Bescheidene Aussichten für Hertha BSC

Sind wir realistisch, auch ohne Corona-Infizierung und Quarantäne wäre es schwer genug, dem Abstieg zu entrinnen. Jetzt hoffen wir, dass sich die Vor- und Nachteile etwa die Waage halten und Hertha in der Bundesliga verbleiben kann.

Zur Pandemie kommen nun auch noch Spaltungs-Absichten und Pläne des Kapitals in Sachen Super League hinzu. Das geht auf Mark und Knochen des geliebten Fußballsports, der sich von vielen und mir prophezeit, selbst kaputt macht. So mit ungehörten Warnungen seit Jahren, was in Sachen Geld-Sucht geschieht, von Menschen, die den Sport in erster Linie vor Augen haben. Was regte sich mein Schwiegervater und der im Handballsport in Berlin bekannte Erich Richter auf. Ihre Stimmen verhallten, mittlerweile liegen sie schon längst unter der Erde. Ich sah mich für meine 25-jährige Lokalsportsendung TV SPORT IN BERLIN ständig mit nicht gewährten Senderechten problematisiert.

Zurück zu Hertha, in Abwägung der angesprochenen Vor- und Nachteile nenne ich zuerst ein paar Vorteile: Die hat garantiert eine hungrige, ausgeruhte, verletzungsfreie Mannschaft. Zwei Wochen richtig genutzte Pause, können Kräfte mobilisieren und frei machen. Wer allerdings zur absoluten Ruhe gezwungen ist, beginnt erfahrungsgemäß bereits nach zwei Wochen bei null. Fahrradergometer und Laufband im Wohn- oder Schlafzimmer helfen, ersetzen keineswegs das Fußball-Training.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Hans-Peter Becker

Wenn kein Mannschaftstraining erfolgen kann, dann sind wir bei entscheidenden Nachteilen angekommen. Hertha steht aktuell auf Platz 16, dem Relegationsplatz und wird wahrscheinlich auf Platz 17, einem direkten Abstiegsplatz ins Geschehen eingreifen können. Arne Friedrich überlegt, ob wechselweise mit zwei verschiedenen Mannschaften gespielt werden soll. Das wäre meiner Meinung nach zu risikoreich. Das kann man in Test- und Freundschaftsspielen nicht aber in Punktspielen machen. Vom „blinden Verstehen“ hat Arne Friedrich bestimmt selbst Erfahrungen sammeln können.

Bereits vor der Quarantäne war ich bereits in Bezug des Ausgangs des Aufeinandertreffens mit Mainz 05 der Ansicht, die kämpferische Komponente wird aufseiten der Mainzer liegen. Wie ist es mit Köln und den Mitkonkurrenten? Interessant und spannend, was Bielefeld gegen Schalke und Werder Bremen gegen Mainz machen wird. Wer der Herthaner bleibt denn künftig in Liga Zwei?  Fredi Bobic, Ja!  

Christian Zschiedrich

Weitere Corona-Fälle bei Hertha BSC – Trainings- und Spielbetrieb geht weiter

Das liest man gar nicht gerne, Hertha BSC verbreitete am 15.04.2021 folgende Pressemitteilung:

In der Lizenzspielermannschaft und dem Trainerteam von Hertha BSC sind drei weitere Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden.

Die Personen wurden umgehend separiert und befinden sich in häuslicher Quarantäne. Alle sind symptomfrei. Es handelt sich um Cheftrainer Pál Dárdai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Spieler Dodi Lukebakio.

Da Co-Trainer Andreas Neuendorf als Kontaktperson 1.Grades gilt, befindet auch er sich in häuslicher Quarantäne. Auch er ist symptomfrei.

Die Mannschaft wird übergangsweise von Sportdirektor Arne Friedrich betreut, der im Besitz einer Trainer-A-Lizenz des DFB ist.

