Als Tabellenführer in die WM-Pause: Füchse schlagen Leipzig 28:22

Abschluss und Neuanfang in einem Spiel. Die Partie der Füchse gegen den SC DHfK Leipzig war das letzte Spiel des Jahres für die Berliner Handballer und gleichzeitig der Beginn der Rückrunde in der Handball-Bundesliga. Die regionalen Duelle, ob gegen Magdeburg oder Leipzig, sind immer von gewisser Brisanz. Das wurde auch im Spiel gegen Tabellen-Zehnten Leipzig deutlich. Die Gäste aus Sachsen versuchten, dem Tempo und Druck des Füchse-Spiels mit robuster Deckung zu begegnen. Da-bei übertrieben es die Gäste jedoch teilweise mit dem körperlichen Einsatz. Bereits nach 22 Minuten (!!) waren sie um zwei Spieler dezimiert. Der schwedische Nationalspieler Oskar Sunnefeldt hatte nach einer Attacke gegen Matthias Gidsel direkt ROT gesehen, Ex-Fuchs Simon Ernst kassierte drei Zeitstrafen und musste danach eben-falls von der Platte. Damit waren zwei Säulen der Leipziger Abwehr eliminiert.

Die Füchse zogen daraus Nutzen. Nach fokussiertem Beginn bauten sie ihre Führung kontinuierlich aus und lagen nach 20 Minuten zum ersten Mal mit vier Toren in Front (10:6). Hätten die Gastgeber nicht die eine oder andere Möglichkeit vergeben, wäre ein noch größerer Vorsprung durchaus drin gewesen. Zumal Viktor Kireew im Tor mit vielen Paraden den Gästen den Nerv zog und Stammkeeper Dejan Milosavljev glänzend vertrat. So ging es mit einem 14:9 in die Kabine.

Der Spielverlauf änderte sich nach der Pause nicht. Die Abwehr der Berliner stand sicher. Im Angriff waren Matthias Gidsel, Hans Lindberg, Max Darj und Fabian Wiede ihre Tore, sodass der Sieg gegen die eifrigen, aber leistungsmäßig doch limitierten Gäste nie in Gefahr geriet. Mit 28:22 fiel der Erfolg am Ende deutlich aus. Allerdings war es – abgesehen von der Niederlage in Minden (27:32/10. Spieltag) – die geringste Torausbeute der Füchse in einem Bundesliga-Spiel in dieser Saison.

Zum ersten Mal „überwintern“ die Berliner als Tabellen-Erster in der deutschen Eliteliga. Das nächste Heimspiel steht für die Berliner nach der WM an, Mitte Februar gegen die HSG Wetzlar.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 2, Darj 3, Holm1, Lichtlein 2, Lindberg 10/6, Gidsel 6, Jacobs 1, Vujovic 1, Drux 2

Herbert Schalling

Knappe Füchse-Niederlage gegen SC Magdeburg – 31:32

Vor Spitzenspielen wird gern in die psychologische Trickkiste gegriffen, um die eigene Mannschaft und das Publikum richtig „heiß“ zu machen. Die Füchse setzten vor der Partie in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle gegen den SC Magdeburg auf Matthias Gidsel als „Medium“. Zum ersten Mal nach zweimonatiger Verletzungspause und früher als erwartet stand der Däne wieder im Aufgebot. Dazu wurde seine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2028 verkündet. Der Wirbel um Gidsel schien die Gastgeber tatsächlich zu pushen. Zunächst noch ohne ihn – Gidsel kam nach 20 Minuten – starteten die Füchse konzentriert und behaupteten bis zur 14. Minute einen Zwei-Tore-Vorsprung. „In dieser Phase haben wir verpasst, auf drei Tore davonzuziehen“, analysierte Füchse-Coach Jaron Siewert im Anschluss. Die Magdeburger standen fortan in der Abwehr sicherer und bewiesen im Angriff zunehmend ihre Klasse. Nach ausgeglichenem Verlauf gelangen den Gästen in den fünf Minuten vor der Pause wichtige Treffer zur 15:13-Halbzeit-Führung.

