Der Kapitän kehrt nicht zurück

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Die BR Volleys und ihre Fans müssen den Abschied einer den Verein und die Volleyball Bundesliga prägenden Figur hinnehmen. Der Kapitän und dreifache Deutsche Meister Sergey Grankin hat nach seiner Ankunft in Russland für sich entschieden, zur nächsten Saison nicht nach Deutschland zurückzukehren und stattdessen wieder in der heimischen Superliga zu spielen. Der Abgang des Olympiasiegers ist keine sportliche, sondern eine dem weltpolitischen Geschehen geschuldete Entscheidung.

„Granking“, „Maestro“, „Granisimo“: Sergey Grankin hat sich mit seinen Ausnahmefähigkeiten in vier Jahren bei den Berlin Recycling Volleys einige Spitznamen verdient und mindestens so viele Titel gewonnen. Dreimal wurde der Russe mit dem Hauptstadtclub Deutscher Meister (2019, 2021, 2022) und holte vor mehr als 10.000 Zuschauern den DVV-Pokal (2020). Zudem führte der 37-Jährige die Mannschaft in den letzten beiden Jahren als Kapitän auf das Spielfeld und dabei zweimal in das Viertelfinale der CEV Champions League. Neben Erfolgen bei allen drei Supercup-Teilnahmen (2019, 2020, 2021) stehen insgesamt 23 MVP-Medaillen in der Bundesliga und vier der neugeschaffenen BOUNCE HOUSE-Awards zu Buche. Viel mehr geht nicht!

„Was Sergey für unseren Verein in vier Spielzeiten geleistet hat, ist schlicht großartig. Er war die Lichtgestalt der Bundesliga. Seiner Qualität und Führungsstärke war es maßgeblich zu verdanken, dass uns im diesjährigen Playoff-Finale das Comeback geglückt ist und wir den 0:2-Rückstand noch gedreht haben“, sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand und erklärt, warum es nun dennoch zum schmerzlichen Abschied kommt: „Die nach reiflicher Überlegung getroffene Entscheidung ist ihm wirklich sehr schwergefallen, aber die politischen und familiären Umstände machen ein weiteres Engagement im Ausland schwierig. Bei uns sind seine Beweggründe auf Verständnis gestoßen. Deshalb haben wir seinem Wunsch entsprochen und den Vertrag aufgelöst.“ Obwohl sich Grankin auch in Berlin längst heimisch fühlte, wird der Zuspieler somit seinen ursprünglich noch bis 2023 laufenden Kontrakt nicht erfüllen. Trotz der vier Jahre in Deutschland ist er in seinem Heimatland eng verwurzelt und sieht die private Zukunft bei und mit seiner Familie in Russland.

Zum Abschied sagt Grankin selbst: „Ich möchte mich bei allen für vier unheimlich schöne Jahre in Berlin bedanken. Ich habe es genossen, für diesen Verein und in dieser Atmosphäre der Max-Schmeling-Halle zu spielen. Ich hoffe, in der aktuellen Situation kann man meine Entscheidung dennoch nachvollziehen. Eure Unterstützung war immer fantastisch. Danke!“ Sein neuer Verein ist noch nicht offiziell bekannt.

Die Spuren, die der Regisseur in Berlin hinterlässt, könnten tiefer kaum sein: Als Grankin im Januar 2019 zu seiner ersten und einzigen Auslandsstation nach Deutschland kam, ging sportlich direkt ein Ruck durch die Mannschaft, der noch zum Titelgewinn führte. Von Monat zu Monat taute der zunächst kühl wirkende Russe auf, bewies zu seiner ganzen sportlichen Klasse auch Nahbar- und Herzlichkeit. Auf diese Weise war Grankin nicht nur Zuschauermagnet im Volleyballtempel, sondern auch in den anderen Arenen der Liga. Ihn – vor allem in Kombination mit Benjamin Patch – auftreten und spielen zu sehen, hat viele neue Fans angezogen. Bei den letzten beiden Meistertiteln 2021 und 2022 unterstrich der Weltklassespieler in den entscheidenden Phasen eindrucksvoll seinen Wert für die Mannschaft.

Somit macht Kaweh Niroomand auch deutlich: „Sergey Grankin wird mit seiner Persönlichkeit und Qualität nicht zu ersetzen sein. Wir werden trotzdem versuchen, diese riesige Lücke bestmöglich zu schließen“, ist der 69-Jährige sich der Schwierigkeit der Aufgabe für Management und Trainerteam bewusst. Zweifellos wird Sergey Grankin in die Geschichte der Volleyball Bundesliga als einer ihrer besten Zuspieler aller Zeiten eingehen.

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Mit Tsuiki geht die Sonne auf – ein Japaner für die BR Volleys

Die BR Volleys haben einen neuen Libero und Strahlemann aus dem Land der aufgehenden Sonne: Libero Satoshi Tsuiki wechselt aus Frankfurt in die Hauptstadt und unterschreibt an der Spree einen Zweijahresvertrag. Der 30-jährige Japaner ist damit der erste Spieler der Vereinsgeschichte aus Fernost.