Nach unmittelbarer Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf begeben sich Mannschaft, Trainerteam und enge Mitarbeiter um die Mannschaft ab heute (15.05.21) in eine behördlich angeordnete Isolation. Alle beteiligten Personen werden zunächst bis zum 28.04.21 ein gemeinsames Quartier beziehen, welches lediglich zu den Trainingseinheiten und den Spielen verlassen wird. Der Trainings- und Spielbetrieb kann somit weiterlaufen.

Arne Friedrich, Sportdirektor Hertha BSC: „Wir hatten nach Rücksprache mit unserem Hygienebeauftragen in der zurückliegenden Länderspielpause die Hygienemaßnahmen bereits nochmal verschärft, haben beispielsweise tägliche Schnelltests umgesetzt, bevor sie zur Pflicht im DFL Hygienekonzept wurden. Jetzt sind wir aufgrund der aufgetretenen Fälle zu dieser Isolations-Maßnahme gezwungen. Mit maximalen Kontaktbeschränkungen und täglichen PCR-Testungen werden wir größtmögliche Sicherheit schaffen. Wir werden diese herausfordernde Situation als Team annehmen und gemeinsam alles dafür tun, die nächsten Spiele erfolgreich zu bestreiten.“

Quelle: Hertha BSC/Presse

Bobic und Hütter weg – ist denn Gladbach beliebter und „beleibter“ als Frankfurt?

Dass Sportdirektor Fredi Bobic nach erfolgreichem Managen wegwill, das war angekündigt und hat bestimmt andere Gründe, als jetzt bei Trainer Adi Hütter. Für Bobic ist jetzt der Weg frei. Ab 1. Juni wird Bobic neuer Geschäftsführer bei Hertha BSC. So die Bekanntgabe nach einem Präsidiums-Beschluss. Über die Vertragsdauer machte der Club zunächst keine Angaben. Bobic, Europameister von 1996, steht bei Eintracht Frankfurt noch bis zum 1. Juni 2021 unter Vertrag. Er soll die Alte Dame wieder in erfolgreichere Zeiten führen. Fredi Bobic: „Ich freue mich, ab Sommer wieder Teil der Hertha-Familie zu sein. Nach meiner Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, gab es offene und überzeugende Gespräche, insbesondere mit dem Präsidenten Werner Gegenbauer.“

Hütter geht zum Bundesliga-Rivalen Borussia Mönchengladbach, vertraglich bis 2024. Da muss in Frankfurt nicht unbedingt die Talfahrt wie bei den Borussen, noch mit Trainer Marco Rose, einsetzen. Doch die Entscheidung von Hütter verwundert, weil Frankfurt ja vor einer möglichen Champions League-Premiere steht. Welch historische Chance und Hütter ist der Coach der Saison. Ein guter Trainer ist eben viel wert – Beispiel das Glück von Hertha BSC mit Bruno Labbadia.  

Täuschte etwa der Eindruck, dass sich Adi Hütter in Frankfurt wohlfühlte? Frankfurt bietet ja als Sportstadt eine ganze Menge. Ansässig ist der DFB mit seiner Zentrale. Es wird wieder einmal das Geld sein. Selbst die üppige Summe, die die Hessen für den eigentlich bis  2023 gebundenen Cheftrainer bekommen (kolportierte 7,5 Millionen), spricht Bände und nicht unbedingt für die Branche Fußball, in der auch für Trainer Millionen-Gehälter bezahlt werden. Ist Gladbach denn wirklich so gut „besattelt“?

Christian Zschiedrich kommentiert © Foto Sportick

In Frankfurt geht zudem Sportdirektor Bruno Hübner. Das ist die komplette Führungsriege. Ralf Rangnick (62) sagte auf Schalke wohlbegründet ab, liebäugelt jetzt nur, wenige Stunden nach der Abgangs-Verkündung von Hütter, mit Frankfurt. Wortbruch wird Hütter vorgeworfen. Da platzt wahrscheinlich die nächste Bombe. Nur mit wem redet Rangnick? Philip Holster ist Aufsichtsrat-Vorsitzender in Frankfurt und Ralf Rangnick ohne Verein. Im September 2018 wurde er Leipzig-Trainer und ab 2019 war er „Head of Sport and Development Soccer“. Der Plan in Frankfurt, Rangnick soll Trainer und Sportdirektor in Personalunion werden. Nicht nur der Spielermarkt ist in Bewegung. Schau’n war mal…

