Das Ende von Preetz und Labbadia

Am Sonntag, 24.01.2021 exakt um 11:33 Uhr war es offiziell:

Nach den enttäuschenden Ergebnissen und der negativen sportlichen Entwicklung der vergangenen Wochen hat sich das Präsidium von Hertha BSC nach eingehenden Beratungen dazu entschlossen, sich mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Sport Michael Preetz zu trennen.

Bis zum Ende der Saison wird Arne Friedrich in seiner Funktion als Sportdirektor die Verantwortung im sportlichen Bereich bei Hertha BSC übernehmen.

Ebenso ist Hertha BSC zu dem Entschluss gekommen, sich von Trainer Bruno Labbadia zu trennen.

Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.

Nur kurze Zeit nach dem 1:4 im Samstag Top-Spiel gegen Werder Bremen kam zuerst von „Bild am Sonntag“  die Meldung: „Hertha trennt sich von Trainer Labbadia“. Michael Preetz „wackele“ noch. Doch es dauerte gar nicht lange, bis verkündet wurde, dass auch Preetz nicht mehr Manger der Hertha ist. Sein letztes Interview als Manager des Hauptstadtclubs, hatte ich mit Interesse verfolgt und was Preetz sagte, fand ich nachvollziehbar und gut. Immerhin 25 Jahre bei diesem Club, das ist  eine lange Zeit, auch wenn er in der Führungsposition die Rückendeckung des Präsidenten benötigte. Das ist aber oft praktizierte Kunst.

 Plötzlich empfand ich Mitleid mit Michael Preetz. Zuvor war ich von der Ehrlichkeit des Trainers Bruno Labbadia im Interview mit Florian Zschiedrich angetan. Zum Spielverlauf gefragt, antwortete er, keine Argumente mehr für die Fehltritte zu haben. Allerdings bezog, dass der eine oder andere Journalist als allgemeine Aussage für die künftige Entwicklung. Dabei war ganz klar, mit welcher Intensität weiter gearbeitet werden soll, um endlich erfolgreich zu sein. Ein ganz anderes Paar Schuhe.

Wenn schon das Thema Ehrlichkeit genannt ist, dann ziehe ich den Hut vor den Hertha-Fans, die in der Pandemie vor dem Spiel vor dem Stadion demonstrierten und sehr bemüht waren, die Corona-Regeln einzuhalten. Außerdem wurde deutlich, dass sie Labbadia keine Schuld an der Misere geben, im Gegenteil, sie schienen ihn zu mögen. Es waren nicht etwa nur junge Anhänger, sondern gestandene Männer in Sorge um ihren Verein. Ein 40jähriges Mitglied wünschte sich spontane Veränderungen in der Führung und die Gesamtheit drückte auch plakativ aus: „Preetz es reicht“!

Man stelle sich vor, Hertha hätte nur wieder den Trainer entlassen. Bestimmt hätte Hertha wohl die größte Revolte in ihrer Vereinsgeschichte  und eine düstere Zukunft erlebt.  Die Demonstration war natürlich angemeldet und genehmigt – für zunächst 70 Personen. Es wurden 250, die sich zur Freude der Ordnungshüter mit Anstand an Abstand hielten. In der aktuellen Woche vorm Auswärtsspiel in Frankfurt werden den Herthanern viele negative Berichte zu Augen und Ohren kommen. Es war ja auch ein ereignisreicher Tag mit ersten drastischen Konsequenzen.

Garantiert wird spekuliert, war das Ende von Labbadia und Preetz ein Vorstandsbeschluss? Wer hat dafür gesorgt? War es der Präsident oder hat er nur vorzeitig mit Carsten Schmidt dem Michael Preetz gerade rechtzeitig einen Vorgesetzten vor die Nase gesetzt? Vielleicht überschlagen sich die Entscheidungen. Mich würde interessieren, was kostet der Rausschmiss von Labbadia und Preetz aus ihren Ämtern. Pal Dardai als Nachfolge-Coach halte ich als die beste Lösung, dann aber nicht nur als Interims-Trainer.  

