Nun zählt im Abstiegskampf wirklich jeder Punkt

Hertha kennt die Situation, leider keineswegs erfolgreich. Und aktuell sind 25 Punkte (Union hat 39) nach 27 Spielen verdammt wenig. In diesem Trend käme Hertha nach ausstehenden sieben Partien nicht einmal auf 32 Punkte, etwa gleichbedeutend mit dem Abstieg. Den Klassenerhalt zu schaffen wird keineswegs leicht. Die Erkenntnis: Es gibt keine leichten Gegner mehr! Insofern ist der Punkt beim 1:1 gegen Union vielleicht letztendlich goldwert! Und wie geht es weiter? Zur besten Bundesligazeit, Samstag, 10.04.2021 15.30 Uhr, zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach, zuletzt nach krasser Talfahrt 2:1-Sieger über Freiburg.

Gladbachs Allrounder Valentino Lazaro, zwei Jahre lang Herthaner, bezeichnet den Berliner Club als „Wundertüte“. Das ist natürlich alles andere, nur kein Big City Club. Nicht nur Pal Dardai hat erkannt, Zusammengehörigkeit und Teamgeist sind die Grundlage dafür, auch etwas Spielglück sich im Match zu erarbeiten. Einer für den Anderen, Fehler für den Mitspieler auszubügeln,  leidenschaftlicher Kampfgeist ist gleichzeitig Erzwingen der erforderlichen  Effektivität. Nur das Ergebnis zählt leider in dieser Phase.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto:© C.Z.

Abstiegskampf heißt also nicht mehr, nur Lob für gutes Spiel zu bekommen und am Ende mit leeren Händen dazustehen. Auf Kosten der Attraktivität zählt jeder Punkt. „Schlecht gespielt und gewonnen“ zählt leider doppelt. Natürlich darf auch mitreißender Kampf, beste Abwehrarbeit, Laufintensität und Zweikampfverhalten den Anhang begeistern. Vorne schießt in der Regel der liebe Gott ein Tor. Hertha aber hat hoch bezahlte,  schnelle Stürmer prägen das prädestinierte Konterspiel und jeder der namhaften Angreifer ist für ein Tor gut genug und in der Lage – auch für unverhoffte Treffer aus dem Nichts.  

Heißt: Ein dritter Abstieg muss nicht folgen. Beherzigt, mit Willen in die Tat umsetzen, was besprochen wurde. Im Stadion sind doch keine Zuschauer. Selbst das könnte ein Vorteil sein, nicht fürs Auge spielen zu müssen. Ein noch größerer Vorteil ist doch, in den letzten sieben Spielen kann sich Hertha gegen fünf direkte Kontrahenten selbst aus dem Schlamassel ziehen. Seid mutig in allen Aktionen. So wird es überhaupt keine Rolle spielen, dass sich Hertha am Dienstag vom ungarischen Torwarttrainer Zsolt Petry (seit 2015 bei Hertha) trennte. Entscheidend ist auf dem Platz…

Christian Zschiedrich

Freude und Leid in Lichterfelde

Die Hoffnung, dass die Saison in der Regionalliga Nordost fortgesetzt werden kann, schwindet. Auf einer Videokonferenz zwischen dem Verband (NOFV) und Vertretern der Regionalliga-Vereine sprachen sich alle für einen Saison-Abbruch aus. Sie plädierten einstimmig dafür, Viktoria 89 als ungeschlagenen Tabellenführer zum Aufsteiger in die 3. Liga zu benennen. Es gilt als sicher, dass am 16. April auf der NOFV-Präsidiums-Sitzung der Saison-Abbruch beschlossen wird. Viktoria 89 hätte Planungssicherheit.

