Hertha ist durch und Union braucht noch Punkte

Fußball gespielt wird in der laufenden Saison lediglich in den ersten drei Ligen. Ab der Regionalliga ist die Saison beendet. Mal sehen, wie es hier im Herbst weitergeht. Die beiden Berliner Bundesligisten haben sich am 30. Spieltag nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In Dortmund riss Herthas Siegesserie. Das 0:1 war die erste Niederlage unter dem neuen Hertha-Trainer Bruno Labbadia. Ein kleiner Fehler zu viel, ansonsten war die Alte Dame mit dem Meisterschaftsanwärter auf Augenhöhe. Ein Auswärtspunkt wäre nicht unverdient gewesen. Die Niederlage tut nicht weiter weh, nach der Corona-Siegesserie ist Hertha jenseits von gut und böse. In der nächsten Saison, wann immer sie auch beginnen wird, die blau-weißen aus Charlottenburg werden weiter erstklassig dabei sein. Die 10 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bei 12 noch zu vergebenden Punkten sollten reichen.

Beim zweiten Berliner Vertreter sieht die Sache leider anders aus. Das Gröbste ist geschafft, die Ausgangslage könnte schlechter sein. Fakt ist, die bisher erreichten 32 Punkte werden nicht reichen. Die Knochenmühle Relegation wollen sich die Eisernen ersparen. Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04, war – mal abgesehen von den ersten zwanzig Minuten – sportliche Not gegen das Elend der Umstände. Es sah bis zur 28. Minute so aus, als würden die rot-weißen aus dem Berliner Osten endlich mal einen ungefährdeten Heimsieg einfahren können. Robert Andrich hatte mit seinem ersten Bundesligatreffer nach nur 11 Minuten für die Führung gesorgt und der zweite Treffer schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Es kam anders, die Knappen glichen aus, mit einem Tor aus dem berühmten Nichts. Robert Andrich ist bei den Eisernen etwas mehr für das Verhindern von Toren zuständig. Der gebürtige Potsdamer, aus dem Hertha-Nachwuchs stammend und zu Beginn der Saison aus Heidenheim gewechselt, hat sich bei Urs Fischer einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld erspielt. Für eine filigrane Spielweise ist er nicht bekannt. Gerade von einer gelb-rot Sperre zurückgekehrt, kassierte er gegen Schalke die zehnte Gelbe der Saison. Schalkes Torschütze Jonjoe Kenny, Leihgabe vom Premier-Ligisten FC Everton, wie Andrich mit 28 Saisoneinsätzen, bringt es erst auf vier gelbe Karten. Seine ausgefeilte Schusstechnik beendete die Hoffnung der Eisernen auf den ersten Sieg in der Corona-Runde. Gegen die ersatzgeschwächten Schalker, sie konnten nur mit 16 Spielern nach Berlin reisen, fanden die Gastgeber in der Alten Försterei keine spielerischen Mittel, um die kriselnden Schalker ernsthaft gefährden zu können.

Die Heimspiel ohne Zuschauer sind für den Aufsteiger bisher eher ein Fluch. Es stehen in der Wuhlheide deren zwei noch auf dem Plan. Der zukünftige Zweitligist Paderborn mit Trainer Steffen Baumgart und zum Saisonabschluss kommen die Düsseldorfer mit Steven Skrzybski. Da sollte doch was gehen.

Hans-Peter Becker

Licht und Schatten im Berliner Profifußball

Wer hätte das gedacht, nachdem die Alte Dame in der laufenden Saison auf und neben dem Rasen so einige Lachnummern abgeliefert hat. In der Geisterspielserie läuft es bisher, da werden auch Spiele gewonnen, wo der Faktor Glück eine größere Rolle spielt. Am Pfingstsamstag siegten sie zufrieden und glücklich mit 2:0 gegen den FC Augsburg. Sah es in Halbzeit eins so aus, als wäre das eine klare Angelegenheit, so gerieten die drei Siegpunkte in der zweiten Hälfte mächtig in Gefahr. In der 89. Minute schien der verdiente Ausgleich für die Gäste zu fallen. Pech für die einen ist dann Glück für die anderen, der Ball ging nur an die Latte des Tores und war nicht drin. In der Nachspielzeit machten Darida und Piatek in einer tschechisch-polnischen Koproduktion alles klar. Das Spiel unter Woche in Leipzig hatte Körner gekostet und zum Ausfall von Plattenhardt und Matheus Cunha geführt. Die grandiose Serie seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs – 10 von 12 möglichen Punkten geholt – könnte in der Endabrechnung sogar einen Platz in Euro-League bedeuten. Allerdings heißt die Aufgabe, auswärts bei Borussia Dortmund zu bestehen.

