Der letzte Spieltag einer Saison ist das Resultat der Vorangegangenen, einige Entscheidungen sind knapp, für besondere Spannung ist gesorgt.
Für die Berliner Proficlubs war es, zum Glück, nicht mehr spannend. Sie standen jenseits von Gut und Böse. Während der 1. FC Union seine Interimstrainerin Marie-Louise Eta würdig verabschieden konnte und ihr einen Sieg bescherte, blamierte sich Hertha bis auf die Knochen. Nichts Neues bei der Alten Dame, wenn es darauf ankam, standen nur Versager auf dem Platz. Dass es anders geht, mit Mentalität die eine oder andere fehlende Qualität im Kader wettgemacht werden kann, wurde in Gelsenkirchen bewiesen oder in Elversberg. Zum Trost der Verantwortlichen in Westend, es geht noch schlechter. Fortuna Düsseldorf war mit ähnlicher Zielsetzung wie die Hertha in die Saison gestartet, oberes Tabellendrittel und Aufstieg. In Düsseldorf mutierte das Vorhaben zu einem kompletten Desaster, während Hertha einen neuen Anlauf nehmen muss.
Nichts Neues also im Berliner Profifußball. Während die BR Volleys, die Eisbären, die Füchse und Alba reüssieren können, ist es im professionellen Fußball eher ein Trauerspiel. Beneidenswert sind diejenigen, die ihr Herz an den Amateurfußball verschenkt haben. Bis zur 5. Liga gilt der gute alte Fußballgrundsatz, nach dem Spiel ist vor dem Spiel oder geht raus und spielt Fußball.
In Köpenick und in Westend stehen jetzt gründliche Analysen zum Saisonverlauf an. Es kann nur besser werden. In der nächsten Saison gibt in der 2. Bundesliga wieder ein Berlin-Brandenburg-Derby. Der FC Energie Cottbus hat es nach langer Abstinenz wieder in die zweithöchste Spielklasse geschafft und wird die Alte Dame fordern. Der 1. FC Union darf sich bei Hertha erkundigen, wo am besten in der Nähe von Elversberg übernachtet werden kann.
Ein Freitagabend (15.05.2026) in Blau-Gelb. Der BFC Meteor 06 aus der Landesliga 2 hat sich vorzeitig den Meistertitel gesichert. Nach mehr als 50 Jahren kehrt der Club aus dem Wedding in die oberste Berliner Spielklasse zurück – damals hieß diese noch Regionalliga. Das 1:0 (0:0) gegen Verfolger und Tabellenzweiten Köpenicker SC war hart erkämpft. Torschütze Demba Mendy ließ sich feiern. Wie so oft in dieser Spielzeit reichte den Meteoren ein knapper Vorsprung zum Erfolg und nun Aufstieg in die Berlin-Liga.
Vor mehr als 300 Zuschauern – darunter viele mit freiem Eintritt – fand dieser Abend seinen Abschluss mit Paukenschlägen und Anfeuerungsrufen der jüngeren Meteore auf der Gegengeraden. Chancen zur Führung gab es für beide Teams bereits im ersten Abschnitt, wobei die sich aufseiten der Hausherren eher durch Standards ergaben.
Dem großen Willen und der sich steigernden Einsatzbereitschaft der Mannschaft des Tabellenführers hatten die Gäste in der Endphase nicht mehr viel entgegenzusetzen. Die mehr als fünfminütige Nachspielzeit fand ihren Abschluss in einem Platzsturm der Anhänger, einer einzigen großen Jubeltraube und dem üblichen Trikotwechsel zu einem Shirt mit der Aufschrift „Meister der Landesliga“. Und – als wäre es damit nicht schon genug – musste das Abbrennen von gelben und blauen Fackeln (die Clubfarben Meteors) ebenso ganz Wedding und Gesundbrunnen zeigen: Berlin-Liga wir kommen.
Kurzfristige Absagen im Landespokal-Finale sorgen für Verdruss
Die Frage, warum 1972 beim Pokalwettbewerb der C-Jugend in Berlin (West) zwei Teams zu Siegern erklärt wurden, ist nicht mehr ohne Weiteres zu beantworten. Damals teilten sich Berliner Amateure und Rapide Wedding die Trophäe. Weshalb der Finaltag 2026 zu Christi Himmelfahrt um den Nike Youth Cup derartig ausgedünnt angesetzt werden musste, ist leichter zu klären. Hier traten nach Absagen für D- und C-Jugend nur die beiden Berliner Top-Teams vom 1. FC Union und Hertha BSC an.