Der Trainer des Verfolgers VSG Altglienicke, Karsten Heine, sagte: „Mit den gebotenen Leistungen hat sich die verlustpunktfreie Viktoria 89 den Aufstieg einfach verdient.“

Viktoria 89 kann sich also freuen, sie sind der dritte Berliner Profi-Club. Der Senat hatte wiederholt betont, keine Fußballspiele jenseits des Profisports zu erlauben. Bei aller Freude der Lichterfelder – sie werden nun gezwungen sein, umzuziehen! Die Heimstätte, das Stadion in Lichterfelde ist nicht drittligatauglich. Die Suche nach einem neuen Stadion ist in Berlin mehr als kompliziert. Zerschlagen hat sich die Option, in das nahegelegene, aber ausgelastete Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion (Babelsberg 03 und Turbine Potsdam) auszuweichen.

Nun werde die Belastungsgrenze des Mommsenstadion (TeBe und SCC) geprüft. In der Nordstaffel werden wieder 20 Vereine spielen. Die Vereinsvertreter sprachen sich dafür aus, dass es keine Absteiger geben soll. Offen ist, ob es Aufsteiger aus der Oberliga geben wird.

Christian Zschiedrich

Hertha kann Abstiegskampf

Na bitte, im letzten Spiel vor der Länderspielpause hat es Hertha gegen Leverkusen 3:0 doch bewiesen. Wie wichtig der Sieg war, ob jetzt wieder ein gewohnt schwacher Auftritt folgt, bloß nicht. Dem Tabellenbild nach muss Hertha nun zur Konstanz finden, ein Nachlassen ist zur Existenzsicherung nicht erlaubt. Bei allem Lob, Pal Dardai hatte trotz des deutlichen Sieges etliche Kritikpunkte vermerkt. Richtig so lieber Coach. Das heißt, Hertha ist noch lange nicht der Abstiegsgefahr entronnen.

Mir gefiel, dass zu Null gespielt wurde, die komplette Abwehrarbeit aller Spieler, einschließlich Torwart, die Laufbereitschaft, die Körpersprache, besonders im Mittelfeld, das Zweikampfverhalten und dazu herausstechende Glanzstücke der Stürmer. Das hatte in der Tat mit dem Gebotenen in vielen Spielen davor nichts mehr zu tun. Eine Heimniederlage wäre kaum zu verkraften gewesen.

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert

Einige Hertha-Fans mussten sich über das Negative in den Medien wochenlang damit trösten, es sind nur Journalisten, die mit geharnischter Berichterstattung Hertha ordentlich eins drüber ziehen wollten. Dabei war sachliche Kritik durchaus angebracht. Im Boulevard gibt es kein Mittelmaß, entweder Daumen hoch oder runter. Allerdings darf in Zeiten der Lobhudelei durchaus daran gedacht werden, dass Hertha, wie zu vernehmen war, ganz unterschiedlich mit der Presse umgegangen ist. Das hat nicht immer zum Selbstverständnis des Clubs gepasst und führt zu einem unterschiedlichen Stimmungsbild.

Der nächste Spieltag beschert uns das Hauptstadtderby. Der 1. FC Union, besser platziert als Hertha und die Köpernicker haben sich auf die Fahne geschrieben und dazu das Image, eisern zu kämpfen. Hans Peter Becker unterrichtet unsere Leser Woche für Woche über „Eisern“ Union. Das erspart mir hier bestimmte Einzelheiten. Nur so viel: Als Tabellensiebenter hat Union 38 Punkte und das Ziel, eben nicht abzusteigen, bereits erreicht. Von 26 Spielen hat Union 20 nicht verloren und in der Saison bisher erst 6 mal verloren. Hertha „sonnt“ sich also vor der Pause in Siegesfreude, Union hat gezeigt, auch verlieren zu können, 2:5 gegen Eintracht Frankfurt.

Schade (…), das Stadion wäre rappe voll. Beide Trainer hoffen, dass alle Nationalspieler gesund zurückkommen. Daheimgebliebene können Verletzungen behandeln lassen und Blessuren auskurieren. In beiden Lagern wird auf das Highlight hingearbeitet, nicht unbedingt Kondition gebolzt, um vor allem taktisch auf den Gegner in allen Belangen vorbereitet zu sein. Von Bedeutung ist, wie die Partie Mainz gegen Bielefeld ausgeht und was macht der 1. FC Köln in Wolfsburg? Schalke ist bereits abgeschrieben, muss in Leverkusen antreten. Der Auftritt der Werkself bei Hertha besiegelte das Ende von Peter Bosz. Der Neue heißt Hannes Wolf und sollte einen gelungenen Einstand feiern können.

