Sieg und Remis – Punkte für die Berliner Profi-Clubs

Der 1.FC Union hat es schon wieder getan und einen Heimsieg eingefahren. Der achte Heimauftritt brachte den fünften Sieg, nur zwei Teams haben bisher mehr Heimpunkte geholt, Gladbach und Dortmund. Würde nur die Heimtabelle zählen, wären die Eisernen auf Kurs Champions-League. Nur so nebenbei, die Bayern haben aktuell zu Hause erst 13 Zähler auf die Habenseite bringen können. „Für einen kurzen Augenblick werden wir die Situation genießen, dann geht es konzentriert weiter. Wir haben noch nichts erreicht, die 19 Punkte reichen am Ende nicht für den Klassenerhalt“, so äußerte sich Unions Mittelfeldspieler Christian Gentner nach dem 2:0 Sieg gegen den 1. FC Köln am 14. Spieltag der Bundesliga.

Das Stadion war, inzwischen selbstverständlich, restlos ausverkauft. Wer über eine Eintrittskarte verfügte oder auf anderen Wegen unter den Augenzeugen weilen durfte, wusste was geboten wird. Bedingungsloser Kampf, kein Hochglanzfußball und genauso bedingungslose Unterstützung von den Rängen. Es passt im Moment alles beim 1. FC Union. Trainer Urs Fischer hat die optimalen settings gefunden, ein Spielsystem das funktioniert. Für das Spiel gegen Köln musste kurzfristig Neven Subotic in der Innenverteidigung ersetzt werden. Für ihn kam Publikumsliebling Michael Parensen in die Startelf und ein anderer Liebling durfte zum zweiten Mal in der Saison am Spielanfang auflaufen, gemeint ist Sebastian Polter. Die Anfangsphase gehörte etwas mehr den Gästen. In der 14. Minute vertändelten sie einen guten Angriffsversuch und in der 23. Minute musste Rafal Gikiewicz einen Freistoß aus der Torecke kratzen. Weiter ging es in der 26. Minute, da setzte Simon Terodde nach einer Flanke von Dominik Drexler den Ball nur knapp neben den Pfosten. Der Freistoß in der 29. Minute aus aussichtsreicher Position hätte die Führung sein müssen, erneut riesig gehalten. Dann kam es wie es kommen musste, erst hat man kein Glück und dann kommt Pech dazu. Kölns Birger Verstraete rutscht an der eigenen Strafraumgrenze aus, die Plätze werden im Dezember nicht besser, das eröffnete eine Schusschance für Sebastian Andersson. Der Ball wurde von Timo Horn zur Ecke geklärt. Erneut war Andersson zur Stelle und drückte den von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckball per Kopf in die Maschen.

In der 50. Minute war es erneut Andersson, ein Steilpass von Gentner, Schnelligkeit und technisches Können und der Ball war über der Linie. Anschließend hatten die Eisernen alles im Griff und verwalteten mit gewohntem Einsatz den Vorsprung. Der Mann des Spiels war zweifelsohne der Schwedische Nationalspieler in den Reihen der Eisernen, Sebastian Andersson. Er verdiente sich ein Sonderlob, nicht allein wegen seiner Saisontreffer sieben und acht, jetzt Platz vier der Torjägerwertung zusammen mit Marco Reus von Borussia Dortmund, immer anspielbar und sehr ballsicher.

Nach dem Schlusspfiff gab es Riesenjubel und eine Spitze in Richtung Köln. „Wir brauchen keinen Karneval, Unioner feiern überall.“

Der Spieltag wurde eröffnet mit der Partie des anderen Berliner Clubs. Lange sah nach einem Sieg für die „Alte Dame“ in Frankfurt aus, am Ende wurde es immerhin ein Punktgewinn. In der Tabelle hat der Aufsteiger aus Köpenick vor dem 15. Spieltag sieben Punkte Vorsprung vor den Herthanern.

