Erster Test der Eisernen bei Viktoria

Der Jahnsportpark bleibt weiter die Heimspielstätte des FC Viktoria. Das erste Testspiel als Regionalligist lockte 2.342 Zuschauer in den Stadtbezirk Prenzlauer Berg. In den Hochsommermonaten gehört das Stadion dem American-Football und so standen hinter den Fußballtoren das gelbe Gestänge für die Field-Goals. Auf dem gutgepflegten Rasen waren die Yard-Markierungen noch zu erkennen.

In den 90 Minuten am 29. Juni 2022 überwog der Testcharakter. Beide Teams sind seit dem 20. Juni wieder im Training. Zu Beginn einer Saisonvorbereitung wird Kondition gebolzt. In den ersten Testspielen werden taktische Varianten ausprobiert.

Für den 1. FC Union war es das erste Testspiel, während die Himmelblauen bereits einen Test gegen Zweitligaaufsteiger und ehemaligen Ligakonkurrenten 1. FC Magdeburg (eine 1:2 Niederlage) bestritten.

Viktoria verlor auch den zweiten Test gegen einen höherklassigen Gegner. Am Ende hieß 3:1 für die Gäste aus Köpenick. Zwei Treffer per Kopf durch Sven Michel (1. und 35. Minute) sowie das Tor von Andreas Voglsammer (59. Minute) kamen für den Bundesligisten in die Wertung. Viktorias Nachwuchsspieler Ünal Durmushan traf in der 81. Minute nach einem sehenswerten Spielzug für Viktoria.

Den Eisernen gelang spielerisch sehr wenig, die beiden Michel-Tore fielen nach ruhenden Bällen, heraus kombiniert war lediglich der Treffer von Voglsammer. Interessant war für die Beobachter, dass Urs Fischer die Eisernen in beiden Halbzeit, bei unterschiedlichem Personal, in der Abwehr mit einer 4er-Abwehrkette spielen ließ. Auffällig war in der 1. Halbzeit das Agieren des neuen niederländischen Innenverteidigers Danilho Raimundo Doekhi, allein mit seinen 1,90 m Körpergröße eine beeindruckende Erscheinung auf dem Platz.

Die Mannschaft von Viktoria hat ein neues Gesicht und mit Semit Keskin einen neuen Trainer. Zur Halbzeit wurde kräftig gewechselt. Auf beiden Seiten gab es keinen Akteur, der 90 Minuten durchspielen musste. Die sportliche Leitung der Himmelblauen hat die Mannschaft stark verjüngt. Neuer Kapitän ist Innenverteidiger Jakob Lewald, mit 24 Jahren bereits ein Routinier in der Youngster-Truppe. Eine Achillesferse könnte die Besetzung der Torwartposition sein. Hier setzen sie auf drei Nachwuchsleute. Neben Maximilian Kinzig und Marten Schulz, beide erst 18 Jahre alt, wurde mit Marcel Köstenbauer von Austria Klagenfurt zwar per Leihgeschäft ein weitere Keeper verpflichtet, über Erfahrungen im Männerbereich verfügt er allerdings auch nicht. Auf den neuen Torwart-Trainer, Daniel Haas hat Marco Senja abgelöst, kommt eine ganze Menge Arbeit zu.

Hans-Peter Becker

Trainer-Stimmen:

Semih Keskin (Viktoria) sagte nach dem Testspiel: „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit dem Auftreten der Jungs. Ein früher Rückstand ist immer ärgerlich, man läuft von Beginn an hinterher. Allerdings haben sie den Treffer gut weggesteckt und konzentriert an dem gearbeitet, was wir uns vorgenommen haben. Für uns gilt es nun, die Fehler zu analysieren und weiter hart zu arbeiten. Wir schauen von Spiel zu Spiel und achten dabei nicht auf nur das Team als Ganzes, sondern auch auf die Entwicklung jedes einzelnen.“

