Daumendrücken für Hertha in Mainz

Die Saison wird diesmal hoffentlich eine bessere für die Berliner, als die letzte, krisenhafte. Der Fan schaute voller Argwohn auf die Spiele und den meist abstiegsbedrohten Tabellenstand. Auch wenn es jetzt nach sechs Spielen keinen Anlass zur Freude gibt. Vielleicht ein bisschen beim 2:2 gegen Leverkusen wurde im Vergleich zur letzten Saison wenigstens Fußball gespielt. Insofern, es lohnt sich wieder ins Olympiastadion zu gehen. Am 7. Spieltag, zum Freitagabend gilt es in Mainz zu bestehen. Sollten sich da einige Spieler nicht mit der richtigen Einstellung auf das Feld begeben, könnte es ein Fiasko geben, zudem kehrt Hertha-Trainer Sandro Schwarz an seine einstige Wirkungsstätte zurück.

Kommentar Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Hertha steht dem Punktestand nach mit Wolfsburg und Stuttgart, jeweils fünf, auf dem Relegationsplatz. Hat sich Hertha, wäre wünschenswert, mit annehmbaren Ergebnissen gefestigt? Können wir mit konstanteren Leistungen, Spiel für Spiel, rechnen? Wenn nicht, ein Blick auf die Tabelle, hätte Hertha in Augsburg nicht gewonnen oder etwa gegen Leverkusen verloren, wo stünde Hertha vor dem 7. Spieltag? Die Krisenstimmung konnte vermieden werden. Das geht in der Bundesliga eben wirklich sehr schnell. Fast jeder kann jeden schlagen. Es ist sehr ausgeglichen, man schaue sich nur mal die Tabellenspitze an.

Das Selbstvertrauen kann bereits in nur einem Spiel wieder verloren gehen und reicht allein keineswegs. Wer glaubt, gegen Mainz ist es einfacher als gegen Leverkusen zu spielen, überall hängen die Trauben hoch. Mainz geht mit mannschaftlicher Geschlossenheit und großem Einsatz zu Werke. Sie geben bis zum Schluss nicht auf, gegen Augsburg gelang ihnen der Siegtreffer in der dritten Minute der Nachspielzeit. Gegen Mainz ist ein Erfolg möglich. Im Falle eines Sieges sähe, mit acht Punkten, die Welt gleich wieder viel freundlicher aus. Bis zum nächsten Heimspiel vergehen 2 Wochen, erst am 2. 10. kommt Hoffenheim ins Olympiastadion. Im Falle eines Erfolges in Mainz traue ich Hertha sogar die Punkte gegen Hoffenheim zu. Die TSG steht ja mit oben, will wieder ins internationale Geschäft. Jetzt erst einmal Mainz, das nächste Spiel ist ja immer das schwerste. Also haut euch ordentlich rein ins Match am Freitagabend.

Zu einer Vorschau aus Berliner Sicht gehört natürlich auch der 1. FC Union, bisher wurde der Tabellenführer in der Eliteliga noch gar nicht erwähnt. Der spielt zu Hause gegen Niko Kovac mit dem VfL Wolfsburg, in der Alten Försterei, am Sonntag, um 15.30 Uhr. Ein Sieg wird nicht einfach. Sollten die Wölfe in der Wuhlheide verlieren, wird die Luft für Kovac noch dünner.

Warum sind sie Spitzenreiter? Die mannschaftliche Geschlossenheit beeindruckt, wenn es auch international nicht so gut läuft. Mal sehen, wie es nach dem Spieltag aussehen wird.

Christian Zschiedrich

Union geht durch die Decke und Hertha punktet

Der 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 2022/23 wird den fußballbegeisterten Berlinern in besonderer Erinnerung bleiben. Hertha scheint auf dem langsamen Weg der Besserung zu sein und holte vor 40.643 Zuschauern im Olympiastadion immerhin einen Punkt. Partie gedreht, die zwischenzeitliche 2:1 Führung hielt nur fünf Minuten. Das Unentschieden wurde den gezeigten Leistungen auf dem Platz gerecht.

