Sieg und Remis – Punkte für die Berliner Profi-Clubs

Der 1.FC Union hat es schon wieder getan und einen Heimsieg eingefahren. Der achte Heimauftritt brachte den fünften Sieg, nur zwei Teams haben bisher mehr Heimpunkte geholt, Gladbach und Dortmund. Würde nur die Heimtabelle zählen, wären die Eisernen auf Kurs Champions-League. Nur so nebenbei, die Bayern haben aktuell zu Hause erst 13 Zähler auf die Habenseite bringen können. „Für einen kurzen Augenblick werden wir die Situation genießen, dann geht es konzentriert weiter. Wir haben noch nichts erreicht, die 19 Punkte reichen am Ende nicht für den Klassenerhalt“, so äußerte sich Unions Mittelfeldspieler Christian Gentner nach dem 2:0 Sieg gegen den 1. FC Köln am 14. Spieltag der Bundesliga.

Das Stadion war, inzwischen selbstverständlich, restlos ausverkauft. Wer über eine Eintrittskarte verfügte oder auf anderen Wegen unter den Augenzeugen weilen durfte, wusste was geboten wird. Bedingungsloser Kampf, kein Hochglanzfußball und genauso bedingungslose Unterstützung von den Rängen. Es passt im Moment alles beim 1. FC Union. Trainer Urs Fischer hat die optimalen settings gefunden, ein Spielsystem das funktioniert. Für das Spiel gegen Köln musste kurzfristig Neven Subotic in der Innenverteidigung ersetzt werden. Für ihn kam Publikumsliebling Michael Parensen in die Startelf und ein anderer Liebling durfte zum zweiten Mal in der Saison am Spielanfang auflaufen, gemeint ist Sebastian Polter. Die Anfangsphase gehörte etwas mehr den Gästen. In der 14. Minute vertändelten sie einen guten Angriffsversuch und in der 23. Minute musste Rafal Gikiewicz einen Freistoß aus der Torecke kratzen. Weiter ging es in der 26. Minute, da setzte Simon Terodde nach einer Flanke von Dominik Drexler den Ball nur knapp neben den Pfosten. Der Freistoß in der 29. Minute aus aussichtsreicher Position hätte die Führung sein müssen, erneut riesig gehalten. Dann kam es wie es kommen musste, erst hat man kein Glück und dann kommt Pech dazu. Kölns Birger Verstraete rutscht an der eigenen Strafraumgrenze aus, die Plätze werden im Dezember nicht besser, das eröffnete eine Schusschance für Sebastian Andersson. Der Ball wurde von Timo Horn zur Ecke geklärt. Erneut war Andersson zur Stelle und drückte den von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckball per Kopf in die Maschen.

In der 50. Minute war es erneut Andersson, ein Steilpass von Gentner, Schnelligkeit und technisches Können und der Ball war über der Linie. Anschließend hatten die Eisernen alles im Griff und verwalteten mit gewohntem Einsatz den Vorsprung. Der Mann des Spiels war zweifelsohne der Schwedische Nationalspieler in den Reihen der Eisernen, Sebastian Andersson. Er verdiente sich ein Sonderlob, nicht allein wegen seiner Saisontreffer sieben und acht, jetzt Platz vier der Torjägerwertung zusammen mit Marco Reus von Borussia Dortmund, immer anspielbar und sehr ballsicher.

Nach dem Schlusspfiff gab es Riesenjubel und eine Spitze in Richtung Köln. „Wir brauchen keinen Karneval, Unioner feiern überall.“

Der Spieltag wurde eröffnet mit der Partie des anderen Berliner Clubs. Lange sah nach einem Sieg für die „Alte Dame“ in Frankfurt aus, am Ende wurde es immerhin ein Punktgewinn. In der Tabelle hat der Aufsteiger aus Köpenick vor dem 15. Spieltag sieben Punkte Vorsprung vor den Herthanern.

Ihr Zwischenziel haben die Eisernen vorfristig erreicht, die jetzt noch ausstehenden drei Partien im zu Ende gehenden Jahr ihres Bundesligaaufstiegs, sind wie ein zusätzlicher Bonus. Im Blau-Weißen Lager werden sie ein bisschen neidisch in Richtung Köpenick blicken. Aus wenig bislang viel gemacht wurde bei den Eisernen, während die Alte Dame ihre Unpässlichkeit noch nicht ganz überwunden zu haben scheint. Dass sie nicht auf dem Relegationsplatz der nächsten Aufgabe entgegen schaut verdankt sie der Klatsche, die Fortuna Düsseldorf in Dortmund bezog.

