Viktoria weiter ungeschlagen

Die Sonne war fast hinter der Gegentribüne des Jahnstadions verschwunden und malte ihr Abendrot in den Himmel über Berlin. Nach kurzer Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Florian Markhoff die Regionalliga Partie zwischen Viktoria Berlin und Lok Leipzig. Das Spiel auf hohem Niveau für Vierligaverhältnisse sahen leider nur 965 zahlende Zuschauer, darunter geschätzte 200 Anhänger der „Loksche“ aus Leipzig.

Beide Trainer waren nach dem Schlusspfiff nicht unzufrieden. Das Endergebnis von 2 : 2 entsprach dem Spielverlauf. Die Saison ist zwar erst zwei Spieltage alt und beide Mannschaften bleiben ungeschlagen. Lok Leipzig war mit einem Sieg über Hertha II gestartet und die neu-formierte Viktoria-Truppe hatte in Jena einen Punkt erkämpft. Leipzigs Trainer Almedin Civa stellte die Taktik etwas um. Gegen Hertha II ließ er mit einer Doppelsechs spielen. Gegen Viktoria stellte er mit Farid Abderrahmane nur einen Abräumer vor der Abwehr auf. Es war ein flexibles 4-1-3-2 und situationsbedingt auch mal 4-4-2 System. Sein Kollege Semih Keskin versuchte es sogar mit drei Sturmspitzen, bei eigenem Ballbesitz war es ein 3-4-3, entsprechend verteidigt wurde mit 5-3-2.

Das Spiel begann optimal für die himmelblauen Viktoria. Leipzig war noch halb im Bus, in der 5. Minute schiebt Berk Inaler (Neuzugang von Altglienicke) nach einem Steckpass in den Strafraum den Ball seelenruhig am Keeper vorbei ins Tor. Postwendend wäre den Gästen im Gegenzug fast der Ausgleich gelungen. Doch Leipzigs Dribbelkünstler Theo Ogbidi trifft im Viktoria-Strafraum die falsche Entscheidung und sucht, zum Glück für Viktoria, nicht selbst den Abschluss. In der 11. Minute hat Christopher Theisen die Chance, auf 2 : 0 zu erhöhen. Sein Flugkopfball, nach einer nicht so genauen Flanke, streicht nur knapp am Tor vorbei.

Die Gäste mussten sich kurz schütteln. Sie drängten energisch auf den Ausgleich. In der 13. Minute prasselte eine Serie von Eckbällen auf die Viktoria-Abwehr ein. In der 25. Minute war es so weit. Diesmal war das Dribbling von Ogbidi eine verwertbare Vorarbeit. Den Zweikampf mit Viktorias Fatih Baca (Neuzugang vom BAK) kann erfolgreich führen, Querpass in den Strafraum und Osman Atilgan kann einschieben. Leipzig war jetzt in der Vorhand. Viktoria kam nur noch selten zu Entlastungsangriffen. In der 34. Minute überrumpelt die Loksche mit einem zunächst harmlosen Freistoß aus dem Mittelfeld die Berliner. Innenverteidiger Luca Sirch führt kurz aus, Doppelpass und er läuft mit dem Ball am Fuß zentral an die Strafraumgrenze. Sein Abspiel landet genau bei Leipzigs Torjäger Djamal Ziane und Lok hatte das Spiel gedreht. Darüber ärgerte sich Viktorias Trainer noch Pressekonferenz. Diese Freistoßvariante war uns nicht unbekannt, ebenso, dass Sirch dabei versucht in den Strafraum vorzudringen. Die Zuschauer hatten eine unterhaltsame Halbzeit gesehen.

Über weite Strecken der zweiten Halbzeit wirkte es so, als hätten die Gäste alles im Griff. Es dauerte bis zur 65. Minute, da hatte Nachwuchsmann Ünal Durmushan den Ausgleich auf dem Fuss. Er bekam in aussichtsreicher Postion zu viel Rücklage, sein Schuss ging weit über die Querlatte. Zwei Minuten später war es dann soweit, Christopher Theisen, einer der wenigen, die aus dem Drittliga-Kader übrig geblieben sind, setzte einen wuchtigen Kopfstoß in die Maschen. Die Flanke kam von rechts. Anschließend waren beide bemüht. Ein Siegtreffer wäre glücklich gewesen. Die Schlussphase gehörte Viktoria. Sie hatten konditionell einen Tropfen mehr im Tank.

Zeitgleich an diesem Freitagabend unterlag Herthas Nachwuchs dem SV Babelsberg 03 mit 0 : 1.

Hans-Peter Becker

Fußball Regionalliga Nordost

2. Spieltag

12.08.2022 19:00 Uhr Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

FC Viktoria 1889 Berlin – 1. FC Lok Leipzig 2:2(1:2)

Mannschaftsaufstellungen

FC Viktoria 1889 Berlin

Köstenbauer – Touglo (60. Yilmaz), Baca, Lewald – Inaler – Cvjetinovic, Emghames (60. Maric), Durmushan, Günay – Seiffert (89. Mattmüller), Theisen

1. FC Lok Leipzig

Dogan – Voufack (46. Salewski), Sirch, Heynke, Zimmer – Abderrahmane, Weigel (85. Urban) – Ogbidi (74. Rangelov), Pfeffer (90. Eglseder), Atilgan (74. Dombrowa) – Ziane

Torfolge

1:0 Inaler (5.)
1:1 Atilgan (25.)
1:2 Ziane (34.)
2:2 Theisen (65.)

Gelbe Karten

Inaler, Theisen (alle, Viktoria);
Atilgan (Lok)

Angreifen ist die beste Verteidigung

Berlin hat – sehr erfreulich – sogar zwei Bundesligamannschaften in der Nummer 1 Sportart Fußball. Die sind ganz unterschiedlich in die neue Saison gestartet. Bei Union werden seit dem Aufstieg vor drei Jahren namhafte Abgänge scheinbar immer wieder mühelos kompensiert. Als aktuelles Beispiel sei hier Taiwo Awoniyi genannt. So etwas möchte Hertha auch gern schaffen, leider scheint, das der Alten Dame nicht zu gelingen. Dabei ruhten einige Hoffnungen auf einem gelungenen Saisonstart. Das Ergebnis ist ernüchternd. „Chancenlos“ berichtete Hans-Peter Becker aus der Alten Försterei. Und die Kommentare in Bild und Ton fallen drastischer denn je aus.

