Magere Ausbeute für den Berliner Profifußball

Über die Leistung der der Alten Dame im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Stuttgart müssen nicht viele Worte verloren werden. Es war einfach zu wenig. Der Haussegen dürfte jetzt schief hängen. Hertha ist noch keine Mannschaft, die bekanntlich mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal wäre Stuttgart eigentlich ein machbarer Gegner gewesen. Der Saisonstart ist in die Hose gegangen. Bruno Labbadia räumte ein, dass die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison weiter war. Wurde der Umbruch zu heftig betrieben, angesichts des Geldsegens ? Eine eingespielte Mannschaft sieht anders aus. Der nächste Gegner ist das Spitzenteam von RB Leipzig, da sollten sich die Hertha-Profis an die Leistung am 3. Spieltag bei den Bayern erinnern.

Probleme mit dem eingespielt sein hat das andere Berliner Profi-Team weniger. Fehlende individuelle Klasse wird mit mannschaftlicher Geschlossenheit wett gemacht. Beim Auswärtsspiel auf Schalke gelang das erneut ganz gut. Es hätten sogar beim königsblauen Krisenclub drei Punkte herausspringen können. Schlussendlich, um hier eines der Lieblingsworte von Urs Fischer zu verwenden, wurden schiedlich-friedlich die Punkte geteilt. Marvin Friedrich, Unions Innenverteidiger mit Schalker Vergangenheit sorgte in der 55. Minute für den Führungstreffer. Ein von Christopher Trimmel getretener Eckball wurde zu kurz abgewehrt und vom Kapitän selbst nochmals scharf gemacht. In der 69. Minute egalisierte Goncalo Paciencia den Spielstand. Indirekt beteiligt an dem Treffer war der Ex-Unioner Steven Skrzybski, der Andreas Luthe fast mit einem Schuss aus spitzem Winkel überwunden hätte. Daraus folgte ein Eckball, den Paciencia per Kopf auf den kurzen Pfosten, am verduzten Luthe vorbei, zum Ausgleich beförderte. Beim Eckball steht immer einer am kurzen Pfosten, hieß es früher einmal, das ist wohl aus der Mode gekommen. So war der mögliche Auswärtssieg dahin. Union empfängt am 5. Spieltag den SC Freiburg in der Alten Försterei. In der Tabelle rangieren sie bis dahin vor den Herthanern.

Hans-Peter Becker

Galavorstellung des 1. FC Union

Für den 1. FC Union war es das 37. Spiel ihrer Erstligazugehörigkeit, der Gegner aus Mainz hat da schon mehr auf dem Buckel. Die Mainzer nehmen ihre 15. Bundesligasaison in Angriff, das Spiel am Freitagabend war ihr 479zigtes Kräftemessen in der Beletage des deutschen Fußballs. Während für die Eisernen das Spiel einen Ehrenplatz in der Vereinschronik bekommen dürfte, werden es die Mainzer schnell vergessen wollen. Mit einem 4:0 feierten die Eisernen ihren bisher höchsten Sieg und machten die erschreckend schwachen Gäste zum Opfer einer Galavorstellung.

Die Mainzer kamen mit einem neuen Cheftrainer und viel Verunsicherung nach Berlin. Die Hausherren der Alten Försterei wussten das zu nutzen. Konzentriert und gallig starteten sie in die Partie. In der 13. Minute stieg der Torjubel in den Köpenicker Abendhimmel. Max Kruse eröffnete den Torreigen mit einem Kopfballtreffer nach einer Flanke von Sheraldo Becker. In der 27. Minute hätte Kruse sogar auf 2:0 erhöhen können. Diesmal verwertete er eine Becker-Flanke mit dem Fuß. Der Ball ging über das Tor.

Die Gäste verbuchten erst in der 38. Minute ihren ersten Torschuss. Es war ein Kopfball von Mateta , der den Kasten verfehlte. Sie spielten insgesamt viel zu unsauber und bekamen nie Tempo in ihre Aktionen, so dass die Abwehr der Eisernen meist leichtes Spiel hatte. In der zweiten Halbzeit fielen die Tore wie reife Früchte. Es gab nicht eine Phase im Spiel, wo der Beobachter den Eindruck hatte, hier könnte für die Mainzer etwas gehen. Immerhin brachten sie für die B-Note vier Torschüsse nach der Halbzeitpause zustande. Allerdings musste Union-Keeper Andreas Luthe dabei nicht ein einziges Mal Kopf und Kragen riskieren. Mit insgesamt 35 Ballkontakten verbrachte er einen sehr ruhigen Arbeitstag. Während des Spiels hätte er ruhig zwischendurch mal einen Kaffee trinken gehen können. Es wäre nichts passiert. Sein Konkurrent Loris Karius (96 Bundesliga- und Pokalspiele für Mainz 05) saß auf der Bank und wird sich so seine Gedanken über seinen Ex-Verein gemacht haben.

Neben Max Kruse kamen auch Joel Pohjanpalo und Ketia Endo zu ihren ersten Pflichtspieleinsätzen im Union-Trikot. Pohjampalo kam in der 64. Minute für Max Kruse und brauchte nur 37 Sekunden für sein erstes Tor in der neuen Umgebung. Mit dem 4:0 setzte er den Schlusspunkt.

Während die Eisernen völlig verdient punkteten, sind die Sorgenfalten in der Mainzer Isaac-Fulda-Allee, 55 noch tiefer geworden. Das, was die Mannschaft der 05er in Berlin anbot ist nicht konkurrenzfähig und abstiegswürdig. Mit Blick auf die kommenden Gegner, Mainz auswärts in Leverkusen und anschließend zu Hause Gladbach, könnte sich die Krise weiter verstärken.

In der Bundesliga pausiert. Der nächste Spieltag steht erst vom 16. bis 18. Oktober. Am kommenden Donnerstag, dem 08.10.2020 bestreitet der 1. FC Union Berlin im Stadion An der Alten Försterei ein Testspiel gegen Hannover 96, der Anpfiff erfolgt um 17:00 Uhr.