Christian Zschiedrich

Hertha erinnert an die letzten beiden Abstiege

Zum Glück, es sind diesmal doch ganz andere Personen. Wer aber die Gefahr nicht hundertprozentig ernst beim Hauptstadtclub nimmt, jetzt, nach Bielefelds Sieg in Leverkusen wird es auch im Tabellenbild erschreckend sichtbar. Hertha nimmt den drittletzten Platz ein. Das ist mit 21 Punkten, nur der drei Tore wegen, der Relegationsplatz, punktgleich mit Mainz 05, momentan noch Vorletzter. Die Mainzer aber kennen und können Abstiegskampf pur. Sie haben sich aus Niederungen an Hertha herangeschlichen. So sehr ich Pal Dardai schätze, seine Punkteausbeute ist mager, jedoch nicht hoffnungslos. Das Für und Wider der Hertha versuchte ich bereits zu konkretisieren. Deshalb erlaube ich mir einmal festzuhalten, mit Bruno Labbadia wären es nicht weniger Punkte gewesen. Seine Entlassung wird doch nicht etwa so ganz kostenlos über die Bühne gehen.

Christian Zschiedrich kommentiert

Schauen wir kurz zurück, mehr natürlich vorausschauend nach vorn. Wie ernst die Lage ist, führen wir doch vor Augen, wo Hertha stehen würde, hätte Dodi Lukebakio in der 89. den Foulelfmeter nicht verwandelt oder hätte Schiedsrichter Florian Badstüber Pedersens leichte Berührung an Lucas Tousart im Strafraum nicht zum 11m gepfiffen. Ja, es scheint am seidenen Faden zu hängen. Die Bilanz wäre  noch fataler. Was sich im Verein um die Mannschaft bewegt und ändert, da hätte ich mir einen besseren Zeitpunkt und mehr Gründlichkeit gewünscht. Wer jetzt den Abstieg verhindern muss, sind Trainer und Spieler auf dem Platz.

Wenn Bielefeld in Leverkusen gewinnen kann, dann wird Hertha zu Hause am 21. März doch Leverkusen 04 ebenfalls schlagen können – oder? Danach kommt es am 4. April zum Lokalderby Hertha BSC – SC Union 06, derzeit 38 Punkte, Tabellen-Siebenter. Was soll’s, Hertha wollte doch auf alle Fälle besser als Union sein. Am 10. April heißt es dann Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach. Ob da Marko Rose noch Trainer ist, sei dahingestellt. Gladbach wird doch nicht etwa ausgerechnet hier in Berlin eine Auferstehung erleben.  Es ist zwar ehrenwert, dass Sportdirektor Eberl am scheidenden Couch festhält, doch zählt im Fußball überhaupt noch etwas die Moral?

Quizfrage, wie viel Trainer verschliss Schalke 04 in dieser Saison? Für mich sind sie weg vom Fenster. Schalke und Hertha, die lieben sich ja so, dass Hertha ohne die Gelsenkirchener in der Eliteliga nicht bestehen möchte. Nehmt es mir ruhig übel – es ist absolut scherzhaft formuliert. In Wirklichkeit vergeht den Herthanern aber das Lachen. Es gibt doch immer wieder Herausforderer. Ralf Rangnick ist den Gerüchten nach der nächste allmächtige Schalker Sportvorstand. Weiß denn Fredi Bobic, bei aller Liebe zu Berlin, was er sich hier bei Hertha antut? Jürgen Klinsmann scheint es gewusst zu haben und Detmar Cramer, es ist lange her, auch. Er war zwei Tage lang der Trainer in Berlin.