Christian Zschiedrich

Nun zählt im Abstiegskampf wirklich jeder Punkt

Hertha kennt die Situation, leider keineswegs erfolgreich. Und aktuell sind 25 Punkte (Union hat 39) nach 27 Spielen verdammt wenig. In diesem Trend käme Hertha nach ausstehenden sieben Partien nicht einmal auf 32 Punkte, etwa gleichbedeutend mit dem Abstieg. Den Klassenerhalt zu schaffen wird keineswegs leicht. Die Erkenntnis: Es gibt keine leichten Gegner mehr! Insofern ist der Punkt beim 1:1 gegen Union vielleicht letztendlich goldwert! Und wie geht es weiter? Zur besten Bundesligazeit, Samstag, 10.04.2021 15.30 Uhr, zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach, zuletzt nach krasser Talfahrt 2:1-Sieger über Freiburg.

Gladbachs Allrounder Valentino Lazaro, zwei Jahre lang Herthaner, bezeichnet den Berliner Club als „Wundertüte“. Das ist natürlich alles andere, nur kein Big City Club. Nicht nur Pal Dardai hat erkannt, Zusammengehörigkeit und Teamgeist sind die Grundlage dafür, auch etwas Spielglück sich im Match zu erarbeiten. Einer für den Anderen, Fehler für den Mitspieler auszubügeln,  leidenschaftlicher Kampfgeist ist gleichzeitig Erzwingen der erforderlichen  Effektivität. Nur das Ergebnis zählt leider in dieser Phase.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto:© C.Z.

Abstiegskampf heißt also nicht mehr, nur Lob für gutes Spiel zu bekommen und am Ende mit leeren Händen dazustehen. Auf Kosten der Attraktivität zählt jeder Punkt. „Schlecht gespielt und gewonnen“ zählt leider doppelt. Natürlich darf auch mitreißender Kampf, beste Abwehrarbeit, Laufintensität und Zweikampfverhalten den Anhang begeistern. Vorne schießt in der Regel der liebe Gott ein Tor. Hertha aber hat hoch bezahlte,  schnelle Stürmer prägen das prädestinierte Konterspiel und jeder der namhaften Angreifer ist für ein Tor gut genug und in der Lage – auch für unverhoffte Treffer aus dem Nichts.  

Heißt: Ein dritter Abstieg muss nicht folgen. Beherzigt, mit Willen in die Tat umsetzen, was besprochen wurde. Im Stadion sind doch keine Zuschauer. Selbst das könnte ein Vorteil sein, nicht fürs Auge spielen zu müssen. Ein noch größerer Vorteil ist doch, in den letzten sieben Spielen kann sich Hertha gegen fünf direkte Kontrahenten selbst aus dem Schlamassel ziehen. Seid mutig in allen Aktionen. So wird es überhaupt keine Rolle spielen, dass sich Hertha am Dienstag vom ungarischen Torwarttrainer Zsolt Petry (seit 2015 bei Hertha) trennte. Entscheidend ist auf dem Platz…

Christian Zschiedrich

Viel Kampf und Krampf beim Hauptstadtderby und Feuer auf dem Dach

Mal abgesehen von der Anfangsphase, war das Spiel für die Zuschauer eine Zumutung, einfach nur schlecht. Spielten da hoch bezahlte Profis? Es wirkte streckenweise wie die Aufzeichnung eines Spiels der Berlin-Liga, mit der Abspielgeschwindigkeit von 110 %. Weder Pal Dardai noch Oliver Ruhnert redeten irgendwas schön. „Wir sind noch 14 Punkte vor Hertha. Wir sind nicht unzufriedener, als es sicher der Gegner ist.“ Richtig, Hertha enttäuschte mehr: „Ich habe meine Mannschaft nicht wieder erkannt. Wir haben nicht nach vorn verteidigt, waren nicht dynamisch. Wir müssen froh sein, nicht verloren zu haben. Wir müssen reden, wie so etwas sein kann.“

