Union geht durch die Decke und Hertha punktet

Der 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 2022/23 wird den fußballbegeisterten Berlinern in besonderer Erinnerung bleiben. Hertha scheint auf dem langsamen Weg der Besserung zu sein und holte vor 40.643 Zuschauern im Olympiastadion immerhin einen Punkt. Partie gedreht, die zwischenzeitliche 2:1 Führung hielt nur fünf Minuten. Das Unentschieden wurde den gezeigten Leistungen auf dem Platz gerecht.

Einen Tag später, am Sonntag, 11. September traten die Eisernen aus Köpenick beim 1. FC Köln an. Der FC Bayern hatte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Federn gelassen und mit einem Sieg in Müngersdorf wären sie Tabellenführer, wenigstens bis zum Schlusspfiff in Freiburg. Ein durch Sheraldo Becker erzwungenes Eigentor nach nur vier Spielminuten brachte den Sieg. Union verschoss noch einen Elfer und erzielte ein Abseitstor. Mit 14 Punkten sind die Wuhlheider jetzt alleiniger Tabellenführer der Bundesliga. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, könnte davon eine ganze Weile seine zukünftigen Strom- oder Gasrechnungen begleichen. In Berlin, vereinzelt sogar in den Westbezirken, wurden Reste vom letzten Silvesterfeuerwerk verbraten. Das ist mehr als nur eine kleine Sensation. „Das Ding ist durch die Decke gegangen“, so die Worte von Präsident Dirk Zingler.

Für die Liga selbst ist das ein kleines Armutszeugnis. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Solide Handwerksarbeit zahlt sich aus. Vor allem kommt es auf die Abwehr an. Nur vier Gegentore in sechs Spielen und noch ohne Niederlage, das ist beachtlich.

Die nächsten Aufgaben lauten FSV Mainz 05 auswärts, für die Hertha und Union spielt zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, der Max Kruse ausgebootet hat.

Hans-Peter Becker

Foto: Christian Zschiedrich

Berliner Vereine in der Bundesliga

Am 4. Spieltag der Saison 2022/23 spielten unsere Berliner Vereine zeitgleich am Samstagnachmittag. Auswärts lieferten die Köpenicker einen 6:1 Sieg auf Schalke ab. Der Blick auf die Tabelle verrät, nur eine andere Mannschaft ist genauso gut in die Saison gestartet, der FC Bayern München, mit 10 von 12 möglichen Punkten. Der nächste Spieltag hält dann das zumindest tabellarische Spitzenspiel parat. Die Eisernen empfangen den FC Bayern. Wow!

Der Gegner FC Schalke 04 bekam eine mächtige Abreibung und steht vor einer schweren Saison. Genauso verhält es sich mit dem zweiten Berliner Bundesligaclub. Hertha bleibt weiter in den Startlöchern stecken. Gegen Dortmund, die längst nicht alles zeigen konnten und brauchten im Olympiastadion, reichte es nicht einmal für einen Punkt. Es ist eine Frage der Qualität, vor allem in der Innenverteidigung. Die sportliche Leitung ist um Nachbesserungen bemüht, dem Ganzen sind finanzielle Grenzen gesetzt. Fredi Bobic bittet um Geduld, so schnell lassen sich die Fehlentwicklungen der Vergangenheit nicht korrigieren.

Herthas Auftritte wirken geschlossener, als vielfach in der letzten Saison, trotzdem wurden bisher zu wenig Punkte geholt. Ob das am nächsten Spieltag in Augsburg besser wird, bleibt abzuwarten. Die Augsburger haben ähnliche Probleme, wie die „Alte Dame“. Neidlos geht der Blich nach Köpenick. Union ist sportlich an Hertha vorbeigezogen, spielt europäisch und hat das erfolgreichere Konzept. Dem sind allerdings Grenzen gesetzt, die Champions-League ist so nicht zu gewinnen – das wollen sie auch nicht.