Für die D-Jugend sollten Frohnau oder Viktoria Mitte sich mit Hertha BSC messen. Wegen eines noch laufenden Verfahrens vorm Verbandsgericht konnten sich beide Mannschaften die Anreise am Donnerstag sparen. Pikant an der Sache: Eine peinliche Fehleinschätzung der Spielregeln beim Entscheidungsschießen im Halbfinale. Statt der erforderlichen fünf Schützen sollen – vom Unparteiischen und Verbandsoffiziellen vor Ort unbemerkt – nur drei zum Elfmeterschießen angetreten sein. Nun soll erst zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt über den Einspruch abschließend geurteilt werden. Wohl eine herbe Enttäuschung für alle beteiligten jungen Fußballer.
Die weitere Stornierung eines ebenfalls zuvor per Elfmeterschießen entschiedenen Halbfinales der C-Jugend zwischen Stern 1900 und SC Staaken (8:9) erfolgte nur Stunden vor dem Finale. Ein wohl einmaliger Vorgang. Der Gegner Viktoria 89 stand fest. Hier hatte man sich nach einem Sport- und Verbandsgerichtsurteil auf den eigentlichen Verlierer Stern eingestellt. Was war der Grund für die Reklamation? Bernd Fiedler aus dem Stern-Vorstand: „Die Verfahrensordnungen sollten für alle gelten. Ab dem 1. Januar 2026 sind aktualisierte Fotos in den digitalen Spielerpässen der Kinder und Jugendlichen zwingend vorgeschrieben. Das wurde beschlossen. Wir wurden auf einen Mangel beim SC Staaken aufmerksam. Daher legten wir Einspruch ein.“
Die Organe des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) konnten jedoch laut Auskunft des Präsidialmitgliedes Frank Schröder die ausführliche schriftliche Gegenposition der Staakener nicht innerhalb einer derartig kurzen Zeit beurteilen. „Das Verbandsgericht wird erst demnächst ein Urteil fällen können. Dass die Jugendlichen vermutlich ratlos das Geschehen beobachten, kann ich verstehen. Das Endspiel im vorgesehenen Rahmen im Werner-Seelenbinder-Sportpark verpasst zu haben, ist nicht schön“, teilte Schröder Sportick.eu mit. An derartig kurzfristige Absagen im Berliner Landespokal-Finale der Jugend kann sich Schröder auch nicht erinnern. „Nur während der Corona-Pandemie fiel einiges aus. Die A-Jugend spielte dann damals unter Ausschluss der Öffentlichkeit, damit für den überregionalen Pokalwettbewerb ein Berliner Team gemeldet werden konnte.“
Im einzig verbliebenen Endspiel am Nachmittag des Feiertages setzte sich die U17 vom 1. FC Union gegen den Nachwuchs des Zweitligisten Hertha BSC mit 2:1 durch. Auch hier ging es zunächst nicht den gewohnten Gang: Ein Gewitter zwang zur Unterbrechung nach einer Viertelstunde. Ein Handspiel im Strafraum mit anschließendem Elfmeter hätte nach etwa einer Stunde (bei 80 Minuten Spielzeit) die Vorentscheidung beim Spielstand von 2:1 bedeuten können. Die Eisernen vergaben vor etwa 1.050 Zuschauern die große Chance, konnten aber die bis zum Ende vehementen Angriffe der Blau-Weißen abwehren. An Stelle der enttäuschenden Union-U19 im Finale einen Tag zuvor, sicherten sich nun die jüngeren Akteure der Köpenicker den Pott.
Wenn ein Spieler zum „Man oft the Match“ gekürt wird, der nur wenige Minuten auf dem Feld stand, muss sich etwas Ungewöhnliches ereignet haben. So geschehen am Mittwochabend vor Himmelfahrt. Im Berliner Landespokalfinale der A-Jugend (U19) zwischen dem 1. FC Union und dem Berliner SC stand es nach regulärer Spielzeit und fünf Minuten Extrazeit 1:1. Derweil kam es kurz vor dem Abpfiff zu einer spielentscheidenden Auswechslung. Der gute BSC-Torwart Richard Radler war seinem Trainer anscheinend nicht gut genug für´s anstehende Elfmeterschießen.
Der nun folgende Aliyar Sahin muss in den Reihen seiner Kameraden wohl als Elfmeterkiller einen Ruf erlangt haben. Zweimal parierte er sicher die Schüsse der Unioner Akteure. Als dann Inem Bassey vor 1.104 zahlenden Besuchern seinen Elfmeter im zweiten Anlauf verwandelte, war die Sensation beim 5:3 (n. E) perfekt. Statt der viel höher gehandelten Stars aus dem Nachwuchs des Bundesligisten heißt der Cupgewinner 2025/26 Berliner SC, der Regionalligist.
