Hertha BSC verpflichtet Marco Richter

Fredi Bobic / Marco Richter / Arne Friedrich Hertha BSC Fotocredit: herthabsc/city-press

Der Offensivspieler kommt vom FC Augsburg und erhält einen Vertrag bis 2025. Im Gegenzug verleiht unser Hauptstadtclub Arne Maier an die Fuggerstädter.

Neuzugang Nummer vier für die Spielzeit 2021/22 ist unter Dach und Fach: Unser Hauptstadtclub hat am Montag Marco Richter verpflichtet. Der vielseitig einsetzbare Offensivmann kommt vom FC Augsburg zu unserer ‘Alten Dame‘ und wird für die Blau-Weißen mit der Rückennummer 23 auflaufen. „Dynamik, Vielseitigkeit, Zug zum Tor, Mentalität – Marco bringt viele Dinge mit. Er hat sich mit seinen 23 Jahren bereits über mehrere Jahre in der Bundesliga bewiesen. Daher freuen wir uns sehr, dass er sich für den Wechsel nach Berlin entschieden hat“, kommentiert Fredi Bobic die Personalie. „Ich wollte nach guten Jahren beim FCA eine neue Herausforderung annehmen und freue mich deshalb, zu Hertha zu kommen. Die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mich überzeugt und ich bin mir sicher, dass ich mit meinem Spielstil gut in die Mannschaft passe“, sagt Marco Richter. Im Gegenzug verleihen unsere Blau-Weißen Arne Maier an die Fuggerstädter. „Wir haben ein großes Angebot im zentralen Mittelfeld, deswegen haben wir Arnes Wunsch nach einer Veränderung entsprochen“, erläutert unser Geschäftsführer Sport diese Entscheidung. Arne Maier stammt aus unserer eigenen Jugend und avancierte mit der Fahne auf der Brust zum Bundesliga-Spieler. Insgesamt bestritt der Blondschopf 66 Partien für unsere Farben. Bereits im Vorjahr schnürte er seine Fußballschuhe leihweise für Arminia Bielefeld.

Der deutsche U21-Nationalspieler Richter spielte im Jugendbereich für den SV Ried und den FC Bayern München, ehe der Offensivakteur bei den bayrischen Schwaben den Sprung zum Profi schaffte. Für den FCA lief der Rechtsfuß in 102 Pflichtspielen in Bundesliga und DFB-Pokal auf. Dabei gelangen Richter jeweils 13 Tore und 13 Vorlagen. Für die U-Mannschaften des DFB sammelte der gebürtige Friedberger auch bereits Erfahrungen auf internationalem Parkett. Neun Mal trug der 1,76-Meter-Mann für die U21 und U20 den Bundesadler auf der Brust. Darüber hinaus gehörte Richter in diesem Sommer gemeinsam mit Maier, Jordan Torunarigha sowie dem nach Bochum ausgeliehenen Eduard Löwen auch zum deutschen Olympiaaufgebot und kam in allen drei Gruppenspielen zum Einsatz. Mit Maier, Löwen und Maximilian Mittelstädt kämpfte Richter 2019 auch mit der deutschen U21 bei der Europameisterschaft um den Sieg. Drei Tore und zwei Vorlagen unseres Neuzugangs reichten letztlich zum Vize-Titel.

Quelle: Hertha BSC

Jessic Ngankam auf Leihbasis nach Fürth

Herthas Eigengewächs schließt sich für ein Jahr dem Aufsteiger aus Mittelfranken an.

Eine weitere Personalie dieses Transfersommers steht fest: Jessic Ngankam schließt sich für die anstehende Spielzeit 2021/22 der SpVgg Greuther Fürth an. „Für Jessic ist es jetzt wichtig, möglichst viele Spielminuten in der Bundesliga zu bekommen. Deshalb wird ihm dieser Schritt für seine persönliche Entwicklung guttun“, kommentiert unser Geschäftsführer Sport Fredi Bobic das Leihgeschäft. „Ich freue mich auf die Möglichkeit, in Fürth viele wichtige Erfahrungen zu sammeln. Ich sehe das als große Gelegenheit, Spielpraxis auf höchstem Niveau zu sammeln“, unterstreicht unser Eigengewächs.

