Gerade ist die Fußballweltmeisterschaft zu Ende gegangen, über das Abschneiden der besten deutschen Balltreter ist hinlänglich berichtet worden, da steht für die Profis und Amateure der Regionalliga Nordost der Start in die neue Saison bevor. Berlin ist die Hauptstadt dieser Liga. Fünf Vereine sind direkt in Berlin beheimatet. Nicht weit hinter Stadtgrenze gelegen können neben Babelsberg 03 auch der Regionale Sportverein Eintracht (RSV) aus Stahnsdorf als Rucksackberliner dazu-gezählt werden. Zumal die Stahnsdorfer ihre Heimspiele in Berlin im Preussenstadion, der Heimstätte des Ligarivalen BFC Preussen austragen müssen. Die Sportanlage in Stahnsdorf ist nicht für die Regionalliga zugelassen. Bereits am ersten Spieltag, am Samstag (25.07.2026) empfangen die Preussen (übrigens kein Schreibfehler) ihren Untermieter im Kampf um die Punkte.

Einem weiteren Verein aus dieser Liga ergeht es für die neue Spielzeit genauso. Seine 18 Heimspiele muss die VSG Altglienicke erneut auf fremden Platz austragen. Die künftige Heimstätte der Volkssportler soll die Willi-Sänger-Sportanlage in Treptow werden. Dafür muss allerdings erst kräftig um- und ausgebaut werden. Aktuell steht erst die Finanzierung fest. Nach Prüfung der Bauunterlagen könnten im Juni 2027 die Bagger anrollen. Zum Ende des Jahres 2029 soll alles fertig sein und die Anlage 3.200 Zuschauern Platz bieten. Dafür macht der Bezirk 6,7 Millionen EUR locker und 1,3 Millionen wird der Bund beisteuern. Allerdings hat die Sache einen Haken, die Spielstätte wäre nicht tauglich für Liga 3.
Der Aufstieg scheint das angestrebte Ziel der VSG zu sein. Ein Blick auf die Neuzugänge lässt vermuten, dass ganz oben mitgespielt werden soll. Insgesamt wurden sieben neue Profis verpflichtet, prominenteste Namen sind Anthony Brooks (Hertha BSC) und Tolga Cigerci (Energie Cottbus). Da wurde auch einiges an Geld investiert, die Strukturen weiter professionalisiert, der Spielbetrieb ist ausgegliedert. Es wird unter Profibedingungen gearbeitet. Am ersten Spieltag reisen die Schützlinge des jungen Trainers Dan Twarzik zum Absteiger FC Erzgebirge Aue. Die Generalprobe gegen den Champions-League Teilnehmer RB Leipzig ging nur knapp mit 1:2 verloren. Sie wollen auf Platz 1 und als Meister direkt aufsteigen, so äußerte sich der Trainer in einem Interview mit dem MDR.
Altglienicke will ganz oben landen, im Gegensatz dazu hat Liganeuling Tasmania nur den Wunsch, die Klasse zu halten. Im Gegensatz zu den Altglienickern können sie ihre Heimspiele in Berlin austragen. Der traditionsreiche Werner-Seelenbinder-Sportpark in Berlin-Neukölln konnte für die neue Liga tauglich gemacht werden. Der Kader musste mit sieben Neuzugängen kräftig umgebaut werden. Das lag nach Aussagen von Trainer Paradis Fardjad-Azad auch daran, dass einige Spieler den Weg in die Regionalliga wegen der höheren Belastungen nicht mitgehen wollten. Es wird keine leichte Saison werden. Am 1. Spieltag müssen die Tasmanen beim Nachwuchs des 1. FC Magdeburg antreten und eine Woche später stellt sich Erzgebirge Aue zur Heimspielpremiere in Neukölln vor.
Während neben der VSG Altglienicke vor allem die Traditionsvereine aus der ehemaligen DDR-Oberliga, FC Carl-Zeiss Jena, Chemnitzer FC, Lok Leipzig sowie der Hallescher FC aufgerüstet haben und so ein ernstes Wort im Kampf um den direkten Aufstieg mitreden wollen, werden in den anderen Berliner Vereinen kleinere Brötchen gebacken. Die beiden Berliner Fußballclubs, Dynamo und Preussen, haben als Saisonziel eine sorgenfreie Saison und dabei so weit wie möglich oben mitspielen ausgegeben. Der BFC Dynamo aus dem Ostteil der Stadt hat mittelfristig das Ziel, Aufstieg in Liga 3, nicht aufgegeben. Auf den BFC Dynamo wartet zum Saisonauftakt gleich ein schwerer Brocken. Am Freitagabend (24. August 2026) wartet auswärts im Steigerwaldstadion der FC Rot-Weiß Erfurt auf die weinroten Dynamos.
Während die VSG Altglienicke für den möglichen direkten Aufstieg gewissermaßen all-in gehen wird, setzt man andernorts in Berlin auf Kontinuität und organisches Wachstum. Schwer einzuschätzen ist die Situation von Herthas 2. Mannschaft. Seit der Neuformierung der Regionalliga Nordost als vierte Spielklasse mit Beginn der Saison 2013/14 ist die Ausbildungsmannschaft für das Profiteam der „Alten Dame“ Stammteilnehmer. Die beste Platzierung erreichten die Hertha Bubis mit Platz 4 nach der Saison 2018/19 unter Trainer Ante Covic. Davon dürften sie aktuell weit entfernt sein, zumal der Kader auch abhängig ist von den Planungen der Kampfmannschaft in der 2. Bundesliga. Am ersten Spieltag empfangen die Bubis von Trainer Rejhan Hasanovic den Chemnitzer FC.
Es bleibt zu hoffen, dass es, trotz der Brisanz, auf allen Plätzen fair zugeht und alle Vereine, vor allem jene, die für die Meisterschaft alle verfügbaren finanziellen Mittel eingesetzt haben, die Spielzeit schadlos überstehen.
Text und Foto: ©Hans-Peter Becker