Ihr Zwischenziel haben die Eisernen vorfristig erreicht, die jetzt noch ausstehenden drei Partien im zu Ende gehenden Jahr ihres Bundesligaaufstiegs, sind wie ein zusätzlicher Bonus. Im Blau-Weißen Lager werden sie ein bisschen neidisch in Richtung Köpenick blicken. Aus wenig bislang viel gemacht wurde bei den Eisernen, während die Alte Dame ihre Unpässlichkeit noch nicht ganz überwunden zu haben scheint. Dass sie nicht auf dem Relegationsplatz der nächsten Aufgabe entgegen schaut verdankt sie der Klatsche, die Fortuna Düsseldorf in Dortmund bezog.

Hans-Peter Becker

Niederlagen für die Clubs aus der Hauptstadt

Es war nicht die Stunde der Berliner Profi-Clubs, dieser 13. Spieltag der Saison 2019/20. Im Freitagspiel verloren die Eisernen mit 1:2 auf Schalke, dabei sah es lange nach einem Punktgewinn aus. Ein individueller Fehler von Innenverteidiger Neven Subotic leitete den Siegtreffer für die Schalker ein. Das Matchglück hatte die Eisernen verlassen. Beim Ausgleichstreffer war der Schiedsrichter auf ihrer Seite, der wohl mehr auf eine Schwalbe hereinfiel und auf Foulstrafstoß entschied. Ansonsten lieferte der Aufsteiger eine gute Leistung ab, musste sich letzlich der Leistungssteigerung des Gegners in Halbzeit Zwei sowie der größeren individuellen Klasse der Schalker geschlagen geben.

Keine 24 Stunden später startete die Alte Dame mit neuem Trainerstab in das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Die Problemzonen wurden sofort sichtbar. Motiviert und nervös nahmen die Spieler in Blau und Weiß die Partie auf. Bereits in der Anfangsphase bekamen sie einen brutalen Doppelschlag verpasst. Die Abwehr wackelte weiter, das waren Gegetreffer 26 und 27 und erst 13 Spiele absolviert. Nach nur 17. Minuten lagen sie 0:2 hinten und Jürgen Klinsmann war das sonst so freundliche Gesicht eingefroren. Dass die Hertha anschließend nicht auseinander fiel, sondern kämpfte war das einzig positive an diesem Spiel. Die Belohnung folgte in der 34. Minute, mit dem Anschlusstreffer durch Vladimir Darida. Kurz vor der Pause flog Dortmunds Mats Hummels mit Gelb-Rot vom Platz. Aus den über 45 Minuten Überzahl konnten die Herthaner nichts machen. Ein Tor von Davie Selke fand nach Videobeweis keine Anerkennung.

Vor Jürgen Klinsmann und seinem Team liegt jetzt eine Menge Arbeit. Auf der Tribüne saß Lars Windhorst und wird sich seinen Teil gedacht haben. Das bemerkenswerteste an diesem Spiel war ein Interview mit dem Manager Michael Preetz. Er wurde gefragt, ob sich jetzt seine Rolle im Verein verändern wird. Verärgert ließ er den Reporter wissen, “ ..einem Acki Watzke würden sie solch eine Frage wohl nicht stellen…“.

Hertha, mit größeren Ambitionen in die Saison gestartet, hat erst 11 Punkte und ist auf den Relegationsplatz abgerutscht. Fortuna Düsseldorf ist durch ein bemerkenswertes 1:1 bei der TSG Hoffenheim auch noch vorbeigezogen. Da werden böse Erinnerungen wach an die Saison 2009/10.