Der gebürtige Berliner trägt seit 2006 das Trikot unseres Hauptstadtclubs und durchlief seitdem die Nachwuchsmannschaften unserer Akademie. Seit Mai 2020 zählt der A-Junioren Meister von 2018 als Profi zu unserem Bundesliga-Kader. Dabei erzielte Ngankam bisher zwei Tore in 19 Einsätzen in Deutschlands höchster Spielklasse – darunter den viel umjubelten 2:1-Siegtreffer in Gelsenkirchen in der abgelaufenen Serie, der einen Meilenstein auf unserem gemeinsamen Weg zum Ligaerhalt darstellte.

Quelle: Hertha BSC

Kevin-Prince Boateng kommt nach Hause!

Rückkehr zu den Wurzeln: Der 34-Jährige trägt 14 Jahre nach seinem Abschied von seinem Jugendclub ab sofort wieder unsere blau-weiße Fahne auf der Brust!

2006 feierte er sein Bundesliga-Debüt für Hertha BSC, nun spielt unser Eigengewächs wieder in seiner Heimat: Kevin-Prince Boateng kehrt nach Berlin zurück und trägt ab sofort wieder das blau-weiße Trikot. Der offensive Mittelfeldakteur wechselt vom italienischen Serie B-Team AC Monza an die Spree und unterschrieb am Donnerstag einen Vertrag bis 2022. „Kevin-Prince Boateng kennt Hertha BSC, die Bundesliga und Berlin. Er benötigt keine lange Eingewöhnungszeit. Prince ist mit seinen Führungsqualitäten in der Kabine und abseits des Platzes ein enormer Gewinn für unsere Mannschaft, auf dem Rasen hat er sich über viele Jahre auf höchstem Level bewiesen. Das Gesamtpaket bei diesem Transfer stimmt absolut“, freut sich unser Geschäftsführer Sport Fredi Bobic über seinen zweiten Sommerneuzugang, den der 49-Jährige bereits aus gemeinsamer Zeit bei Eintracht Frankfurt kennt. Für den gebürtigen Berliner ist es eine Rückkehr an den Ort, an dem seine professionelle Fußballerlaufbahn seinen Ursprung nahm. „Hertha BSC ist nicht irgendein Club für mich. Ich bin hier, um etwas zurückzugeben. Ich bin in all den Jahren viel rumgekommen und habe viel lernen können, aber all das, meine ganze Karriere, habe ich diesem Verein zu verdanken. Das habe ich nie vergessen, Hertha war immer in meinem Herzen“, kommentiert der Rechtsfuß, der bei seinem neuen alten Arbeitgeber die Rückennummer 27 erhält.

Italienischer Meister, deutscher Pokalsieger, spanischer Meister

Im Alter von sieben Jahren wechselte der Deutsch-Ghanaer in die Hertha BSC Fußball-Akademie und durchlief sämtliche Jugendteams, bis ihm 2005 der Sprung zur Profimannschaft gelang. Nach 53 Partien in der Bundesliga, im DFB-Pokal sowie im UEFA-Cup (fünf Tore, neun Vorlagen) wechselte der Offensivspieler 2007 nach England zu Tottenham Hotspur. Nach einer Leihe zu Borussia Dortmund und einer weiteren englischen Station beim FC Portsmouth folgten Aufenthalte in Italien beim AC Mailand, wo Boateng 2011 italienischer Meister wurde, und Genua CFC. 2013 kehrte der Mittelfeldspieler erneut nach Deutschland zurück und schnürte für zwei Jahre seine Schuhe für den FC Schalke 04. Im Anschluss ging der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler in Spanien für UD Las Palmas auf Torejagd, ehe im Sommer 2017 der Transfer an den Main zur SGE zustande kam. Gemeinsam mit Ex-Herthaner Marius Wolf und Bobic feierte der zweifache Familienvater im Berliner Olympiastadion den Gewinn des DFB-Pokals 2018. Nach dieser Erfolgsgeschichte bei den Hessen verschlug es den 1,86-Meter-Mann erneut nach Italien zur US Sassuolo. Anfang 2019 schloss sich Boateng per halbjährigen Leihe dem FC Barcelona an, wo der 33-malige UEFA Champions League-Spieler zusammen mit Lionel Messi und Co. die spanische Meisterschaft gewann. Nach der Rückkehr nach Italien zog es den 15-maligen ghanaischen Nationalspieler zur AC Florenz, ehe ein Abstecher nach Istanbul zu Beşiktaş folgte. Seit September 2020 lief der WM-Teilnehmer von 2014 für die AC Monza auf – nun ist er zurück im heimischen Spreeathen!