Ein gegensätzliches Bild bietet der Rivale aus Berlin-Köpenick. Dem Aufsteiger ist der Re-Start bisher überhaupt nicht gut bekommen. Ein einziges Pünktchen von den zwölf möglichen wurde geholt. Das Abstiegsgespenst schwebt über der Alten Försterei. Es wird sich in den drei noch ausstehenden Heimspielen vertreiben lassen. Schalke, Paderborn und Düsseldorf müssen ihre Visitenkarten in der Alten Försterei erst abgeben und Köln und Hoffenheim stehen auswärts an. Die Ausgangsbasis sind 31 Punkte und die werden definitiv nicht reichen für eine zweite Saison im Oberhaus. Auf den Relegationsplatz, der aktuell nur vier Punkte entfernt ist, hat keiner in Köpenick Lust in diesem Jahr.

Zu Pfingsten – neudeutsch an Pfingsten – sind die Geschenke am geringsten spricht der Volksmund. Ein Lied davon kann der 1. FC Union Berlin singen. Am Pfingstsonntag unterlagen sie zwar nicht ganz sang- und klanglos bei Borussia Mönchengladbach mit 1:4, der Einsatz stimmte, es reichte nicht, der Unterschied zwischen den Teams war zu groß. Ein Glück, dass sie von dem Punktepolster aus der Hinrunde zehren können.

Der Champion-League Aspirant, die Borussia aus Gladbach ging schnell in Führung und legte bis zur Halbzeitpause nach. Ihr beste Phase hatten die Eisernen mit Beginn der 2. Halbzeit. Sebastian Andersson gelang per Kopf der Anschlusstreffer zum 1:2. Groß beeindrucken ließen sich die Gladbacher nicht legten bis zum Spielende noch zwei Treffer nach. „In der ersten Hälfte der Partie haben wir zu ängstlich agiert, zu viele Abspielfehler gemacht und die Duelle nicht gesucht. Nach der Pause kamen wir besser ins Spiel, haben gezeigt, dass wir es können und haben den Anschlusstreffer erzielt.“ so sah Unions Trainer Urs Fischer das Spiel.

Das Spiel in Gladbach bedeutete leider das Saisonaus für Julian Ryerson. In einer Pressemitteilung des Vereins hieß dazu: „Im gestrigen Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach zog sich der 22-Jährige nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung bei einem Foul eine Verletzung im rechten Knie zu und konnte die Partie nicht fortsetzen. Julian Ryerson wird konservativ behandelt und wird den Eisernen in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Ein weiterer Einsatz in der laufenden Saison ist damit ausgeschlossen.“

Marius Bülter © Foto: Hans-Peter Becker

Die Kaderplanung für die kommende Saison läuft auf Hochtouren. Einen Tag nach dem Spiel meldete die Vereinsführung die Verpflichtung von Marius Bülter. „Außenstürmer Marius Bülter wird auch in der kommenden Saison das Trikot des 1. FC Union Berlin tragen. Die Köpenicker zogen die im Leihvertrag zwischen Union und dem 1. FC Magdeburg vereinbarte Option und verpflichten den 27-Jährigen damit fest.“ Der Vertrag gilt für die 1. und 2. Bundesliga. „Der Schritt zu Union im letzten Sommer war genau der richtige. Ich wurde super von der Mannschaft aufgenommen und habe mich bei diesem besonderen Verein sofort wohlgefühlt. Für mich persönlich ist es ein unglaubliches erstes Bundesligajahr, in dem ich viele neue Erfahrungen sammeln und meinen Teil zum bisher guten Abschneiden in dieser Saison beitragen konnte. In den nächsten Wochen werde ich alles dafür geben, zusammen mit meinen Teamkollegen die Klasse zu halten, um auch in der neuen Saison wieder in der Bundesliga zu spielen“, so Marius Bülter.  