Wieder spielte der bei Hertha BSC ausgebildete Robert Andrich eine Rolle. Geht es gegen seinen Ausbildungsverein, hat er noch ein zusätzliches Messer zwischen den Zähnen. Seine Werte in diesem Spiel können sich sehen lassen. Er hatte 91 Ballkontakte, spielte 74 Pässe, wovon 64 ankamen und er traf in der 10. Minute passend zum Wochentag ins Tor. Die Gäste aus Charlottenburg, immerhin, fighteten zurück. Die Belohnung erfolgte in der 35. Minute, ein berechtigter, wenn auch kurioser Foulelfmeter, den Marvin Friedrich an Matteo Guendouzi verursacht hatte, verwandelte Dodi Lukebakio sicher. Das war es denn mit Fußball. Schlussendlich wurden die Punkte geteilt.

Foto: © Hans-Peter Becker

Für zusätzliche Schlagzeilen sorgten einige Fans, die sich vor dem Stadion versammelt hatten. Sie feuerten eine ganze Batterie Pyrotechnik in Richtung des Stadiondachs und dabei wurde eine Imbissbude in Brand. Wie dämlich ist das denn, es könnte ein teures Nachspiel haben. Zumal, wie die Bild berichtet, das Feuerwerk auf dem Dach des Stadions platziert war und per Fernzünder gestartet wurde. Es wird wohl ein Geheimnis der Verursacher bleiben und zeugt von eher geringer Intelligenz, die Gefahr heraufzubeschwören, das eigene Stadion abzufackeln. Das braucht nun wirklich keiner.

Der beste Mann des Spiels war Schiedsrichter Sascha Stegemann, der bei allen Zweikampfbewertungen richtig lag und sich bemühte, das Spiel nicht zu verpfeifen. Dass nach der Halbzeitpause der Spielfluss mehr und mehr versiegte, konnte er natürlich nicht beeinflussen.

Bleibt als Fazit, die Eisernen setzen ihre erfolgreiche Saison fort, haben weiter die Chance, in der kommenden Saison international zu spielen und Hertha? Die „Alte Dame“ hat bisher nur eine Menge Geld versengt und muss weiter um den Klassenerhalt bangen. Der nächste Gegner im Olympiastadion ist Borussia Mönchengladbach. Die Eisernen müssen zum FC Bayern nach München reisen.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 27. Spieltag

1. FC Union BerlinHertha BSC 1:1 (1:1)

04.04.2021 18:00 Uhr Stadion „An der Alten Försterei“

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Schlotterbeck – Trimmel, Andrich, Gentner, Prömel (74. Ingvartsen), Ryerson – Musa (83. Pohjanpalo), Kruse 3-4-3

Hertha BSC: Schwolow – Klünter, Stark, Torunarigha – Zeefeuik, Tousart, Guendouzi (79. Khedira), Mittelstädt – Lukebakio (62. Ascacibar), Cordoba (90. Piatek), Cunha 4-3-3

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Frederick Assmuth, Philipp Hüwe, Nicolas Winter 

Tore: 1:0 Andrich (10.), 1:1 Lukebakio (35. FE)

Hertha kann Abstiegskampf

Na bitte, im letzten Spiel vor der Länderspielpause hat es Hertha gegen Leverkusen 3:0 doch bewiesen. Wie wichtig der Sieg war, ob jetzt wieder ein gewohnt schwacher Auftritt folgt, bloß nicht. Dem Tabellenbild nach muss Hertha nun zur Konstanz finden, ein Nachlassen ist zur Existenzsicherung nicht erlaubt. Bei allem Lob, Pal Dardai hatte trotz des deutlichen Sieges etliche Kritikpunkte vermerkt. Richtig so lieber Coach. Das heißt, Hertha ist noch lange nicht der Abstiegsgefahr entronnen.