Bei den Eisernen ist das Selbstvertrauen gestiegen. Zum nächsten Spiel müssen sie nach Gelsenkirchen reisen. Dort wartet am 18.10.2020 mit Schalke 04 der nächste Krisenclub. Mit vier Punkten nach drei Spielen ist der selbe Kontostand wie in der Aufstiegssaison erreicht.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (68. Ryerson), Friedrich, Knoche, Schlotterbeck, Lenz – Andrich (81. Griesbeck), Prömel – Becker (63. Bülter), Kruse (63. Pohjanpalo), Ingvartsen (81. Endo)

FSV Mainz 05: Zentner – Mwene (71. Aarón), St. Juste, Hack, Brosinski – Kunde (60. Nebel), Latza – Onisiwo, Boetius, Quaison (71. Kilian) – Mateta (60. Burkardt)

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Mike Pickel, Frederick Assmuth, Thorben Siewer
VR: Harm Osmers
Tore: 1:0 Kruse (13.), 2:0 Ingvartsen (49.), 3:0 Friedrich (63.), 4:0 Pohjanpalo (64.)

Niederlage zum Saisonauftakt

Die 71. Spielminute der Bundesligapartie des 1. FC Union gegen den FC Augsburg wird in den Annalen des Vereins aus Köpenick wenigstens einen kleinen Ehrenplatz bekommen. Es war der Moment, wo der bisher prominenteste Neuzugang Max Kruse erstmals im Wettkampf-Trikot seines neuen Vereins den Rasen in einem Pflichtspiel betrat.

Indirekt sorgte er für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Die Abwehr der Augsburger konzentrierte sich wohl zu sehr auf die Nummer 10 im Uniontrikot und achtete zu wenig auf Marius Bülter. In der 75. Minute bekamen die auserwählten 5.000 Zuschauer in der „Alten Försterei“ den einzigen ordentlich abgeschlossenen Angriff ihrer Mannschaft zu sehen. Eine flache Hereingabe von der linken Angriffsseite nutzte Marius „das Biest“ Bülter und setzte den Ball in die Maschen. Sein ehemaliger Mannschaftkamerade Rafal Gikiewicz, jetzt im Tor des FC Augsburg, hatte keine Chance. Es kam Hoffnung auf, eine bis dahin laue Vorstellung doch noch zu einem guten Abschluss zu bringen. Mit Verlaub, der FC Augsburg gehört nicht zu den Meisterschaftaspiranten, ein Verein der mit den Eisernen auf Augenhöhe spielt.

Nach dem Ausgleich zogen die Gäste kurz das Tempo und holten sich in der 82. Minute die Führung zurück. In der 89. Minute machten die Gäste den Deckel drauf. Mit einer 1:3 Niederlage starteten die Eisernen in die Saison. Sebastian Andersson wurde, wie beim Pokal in Karlsruhe, schmerzlich vermisst. Bei seinem neuen Verein, dem 1. FC Köln schoss er bei der 2:3 Niederlage gegen Hoffenheim ein Tor selbst und bereitete einen weiteren Treffer vor. Die Eisernen suchen nach einem Ersatz und sind wohl bereits fündig geworden. Mittelstürmer Taiwo Awoniyi vom FC Liverpool wird ausgeliehen.

Der 23-jährige Nigerianer wechselte 2015 von der Imperial Academy zu den Reds und sammelte in den vergangenen Jahren auf Leihbasis beim FSV Frankfurt, NEC Nijmengen (Niederlande), KAA Gent und Royal Mouscron (beides in Belgien) Erfahrung. In der vergangenen Spielzeit lief der Stoßstürmer für den FSV Mainz 05 auf. Das Trikot der Hessen trug der Mittelstürmer, der in Mainz Großteils auf anderen Positionen zum Einsatz kam, in 12 Pflichtspielen und erzielte im Duell gegen den 1. FC Köln sein erstes Bundesligator. Auch im Rückspiel gegen den 1. FC Union Berlin stand Awoniyi im Stadion An der Alten Försterei auf dem Rasen. Nach Ablauf der Leihvereinbarung bei den Rheinhessen kehrte Taiwo Awoniyi zunächst zurück zum FC Liverpool und stürmt ab sofort für den 1. FC Union Berlin.

Die Frage ist, ob damit das Thema Philipp Hofmann vom Tisch ist. Union würde den großgewachsenen Mittelstürmer (1,95m) gern verpflichteten. Nur liegen die Vorstellungen über die Höhe der fälligen Ablöse weitauseinander. Der Bedarf wäre da, das hat das Spiel gegen die Augsburger gezeigt. Beim Spiel des KSC in Hannover stand Hofmann nicht im Kader.

„Die erste Hälfte war sehr ausgeglichen, die Führung für Augsburg ist aus meiner Sicht aus dem Nichts gefallen. Der FCA war heute sehr effizient, auch weil wir bei den Gegentoren nicht konsequent genug waren. Da hat uns dreimal die letzte Entschlossenheit gefehlt. In der zweiten Hälfte hat man gesehen, dass wir versucht haben Druck aufzubauen, der Ausgleich war aus meiner Sicht verdient. Die Augsburger waren aber effektiver, deshalb war der Sieg letztendlich auch verdient“, so Unions Cheftrainer Urs Fischer nach dem Spiel.

Im Rahmen des zweiten Spieltags der Bundesliga trifft der 1. FC Union Berlin am kommenden Sonnabend, dem 26.09.2020 auswärts auf Borussia Mönchengladbach. Der Anpfiff im Borussia-Park erfolgt um 15:30 Uhr.

