Die „schillernde Pappfigur“ des Spandauer SV – Berliner Fußballgeschichte(n) Teil 1

Gemeinsam mit Westfalia Herne stieg der Spandauer SV 1975 in die 2. Liga Nord auf. Die Saison 75/76 nahm für die Berliner einen blamablen Verlauf. Am Sonntag, dem 13. Juni 1976 setzte es am letzten, dem 38. Spieltag, gegen Göttingen 05 eine 1:4-Niederlage. Mitaufsteiger Herne dagegen landete mit 40:36 Punkten und 60:57 Toren auf Platz 10, der SSV weit abgeschlagen auf Platz 20, kassierte in der Saison doppelt so viele Tore wie Herne. Meister wurde mit 54:22 Punkten und 86:43 Toren Tennis Borussia Berlin. Borussia Dortmund landete mit zwei Punkten weniger auf den 2. Rang.

Aufsteiger bringen erfahrungsgemäß oft im ersten Jahr, mit viel Energie und Euphorie in der oberen Liga, erstaunliche Leistungen zustande. Der Klassenerhalt, auch dafür gibt es unzählige Beispiele, fällt den Aufsteigern im zweiten Jahr erstaunlicherweise schwerer.

Der SSV fand zwar großen Zuschauer-Rückhalt und vor allem in Spandau großartige Unterstützung. Die Heimspiele im damaligen Stadion am Askanierring waren stets gut besucht. Der Spandauer SV konnte sich mit den kaum erwarteten guten Einnahmen – nun sagen wir – über Wasser halten. Trotz der Misserfolge hielt der Anhang dem Club die Treue. Man stelle sich vor, der SSV hätte die ersten 14 Liga-Pflichtspiele nicht sang und klanglos verloren, so gab es nichts mit Energie und Euphorie.

Aufstiegstrainer Lothar Berger überstand die Niederlagenserie, trotz einsetzender Kritik an der Spielweise. So war der Abstieg aus taktischen Gründen angeblich vorprogrammiert. In der Regel überstehen viele Trainer eine Niederlagenserie von mehr als fünf Spielen nicht. Dass es in Spandau, mit dem SSV jedoch so schlimm kommen würde, am Ende standen 33:115 Tore und 8:68 Punkte zu Buche. Selbst Laien sagten sich, wer 115 Tore in einer Saison kassiert, da kann was nicht stimmen. In damaliger Zweier-Punktewertung bedeuteten 68 Minuspunkte 34 verlorene Spiele. Bis heute nimmt der SSV in der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga von 127 Vereinen den letzten Platz ein.

Dem Vorstand wurde zugutegehalten, grundsolide gewirtschaftet zu haben, auch wenn die Verpflichtung von Helmut Kosmehl, dem Handball-Nationalspieler aus Gummersbach, von Insidern mit Kopfschütteln registriert wurde. Auf wessen Konto das ging, sei einmal dahingestellt. Lothar Berger klammerte sich an einen Strohhalm. Chef im Ring, mit großen Verdiensten war Präsident Heinz Balzer. Ohne die Mittel aus seinem Unternehmen am Spandauer Lindenufer wären die Erfolge bis zum Aufstieg in die Zweite Liga wohl kaum denkbar gewesen. Zwei Spieler stachen leistungsmäßig hervor: Der Torwart Ulli Bechem (am 11. Juli 2020 leider verstorben) und Allrounder Frank Marczewski. Er schoss das erste Zweitligator beim 2:7 (0:4) gegen Union Solingen. Erwähnenswert, Berger hatte nicht die gültige Trainerlizenz für die Liga. Ein Staakener Sportlehrer half, jedoch nur namentlich auf dem Papier.

So ein bitterer Abstieg hat mitunter drastische Folgen für Mannschaft und Verein. Heinz Balzer holte Christian Zschiedrich als Trainer für die neue Saison 76/77. Fortsetzung folgt…..