Christian Zschiedrich

Fotos: © 2021 Christian Zschiedrich

Jetzt sollten bei Hertha die richtigen Köpfe rollen

Bisher konnte Herthas Führung vom eigenen Versagen ablenken, indem schnell der Trainer gefeuert wurde. Doch so allmählich geht den Mitgliedern doch ein Licht auf. Diesmal liegt es nun keineswegs am Trainer. Zur Saisonhälfte nach 17 Spielen, nur 17 Punkte genügt nicht den Ansprüchen der Berliner, erst recht nicht, wenn der finanzielle Aufwand zu berücksichtigen ist, ökonomisch betrachtet, hier ist bisher Geld versenkt worden, da muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Das mit ins Kalkül gezogen, wer hat die Spieler geholt und wer hat in den letzten Jahren die Mannschaft zusammengestellt?

Bereits vor dem 16. Spieltag in Köln las ich u. a. auf der Website eines Anbieters von Sportwetten „Labbadia vor Entlassung“ und weiter, Hertha habe schon mit Tedesco und weiteren Trainern verhandelt. In meinem letzten Kommentar zu dem Thema schrieb ich aus Überzeugung: „Hertha solle froh sein, Labbadia zu haben“. Ich habe seine Arbeit und seine Entscheidungen genau verfolgt. Die schlechte Ergebnis-Statistik liegt nicht am Trainer! Inzwischen zweifle ich mehr denn je die Qualität der Akteure zur Geschlossenheit. Von harmlosen, blutleeren Auftritten ohne Mumm steht Woche für Woche (mit Ausnahme gegen Schalke) in den Kritiken zu lesen. Haarsträubend  der Gesamteindruck beim 0:1 in Bielefeld. Noch einmal, wer hat die Spieler geholt? Und wer sorgt mit für das „tolle“ Vereinsklima, einem leistungsstarken und effektiven „Wir“!

Hatte Klinsi „doch recht?  So titelte Sport Bild am 23. Dezember 2020 fett über zwei Seiten. Dazu abgebildet zwei “eng miteinander verflochtene“ Personen:  Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Nicht die herbeigeholten Arne Friedrich, Jens Lehmann oder Carsten Schmidt. “Katastrophale Versäumnisse von Preetz, Lügenkultur, Verachtenswert“! Wer sorgt denn für die seit Jahren stets kritisierte schlechte Stimmung im Verein? Einfach Peinlich!  

Sportlich geht es ohne Pause weiter. Am 18. Spieltag empfängt Hertha BSC Werder Bremen; am 19. auswärts bei Eintracht Frankfurt und dann Bayern München. Hoffen wir auf die 17 Spiele der Rückrunde und auf bessere Entscheidungen, diesmal nicht auf die häufige und übliche Trainer-Entlassung.

Christian Zschiedrich

Wer ist der Big City Club?

In der Corona-Saison ist alles ein bisschen anders, so steht der Herbstmeister erst Mitte Januar fest. Eine Winterpause gibt es nicht. Mit einer englischen Woche gleitet die Liga in die Rückrunde. Aus Berliner Sicht fällt das Zwischenfazit teils überraschend erfreulich was den 1. FC Union betrifft und bedenklich mit Blick auf Hertha BSC aus.

Nach 16 absolvierten Spieltagen trennen 11 Punkte die Berliner Bundesligisten. Verkehrte Welt, 28 Punkte und Tabellenplatz fünf, da hätten die Fußballfreunde wohl eher Hertha BSC verortet. Die Charlottenburger sind bisher nicht aus den Puschen gekommen und dümpeln zurzeit auf Platz 13 so vor sich hin. In Köln gab es ein 0:0 und wenigstens einen Punkt. Das Spiel war harte Kost für den neutralen Zuschauer. Was ist da bloß los? Keine Konstanz, die Bayern wurden auswärts an den Rand einer Niederlage gebracht und beim Aufsteiger in Bielefeld eine Niederlage kassiert. Zwischen diesen Gegensätzen bewegt sich der selbsternannte Big City Club. Es kann nur besser werden.