Mir gefiel, dass zu Null gespielt wurde, die komplette Abwehrarbeit aller Spieler, einschließlich Torwart, die Laufbereitschaft, die Körpersprache, besonders im Mittelfeld, das Zweikampfverhalten und dazu herausstechende Glanzstücke der Stürmer. Das hatte in der Tat mit dem Gebotenen in vielen Spielen davor nichts mehr zu tun. Eine Heimniederlage wäre kaum zu verkraften gewesen.

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert

Einige Hertha-Fans mussten sich über das Negative in den Medien wochenlang damit trösten, es sind nur Journalisten, die mit geharnischter Berichterstattung Hertha ordentlich eins drüber ziehen wollten. Dabei war sachliche Kritik durchaus angebracht. Im Boulevard gibt es kein Mittelmaß, entweder Daumen hoch oder runter. Allerdings darf in Zeiten der Lobhudelei durchaus daran gedacht werden, dass Hertha, wie zu vernehmen war, ganz unterschiedlich mit der Presse umgegangen ist. Das hat nicht immer zum Selbstverständnis des Clubs gepasst und führt zu einem unterschiedlichen Stimmungsbild.

Der nächste Spieltag beschert uns das Hauptstadtderby. Der 1. FC Union, besser platziert als Hertha und die Köpernicker haben sich auf die Fahne geschrieben und dazu das Image, eisern zu kämpfen. Hans Peter Becker unterrichtet unsere Leser Woche für Woche über „Eisern“ Union. Das erspart mir hier bestimmte Einzelheiten. Nur so viel: Als Tabellensiebenter hat Union 38 Punkte und das Ziel, eben nicht abzusteigen, bereits erreicht. Von 26 Spielen hat Union 20 nicht verloren und in der Saison bisher erst 6 mal verloren. Hertha „sonnt“ sich also vor der Pause in Siegesfreude, Union hat gezeigt, auch verlieren zu können, 2:5 gegen Eintracht Frankfurt.

Schade (…), das Stadion wäre rappe voll. Beide Trainer hoffen, dass alle Nationalspieler gesund zurückkommen. Daheimgebliebene können Verletzungen behandeln lassen und Blessuren auskurieren. In beiden Lagern wird auf das Highlight hingearbeitet, nicht unbedingt Kondition gebolzt, um vor allem taktisch auf den Gegner in allen Belangen vorbereitet zu sein. Von Bedeutung ist, wie die Partie Mainz gegen Bielefeld ausgeht und was macht der 1. FC Köln in Wolfsburg? Schalke ist bereits abgeschrieben, muss in Leverkusen antreten. Der Auftritt der Werkself bei Hertha besiegelte das Ende von Peter Bosz. Der Neue heißt Hannes Wolf und sollte einen gelungenen Einstand feiern können.

Christian Zschiedrich

Hertha erinnert an die letzten beiden Abstiege

Zum Glück, es sind diesmal doch ganz andere Personen. Wer aber die Gefahr nicht hundertprozentig ernst beim Hauptstadtclub nimmt, jetzt, nach Bielefelds Sieg in Leverkusen wird es auch im Tabellenbild erschreckend sichtbar. Hertha nimmt den drittletzten Platz ein. Das ist mit 21 Punkten, nur der drei Tore wegen, der Relegationsplatz, punktgleich mit Mainz 05, momentan noch Vorletzter. Die Mainzer aber kennen und können Abstiegskampf pur. Sie haben sich aus Niederungen an Hertha herangeschlichen. So sehr ich Pal Dardai schätze, seine Punkteausbeute ist mager, jedoch nicht hoffnungslos. Das Für und Wider der Hertha versuchte ich bereits zu konkretisieren. Deshalb erlaube ich mir einmal festzuhalten, mit Bruno Labbadia wären es nicht weniger Punkte gewesen. Seine Entlassung wird doch nicht etwa so ganz kostenlos über die Bühne gehen.