Hans-Peter Becker/Hannes Hahn 1. FC Union Presse

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel, Friedrich, Knoche, Lenz (86. Gießelmann) – Gentner (25. Griesbeck), Andrich, Prömel (71. Teuchert) – Becker (71. Kruse), Ingvartsen (86. Mees), Bülter (4-3-3)

FC Augsburg: Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – D. Caligiuri (86. Oxford), Khedira, Gruezo (86. Jensen), Vargas (76. Hahn) – Niederlechner (76. Finnbogason), Gregoritsch (89. Strobl) (4-4-2)

Schiedsrichter: Marco Fritz, Thomas Stein, Benedikt Kempkes, Markus Schmidt

Tore: 0:1 Vargas (41.), 1:1 Bülter (75.), 1:2 Gregoritsch (82.), 1:3 Hahn (89.)

Andersson verläßt die Eisernen

Nun also doch, spätestens nach Verpflichtung von Max Kruse war unter den journalistischen Beobachtern des 1. FC Union spekuliert worden, ob Sebastian Andersson weiter in Köpenick bleibt. Am 15. September wurde es offiziell bestätigt, der Stürmer wechselt zum Ligakonkurrenten 1. FC Köln. Die Domstädter reagierten damit auf den Weggang von Jhon Andrés Córdoba Copete, kurz Córdoba, der sich ausgerechnet dem Stadtrivalen Hertha BSC anschloss.

Rein finanziell betrachtet, ist das für die Eisernen ein richtig gutes Geschäft. Andersson wechselte 2018 ablösefrei vom damaligen Zweitligaabsteiger, 1. FC Kaiserlautern nach Berlin. Sein Marktwert wurde mit etwa 1,25 Mill. EUR taxiert. Nach 34 Pflichtspielen in 2. und 33 in der Bundesliga konnte er seinen Marktwert auf über 7 Mill. steigern. Erst im Februar 2020 hatten die Eisernen mit ihm verlängert. Eine sehr weise Entscheidung, sonst wäre er ablösefrei gewechselt. „Einen Spieler mit der Qualität von Sebastian abzugeben ist für uns als Verein nicht einfach. Er war ein elementarer Bestandteil unserer Mannschaft, den wir nun gemeinsam versuchen müssen zu ersetzen…Jetzt mussten wir akzeptieren, dass er großes Interesse bei anderen Vereinen geweckt hat und uns war zu jeder Zeit klar, dass es wirtschaftliche Rahmenbedingungen gibt, unter denen wir Spieler ziehen lassen müssen.“

Sebastian Andersson verläßt die Eisernen © Foto: Hans-Peter Becker

Trainer Urs Fischer muss sich jetzt Gedanken machen, wie Andersson zu ersetzen sein wird. Für die Spielweise der Eisernen in der Bundesliga war er wie geschaffen. Das Spiel des 1. FC Union war und das wird auch in der kommenden Spielzeit so bleiben, nicht unbedingt auf Dominanz und Ballbesitz ausgelegt. Konterfußball und Ausnutzen der Fehler des Gegners, diese Maxime wurden selbst in den Heimspielen versucht umzusetzen. Sein nun ehemaliger Mannschaftskamerad Robert Andrich brachte es gegenüber der Fachzeitschrift „Kicker“ auf die kurze Formel. Der 1. FC Köln hat jetzt einen Angreifer, der „aus Scheiße öfter Gold macht.“ Etwas drastisch in der Sprache der Fußballer ausgedrückt, aber es trifft den Kern. Beim Pokalspiel in Karlsruhe fehlte er jedenfalls an allen Ecken und Enden. Er stand dort nicht mehr im Kader und Ersatzmann Cedric Teuchert konnte ersteinmal nicht überzeugen und wurde nach einer Stunde Spielzeit ausgewechselt

Die Summe, die der 1. FC Union für Andersson kassieren wird, soll bei rund 6 Mill. EUR liegen. Ansonsten, wie üblich, vereinbarten über die Ablösemodalitäten beide Vereine Stillschweigen. Für den inzwischen 29jährigen Sebastian Andersson dürfte sich der Vereinswechsel finanziell lohnen. Der Transfermakt ist zudem bis Anfang Oktober geöffnet, so dass die Eisernen sich in einiger Ruhe nach Ersatz umschauen können.

Hans-Peter Becker

Berlins Fußballer der Saison 2019/2020 sind gewählt

Nathalie Götz (1. FC Union), Stephan Brehmer (VSG Altglienicke), Karsten Heine (VSG Altglienicke) und Christopher Trimmel (1. FC Union) heißen die diesjährigen Sieger in den Kategorien „Fußballerin“, „Amateurfußballer“, „Amateurtrainer“ und „Profifußballer der Saison“.

Vom 13. Juli bis zum 7. August 2020 hatten die Berlinerinnen und Berliner Zeit, aus den insgesamt 32 Nominierten (acht in jeder Kategorie) für ihre Favoritinnen und Favoriten abzustimmen. Die Fußball-Woche (FuWo), der Berliner Fußball-Verband (BFV) und die Deutsche Klassenlotterie Berlin hatten sich trotz des coronabedingten, vorzeitigen Saisonabbruchs im Amateurbereich dazu entschieden, die Wahl wie in den Vorjahren durchzuführen. Bei der diesjährigen Wahl wurden rund 33.800 Stimmen abgegeben.

Die BFV-Meisterehrung, die in der Vergangenheit als Rahmen für die Verleihung der Auszeichnungen diente, fand in diesem Jahr aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht statt. Die Preise werden den Sieger/innen stattdessen bei einzelnen Terminen in ihren Vereinen übergeben.

Nathalie Götz ist Berlins Fußballerin der Saison

Fußballerin des Jahres, Nathalie Götz Foto © 1. FC Union Berlin

Bei der Wahl zur „Fußballerin der Saison“ setzte sich Nathalie Götz vom Regionalliga-Team des 1. FC Union mit deutlicher Mehrheit (48,8 Prozent der Stimmen) gegen Jenny Trommer (1. FC Union II, 13,2 Prozent) und Caroline Klausch (Borussia Pankow, 9,5 Prozent) durch. Die 32-Jährige, die 2018 vom BSC Marzahn nach Köpenick gewechselt war, glänzte in der abgelaufenen Spielzeit als erfahrene Stütze in der Innenverteidigung der Eisernen. Götz beendete diesen Sommer nach 26 Jahren als aktive Spielerin ihre Laufbahn – die Auszeichnung als Fußballerin der Saison krönt somit den Abschluss einer großartigen Karriere.

