Hertha steht am Abgrund

Die schlimmsten Befürchtungen werden war, selbst gegen den spielerisch limitierten HSV fand Hertha keine Mittel. Schlussendlich verloren sie, wenn auch etwas unglücklich, mit 0:1. Über das Niveau des Spiels muss nicht ein einziges Wort verloren werden. Beide stellten unter Beweis, warum sie nachsitzen müssen und nur der Glücklichere ans Ziel kommen wird.

Felix Magaths Betrachtung der Dinge nach dem Spiel war merkwürdig. Gefragt, ob seine Mannschaft hier wie ein Erstligist aufgetreten sei, „das ja, aber der HSV eben auch.“ Für mich bot die Hertha dagegen bereits eine zweitligareife Leistung. Sie fanden keine Mittel und ließen sich so auf das Niveau des HSV runterziehen. Ganze anderthalb Torchancen im gesamten Spiel, der Treffer von Belfodil konnte wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben werden und in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit versemmelte Jovetic eine gute Einschussmöglichkeit. Das war alles. Der HSV hatte im Gegenzug, nach der Möglichkeit durch Jovetic, den Fußballgott auf seiner Seite. Eine verunglückte Flanke von Reis segelte ins Tor.

Es bleibt ja noch das Rückspiel und mal ehrlich, da braucht Hertha schon ein kleines Fußballwunder. Für die maßlos enttäuschten Fans der Blau-Weißen bleibt die Hoffnung, die ja bekanntlich zuletzt stirbt. Wir können auch Otto Rehhagel zitieren, ziemlich genau vor 10 Jahren, es war am 10. Mai 2012, 1:2 Niederlage im Relegationshinspiel gegen Fortuna Düsseldorf, „noch sind wir nicht abgestiegen“.

Hans-Peter Becker

Ein Punkt für Hertha in Dortmund?

Das reicht für den Klassenerhalt und es ist machbar. Selbst wenn Stuttgart das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen sollte, hätte Hertha am Ende 34 und Stuttgart 33 Punkte. Hertha hätte sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, allein was zuletzt zu Hause im Olympiastadion gegen Mainz den 71.000 Zuschauern von den Berlinern geboten wurde, muss zu denken geben. Ebenso muss der Saisonverlauf aufgearbeitet werden.

Sollte Hertha jedoch in Dortmund kein Unentschieden verteidigen können, damit muss im Leistungsvergleich einfach gerechnet werden, eher macht Stuttgart den Sieg über die bereits für Europa qualifizierten Kölner möglich, dann wären die 33 Punkte für beide Kontrahenten sowohl für die Schwaben und für die Berliner das Saison-Endprodukt. Es bedeutet einen Wechsel in der Tabelle. Aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses des VfB muss Hertha mit Sturz auf Platz 16 in die Relegation. Trainer Felix Magath hat angeblich damit gerechnet und sagt ein Finale ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV voraus.

Infolge meiner kritischen Worte bereits vor Saisonbeginn fiel ich bekanntermaßen bei Hertha in Ungnade. Es folgten Selbsttore in Pokal- und Meisterschaftsspielen. Ich wiederum hoffte, aus Freude für Berlin, doch Unrecht mit meinen Äußerungen zu haben und triumphiere jetzt keineswegs. „Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05″ hielt ich mich sachlich zurück. Ebenso zuvor am 28. April kommentierte ich die Gefahr des Abstiegs im Beitrag „Der drittletzte Bundesligaspieltag“.

Am 20. April beschäftigte ich mich in meinem Artikel mit „Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich“ und am 9. April musste ich, fachlich begründet, die „Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern“ deutlich machen, wer die Nummer 1 in Berlin ist. Am 5. April mahnte ich bereits in der Überschrift: „Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha“. Sechs Spiele vor Ultimo stand Hertha punktgleich mit Bielefeld auf einem direkten Abstiegsplatz.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Im Vergleich mit Union beschäftigte ich mich – derzeit aktuell 54 Punkte und für die Europa-League qualifiziert – mit Finanz-Etats, Stichwort Lars Windhorst, den Investoren und Einnahmen. Am 21. März 2022 titelte ich: „Der erhoffte Sturz des Präsidenten“ und verwies auf die anstehende Mitglieder-Versammlung. Ein Thema, das bestimmt künftig viele Journalisten beschäftigen wird. Das geht nicht, ohne ein kritisches Wort zu verlieren, ganz gleich, ob es Hertha passt oder nicht.