Hans-Peter Becker

Berliner Bundesligisten spielen Unentschieden

Eine durchwachsene Bilanz lieferten unsere beiden Erstligisten am 2. Spieltag der neuen Saison ab. Am Samstag holte Hertha den ersten Punkt der Saison und dafür war der erste Saisontreffer ausreichend. Knapp 45.000 Zuschauer im Oly konnten bereits nach drei Minuten ein Herta-Tor bejubeln und sahen zumindest eine passable Leistung der „Alten Dame“. Am Ende hatten sie Glück und können sich bei Rafael Foltyn bedanken. Er war im Kölner Keller der Meinung, dass Schiedsrichter Frank Willenborg sich die Videobilder anschauen sollte. Er nahm daraufhin seine Entscheidung zurück. Eine klare Fehlentscheidung wäre der Strafstoß nicht gewesen. Der Hertha-Keeper berührte Frankfurts Borré schon leicht am Fuß. Der Winkel für einen möglichen Abschluss war bereits sehr spitz und dazu fiel er zu spektakulär. Reichte das für einen Strafstoß? Wie gesagt, Glück gehabt, Hertha. Ansonsten präsentierte sich die Mannschaft formverbessert. Das Glas ist halbvoll oder leer, jetzt entscheiden sie selbst. Jetzt wartet Borussia Mönchengladbach.

24 Stunden später versuchten sich die Eisernen in Mainz am ersten Auswärtssieg. Die Bemühungen verdampften in der Hitze der Mainzer Arena. Urs Fischer meinte, dass das bestimmt nicht schön anzusehen war. Beide neutralisierten sich perfekt. Die Eisernen liefen fast fünf Kilometer mehr, als die Mainzer, das brachte auch nichts. Kaum Torchancen, nur eine Gelbe Karte für den Mainzer Karim Onisiwo, das war wenig. Für jeden einen Punkt, das ist ja auch etwas. Union empfängt am nächsten Spieltag zum Abendspiel die Roten Bullen aus Leipzig.

Hans-Peter Becker

Hertha steht am Abgrund

Die schlimmsten Befürchtungen werden war, selbst gegen den spielerisch limitierten HSV fand Hertha keine Mittel. Schlussendlich verloren sie, wenn auch etwas unglücklich, mit 0:1. Über das Niveau des Spiels muss nicht ein einziges Wort verloren werden. Beide stellten unter Beweis, warum sie nachsitzen müssen und nur der Glücklichere ans Ziel kommen wird.

Felix Magaths Betrachtung der Dinge nach dem Spiel war merkwürdig. Gefragt, ob seine Mannschaft hier wie ein Erstligist aufgetreten sei, „das ja, aber der HSV eben auch.“ Für mich bot die Hertha dagegen bereits eine zweitligareife Leistung. Sie fanden keine Mittel und ließen sich so auf das Niveau des HSV runterziehen. Ganze anderthalb Torchancen im gesamten Spiel, der Treffer von Belfodil konnte wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben werden und in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit versemmelte Jovetic eine gute Einschussmöglichkeit. Das war alles. Der HSV hatte im Gegenzug, nach der Möglichkeit durch Jovetic, den Fußballgott auf seiner Seite. Eine verunglückte Flanke von Reis segelte ins Tor.

Es bleibt ja noch das Rückspiel und mal ehrlich, da braucht Hertha schon ein kleines Fußballwunder. Für die maßlos enttäuschten Fans der Blau-Weißen bleibt die Hoffnung, die ja bekanntlich zuletzt stirbt. Wir können auch Otto Rehhagel zitieren, ziemlich genau vor 10 Jahren, es war am 10. Mai 2012, 1:2 Niederlage im Relegationshinspiel gegen Fortuna Düsseldorf, „noch sind wir nicht abgestiegen“.

Hans-Peter Becker

Ein Punkt für Hertha in Dortmund?

Das reicht für den Klassenerhalt und es ist machbar. Selbst wenn Stuttgart das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen sollte, hätte Hertha am Ende 34 und Stuttgart 33 Punkte. Hertha hätte sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, allein was zuletzt zu Hause im Olympiastadion gegen Mainz den 71.000 Zuschauern von den Berlinern geboten wurde, muss zu denken geben. Ebenso muss der Saisonverlauf aufgearbeitet werden.