Quelle: Hertha BSC

Tag der Unentschieden in der Bundesliga

Ich mal an, dass der FC Bayern trotz aller Widrigkeiten, im letzten noch ausstehenden Match des 21. Spieltages den dritten Sieg beisteuern wird. Bisher gab es in den acht Begegnungen sechs unentschiedene Spielausgänge. Die beiden Berliner Vertreter wollten da nicht abseitsstehen.

Am Samstag, 13. Februar war zunächst die Alte Dame aus Charlottenburg mit ihrem Auftritt beim VfB Stuttgart dran. Es war insgesamt recht ordentlich. Pal Dardai hat zumindest geschafft, dass da wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht. Die Laufleistung übertraf sogar die des Ortsrivalen, der das Abendspiel bestritt. Bei Hertha rackert wieder Einer für den Anderen und Sami Kedhira zeigte für 30 Minuten seine Leader-Qualitäten. Er gab die Vorlage für den hochverdienten Ausgleich durch Luca Netz. Der junge Mann ist noch nicht volljährig, aber bereits Torschütze in der Bundesliga. Bei der Hertha scheint es aufwärtszugehen und am kommenden Sonntag, 21.02. kommt RB Leipzig.

Bei den Eisernen stagniert es. In der Rückrunde konnte bisher kein Dreier geholt werden. Viel Aufwand und wenig Ertrag, entsprechend enttäuscht waren sie am Samstagabend. Die nächste Aufgabe wartet in Freiburg. Die beiden positiven Überraschungen der Saison treffen aufeinander. Im Hinspiel in der Wuhlheide gab es 1 : 1, mal sehen, was das Rückspiel bringt. Es hapert an der Chancenverwertung, ganze zwei Treffer in der Rückrunde. Max Kruse wird schmerzlich vermisst. Er verletzte sich am 4.12.2020 im Derby gegen Hertha, konnte bisher erst 10 Spiele für die Eisernen absolvieren. Trotzdem ist er mit sechs Toren der erfolgreichste Schütze im rot-weißen Dress.

Mit dem Abstiegskampf dürften die Eisernen trotzdem nur wenig zu tun haben. Das Punktekonto wurde dafür schon zu reichlich gefüllt. Es bisschen was fehlt zwar noch, was soll erst Hertha BSC dazu sagen.

Hans-Peter Becker

Hertha BSC von Bielefeld niedergekämpft

Den Siegeswillen und Optimismus von Trainer Bruno Labbadia brachten die Spieler nicht auf den Rasen. Experten titulieren das in Fachpublikationen als „harmlose und blutleere Hertha“. Nach einem guten Spiel folgt also bei den Herthanern ein schwaches. Den Siegeswillen, die Leidenschaft und den körperlichen Einsatz präsentierten die Akteure von Uwe Neuhaus; sie kämpften die Berliner auf der Bielefelder Alm im wahrsten Sinne des Wortes nieder. Das widerspricht jedem finanziellen Vergleich. Natürlich gibt es Stimmen, dem 1:0 ginge doch ein klares Foul voraus. Ja es gab einen körperlichen Einsatz des Torschützen Yabo gegen Pekarik. Bei dem Rempler ging Pekarik zu theatralisch zu Boden. Die Berliner verlangten die Aberkennung des Treffers, doch der Kampf um den Ball wurde nicht als freistoßreif bewertet. Das Tor (64.) zählte. Was folgte war aus Berliner Sicht insgesamt total enttäuschend und widersprüchlich zum 3:0 am Wochenende davor.

