Hertha BSC im Abstiegskampf

Das Positive, Abstiegskampf ist spannender als Mittelfeldgeplänkel, das Negative, die Gefahr abzusteigen. Hertha hat nach 19 Spielen 22 Punkte und rangiert momentan auf Platz 13. Erfahrungsgemäß spielt Hertha gegen namhafte Gegner erstaunlich gut, vor allem, wenn dadurch die Spieler im Blickpunkt stehen und das Match mehr als üblich großes Interesse hat. Insofern braucht man sich keine Gedanken machen, wie Hertha am Sonntag gegen Bayern München zu Werke gehen wird. Garantiert viel besser als gegen Union. Da begann Hertha, als wenn es um nichts gehen würde. Macht nur weiter so. Ihr werdet schon sehen, wohin das führt.

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert

Wer gegen Union erst erstmal einem Rückstand hinterherlaufen muss, hat es schwer. Union hat folgerichtig 31 Punkte nach 19 Spielen und könnte, auch wenn es Cheftrainer Urs Fischer nicht hören will, wieder im internationalen Geschäft, Kurs Europa, mitmischen. Momentan ist es, trotz zwangsweiser Umstellungen auf fünf Positionen, ein Kurs auf die Champions-League. Das kommende Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach verspricht Spannung, weil die Borussen unbedingt gewinnen wollen, sogar müssen, stehen enttäuschend punktgleich mit Hertha auf einem Platz im unteren Tabellendrittel.

Hertha hat das nächste Heimspiel gegen Bayern München auszutragen. Vielleicht gut gespielt, aber gewinnen, da steht ein großes Fragezeichen. Im Fußball ist zwar vieles möglich, nur in dieser Saison wohl kein Sieg über die Bayern. Bayern hat mehr als das Doppelte an Punkten geholt, es sind bisher 46, dazu ein Torverhältnis von 61:18, Hertha BSC kann lediglich 21 Tore verweisen. Hertha kann wohl nur beten, dass der VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld nicht zu nahe kommen. Für mich steht bereits fest, Hertha wird der große Verlierer in dieser Woche der Wahrheit sein.  

Christian Zschiedrich

Erneuter Derbysieg – Union schmeißt Hertha aus dem Pokal

Die Eisernen erwischten einen Auftakt nach Maß. Vom Anpfiff weg standen die Köpenicker der „Alten Dame“ auf den Füßen. So macht man einen verunsicherten Gegner noch unsicherer. In der 11. Minute flankte Kruse auf Voglsammer, alles andre als genau und mit einer artistischen Einlage, einem Seitfallzieher, erwischte er den Ball gerade so, da schlug es ein. Hertha brauchte eine Weile, um den Treffer zu verdauen. Die erste Torannäherung konnte erst in der 31. Minute notiert werden.

Zumindest versuchten es die Gastgeber im Olympiastadion sich in die Partie zu kämpfen. Es gelang wenig. Union konnte abwarten und verteidigte sehr effizient. Tayfun Korkut nahm bereits zur Halbzeitpause zwei Wechsel vor, das ist nie ein gutes Zeichen. In der Abwehr musste Klünter für Pekarik weichen und im Angriff Maolida für Richter. Hertha kam etwas besser in das Spiel. Kassierte aber in der 50. Minute erneut eine kalte Dusche, als Stark bei einem Rettungsversuch ein Eigentor fabrizierte.

Ein Hoffnungsschimmer tat sich auf, als Sredar mit einer schönen Einzelleistung auf 1:2 verkürzte. Postwendend stellten die Eisernen den alten Abstand wieder her. Einen Freistoß, getreten von Oczipka, spitzelte Knoche ins Tor. Die Hertha-Abwehr sah da ganz alt aus. Das Bemühen bei der Hertha war erkennbar, doch es reichte nicht, um die Eisernen irgendwie zu knacken. Der Anschlusstreffer zum 2:3 fiel in der Nachspiel, da war die Messe bereits gesungen.

