Hertha BSC von Bielefeld niedergekämpft

Den Siegeswillen und Optimismus von Trainer Bruno Labbadia brachten die Spieler nicht auf den Rasen. Experten titulieren das in Fachpublikationen als „harmlose und blutleere Hertha“. Nach einem guten Spiel folgt also bei den Herthanern ein schwaches. Den Siegeswillen, die Leidenschaft und den körperlichen Einsatz präsentierten die Akteure von Uwe Neuhaus; sie kämpften die Berliner auf der Bielefelder Alm im wahrsten Sinne des Wortes nieder. Das widerspricht jedem finanziellen Vergleich. Natürlich gibt es Stimmen, dem 1:0 ginge doch ein klares Foul voraus. Ja es gab einen körperlichen Einsatz des Torschützen Yabo gegen Pekarik. Bei dem Rempler ging Pekarik zu theatralisch zu Boden. Die Berliner verlangten die Aberkennung des Treffers, doch der Kampf um den Ball wurde nicht als freistoßreif bewertet. Das Tor (64.) zählte. Was folgte war aus Berliner Sicht insgesamt total enttäuschend und widersprüchlich zum 3:0 am Wochenende davor.

Das Spiel war auch, was Angriffsfußball anbelangt, ansehnlich. Von hinten heraus folgte schnelles, konzentriertes Offensivspiel, von Mittelfeldspielern immer wieder angetrieben. Das diesmal Cunha in Bielefeld fehlte, darf doch nicht als Entschuldigung gelten. Freunde, habt ihr Union einmal darüber klagen hören, dass viele namhafte Spieler verletzt fehlen? Experten lobten besonders Darida. Von ihm war in Bielefeld recht wenig zu sehen. Gegen Schalke war er einer der Besten. Ich war besonders von Guendouzi angetan. Seine Spiellaune übertrug sich auf meine Stimmung. Er war ständig unterwegs und forderte immer wieder den Ball. Positiv, er wurde auch immer angespielt. Keine Ballverluste bei ihm, seine Pässe kamen an. Ich war bereit ihn in der Überschrift besonders hervorzuheben und offen zu bekunden, „ich habe mich in Guendouzi  verliebt“. Wohlwissend, dass unseren Lesern bekannt ist, dass ich damit seine Spielweise meinte. Prompt stellte sich der souveräne 3:0-Sieg ein.

Ich sagte mir, hoffentlich war das keine Eintagsfliege, mal sehen, wie sich das im nächsten Spiel in Bielefeld fortentwickelt. Zum Glück hab ich mit dem Lob gewartet, schlief in der 1. Halbzeit ein und sah dann auch nur eine typische alte Dame. Von wegen Geschlossenheit, von wegen Mannschaft, von wegen Ineinandergreifen, Enttäuschung pur. Da schau ich mir lieber künftig mehr Union-Spiele an. Da geht es Spiel für Spiel zur Sache. Das Samstag-Spiel gegen Wolfsburg hab ich selbstverständlich auch gesehen und den 2:0-Sieg in Bremen ebenfalls. Wolfsburg wollte in Folge der 0:2-Niederlage gegen Dortmund in der alten Försterei einiges ausbügeln.

Union geriet diesmal ungewohnt früh in Rückstand, 0:1 Steffen, schaffte aber bereits sechs Minuten später das 1:1 (16.) durch Becker. Union drehte das Match, direkter Freistoß durch Andrich. Per Handelfmeter, Weghorst, kam es zur Punkteteilung 2:2, weil zuvor das 3:1 nicht gegeben wurde, angebliche Torwartbehinderung. Ich schaute mir die Szene immer und immer wieder an und kam zu dem Entschluss: Auslegungssache. Der Torwart ist laut Regel im 5 m-Raum, in der Luft geschützt und darf im Sprung nicht angegangen werden. Das versteht jeder. Aber, hier soll es eine Behinderung durch den vor dem Torwart platzierten Angreifer gegeben haben, nur, der bewegte sich gar nicht. Einziger Fehler, er hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ging auch keinen Schritt zurück. Zu dem Kontakt am Boden stehenden kam es allein durch den Torwart, der kam so nicht an den Ball und umklammerte und schubste sogar den Angreifer. Weshalb dieser Treffer zurückgenommen wurde, die Entscheidungsträger sollten sich die Szene im stillen Kämmerlein zwecks Lerneffekt zur Genüge anschauen. Union nahm die Entscheidung sportlich hin.

Christian Zschiedrich  

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Christian Zschiedrich

Er kann von sich mit Fug und Recht behaupten, immer ein Leben für und durch den Sport geführt zu haben. Er spielte Fußball, nicht mal untalentiert, brachte es dabei zu einigen Ehren, studierte Sport in Leipzig, arbeitete als Sportlehrer und trainierte Fußballmannschaften. Zwischendurch erwarb er beim DFB seine Trainerlizenz. Nach und nach entdeckte er dabei sein Herz für den Sportjournalismus, schrieb Artikel für verschiedene Zeitungen und hob in Berlin eine eigene Sportsendung im Lokal-TV aus der Taufe. Über 2.000 Sendungen wurden unter seiner Leitung produziert. An`s Aufhören verschwendet er keinen Gedanken, schließlich bietet das Internet viele neue Möglichkeiten.

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