Der diesjährige Wettbewerb wurde im Werner-Seelenbinder-Sportpark ausgetragen. Hier bot sich den Teams eine Atmosphäre, die in den vergangenen Jahren – im größeren Poststadion in Moabit – vermisst wurde. Die etwa gleich stark vertretenen Anhänger beider Mannschaften waren engagiert dabei. Als der BSC etwa fünf Minuten vor Ende die Führung durch Frank Junior Uzor erzielen konnte, schien bereits die Vorentscheidung gefallen. Doch Union kam nach einem Freistoß noch einmal zurück. Leon Prosche erzwang den Ausgleich in der 89. Minute. Weil es in diesem Wettbewerb keine Verlängerung gibt, kam es gleich anschließend zum Entscheidungsschießen – wie erwartet, auf der nicht von Zuschauern besetzten Waldseite des Platzes. Nicht zu verwechseln mit der Waldseite im Stadion an der Alten Försterei.
Der Underdog war sehr defensiv in die Begegnung gegangen, erst allmählich trauten sich die Spieler auch einmal über die Mittellinie. Das geringe Chancenplus des Favoriten deutete bereits in der torlosen ersten Halbzeit darauf hin, dass der Matchplan der Wilmersdorfer aufgehen könnte. Die Eisernen fanden auch in Hälfte zwei kaum Mittel, um Radler im Tor des BSC zu bezwingen. Ein Unioner, der einen der Elfmeter verwandeln konnte, überlegte nach der Niederlage, ob vielleicht sein Team „zu überheblich die Begegnung angegangen“ haben könnte. Vor den Augen der entscheidenden Mitarbeiter aus dem Jugendstab der Unioner kann die Niederlage durchaus als blamabel angesehen werden. Das war zu wenig für Nachwuchsspieler, die kaum einen Tag Training auslassen, auf eine Profikarriere hoffen.
Der ab der neuen Spielzeit (1. Juli 2026) bei der Union-A-Jugend tätige Jens Härtel ist als Ex-Cheftrainer bei Erzgebirge Aue, Eintracht Braunschweig, Hansa Rostock und 1. FC Magdeburg auch in Berlin beim Ex-Klub FCU bekannt. In Vertretung für die bekanntlich als Interimstrainerin in der 1. Mannschaft der Eisernen eingesetzte Marie- Louise Eta saß am Mittwochabend Daniel Schulz auf der Trainerbank. Die Sensation konnten alle nicht verhindern, denn Coach Dominik Ludwig vom Berliner SC hatte sein Team intelligent eingestellt. Aus einer meist sicheren Defensive entwickelte es nach und nach eine Gleichstellung, die beinahe schon ohne Entscheidungsschießen zum Sieg verholfen hätte. „Wir haben bereits die Teilnahme als Erfolg verbucht. Dass es zu mehr gelangt hat, ist wirklich sensationell“, sagte Ludwig – während bei Union sichtbar einige Tränen flossen. Parallel posierte der Mann des Tages Aliyar Sahin mit seiner Mutter noch für die Fotografen.
Vorschau auf den 34. Spieltag der Bundesligasaison 2025/26
Der vorletzte 33. Spieltag bescherte eine bisher einmalige Konstellation im Abstiegskampf: Drei Mannschaften mit je 26 Punkten! St. Pauli hat mit der „Roten Laterne“ ein Torverhältnis von 28:57. Das ergibt eine Tordifferenz von minus 29. Über dieselbe Differenz verfügt auch Heidenheim mit 41:70. St. Pauli hat in der Saison tatsächlich nur 28 Tore erzielt, somit die schlechteste Trefferquote aller Bundesligisten. Heidenheim hat zwar 14 Tore mehr erzielt, dafür aber die schlechteste Abwehr, ließ 70 Gegentreffer zu. Momentan hat der VfL Wolfsburg den Relegationsplatz 17 inne. Doch am 34. Spieltag heißt eine Partie St. Pauli vs. VfL Wolfsburg und Heidenheim spielt gegen Mainz 05. Bis Platz 15 sind alle gerettet. Die drei punktgleichen Vereine auf den Plätzen 16, 17 und 18 müssen Abstieg und Relegation unter sich aus machen. Möglicherweise entscheidet sogar das Torverhältnis über den Abstieg oder Relegationschance. So bitter das auch sein mag.