Christian Zschiedrich

Spiel gegen Augsburg gedreht

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist cz-11-1024x819.jpg
Kommentar Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Nach 80 Sekunden, Hertha hatte den langen Weg aufs Spielfeld gerade mal geschafft, hieß es durch Laszlo Benes 0:1. Ein Rückstand der Platzherren kam den Gästen planerisch zu Hilfe. Andre‘ Hahn köpfte das Leder über Deyovaisio Zeefuik und Klünter zu Benes, der die Kugel im Lauf erfolgreich volley nahm. Hertha wirkte versteinert. Zudem fehlten die Verletzten Sami Khedira (Wadenverletzung), Matheus Cunha (Oberschenkelverletzung)und Nemanja Radonjic (Adduktorenverletzung). Pal Dardai bot dafür Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek und John Cordoba in der Startelf auf. Fast hätte Niederlechner in Minute 38 die Führung noch ausgebaut. Sein Kopfball ging an den Pfosten.

Die ersten 45 Minuten verliefen aus Sicht der Gastgeber total enttäuschend. Ich überlegte mir, wie ich nach eventueller Niederlage wohl titeln müsste. „Hertha, nach neun Spielen wieder nicht gewonnen“, „kraftlose,  inkonsequente, blutleere und überforderte, „unausgereifte, halbherzige und einfallslose Hertha“, ich suchte nach passenden Attributen. Dem Verlauf bis dahin entnahm ich die Erkenntnis, Hertha weiß gar nicht worum es geht. Ein langweiliges, „bedeutungsloses“ Spiel!

Pal Dardai soll in der Halbzeitpause nicht laut geworden sein, brachte für Maximilian Mittelstädt den ebenfalls jungen Luca Netz und Matte’o Guendouzi für Santiago Ascacibar. Zum Siegen verdammt, der Coach muss laut oder nicht die richtigen Worte gefunden haben. Wie auch immer, Hertha zeigte im zweiten Durchgang großartige Moral und trat viel zielstrebiger und bissiger auf. In der 62. Minute setzte Piatek seinem sonst herausragend parierenden Landsmann Gikiewicz per Kopf den Ausgleich ins Nest. Das erste Tor für die Alte Dame seit drei Wochen. Die Maßflanke kam von Vladimir Darida.

Letztendlich dauerte es bis kurz vor Beendigung des Matches bis Schiedsrichter Florian Badstübner in der 89. Minute auf den Punkt zeigte. Er muss früher selbst mal Fußball gespielt haben und weiß demzufolge, dass es nur einer leichten Berührung bedarf, um einen Spieler im hohen Tempo zu Boden zu schicken. Mads Pedersen foulte Lucas Tousart. Den Kontakt gab es zweifelsfrei am Hacken. Der eingewechselte Dodi Lukebakio verwandelte den Elfmeter zum 2:1. So soll und darf es für die Berliner weitergehen. – am nächsten Samstag, 13. März in Dortmund.

Christian Zschiedrich

Das Für und Wider zu Hertha BSC

Im Olympiastadion 0:3 gegen RB Leipzig verloren und trotzdem sah die Mannschaft von Pal Dardai nicht wie ein Absteiger aus. Diese meine positive Meinung könnte die Akteure eventuell beruhigen und weiterhin sicher wähnen. Moment mal, in den Spielen zuvor sahen sie ja auch ganz gut aus, ohne die nötigen Punkte trotz positiven Verlauf einzufahren. Der Hassgegner für Hertha ist zweifelsfrei Schalke 04. Hertha weiß doch hoffentlich, was die Stunde geschlagen hat. Bei Fortsetzung der fehlenden Effektivität könnte die nächste Partie in Wolfsburg auch verloren werden. Wolfsburg ist heuer verdammt stark. Schließlich ist da unten im Keller Mainz 05 enorm erstarkt. Selbst Bielefeld könnte im ausstehenden Spiel gegen Köln punkten. Das heißt, Hertha ist bereits auf dem Relegationsplatz gelandet. Bisher kam Lars Windhorst nur ins Grübeln. Jetzt spitzt sich die Lage arg zu. Hertha könnte am Ende Arm in Arm, ausgerechnet mit Schalke, absteigen.