Berliner Mannschaften im kommenden DFB-Pokal

In diesem Jahr ist alles anders. Es stehen zwar noch nicht alle Teilnehmer an der 1. DFB-Pokal Runde fest, der Pokaltag der Amateure fiel der ersten Corona-Welle zum Opfer und soll im August irgendwie nachgeholt werden, gelost wurde trotzdem. So kamen halt Platzhalter zum Einsatz und vor der Auslosung wurde gezeigt, wie es mal war, in vollbesetzten Stadien, auf überfüllten Sportplätzen in der Provinz, als die Behelfstribünen wackelten, wenn Favoritenstürze bejubelt werden konnten.

Die beiden Berliner Proficlubs hatten nicht unbedingt das, was als Losglück bezeichnet werden kann. Hertha BSC hat wenigstens keine lange Anreise und muss beim Zweitligaaufsteiger oder besser Rückkehrer Eintracht Braunschweig ran. Die Braunschweiger hatten zuvor ihre weitere Teilnahme am Pokal des Niedersächsischen Verbandes abgesagt. „Wir möchten so den Weg frei machen, um den drei Regionalligisten TSV Havelse, VfB Oldenburg und BSV Rehden einen sportlich fairen Wettbewerb um die Teilnahme am DFB-Pokal zu ermöglichen“, erläutert Peter Vollmann, Sportdirektor von Eintracht Braunschweig.“ Hertha ist in Braunschweig als Pokalgegner kein Unbekannter. Bereits drei Mal waren sie an der Hamburger Straße zu Gast. So lautete der erste Kommentar aus dem Hertha-Lager. „Wieder nach Braunschweig. – Es wird auch dieses Mal ein hartes Stück Arbeit, solche Duelle haben immer eine gewisse Brisanz. Aber natürlich kann unser Ziel nur lauten, weiterzukommen“, kommentierte Michael Preetz die Paarung, die es so schon vor zwei Jahren gab. Damals gewannen die Spreeathener nach Toren von Marvin Plattenhardt und Vedad Ibisevic mit 2:1.“ Davor allerdings, 2004 und 1974 wurde verloren.

Der 1. FC Union muss etwas weiter anreisen. Gegner ist ein alter Bekannter aus der 2. Bundesliga, der aktuelle Zweitligist Karlsruher SC. Weitere Worte zum Gegner waren bisher aus der Alten Försterei nicht zu hören. Im Pokal ist diese Begegnung eine Premiere, als Zweitligisten spielten sie 20 Mal gegeneinander. Die Bilanz ist recht ausgeglichen, 7 Siege, 7 Niederlagen und 6 Unentschieden stehen zu Buche.

Geplant ist, dass die Spiele zwischen dem 11. und dem 14. September 2020 stattfinden. Der dritte Teilnehmer aus Berlin wird noch ermittelt, sportlich oder vielleicht per Los ? Der Gegner steht bereits fest. Es wird, wie 2018, der 1. FC Köln sein, damals ein Zweitligist, es war ein deutlicher Sieg gegen den BFC Dynamo. Diese Partie könnte eine erneute Auflage erfahren. Der BFC steht im noch nicht ausgetragenen Halbfinale.

Geplant ist: „Am 22. August 2020 wollen sich am Finaltag der Amateure weitere unterklassige Mannschaften qualifizieren. Über 90 Vereine kämpfen dann noch um die 23 freien Plätze in der erste Pokalrunde. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind nach wie vor spürbar: Alle Amateurclubs müssen bis Mitte August eine Heimspielstätte benennen und vor allem ein mit den zuständigen Behörden abgestimmtes Hygienekonzept vorlegen.“

Hans-Peter Becker

Ein Neuer aus Japan für Union

Verstärkung aus der J-League: Union verpflichtet Nationalspieler Keita Endo

 Der 1. FC Union Berlin verstärkt seine Offensive für die kommende Saison und verpflichtet Flügelstürmer Keita Endo vom japanischen Erstligisten Yokohama F. Marinos.