Es bleibt alles beim alten, Union zieht souverän seine Kreise und Hertha ist weiter auf der Suche nach Beständigkeit. Das wird eine schwere Rückrunde, mehr als der Klassenerhalt ist wohl nicht drin. Hertha, das machte auch dieses Spiel deutlich, fehlte es erneut an Struktur und Stabilität. Die Eisernen hatten eine Spielidee, hinzu kam die Stabilität und Struktur, die bei Hertha fehlte. In der Bundesligatabelle liegen aktuell neun Punkte zwischen beiden Mannschaften und genau das spiegelte sich der Begegnung wider. Union dominierte nicht auf dem Platz, sie funktionierten einfach besser. Neuzugang Dominique Heintz vom SC Freiburg funktionierte, als würde er schon einige Jahre bei den Eisernen spielen.

Verdient ziehen die Köpenicker in das Viertelfinale ein und haben weiter die Chancen auf das Finale in der Heimstätte von Hertha BSC. Vier Zweit- und vier Bundesligisten sind noch im Lostopf. Die großen Favoriten sind raus, in dieser Runde erwischte Dortmund und Gladbach.

In der Bundesliga haben beide jetzt schwere Aufgaben vor der Brust. Union reist nach Gladbach, dort kriselt es ähnlich wie bei der Hertha. Zum Abschluss des Spieltages kommt der FC Bayern ins Olympiastadion. Na das kann ja was werden!

Hans-Peter Becker

Berliner Proficlubs holen vier Punkte

Beginnen wir mit dem 1. FC Union, die stoppten die Siegesserie des Stadtteilclubs aus Sinsheim. Die Hoffenheimer Führung schoss Union selbst, dann der etwas glückliche Ausgleich und schließlich der Führungstreffer durch den zum Abstauberspezialisten avancierten Grischa Prömel. Man gewinnt manchmal auch Spiele mit Fleiß und Beharrlichkeit. Zu den Union Tugenden gesellen meist kluge Entscheidungen des Trainers. Urs Fischer hat es da seinem jungen Kollegen von der TSG mal so richtig gezeigt. Mit der Einwechselung von Sheraldo Becker und einer Veränderung der Taktik gelang ein nicht unbedingt erwarteter Sieg. Die Eisernen standen für eine Nacht auf einem Champions-League Platz und sind jetzt vor dem Pokalknaller gegen den Rivalen aus Charlottenburg auf Platz fünf der Tabelle.

Ob das Achtelfinale gegen die Hertha allerdings ein Knaller wird, ist angesichts der stark schwankenden Leistungen der „Alten Dame“ zweifelhaft. Das einzig positive am Auftritt in Wolfsburg war der Punktgewinn. Der VfL Wolfsburg und die Hertha, was geben diese beiden den Fans und Experten für Rätsel auf. Das Spiel war die blanke Not gegen das grassierende Elend. Ein 0:0 der eben nicht besseren Sorte, sogar der Schiedsrichter passte sich dem über weite Strecken unterirdischem Milieu an. Er gab einen glasklaren Foul-Elfmeter für die Wolfsburger nicht und ein regelgerechte erzieltes Tor der Hertha fand keine Anerkennung. Im Endeffekt war es egal, einen Sieg in diesem Spiel hätte beiden mehr als geschmeichelt. Zudem war dieses Spiel eine regelrechte Folter. Im Hertha-Forum wurde gewitzelt, dass die CIA ab sofort statt auf Waterboarding jetzt auf das Schauen von Herthaspielen als Foltermethode setzen will. Mal Spaß beiseite, warum geht es bei der „Alten Dame“ einfach nicht voran? Der Kader birgt einiges an Potenzial, eine funktionierende Einheit ist daraus bisher nicht entstanden. Die Blicke gehen wohl ein bisschen neidisch nach Köpenick, wo aus weniger mehr gemacht wurde. Die Hoffnung stirbt zuletzt und das Spiel gegen den 1. FC Union ist eine weitere Chance, die Misere zu überwinden.

Der dritte Berliner Proficlub, der FC Viktoria, musste den Start in das neue Fußballjahr wegen mehrerer positiver Corona-Tests verschieben. Der Rasen im Jahnsportpark blieb unberührt. Das Spiel gegen Eintracht Braunschweig wird nachgeholt.