Jetzt, wo Michael Preetz und Werner Gegenbauer weg sind, möchte ich persönlich gern etwas Positives schreiben. Sagt mir bitte, was ? Worüber soll konstruktiv geurteilt werden(?) – galt ich doch als ein Kritiker mit besonderer klarer Wortwahl. Was in dieser Woche über Hertha zu lesen und zu hören sein wird, muss den Herthanern ordentlich in den Ohren klingen. Wie soll sich sonst etwas ändern. Natürlich können Auftaktspiele auch verloren gehen. Es fragt sich nur, wie? Das Wie macht mich besonders nachdenklich.

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert © Foto: Sportick

Angriff ist die beste Verteidigung. Sagt mir bitte nicht, dann hätte Hertha ja noch höher verloren. Was ist das für ein Fußball, wenn nach 36 Spielminuten das erste Mal (per Standard) auf das gegnerische Union-Tor geschossen wird! Solche Spiele möchte ich weder vor Ort, geschweige denn am Fernseher sehen. Erst recht nicht im Olympiastadion. Wer von den Hertha-Spielern kann einen gelungenen Pass, wie beispielsweise Mario Götze, in die Tiefe spielen? Wer das nicht kann, spielt eben quer und ganz viel zurück. War es die fehlende Einstellung oder gar Unfähigkeit?

Fredi Bobic und Neu-Trainer Sandro Schwarz, wussten die wirklich nicht, was sie sich mit Hertha angetan haben? Nico Kovac wusste es und sagte ab. Ob er sich aber mit dem VfL Wolfsburg eine viel bessere Wahl getroffen hat, sei dahingestellt. Ich habe immer noch die sauren Minen von Bobic und Schwarz beim 1.FC Union in Erinnerung. Die deuteten in Richtung Unfähigkeit. Wie soll das bloß enden, wie soll es nur weitergehen?

Der Blick voraus verheißt nichts Gutes! Am 2. Spieltag kommt Eintracht Frankfurt ins Olympiastadion, als Tabellenletzter. Bayern München hat die Frankfurter im eigenen Stadion total auseinander genommen. Heißt jetzt, Wiedergutmachung spielt gegen Wiedergutmachung. Aus Sicht der Hertha sollte gewonnen werden, danach hat Hertha bei Borussia Mönchengladbach zu bestehen. Noch problematischer wird es eine Woche darauf. Borussia Dortmund kommt nach Berlin. Ich kenne da einen Statistiker, seine Darlegung: „Aus ehemals 12 möglichen Punkten, das ist nicht mehr möglich, können es aber noch null werden“! Es bleibt das Prinzip Hoffnung, auf den Fußball-Gott.

Christian Zschiedrich

Hertha chancenlos in der Wuhlheide

Es war, sollten Sie es mit der „Alten Dame“ halten, fürchterlich anzuschauen. Gegen die solide aufspielenden Köpenicker fehlten gänzlich die Mittel. Der Blick von Hertha Trainer Sandro Schwarz sprach Bände. Leer und ohne Hoffnung, so muss man das wohl werten. Es mag zutreffen, dass bei den Blauen sich der eine oder andere etwas bessere Individualist am Ballgeschiebe beteiligte. Siehe den Ehrentreffer für die Hertha in der 85. Minute, es war Ergebniskosmetik, nicht mal ein Hoffnungsschimmer. Bis dahin hatten die Eisernen bereits drei Tore erzielt. Der Treffer von Dodi Lukebakio war eine feine Einzelleistung, ganze zwei Torchancen zuvor für den Gast, mehr war nicht in die Notizbücher gekommen.

Der 1. FC Union ist am Beginn seiner nunmehr vierten Bundesliga-Saison dem Ortsrivalen in allen Belangen überlegen. Dass es sich so deutlich zeigt, war nicht zu erwarten. Hertha ist im Pokal raus, mit einer 1:3 Niederlage in die Saison gestartet und ein Blick auf nächsten Spiele lässt erschaudern. Das Wort vom Abstiegskandidaten ist wohl nicht zu hoch gegriffen. Ein Thema bei der Hertha ist Dedryck Boyata. Der Ex-Kapitän wurde für das Derby aus dem Kader gestrichen, soll er gehen? Sehr stabil wirkte Herthas Abwehr jedenfalls nicht.

Die Köpenicker dagegen, können einfach weiter genießen. Die Neuen im Kader haben sofort funktioniert. Und Union macht einfach weiter, immer weiter ganz nach vorn. Was wird aus der Hertha?

Hans-Peter Becker

Regionalliga Nordost – spannender Titelkampf

Die Regionalliga Nordost startet am 5. August in die Saison 2022/23. Es werden insgesamt 18 Mannschaften den Kampf aufnehmen. Das Eröffnungsspiel wird am Freitagabend, 5. August 2022 um 18:00 in Luckenwalde angepfiffen. Der ansässige FSV empfängt den Rückkehrer FC Rot-Weiß Erfurt zum Kampf um die ersten Punkte. Eine Stunde später werden dann in Berlin die ersten Spiele beginnen, im „Zoschke“ wartet Lichtenberg 47 auf Halberstadt und die VSG Altglienicke bekommt es am Wurfplatz, auf dem Gelände des Olympiastadions, mit Energie Cottbus zu tun. Da treffen gleich zwei Teams aufeinander, die von den Experten als Favoriten auf die vorderen Plätze, sogar als heiße Meisterschaft-Anwärter gehandelt werden. Altglienicke hat sich mit Tolcay Cigerci, Philip Fontein, Charmaine Häusl (beide Berliner AK), Aleksandrs Guzlajevs (VfB Auerbach) und Gordon Büch (RFCU Luxemburg) wohl am namhaftesten verstärken können.

Insgesamt spielen sieben Mannschaften aus Berlin in der Nordost Liga. Die Reisekosten bleiben moderat. Am Stadtrand spielen die Babelsberger und Cottbus und Luckenwalde sind nicht allzu weit entfernt. Die längsten Anreisen aus Berliner Sicht sind Jena, Erfurt, Chemnitz und Greifswald. Die Spielorte liegen alle weniger als 300 km entfernt.

Am Samstag, jeweils um 13:00 Uhr müssen drei Berliner Vertreter auswärts zeigen, wie gut die Vorbereitung war. Der Absteiger aus der 3. Liga Viktoria Berlin, hat gleich in Jena eine harte Nuss zu knacken. Der FC Carl-Zeiss wird weit vorn erwartet, liebäugelt mit der Meisterschaft, während die Himmelblauen nicht unbedingt den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen dürften. Sie gehen ein doppeltes Wagnis ein, sie schicken eine junge Mannschaft ins Rennen und vertrauen, mit Semih Keskin, übernahm das Amt von Farat Toku, auf ihren bisherigen U 19 Trainer. Für den 33-jährigen Keskin ist es die erste Stelle als Cheftrainer im Männerbereich. Es sind nur wenige Spieler aus dem Drittliga-Kader verblieben. Wie stabil ist die junge Mannschaft des FC Viktoria? Es müssen 17 Neue integriert werden. In der Abwehr fällt, mit Tobias Gunte, eine wichtige Säule in der Verteidigung, nach Vereinsangaben voraussichtlich bis November aus. Am Ende der Saison wollen die Himmelblauen möglichst weit oben stehen. Das Ziel bleibt die Rückkehr in den Profifußball.

