Hertha BSC von Bielefeld niedergekämpft

Den Siegeswillen und Optimismus von Trainer Bruno Labbadia brachten die Spieler nicht auf den Rasen. Experten titulieren das in Fachpublikationen als „harmlose und blutleere Hertha“. Nach einem guten Spiel folgt also bei den Herthanern ein schwaches. Den Siegeswillen, die Leidenschaft und den körperlichen Einsatz präsentierten die Akteure von Uwe Neuhaus; sie kämpften die Berliner auf der Bielefelder Alm im wahrsten Sinne des Wortes nieder. Das widerspricht jedem finanziellen Vergleich. Natürlich gibt es Stimmen, dem 1:0 ginge doch ein klares Foul voraus. Ja es gab einen körperlichen Einsatz des Torschützen Yabo gegen Pekarik. Bei dem Rempler ging Pekarik zu theatralisch zu Boden. Die Berliner verlangten die Aberkennung des Treffers, doch der Kampf um den Ball wurde nicht als freistoßreif bewertet. Das Tor (64.) zählte. Was folgte war aus Berliner Sicht insgesamt total enttäuschend und widersprüchlich zum 3:0 am Wochenende davor.

Das Spiel war auch, was Angriffsfußball anbelangt, ansehnlich. Von hinten heraus folgte schnelles, konzentriertes Offensivspiel, von Mittelfeldspielern immer wieder angetrieben. Das diesmal Cunha in Bielefeld fehlte, darf doch nicht als Entschuldigung gelten. Freunde, habt ihr Union einmal darüber klagen hören, dass viele namhafte Spieler verletzt fehlen? Experten lobten besonders Darida. Von ihm war in Bielefeld recht wenig zu sehen. Gegen Schalke war er einer der Besten. Ich war besonders von Guendouzi angetan. Seine Spiellaune übertrug sich auf meine Stimmung. Er war ständig unterwegs und forderte immer wieder den Ball. Positiv, er wurde auch immer angespielt. Keine Ballverluste bei ihm, seine Pässe kamen an. Ich war bereit ihn in der Überschrift besonders hervorzuheben und offen zu bekunden, „ich habe mich in Guendouzi  verliebt“. Wohlwissend, dass unseren Lesern bekannt ist, dass ich damit seine Spielweise meinte. Prompt stellte sich der souveräne 3:0-Sieg ein.

Ich sagte mir, hoffentlich war das keine Eintagsfliege, mal sehen, wie sich das im nächsten Spiel in Bielefeld fortentwickelt. Zum Glück hab ich mit dem Lob gewartet, schlief in der 1. Halbzeit ein und sah dann auch nur eine typische alte Dame. Von wegen Geschlossenheit, von wegen Mannschaft, von wegen Ineinandergreifen, Enttäuschung pur. Da schau ich mir lieber künftig mehr Union-Spiele an. Da geht es Spiel für Spiel zur Sache. Das Samstag-Spiel gegen Wolfsburg hab ich selbstverständlich auch gesehen und den 2:0-Sieg in Bremen ebenfalls. Wolfsburg wollte in Folge der 0:2-Niederlage gegen Dortmund in der alten Försterei einiges ausbügeln.

Union geriet diesmal ungewohnt früh in Rückstand, 0:1 Steffen, schaffte aber bereits sechs Minuten später das 1:1 (16.) durch Becker. Union drehte das Match, direkter Freistoß durch Andrich. Per Handelfmeter, Weghorst, kam es zur Punkteteilung 2:2, weil zuvor das 3:1 nicht gegeben wurde, angebliche Torwartbehinderung. Ich schaute mir die Szene immer und immer wieder an und kam zu dem Entschluss: Auslegungssache. Der Torwart ist laut Regel im 5 m-Raum, in der Luft geschützt und darf im Sprung nicht angegangen werden. Das versteht jeder. Aber, hier soll es eine Behinderung durch den vor dem Torwart platzierten Angreifer gegeben haben, nur, der bewegte sich gar nicht. Einziger Fehler, er hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ging auch keinen Schritt zurück. Zu dem Kontakt am Boden stehenden kam es allein durch den Torwart, der kam so nicht an den Ball und umklammerte und schubste sogar den Angreifer. Weshalb dieser Treffer zurückgenommen wurde, die Entscheidungsträger sollten sich die Szene im stillen Kämmerlein zwecks Lerneffekt zur Genüge anschauen. Union nahm die Entscheidung sportlich hin.

Christian Zschiedrich  

Mit einem Sieg ins neue Jahr

Der 1. FC Union macht im neuen Kalenderjahr in der Bundesliga da weiter, wo sie aufgehört haben. Nach dem 2:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund wurde mit einem 2:0 Auswärtssieg beim SV Werder Bremen gleich nachgelegt.

