Hertha verschenkt zwei Punkte und Union verteidigt Tabellenführung

Das Ding geht durch die Decke, so äußerte sich Union-Präsident Dirk Zingler nach dem 6. Spieltag, da übernahmen sie die Tabellenführung. Okay, eine schöne Momentaufnahme und nicht mehr. Einen Spieltag weiter grüßen die Eisernen weiter von der Tabellenspitze, mit fünf Punkten Vorsprung vor dem amtierenden Meister.

Erschreckend schwache Wolfsburger wurden mit einer 0:2 Niederlage zurück an den Mittellandkanal geschickt. In Halbzeit eins stimmte bei der Kovac-Truppe wenigstens die Defensivarbeit. Das war es dann auch, nach der Pause kam nichts mehr. Die Eisernen wollten einfach mehr und wurden belohnt. Zwei wunderschöne Treffer durch das Sturmduo Jordan Siebatcheu und Sheraldo Becker entschieden die Partie. Vor der Länderspielpause konnten die Eisernen die Tabellenführung verteidigen und sind als einziges Team in dieser Saison noch ungeschlagen. Wie soll das weitergehen? Wahrscheinlich müssen sie sich öfter zwicken, kann das denn wahr sein?

Ein schöner Sonntag für den 1. FC Union, am Freitag zuvor spielte Hertha 1:1 in Mainz. Buchstäblich in letzter Sekunde gaben sie den Sieg aus der Hand. Seherische Fähigkeiten hatte Sportick-Chefredakteur Christian Zschiedrich, als er in seinem Vorbericht auf die Gefährlichkeit der Mainzer in der Schlussphase hinwies. Hertha steht mit sechs Punkten nach sieben Spieltagen nicht besser da, als in der letzten Saison. Allerdings machen die Auftritte, das sieht fußballerisch etwas besser aus, Mut auf den Klassenerhalt.

Am 8. Spieltag, nach der Länderspielpause, muss Union nach Frankfurt zur Eintracht reisen. Hertha spielt einen Tag später im Olympiastadion gegen die TSG Hoffenheim.

Hans-Peter Becker

Daumendrücken für Hertha in Mainz

Die Saison wird diesmal hoffentlich eine bessere für die Berliner, als die letzte, krisenhafte. Der Fan schaute voller Argwohn auf die Spiele und den meist abstiegsbedrohten Tabellenstand. Auch wenn es jetzt nach sechs Spielen keinen Anlass zur Freude gibt. Vielleicht ein bisschen beim 2:2 gegen Leverkusen wurde im Vergleich zur letzten Saison wenigstens Fußball gespielt. Insofern, es lohnt sich wieder ins Olympiastadion zu gehen. Am 7. Spieltag, zum Freitagabend gilt es in Mainz zu bestehen. Sollten sich da einige Spieler nicht mit der richtigen Einstellung auf das Feld begeben, könnte es ein Fiasko geben, zudem kehrt Hertha-Trainer Sandro Schwarz an seine einstige Wirkungsstätte zurück.

Kommentar Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Hertha steht dem Punktestand nach mit Wolfsburg und Stuttgart, jeweils fünf, auf dem Relegationsplatz. Hat sich Hertha, wäre wünschenswert, mit annehmbaren Ergebnissen gefestigt? Können wir mit konstanteren Leistungen, Spiel für Spiel, rechnen? Wenn nicht, ein Blick auf die Tabelle, hätte Hertha in Augsburg nicht gewonnen oder etwa gegen Leverkusen verloren, wo stünde Hertha vor dem 7. Spieltag? Die Krisenstimmung konnte vermieden werden. Das geht in der Bundesliga eben wirklich sehr schnell. Fast jeder kann jeden schlagen. Es ist sehr ausgeglichen, man schaue sich nur mal die Tabellenspitze an.