Einen Tag später, am Sonntag, 11. September traten die Eisernen aus Köpenick beim 1. FC Köln an. Der FC Bayern hatte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Federn gelassen und mit einem Sieg in Müngersdorf wären sie Tabellenführer, wenigstens bis zum Schlusspfiff in Freiburg. Ein durch Sheraldo Becker erzwungenes Eigentor nach nur vier Spielminuten brachte den Sieg. Union verschoss noch einen Elfer und erzielte ein Abseitstor. Mit 14 Punkten sind die Wuhlheider jetzt alleiniger Tabellenführer der Bundesliga. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, könnte davon eine ganze Weile seine zukünftigen Strom- oder Gasrechnungen begleichen. In Berlin, vereinzelt sogar in den Westbezirken, wurden Reste vom letzten Silvesterfeuerwerk verbraten. Das ist mehr als nur eine kleine Sensation. „Das Ding ist durch die Decke gegangen“, so die Worte von Präsident Dirk Zingler.

Für die Liga selbst ist das ein kleines Armutszeugnis. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Solide Handwerksarbeit zahlt sich aus. Vor allem kommt es auf die Abwehr an. Nur vier Gegentore in sechs Spielen und noch ohne Niederlage, das ist beachtlich.

Die nächsten Aufgaben lauten FSV Mainz 05 auswärts, für die Hertha und Union spielt zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, der Max Kruse ausgebootet hat.

Hans-Peter Becker

Foto: Christian Zschiedrich

Marvin Friedrich verlässt die Eisernen und Tymoteusz Puchacz geht in die Türkei

Mit sofortiger Wirkung wechselt Marvin Friedrich zu Borussia Mönchengladbach. Der 1,93 m große Abwehrrecke kam zur Winterpause der Saison 2018/19 zu den Eisernen. Stieg mit dem Team 2019 in die Bundesliga auf und entwickelte zu einem der besten Innenverteidiger. Insgesamt spielte er 141 Mal für die Wuhlheider. Ausgebildet wurde der Kassel geborene Friederich in der Knappenschmiede beim FC Schalke 04. Hier unterschrieb er auch seinen ersten Profivertrag. Eine weitere Station war der FC Augsburg.

„Der Weggang von Marvin Friedrich ist sportlich und menschlich natürlich ein großer Verlust, dennoch war es Marvins Wunsch, diesen Schritt jetzt gehen zu können. Nach seiner herausragenden sportlichen Entwicklung in den letzten Jahren, verbunden unter anderem mit unserem Aufstieg in die Bundesliga, dem Klassenerhalt und dem Erreichen der Conference League, ist es für ihn und für uns nun Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen. Wir fühlen uns mit unserer Mannschaft dafür gerüstet, wünschen Marvin für seinen weiteren Weg alles Gute und danken ihm für eine großartige gemeinsame Zeit“, kommentierte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball beim 1. FC Union Berlin, den Wechsel.

Unions Linksverteidiger Tymoteusz Puchacz wechselt per Leihvertrag für ein halbes Jahr zum türkischen Erstligisten Trabzonspor. Das Team von Trainer Abdullah Avci steht aktuell mit sieben Punkten Vorsprung auf dem ersten Tabellenplatz der Süper Lig.

In seiner ersten Saison bei den Eisernen stand Puchacz bisher sieben Mal auf dem Rasen und konnte sowohl in den UECL-Play Offs als auch in der anschließenden Gruppenphase jeweils einen Assist verbuchen. Durch seine Flanke auf Taiwo Awoniyi in der 7. Minute des Play Off-Hinspiels gegen Kuopion PS stellte er die Weichen für ein souveränes 4:0 im finnischen Helsinki.

Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball beim 1. FC Union Berlin, ist von Puchacz‘ Potenzial überzeugt: „Wir sind mit Tymoteusz‘ Einstellung sehr zufrieden. Mit der Leihe wollen wir ihm die Möglichkeit geben, in dem halben Jahr Spielzeit zu bekommen, die wir ihm hier aktuell nicht garantieren können. Wir erachten Trabzonspor als sehr guten Leihpartner, da sie eine hohe Qualität im Kader haben und eine sehr gute Saison spielen. Mehr Spielpraxis wird ihm bei seiner Entwicklung ganz sicher helfen bevor er ab dem 01. Juli zu uns zurückkehren wird.“