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Ganze neunmal stand Satoshi Tsuiki den BR Volleys in der vergangenen Saison gegenüber. Mit den United Volleys Frankfurt, für die er insgesamt zwei Jahre lang aktiv war, kam es in Supercup, Pokal, Bundesliga und Playoffs zum Dauerduell mit den Berlinern. Dabei erhielt der Libero von seinem neuen Coach Cedric Enard dreimal die MVP-Medaille und war einmal in der Max-Schmeling-Halle notgedrungen sogar als Zuspieler im Einsatz. Zur kommenden Spielzeit wird der Japaner nun die Netzseite wechseln: „Das neue Trikot wird vielleicht kurze Zeit komisch für mich sein, denn so viele Vereinswechsel hatte ich in meiner Karriere noch nicht. Aber ich freue mich unheimlich auf diese neue Aufgabe. Die BR Volleys sind definitiv ein weltweit bekannter Klub und es ist für mich eine große Ehre, dieses Angebot aus Berlin bekommen zu haben“, formuliert Tsuiki seine Antrittsworte mit der typisch japanisch freundlichen und respektvollen Art.

Lange Zeit war der 1.74 Meter große Annahme- und Abwehrspezialist im Volleyball und in seiner Heimat als „Ide“ bekannt. Mit der Heirat nahm er den Namen seiner Frau Tsuiki an: „Mein Spitzname ist Sato. Das hätte ich gern auch auf dem Trikot stehen und so werde ich am liebsten genannt“. Von 2013 bis 2020 stand noch Ide auf dem Jersey, als er für die Toray Arrows aus Mishima City die Bälle verteidigte und im Jahr 2017 mit dem Club das Triple aus Pokal und nationaler sowie asiatischer Meisterschaft feierte. In Frankfurt konnte er mit dem Gewinn des DVV-Pokals 2021 ebenfalls einen großen Erfolg verzeichnen.

Tsuiki durfte während seiner Karriere also Volleyball aus zwei verschiedenen Welten kennenlernen: „In Japan wird der Sport in einem gut funktionierenden Konstrukt gespielt, aber die Professionalität ist nicht auf demselben Niveau wie hier. Die Spieler sind oft an die jeweiligen Firmen gebunden und nur wenige haben die Möglichkeit, sich wie ich im Ausland zu versuchen. Hier in Europa stehen die Ergebnisse und das Abschneiden viel stärker im Vordergrund. Es ist eine etwas andere Sicht auf den Sport. Mir gefällt diese ambitionierte Herangehensweise.“

BR Volleys Geschäftsführer Kaweh Niroomand schätzt nicht nur den spürbaren Ehrgeiz, sondern auch die Klasse des Neuzugangs: „Mit Satoshi Tsuiki gewinnen wir einen sehr flexiblen Libero hinzu, der in allen Bereichen eine hohe Qualität mitbringt. Was er kann, hat er in den vergangenen zwei Jahren in der Bundesliga eindrucksvoll bewiesen. Satoshi ist stabil in der Annahme, extrem stark in der Abwehr und hat ein gutes Zuspiel.“ Hinzukommt die japanische Mentalität, die in Person von Tsuiki erstmals ein BR Volleys Team bereichert: Extrem fleißig, sehr ehrgeizig und dabei zugleich zuvorkommend.

Durch den mutigen Schritt ins Ausland hatte „Sato“ sich im Jahr 2020 erhofft, den Sprung zu den Olympischen Spielen in Tokio zu schaffen, doch leider fand er bei den “Heimspielen“ damals keine Berücksichtigung. Auch diesen Sommer wird er statt bei der Nationalmannschaft „mit Reisen und etwas Arbeit in Japan verbringen“, bevor er sich in Berlin erneut für Olympia – dann 2024 in Paris – empfehlen will. „In Japan ist das Niveau unter den Liberos unheimlich hoch. Ich kämpfe um eine der bestbesetzten Positionen der Welt. Dennoch bleibt Olympia ein Ziel von mir.“ Auf dem Weg dorthin will der sympathische Neuzugang für die BR Volleys „in jedem Spiel die beste Leistung auf den Court bringen“.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Jeffrey Jendryk zieht weiter

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Der US-Amerikaner Jeffrey Jendryk wird die BR Volleys mit noch unbekanntem Ziel verlassen. Nach seiner insgesamt dritten Saison im Berliner Trikot stellt sich der 26-Jährige zur nächsten Spielzeit einer neuen Herausforderung in einer anderen Liga. Nachdem sich der Mittelblocker im ersten Playoff-Finale eine Bänderverletzung zugezogen hatte, ist er inzwischen wieder vollständig genesen und geht mit dem Team USA in der Volleyball Nations League ans Netz.

Direkt vom College kommend überzeugte Jeff Jendryk schon in den Jahren 2018 bis 2020 bei den BR Volleys, ehe er sich anschließend in Polen bei Asseco Resovia Rzeszow versuchte. Nach seiner Rückkehr in die deutsche Hauptstadt war der Blockspieler in der zurückliegenden Spielzeit erneut ein unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft von Coach Cedric Enard. Aufgrund der Verletzung von Anton Brehme befand sich der US-Boy gemeinsam mit Nehemiah Mote im Dauereinsatz, bevor er sich im ersten Playoff-Endspiel gegen den VfB Friedrichshafen eine Bänderverletzung zuzog und deshalb im weiteren Verlauf der Finalserie nicht mehr eingreifen konnte.

Jendryk wurde vergangene Woche in den Kader der USA für die Volleyball Nations League berufen und will dort die Bühne nutzen, um sich für neue Aufgaben zu empfehlen. „Jeff hat wieder gezeigt, wie er auf seiner Position in der Bundesliga dominieren kann. Im Zusammenspiel mit Sergey war er im Angriff kaum zu stoppen. Wir wünschen ihm nur das Beste für seine nächste Station und sind uns sicher, dass er seine Karriere erfolgreich fortsetzen wird“, verabschiedet Geschäftsführer Kaweh Niroomand den zweifachen Deutschen Meister.