Das Selbstvertrauen kann bereits in nur einem Spiel wieder verloren gehen und reicht allein keineswegs. Wer glaubt, gegen Mainz ist es einfacher als gegen Leverkusen zu spielen, überall hängen die Trauben hoch. Mainz geht mit mannschaftlicher Geschlossenheit und großem Einsatz zu Werke. Sie geben bis zum Schluss nicht auf, gegen Augsburg gelang ihnen der Siegtreffer in der dritten Minute der Nachspielzeit. Gegen Mainz ist ein Erfolg möglich. Im Falle eines Sieges sähe, mit acht Punkten, die Welt gleich wieder viel freundlicher aus. Bis zum nächsten Heimspiel vergehen 2 Wochen, erst am 2. 10. kommt Hoffenheim ins Olympiastadion. Im Falle eines Erfolges in Mainz traue ich Hertha sogar die Punkte gegen Hoffenheim zu. Die TSG steht ja mit oben, will wieder ins internationale Geschäft. Jetzt erst einmal Mainz, das nächste Spiel ist ja immer das schwerste. Also haut euch ordentlich rein ins Match am Freitagabend.

Zu einer Vorschau aus Berliner Sicht gehört natürlich auch der 1. FC Union, bisher wurde der Tabellenführer in der Eliteliga noch gar nicht erwähnt. Der spielt zu Hause gegen Niko Kovac mit dem VfL Wolfsburg, in der Alten Försterei, am Sonntag, um 15.30 Uhr. Ein Sieg wird nicht einfach. Sollten die Wölfe in der Wuhlheide verlieren, wird die Luft für Kovac noch dünner.

Warum sind sie Spitzenreiter? Die mannschaftliche Geschlossenheit beeindruckt, wenn es auch international nicht so gut läuft. Mal sehen, wie es nach dem Spieltag aussehen wird.

Christian Zschiedrich

BFV beauftragt Studie zur Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit

BFV-Präsident Bernd Schultz Foto: BFV

Der Berliner Fußball-Verband initiiert seit vielen Jahren Kampagnen und Projekte gegen Diskriminierung, Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus und engagiert sich für Toleranz, Fairness und Chancengleichheit im Sport und der Gesellschaft. Diese Initiativen entstanden auch aus der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, vor allem der Geschichte der NS-Diktatur.

Die Vorbereitungen zum 125. Jubiläum des BFV und die Erarbeitung der zugehörigen Festschrift sowie der Ausstellung zur Geschichte des Berliner Fußballs haben bei allen daran beteiligten Personen die Erkenntnis gefördert, dass das gegenwärtige Wissen über die Rolle des Berliner Fußballs und das Handeln seiner Funktionäre während der NS-Zeit unzureichend ist. Der BFV nimmt dies zum Anlass, die eigene Vergangenheit mit einer unabhängigen, wissenschaftlichen Studie kritisch aufzuarbeiten und gab dazu im Rahmen des Festakts am 11. September 2022 folgende offizielle Erklärung ab:

„Der Berliner Fußball und seine Akteure, insbesondere der Verband Berliner Ballspielvereine (VBB), haben sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 bereitwillig den neuen Herrschern unterworfen, sich gleichschalten lassen und die Strukturen dem NS-Regime angepasst. Im Juli 1933 liquidierten sich der DFB und der VBB selbst. In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 wurden Andersdenkende wie ehemals aktive Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten an den Rand gedrängt. Jüdische Mitbürger wurden aus den Fußball-Vereinen ausgeschlossen und ihnen die Teilnahme oder der Besuch an kulturellen und sportlichen Veranstaltungen verboten. Diese Maßnahmen gehören zu den Verbrechen, die zum millionenfachen Mord und zum Holocaust geführt haben.

