Hertha BSC: Der vorweihnachtliche Schuss kann auch nach hinten losgehen

In Fredi Bobic habe ich großes Vertrauen. Empfand es auch als angenehm, wie er sich bei Verbal-Angriffen vor Trainer Pal Dardai stellte. Dennoch kann meiner Meinung nach die Entlassung des verdienstvollen Coaches und die Neuverpflichtung von Taifun Korkut nach hinten losgehen. Dann brennt aber die Hütte gewaltiger denn je. Ein Grund, einmal das Für und Wider etwas näher zu beleuchten.

Wie Pal Dardai hat auch Taifun Korkut bewiesen, eine Mannschaft vor dem Abstieg retten zu können. Zwar nicht ganz so oft wie Dardai und nicht so kontinuierlich. Tayfun und Fredi kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in Stuttgart. Fredi Bobic ist als von Korkut überzeugt, dass er eine Mannschaft führen kann. Diesbezüglich hat Pal Dardai aber auch seine Visitenkarte in Berlin abgegeben. Beim Retter Dardai kommt hinzu, Nachwuchsspieler ins Profi-Geschäft führen zu können.

Nach Lage der Dinge konnte Dardai immer wieder nur reagieren und selbst wenig agieren. Der Vorwurf, dass es in der Entwicklung der Mannschaft nicht weiter voranging, hat für fast jeden erkennbar andere Gründe.

Ich fand übrigens auch Bruno Labbadia recht zukunftsträchtig. Die vielen Trainer in kurzer Zeit sprechen nicht für Hertha. Vielleicht fühlen sich die Bosse in Sachen Dardai sicher, dass er ja sofort wieder in der Bundesliga tätig werden könnte, wenn es mit dem Neuen nicht klappt. Gentleman Dardai hatte sogar mehrere Angebote anderer Bundesligavereine bisher immer abgelehnt. Bei aller Verbundenheit zu Hertha, es könnte ja auch einmal anders laufen – nach dem Motto: Jetzt habe ich die Schnauze voll! Ich lasse mich doch nicht immer wieder demütigen.

Lieber Pal, wenn du nach außen lächelst und sagst, dann gehe ich zu meiner Jugend zurück, könnte es im Innern ganz anders aussehen. Nicht einmal, weil es zwischen einem Jugend-Trainer-Gehalt und dem in der Bundesliga einen großen Unterschied gibt, sondern weil in der Seele etwas einfach wehtun muss, wenn man ein Scheitern begründet, er konnte der Mannschaft keine Impulse in Richtung Zukunft mehr geben. Welch großartiges Zeugnis ist das? Geht’s überhaupt schlimmer?

Nun, die Zeit von Korkut in Stuttgart war nicht von Dauer- sogar wesentlich kürzer. Jetzt steht er vom ersten Tag an unter enormen Druck. Es helfen nur Ergebnisse. Natürlich drücke ich ihm die Daumen. Unvorstellbar, für die Zukunft von Hertha, wenn das schiefgeht. Zum Glück hat Hertha das Geld von Investor Lars Windhorst (374 Mill.) bereits vereinnahmt. Die Nachricht vom Termin, 14.12., über die Insolvenz-Entscheidung seiner Tennor Holding B.V. (Aktenzeichen 34355195) passt zu den aktuellen Problemen der aktuellen Nummer Zwei in Berlin. Da kann es ein Hauen und Stechen geben.

Christian Zschiedrich

Pal Dardai ist wieder Geschichte bei der Hertha

Ein knappes Jahr hat es gedauert und wieder ein neuer Trainer. Eigentlich sollte mit diesem Aktionismus mal Schluss sein. So sehen Fachleute und die Fans der Hertha den Trainerwechsel mit gemischten Gefühlen. Gespeist auch daraus, weil der Nachfolger alles andere als den Ruf hat, ein Erfolgstrainer zu sein. Tayfun Korkut, so heißt der Nachfolger, hat seit 2018 keinen Verein mehr trainiert und sein Vertrag soll zunächst nur bis zum Saisonende laufen.

Er übernimmt eine intakte Mannschaft, allerdings alles andere als optimal zusammengestellt. Im Sturm spielen zu ähnliche Typen und es fehlt an Kreativspielern im Mittelfeld. Die Probleme im Spielaufbau sind nicht zu übersehen. Hertha wirkt nicht wie Absteiger, aber auch nicht besser als Platz zwölf in der Bundesliga. Viele zu wenig für eine Mannschaft, die in den vergangenen 14 Monaten 374 Millionen Euro von einem Investor bekommen hat.