Christian Zschiedrich kommentiert

Schauen wir kurz zurück, mehr natürlich vorausschauend nach vorn. Wie ernst die Lage ist, führen wir doch vor Augen, wo Hertha stehen würde, hätte Dodi Lukebakio in der 89. den Foulelfmeter nicht verwandelt oder hätte Schiedsrichter Florian Badstüber Pedersens leichte Berührung an Lucas Tousart im Strafraum nicht zum 11m gepfiffen. Ja, es scheint am seidenen Faden zu hängen. Die Bilanz wäre  noch fataler. Was sich im Verein um die Mannschaft bewegt und ändert, da hätte ich mir einen besseren Zeitpunkt und mehr Gründlichkeit gewünscht. Wer jetzt den Abstieg verhindern muss, sind Trainer und Spieler auf dem Platz.

Wenn Bielefeld in Leverkusen gewinnen kann, dann wird Hertha zu Hause am 21. März doch Leverkusen 04 ebenfalls schlagen können – oder? Danach kommt es am 4. April zum Lokalderby Hertha BSC – SC Union 06, derzeit 38 Punkte, Tabellen-Siebenter. Was soll’s, Hertha wollte doch auf alle Fälle besser als Union sein. Am 10. April heißt es dann Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach. Ob da Marko Rose noch Trainer ist, sei dahingestellt. Gladbach wird doch nicht etwa ausgerechnet hier in Berlin eine Auferstehung erleben.  Es ist zwar ehrenwert, dass Sportdirektor Eberl am scheidenden Couch festhält, doch zählt im Fußball überhaupt noch etwas die Moral?

Quizfrage, wie viel Trainer verschliss Schalke 04 in dieser Saison? Für mich sind sie weg vom Fenster. Schalke und Hertha, die lieben sich ja so, dass Hertha ohne die Gelsenkirchener in der Eliteliga nicht bestehen möchte. Nehmt es mir ruhig übel – es ist absolut scherzhaft formuliert. In Wirklichkeit vergeht den Herthanern aber das Lachen. Es gibt doch immer wieder Herausforderer. Ralf Rangnick ist den Gerüchten nach der nächste allmächtige Schalker Sportvorstand. Weiß denn Fredi Bobic, bei aller Liebe zu Berlin, was er sich hier bei Hertha antut? Jürgen Klinsmann scheint es gewusst zu haben und Detmar Cramer, es ist lange her, auch. Er war zwei Tage lang der Trainer in Berlin.

Christian Zschiedrich

Spiel gegen Augsburg gedreht

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Kommentar Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Nach 80 Sekunden, Hertha hatte den langen Weg aufs Spielfeld gerade mal geschafft, hieß es durch Laszlo Benes 0:1. Ein Rückstand der Platzherren kam den Gästen planerisch zu Hilfe. Andre‘ Hahn köpfte das Leder über Deyovaisio Zeefuik und Klünter zu Benes, der die Kugel im Lauf erfolgreich volley nahm. Hertha wirkte versteinert. Zudem fehlten die Verletzten Sami Khedira (Wadenverletzung), Matheus Cunha (Oberschenkelverletzung)und Nemanja Radonjic (Adduktorenverletzung). Pal Dardai bot dafür Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek und John Cordoba in der Startelf auf. Fast hätte Niederlechner in Minute 38 die Führung noch ausgebaut. Sein Kopfball ging an den Pfosten.

Die ersten 45 Minuten verliefen aus Sicht der Gastgeber total enttäuschend. Ich überlegte mir, wie ich nach eventueller Niederlage wohl titeln müsste. „Hertha, nach neun Spielen wieder nicht gewonnen“, „kraftlose,  inkonsequente, blutleere und überforderte, „unausgereifte, halbherzige und einfallslose Hertha“, ich suchte nach passenden Attributen. Dem Verlauf bis dahin entnahm ich die Erkenntnis, Hertha weiß gar nicht worum es geht. Ein langweiliges, „bedeutungsloses“ Spiel!