Der Berliner Fußball-Verband als Nachfolger des VBB bekennt sich dazu, dass in der Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Fußball, in den Vereinen und im Verband Unrecht geschehen ist. Er erklärt, dass er die Geschehnisse, insbesondere den Ausschluss der jüdischen Mitglieder im Jahr 1933 kritisch würdigen sowie seine Rolle während der NS-Diktatur durch eine historische Studie aufarbeiten lassen will. Und vor allem will er zukünftig der Opfer von Diskriminierung, Verfolgung, Gewalt und Ermordung durch die Nationalsozialisten gedenken und an die Verbrechen erinnern, damit dergleichen nie wieder geschehen kann.“

Ein entsprechender Präsidiumsbeschluss zur Beauftragung einer wissenschaftlichen Studie wurde bereits gefasst. Der BFV wird noch im Herbst 2022 Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Sport in einem Gremium versammeln, um die Grundsätze der Studie zu definieren und eine geeignete Fachkraft bzw. Institution für die Umsetzung des Vorhabens auszuwählen. Der BFV stellt sich das Ziel, die Ergebnisse der Studie im Vorfeld der UEFA EURO 2024 in Deutschland der Öffentlichkeit vorzustellen.

Quelle: Berliner Fußball-Verband/Janosch Franke

125 Jahre Berliner Fußball-Verband

Der Berliner Fußball-Verband beging am 11. September im Roten Rathaus mit einem Festakt ein stolzes Jubiläum, seinen 125. Geburtstag. Für den „roten Faden“ zur bewegten Geschichte des organisierten Fußballs sorgte Moderator Florian Zschiedrich vor zahlreichen Gästen aus den Mitgliedsvereinen, dem Berliner Sport, der Wirtschaft und Politik. Bei der Vielzahl der anwesenden Prominenz können hier nicht alle erwähnt werden. Zu Beginn sei zunächst DFB-Präsident Bernd Neuendorf genannt.

Der Berliner Fußball-Verband ist der älteste Landesverband Deutschlands. Der BFV ist sogar älter als der DFB. In Berlin wurde halt schon immer guter Fußball gespielt.

Seit fast 18 Jahren führt Bernd Schultz den Berliner Fußball Verband. Im Dachverband organisiert sind über 3.500 Mannschaften, mit mehr als 170.000 Mitgliedern, in 382 Vereinen. Es ist der größte Sportfachverband in der Bundeshauptstadt. Trotz der Pandemie stieg die Mitgliederzahl des BFV weiter an. Besonders sei auf die Erfolge im Berliner Jugend-Fußball verwiesen.

Moderator Florian Zschiedrich schlug einen Bogen von der Vergangenheit bis in die Zukunft. „In einer gespaltenen und später wiedervereinigten Stadt hat insbesondere der Fußball in diesen 125 Jahren ganz viel erlebt und durchgemacht. 125 Jahre voller Hoch- und Tiefpunkten. Umso erfreulicher der heutige Tag, der Festakt „125 Jahre BFV“ hier im Roten Rathaus“!

„Genau genommen feiern wir heute sogar Geburtstag. Denn auf den Tag genau am 11. September wurde vor 125 Jahren, 1897, der Vorgänger des heutigen BFV gegründet, der Verband Deutscher Ballspielvereine (VDB). Konkret: Von sieben Berliner Vereinen im „düsteren Keller, der Vereinskneipe des BFC Preussen, im heutigen Kreuzberg in der Bergmannstraße. Es war eine Versammlung im geselligen Rahmen, mit Menschen, die respektvoll und freundschaftlich miteinander umgegangen sind – genauso wie wir heute hier zusammenkommen“.

Die Historiker Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider haben geforscht und an der Ausstellung sowie der Festschrift mitgewirkt. Sie haben, was die Rolle des BFV während der Zeit des Nationalsozialismus betrifft, noch viele offene Fragen gefunden. Warum hat der Verband, die Zeit der NS-Diktatur nicht durch eine historische Studie aufarbeiten lassen?