Jendryk selbst sendet zum Abschied einen lieben Gruß in Richtung der Berliner Fans: „Ich möchte mich bei allen im und um den Verein herzlich bedanken. Ohne euren ständigen Rückhalt hätten wir niemals eine derartig erfolgreiche Saison spielen können. Ich wünsche den BR Volleys und allen, die es mit dem Klub halten, weiterhin ganz viel Glück und neue Erfolge. ‘Jungle Cat‘ sagt Tschüss!“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys – Interview mit Cedric Enard

Pressefoto Credit: © Maximilian Franz

Meistertrainer Cedric Enard prägt bei den Berlin Recycling Volleys inzwischen eine Ära. Nachdem der 46-jährige Franzose in den vergangenen vier Jahren jeweils einen Titel gewann und seinen Vertrag nun um zwei weitere Spielzeiten verlängerte, blickt er ungebrochen motiviert in die Zukunft. Den Sommer verbringt Enard als Nationalcoach Kroatiens, bevor der frühere Mittelblocker ab September wieder ehrgeizige Ziele mit dem Hauptstadtklub verfolgt.

Cedric, hattest Du Gelegenheit nach dem emotionalen Saisonfinale kurz zu verschnaufen?
Enard: „Ich konnte zwar den Moment genießen, aber leider blieb mir im Anschluss kaum eine Pause. Insgesamt war ich vier Tage in Frankreich und habe vor allem den Umzug meiner Familie organisiert, die wieder dauerhaft zurückkehren wird. Daher waren es stressige Tage, bis ich direkt nach Kroatien zu meinem neuen Nationalteam weitergereist bin.“

Du bereitest Dich mit den Kroaten also bereits auf die Aufgaben im Sommer vor?
Enard: „Korrekt, mit der European Golden League startet das erste Turnier schon in gut zwei Wochen. Das Finalturnier steigt am 18. und 19. Juni bei uns in Kroatien. Dann stehen für uns in den kommenden Monaten auch noch die Mediterranean Games in Algerien Ende Juni bis Anfang Juli und die Europameisterschaftsqualifikation im August an. So ist das Leben als Vereins- und Nationaltrainer in Doppelfunktion, aber das habe ich mir ausgesucht und macht mir auch Freude.“

Wie sehen die Ziele mit Kroatien dabei aus?
Enard: „Wir sind ambitioniert, wissen unsere Position aber auch einzuschätzen. Es gab in der Mannschaft einen kleinen Umbruch, so arbeite ich mit zwei sehr jungen Zuspielern. Wir müssen gucken, wie schnell die Entwicklung voranschreitet. In der Golden League sind Teams wie die Türkei oder Belgien favorisiert, aber als Ausrichter des Finalturniers wollen wir die Favoriten ärgern. Das Hauptaugenmerk wird auf der wichtigen EM-Qualifikation liegen. Diese wollen wir in der Zeit vom 03. bis 21. August unbedingt schaffen. Das ist auch das letzte Turnier des Sommers.“

Wann kannst Du dann in die Saisonvorbereitung bei den BR Volleys einsteigen?
Enard: „Ich werde noch eine Woche Urlaub mit der Familie machen und dann bin ich ab September in Berlin. Die entscheidende Phase der Vorbereitung inklusive der Testspiele kann ich also mit der Mannschaft gestalten. Zuvor wird mein Trainerteam wieder gute Arbeit machen und die Grundlagen schaffen, da bin ich sicher.“

Wie viel bedeutet es Dir, zwei weitere Jahre in Berlin dranzuhängen?
Enard: „Ich bin glücklich und stolz, in das fünfte und sechste Jahr bei den BR Volleys zu gehen. Ich kann für mich sagen: Ich lebe diesen Klub und dieses Projekt. Hier zu bleiben, war in meinem Kopf immer die erste Option. Der Wille dazu war von beiden Seiten spürbar. Als die Vereinsführung mir endgültig signalisierte, dass sie mit mir weiterarbeiten möchte, habe ich direkt zugesagt.“

Du hast die Lebenssituation Deiner Familie angesprochen. Wie wird sich diese zur neuen Saison verändern?
Enard: „Wir hatten in den vergangenen vier Jahren den glücklichen Umstand, dass wir mit der gesamten Familie, also meiner Frau Caro und unseren drei Töchtern, in Berlin leben konnten. Sie haben hier eine sehr gute Schule besucht und auch Deutsch gelernt. Unsere älteste Tochter hat im letzten Jahr bereits begonnen, in Frankreich zu studieren. Nun stehen auch für unsere mittlere wichtige Entscheidungen für den weiteren Lebensweg an. Wir möchten unseren Kindern alle Optionen für die Zukunft ermöglichen und damit sie genau das tun können, was sie möchten, ist der Weg zurück nach Frankreich der richtige und nötige Schritt. Caro hat eine neue Arbeitsstelle und kann fast ausschließlich aus dem Homeoffice arbeiten. Das bedeutet, wenn immer Schulferien sind, können sie zu mir nach Berlin kommen. Die Konstellation der letzten Jahre war Luxus. Die Situation jetzt kennen wir aus meiner Zeit in Tours und werden auch dies gut managen.“