Das Spiel war auch, was Angriffsfußball anbelangt, ansehnlich. Von hinten heraus folgte schnelles, konzentriertes Offensivspiel, von Mittelfeldspielern immer wieder angetrieben. Das diesmal Cunha in Bielefeld fehlte, darf doch nicht als Entschuldigung gelten. Freunde, habt ihr Union einmal darüber klagen hören, dass viele namhafte Spieler verletzt fehlen? Experten lobten besonders Darida. Von ihm war in Bielefeld recht wenig zu sehen. Gegen Schalke war er einer der Besten. Ich war besonders von Guendouzi angetan. Seine Spiellaune übertrug sich auf meine Stimmung. Er war ständig unterwegs und forderte immer wieder den Ball. Positiv, er wurde auch immer angespielt. Keine Ballverluste bei ihm, seine Pässe kamen an. Ich war bereit ihn in der Überschrift besonders hervorzuheben und offen zu bekunden, „ich habe mich in Guendouzi  verliebt“. Wohlwissend, dass unseren Lesern bekannt ist, dass ich damit seine Spielweise meinte. Prompt stellte sich der souveräne 3:0-Sieg ein.

Ich sagte mir, hoffentlich war das keine Eintagsfliege, mal sehen, wie sich das im nächsten Spiel in Bielefeld fortentwickelt. Zum Glück hab ich mit dem Lob gewartet, schlief in der 1. Halbzeit ein und sah dann auch nur eine typische alte Dame. Von wegen Geschlossenheit, von wegen Mannschaft, von wegen Ineinandergreifen, Enttäuschung pur. Da schau ich mir lieber künftig mehr Union-Spiele an. Da geht es Spiel für Spiel zur Sache. Das Samstag-Spiel gegen Wolfsburg hab ich selbstverständlich auch gesehen und den 2:0-Sieg in Bremen ebenfalls. Wolfsburg wollte in Folge der 0:2-Niederlage gegen Dortmund in der alten Försterei einiges ausbügeln.

Union geriet diesmal ungewohnt früh in Rückstand, 0:1 Steffen, schaffte aber bereits sechs Minuten später das 1:1 (16.) durch Becker. Union drehte das Match, direkter Freistoß durch Andrich. Per Handelfmeter, Weghorst, kam es zur Punkteteilung 2:2, weil zuvor das 3:1 nicht gegeben wurde, angebliche Torwartbehinderung. Ich schaute mir die Szene immer und immer wieder an und kam zu dem Entschluss: Auslegungssache. Der Torwart ist laut Regel im 5 m-Raum, in der Luft geschützt und darf im Sprung nicht angegangen werden. Das versteht jeder. Aber, hier soll es eine Behinderung durch den vor dem Torwart platzierten Angreifer gegeben haben, nur, der bewegte sich gar nicht. Einziger Fehler, er hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ging auch keinen Schritt zurück. Zu dem Kontakt am Boden stehenden kam es allein durch den Torwart, der kam so nicht an den Ball und umklammerte und schubste sogar den Angreifer. Weshalb dieser Treffer zurückgenommen wurde, die Entscheidungsträger sollten sich die Szene im stillen Kämmerlein zwecks Lerneffekt zur Genüge anschauen. Union nahm die Entscheidung sportlich hin.

Christian Zschiedrich  

Mit einem Sieg ins neue Jahr

Der 1. FC Union macht im neuen Kalenderjahr in der Bundesliga da weiter, wo sie aufgehört haben. Nach dem 2:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund wurde mit einem 2:0 Auswärtssieg beim SV Werder Bremen gleich nachgelegt.