Eines haben beide Bundesligisten seit kurzem gemeinsam, die Einnahmen der Trikotwerbung stammen aus dem Immobilienboom der Hauptstadt. Das gefällt nicht jedem, aber was soll`s, ohne Geld geht eben nichts im Profifußball. Also, die einem wollen es sein und die anderen sind es gerade. Der aktuelle Big City Club spielt in der Wuhlheide am östlichen Rand von Berlin. Irgendwie schaffen sie es Niederlagen zu vermeiden. Nur ganze zweimal gingen sie als Verlierer vom Platz und holten sogar 3 Punkte gegen Hochkaräter der Liga. Dortmund und zuletzt Leverkusen denken jetzt noch darüber nach, wie war es den bloß möglich im Wald zu verlieren? Beide starben in Schönheit, wurden niedergekämpft und zudem scheint der Fußballgott einen Narren an den Eisernen gefressen zu haben. Das Glück kommt irgendwann doch von Können und hier sind in der sportlichen Führung Könner am Werk. In Charlottenburg dürften sie neidisch sein.

Hans-Peter Becker

Hertha BSC von Bielefeld niedergekämpft

Den Siegeswillen und Optimismus von Trainer Bruno Labbadia brachten die Spieler nicht auf den Rasen. Experten titulieren das in Fachpublikationen als „harmlose und blutleere Hertha“. Nach einem guten Spiel folgt also bei den Herthanern ein schwaches. Den Siegeswillen, die Leidenschaft und den körperlichen Einsatz präsentierten die Akteure von Uwe Neuhaus; sie kämpften die Berliner auf der Bielefelder Alm im wahrsten Sinne des Wortes nieder. Das widerspricht jedem finanziellen Vergleich. Natürlich gibt es Stimmen, dem 1:0 ginge doch ein klares Foul voraus. Ja es gab einen körperlichen Einsatz des Torschützen Yabo gegen Pekarik. Bei dem Rempler ging Pekarik zu theatralisch zu Boden. Die Berliner verlangten die Aberkennung des Treffers, doch der Kampf um den Ball wurde nicht als freistoßreif bewertet. Das Tor (64.) zählte. Was folgte war aus Berliner Sicht insgesamt total enttäuschend und widersprüchlich zum 3:0 am Wochenende davor.

Das Spiel war auch, was Angriffsfußball anbelangt, ansehnlich. Von hinten heraus folgte schnelles, konzentriertes Offensivspiel, von Mittelfeldspielern immer wieder angetrieben. Das diesmal Cunha in Bielefeld fehlte, darf doch nicht als Entschuldigung gelten. Freunde, habt ihr Union einmal darüber klagen hören, dass viele namhafte Spieler verletzt fehlen? Experten lobten besonders Darida. Von ihm war in Bielefeld recht wenig zu sehen. Gegen Schalke war er einer der Besten. Ich war besonders von Guendouzi angetan. Seine Spiellaune übertrug sich auf meine Stimmung. Er war ständig unterwegs und forderte immer wieder den Ball. Positiv, er wurde auch immer angespielt. Keine Ballverluste bei ihm, seine Pässe kamen an. Ich war bereit ihn in der Überschrift besonders hervorzuheben und offen zu bekunden, „ich habe mich in Guendouzi  verliebt“. Wohlwissend, dass unseren Lesern bekannt ist, dass ich damit seine Spielweise meinte. Prompt stellte sich der souveräne 3:0-Sieg ein.

Ich sagte mir, hoffentlich war das keine Eintagsfliege, mal sehen, wie sich das im nächsten Spiel in Bielefeld fortentwickelt. Zum Glück hab ich mit dem Lob gewartet, schlief in der 1. Halbzeit ein und sah dann auch nur eine typische alte Dame. Von wegen Geschlossenheit, von wegen Mannschaft, von wegen Ineinandergreifen, Enttäuschung pur. Da schau ich mir lieber künftig mehr Union-Spiele an. Da geht es Spiel für Spiel zur Sache. Das Samstag-Spiel gegen Wolfsburg hab ich selbstverständlich auch gesehen und den 2:0-Sieg in Bremen ebenfalls. Wolfsburg wollte in Folge der 0:2-Niederlage gegen Dortmund in der alten Försterei einiges ausbügeln.