Vor allem das isländische Rückraum-Duo Kristjansson und Magnusson bereitete den Berlinern große Probleme. Mit ihren insgesamt 16 Treffern waren sie für die Hälfte der Magdeburger Tore verantwortlich und sorgten gemeinsam mit agilen Saugstrup am Kreis (ebenfalls sechs Tore) dafür, dass die Führung der Gäste zeitweise auf vier Tore anwuchs. Den Füchsen fehlte es in dieser Phase nicht an Leidenschaft und Willen, jedoch waren die Probleme in der Abwehr nicht zu kaschieren. Auch im Tor erreichten Milosavljew und zeitweise Kireew nicht das Niveau ihres Gegenübers Nikola Portner. In der Summe zu viel, um im Spitzenspiel gegen den Deutschen Meister erfolgreich zu sein.

Bis zum Schluss imponierten die Füchse jedoch mit ihrem Kampfgeist. In der 55. Minute noch mit vier Toren zurück, gelang Kapitän Paul Drux in der 60. Minute das 31:32. In den restlichen Sekunden brachten die Magdeburger den Vorsprung clever über die Runden. Durch den Sieg des THW Kiel gegen die MT Melsungen mussten die Berliner die Tabellenführung an den deutschen Rekordmeister abgeben. Die nächste Herausforderung in der Bundesliga wartet am kommenden Sonntag, 18. Dezember in Gummersbach auf die Füchse.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 3, Holm 6, Andersson 7, Lindberg 6, Gidsel 3, Vujovic 1, Marsenic 4, Drux

Herbert Schalling

Füchse: Nach Sieg gegen Aarhus – folgt jetzt das Duell gegen Magdeburg

Stresstest für die Füchse. Innerhalb von fünf Tagen hält der Terminkalender zwei Spitzenspiele bereit. Die erste Aufgabe wurde bravourös gemeistert. In der European League schlugen sie Skanderborg Aarhus mit 30:24. Die Dänen hatten wie die Berliner die ersten vier Gruppenspiele in diesem Wettbewerb gewonnen.

Vom Anpfiff weg entwickelte sich bei wechselnder Führung ein ausgeglichenes Spiel zwischen dem Bundesliga-Spitzenreiter und dem Fünften der ersten dänischen Division. Bei den Gastgebern setzte zunächst Mijajlo Marsenic die Akzente. Drei der ersten vier Treffer konnte der 2,03 große Kreisriese erzielen, der zuletzt in der Bundesliga nicht so erfolgreich gewesen war. Andere hatten nicht so ein „glückliches Händchen. Hans Lindberg und Milos Vujovic vergaben jeweils vom Sieben-Meter-Punkt.

Mit der Einwechslung von Paul Drux kamen dann Druck und Kreativität ins Spiel. Der Mannschaftskapitän warf auch den ersten zwei-Tore-Vorsprung heraus – 10:8 (20.) Dieses Plus verteidigten die Berliner auch bis zur Pause (15:13). Auch in der zweiten Hälfte schenkten sich beide Teams nichts. Bei den Gästen stand Rechtsaußen Hákun West im Blickpunkt. Der 20-jährige Färinger, eines der größten Talente des europäischen Handballs, wird im nächsten Jahr zu den Füchsen wechseln. Diesmal warf er noch vier Tore gegen seinen künftigen Verein. Die für Skanderborg jedoch ebenso wenig zum Sieg reichten, wie die zehn Treffer seines Teamkollegen Morten Balling Christensen. Der 35-Jährige war damit der erfolgreichsten Werfer des Abends. Dank eines starken Schlussspurts in den letzten zehn Minuten gewannen die Gastgeber mit 30:24 und verteidigten somit ihre Tabellenführung in der European League. Am nächsten Dienstag steht das Rückspiel in Aarhus an. Zuvor am Sonntag, 11. Dezember (14 Uhr) empfangen die Füchse in der Bundesliga den Deutschen Meister SC Magdeburg zum Duell.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 2, Darj 2, Holm 5, Lindberg 1, Lichtlein 3, Ende 1, Vujovic 7, Marsenic 6, Drux 3