Nur die Anfangsphase gehörte den Bremern. Mit zunehmender Spieldauer bissen sich die Hausherren von der Weser an der gegnerischen Abwehr die Zähne aus. Gegenüber der Pokalniederlage gegen Paderborn hatte Trainer Urs Fischer die Mannschaft auf drei Positionen verändert. Andreas Luthe kehrte wieder ins Tor zurück und im Feld spielten Florian Hübner und Marcus Ingvartsen für Cedric Teuchert und Keita Endo.

Taktisch sortierte sich die Fischer-Truppe in einem 3-5-2 (5-1-2-2) System, Bremen sollte das Spiel machen und die Eisernen wollten möglicher Fehler ausnutzen. Das funktionierte, in der 12. Minute fiel das 1:0 durch Sheraldo Becker, der einen mustergültigen Pass von Taiwo Awoniyi serviert bekam und in der 28. Minute avancierte Vorlagengeber Awoniyi selbst zum Torschützen. Der Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen. Bei der Vorarbeit durch Sheraldo Becker ging es nicht regelgerecht zu. Es war letztlich egal, die harmlosen Bremer hätten das Spiel dann eben nur mit 0:1 verloren.

In dieser Verfassung müssen sie sich an der Weser ernsthaft Sorgen machen. Beim 1. FC Union reifen dagegen weitere Blütenträume. Sage und schreibe 24 Punkte stehen nach 14 Spielen bereits auf der Habenseite. Trotz Personalproblemen und reduziertem Heimvorteil ziehen sie weiter ihre Kreise. Es ist kein Hochglanz-Fußball, bei den Eisernen holen sie aus den vorhandenen Möglichkeiten das Optimum heraus. Der Star ist die Mannschaft!

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Fußball-Bundesliga 14. Spieltag

SV Werder Bremen – 1. FC Union Berlin 0:2 (0:2)

SV Werder Bremen: Pavlenka – Toprak (83. Veljkovic), Groß, Friedl – Gebre Selassie, Osako (46. Mbom), Eggestein, Bittencourt (46. Selke), Augustinson (76. Füllkrug) – Schmid (76. Chong), Sargent 

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Hübner – Trimmel, Prömel (76. Griesbeck), Andrich, Ingvartsen, Lenz – Becker (88. Teuchert), Awoniyi (83. Ryerson) 

Schiedsrichter: Tobias Stieler, Sascha Thielert, Marcel Unger, Patrick Ittrich 

Tore: 0:1 Becker (12.), 0:2 Awoniyi (28.)

Union mit Kantersieg und Hertha kriegt wenigstens Punkte auf das Konto

Es ist momentan verkehrte Welt im Berliner Profi-Fußball nach sieben Spieltagen steht der 1. FC Union in der Tabelle auf einem Platz, wo man eigentlich die Konkurrenz aus Charlottenburg erwartet hätte. Die Bestandsaufnahme kann sich für die Mannschaft aus Köpenick sehen lassen. Es stehen drei Siege und drei Unentschieden in der Bilanz, lediglich zum Saisonauftakt mussten sie eine Heimniederlage gegen den FC Augsburg hinnehmen. Das war am 19. September und seitdem sind sie ungeschlagen. Skeptiker können jetzt einwenden, dass mit Ausnahme von Borussia Mönchengladbach kein Schwergewicht der Liga dabei war.

Da ist was dran, trotzdem ist im Vergleich zur Vorsaison eine Weiterentwicklung erkennbar. Waren sie in der Schlussphase der Aufstiegssaison leicht ausrechenbar, so konnte durch gute Kaderplanung der taktische und spielerische Instrumentenkasten erweitert werden. Der Kantersieg gegen die Arminia aus Bielefeld kann da als ein Höhepunkt dieser Entwicklung gelten. Aus Sicht der Eisernen kann von einem fast perfekten Spiel gesprochen werden. So in etwa äußerte sich auch der Kapitän der Eisernen Christopher Trimmel. Das Geisterspiel war sehr früh entschieden. Zur Pause führten die Gastgeber mit 3:0 und in der zweiten Halbzeit hatten die Bielefelder nicht wirklich was vor. Eher im Gegenteil, obwohl die Unioner merklich einen Gang runter schalteten kamen sie zu zwei weiteren Torerfolgen. Der 5:0 Sieg war der bisher höchste Sieg in der Bundesliga.