TeBe muss am Samstag in Chemnitz antreten. An der Gellertstraße zu bestehen, ist keine leichte Aufgabe. Chemnitz wird von Christian Tiffert trainiert, bei TeBe kein Unbekannter. Die Zielvorgaben könnten nicht unterschiedlicher sein, die Veilchen mit ihrem neuen Trainer Abu Njie (kam von Tasmania aus der Oberliga) hoffen auf eine halbwegs sorgenfreie Saison und den Klassenerhalt. Kurz vor dem Saisonbeginn wurden noch drei Neuzugänge vermeldet. Malik Ceesay, Mustafa Karaman und Emincan Tekin wechseln an den Eichkamp. Tekin wechselt von Hertha II und hat immerhin Erfahrung in der Regionalliga. Das Gros der Neuzugänge kommt aus unterklassigen Ligen. Mit jetzt 23 Spielern bleibt die Kaderstärke trotzdem relativ klein. Der sportliche Leiter Claudio Offenberg hatte zudem überraschend im Juli sein Amt niedergelegt.

Nicht ganz so weit wie die Viktoria muss der am Aufstieg gescheiterte BFC Dynamo auf Reisen gehen. Die Autobahn A9 kann der Mannschaft-Bus der Weinroten bereits an der Abfahrt Weißenfels verlassen, weiter geht es in Richtung Zeitz bis nach Meuselwitz, dort wartet in der Bluechip-Arena der Zipsendorfer Fußballclub. Neuer, alter Trainer in Meuselwitz ist Heiko Weber, zuvor Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Carl-Zeiss, der zudem einige Spieler aus Jena mitgebracht hat. Der BFC hat mit Heiner Backhaus auch einen Neuen auf dem Trainerstuhl und nimmt einen neuen Anlauf in Richtung Aufstieg. Zuvor trainierte er Rot-Weiß Koblenz in der Regionalliga Südwest und mit ihm wechselten Dominic Duncan und Arthur Ekalle, zwei Defensivkräfte, ins Sportforum nach Hohenschönhausen. Der BFC hat mit Matthias Hamrol einen neuen Torwart verpflichtet. Für ihn ist es ein schnelles Wiedersehen mit seiner alten Fußballheimat. Er hielt in der letzten Saison für Meuselwitz den Kasten sauber.

Der Sonntag hält dann für die Fußballinteressierten in Berlin und Umgebung, jeweils ab 13:00 Uhr, die Partien BAK 07 gegen Aufsteiger Greifswalder FC und Babelsberg gegen Chemie Leipzig parat. Der Aufsteiger Greifwalder FC hat aufgerüstet und gilt als Geheimtipp für die neue Saison. So wurde unter anderem Stürmer Abu Bakarr Kargbo verpflichtet, der in der letzten Saison im Dress der Athleten neun Tore erzielte. Ihm zur Seite stehen wird mit Guido Kocer ein zweitligaerfahrener Akteur.

Die zweite Mannschaft von Hertha BSC reist nach Leipzig und trifft im Bruno-Plache Stadion auf den „die Locksche“ genannten Verein Lok Leipzig. Verstärkt hat sich die Mannschaft mit Nader El-Jindaoui, er dürfte als Influencer bekannter sein. Der 25-jährige Stürmer erzielte in der Saison 2021/22 in 35 Spielen für den BAK 14 Tore und gab 10 Vorlagen. Er soll jetzt gewissermaßen als Routinier die Hertha-Bubis an den Männerfußball heranführen. Von Viktoria wechselte Torwart Philip Sprint zurück zu seinem einstigen Ausbildungsverein, ein weiterer erfahrener Spieler für den Hertha-Nachwuchs. Trainer Ante Covic hegt mit den Hertha Bubis keinerlei Meisterschaftsambitionen. Pro Saison sollen wenigstens drei Nachwuchskräfte an die Profimannschaft herangeführt werden und dazu in der Regionalliga frei von Abstiegssorgen gespielt werden.

Eine interessante Liga beginnt wieder mit ihrem Spielbetrieb. Der Meister steigt erneut nicht direkt auf, er muss die Relegation mit dem Meister aus Bayern.

Hans-Peter Becker

Viktoria verliert gegen den VfL Bochum

Beide Trainer zeigten sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel der ersten Runde im DFB-Pokal zufrieden mit der gezeigten Leistung ihrer Mannschaft. Eine Gemeinsamkeit verbindet zudem beide, bevor sie die Profis ihres Vereins übernahmen, erwarben sie sich Verdienste als Übungsleiter der A-Jugend Bundesligamannschaften.

Thomas Reis Trainer des Vfl Bochum © Foto Hans-Peter Becker

Thomas Reis fand, dass seine Mannschaft hier das Ganze seriös heruntergespielt hat. Es war natürlich das Ziel, eine Runde weiterzukommen. Trotzdem weist du vor dem ersten Pflichtspiel nie so genau, wo die Mannschaft steht. Die Lockerheit der Vorbereitungsspiele ist weg, jeder spürt, jetzt wird es ernst und eine gewisse Nervosität ist einfach da.

Der Trainer der Himmelblauen Semih Keskin verwies zunächst auf den Schockmoment im Spiel, sein Spieler Enes Küc hatte sich in der 50. Spielminute schwer verletzt und musste vom Platz getragen werden. Nach einem Zweikampf war er unglücklich auf dem Boden gelandet. Den guten Wünschen einer baldigen Genesung schloss sich natürlich der Bochumer Trainer an. Reis war einst Trainer von Küc bei der Bochumer A-Jugend. Keskin fand lobende Worte für seine junge Mannschaft (Durchschnittsalter 21,6 Jahre), insgesamt hatten sie sich achtbar aus der Affäre gezogen. Wir waren hier der Underdog und wussten, viele Chancen werden sich für uns nicht ergeben. Wenn du deine Minimalchance nutzen willst, müssen die Angriffe konsequent zu Ende gespielt werden. Trotz der Niederlage glaube ich, meine junge Mannschaft hat einiges aus diesem Spiel gelernt und mitnehmen können.