Herbert Schalling

Füchse weiter Spitze – 32:26 Heimsieg gegen Lemgo Lippe

Für die Heimspiele der Füchse scheint sich ein Muster anzudeuten. Einer eher durchwachsenen ersten Hälfte folgt eine Steigerung in der zweiten. Nach den Partien gegen den Bergischen HC und Hannover-Burgdorf brauchte es auch gegen den TBV Lemgo Lippe einer besonderen Anstrengung nach der Pause, bevor der 32:26-Sieg feststand.

Man habe vor den Gästen großen Respekt gehabt, gab Füchse-Coach Jaron Siewert im Anschluss zu, was überraschend klingt, wenn der Tabellenführer auf den Zwölften trifft, sich aber durch den Auswärtssieg der Lemgoer beim THW Kiel erklärt.

Ins 13. Saisonspiel starteten die Füchse entschlossen. Besonders Jakob Holm legte Tempo und Treffsicherheit an den Tag und erzielte die ersten drei Berliner Tore. Zur Sicherheit trug dieser Start jedoch nicht bei. Die Gäste knüpften ihr Abwehrnetz zu-nehmend dichter und die Füchse verfingen sich immer öfter darin. Nach 18 Minuten lagen die Gastgeber zum ersten Mal mit drei Toren im Rückstand, den sie zur Pause auf einen Treffer (12:13) verkürzen konnten.

Mit Beginn der zweiten Hälfte lief der Füchse-Motor dann im hochtourigen Bereich. Die Abwehr mit dem erneut überragenden Dejan Milosavljev (13 Paraden) im Tor stand jetzt stabiler und im Angriff gelangen durchdachtere Spielzüge. „Wir haben es aber verpasst, uns abzusetzen“, bemängelte Siewert das Auftreten seiner Mannschaft in dieser Spielphase. Rückraumspieler Lasse Andersson kann als Beispiel gelten, warum dies nicht gelang. Zwei mit Präzision und Wurfkraft erzielten Treffern ließ der Däne zwei überhastete, unplatzierte Versuche folgen. So konnten die Gäste aus dem Lipperland die Partie offenhalten. Erst als die Füchse das Tempo erhöhten, und zwischen der 43. und 4. Minute einen 5:0-Lauf hinlegten und dadurch auf 23:19 davonzogen, geriet Lemgo entscheidend in Rückstand. „Bei uns machte sich eine gewisse Müdigkeit bemerkbar“, stellte Gäste-Coach Florian Kehrmann fest. Diesen Vorsprung gaben die Berliner nicht mehr aus der Hand. Insgesamt trugen sich 10 (!!) der eingesetzten 11 Spieler in die Torschützenliste ein. Mit dem 32:26 verteidigten die Füchse ihre nach dem achten Spieltag errungene Tabellenführung erneut. Ihr Bundesliga-Programm hat es in den nächsten Wochen in sich. Dem Duell beim Tabellenzweiten Rhein Neckar Löwen am Donnerstag folgt eine weitere Auswärtspartie in Erlangen, bevor am 11. Dezember in der Max-Schmeling-Halle der Hit gegen den Deutschen Meister SC Magdeburg folgt. Dazu gilt es noch drei Partien in der European League zu bestreiten.

Für die Füchse erfolgreich: Milosavljev 1, Wiede 4, Holm 6, Andersson 5, Lichtlein 3, Lindberg 5/3, Freihöfer 3, Kopljar 1, Marsenic 1, Drux 3

Herbert Schalling

Füchse gewinnen gegen Hannover-Burgdorf

Mit Einsatz und Kampfgeist zum 32:30 Sieg

Welche Auswirkung hat die erste Punktspiel-Niederlage beim Tabellen-Schlusslicht Minden? Wie reagiert die Mannschaft auf den peinlichen Auftritt? Diese Fragen standen bei den Verantwortlichen der Füchse vor dem Spiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf im Mittelpunkt, räumte Sportdirektor Stefan Kretzschmar danach freimütig ein.