Fredi Bobic musste handeln, eine Weiterentwicklung der Mannschaft war nicht zu erkennen. Der Wechsel kommt nicht so überraschend. Ob Korkut allerdings das Blatt wenden und mehr als den Klassenerhalt herausholen kann? Es muss eine durchgehende Spielidee her, in einem taktischen System, was dem Talent der Mannschaft entspricht. Mal abgesehen von den beiden Auswärtsauftritten in München und Leipzig hat die Hertha soliden Fußball geboten. Hier kann der neue Trainer ansetzen.

Vier Spiele sind es noch bis zum Jahresende. Das nächste Spiel ist dann auswärts in Stuttgart. Bobic und Korkut kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim VfB. Ein paar Punkte sollten bis Weihnachten gesammelt werden, mit den bisherigen 14 kommen sie nicht weit. Neben der sportlichen Leistungsfähigkeit sind zudem die Coronabedingungen zu beachten.

Hans-Peter Becker

Verdienter Derbysieg für die Eisernen

Es war ein verdienter Sieg für die Eisernen. Leidenschaft schlug Beamtenfußball. Ein individueller Fehler und ein Sonntagsschuss entschieden das Spiel. Nach einer halben Stunde führten die Gastgeber in der ausverkauften „Alten Försterei“ mit 2:0. Diese Situation war wie gemalt für die Rot-Weißen. Hertha war gezwungen, das Spiel zu machen und darin lag, neben der wackligen Abwehr, genau das Problem.

Kurz vor der Halbzeitpause hatte Hertha Pech. Ein Treffer von Pekarik fand wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung keine Anerkennung. Der Kölner Keller griff ein, erst nach mehrminütiger Prüfung wurde das Tor zurückgenommen. Piatek stand hauchzart mit der Schulter im Abseits, der Assistent hatte die Fahne unten, Luthe wehrte ab, zu kurz und Pekarik traf. Allerdings ist hier fragen, resultierte daraus nicht eine neue Spielsituation? Es ist jetzt müßig darüber weiter nachzudenken, diese Szene hat das Spiel nicht entschieden. Nachdenken muss Hertha, warum bot die Mannschaft, ausgerechnet im Derby, so eine schlechte Leistung?

Für die zweite Halbzeit stellte Pal Dardai taktisch um. Die Doppelsechs wurde aufgelöst, für Tousart kam mit Beldofil ein zusätzlicher Stürmer. Aus dem 4-2-3-1 wurde ein 4-3-3, allerdings wurde nichts besser. Außer viel Ballbesitz konnte Hertha nichts bieten, die Eisernen kreierten dagegen einige gefährliche Kontersituationen. Der Sieg der Eisernen war nie ernsthaft gefährdet

Die Eisernen belegen bereits wieder einen internationalen Platz, während Hertha erneut nach unten blicken muss. Der Aufwärtstrend wurde gestoppt.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

20.11.2021 18:30 Uhr

1. FC Union Berlin – Hertha BSC 2:0 (2:0)

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (90.+1 Ryerson), Friedrich, Knoche, Baumgartl, Gießelmann – Haraguchi (82. Öztunali), Khedira, Prömel (71. Möhwald) – Kruse (90.+1 Voglsammer), Awoniyi (82. Becker) 5-3-2

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (71. Jastrzembski), Stark, Dardai, Plattenhardt – Ascacibar, Tousart (46. Belfodil) – Richter (86. Selke), Serdar, Mittelstädt (61. Prince-Boateng) – Piatek (61. Ekkelenkamp) 4-2-3-1/4-3-3

Tore: 1:0 Awoniyi (8.), 2:0 Trimmel (30.) 

Zuschauerzahl: 22.012 

Hauptstadtderby – fünfte Auflage mit Maske

Das Stadion in Köpenick soll – Stand vom Donnerstag, 18. November – wieder bis auf den allerletzten Platz gefüllt sein. Ob es wirklich so kommen wird, abwarten. Eins ist gewiss, um 18:30 Uhr erfolgt der Anstoß und nach 90 regulären Spielminuten plus Nachspielzeit wird ein Ergebnis zu verkünden sein. Ein Fußballspiel beginnt mit 0:0. Das sollte nach Lage der Dinge nicht das Endergebnis sein. Die „Alte Dame“ aus Charlottenburg hat in der laufenden Saison bereits 24 Gegentore hinnehmen müssen, eine schlechtere Bilanz hat nur Aufsteiger Greuther Fürth. Abgesehen vom Saisonauftakt gegen Augsburg, haben die Eisernen in ihren Heimspielen immer getroffen, sogar gegen die Bayern.