Quelle: 1.FC Union Berlin/Katharina Brendel

Hans-Peter Becker

Berliner Bundesligisten punkten

Am 4. Spieltag haben beide Berliner Bundesligisten gepunktet. Am Samstag holten die Eisernen einen Punkt und einen Tag später holte die „Alte Dame“ aus Charlottenburg den ersten Sieg der Saison. In der Wuhlheide wurde mit Toren gegeizt, mehr als ein ansehnliches 0:0 gegen den FC Augsburg kam dabei nicht heraus. „Am Schluss können heute wahrscheinlich beide Mannschaften mit dem Punkt gut leben. Es war ein intensives Spiel mit vielen Möglichkeiten, aber die Torhüter haben heute beide eine Top-Leistung gezeigt. Andreas Luthe hat uns heute auf der einen Seite im Spiel gehalten, auf der anderen Seite hatten wir einige Möglichkeiten, bei denen wir Tore erzielen müssen. Das Gleiche wird aber Markus Weinzierl vermutlich auch sagen, deswegen nehmen wir den Punkt mit und sind heute zufrieden“, lautete das Fazit von Urs Fischer im Anschluss an das Spiel.

Zufriedener war Hertha-Trainer Pal Dardai. Gnadenlos effektiv präsentierte sich seine Mannschaft, taktisch hatten sie sich auch was einfallen lassen. Dardai ließ erstmalig in dieser Saison in einer 3-4-2-1 System spielen, rückte von der gewohnten 4er Abwehrkette ab. Sicherlich war nicht beabsichtigt, dem Gegner soviel Ballbesitz zu überlassen. Hertha kam nur auf 33 % gegen den Aufsteiger. Lediglich 5 Torschüsse waren zu notieren, davon trafen allerdings 3 ins Ziel. Bochum hatte deren 18 und lediglich einer davon fand den Weg an Hertha-Keeper Alexander Schwolow vorbei. Erstmal Aufatmen bei der Hertha, drei Punkte sind auf der Habenseite. Na bitte, es geht doch. Der nächste Gegner ist wieder ein Aufsteiger, im Heimspiel wird Greuther Fürth erwartet.

Während sich Hertha in aller Ruhe eine ganze Woche lang auf den kommenden Gegner vorbereiten kann, müssen die Eisernen unter Woche international mit Reisestrapazen ran. Die Elf von Urs Fischer tritt am Donnerstag, dem 16.09.2021 im Sinobo Stadion bei Slavia Prag an. Der Anpfiff der Partie in der neu geschaffenen UEFA Europa Conference League erfolgt um 18:45 Uhr an.

Hans-Peter Becker

Wer schießt gern ein Extra-Tor?

Der 1. FC Union hat sein Fußballmärchen um ein weiteres Kapitel ergänzen können. Was am 27. Mai 2019 begann, Klassenerhalt nach dem ersten Jahr in der Bundesliga und nun Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb nach dem zweiten Jahr. Eigentlich zu schön um wahr zu sein. Der Jubel kannte am 22. Mai 2021 nach dem Schlusspfiff der letzten Saisonpartie gegen RB Leipzig keine Grenzen. Wie heißt es so schön in der Hymne des Vereins, geschmettert von Nina Hagen? „Wer schießt gern ein Extra-Tor – Eisern Union !“ Dieses Extra-Tor erzielte – ausgerechnet – Max Kruse, Unions einziger Unterschiedsspieler und Paradiesvogel. Der Spieler, der eigentlich auf den neugeschaffenen Wettbewerb keinen Bock hat. Nun darf er dort aller Voraussicht nach antreten.

Das Abschneiden ihrer Eisernen in der von Corona geplagten Saison war zusätzlich Balsam auf die Seelen der Fußballromantiker. Zu dieser Fraktion gehört ein Großteil der Anhänger des Vereins aus dem Berliner Osten. Es waren wieder ein paar Zuschauer im Stadion zugelassen. Der harte Rest versammelte sich davor und feierte den glücklichsten Sieg in dieser Saison.