Union-Trainer Fischer sah die erste Partie seiner Mannschaft in der Vorbereitung positiv: „Die Jungs haben heute eine harte Trainingseinheit gehabt und dafür muss ich sagen, dass ich mit dem Spiel sehr zufrieden bin. Sie waren aktiv und haben trotz der Belastung vom Vormittag versucht zu agieren, das hat mir wirklich gut gefallen.“

29.06.2022 18:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

Testspiel FC Viktoria 1889 Berlin – 1. FC Union Berlin 1:3 (0:2)

1. FC Union Berlin: Busk (46., Stein) – Maciejewski (46. Jaeckel), Doekhi (46., Knoche), Heintz (46. Van Drongelen), Gießelmann (46., Dehl) – Möhwald (46. Öztunali), Kemlein (53., Seguin), Michel (46., Pantovic) – Becker (46., Skarke) , Sanogo (46., Behrens), Endo (46. Voglsammer)

FC Viktoria 1889 Berlin: Kinzig (65., Schulz) – Maric (46., Cvjetinovic), M. Cvjetinovic, Lewald (65., Anders), Touglo (65., Durmushan), Sucsuz (55., Michael) – Günay), Inaler ( 65., Frimpong), Theisen (55., Mattmüller) – Yilmaz (55., Emghames), Küc (55., Skakun)

Berliner Profifußball im Überblick

Das Saison ist fast zu Ende und Positives gibt es nur vom 1. FC Union zu berichten. Der SC Freiburg hatte vor seinem Heimspiel gegen die Eisernen intakte Chancen, an der geldgetränkten Champions – League teilnehmen zu dürfen. Eine Antrittsprämie von über 15 Millionen Euro hätte gewunken. So sorgte Union dafür, dass die Rasenballer aus Leipzig an den tapferen Breisgauern vorbeiziehen konnten und sich den zu erwartenden Geldsegen am letzten Spieltag wohl nicht mehr nehmen lassen. In der verkleinerten Europa League 3,6 Millionen Euro sowie in der neu geschaffenen Europa Conference League 2,94 Millionen sind die Startgelder dagegen eher bescheiden. Insofern ist Urs Fischers Aussage zutreffend: Was machen wir da oben?

Der andere (noch) Erst-Bundesligist verlor vor über 70.000 Zuschauern verdient mit 1:2 und muss weiter um den Klassenerhalt zittern. Was war das denn? Brave Mainzer, gallig war nur ihr Trainer, wenn ihr nicht spielen wollt, dann machen wir halt ein bisschen was für die Zuschauer und so wurde das Ganze zu einem peinlichen Auftritt der „Alten Dame“. Der Treffer von Davie Selke zum vermeintlichen 2:2 wurde aberkannt, na ja, war aber bezeichnend für dieses Spiel. Sagt bloß nicht weiter, dass da Berufsfußballer auf dem Rasen standen. Geht für die Hertha die Saison jetzt nach 34. Spieltagen zu Ende oder kommt noch eine Relegation? Wer weiß das schon? Fragen über Fragen, die Bayern haben die Hertha auch nicht gerettet.

Der vorletzte Spieltag in der 3. Liga, brachte leider nicht die wünschenswerten Ergebnisse für Viktoria Berlin. Am letzten Spieltag haben sie es nicht mehr selbst in der Hand, für den Klassenerhalt zu sorgen. Der SC Verl muss gegen Duisburg verlieren und Viktoria muss gegen Meppen gewinnen. Es sieht nicht gut aus, die Niederlage beim Absteiger Würzburger Kickers, kann die berühmte eine zu viel gewesen sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Hans-Peter Becker

Hertha verschenkt vorzeitige Rettung, Viktoria mit spätem Sieg und Union?