Union geriet diesmal ungewohnt früh in Rückstand, 0:1 Steffen, schaffte aber bereits sechs Minuten später das 1:1 (16.) durch Becker. Union drehte das Match, direkter Freistoß durch Andrich. Per Handelfmeter, Weghorst, kam es zur Punkteteilung 2:2, weil zuvor das 3:1 nicht gegeben wurde, angebliche Torwartbehinderung. Ich schaute mir die Szene immer und immer wieder an und kam zu dem Entschluss: Auslegungssache. Der Torwart ist laut Regel im 5 m-Raum, in der Luft geschützt und darf im Sprung nicht angegangen werden. Das versteht jeder. Aber, hier soll es eine Behinderung durch den vor dem Torwart platzierten Angreifer gegeben haben, nur, der bewegte sich gar nicht. Einziger Fehler, er hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ging auch keinen Schritt zurück. Zu dem Kontakt am Boden stehenden kam es allein durch den Torwart, der kam so nicht an den Ball und umklammerte und schubste sogar den Angreifer. Weshalb dieser Treffer zurückgenommen wurde, die Entscheidungsträger sollten sich die Szene im stillen Kämmerlein zwecks Lerneffekt zur Genüge anschauen. Union nahm die Entscheidung sportlich hin.

Christian Zschiedrich  

Punkteteilung gegen Wolfsburg

Der 1. FC Union hat sich auch vom Wolfrudel in der Wuhlheide nicht beeindrucken lassen. In einem bis zum Schlusspfiff spannenden Spiel gab es, wie in der vergangenen Saison, ein leistungsgerechtes 2:2 Unentschieden.

Fast wäre den Eisernen wieder die in dieser Spielzeit obligate frühe Führung gelungen. Doch Sheraldo Becker ist nur mit den besten Sprintwerten der Liga ausgestattet. Sein linker Fuß ist für das Spiel mit dem Ball nur bedingt tauglich. So traf er in der zweiten Spielminute das leere Tor nicht. In der 10. Minute köpfte der Schweizer Nationalspieler Roberto Steffen den Ball ins Tor. Erstaunlich, mit einer Körpergröße von 1,70 ausgestattet erzielt er trotzdem viele Tore per Kopf. Die Abwehrrecken der Eisernen hatten sich mehr auf ihre Innenverteidigerkollegen in grün konzentriert, so dass im Schatten von Anthony Brooks und Marin Pongracic der Torschütze erfolgreich zielen konnte. Die Eisernen liefen dem Rückstand bis zur 29. Minute hinterher. Ein Fehler im Spielaufbau wurde den Wolfsburgern zum Verhängnis. Marcus Ingvartsen bediente Becker, der diesmal seinen fußballtauglichen rechten Fuß einsetzen konnte und den Ball unhaltbar in den Winkel setzte. Das Tor fiel aus dem Nichts, die Gäste hatten die Partie bis dahin im Griff. In der 42. Minute klärte Andreas Luthe gegen den allein durchgebrochenen Yannick Gehrhardt. Das Halbzeitergebnis war für die Eisernen ein bisschen schmeichelhaft.

In der zweiten Halbzeit steigerten sich die Eisernen und drehten in der 52. Minute das Spiel. Es ging um die Bewertung eines Zweikampfes zwischen Maximilian Arnold und Taiwo Awoniyi. War es überhaupt ein Foul und wenn ja, Freistoß oder Elfmeter. Der Videobeweis brachte das Urteil, Freistoß und rote Karte für Arnold. Es war zu viel um gar nichts zu geben, aber eine rote Karte ? Den Freistoß verwandelte Robert Andrich mit einem gekonnten Heber über die Mauer.

Der Live Reporter redete mal wieder die Champions-League Teilnahme herbei. Ist das in diesem Stadion überhaupt möglich? Was für Gequatsche angesichts der angebotenen Fußballkultur. Nur mit rennen und grätschen ist der Sieg nicht immer zu holen. Dass die Wolfsburger, eher ein Aspirant für die europäische Königsklasse, die noch ausstehenden ca. 50 Spielminuten mit einem Spieler weniger bestritten , war nicht zu erkennen. Eher im Gegenteil, in der 66. Minute fiel der Ausgleich. Ein nicht ganz so klarer Handelfer, den der Niederländer Wout Wegehorst verwandelte. Handspieler Marcus Ingvartsen sah dafür die gelbe Karte. Mit der Punkteteilung ging das Spiel leistungsgerecht zu Ende. Schlüssel für den Punkterfolg war erneut die enorme Laufbereitschaft der Eisernen, es waren fast120 km für die gesamte Mannschaft. Man merkte es in der Schlussphase der Partie, als mancher Unioner aus dem letzten Loch zu pfeifen schien.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Hübner – Trimmel, Griesbeck (86. Ryerson), Andrich, Ingvartsen (86. Gogia), Lenz – Becker (77. Bülter), Awoniyi (77. Teuchert)