Ich fand es legitim, mich zu wehren und Hertha, ohne abhängig zu sein, die Stirn zu bieten. Wer will schon in unserem Land etwas von Pressefreiheit hören? Von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Hertha-Presseabteilung erfuhr ich, dass es nicht gut von mir war, in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ Dinge anzusprechen, die angeblich gegen den Hertha-Präsidenten gerichtet seien.

Verstehe es, wer will. Wie kann ein Journalist nur unangenehme Fakten aufgreifen? Um wenigstens positiv zu enden, Hertha versteht es eben, Saisonverläufe absolut spannend zu gestalten.

Christian Zschiedrich  

Der drittletzte Bundesligaspieltag

Die momentane, wieder hoffnungsvollere Situation für Hertha BSC war für viele Berliner gar nicht mehr erwartet worden. Unter der Regie von Felix Magath hat Hertha bisher drei von fünf Spielen tatsächlich gewonnen. Hertha steht mit nunmehr 32 Punkten auf Platz 15 und über dem Strich. Nicht auszudenken, wäre das „6-Punkte“-Match gegen den VfB Stuttgart nicht gewonnen worden. So aber rangiert nun Stuttgart, aktuell 28 Punkte, auf dem 16. und somit dem Relegationsplatz. Für die Schwaben könnte es drei Spiele vor Ultimo noch schlechter kommen, wenn sie ihr Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg – 5:0-Sieger über Mainz 05 – nicht gewinnen sollten. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Hertha muss in Bielefeld gegen die schwächelnde Arminia antreten und könnte alles klarmachen. Haben die Berliner den VfB Stuttgart tiefer in den Abgrund befördert, so wird Magaths eventueller vierter Sieg in der Endphase zwar rein rechnerisch noch nicht der endgültige Klassenerhalt sein, aber so gut wie. Bielefeld bliebe bei 26 Punkten und Hertha hätte vor den zwei letzten Spielen dann 35.

Bei allem Hertha-Jubel, Magath sieht immer noch die Gefahr, falls Hertha gegen den Tabellen-Vorletzten verlieren sollte. Verfrühte Gelassenheit sei fehl am Platze, noch sei der Klassenerhalt gefährdet. „Man sieht, dass wir wieder eine Mannschaft sind“, so Herthas Trainer. Euphorie erfordere im Fußball auch anderseits eine Nüchternheit. Er wisse nicht, wer nach diesem Stuttgart-Spiel bei Hertha euphorisch werden sollte. In der Pressekonferenz präsentierte Magath eine gewaltige Mängelliste. Mit ihm kann man ewig darüber diskutieren, ob Glück in der Tat immer erkämpft werden kann. Ich erkenne bei diesem taktischen Vorgehen eine ganze Menge Erfahrung. Schließlich hat er es immer geschafft, Mannschaften vor dem Abstieg zu bewahren – mitunter sogar in fast aussichtslosen Lagen. Trotz oder gerade wegen seines Alters, könnte ihm Hertha viel zu verdanken haben, am letzten, dem 34. Spieltag wissen wir es. Hertha muss auswärts am 14. Mai nach Dortmund. Das letzte Heimspiel der Saison, gegen den FSV Mainz 05, derzeit Tabellenzehnter, gesichert mit 39 Punkten.  