Sollte Hertha jedoch in Dortmund kein Unentschieden verteidigen können, damit muss im Leistungsvergleich einfach gerechnet werden, eher macht Stuttgart den Sieg über die bereits für Europa qualifizierten Kölner möglich, dann wären die 33 Punkte für beide Kontrahenten sowohl für die Schwaben und für die Berliner das Saison-Endprodukt. Es bedeutet einen Wechsel in der Tabelle. Aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses des VfB muss Hertha mit Sturz auf Platz 16 in die Relegation. Trainer Felix Magath hat angeblich damit gerechnet und sagt ein Finale ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV voraus.

Infolge meiner kritischen Worte bereits vor Saisonbeginn fiel ich bekanntermaßen bei Hertha in Ungnade. Es folgten Selbsttore in Pokal- und Meisterschaftsspielen. Ich wiederum hoffte, aus Freude für Berlin, doch Unrecht mit meinen Äußerungen zu haben und triumphiere jetzt keineswegs. „Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05″ hielt ich mich sachlich zurück. Ebenso zuvor am 28. April kommentierte ich die Gefahr des Abstiegs im Beitrag „Der drittletzte Bundesligaspieltag“.

Am 20. April beschäftigte ich mich in meinem Artikel mit „Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich“ und am 9. April musste ich, fachlich begründet, die „Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern“ deutlich machen, wer die Nummer 1 in Berlin ist. Am 5. April mahnte ich bereits in der Überschrift: „Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha“. Sechs Spiele vor Ultimo stand Hertha punktgleich mit Bielefeld auf einem direkten Abstiegsplatz.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Im Vergleich mit Union beschäftigte ich mich – derzeit aktuell 54 Punkte und für die Europa-League qualifiziert – mit Finanz-Etats, Stichwort Lars Windhorst, den Investoren und Einnahmen. Am 21. März 2022 titelte ich: „Der erhoffte Sturz des Präsidenten“ und verwies auf die anstehende Mitglieder-Versammlung. Ein Thema, das bestimmt künftig viele Journalisten beschäftigen wird. Das geht nicht, ohne ein kritisches Wort zu verlieren, ganz gleich, ob es Hertha passt oder nicht.

Ich fand es legitim, mich zu wehren und Hertha, ohne abhängig zu sein, die Stirn zu bieten. Wer will schon in unserem Land etwas von Pressefreiheit hören? Von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Hertha-Presseabteilung erfuhr ich, dass es nicht gut von mir war, in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ Dinge anzusprechen, die angeblich gegen den Hertha-Präsidenten gerichtet seien.

Verstehe es, wer will. Wie kann ein Journalist nur unangenehme Fakten aufgreifen? Um wenigstens positiv zu enden, Hertha versteht es eben, Saisonverläufe absolut spannend zu gestalten.

Christian Zschiedrich  

Der drittletzte Bundesligaspieltag

Die momentane, wieder hoffnungsvollere Situation für Hertha BSC war für viele Berliner gar nicht mehr erwartet worden. Unter der Regie von Felix Magath hat Hertha bisher drei von fünf Spielen tatsächlich gewonnen. Hertha steht mit nunmehr 32 Punkten auf Platz 15 und über dem Strich. Nicht auszudenken, wäre das „6-Punkte“-Match gegen den VfB Stuttgart nicht gewonnen worden. So aber rangiert nun Stuttgart, aktuell 28 Punkte, auf dem 16. und somit dem Relegationsplatz. Für die Schwaben könnte es drei Spiele vor Ultimo noch schlechter kommen, wenn sie ihr Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg – 5:0-Sieger über Mainz 05 – nicht gewinnen sollten. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Hertha muss in Bielefeld gegen die schwächelnde Arminia antreten und könnte alles klarmachen. Haben die Berliner den VfB Stuttgart tiefer in den Abgrund befördert, so wird Magaths eventueller vierter Sieg in der Endphase zwar rein rechnerisch noch nicht der endgültige Klassenerhalt sein, aber so gut wie. Bielefeld bliebe bei 26 Punkten und Hertha hätte vor den zwei letzten Spielen dann 35.

