er aber den zwischen uns bestehenden Vertrag weiterhin einhalten möchte, zeigt seine tiefe Verbundenheit zu Hertha BSC. Wie gewohnt war daher auch dieses Gespräch mit Pal eher kurz. Für Hertha BSC und insbesondere die Akademie ist er als Trainer eine große Bereicherung.“

Pal Dardai: „Ich habe dieses Jahr Auszeit sehr genossen. Die Zeit hat mir gut getan. Ich konnte ein paar Dinge aufarbeiten und vor allem körperlich wieder voll auftanken, denn die viereinhalb Jahre Bundesliga waren schon sehr Kräfte raubend. Jetzt freue ich mich auf den Sommer und den Wiedereinstieg im Nachwuchsbereich. Ich habe immer betont, dass mir die Arbeit mit dem Nachwuchs großen Spaß macht. Junge Talente zu fordern und zu fördern, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben. Das ist eine wichtige Sache im Fußball. Zudem bin ich Herthaner, deshalb war es für mich auch keine Frage, dass ich selbstverständlich beim Teilgehaltsverzicht mitmache.“

Michael Preetz: „Auch mit Ante haben wir Gespräche über eine Rückkehr in den Nachwuchsbereich geführt und werden zu gegebener Zeit noch weitere führen. Die Tür bleibt für Ante auch weiterhin offen bei Hertha BSC. Denn Ante ist Herthaner und das hat er unter anderem damit gezeigt, in dem auch er den Teilgehaltsverzicht unterstützt hat.“

Quelle: Hertha BSC

Es geht weiter mit der Bundesliga

Die Deutsche Fußballliga (DFL) hat sich festgelegt. Einen Tag nachdem von der Politik grünes Licht gegeben wurde, soll es am 16. Mai 2020 mit dem 26. Spieltag weitergehen. Seit dem 8. März war die Saison unterbrochen, letztmals wurde am 11. März gespielt. Die Nachhol-Partie Gladbach gegen Köln war bereits ein Geisterspiel.

Die Bundesliga ist somit Vorreiter für die europäischen Fußballligen, sieht man mal von Weißrussland ab, wo die Saison seit 7 Spieltagen läuft, als wenn nichts wäre. Entweder wird die Bundesliga zum Krösus der Corona Zeit oder das Ganze endet in einem Desaster. „Jedem muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung. Ich erwarte von jedem, dass er dieser Verantwortung gerecht wird. Unser Konzept kann nur das Ziel haben, Infektionen frühzeitig zu entdecken.“ so äußerte sich Liga-Boss Seifert.

Zu klären ist noch ein Hygienekonzept für die Schiedsrichter, dafür ist der DFB zuständig. „Der DFB hat uns mitgeteilt, dass er die Umsetzung des Konzepts in die Hand nimmt. Das wird auch Testungen vor dem ersten Spieltag beinhalten.“, so die Aussage der DFL. Im Kölner Keller wird für die Videoassistenten umgebaut werden müssen. Bisher ist laut dem Fachmagazin Kicker kein Schiedsrichter auf Covid-19 getestet worden. Müssen sie, wie die Mannschaften, vor dem Spiel in Quarantäne ? Wer steht überhaupt zur Verfügung ? Können sie, wie üblich, einen Tag vorher anreisen ?

Unterzubringen sind weiterhin die Halbfinals, das Finale im DFB-Pokal und die Relegation. Es soll zudem möglich werden, dass statt 3 nun 5 Spieler ausgewechselt werden dürfen. Diese Regelung soll nur temporär für diese Saison gelten. Der Regelkomission (Ifab) wurde seitens der FIFA ein entsprechender Vorschlag unterbreitet. Die Vereine der Bundesliga 1 und 2 werden darüber kurzfristig entscheiden.

Für unsere Berliner Vertreter bedeutet das, Hertha spielt am Samstag, 16.05. in Hoffenheim und der 1. FC Union empfängt einen Tag später, Sonntag 18:00 Uhr den FC Bayern München in der Alten Försterei.

Soll man sich darüber freuen, endlich wieder Fußball schauen, wenn auch nur im Home-Office ? „Jedem muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung. Ich erwarte von jedem, dass er dieser Verantwortung gerecht wird. Unser Konzept kann nur das Ziel haben, Infektionen frühzeitig zu entdecken.“ Es geht nur so, daran müssen alle halten und bitte keine dämlichen Aktionen aus der Kabine oder dem aus dem Umfeld der Stadien.

Hans-Peter Becker

Stabil in eigener Sache

Das kann zwar nicht jeder von sich oder über sich feststellen, es ist aber in jeder Beziehung optimal. In der Tat bekommen wir Anfragen, ob wir mit unserem Sportportal denn auch existenziell bedroht sind. Hier die Antwort:

Weshalb wir sorgenfrei in die Zukunft blicken können ist damit begründet, dass keiner ausschlöießlich von unserem Internetportal leben muss. Unsere Mitarbeiter schreiben täglich Kommentare auch für andere Publikationen. Diese Unabhängigkeit ist der Grundstein dafür, glaubhaft kritisieren zu können, wenn es unserer Meinung nach sein muss. Natürlich sind wir alle von der Gesundheit her bedroht und es könnte noch sehr, sehr schlimm werden. Das Wort brauche ich nicht einmal zu nennen. Jeder weiß Bescheid, jeder spürt es und jeder ist betroffen.

Medizinisch in allen Auswirkungen und Handlungen, wenn nur eingeschränkt, dann eben wirtschaftlich und existenziell. Wenn ich früher las und hörte, Sport sei die größte Nebensache der Welt, habe ich mich geärgert. Der Sport klang mir so zu abwertend, nebensächlich. Ich will hier nicht die ganzen gesellschaftlichen Vorteile durch den Sport und den Vereinen aufzählen. Jetzt gehöre ich zu denen, die hoffen, dass alle negativen Insolvenz-Prognosen, ob im Profi- oder Amateurbereich nicht eintreffen. Die Befürchtungen sind leider begründet.

Wir von Sportick können einfach Pause machen und sofort wieder aktiv in der Berichterstattung loslegen, wenn und wann immer Sport wieder betrieben werden sollte. Gedanken mache ich mir im Medienbereich zum Beispiel über die Fachzeitschriften und in Berlin insbesondere um die Fußball-Woche. Überlege mir, wie da geholfen werden könnte.

Zurückblickend half ich früher mit einer Spende dem 1.FC Union. Jeder wird sich erinnern, wie sehr Union am seidenen Faden hing. Viele glaubten, der Sargdeckel sei schon zu. So schlimm war Hertha zum Glück nicht dran, überstand dank namhafter Retter auch schwere Zeiten und ich war drauf und dran, auch da zu helfen, zumindest ich jahrelang Mitglied bei Hertha BSC war. Doch die Gründe lagen bei beiden Clubs auf der Hand. Diesmal ist der Feind im Verborgenen, oft nicht erkannt, also  unsichtbar und zunehmend tödlicher.

Heißt, der Sport ist keine Hauptsache mehr, höchstens noch zweitrangig. Wir von Sportick müssen uns keine Themen aus den Fingern saugen, greifen nur bei Außergewöhnlichem zur Feder und hoffen innständig, das Sportgeschehen baldigst wieder begleiten zu können. Aktuell die Lage stets einzuschätzen, Wissenschaftler und Politiker verkünden leider in den Nachrichten noch nichts Gutes.

Christian Zschiedrich