Hans-Peter Becker

Niederlagen für die Clubs aus der Hauptstadt

Es war nicht die Stunde der Berliner Profi-Clubs, dieser 13. Spieltag der Saison 2019/20. Im Freitagspiel verloren die Eisernen mit 1:2 auf Schalke, dabei sah es lange nach einem Punktgewinn aus. Ein individueller Fehler von Innenverteidiger Neven Subotic leitete den Siegtreffer für die Schalker ein. Das Matchglück hatte die Eisernen verlassen. Beim Ausgleichstreffer war der Schiedsrichter auf ihrer Seite, der wohl mehr auf eine Schwalbe hereinfiel und auf Foulstrafstoß entschied. Ansonsten lieferte der Aufsteiger eine gute Leistung ab, musste sich letzlich der Leistungssteigerung des Gegners in Halbzeit Zwei sowie der größeren individuellen Klasse der Schalker geschlagen geben.

Keine 24 Stunden später startete die Alte Dame mit neuem Trainerstab in das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Die Problemzonen wurden sofort sichtbar. Motiviert und nervös nahmen die Spieler in Blau und Weiß die Partie auf. Bereits in der Anfangsphase bekamen sie einen brutalen Doppelschlag verpasst. Die Abwehr wackelte weiter, das waren Gegetreffer 26 und 27 und erst 13 Spiele absolviert. Nach nur 17. Minuten lagen sie 0:2 hinten und Jürgen Klinsmann war das sonst so freundliche Gesicht eingefroren. Dass die Hertha anschließend nicht auseinander fiel, sondern kämpfte war das einzig positive an diesem Spiel. Die Belohnung folgte in der 34. Minute, mit dem Anschlusstreffer durch Vladimir Darida. Kurz vor der Pause flog Dortmunds Mats Hummels mit Gelb-Rot vom Platz. Aus den über 45 Minuten Überzahl konnten die Herthaner nichts machen. Ein Tor von Davie Selke fand nach Videobeweis keine Anerkennung.

Vor Jürgen Klinsmann und seinem Team liegt jetzt eine Menge Arbeit. Auf der Tribüne saß Lars Windhorst und wird sich seinen Teil gedacht haben. Das bemerkenswerteste an diesem Spiel war ein Interview mit dem Manager Michael Preetz. Er wurde gefragt, ob sich jetzt seine Rolle im Verein verändern wird. Verärgert ließ er den Reporter wissen, “ ..einem Acki Watzke würden sie solch eine Frage wohl nicht stellen…“.

Hertha, mit größeren Ambitionen in die Saison gestartet, hat erst 11 Punkte und ist auf den Relegationsplatz abgerutscht. Fortuna Düsseldorf ist durch ein bemerkenswertes 1:1 bei der TSG Hoffenheim auch noch vorbeigezogen. Da werden böse Erinnerungen wach an die Saison 2009/10.

Hans-Peter Becker

Die Eisernen schaffen auch die Borussia aus Gladbach

So langsam wird es unheimlich. Vor der Saison waren sie in der Wuhlheide etwas unzufrieden mit dem Spielplan ihrer Premierensaison. Die ersten zwölf Spiele hielten gleich einige Ligafavoriten parat. Gleich am ersten Spieltag stellte sich Champions-League Teilnehmer RB Leipzig vor und erteilte dem Neuling eine bittere Lehrstunde. Das blieb nicht folgenlos. Es ist erstaunlich wie schnell die Mannschaft aus den Fehlern lernte. Die Leidtragenden waren in den Heimspielen bisher der Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund, der ambitionierte Lokalrivale aus Charlottenburg und das Überraschungsteam aus Freiburg.