Bei allem Hertha-Jubel, Magath sieht immer noch die Gefahr, falls Hertha gegen den Tabellen-Vorletzten verlieren sollte. Verfrühte Gelassenheit sei fehl am Platze, noch sei der Klassenerhalt gefährdet. „Man sieht, dass wir wieder eine Mannschaft sind“, so Herthas Trainer. Euphorie erfordere im Fußball auch anderseits eine Nüchternheit. Er wisse nicht, wer nach diesem Stuttgart-Spiel bei Hertha euphorisch werden sollte. In der Pressekonferenz präsentierte Magath eine gewaltige Mängelliste. Mit ihm kann man ewig darüber diskutieren, ob Glück in der Tat immer erkämpft werden kann. Ich erkenne bei diesem taktischen Vorgehen eine ganze Menge Erfahrung. Schließlich hat er es immer geschafft, Mannschaften vor dem Abstieg zu bewahren – mitunter sogar in fast aussichtslosen Lagen. Trotz oder gerade wegen seines Alters, könnte ihm Hertha viel zu verdanken haben, am letzten, dem 34. Spieltag wissen wir es. Hertha muss auswärts am 14. Mai nach Dortmund. Das letzte Heimspiel der Saison, gegen den FSV Mainz 05, derzeit Tabellenzehnter, gesichert mit 39 Punkten.  

Berliner Fußball-Enthusiasten blicken auch auf den 6. Tabellenplatz, der bedeutet Teilnahme an der Europa-League. Mit 50 Punkten rangiert da ein zweiter Berliner Verein – trotz namhafter Abgänge. Bereits am Freitag, 29. April, empfängt der 1. FC Union in der Alten Försterei die SpVgg Greuther Fürth, den Tabellenletzten und wieder Zweitligisten. Eine Woche später heißt es in Freiburg beim Tabellenvierten (jetzt 52 Punkte) zu bestehen und am letzten Spieltag, zu Hause in der Alten Försterei, gegen den VfL Bochum eventuell fehlende Punkte zu holen. Dazu meine Feststellung: Union ist reif für Europa!  

Christian Zschiedrich

Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern

Die Torfolge:

0:1 Haraguchi (31.)

1:1 Eigentor Baumgartl (49.)

1:2 Prömel  (53.)

1:3 Becker (74.)

1:4 Michel (85.)

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Der 1. FC Union erzielt im Derby fünf Tore. Auch ohne das Eigentor ist das der höchste Sieg in der Bundesliga von den Köpenickern – ausgerechnet gegen Hertha BSC. Fatal: die Alte Dame bleibt bei 26 Punkten und jetzt sind es nur noch fünf Partien in dieser Saison. Union hat jetzt 44 Punkte und spielt weiter ums internationale Geschäft mit. Einerseits finde ich das natürlich sehr gut, andererseits wäre mir zumindest, entgegen meiner Prognose, ein Unentschieden für eine bessere Situation für die Hertha lieber gewesen. Einen anderen Ausgang getippt zu haben, hätte ich verkraftet. Wäre es doch bloß anders gekommen.

Mir geht es wie den Union-Spielern. Hertha soll den Klassenerhalt schaffen! Berlin braucht so ein Fest vor ausverkauftem Haus. Den Unionern muss tatsächlich bescheinigt werden, genauso äußerte sich auch Felix Magath, Union war ganz deutlich die bessere Mannschaft. Ihr Sieg ist also hochverdient. Und hätte Herthas Keeper Lotka nicht so hervorragend gehalten, bei Halbzeit hätte es den Chancen nach durchaus 0:4 stehen können.