Der Berliner Fußball-Verband als Nachfolger des Verbandes Berliner Ballspielvereine (VBB) bekennt sich dazu, dass während der Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Fußball, in den Vereinen und im Verband Unrecht geschehen ist. Er erklärt, dass die Geschehnisse, insbesondere den Ausschluss der jüdischen Mitglieder im Jahr 1933 kritisch hinterfragen sowie seine Rolle während der NS-Diktatur durch eine historische Studie aufarbeiten lassen will.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf ging in seinem Beitrag speziell auf den Frauenfußball ein. „Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass viele Mädchen in die Vereine eintreten wollen. Wir müssen dafür die Infrastruktur schaffen. Das ist auch ein aktuelles Thema“.

Fotos: © 2022 Frank Toebs

Als Gäste konnten unter anderen, Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Thomas Härtel, Präsident des LSB Berlin; Otto Höhne, BFV-Ehrenpräsident und aktiver Präsident von 1990 bis 2004, jetzt im Alter von 96 Jahren, mit einem Sonderapplaus bedacht und Luise „Lu“ Pfannenschmidt, mit 99 Jahren ältestes Mitglied des BFV, begrüßt werden. Luise Pfannenschmidt war viele Jahre Jahrzehnte aktiv beim FC Viktoria 1889, sogar im Alter von 73 Jahren Präsidentin des Vereins. Unter den Gästen war auch Uwe Hammer. Ihm gebührt das Verdienst, als BFV-Präsident von 1982 bis 1989, nach dem Fall der Berliner Mauer, die Pokalendspiele nach Berlin geholt zu haben. Herzlich begrüßt wurde der ehemalige Schiedsrichter Peter Gabor. Er leitete 158 Bundesliga-Spiele und 1987 das DFB-Pokalendspiel zwischen dem HSV und den Stuttgarter Kickers. Bis heute wurde das Pokalfinale 44 Mal im Berliner Olympiastadion ausgetragen.

Christian Zschiedrich

Union geht durch die Decke und Hertha punktet

Der 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 2022/23 wird den fußballbegeisterten Berlinern in besonderer Erinnerung bleiben. Hertha scheint auf dem langsamen Weg der Besserung zu sein und holte vor 40.643 Zuschauern im Olympiastadion immerhin einen Punkt. Partie gedreht, die zwischenzeitliche 2:1 Führung hielt nur fünf Minuten. Das Unentschieden wurde den gezeigten Leistungen auf dem Platz gerecht.

Einen Tag später, am Sonntag, 11. September traten die Eisernen aus Köpenick beim 1. FC Köln an. Der FC Bayern hatte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Federn gelassen und mit einem Sieg in Müngersdorf wären sie Tabellenführer, wenigstens bis zum Schlusspfiff in Freiburg. Ein durch Sheraldo Becker erzwungenes Eigentor nach nur vier Spielminuten brachte den Sieg. Union verschoss noch einen Elfer und erzielte ein Abseitstor. Mit 14 Punkten sind die Wuhlheider jetzt alleiniger Tabellenführer der Bundesliga. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, könnte davon eine ganze Weile seine zukünftigen Strom- oder Gasrechnungen begleichen. In Berlin, vereinzelt sogar in den Westbezirken, wurden Reste vom letzten Silvesterfeuerwerk verbraten. Das ist mehr als nur eine kleine Sensation. „Das Ding ist durch die Decke gegangen“, so die Worte von Präsident Dirk Zingler.

Für die Liga selbst ist das ein kleines Armutszeugnis. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Solide Handwerksarbeit zahlt sich aus. Vor allem kommt es auf die Abwehr an. Nur vier Gegentore in sechs Spielen und noch ohne Niederlage, das ist beachtlich.

Die nächsten Aufgaben lauten FSV Mainz 05 auswärts, für die Hertha und Union spielt zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, der Max Kruse ausgebootet hat.

Hans-Peter Becker

Foto: Christian Zschiedrich

Viktoria holt ersten Saisonsieg

Am 5. Spieltag in der Regionalliga Nordost hatten die Fußballfreunde in Berlin zwei Derbys zur Auswahl, die zudem zeitgleich angepfiffen wurden. In Lichtenberg, empfingen im „Zoschke“ die dort beheimateten 47’er die VSG Altglienicke und nur etwa 10 Kilometer Luftlinie entfernt im Jahnsportpark kämpften Viktoria und Tennis Borussia um Punkte. Im Wettbewerb um den Zuspruch an zahlenden Zusehern hatte der Jahnsportpark die Nase vorn. Leider war es nur dreistellig, im Zoschke entrichteten 595 ihren Obolus, im Prenzlauer Berg 711.