Anthony Ujah traf per Kopf zum 1:0 Foto © Hans-Peter Becker

Überraschend sind die guten Leistungen in der Abwehr, nur – muss man sagen – 17 Gegentore in 12 Spielen – dass ist kein schlechter Wert für einen Aufsteiger. Zum Vergleich, der große FC Bayern hat auch schon 16 kassiert. Aus der stabilen Abwehr funktioniert das Umkehrspiel immer besser. Das Selbstbewußtsein gegen die Gladbacher Borussia war groß, seit zwei Spielen waren sie ungeschlagen. Dass die Gladbacher als Tabellenführer angereist waren, zeigte sich lediglich in der Anfangsphase. In der 7. und in der 12. Minute hätte es einschlagen können, da war das Glück auf Seiten der Eisernen. Die Führung fiel in der 15. Minute, ein Lehrspiel für ein schnelles Umschaltspiel und das Schaffen von Überzahl vor dem gegnerischen Strafraum. Wie gegen Freiburg musste ein früher Vorsprung verteidigt werden und daran scheiterten die Gladbacher. Vom Tabellenführer kam mit zunehmender Spieldauer immer weniger. Dafür betrieben die Eisernen einen enormen Laufaufwand, über 126. 000 km in der Addition für die gesamte Mannschaft. Hinzu kommt, dass sie ihr Spielsystem mit einem 3-5-2 bei Ballbesitz und einem entsprechenden 5-3-2 weiter perfektioniert haben.

Im Spiel gegen Gladbach verteidigten sie situationsbedingt mit zwei Viererketten. Dafür ließ sich meist Felix Kroos in die Abwehrkette fallen, zwischen Neven Subotic, der nach außen ging, und Keven Schlotterbeck. In einer Situation sicherte Stürmer Anthony Ujah auf der rechten Außenbahn für seinen Kapitän Christopher Trimmel ab. Gegen diese Geschlossenheit werden noch andere Mannschaften in der Alten Försterei Probleme bekommen.

Gladbachs Manager Max Eberl sprach den Unionern ein Kompliment aus, „sie haben unseren Spielaufbau erfolgreich gestört.“ Marco Rose, Gladbachs Trainer sprach von einem insgesamt verdienten Sieg für den 1. FC Union. Sein Spieler Florian Neuhaus unterstrich diese Einschätzung, dass Union einfach alles „wegverteidigt“ hat. Unions Innenverteidiger Keven Schlotterbeck sah den Vorteil auch der Geschlossenheit, „wir haben heute gearbeitet wie die Tiere.“

Lange können sich die Eisernen über den Sieg und jetzt erreichten 16 Punkte nicht freuen. Bereits am kommenden Freitag, 29. November müssen sie auf Schalke antreten.

Hans-Peter Becker

Spieldaten Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

23.11.2019 Stadion An der Alten Försterei 15:30 Uhr

Ergebnis 2:0 (1:0)

1.FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Subotic – Trimmel, Kroos (71. Schmiedebach), Gentner, Lenz – Ingvartsen (87. Ryerson) – Ujah (77. Bülter), Andersson 3-5-2/5-3-2

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Lainer, Ginter, Elvedi (61. Strobl), Wendt – Neuhaus (58. Stindl), Kramer, Zakaria – Hermann, Plea, Thuram (77. Embolo) 4-3-3

Tore: 1:0 Ujah (15.), 2:0 Andersson (90.+1)

Zuschauer: 22.012

Die Eisernen erwarten den Spitzenreiter

Egal wie das Spiel am Samstag, 23. November ausgehen wird, die Borussia aus Mönchengladbach würde selbst im Fall einer Niederlage Berlin trotzdem wieder als Tabellenführer verlassen. Beide Mannschaften konnten vor der Länderspielpause einen Dreier landen, Gladbach gewann daheim gegen den SV Werder Bremen, während der 1. FC Union in Mainz den ersten Bundesliga-Auswärtssieg feiern konnte. Am besten gleich richtig nachwaschen mit einem Sieg wird man sich in beiden Lagern sagen. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die vor Selbstbewußtsein nur so strotzen.

Beide Trainer haben keine größeren personellen Probleme. Die Mönchengladbacher müssen ohne den gelb-rot gesperrten Ramy Bensebaini auskommen, außerdem fehlen Tony Jantschke, Tobias Sippel und Andreas Poulsen verletzungsbedingt. Auf der anderen Seite fehlt Robert Andrich wegen einer Gelbsperre, außerdem nicht dabei die angeschlagenen Suleiman Abdullahi und Joshua Mees. Grischa Prömel, Akaki Gogia und Laurenz Dehl arbeiten nach ihren Verletzungen in der Reha an ihrer Rückkehr. Für den gesperrten Andrich wird aller Voraussicht nach Manuel Schmiedebach in die Startelf rücken und die Rolle auf der Sechserposition einnehmen. Gelingt die nächste Überraschung, der Vorsprung der Gladbacher Borussia könnte bis auf einen Zähler schrumpfen.