Das Spiel war recht schnell entschieden. In der 18. Minute konnte Simon Zoller eine Flanke von Gerrit Holtmann verwerten. Das Nachsehen hatte dabei Diren-Mehmet Günay, der zwar eng an Zoller dran war, aber den Torschuss nicht verhindern konnte. Nur vier Minuten später klingelte es erneut und Takuma Assano brachte den Bundesligisten mit 2:0 in Führung. Es gab wohl niemanden unter den offiziell 5.573 Zuschauern, die in diesem Zwischenstand mehr als nur eine Vorentscheidung sahen.

War trotz der Niederlage nicht unzufrieden, Samih Keskin, Trainer der Viktoria © Foto: Becker

Der Bochumer ließen es mit dieser Führung im Rücken etwas gemächlicher angehen und leisteten sich einigen Leerlauf. In solchen Situationen bietet sich die alte Mär vom Turnierpferd an, das nur so hoch springt, wie es unbedingt muss. Viktoria stemmte sich zudem mit Vehemenz gegen eine höhere Niederlage. Keskin hatte seine Mannschaft mit einer 5-3-2 Taktik auf den Rasen geschickt. Küc und Moritz Seiffert sollten vorn den Ballführenden attackieren. Nach dem Spiel gab der Torschütze zum 1:0, Simon Zoller zu, dass sie sich gegen Mannschaften, die mit einer 5er Kette in der Abwehr spielen schwerer tun würden.

Die zweite Spielhälfte bot ein unverändertes Bild. Bochum hatte mehr Ballbesitz und in der 65. Spielminute fiel der dritte Treffer für die Gäste. Es war eine Kontersituation. Ein Angriffsversuch der Viktorianer endete bei Bochums Keeper Manuel Riemann, ein schneller Abwurf, Vorarbeit von Zoller und Philipp Hoffmann kann vollenden. Der Vertreter der Regionalliga versuchte wenigstens noch das Ehrentor zu erzielen. Schlussendlich mussten sie die Überlegenheit des Bundesligisten anerkennen. „Es gab schon einige Sequenzen im Spiel wo wir gezeigt haben, dass wir Ihnen den Zahn hätten ziehen können, das ist uns nicht gelungen. Wie schon in der Vorbereitungen gegen den 1. FC Union, es kommt da eine andere Qualität auf Dich zu.“ Dieser Einschätzung des Kapitäns der Viktoria, Jakob Lewald ist zuzustimmen. Es liegen zwei Spielklassen zwischen den Kontrahenten und Fußballwunder passieren eben nicht allzu oft.

Für Viktoria beginnt in der kommenden Woche die Saison in der Regionalliga Nordost. Erster Gegner wird auswärts der FC Carl-Zeiss Jena sein, die sich als Landespokalsieger Thüringen gegen den VfL Wolfsburg mit einer 0:1 Niederlage ebenso achtbar aus der Affäre zogen.

Hans-Peter Becker

DFB-Pokal 1. Runde

30.07.2022 13:01 Uhr Jahn-Sportpark Berlin

FC Viktoria Berlin – VfL Bochum 0:3(0:2)

Mannschaftsaufstellung Viktoria

Köstenbauer – Lewald – Baca – Mladen C. – Günay – Inaler (76. Emghames) – Durmushan (77. Milos C.) – Theisen – Werbelow (62. Sucsuz) – Seiffert (77. Mattmüller) – Küc (50. Yilmaz) 5-3-2/3-5-1-1

Saisonbeginn für die Berliner Erstligisten

In einigen Bundesländern fangen zwar erst die großen Schulferien an, doch der vollgepackte Terminkalender im Profifußball sorgt für einen frühen Saisonbeginn. Vor Weihnachten steht zudem die Fußball WM in Katar auf dem Plan.

Die Saisonvorbereitungen der Berliner Erstligisten verliefen unterschiedlich. Der 1. FC Union war wie gewohnt recht früh dran, während Hertha ja leider erst später mit den konkreten Planungen beginnen konnte. Sie mussten in die Relegation und einen eventuellen Abstieg berücksichtigen.

Die endgültigen Kader beider Teams stehen wohl erst Ende August fest, das Transferfenster schließt exakt am 1. September um 18:00 Uhr. Der 1. FC Union hat aktuell 33 Profis im Kader, beim Rivalen aus Charlottenburg sind es 32, da wird sich noch einiges tun, sodass am Schluss eine Kaderstärke von 26 Spielern erreicht wird. Fredi Bobic muss einen Transferüberschuss erwirtschaften, die Eisernen konnten das bereits sehr schnell realisieren. Allein der Verkauf von Taiwo Awoniyi spülte 20,50 Mio EUR in die Vereinskasse. Das war es zu verschmerzen, dass man Grischa Prömel ablösefrei zur TSG Hoffenheim ziehen lassen musste.

Bei der Hertha brachte der Verkauf von Arne Maier bisher den höchsten Erlös, der FC Augsburg überwies 5 Mio EUR. Die momentane Kaderstärke von 32 wird sich auch hier weiter reduzieren, Fredi Bobic hat allerdings noch mehr zu tun, als sein Pendant bei den Eisernen Oliver Ruhnert.

In den Testspielen war der 1. FC Union erfolgreicher als die „Alte Dame“. Beide Trainer werden ihren Spielern trotzdem erklärt haben, dass diese Ergebnisse Makulatur sind, wenn das erste Pflichtspiel der Saison ansteht. Hertha BSC muss am Sonntag, 31. Juli, beim Zweitligaaufsteiger Eintracht Braunschweig antreten. Es sei daran erinnert, dass Hertha zu Beginn der Saison 20/21, coronabedingt fand das Spiel erst am 11. September statt, nach einer 4:5 Niederlage bereits in der 1. Runde die Segel im Pokal streichen musste. Vielleicht hilft es, dass Braunschweig die ersten beiden Spiele in der 2. Bundesliga vergeigt hat und jetzt mit null Punkten und 0 zu 5 Toren gemeinsam mit dem Karlsruher SC das Tabellenende ziert.

Der 1. FC Union muss am darauffolgenden Montag beim Regionalligisten Chemnitzer FC antreten, es ist die etwas leichtere Aufgabe – scheinbar, der Pokal hat ja angeblich seine eigenen Gesetze.