Nur die Anfangsphase gehörte den Bremern. Mit zunehmender Spieldauer bissen sich die Hausherren von der Weser an der gegnerischen Abwehr die Zähne aus. Gegenüber der Pokalniederlage gegen Paderborn hatte Trainer Urs Fischer die Mannschaft auf drei Positionen verändert. Andreas Luthe kehrte wieder ins Tor zurück und im Feld spielten Florian Hübner und Marcus Ingvartsen für Cedric Teuchert und Keita Endo.

Taktisch sortierte sich die Fischer-Truppe in einem 3-5-2 (5-1-2-2) System, Bremen sollte das Spiel machen und die Eisernen wollten möglicher Fehler ausnutzen. Das funktionierte, in der 12. Minute fiel das 1:0 durch Sheraldo Becker, der einen mustergültigen Pass von Taiwo Awoniyi serviert bekam und in der 28. Minute avancierte Vorlagengeber Awoniyi selbst zum Torschützen. Der Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen. Bei der Vorarbeit durch Sheraldo Becker ging es nicht regelgerecht zu. Es war letztlich egal, die harmlosen Bremer hätten das Spiel dann eben nur mit 0:1 verloren.

In dieser Verfassung müssen sie sich an der Weser ernsthaft Sorgen machen. Beim 1. FC Union reifen dagegen weitere Blütenträume. Sage und schreibe 24 Punkte stehen nach 14 Spielen bereits auf der Habenseite. Trotz Personalproblemen und reduziertem Heimvorteil ziehen sie weiter ihre Kreise. Es ist kein Hochglanz-Fußball, bei den Eisernen holen sie aus den vorhandenen Möglichkeiten das Optimum heraus. Der Star ist die Mannschaft!

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Fußball-Bundesliga 14. Spieltag

SV Werder Bremen – 1. FC Union Berlin 0:2 (0:2)

SV Werder Bremen: Pavlenka – Toprak (83. Veljkovic), Groß, Friedl – Gebre Selassie, Osako (46. Mbom), Eggestein, Bittencourt (46. Selke), Augustinson (76. Füllkrug) – Schmid (76. Chong), Sargent 

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Hübner – Trimmel, Prömel (76. Griesbeck), Andrich, Ingvartsen, Lenz – Becker (88. Teuchert), Awoniyi (83. Ryerson) 

Schiedsrichter: Tobias Stieler, Sascha Thielert, Marcel Unger, Patrick Ittrich 

Tore: 0:1 Becker (12.), 0:2 Awoniyi (28.)

Union mit Kantersieg und Hertha kriegt wenigstens Punkte auf das Konto

Es ist momentan verkehrte Welt im Berliner Profi-Fußball nach sieben Spieltagen steht der 1. FC Union in der Tabelle auf einem Platz, wo man eigentlich die Konkurrenz aus Charlottenburg erwartet hätte. Die Bestandsaufnahme kann sich für die Mannschaft aus Köpenick sehen lassen. Es stehen drei Siege und drei Unentschieden in der Bilanz, lediglich zum Saisonauftakt mussten sie eine Heimniederlage gegen den FC Augsburg hinnehmen. Das war am 19. September und seitdem sind sie ungeschlagen. Skeptiker können jetzt einwenden, dass mit Ausnahme von Borussia Mönchengladbach kein Schwergewicht der Liga dabei war.

Da ist was dran, trotzdem ist im Vergleich zur Vorsaison eine Weiterentwicklung erkennbar. Waren sie in der Schlussphase der Aufstiegssaison leicht ausrechenbar, so konnte durch gute Kaderplanung der taktische und spielerische Instrumentenkasten erweitert werden. Der Kantersieg gegen die Arminia aus Bielefeld kann da als ein Höhepunkt dieser Entwicklung gelten. Aus Sicht der Eisernen kann von einem fast perfekten Spiel gesprochen werden. So in etwa äußerte sich auch der Kapitän der Eisernen Christopher Trimmel. Das Geisterspiel war sehr früh entschieden. Zur Pause führten die Gastgeber mit 3:0 und in der zweiten Halbzeit hatten die Bielefelder nicht wirklich was vor. Eher im Gegenteil, obwohl die Unioner merklich einen Gang runter schalteten kamen sie zu zwei weiteren Torerfolgen. Der 5:0 Sieg war der bisher höchste Sieg in der Bundesliga.