Es wird darauf ankommen, wie es den Eisernen gelingen wird, das gute Umschaltspiel der Gladbacher in den Griff zu bekommen. Allzu viele Standards, Freistöße und Eckbälle, sollten vermieden werden. Im bisherigen Saisonverlauf konnten die Fohlen aus solchen Gelegenheiten einige Treffer erzielen, sind darin das statistisch erfolgreichste Team.

Müßig, darauf hinzuweisen, dass es das erste Aufeinandertreffen in der Bundesliga ist. Ein Blick in die Geschichte verzeichnet lediglich eine einzige Begegnung, am 6. Februar 2001, da machten die Eisernen die Finalteilnahme nach einem Sieg über Borussia Mönchengladbach klar. Im Elfmeterschießen wurde Torwart Sven Beukert zum großen Held. Er meisterte zwei Elfer von Arie van Lent und Max Eberl, dem heutigen Sportdirektor der Gladbacher. Das ist Geschichte. Das Stadion war damals mit 18.500 Zuschauern restlos ausverkauft und das wird auch am Samstag so sein. Schiedsrichter der Partie wird Dr. Felix Brych sein. Das Spiel beginnt um 15:30 Uhr.

Hans-Peter Becker

1. FC Union – Auswärtssieg in Mainz

Unions Trainer Urs Fischer veränderte seine Startelf für den Auftritt in Mainz gegenüber dem erfolgreichen Auftritt im Berliner Derby nur auf einer Position. Für Marius Bülter durfte Sebastian Polter auflaufen. Damit bewies Unions sportliche Führung viel Mut zur Offensive. In der taktischen Grundformation wurde mit zwei Stürmern begonnen. Eine 3er Abwehr, davor eine 4er Kette im Mittelfeld und im Angriff ein magisches Dreieck mit Marcus Ingvartsen hinter der Sebastian-Doppelspitze Polter und Andersson.

Sebastian Andersson – Doppelpack in Mainz Foto: © Hans-Peter Becker

Die Mainzer wollten sich vor ihrem Publikum für die herbe Auswärtsklatsche in Leipzig rehabilitieren. In 81. Minute wurde Rafal Gikiewicz endlich überwunden, es war lediglich der Anschlusstreffer zum 1:3. Die Gäste aus Berlin traten mit breiter Brust auf und kamen zu ihrem ersten Auswärtssieg in der Bundesliga. War das erste Tor in der 30. Minute noch mit etwas Matchglück verbunden, ein durch Invgvartsen erzwungenes Eigentor, fielen die anderen beiden Tore für die Eisernen zu einfach, Eckball, Kopfball und Tor. Sebastian Andersson war zur Stelle für die von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckbälle. Trimmel schlug die Bälle in Richtung Strafstoß-Punkt und der 1,90 m große schwedische Nationalstürmer lief aus dem Hintergrund an und wuchtete den Ball ins Tor. Der Zeitpunkt hätte besser nicht passen können. Das 2:0 fiel kurz vor dem Halbzeitpfiff und das 3:0 in der 51. Minute, als die Mainzer auf den Anschlusstreffer drängten.

Den Verwaltungsmodus eines sicheren Auswärtssieges müssen die Eisernen zukünftig besser hinkriegen. In der Schlussphase fiel das 2:3 und es war unnötigerweise für ein paar Minuten zittern angesagt. Nach dem Schlusspfiff feierten die Gäste, während die Mainzer auf den Relegationsplatz in der Tabelle abrutschten. Der 1. FC Union hat seinen Derbysieg veredelt und ist jetzt sogar in der Tabelle an dem Rivalen aus Charlottenburg vorbeigezogen. Die Alte Dame leistete sich eine 2:4 Heimniederlagen gegen RB Leipzig.