Es ist nicht übertrieben, den Köpenickern eine leichte Favoritenstellung zuzuschreiben. Etwas anders sehen das Dardai und Bobic,:“Es gibt keinen Favoriten.“ Sieht man sich die Bilanz der bisherigen Spiele an, so konnte die Auswärtsmannschaft noch nicht gewinnen. Die Mannschaft von Urs Fischer erscheint eingespielter als der Rivale aus dem ehemaligen Westen. Blicken wir auf die zurückliegenden 11 Spieltage, so haben 7 Akteure der Eisernen auch genau diese Zahl an Einsätzen aufzuweisen. Bei der Hertha sind es nur deren zwei, die Torhüter sind hier nicht mitgezählt, denn Schwolow und Luthe haben bisher in allen Punktspielen in der Startelf gestanden.

Urs Fischer hat seiner Mannschaft basierend auf einem 3-5-2 System eine grundlegende Spielidee vermitteln können. Der durchschnittliche Ballbesitz liegt nur bei 41 %, man lauert auf Konter oder versucht in der torgefährlichen Zone Standards zu erzwingen. Urs Fischer hat Hertha natürlich genau beobachtet und geht davon aus, dass gegen Hertha auch spielerische Lösungen gefunden werden müssen.

Pal Dardai dagegen experimentiert. Begonnen hat mit einer 4er Kette in der Abwehr. Die beiden siegreichen Spiele gegen Bochum und Fürth bestritten die Herthaner mit einer 3er Kette und nach dem desaströsen Auftritt in Leipzig kehrten sie zum 4-3-3 (Auswärtserfolg in Frankfurt) bzw. 4-2-3-1 beim Unentschieden gegen Leverkusen zurück. Gegen Union wird er vermutlich ähnlich spielen lassen.

Was die Kader betrifft, so gibt auf beiden Seiten einige Ausfälle. In der Abwehr fehlt der wegen einer Roten Karte gesperrte Boyata, Darida ist verletzt und Klünter nach einer Verletzung noch im Aufbautraining.

Bei den Eisernen steht ein Fragezeichen hinter Kruse und Behrens ist nach einem positiven Covid-Test in Quarantäne. Am Donnerstagmorgen hatte sich Jaeckel kränklich gefühlt, das Testergebnis steht noch aus.

Das Spiel findet unter 2G Bedingungen statt. Geimpft oder Genesen und eine Eintrittskarte, so dürfen 22.012 Zuschauer dabei sein. Aufgrund der aktuellen Situation sind die Fans aufgefordert, sich zusätzlich testen zu lassen und ständig vor Ort eine Maske zu tragen. Mal sehen, ob das funktioniert. Die Ultras von Hertha und Union jedenfalls wollen an ihrem Boykott festhalten.

Hans-Peter Becker

Hertha empfängt Gladbach

Auf Bundesliga-Paarungen können Wetten abgeschlossen werden, aus Spaß oder gegen Geld. Wer etwas Sachverstand hat, könnte vielleicht absahnen. Was heißt hier Sachverstand? Experten liegen oft falsch. Fußballtrainer, an deren Kenntnisse wohl niemand zweifelt, sagen von sich selbst, schlechte Tipper zu sein.

Natürlich hoffen beide Trainer auf einen Sieg. Richtig, sie hoffen, ob es so kommen wird? Weder Pal Dardai noch Aldi Hütter wissen, wie es ausgeht. Schließlich geht man deshalb ins Stadion.

Wie könnte es ausgehen? Der Gast ist seit drei Spielen ungeschlagen, nach holprigen Start. Bei Hertha ist es ähnlich. Zuletzt ein nicht unbedingt erwarteter Auswärtserfolg und davor zwei Niederlagen. Beide brauchen die Punkte, das gilt fast vor jedem Spiel. Hertha will den Aufwärtstrend bestätigen und wie Pal Dardai es ausdrückte, jetzt den nächsten Schritt tun. Nach der Länderspielpause, leert sich die Verletztenliste. Nicht einsatzfähig sind Klünter, Toussart, Torunaringha. Viel zu ändern in der Mannschaftsaufstellung gibt es nicht. Ich tippe mal auf Sieg für Hertha, um mich zu ärgern, wenn das nicht passieren sollte. Verlieren würde ich nur Punkte. Wer Geld einsetzen will, die Quote für einen Herthasieg liegt bei 3,80, ein Unentschieden 3,60 und ein Sieg für Gladbach bringt nur 1,95.