Nathalie Götz sagt über die Auszeichnung: „Ich bin sehr stolz und dankbar, Berlins Fußballerin des Jahres zu sein. Das ist aber nicht allein mein Verdienst, sondern das ist das Resultat aus der Unterstützung meiner Familie und der guten fußballerischen Unterstützung des Trainerteams vom 1. FC Union Berlin sowie der gesamten Mannschaft, das dafür gesorgt hat, dass ich immer gerne zum Fußball gegangen bin und mich vom ersten Moment an wohl bei Union gefühlt habe! Mit solch einer Auszeichnung kann man beruhigt gehen.“

Stephan Brehmer setzt sich als bester Amateurfußballer durch

Amateurfußballer des Jahres, Stephan Brehmer VSG Altglienicke Foto © Lena Gundlach/BFV

Der Gewinner in der Kategorie „Amateurfußballer der Saison“ ist der Kapitän des amtierenden AOK-Landespokalsiegers VSG Altglienicke. Stephan Brehmer sicherte sich in der Abstimmung mit 28,8 Prozent der Stimmen den ersten Platz vor seinem Teamkollegen Christian Skoda (22,4 Prozent) und Nils Fliegen (Lichtenberg 47, 16,2 Prozent). Der 27-jährige Linksverteidiger hatte großen Anteil daran, dass die VSG Altglienicke die abgelaufene Spielzeit auf einem hervorragenden zweiten Platz (Wertung nach Abbruch der Saison auf Basis der Quotientenregel) in der Regionalliga Nordost abschloss und dank des Titelgewinns im Berliner Landespokal in die erste Runde des DFB-Pokals einzog.

Stephan Brehmer sagt: „Ich freue mich sehr und bin stolz darauf, aus so vielen guten Fußballern in Berlin, als Amateurfußballer der Saison ausgezeichnet zu werden. Das ist eine große Ehre für mich und ich bedanke mich bei allen, die mir ihre Stimme gegeben haben.“

Karsten Heine ist Amateurtrainer der Saison

Auch Brehmers Coach bei der VSG Altglienicke darf sich über eine Auszeichnung freuen: Karsten Heine gewann die Wahl zum „Amateurtrainer der Saison“ mit 49,1 Prozent der Stimmen und verwies Vorjahressieger Uwe Lehmann (Lichtenberg 47, 14,6 Prozent) und Christian Benbennek (BFC Dynamo, 9,2 Prozent) auf die Plätze zwei und drei. Der 65-Jährige, der seit über 30 Jahren als Co- und Cheftrainer – unter anderem für Hertha BSC und den 1. FC Union – tätig ist, übernahm die VSG Altglienicke im Sommer 2019 und krönte seine Antrittssaison direkt mit dem Titelgewinn im AOK-Landespokal.

Trainer des Jahres, Karsten Heine VSG Altglienicke Foto © Lena Gundlach/BFV

Karsten Heine verwies auch auf seine Kollegen, die maßgeblichen Anteil an dem Erfolg der letzten Saison hatten: „Ich möchte mich zunächst bei allen bedanken, die mich gewählt haben. Zwei Dinge sind mir jedoch wichtig: Erstens gibt es in Berlin sehr viele gute Trainer, die mit ihren Mannschaften sehr erfolgreich arbeiten – auch in den unteren Bereichen, von denen der eine oder andere Kollege die Auszeichnung ebenso verdient hätte. Zweitens wäre unsere erfolgreiche sportliche Arbeit im letzten Jahr ohne meine Kollegen Torsten Mattuschka, Roman Linke, Oliver Hähnke und unsere Physios Thomas Wirth und Jonas Orejuela sowie unseren Berater Lothar Hamann nicht möglich gewesen. Die Grundvoraussetzung für alles, was wir bei der VSG Altglienicke erreichen, basiert auf einem gut funktionierenden Team in der Leitung, stellvertretend dafür sind hier Daniel Böhm und Marco Schröder zu nennen.“

Christopher Trimmel zum besten Profi gewählt

Profi des Jahres, Christopher Trimmel, 1. FC Union Berlin Foto © Michael Hundt

Christopher Trimmel ist Berlins „Profifußballer der Saison 2019/2020“. Der Kapitän des 1. FC Union setzte sich in der Abstimmung mit 26,7 Prozent der Stimmen gegen seine Teamkollegen Rafal Gikiewicz (22,7 Prozent) und Marius Bülter (17,1 Prozent) durch. Der 33-jährige Rechtsverteidiger stand in seiner ersten Bundesliga-Saison bei jedem seiner 32 Einsätze in der Startelf und hatte mit acht Torvorlagen großen Anteil daran, dass sich der Aufsteiger frühzeitig den Klassenerhalt sichern konnte.

Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, beglückwünscht die vier Preisträger: „Ich gratuliere Nathalie Götz, Stephan Brehmer, Karsten Heine und Christopher Trimmel herzlich zu ihren Auszeichnungen. In einer zum Ende hin wahrhaft schwierigen Saison haben sie großartige Leistungen vollbracht. Ich wünsche ihnen auf ihrem sportlichen und persönlichen Weg weiterhin viel Erfolg und Gesundheit.“

Die Abstimmungsergebnisse im Überblick:

Fußballerin der Saison 2019/2020

1. Nathalie Götz (1. FC Union) – 48,8 Prozent
2. Jenny Trommer (1. FC Union II) – 13,2 Prozent
3. Caroline Klausch (Borussia Pankow) – 9,5 Prozent
4. Hülya Kaya (FC Viktoria 89) – 8,4 Prozent
5. Emina Wacker (SFC Stern 1900) – 5,6 Prozent
6. Constanze Hess (Blau-Weiß 90) – 5,2 Prozent
7. Jaqueline Pantelmann (BW Hohen Neuendorf) – 4,9 Prozent
8. Angelique Bratschke (Grün-Weiss Neukölln) – 4,4 Prozent