Du hast mit den BR Volleys in jedem Jahr einen Titel gewonnen und alle möglichen Deutschen Meisterschaften geholt. Überspitzt gesagt: Was bleibt noch an Zielen und Motivation für Dein fünftes Jahr?
Enard: „Die Ziele bleiben unverändert. Das ist das Schöne an Berlin. Wir wollen und können um alle nationalen Titel spielen. Diese Bundesliga-Saison hat wieder gezeigt, dass niemand denken sollte, Erfolge sind selbstverständlich. Friedrichshafen hat im Pokal und Saisonfinale bewiesen, wie stark sie sind. Düren wird im nächsten Jahr – angestachelt von dem Verlauf des Halbfinals – extrem motiviert zurückkehren. Frankfurt hatte unheimlich viel Pech und wird mit weniger Verletzungen besser sein. Auch in Lüneburg formiert sich wieder etwas Gutes. Sich dem Kampf gegen diese Kontrahenten zu stellen, bleibt extrem reizvoll. Dann ist da die Champions League, in der wir diesen einen, kleinen Schritt weiter vorankommen wollen. Wir möchten uns wieder in eine Position bringen, die Chance auf das Halbfinale zu haben. Da spielt natürlich neben der Auslosung eine Rolle, wie es mit den russischen Vereinen im nächsten Jahr weitergeht.“

Bist Du optimistisch, dass das BR Volleys Team 2022/23 so stark sein wird wie die Meistermannschaft dieser Spielzeit?
Enard: „Wie Kaweh auf der Saisonabschlussfeier schon sagte, bestehen natürlich noch offene Fragen, die darauf maßgeblichen Einfluss haben. Dazu gibt es noch keine News und leider liegen nicht alle Faktoren in unserer Hand. Ich denke, wir haben mit einigen Vertragsverlängerungen auch starke Signale gesetzt. Mit Tim Carle, Ruben Schott, Cody Kessel, Marek Sotola, Nehemiah Mote und Adam Kowalski bleiben viele wichtige Spieler definitiv. Dazu freue ich mich unheimlich auf die Rückkehr von Anton Brehme. Mit seiner Art tut er der Mannschaft extrem gut und wird hoffentlich wieder körperlich vollständig fit eine Bereicherung für unser Spiel sein. In den nächsten Tagen und Wochen wird die ein oder andere neue Personalie hinzukommen, auf die sich die Fans freuen dürfen.“

Quelle:Christof Bernier/BR Volleys

Meisterehrung im Roten Rathaus

Pressefoto Credit: © Jürgen Engler

Die BR Volleys sind am Mittwoch, 4. Mai im Roten Rathaus für den Gewinn ihres zwölften Meistertitels geehrt worden. Erstmals begrüßte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey Berlins Volleyballteam Nr. 1 und betonte dabei „die herausragende Arbeit“, welche die BR Volleys und die weiteren Proficlubs für die Hauptstadt leisten.

Gemeinsam mit den Tischtennis-Damen des ttc berlin eastside, die sich am vergangenen Wochenende ebenfalls den Deutschen Meistertitel sicherten, waren die BR Volleys ins Rote Rathaus eingeladen worden. Unter den Augen der Medien sowie den engsten Partnern und Wegbegleitern beider Vereine empfing die Regierende Bürgermeisterin die beiden erfolgreichen Berliner Spitzenmannschaften. In ihrer Laudatio sagte Franziska Giffey über die Hauptstadt-Volleyballer: „Mit ihren enthusiastischen Fans ist unseren BR Volleys ein großartiges Comeback und eine riesige Aufholjagd geglückt. Dazu meine ganz herzliche Gratulation. Unsere starken Proficlubs sind wichtige Botschafter für die Stadt und leisten herausragende Arbeit in ganz vielen Bereichen. Die Vereine sind wertvolle Repräsentanten Berlins und sorgen für eine besondere Anziehungskraft unserer Metropole. Dafür ein großes Dankeschön.“

Im Anschluss trat BR Volleys Geschäftsführer Kaweh Niroomand an das Rednerpult: „Es sind solche Momente wie am Samstagabend in der Max-Schmeling-Halle, die uns als Verein motivieren und vorantreiben. Die Freude in den Augen der Menschen, das Miteinander, das Füreinander, die Begeisterung – dafür tun wir das alles und sind dankbar, dabei auch die wertvolle Unterstützung der Stadt Berlin zu erfahren.“ Niroomand machte im gleichen Atemzug deutlich, dass der alte und neue Deutsche Meister auch in der Zukubft große Ziele hat: „Mit den bemerkenswerten 13 Titeln des VfB Friedrichshafen gleichzuziehen, kann eine unserer Ambitionen für die kommenden Jahre sein.“

Zum Abschluss des Empfangs überreichten die BR Volleys Bürgermeisterin Giffey und der Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport Iris Spranger Fanschals in den Vereinsfarben sowie ein offizielles Meistershirt der Saison 2022.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Zwölfter Meistertitel vor ausverkauftem Haus

Die BR Volleys haben ihr Comeback im Playoff-Finale 2022 perfekt gemacht! In einem letzten, in allen Bereichen würdigen Endspiel siegte der alte und neue Deutsche Meister mit 3:1 (25:20, 19:25, 25:23, 25:22) gegen den VfB Friedrichshafen. 8.553 Zuschauer in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle bejubelten den letzten Sieg dieser Saison und damit den zwölften Meistertitel der Berliner.