In der Bundesliga gab es diese Paarung bisher 66 Mal, 24 Siege für Hertha, 17 Unentschieden und 25 Siege für die Fohlen.

Christian Zschiedrich

Arne Friedrich rettete Pal Dardai

Das könnte sich bereits am Samstag, 25.09, gegen RB in Leipzig auszahlen. Leipzig ist holprig in die Saison gestartet, Tabellenplatz 12, fünf Spiele, vier Punkte, dagegen ist die Stimmung bei der Hertha nach zwei Siegen in Folge gegen den VfL in Bochum und dem Heimsieg, 2:1, gegen die SpVgg Greuther Fürth, deutlich besser. Das hatte den Sprung mit sechs Punkten auf Platz 9 der Tabelle zur Folge. Überschwänglich wird der Torschütze aus den Niederlanden Jurgen Ekkenlenkamp in den Gazetten gelobt und als die passende Neuverpflichtung herausgestellt. Es scheint endlich wieder mal gut zu passen, vor allem seiner menschlichen, zurückhaltenden Art wegen. Er selbst bezeichnet sich mit seinen 21 Jahren als einen schüchternen Typ. Nun freut er sich in Leipzig auf sein Startelf-Debüt. Pal Dardai möchte punkte mäßig gleich nachlegen.

Doch mir hat sich die Szene eingeprägt, als Pal Dardai wegen Meckerns von Schiedsrichter Stieler aus Hamburg die gelbe Karte erhielt, aufsprang und aufbrauste. Seine Freunde schätzen ihren Pal wegen  der sonst so besonnenen Art, der im Grunde viel Verständnis für die „schwarze Zunft“ aufbringt und auch seine Spieler in der Regel in strittigen Situationen besänftigt. Er gilt als ein charakterfester Mensch, der sagt, was er denkt. Doch gegen Greuther Fürth musste Arne Friedrich ihn gleich mehrmals am Kragen packen und unsanft zurückstoßen.

Der Trainer darf doch keine Emotionen haben, trotz des Wissens, dass ein Schiedsrichterteam im Streitfall stets am längeren Hebel sitzt. Was wäre wohl geschehen, hätte Arne Friedrich den Trainer nicht festgehalten. Aus der gelben Karte wäre die Rote geworden und Pal hätte auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Eine Verhandlung beim DFB und bestimmt eine hohe Geldstrafe wäre unvermeidlich und Berlins Trainer garantiert der Verlierer gewesen. Wahrscheinlich sogar für ein paar Spiele gesperrt worden. Das werden ihm seine Hertha-Freunde bestimmt vor Augen geführt haben.

Dardai nach dem Spiel auf die Vorkommnisse angesprochen, taktisch die beste Lösung: „Ich hab mich schon längst entschuldigt“! In dem Fall lieber mal als Umfaller gelten, sich aber die Erfahrungen aus zahlreichen hohen Strafen gegen Trainer – sie müssen doch Vorbilder sein – und jetzt vielleicht geschickt sein Unverständnis im Detail über die Schiedsrichtersituation bei passender Gelegenheit anprangern. Arne, dir gehört der Dank.

Christian Zschiedrich

Auswärts mit fünf Torschüssen drei Tore erzielt

Wann war Hertha BSC schon mal so effektiv? Doppeltorschütze  in Bochum vor 14.000 Zuschauern Suat Serdar (37./43.), Neuzugang von Schalke, erzielte die Halbzeitführung und stellte bis dahin den Spielverlauf Kopf, denn Hertha war mit Fünferkette durchaus nur mit Abwehrarbeit gegen den Aufsteiger beschäftigt. Situationsbedingt die richtige Taktik von Trainer Pal Dardai. Zudem sind die erforderlichen Wechsel geradezu optimal vom Coach vorgenommen worden. In so einem wichtigen Spiel schmeißt Dardai einen 17-Jährigen ab der 46. Minute in die Partie. Klünter verletzte sich an der Schulter und Torunarigha erwischte es im Oberschenkel, mussten zwangsläufig raus. Zeefuik kam für Klünter bereits in Minute 32 und Mittelstädt für Torunarigha zur Pause. Schließlich die ganz große Überraschung. Der erst 17 Jahre alte U18-Nationalspieler Linus Gechter kommt nach der Halbzeit für Jastrzembski. Welch eine mutige Entscheidung von Pal Dardai. Letztendlich stand nicht nur für Hertha, sondern für den Trainer selbst viel auf dem Spiel.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Headlight Pictures