Auf der Gästebank saß der langjährige Union Trainer Uwe Neuhaus und konnte nach dem Spiel nur konstatieren: „Ein Spiel kann man immer verlieren, aber nicht so.“ Das war in allen Belangen zu wenig was die Arminia in der Wuhlheide ablieferte. So konnten bei den Eisernen vor allem zwei Spieler glänzen. Es waren Sheraldo Becker und Max Kruse. Wenn der Paradiesvogel Kruse weiter solche Leistungen auf dem Platz abliefert, seien ihm seine gelegentlichen Eskapaden in der trotz Lockdown vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten in der Hauptstadt verziehen.

Eitel Sonnenschein bei den Eisernen und bei der „Alten Dame“ sieht es auch wieder etwas freundlicher aus. Es kamen wenigstens Punkte auf das Konto und das versprochene Geld soll ja im Laufe des Geschäftsjahres noch folgen. Für den gemeinen Fan der Hertha sind die Geschäfte von Investor Lars Windhorst so nebulös wie die Sichtverhältnisse in der WKK-Arena während des Auftritts der Hertha. Nach pomadiger erster Halbzeit, immerhin konnte Hertha eine 1:0 Führung mit in die Kabine nehmen, gelangen in der zweiten Halbzeit zwei weitere Treffer. Mit dem 3:0 Sieg wurde endlich der zweite Saisonsieg eingefahren und die unheilvolle Serie von fünf sieglosen Spielen durchbrochen.

Beide Berliner Clubs gehen mit einem Sieg in die Länderspielpause und können die Vorbereitung für die kommenden Aufgaben etwas ruhiger angehen. Am 21. November geht es weiter. Im Samstagabend-Spiel empfangt Hertha die Borussia aus Dortmund und einen Tag später beschließt der 1. FC Union mit seinem Auswärtsauftritt in Köln den 8. Spieltag.

Hertha verliert und Werner Gegenbauer bleibt Präsident

Hertha BSC hat die Auswärtspartie nach anständiger Leistung mit 1:2 verloren. Über eine Stunde mussten sie mit einem Spieler weniger auskommen. Deyovaisio Zeefuik sah die gelb-rote Karte, nach einem Schubser an seinem Gegenspieler. Die Aktion hätte nicht jeder Schiedsrichter als gelbwürdig eingschätzt. Tobias Stieler hat es aber so entschieden. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1 und Hertha zeigte anschließend, dass sie durchaus auch etwas vom Abwehrspiel verstehen. Wie in München glitt ihnen der mögliche Punkt aus den Händen. Wieder war es ein Foulelfmeter, den Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer in der 77. Minute erfolgreich verwandelte.

Die Ergebnisse stimmen nicht. Der nächste Gegner im Olympiastadion – sofern Corona will – ist der VfL Wolfsburg.

Seit 2008 Hertha Präsident – Werner Gegenbauer
Fotos © herthabsc/city-press

Für die Hertha-Mitglieder war einen Tag später alle Aufmerksamkeit auf die Wahl des neuen Präsidiums gerichtet. Auf der Ost-Tribüne des Olympiastadions hatten sich 1.079 Mitglieder eingefunden. Die Wahl brachte keine Überraschung. Der amtierende Werner Gegenbauer, wurde ohne Gegenkandidat für weitere 4 Jahre im Amt bestätigt. Auf ihn entfielen 542 Stimmen, 421 stimmten dagegen und 49 enthielten sich. Vize-Präsident bleibt Thorsten Manske, er bekam 566 Stimmen, etwas mehr als Gegenbauer, trotzdem kein als zu großer Vertrauensbeweis der Hertha-Familie.

Die anderen Mitglieder des Präsidiums sind laut Pressemitteilung: „Im ersten Wahlgang wurden direkt gewählt: Fabian Drescher (797 Stimmen), Anne Jüngermann (781), Peer Mock-Stümer (788), Ingmar Pering (497) und Norbert Sauer (479). Alle Gewählten haben die Wahl angenommen.

Auf die anderen Kandidaten entfielen die folgenden Stimmen: Detlef Dahmes (329 Stimmen), Nils Korte (180), Michael Ottow (468), Klaus Teichert (421), Christian Wolter (360) und Marco Wurzbacher (469). Alle 6 Kandidaten*innen sind zum zweiten Wahlgang angetreten.