Berliner Fußball-Enthusiasten blicken auch auf den 6. Tabellenplatz, der bedeutet Teilnahme an der Europa-League. Mit 50 Punkten rangiert da ein zweiter Berliner Verein – trotz namhafter Abgänge. Bereits am Freitag, 29. April, empfängt der 1. FC Union in der Alten Försterei die SpVgg Greuther Fürth, den Tabellenletzten und wieder Zweitligisten. Eine Woche später heißt es in Freiburg beim Tabellenvierten (jetzt 52 Punkte) zu bestehen und am letzten Spieltag, zu Hause in der Alten Försterei, gegen den VfL Bochum eventuell fehlende Punkte zu holen. Dazu meine Feststellung: Union ist reif für Europa!  

Christian Zschiedrich

Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern

Die Torfolge:

0:1 Haraguchi (31.)

1:1 Eigentor Baumgartl (49.)

1:2 Prömel  (53.)

1:3 Becker (74.)

1:4 Michel (85.)

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Der 1. FC Union erzielt im Derby fünf Tore. Auch ohne das Eigentor ist das der höchste Sieg in der Bundesliga von den Köpenickern – ausgerechnet gegen Hertha BSC. Fatal: die Alte Dame bleibt bei 26 Punkten und jetzt sind es nur noch fünf Partien in dieser Saison. Union hat jetzt 44 Punkte und spielt weiter ums internationale Geschäft mit. Einerseits finde ich das natürlich sehr gut, andererseits wäre mir zumindest, entgegen meiner Prognose, ein Unentschieden für eine bessere Situation für die Hertha lieber gewesen. Einen anderen Ausgang getippt zu haben, hätte ich verkraftet. Wäre es doch bloß anders gekommen.

Mir geht es wie den Union-Spielern. Hertha soll den Klassenerhalt schaffen! Berlin braucht so ein Fest vor ausverkauftem Haus. Den Unionern muss tatsächlich bescheinigt werden, genauso äußerte sich auch Felix Magath, Union war ganz deutlich die bessere Mannschaft. Ihr Sieg ist also hochverdient. Und hätte Herthas Keeper Lotka nicht so hervorragend gehalten, bei Halbzeit hätte es den Chancen nach durchaus 0:4 stehen können.

So muss das Urteil vor den letzten fünf Spielen einfach heißen: Erkennen wir die Übermacht an. Union war ja schon vor diesem Match der Stadtmeister mit zwei gewonnen Spielen, setzte sich gegen Hertha auch im Pokalderby als Sieger durch. Ich traue der Mannschaft um Trainer Urs Fischer zu, das Pokalfinale im Berliner Olympiastadion zu erreichen – zumindest das, wenn nicht sogar …

So hoffnungsvoll sieht es für Hertha nicht aus. Die Schlappe 1:4 nagt bestimmt am Selbstvertrauen. Die sich offenbarenden Defizite sind schon peinlich. Wie energisch Union unmittelbar nach dem unglücklichen Eigentor den Gleichstand ausbügelte und innerhalb von vier Minuten erkennen ließ: „Wir wollen gewinnen“, das war schon imponierend zu zeigen, wer Herr im fremden Hause ist. Nämlich die Nummer 1 in Berlin!

Wenn Hertha in den nächsten drei Spielen nicht die Wende schafft, wird die Mitgliederversammlung im Mai, oh Gott, ein Fiasko. Die Spieler wurden nach dem 1:4 von den eigenen Fans aufgefordert, die Trikots auszuziehen, sie wären nicht würdig für Hertha zu spielen. Nicht alle, aber einige kamen der Aufforderung nach.

Beim Freudenfest des 1. FC Union im Olympiastadion kam mir plötzlich in den Sinn, dass die Eisernen auch einmal eine andere Zeit erlebten und ich bestrebt war, zu helfen. Der Sargdeckel war so gut wie drauf. Seitens der Hertha war mir dann die Pressekonferenz wieder deutlich vor Augen und Ohren, als einst Otto Rehhagel vorgestellt wurde. Ein mir bekannter Journalist vom Weltexpress wurde des Saales verwiesen. Dummerweise mochte er wahrscheinlich keine „alten Trainer“ und stellte, selbst nach meinem heutigen Empfinden eine „unmögliche“ Frage. Das war bei Hertha natürlich nicht angebracht.