Hans-Peter Becker

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich

Es geht dem Ende zu

Neun Partien bis Saisonende und aus Berliner Sicht der glückliche Umstand, dass der SC Paderborn, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf sehr schwächeln und bisher da unten nicht rausgekommen sind. Dennoch könnte noch ein Verein absteigen, an den die Fußballfreunde und er selbst nicht denken. Der Abstiegskampf scheint spannender als der Titelkampf zu werden. Die beiden letzten Clubs in der Tabelle halten erstaunlicherweise an ihren Trainern fest. Düsseldorf und Mainz haben die Coachs bekanntlich bereits gewechselt. Aktuell sieht Augsburg das Ziel Klassenerhalt gefährdet. Trainer Martin Schmidt erhielt zwar viel Lob für gute Spiele, doch die Bilanz vier Punkte aus neun Spielen waren zu wenig, Trainer Martin Schmidt muss gehen…

In Berlin ist die Situation bei Hertha (28 Punkte) zerfahren. Sie könnte sich sogar zum Saisonende zuspitzen. Der 1. FC Union (30 Punkte) ist als Tabellenelfter natürlich noch nicht gesichert und könnte ausgerechnet im Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München großes Pech haben, wenn wegen Corona in der Alten Försterei vor leeren Rängen gespielt werden müsste. Die Köpenicker brauchen die Zuschauer-Unterstützung. Das übrigens auch in der Woche darauf, beim Derby bei Hertha im Olympiastadion.  Unvorstellbar, wenn das anstatt vor Rekordbeteiligung  ohne Zuschauer ausgetragen werden muss. Die sieben Begegnungen danach sehen so aus:

28. Union – Mainz        /    Leipzig – Hertha

29. Gladbach – Union  /   Hertha – Augsburg

30. Union – Schalke     /   Dortmund – Hertha

31. Köln – Union          /    Hertha – Frankfurt

32. Union – Paderb.    /    Freiburg – Hertha

33. Hoffenh. – Union   /   Hertha – Leverkus.

34. Union – Düsseld.   /   Gladbach – Hertha  

Trainer Urs Fischer ist für die Eisernen ein Glücksfall. Von großer Gefährdung ist momentan mit 30 Punkten nicht zu sprechen. Mit einem Blick auf das Restprogramm ohnehin nicht. Am 32. Spieltag zu Hause gegen Paderborn und am letzten zu Hause gegen Düsseldorf dürften eventuell fehlende Punkte für den Klassenerhalt geholt werden können, zumal, Paderborn als Absteiger feststehen sollte. Gegen Bayern München, ob nun mit oder ohne  Zuschauer, darf – nach großem Kampf – ein Punktverlust einkalkuliert werden.

Ja, und sind Voraussagungen überhaupt noch zutreffend? Ich hörte im Olympiastadion den TV-Reporter über Herthas Beginn gegen Werder Bremen „Schlafwagenfußball“ sagen, die Heimmannschaft sei noch im Aufwärmprogramm. Es waren gerade mal fünf Minuten gespielt, als es 0:2 hieß. So geschehen eine Woche zuvor. In Düsseldorf hieß es ja sogar 0:3, um letztendlich Moral zu zeigen und wie gegen Werder dann doch noch einen Punkt zu holen. Hertha schaffte in 25 Spielen 28 Punkte. Ob nach so einem Beginn die Aufholjagd am Samstag in Hoffenheim auch möglich ist, sei dahingestellt.

Christian Zschiedrich

Legenden-Treff beim AOK Traditionsmasters

Samstag: Derbyday – Sonntag: Tag der Entscheidungen

Am 11. und 12. Januar 2020 kommt es in der Max-Schmeling-Halle zur elften Auflage des AOK Traditionsmasters. Mit Hertha BSC, dem 1. FC Union Berlin, Werder Bremen, Bayer 04 Leverkusen, Schalke 04 und Borussia Dortmund sind sechs aktuelle Bundesliga-Teams mit ihren Traditionsmannschaften dabei. Tennis Borussia sorgt als dritte Berliner Mannschaft für zusätzliche Derby-Stimmung und Dinamo Tiflis reist mit hochdekorierten ehemaligen Nationalspielern an.