Hans-Peter Becker

Klinsi macht’s – Covac nicht mehr Hertha-Coach

Keine schlechte Entscheidung, wie am Mittwochvormittag, am 27.11.2019 bekanntgegeben, ist Ante Covic (44) nach knapp fünfmonatiger Tätigkeit und dem 0:4 in Augsburg freigestellt (beurlaubt), kein Trainer mehr. Die Talfahrt wurde ihm mit nur 11 Punkten zum Verhängnis. Bis zum Ende der Saison übernimmt bei Hertha Jürgen Klinsmann sein Amt. Ausschlaggebend dürfte die Tatsache für den Ex-DFB-Teamchef gewesen sein, dass zum Abschluss seiner Karriere die Trainertätigkeit bei einem Bundesligisten bestimmt eine reizvolle Aufgabe sein wird. Deshalb will ich den Einfluss von Sponsor Lars Windhorst gar nicht hinein interpretieren. Klinsmanns Sitz im Aufsichtsrat bleibt dem Ex-Bundestrainer ja garantiert auch nach seiner Trainertätigkeit, für die ihn ja auch noch andere Angebote ins Haus flatterten. Aus meiner Sicht werde Ich Jürgen Klinsmann nie vergessen, dass er zu Zeiten meiner Sportsendung für den oft geschalteten Trailer sagte: „Berliner schauen TV Sport in Berlin“.

Hintergründe für diese Entscheidung: Wunschtrainer Niko Kovac sagte Nein. Ich selbst erlebte mit ihm einst, was ein Freundeswort bedeutet. Es charakterisiert ihn absolut positiv. Freunde unterstützt man und löst sie nicht ab. Ich erinnere mich genau bei Dreharbeiten bei einem Hertha-Training zu Spielerzeiten des Niko Kovac. Ich fragte ihn nach den Abgangs-Gerüchten zu Bayern, „was ist dran Niko“? Er fragte: „Wann gedenkst du das auszustrahlen?“ – Antwort: „Erst am Sonntagabend“. „Garantiert kein Wort früher?“.  – „Garantiert kein Wort früher!“ – Niko bestätigte mir bereits Anfang der Woche als ersten Reporter seinen feststehenden Abgang ins Mikrofon!

Wer kennt schon die Modalitäten bei seinem Rauswurf in München genau? Vertraglich ist er noch 1 ½ Jahre mit Gehaltsansprüchen bei Bayern verpflichtet. Da kann er sich erholen. Mit seinen Erfolgen bei Eintracht Frankfurt und Bayern München, Deutscher Meister und Pokalsieger, und seinen Erfahrungen hat er keine Schwierigkeiten später wieder einen Verein zu finden. Viele Vereine wären dankbar… Hertha wollte ihn ja auch, hätte wahrscheinlich auch das Gehalt der Bayern übernommen. Es könnte sogar sein, dass Niko eine Abfindung von Bayern bekommt und damit sofort wieder tätig sein kann. Die Absage an Hertha  ist bestimmt darin begründet, dass Ante sein Freund und Antes Sohn Maurice sein Patenkind ist. Niko würde niemals als Nachfolger eines Freundes fundieren.

Zur neuen Saison als Nachfolger von Jürgen Kliensmann könnte es durchaus wieder bei Niko Kovac kribbeln. Co-Trainer Harry Gämperle (51) war ja auch im Gespräch. Er bleibt unangetastet auch den Herthanern erhalten. Soll Klinsi doch beweisen, dass  er auch als Bundesligacoach erfolgsorientiert handeln kann. Ob auch kurzfristig (?), ganz Berlin ist nun gespannt, ob Jürgen Klinsmann sogar derjenige ist, der Lucien Favre in die Wüste schickt.

Bei Hertha überschlagen sich die Ereignisse. Großes Stühlerücken ist angesagt. Im Moment läuft die PK mit der Vorstellung des neuen Trainers Jürgen Klinsmann. Er bringt einen neuen Co-Trainer und TW-Trainer mit. Arne Friedrich wird wohl Masnnschafts-Direktor. Hans-Peter Becker verfolgt die Pressekonferenz. Lieber Hans, bitte übernehme. Was gibt es Neues?

Christian Zschiedrich

Gleich zwei Bundesliga-Trainer vor dem Rauswurf ?

Dortmunds Ansprüche sind höher als die von Hertha BSC. Die Berliner wollten sich weiter verbessern. Pal Dardai wurde der nächste Schritt nicht mehr zugetraut. Ein neuer Trainer sollte neue Impulse setzen. Bis jetzt ging das nach hinten los. Da darf man ruhig mal nach der Qualität im Team fragen. Und ich frage mich, warum wohl schaue ich garantiert in den nächsten Tagen nach den sportlichen Eilmeldungen schneller als sonst und mit gemischten Gefühlen.