​Der 175 cm große Offensivspieler, der in Japans höchster Spielklasse vorwiegend auf der linken Außenbahn zum Einsatz kam, entstammt der Nachwuchsabteilung der Yokohama F. Marions und absolvierte bisher insgesamt 141 Partien in Liga, Pokal und der Asiatischen Champions League. Dabei gelangen dem 22-Jährigen 16 Treffer, sowie 22 Vorlagen. Nachdem Endo die japanischen Nachwuchsnationalmannschaften durchlief feierte der Linksaußen im Dezember 2019 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft Japans für die er mittlerweile zwei Spiele bestritt. 

„Ich bin sehr stolz den Schritt in die Bundesliga gehen zu können und mein Können in einer der besten Ligen der Welt zeigen zu dürfen. Ich habe sehr viel Gutes vom Verein und der Stadt gehört und bin froh schon bald im Stadion An der Alten Försterei aufzulaufen“, freute sich Keita Endo nach seiner Unterschrift.

„Wir haben Keita Endo lange beobachtet und freuen uns, dass er sich für den Schritt nach Köpenick entschieden hat. Keita ist ein sehr interessanter Spieler mit tollen Anlagen, der uns mit seiner Schnelligkeit und Technik weiterhelfen kann. Jetzt gilt es ihn so schnell wie möglich zu integrieren und ihm das Ankommen in Deutschland so gut wie möglich zu gestalten, damit er sein volles Potenzial in der Bundesliga unter Beweis stellen kann“, kommentierte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, den Transfer.

Der 1. FC Union Berlin leiht Keita Endo bis zum 30.06.2021 von den Yokohama F. Marinos, eine Kaufoption wurde vereinbart.
Quelle: 1. FC Union Berlin

Wie gehts weiter im Berliner Amateurfußball

Der Berliner Pokalsieger 2020 soll am 22. August im Rahmen der von den 21 Landesverbänden ausgerichteten „Finaltag der Amateure“ ermittelt werden. Die ARD wird in drei Blöcken, je sieben Spiele per Konferenzschaltung übertragen. So ist es geplant, allerdings hat am 15. Juli der Landesverband Sachsen-Anhalt beschlossen, die Pokalsaison abzubrechen und nach Absprache mit den anderen Halbfinalisten, den 1. FC Magdeburg kampflos als Teilnehmer an der 1. DFB-Pokal Runde zu benennen. Folgen etwa noch andere Landesverbände diesem Beispiel ?

Wer in der ersten DFB-Pokalrunde  aufeinander trifft, wird bereits am Sonntag, 26. Juli 2020 ausgelost. So wissen die jeweiligen Finalisten bereits vorher, ob sich die Anstrengung lohnt. Zuschauer dürfen wohl nicht ins Stadion, sollte gespielt werden können.

In Berlin, wie in allen anderen Landesverbänden, sind die Halbfinalbegegnungen auszutragen, teilweise sind sogar Achtel- und Viertelfinals offen. In Berlin sollen am 8. August der Berliner SC – Viktoria 89 (Hubertusallee) und BFC Dynamo – VSG Altglienicke (Jahnstadion) spielen. Die erste DFB-Pokal-Runde der Männer findet vom 11. bis 14. September statt. Bereits Mitte August müssen die Pokalsieger dem DFB ein Hygienekonzept für die notwendigen Ausnahmeregelung vorlegen. Kevin Langner, Geschäftsführer des BFV, geht davon aus, dass im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark leider ohne Zuschauer gespielt werden muss.

Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat den Behörden bereits vor einer Woche ein detailliertes Hygienekonzept für die Wieder-Aufnahme des Spielbetriebs unter Wettkampfbestimmungen vorgelegt. Bis in den Oktober hinein sind nach jetzigem Stand Test- und Pflichtspiele in Berlin  untersagt. Der Berliner Senat ist nunmehr gefordert. Kuriosum:  Der SV BW Hohen-Neuendorf bräuchte als Brandenburger Verein nicht auszuweichen, obwohl er am Spielbetrieb in Berlin teilnimmt. In Bayern, von der Pandemie ursprünglich stark betroffen, und in Brandenburg darf gespielt werden, wenn auch ohne Zuschauer.