Auf der Gästebank saß der langjährige Union Trainer Uwe Neuhaus und konnte nach dem Spiel nur konstatieren: „Ein Spiel kann man immer verlieren, aber nicht so.“ Das war in allen Belangen zu wenig was die Arminia in der Wuhlheide ablieferte. So konnten bei den Eisernen vor allem zwei Spieler glänzen. Es waren Sheraldo Becker und Max Kruse. Wenn der Paradiesvogel Kruse weiter solche Leistungen auf dem Platz abliefert, seien ihm seine gelegentlichen Eskapaden in der trotz Lockdown vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten in der Hauptstadt verziehen.

Eitel Sonnenschein bei den Eisernen und bei der „Alten Dame“ sieht es auch wieder etwas freundlicher aus. Es kamen wenigstens Punkte auf das Konto und das versprochene Geld soll ja im Laufe des Geschäftsjahres noch folgen. Für den gemeinen Fan der Hertha sind die Geschäfte von Investor Lars Windhorst so nebulös wie die Sichtverhältnisse in der WKK-Arena während des Auftritts der Hertha. Nach pomadiger erster Halbzeit, immerhin konnte Hertha eine 1:0 Führung mit in die Kabine nehmen, gelangen in der zweiten Halbzeit zwei weitere Treffer. Mit dem 3:0 Sieg wurde endlich der zweite Saisonsieg eingefahren und die unheilvolle Serie von fünf sieglosen Spielen durchbrochen.

Beide Berliner Clubs gehen mit einem Sieg in die Länderspielpause und können die Vorbereitung für die kommenden Aufgaben etwas ruhiger angehen. Am 21. November geht es weiter. Im Samstagabend-Spiel empfangt Hertha die Borussia aus Dortmund und einen Tag später beschließt der 1. FC Union mit seinem Auswärtsauftritt in Köln den 8. Spieltag.

Hertha verliert und Werner Gegenbauer bleibt Präsident

Hertha BSC hat die Auswärtspartie nach anständiger Leistung mit 1:2 verloren. Über eine Stunde mussten sie mit einem Spieler weniger auskommen. Deyovaisio Zeefuik sah die gelb-rote Karte, nach einem Schubser an seinem Gegenspieler. Die Aktion hätte nicht jeder Schiedsrichter als gelbwürdig eingschätzt. Tobias Stieler hat es aber so entschieden. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1 und Hertha zeigte anschließend, dass sie durchaus auch etwas vom Abwehrspiel verstehen. Wie in München glitt ihnen der mögliche Punkt aus den Händen. Wieder war es ein Foulelfmeter, den Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer in der 77. Minute erfolgreich verwandelte.

Die Ergebnisse stimmen nicht. Der nächste Gegner im Olympiastadion – sofern Corona will – ist der VfL Wolfsburg.

Seit 2008 Hertha Präsident – Werner Gegenbauer
Fotos © herthabsc/city-press

Für die Hertha-Mitglieder war einen Tag später alle Aufmerksamkeit auf die Wahl des neuen Präsidiums gerichtet. Auf der Ost-Tribüne des Olympiastadions hatten sich 1.079 Mitglieder eingefunden. Die Wahl brachte keine Überraschung. Der amtierende Werner Gegenbauer, wurde ohne Gegenkandidat für weitere 4 Jahre im Amt bestätigt. Auf ihn entfielen 542 Stimmen, 421 stimmten dagegen und 49 enthielten sich. Vize-Präsident bleibt Thorsten Manske, er bekam 566 Stimmen, etwas mehr als Gegenbauer, trotzdem kein als zu großer Vertrauensbeweis der Hertha-Familie.

Die anderen Mitglieder des Präsidiums sind laut Pressemitteilung: „Im ersten Wahlgang wurden direkt gewählt: Fabian Drescher (797 Stimmen), Anne Jüngermann (781), Peer Mock-Stümer (788), Ingmar Pering (497) und Norbert Sauer (479). Alle Gewählten haben die Wahl angenommen.