Der Gegner aus Leipzig wurde in den ersten fünfzehn Minuten an-geschwiegen. Leipzig machte das Spiel, ging in Führung und spielte die Eisernen mehr und mehr an die Wand. „Gib niemals auf und glaub an Dich – ja dann wird der Sieg auch Dir gehör’n.“ Die Beschwörungsformel wirkte. Dem glücklichen Ausgleich folgte der noch glücklichere Siegtreffer. Die Leipziger hatten ihre Chancen versemmelt und es gewinnt nicht immer der Bessere. Wie üblich, liefen die Unioner wieder fast zwei Kilometer mehr als der Gegner und hatten diesmal Glück, dass ihre Fehler im Spielaufbau nicht bestraft wurden. Schlussendlich, um hier ein Lieblingswort von Urs Fischer ins Spiel zu bringen, stand ein Andreas Luthe im Tor, „der schien heute acht Arme zu haben.“

Der siebente Platz in der Schlusstabelle ist auch der Lohn für den läuferischen Aufwand, den die Eisernen betreiben mussten. Sie sind der Kilometer-Meister der Bundesliga. In die Statistik geht der Wert von 4.089,08 km ein, so viel musste keine andere Mannschaft laufen. Das war die Strecke, die den wertvollen Tabellenplatz einbrachte. Spielerisch haben sie sich weiter entwickelt, ein kleines Indiz ist hier die Fair-Play Wertung. In der Aufstiegssaison waren es 84 Punkte und am Ende dieser Spielzeit konnte der Wert auf 63 gedrückt werden.

Der Klassenerhalt war recht früh in Sack und Tüten. So konnte Oliver Ruhnert bereits die ersten Neuverpflichtungen für das nunmehr dritte Bundesligajahr verkünden. Dieser Erfolg weckt natürlich Begehrlichkeiten. So wird sicherlich der eine oder andere Profi dem Ruf des Geldes folgen. Christopher Lenz steht bereits länger als Abgang fest, er wechselt zu Eintracht Frankfurt. Ebenso verlassen werden Akaki Gogia, Christian Gentner und Florian Hübner die Wuhlheide. Die Leihverträge mit Torwart Loris Karius und Innenverteidiger Nico Schlotterbeck sind beendet. Gerüchte ranken sich um weitere Abgänge, hier fallen die Namen Robert Andrich, Taiwo Awoniyi und Marvin Friedrich. Eine Personalie ist geklärt. Max Kruse wird weiter für Eisernen spielen.

Hans-Peter Becker

Tag der Unentschieden in der Bundesliga

Ich mal an, dass der FC Bayern trotz aller Widrigkeiten, im letzten noch ausstehenden Match des 21. Spieltages den dritten Sieg beisteuern wird. Bisher gab es in den acht Begegnungen sechs unentschiedene Spielausgänge. Die beiden Berliner Vertreter wollten da nicht abseitsstehen.

Am Samstag, 13. Februar war zunächst die Alte Dame aus Charlottenburg mit ihrem Auftritt beim VfB Stuttgart dran. Es war insgesamt recht ordentlich. Pal Dardai hat zumindest geschafft, dass da wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht. Die Laufleistung übertraf sogar die des Ortsrivalen, der das Abendspiel bestritt. Bei Hertha rackert wieder Einer für den Anderen und Sami Kedhira zeigte für 30 Minuten seine Leader-Qualitäten. Er gab die Vorlage für den hochverdienten Ausgleich durch Luca Netz. Der junge Mann ist noch nicht volljährig, aber bereits Torschütze in der Bundesliga. Bei der Hertha scheint es aufwärtszugehen und am kommenden Sonntag, 21.02. kommt RB Leipzig.

Bei den Eisernen stagniert es. In der Rückrunde konnte bisher kein Dreier geholt werden. Viel Aufwand und wenig Ertrag, entsprechend enttäuscht waren sie am Samstagabend. Die nächste Aufgabe wartet in Freiburg. Die beiden positiven Überraschungen der Saison treffen aufeinander. Im Hinspiel in der Wuhlheide gab es 1 : 1, mal sehen, was das Rückspiel bringt. Es hapert an der Chancenverwertung, ganze zwei Treffer in der Rückrunde. Max Kruse wird schmerzlich vermisst. Er verletzte sich am 4.12.2020 im Derby gegen Hertha, konnte bisher erst 10 Spiele für die Eisernen absolvieren. Trotzdem ist er mit sechs Toren der erfolgreichste Schütze im rot-weißen Dress.