Nach seinem starken Auftritt am Mittwoch durfte Samuel Tuia vor der tosenden Kulisse von Beginn an ans Netz und erzielte auch direkt die ersten zwei Punkte für die BR Volleys. Ein Angriff die Linie entlang und ein Ass des Insulaners brachten die Hauptstädter ins Spiel (2:2), aber insgesamt erwischten die Männer vom Bodensee emotionsgeladen den besseren Start (8:11). Zwei Blocks, von Sergey Grankin zum Ausgleich (14:14) und Samual Tuia zur Führung (16:15), gaben den Berlinern Schwung. Nun lief die Berliner Highlight-Maschine. Grankin setzte den nächsten Block, Timothée Carle versenkte sehenswert ohne Block und der Kapitän legte noch ein Ass nach (19:17). In einem starken Endspurt sicherte Nehemiah Mote seinem Team per Schnellangriff den ersten Satzgewinn (25:20).

Unbeirrt stemmte sich der Pokalsieger gegen den Druck der Heimkulisse und setzte sich im zweiten Durchgang nach einer Aufschlagserie von Dejan Vincic früh ab (5:9). Der VfB war klar am Drücker (9:14), aber Tuia stemmte sich mit drei Punkten in Folge dagegen (13:15). Dennoch blieben die Herren in Blau stabil und hatten nach einem Ass von Simon Hirsch alles wieder unter Kontrolle (16:20). Auch die Einwechslung von Marek Sotola für Benjamin Patch änderte nichts daran, dass die Häfler ausglichen (19:25).

Das Team von Mark Lebedew stellte bis hierhin die deutlich bessere Annahme und das Match wog eines Finals würdig hin und her (11:9, 12:13). Auch die Schiedsrichterentscheidungen sorgten für hochkochende Emotionen und nun hatten die BR Volleys den kleinen Vorteil (18:16). Beide Teams schenkten sich nichts (23:23). Beim ersten Berliner Satzball waren dann Danani mit der Abwehr und Tim Carle mit dem Angriff entscheidend zur Stelle (25:23).

Friedrichshafen ließ sich abermals nicht aus der Ruhe bringen und auch weil die Mittelblocker Marcus Böhme und Lucas Van Berkel wieder stark performten, drehten sie Gäste das Geschehen erneut (6:3, 7:11). Cedric Enard setzte nun auf Ruben Schott, der mit seinen Aufschlägen wieder für den Ausgleich sorgte (12:12). Kommissar Klein hielt die nächste Aufschlagserie bereit und sorgte für Explosionsgefahr in der Arena (16:14). Mit einem weiteren Ass von Grankin bogen die BR Volleys auf die Zielgerade ein (22:18) und nach einer genialen Rettung von Santiago Danani machte Tim Carle den letzten Punkt des Abends und damit den zwölften Meistertitel für die Berliner perfekt (25:22)

Stimme zum Spiel
Cedric Enard: „Dieser Abend ist ein Traum für uns. Vor einer ausverkauften Halle und 8.500 Zuschauern so ein fünftes Spiel gegen den Dauerrivalen gespielt und gewonnen zu haben – mehr geht einfach nicht! Ich bin so stolz auf diese Gruppe und dieses Team, wie wir nach dem 0:2-Rückstand noch zurückgekommen sind. Ich werde einige Tage brauchen, um zurück auf die Erde zu kommen. Friedrichshafen war im Saisonfinale in Topform. Sie haben uns alles abverlangt, aber am Ende haben wir es glücklicherweise geschafft. Der Titel bleibt in Berlin!“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Samuel Tuia (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Ruben Schott, Cody Kessel, Marek Sotola, Matthew West

Topwerte
Carle 20 Punkte, 3 Blocks | Sotola 12 Punkte | Grankin 3 Asse

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Fotocredit:© Maximilian Franz

BR Volleys erzwingen Entscheidungsspiel

Die Playoff-Finals 2022 bekommen ihren Höhe- und Schlusspunkt am Samstagabend, 29. April im Berliner Volleyballtempel. Mit einem 3:1-Auswärtssieg (24:26, 26:24, 26:24, 25:20) beim VfB Friedrichshafen treiben die BR Volleys die Finalserie auf die Spitze. Nach dem nervenstarken Auftritt in der ratiopharm Arena Ulm/Neu-Ulm haben die Berliner nun erstmals in der Bundesliga-Geschichte die Chance, einen 0:2-Rückstand im Finale noch zu drehen.

Beide Mannschaften standen sich in diesem Finale vor 2.319 Zuschauern abermals in unveränderter Startformation gegenüber. Auf Berliner Seite reichte es bei Jeffrey Jendryk erneut nicht für mehr als das Trikot des zweiten Liberos, bei Friedrichshafen streifte sich Blair Bann dieses über. Die Hausherren traten erwartungsgemäß druckvoll auf und zeigten früh ihre bekannte Blockstärke. Benjamin Patch blieb an jener Häfler Wand hängen (2:4), doch Timothée Carle bügelte dies per Ass wieder aus (6:6). Einmal mehr in dieser Serie war Luciano Vicentin der Mann, der für Friedrichshafen lange den Unterschied machte (12:16). Ruben Schott fand hingegen nur kurzzeitig über den Aufschlag ins Spiel (19:20), tat sich aber erneut im Angriff schwer. Mit Nehemiah Mote am Service gelang den Berlinern beim zweiten Häfler Satzball zwar das wichtige Break (24:24), aber Hirsch nutzte die dritte Gelegenheit zur Satzführung für das Heimteam (24:26).