Das Ergebnis sah wie folgt aus: Auf Michael Ottow entfielen 411 Stimmen, auf Detelf Dahmes (185 Stimmen), Nils Korte (47 Stimmen), Klaus Teichert (275), Christian Wolter (354) und Marco Wurzbacher (317). Damit ist Michael Ottow erneut in das Präsidium gewählt worden.“

Quelle: Hertha BSC

Magere Ausbeute für den Berliner Profifußball

Über die Leistung der der Alten Dame im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Stuttgart müssen nicht viele Worte verloren werden. Es war einfach zu wenig. Der Haussegen dürfte jetzt schief hängen. Hertha ist noch keine Mannschaft, die bekanntlich mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal wäre Stuttgart eigentlich ein machbarer Gegner gewesen. Der Saisonstart ist in die Hose gegangen. Bruno Labbadia räumte ein, dass die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison weiter war. Wurde der Umbruch zu heftig betrieben, angesichts des Geldsegens ? Eine eingespielte Mannschaft sieht anders aus. Der nächste Gegner ist das Spitzenteam von RB Leipzig, da sollten sich die Hertha-Profis an die Leistung am 3. Spieltag bei den Bayern erinnern.

Probleme mit dem eingespielt sein hat das andere Berliner Profi-Team weniger. Fehlende individuelle Klasse wird mit mannschaftlicher Geschlossenheit wett gemacht. Beim Auswärtsspiel auf Schalke gelang das erneut ganz gut. Es hätten sogar beim königsblauen Krisenclub drei Punkte herausspringen können. Schlussendlich, um hier eines der Lieblingsworte von Urs Fischer zu verwenden, wurden schiedlich-friedlich die Punkte geteilt. Marvin Friedrich, Unions Innenverteidiger mit Schalker Vergangenheit sorgte in der 55. Minute für den Führungstreffer. Ein von Christopher Trimmel getretener Eckball wurde zu kurz abgewehrt und vom Kapitän selbst nochmals scharf gemacht. In der 69. Minute egalisierte Goncalo Paciencia den Spielstand. Indirekt beteiligt an dem Treffer war der Ex-Unioner Steven Skrzybski, der Andreas Luthe fast mit einem Schuss aus spitzem Winkel überwunden hätte. Daraus folgte ein Eckball, den Paciencia per Kopf auf den kurzen Pfosten, am verduzten Luthe vorbei, zum Ausgleich beförderte. Beim Eckball steht immer einer am kurzen Pfosten, hieß es früher einmal, das ist wohl aus der Mode gekommen. So war der mögliche Auswärtssieg dahin. Union empfängt am 5. Spieltag den SC Freiburg in der Alten Försterei. In der Tabelle rangieren sie bis dahin vor den Herthanern.

Hans-Peter Becker

Galavorstellung des 1. FC Union

Für den 1. FC Union war es das 37. Spiel ihrer Erstligazugehörigkeit, der Gegner aus Mainz hat da schon mehr auf dem Buckel. Die Mainzer nehmen ihre 15. Bundesligasaison in Angriff, das Spiel am Freitagabend war ihr 479zigtes Kräftemessen in der Beletage des deutschen Fußballs. Während für die Eisernen das Spiel einen Ehrenplatz in der Vereinschronik bekommen dürfte, werden es die Mainzer schnell vergessen wollen. Mit einem 4:0 feierten die Eisernen ihren bisher höchsten Sieg und machten die erschreckend schwachen Gäste zum Opfer einer Galavorstellung.

Die Mainzer kamen mit einem neuen Cheftrainer und viel Verunsicherung nach Berlin. Die Hausherren der Alten Försterei wussten das zu nutzen. Konzentriert und gallig starteten sie in die Partie. In der 13. Minute stieg der Torjubel in den Köpenicker Abendhimmel. Max Kruse eröffnete den Torreigen mit einem Kopfballtreffer nach einer Flanke von Sheraldo Becker. In der 27. Minute hätte Kruse sogar auf 2:0 erhöhen können. Diesmal verwertete er eine Becker-Flanke mit dem Fuß. Der Ball ging über das Tor.

Die Gäste verbuchten erst in der 38. Minute ihren ersten Torschuss. Es war ein Kopfball von Mateta , der den Kasten verfehlte. Sie spielten insgesamt viel zu unsauber und bekamen nie Tempo in ihre Aktionen, so dass die Abwehr der Eisernen meist leichtes Spiel hatte. In der zweiten Halbzeit fielen die Tore wie reife Früchte. Es gab nicht eine Phase im Spiel, wo der Beobachter den Eindruck hatte, hier könnte für die Mainzer etwas gehen. Immerhin brachten sie für die B-Note vier Torschüsse nach der Halbzeitpause zustande. Allerdings musste Union-Keeper Andreas Luthe dabei nicht ein einziges Mal Kopf und Kragen riskieren. Mit insgesamt 35 Ballkontakten verbrachte er einen sehr ruhigen Arbeitstag. Während des Spiels hätte er ruhig zwischendurch mal einen Kaffee trinken gehen können. Es wäre nichts passiert. Sein Konkurrent Loris Karius (96 Bundesliga- und Pokalspiele für Mainz 05) saß auf der Bank und wird sich so seine Gedanken über seinen Ex-Verein gemacht haben.