Keiner weiss wann es in den Amateurligen weitergeht. Dafür sorgen interne Streitigkeiten beim FC Spandau 06 für Schlagzeilen. Die Fronten zwischen dem kommissarisch amtierenden Präsidenten Wilhelm Degenhardt und der Gruppe um Ex-Trainer Thomas Heim sind verhärtet. Sie wehren sich gegen die geplante Kooperation mit Club Italia. Heim und Co. befürchten, dass Spandau 06, ohne den Namen Spandau, in der Folgesaison Club Italia Berlin 06 heißen könnte. Spandau wäre aus dem Namen getilgt. Sponsor  „Florida“ hat dem Verein bereits seit Januar den Rücken zugewandt. Die Vereine wollen erst einmal mit altem Namen auflaufen. Laut Heim wurde sogar die Jahreshauptversammlung bei Spandau 06 aus diesem Grund abgebrochen.

Christian Zschiedrich

Zwei Neue für den 1. FC Union

Zum Saisonende wurden 8 Profis aus dem Kader verabschiedet. Zwei Planstellen konnten bereits neu besetzt werden. Nachdem Sebastian Griesbeck, bisher FC Heidenheim, als erster Neuzugang gemeldet wurde, folgte nur einen Tag später Niko Gießelmann von Fortuna Düsseldorf. Beides sind Spieler für die Defensive. Griesbeck könnte in der kommenden Saison zusammen mit Robert Andrich im defensiven Mittelfeld spielen. Gießelmann, der erst wenige Tage vorher mit Fortuna Düsseldorf an der Alten Försterei abgestiegen war, ist ein Linksverteidiger. Auf dieser Postion musste Ersatz für Ken Reichel geschaffen werden. Er wird sich mit Christopher Lenz um den Platz in der Stammelf bewerben.

„Ich kehre schneller an die Alte Försterei zurück als gedacht und freue mich darauf. Der Abstieg mit der Fortuna war ein sehr schmerzhafter Moment. Dass ich nun die Chance bekomme, mich weiterhin in der Bundesliga zu beweisen, ist ein riesen Ansporn für mich. Ich bin überzeugt davon, dass ich der Aufgabe gewachsen bin und werde alles dafür geben, mit meinen neuen Kollegen die Ziele des Vereins zu erreichen“, so Niko Gießelmann nach seiner Unterschrift.

Der 1. FC Union setzt mit den Verpflichtungen auf Erfahrung. Beide sind mit 28 und 29 Jahren im erfahrenen Fußballeralter. Die neue Veträge gelten sowohl für die erste und die zweite Bundesliga.

„Wir hatten Sebastian Griesbeck schon länger im Visier und sind überzeugt, dass er unseren Kader verstärken kann. Er ist robust, kopfballstark und verfügt über eine enorme Erfahrung. Seine Qualitäten werden uns in der Bundesliga helfen, daher freuen wir uns, dass wir Sebastian von unserem Weg überzeugen konnten“, so Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, nach der Verpflichtung.

„Wir haben mit Niko einen sehr flexiblen, bundesligaerfahrenen Spieler ablösefrei unter Vertrag nehmen können und sind von seinen Qualitäten überzeugt. Ich bin sicher, dass er sich schnell bei uns zurechtfinden und seine Erfahrungen einbringen wird“, so sein Kommentar nach der Vertragsunterschrift von Niko Gießelmann.

Hans-Peter Becker

Daumendrücken für Hertha BSC

Das letzte 34. Saisonspiel ging in Gladbach zwar 1:2 verloren, dennoch gibt es viele positive Signale beim Hauptstadtclub für die Zukunft. Neuer Sportdirektor ist Arne Friedrich (41), der im November 2019 von Jürgen Klinsmann zu Hertha, von 2002 bis 2010 in 231 Erstligapartien, davon sechs Jahre als Kapitän und der mit Trainer Bruno Labbadia in Bielefeld ein Jahr gemeinsam spielte, geholt. Er hat den Vertrag mit BSC bereits unterschrieben. Hertha hat also mit dem Geschäftsführer Sport Michael Preetz einen namhaften und fachkundigen Sportdirektor und einen erstklassigen Trainer. Dank Labbadia schaffte Hertha BSC nicht nur mit 41 Punkten den Klassenerhalt, sondern seit undenkbar vielen Jahren erstmals wieder in der Rückrunde mehr Punkte als in der Hinrunde.