Wie schon beim ersten Spiel in der ratiopharm Arena erarbeitete sich der VfB zunächst weiter das Spielglück. Beim Zwischenstand von 8:10 in Satz zwei setzte Cedric Enard auf Samuel Tuia anstelle von Schott. Ein im Nachhinein entscheidender Eingriff. Berlin lief zunächst weiter hinterher, bis Georg Klein zum Service ging und sich das Blatt wendete. Nehemiah Mote blockte, der “Officer“ servierte das Ass und plötzlich führten die Hauptstädter (16:13). Bei den Hausherren stieg zwischenzeitlich die Fehlerquote, doch nach einem Block von Vicentin gegen Patch stand es pünktlich zur Crunchtime natürlich wieder pari (22:22). Doch Grankin & Co behielten die Nerven und Patch erschmetterte nach einem Hin und Her den Satzausgleich (26:24).

Diesen Moment steckte Friedrichshafen gut weg und legte in Person von Daniel Muniz wieder zu (7:10). Vicentin spielte unentwegt stark, während die Berliner Außenangreifer weiter für jeden Punkt hart arbeiten mussten (13:15). Nun ersetzte Marek Sotola Ben Patch, als der Rückstand auf 14:18 anwuchs. Zwei Blockpunkte konnte Tuia setzen, doch er musste auch den wichtigen gegen Vicentin schlucken (18:21). Aber der Franzose gab die Antwort am Aufschlag und mit Sotola meldete sich endlich auch ein Berliner gegen Vicentin im Block an (23:21). Natürlich spitzte sich auch dieser Satz bis zur Verlängerung zu, bis Muniz den Ball ins Aus jagte (26:24).

Dieser Satzgewinn war der Bigpoint für den Titelverteidiger. Tuia und Sotola machten ihren Job nun hervorragend und die BR Volleys kippten endgültig das Spiel (9:7). Der Franzose traf weiter sein Service und der Tscheche blieb mutig im Angriff (19:15). Jetzt agierten die Hauptstädter clever im Angriff und ließen keine Zweifel mehr am Auswärtssieg aufkommen (23:19). Nach einem Aufschlag von Matthew West war es natürlich Tuia, der den Ausgleich in der Serie perfekt machte (25:20). Damit dürfen die Berliner noch einmal in ihre Max-Schmeling-Halle zurückkehren und vor ihrem Publikum, das alles entscheidende fünfte Finale bestreiten. Es wartet ein Volleyballfest und würdiger Abschluss dieser Saison im Volleyballtempel.

Stimmen zum Spiel
Kaweh Niroomand: „Die Männer von der Bank haben heute den Unterschied gemacht. Samu Tuia war mit seiner Routine und Moral überragend. Er war der Weckruf für unsere Mannschaft. Auch Marek Sotola hat das phänomenal gemacht. Der Junge kommt in dieser Drucksituation auf den Court und löst das so cool. Am allermeisten freut mich dieser Sieg für unsere Fans. Nach dem, was bereits am Samstag in unserer Arena los war, wird die Max-Schmeling-Halle garantiert wieder brennen. “

Samuel Tuia: „Wir wussten, dass wir kämpfen müssen und uns keinen weiteren Fehler in dieser Serie mehr leisten durften. Das war ein Sieg des gesamten Teams und des Willens. Heute konnten wir von der Bank den wichtigen Impuls geben, den die Mannschaft brauchte. Darauf haben wir gewartet und das macht mich sehr glücklich. Jetzt fühlen wir uns einfach bereit für dieses fünfte Spiel zu Hause und freuen uns auf eine riesige Kulisse, vor der wir uns hoffentlich die Goldmedaille holen können.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Marek Sotola, Matthew West, Samuel Tuia

Topwerte
Carle 15 Punkte, 2 Asse | Patch 12 Punkte | Tuia 11 Punkte, 2 Asse, 2 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: Günter Kram

Zuversicht trotz VfB-Matchball

Pressefoto Credit: Maximilian Franz

Nachdem den BR Volleys am Samstag in ihrer Arena der erste Sieg im Playoff-Finale gelungen war, sind Glaube und Selbstvertrauen im Lager des elfmaligen Deutschen Meisters zurück. Übermütig werden die Berliner jedoch keinesfalls für Spiel vier am Mittwoch (27. Apr um 20.00 Uhr) in der ratiopharm Ulm/Neu-Ulm aufschlagen. Schließlich bekam man vor einer Woche zu spüren, wie viel Druck der VfB Friedrichshafen mit dem Heimvorteil entfachen kann. Trotzdem bleibt die Hoffnung, auch den zweiten Häfler Matchball abwehren und damit ein alles entscheidendes Duell erreichen zu können.

„Mit unserem Heimsieg haben wir jetzt sicher auch die Friedrichshafener zum Nachdenken gebracht“, blickt Außenangreifer Ruben Schott zuversichtlich auf das morgige Finalspiel. Ob der 3:0 Heimerfolg der Berliner wirklich ein Wirkungstreffer beim VfB Friedrichshafen war, muss sich nun am Mittwoch zeigen, denn bisher präsentierte sich die Mannschaft von Headcoach Mark Lebedew in dieser Finalserie bestens eingestellt und mental gefestigt.