Neben Max Kruse kamen auch Joel Pohjanpalo und Ketia Endo zu ihren ersten Pflichtspieleinsätzen im Union-Trikot. Pohjampalo kam in der 64. Minute für Max Kruse und brauchte nur 37 Sekunden für sein erstes Tor in der neuen Umgebung. Mit dem 4:0 setzte er den Schlusspunkt.

Während die Eisernen völlig verdient punkteten, sind die Sorgenfalten in der Mainzer Isaac-Fulda-Allee, 55 noch tiefer geworden. Das, was die Mannschaft der 05er in Berlin anbot ist nicht konkurrenzfähig und abstiegswürdig. Mit Blick auf die kommenden Gegner, Mainz auswärts in Leverkusen und anschließend zu Hause Gladbach, könnte sich die Krise weiter verstärken.

In der Bundesliga pausiert. Der nächste Spieltag steht erst vom 16. bis 18. Oktober. Am kommenden Donnerstag, dem 08.10.2020 bestreitet der 1. FC Union Berlin im Stadion An der Alten Försterei ein Testspiel gegen Hannover 96, der Anpfiff erfolgt um 17:00 Uhr.

Bei den Eisernen ist das Selbstvertrauen gestiegen. Zum nächsten Spiel müssen sie nach Gelsenkirchen reisen. Dort wartet am 18.10.2020 mit Schalke 04 der nächste Krisenclub. Mit vier Punkten nach drei Spielen ist der selbe Kontostand wie in der Aufstiegssaison erreicht.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (68. Ryerson), Friedrich, Knoche, Schlotterbeck, Lenz – Andrich (81. Griesbeck), Prömel – Becker (63. Bülter), Kruse (63. Pohjanpalo), Ingvartsen (81. Endo)

FSV Mainz 05: Zentner – Mwene (71. Aarón), St. Juste, Hack, Brosinski – Kunde (60. Nebel), Latza – Onisiwo, Boetius, Quaison (71. Kilian) – Mateta (60. Burkardt)

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Mike Pickel, Frederick Assmuth, Thorben Siewer
VR: Harm Osmers
Tore: 1:0 Kruse (13.), 2:0 Ingvartsen (49.), 3:0 Friedrich (63.), 4:0 Pohjanpalo (64.)

Niederlage zum Saisonauftakt

Die 71. Spielminute der Bundesligapartie des 1. FC Union gegen den FC Augsburg wird in den Annalen des Vereins aus Köpenick wenigstens einen kleinen Ehrenplatz bekommen. Es war der Moment, wo der bisher prominenteste Neuzugang Max Kruse erstmals im Wettkampf-Trikot seines neuen Vereins den Rasen in einem Pflichtspiel betrat.

Indirekt sorgte er für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Die Abwehr der Augsburger konzentrierte sich wohl zu sehr auf die Nummer 10 im Uniontrikot und achtete zu wenig auf Marius Bülter. In der 75. Minute bekamen die auserwählten 5.000 Zuschauer in der „Alten Försterei“ den einzigen ordentlich abgeschlossenen Angriff ihrer Mannschaft zu sehen. Eine flache Hereingabe von der linken Angriffsseite nutzte Marius „das Biest“ Bülter und setzte den Ball in die Maschen. Sein ehemaliger Mannschaftkamerade Rafal Gikiewicz, jetzt im Tor des FC Augsburg, hatte keine Chance. Es kam Hoffnung auf, eine bis dahin laue Vorstellung doch noch zu einem guten Abschluss zu bringen. Mit Verlaub, der FC Augsburg gehört nicht zu den Meisterschaftaspiranten, ein Verein der mit den Eisernen auf Augenhöhe spielt.

Nach dem Ausgleich zogen die Gäste kurz das Tempo und holten sich in der 82. Minute die Führung zurück. In der 89. Minute machten die Gäste den Deckel drauf. Mit einer 1:3 Niederlage starteten die Eisernen in die Saison. Sebastian Andersson wurde, wie beim Pokal in Karlsruhe, schmerzlich vermisst. Bei seinem neuen Verein, dem 1. FC Köln schoss er bei der 2:3 Niederlage gegen Hoffenheim ein Tor selbst und bereitete einen weiteren Treffer vor. Die Eisernen suchen nach einem Ersatz und sind wohl bereits fündig geworden. Mittelstürmer Taiwo Awoniyi vom FC Liverpool wird ausgeliehen.