Bekommt Ante Covic überhaupt noch das Spiel gegen Dortmund oder ist er schon früher weg? Fünf sieglose Spiele, Hertha ist im Abstiegskampf. Martin Schmidt in Augsburg lehrte seinem Team eine ganz andere Körpersprache. Wie kann ein weiter entfernter Freistoß in der 17. Minute in flankenähnlicher Form ohne jegliche Berührung eines Abwehrspielers ins Tor gehen?

Das war der Anfang vom Ende bei der 1:4 Blamage. Rune Jarstein trug mit seinem fatalen und folgenschweren Patzer in der 26. Minute wesentlich dazu bei. Er ist der erste Torwart in Herthas Bundesliga-Geschichte, der mit Rot vom Platz flog. Der Ersatz-Keeper Dennis Smarsch war an den nächsten beiden Toren in seinem ersten Bundesliga-Einsatz eben nur Ersatz beim peinlichen Untergang.

Ante Covic Foto: Christian Zschiedrich

„Wir haben die Schnauze voll“ klang es von den mitgereisten Hertha-Fans. Michael Preetz, noch ein Fürsprecher von Ante Covic in der Mitglieder-Versammlung, stellte sich in Augsburg nicht der Presse.

Im TV wurde gewitzelt, Berlin behalte ja zumindest einen Bundesliga-Club. Der, der die Hertha überholte, ist wohl nicht gemeint. Außerdem wird spekuliert, ob Jürgen Klinsmann gar als Trainer kommt. Weil Hertha gegen Augsburg lange Zeit in Unterzahl spielen musste, sei darauf hingewiesen, dass es auch anders geht, Mainz siegte mit Neutrainer Beierlorzer in Hoffenheimer mit 5:1.

Hertha steht jetzt zusammen mit Bremen und Düsseldorf – nur 11 Punkte, auf dem Relegationsplatz und das Torverhältnis entspricht nicht gerade dem eines Spitzenteams.

L. Favre Foto: C. Zschiedrich

Kommen wir zu Dortmund und Lucien Favre. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf der Jahreshauptversammlung: „Lucien, du hast weiter unser Vertrauen (Beifall), aber am Ende ist Fußball immer ergebnisorientiert“. Die Ergebnisse jedoch stimmen bei Beiden bisher nicht ! Am 13. Spieltag treffen sie im Olympiastadion aufeinander. Wer kann sich mit einem Sieg etwas Luft verschaffen oder wird es ein Unentschieden ? Allerdings ist beim Blick auf die Tabelle das Dortmunder Problem eher eines aus der Luxuskategorie.  

Beweisen Watzkes Worte Vertrauen? Wohl mehr eine letzte Chance und das trotz einer insgesamt besseren Siegquote im Vergleich zum in Dortmund hochverehrten Jürgen Klopp. Wenn wir schon im Trainergeschäft am vergleichen sind – Hansi Flick der neue Chef bei den Bayern München blieb auch gegen Düsseldorf weiter auf der Erfolgsspur.

Christian Zschiedrich

1. FC Union schafft die Sensation

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, der 1. FC Union erkämpfte sich mit dem Glück des Tüchtigen den ersten Sieg in der Bundesliga. Die Anzeigetafel kündete von der Sensation, der Championsleague Teilnehmer und Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund musste sich mit 1:3 in Berlin Köpenick geschlagen geben. Dortmunds Kapitän Marco Reus bekannte: „Wir haben uns dumm angestellt.“ Vielleicht wurden die Eisernen etwas unterschätzt. Sie agierten mit enormer Laufbereitschaft. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die Eisernen fast 7 km mehr liefen als die Dortmunder. War die Führung durch den Mann des Spiels Marius Bülter insofern glücklich, dass es den Eckball nicht hätte geben dürfen, der dem Treffer vorausging, so verdienten sich die Wuhlheider mit zunehmender Spieldauer den Erfolg.