Der Profifußball hatte zwar keine Niederlage zu vermelden, allerdings waren die Ergebnisse bis auf Viktoria nicht optimal. Die Himmelblauen holten am Freitagabend unter Flutlicht im Jahnsportpark drei ganz wichtige Punkte. Da war es egal, dass der 2:1 Erfolg über den 1. FC Saarbrücken erst in der Nachspielzeit perfekt gemacht wurde. Getroffen hatte der eingewechselte Hovi. Ja wenn man in der Woche zuvor in Würzburg (stehen inzwischen als Absteiger fest) nicht so eingebrochen wäre. Jetzt können die Viktorianer um Trainer Toku nur hoffen, dass der SC Verl am 37. Spieltag in der Roten Erde gegen Dortmund II Federn lässt. Beide trennt nur ein einziger Punkt, allerdings hat Verl noch 2 Spiele, während für die Berliner, bedingt durch den Rückzug von Türkücü München, nur ein Spiel zum Punkten bleibt. Am 14. Mai empfangen sie den SV Meppen, hoffentlich wird das nicht das vorläufig letzte Spiel in Liga 3. Der BFC Dynamo ist zwar fast Meister der Regionalliga Nordost, sie verpassten parallel am Freitag bei Union (gemeint ist Fürstenwalde) die vorzeitige Meisterschaft. Bei 6 Punkten Vorsprung und einer um 15 Tore besseren Bilanz sollte nichts Schlimmeres mehr passieren. Der Aufstieg in Liga 3 ist in diesem Jahr nur über die erfolgreiche Relegation mit dem Nordmeister möglich.

Den Freitagabend beschloss der Auftritt der Eisernen daheim gegen Absteiger Greuther Fürth. Es war gruselig, die erste Halbzeit war wohl die schlechteste in dieser Saison. Sie hätten sich nicht wundern dürfen, die Gäste waren klar besser, nur war das Spiel noch nicht entschieden. Ein Abwehrfehler ermöglichte den Eisernen den Ausgleich. Ein glücklicher Punkt für Union.

Einen Tag später, zur traditionellen Bundesligaspielzeit, Samstag, 15:30 Uhr, machte Hertha in Bielefeld ziemlich viel richtig, schoss nur ein Tor zu wenig. Statt des erlösenden 2:0, hätte die vorzeitige Rettung bedeutet, kam die Arminia zum Ausgleich und Hertha darf weiter zittern, hat aber nicht die allerschlechteste Ausgangsposition. Ein Sieg gegen Bayernbesieger Mainz und die Sache wäre geritzt. Vorsicht Hertha, der letzte Sieg ist bekanntlich immer der schwerste, allerdings, wenn sie es jetzt noch vergeigen…..

Hans-Peter Becker

Berliner Profifußball zwischen Hoffen und Bangen

Beginnen wir mit dem 1. FC Union, dem aktuellen Aushängeschild des hauptstädtischen Fußballs. Ihnen gelang jetzt endlich mal ein Sieg in Leipzig, bei den von den Fans der Eisernen überhaupt nicht geschätzten Rasenballern. Es wurde wieder am Anfang geschwiegen und am Schluss gejubelt. Es war ein Sieg des kleinen Mannes. Die Punkte könnten wertvoll werden, es winkt das international kleinere Geschäft in der zweiten oder dritten europäischen Spielklasse. Und mit ganz, ganz viel Glück sogar der Fleischtopf Champions-League. Die nächsten beiden Aufgaben heißen Absteiger Greuther Fürth zu Hause und SC Freiburg auswärts. So schön der Punktspielsieg in Leipzig auch war – Unioner geben niemals auf – umgekehrt wäre ihnen tausendmal lieber gewesen.

Im Abendspiel machten die Münchner Bayern ihren Meistertitel perfekt, es wurde Titel Nummer 10 in Folge. Solch eine Serie konnte bisher nur der BFC Dynamo vorweisen, von 1979 bis 1989 in der Oberliga der DDR. Solche eine Dominanz tut keiner Fußballliga gut, aber was sollen sie machen, die Bayern? Bleibt der restlichen Konkurrenz erneut nur übrig, als brav zu gratulieren. Der BFC könnte es in diesem Jahr schaffen, in den wenigstens halbwegs bezahlten Fußball zurückzukehren. Meister der Regionalliga Nordost sind sie fast, es steht allerdings noch eine Relegation mit dem Meister der Nordstaffel aus.