Auf die anderen Kandidaten entfielen die folgenden Stimmen: Detlef Dahmes (329 Stimmen), Nils Korte (180), Michael Ottow (468), Klaus Teichert (421), Christian Wolter (360) und Marco Wurzbacher (469). Alle 6 Kandidaten*innen sind zum zweiten Wahlgang angetreten.

Das Ergebnis sah wie folgt aus: Auf Michael Ottow entfielen 411 Stimmen, auf Detelf Dahmes (185 Stimmen), Nils Korte (47 Stimmen), Klaus Teichert (275), Christian Wolter (354) und Marco Wurzbacher (317). Damit ist Michael Ottow erneut in das Präsidium gewählt worden.“

Quelle: Hertha BSC

Magere Ausbeute für den Berliner Profifußball

Über die Leistung der der Alten Dame im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Stuttgart müssen nicht viele Worte verloren werden. Es war einfach zu wenig. Der Haussegen dürfte jetzt schief hängen. Hertha ist noch keine Mannschaft, die bekanntlich mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal wäre Stuttgart eigentlich ein machbarer Gegner gewesen. Der Saisonstart ist in die Hose gegangen. Bruno Labbadia räumte ein, dass die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison weiter war. Wurde der Umbruch zu heftig betrieben, angesichts des Geldsegens ? Eine eingespielte Mannschaft sieht anders aus. Der nächste Gegner ist das Spitzenteam von RB Leipzig, da sollten sich die Hertha-Profis an die Leistung am 3. Spieltag bei den Bayern erinnern.

Probleme mit dem eingespielt sein hat das andere Berliner Profi-Team weniger. Fehlende individuelle Klasse wird mit mannschaftlicher Geschlossenheit wett gemacht. Beim Auswärtsspiel auf Schalke gelang das erneut ganz gut. Es hätten sogar beim königsblauen Krisenclub drei Punkte herausspringen können. Schlussendlich, um hier eines der Lieblingsworte von Urs Fischer zu verwenden, wurden schiedlich-friedlich die Punkte geteilt. Marvin Friedrich, Unions Innenverteidiger mit Schalker Vergangenheit sorgte in der 55. Minute für den Führungstreffer. Ein von Christopher Trimmel getretener Eckball wurde zu kurz abgewehrt und vom Kapitän selbst nochmals scharf gemacht. In der 69. Minute egalisierte Goncalo Paciencia den Spielstand. Indirekt beteiligt an dem Treffer war der Ex-Unioner Steven Skrzybski, der Andreas Luthe fast mit einem Schuss aus spitzem Winkel überwunden hätte. Daraus folgte ein Eckball, den Paciencia per Kopf auf den kurzen Pfosten, am verduzten Luthe vorbei, zum Ausgleich beförderte. Beim Eckball steht immer einer am kurzen Pfosten, hieß es früher einmal, das ist wohl aus der Mode gekommen. So war der mögliche Auswärtssieg dahin. Union empfängt am 5. Spieltag den SC Freiburg in der Alten Försterei. In der Tabelle rangieren sie bis dahin vor den Herthanern.

Hans-Peter Becker

Galavorstellung des 1. FC Union

Für den 1. FC Union war es das 37. Spiel ihrer Erstligazugehörigkeit, der Gegner aus Mainz hat da schon mehr auf dem Buckel. Die Mainzer nehmen ihre 15. Bundesligasaison in Angriff, das Spiel am Freitagabend war ihr 479zigtes Kräftemessen in der Beletage des deutschen Fußballs. Während für die Eisernen das Spiel einen Ehrenplatz in der Vereinschronik bekommen dürfte, werden es die Mainzer schnell vergessen wollen. Mit einem 4:0 feierten die Eisernen ihren bisher höchsten Sieg und machten die erschreckend schwachen Gäste zum Opfer einer Galavorstellung.