Was Heidenheim in den letzten Spielen vollbrachte, kann ein kleines Wunder genannt werden. So auch der 3:1 Sieg zuletzt in Köln. Mainz ist auf Platz 10 mit 37 Punkten gesichert und spielt nur für die Geldrangliste. Die Plätze für das internationale Geschäft sind nicht mehr zu erreichen. Heidenheim kann sich durchaus im Heimspiel noch einmal belohnen, St. Pauli spielt zu Hause gegen Wolfsburg und beide müssen, wie Heidenheim, alles auf Sieg setzen. Sollte das Spiel auf St. Pauli unentschieden enden und Heidenheim gewinnen, wäre beide im Fahrstuhl abwärts in Liga Zwei. Am besten man gewinnt vor eigener Kulisse. Wolfsburg ist unter Dieter Hecking, wieder einigermaßen in die Spur gekommen und St. Paulis Sturm ist mit nur 28 Toren in bisher 33 Spielen nur ein laues Lüftchen.
Der VfL bot gegen Bayern eine ansprechende Leistung, so fragen sich nicht nur die Experten, wie kann eine Mannschaft mit solchen Qualitäten und Spielern überhaupt auf dem 16. Tabellenplatz landen? Wolfsburg spielte den Deutschen Meister Bayern in der ersten Halbzeit förmlich an die Wand, vergaß „nur“ das Toreschießen, zumindest bei vier bis fünf Großchancen. Halbzeit 0:0.
Wäre bloß nicht die 56. Minute und Michael Olise mit einem Sonntagsschuss am Samstagnachmittag gewesen – das Traumtor zum 0:1 – gleichzeitig das Endergebnis. Glück und Pech lagen wieder einmal dicht beieinander. Die Bayern wollten keine Wettbewerbsverzerrung zulassen und nahmen zur Pause zwei Wechsel vor und alles ging wieder seinen gewohnten Gang.
Der Abstiegskampf ist spannend. In einem Monat schauen wir ja nur noch zur Weltelite und drücken Deutschland die Daumen. Bayern München wurde wieder einmal vorzeitig Deutscher Meister und Borussia Dortmund Vizemeister (3:2 gegen Eintracht Frankfurt). Ja, die Eintracht kriselt. Häufig wurde schon gefragt, ob der Trainer zum letzten Spiel gegen Stuttgart noch am Rand stehen oder auf der Bank sitzen wird. Für die Champions League hat es heuer nicht gereicht und der aktuelle 8. Tabellenplatz reicht auch nicht für Europa. Die Frankfurter müssten schon gewinnen, das könnte für Europa reichen, vorausgesetzt Freiburg verliert gegen Leipzig.
Volle Punktzahl für den Berliner Profifußball am vorletzten Spieltag der Saison, geht doch, wenn es um nichts mehr geht. Hertha besiegt vor der immer noch stattlichen Kulisse 44.621 Zahlenden die Spielvereinigung Greuther Fürth, trotz Unterzahl seit der 32. Spielminute mit 2:1. Der Spezialist für unbeabsichtigte glatt rote Karten Josip Brekalo bescherte seinen Mannschaftskameraden den einen oder anderen Laufweg mehr. Daumen hoch für die Moral der „Alten Dame“ im letzten Heimspiel der Saison, so darf man sich verabschieden. Vor dem Spiel wurden fünf Spieler verabschiedet, die kein neues Vertragsangebot erhalten hatten. Darunter auch Toni Leistner, der zunächst skeptisch von den Hertha-Fans beäugt, wegen seiner Vergangenheit beim 1. FC Union, nun als Gesamtberliner Idol emotional verabschiedet wurde. Er selbst wäre wohl gern geblieben. Im August wird er 36 Jahre alt, Hertha setzt mehr auf jüngere Spieler.
Der Sieg über die stark abstiegsgefährdeten Fürther ist hoffentlich ein positives Signal für die Zukunft. Am letzten Spieltag müssen die Herthaner in Bielefeld ran, die ebenfalls noch für den Klassenerhalt kämpfen. Mal sehen, was das wird. Für die nächste Saison kann ich mich nur Frank Lüdecke anschließen, „Hertha muss mehr Schalke wagen“!