Was mich positiv gegen Leipzig stimmte: Hertha war dem Championsleague-Teilnehmer gewachsen, hatte anfangs sogar mehr vom Spiel. Khedira spielte von Anfang an und zeigte mit 77% gewonnener Zweikämpfe mit welch guter Fitness er zu Hertha wechselt ist. Außerdem zeigte Pal Dardais Sohn  Marton Dardai eine überzeugende Leistung in der Startformation. Was immer mal im Fußball passieren kann, so in der 28. Minute, als  Marcel Sabitzer am Sonntagnachmittag aus 32 Metern einen traumhaften „Sonntagschuss“ unhaltbar ins Hertha-Tor  beförderte. Anerkanntermaßen ein Weltklassetor. Das 0:1 hielt bis zur 71. Minute.

Die Geschichten, die der Fußball schreibt. Wenn ein Trainer einen Spieler einwechselt, der den Siegtreffer markiert, bekommt der Coach anerkennende Worte und Schulterklopfen. Diesmal geschah das Gegenteil. Kurz bevor Mukiele das 0:2 erzielen konnte, unmittelbar zuvor kam Guendouzi von der Bank für S. Khedira und ausgerechnet dieser sonst souveräne Guendouzi verlor im Strafraum den Zweikampf und damit den Ball. Der „Genickbrecher“ in dieser Partie. Orban erhöhte in der 84. Minute per Kopf auf 3:0 für Leipzig. Zuvor ließ Hertha Chancen für einen möglichen Anschlusstreffer liegen.  

Hertha muss, aber wie soll Hertha in den nächsten Spielen punkten? Augsburg erzielte gegen Bayer Leverkusen ein beachtliches 1:1, lag sogar bis zur 94. Minute 1:0 in Front. Nun, gegen Augsburg und Leverkusen muss Hertha auch noch ran. Vor Leverkusen heißt der Gegner Dortmund. Also mal der Reihe nach, erst Wolfsburg und dann Augsburg, Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach. Die Negativserie muss gestoppt werden. Der 1. FC Union bestand bisher die Prüfungen auch ohne Max Kruse ganz passabel. Ich weiß, das ist für Hertha kein Trost, eher im Gegenteil: Zumindest einen Berliner Verein in der Eliteliga zu haben sollte aus Hertha-Sicht nicht „Eisern Union“ sein. Wie beliebt der 1. FC Union mittlerweile in Berlin ist, dafür sprechen die gestiegenen Mitgliederzahlen im Köpenicker Verein. Erstaunlicherweise haben die Unioner auch damit die Herthaner erfolgreich überholt.

Christian Zschiedrich

Das Ende von Preetz und Labbadia

Am Sonntag, 24.01.2021 exakt um 11:33 Uhr war es offiziell:

Nach den enttäuschenden Ergebnissen und der negativen sportlichen Entwicklung der vergangenen Wochen hat sich das Präsidium von Hertha BSC nach eingehenden Beratungen dazu entschlossen, sich mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Sport Michael Preetz zu trennen.

Bis zum Ende der Saison wird Arne Friedrich in seiner Funktion als Sportdirektor die Verantwortung im sportlichen Bereich bei Hertha BSC übernehmen.

Ebenso ist Hertha BSC zu dem Entschluss gekommen, sich von Trainer Bruno Labbadia zu trennen.

Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.

Nur kurze Zeit nach dem 1:4 im Samstag Top-Spiel gegen Werder Bremen kam zuerst von „Bild am Sonntag“  die Meldung: „Hertha trennt sich von Trainer Labbadia“. Michael Preetz „wackele“ noch. Doch es dauerte gar nicht lange, bis verkündet wurde, dass auch Preetz nicht mehr Manger der Hertha ist. Sein letztes Interview als Manager des Hauptstadtclubs, hatte ich mit Interesse verfolgt und was Preetz sagte, fand ich nachvollziehbar und gut. Immerhin 25 Jahre bei diesem Club, das ist  eine lange Zeit, auch wenn er in der Führungsposition die Rückendeckung des Präsidenten benötigte. Das ist aber oft praktizierte Kunst.