Amateurfußballer der Saison 2019/2020

1. Stephan Brehmer (VSG Altglienicke) – 28,8 Prozent
2. Christian Skoda (VSG Altglienicke) – 22,4 Prozent
3. Nils Fiegen (Lichtenberg 47) – 16,2 Prozent
4. Maik Haubitz (Füchse Berlin) – 9,5 Prozent
5. Robert Schröder (FC Hertha 03) – 6,9 Prozent
6. Nicolai Matt (Tennis Borussia) – 6,6 Prozent
7. Sanid Sejdic (SV Sparta Lichtenberg) – 5,5 Prozent
8. Rifat Gelici (Tennis Borussia) – 4,1 Prozent

Amateurtrainer der Saison 2019/2020

1. Karsten Heine (VSG Altglienicke) – 49,1 Prozent
2. Uwe Lehmann (Lichtenberg 47) – 14,6 Prozent
3. Christian Benbennek (BFC Dynamo) – 9,2 Prozent
4. Murat Dogan (Türkiyemspor, Frauen) – 7,1 Prozent
5. Dennis Kutrieb (Tennis Borussia) – 6,6 Prozent
6. Andreas Thurau (SFC Stern 1900) – 6,1 Prozent
7. Jörg Riedel (SC Charlottenburg) – 4,4 Prozent
8. Dragan Kostic (SV Sparta Lichtenberg) – 2,9 Prozent

Profifußballer der Saison 2019/2020

1. Christopher Trimmel (1. FC Union) – 26,7 Prozent
2. Rafal Gikiewicz (1. FC Union) – 22,7 Prozent
3. Marius Bülter (1. FC Union) – 17,1 Prozent
4. Sebastian Andersson (1. FC Union) – 10,4 Prozent
5. Dedryck Boyata (Hertha BSC) – 7,7 Prozent
6. Vedad Ibisevic (Hertha BSC) – 6,8 Prozent
7. Per Ciljan Skjelbred (Hertha BSC) – 4,8 Prozent
8. Vladimir Darida (Hertha BSC) – 3,8 Prozent

Quelle: Berliner Fußballverband

Unentschieden in Amsterdam

Union und Ajax trennen sich mit 2:2

er 1. FC Union Berlin trennt sich im sechsten Testspiel vor der Bundesligasaison 2020/21 mit 2:2-Unentschieden von Ajax Amsterdam. In der Johan Cruijff ArenA bringt Kapitän Carel Eiting die Hausherren in Führung (27.), nur wenige Minuten nach Wiederbeginn erzielt der eingewechselte Marcus Ingvartsen den verdienten Ausgleich (48.). Marius Bülter bringt Union mit einem satten Schuss nach 57. Minuten in Führung, Jurgen Ekkelenkamp besorgt 20 Minuten vor dem Ende das 2:2 (70.).

Unter dem geschlossenen Dach der Amsterdamer Johan Cruijff ArenA entschied sich Union-Trainer Urs Fischer für folgende Aufstellung:

Luthe – Trimmel (66. Ryerson), Friedrich, Knoche, Schlotterbeck (66. Hübner), Gießelmann (66. Lenz) – Gentner (66. Griesbeck), Prömel – Bülter (59. Mees), Endo (41. Ingvartsen) – Andersson (66. Teuchert)

Zu Beginn der Partie starteten beide Teams gut organisiert und neutralisierten sich dadurch in den Anfangsminuten weitestgehend. Mit zunehmender Spielzeit fanden die Köpenicker besser ins Spiel und erarbeiteten sich ein deutliches Chancenplus. Grischa Prömel scheiterte nach einer Flanke von Kapitän Christopher Trimmel per Kopf am linken Pfosten (14.), Routinier Christian Gentner versuchte sich mit einem Abschluss per Hackentrick, verfehlte das Tor jedoch knapp (21.). Wenige Minuten später zappelte der Ball schließlich im Netz, die Unparteiischen verweigerten dem Kopfballtreffer von Innenverteidiger Marvin Friedrich aufgrund einer Abseitsstellung jedoch die Anerkennung (24.). Freigespielt von Marius Bülter tauchte auch Sebastian Andersson eine Zeigerumdrehung später vor dem Kasten von Maarten Stekelenburg auf, der Abschluss des Schweden rauschte nur Zentimeter am langen Pfosten vorbei (25.). Auf der anderen Seite zeigten sich die Hausherren konsequent. Nach feiner Passkombination tauchte Kapitän Carel Eiting frei vor Andreas Luthe auf und ließ dem Schlussmann der Eisernen aus knapp fünf Metern keine Chance (27.). Union blieb trotzdem weiter gut im Spiel und zeigte sich immer wieder gefährlich, besonders nach Standardsituationen. Gleich zweimal rettete Stekelenburg mit gutem Reflex gegen Bülter (29.) und Robin Knoche (30.), Nico Schlotterbeck setzte einen Kopfball nach guter Freistoßflanke von Niko Gießelmann zu hoch an (32.). Kurz vor dem Seitenwechsel musste Urs Fischer zum ersten Mal wechseln, Keita Endo konnte nach einem Sprintduell nicht weitermachen. Marcus Ingvartsen ersetzte den Japaner auf der Außenbahn.

