Ungeheuerlich, Hintergründe bei Hertha BSC

Welch eine Bestätigung für meine Kommentare „Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher sein“ vom 14.02.20 und „Bei Hertha brennt‘s lichterloh“ vom 24.02.20 und welch eine Bestätigung für die Preetz-Kritiker, die das seit geraumer Zeit gespürt haben. 15 Tage nach Michael Klinsmanns Rücktritt sind seine Protokolle veröffentlicht durch Torsten Rumpf und Robert Schreier. Was dort zusammengefasst auf 22 DIN-A4-Seiten seiner 76 Trainertage geschrieben steht, könnte den Verein in einen Schockzustand versetzen.

Das ist seitens der Vereinsführung weder zu entkräften, noch schön zu reden und ich frage mich, sind denn im Hertha-Präsidium nur Gegenbauer-Ja-Sager, nur Gefolgsmänner des Präsidenten? Hat denn keiner der Mitglieder Eier und Rückgrat. Jetzt muss doch das große Reinemachen kommen!

Geholt hat ihn – ohne Willkommenskultur seit dem 08.11.19 – Lars Windhorst, zunächst in den Aufsichtsrat bei Hertha BSC. Im Hause Gegenbauer wird Jürgen Klinsmann am 26.11.19 zum Cheftrainer bis zum Sommer ernannt und dabei die sportlichen Vollmachten als „carte blanche“ rund um die Mannschaftsführung besprochen und akzeptiert, Klinsmanns Stab mit Alexander Nouri, Markus Feldhoff, Andreas Köpke, Werner Leuthard und Arne Friedrich.

Nach der Weihnachtspause kommt es zu einigen Merkwürdigkeiten. Wer lancierte die Meldung am 14.01.20, Jürgen Klinsmann hätte keine gültige Trainerlizenz (?) – stimmte so nicht – denn offiziell hat sie bis Ende 2020 Gültigkeit. Während der einwöchigen Diskussion gab es keine Unterstützung seitens Hertha BSC, kein einziges Statement für den leitenden Angestellten Jürgen Klinsmann. Laut dem Klinsmann-Protokoll gab es nie ein Vertrauensverhältnis zwischen  Gegenbauer, der Geschäftsleitung und dem Trainerstab. Die Trainer wussten u.a. nicht, wie lange sie noch da sind, warteten auf den Anschlussvertrag.

Die Mannschaft wurde, wie die Ergebnisse zeigen, nach oben gebracht. Mit dem Sieg in Paderborn verbesserte sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf neun Punkte und der Mannschaft wurde ein Top-Fitness-Zustand, mit Defiziten im taktischen Bereich bescheinigt.

Klinsmann habe bei allen Winter-Einkäufen selbst die ersten Anrufe getätigt. Ascacibar, Piatek und Cunha – mit wachsendem Mehrwertpotential (bei Wiederverkäufen) – wären sonst wohl nicht zu Hertha gekommen. Die Stimmung in den Medien hat sich gewandelt. Festgehalten: In der Bild-Zeitung schreiben erkennbar plötzlich andere, nämlich die mit Michael Preetz Befreundete. Ganz erstaunlich die Bestätigung:“ Michael Preetz war auch bei anderen Indiskretionen der Informant“!  

Dazu passt: „Klinsmann habe nur die Cheftrainerrolle und sei an Weisungen der Geschäftsführung gebunden. Wir werden uns nicht in die vorgegebene Richtung bewegen“. Derlei konkrete Anzeichen verdichteten sich zunehmend mehr.  Jürgen Klinsmann schmiss also nicht unbegründet nach schlafloser Nacht hin. Wer die Fakten schwarz auf weiß erst jetzt verwundert zur Kenntnis nimmt, könnte beim nächsten Heimspiel zu denen gehören, die im Chor den Namen Jürgen Klinsmann rufen.

Ich bin mir sicher, ab sofort wird auch Michael Preetz nicht verschont bleiben, steht jetzt ohnehin im Rampenlicht. Deshalb abschließend die protokollierten Vorwürfe gegen den Manager Sport, verbunden mit der Frage, was muss in diesem Club noch alles passieren? Ich teile die Meinung: Du bist als Fußballer nur so gut wie dein Umfeld – bedeutet: Die Geschäftsleitung muss komplett ausgetauscht werden, sonst werden tolle Neuzugänge nach einiger Zeit zu Durchschnittsspielern. Und wie verhält es sich mit dem 17jährigen Jugendspieler, der wird (bei den Profis integriert) von ganz Europa gejagt.

Zutreffende Vorhaltungen an Michael Preetz: Jahrelange katastrophale Versäumnisse in allen Bereichen des Leistungssport und eine genauso katastrophale aktuelle Kaderplanung. Kein Anspruchsdenken an die Mitarbeiter, kein Prämien- und Motivationssystem für Trainer und Betreuer, schlechte Saisonvorbereitung. Der Klub wäre ohne Trainerwechsel auf Abstiegswegen gewesen. Es gibt wohl kein Vertrauensverhältnis zwischen der Geschäftsleitung und Trainer-Team. Aber, es scheint eine Lügenkultur zu geben, die das Vertrauensverhältnis der Spieler zerstört hat. Ein Hauptstadtclub müsste auch die Vision Richtung Europa haben und dementsprechend aufgestellt sein. Welche Vision hat Hertha?

Christian Zschiedrich