Der Druck der Platzherren nahm im zweiten Durchgang, auch durch Herthas Führung geschuldet, sogar noch zu. Nach einer Stunde Spielzeit, genau in Minute 59, gelingt Zoller der 1:2 Anschlusstreffer. Nun wollte der VfL natürlich mehr, noch mehr Angriffs-Initiativen, mehr Offensive, Powerplay. Hertha setzte auf Konter und Dardai wechselte zweimal goldrichtig: 57. Maolida für Richter und 73. Boateng für Belfodil. Des Trainers glückliches Händchen, mit Maolida wechselte Dardai den Torschützen zum 3:1 (78.) in Bochum ein. Die Chancen der Bochumer zum Ausgleich waren zuvor zahlreich vorhanden. Man stelle sich vor, die Partie wäre verloren gegangen. Stattdessen schaffte Hertha mit fünf Torschüssen drei Tore und die Abwehr hielt in der Angriffsflut stand. Ballbesitz in Prozent 68:32 für den Aufsteiger. Bereits am Freitag, 17. September spielt Hertha gegen den nächsten Aufsteiger, den aktuellen Tabellenletzten Greuther Fürth im heimischen Olympiastadion. Auf der Trainerbank sitzt garantiert Pal Dardai.

Die verletzten bzw. angeschlagenen Spieler M. Dardai, Jovetic, Plattenhardt, Piatek, Selke und Jarstein sollten wieder voll einsatzfähig sein. Stellt sich mit dem Selbstvertrauen und neuen Schwung die Frage nach der Höhe des zweiten Sieges? Übrigens, wer Pal Dardai kennt, kann sein Rücktrittsangebot auch anders als nur dumm auslegen. Fredi Bobic durfte seinem Trainer durchaus mal den Marsch blasen, er wird hoffentlich weiter zu ihm halten und wissen, dass ein Trainer es bestimmt spürt, wenn der Verein sich um einen Neuen bemüht.  

Christian Zschiedrich                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

Berliner Bundesligisten punkten

Am 4. Spieltag haben beide Berliner Bundesligisten gepunktet. Am Samstag holten die Eisernen einen Punkt und einen Tag später holte die „Alte Dame“ aus Charlottenburg den ersten Sieg der Saison. In der Wuhlheide wurde mit Toren gegeizt, mehr als ein ansehnliches 0:0 gegen den FC Augsburg kam dabei nicht heraus. „Am Schluss können heute wahrscheinlich beide Mannschaften mit dem Punkt gut leben. Es war ein intensives Spiel mit vielen Möglichkeiten, aber die Torhüter haben heute beide eine Top-Leistung gezeigt. Andreas Luthe hat uns heute auf der einen Seite im Spiel gehalten, auf der anderen Seite hatten wir einige Möglichkeiten, bei denen wir Tore erzielen müssen. Das Gleiche wird aber Markus Weinzierl vermutlich auch sagen, deswegen nehmen wir den Punkt mit und sind heute zufrieden“, lautete das Fazit von Urs Fischer im Anschluss an das Spiel.

Zufriedener war Hertha-Trainer Pal Dardai. Gnadenlos effektiv präsentierte sich seine Mannschaft, taktisch hatten sie sich auch was einfallen lassen. Dardai ließ erstmalig in dieser Saison in einer 3-4-2-1 System spielen, rückte von der gewohnten 4er Abwehrkette ab. Sicherlich war nicht beabsichtigt, dem Gegner soviel Ballbesitz zu überlassen. Hertha kam nur auf 33 % gegen den Aufsteiger. Lediglich 5 Torschüsse waren zu notieren, davon trafen allerdings 3 ins Ziel. Bochum hatte deren 18 und lediglich einer davon fand den Weg an Hertha-Keeper Alexander Schwolow vorbei. Erstmal Aufatmen bei der Hertha, drei Punkte sind auf der Habenseite. Na bitte, es geht doch. Der nächste Gegner ist wieder ein Aufsteiger, im Heimspiel wird Greuther Fürth erwartet.

Während sich Hertha in aller Ruhe eine ganze Woche lang auf den kommenden Gegner vorbereiten kann, müssen die Eisernen unter Woche international mit Reisestrapazen ran. Die Elf von Urs Fischer tritt am Donnerstag, dem 16.09.2021 im Sinobo Stadion bei Slavia Prag an. Der Anpfiff der Partie in der neu geschaffenen UEFA Europa Conference League erfolgt um 18:45 Uhr an.