Bei dem Sieg im heimischen Volleyballtempel konnten die BR Volleys erstmals in diesem Playoff-Finale auch die Schlüsselmomente für sich entscheiden. Zweimal stand es in der „Crunchtime“ 23:23, zweimal gelangen den Hauptstädtern die entscheidenden „Breaks“. Im ersten Durchgang war es der Aufschlag von Ben Patch, der den Unterschied machte. Wobei sein anschließender Jubel in Richtung Fanblock wohl die Szene dieses dritten Finalabends war. Im zweiten Durchgang wurde Georg Klein zum Helden. Ihm gelang die wichtige Abwehraktion vor Timothée Carles Angriffspunkt und auch seine anschießende Geste zur Tribüne zeigte die ganze Entschlossenheit des Heimteams. Der eigentliche Reservist, der beim Finalauftakt für den verletzten Jeff Jendryck einsprang, fasst die Hoffnung der Berliner in Worte: „Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Nun fühlt es sich anders an. Es war zwar nur ein erster Schritt, aber auch unser Gegner muss nun dem Druck zuhause standhalten. Nach Berlin und in eine Max-Schmeling-Halle mit dieser Atmosphäre wollen die Häfler ganz sicher nicht noch einmal kommen.“

Klein will weiterhin alles geben, auch um seinem verletzten Kollegen Jendryk noch einen Einsatz in diesem Finale zu ermöglichen. Nach seiner Bänderverletzung arbeitet der US-Amerikaner gewissermaßen 24/7 mit der medizinischen Abteilung, um der Mannschaft wieder helfen können. Jendryk wird zumindest mit in die Donaustadt reisen. Doch auch ohne den effizientesten Angreifer der Bundesliga konnten die BR Volleys im dritten Finalspiel überzeugen, verzichteten auf die sprichwörtliche Brechstange und agierten kontrollierter gegen den starken Block des VfB. Beim ersten Auswärtsspiel vor einer Woche verloren Sergey Grankin & Co phasenweise die Contenance, damit den Fokus und letztlich wichtige Punkte – das war diesmal anders.

Trainer Cedric Enard weiß: „Zweifellos wartet ein ganz schweres Match auf uns, denn unser Kontrahent hat die Chance, zu Hause die Meisterschaft zu feiern.“ Um dies zu verhindern, werden nicht nur eine besondere sportliche Leistung, sondern auch Leidenschaft, Mut und Nervenstärke erforderlich sein. Alles andere als ein weiterer enger Schlagabtausch wäre nach dem bisherigen Finalverlauf überraschend. Welche heiße Atmosphäre in der ratiopharm Arena herrschen wird, ist jedem im BR Volleys Lager nach den Erlebnissen vor einer Woche bewusst. Gut möglich, dass diese seitens der Gastgeber sogar noch gesteigert wird. Warum die BR Volleys diese Finalserie dennoch unbedingt auf die Spitze treiben wollen, bringt Coach Enard auf den Punkt: „Es wäre ein Traum, nochmal vor unserer Heimkulisse in der Max-Schmeling-Halle ein fünftes Finale spielen zu dürfen. Genau dafür werden wir antreten und kämpfen.“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Volleyball 2. Bundesliga Damen: BBSC Berlin ohne Schlussfortune in Bonn

Fortuna Bonn – BBSC Berlin        3:1 (-13, 22, 23, 21)

Ohne einen Punktgewinn kehrten die Damen des BBSC Berlin von der letzten Dienstreise der Saison aus dem Rheinland zurück.

Neben den üblichen Langzeitverletzten und -kranken fiel neben Antonia Lutz am Samstagmorgen auch Trainer Ole Schröter coronabedingt aus. Co-Trainer Ronny Kunze hat daraufhin die Mannschaft – in Details telefonisch abgestimmt mit Ole Schröter – in Bonn gecoacht.

Volleyball-Damen des BBSC Saison 2021/22 Foto: © BBSC Berlin

Vom spielerischen her hatte Bonn im 1. Satz keinen guten Start erwischt. Der BBSC dagegen spielte sehr konsequent und fehlerarm, was wirklich guten Volleyball auf das Spielfeld zauberte. In den Folgesätzen drehte sich das Spiel völlig: Während Bonn im Angesicht der Tabellensituation (nur mit einem Sieg war der 12. Tabellenplatz gesichert) und angefeuert durch das Publikum die Eigenfehler minimierte, unterliefen den Berlinerinnen zu häufig ungewünschte Schnitzer in ihren Aktionen. Der Siegeswille der Bonner war jedenfalls an diesem Nachmittag größer als der der Gäste – im Resultat stand ein verdienter Heimsieg der Rheinländerinnen.

So steht am Ende der Saison ein 8. Tabellenplatz auf der Habenseite der Berlinerinnen. „Zufrieden bin ich damit nicht so recht“ erläutert Berlins Trainer Ole Schröter. Zwar hätten verschiedene äußere Faktoren wie die Verletzungsserie und Coronaerkrankungen bzw. -Quarantäne extrem auf die Mannschaft eingewirkt. „Aber trotzdem glaube ich, dass wir noch ein bisschen mehr hätten erreichen können. In einigen Spielen haben wir ein ausgesprochen gutes Niveau gezeigt. Wenn wir zum Beispiel auf die Pokalspiele zu Hause gegen Leverkusen und gegen Stuttgart sowie in der Liga vor 14 Tagen gegen Stralsund zurückschauen – das waren schon richtig Klasse-Partien. Und ich bin sicher, dass sich unsere treuen Fans gerne an solche Höhepunkte erinnern. Dieses Niveau konnten wir leider nicht immer halten. Das ist schade, aber wahrscheinlich auch eine Konsequenz des begrenzten Kaders, der bei Erkrankungen und Verletzungen an die Grenzen des Machbaren kommt.“

Quelle: Burkhard Kroll/BBSC Berlin

BR Volleys – dem Druck wieder nicht gewachsen

Im zweiten Spiel der Playoff-Finalserie setzte es für die BR Volleys mit 1:3 (25:21, 23:25, 22:25, 24:26) die zweite Niederlage. Erneut zeigte sich der VfB Friedrichshafen den Tick entschlossener und münzte seinen Heimvorteil in eine 2:0-Führung in den Finals um. Nun müssen die Berliner mit ihrem Publikum am Samstag (23. Apr um 18.30 Uhr) in ihrer Max-Schmeling-Halle das erste Matchball-Spiel der Männer vom Bodensee abwehren.