Pal Dardai soll in der Halbzeitpause nicht laut geworden sein, brachte für Maximilian Mittelstädt den ebenfalls jungen Luca Netz und Matte’o Guendouzi für Santiago Ascacibar. Zum Siegen verdammt, der Coach muss laut oder nicht die richtigen Worte gefunden haben. Wie auch immer, Hertha zeigte im zweiten Durchgang großartige Moral und trat viel zielstrebiger und bissiger auf. In der 62. Minute setzte Piatek seinem sonst herausragend parierenden Landsmann Gikiewicz per Kopf den Ausgleich ins Nest. Das erste Tor für die Alte Dame seit drei Wochen. Die Maßflanke kam von Vladimir Darida.

Letztendlich dauerte es bis kurz vor Beendigung des Matches bis Schiedsrichter Florian Badstübner in der 89. Minute auf den Punkt zeigte. Er muss früher selbst mal Fußball gespielt haben und weiß demzufolge, dass es nur einer leichten Berührung bedarf, um einen Spieler im hohen Tempo zu Boden zu schicken. Mads Pedersen foulte Lucas Tousart. Den Kontakt gab es zweifelsfrei am Hacken. Der eingewechselte Dodi Lukebakio verwandelte den Elfmeter zum 2:1. So soll und darf es für die Berliner weitergehen. – am nächsten Samstag, 13. März in Dortmund.

Christian Zschiedrich

Ein glücklicher Punkt für die Eisernen und wieder nichts für Hertha

Am Samstag, 27. Februar 2021 verließen die Hertha-Profis mit einer 0:2 Niederlage den Rasen in Wolfsburg. Der VfL war seit 2015 so etwas wie ein Auswärts-Lieblingsgegner. Ein Punkt war immer drin, die letzte Niederlage datierte vom 19. September 2015. Es war der 9. Spieltag der Saison 2015/16, Hertha verlor nach zwei Treffern von Bas Dost mit 0:2 und der Trainer der Hertha hieß Pal Dardai. Eine Überschrift hieß damals „Hertha im Pech“ und genau das wiederholte sich knapp fünfeinhalb Jahre später. Hertha spielte so gut wie es gerade können und Wolfsburg schoss die Tore, wieder genau zwei. Das erste war ein Eigentor, sieht immer blöd aus. Einer der schnellsten Innenverteidiger der Liga, Lucas Klünter kam zu spät oder zu früh, egal Ridle Baku konnte flanken und das unbedrängt, da war es passiert. Wolfsburg hatte bis dahin, immerhin waren bereits 37 Minuten gespielt, nicht einmal auf das Hertha Tor geschossen. Der Fußballphilosoph kann da nur sagen, „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“. Hertha traf nicht und kassierte folgerichtig einen weiteren Treffer in der 89. Minute. Deckel darauf und Pal Dardai musste, wie 2015, dem gegnerischen Trainer zum Sieg gratulieren. Abstiegskampf ist jetzt angesagt, mit Kratzen und Beißen, 11 Drecksäcke müsst ihr sein. Geht das mit diesem Kader oder beantragen Dardai und „Zecke“ Neuendorf eine Spielgenehmigung für sich. Spaß beiseite, jetzt kommt ein Gegner auf Abstiegskandidaten-Augenhöhe, gegen Augsburg wird ein Dreier fast zur Pflicht.

Es wird immer enger und dazu kommt Verletzungspech. Da zieht eine düstere Vorahnung auf am Horizont. Ausgerechnet zusammen mit Schalke 04 könnte man absteigen aus der Bundesliga, das Höchste der Höchststrafen für den Hertha-Fan. Würden die Königsblauen nicht gerade die Schlagzeilen beherrschen, wäre wohl die „Alte Dame“ am Pranger. Da wurden bis jetzt mal so richtig ein paar Millionen verknallt.

Bei Eisernen gab es nicht zu verknallen. Da wird solide Hausmannskost gekonnt und manchmal glücklich zu Punkten verarbeitet. Gegen die TSG Hoffenheim reichte es zu einem Punkt, mehr war diesmal nicht drin. Nach einer guten Anfangsphase kam nicht mehr. Max Kruse verwandelte einen Strafstoß und mehr war nicht. Die Eisernen gewannen nicht ein Mal die Laufwertung und profitierten von der Abschlussschwäche der Hoffenheimer. In der Tabelle haben sie jetzt 16 Punkte Vorsprung vor dem Ortsrivalen. Die Fußballnostalgiker wird das freuen.