Im „Zoschke“ siegte Altglienicke durch einen Treffer von Patrick Breitkreuz in der 49. Minute mit 1:0. Minimalistisch war es zunächst auch im Jahnsportpark. TeBe gehörte die Anfangsphase. Viktoria kam schwer in die Partie, den ersten Torschuss gab in der 11. Minute Rückkehrer Shalva Ogbaidze ab. Daraus resultierte auch der erste Eckball für Viktoria.

Nach einer halben Stunde stellte Semih Keskin seine Himmelblauen taktisch um. Samir Werbelow und Moritz Seiffert tauschten die Seiten und es ging im 4-2-3-1 weiter. Es ging vor allem darum, auf der rechten Seite TeBe`s Eke Uzoma besser in den Griff zu kriegen. Die Maßnahme tat ihre Wirkung. Hatte nach Aussage von Trainer Abu Njie seine Mannschaft die beste erste Halbzeit der Saison abgeliefert, sah die zweite Halbzeit ganz anders aus. Viktoria übernahm das Kommando, von Tebe`s anfänglicher Feldüberlegenheit blieb nicht viel übrig. In der 69. Minute war es so weit, die Führung für Viktoria die logische Folge. Neuzugang und Dynamo Dresden Leihgabe Phil Harres traf mit dem Innenrist, die Vorlage lieferte von der linken Seite Werbelow. TeBe`s Abwehr war gänzlich unsortiert, einschussbereit stand auch Berk Inaler bereit. Der Sechser Inaler war es dann, der in der 74. Minute für die 2:0 Führung sorgte. Die Vorarbeit kam vom pfeilschnellen Seiffert. TeBe muss zumindest eine gute Moral bescheinigt werden. Sie gaben nicht auf und wurden in der 82. Minute mit dem Anschlusstreffer belohnt. Torschütze war Top-Neuzugang Eke Uzoma. Es war zu spät, letztlich hatten die Veilchen aus Charlottenburg einige konditionellen Probleme, so konnte die junge Viktoria Mannschaft um Trainer Keskin endlich den ersten Sieg in der Regionalliga-Saison feiern.

Am 6. Spieltag muss Viktoria beim Aufsteiger in Greifwald ran, TeBe empfängt im heimischen Mommsenstadion den SV Babelsberg.

Die anderen Berliner Vereine in der Regionalliga Nordost hatten keine Niederlagen zu melden. Der BFC holte in Leipzig-Probstheida beim 1. FC Lok ein 0:0. Hertha II war im Heimspiel siegreich gegen Greifswald und der Tabellenführer BAK 07 verteidigte den Spitzenplatz mit einem 2:1 Sieg gegen Energie Cottbus.

Hans-Peter Becker

Erfolgreiches Wochenende für die Berliner Bundesligisten

Insgesamt sechs Punkten wurden es zwar nicht, aber die Ausbeute von insgesamt vier Zähler kann sich mehr als nur sehen lassen. Der 1. FC Union trotzte dem übermächtigen FC Bayern einen Punkt ab und einen Tag später holte sich Hertha in Augsburg den ersten Dreier der Saison ab.

Die Eisernen liefen fast 7 km mehr als der Gegner und hielten mit Härte dagegen. Die Bayern waren darauf vorbereitet. Den überraschenden Rückstand konnten sie innerhalb weniger Minuten ausgleichen. Sheraldo Becker erzielte bereits seinen fünften Treffer in der noch jungen Saison. Das Matchglück blieb den Eisernen treu. Der Freistoß, der dem Becker-Treffer vorausging, war keiner. Schiedsrichter Frank Willenborg war auf Andras Schäfers Finte hereingefallen. Ein korrektes Tackling von Bayern-Verteidiger Upamecano wurde als Foul gewertet, Schäfer fiel spektakulär. Willenborg tat zwar gut daran, kleinlich zu pfeifen, viele Nicklichkeiten, souverän war seine Zweikampfbeurteilung nicht immer. Der Kicker vergab für seine Leistung lediglich die Note 4.