Durch den Ausfall von Jeffrey Jendryk (Bänderverletzung) rückte Georg Klein in die Startformation des Titelverteidigers und auch beim VfB Friedrichshafen gab es gegenüber Spiel eins genau einen zwangsläufigen Wechsel. Der schon beim Auftakt dieser Serie überzeugende Daniel Muniz ersetzte Vojin Cacic (Achillessehnenriss). Auch wenn Diagonalangreifer Simon Hirsch sich – anders als noch am Samstag – sofort mit zwei erfolgreichen Angriffen gut im Match anmeldete, erwischten die Berliner den besseren Start. Eine erfolgreiche Video-Challenge und ein Ass von Benjamin Patch leiteten die gute Anfangsphase ein (5:4, 12:9). Als die Gastgeber aufkamen, legte Sergey Grankin den Ball seelenruhig auf den berühmten “Markplatz“ (16:15). Patch verwandelte in der Folge die schweren Bälle (21:21), die entscheidenden Breaks erzielten aber Timothée Carle per Ass ins Eck und Ruben Schott per Angriff (25:21).

Die Hausherren gaben vor 2.076 Zuschauern die schnelle Antwort auf diesen Satzverlust. Als Muniz gegen Patch blockte, bat Cedric Enard zur Auszeit (4:8). Nun trumpfte Friedrichshafen mit dem starken Block immer mehr auf (6:12). Klein ersetzte in der Mitte Jendryk formidabel und brachte die BR Volleys zur Crunchtime wieder in Schlagweite (20:21). Satz zwei wurde dann durch den Pfiff von Schiedsrichter Dr. Mirco Till beendet, der entschied, dass Grankin den Ball außerhalb der Antenne zurück ins Häfler Feld gespielt haben soll (23:25).

Satz drei wurde daraufhin mit einer roten Karte gegen den Berliner Kapitän eröffnet und die Pokalsieger vom Bodensee waren nun wieder druckvoller (4:8), doch Nehemiah Motes krachender Block gegen Muniz brachte die Hauptstädter zurück in den Durchgang (11:11). Kurze Aufschläge waren bei beiden Teams ein oft genutztes, taktisches Mittel. Auf den nächsten Friedrichshafener Zwischenspurt reagierte Enard mit der Einwechselung von Samuel Tuia (14:17). Die BR Volleys verpassten aber ihre Chancen aufzuschließen (19:22) und Tuia blieb am erneut starken Block der Männer in Weiß hängen (22:25).

Obwohl Grankin & Co längst nicht am Limit spielten, nahmen sie Kampf in der hitzigen Atmosphäre aber weiter an (8:8, 14:14). Carle und Patch trugen ihr Team im Angriff, aber Vicentin und Hirsch standen ihnen in nichts nach. Wieder war es Motes Block gegen Vicentin, der den Berlinern Auftrieb gab (21:20). Im Anschluss an die nächste heiße Diskussion und einer doppelten Challenge hatten die BR Volleys Satzball. Aber die Gastgeber waren erneut nervenstärker und nach einem Ball von Patch in den Block und einem weiteren von Carle ins Aus jubelte der VfB über den zweiten Erfolg in dieser Serie (24:26). Somit sind die BR Volleys unter Zugzwang und müssen jedes weitere Spiel gewinnen, um noch eine Wende zu schaffen. Den Anfang braucht es am Samstag im Volleyballtempel zu Berlin.

Stimmen zum Spiel
Kaweh Niroomand: „Das war eine heiß umkämpfte, intensive Volleyball-Schlacht hier in Neu-Ulm. Wir haben wieder unsere Chancen nicht genutzt. Das müssen wir uns vorhalten. Uns mangelt es in diesen Finalspielen einfach an Konstanz. Friedrichshafen ist da auf manchen Positionen stabiler. Jetzt müssen wir mit einem Sieg zuhause irgendwie die Wende schaffen.“

Nehemiah Mote: „Noch bevor der erste Aufschlag in diesen Finals gespielt ist, setzen wir uns selbst schon unter einen merkwürdigen Druck und stehen unter Spannung. Das hemmt uns und wir spielen dadurch nicht frei. Mit dieser Anspannung misslingen uns manchmal selbst einfachste Dinge. Jetzt müssen wir uns aus diesem Loch kämpfen und das schaffen wir nur mit unseren Zuschauern. Es fehlt nicht viel. Wir brauchen einen Brustlöser.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Marek Sotola, Samuel Tuia, Matthew West

Topwerte
Patch 22 Punkte | Carle 16 Punkte | Klein 12 Punkte, 92 % Angriffsquote | Mote 11 Punkte, 6 Blocks

Spiel 3 | 23. Apr | Samstag | 18.30 Uhr | Max-Schmeling-Halle