Hans-Peter Becker

Hertha lehrt Dortmund das Fürchten

Nach dem 0:4 gegen Mainz 05 und der schwankenden Leistungen wegen, gaben viele Berliner keinen Pfifferling mehr auf Hertha BSC gegen Borussia Dortmund. Bielefeld hatte tags zuvor in Leipzig 2:0 gewonnen und damit Hertha in der Tabelle überholt. Sogar eingefleischte Herthaner rechneten: Wenn Hertha bei 18 Punkten nach der Hinrunde bleibt und genauso viele in der Rückrunde holt, dann käme Hertha am Ende auf 36 Punkte. Damit sind aber schon viele Vereine abgestiegen. Um sicher zu gehen, benötigt man zum Klassenerhalt erfahrungsgemäß 40 Punkte. Entsprechend dieser Hochrechnung hätte Hertha schließlich 42 Punkte und bliebe in der Bundesliga. Dem Geld und der eigenen Ansprüche nach keinesfalls das Gelbe vom Ei, aber immerhin…

Kommentar Chefredakteur Christian Zschiedrich Foto: © Sportick

Der 17. Spieltag bescherte den Berliner Clubs, wer hätte das gedacht, sechs Punkte. Der 1. FC Union gewann auswärts in Bochum, keineswegs etwa einfach, 1:0 und sicherte sich mit den letzten drei gleich 27 Punkte, Hertha BSC kommt auf 21 Punkte und damit auf Tabellenplatz 11. Union muss zum Rückrundenauftakt nach Leverkusen und Hertha hat am Sonntag, 09. Januar 2022 gleich wieder ein Heimspiel, empfängt um 15.30 Uhr den 1. FC Köln. Die Kölner müssen sich warm anziehen, wenn Hertha mit der Einstellung über 90 Minuten und Nachspielzeit wie gegen Dortmund spielt. Aber Moment mal, die Kölner können doch auch leidenschaftlich kämpfen. Weshalb jedoch wurde der 3:2-Sieg der alten Dame über Dortmund überhaupt möglich? Trotz des Pausen-Rückstandes und obwohl  Hertha-Trainer Tayfun Korkut nach der Blamage in Mainz einige Ausfälle ausgerechnet gegen die Borussen zu verkraften hatte.    

Jeder der Zuschauer sah von der ersten Minute an, wie sich Hertha gegen die Umstände und einer im Grunde überlegenen Mannschaft stemmte. Mit solch einer Körpersprache war Hertha bisher nicht aufgelaufen. Geradezu bissig und aggressiv wurde um jeden Ball und jeden Zentimeter Boden gekämpft. Zweikämpfe wurden nicht nur angenommen, sondern sogar gesucht – mit großem  Durchsetzungsvermögen und starkem Willen in den Duellen. Natürlich liefen die Herthaner gegen Ende auf dem Zahnfleisch. Doch die Willenskraft  erlahmte nicht. Welch großartiges Laufvermögen. Da war doch tatsächlich einer für den anderen Mitspieler da und in der Regel Sekunden vor den Dortmundern am Ball. Lobenswert wie die Lücken geschlossen und wie zielstrebig Konter gefahren wurden. Der Ball wurde nie aus den Augen gelassen und der Gegner auch nicht. Keiner verkroch sich. Der Ball wurde sogar leidenschaftlich gefordert. Imponierend das Nachsetzen und Abwehrverhalten der Stürmer. Na bitte, Hertha kann’s doch!  Ab jetzt weiß Hertha, was Geschlossenheit im Mannschaftsspiel  bedeutet. Arme Kölner!

Christian Zschiedrich

Hertha gewinnt, Union ermöglicht einen historischen Sieg und Viktoria schwächelt

Am Samstag, 11. Dezember, zur regulären Anstoßzeit empfing Hertha Arminia Bielefeld zum Kellerduell. So trostlos wie die Szenerie im Olympiastadion, nur 5.000 durften rein, war auch die Darbietung der beiden Bundesligisten. Es war nicht vergnügungssteuerpflichtig. Es setzte sich die talentierte Mannschaft durch oder manchmal schießt Geld eben doch Tore. Der Kicker titelte „Ohne Glanz, aber hochverdient“, es wurden drei wichtige Punkte. Die Abstiegszone ist nicht näher gerückt. Bis Weihnachten warten noch zwei harte Nüsse im Rahmen einer englischen Woche, erst auswärts in Mainz und anschließend Borussia Dortmund. Irgendwie durchkommen heißt die Devise.