Christian Zschiedrich 

Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha

Leverkusen wäre bestimmt leichter zu knacken gewesen als am kommenden Samstag Union im Berliner Olympiastadion. Der Einsatz enttäuschte Trainer Felix Magath. Hertha ist tatsächlich sechs Spiele vor Ultimo wieder auf einem direkten Abstiegsplatz.  Die Leistungen, vor allem in kämpferischer Hinsicht, waren von Bielefeld, Stuttgart und Augsburg besser. Bielefeld belohnte sich gegen die Stuttgarter mit dem 1:1 und Augsburg siegte mit 3:0 über den VfL Wolfsburg. Wolfsburg hat 31 Punkte, Augsburg 29 und Stuttgart 27 Punkte auf den Plätzen 14 bis 16.

Mit 40 Punkten ist man auf der sicheren Seite. Bielefeld ist mit Hertha punktgleich. Allerdings hat Hertha ein schlechteres Torverhältnis.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Die Köpenicker bekamen laut Analyse den Sieg von Köln „geschenkt“. Mit dem Wort Schenken sollte etwas vorsichtiger umgegangen werden. Ausgerechnet dem Käpt’n Jonas Hektor passierte der folgenschwere Abspielfehler in der 49. Minute. Awoniyi vollstreckte zum 1:0 in der Alten Försterei. Das Ziel Klassenerhalt ist mit 41 Punkten eingefahren. Jetzt erst will Trainer Urs Fischer ein neues Ziel ausgeben. Union will einen neuen Punkterekord. Gegen Hertha könnten es durchaus 44 Punkte werden. Für Hertha wäre der Abstieg noch nicht besiegelt. Nach dem Stadt-Derby stehen ja noch fünf Spiele an. Es wird immer enger.

Das Match ist diesmal von besonderer Brisanz. In der vorangegangenen Saison war es Herthas Ziel, in Berlin die Nummer 1 in der Stadt zu sein. Jetzt könnte Union Hertha noch tiefer in den Abgrund stoßen. Das wünsche ich der Hertha nicht. Hin und wieder läuft es bei Hertha ganz gut, seltsamerweise gegen Spitzenteams in der Eliteliga. Mannschaften, den das Wasser bis zum Hals steht, machen in der Regel den erforderlichen Schritt mehr, als die besser postierten. Also ich finde, Hertha hat die Chance, die Partie für sich zu entscheiden. Felix Magath: „Es wäre doch gelacht …“

Magath wird seinen Spielern eine Anweisung mit auf das Feld geben: „Nur hautnah zu decken, reicht oft nicht, wenn eine Sekunde zu spät der Zweikampf erfolgt und der Gegenspieler eine Fußspitze schneller reagieren kann.“  Schauen wir auf das Torverhältnis: Hertha 30:62 und Union 34:38. Trotzdem, im Fußball ist bekanntlich alles möglich. Aber bitte nicht mit 12 Spieler auf dem Platz auflaufen. In einem meiner früheren Kommentare fragte ich: „Ist Hertha bundesligatauglich?“ Am Samstag beweist es die Alte Dame oder auch nicht?  

Christian Zschiedrich

Der erhoffte Sturz des Hertha-Präsidenten

Heute ist am 21. März 2022 ein besonderer Tag für mich und Hertha BSC. Ich schlage gleich mehrere Zeitungen und Zeitschriften auf und lese in großen Lettern, dass es Herthas Präsidenten Werner Gegenbauer an den Kragen gehen soll. Es scheint eine Genugtuung für viele Menschen zu sein. Über meine Mutter steht nichts in den Gazetten. Es ist die Wiederkehr ihres Todestages vor 39 Jahren. Ich denke gern an sie zurück. Mit Hertha allerdings hatte ich bekanntermaßen so meine Sorgen, konnte mir nicht vorstellen, dass ein Journalist auf Lebenszeit von einem Verein suspendiert werden kann. Im Grunde hatte ich nichts Schlechtes getan, sondern nur seinen Präsidenten kritisiert und wie sich nun herausstellen könnte, völlig zu Recht.