Den Berliner Landespokal hat ja Viktoria Berlin gewonnen, für die Himmelblauen das Trostpflaster für den leider verpassten Klassenerhalt in Liga 3. Sie eröffnen am Samstag, 30. Juli den Reigen der Berliner Pokalauftritte und empfangen im Jahnsportpark den Bundesligisten VfL Bochum. Wer da der haushohe Favorit ist, dürfte zweifelsfrei feststehen. In den letzten 9 Jahren schied der jeweilige Landespokalsieger bereits in der ersten Runde aus. Die Niederlagen fielen meist deutlich aus, erinnert sei an die 1:9 Niederlage des BFC Dynamo, damals im Olympiastadion, gegen den 1. FC Köln. Allerdings gab es vor 10 Jahren auch mal eine faustdicke Überraschung, als der BAK im Poststadion die TSG Hoffenheim, Regionalliga gegen Bundesliga, sage und schreibe mit einer 0:4 Niederlage wieder nach Hause schickte. Sollte der neu formierten Mannschaft (21 Abgänge und 16 Neuzugänge) von Trainer Semih Keskin eine ähnliche Überraschung gelingen? Nach der zu erwartenden Niederlage folgt trotzdem ein warmer Regen für die Vereinskasse, für das Erreichen der 1. Runde erhält jeder der 64 Teilnehmer 209.246 EUR aus den Vermarktungserlösen.

Christian Zschiedrich

BR Volleys Team komplett

Spielt in der Saison 2022/23 für die BR Volleys, Antti Ronkainen hier im Trikot der finnischen Nationalmannschaft. Foto: © CEV

Der vierte Außenangreifer und zugleich 13. Spieler im Aufgebot des BR Volleys Teams kommt aus Finnland und heißt Antti Ronkainen. Bereits in der Bundesliga für die SVG Lüneburg am Netz, spielte der 25-jährige in den vergangenen zwei Jahren in der Schweiz. Der Nationalspieler hat einen Einjahresvertrag unterschrieben und soll dem Spiel des Hauptstadtclubs vor allem Ruhe und Stabilität verleihen.

Als bei Antti Ronkainen das Angebot aus Berlin auf dem Tisch lag, war für ihn sofort klar, dass er diese Gelegenheit beim Schopfe packen will: „Ich war sehr aufgeregt, weil die BR Volleys in meinen Augen ein Topverein in Europa sind, den jeder verfolgt. Bei einer derartig reizvollen Aufgabe war die Entscheidung für mich einfach.“ Bekannt ist ihm sein neuer Club aus erster Hand. Im Trikot der SVG Lüneburg (2019/20) lernte der 1.91 Meter große Außenangreifer den Volleyballtempel bereits kennen und erinnert sich: „Aus unserer Sicht war das damals wenig erfolgreich. Berlin hatte große Qualität im Team und die Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle war etwas ganz Besonderes.“

Während seiner Saison mit den Niedersachsen, die aufgrund des Ausbruchs der Corona-Pandemie nur eine kurze war, spielte Ronkainen auch mit einem Teamkollegen zusammen, den er nun an der Spree wiedersieht: Mittelblocker Anton Brehme. „Wie würde Anton sagen: Es schmeckt, wieder in einem Team zu sein. Wir hatten eine gute Zeit in Lüneburg und werden sicher daran anknüpfen.“ Brehme räumt mögliche Vorurteile, es handele sich bei dem Neuzugang um einen unterkühlten Finnen, direkt aus dem Weg: „Antti ist ein unheimlich sympathischer und humorvoller Teamplayer. Egal ob im Spiel oder Training, er bringt Emotionen auf den Court. Im Angriff spielt er sehr smart und hat viele Lösungen. Außerdem bin ich ein Fan seines Aufschlags.“

Brehme ist einer von sieben Akteuren, die schon während der Saison 21/22 dem Kader der Berliner angehörten. Ronkainen hingegen zählt zu den insgesamt sechs Neuzugängen und ihm ist bewusst, dass er ein Teil eines größeren personellen Umbruchs beim Deutschen Meister sein wird: „Die Ziele sind bei den BR Volleys immer sehr hoch und auch in der neuen Saison wollen wir um Titel kämpfen. Aber klar ist auch, dass es eine Zeit dauern wird, bis wir unser Zusammenspiel gefunden haben. Und trotzdem treten wir vom Start weg in jedem Match an, um zu gewinnen!“

In der Schweiz schloss der Finne die letzten beiden Spielzeiten mit Lausanne UC auf Rang vier (21/22) und mit Volley Näfels auf Rang sechs (20/21) ab. „Nach der Corona-Saison 2020 war es für mich eine schwierige Situation. Ich habe mich dann spät im Sommer noch für ein Engagement bei Näfels entschieden und durfte in den vergangenen beiden Jahren schöne Erfahrungen in der Schweiz sammeln. Jetzt möchte ich mich aber sportlich auf einem anderen Niveau beweisen und dafür gibt es für mich kaum einen besseren Platz als in Berlin“, fühlt sich der Hobby-Angler bereit für größere Aufgaben. Geboren wurde Ronkainen in Kuusamo und spielte sich bei Palloketut (2014-2016) und Etta Oulu (2016-2018) auch in den Kreis seiner Nationalmannschaft. Bei der Heim-EM im Sommer 2021 war der Blondschopf eine Stammkraft des finnischen Teams, in diesem Jahr führte er seine Landesauswahl in der CEV Silver League sogar als Kapitän auf das Spielfeld. „Eine ganz neue Rolle für mich, die mir aber große Freude bereitet hat“, erzählt er.

In den Augen von Geschäftsführer Kaweh Niroomand wird sich die Neuverpflichtung gut in das Team einfügen: „Mit der Verpflichtung von Antti Ronkainen sind unsere Personalplanungen für die neue Saison vorerst abgeschlossen. In ihm konnten wir noch einen Allrounder dazugewinnen. Nun sind wir zuversichtlich, dass wir mit einer ausgewogenen Kaderzusammenstellung unsere Abgänge auffangen können und diese Mannschaft sich schnell findet. Zum Glück werden in diesem Jahr viele Spieler frühzeitig in die Vorbereitung einsteigen können.“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Bundesliga-Klassenerhalt! SV Reinickendorf bleibt erstklassig

Ü-30 Tennisherren des SV Reinickendorf feierten den Klassenerhalt© Foto: Sportick

Die Sektkorken knallten und ein lautes „Bundesliga, Bundesliga, hey, hey…“ schallte über die Tennisanlage im Norden Berlins. Der Center-Court wurde kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert und mittendrin: Die Herren-Ü 30-Mannschaft des SV-Reinickendorf, die sich gerade den Klassenerhalt in der Tennis-Bundesliga gesichert hatte. Buchstäblich auf den letzten Drücker, in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Showdown.

Dabei hatte die erste Bundesliga-Saison der Reinickendorfer Vereinsgeschichte alles andere als gut begonnen. Gegen den vermeintlichen Abstiegskonkurrenten TTK Sachsenwald gab es im ersten Saisonspiel in Hamburg eine 4:5-Niederlage, wobei das entscheidende Doppel ganz knapp mit 5:10 im entscheidenden Tiebreak des dritten Satzes verloren ging.