Einen Tag später musste Drittligist Viktoria im Emsland-Stadion (seit 2014 Hänsch-Arena) beim SV Meppen antreten. Der Abwärtstrend konnte leider nicht gestoppt werden. Es begann zudem unglücklich für die Himmelblauen. In der 15. Spielminute sah Abwehrspieler Lukas Pinckert gelb-rot. Das machte die Aufgabe gegen die bestens aufgelegten Emsländer unlösbar. Der SV Meppen war in der vergangenen Saison sportlich abgestiegen, blieb nur drin, weil der KFC Uerdingen sich zurückzog, jetzt sorgen sie für Fuore und liefern die beste Hinrunde als Drittligist ab. Viktoria unterlag mit 0:3 und es hätte durchaus schlimmer kommen können. Der junge Torwart Julian Krahl verhinderte schlimmeres. Es war der letzte Spieltag der Hinrunde in Liga 3. Insgesamt sieht die Bilanz für den Liganeuling aus Berlin trotzdem nicht so schlecht aus. Es sind 6 Siege, 5 Unentschieden und 8 Niederlagen zu bilanzieren. Tabellenplatz 12 und 23 Punkte nach der Hinrunde, vor der Saison hätten sie das sofort unterschrieben, man sollte nicht vergessen, wo die Mannschaft herkommt. Die Rückrunde beginnt allerdings bereits am 4. Advent. Bevor die kurzen Weihnachtsferien beginnen, reisen die Viktorianer nach Köln zum Namensvetter in den Sportpark Höhenberg auf der rechten Rheinseite. Das Hinspiel, ihre Drittliga-Premiere, konnte Viktoria im Sommer mit 2:1 siegreich gestalten.

Eine Auswärtsniederlage holte sich ebenso der 1. FC Union ab. Für den Gegner Greuther Fürth war es ein historischer Sieg, der erste seit dem Aufstieg und zudem im umgebauten Ronhof-Sportpark. Zuschauer gab es keine, in Bayern wurden wieder Geisterspiele angeordnet. Die Eisernen wirkten kraftlos. Es war eines der wenigen Spiele bisher, wo sie weniger liefen als der Gegner. Was bedeuten schon 63 % Ballbesitz, wenn das Tor nicht getroffen wird und nicht einmal die bessere Zweikampfquote hilft. Sie ließen nur 3 Eckbälle der Fürther zu. Einer davon brachte den historischen Sieg für die Kleeblätter. Im Anschluss an einen Eckball war es der Norweger Havard Nielsen der den Ball in die Maschen drückte. Hatte er sich vorher gegen seinen Gegenspieler Kevin Behrens mit unerlaubten Mitteln Platz verschafft? Der Schiedsrichter ließ es durchgehen. Nach mehrmaliger Ansicht der Zeitlupe, es war eine fiffty-fiffty Entscheidung. Für Urs Fischer war es eine Fehlentscheidung, sein Kapitän in Fürth, Grischa Prömel, selbst kein Kind von Traurigkeit, sah das entspannter: „Das muss man nicht pfeiffen.“ Insgesamt taten sich die Eisernen schwer, gegen sehr tief stehende und aufopferungsvoll verteidigende Fürther das Spiel zu machen. So wurde es die vierte Saisonniederlage für den 1. FC Union.