Hans-Peter Becker

Spieldaten:

1. FSV Mainz 05: Zentner – Brosinski, St. Juste, Niakhaté, Martín (77. Burkhardt) – Öztunali (52. Maxim), Baku, Fernandes, Boetius (61. Onisiwo) – Quaison, Szalai 4-4-2 mit Raute

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck (32. Parensen), Subotic – Trimmel, Gentner, Andrich, Lenz – Ingvartsen – Andersson (88. Ujah), Polter (76. Kroos) 3-4-1-2

Zuschauer: 24.349

Tore: 0:1 Brosinski (ET, 30.), 0:2 Andersson (45.+2), 0:3 Andersson (51.), 1:3 Onisiwo, 2:3 Brosinski (90. + 4)

Niederlage in München

Der 1. FC Union hat bei den übermächtigen Bayern nur mit 1:2 verloren. Achtbar aus der Affäre gezogen könnte man meinen. So war es nicht, die Bayern hatten keinen Sahnetag, der Aufsteiger leider auch nicht. Ein frühes Gegentor, in der 13. Minute und anschließend redliches Bemühen der Eisernen, die wenig Spielanteile bekamen. Defensiv war es solide, der Sturm war kaum ein laues Lüftchen.

Urs Fischer schickte seine Mannschaft wieder mit einer 4er Kette in der Abwehr auf das Feld. Es sortierte sich mit und gegen den Ball zu einem 4-2-3-1. Gegenüber dem letzten Spiel gegen Freiburg wurde auf zwei Positionen umgestellt. Neven Sobotic kehrte für Keven Schlotterbeck wieder in die Innenverteidigung zurück und für Michael Parensen kam Felix Kroos zu seinem ersten Einsatz in der Startelf. Er spielte zusammen mit Robert Andrich auf der 6er Position.

Der FC Bayern ließ fast nichts zu, ganze sechs Torschüsse sah Manuel Neuer auf sein Tor kommen. Darunter waren zwei Strafstöße. Den ersten hielt Neuer in Weltklassenmanier, der zweite durch den eingewechselten Sebastian Polter passte. Er war selbst gefoult worden, durch den Torschützen zum 1:0 Benjamin Pavard. Es lief bereits die 86. Minute, die Bayern hatten in der 53. Minute durch Robert Lewandowski auf 2:0 erhöht. Das Ergebnis spiegelte den Spielverlauf nicht wieder.

Einige unter den über 7.000 im Stadion anwesenden Fans der Eisernen hatten wenigstens ein bisschen Freude bei der Bekanntgabe von Zwischenergebnissen aus dem Berliner Olympiastadion. Der Lokalrivale unterlag am Ende der TSG Hoffenheim mit 2:3. Aus Gesamtberliner Sicht war es der Nachmittag der Verlierer und die treffen am nächsten Spieltag in der Alten Försterei aufeinander. Davor müssen beide noch ihre Aufgabe in der 2. DFB-Pokalrunde lösen. Erneut treffen die Eisernen auf den SC Freiburg, der mit der Empfehlung eines Sieges gegen RB Leipzig in das Spiel gehen wird.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

 1.FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Subotic, Lenz – Kroos (60. Becker), Andrich – Ingvartsen (67. Ujah), Bülter – Andersson (67. Polter)

FC Bayern München: Neuer – Kimmich, Pavard, Boateng, Davies – Thiago, Coutinho (86. Goretzka) – Coman (65. Gnabry), Müller, Perisic (76. Tolisso) – Lewandowski

Zuschauer: 75.000

Tore: 1:0 Pavard (13.), 2:0 Lewandowski (53.), 2:1 Polter (86.)

1. FC Union verliert ein hektisches Spiel

Sie hatten sich mehr ausgerechnet die Eisernen im Heimspiel gegen die ersatzgeschwächte Mannschaft des SV Werder Bremen. Dass es am Ende nicht einmal für einen Punkt reichte war auch der Mangel an Erfahrung beim 1. FC Union. Es war über die gesamte Spieldauer eine zerfahrene und hektische Partie. „Ein Fußballspiel, das ganz schön genervt hat“, wie Unions Pressesprecher Christian Arbeit in der Pressekonferenz die Sache auf den Punkt brachte.