Vereinsfreunde öffneten mir die Augen: „Du bist der Einzige, der bei Hertha noch seine Meinung offen sagen kann. Dir kann Gegenbauer existenziell nichts mehr anhaben!“ Aber, ich war zu schwach, um mich mit ihm erfolgreich anzulegen. Dennoch war ich in den letzten Jahren derjenige, der sich den Mund nicht verbieten ließ. Unter der Hand wurde geflüstert, der schwerreiche Präsident half so manch existenziell Bedrohten in schwierigen Situationen. Die Vorstellung, ich hätte finanzielle Überlebenshilfen bekommen, wäre es dann möglich gewesen gegen den Unterstützer und Förderer Fakten zu recherchieren und zu veröffentlichen? Abhängigkeiten werden aktuell zur Genüge diskutiert. Ich war zum Glück nicht abhängig.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Ich hoffte jedoch, meine und die Zeit der Kritiker wird kommen. In meinen letzten Beiträgen wies ich immer wieder darauf hin, die Geschichte mit Lars Windhorst und Werner Gegenbauer kann auf Dauer nicht gutgehen. Mir war zugetragen worden, dass es in jeder Berliner Sportredaktion und selbst im Verein Hertha BSC Geschädigte mit Wut im Bauch gab, die nur auf den richtigen Moment gehofft haben. Sie schlossen mit sich selbst ein Stillhalteabkommen. Ich frage mich, kann Gegenbauer den anstehenden Machtkampf mit seinem Geld gewinnen. Er muss es doch gar nicht. Ab in die Schweiz, die Füße hochgelegt und den Lebensabend genießen. Von der Macht besessene Menschen können das wohl nicht.

Genau das ist der Punkt, den der Investor Lars Windhorst betont. Gegenbauer ginge es in erster Linie nicht um den Verein, sondern um seinen Machterhalt. Das hörte ich bereits früher aus dem Präsidium. Nur waren die Herren waren nicht im Besitz von 64,7 Prozent der Anteile an der Hertha BSC KGaA. Gegenbauer wurde im Herbst 2020 mit nur 54 Prozent der Stimmen als Vereinsboss knapp wiedergewählt. Zitiert sei hier Windhorst-Sprecher Andreas Fritzenkötter, dass auf der Mitgliederversammlung im Mai „sicher etwas passieren“ müsse. Die Fragen, die seitens des Investor Windhorst an Gegenbauer gestellt wurden, wo das Geld, die 375 Millionen Euro, in so kurzer Zeit geblieben ist, seien unbeantwortet geblieben. Dazu kurz und bündig Fredi Bobic: „Das Geld ist weg“!  

Windhorst möchte auf die positiven Effekte eines Neustarts setzten. Für diesen “Neustart brauchen wir auch an der Spitze und deren Gefolgsmänner geeignete Kandidaten.“ Von einem neuen Boss macht Windhorst zudem weitere Finanzspritzen abhängig. Der Hertha-Präsident müsse gestürzt werden. Die Zusammenarbeit mit Werner Gegenbauer erklärt Lars Windhorst für sich selbst als beendet. In den entsprechenden Gremien wird er sich vertreten lassen.

Christian Zschiedrich

Felix Magath findet Zustimmung in Berlin

Selbst jetzt wird mir immer noch und immer wieder nachgesagt, sehr kritisch zu sein. Dem Nachfolger von Tayfun Korkut und zu der Verpflichtung von Felix Magath bis Saisonende werde ich keine negative Silbe zu Papier bringen. Ich bin sogar überzeugt, Hertha braucht jetzt so einen Typen als Trainer wie Felix Magath. Es ist müßig, die Erfolge des ehemaligen Meistertrainers aufzuführen. Auch Korkuts Bilanz des Schreckens in 105 Tagen, die Niederlagenserie, nicht ein einziges Ergebnis sei genannt. Hier geht es auch nicht um immense Erfahrung in dem Job. Die hatte OTTO Rehhagel auch. Der arme Otto hatte sich am Ende seiner Karriere einen besseren Abgang in der Hauptstadt versprochen. Doch es war der Abstieg.