Die Köpenicker kamen ohne personelle Veränderungen aus der Kabine, belohnten sich aber direkt nach Wiederbeginn mit dem Ausgleich. Mit hohem Pressing, tief in der Hälfte von Ajax Amsterdam, eroberten die Eisernen den Ball in Person von Marius Bülter, der Gießelmann über links in Szene setzte. Die maßgenaue Flanke des Außenverteidigers verwertete Ingvarsten trocken zum verdienten 1:1 (48.). Die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten, Lassina Traoré traf in der 50. Minute jedoch nur den Außenpfosten. Union presste weiter hoch und ging durch Marius Bülter erstmals in Führung (57.). Der Außenstürmer hatte einen Abpraller im Strafraum der Niederländer genutzt und die Kugel humorlos im Kasten der Hausherren untergebracht. In einer munteren Partie boten sich beiden Teams nun gute Möglichkeiten, Trimmel (62.) und Friedrich (64.) retteten zweimal stark gegen heranstürmende Niederländer. Auf der anderen Seite musste Ajax-Keeper Stekelenburg beim Drehschuss von Grischa Prömel sein ganzes Können unter Beweis stellen um das 3:1 für Union zu verhindern (66.). Urs Fischer wechselte nach 66 Minuten weitgehend durch und brachte mit Ryerson, Hübner, Lenz, Griesbeck und Teuchert gleich fünf neue Spieler auf den Rasen. Kurz darauf, gut 20 Minuten vor dem Ende, gelang den Niederländern der Ausgleich (70.). Wie schon beim 1:0 setzte sich die Elf von Trainer Erik ten Haag mit gutem Kombinationsspiel über die Außenbahn durch, diesmal lauerte am Fünfmeterraum Jurgen Ekkelenkamp und drückte die Kugel zum 2:2 über die Linie. Auch in der Schlussphase sorgte Union mit einigen schön herausgespielten Szenen und gut getretenen Standardsituationen für Gefahr vor dem Kasten, weder Ingvarsten (78.), noch Ryerson (86.) wollte jedoch der entscheidende Treffer gelingen, sodass der Unparteiische die Partie nach 92 gespielten Minuten beim Stand von 2:2-Unentschieden beendete.

„Das hat mir heute gut gefallen, ich glaube wir haben gegen eine technisch sehr gute Mannschaft ein gutes Spiel gemacht. Wir kamen sehr schnell ins Spiel und in die Duelle, konnten Ajax beim Anlaufen hoch unter Druck setzen und hatten in der ersten Hälfte genügen Möglichkeiten. Was wir uns auch in der zweiten Hälfte ein bisschen vorwerfen lassen müssen, ist die Chancenauswertung, das war sicherlich noch nicht optimal. Aber es ist wichtig, dass wir uns diese Möglichkeiten erarbeiten, deshalb war das ein gelungener Test“, zeigte sich Urs Fischer zufrieden.

Nach der Partie reist die Mannschaft des 1. FC Union Berlin zurück nach Berlin, für Montag und Dienstag hat Trainer Urs Fischer seinen Spielern freigegeben. Am Mittwoch starten die Köpenicker mit der Vorbereitung auf das letzte Testspiel. IFA präsentiert im Jahr des 100-jährigen Jubiläums des Stadions An der Alten Försterei die Neuauflage des Einweihungs-Spiels von 1920 gegen den 1. FC Nürnberg, das am Sonnabend, dem 5. September 2020 um 17:30 Uhr stattfindet.

Quelle: Hannes Hahn/1. FC Union Berlin

Altglienicke gewinnt die Hitzeschlacht im Jahn-Sportpark

Bei insgesamt sieben Mannschaften aus Berlin im Teilnehmerfeld der Regionalliga Nordost warten spannende Ortsderbys. Bereits am 1. Spieltag empfing die VSG Altglienicke den Aufsteiger Tennis Borussia, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Jahn-Sportpark. Schiedsrichter der Partie war Lasse Koslowski vom Frohnauer SC, tags zuvor hatte er das Freundschaftsspiel des 1. FC Union gegen Dynamo Dresden geleitet. Am Sonntag ging es um Punkte in der Regionalliga.

Der Aufsteiger aus Charlottenburg machte den favoritisierten Altglienickern das Leben schwer. Es wäre dem Aufsteiger, vor 10 Jahren spielten sie zuletzt in dieser Spielklasse, fast eine kleine Überraschung geglückt. Bis zur vierten Minute der Nachspielzeit stand es 2:2. Zweimal gingen die Tennis Borussen in Führung kassierten aber postwendend den Ausgleich. Das Halbzeitergebnis hielt. Die Entscheidung fiel durch einen Foulelfmeter, den der TeBe-Torwart verschuldet hatte. Tolcay Cigerci, Neuzugang vom BAK, ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelt zum 3:2 Sieg für die VSG. Unmittelbar danach erfolgte der Schlusspfiff. Es ist natürlich bitter, so zu verlieren.

Der Jahn-Sportpark bleibt ein Ort des Schreckens für die Tennis Borussen, im Juni 2011 hatten sie dort den Verbleib in der Oberliga gegen den SC Borea Dresden mit einer 1:2 Niederlage in der Verlängerung verspielt. In den Jahn-Sportpark mussten sie damals umziehen, da das Mommsenstadion im Eichkamp vom Weltverband Fifa gesperrt wurde. In Deutschland fand die WM der Frauen statt und das Stadion war als Trainigsstätte für die Mannschaft aus Kanada vorgesehen. Es war der zweite Abstieg in Folge. 2010 mussten sie die Regionalliga nicht aus sportlichen Gründen verlassen. Tebe ging in die Insolvenz und wurde bis in die Berlin-Liga durchgereicht.

Jetzt soll alles besser werden. Die Chance – TeBe ist ja bekanntlich durch eine Entscheidung am grünen Tisch aufgestiegen, allerdings verdient, sie waren Spitzenreiter bei Saisonabbruch – soll genutzt werden. TeBe will in der Liga bleiben. Der Auftritt gegen Altglienicke, die eine Woche zuvor den BFC Dynamo im Pokalhalbfinale förmlich vom Platz gefegt hatten, gibt Hoffnung.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Aufstellung Tennis Borussia:Fikisi – Sakran, Franke, Bilbija, Matt (77. Samardzic) – Cakmak (77. Steinbauer), Oschmann, Gelici (64. Sennur) – Ndualu, Elezi, Iraqi
Aufstellung VSG Altglienicke:Bätge – Lemke, Zeiger, Pütt, Brehmer – Inaler (25. Häußler) – Breitkreuz, Cigerci, Skoda, Meyer – J. Manske (72. P.-V. Manske)
Schiedsrichter:Lasse Koslowski (Frohnauer SC)
Tor(e):0:1 (29.) Ndualu, 1:1 (31.) Lemke, 1:2 (41.) Ndualu, 2:2 (45.) J. Manske, 3:2 (90.+5, FE) Cigerci
Zuschauer:keine
Gelbe Karte(n):Lemke, Breitkreuz – Gelici, Ndualu

Wer hat die bessere Zukunftsperspektive, Hertha oder Union?