Hans-Peter Becker

Niederlagen freies Wochenende im Berliner Profifußball

Los ging es am Freitagabend, 3. Dezember, 13.500 Zuschauer waren in der Alten Försterei zugelassen und RB Leipzig ereilte das gleiche Schicksal wie zuvor der Alten Dame aus Charlottenburg. Was nützt es Dir einen talentierteren Kader, als der Gegner zu haben, wenn vor dem Tor einfach nichts passiert? Das Gegentor, zwischenzeitlich stand es 1:1, war ein kleines Geschenk von Union-Keeper Luthe an die Leipziger. Schlussendlich wurde es der fünfte Heimsieg der Saison. Nur zwei Teams haben zu Hause mehr Punkte geholt als die Eisernen. Die Niederlage war dann auch eine zu viel für Trainer Jesse Marsch. Er sah die Niederlage nicht von der Bank aus, er war coronabedingt im Homeoffice.

Nur auswärts stockt es bei den Eisernen, da hat der Lokalrivale sogar die Nase vorn und in der Fremde einen Punkt mehr geholt. Zuletzt waren sie in Stuttgart nicht ganz erfolglos. Immerhin wurde nach einem verpatzten Start noch ein respektables Ergebnis erzielt. Das 2:2 war verdient, es war sogar mehr drin. Ein Tabellennachbar wurde auf Distanz gehalten. Bis zur Halbzeit der Saison sind es noch drei Spiele. Nächster Gegner ist die ebenfalls abstiegsgefährdete Elf von Arminia Bielefeld.

Nicht verloren hat am Samstag, 4. Dezember Viktoria Berlin. Für die Himmelblauen war es das letzte Heimspiel in diesem Jahr. Im inzwischen heimischen Jahnsportpark war leider das Interesse mäßig, dafür kann sich die bisher als Aufsteiger vorzuzeigende Bilanz durchaus sehen lassen. Es war ein 0:0 der besseren Sorte. Der Gast aus München hatte zuletzt den Trainer gewechselt, blieb aber trotzdem im sechsten Spiel in Folge ohne Sieg. Zum Spieler des Tages wurde Türkgücü’s Torwart Franco Flückinger gewählt. Ebenfalls einiges zu tun hatte sein Kollege bei Viktoria Julian Krahl. In der Schlussphase sah Abwehrspieler Jakob Lewald Gelb-Rot, sodass der Punkt für Viktoria fast noch in Gefahr geriet.

Hans-Peter Becker

Hertha BSC: Der vorweihnachtliche Schuss kann auch nach hinten losgehen

In Fredi Bobic habe ich großes Vertrauen. Empfand es auch als angenehm, wie er sich bei Verbal-Angriffen vor Trainer Pal Dardai stellte. Dennoch kann meiner Meinung nach die Entlassung des verdienstvollen Coaches und die Neuverpflichtung von Taifun Korkut nach hinten losgehen. Dann brennt aber die Hütte gewaltiger denn je. Ein Grund, einmal das Für und Wider etwas näher zu beleuchten.

Wie Pal Dardai hat auch Taifun Korkut bewiesen, eine Mannschaft vor dem Abstieg retten zu können. Zwar nicht ganz so oft wie Dardai und nicht so kontinuierlich. Tayfun und Fredi kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in Stuttgart. Fredi Bobic ist als von Korkut überzeugt, dass er eine Mannschaft führen kann. Diesbezüglich hat Pal Dardai aber auch seine Visitenkarte in Berlin abgegeben. Beim Retter Dardai kommt hinzu, Nachwuchsspieler ins Profi-Geschäft führen zu können.

Nach Lage der Dinge konnte Dardai immer wieder nur reagieren und selbst wenig agieren. Der Vorwurf, dass es in der Entwicklung der Mannschaft nicht weiter voranging, hat für fast jeden erkennbar andere Gründe.

Ich fand übrigens auch Bruno Labbadia recht zukunftsträchtig. Die vielen Trainer in kurzer Zeit sprechen nicht für Hertha. Vielleicht fühlen sich die Bosse in Sachen Dardai sicher, dass er ja sofort wieder in der Bundesliga tätig werden könnte, wenn es mit dem Neuen nicht klappt. Gentleman Dardai hatte sogar mehrere Angebote anderer Bundesligavereine bisher immer abgelehnt. Bei aller Verbundenheit zu Hertha, es könnte ja auch einmal anders laufen – nach dem Motto: Jetzt habe ich die Schnauze voll! Ich lasse mich doch nicht immer wieder demütigen.