Der 23-jährige Nigerianer wechselte 2015 von der Imperial Academy zu den Reds und sammelte in den vergangenen Jahren auf Leihbasis beim FSV Frankfurt, NEC Nijmengen (Niederlande), KAA Gent und Royal Mouscron (beides in Belgien) Erfahrung. In der vergangenen Spielzeit lief der Stoßstürmer für den FSV Mainz 05 auf. Das Trikot der Hessen trug der Mittelstürmer, der in Mainz Großteils auf anderen Positionen zum Einsatz kam, in 12 Pflichtspielen und erzielte im Duell gegen den 1. FC Köln sein erstes Bundesligator. Auch im Rückspiel gegen den 1. FC Union Berlin stand Awoniyi im Stadion An der Alten Försterei auf dem Rasen. Nach Ablauf der Leihvereinbarung bei den Rheinhessen kehrte Taiwo Awoniyi zunächst zurück zum FC Liverpool und stürmt ab sofort für den 1. FC Union Berlin.

Die Frage ist, ob damit das Thema Philipp Hofmann vom Tisch ist. Union würde den großgewachsenen Mittelstürmer (1,95m) gern verpflichteten. Nur liegen die Vorstellungen über die Höhe der fälligen Ablöse weitauseinander. Der Bedarf wäre da, das hat das Spiel gegen die Augsburger gezeigt. Beim Spiel des KSC in Hannover stand Hofmann nicht im Kader.

„Die erste Hälfte war sehr ausgeglichen, die Führung für Augsburg ist aus meiner Sicht aus dem Nichts gefallen. Der FCA war heute sehr effizient, auch weil wir bei den Gegentoren nicht konsequent genug waren. Da hat uns dreimal die letzte Entschlossenheit gefehlt. In der zweiten Hälfte hat man gesehen, dass wir versucht haben Druck aufzubauen, der Ausgleich war aus meiner Sicht verdient. Die Augsburger waren aber effektiver, deshalb war der Sieg letztendlich auch verdient“, so Unions Cheftrainer Urs Fischer nach dem Spiel.

Im Rahmen des zweiten Spieltags der Bundesliga trifft der 1. FC Union Berlin am kommenden Sonnabend, dem 26.09.2020 auswärts auf Borussia Mönchengladbach. Der Anpfiff im Borussia-Park erfolgt um 15:30 Uhr.

Hans-Peter Becker/Hannes Hahn 1. FC Union Presse

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel, Friedrich, Knoche, Lenz (86. Gießelmann) – Gentner (25. Griesbeck), Andrich, Prömel (71. Teuchert) – Becker (71. Kruse), Ingvartsen (86. Mees), Bülter (4-3-3)

FC Augsburg: Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – D. Caligiuri (86. Oxford), Khedira, Gruezo (86. Jensen), Vargas (76. Hahn) – Niederlechner (76. Finnbogason), Gregoritsch (89. Strobl) (4-4-2)

Schiedsrichter: Marco Fritz, Thomas Stein, Benedikt Kempkes, Markus Schmidt

Tore: 0:1 Vargas (41.), 1:1 Bülter (75.), 1:2 Gregoritsch (82.), 1:3 Hahn (89.)

Zwei Neue für den 1. FC Union

Zum Saisonende wurden 8 Profis aus dem Kader verabschiedet. Zwei Planstellen konnten bereits neu besetzt werden. Nachdem Sebastian Griesbeck, bisher FC Heidenheim, als erster Neuzugang gemeldet wurde, folgte nur einen Tag später Niko Gießelmann von Fortuna Düsseldorf. Beides sind Spieler für die Defensive. Griesbeck könnte in der kommenden Saison zusammen mit Robert Andrich im defensiven Mittelfeld spielen. Gießelmann, der erst wenige Tage vorher mit Fortuna Düsseldorf an der Alten Försterei abgestiegen war, ist ein Linksverteidiger. Auf dieser Postion musste Ersatz für Ken Reichel geschaffen werden. Er wird sich mit Christopher Lenz um den Platz in der Stammelf bewerben.

„Ich kehre schneller an die Alte Försterei zurück als gedacht und freue mich darauf. Der Abstieg mit der Fortuna war ein sehr schmerzhafter Moment. Dass ich nun die Chance bekomme, mich weiterhin in der Bundesliga zu beweisen, ist ein riesen Ansporn für mich. Ich bin überzeugt davon, dass ich der Aufgabe gewachsen bin und werde alles dafür geben, mit meinen neuen Kollegen die Ziele des Vereins zu erreichen“, so Niko Gießelmann nach seiner Unterschrift.