Es könnte als Videospiel in die Geschichte dieser Saison eingehen. In der ersten Viertelstunde des Spiels zeigte Schiedsrichter Tobias Welz zwei Mal auf den Elfmeterpunkt. Den Strafstoß für Bremen hätte man nicht geben müssen, da wurde Bremens Kapitän Klaassen von Torwart Gikiewicz und Verteidiger Lenz in die Zange genommen. Er wollte eine etwas verunglückte Rückgabe abfangen. Das Foul war eher schwalbenartig. Die Ausführung des Strafstoßes stand bevor, der Schiedsrichter griff sich ans Ohr, der Kölner Keller, Entscheidung überprüfen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Welz blieb bei seiner Entscheidung und Bremen ging mit 1:0 in Führung, der Gefoulte verwandelte selbst. Kopfschütteln im Stadion und andernorts, was hatte der Schiedsrichter gesehen. Die ausgleichende Gerechtigkeit kam nur ein paar Minuten später, ein berechtigter Handelfmeter, der zunächst nur im Keller in Köln registriert wurde. Sebastian Andersson trug sich mit Saisontreffer drei in die Liste der Torschützen ein.

Bis zur Halbzeitpause versuchten beide Fußball zu spielen. Ein Spielrythmus fanden beide nicht. In der zweiten Halbzeit erkämpften sich die Eisernen mehr Spielanteile. Die Gäste blieben gefährlich und gingen in der 55. Minute in Führung. Zunächst hielt Gikiewicz einen Elfer, daraus resultierte ein Eckball und der war genau getimt, ein wuchtiger Kopfstoß von Füllkrug saß. Union lag hinten und versuchte das zu verändern. Die Spieluhr lief runter und die Hektik nahm zu. Der Torstand blieb. Zwei Spieler flogen noch mit gelb-rot vom Platz. Vor allem die letzten 10 Spielminuten hatten nicht mehr allzuviel mit Fußball gemein. Spiele dieser Art gewinnt meist die Mannschaft mit der größeren Erfahrung in der Spielklasse, die Eiseren zahlten Lehrgeld. Die nächste Aufgabe wartet in Leverkusen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten:

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Subotic, Lenz – Becker (73. Gogia), Andrich, Gentner (84. Abdullahi), Bülter – Andersson, Ujah (67. Polter) 4-4-2

SV Werder Bremen: Pavlenka – Lang, Selassie, Groß, Friedl – Klaassen, Sahin, Eggestein (84. Pizzarro) – Osako (68. Sargent), Füllkrug, Bittencourt (90. Goller) 4-3-3

Zuschauer: 22.012

Tore: 0:1 Klaassen (5.), 1:1 Andersson (14.), 1:2 Füllkrug (55.)

Der Nächste, bitte !

Zum dritten Bundesliga-Heimspiel erwartet der 1. FC Union den SV Werder Bremen. Es ist fast genau 10 Jahre her, da spielten beide Teams in der 1. Pokalrunde gegeneinander. Im aktuellen Kader stehen sogar noch zwei Spieler, die damals dabei waren. Auf seiten der Eisernen spielte Michael Parensen und auf Bremerseite wirkte Philipp Bargfrede (wurde in der 60. Minute für Mesut Özil eingewechselt) mit. Da Bargfrede nach einer Knie OP weiter pausieren muss, könnte Parensen wenigstens auf der Union-Bank sitzen. Damals waren die Eisernen als frischgebackener Zweitligist dem Pokalverteidiger hoffnungslos unterlegen und verloren mit 0:5.

So eindeutig wie damals sind die Rollen nicht verteilt. Den SV Werder mit Trainer Florian Kohfeldt plagen Verletzungssorgen, daraus erklärt sich größtenteils der schwache Start mit zwei Niederlagen und acht Gegentoren nach drei Spieltagen. Vor dem Spiel in der Wuhlheide fehlen dem Bremer Trainer allein acht Spieler wegen diverser Verletzungen. Vor allem ist die Abwehr von personellen Umstellungen betroffen.

Für Urs Fischer ist die Situation entspannter. Keven Schlotterbeck ist für diese Begegnung weiter gesperrt und wegen Verletzungen ausfallen werden Florian Hübner, Marcus Ingvartsen und Grischa Prömel. Hinter einem Einsatz von Sheraldo Becker steht ein kleines Fragezeichen.

Es könnte wieder torreicheres Heimspiel werden mit einer ähnlichen taktischen Grundausrichtung wie zuletzt gegen Dortmund. Bei der Verteilung der Tore hofft die ausverkaufte „Alte Försterei“ wieder auf ein siegbringendes Verhältnis. „Es gilt, die Leistung gegen Dortmund zu bestätigen. Da haben wir viele Dinge gut gelöst, die müssen wir auch am Sonnabend wieder gut machen. Das wird ein schwieriges Spiel, aber auch eine interessante Aufgabe, der wir uns stellen müssen.“ so Urs Fischer auf der Pressekonferenz zum Spieltag.