In den ersten Minuten der Partie vermittelten die Füchse auch den Eindruck, den „schwarzen Sonntag“ so schnell als möglich vergessen machen zu wollen. Es war jedoch ein trügerischer Schein. Der Elan erwies sich als Übermotivation. Besonders deutlich bei Jakob Holm, der zwar die beiden ersten Tore für die Gastgeber erzielte, sich jedoch noch häufiger in der kompakten Abwehr der „Recken“ aus Hannover verfing. Seine Nebenleute agierten genauso so fahrig, wie Trainer Jaron Siewert später bemängelte. Aus einer Führung wurde so schnell ein Rückstand, der Mitte der ersten Hälfte zeitweise auf drei Tore anwuchs. Einziger Fuchs mit Normalform: Keeper Dejan Milosavljew. Sechs Würfe und zwei Siebenmeter parierte der Serbe und bewies, dass sein schwacher Auftritt in Minden ein einmaliger Ausrutscher war.

Die von Ex-Bundestrainer Christian Prokop exzellent eingestellten und vom ehemaligen Füchse-Spieler und jetzigen Sportdirektor Sven-Sören Christophersen vor der Saison klug verstärkten Gäste verpassten in dieser Wackelphase der Berliner ihren Vorsprung auszubauen.

Mit den eingewechselten Max Darj (Kreis) und Kapitän Paul Drux (Rückraum links) bekam das Füchse-Spiel neuen Schwung und Struktur. Durch ihre Tore und weitere Treffer der Außen von Hans Lindberg und Tim Freihöfer drehten die Gastgeber das Ergebnis noch vor der Pause auf 16:14.

Ein guter Start nach der Pause und der Ausbau der Führung auf vier Treffer verlieh dem Spiel der Füchse keine Sicherheit. Die Zahl der Fehler im Vorwärtsgang blieb (zu) hoch, über den Kreis erzielten die Gastgeber kaum Torgefahr und die Würfe aus der zweiten Reihe (Andersson) verfehlten oft ihr Ziel.

Einzig der Einsatz und der Kampfgeist stimmten, was gegen einen starken Gegner wie die Niedersachsen zwar nicht wenig ist, aber allein nicht ausreichen dürfte, um den Spitzenplatz in der HBL zu verteidigen. Auch mit einem vier Tore-Vorsprung (30:26/55.) konnten sich die Gastgeber noch nicht sicher fühlen. Mit einer offensiven 3-2-1-Deckung forderte Gäste-Coach Prokop die Füchse nochmal heraus. Die ließen sich jedoch nicht beeindrucken und gewannen am Ende mit 32:30.

Mit dem Spiel in Hamburg am Sonntag wartet die nächste Herausforderung. Schließlich warf der HSV zuletzt gegen die Rhein-Neckar Löwen 40 Tore. Den nächsten Heimauftritt haben die Füchse am 20. November gegen den TBV Lemgo-Lippe.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 5, Darj 2, Holm 6, Andersson 1, Lindberg 9/5, Freihöfer 4, Marsenic 2, Drux 3

Herbert Schalling

Füchse Berlin: Arbeitssieg gegen Bergischen HC – 29:27

Große Nüsse knacken sich oft leichter als kleine. Während eine Walnuss durchaus mit einem kräftigen Faustschlag zu öffnen ist, kann das bei einer Haselnuss schon schwieriger sein.

Diese Erfahrung machten im übertragenen Sinn auch die Füchse auf dem Handball-Parkett. Während sie vor drei Wochen die „große Nuss“ THW Kiel deutlich mit 34:26 bezwangen, hatten sie mit der „Haselnuss“ Bergischer HC beim 29:27-Sieg mehr Schwierigkeiten.