In den Gazetten steht auch noch geschrieben, mit sechs Toren besser als der siegreiche Aufsteiger  1. FC Union (3:0 über Düsseldorf), ebenfalls 41 Punkte, holten sie die inoffizielle Stadtmeisterschaft. Was Stadtmeister  in der Eliteliga auch sein mag. Das Husarenstück am letzten Spieltag schaffte Werder Bremen mit dem 6:1 über den 1.FC Köln, den umjubelten, nicht mehr für möglich gehaltenen Relegationsplatz, dank auch Unions Sieg gegen Absteiger Düsseldorf. Bereits am Donnerstag, 2. Juli, kommt es zur Relegationsbegegnung  Werder Bremen – 1. FC Heidenheim, weil der Hamburger SV sein Heimspiel 1:5 gegen Sandhausen verlor und nur Vierter wurde – Heidenheim verlor zwar ebenfalls – 0:3 in Bielefeld – schaffte aber hinter Aufsteiger Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart trotz Niederlage die Relegation. Am Montag, 06. Juli, findet, ebenfalls um 20.30 Uhr, das Rückspiel in Heidenheim statt. Favorit dürfte der Bundesligavertreter sein.

Dresden und Wiesbaden steigen in Liga 3 ab. Der 1.FC Nürnberg muss mit 37 Punkten in die Relegation. Die punktgleichen Karlsruher retteten sich mit dem besseren Torverhältnis (2 Tore besser). Hochinteressant werden auch in Corona-Zeiten die Trainer- und Spielerwechsel. Wir bleiben natürlich dran an den Transfers. Totalschaden beim HSV und auf Schalke ist die Clubführung in der Kritik. Aufsichtsrat Clemens Tönnies wird ebenfalls die Schlagzeilen beherrschen. Dabei nicht zu vergessen, in vielen Clubs laufen zahlreiche Verträge aus.

Christian Zschiedrich

Erfolgreicher Saisonabschluss für den 1. FC Union

In einen Interview äußerte kürzlich der ehemalige DDR Nationaltrainer Bernd Stange, „vor dem 1. FC Union ziehe ich meinen Hut“. Eine Meinung, der man sich anschließen muss. In einem Spiel, wo es für die Eisernen um nichts mehr ging, dafür für den Gegner buchstäblich um alles, fuhren sie einen überraschend klaren Sieg ein. Das 3:0 gegen die Düsseldorfer Fortuna schraubte in der Endabrechnung den Punktestand auf sehr beachtliche 41 Zähler, übrigens der Lokalrivale aus Charlottenburg kann auch nicht mehr vorweisen. An der Wuhlheide haben sie aus wenig viel gemacht. Der Star war immer die Mannschaft. Einer ackerte für den Anderen, das sorgte bis zur Coronakrise in der stimmungsvollen Alten Försterei für einige Favoritenstürze. Hertha BSC, Dortmund und Gladbach haben die Auswärtsspiele in Köpenick in keiner guten Erinnerung.

Im letzten Saisonspiel schubsten sie Fortuna Düsseldorf direkt in die 2. Liga. Als hätten sie vor dem Spiel die Rollen getauscht, den Sommerfußball in der schwül-heißen Wuhlheide lieferten die Gäste aus Düsseldorf ab. Dabei hatten sie im Abstiegsduell gegenüber Werder Bremen die bessere Ausgangsposition. Ein Unentschieden hätte reichen können. Köln ließ sich in Bremen versenken. Gibt es da nicht eine rheinische Rivalität, ein Schelm, der böses denkt.