So muss das Urteil vor den letzten fünf Spielen einfach heißen: Erkennen wir die Übermacht an. Union war ja schon vor diesem Match der Stadtmeister mit zwei gewonnen Spielen, setzte sich gegen Hertha auch im Pokalderby als Sieger durch. Ich traue der Mannschaft um Trainer Urs Fischer zu, das Pokalfinale im Berliner Olympiastadion zu erreichen – zumindest das, wenn nicht sogar …

So hoffnungsvoll sieht es für Hertha nicht aus. Die Schlappe 1:4 nagt bestimmt am Selbstvertrauen. Die sich offenbarenden Defizite sind schon peinlich. Wie energisch Union unmittelbar nach dem unglücklichen Eigentor den Gleichstand ausbügelte und innerhalb von vier Minuten erkennen ließ: „Wir wollen gewinnen“, das war schon imponierend zu zeigen, wer Herr im fremden Hause ist. Nämlich die Nummer 1 in Berlin!

Wenn Hertha in den nächsten drei Spielen nicht die Wende schafft, wird die Mitgliederversammlung im Mai, oh Gott, ein Fiasko. Die Spieler wurden nach dem 1:4 von den eigenen Fans aufgefordert, die Trikots auszuziehen, sie wären nicht würdig für Hertha zu spielen. Nicht alle, aber einige kamen der Aufforderung nach.

Beim Freudenfest des 1. FC Union im Olympiastadion kam mir plötzlich in den Sinn, dass die Eisernen auch einmal eine andere Zeit erlebten und ich bestrebt war, zu helfen. Der Sargdeckel war so gut wie drauf. Seitens der Hertha war mir dann die Pressekonferenz wieder deutlich vor Augen und Ohren, als einst Otto Rehhagel vorgestellt wurde. Ein mir bekannter Journalist vom Weltexpress wurde des Saales verwiesen. Dummerweise mochte er wahrscheinlich keine „alten Trainer“ und stellte, selbst nach meinem heutigen Empfinden eine „unmögliche“ Frage. Das war bei Hertha natürlich nicht angebracht.

Christian Zschiedrich 

Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha

Leverkusen wäre bestimmt leichter zu knacken gewesen als am kommenden Samstag Union im Berliner Olympiastadion. Der Einsatz enttäuschte Trainer Felix Magath. Hertha ist tatsächlich sechs Spiele vor Ultimo wieder auf einem direkten Abstiegsplatz.  Die Leistungen, vor allem in kämpferischer Hinsicht, waren von Bielefeld, Stuttgart und Augsburg besser. Bielefeld belohnte sich gegen die Stuttgarter mit dem 1:1 und Augsburg siegte mit 3:0 über den VfL Wolfsburg. Wolfsburg hat 31 Punkte, Augsburg 29 und Stuttgart 27 Punkte auf den Plätzen 14 bis 16.

Mit 40 Punkten ist man auf der sicheren Seite. Bielefeld ist mit Hertha punktgleich. Allerdings hat Hertha ein schlechteres Torverhältnis.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Die Köpenicker bekamen laut Analyse den Sieg von Köln „geschenkt“. Mit dem Wort Schenken sollte etwas vorsichtiger umgegangen werden. Ausgerechnet dem Käpt’n Jonas Hektor passierte der folgenschwere Abspielfehler in der 49. Minute. Awoniyi vollstreckte zum 1:0 in der Alten Försterei. Das Ziel Klassenerhalt ist mit 41 Punkten eingefahren. Jetzt erst will Trainer Urs Fischer ein neues Ziel ausgeben. Union will einen neuen Punkterekord. Gegen Hertha könnten es durchaus 44 Punkte werden. Für Hertha wäre der Abstieg noch nicht besiegelt. Nach dem Stadt-Derby stehen ja noch fünf Spiele an. Es wird immer enger.