Meine Frau fragte mich belustigend, „warum nehmen die Dich nicht?“ Wenn es einer schafft, dann ist es Felix im Volksmund auch „Quälix“ genannt. Ja, der konnte schon Spieler quälen und auf Vordermann bringen. Lachend belehrte ich sie, „Felix könnte mit meinen 84 Jahren mein Sohn sein“. Das sollen 16-jährige in der Tat schon geschafft haben.

Felix, der 68jährige, so las ich im Internet, habe heute um 9.00 Uhr zu einem ersten lockeren Lauftraining geladen. Dazu verriet ein Foto wo? Am Fuße eines hohen Berges mit Schnee zum Gipfel! Ein Fan belehrte: „Zu human!“ Dem Anhang schwebt vielleicht von früher noch vor, dass Quälix harte Trainingseinheiten mit Medizinbällen der Mannschaft abverlangte. Er wird schon wissen, was er sich (!) und dem Team antut. Viel Zeit bleibt nicht.

Vielleicht hat Sebastian Hoeneß am kommenden Spieltag mit der TSG Hoffenheim Erbarmen mit seiner Hertha, aus der er hervorgegangen ist. Wenn auch nur aus der Reserve. Nach Hoffenheim folgen auswärts Leverkusen

Dem Ruf nach könnte man annehmen, Felix Magath sei ein Poltermensch. Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe im menschlichen Umgang nur Gutes mit ihm erlebt. Sowohl in der Bereitschaft, auch nach einer Niederlage, ein Interview zu geben oder aber in Pressekonferenzen auf kritische Fragen sehr sachlich zu antworten.  

Die Spieler müssen in den verbleibenden acht Spielen noch laufen können. Nach Lage der Dinge wird plötzlich auch an der Qualität der Spieler gezweifelt. Dazu schreibt ein Fachblatt, es rumore hinter den Kulissen. Bezeichnend sei der Abgang von Arne Friedrich und der Name Lars Windhorst wird immer wieder genannt. Und Geld sei auch nicht mehr vorhanden. Wurden da nicht ein paar namhafte Spieler verkauft oder verliehen?

Christian Zschiedrich   

Bemühungen der Alten Dame

Am 25. Spieltag lieferte Hertha gegen Frankfurt eine desolate Leistung ab, nach dem Motto: Eine Mannschaft wird gesucht! Die Fans der Hertha verstehen die Welt nicht mehr und haben den dritten Abstieg vor Augen. Auf dem Relegationsplatz ist die Alte Dame bereits gelandet und in Gladbach geht es weiter dem Abgrund entgegen.

Im Vergleich der 1:4-Pleite von Hertha BSC sah ich mir die Partie des VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach an. Auch wenn die 2:0 Führung der Gladbacher am Ende nicht reichte, das Spiel mit 2:3 verloren ging – ich war begeistert und das von beiden Mannschaften. Da wurde ja richtiger Fußball gespielt! Ein Angriff nach dem anderen, hüben und drüben. Die Leidenschaft übertrug sich auf Publikum. Der VFB (rückte bis auf einen Punkt an Hertha ran) war der um ein Tor Glücklichere gegen Gladbach.

Kann Hertha das nachmachen? Theoretisch jedenfalls, da sollte in Gladbach mal eine Berliner Mannschaft auflaufen, konzentriert zur Sache gehen und bis zum Umfallen kämpfen. Wenn schon, dann mit wehenden Fahnen untergehen. Hertha sei wach geworden und habe den Ernst der Lage erkannt und begriffen. Gefordert ist in Fußballsprache: „Ihr Spieler müsst Gras fressen“. Allein darauf darf man gespannt sein.