Am Sonntagabend holte Hertha BSC drei ganz wichtige Punkte gegen den Abstieg. Mit viel Mühe wurden die mit gefährdeten Stuttgarter, vor 55.000 Zuschauern, im Oly mit 2:0 bezwungen. Der Rest war egal, das Hoffen und Bangen geht weiter.

Genauso ergeht es dem Berliner Drittligisten aus Lichterfelde. Es klappte nicht mit einem Punktgewinn in Würzburg, bei den fast abgestiegenen Kickers. Im Gegenteil, die können wieder etwas Hoffnung schöpfen nach ihrem 3:0 Erfolg über die Himmelblauen. Nächster Gegner im Jahnsportpark ist der 1. FC Saarbrücken, der leider keine Schützenhilfe leistete und sein Heimspiel gegen den SC Verl mit 1:2 verlor. Was Verl konnte, sollte Viktoria versuchen zu wiederholen. Ein Sieg gegen die Blau-Schwarzen aus dem Ludwigspark wäre nicht schlecht. Saarbrücken ist jetzt seit fünf Spielen sieglos, macht es wieder, wie gegen Magdeburg.

Hans-Peter Becker

Union scheitert kurz vor dem Ziel

„Trotz überzeugender Leistung und eines ausgeglichenen Spiels – so sahen die Eisernen ihren Auftritt in Leipzig – musste sich der 1. FC Union Berlin im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RasenBallsport Leipzig durch einen Treffer in letzter Minute mit 1:2 geschlagen geben.“

Den spielentscheidenden Treffer erzielte in der zweiten Minute der Nachspielzeit, der in der 62. Minute eingewechselte Emil Forsberg per Kopf. Forsbergsche Kopfballtreffer sind eher selten, bei 1,77 m Körpergröße verständlich. Unions Innenverteidiger sind etwa 10 cm größer, trotzdem konnten sie den entscheidenden Treffer nicht verhindern.

Die Eisernen spielten am Limit und fast wäre ihr Matchplan aufgegangen. Ein frühes Tor und dann die Führung verteidigen oder maximal den Ausgleich hinnehmen. Anschließend dann in der Verlängerung oder beim Elfmeterschießen auf das Glück vertrauen, da waren sie nah dran, es fehlten nur Zentimeter.

Die Leipziger begannen sehr nervös, wollten ein frühes Gegentor verhindern. Das gelang nicht, Sheraldo Becker brauchte nach einem Diagonalpass von Christopher Trimmel nur den Fuß hin halten und es war passiert. Die Führung hielt bis zur 61. Minute, oft hatten sie vom Videobeweis profitiert, erinnert sei hier an das Relegationsrückspiel gegen Stuttgart (11. Spielminute nach dem vermeintlichen Tor von Dennis Aogo). Diesmal wendeten sich die Videobilder gegen die Eisernen. Es war ein klares Foul von Paul Jaeckel an Christopher Nkunku. Schiedsrichter Felix Brych hatte nicht gepfiffen, es meldete sich Video Assistant Referee und nach mehrfachem Sichten, konnte die Entscheidung nur Foulelfmeter für Leipzig lauten. Würde es den Videobeweis nicht geben, wer weiß, wer weiß.

Leipzig spielte mit zunehmender Spieldauer seine besseren individuellen Qualitäten aus und hatte eben das Glück in der Nachspielzeit.

Die mitgereisten Anhänger der Eisernen schwiegen in den ersten 15 Minuten, aus Protest gegen das Konstrukt RB Leipzig. Das war geschenkt, das ist eben Profifußball und ich weiß nicht, ob Derbys in der Regionalliga Nordost wirklich eine Alternative darstellen. Einmal Bundesliga, immer Bundesliga, das wollen die Anhänger von Union doch auch. Man muss andere nicht belehren, viele Wege führen schließlich nach Rom und Geschäft ist Geschäft.

Kompliment für diese Leistung und am kommenden Samstag, 23. April ist die Chance auf eine Revanche.

Hans-Peter Becker

Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern

Die Torfolge:

0:1 Haraguchi (31.)