Die Eisernen waren effektiv, nutzten als spielerisch unterlegene Mannschaft zwei Eckbälle und einen der wenigen Abwehrfehler der Dortmunder für ihre Tore. Union hatte lediglich 26 % Ballbesitz und dazu eine unterirdische Passquote von 64%. Mit diesen Werten kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen. Manchmal eben doch, wenn du, wie es Urs Fischer ausdrückte, eklig bist. Rennen bis zum Umfallen. Die Dortmunder ließen nicht viel zu, konnten aber mit ihrer Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer immer weniger anfangen. Den Kombinationen der Dortmunder fehlte es an Tempo und der letzten Präzision.

Urs Fischer brachte drei Neue für die Startelf, in der Innenverteidigung spielte Marvin Friedrich für den gesperrten Keven Schlotterbeck. Im defensiven Mittelfeld kam Manuel Schmiedebach für den verletzten Grischa Prömel zu seinem ersten Startelfeinsatz der Saison und im offensiven Mittelfeld begann Anthony Ujah für Suleiman Abdullahi. Die beiden Stürmer kamen nur selten zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sie waren meist der erste Wellenbrecher für Dortmunder Angriffsbemühungen. So glänzte Andersson als offensivster Spieler der Eisernen, neben seinem Tor zum 3:1 auch mit der zweitbesten Laufleistung im Spiel.

Marius Bülter – 2 Tore gegen Dortmund © Foto: Hans-Peter Becker

Zum Mann des Spiels avancierte bei aller Prominenz auf dem Rasen der Wuhlheide, ein eher unbekannterer Nachwuchsmann. So überraschend wie das Ergebnis, schnürte der Neuzugang und noch nicht so prominente offensive Mittelfeld-Akteur Marius Bülter einen Tore-Doppelpack. Er spielte in der Saison 2017/18 noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West und war erst vor wenigen Wochen mit dem 1. FC Magdeburg nach der Niederlage beim 1. FC Union aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Eine schöne Geschichte, die der Fußball hier geschrieben hat. Der 26jährige in Ibbenbühren geborene Bülter ist ein Spätstarter, hat keine Ausbildung in einem Fußball -Internat eines namhaften Clubs durchlaufen. Für diese Saison ist er vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen. Das Fußballmärchen erfährt hier noch eine Steigerung.

Es war kein Spiel für Fußballfeinschmecker, das wird An der Alten Försterei schwer zu realisieren sein. Es könnte den Weg aufzeigen, was in dieser Saison möglich ist. Immerhin hat der 1. FC Union bereits vier Punkte gesammelt, während der Rivale aus Charlottenburg mit einem lediglich einem Punkt eher in den Startlöchern hängen geblieben ist. Nach der Länderspielpause steht erneut ein Heimspiel auf dem Programm. Werder Bremen darf sich dann mit den Bedingungen und der Spielstärke des 1. FC Union auseinandersetzen.

Hans-Peter Becker

So gewinnt man auch die Berliner

Was ich in der Alten Försterei gesehen habe, ließ mein Herz höher schlagen. So stellen sich die Berliner begeisterten Fußball voller Leidenschaft vor. Da springt sprichwörtlich der Funke auf die Zuschauer über. Da ist Stimmung, da wird man von den Sitzen gerissen obwohl fast alles Stehplätze sind. Ich habe das Bedürfnis, einen zweiten Bundesliga-Kommentar zu schreiben.

Gebe zu, ich bin Dortmund-Fan. Natürlich habe ich in unserer Tipprunde als edler Anhänger auf Sieg für Dortmund getippt. Schließlich war ich aber vom aufopferungsvollen Kampf von Union so mitgerissen, habe mitgefiebert und die Daumen gedrückt: Das ist Fußball ! Ich war beim 3:1-Sieger der Eisernen über Championsleague-Club Dortmund voll dabei.