Der 1. FC Union setzt mit den Verpflichtungen auf Erfahrung. Beide sind mit 28 und 29 Jahren im erfahrenen Fußballeralter. Die neue Veträge gelten sowohl für die erste und die zweite Bundesliga.

„Wir hatten Sebastian Griesbeck schon länger im Visier und sind überzeugt, dass er unseren Kader verstärken kann. Er ist robust, kopfballstark und verfügt über eine enorme Erfahrung. Seine Qualitäten werden uns in der Bundesliga helfen, daher freuen wir uns, dass wir Sebastian von unserem Weg überzeugen konnten“, so Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, nach der Verpflichtung.

„Wir haben mit Niko einen sehr flexiblen, bundesligaerfahrenen Spieler ablösefrei unter Vertrag nehmen können und sind von seinen Qualitäten überzeugt. Ich bin sicher, dass er sich schnell bei uns zurechtfinden und seine Erfahrungen einbringen wird“, so sein Kommentar nach der Vertragsunterschrift von Niko Gießelmann.

Hans-Peter Becker

Hertha trudelt aus und Union ist fast am Ziel

Die Saison wird für beide Berliner Proficlubs ein verhältnismäßig gutes Ende nehmen. Die Hauptstadt wird in der kommenden Saison als einzige Bundesligastandort mit zwei Vereinen vertreten. Vor dem 32. Spieltag mag beim 1. FC Union noch ein kleines Fragezeichen stehen, die Restzweifel sollten recht schnell beseitigt sein. Ohne überheblich zu werden, ein Sieg gegen die faktisch abgestiegenen Paderborner ist Pflicht. Im Falle einer großen Überraschung, einer Niederlage gegen Paderborn, könnte die Partie am letzten Spieltag daheim gegen Düsseldorf nicht nur für die Gäste große Bedeutung erlangen. Von Austrudeln kann in Köpenick nicht die Rede sein, ganz im Gegensatz zum Ortsrivalen.

Jetzt hat es auch Hertha erwischt, gegen Frankfurt war nichts zu holen. Die Blau-Weißen liefen förmlich auf der Felge. Die komplette Halbzeit zwei mussten mit 10 Mann absolviert werden. Boyata sah in der Nachspielzeit glatt rot, für ein geschicktes Foul im Strafraum. Da musste schon die Lupe bemüht werden. Jetzt hoffen sie bei der Hertha nach der 1:4 Klatsche wenigstens auf eine milde Bestrafung des Rotsünders. Zum letzten Heimspiel kommt Leverkusen ins Olympiastadion, gewissermaßen zur Generalprobe für das Pokalfinale. Die Bayer-Elf will in die Champions-League und hat nichts zu verschenken. Zum nächsten Spieltag muss die Alte Dame weit reisen, bis in den Schwarzwald. Das Spiel beim SC Freiburg hat lediglich Bedeutung für die Geldtabelle.

Die Eisernen besannen sich in Köln auf ihre alten Tugenden. Sie wollten einfach den Sieg etwas mehr als der Mitaufsteiger. Spielerisch lief auf beiden Seiten nicht viel zusammen, zum Glück gibt es Eckbälle, hochgewachsenen Innenverteidiger und den ausgebufften Christian Gentner. Sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 war nicht nur sehenswert, es zu 99,8 % der Klassenerhalt und ein Empfehlungsschreiben für ein weiteres Jahr im Trikot der Eisernen. Oliver Ruhnert darf sich über seinen Schachzug freuen. Zu Beginn der Saison hatte die Verpflichtung des Ex-Stuttgarters für Verwunderung gesorgt. Mit dem VfB hatte er vor einem Jahr die bitteren Minuten des Abstiegs erleben müssen, stand vom Anpfiff bis Ende auf dem Rasen der Alten Försterei und stellte sich im Anschluss in der Mixed-Zone noch den Fragen der Journalisten. In seiner fußballerischen Heimat wollten sie ihn nicht mehr – so griffen die Eisernen zu. Er würde gern noch weiter spielen, am liebsten in Berlin.