1:1 Eigentor Baumgartl (49.)

1:2 Prömel  (53.)

1:3 Becker (74.)

1:4 Michel (85.)

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Der 1. FC Union erzielt im Derby fünf Tore. Auch ohne das Eigentor ist das der höchste Sieg in der Bundesliga von den Köpenickern – ausgerechnet gegen Hertha BSC. Fatal: die Alte Dame bleibt bei 26 Punkten und jetzt sind es nur noch fünf Partien in dieser Saison. Union hat jetzt 44 Punkte und spielt weiter ums internationale Geschäft mit. Einerseits finde ich das natürlich sehr gut, andererseits wäre mir zumindest, entgegen meiner Prognose, ein Unentschieden für eine bessere Situation für die Hertha lieber gewesen. Einen anderen Ausgang getippt zu haben, hätte ich verkraftet. Wäre es doch bloß anders gekommen.

Mir geht es wie den Union-Spielern. Hertha soll den Klassenerhalt schaffen! Berlin braucht so ein Fest vor ausverkauftem Haus. Den Unionern muss tatsächlich bescheinigt werden, genauso äußerte sich auch Felix Magath, Union war ganz deutlich die bessere Mannschaft. Ihr Sieg ist also hochverdient. Und hätte Herthas Keeper Lotka nicht so hervorragend gehalten, bei Halbzeit hätte es den Chancen nach durchaus 0:4 stehen können.

So muss das Urteil vor den letzten fünf Spielen einfach heißen: Erkennen wir die Übermacht an. Union war ja schon vor diesem Match der Stadtmeister mit zwei gewonnen Spielen, setzte sich gegen Hertha auch im Pokalderby als Sieger durch. Ich traue der Mannschaft um Trainer Urs Fischer zu, das Pokalfinale im Berliner Olympiastadion zu erreichen – zumindest das, wenn nicht sogar …

So hoffnungsvoll sieht es für Hertha nicht aus. Die Schlappe 1:4 nagt bestimmt am Selbstvertrauen. Die sich offenbarenden Defizite sind schon peinlich. Wie energisch Union unmittelbar nach dem unglücklichen Eigentor den Gleichstand ausbügelte und innerhalb von vier Minuten erkennen ließ: „Wir wollen gewinnen“, das war schon imponierend zu zeigen, wer Herr im fremden Hause ist. Nämlich die Nummer 1 in Berlin!

Wenn Hertha in den nächsten drei Spielen nicht die Wende schafft, wird die Mitgliederversammlung im Mai, oh Gott, ein Fiasko. Die Spieler wurden nach dem 1:4 von den eigenen Fans aufgefordert, die Trikots auszuziehen, sie wären nicht würdig für Hertha zu spielen. Nicht alle, aber einige kamen der Aufforderung nach.

Beim Freudenfest des 1. FC Union im Olympiastadion kam mir plötzlich in den Sinn, dass die Eisernen auch einmal eine andere Zeit erlebten und ich bestrebt war, zu helfen. Der Sargdeckel war so gut wie drauf. Seitens der Hertha war mir dann die Pressekonferenz wieder deutlich vor Augen und Ohren, als einst Otto Rehhagel vorgestellt wurde. Ein mir bekannter Journalist vom Weltexpress wurde des Saales verwiesen. Dummerweise mochte er wahrscheinlich keine „alten Trainer“ und stellte, selbst nach meinem heutigen Empfinden eine „unmögliche“ Frage. Das war bei Hertha natürlich nicht angebracht.