Beide Hauptstadtclubs beendeten die letzte Saison punktgleich mit je 41 Punkten. Ganze sechs Tore trennte Platz 10 (Hertha) von Platz 11 (Union). Jetzt darf man gespannt sein, wie der Wettstreit für eine weitere erfolgreiche Zukunftsplanung ausgeht. Unions Manager Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer arbeiten gut abgestimmt und beachtlich erfolgreich zusammen. Der Coach meint sogar, überhaupt keine Probleme mit Typen wie Max Kruse zu haben. Bei Hertha kann Michael Preetz von großem Glück sprechen, das ist meine Meinung, planerisch Bruno Labbadia  an der Seite zu haben.

Unter Labbadia – nach dem Re-Start in Hoffenheim (Mitte Mai) mit einer Oldi-Mannschaft (durchschnittlich 28,1 Jahren) – setzte eine Verjüngungskur von jetzt 23,7 Jahren im Schnitt ein. Per Skjelbred (33), Vedad Ibisevic (35) und  Salomon Kalou (34) stehen als Abgänge fest. Zugänge haben dem Alter nach Perspektive, auch wenn, so jedenfalls urteilt Labbadia , die jungen Neuverpflichteten Zeit brauchen. Mit Lucas Tousart (23), Deyovaisio Zeefuik (22), kam mit Matheus Cunja (21) ein noch jüngerer dazu. Aus Freiburg kam Torwart Alexander Schwolow, mit 28 Jahren ein erfahrener Akteur.

Konkurrenz belebt garantiert das Geschäft. Außerdem währt Transferperiode diesmal besonders lang, bis 5. Oktober. Da kann sich noch viel tun. Der nach Berlin zurückgekehrte Ronny wird es trotz aller Entschlossenheit wahrscheinlich nicht in der Eliteliga schaffen. Anders verhält es sich bei dem Noch-Schalker Weston McKennie. Bis zur Stunde laufen da noch Verhandlungen mit Schalke.

Wie kann man Hertha nur mit Union vergleichen. Natürlich ist ein neuer Trikotsponsor für Hertha ein wesentlicher Teil für die Saisonkalkulation. Im Verhältnis zu Union scheint bei Hertha der Geldfluss schier grenzenlos zu sein. Werner Gegenbauer verkündete: „Wirtschaftlich stand unser Verein in seiner Geschichte nie besser da“. Investor Lars Windhorst hielt bisher 49,9% der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, die Quote beläuft sich nunmehr mit weiteren 150 Mio mit seiner Tennor Holding auf 66,6 Prozent. Das sind 374 Mio Euro in Herthas Kasse. Was ist eigentlich mit der 50+1 Regelung? Die Verantwortlichen fanden dafür ein passendes Konstrukt. „Gegen die 50+1-Regel, die besagt, dass nur Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen können, an denen der Verein die Mehrheit der Stimmanteile hält, verstößt dieses Konstrukt nicht. Die Anteile der Komplementär-GmbH werden weiter von Herthas Geschäftsführung gehalten.“

Einen solchen Handlungsspielraum wünscht sich jetzt zu Corona-Zeiten so mancher Club, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Der 1. FC Union muss da wesentlich kleinere Brötchen backen und weiß, dass das zweite Jahr für Aufsteiger oft das schwerste ist.

Was macht Torjäger Sebastian Andersson ? Vielleicht bleibt er trotz Ausstiegsklausel, so hoffen die Eisernen, weil Max Kruse auch einer fürs  Tore-Vorbereiten ist. Mit Kruse zusammen auf Torejagd zu gehen fördert nicht nur die Spielfreue, Andersson könnte von Kruse profitieren und damit seinen Marktwert erhöhen.

Im Fußball ist zwar alles möglich. Ob allerdings Union wieder pari mit Hertha aus der neuen Saison gehen wird, dem Kapital, den wirtschaftlichen Gegebenheiten nach, wird’s schwer.

Bei der Zusammenstellung des Kader, macht Union eher das Gegenteil. Mit Julius Kade, Lennard Maloney und Florian Flecker gehen jüngere Spieler. Mit Robin Knoche, VfL Wolfsburg und eben Max Kruse kommen ältere, erfahrene Spieler neu hinzu. Der von Fans geliebte Torsteher Rafal Gikiewicz wird von Andreas Luthe (Augsburg) ersetzt. Philipp Hofmann aus Karlsruhe steht auf der Liste der Köpenicker und ist dem Lebensalter nach in die Kategorie Erfahrung einzuordnen. Beim 1. FC Union ist demzufolge noch nicht aller Tage Abend in der Kaderplanung. Wir drücken dem Club die Daumen, wünschen uns Union weiter in der 1. Bundesliga. Berlin tun zwei Hauptstadtclubs gut.

Christian Zschiedrich

Auch ich freue mich auf Max Kruse

Er ist ein Spieler und Mensch besonderer Güte. Ich zähle zu denen, die den 1.FC Union voller Überzeugung für den Coup  beglückwünschen. Und lieber Hans-Peter Becker, über deinen großartigen Bericht „Max Kruse wird ein Eiserner“ vom heutigen Tag habe ich mich sehr gefreut. Hatte schon befürchtet, du würdest eventuell zu denen zählen, die Vorsichtsmaßnahmen anmahnen und seine Party-Escapaden, weswegen er nach 14 Einsätzen in der Nationalelf von Jogi Löw aus dem Kader flog, allesamt aufzählen und deshalb Anpassungen konzeptioneller Art wie viele Journalisten kritisch hinterfragen. Kompliment, dein Bericht trifft das Wesentliche wie so oft fachlich, sachlich und sehr informativ!