VfL Wolfsburg: Casteels – Baku (90.+3. William), Pongracic (46. Guilavogui), Brooks, Paulo Otavio – Gerhardt, Schlager, Brekalo (66. Mbabu), Arnold, Steffen – Weghorst

Schiedsrichter: Patrick Ittrich, Sascha Thielert, Christian Dietz, Tobias Stieler

Tore: 0:1 Steffen (10.), 1:1 Becker (29.), 2:1 Andrich (52.), 2:2 Weghorst (66.)

Mit einem Sieg ins neue Jahr

Der 1. FC Union macht im neuen Kalenderjahr in der Bundesliga da weiter, wo sie aufgehört haben. Nach dem 2:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund wurde mit einem 2:0 Auswärtssieg beim SV Werder Bremen gleich nachgelegt.

Nur die Anfangsphase gehörte den Bremern. Mit zunehmender Spieldauer bissen sich die Hausherren von der Weser an der gegnerischen Abwehr die Zähne aus. Gegenüber der Pokalniederlage gegen Paderborn hatte Trainer Urs Fischer die Mannschaft auf drei Positionen verändert. Andreas Luthe kehrte wieder ins Tor zurück und im Feld spielten Florian Hübner und Marcus Ingvartsen für Cedric Teuchert und Keita Endo.

Taktisch sortierte sich die Fischer-Truppe in einem 3-5-2 (5-1-2-2) System, Bremen sollte das Spiel machen und die Eisernen wollten möglicher Fehler ausnutzen. Das funktionierte, in der 12. Minute fiel das 1:0 durch Sheraldo Becker, der einen mustergültigen Pass von Taiwo Awoniyi serviert bekam und in der 28. Minute avancierte Vorlagengeber Awoniyi selbst zum Torschützen. Der Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen. Bei der Vorarbeit durch Sheraldo Becker ging es nicht regelgerecht zu. Es war letztlich egal, die harmlosen Bremer hätten das Spiel dann eben nur mit 0:1 verloren.

In dieser Verfassung müssen sie sich an der Weser ernsthaft Sorgen machen. Beim 1. FC Union reifen dagegen weitere Blütenträume. Sage und schreibe 24 Punkte stehen nach 14 Spielen bereits auf der Habenseite. Trotz Personalproblemen und reduziertem Heimvorteil ziehen sie weiter ihre Kreise. Es ist kein Hochglanz-Fußball, bei den Eisernen holen sie aus den vorhandenen Möglichkeiten das Optimum heraus. Der Star ist die Mannschaft!

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Fußball-Bundesliga 14. Spieltag

SV Werder Bremen – 1. FC Union Berlin 0:2 (0:2)

SV Werder Bremen: Pavlenka – Toprak (83. Veljkovic), Groß, Friedl – Gebre Selassie, Osako (46. Mbom), Eggestein, Bittencourt (46. Selke), Augustinson (76. Füllkrug) – Schmid (76. Chong), Sargent 

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Hübner – Trimmel, Prömel (76. Griesbeck), Andrich, Ingvartsen, Lenz – Becker (88. Teuchert), Awoniyi (83. Ryerson) 

Schiedsrichter: Tobias Stieler, Sascha Thielert, Marcel Unger, Patrick Ittrich 

Tore: 0:1 Becker (12.), 0:2 Awoniyi (28.)

Hertha war dem SC Freiburg nicht gewachsen

Hoffentlich bin ich nicht vom Kommentator des Spiels beeinflusst worden, der Hertha im Tiefschlaf sah. Ich habe die Begegnung nicht live sehen können, aber doch das ganze Spiel im Fernsehen. Demnach muss Hertha noch hundert Millionen mehr investieren, um Fußball wie die Freiburger oder Mannschaften aus der Spitzengruppe bieten zu können. Besonders schlimm empfanden die Hertha-Fans die erste Halbzeit, in der fehlte nicht nur der Angriffsfußball, sondern die Spielweise insgesamt war zum Wegschauen oder zum Weglaufen. Kein Tempo und Torszenen waren auch nicht zu sehen.