Die Auftaktminuten vor 7695 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle im Spiel des Spitzenreiters gegen den Tabellen-15. ließen auf den erwarteten Spielverlauf hoffen. Die Berliner gingen schnell mit 4:2 in Führung, hatten ihr Pulver jedoch schnell verworfen. Schon nach elf Minuten – bei einem 4:6-Rückstand – nahm Füchse-Coach Jaron Siewert die erste Auszeit. Der Auftritt der Gastgeber ließ jedoch auch danach wenig Struktur erkennen. Im Angriff wurden reihenweise Chancen vergeben. Die Zu-spiele an den Kreis – fehlerhaft, die Würfe aus der zweiten Reihe – zu unplatziert, die Lücken in der Abwehr – unübersehbar. Die Defizite allein mit dem Fehlen von Matthias Gidsel und Fabian Wiede zu erklären, wäre zu einfach. Unterm Strich konnten sich die Füchse beim erneut überragenden Dejan Milosavljev im Tor (12 Paraden) bedanken, dass sie mit einem 14:14 in die Halbzeit-Pause gehen konnten und nicht mit einem Rückstand.

Nach starkem Beginn mit drei Toren des jetzt treffsicheren Jakob Holm – der Däne war am Ende auch erfolgreichster Werfer – schlich sich der gleiche Trott wieder ins Berliner Spiel ein. Den Füchsen fehlte es insgesamt am Tempo, um die stark auf-spielenden Gäste aus Wuppertal in Bedrängnis bringen zu können. So blieb es in der zweiten Hälfte eine ausgeglichene Partie, bei der die Gastgeber zwar meist in Führung lagen, jedoch keinen deutlichen Vorsprung herauswerfen konnten. Am Einsatz und Kampfwillen ließen es die Gastgeber jedoch nicht fehlen. Und so bekamen sie in der Endphase das Geschehen noch in den Griff, wobei sich besonders Nachwuchsmann Nils Lichtlein und Kapitän Paul Drux, der in der Woche erstmalig Vater geworden war, als treffsichere Schützen erwiesen. Mit dem 29:27-Sieg bewahrten die Füchse auch im fünften Spiel ihre weiße Heimweste und verteidigten die Tabellenführung in der Bundesliga.

Die Anforderungen werden in den nächsten Wochen noch zunehmen. Neben den Spielen in der Bundesliga (nächster Heimauftritt am 10. November gegen Hannover-Burgdorf) stehen jetzt auch die Spiele in der European League an.

Für die Füchse erfolgreich: Darj 1, Holm 6, Andersson 3, Lichtlein 3, Lindberg 3/2, Freihöfer 3, Beneke 3, Marsenic 3, Drux 4

Herbert Schalling

Historischer Sieg: Füchse gewinnen gegen Kiel 34:26

Die Vorfreude war riesengroß. Die Erwartungen nicht minder. Bei den 9000 Zu-schauern in der seit Wochen ausverkauften Max-Schmeling-Halle. Die große Frage war jedoch, können die Füchse den gelungenen Saisonstart (11:1 Punkte) bestätigen, gegen den 22fachen Deutschen Meister THW Kiel. An so einer Aufgabe kann man zerbrechen oder sich ihr mit Leidenschaft und Können stellen. Die Füchse entschieden sich für Letzteres.

Konzentriert von den Haarspitzen bis in die Zehen agierte das Team vom Anwurf weg. Keine Millimeter Raum ließ die Abwehr den Kielern ihr Angriffsspiel aufzuziehen. Auch das THW-Deckungsbollwerk stand zunächst sicher. Nach sechs Minuten waren erst drei Tore gefallen – 2:1 für Berlin. Danach jedoch wirbelten die Füchse mit schnellem Positionsspiel die Gäste-Deckung ein ums andere Mal durcheinander. Beim 7:2 (13.) nahm Kiels Trainer Filip Jicha schon die erste Auszeit.