Mehr wagen muss auch der 1. FC Union. Urs Fischer und seine Mainzer ermöglichten der Trainerin Marie-Louise Eta den ersten Sieg in der Bundesliga. Nennen wir ihn historisch. Neben den Fußbällen brachten die mitgereisten Ultras der Eisernen Tennisbälle ins Spiel und sorgten für eine Spielunterbrechung. Sie protestierten gegen Spielansetzungen am Sonntag und der späten Anstoßzeit 19:30 Uhr. Der Löwenanteil für die Vereinskasse wird nun einmal über die TV-Gelder eingenommen. Wer das Geld gibt, bestimmt eben welche Musik gespielt wird. Insgesamt sechsmal mussten die Eisernen in dieser Saison auswärts antreten und dabei kamen die Schlachtenbummler auf 7.000 Kilometer im Auto, Bus oder Bahn.
Wenigstens wurden die Auswärtsfahrer mit einem Sieg belohnt, das war in der laufenden Saison schließlich nicht oft der Fall. (5 Siege und 2 Unentschieden bei den 17 Auswärtsauftritten) Noch ein Spieltag, der FC Augsburg kommt in die Alte Försterei, dann regiert wieder einmal das Prinzip Hoffnung, es kann nur besser werden. Nach der Saison ist vor der Saison.
Serge Aubin ist bei den Eisbären Berlin inzwischen Geschichte. Sein Amt trat 2019 an. Einen möglichen Meistertitel verhinderte die Corona-Epidemie. Die Hauptrunde schlossen die Eisbären mit 94 Punkten als Tabellenvierter ab. Das war nicht schlecht zum Einstand. Der erste Meistertitel folgte ein Jahr später. Die Epidemie hatte die DEL weiter im Griff, so wurden die Finalrunden im best-of-three Modus und als Geisterspiele ausgetragen. Mit Mundschutz saßen die akkreditierten Journalisten auf der Pressetribüne und beobachteten den ersten Titelkampf unter Serge Aubin. Es war der 7. Mai 2021, mit einem 2:1 über Wolfsburg wurde die Finalserie beendet. Sweet Caroline, ein Lieblingslied von Serge Aubin, erklang aus den Boxen und nur die Mannschaft feierte einsam auf dem Eis die Meisterschaft. Wenn ich mich recht erinnere, waren wenigstens die engsten Familienangehörigen zugelassen.
Die Corona-Epidemie ebbte langsam ab, es durften, wenn auch anfangs reduziert, wieder Zuschauer in die Hallen. Alle Playoff Serien wurden im Modus best of five ausgetragen. Die Meisterschaft wurde am 4. Mai 2022 mit einem 5:0 Sieg in München perfekt gemacht. Dem folgte eine Seuchensaison 2022/23, die Eisbären schlossen die Hauptrunde mit 76 Punkten als Elfter der Tabelle ab. Die Playoffs wurden ohne den amtierenden Meister gespielt. Trotzdem hielt die Organisation der Eisbären am Trainer fest. Das Vertrauen wurde zurückgezahlt. Es folgte der Titel-Hattrick, vollendet am 3. Mai 2026 mit dem 4:1 Sieg in der Arena in Mannheim.
Bereits einen Tag später, brachte das Schweizer Nachrichtenportal die Meldung, Aubin werde die Eisbären verlassen. Die Bestätigung seitens der Eisbären ließ nicht lange auf sich warten. Serge Aubin wird in der kommenden Saison in der Nationalliga der Schweiz den SC Bern betreuen. Genügend Erfahrung für das Eishockey in der Schweiz bringt er, sowohl als Spieler und als Trainer mit. Es muss ihn gewurmt haben, sein Trainer Engagement in der Schweiz bei den Zürich Lions endete nach knapp 7 Monaten mit einer Entlassung aus dem Amt. Im Januar 2019 wurde er in Zürich entlassen und heuerte in Berlin an. Es war für ihn die erste Entlassung in seiner Trainerkarriere. Nach dem Rückzug der Hamburg Freezers aus der DEL unterschrieb Aubin einen Vertrag in Österreich bei den Capitals in Wien. Bereits in seiner ersten Saison holte er für den Verein den Meistertitel.
Nun ist er wieder zurück in der Schweiz, wo er nach eigenen Angaben noch nicht fertig ist. Bereits Ende 2025 sind die Schweizer an ihn herangetreten. Von dem Wechselwunsch wussten nur Sportdirektor Stephane Richer und Geschäftsführer Thomas Bothstede. Dass kein Lichtspalt davon durchgesickert ist, spricht für die gute Organisation der Eisbären. In einer Presserunde erklärte Richer die Entscheidung. “Serge hat große Verdienste für die Eisbären, da wollten wir seinem Wunsch entsprechen. Er hat uns erklärt, dass er eine neue Herausforderung sucht.”