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert © Foto Sportick

Ein Dampfer unter Schnellbooten sein! Das ist im Moment alles, was ich über den Gründungsdampfer Hertha schreiben will, denn die Alte Dame hat momentan ganz andere Sorgen. Erwähnt werden soll trotzdem, dass Hertha als Hauptstadtclub immer potente Unterstützer und Förderer hatte. Ein Beispiel ist der Berliner Unternehmer Christian Wolter. In den Zeiten als sein Sohn in der Hertha-Jugend spielte, war er ein großzügiger Sponsor für den Nachwuchs. Als er in den Vorstand gewählt wurde, setzten sich die Bemühungen fort. Er wollte dem Club helfen, zu Besserem, unterstützen und zu gestalten. Wie konnte er nur, fiel dabei in Ungnade, durfte es nicht und erlitt letztendlich abgestraft das gleiche Schicksal wie Jörg Thomas, der sich ebenso um die Amateure kümmerte.

Hertha BSC hätte in der Tat besser geführt werden müssen und ob die Strukturen im Managements passen darf bezweifelt werden. Die dauernden Trainerwechsel sind dem Club überhaupt nicht bekommen. Hertha BSC fabrizierte nicht nur auf dem Platz Eigentore. Ein Beispiel sei hier zum wiederholten Male angeführt, der Umgang und letztlich die Verbannung meiner Person. Über zwanzig Jahre hatte ich als Chefredakteur von TV Sport in Berlin Hertha BSC journalistisch begleitet.

Jetzt begehrt zudem der Millionen-Sponsor auf und Arne Friedrich hat von selbst das Weite gesucht. Irgendwie oder mit aller Macht der Klassenerhalt. Wir hätten gern in Berlin gern weiter zwei Bundesligaclubs auf Augenhöhe. Die Fans würden das Hauptstadtderby sehr vermissen.

Christian Zschiedrich

Max Kruse wechselt zum VfL Wolfsburg

Dass schlussendlich beim 1. FC Union nicht anderes als Profifußball gespielt wird, offenbarte sich am 30. Januar 2022. Erst tauchten Gerüchte auf, die schnell zur Gewissheit wurden. Unions wohl einziger Ausnahmespieler verlässt nach 45 Pflichtspielen, 19 Toren und 12 Vorlagen den Verein. Das Geld lockte. Sogar Präsident Dirk Zingler äußerte sich und ließ sich mit folgenden Worten zitieren: „Wenn er sich nun jedoch ganz bewusst gegen die Chance entscheidet, mit Union in dieser Saison Geschichte zu schreiben, akzeptieren wir das“ Diesen sportlichen Verlust lässt sich Union mit 5 Millionen EUR entschädigen.

Ein Grund für den Wechsel ist wohl Florian Kohfeldt, beide hatte beim SV Werder bereits zusammengearbeitet. Sein Gehalt dürfte sich deutlich von dem abheben, was ihm in Köpenick gezahlt werden konnte. Ihn sportlich zu ersetzen dürfte fast ein Ding der Unmöglichkeit sein. Zumal das Transferfenster am 31. Januar um 18 Uhr bereits schließt. Es wird gemunkelt, dass Sven Michel aus Paderborn ein Wunschkandidat ist. Auf der Liste stand er ja schon einmal. Allerdings ist er ein anderer Spielertyp als Kruse. Er ist als Stürmer mehr der klassische Zentrumsspieler und weniger die hängende Spitze mit Spielübersicht.

Kruse selbst hatte am Vorabend der Verkündung seines Wechsels an einer albernen Fernsehshow teilgenommen und etwas Geld gewonnen. So ist er eben, ein Typ, eine schillernde Persönlichkeit, er hat es in Köpenick mit Leistung zurückgezahlt. Jetzt wird in Wolfsburg, vielleicht ein letztes Mal, abkassiert. Mal sehen, ob der Ertrag auch für den VfL Wolfsburg stimmt. Ehrlich gesagt, muss dort die Not groß sein.

Hans-Peter Becker

Berliner Profi-Fußball im Überblick

Etwas mehr als die Hälfte der Saison ist absolviert und so richtig zufrieden sein kann nur der Bundesligist aus dem Stadtteil Köpenick. „Alles bestens!“, kann man ihnen nur zurufen. Mal wieder das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten herausgeholt oder Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Der Sieg in Gladbach setzte dem Ganzen die Krone auf. Gladbach kämpfte glücklos und die Eisernen hatte das bessere Ende für sich. Jetzt stehen sie nach 20 Spieltagen auf einem Platz, der die Teilnahme an Champions League bedeuten würde. Eigentlich nicht zu fassen, da kann der Lokalrivale aus dem Westend nur kopfschüttelnd daneben stehen.