 Plötzlich empfand ich Mitleid mit Michael Preetz. Zuvor war ich von der Ehrlichkeit des Trainers Bruno Labbadia im Interview mit Florian Zschiedrich angetan. Zum Spielverlauf gefragt, antwortete er, keine Argumente mehr für die Fehltritte zu haben. Allerdings bezog, dass der eine oder andere Journalist als allgemeine Aussage für die künftige Entwicklung. Dabei war ganz klar, mit welcher Intensität weiter gearbeitet werden soll, um endlich erfolgreich zu sein. Ein ganz anderes Paar Schuhe.

Wenn schon das Thema Ehrlichkeit genannt ist, dann ziehe ich den Hut vor den Hertha-Fans, die in der Pandemie vor dem Spiel vor dem Stadion demonstrierten und sehr bemüht waren, die Corona-Regeln einzuhalten. Außerdem wurde deutlich, dass sie Labbadia keine Schuld an der Misere geben, im Gegenteil, sie schienen ihn zu mögen. Es waren nicht etwa nur junge Anhänger, sondern gestandene Männer in Sorge um ihren Verein. Ein 40jähriges Mitglied wünschte sich spontane Veränderungen in der Führung und die Gesamtheit drückte auch plakativ aus: „Preetz es reicht“!

Man stelle sich vor, Hertha hätte nur wieder den Trainer entlassen. Bestimmt hätte Hertha wohl die größte Revolte in ihrer Vereinsgeschichte  und eine düstere Zukunft erlebt.  Die Demonstration war natürlich angemeldet und genehmigt – für zunächst 70 Personen. Es wurden 250, die sich zur Freude der Ordnungshüter mit Anstand an Abstand hielten. In der aktuellen Woche vorm Auswärtsspiel in Frankfurt werden den Herthanern viele negative Berichte zu Augen und Ohren kommen. Es war ja auch ein ereignisreicher Tag mit ersten drastischen Konsequenzen.

Garantiert wird spekuliert, war das Ende von Labbadia und Preetz ein Vorstandsbeschluss? Wer hat dafür gesorgt? War es der Präsident oder hat er nur vorzeitig mit Carsten Schmidt dem Michael Preetz gerade rechtzeitig einen Vorgesetzten vor die Nase gesetzt? Vielleicht überschlagen sich die Entscheidungen. Mich würde interessieren, was kostet der Rausschmiss von Labbadia und Preetz aus ihren Ämtern. Pal Dardai als Nachfolge-Coach halte ich als die beste Lösung, dann aber nicht nur als Interims-Trainer.  

Christian Zschiedrich

Fotos: © 2021 Christian Zschiedrich

Jetzt sollten bei Hertha die richtigen Köpfe rollen

Bisher konnte Herthas Führung vom eigenen Versagen ablenken, indem schnell der Trainer gefeuert wurde. Doch so allmählich geht den Mitgliedern doch ein Licht auf. Diesmal liegt es nun keineswegs am Trainer. Zur Saisonhälfte nach 17 Spielen, nur 17 Punkte genügt nicht den Ansprüchen der Berliner, erst recht nicht, wenn der finanzielle Aufwand zu berücksichtigen ist, ökonomisch betrachtet, hier ist bisher Geld versenkt worden, da muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Das mit ins Kalkül gezogen, wer hat die Spieler geholt und wer hat in den letzten Jahren die Mannschaft zusammengestellt?

Bereits vor dem 16. Spieltag in Köln las ich u. a. auf der Website eines Anbieters von Sportwetten „Labbadia vor Entlassung“ und weiter, Hertha habe schon mit Tedesco und weiteren Trainern verhandelt. In meinem letzten Kommentar zu dem Thema schrieb ich aus Überzeugung: „Hertha solle froh sein, Labbadia zu haben“. Ich habe seine Arbeit und seine Entscheidungen genau verfolgt. Die schlechte Ergebnis-Statistik liegt nicht am Trainer! Inzwischen zweifle ich mehr denn je die Qualität der Akteure zur Geschlossenheit. Von harmlosen, blutleeren Auftritten ohne Mumm steht Woche für Woche (mit Ausnahme gegen Schalke) in den Kritiken zu lesen. Haarsträubend  der Gesamteindruck beim 0:1 in Bielefeld. Noch einmal, wer hat die Spieler geholt? Und wer sorgt mit für das „tolle“ Vereinsklima, einem leistungsstarken und effektiven „Wir“!