Lieber Pal, wenn du nach außen lächelst und sagst, dann gehe ich zu meiner Jugend zurück, könnte es im Innern ganz anders aussehen. Nicht einmal, weil es zwischen einem Jugend-Trainer-Gehalt und dem in der Bundesliga einen großen Unterschied gibt, sondern weil in der Seele etwas einfach wehtun muss, wenn man ein Scheitern begründet, er konnte der Mannschaft keine Impulse in Richtung Zukunft mehr geben. Welch großartiges Zeugnis ist das? Geht’s überhaupt schlimmer?

Nun, die Zeit von Korkut in Stuttgart war nicht von Dauer- sogar wesentlich kürzer. Jetzt steht er vom ersten Tag an unter enormen Druck. Es helfen nur Ergebnisse. Natürlich drücke ich ihm die Daumen. Unvorstellbar, für die Zukunft von Hertha, wenn das schiefgeht. Zum Glück hat Hertha das Geld von Investor Lars Windhorst (374 Mill.) bereits vereinnahmt. Die Nachricht vom Termin, 14.12., über die Insolvenz-Entscheidung seiner Tennor Holding B.V. (Aktenzeichen 34355195) passt zu den aktuellen Problemen der aktuellen Nummer Zwei in Berlin. Da kann es ein Hauen und Stechen geben.

Christian Zschiedrich

Pal Dardai ist wieder Geschichte bei der Hertha

Ein knappes Jahr hat es gedauert und wieder ein neuer Trainer. Eigentlich sollte mit diesem Aktionismus mal Schluss sein. So sehen Fachleute und die Fans der Hertha den Trainerwechsel mit gemischten Gefühlen. Gespeist auch daraus, weil der Nachfolger alles andere als den Ruf hat, ein Erfolgstrainer zu sein. Tayfun Korkut, so heißt der Nachfolger, hat seit 2018 keinen Verein mehr trainiert und sein Vertrag soll zunächst nur bis zum Saisonende laufen.

Er übernimmt eine intakte Mannschaft, allerdings alles andere als optimal zusammengestellt. Im Sturm spielen zu ähnliche Typen und es fehlt an Kreativspielern im Mittelfeld. Die Probleme im Spielaufbau sind nicht zu übersehen. Hertha wirkt nicht wie Absteiger, aber auch nicht besser als Platz zwölf in der Bundesliga. Viele zu wenig für eine Mannschaft, die in den vergangenen 14 Monaten 374 Millionen Euro von einem Investor bekommen hat.

Fredi Bobic musste handeln, eine Weiterentwicklung der Mannschaft war nicht zu erkennen. Der Wechsel kommt nicht so überraschend. Ob Korkut allerdings das Blatt wenden und mehr als den Klassenerhalt herausholen kann? Es muss eine durchgehende Spielidee her, in einem taktischen System, was dem Talent der Mannschaft entspricht. Mal abgesehen von den beiden Auswärtsauftritten in München und Leipzig hat die Hertha soliden Fußball geboten. Hier kann der neue Trainer ansetzen.

Vier Spiele sind es noch bis zum Jahresende. Das nächste Spiel ist dann auswärts in Stuttgart. Bobic und Korkut kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim VfB. Ein paar Punkte sollten bis Weihnachten gesammelt werden, mit den bisherigen 14 kommen sie nicht weit. Neben der sportlichen Leistungsfähigkeit sind zudem die Coronabedingungen zu beachten.

Hans-Peter Becker

Berliner Profifußball mit mauem Wochenende

Es war der 13. Spieltag und vielleicht lag es an dieser Zahl, dass den beiden Bundesligisten ein fast identisches Schicksal widerfuhr. Ein spätes, sogar sehr spätes Gegentor, Hertha ging so der Sieg durch die Lappen, während den Eisernen der Auswärtspunkt entglitt. Solange nicht abgepfiffen ist, können halt Tore fallen.