Von den Teams wurden nun, etwa einen Monat vor Turnierbeginn, die ersten Kaderlisten eingereicht. Hier eine Auswahl der bisher gemeldeten Fußball-Legenden:

Ailton und Ivan Klasnic (Werder Bremen), Ulf Kirsten, Bernd Schneider und Patrick Helmes (Bayer 04 Leverkusen), Martin Max und Tomasz Waldoch (FC Schalke 04), Roman Weidenfeller, David Odonkor und Patrick Owomoyela (Borussia Dortmund), Pal Dardai und Gabor Kiraly (Hertha BSC), Torsten Mattuschka und Benny Köhler (1. FC Union Berlin), Ansgar Brinkmann und Francisco Copado (Tennis Borussia), Aleksandre Iashvili und AC Mailand-Hall-of-Fame-Star Kakha Kaladze (Dinamo Tiflis).

Das sportliche Niveau des Turniers steigt von Jahr zu Jahr an. Unter den genannten Namen finden sich Weltmeister (Weidenfeller), Bundesliga-Torschützenkönige (Kirsten, Max, Ailton), Fußballer des Jahres (Ailton, Kiraly, Dardai, Iashvili, Kaladze) und Champions League-Sieger (Kaladze). Die Fans können sich auf spannende Spiele und mitreißenden Hallenfußball freuen. Am Samstag finden acht Begegnungen statt. Am Sonntag hat jede Mannschaft noch ein Gruppenspiel. Dann entscheidet sich, wer aus den beiden Gruppen die Halbfinals erreicht. Das Endspiel wird am 12. Januar 2020 gegen 16:15 Uhr ausgetragen.

Quelle: Berliner Fußballverband

Sieg und Remis – Punkte für die Berliner Profi-Clubs

Der 1.FC Union hat es schon wieder getan und einen Heimsieg eingefahren. Der achte Heimauftritt brachte den fünften Sieg, nur zwei Teams haben bisher mehr Heimpunkte geholt, Gladbach und Dortmund. Würde nur die Heimtabelle zählen, wären die Eisernen auf Kurs Champions-League. Nur so nebenbei, die Bayern haben aktuell zu Hause erst 13 Zähler auf die Habenseite bringen können. „Für einen kurzen Augenblick werden wir die Situation genießen, dann geht es konzentriert weiter. Wir haben noch nichts erreicht, die 19 Punkte reichen am Ende nicht für den Klassenerhalt“, so äußerte sich Unions Mittelfeldspieler Christian Gentner nach dem 2:0 Sieg gegen den 1. FC Köln am 14. Spieltag der Bundesliga.

Das Stadion war, inzwischen selbstverständlich, restlos ausverkauft. Wer über eine Eintrittskarte verfügte oder auf anderen Wegen unter den Augenzeugen weilen durfte, wusste was geboten wird. Bedingungsloser Kampf, kein Hochglanzfußball und genauso bedingungslose Unterstützung von den Rängen. Es passt im Moment alles beim 1. FC Union. Trainer Urs Fischer hat die optimalen settings gefunden, ein Spielsystem das funktioniert. Für das Spiel gegen Köln musste kurzfristig Neven Subotic in der Innenverteidigung ersetzt werden. Für ihn kam Publikumsliebling Michael Parensen in die Startelf und ein anderer Liebling durfte zum zweiten Mal in der Saison am Spielanfang auflaufen, gemeint ist Sebastian Polter. Die Anfangsphase gehörte etwas mehr den Gästen. In der 14. Minute vertändelten sie einen guten Angriffsversuch und in der 23. Minute musste Rafal Gikiewicz einen Freistoß aus der Torecke kratzen. Weiter ging es in der 26. Minute, da setzte Simon Terodde nach einer Flanke von Dominik Drexler den Ball nur knapp neben den Pfosten. Der Freistoß in der 29. Minute aus aussichtsreicher Position hätte die Führung sein müssen, erneut riesig gehalten. Dann kam es wie es kommen musste, erst hat man kein Glück und dann kommt Pech dazu. Kölns Birger Verstraete rutscht an der eigenen Strafraumgrenze aus, die Plätze werden im Dezember nicht besser, das eröffnete eine Schusschance für Sebastian Andersson. Der Ball wurde von Timo Horn zur Ecke geklärt. Erneut war Andersson zur Stelle und drückte den von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckball per Kopf in die Maschen.