Hertha BSC ist eine einzige große Baustelle. In allen Mannschaftsteilen wirkten sie gegen die Bayern überfordert. Der Stadionsprecher begrüßt die Zuschauer nach wie vor mit „und hier kommt Berlins Nummer 1…“ und der Investor, wahrscheinlich nur er, denkt in ganz großen Dimensionen. Erstmal muss gründlich entkernt werden, dann mal schauen, wie tragfähig der Rohbau noch ist. Fredi Bobic ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Corona tat das übrige, zu Jahresbeginn mussten gleich 6 Profis gleichzeitig in Quarantäne. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet und Bobic räumt den Kader auf. Letzter Neuzugang ist Stuttgarts Ex-Kapitän, Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf. Er wird dringend benötigt, Hertha verfügt, nach Anzahl der Gegentore, über die zweitschlechteste Defensive. Es hakt allerdings in allen Mannschaftsteilen.

Die Bundesliga macht Pause, Union testet gegen Lodz und vermeldet mit Kevin Möhwald einen aktuellen Corona-Fall. Hertha hat bisher keinen Test geplant und trainiert fleißig für die kommenden Wochen der Wahrheit. Die nächsten Gegner heißen VfL Bochum und Greuther Fürth, worauf es da ankommt, muss wohl nicht weiter erörtert werden.

Nicht pausiert wird in Liga 3, es steht sogar eine englische Woche an. Viktoria hat am Dienstag, 25. Januar trotzdem nicht gespielt, der Grund, sie ahnen es, weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. In der Pressemitteilung liest sich das folgendermaßen:

Aufgrund von behördlich angeordneter Kontaktpersonen-Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt in Berlin wird das Drittliga-Spiel zwischen dem Halleschen FC und Viktoria Berlin auf Grundlage von §15 der Durchführungsbestimmungen zur DFB-Spielordnung abgesetzt.

Bei den Himmelblauen traten im Rahmen des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag drei weitere Corona-Fälle auf. Darüber hinaus befinden sich zwei weitere Personen aus dem Mannschaftsgefüge mit Grippesymptomen in häuslicher Isolation.

Der neue Spieltermin wird nach Rücksprache mit dem Halleschen FC und Viktoria Berlin schnellstmöglich bekannt gegeben.

Die Absage des Spiels erfolgte erst 3 Stunden vor dem Anpfiff. Mal sehen, wie es weitergeht, am Samstag, 29. Januar steht das Heimspiel gegen den FSV Zwickau an. Viktoria hat den Kader nachgebessert und muss aufpassen, jetzt nicht weiter nach unten durchgereicht zu werden. Die Neuzugänge bzw. Leihspieler könnten sofort weiterhelfen. Für den Klassenerhalt sollten es mindestens 42 Punkte oder mehr sein. Nach 21 von 38 Spielen kann der Aufsteiger und absolute Liganeuling auf 26 Punkte verweisen. So 6 bis 7 Siege und dazu das eine oder andere Unentschieden und die Sache wäre geritzt. Ein bisschen Sorge bereitet die geringe Zuschauerresonanz. Im Jahnsportpark ist der Verein weiter weg von seiner eigentlichen Heimat im Süden Berlins, andere Dinge konnten unter Dach und Fach gebracht werden. In Kaiserslautern liefen die Himmelblauen erstmals mit einem Trikotsponsor auf der Brust auf. Das Spiel im Fritz-Walter-Stadion war für Viktoria ernüchternd. Fehlende Vorbereitung und Fitness machten sich bemerkbar, die Niederlage war diesmal nicht zu verhindern. Das Hinspiel im Jahnsportpark hatten die Muzzicato-Schützlinge überraschend klar gewonnen.

Hans-Peter Becker