Den Berlinern gab die Führung Sicherheit. Die Gäste dagegen hatten in der Folge sowohl mit ihren spielerischen Mängeln, als auch mit ihren Nerven zu kämpfen. Zuspiele kamen nur selten an. Kreisläufer Patrick Wiencek war der Einzige, der Torgefahr ausstrahlte. Die Würfe von Johannsson oder Overby landeten entweder neben dem Tor oder wurden vom wieder überragenden Füchse-Keeper Milosavljev pariert. Dazu kassierten die in der Bundesliga bis dato ungeschlagenen Gäste in der ersten Hälfte eine Vielzahl von Zeitstrafen – durch Foulspiel, Wechselfehler und undiszipliniertes Verhalten (Duvnjak). Zwar war der Vorwurf der Gäste, die Schiedsrichter hätten in dieser Phase des Spiels die Füchse bevorteilt, nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Allerdings räumte Jicha nach Spielschluss ein, dass eine international so erfahrene Mannschaft wie der THW sich dadurch nicht von der Linie abbringen lassen darf.

Zur zweiten Spielhälfte kamen die Kieler fünf Minuten vor den Füchsen aus der Kabine zurück. Ein Ausdruck großer Entschlossenheit, um das Blatt noch zu wenden? Zwar verkürzten die Gäste den Rückstand auf vier Tore und Füchse-Trainer Jaron Siewert gab hinterher zu, in diesem Moment ein mulmiges Gefühl gehabt zu haben. Ein weiteres Herankommen hätte die Partie möglicherweise kippen lassen. Doch „wir haben rechtzeitig die richtige Antwort gegeben“, fand Siewert bei der Analyse danach. Vor allem Marsenic, Gidsel und der jetzt dynamisch aufspielende Holm stellten den THW, der am Donnerstag noch ein schweres Champions-League-Spiel in Kielce bestritten hatte (37:40 Niederlage) immer wieder vor Probleme. Mit unglaublichen acht Toren lagen die Berliner zeitweise in Front.

Am Ende feierten die Füchse mit 34:26 den höchsten Sieg ihrer Vereinsgeschichte gegen den THW Kiel. Neben dem verdienten Lob der Verantwortlichen (Sportvorstand Stefan Kretzschmar: „Ich bin heute restlos zufrieden“) gab es auch die klare Einordnung (Trainer Siewert: „Es war das siebente Saisonspiel. 27 folgen noch“).

Für die Berliner gibt es zunächst eine länderspielbedingte Pause, bevor es am 23.10 (auswärts in Leipzig) bzw. 29.10. (Heimspiel gegen den Bergischen HC ) weiter geht.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 3, Darj 1, Holm 5, Lindberg 4/2, Gidsel5, Freihöfer 2, Marsenic 9, Drux 5

Herbert Schalling

Füchse bestehen ersten Härtetest in Flensburg

Am Ende war Aufgabe für Fabian Wiede nicht zu lösen. In der Flensburger Arena war die Spielzeit bereits abgelaufen. Die Füchse hatten noch Freiwurf zugesprochen bekommen. Der Nationalspieler bekam den Ball an der Fünf-Mann-Mauer vorbei, jedoch erwartungsgemäß nicht ins Tor. Es blieb beim 31:31. Die Füchse hatten die erste schwere Auswärts-Aufgabe der noch jungen Saison gemeistert.

Vom Anwurf an demonstrierten die Berliner in Flensburg ihr gewachsenes Selbstvertrauen. Nach 13 Minuten ging der Dritte der letzten Meisterschaft nach zuvor ausgeglichenen Spielverlauf und –ergebnis zum ersten Mal in Führung (9:8). Im weiteren Verlauf konnten die Berliner sogar kurzzeitig einen drei-Tore-Vorsprung herauswerfen (11:14/ 22.). Das Spiel der Gäste wurde dabei immer wieder von Matthias Gidsel angetrieben. Der dänische Weltklassemann prägt schon kurz nach Saisonstart den Rhythmus des Füchse-Spiels. Am Ende war Gidsel mit 11 Toren auch der erfolgreichste Berliner.

Flensburg fand lange Zeit nicht zum gewohnten Flow, kämpfte sich zur Halbzeit jedoch auf 15:16 heran.