Das Match ist diesmal von besonderer Brisanz. In der vorangegangenen Saison war es Herthas Ziel, in Berlin die Nummer 1 in der Stadt zu sein. Jetzt könnte Union Hertha noch tiefer in den Abgrund stoßen. Das wünsche ich der Hertha nicht. Hin und wieder läuft es bei Hertha ganz gut, seltsamerweise gegen Spitzenteams in der Eliteliga. Mannschaften, den das Wasser bis zum Hals steht, machen in der Regel den erforderlichen Schritt mehr, als die besser postierten. Also ich finde, Hertha hat die Chance, die Partie für sich zu entscheiden. Felix Magath: „Es wäre doch gelacht …“

Magath wird seinen Spielern eine Anweisung mit auf das Feld geben: „Nur hautnah zu decken, reicht oft nicht, wenn eine Sekunde zu spät der Zweikampf erfolgt und der Gegenspieler eine Fußspitze schneller reagieren kann.“  Schauen wir auf das Torverhältnis: Hertha 30:62 und Union 34:38. Trotzdem, im Fußball ist bekanntlich alles möglich. Aber bitte nicht mit 12 Spieler auf dem Platz auflaufen. In einem meiner früheren Kommentare fragte ich: „Ist Hertha bundesligatauglich?“ Am Samstag beweist es die Alte Dame oder auch nicht?  

Christian Zschiedrich

Der erhoffte Sturz des Hertha-Präsidenten

Heute ist am 21. März 2022 ein besonderer Tag für mich und Hertha BSC. Ich schlage gleich mehrere Zeitungen und Zeitschriften auf und lese in großen Lettern, dass es Herthas Präsidenten Werner Gegenbauer an den Kragen gehen soll. Es scheint eine Genugtuung für viele Menschen zu sein. Über meine Mutter steht nichts in den Gazetten. Es ist die Wiederkehr ihres Todestages vor 39 Jahren. Ich denke gern an sie zurück. Mit Hertha allerdings hatte ich bekanntermaßen so meine Sorgen, konnte mir nicht vorstellen, dass ein Journalist auf Lebenszeit von einem Verein suspendiert werden kann. Im Grunde hatte ich nichts Schlechtes getan, sondern nur seinen Präsidenten kritisiert und wie sich nun herausstellen könnte, völlig zu Recht.

Vereinsfreunde öffneten mir die Augen: „Du bist der Einzige, der bei Hertha noch seine Meinung offen sagen kann. Dir kann Gegenbauer existenziell nichts mehr anhaben!“ Aber, ich war zu schwach, um mich mit ihm erfolgreich anzulegen. Dennoch war ich in den letzten Jahren derjenige, der sich den Mund nicht verbieten ließ. Unter der Hand wurde geflüstert, der schwerreiche Präsident half so manch existenziell Bedrohten in schwierigen Situationen. Die Vorstellung, ich hätte finanzielle Überlebenshilfen bekommen, wäre es dann möglich gewesen gegen den Unterstützer und Förderer Fakten zu recherchieren und zu veröffentlichen? Abhängigkeiten werden aktuell zur Genüge diskutiert. Ich war zum Glück nicht abhängig.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Ich hoffte jedoch, meine und die Zeit der Kritiker wird kommen. In meinen letzten Beiträgen wies ich immer wieder darauf hin, die Geschichte mit Lars Windhorst und Werner Gegenbauer kann auf Dauer nicht gutgehen. Mir war zugetragen worden, dass es in jeder Berliner Sportredaktion und selbst im Verein Hertha BSC Geschädigte mit Wut im Bauch gab, die nur auf den richtigen Moment gehofft haben. Sie schlossen mit sich selbst ein Stillhalteabkommen. Ich frage mich, kann Gegenbauer den anstehenden Machtkampf mit seinem Geld gewinnen. Er muss es doch gar nicht. Ab in die Schweiz, die Füße hochgelegt und den Lebensabend genießen. Von der Macht besessene Menschen können das wohl nicht.

Genau das ist der Punkt, den der Investor Lars Windhorst betont. Gegenbauer ginge es in erster Linie nicht um den Verein, sondern um seinen Machterhalt. Das hörte ich bereits früher aus dem Präsidium. Nur waren die Herren waren nicht im Besitz von 64,7 Prozent der Anteile an der Hertha BSC KGaA. Gegenbauer wurde im Herbst 2020 mit nur 54 Prozent der Stimmen als Vereinsboss knapp wiedergewählt. Zitiert sei hier Windhorst-Sprecher Andreas Fritzenkötter, dass auf der Mitgliederversammlung im Mai „sicher etwas passieren“ müsse. Die Fragen, die seitens des Investor Windhorst an Gegenbauer gestellt wurden, wo das Geld, die 375 Millionen Euro, in so kurzer Zeit geblieben ist, seien unbeantwortet geblieben. Dazu kurz und bündig Fredi Bobic: „Das Geld ist weg“!  