Von diesem Rückschlag hat sich das Bundesliga-Team aus Tegel-Süd aber nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil: Die nächste Partie beim Uhlenhorster HC Hamburg ging nach großem Kampf mit 7:2 an die Reinickendorfer und damit stand die Tür zur Rettung wieder offen.

Im weiteren Saisonverlauf entwickelte sich dann der letzte Spieltag zum Tag der Entscheidung.

Die Ausgangslage war klar: Nur mit einem Heimsieg gegen den Dorstener TC konnten sich die Reinickendorfer ein weiteres Jahr Bundesliga-Tennis sichern.

Nach den ersten drei Einzeln stand es dann 1:2 und einmal mehr stand der SVR mit dem Rücken zur Wand. In dieser Situation zeigten die Berliner erneut, was Kämpferherz und Teamgeist bedeutet. Von den folgenden drei Einzel gingen zwei an den SV Reinickendorf. So stand es 3:3 stand vor den drei noch auszuspielenden Doppeln.

Hier schlug zum richtigen Zeitpunkt die stärkste Stunde des Teams. Alle drei Doppel konnten die Reinickendorfer für sich entscheiden. Die Timo Fleischfresser und Kristofer Stahlberg konnte ihre Partie sogar nach drei abgewehrten Matchbällen noch gewinnen. So stand letztlich ein 6:3 Sieg zu Buche. Die Bundesliga-Reise des SV Reinickendorf geht damit weiter.

Ein Verein, der zuvor noch nie in diesen Sphären Tennis gespielt hatte. Jetzt spielen die Ü-30 Herren aus Reinickendorf (namentlich: Marin Bradaric, Dacian Craciun, Timo Fleischfresser, Kristofer Stahlberg, Pilt Arnold, Tim Bauer, Daniel Gerlach, Richard Lieberenz und Florian Zschiedrich) tatsächlich ein weiteres Jahr in der höchsten Spielklasse, unter anderem gegen ehemalige Top-100-Spieler der Weltrangliste. Damit haben die SVR’ler nach dem sensationellen Aufstieg im letzten Jahr den nächsten (wohl noch wertvolleren) Meilenstein der Vereinsgeschichte erreicht.

All das passt zur Entwicklung der Reinickendorfer. In den letzten Jahren hat sich der Verein zu einem Leuchtturm im Berliner Tennis gemausert. Neben den Herren der Ü30-Bundesliga, stellt der Verein in diesem Jahr sowohl bei den Herren Ü40, als auch bei den Herren Ü55 jeweils den Ostdeutschen Meister und die 2. Herren Ü30, die Herren Ü50 und Ü60 haben sich jeweils den Titel des Berlin-Brandenburger Meisters gesichert.

Da darf sich der Center-Court auch schonmal in eine Tanzfläche verwandeln…

Christian Zschiedrich

Revolution im Fußball

(v.l.n.r.): Wollen die deutsche Sportwelt nachhaltig verändern: Tanja Wielgoß, Lisa Währer, Verena Pausder, Ariane Hingst, Katharina Kurz, Felicia Mutterer. Foto: © Filiz Serinyel

So jedenfalls ist die Presseerklärung überschrieben, die der FC Viktoria Berlin am 6. Juli 2022 verbreitet hat. Passend zur just an diesem Tag beginnenden Kontinental-Meisterschaft erfolgt die Aufklärung noch in der Überschrift: „prominente Frauen übernehmen das Frauenteam des FC Viktoria 1889 Berlin und wollen damit die deutsche Sportwelt nachhaltig verändern.“

2020 rüttelte die Nachricht von der Gründung des Fußballklubs Angel City FC durch Natalie Portman in den USA den internationalen Sport auf – die Schauspielerin und ihre Mitgründerinnen machten mit ihrem Einstieg ins Fußballgeschäft darauf aufmerksam, dass die US-Fußballerinnen weltweit erfolgreich sind und trotzdem um ein Vielfaches weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Ein Missverhältnis, was auch den deutschen Sport betrifft. Die Ungleichheit bei der Bezahlung sei allerdings nur ein Faktor. Sie fange schon früher, etwa mit der mangelnden Sichtbarkeit von Sportlerinnen an, erklärt die ehemalige Fernsehmoderatorin und (Sport-)Journalistin Felicia Mutterer. Die Geschäftsführerin von BRLO Craft Beer Katharina Kurz ergänzt: „Oder wer denkt bei der Sporthauptstadt Berlin an Frauenteams?“

Die Inspiration aus dem Ausland gepaart mit einem Verdruss über die lokale Unsichtbarkeit von Frauen im und einer großen Passion für Sport führte Mutterer und Kurz im Sommer 2020 zu dem Entschluss, ein solches Female Movement für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Sport mit einem eigenen Fußballteam auf dem Platz auch in Deutschland zu starten. Eine Idee, die mit starken Mitgründerinnen in die Realität umgesetzt werden soll: Gemeinsam mit prominenten Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft wie Ariane Hingst, ehemalige deutsche Nationalspielerin und zweimalige WeltmeisterinVerena Pausder, Unternehmerin und Investorin, Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin AG, und Lisa Währer, Brand- und Marketing-Expertin u. a. für OneFootball haben sie in enger Abstimmung und Verbundenheit mit dem FC Viktoria 1889 Berlin dessen Regionalliga-Team der Frauen übernommen. Ihr Ziel ist es, mit eigener Betreiberinnengesellschaft das Team innerhalb von fünf Jahren in die erste Bundesliga der Frauen zu führen. Ihre Vision: Nicht nur den Fußball, sondern auch den Sport in Deutschland nachhaltig zu verändern.

Neben ihrem Engagement für eine gerechte Bezahlung von Sportlerinnen setzen sich sie sich vor allem für Folgendes ein: 
 – Bessere strukturelle Bedingungen für Mädchen und Frauen im Fußball – das reicht von der Platzvergabe bis hin zur Vereinbarkeit von Leistungssport und Ausbildung und Beruf.
 – Frauenfußball sichtbarer zu machen – die Gründerinnen brechen mit Zuschreibungen und stehen für neue Rollenbilder und Narrative für den weiblichen Fußballnachwuchs. 
 – Fußball wieder zu einem Volkssport zu machen, der für alle da ist – Männer und Frauen. 

„Wir wollen nicht länger nur reden oder darauf warten, dass Frauen sich ihren Platz im Fußball erobern. Wir wollen selbst die Beschleunigerinnen für Fairplay im Sport sein“, erklärt Gründungsmitglied Tanja Wielgoß, die als Mutter einer fußballspielenden Tochter um die erschwerten Bedingungen von Mädchen und Frauen im Fußball weiß. 