Hertha schien auf dem Vormarsch, auf dem Weg zu sein, mit dem Ziel, besser als Union zu landen, hahaha! Den Vergleich lassen wir lieber. Drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, das spricht Bände. Es wäre meiner Meinung nach verkehrt, den blamablen, miserablen Start auf den Trainer zu schieben. Seid froh, Bruno Labbadia zu haben! Es liegt wirklich nicht am Trainer, das hat tiefere Gründe. Labbadia soll bloß nicht von selbst sagen, das tue ich mir nicht weiter an! Ohne ihn kann Hertha BSC  dem  „geliebten“ Schalke 04 die Hände reichen. Und was das bedeuten würde, wissen nicht nur Insider. Der Blick geht eindeutig nach unten.

Zur Halbzeit hätte ich gern die Kabinenpredigt gehört, wie den Großverdienern ins Gewissen geredet wurde. Ja, Hertha kann viel besser spielen, die ersten 45 Minuten waren grausam. So geschehen nach der Halbzeitpause. Die Belohnung war der 1:1 Ausgleich. War es plötzlich Powerfußball, war es Leidenschaft, war es das zu erwartende Aufbäumen? Es war nur von kurzer Dauer. Wer es nicht wissen sollte, ein richtungsweisendes Spiel  endete für Hertha mit 1:4. Labbadias Mimik verriet alles. Seine Anweisungen haben einen großen Erfahrungswert, sind fachlich genau das Richtige, nur umgesetzt wird davon nichts. Hertha präsentierte sich auf dem Platz selten als Mannschaft. Schaut einfach mal nach Köpenick.

Christian Zschiedrich

Sieg und Niederlage unter dem Gabentisch

Für Herthas Torwart Alexander Schwolow war es die Rückkehr an den einstigen Arbeitsplatz. Der gebürtige Wiesbadener gehörte seit 2009 mit der einjährigen Unterbrechung in der Saison 2014/15 dem SC Freiburg an. Es dauerte lediglich bis zur 7. Spielminute, da musste er bereits den Ball aus dem Netz holen. Vincenco Grifo war der Nutznießer, nach einem Ballverlust der Hertha im Spielaufbau. Anschließend passierte nicht viel. Freiburg führte und Hertha war wie zuletzt gegen Mainz stets bemüht. Es dauerte bis zur 36. Minute, da konnte Maximilian Mittelstädt erstmals auf das Tor schießen. Sein Schuss wurde geblockt. In der 41. Minute erfolgte erst ein direkter Torschuss, der allerdings für Florian Müller, dem Freiburger Keeper kein Problem darstellte. Mehr gelang der „Alten Dame“ nicht in Halbzeit eins. Sie hatten sogar Glück, dass den Breisgauern kurz vor dem Pausentee nicht auf 2:0 erhöhten. Grifo hätte erneut zuschlagen können.

Nach der Kabinenpredigt schien es für die Berliner besser zu laufen. Es gelang der Ausgleich und beinahe die Führung. Doch die Freiburger waren gnadenlos effektiv. Erst gelang den Freiburgern die erneute Führung und dann wurde die alte Fußballregel, von den drei Ecken die ein Tor sein sollen, bestätigt. In der 67. Minute führten die Freiburger mit 3:1 und das waren Wirkungstreffer. Sie steckten zwar nicht auf, viel gelang ihnen nicht mehr. Es lief die Zeit davon. Den Schlussakkord setzten die Freiburger. Niels Petersen verwandelte einen Foulelfmeter. So wurde es Ergebnis-technisch eine unerwartete Klatsche für Hertha BSC. Lediglich 13 Punkte wurden geholt, der Abstand zu dem Konkurrenten aus Köpenick beträgt aktuell 8 Punkte. Hertha muss nach unten schauen, nur 3 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Wer hätte das gedacht!