Hatte Klinsi „doch recht?  So titelte Sport Bild am 23. Dezember 2020 fett über zwei Seiten. Dazu abgebildet zwei “eng miteinander verflochtene“ Personen:  Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Nicht die herbeigeholten Arne Friedrich, Jens Lehmann oder Carsten Schmidt. “Katastrophale Versäumnisse von Preetz, Lügenkultur, Verachtenswert“! Wer sorgt denn für die seit Jahren stets kritisierte schlechte Stimmung im Verein? Einfach Peinlich!  

Sportlich geht es ohne Pause weiter. Am 18. Spieltag empfängt Hertha BSC Werder Bremen; am 19. auswärts bei Eintracht Frankfurt und dann Bayern München. Hoffen wir auf die 17 Spiele der Rückrunde und auf bessere Entscheidungen, diesmal nicht auf die häufige und übliche Trainer-Entlassung.

Christian Zschiedrich

Hertha BSC von Bielefeld niedergekämpft

Den Siegeswillen und Optimismus von Trainer Bruno Labbadia brachten die Spieler nicht auf den Rasen. Experten titulieren das in Fachpublikationen als „harmlose und blutleere Hertha“. Nach einem guten Spiel folgt also bei den Herthanern ein schwaches. Den Siegeswillen, die Leidenschaft und den körperlichen Einsatz präsentierten die Akteure von Uwe Neuhaus; sie kämpften die Berliner auf der Bielefelder Alm im wahrsten Sinne des Wortes nieder. Das widerspricht jedem finanziellen Vergleich. Natürlich gibt es Stimmen, dem 1:0 ginge doch ein klares Foul voraus. Ja es gab einen körperlichen Einsatz des Torschützen Yabo gegen Pekarik. Bei dem Rempler ging Pekarik zu theatralisch zu Boden. Die Berliner verlangten die Aberkennung des Treffers, doch der Kampf um den Ball wurde nicht als freistoßreif bewertet. Das Tor (64.) zählte. Was folgte war aus Berliner Sicht insgesamt total enttäuschend und widersprüchlich zum 3:0 am Wochenende davor.

Das Spiel war auch, was Angriffsfußball anbelangt, ansehnlich. Von hinten heraus folgte schnelles, konzentriertes Offensivspiel, von Mittelfeldspielern immer wieder angetrieben. Das diesmal Cunha in Bielefeld fehlte, darf doch nicht als Entschuldigung gelten. Freunde, habt ihr Union einmal darüber klagen hören, dass viele namhafte Spieler verletzt fehlen? Experten lobten besonders Darida. Von ihm war in Bielefeld recht wenig zu sehen. Gegen Schalke war er einer der Besten. Ich war besonders von Guendouzi angetan. Seine Spiellaune übertrug sich auf meine Stimmung. Er war ständig unterwegs und forderte immer wieder den Ball. Positiv, er wurde auch immer angespielt. Keine Ballverluste bei ihm, seine Pässe kamen an. Ich war bereit ihn in der Überschrift besonders hervorzuheben und offen zu bekunden, „ich habe mich in Guendouzi  verliebt“. Wohlwissend, dass unseren Lesern bekannt ist, dass ich damit seine Spielweise meinte. Prompt stellte sich der souveräne 3:0-Sieg ein.

Ich sagte mir, hoffentlich war das keine Eintagsfliege, mal sehen, wie sich das im nächsten Spiel in Bielefeld fortentwickelt. Zum Glück hab ich mit dem Lob gewartet, schlief in der 1. Halbzeit ein und sah dann auch nur eine typische alte Dame. Von wegen Geschlossenheit, von wegen Mannschaft, von wegen Ineinandergreifen, Enttäuschung pur. Da schau ich mir lieber künftig mehr Union-Spiele an. Da geht es Spiel für Spiel zur Sache. Das Samstag-Spiel gegen Wolfsburg hab ich selbstverständlich auch gesehen und den 2:0-Sieg in Bremen ebenfalls. Wolfsburg wollte in Folge der 0:2-Niederlage gegen Dortmund in der alten Försterei einiges ausbügeln.