Der aktuelle Meistertitel, der nunmehr insgesamt zwölfte in der DEL, darf wohl als der “Unerwartete” im Rückblick gekennzeichnet werden. Auch dazu gab es in der Journalistenrunde Äußerungen. Jede Meisterschaft war anders. Die Mannschaft hatte die Fähigkeit, sich immer wieder an ein neues System anzupassen. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Reihen in den unterschiedlichsten Besetzungen funktionieren. Aus der Not der Verletzungsmisere musste eine Tugend gemacht werden. Alle Kontrahenten in den Playoff-Spielen hatten ihre Probleme mit den Systemwechseln.
Die Eisbären suchen jetzt einen Trainer, der in diese großen Fußstapfen seines Vorgängers treten muss. Der Sportdirektor schaut sich neben dem Spielermarkt jetzt natürlich sehr intensiv den Marktplatz der Trainer an.
Der aktuelle Eisbären-Kader für die Saison 2026/27: Tor: Lennart Neiße Abwehr: Adam Smith, Mitch Reinke, Kai Wissmann, Eric Mik, Jonas Müller, Korbinian Geibel, Markus Niemeläinen, Moritz Kretzschmar
Sturm: Ty Ronning, Lean Bergmann, Patrick Khodorenko, Manuel Wiederer, Markus Vikingstad, Yannick Veilleux, Andy Eder, Eric Hördler, Leo Pföderl, Liam Kirk, Frederik Tiffels
Wenn ein rheinischer Gassenhauer zum Lieblingslied einer Berliner Mannschaft und ihres Anhangs wird, muss das einen besonderen Grund haben. Nach Abpfiff der CL-Partie gegen One Veszprem dröhnte es aus den Lautsprechern: Da simmer dabei! Dat es prima! VIVA COLONIA! Und Mannschaft und Publikum stimmten in den Song der Kölner Kult-Band Höhner lauthals ein. Mit dem 35:33-Erfolg hatten sich die Füchse wie im Vorjahr die Teilnahme an der Endrunde der Königsklasse gesichert. Die findet am 13./14. Juni in Köln statt.
Der Deutsche Meister startete mit einem enormen Tempo in das Rückspiel gegen den ungarischen Topklub, als müsse der Ein-Tor-Rückstand sofort und nicht am En-de des Spiels aufgeholt sein. Aus sicherer Deckung, mit einem Dejan Milosaljev in Top-Form (acht der ersten 16 Gäste-Abschlüsse entschärfte er) setzten die Gastgeber Veszprem unter Druck und fanden trotz der aggressiv-beweglichen Abwehr der Gäste immer wieder Lücken zum Torwurf – 8:3/10. Zur Mitte der ersten Hälfte stellte sich Veszprem besser auf das Füchse-Spiel ein. Dennoch blieben die Gastgeber zunächst dominant – 12:8/20. Durch einige technische Fehler und eine nicht ganz gelungene Variante des 7:6-Spiels (ohne Torhüter) büßten die Berliner etwas von ihrem Vorsprung ein – 17:15/30. „Wir lagen oft in Führung, aber sie haben sich immer wie-der zurück ins Spiel gekämpft. Großer Respekt vor der Mentalität und der Moral, die Veszprém gezeigt hat“, lobte Trainer Nicolej Krickau die Leistung der Gäste, die sich bereits in der Gruppenphase mit den Füchsen duelliert hatten.
Nach dem Wechsel erhöhten die Ungarn den Druck auf die Füchse, die jedoch in einem weiterhin temporeichen Spiel dagegenhielten. Lange Zeit stand die Partie auf des Messers Schneide. Mit einigen unglücklichen Aktionen (Treffer an Pfosten) und technischen Fehlern holten die Berliner den Gegner zurück ins Spiel. Beim Stand 29:29/57 schien der Weg nach Köln verbaut. Milosavljev`s Siebenmeter-Parade zwei Minuten vor Schluss und ein Treffer in der letzten Minute sorgten für einen Ergebnis-Gleichstand nach Hin- und Rückspiel. So musste das Siebenmeter-Werfen entscheiden, bei dem der mit „Milo,Milo“-Rufen gefeierte Berliner Keeper zweimal Sieger blieb. Für die Gastgeber verwandelten zuerst Lichtlein, Freihöfer und Grøndahl, bevor Mathias Gidsel mit dem letzten Wurf Sieg und Final-Four-Einzug perfekt machte. „Veszprém ist eine unglaubliche Mannschaft, die uns jedes Mal herausfordert“, befand der Welthandballer hinterher. Beide Mannschaften hätten es verdient, nach Köln zu fahren“.