Während die Hertha sich also quälte, blieb den Eisernen das Glück der Tüchtigen treu. Erneut wurde ein enormer Laufaufwand belohnt. Sie liefen fast 10 km mehr als die Dortmunder. Mit zwei Eckbällen schafften sie die Borussia aus Dortmund. Mit jetzt 21 Punkten bleiben sie über Weihnachten in den internationalen Rängen der Tabelle. Bemerkenswert, dass trotz des kleinen Kaders, trotz namhafterer Konkurrenz weiter fleißig gepunktet wird. Für den 1. FC Union ist das Fußballjahr noch nicht beendet. Im Pokal wird am Dienstag, 22.12., vor dem Fest, der SC Paderborn empfangen.

Die Halbserie ist noch nicht vorbei. Nach einer kurzen Weihnachtspause geht es am 2. Januar 2021 weiter. Der 1. FC Union macht sich auf den Weg zum SV Werder Bremen und die Hertha empfängt am selben Tag im heimischen Olympia-Stadion Schalke 04 zum Abstiegsduell.

Hans-Peter Becker

Weiter Unentschieden im Berliner Profifußball

Beider Berliner Vertreter in der Bundesliga lieferten zeitgleich ein Unentschieden in ihren jeweiligen Partien ab. Während Hertha im Olympia-Stadion eine Nullnummer ablieferte, konnten die Eisernen bis zum Schluss nicht ganz dicht halten. Nach einer 2:0 Führung in Stuttgart hieß es am Ende 2:2. Nun ja, in Köpenick wird man mit dem Punkt zufriedener gewesen sein, als in Charlottenburg.

Wie gefährlich die Eisernen bei Freistößen und Eckbällen sind, scheint sich in der Liga noch nicht ganz herumgesprochen zu haben. Unerklärlich, jedenfalls war es wieder ein ruhender Ball von Kapitän Christopher Trimmel, der früh im Spiel seinen Adressaten fand. Gegen die Bayern war es ein Eckball, hier war es eine Freistoßflanke, die per Kopf von Marvin Friedrich ins Tor befördert wurde. Die Stuttgarter liefen dem Rückstand lange hinterher und schienen in der 77. Minute endgültig auf die Verliererstraße zu geraten, als Taiwo Awoniyi einen Entlastungsangriff zur 2:0 Führung abschloss. Bis dahin hatten die Unioner aufopferungsvoll verteidigt und konnten die Führung bis zur 85. Minute halten. Der enorme Laufaufwand (über 120 km) machte sich bemerkbar und dazu der kleine Kader. Urs Fischer konnte die Reise nur mit 18 Profis antreten. In der 85. und in der 90. Minute schlug jedenfalls ein im Tor von Andreas Luthe.

Unions Trainer sah das Spiel so: “Natürlich sieht es unglücklich aus, weil wir die Gegentore spät bekommen. Über 90 Minuten gesehen ist das ein gerechtes Unentschieden. Die erste Hälfte gehörte uns, die zweite Hälfte gehörte Stuttgart, deshalb bin ich nicht enttäuscht: wieder ein Punkt auf dem Konto, der uns hilft.”

Hertha war im heimischen Olympia-Stadion stets bemüht, den Abwehrriegel der Mainzer zu knacken. Eine Torgefahr zu entwickeln gelang nicht. Es war viel Einsatz im Spiel und fast gar kein Ertrag. Die Spielstatistik weist zwar 11 Torschüsse aus, da wurde wohl alles mitgezählt, was irgendwie in die Nähe des Kastens kam. Denken wir positiv, immerhin ist Hertha jetzt seit 4 Spielen ungeschlagen und besser geht immer.

Hans-Peter Becker

Wochenende der Unentschieden

Hertha hat verdient bei Borussia Mönchengladbach einen Punkt geholt. Inwiefern dabei der Erfolg des Gegners in der Champions-League und somit ein mögliches nachlassen der Konzentration eine Rolle gespielt haben könnte, der Trainer Marco Rose wollte dem entgegensteuern. Er brachte sechs frische Kräfte, im Tor stand die Nummer zwei Tobias Sippel. Sein Kollege bei der Hertha nahm nur zwei Wechsel vor. Matheus Cunha fehlte ohnehin gelb gesperrt.