Union geriet diesmal ungewohnt früh in Rückstand, 0:1 Steffen, schaffte aber bereits sechs Minuten später das 1:1 (16.) durch Becker. Union drehte das Match, direkter Freistoß durch Andrich. Per Handelfmeter, Weghorst, kam es zur Punkteteilung 2:2, weil zuvor das 3:1 nicht gegeben wurde, angebliche Torwartbehinderung. Ich schaute mir die Szene immer und immer wieder an und kam zu dem Entschluss: Auslegungssache. Der Torwart ist laut Regel im 5 m-Raum, in der Luft geschützt und darf im Sprung nicht angegangen werden. Das versteht jeder. Aber, hier soll es eine Behinderung durch den vor dem Torwart platzierten Angreifer gegeben haben, nur, der bewegte sich gar nicht. Einziger Fehler, er hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ging auch keinen Schritt zurück. Zu dem Kontakt am Boden stehenden kam es allein durch den Torwart, der kam so nicht an den Ball und umklammerte und schubste sogar den Angreifer. Weshalb dieser Treffer zurückgenommen wurde, die Entscheidungsträger sollten sich die Szene im stillen Kämmerlein zwecks Lerneffekt zur Genüge anschauen. Union nahm die Entscheidung sportlich hin.

Christian Zschiedrich  

Hertha war dem SC Freiburg nicht gewachsen

Hoffentlich bin ich nicht vom Kommentator des Spiels beeinflusst worden, der Hertha im Tiefschlaf sah. Ich habe die Begegnung nicht live sehen können, aber doch das ganze Spiel im Fernsehen. Demnach muss Hertha noch hundert Millionen mehr investieren, um Fußball wie die Freiburger oder Mannschaften aus der Spitzengruppe bieten zu können. Besonders schlimm empfanden die Hertha-Fans die erste Halbzeit, in der fehlte nicht nur der Angriffsfußball, sondern die Spielweise insgesamt war zum Wegschauen oder zum Weglaufen. Kein Tempo und Torszenen waren auch nicht zu sehen.

Hertha schien auf dem Vormarsch, auf dem Weg zu sein, mit dem Ziel, besser als Union zu landen, hahaha! Den Vergleich lassen wir lieber. Drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, das spricht Bände. Es wäre meiner Meinung nach verkehrt, den blamablen, miserablen Start auf den Trainer zu schieben. Seid froh, Bruno Labbadia zu haben! Es liegt wirklich nicht am Trainer, das hat tiefere Gründe. Labbadia soll bloß nicht von selbst sagen, das tue ich mir nicht weiter an! Ohne ihn kann Hertha BSC  dem  „geliebten“ Schalke 04 die Hände reichen. Und was das bedeuten würde, wissen nicht nur Insider. Der Blick geht eindeutig nach unten.

Zur Halbzeit hätte ich gern die Kabinenpredigt gehört, wie den Großverdienern ins Gewissen geredet wurde. Ja, Hertha kann viel besser spielen, die ersten 45 Minuten waren grausam. So geschehen nach der Halbzeitpause. Die Belohnung war der 1:1 Ausgleich. War es plötzlich Powerfußball, war es Leidenschaft, war es das zu erwartende Aufbäumen? Es war nur von kurzer Dauer. Wer es nicht wissen sollte, ein richtungsweisendes Spiel  endete für Hertha mit 1:4. Labbadias Mimik verriet alles. Seine Anweisungen haben einen großen Erfahrungswert, sind fachlich genau das Richtige, nur umgesetzt wird davon nichts. Hertha präsentierte sich auf dem Platz selten als Mannschaft. Schaut einfach mal nach Köpenick.

Christian Zschiedrich