Hans-Peter Becker

Pal Dardai – Herthaner mit Charakter und Haltung

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: © Sportick

Er konnte sich denken, was auf ihn zukommt. Er ist garantiert nicht Schuld an der Situation von Hertha BSC. Nach total misslungenem Start brennt beim Hauptstadtclub die Luft. Ich hatte im Sinne der neuen Führung  jedes positive Signal wohlwollend aufgenommen und auch nicht mit null Punkten nach drei Spielen gerechnet. Jetzt sind es ausgerechnet die eigenen Anhänger, die im Internet dem Trainer zu Leibe gehen. Offiziell hieß es im Club übereinstimmend, Pal Dardai soll diesmal weitermachen. Anscheinend hat der Trainer auch mitbekommen, dass laut BZ der Verein seit langem einen großen Trainer sucht. Ich behaupte, wie er auch heißen mag, er wird ebenfalls große Probleme bei Hertha vorfinden und haben. Aktuell ist Pal Dardai demzufolge wieder nur Trainer auf Abruf. In der Länderspielpause könnten sich die Meldungen täglich überschlagen. Pal Dardai hängt nicht an seinem Amt und der Funktion. Pal Dardai hat Charakter und bietet seinen Rücktritt an.

Nun kommt es auf Neu-Manager Fredi Bobic an. Nach Cunhas Abgang ist der Kader schwächer, als vor der Transferperiode. Erschreckend zudem die Leistungen. Bobic muss also nicht nur neue Spieler kaufen, er müsste dem verbliebenen Kader klarmachen: „Diesmal ist der Trainer nach 170 Spielen und der Rettung in der Saison zuvor,  unantastbar“! Ein Machtwort sowohl von Fredi Bobic als auch von Hertha-Boss Carsten Schmidt würde den Wunsch nach Stabilität untermauern. Die Frage ist, wie bloß reagieren die Hertha-Bosse?

Christian Zschiedrich

Union holt den ersten Sieg und bei Hertha brennt der Baum

Am 3. Spieltag der letzten Saison musste Hertha in München bei den Bayern antreten, ein knappes Jahr ist seitdem vergangen. Damals bot die Hertha den Bayern Paroli und hätte fast einen Punkt mitgenommen. Ein Elfmeter in der Nachspielzeit rette den Bayern den Sieg und Hertha hatte zweimal einen Rückstand egalisiert. Der Trainer hieß Bruno Labbadia, Hertha hatte immerhin 3 Punkte auf dem Konto und 8 Treffer erzielt. In der Neuauflage waren die Berliner chancenlos. Nicht nur chancenlos, sondern ideen- und kraftlos dazu, sie wirkten wie Zweitligist. Ein schrecklicher Auftritt war es in Münchner Arena. Der Blick auf die Tabelle verdeutlicht die Misere, null Punkte und bereits 10 Gegentore kassiert. Da stand keine Mannschaft auf dem Platz.

Es brennt jetzt schon der Baum im Westend. Der mächtige Mann bei der Hertha Carsten Schmidt sprach zwar in der TV-Sendung Doppelpass dem Trainer das Vertrauen aus, doch Pal Dardai scheint zu ahnen, was kommen könnte.

„Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange, wie es sein soll. Wenn ein ganz großer Trainer hier ist, geht Pal sofort zurück zur U16 und macht seine Sache wie früher“, so seine Aussage in einer Medienrunde am Tag nach der verheerenden Niederlage.

Nach der Länderspielpause muss Hertha beim Aufsteiger VfL Bochum antreten, während der 1. FC Union erneut ein Heimspiel hat und den FC Augsburg empfängt.

Im Sonntagsspiel besiegten die Köpenicker Borussia Mönchengladbach. Die ambitionierte Mannschaft vom Niederrhein hat damit ähnlich wie die Hertha einen Fehlstart hingelegt und nur einen Punkt mehr auf dem Konto.

Bei den Eisernen fehlte Innenverteidiger Marvin Friedrich wegen einer rot-gelben Karte. Ob er wohl weiter für die Köpenicker spielen wird? Das Transferfenster ist noch bis zum 1. September geöffnet und es tauchte am Sonntag das Gerücht auf, Hertha will ihn verpflichten. Oliver Ruhnert wollte sich dazu nicht weiter äußern, nur soviel war ihm zu entlocken. „Wir wissen natürlich, dass Marvin ein interessanter Spieler ist.“ Mal sehen was daraus wird.

Hans-Peter Becker