Christian Zschiedrich 

Berliner Profifußball blieb sieglos

Gehen wir chronologisch vor. Das zurückliegende Fußballwochenende eröffnete Drittligist Viktoria am Freitagabend, 11. März, unter Flutlicht im Jahnsportpark mit dem Spiel gegen die 60er aus München. Vor der stattlichen Kulisse von 3.398 Zuschauern erwischten die Gäste den besseren Start und gingen bereits nach knapp drei Minuten in Führung. Es war ja die Heimspielpremiere für Farat Toku, den neuen Cheftrainer der Viktoria. Die Spielerbank wurde gewechselt und an der taktischen Ausrichtung gefeilt. Leider hatte das sehr frühe Gegentor den Matchplan schnell zu Makulatur werden lassen. Die Gäste schnuppern noch am möglichen Aufstieg. Sie nahmen verdient alle drei Punkte mit nach München. Viktorias Chancen auf den Klassenerhalt sind weiter intakt. Allerdings müssen dafür Siege her. Die nächste Gelegenheit bietet sich dafür bereits am Mittwoch, 16. März, wieder im Jahnsportpark, zu Gast ist der FSV Zwickau und sie sind ebenso abstiegsgefährdet.

Einen Tag später empfing in der Bundesliga der 1. FC Union den VfB Stuttgart und musste spät, erst in der Schlussminute den Ausgleich hinnehmen. „16.509 Teilnehmer im Stadion An der Alten Försterei“ vermeldete die offizielle Presseaussendung der Eisernen. Eine Hilfe für den Lokalrivalen aus Charlottenburg war es nicht, den im Abendspiel blieb Hertha in Gladbach ohne Punkte. Es kam wie es kommen musste, die Gesetze der Branche schlugen zu. Nach dem Schlusspfiff auf dem Bökelberg wusste Tayfun Korkut, dass er sich einen neuen Verein suchen muss.

Während diese Zeilen geschrieben werden, stellt sich sein Nachfolger in einer Pressekonferenz vor. Otto Rehhagel ist jetzt wirklich zu alt und findet in Felix Magath hoffentlich nicht seinen Nachfolger. Er konnte damals den Abstieg, trotz Gerichtsprozess, nicht verhindern. „

Wie kam Bobic eigentlich auf Magath, den wenige auf dem Zettel hatten? „Mit diesem Gedanken habe ich schon länger gespielt. Das ist auch die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Arbeitgeber, dass ich mir immer Gedanken machen muss, was könnte sein, wenn …“ Bobic müsse auch nicht „den typischen Reflexen folgen“, sondern auch der Intuition und seiner Erfahrung.“

Hertha ist ja noch nicht abgestiegen, trotzdem, wer ist in dieser Situation bereit das Amt zu übernehmen? Doch nur ein Trainer, der alles für sich schon erreicht hat, nicht mehr an seine berufliche Zukunft denken muss. Selbst wenn es nicht gelingen sollte, Hertha absteigen muss, Felix Magath bleibt Felix Magath. Da kann man nur gutes Gelingen wünschen. Es ist auch eine Maßnahme von Fredi Bobic , die passen muss, sonst ist sein Projekt gescheitert.

Hans-Peter Becker

Magere Ausbeute für Berliner Profifußballer

In der Bundesliga reichte es nur zu einem Punkt und den holte Hertha BSC am Freitagabend mit einem 1:1 im Spiel gegen Aufsteiger Bochum. Kopfschütteln war angesagt bei denen, die mit den blauweißen halten. Es war, wie so oft in dieser Saison, eigentlich ganz gut begonnen und dann stark nachgelassen. Unerklärlich, warum agierte Hertha nach dem unglücklichen Gegentreffer durch Bochums Sebastian Polter immer nervöser. Mit dem Punkt, immerhin wurde nicht verloren, können die Gäste besser leben als der Club aus der Hauptstadt. Verlorenen Punkte sind der Rückrunde nicht mehr aufzuholen, Hertha steckt im unteren Tabellendrittel fest und gerät mehr und mehr unter den Zugzwang des „Gewinnenmüssens“. Das nächste Spiel in Fürth beim Tabellenletzten ist für ein weiteres Unentschieden gänzlich ungeeignet. Mal sehen, was den Herthanern noch einfällt. Die Abwehr schien nicht mehr ganz so wacklig und an der Präzision im Spielaufbau muss weiter gefeilt werden.