In der 50. Minute war es erneut Andersson, ein Steilpass von Gentner, Schnelligkeit und technisches Können und der Ball war über der Linie. Anschließend hatten die Eisernen alles im Griff und verwalteten mit gewohntem Einsatz den Vorsprung. Der Mann des Spiels war zweifelsohne der Schwedische Nationalspieler in den Reihen der Eisernen, Sebastian Andersson. Er verdiente sich ein Sonderlob, nicht allein wegen seiner Saisontreffer sieben und acht, jetzt Platz vier der Torjägerwertung zusammen mit Marco Reus von Borussia Dortmund, immer anspielbar und sehr ballsicher.

Nach dem Schlusspfiff gab es Riesenjubel und eine Spitze in Richtung Köln. „Wir brauchen keinen Karneval, Unioner feiern überall.“

Der Spieltag wurde eröffnet mit der Partie des anderen Berliner Clubs. Lange sah nach einem Sieg für die „Alte Dame“ in Frankfurt aus, am Ende wurde es immerhin ein Punktgewinn. In der Tabelle hat der Aufsteiger aus Köpenick vor dem 15. Spieltag sieben Punkte Vorsprung vor den Herthanern.

Ihr Zwischenziel haben die Eisernen vorfristig erreicht, die jetzt noch ausstehenden drei Partien im zu Ende gehenden Jahr ihres Bundesligaaufstiegs, sind wie ein zusätzlicher Bonus. Im Blau-Weißen Lager werden sie ein bisschen neidisch in Richtung Köpenick blicken. Aus wenig bislang viel gemacht wurde bei den Eisernen, während die Alte Dame ihre Unpässlichkeit noch nicht ganz überwunden zu haben scheint. Dass sie nicht auf dem Relegationsplatz der nächsten Aufgabe entgegen schaut verdankt sie der Klatsche, die Fortuna Düsseldorf in Dortmund bezog.

Hans-Peter Becker

Niederlagen für die Clubs aus der Hauptstadt

Es war nicht die Stunde der Berliner Profi-Clubs, dieser 13. Spieltag der Saison 2019/20. Im Freitagspiel verloren die Eisernen mit 1:2 auf Schalke, dabei sah es lange nach einem Punktgewinn aus. Ein individueller Fehler von Innenverteidiger Neven Subotic leitete den Siegtreffer für die Schalker ein. Das Matchglück hatte die Eisernen verlassen. Beim Ausgleichstreffer war der Schiedsrichter auf ihrer Seite, der wohl mehr auf eine Schwalbe hereinfiel und auf Foulstrafstoß entschied. Ansonsten lieferte der Aufsteiger eine gute Leistung ab, musste sich letzlich der Leistungssteigerung des Gegners in Halbzeit Zwei sowie der größeren individuellen Klasse der Schalker geschlagen geben.

Keine 24 Stunden später startete die Alte Dame mit neuem Trainerstab in das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Die Problemzonen wurden sofort sichtbar. Motiviert und nervös nahmen die Spieler in Blau und Weiß die Partie auf. Bereits in der Anfangsphase bekamen sie einen brutalen Doppelschlag verpasst. Die Abwehr wackelte weiter, das waren Gegetreffer 26 und 27 und erst 13 Spiele absolviert. Nach nur 17. Minuten lagen sie 0:2 hinten und Jürgen Klinsmann war das sonst so freundliche Gesicht eingefroren. Dass die Hertha anschließend nicht auseinander fiel, sondern kämpfte war das einzig positive an diesem Spiel. Die Belohnung folgte in der 34. Minute, mit dem Anschlusstreffer durch Vladimir Darida. Kurz vor der Pause flog Dortmunds Mats Hummels mit Gelb-Rot vom Platz. Aus den über 45 Minuten Überzahl konnten die Herthaner nichts machen. Ein Tor von Davie Selke fand nach Videobeweis keine Anerkennung.