Für die Füchse erfolgreich: Andersson (6), Grøndahl (2/2), Lichtlein (3/1), Gidsel (11/1), Freihöfer (8/7), Langhoff (1), av Teigum (2), Marsenić (2).
Am Sonntag, 10. Mai 2026 geht es für die Füchse in der Bundesliga weiter – mit dem Auswärtsspiel beim THW Kiel.
BayerVolleys Leverkusen – BBSC Berlin 3:0 (12, 12, 25)
Mit einem klaren und verdienten 3:0 Erfolg verabschiedeten die BayerVolleys die Gäste aus der Hauptstadt am letzten Saisonspieltag aus der Liga Pro.
Rein vom Tabellenstand konnten sich die Berlinerinnen am letzten Spieltag nicht mehr verbessern, zu deutlich war der Rückstand auf die Konkurrenten nach den ziemlich erfolglosen Monaten September 2025 bis Januar 2026. Die Spielerfolge ab Februar kamen zu spät. Doch trotzdem standen am 1. Mai noch einmal jeweils knapp 600 km hin und zurück auf dem Plan – sicher keine leichte Motivationsaufgabe für Trainerin Katharina Kummer.
Leverkusen startete von Beginn an konzentriert und druckvoll durch und traf auf eine Berliner Mannschaft, die in Annahme, Aufschlag wie auch Angriff arge Mühen hatte, dass in den letzten Spielen gezeigte Niveau wieder zu erreichen und so dem Druck der Leverkusener zu widerstehen. Ohne die am Freitag nicht zur Verfügung stehende Annalena Grätz fehlte (wie schon in der 1. Halbserie der Saison) der Stabilitätsanker der Mannschaft, sodass die Rheinländerinnen nach Belieben dominierten. Im 1. Satz waren bereits nach dem Zwischenstand von 17:4, im 2. Satz mit 17:7 alle Messen gesungen. Leverkusens neuer Trainer Tigin Yaltinoglu, der bereits von 2018 bis 2022 Coach der Bayer-Truppe war, nutzte im 3. Satz die Gelegenheit, auch Spielerinnen außerhalb des ersten Sechsers Spielpraxis zu geben. Resultat war, dass Berlin im 3. Satz fast durchgängig führte und erst nach Rückwechsel der Stammspielerinnen erneut den Satz und somit das Match verlor.
Zur Berliner MVP wurde Hanna Lengkey gewählt.
Trainerin Katharina Kummer wurden am letzten Saisonspieltag noch einmal die Schwachpunkte des Teams der aktuellen Saison verdeutlicht. Gegen Mannschaften der vorderen Tabellenhälfte hatten die Berlinerinnen in der Saison selten die realistische Möglichkeit, dem Spiel den Stempel aufzudrücken. Bei allem in die Waagschale gelegten Siegeswillen der Athleten fehlte zu häufig das entscheidende Quäntchen technische Fehlerfreiheit und damit auch ausgestrahlte Sicherheit.
Für den BBSC geht es ab September 2026 in den Hallen der 2. Bundesliga Nord weiter.
Für den BBSC am Wochenende im Einsatz: Sophia Minlend, Noelani Kleiner, Sarah Nur Kayadibi, Romy Birnbaum, Paula Reinisch, Anna-Lena Vogel, Angelina Meyer, Maja Pahlke, Hanna Christin Lengkey, Alina Gottlebe-Fröhlich, Luz Götte, Melani Ligacheva
Es gibt Titelgewinne, die entsprechen den Erwartungen und solche die überraschend kommen. Der Gewinn der Meisterschaft 2026 war den Eisbären nach der Hauptrunde nur von den kühnsten Optimisten zu getraut worden. Diese nunmehr zwölfte Meisterschaft der Eisbären darf mit dem Prädikat „unerwartet“ versehen werden. Mit einem Kantersieg gegen Dresden begann die Hauptrunde, anschließend geprägt von unsäglichem Verletzungspech. Die Leistungskurve war stark schwankend.
Im letzten Moment konnten die Pre-Playoffs vermieden werden. Der Auftakt im Viertelfinale, eine 1:5 Niederlage in Straubing, war alles andere als verheißungsvoll. Dann geschah ein kleines Eishockeywunder, drei Spiele in Folge wurden gewonnen, lediglich im Spiel fünf unterlagen sie in Straubing in der Verlängerung. Im sechsten Spiel wurde der Einzug ins Halbfinale erreicht, die Saison war bereits gerettet. Jetzt wartete Köln, der souveräne Sieger der Hauptrunde und die Eisbären hatten weiter Lust am Gewinnen. Die Kölner mussten den Berlinern das erste Heimrecht überlassen und die Eisbären nutzten das weidlich. Die Haie gewannen zwei ihrer Heimspiele und im dritten buchten die Eisbären das Ticket für das Finale.