Die Bayern kamen noch zu einigen Chancen, letztlich blieb es beim 1:1. Durch dieses Ergebnis wurden die Bayern von der Tabellenspitze verdrängt. Von dort grüßt aktuell der SC Freiburg, mal sehen, wie lange das so bleibt. Union und Freiburg sind bereits am Donnerstag, 8. September, in Europa League gefordert. Erster Gegner in der Wuhlheide wird Royale Union Saint-Gilloise aus belgischen Jupiler-Pro Liga sein.

Am Sonntag hatte Hertha das Matchglück auf seiner Seite. Schiedsrichter Harm Osmers wertete Filip Uremovics Notbremse in der 23. Spielminute nur mit der Gelben Karte. Das Tor fiel in der 58. Minute durch Dodi Lukebakio und Hertha hielt diesmal die Null. In der Nachspielzeit entschied ein Konter das Spiel endgültig. Die nächste Aufgabe wartet im Olympiastadion gegen Leverkusen. Die Bayer-Elf hat, wie die Hertha, erst ein Spiel in dieser Saison gewonnen. Vor dem Hertha-Spiel steht in der Champions-League die Aufgabe in Brügge an.

Hans-Peter Becker

Regionalliga Nordost aus Berliner Sicht

Aufmerksamer Beobachter am Sonntagmittag im Jahnsportpark war der Mannschaftsbetreuer der VSG Altglienicke, Jürgen Pastille. Die VSG spielt erst am Mittwoch, 31. August, ihre Partie gegen Luckenwalde und gegen Viktoria wird erst am 12. Spieltag, im November angetreten. Er sah zusammen mit etwas mehr als eintausend Zuschauer den 1:0 Sieg der Babelsberger gegen Viktoria. Der Sieg geht insgesamt in Ordnung, wenn auch Viktoria ein Elfer verwehrt wurde und ein Wembley-Tor nicht anerkannt wurde. Babelsberg hatte es versäumt, den berühmten Sack zuzubinden.

Bereits am Freitag mussten unter Flutlicht bereits drei Berliner Vertreter ihre Spiele bestreiten. Der BAK bleibt weiter ungeschlagen, als einziges Team der Liga. In Erfurt, beim Aufsteiger, wurde mit 1:0 gewonnen. Sie bleiben Tabellenführer und empfangen am nächsten Spieltag Energie Cottbus im Poststadion.

Heimspiele am Beginn des Wochenendes hatten ebenso TeBe und der BFC Dynamo. Der BFC, ja eigentlich angetreten, sich weiterzuentwickeln, unterlag im Sportforum dem FC Carl-Zeiss Jena mit 0:2 vor 2.099 Zuschauern. Mit lediglich 3 Punkten hinken sie ihren Ansprüchen hinterher. Im Mommsenstadion spielte fast zeitgleich TeBe gegen Hertha II. Die erste Halbzeit verging vor nur 567 Zuschauern torlos. Nicht einmal 10 Minuten benötigten die Veilchen, um durch den Doppeltorschützen Tekin mit 2:0 in Führung zu gehen. Am Ende trennten man sich 3:3. Immerhin, es war der erste Punkt in dieser Saison überhaupt für TeBe. Es wird eine schwere Saison für die neu formierte Mannschaft von Tennis Borussia.

Am Sonntag reiste Lichtenberg 47 nach Leipzig und traf im Georg-Schwarz-Sportpark auf Chemie Leipzig. Nach 73 Minuten lagen sie mit 0:3 hinten, der Anschlusstreffer zum 2:3 gelang erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Für die Mannschaft aus dem „Zoschke“ geht es auch in dieser Saison um den Klassenerhalt.