Vor Jürgen Klinsmann und seinem Team liegt jetzt eine Menge Arbeit. Auf der Tribüne saß Lars Windhorst und wird sich seinen Teil gedacht haben. Das bemerkenswerteste an diesem Spiel war ein Interview mit dem Manager Michael Preetz. Er wurde gefragt, ob sich jetzt seine Rolle im Verein verändern wird. Verärgert ließ er den Reporter wissen, “ ..einem Acki Watzke würden sie solch eine Frage wohl nicht stellen…“.

Hertha, mit größeren Ambitionen in die Saison gestartet, hat erst 11 Punkte und ist auf den Relegationsplatz abgerutscht. Fortuna Düsseldorf ist durch ein bemerkenswertes 1:1 bei der TSG Hoffenheim auch noch vorbeigezogen. Da werden böse Erinnerungen wach an die Saison 2009/10.

Hans-Peter Becker

Klinsi macht’s – Covac nicht mehr Hertha-Coach

Keine schlechte Entscheidung, wie am Mittwochvormittag, am 27.11.2019 bekanntgegeben, ist Ante Covic (44) nach knapp fünfmonatiger Tätigkeit und dem 0:4 in Augsburg freigestellt (beurlaubt), kein Trainer mehr. Die Talfahrt wurde ihm mit nur 11 Punkten zum Verhängnis. Bis zum Ende der Saison übernimmt bei Hertha Jürgen Klinsmann sein Amt. Ausschlaggebend dürfte die Tatsache für den Ex-DFB-Teamchef gewesen sein, dass zum Abschluss seiner Karriere die Trainertätigkeit bei einem Bundesligisten bestimmt eine reizvolle Aufgabe sein wird. Deshalb will ich den Einfluss von Sponsor Lars Windhorst gar nicht hinein interpretieren. Klinsmanns Sitz im Aufsichtsrat bleibt dem Ex-Bundestrainer ja garantiert auch nach seiner Trainertätigkeit, für die ihn ja auch noch andere Angebote ins Haus flatterten. Aus meiner Sicht werde Ich Jürgen Klinsmann nie vergessen, dass er zu Zeiten meiner Sportsendung für den oft geschalteten Trailer sagte: „Berliner schauen TV Sport in Berlin“.

Hintergründe für diese Entscheidung: Wunschtrainer Niko Kovac sagte Nein. Ich selbst erlebte mit ihm einst, was ein Freundeswort bedeutet. Es charakterisiert ihn absolut positiv. Freunde unterstützt man und löst sie nicht ab. Ich erinnere mich genau bei Dreharbeiten bei einem Hertha-Training zu Spielerzeiten des Niko Kovac. Ich fragte ihn nach den Abgangs-Gerüchten zu Bayern, „was ist dran Niko“? Er fragte: „Wann gedenkst du das auszustrahlen?“ – Antwort: „Erst am Sonntagabend“. „Garantiert kein Wort früher?“.  – „Garantiert kein Wort früher!“ – Niko bestätigte mir bereits Anfang der Woche als ersten Reporter seinen feststehenden Abgang ins Mikrofon!

Wer kennt schon die Modalitäten bei seinem Rauswurf in München genau? Vertraglich ist er noch 1 ½ Jahre mit Gehaltsansprüchen bei Bayern verpflichtet. Da kann er sich erholen. Mit seinen Erfolgen bei Eintracht Frankfurt und Bayern München, Deutscher Meister und Pokalsieger, und seinen Erfahrungen hat er keine Schwierigkeiten später wieder einen Verein zu finden. Viele Vereine wären dankbar… Hertha wollte ihn ja auch, hätte wahrscheinlich auch das Gehalt der Bayern übernommen. Es könnte sogar sein, dass Niko eine Abfindung von Bayern bekommt und damit sofort wieder tätig sein kann. Die Absage an Hertha  ist bestimmt darin begründet, dass Ante sein Freund und Antes Sohn Maurice sein Patenkind ist. Niko würde niemals als Nachfolger eines Freundes fundieren.