Hertha quälte sich, bei nasskaltem Wetter vor 14.523 Zuschauern in der Riesenschüssel im Olympiastadion gegen Augsburg. Es wäre ein glücklicher Sieg geworden. Zecke Neuendorf verlor nach dem Schlusspfiff die Nerven und attackierte verbal den vierten Offiziellen und sah dafür die Rote Karte. Es läuft einfach nicht bei der „Alten Dame“. Einziger Lichtblick war Marco Richter, der einen Abwehrschnitzer der Augsburger zur Führung nutzte. Ein weiters Hertha-Tor fand wegen einer Abseitsstellung keine Anerkennung.

Hochklassige Auftritte sind auch vom Rivalen aus Köpenick nicht zu erwarten. Sie spielen, was sie können, was der Kader eben hergibt. So ist man für fast jeden Gegner ekelig und sammelt fleißig Punkte. Das klappt halt nicht immer. So wurde in Frankfurt mit 1:2 verloren. Ein Elfmeter, sicher verwandelt von Max Kruse zum 1:1, reichte nicht.

Erwähnen wir noch kurz das dritte Berliner Profiteam. Viktoria verlor beim 1. FC Saarbrücken mit 0:2. Sie erwischten den besseren Start, trafen leider das Tor nicht und wurden durch zwei späte Gegentore bestraft. Viktoria muss aufpassen, jetzt nicht sacht nach hinten durchgereicht zu werden. Das letzte Heimspiel in Jahr 2021, am kommenden Samstag, 4.12. im Jahnsportpark gegen Türkgücü München.

Hans-Peter Becker

Verdienter Derbysieg für die Eisernen

Es war ein verdienter Sieg für die Eisernen. Leidenschaft schlug Beamtenfußball. Ein individueller Fehler und ein Sonntagsschuss entschieden das Spiel. Nach einer halben Stunde führten die Gastgeber in der ausverkauften „Alten Försterei“ mit 2:0. Diese Situation war wie gemalt für die Rot-Weißen. Hertha war gezwungen, das Spiel zu machen und darin lag, neben der wackligen Abwehr, genau das Problem.

Kurz vor der Halbzeitpause hatte Hertha Pech. Ein Treffer von Pekarik fand wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung keine Anerkennung. Der Kölner Keller griff ein, erst nach mehrminütiger Prüfung wurde das Tor zurückgenommen. Piatek stand hauchzart mit der Schulter im Abseits, der Assistent hatte die Fahne unten, Luthe wehrte ab, zu kurz und Pekarik traf. Allerdings ist hier fragen, resultierte daraus nicht eine neue Spielsituation? Es ist jetzt müßig darüber weiter nachzudenken, diese Szene hat das Spiel nicht entschieden. Nachdenken muss Hertha, warum bot die Mannschaft, ausgerechnet im Derby, so eine schlechte Leistung?

Für die zweite Halbzeit stellte Pal Dardai taktisch um. Die Doppelsechs wurde aufgelöst, für Tousart kam mit Beldofil ein zusätzlicher Stürmer. Aus dem 4-2-3-1 wurde ein 4-3-3, allerdings wurde nichts besser. Außer viel Ballbesitz konnte Hertha nichts bieten, die Eisernen kreierten dagegen einige gefährliche Kontersituationen. Der Sieg der Eisernen war nie ernsthaft gefährdet

Die Eisernen belegen bereits wieder einen internationalen Platz, während Hertha erneut nach unten blicken muss. Der Aufwärtstrend wurde gestoppt.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

20.11.2021 18:30 Uhr

1. FC Union Berlin – Hertha BSC 2:0 (2:0)

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (90.+1 Ryerson), Friedrich, Knoche, Baumgartl, Gießelmann – Haraguchi (82. Öztunali), Khedira, Prömel (71. Möhwald) – Kruse (90.+1 Voglsammer), Awoniyi (82. Becker) 5-3-2

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (71. Jastrzembski), Stark, Dardai, Plattenhardt – Ascacibar, Tousart (46. Belfodil) – Richter (86. Selke), Serdar, Mittelstädt (61. Prince-Boateng) – Piatek (61. Ekkelenkamp) 4-2-3-1/4-3-3

Tore: 1:0 Awoniyi (8.), 2:0 Trimmel (30.) 

Zuschauerzahl: 22.012