Das Spiel am Samstag, 14.09. beginnt um 15:30 Uhr und wird unter der Leitung von Schiedsrichter Tobias Welz stehen. Die Eisernen dürften eher angenehme Erinnerungen an diesen Schiedsrichter haben. Er pfiff in diesem Jahr, am 31.01. das Spitzenspiel zwischen dem 1. FC Union und den 1. FC Köln in der Alten Försterei. Mit nur 29% Ballbesitz gewannen die Hausherren mit 2:0 durch Tore von Florian Hübner und Marcel Hartel.

Hans-Peter Becker

Riesenenttäuschung bei Hertha

Auf für drei Punkte nach Gelsenkirchen, hieß es, denn Schalke war ja auch 0:3-Verlierer gegen Bayern wie Hertha zuvor gegen Wolfsburg. Nun zeigte Aufsteiger Paderborn, wie Fußball in Wolfsburg gespielt werden muss. Und Hertha auf Schalke? Natürlich darf und sollte man sich gegen die Knappen mit einer Endloskette an Niederlagen etwas ausrechnen. Doch Hertha verlor wieder 0:3!

Ich hatte mir bei Hertha nach der Ignorierung für eine Dauer- auch etwas für eine Presse-Tages-Akkreditierung ausgerechnet und fragte höflich und nett an, ob sie… . Meine Freunde sagen mir, es sei moralisch und charakterlich das Letzte, den Antrag wieder nicht zu beantworten.

Hertha würde sich doch keinen Zacken aus der Krone brechen, sogar Größe zeigen, einem Berliner Medien-Repräsentanten eine Karte und Platz zu genehmigen. Ich solle es doch aufgeben. Ich antwortete, zu denen zu gehören, die sich im Leben nicht alles gefallen lassen. Hertha aber säße doch auf so hohem Ross, amüsierten sich doch nur und lachten über die Anträge von Zschiedrich.

Sollen sie doch lachen, dass Hertha öffentlich das Gesicht verliert, zumindest bei einem Großteil der Berliner, zeigt den Umgang mit ungeliebten Reportern in der Heimat. Das ist doch auch etwas. Nun fange ich an, über Hertha zu lachen und füge an, froh zu sein, das Gekicke (was ist bloß los?) in der zweiten Halbzeit im Olympiastadion nicht vor Ort gegen Wolfsburg im Olympiastadion gesehen zu haben.

Doppelter Gesichtsverlust. Aktuell mit einem Platz im Keller, ein Punkt in drei Spielen, Tordifferenz , minus 6, acht Gegentore. Am Samstag, 14.09., geht’s nach Mainz und das nächste Heimspiel muss wohl gegen Paderborn schon als Topspiel bezeichnet werden.

Christian Zschiedrich

Erstes Bundesligator und Punkt

In der 80. Minute war es soweit, der kurz zuvor zusammen mit Sebastian Polter eingewechselte Sebastian Anderson erzielte das erste Bundesligator für den 1. FC Union. Es war der Ausgleich zum 1:1 und bis zum Schlusspfiff änderte sich an dem Spielstand nichts mehr. Ein Riesenklops im Aufbauspiel der Augsburger war der Torpremiere vorausgegangen. Jetzt hat der fünfmalige Nationalspieler Schwedens einen Ehrenplatz in der Vereinschronik der Eisernen sicher. Großen Anteil an dem Treffer hat auch Sebastian Polter, der zusammen mit Andersson in der 71. Minute eingewechselt wurde. Augsburgs Tin Jedvaj spielte den Fehlpass, Polter lief allein auf den Torwart zu und legte quer auf seinen Sturmpartner, der dann keine Mühe hatte, erfolgreich abzuschliessen.