Zur neuen Saison als Nachfolger von Jürgen Kliensmann könnte es durchaus wieder bei Niko Kovac kribbeln. Co-Trainer Harry Gämperle (51) war ja auch im Gespräch. Er bleibt unangetastet auch den Herthanern erhalten. Soll Klinsi doch beweisen, dass  er auch als Bundesligacoach erfolgsorientiert handeln kann. Ob auch kurzfristig (?), ganz Berlin ist nun gespannt, ob Jürgen Klinsmann sogar derjenige ist, der Lucien Favre in die Wüste schickt.

Bei Hertha überschlagen sich die Ereignisse. Großes Stühlerücken ist angesagt. Im Moment läuft die PK mit der Vorstellung des neuen Trainers Jürgen Klinsmann. Er bringt einen neuen Co-Trainer und TW-Trainer mit. Arne Friedrich wird wohl Masnnschafts-Direktor. Hans-Peter Becker verfolgt die Pressekonferenz. Lieber Hans, bitte übernehme. Was gibt es Neues?

Christian Zschiedrich

Gleich zwei Bundesliga-Trainer vor dem Rauswurf ?

Dortmunds Ansprüche sind höher als die von Hertha BSC. Die Berliner wollten sich weiter verbessern. Pal Dardai wurde der nächste Schritt nicht mehr zugetraut. Ein neuer Trainer sollte neue Impulse setzen. Bis jetzt ging das nach hinten los. Da darf man ruhig mal nach der Qualität im Team fragen. Und ich frage mich, warum wohl schaue ich garantiert in den nächsten Tagen nach den sportlichen Eilmeldungen schneller als sonst und mit gemischten Gefühlen.

Bekommt Ante Covic überhaupt noch das Spiel gegen Dortmund oder ist er schon früher weg? Fünf sieglose Spiele, Hertha ist im Abstiegskampf. Martin Schmidt in Augsburg lehrte seinem Team eine ganz andere Körpersprache. Wie kann ein weiter entfernter Freistoß in der 17. Minute in flankenähnlicher Form ohne jegliche Berührung eines Abwehrspielers ins Tor gehen?

Das war der Anfang vom Ende bei der 1:4 Blamage. Rune Jarstein trug mit seinem fatalen und folgenschweren Patzer in der 26. Minute wesentlich dazu bei. Er ist der erste Torwart in Herthas Bundesliga-Geschichte, der mit Rot vom Platz flog. Der Ersatz-Keeper Dennis Smarsch war an den nächsten beiden Toren in seinem ersten Bundesliga-Einsatz eben nur Ersatz beim peinlichen Untergang.

Ante Covic Foto: Christian Zschiedrich

„Wir haben die Schnauze voll“ klang es von den mitgereisten Hertha-Fans. Michael Preetz, noch ein Fürsprecher von Ante Covic in der Mitglieder-Versammlung, stellte sich in Augsburg nicht der Presse.

Im TV wurde gewitzelt, Berlin behalte ja zumindest einen Bundesliga-Club. Der, der die Hertha überholte, ist wohl nicht gemeint. Außerdem wird spekuliert, ob Jürgen Klinsmann gar als Trainer kommt. Weil Hertha gegen Augsburg lange Zeit in Unterzahl spielen musste, sei darauf hingewiesen, dass es auch anders geht, Mainz siegte mit Neutrainer Beierlorzer in Hoffenheimer mit 5:1.

Hertha steht jetzt zusammen mit Bremen und Düsseldorf – nur 11 Punkte, auf dem Relegationsplatz und das Torverhältnis entspricht nicht gerade dem eines Spitzenteams.

L. Favre Foto: C. Zschiedrich

Kommen wir zu Dortmund und Lucien Favre. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf der Jahreshauptversammlung: „Lucien, du hast weiter unser Vertrauen (Beifall), aber am Ende ist Fußball immer ergebnisorientiert“. Die Ergebnisse jedoch stimmen bei Beiden bisher nicht ! Am 13. Spieltag treffen sie im Olympiastadion aufeinander. Wer kann sich mit einem Sieg etwas Luft verschaffen oder wird es ein Unentschieden ? Allerdings ist beim Blick auf die Tabelle das Dortmunder Problem eher eines aus der Luxuskategorie.  

