Es waren erschreckende Bilder, die aus dem Carl-Benz-Stadion in Mannheim übertragen wurden. Die Rivalität zwischen dem FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof Mannheim ist seit langem bekannt. Den Vereinsverantwortlichen wird wahrscheinlich gleich mal etwas mulmig geworden sein, als die Auslosung bekannt wurde. Beide Städte liegen nur 60 Kilometer voneinander entfernt und hatten vor allem in den 1980er Jahren einige Berührungspunkte, als beide in der Bundesliga spielten. In dieser Zeit rührt die gegenseitige Abneigung.
Rivalität, meinetwegen auch große Rivalität hin oder her, auf dem Rasen wird nur Fußball gespielt und nichts, rein gar nichts rechtfertigt solche Bilder. Es ist einfach beschämend, dass bereits im Vorfeld 1.400 Polizisten ein Spiel mit 23.504 Zuschauern absichern mussten. Zumal der allergrößte Teil unter Anwesenden im Stadion nur eine Absicht hatte, sich ein Fußballspiel anzusehen.
Der Kauf einer Eintrittskarte berechtigt lediglich zum Schauen. Wer möchte, darf sich besonders aktiv beim Anfeuern des eigenen Teams hervortun. Das allein reicht bei einigen nicht. Da wird munter Pyrotechnik gezündet und mitunter eskaliert es zwischen den Fan Lagern. Wie kommt das Zeug eigentlich ins Stadion, oftmals wird inzwischen so gründlich kontrolliert wie beim Einchecken am Flughafen? In den Stadien der Profiligen stehen am Einlass Vereinzelungsanlagen. Der traurige Höhepunkt sind Platzstürme, um irgendwie den gegnerischen Fans etwas mitzugeben. Man ist fassungslos. Die betroffenen Vereine bedauern und zahlen später die verhängten Geldstrafen.

In der medialen Aufarbeitung kam eine drastische Forderung von Fredi Bobic. Die betroffenen Vereine sollten aus dem Wettbewerb ausgeschlossen werden. Welche Konsequenzen sollten aus den Vorfällen gezogen werden? Konkret stellte im Mittagsmagazin des ZDF Florian Zschiedrich die Frage an Tobias Goldbrunner vom Fachmagazin Kicker. Er glaubt nicht daran, dass es zu einem Ausschluss kommt, diese Probleme sind leider nicht neu. Allerdings hat die Härte zugenommen.
Es ist über die Kosten solcher Einsätze, die dem Steuerzahler aufgebürdet werden, ebenso zu sprechen. Eine Grundsatzentscheidung existiert, dass den Vereinen die entstandenen Kosten in Rechnung gestellt werden können. Nur gibt es dafür keine einheitliche Linie zwischen den einzelnen Bundesländern. Vielleicht kann ja weiterer medialer Druck helfen, hier zu Entscheidungen zu kommen. Sollte es zu solchen Ausschreitungen kommen sind eben die Veranstalter automatisch in der Pflicht, die Kosten zu tragen. Ob sich diese Hoffnung erfüllt?
Entscheidungen werden wohl wieder vertagt, in der Hoffnung, dass es das letzte Mal zu solchen Ausschreitungen gekommen ist. Man kann sich nicht nur auf besonnene Schiedsrichter verlassen, die das Schlimmste, einen Spielabbruch verhindert haben. Ebenso sollte ein intensives Nachdenken bei denjenigen einsetzen, die zu einem Spiel gehen und mehr als nur Fußball schauen wollen.
Hans-Peter Becker