Windhorst möchte auf die positiven Effekte eines Neustarts setzten. Für diesen “Neustart brauchen wir auch an der Spitze und deren Gefolgsmänner geeignete Kandidaten.“ Von einem neuen Boss macht Windhorst zudem weitere Finanzspritzen abhängig. Der Hertha-Präsident müsse gestürzt werden. Die Zusammenarbeit mit Werner Gegenbauer erklärt Lars Windhorst für sich selbst als beendet. In den entsprechenden Gremien wird er sich vertreten lassen.

Christian Zschiedrich

Felix Magath findet Zustimmung in Berlin

Selbst jetzt wird mir immer noch und immer wieder nachgesagt, sehr kritisch zu sein. Dem Nachfolger von Tayfun Korkut und zu der Verpflichtung von Felix Magath bis Saisonende werde ich keine negative Silbe zu Papier bringen. Ich bin sogar überzeugt, Hertha braucht jetzt so einen Typen als Trainer wie Felix Magath. Es ist müßig, die Erfolge des ehemaligen Meistertrainers aufzuführen. Auch Korkuts Bilanz des Schreckens in 105 Tagen, die Niederlagenserie, nicht ein einziges Ergebnis sei genannt. Hier geht es auch nicht um immense Erfahrung in dem Job. Die hatte OTTO Rehhagel auch. Der arme Otto hatte sich am Ende seiner Karriere einen besseren Abgang in der Hauptstadt versprochen. Doch es war der Abstieg.

Meine Frau fragte mich belustigend, „warum nehmen die Dich nicht?“ Wenn es einer schafft, dann ist es Felix im Volksmund auch „Quälix“ genannt. Ja, der konnte schon Spieler quälen und auf Vordermann bringen. Lachend belehrte ich sie, „Felix könnte mit meinen 84 Jahren mein Sohn sein“. Das sollen 16-jährige in der Tat schon geschafft haben.

Felix, der 68jährige, so las ich im Internet, habe heute um 9.00 Uhr zu einem ersten lockeren Lauftraining geladen. Dazu verriet ein Foto wo? Am Fuße eines hohen Berges mit Schnee zum Gipfel! Ein Fan belehrte: „Zu human!“ Dem Anhang schwebt vielleicht von früher noch vor, dass Quälix harte Trainingseinheiten mit Medizinbällen der Mannschaft abverlangte. Er wird schon wissen, was er sich (!) und dem Team antut. Viel Zeit bleibt nicht.

Vielleicht hat Sebastian Hoeneß am kommenden Spieltag mit der TSG Hoffenheim Erbarmen mit seiner Hertha, aus der er hervorgegangen ist. Wenn auch nur aus der Reserve. Nach Hoffenheim folgen auswärts Leverkusen

Dem Ruf nach könnte man annehmen, Felix Magath sei ein Poltermensch. Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe im menschlichen Umgang nur Gutes mit ihm erlebt. Sowohl in der Bereitschaft, auch nach einer Niederlage, ein Interview zu geben oder aber in Pressekonferenzen auf kritische Fragen sehr sachlich zu antworten.  

Die Spieler müssen in den verbleibenden acht Spielen noch laufen können. Nach Lage der Dinge wird plötzlich auch an der Qualität der Spieler gezweifelt. Dazu schreibt ein Fachblatt, es rumore hinter den Kulissen. Bezeichnend sei der Abgang von Arne Friedrich und der Name Lars Windhorst wird immer wieder genannt. Und Geld sei auch nicht mehr vorhanden. Wurden da nicht ein paar namhafte Spieler verkauft oder verliehen?

Christian Zschiedrich