Einzelheiten berichtet bei uns wie immer Hans-Peter Becker von und über Union. Ich bin in der Regel für Hertha zuständig. Emotionalität weiß selbstverständlich auch Hans Becker zu schätzen. Ich bin auf seinen Bericht gespannt. Künftig können wir interessante Vergleiche anstellen. Großartig, dass Berlin zwei Bundesligisten hat. Und warum läuft es bei Hertha nicht? Das hat garantiert mehrere Gründe, aber einen ganz vordringlichen: Mir drängt sich der Eindruck auf, Hertha hat vergessen „Gras zu fressen“.

Christian Zschiedrich

Niederlagen im Berliner Profifußball

Am Donnerstag, 21. März stimmen die Vereine der 2. Bundesliga darüber ab, ob wie in der höchsten Spielklasse bereits vorhanden, der Videobeweis eingeführt werden soll. Die Niederlage des 1. FC Union in Heidenheim hätte auch nach Videobeweis Bestand gehabt. Ein bisschen Pech und widrige Witterungsverhältnisse machten die technischen Vorteile der Eisernen zunichte. Tiefes Geläuf bei Dauerregen erschwerten die Spielkontrolle, dazu wollten die Heidenheimer in der zweiten Halbzeit den Sieg etwas mehr als die Berliner. Es gelang zwar durch Robert Zulj kurz vor der Halbzeitpause die Führung, am Ende gewannen die Heidenheimer.

Die Folgen hielten sich in Grenzen, zwar schmolz das Punktepolster zu den Mitkonkurrenten ab Tabellenplatz vier, dafür blieb der Abstand zum direkten Aufstiegsplatz zwei. Der Hamburger Sportverein leistete sich eine 1:2 Heimniederlage gegen Darmstadt, die drei wichtige Punkte im Abstiegskampf einsammelten. Das Spiel zu drehen schaffte auch Aufsteiger Paderborn und die kommen nach der Länderspielpause in die Alte Försterei. Sollte der HSV seine Schwächephasen nicht in den Griff bekommen und sie müssen noch in Berlin antreten, der direkte Aufstieg für die Eisernen bliebe im Sichtfeld. Die Relegation sollte vermieden werden, vorgesehen für den 23. und 27. Mai und es könnte, wenn Schalke so weitermacht, die Rückkehr von Steven Skrzybski bedeuten.

Union verlor am Freitagabend und die Alte Dame machte es knapp 24 Stunden später nicht besser. Im ausverkauften Olympiastadion hatte der Gast aus Dortmund nach leidenschaftlichen und kämpferischen Verlauf knapp die Nase vorn. Einen Punkt hätten die Herthaner verdient gehabt, die Bundesliga ist halt kein Wunschkonzert. Es läuft gerade nicht und die graue Maus kommt wieder mehr zum Vorschein. Der Schiedsrichter Tobias Welz hatte einen schlechten Tag. Er übersah einen klaren Foulelfmeter, den Hertha hätte bekommen müssen, okay dafür war der Handelfer umstritten. Übersehen hatte er zunächst die Kindergartenaktion von Herthas Kapitän Vedad Ibisevic. Der hatte gezeigt, dass er als Handballer gut treffen kann. Dortmunds Torwart Roman Bürki bekam den Ball an den Kopf. Ein Assistent und der Keller in Köln hatten es gesehen, glatt Rot war die Folge.

Die Alte Dame verabschiedet sich langsam von allen Ambitionen und wird die Saison im Windschatten der eigenen Erwartungen zu Ende bringen. Vier Heimspiele sind es noch, die Gäste kommen aus Düsseldorf, Hannover, Stuttgart und Leverkusen.