Beweisen Watzkes Worte Vertrauen? Wohl mehr eine letzte Chance und das trotz einer insgesamt besseren Siegquote im Vergleich zum in Dortmund hochverehrten Jürgen Klopp. Wenn wir schon im Trainergeschäft am vergleichen sind – Hansi Flick der neue Chef bei den Bayern München blieb auch gegen Düsseldorf weiter auf der Erfolgsspur.

Christian Zschiedrich

1. FC Union schafft die Sensation

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, der 1. FC Union erkämpfte sich mit dem Glück des Tüchtigen den ersten Sieg in der Bundesliga. Die Anzeigetafel kündete von der Sensation, der Championsleague Teilnehmer und Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund musste sich mit 1:3 in Berlin Köpenick geschlagen geben. Dortmunds Kapitän Marco Reus bekannte: „Wir haben uns dumm angestellt.“ Vielleicht wurden die Eisernen etwas unterschätzt. Sie agierten mit enormer Laufbereitschaft. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die Eisernen fast 7 km mehr liefen als die Dortmunder. War die Führung durch den Mann des Spiels Marius Bülter insofern glücklich, dass es den Eckball nicht hätte geben dürfen, der dem Treffer vorausging, so verdienten sich die Wuhlheider mit zunehmender Spieldauer den Erfolg.

Die Eisernen waren effektiv, nutzten als spielerisch unterlegene Mannschaft zwei Eckbälle und einen der wenigen Abwehrfehler der Dortmunder für ihre Tore. Union hatte lediglich 26 % Ballbesitz und dazu eine unterirdische Passquote von 64%. Mit diesen Werten kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen. Manchmal eben doch, wenn du, wie es Urs Fischer ausdrückte, eklig bist. Rennen bis zum Umfallen. Die Dortmunder ließen nicht viel zu, konnten aber mit ihrer Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer immer weniger anfangen. Den Kombinationen der Dortmunder fehlte es an Tempo und der letzten Präzision.

Urs Fischer brachte drei Neue für die Startelf, in der Innenverteidigung spielte Marvin Friedrich für den gesperrten Keven Schlotterbeck. Im defensiven Mittelfeld kam Manuel Schmiedebach für den verletzten Grischa Prömel zu seinem ersten Startelfeinsatz der Saison und im offensiven Mittelfeld begann Anthony Ujah für Suleiman Abdullahi. Die beiden Stürmer kamen nur selten zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sie waren meist der erste Wellenbrecher für Dortmunder Angriffsbemühungen. So glänzte Andersson als offensivster Spieler der Eisernen, neben seinem Tor zum 3:1 auch mit der zweitbesten Laufleistung im Spiel.

Marius Bülter – 2 Tore gegen Dortmund © Foto: Hans-Peter Becker

Zum Mann des Spiels avancierte bei aller Prominenz auf dem Rasen der Wuhlheide, ein eher unbekannterer Nachwuchsmann. So überraschend wie das Ergebnis, schnürte der Neuzugang und noch nicht so prominente offensive Mittelfeld-Akteur Marius Bülter einen Tore-Doppelpack. Er spielte in der Saison 2017/18 noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West und war erst vor wenigen Wochen mit dem 1. FC Magdeburg nach der Niederlage beim 1. FC Union aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Eine schöne Geschichte, die der Fußball hier geschrieben hat. Der 26jährige in Ibbenbühren geborene Bülter ist ein Spätstarter, hat keine Ausbildung in einem Fußball -Internat eines namhaften Clubs durchlaufen. Für diese Saison ist er vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen. Das Fußballmärchen erfährt hier noch eine Steigerung.

Es war kein Spiel für Fußballfeinschmecker, das wird An der Alten Försterei schwer zu realisieren sein. Es könnte den Weg aufzeigen, was in dieser Saison möglich ist. Immerhin hat der 1. FC Union bereits vier Punkte gesammelt, während der Rivale aus Charlottenburg mit einem lediglich einem Punkt eher in den Startlöchern hängen geblieben ist. Nach der Länderspielpause steht erneut ein Heimspiel auf dem Programm. Werder Bremen darf sich dann mit den Bedingungen und der Spielstärke des 1. FC Union auseinandersetzen.

Hans-Peter Becker