Freudige Gesichter, das Unentschieden ist ein gefühlter Sieg für die Unioner. In der ersten Halbzeit war auf beiden Seiten die Verunsicherung nach den Klatschen zum Auftakt zu bemerken. Urs Fischer brachte vier Spieler in der Startaufstellung. In der Innenverteidigung spielte Neven Subotic für Marvin Friedrich, im offensiven Mittelfeld begannen Marcus Ingvartsen und Sheraldo Becker, zunächst als einzige Sturmspitze durfte sich Anthony Ujah versuchen. Christian Gentner konnte wegen einer Verletzung nicht spielen. Bei Ballbesitz sortierte sich die taktische Formation in einem 4-2-3-1 und gegen den Ball versuchten Ujah und je nach Situation einer der drei offensiven Mittelfeldspieler den ballführenden Augsburger anzulaufen, dahinter formierten sich zwei Viererketten. In der ersten Halbzeit wirkte Union in der Abwehr sehr kompakt, allerdings gab es kaum nennenswerte Aktionen vor dem Augsburger Tor. Die erste halbwegs brauchbare Torchance hatten die Berliner in der 27. Minute durch Ujah und in der 35. Minute verfehlte ein Schuss Marius Bülter nur knapp das Ziel.

Augsburg hatte bis zur Pause mehr vom Spiel. Insgesamt hielt sich spielerische Niveau im unteren Wertungsbereich auf. In der zweiten Hälfte stieg wenigstens der Unterhaltungswert. In der 48. Minute kam Union zu einer Konterchance, allerdings war der entscheidende Pass von Sheraldo Becker zu unsauber. Das erste Tor im Spiel fiel dann in der nach knapp einer Stunde Spielzeit durch den Schweizer U-21 Nationalspieler und Augsburger Neuzugang Ruben Vargas, der von der Vorarbeit durch Florian Niederlechner profitieren konnte. In der Abwehre konnte Keven Schlotterbeck das entscheidende Zuspiel von seinem ehemaligen Freiburger Mannschaftskollegen nicht verhindern.

Sebastian Andersson – Schütze des ersten Bundeligatores © Foto: Hans-Peter Becker

Die Berliner Bank reagierte auf den Rückstand. Zunächst kam Suleiman Abdullahi für den eher enttäuschenden Sheraldo Becker und ab der 71. Minute stellte Fischer im Angriff auf ein 4-2-2 um. Für Ujah kam Sebastian Polter und für Ingvartsen spielte Sebastian Andersson. Die Maßnahme wäre fast ins Auge gegangen. Eigentlich hätte Niederlechner in der 73. Minute für die Entscheidung des Spiels sorgen müssen. Wieder verliert Schlotterbeck den Zweikampf, doch Niederlechner trifft zum großen Glück für die Eisernen das Tor nicht. Der Ausgang ist bekannt. Christopher Lenz traf zunächst in 78. Minute mit einer eher verunglückten Flanke den Pfosten und 80. Minute, nach 170 Bundeliga-Minuten folgte die Torpremiere.

Leider verloren in der 83. Minute die Eisernen Innenverteidiger Schlotterbeck durch eine glatt rote Karte. Es war die negative Krönung der vielen Zweikämpfe zwischen den beiden Ex-Freiburgern. Die Entscheidung des Schiedsrichters Robert Schröder war hart, aber vertretbar. So musst du in der Mittelzone nicht einsteigen, dazu, wenn auch nicht in voller Absicht, mit der offenen Sohle auf die Wade des Gegenspielers. Für die restlichen Minuten rückte Grischa Prömel in die Innenverteidigung. In der Nachspielzeit versuchte Polter einen Elfer zu schinden. Es war es „Trikotzupfer“, aber kein 100%iger Strafstoß, das Spiel lief weiter und mit der letzten Angriffsaktion hätten die Eisernen das Spiel noch unglücklich verlieren können.

Das Unentschieden war dem Spielverlauf entsprechend, der 1. FC Union ist mehr als nur ein Punktelieferant. Nach dem Schlusspfiff konnten sich die Profis zu Recht feiern lassen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten: Fußball-Bundesliga 2. Spieltag

FC Augsburg: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Khedira, Max – Baier, Gruezo (74. Oxford) – Vargas (66. Richter), Hahn, Gregoritsch – Niederlechner (88. Finnbogason)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Subotic, Schlotterbeck, Lenz – Prömel, Andrich – Becker (68. Abdullahi), Ingvartsen (71. Andersson), Bülter – Ujah (71. Polter)

Zuschauer: 27.703

Tore: 1:0 Vargas (59.), 1:1 Andersson (80.)