Hans-Peter Becker

Berliner Profi-Fußball – Niederlage und Unentschieden

Der 1. FC Union quälte sich am Freitagabend zu einem Unentschieden. Ein Tor war zu wenig gegen die wiedererstarkten Arminia aus Bielefeld. Die erste Halbzeit war in Ordnung, da fiel auch das Tor durch Joshua Mees. In der zweiten Hälfte verloren die Eisernen den berühmten Faden und kassierten folgerichtig den Ausgleich durch Jonathan Clauss. Arminia blieb am Drücker und war dem Siegtreffer näher als die Haussherren der Wuhlheide. Es blieb dabei, die Heimspiele gegen Bielefeld werden nicht verloren. Ein Punkt kam auf die Habenseite und er könnte wertvoll sein. Sitzenreiter HSV verlor überraschend in Regensburg, insofern wurde sogar ein Punkt gutgemacht.

Arminia Bielefeld, jetzt unter der Anleitung des Ex-Union Trainers Uwe Neuhaus, der einst die Eisernen von der Regionalliga bis in die zweithöchste Spielklasse führte, ist im Vergleich zur Hinrunde nicht wiederzuerkennen. Der Wintertransfer, die Rückholaktion von Reinhold Yabo hat die Qualität der Mannschaft gehoben. In dieser Form werden sie die Klasse halten. Ob es in der nächsten Saison wieder ein Punktspiel beim 1. FC Union geben wird ? Die Sasion ist noch lang, 11 Spiele bis Ultimo, jetzt nicht nervös werden, von Spiel zu Spiel denken und schauen, was am Ende raus kommt.

Der Kampf um die begehrten Plätze 1 bis 3 dürfte bis zum Schluss spannend bleiben. Weder der HSV, noch die Kölner machen aktuell Anstalten, sich deutlich von der Konkurrenz abzusetzen. Die Teams bis Platz 7, den nimmt jetzt der SC Paderborn als Aufsteiger ein, sind nach 23 absolvierten Spieltagen noch in der Verlosung. Die Saison in der 2. Bundesliga verläuft spannender als gedacht. Der nächste Prüfstein für die Köpenicker wird Holstein Kiel sein. Der letztjährige, gescheiterte Relegationsteilnehmer liegt nur zwei Punkte hinter den Eisernen in Lauerstellung.

Einen Tag später war die Alte Dame aus dem Olympiastadion beim FC Bayern zu Gast. Sie zogen sich mehr als achtbar aus der Affäre. So darf man verlieren. Die Münchner waren nicht unbedingt besser, es war eine gehörige Portion Bayern-Dusel nötig, den knappen 1:0 unter Dach und Fach zu bringen. In Dortmund reagierten sie auf die unterbleibene Schützenhilfe, siegten im Spitzenspiel gegen Leverkusen und haben wieder drei Punkte mehr als die Bayern.

Was gelingt der Wundertüte Hertha BSC noch in dieser Saison. Die nächsten Gegner Mainz und Freiburg hören sich machbar an, bevor Borussia Dortmund nach Berlin kommt. Die Stimmung bei der Hertha ist besser als das letzte Ergebnis.

Hans-Peter Becker

AOK Traditionsmasters mit nationalen und internationalen Topmannschaften

Freitag – Derbyday, Samstag – Tag der Entscheidungen. Für das kommende AOK Traditionsmasters am 4. und 5. Januar 2019 stehen nun alle teilnehmenden Mannschaften fest. Das Turnier in der Max-Schmeling-Halle findet zum 10-jährigen Jubiläum erstmals mit acht Mannschaften und an zwei Tagen statt. Hierfür konnten nationale und internationale Topclubs gewonnen werden. Neben den Berliner Teams von Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin kämpfen der FC Barcelona, Sparta Prag, Tottenham Hotspur, der Karlsruher SC, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund um die Krone im Traditionsfußball.

Der Freitag hat als erster Turniertag einige Leckerbissen zu bieten, so trifft in Gruppe A gleich zum Auftakt Borussia Dortmund auf Tottenham Hotspur und später Bayer Leverkusen auf die feinen Techniker von Sparta Prag. In Gruppe B spielt Union Berlin gegen den großen FC Barcelona und beim Spiel Hertha BSC gegen den KSC werden die befreundeten Fans aus einer gemeinsamen blau-weißen Kurve singen. Abgeschlossen wird der Freitag vom Berliner Derby, das stimmungstechnisch jedes Jahr das absolute Highlight darstellt.