Das Finale war für die Freunde des Spiels mit der schwarzen Scheibe ein Leckerbissen. Das „El Clásico“ der DEL, der Zweite der Hauptrunde, die Adler Mannheim erwartete die Eisbären aus Berlin. Beide Fanlager sind sich in herzlicher Abneigung zu getan. Bereits in der Hauptrunde hatte es mächtig geknistert. Im ersten Aufeinandertreffen, am 19.09.2026 in Mannheim, dauerte es nur 3 Sekunden, nicht Minuten und es flogen die Fäuste. Insgesamt kamen 73 Strafminuten ins Protokoll.
Die Finalrunde war hart, am Ende setzten sich die Eisbären mit 4 zu 1 Siegen durch und blieben auf dem Thron des Meisters sitzen. Dass sie die Meisterschaft in Mannheim feiern konnten, kam als kleines Schmankerl obendrauf. Mittendrin und sichtlich gerührt, der Meistertrainer Serge Aubin. Er hatte gerade die Eisbären zum 5. Titel während seiner siebenjährigen Amtszeit geführt. Was unmittelbar nach dem Spielende in der SAP-Arena zu Mannheim niemand ahnte, er stand ein letztes Mal für die Eisbären hinter Bande. Schade aus Sicht der Eisbären, der Erfolgstrainer geht auf eigenen Wunsch von Bord und wird zukünftig den SC Bern in der Schweizer Liga trainieren. Genügend Erfahrung was die Schweiz betrifft, kann er als Spieler und Trainer vorweisen und ein Gehaltssprung wird wohl zusätzlich eine Rolle gespielt haben.
Aubin, der damit als ein Trainer in die Geschichte der Eisbären eingehen wird, der keine einzige Playoff-Serie verloren und was die Anzahl der Titel betrifft, mit dem legendären Don Jackson gleichgezogen hat. Mal abwarten, ob eines Tages auch sein Banner zum Hallendach hochgezogen wird. Allein für sein Wirken in der Saison 2025/26 wäre es fast verdient.
Standen Playoff-Spiele vor der Tür, hat er es als General hinter der Bande meisterhaft verstanden, seinen Spielern die richtigen taktischen Hinweise zu geben. Das Erzielen eines Tores in einem Eishockeyspiel ist wie ein kleines Kunstwerk. Beispielgebend soll hierfür der Treffer zum 1:0 im letzten Finalspiel in Mannheim stehen. Frederik Tiffels stibitzt im Angriffsdrittel den Puck von Mannheims Verteidiger Tobias Fohrler. Jetzt müsste der Querpass auf Ty Ronning kommen, Tiffels stürzt, blitzschnell ist Ronning da, schnappt sich die Scheibe, Mathias Plachta und John Gilmour sind zu spät dran und zu guter Letzt wird noch der Goalie ausgespielt. Es gibt wahrscheinlich nur ein Spieler in der DEL, der so etwas in sekundenschnelle kann. Das Tor fiel kurz vor der ersten Drittelpause, mit besten Grüßen an die Adler. Die Hydra, eine Wortschöpfung von Basti Schwele, hatte wieder zugeschlagen. Jeder Spieler der Eisbären, egal ob Verteidiger oder Stürmer, war torgefährlich. Es waren 18 Spieler, die sich in die Liste der Torschützen eintragen konnten. Diese Tugend hatten die Eisbären in jeder Playoff-Serie exklusiv.
Es bleibt ein Rätsel für Straubing, Köln und Mannheim, wo haben die Eisbären die zusätzlichen Körner hergeholt, hatten sie sich nicht gerade mit letzter Kraft ins Viertelfinale geschleppt? In der Finalserie erzielten die Eisbären 24 Tore und das gegen die Adler Mannheim, die in der Hauptrunde die wenigsten Gegentreffer hinnehmen mussten.
Vor allem durch die Playoffs getragen hat die Mannschaft der Goalie Jonas Stettmer. Dass er die MVP Auszeichnung der Playoffs überreicht bekam, war mehr als gerechtfertigt. Er stand in 16 von den 19 Begegnungen im Tor, in den 967 Minuten wehrte er 453 Schüsse ab. Dabei strahlte er eine unglaubliche Ruhe aus, wie einst Petri Vehanen, der aktuell als Trainer der Torhüter bei den Adlern Mannheim arbeitet.