Der 1. FC Union verliert in Augsburg und leidet am überraschenden Weggang von Max Kruse, der in Wolfsburg gleich demonstrierte, dass er der Unterschiedsspieler ist, der jetzt bei den Eisernen fehlt. „Wir haben eigentlich gut begonnen. Aber dann haben wir keine Ruhe ins Spiel bekommen und Augsburg eingeladen. Im zweiten Durchgang waren wir dann wieder im Spiel, aber wenn du kein Tor schießt, kannst du eben nicht gewinnen. Mit dem ersten Augsburger Schuss in der zweiten Hälfte fällt dann das 2:0 und dann war es natürlich sehr schwierig.” (Zitat Union-Trainer Urs Fischer) Dass eben kein Tor geschossen wurde, lag mit am fehlenden Vorbereiter. Schade, jetzt könnte die große Chance auf eine Teilnahme an der Champions-League und den damit verbundenen Geldsegen verspielt werden. Der nächste Gegner im Heimspiel heißt Borussia Dortmund. Sie werden mit gehöriger Wut im Bauch die Aufgabe in Alten Försterei in Angriff nehmen, um die Klatsche gegen Leverkusen vergessen zu machen.

Zwei Etagen tiefer versuchte Viktoria vergeblich drei Punkte aus Mannheim mitzunehmen. Zweimal wurde eine Führung verspielt und am Ende standen sie mit einem 2:3 gänzlich mit leeren Händen da. Am nächsten Spieltag kommt der SC Verl in den Jahnsportpark. Es wäre das erste Heimspiel im Jahr 2022, zwei wurden coronabedingt verpasst und müssen nachgeholt werden.

Hans-Peter Becker

Max Kruse wechselt zum VfL Wolfsburg

Dass schlussendlich beim 1. FC Union nicht anderes als Profifußball gespielt wird, offenbarte sich am 30. Januar 2022. Erst tauchten Gerüchte auf, die schnell zur Gewissheit wurden. Unions wohl einziger Ausnahmespieler verlässt nach 45 Pflichtspielen, 19 Toren und 12 Vorlagen den Verein. Das Geld lockte. Sogar Präsident Dirk Zingler äußerte sich und ließ sich mit folgenden Worten zitieren: „Wenn er sich nun jedoch ganz bewusst gegen die Chance entscheidet, mit Union in dieser Saison Geschichte zu schreiben, akzeptieren wir das“ Diesen sportlichen Verlust lässt sich Union mit 5 Millionen EUR entschädigen.

Ein Grund für den Wechsel ist wohl Florian Kohfeldt, beide hatte beim SV Werder bereits zusammengearbeitet. Sein Gehalt dürfte sich deutlich von dem abheben, was ihm in Köpenick gezahlt werden konnte. Ihn sportlich zu ersetzen dürfte fast ein Ding der Unmöglichkeit sein. Zumal das Transferfenster am 31. Januar um 18 Uhr bereits schließt. Es wird gemunkelt, dass Sven Michel aus Paderborn ein Wunschkandidat ist. Auf der Liste stand er ja schon einmal. Allerdings ist er ein anderer Spielertyp als Kruse. Er ist als Stürmer mehr der klassische Zentrumsspieler und weniger die hängende Spitze mit Spielübersicht.

Kruse selbst hatte am Vorabend der Verkündung seines Wechsels an einer albernen Fernsehshow teilgenommen und etwas Geld gewonnen. So ist er eben, ein Typ, eine schillernde Persönlichkeit, er hat es in Köpenick mit Leistung zurückgezahlt. Jetzt wird in Wolfsburg, vielleicht ein letztes Mal, abkassiert. Mal sehen, ob der Ertrag auch für den VfL Wolfsburg stimmt. Ehrlich gesagt, muss dort die Not groß sein.

Hans-Peter Becker

Berliner Profi-Fußball im Überblick

Etwas mehr als die Hälfte der Saison ist absolviert und so richtig zufrieden sein kann nur der Bundesligist aus dem Stadtteil Köpenick. „Alles bestens!“, kann man ihnen nur zurufen. Mal wieder das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten herausgeholt oder Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Der Sieg in Gladbach setzte dem Ganzen die Krone auf. Gladbach kämpfte glücklos und die Eisernen hatte das bessere Ende für sich. Jetzt stehen sie nach 20 Spieltagen auf einem Platz, der die Teilnahme an Champions League bedeuten würde. Eigentlich nicht zu fassen, da kann der Lokalrivale aus dem Westend nur kopfschüttelnd daneben stehen.