Nach der Pause agierten beide Teams weiter auf hohem Niveau. Obwohl die Gastgeber, bei denen der schwedische Ausnahmekönner Jim Gottfridsson zum Lenker wurde, jetzt stärker aufspielten, konnten sich die Füchse neuerlich mit vier Toren absetzen (24:20 / 42.)

Dass eine solche Führung im Handball im Allgemeinen und in Flensburg im Besonderen nichts bedeuten kann, erlebten die Berliner zehn Minuten vor Schluss. Kurz-zeitig schlichen sich Fehler in ihr Spiel ein – Pässe an den Kreis kamen nicht an, Bälle wurden leichtfertig verworfen und schon lagen die Gastgeber in Führung – 29:28 /52. Die Antwort jedoch kam prompt. Eine erneute Führung der Berliner glichen die Flensburger immer wieder aus – bis zum 31:31. Ein Unentschieden, das dem Verlauf der hochklassigen Partie gerecht wurde.

Füchse Coach Jaron Siewert war in seiner Einschätzung hin- und hergerissen. „Ich sehe das Spiel von zwei Seiten. Einerseits können wir stolz auf den Punktgewinn sein. Aber auf der anderen Seite können wir ein wenig enttäuscht sein, denn wir haben das Spiel in unserer Hand, sind mit vier Toren in der zweiten Hälfte vorn. Das müssen wir lernen“

Herbert Schalling

Für die Füchse erfolgreich: Wiede (1), Holm (5), Andersson (3), Lindberg (1), Gidsel (11), Freihöfer (3), Vujovic (5/5), Marsenic (2)

Trainer Siewert zurück – Füchse gewinnen 31:21 gegen TVB Stuttgart

Die erste gute Nachricht gab es vor dem Spiel. Trainer Jaron Siewert hat seine Arbeit als Chefcoach wieder aufgenommen. Während der Saison-Vorbereitung hatte der 28-jährige einen Schlaganfall erlitten. Jetzt erhielt er von den Ärzten grünes Licht für seine Rückkehr.

Was seine Mannschaft im dritten Saisonspiel vor den 6.287 Zuschauern anfangs gegen die bisher sieglosen Stuttgarter bot, war nicht dazu geeignet, ihm einen ruhigen Abend zu bereiten. Das Angriffsspiel zu statisch, die Zahl der Fehlpässe zu hoch, die Würfe zu ungenau. Hätte nicht Keeper Viktor Kireev, der russische Nationaltorhüter, stand das erste Mal über 60 Minuten im Tor der Berliner, zwei Siebenmeter gehalten, die Gäste hätten nach 15 Minuten deutlicher, als nur mit 6:4 führen können.

Mit der Einwechslung von Neuzugang Matthias Gidsel schien ein Ruck durch die Reihen der Gastgeber zu gehen. Die Füchse starteten einen 7:0-Lauf, zu dem der dänische Halbrechte selbst drei Tore beisteuerte, und verwandelten so den Rückstand in eine 17:10-Führung zur Pause, an der auch Silvio Heinevetter nichts ändern konnte. Der ehemalige Berliner hütete von der 15. Minute an das Stuttgarter Tor.

Die zweite Spielhälfte gestalteten die Füchse dann überlegen. Die Führung wurde ausgebaut. Auch als Siewert frische Spieler von der Bank brachte, gab es keinen Bruch im Spiel der Gastgeber, was „von der hohen Qualität zeugt, die wir im Kader haben“, wie Sportvorstand Stefan Kretzschmar fand. Trotz des am Ende deutlichen 31:21-Sieges sah der insgesamt zufriedene Jaron Siewert auch „viel Verbesserungspotential“.