Hans-Peter Becker

Licht und Schatten im Berliner Profifußball

Wer hätte das gedacht, nachdem die Alte Dame in der laufenden Saison auf und neben dem Rasen so einige Lachnummern abgeliefert hat. In der Geisterspielserie läuft es bisher, da werden auch Spiele gewonnen, wo der Faktor Glück eine größere Rolle spielt. Am Pfingstsamstag siegten sie zufrieden und glücklich mit 2:0 gegen den FC Augsburg. Sah es in Halbzeit eins so aus, als wäre das eine klare Angelegenheit, so gerieten die drei Siegpunkte in der zweiten Hälfte mächtig in Gefahr. In der 89. Minute schien der verdiente Ausgleich für die Gäste zu fallen. Pech für die einen ist dann Glück für die anderen, der Ball ging nur an die Latte des Tores und war nicht drin. In der Nachspielzeit machten Darida und Piatek in einer tschechisch-polnischen Koproduktion alles klar. Das Spiel unter Woche in Leipzig hatte Körner gekostet und zum Ausfall von Plattenhardt und Matheus Cunha geführt. Die grandiose Serie seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs – 10 von 12 möglichen Punkten geholt – könnte in der Endabrechnung sogar einen Platz in Euro-League bedeuten. Allerdings heißt die Aufgabe, auswärts bei Borussia Dortmund zu bestehen.

Ein gegensätzliches Bild bietet der Rivale aus Berlin-Köpenick. Dem Aufsteiger ist der Re-Start bisher überhaupt nicht gut bekommen. Ein einziges Pünktchen von den zwölf möglichen wurde geholt. Das Abstiegsgespenst schwebt über der Alten Försterei. Es wird sich in den drei noch ausstehenden Heimspielen vertreiben lassen. Schalke, Paderborn und Düsseldorf müssen ihre Visitenkarten in der Alten Försterei erst abgeben und Köln und Hoffenheim stehen auswärts an. Die Ausgangsbasis sind 31 Punkte und die werden definitiv nicht reichen für eine zweite Saison im Oberhaus. Auf den Relegationsplatz, der aktuell nur vier Punkte entfernt ist, hat keiner in Köpenick Lust in diesem Jahr.

Zu Pfingsten – neudeutsch an Pfingsten – sind die Geschenke am geringsten spricht der Volksmund. Ein Lied davon kann der 1. FC Union Berlin singen. Am Pfingstsonntag unterlagen sie zwar nicht ganz sang- und klanglos bei Borussia Mönchengladbach mit 1:4, der Einsatz stimmte, es reichte nicht, der Unterschied zwischen den Teams war zu groß. Ein Glück, dass sie von dem Punktepolster aus der Hinrunde zehren können.

Der Champion-League Aspirant, die Borussia aus Gladbach ging schnell in Führung und legte bis zur Halbzeitpause nach. Ihr beste Phase hatten die Eisernen mit Beginn der 2. Halbzeit. Sebastian Andersson gelang per Kopf der Anschlusstreffer zum 1:2. Groß beeindrucken ließen sich die Gladbacher nicht legten bis zum Spielende noch zwei Treffer nach. „In der ersten Hälfte der Partie haben wir zu ängstlich agiert, zu viele Abspielfehler gemacht und die Duelle nicht gesucht. Nach der Pause kamen wir besser ins Spiel, haben gezeigt, dass wir es können und haben den Anschlusstreffer erzielt.“ so sah Unions Trainer Urs Fischer das Spiel.

Das Spiel in Gladbach bedeutete leider das Saisonaus für Julian Ryerson. In einer Pressemitteilung des Vereins hieß dazu: „Im gestrigen Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach zog sich der 22-Jährige nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung bei einem Foul eine Verletzung im rechten Knie zu und konnte die Partie nicht fortsetzen. Julian Ryerson wird konservativ behandelt und wird den Eisernen in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Ein weiterer Einsatz in der laufenden Saison ist damit ausgeschlossen.“

Marius Bülter © Foto: Hans-Peter Becker

Die Kaderplanung für die kommende Saison läuft auf Hochtouren. Einen Tag nach dem Spiel meldete die Vereinsführung die Verpflichtung von Marius Bülter. „Außenstürmer Marius Bülter wird auch in der kommenden Saison das Trikot des 1. FC Union Berlin tragen. Die Köpenicker zogen die im Leihvertrag zwischen Union und dem 1. FC Magdeburg vereinbarte Option und verpflichten den 27-Jährigen damit fest.“ Der Vertrag gilt für die 1. und 2. Bundesliga. „Der Schritt zu Union im letzten Sommer war genau der richtige. Ich wurde super von der Mannschaft aufgenommen und habe mich bei diesem besonderen Verein sofort wohlgefühlt. Für mich persönlich ist es ein unglaubliches erstes Bundesligajahr, in dem ich viele neue Erfahrungen sammeln und meinen Teil zum bisher guten Abschneiden in dieser Saison beitragen konnte. In den nächsten Wochen werde ich alles dafür geben, zusammen mit meinen Teamkollegen die Klasse zu halten, um auch in der neuen Saison wieder in der Bundesliga zu spielen“, so Marius Bülter.  

Hans-Peter Becker