Hans-Peter Becker

Das Für und Wider zu Hertha BSC

Im Olympiastadion 0:3 gegen RB Leipzig verloren und trotzdem sah die Mannschaft von Pal Dardai nicht wie ein Absteiger aus. Diese meine positive Meinung könnte die Akteure eventuell beruhigen und weiterhin sicher wähnen. Moment mal, in den Spielen zuvor sahen sie ja auch ganz gut aus, ohne die nötigen Punkte trotz positiven Verlauf einzufahren. Der Hassgegner für Hertha ist zweifelsfrei Schalke 04. Hertha weiß doch hoffentlich, was die Stunde geschlagen hat. Bei Fortsetzung der fehlenden Effektivität könnte die nächste Partie in Wolfsburg auch verloren werden. Wolfsburg ist heuer verdammt stark. Schließlich ist da unten im Keller Mainz 05 enorm erstarkt. Selbst Bielefeld könnte im ausstehenden Spiel gegen Köln punkten. Das heißt, Hertha ist bereits auf dem Relegationsplatz gelandet. Bisher kam Lars Windhorst nur ins Grübeln. Jetzt spitzt sich die Lage arg zu. Hertha könnte am Ende Arm in Arm, ausgerechnet mit Schalke, absteigen.

Was mich positiv gegen Leipzig stimmte: Hertha war dem Championsleague-Teilnehmer gewachsen, hatte anfangs sogar mehr vom Spiel. Khedira spielte von Anfang an und zeigte mit 77% gewonnener Zweikämpfe mit welch guter Fitness er zu Hertha wechselt ist. Außerdem zeigte Pal Dardais Sohn  Marton Dardai eine überzeugende Leistung in der Startformation. Was immer mal im Fußball passieren kann, so in der 28. Minute, als  Marcel Sabitzer am Sonntagnachmittag aus 32 Metern einen traumhaften „Sonntagschuss“ unhaltbar ins Hertha-Tor  beförderte. Anerkanntermaßen ein Weltklassetor. Das 0:1 hielt bis zur 71. Minute.

Die Geschichten, die der Fußball schreibt. Wenn ein Trainer einen Spieler einwechselt, der den Siegtreffer markiert, bekommt der Coach anerkennende Worte und Schulterklopfen. Diesmal geschah das Gegenteil. Kurz bevor Mukiele das 0:2 erzielen konnte, unmittelbar zuvor kam Guendouzi von der Bank für S. Khedira und ausgerechnet dieser sonst souveräne Guendouzi verlor im Strafraum den Zweikampf und damit den Ball. Der „Genickbrecher“ in dieser Partie. Orban erhöhte in der 84. Minute per Kopf auf 3:0 für Leipzig. Zuvor ließ Hertha Chancen für einen möglichen Anschlusstreffer liegen.  

Hertha muss, aber wie soll Hertha in den nächsten Spielen punkten? Augsburg erzielte gegen Bayer Leverkusen ein beachtliches 1:1, lag sogar bis zur 94. Minute 1:0 in Front. Nun, gegen Augsburg und Leverkusen muss Hertha auch noch ran. Vor Leverkusen heißt der Gegner Dortmund. Also mal der Reihe nach, erst Wolfsburg und dann Augsburg, Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach. Die Negativserie muss gestoppt werden. Der 1. FC Union bestand bisher die Prüfungen auch ohne Max Kruse ganz passabel. Ich weiß, das ist für Hertha kein Trost, eher im Gegenteil: Zumindest einen Berliner Verein in der Eliteliga zu haben sollte aus Hertha-Sicht nicht „Eisern Union“ sein. Wie beliebt der 1. FC Union mittlerweile in Berlin ist, dafür sprechen die gestiegenen Mitgliederzahlen im Köpenicker Verein. Erstaunlicherweise haben die Unioner auch damit die Herthaner erfolgreich überholt.

Christian Zschiedrich