Dieses muss bereits am Donnerstag (15.9.) aktiviert werden. Dann stehen die Füchse im Auswärtsspiel bei der SG Flensburg-Handewitt vor der ersten großen Bewährungsprobe dieser Saison. Das nächste Heimspiel gibt es am 22.9. gegen Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 1; Holm 5; Andersson 3; Lindberg 6/2; Gidsel 4; Freihöfer 6; Vujovic 2; Marsenic 3; Drux 1

Der von Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning trainierte Kooperationspartner 1. VfL Potsdam gewann in der 2. Bundesliga sein Auswärtsspiel bei der HSG Konstanz mit 31:23 und ist nach dem zweiten Spieltag Tabellenführer.

Herbert Schalling

Füchse starten mit einem Sieg in die neue Saison

Dröhnende Musik und ein überlauter Hallensprecher, am Sound bei den Füchse-Heimspielen hat sich auch zum Beginn der neuen Saison nichts geändert, zur Freude oder zum Missvergnügen der zahlenden Kundschaft – je nach Geschmack. Nach 84 Tagen Sommerpause erlebten 6.892 Zuschauer beim Spiel gegen Frisch Auf Göppingen wieder Spitzenhandball im Fuchsbau.

Zum akustischen Grunderlebnis in der Max-Schmeling-Halle gehören auch die „Der Hans, der Hans, der kann’s“ – Rufe des Fanklubs, mit denen Tore von Hans Lindberg gefeiert werden. Gestern erklangen sie 12 Mal. Vor dem Spiel war der 41-jährige Rechtsaußen, in der vergangenen Saison Torschützenkönig der Bundesliga, in die klubinterne „Hall of Fame“ aufgenommen worden.

Füchse-Manager Bob Hanning, der erneut den erkrankten Cheftrainer Jaron Siewert vertrat, vertraute zunächst den aus der letzten Saison bekannten Spielern. Allerdings fanden die, frei nach dem Motto `Aller (Wieder-) Anfang ist schwer` nur schleppend in die Partie.

20 Minuten war es ein ausgeglichenes Spiel mit wechselnder Führung. Erst nach der Einwechslung der beiden Neuzugänge, des Dänen Matthias Gidsel /Rückraum rechts) und des Schweden Max Darj (Abwehrchef/Kreis) bekam das Spiel der Gastgeber Struktur. Das 17:13 zur Pause wurde allerdings auch durch zwei Rote Karten gegen Göppinger Spieler begünstigt, weil die Gäste, Fünfter der vergangenen Saison, dadurch ihre Formation umstellen mussten.

Nach der Pause setzten die Füchse ihr zielstrebiges Spiel fort. In ihrer besten Phase lagen sie mit zehn Toren in Führung (30:10/47.). Da war schon viel zu sehen von der versprochenen neuen Füchse-Qualität. Schließlich will man, so Bob Hanning vor der Saison, die Champions-League-Plätze (Rang 1 und 2) angreifen.

Als der Trainer Hanning dann in der Schlussphase auch dem „zweiten Anzug“ eine Chance gab – alle Spieler kamen zum Einsatz – wurde jedoch deutlich, dass es einigen (noch) an der nötigen Klasse mangelt, was zum Saison-Auftakt auch verständlich ist. Gewohnt zuverlässig verrichtete dagegen Hans Lindberg seine Arbeit – mit 12 Treffern war er nicht nur bester Füchse-Werfer. Der Däne, zur Zeit Dritter in der ewigen Torschützenliste der Bundesliga, macht sich mit seinen jetzt 2771 Toren auf, seinen Landsmann Lars Christensen (früher SG Flensburg-Handewitt) anzugreifen. „Nur“ 104 Tore fehlen noch zu Platz 2.

Mit dem 34:27-Sieg waren am Ende sowohl Trainer/Manager Bob Hanning, als auch Sportvorstand Stefan Kretzschmar zufrieden. Am 8.9. spielen die Füchse in Wetzlar, am 10.9. wieder im Fuchsbau gegen Stuttgart.

Für die Füchse erfolgreich; Wiede 3, Darj 1, Holm 3, Andersson 1, Lichtlein 1, Lindberg 12/8, Gidsel 3, Freihöfer 1, Marsenic 8, Drux 1

Herbert Schalling