Hertha BSC ist eine einzige große Baustelle. In allen Mannschaftsteilen wirkten sie gegen die Bayern überfordert. Der Stadionsprecher begrüßt die Zuschauer nach wie vor mit „und hier kommt Berlins Nummer 1…“ und der Investor, wahrscheinlich nur er, denkt in ganz großen Dimensionen. Erstmal muss gründlich entkernt werden, dann mal schauen, wie tragfähig der Rohbau noch ist. Fredi Bobic ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Corona tat das übrige, zu Jahresbeginn mussten gleich 6 Profis gleichzeitig in Quarantäne. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet und Bobic räumt den Kader auf. Letzter Neuzugang ist Stuttgarts Ex-Kapitän, Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf. Er wird dringend benötigt, Hertha verfügt, nach Anzahl der Gegentore, über die zweitschlechteste Defensive. Es hakt allerdings in allen Mannschaftsteilen.

Die Bundesliga macht Pause, Union testet gegen Lodz und vermeldet mit Kevin Möhwald einen aktuellen Corona-Fall. Hertha hat bisher keinen Test geplant und trainiert fleißig für die kommenden Wochen der Wahrheit. Die nächsten Gegner heißen VfL Bochum und Greuther Fürth, worauf es da ankommt, muss wohl nicht weiter erörtert werden.

Nicht pausiert wird in Liga 3, es steht sogar eine englische Woche an. Viktoria hat am Dienstag, 25. Januar trotzdem nicht gespielt, der Grund, sie ahnen es, weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. In der Pressemitteilung liest sich das folgendermaßen:

Aufgrund von behördlich angeordneter Kontaktpersonen-Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt in Berlin wird das Drittliga-Spiel zwischen dem Halleschen FC und Viktoria Berlin auf Grundlage von §15 der Durchführungsbestimmungen zur DFB-Spielordnung abgesetzt.

Bei den Himmelblauen traten im Rahmen des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag drei weitere Corona-Fälle auf. Darüber hinaus befinden sich zwei weitere Personen aus dem Mannschaftsgefüge mit Grippesymptomen in häuslicher Isolation.

Der neue Spieltermin wird nach Rücksprache mit dem Halleschen FC und Viktoria Berlin schnellstmöglich bekannt gegeben.

Die Absage des Spiels erfolgte erst 3 Stunden vor dem Anpfiff. Mal sehen, wie es weitergeht, am Samstag, 29. Januar steht das Heimspiel gegen den FSV Zwickau an. Viktoria hat den Kader nachgebessert und muss aufpassen, jetzt nicht weiter nach unten durchgereicht zu werden. Die Neuzugänge bzw. Leihspieler könnten sofort weiterhelfen. Für den Klassenerhalt sollten es mindestens 42 Punkte oder mehr sein. Nach 21 von 38 Spielen kann der Aufsteiger und absolute Liganeuling auf 26 Punkte verweisen. So 6 bis 7 Siege und dazu das eine oder andere Unentschieden und die Sache wäre geritzt. Ein bisschen Sorge bereitet die geringe Zuschauerresonanz. Im Jahnsportpark ist der Verein weiter weg von seiner eigentlichen Heimat im Süden Berlins, andere Dinge konnten unter Dach und Fach gebracht werden. In Kaiserslautern liefen die Himmelblauen erstmals mit einem Trikotsponsor auf der Brust auf. Das Spiel im Fritz-Walter-Stadion war für Viktoria ernüchternd. Fehlende Vorbereitung und Fitness machten sich bemerkbar, die Niederlage war diesmal nicht zu verhindern. Das Hinspiel im Jahnsportpark hatten die Muzzicato-Schützlinge überraschend klar gewonnen.

Hans-Peter Becker