Die Eisernen wurmte die Niederlage am vorletzten Spieltag in Hoffenheim. Das war zusätzliches Pech für die Fortuna. Bis auf die Anfangsphase hatten die Wuhlheider das Spiel im Griff. Urs Fischer zog aus der Hoffenheim-Pleite insgesamt fünf personelle Konsequenzen. Torhüter Gikiewicz, der sein letztes Spiel für die Eisernen bestritt, kehrte zwischen die Pfosten zurück und ersetzte Nicolas (Innenbandanriss). Andrich (nicht im Kader) Subotic Malli (beide Bank) und der gesperrte Andersson (5. Gelbe Karte) wurden durch Kroos, Gentner, Mees und Bülter ersetzt.

Das Führungstor in der 26. Minute durch Anthony Ujah war bereits ein Wirkungstreffer. Die Düsseldorfer wollten zwar, konnten aber nicht. Die Eisernen blieben konzentriert und nutzten die Fehler im Spielaufbau der Gäste eiskalt aus.

Nach dem Spiel äußerte sich Urs Fischer: „Wir wollten in erster Linie auf uns schauen. Wir sind nicht für die Situationen anderer Vereine verantwortlich. Meine Mannschaft hat heute nochmal bewiesen, dass sie Charakter hat. Nach dem Spiel gegen Hoffenheim waren wir unzufrieden und die Jungs sind selbstkritisch genug, um zu sehen, dass solche Leistungen nicht ausreichen. Wir haben uns heute näher am Limit bewegt, auch wenn es spielerisch nicht gut war. Wir waren präsent, laufstark und aggressiv in den Zweikämpfen.“

Hans-Peter Becker

1.FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Schlotterbeck, Reichel – Prömel (66. Becker), Gentner, Kroos (61. Schmiedebach) – Bülter (81. Parensen) , Ujah (61. Abdullahi), Mees (61. Malli)


Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier – Ayhan, Zanka (29. Hoffmann), Gießelmann (61. Suttner) – M. Zimmermann, Stöger, Bodzek (61. Morales), Thommy – Skryzbski (61. Kownacki), Hennings, Karaman (73. Zimmer)

Tore: 1:0 Ujah (26.), 2:0 Gentner (54.), 3:0 Abdullahi (90.)

Hertha trudelt aus und Union ist fast am Ziel

Die Saison wird für beide Berliner Proficlubs ein verhältnismäßig gutes Ende nehmen. Die Hauptstadt wird in der kommenden Saison als einzige Bundesligastandort mit zwei Vereinen vertreten. Vor dem 32. Spieltag mag beim 1. FC Union noch ein kleines Fragezeichen stehen, die Restzweifel sollten recht schnell beseitigt sein. Ohne überheblich zu werden, ein Sieg gegen die faktisch abgestiegenen Paderborner ist Pflicht. Im Falle einer großen Überraschung, einer Niederlage gegen Paderborn, könnte die Partie am letzten Spieltag daheim gegen Düsseldorf nicht nur für die Gäste große Bedeutung erlangen. Von Austrudeln kann in Köpenick nicht die Rede sein, ganz im Gegensatz zum Ortsrivalen.

Jetzt hat es auch Hertha erwischt, gegen Frankfurt war nichts zu holen. Die Blau-Weißen liefen förmlich auf der Felge. Die komplette Halbzeit zwei mussten mit 10 Mann absolviert werden. Boyata sah in der Nachspielzeit glatt rot, für ein geschicktes Foul im Strafraum. Da musste schon die Lupe bemüht werden. Jetzt hoffen sie bei der Hertha nach der 1:4 Klatsche wenigstens auf eine milde Bestrafung des Rotsünders. Zum letzten Heimspiel kommt Leverkusen ins Olympiastadion, gewissermaßen zur Generalprobe für das Pokalfinale. Die Bayer-Elf will in die Champions-League und hat nichts zu verschenken. Zum nächsten Spieltag muss die Alte Dame weit reisen, bis in den Schwarzwald. Das Spiel beim SC Freiburg hat lediglich Bedeutung für die Geldtabelle.