Vieles, neben dem Sportlichen, spricht für Max Kruse. Nicht nur, dass er ablösefrei zu haben war, sondern dass er trotz wirtschaftlich höher dotierter  Angebote, bei seinen Qualitäten, sich für die Köpenicker entschieden hat. In Bremen war er zunächst von 2006 – 2009 und dann von 2016 bis 2019 der Topspieler. Ohne ihn ging’s bekanntlich gegen den Abstieg. Kruse ist mit seinen jetzt 32 Jahren älter und erfahrener geworden und ist immer noch im leistungsfähigsten Alter. Die größere Erfahrung schlägt sich auch in seinen Entscheidungen nieder. Ich zweifle nicht mal, ob er ins Konzept der Eisernen passt.

Für Fenerbahce Istanbul ist seine Bilanz in der Türkei: 20 Spiele, sieben Treffer, sieben Torvorlagen. Kruse kündigte seinen Vertrag – verständlich wegen Gehaltsrückständen seit Februar. Kruse weiß wo das Tor steht und kann Spiele allein entscheiden. In seinen bisher 250 Bundesliga-Spielen kommt er auf 74 Tore und 68 Torvorbereitungen. Unions Anhänger dürfen sich auf ein wohl bessertes Offensivspiel freuen. Die Einkaufspolitik ist lobenswert. Das Gehaltgefüge scheint gewahrt zu bleiben.

Christian Zschiedrich

Max Kruse wird ein Eiserner

Das erste Testspiel der Saison ging in Cottbus gegen den Regionalligisten FC Energie mit 3:1 zu Gunsten des Bundesligisten aus. Für die Cottbuser war es die Generalprobe für die bevorstehende Saison in der Regionalliga Nordost, während es für die Wuhlheider um eine erste Standortbestimmung ging. Nicht mit dabei war der kürzlich verpflichtete Max Kruse.

Der 1. FC Union hat mit dem Ex-Nationalspieler zweifellos einen Akteur verpflichtet, der die Mannschaft auf ein höheres Niveau hieven könnte. Nicht nur sportlich, auch in punkto mediale Wahrnehmung dürfte er für seinen neuen Verein einiges leisten können. Kruse ist einer, der unverblümt sagt was er denkt. Einer, so drängt sich der Eindruck von außen auf, immer eine gewisse Reibung braucht, um seine Leistung zu bringen. Bei seiner letzten Bundesligastation, er war Kapitän des SV Werder Bremen, ließ sein Trainer Florian Kohfeldt verlauten, dass er ein Spieler sei, der gern gegenüber seinen Vorgesetzten anspricht was nicht passt. Solche Querdenker sind ganz, ganz selten geworden. In Bremen hatten sie unterdessen gehofft, dass der verlorene Sohn wieder zurückkehrt. Seinen Weggang hätten sie an der Weser fast mit dem Abstieg bezahlt.

Ein bisschen darf gerätselt werden, warum er sich nach dem Abenteuer Istanbul ausgerechnet für die Köpenicker entschied. Unions Kaderplaner Oliver Ruhnert wird in der Pressemitteilung zu der Verpflichtung mit dem Satz zitiert: „Dass ein ablösefreier Spieler dieser Qualität viele Optionen hatte und sich trotz wirtschaftlich deutlich höher dotierter Angebote für Union entschieden hat, freut uns sehr und zeigt, dass Union als Club mit anderen Werten punkten kann.“

Das ist die eine Seite, eine andere wird sein, wie passt ein Max Kruse, der beim den Eisernen mit der Rückennummer 10 auflaufen wird, in das taktische Konzept. Bisher trug diese Rückennummer Sebastian Andersson, der wohl nicht in Berlin bleiben wird und wenn doch, wird er künftig mit der Nummer 9 auf dem Rücken spielen. Sebastian Andersson als klassischer Mittelstürmer und dahinter Max Kruse als hängende Spitze. Das könnte funktionieren, wenn die Eisernen ihr Spiel künftig auf mehr Ballbesitz ausrichten könnten. Trainer Christian Streich hat es in Freiburg vorgemacht, als Kruse dort in der Saison 2012/13 spielte. Die Saison endete für die Freiburger auf Platz 5 und der Qualifikation für die Europa-League. Es war dort vorrangig ein 4-4-2 System. Kruse spielte meist hinter dem Mittelstürmer. In Gladbach, unter Lucien Favre wurde er ähnlich eingesetzt.

Mit einem Max Kruse machen nur lange vertikale Pässe in Richtung auf das gegnerische Tor nach Balleroberung wenig Sinn. In der vergangenen Saison war Union das Team mit den meisten langen Bällen pro Spiel (71, Ligaschnitt: 62) und der zweitschwächsten Passquote (76,1 Prozent, Ligaschnitt: 82,1 Prozent). Kruse ist vor allem ein Spielgestalter im klassischen Sinn, der Tore am liebsten vorbereitet und, das ist das Besondere, er hat auch Spaß daran selbst welche zu schießen. Der letzte dieser Art beim 1. FC Union war Torsten Mattuschka. Einer seiner Nachfolger hätte Marcel Hartel werden können. Sein Können brachte Arminia Bielefeld den Aufstieg in die Bundesliga.

Die Eisernen setzten mit Kruse weiter auf Erfahrung, der Nachwuchs hat es weiter schwer. Eine zweite Mannschaft gibt es nicht mehr, so müssen Talente wie Julius Kade und Lennard Maloney zunächst ihr Glück in der Fremde suchen. Das Ziel heißt Klassenerhalt. Sollte Max Kruse seine gewohnte Leistung für den 1. FC Union abrufen können, wird man ihm ab und zu einen kleinen Ausflug in die reichhaltige Berliner Kultur gönnen.

Hans-Peter Becker