Am Samstag hat jede Mannschaft noch ein Gruppenspiel. Dort entscheidet sich dann, wer aus den beiden Gruppen die Halbfinals erreicht. Das große Jubiläums-Endspiel wird am 5. Januar gegen 19:45 Uhr ausgetragen.

Die Teammanager haben in ihren Vorab-Kadern bereits einige große Kaliber wie Jan Koller, Tomáš Rosický, Torsten Mattuschka, Bernd Schneider und Zecke Neuendorf angekündigt. Die finalen angemeldeten Kaderlisten werden in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Quelle: Berliner Fußball-Verband

Geglückter Saisonstart und wieder kein Losglück

Erster Startelfeinsatz für Florian Hübner Foto: Hans-Peter Becker

Der Start in die neue Saison ist bei den Eisernen geglückt. Nach drei Spieltagen sind sie zusammen mit dem 1. FC Köln Tabellenführer, wie immer ist das eine hübsche Momentaufnahme und abgerechnet wird am Schluss. Gegen den FC St. Pauli war das Ergebnis besser als das Spiel. Der Doppelschlag vor der Halbzeitpause (44. und 45. Minute) war die Vorentscheidung in einer bis dahin offenen Partie. Die Handschrift von Urs Fischer wird immer deutlicher. Er will mehr Dominanz und Kontrolle. Der Kader scheint gerüstet für den Kampf um die oberen Tabellenplätze. Zusammen mit der neuen Nummer 1 im Tor Rafal Gikiewicz standen fünf Neuzugänge in der Startformation. Gegen St. Pauli kam Florian Hübner zu seinem ersten Einsatz und machte seine Sache, laut seinem Trainer, sehr gut. Erstaunlich, es sah aus als würden Marvin Friedrich und Florian Hübner bereits länger zusammenspielen.  St. Pauli hatte elf Torschüsse, davon waren drei hochkarätig. Das war eine Abwehrleistung der Eisernen, die sich sehen lassen konnte. Von den anderen Neuzugängen spielte Ken Reichel auf der Position des linken Außenverteidigers souverän. Einen deutlichen Qualitätsgewinn bringt auch Manuel Schmiedebach auf der Sechser-Position in das Spiel. Es ist fast verwunderlich, dass Hannover 96 keine Verwendung mehr für ihn hatte. Neben defensiven Stärken, er schont sich in keinem Zweikampf, ist er sehr wertvoll für den Spielaufbau.

Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht korrekt wieder. Der FC St. Pauli wurde unter Wert geschlagen, der 4:1 Sieg für den 1. FC Union fällt etwas zu hoch aus. Über weite Strecken der ersten Halbzeit wurde deutlich, woran weiter gearbeitet werden muss. Den Fans im ausverkauften Stadion „An der Alten Försterei“ skandierten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und was will man mehr, als vier Tore von der eigenen Mannschaft.

Unterdessen wurde die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal aus gelöst. Im Lager der Eisernen hatten sie so auf ein Heimspiel gehofft. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Zu Hause gegen Schalke 04, das war der heimliche Wunsch der Fans, Steven Skrzybski hätte sich auch gefreut. Stattdessen wurde es der Konkurrent, oh nein, wie im vergangenen Jahr, müssen sie nach Dortmund und sind wieder nur der krasse Aussenseiter. „Borussia Dortmund ist natürlich ein attraktiver, aber zugleich auch schwieriger Gegner. Wir haben uns vor zwei Jahren dort sehr gut präsentiert, das ist auch jetzt unser Ziel. Es wird ein interessantes Spiel mit einer besonderen Atmosphäre, die unsere Spieler genießen sollen und werden. Unsere Aufmerksamkeit darf allerdings nicht nur auf dem Pokalspiel liegen. Wir müssen auch weiterhin die Spiele in der Liga konzentriert angehen“, so äußerte sich in einer ersten Reaktion Oliver Ruhnert, der Geschäftsführer Profisport des 1. FC Union.
Hans-Peter Becker