Die Mainzer kamen mit einem neuen Cheftrainer und viel Verunsicherung nach Berlin. Die Hausherren der Alten Försterei wussten das zu nutzen. Konzentriert und gallig starteten sie in die Partie. In der 13. Minute stieg der Torjubel in den Köpenicker Abendhimmel. Max Kruse eröffnete den Torreigen mit einem Kopfballtreffer nach einer Flanke von Sheraldo Becker. In der 27. Minute hätte Kruse sogar auf 2:0 erhöhen können. Diesmal verwertete er eine Becker-Flanke mit dem Fuß. Der Ball ging über das Tor.

Die Gäste verbuchten erst in der 38. Minute ihren ersten Torschuss. Es war ein Kopfball von Mateta , der den Kasten verfehlte. Sie spielten insgesamt viel zu unsauber und bekamen nie Tempo in ihre Aktionen, so dass die Abwehr der Eisernen meist leichtes Spiel hatte. In der zweiten Halbzeit fielen die Tore wie reife Früchte. Es gab nicht eine Phase im Spiel, wo der Beobachter den Eindruck hatte, hier könnte für die Mainzer etwas gehen. Immerhin brachten sie für die B-Note vier Torschüsse nach der Halbzeitpause zustande. Allerdings musste Union-Keeper Andreas Luthe dabei nicht ein einziges Mal Kopf und Kragen riskieren. Mit insgesamt 35 Ballkontakten verbrachte er einen sehr ruhigen Arbeitstag. Während des Spiels hätte er ruhig zwischendurch mal einen Kaffee trinken gehen können. Es wäre nichts passiert. Sein Konkurrent Loris Karius (96 Bundesliga- und Pokalspiele für Mainz 05) saß auf der Bank und wird sich so seine Gedanken über seinen Ex-Verein gemacht haben.

Neben Max Kruse kamen auch Joel Pohjanpalo und Ketia Endo zu ihren ersten Pflichtspieleinsätzen im Union-Trikot. Pohjampalo kam in der 64. Minute für Max Kruse und brauchte nur 37 Sekunden für sein erstes Tor in der neuen Umgebung. Mit dem 4:0 setzte er den Schlusspunkt.

Während die Eisernen völlig verdient punkteten, sind die Sorgenfalten in der Mainzer Isaac-Fulda-Allee, 55 noch tiefer geworden. Das, was die Mannschaft der 05er in Berlin anbot ist nicht konkurrenzfähig und abstiegswürdig. Mit Blick auf die kommenden Gegner, Mainz auswärts in Leverkusen und anschließend zu Hause Gladbach, könnte sich die Krise weiter verstärken.

In der Bundesliga pausiert. Der nächste Spieltag steht erst vom 16. bis 18. Oktober. Am kommenden Donnerstag, dem 08.10.2020 bestreitet der 1. FC Union Berlin im Stadion An der Alten Försterei ein Testspiel gegen Hannover 96, der Anpfiff erfolgt um 17:00 Uhr.

Bei den Eisernen ist das Selbstvertrauen gestiegen. Zum nächsten Spiel müssen sie nach Gelsenkirchen reisen. Dort wartet am 18.10.2020 mit Schalke 04 der nächste Krisenclub. Mit vier Punkten nach drei Spielen ist der selbe Kontostand wie in der Aufstiegssaison erreicht.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (68. Ryerson), Friedrich, Knoche, Schlotterbeck, Lenz – Andrich (81. Griesbeck), Prömel – Becker (63. Bülter), Kruse (63. Pohjanpalo), Ingvartsen (81. Endo)

FSV Mainz 05: Zentner – Mwene (71. Aarón), St. Juste, Hack, Brosinski – Kunde (60. Nebel), Latza – Onisiwo, Boetius, Quaison (71. Kilian) – Mateta (60. Burkardt)

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Mike Pickel, Frederick Assmuth, Thorben Siewer
VR: Harm Osmers
Tore: 1:0 Kruse (13.), 2:0 Ingvartsen (49.), 3:0 Friedrich (63.), 4:0 Pohjanpalo (64.)