Die Ursachen für die Ungleichbehandlung von Frauen im Fußball sind vielfältig: angefangen bei deutlich weniger Medienpräsenz über die geringeren Gehälter von Sportlerinnen bis hin zu dürftigen Sponsoringeinnahmen. Insgesamt fließen laut Statista weltweit nur ca. sieben Prozent der Sponsorengelder in den Sport mit Frauen. 

So viel Potenzial steckt im Frauenfußball
Die Gründerinnen investieren nicht nur aus idealistischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen in den Fußball mit Frauen: Laut der Frauenfußball-Strategie der UEFA hat dieser das größte Wachstumspotenzial im Fußballmarkt. So hat sich die Anzahl der Frauen- und Mädchenteams im Fußball in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Die jüngste Women’s Champions League Saison brach mit 91.533 Zuschauer:innen im Camp Nou den Weltrekord. International investieren große Unternehmen wie die britische Großbank Barclays und der Getränke- und Lebensmittelkonzern PepsiCo laut offiziellen Firmenangaben bereits Millionenbeträge in den Mädchen- und Frauenfußball. „Wir sind uns sicher, die Zeit ist jetzt reif für Frauen im Fußball, auch in Berlin. Ich will diese Veränderung aktiv mitgestalten und nicht nur von der Seitenlinie aus beobachten”, so die gebürtige Berlinerin Ariane Hingst. Auch Katharina Kurz, die selbst mit ihrer Craft-Beer-Marke BRLO als Sponsorin den Frauenfußball unterstützt, ist sich sicher: „Für Unternehmen wird es immer wichtiger, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Wir bieten interessierten Partner:innen die Möglichkeit dazu, sich in den populärer werdenden Themen Frauen und Fußball zu engagieren.“

Aus diesem Grund stellen die Gründerinnen ihr Vorhaben von Anfang an unternehmerisch auf: So ist das Frauenteam zwar Teil des Gesamtvereins, aber handelt als ausgegliederte GmbH eigenverantwortlich und versteht sich als Start-up, was innovativ und wirtschaftlich denkt und handelt: „Als Gründerin bin ich es gewohnt, groß zu denken“, erklärt Unternehmerin und Multi-Investorin Verena Pausder und fügt hinzu: „Dass ich mal mit fünf anderen tollen Frauen ein Fußballteam übernehmen werde, hätte ich mir aber nie erträumt.“

Mehr als Fußball
Bei der Übernahme des Frauenteams geht es um mehr als wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg, wie Felicia Mutterer erklärt: „Fußball ist nicht nur die beliebteste Sportart der Welt, sondern auch die populärste Vereinssportart für Mädchen und Frauen in Deutschland. Wir wollen mehr Vorbilder, Möglichkeiten der Identifikation und Chancen. Wir wollen einen Kulturwandel anzetteln. Sportlich und gesellschaftlich.”

Veränderung braucht Zeit 
Dass dies ein langer Weg sein wird, darüber sind sich die Frauen bewusst: „Unsere Vision von einer gleichberechtigten Teilnahme von Frauen im Fußball ist herausfordernd. Etablierte Vereins- und Verbandsstrukturen müssen dafür aufgebrochen werden, ein Wandel braucht Zeit“, sieht Lisa Währer voraus.

Das Momentum ist auf der Seite der sechs Gründerinnen. Schon zum Start ihrer Übernahme erhalten sie breite Unterstützung – angefangen beim Verein FC Viktoria 1889 Berlin, wie dessen Präsident Ulrich Brüggemann erklärt: „Unsere Mädchen und Frauen genießen seitens des Vereins seit Jahren viel Beachtung. Mit der Übernahme durch die Gründerinnen ist es nun möglich, sich noch intensiver um die Entwicklung des Frauenteams zu kümmern und die nächste Stufe, sprich die Bundesliga, zu erreichen. Wir freuen uns sehr und heißen die Gründerinnen bei Viktoria Berlin herzlich willkommen.“

Zeljko Karajica, Gesellschafter der FC Viktoria 1889 Berlin Fußball GmbH, der mit seiner Betreibergesellschaft das Regionalligateam der Frauen in die Neugründung einbringt, erklärt dazu: „Die Gründerinnen haben uns mit ihrem Konzept und ihrer Passion sofort abgeholt. Nicht ohne Grund haben wir die 1. Frauenmannschaft vor zwei Jahren ausgegliedert und die Professionalisierung vorangetrieben. Wir freuen uns nun, in dem neuen Set-up den Frauenfußball neu zu leben und erfolgreich zu gestalten.“

Auch namhafte Investorinnen wie die ehemalige Schwimmerin Franziska van Almsick, die ehemalige deutsche Fußballtorhüterin und -funktionärin Katja Kraus, Fernsehmoderatorin Dunja Hayali und Unternehmerin Lea-Sophie Cramer haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. DB-Vorständin Sigrid Nikutta, die Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung Jutta Allmendinger und die ehemalige Bundesministerin für Justiz Brigitte Zypries sind als Botschafterinnen mit an Bord. 

Bei der Politik weckt die Übernahme ebenfalls Interesse. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey: „Die Sportmetropole Berlin ist genau der richtige Ort, um neue Wege im Fußball zu gehen. In Berlin schaffte der deutsche Fußball seinen Durchbruch und der FC Viktoria 1889 ist einer der traditionsreichsten Vereine unserer Stadt. Der Spitzenfußball wird in der öffentlichen Wahrnehmung noch häufig von Männern dominiert. Daher unterstütze ich die Idee, den Fußball in unserer Hauptstadt und im ganzen Land weiblicher zu gestalten. Das steht Berlin gut zu Gesicht. Und es schafft mehr Sichtbarkeit und Teilhabe von Frauen im Profifußball. Für das Vorhaben wünsche ich den Initiatorinnen und dem Team viel Erfolg.“

Die nächsten Schritte
Der Jurist und Fußballberater Henner Janzen hat bereits im April die sportliche Leitung des Fußballteams übernommen. Der gebürtige Berliner stellt derzeit das Team zusammen. Am Wochenende 20. – 22. August 2022 startet dieses Team mit der ersten Runde im DFB-Pokal in die neue Saison.