Hans-Peter Becker

Berliner Vereine in der Bundesliga

Am 4. Spieltag der Saison 2022/23 spielten unsere Berliner Vereine zeitgleich am Samstagnachmittag. Auswärts lieferten die Köpenicker einen 6:1 Sieg auf Schalke ab. Der Blick auf die Tabelle verrät, nur eine andere Mannschaft ist genauso gut in die Saison gestartet, der FC Bayern München, mit 10 von 12 möglichen Punkten. Der nächste Spieltag hält dann das zumindest tabellarische Spitzenspiel parat. Die Eisernen empfangen den FC Bayern. Wow!

Der Gegner FC Schalke 04 bekam eine mächtige Abreibung und steht vor einer schweren Saison. Genauso verhält es sich mit dem zweiten Berliner Bundesligaclub. Hertha bleibt weiter in den Startlöchern stecken. Gegen Dortmund, die längst nicht alles zeigen konnten und brauchten im Olympiastadion, reichte es nicht einmal für einen Punkt. Es ist eine Frage der Qualität, vor allem in der Innenverteidigung. Die sportliche Leitung ist um Nachbesserungen bemüht, dem Ganzen sind finanzielle Grenzen gesetzt. Fredi Bobic bittet um Geduld, so schnell lassen sich die Fehlentwicklungen der Vergangenheit nicht korrigieren.

Herthas Auftritte wirken geschlossener, als vielfach in der letzten Saison, trotzdem wurden bisher zu wenig Punkte geholt. Ob das am nächsten Spieltag in Augsburg besser wird, bleibt abzuwarten. Die Augsburger haben ähnliche Probleme, wie die „Alte Dame“. Neidlos geht der Blich nach Köpenick. Union ist sportlich an Hertha vorbeigezogen, spielt europäisch und hat das erfolgreichere Konzept. Dem sind allerdings Grenzen gesetzt, die Champions-League ist so nicht zu gewinnen – das wollen sie auch nicht.

Hans-Peter Becker

Viktoria verliert gegen Babelsberg

Es ist eine schöne Geste, bei Heimspielen der Himmelblauen, die Gästefans, mit ihrer Einlaufhymne oder Vereinslied willkommen zu heißen. So ertönte Madness mit „One step beyond“ aus den Lautsprechern. „Einen Schritt weiter“ so könnte man das übersetzen, die Babelsberger sind besser in die Saison gestartet und haben aktuell Viktoria einiges voraus. Babelsbergs Trainer Markus Zschiesche hatte zwar einiges am Auftritt seiner Mannschaft zu bemängeln, der Sieg durch das goldene Tor in der 23. Minute, erzielt durch Daniel Frahn, war insgesamt verdient.

Die ersatzgeschwächte Viktoria hatte Mühe ins Spiel zu finden. Bis zum Torerfolg der Babelsberger hatten die Hausherren des Jahnsportparks nicht einmal eine Annäherung an das gegnerische Tor zu verzeichnen. Es dominierten die Stadtteil-Potsdamer. So traf in der 9. Minute Frahn den Pfosten. In der 16. Minute verletzte sich Babelsbergs zentraler Mittelfeldspieler David Danko. Er musste vom Platz getragen werden und anschließend ins Krankenhaus. Verdacht auf eine Kopfverletzung, er war einige Zeit nicht ansprechbar.

Die erste dicke Chance für Viktoria versemmelte, nur eine Minute nach dem Gegentor, Moritz Seifert. Seinen Alleingang entschärfte Babelsbergs Torhüter Luis Klatte per Fußabwehr. Viktorias Mittelstürmer stand zwei Minuten später erneut im Fokus. Wurde er vom Torhüter zu Fall gebracht oder nicht ? Die Kamera von Ostsport TV hatte nur eine Totale anzubieten und einen Videobeweis gibt es in dieser Liga sowieso nicht. Der Schiedsrichter entschied gegen einen Elfer, weil Seifert nachdem Kontakt noch einen Schritt machen konnte und sich wohl zu offensichtlich fallen ließ. Alles protestieren half nichts.