Hertha ließ von Anfang an keine Zweifel daran aufkommen, dass sie vom Niederrhein was mitnehmen wollten. Es hätte mehr als nur ein Punkt werden können. In der 47. Minute erzielte Matteo Guendouzi nach Vorarbeit von Vladimir Darida das 1:0. Es war der erste Bundesligatreffer für den Franzosen. Breel Embolo antwortete für Gladbach in der 70. Minute. In dem offenen Spiel hatten bis zum Schlusspfiff beide ihre Möglichkeiten für den Siegtreffer. Das er nicht gelang, dafür waren auch gute Torhüterleistungen auf beiden Seiten verantwortlich. Hertha scheint zudem endlich zu einer besseren mannschaftlichen Geschlossenheit zu finden. Die Abwehr wirkte stabil und die Ballverluste im Aufbauspiel konnten weiter verringert werden. Die Laufbereitschaft war höher als bei den Gladbachern. Sie liefen fast zwei Kilometer mehr als der Gegner. Weiter verbesserungswürdig ist dagegen die Passquote, 76% der Anspiele erreichten ihren Adressaten.

Die Hertha sammelte also einen Punkt und kann in der bevorstehenden englische Woche gegen Mainz im Olympiastadion und auswärts in Freiburg versuchen, das Punktekonto bis Weihnachten weiter aufzufüllen.

Etwas später am Abend hatten in Berlin-Köpenick die Eisernen den FC Bayern zu Gast.

Das Unentschieden des 1. FC Union gegen den großen FC Bayern ist ein gefühlter Sieg. Chapeau! Eindrucksvoll bewiesen die Berlin-Köpenicker was mit mannschaftlicher Geschlossenheit und enormer Laufbereitschaft im Fußball möglich ist. Wer gedacht hatte, dass ohne Max Kruse die Chancen auf ein gutes Abschneiden noch geringer sind, wurde schnell eines Besseren belehrt.

Zwei Faktoren waren entscheidend. Laufen und Laufen, am Ende des Spiels hatten die Gastgeber über 5 Kilometer mehr runter gespult als der amtierende Gewinner der Champions League. Der Tracker zeigte 122,04 km für die Köpenicker, während der FC Bayern mit 116,58 km im Gesamtwert gemessen wurde. Neben der Laufbereitschaft waren die Standards wichtig. Die nicht immer sattelfeste Bayern-Abwehr gestattete vier Eckbälle und alle wurden gefährlich. Gleich der erste im Spiel saß. Nach nur vier Minuten landete der Ball im Tor der Bayern. Ursache war ein von Manuel Neuer abgewehrter Torschuss von Taiwo Awoniyi. Diese Führung hielt bis zur 67. Minute, Kingsley Coman lässt im Dribbling Marius Bülter und Christopher Trimmel aussteigen und Robert Lewandowski kann trotz Bedrängnis durch Christopher Lenz abstauben.

Der Ausgleich war verdient. Den berühmten Bayern-Dusel verhindert Unions Torwart Andreas Luthe mit einer Weltklasse-Reaktion in der 89. Minute, wieder ein überragendes Dribbling von Coman, Anspiel auf den eingewechselten Leroy Sane, doch sein Kopfball findet seinen Meister und so wurde es nichts mit einem Arbeitssieg für den FC Bayern.

Urs Fischer fasste das Spiel so zusammen: „Ich glaube heute haben wir die Möglichkeiten gehabt, das Spiel zu gewinnen. In den entscheidenden Szenen waren wir allerdings ein bisschen zu unpräzise und vielleicht auch zu unruhig. Auf der anderen Seite hätte es aber auch nochmal einschlagen können, deshalb bin ich wirklich zufrieden mit dem Punkt. Gegen den FC Bayern braucht es eine tolle Mannschaftsleistung um zu punkten, das hat meine Mannschaft heute sehr gut gemacht“.

Für die Eisernen geht es am Dienstag, 15.12. bei den bemerkenswert stark aufspielenden Stuttgartern weiter. Ihr Auftritt in Dortmund bedeutete das Ende von Trainer Lucien Favre. Er wurde nach der 1:5 Pleite einen Tag später entlassen. Die Dortmunder dann am Freitag, 18.12. der Gegner in der Alten Försterei.

Hans-Peter Becker