Über die FC Viktoria Berlin Frauen 
Die FC Viktoria Berlin Frauen sind ein Berliner Frauenfußball-Regionalligateam und gehört zum Verein FC Viktoria 1889 Berlin. Im Juli 2022 wurde der Bereich des 1. Frauenteams als GmbH ausgegliedert. Initiiert, gegründet und geleitet wird das Team von sechs Gründerinnen rund um die ehemalige deutsche Nationalspielerin und zweimalige Weltmeisterin Ariane Hingst. Darunter die Unternehmerin und Investorin Verena Pausder, die Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin AG Tanja Wielgoß, die ehemalige Fernsehmoderatorin und (Sport-)Journalistin Felicia Mutterer, die Mitgründerin und Geschäftsführerin von BRLO Craft BeerKatharina Kurz und die Brand- und Marketingexpertin Lisa Währer. Die Betreiberinnen sehen das Vorhaben als Unternehmen mit Start-up-Charakter, das sie eigenverantwortlich und unternehmerisch voranbringen wollen. Dabei setzen die Gründerinnen auf ihr großes Netzwerk, ihre gesammelte Expertise und die breite Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Namhafte Investor:innen wie Sigrid NikuttaFranziska van AlmsickJutta AllmendingerKatja KrausBrigitte Zypries oder Lea-Sophie Cramer haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Ihr Ziel: Ein erstklassiges Fußballteam in die 1. Bundesliga zu bringen und gleichzeitig eine erfolgreiche Marke zu etablieren, die deutschlandweiten und internationalen Vorbildcharakter hat und der Gesellschaft auf und neben dem Platz die Möglichkeit zur Identifikation bietet. Auf diese Weise wollen sie mit dem Projekt ein nachhaltiges und soziales Female Movement mit gesellschaftlichem Einfluss in Gang setzen, welches den Sport in Deutschland und darüber hinaus nachhaltig verändert, faire Gehälter für Sportlerinnen zur Norm macht und zu mehr Sichtbarkeit, Anerkennung und Chancengleichheit von Frauen im Sport führt.

Quelle: Viktoria Berlin

  

Erster Test der Eisernen bei Viktoria

Der Jahnsportpark bleibt weiter die Heimspielstätte des FC Viktoria. Das erste Testspiel als Regionalligist lockte 2.342 Zuschauer in den Stadtbezirk Prenzlauer Berg. In den Hochsommermonaten gehört das Stadion dem American-Football und so standen hinter den Fußballtoren das gelbe Gestänge für die Field-Goals. Auf dem gutgepflegten Rasen waren die Yard-Markierungen noch zu erkennen.

In den 90 Minuten am 29. Juni 2022 überwog der Testcharakter. Beide Teams sind seit dem 20. Juni wieder im Training. Zu Beginn einer Saisonvorbereitung wird Kondition gebolzt. In den ersten Testspielen werden taktische Varianten ausprobiert.

Für den 1. FC Union war es das erste Testspiel, während die Himmelblauen bereits einen Test gegen Zweitligaaufsteiger und ehemaligen Ligakonkurrenten 1. FC Magdeburg (eine 1:2 Niederlage) bestritten.

Viktoria verlor auch den zweiten Test gegen einen höherklassigen Gegner. Am Ende hieß 3:1 für die Gäste aus Köpenick. Zwei Treffer per Kopf durch Sven Michel (1. und 35. Minute) sowie das Tor von Andreas Voglsammer (59. Minute) kamen für den Bundesligisten in die Wertung. Viktorias Nachwuchsspieler Ünal Durmushan traf in der 81. Minute nach einem sehenswerten Spielzug für Viktoria.

Den Eisernen gelang spielerisch sehr wenig, die beiden Michel-Tore fielen nach ruhenden Bällen, heraus kombiniert war lediglich der Treffer von Voglsammer. Interessant war für die Beobachter, dass Urs Fischer die Eisernen in beiden Halbzeit, bei unterschiedlichem Personal, in der Abwehr mit einer 4er-Abwehrkette spielen ließ. Auffällig war in der 1. Halbzeit das Agieren des neuen niederländischen Innenverteidigers Danilho Raimundo Doekhi, allein mit seinen 1,90 m Körpergröße eine beeindruckende Erscheinung auf dem Platz.

Die Mannschaft von Viktoria hat ein neues Gesicht und mit Semit Keskin einen neuen Trainer. Zur Halbzeit wurde kräftig gewechselt. Auf beiden Seiten gab es keinen Akteur, der 90 Minuten durchspielen musste. Die sportliche Leitung der Himmelblauen hat die Mannschaft stark verjüngt. Neuer Kapitän ist Innenverteidiger Jakob Lewald, mit 24 Jahren bereits ein Routinier in der Youngster-Truppe. Eine Achillesferse könnte die Besetzung der Torwartposition sein. Hier setzen sie auf drei Nachwuchsleute. Neben Maximilian Kinzig und Marten Schulz, beide erst 18 Jahre alt, wurde mit Marcel Köstenbauer von Austria Klagenfurt zwar per Leihgeschäft ein weitere Keeper verpflichtet, über Erfahrungen im Männerbereich verfügt er allerdings auch nicht. Auf den neuen Torwart-Trainer, Daniel Haas hat Marco Senja abgelöst, kommt eine ganze Menge Arbeit zu.

Hans-Peter Becker

Trainer-Stimmen:

Semih Keskin (Viktoria) sagte nach dem Testspiel: „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit dem Auftreten der Jungs. Ein früher Rückstand ist immer ärgerlich, man läuft von Beginn an hinterher. Allerdings haben sie den Treffer gut weggesteckt und konzentriert an dem gearbeitet, was wir uns vorgenommen haben. Für uns gilt es nun, die Fehler zu analysieren und weiter hart zu arbeiten. Wir schauen von Spiel zu Spiel und achten dabei nicht auf nur das Team als Ganzes, sondern auch auf die Entwicklung jedes einzelnen.“

Union-Trainer Fischer sah die erste Partie seiner Mannschaft in der Vorbereitung positiv: „Die Jungs haben heute eine harte Trainingseinheit gehabt und dafür muss ich sagen, dass ich mit dem Spiel sehr zufrieden bin. Sie waren aktiv und haben trotz der Belastung vom Vormittag versucht zu agieren, das hat mir wirklich gut gefallen.“

29.06.2022 18:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

Testspiel FC Viktoria 1889 Berlin – 1. FC Union Berlin 1:3 (0:2)

1. FC Union Berlin: Busk (46., Stein) – Maciejewski (46. Jaeckel), Doekhi (46., Knoche), Heintz (46. Van Drongelen), Gießelmann (46., Dehl) – Möhwald (46. Öztunali), Kemlein (53., Seguin), Michel (46., Pantovic) – Becker (46., Skarke) , Sanogo (46., Behrens), Endo (46. Voglsammer)

FC Viktoria 1889 Berlin: Kinzig (65., Schulz) – Maric (46., Cvjetinovic), M. Cvjetinovic, Lewald (65., Anders), Touglo (65., Durmushan), Sucsuz (55., Michael) – Günay), Inaler ( 65., Frimpong), Theisen (55., Mattmüller) – Yilmaz (55., Emghames), Küc (55., Skakun)