Sie kamen etwas besser in das Spiel, die zweite Hälfte war ausgeglichen. Es war der bisher schwächste Auftritt von Viktoria in der noch jungen Saison. Dabei ist zu berücksichtigten, dass wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlen und der bisheriger Kapitän Jakob Lewald nach Dresden gewechselt ist. Das Amt übernommen hat Christopher Theisen. Er musste gegen Babelsberg, eigentlich im offensiven Mittelfeld und Sturm zu Hause, in der Innenverteidigung ran. In der 84. Minute sah er für ein taktisches Foul im Mittelfeld die gelbe Karte, leider zum zweiten Mal im Spiel. Für die restliche Spielzeit waren sie dezimiert.

Semih Keskin ließ Viktoria in einer 4-3-3 Ordnung auflaufen, für die bisher gewohnte 3er bzw. 5er Abwehrkette fehlten gelernte Innenverteidiger. Lediglich Fatih Baca stand zur Verfügung. Die Abstimmungsprobleme waren nicht übersehen. Indirekt resultierte daraus auch das Gegentor.

Die Babelsberger wirkten besser organisiert und abgeklärter. Trainer Markus Zschiesche bevorzugt ein 4-3-3 System und konnte dafür im Jahnsportpark fast seine Wunschbesetzung aufbieten. Nach der Verletzung von Danko übernahm Tashin Cakmak seine Position und der eingewechselte Marcel Rausch von Cakmak die rechte Seite im Mittelfeld.

Es war ein Duell zwischen einer abgeklärten, erfahrenen Truppe und einer jungen, alles andere als eingespielten Mannschaft. Der Verlauf zeigte, dass bei Viktoria noch nachgebessert werden muss. Auf Nachfrage in der Pressekonferenz wurde ein weiterer Stürmer avisiert. Das Transferfenster ist ja weiter geöffnet. Auf den Weggang von Lewald wurde bereits reagiert. Neuzugang Jonas Kühn stand als linker Außenverteidiger bereits in der Startelf und hinterließ einen guten Eindruck.

Die Regionalliga machte eine Pause. Für das kommende Wochenende stehen im Bereich des Nordostdeutschen Fußballverbandes Spiele des jeweiligen Landespokals an. Um Punkte geht es dann ab dem 9. September weiter. Babelsberg empfängt den FSV Luckenwalde und Viktoria hat erneut ein Heimspiel. Am Samstag, 10. September, steht das Derby gegen TeBe an.

Hans-Peter Becker

Fußball Regionalliga Nordost

4. Spieltag 28.08.2022 13:00 Uhr Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark

FC Viktoria 1989 Berlin – SV Babelsberg 03 0:1(0:1)

Torschütze: 23. Minute Daniel Frahn

Mannschaftsaufstellungen:

Viktoria

Köstenbauer – Kühn – Theisen – Baca – Milos C. (73. Mattmüller) – Inaler – Sucsuz (78. Emghames) – Maric – Seiffert – Durmushan (46. Yilmaz) – Werbelow

Babelsberg

Klatte, Wegener, Frahn (70. Nattermann), Kastrati, Danko (17. Rausch), Sietan, Steinborn, Ndualu (80. Gencel), Ibraimo, Cakmak, Gladrow (80. N’gatie)

Schiedsrichter: Max Bringmann
Assistenten: Marek Nixdorf, Nico Lorenz

Zuschauer: 1.089

Klatte, Wegener, Frahn (70. Nattermann), Kastrati, Danko (17. Rausch), Sietan, Steinborn, Ndualu (80. Gencel), Ibraimo, Cakmak, Gladrow (80. N’gatie)

Schiedsrichter: Max Bringmann
Assistenten: Marek Nixdorf, Nico Lorenz

Zuschauer: 1.089