Die Eisernen besannen sich in Köln auf ihre alten Tugenden. Sie wollten einfach den Sieg etwas mehr als der Mitaufsteiger. Spielerisch lief auf beiden Seiten nicht viel zusammen, zum Glück gibt es Eckbälle, hochgewachsenen Innenverteidiger und den ausgebufften Christian Gentner. Sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 war nicht nur sehenswert, es zu 99,8 % der Klassenerhalt und ein Empfehlungsschreiben für ein weiteres Jahr im Trikot der Eisernen. Oliver Ruhnert darf sich über seinen Schachzug freuen. Zu Beginn der Saison hatte die Verpflichtung des Ex-Stuttgarters für Verwunderung gesorgt. Mit dem VfB hatte er vor einem Jahr die bitteren Minuten des Abstiegs erleben müssen, stand vom Anpfiff bis Ende auf dem Rasen der Alten Försterei und stellte sich im Anschluss in der Mixed-Zone noch den Fragen der Journalisten. In seiner fußballerischen Heimat wollten sie ihn nicht mehr – so griffen die Eisernen zu. Er würde gern noch weiter spielen, am liebsten in Berlin.

Hans-Peter Becker

Hertha ist durch und Union braucht noch Punkte

Fußball gespielt wird in der laufenden Saison lediglich in den ersten drei Ligen. Ab der Regionalliga ist die Saison beendet. Mal sehen, wie es hier im Herbst weitergeht. Die beiden Berliner Bundesligisten haben sich am 30. Spieltag nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In Dortmund riss Herthas Siegesserie. Das 0:1 war die erste Niederlage unter dem neuen Hertha-Trainer Bruno Labbadia. Ein kleiner Fehler zu viel, ansonsten war die Alte Dame mit dem Meisterschaftsanwärter auf Augenhöhe. Ein Auswärtspunkt wäre nicht unverdient gewesen. Die Niederlage tut nicht weiter weh, nach der Corona-Siegesserie ist Hertha jenseits von gut und böse. In der nächsten Saison, wann immer sie auch beginnen wird, die blau-weißen aus Charlottenburg werden weiter erstklassig dabei sein. Die 10 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bei 12 noch zu vergebenden Punkten sollten reichen.

Beim zweiten Berliner Vertreter sieht die Sache leider anders aus. Das Gröbste ist geschafft, die Ausgangslage könnte schlechter sein. Fakt ist, die bisher erreichten 32 Punkte werden nicht reichen. Die Knochenmühle Relegation wollen sich die Eisernen ersparen. Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04, war – mal abgesehen von den ersten zwanzig Minuten – sportliche Not gegen das Elend der Umstände. Es sah bis zur 28. Minute so aus, als würden die rot-weißen aus dem Berliner Osten endlich mal einen ungefährdeten Heimsieg einfahren können. Robert Andrich hatte mit seinem ersten Bundesligatreffer nach nur 11 Minuten für die Führung gesorgt und der zweite Treffer schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Es kam anders, die Knappen glichen aus, mit einem Tor aus dem berühmten Nichts. Robert Andrich ist bei den Eisernen etwas mehr für das Verhindern von Toren zuständig. Der gebürtige Potsdamer, aus dem Hertha-Nachwuchs stammend und zu Beginn der Saison aus Heidenheim gewechselt, hat sich bei Urs Fischer einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld erspielt. Für eine filigrane Spielweise ist er nicht bekannt. Gerade von einer gelb-rot Sperre zurückgekehrt, kassierte er gegen Schalke die zehnte Gelbe der Saison. Schalkes Torschütze Jonjoe Kenny, Leihgabe vom Premier-Ligisten FC Everton, wie Andrich mit 28 Saisoneinsätzen, bringt es erst auf vier gelbe Karten. Seine ausgefeilte Schusstechnik beendete die Hoffnung der Eisernen auf den ersten Sieg in der Corona-Runde. Gegen die ersatzgeschwächten Schalker, sie konnten nur mit 16 Spielern nach Berlin reisen, fanden die Gastgeber in der Alten Försterei keine spielerischen Mittel, um die kriselnden Schalker ernsthaft gefährden zu können.

Die Heimspiel ohne Zuschauer sind für den Aufsteiger bisher eher ein Fluch. Es stehen in der Wuhlheide deren zwei noch auf dem Plan. Der zukünftige Zweitligist Paderborn mit Trainer Steffen Baumgart und zum Saisonabschluss kommen die Düsseldorfer mit Steven Skrzybski. Da sollte doch was gehen.

Hans-Peter Becker

Nordostdeutscher Fußball-Verband bricht die Saison ab

Die Anzeichen hatten sich zuletzt mehr und mehr verdichtet. Die Saison in der Regionalliga Nordost wird nicht auf sportlichen Weg entschieden. Das Präsidium beschloss am Freitag, 05.06.2020 in einer digitalen Sitzung, dass die durch Corona unterbrochene Spielzeit nicht fortgesetzt wird. Die Abstimmung darüber wurde einstimmig gefällt. Aus Berliner Sicht besonders bitter, Tabellenführer Altglienicke hat nicht die Chance aufzusteigen. Angewendet wurde zur Ermittlung des Meisters die sogenannte Quotientenregel. Dabei werden die Punkte durch die absolvierten Spiele geteilt. Demnach ist nicht Tabellenführer VSG Altglienicke Meister der Regionalliga Nordost, sondern Lok Leipzig. Die Sachsen stehen zwar mit 47 Zählern punktgleich hinter den Berlinern auf Rang zwei, haben aber ein Spiel weniger absolviert. Dadurch ergab sich für Lok Leipzig ein Quotient von 2,14, für Altglienicke einer von 2,04. „Es ist nicht schön, aber wir müssen das jetzt so hinnehmen, wie es ist“, kommentierte Altglienickes Geschäftsführer Marco Schröder die Entscheidung gegenüber dem rbb.

Lok Leipzig steht nun vor zwei Aufstiegsspielen in die 3. Liga gegen den Vertreter der Regionalliga West. Im Westen ist noch keine Entscheidung über Wertung und/oder Abbruch der Saison getroffen. Allerdings gilt hier der SC Verl als Favorit. Die konkreten Termine für die Aufstiegsspiele stehen noch nicht genau fest. Die Spiele sollen aber noch im Juni stattfinden.

Schade, nicht nur für die VSG Altglienicke, auch Energie Cottbus hatte noch gehofft. „Wir bedauern diese Entscheidung des NOFV, die Saison auf diese Art und Weise zu beenden“, sagte Präsident Matthias Auth im Interview mit dem rbb. „Nach reiflicher Überlegung und Abstimmung mit den Gremien unseres Vereins sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass wir keine weiteren Schritte unternehmen werden“, so Auth weiter.

Die Anträge von Altgglienicke, den Meister in einem Finalspiel zu ermitteln, sowie vom Drittplatzierten Energie Cottbus, den Titelträger in einem Turnier auszuspielen, wurden nicht angenommen. Absteiger wird es nicht geben, lediglich Rot-Weiß Erfurt muss die Liga aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Mit maximal vier Absteigern aus der 3. Liga, zwei Aufsteigern aus der Oberliga und beim Nicht-Aufstieg von Lok könnte die Regionalliga Nordost in der kommenden Saison auf 23 Teams anwachsen.

Während für Altglienicke und Cottbus die Aufstiegsträume enden, profitieren andere Vereine von der Entscheidung des NOFV. Der SV Babelsberg 03, der sich auf Rang 16 in akuter Abstiegsnot befand, bleibt dank des Beschlusses etwa in der Regionalliga. Auch Optik Rathenow, das sich sportlich ebenfalls noch im Abstiegskampf befand, bleibt Viertligist.

Aus Berliner und Brandenburger Sicht noch erfreulich, Tennis Borussia aus der Oberliga Nord und der FSV Luckenwalde aus der Oberliga Süd werden in die Regionalliga aufsteigen.

Hans-Peter Becker