Mit dem Abstiegskampf dürften die Eisernen trotzdem nur wenig zu tun haben. Das Punktekonto wurde dafür schon zu reichlich gefüllt. Es bisschen was fehlt zwar noch, was soll erst Hertha BSC dazu sagen.

Hans-Peter Becker

Keine Punkte für die Berliner Profifußballer

Was die Ergebnisse angeht, kann von einer Duplizität der Ereignisse gesprochen. Am 20. Spieltag der Saison musste die Alte Dame aus Charlottenburg und die Eisernen aus der Wuhlheide jeweils über eine 0 : 1 Niederlage quittieren.

Den Auftakt am Freitag, 5. Februar machte Hertha, die sich gegen die Bayern achtbar aus der Affäre zogen. Ein Unentschieden wäre nicht ganz unverdient gewesen, das Glück war nicht aufseiten der blau-weißen. Cunha hatte es auf dem Fuß. Das sah schon mehr nach einer Mannschaft aus. Für etwa 10 Minuten durfte auch Neuzugang Sami Khedira ran. Das Spiel begann auf Wunsch der Bayern 30 Minuten früher. Nach Spiel wollten den Flieger nach Katar besteigen, um an der Klub-WM teilzunehmen. Sie kamen etwas zu spät, um das Nachtflugverbot zu umgehen. Da wurde wohl etwas gehandelt, vielleicht war der dafür Verantwortliche ein Hertha-Fan und Rache manchmal süß. Die Mannschaft und der Tross aus München hatte so ausgiebig Zeit, sich den BER ausgiebig anzuschauen.

Hertha steckt jetzt noch tiefer im Abstiegskampf, rangiert nur einen Platz vor der gefährlichen Zone. Die Partie in Bielefeld fiel dem Wintereinbruch zum Opfer, sonst hätte der Aufsteiger im Falle eines Punktgewinns gegen Werder Bremen an Hertha vorbeiziehen können.

Einen Tag später traten die Eisernen beim Tabellenvorletzten in Mainz an und spielten eine schlechte 1. Halbzeit. Ein von Niko Schlotterbeck verursachte Foulelfmeter brachte das goldene Tor der Partie. Besagter Schlotterbeck sah dann auch noch die gelb-rote Karte, so schwanden die Hoffnungen, was reißen zu können. Es fehlte an Kreativität und bringt nur der weiter fehlende Max Kruse ins Spiel. Wie bei der Hertha fehlte gänzlich das Matchglück. Kurz vor Toresschluss hätte es fast den glücklichen Ausgleich gegeben. Die Niederlage tut den Eisernen nicht weiter weh. Das rettende Ufer ist nicht mehr weit und an die Euro-League oder höheres hatten nur Journalisten ihre Gedanken verschwendet.

Der nächste Gegner für die Eisernen ist der Tabellenletzte aus Gelsenkirchen. Hertha fliegt nach Stuttgart.

Hans-Peter Becker

Hertha weiter auf der schiefen Bahn und Union bleibt Eisern

Die Berliner Ausbeute war mager am 19. Spieltag der Bundesliga. In der frostigen Wuhlheide holten die Eisernen einen Punkt, wiederholten das Ergebnis vom Hinspiel und ärgerten erneut einen Champions-League Teilnehmer. Sie liefen wie die Wiesel, spulten über 6 km mehr ab als Mönchengladbach und hatten so das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite. Egal wer spielt, da steht immer eine kompakte Mannschaft auf dem Feld. In den bisherigen 19 Saisonspielen konnten nur in 4 davon nichts geholt werden. Ein Freistoß brachte die Eisernen in Front und mehr als den Ausgleich gestatteten die Eisernen nicht. Ziel war, ist und bleibt der Klassenerhalt, kann da eigentlich noch was schiefgehen?

Ein Blick zur Hertha verheißt dagegen was ganz anderes. Die Entfernung in der Tabelle zwischen den beiden wird immer größer, beträgt inzwischen 12 Punkte. Das Beben in Charlottenburg hat sich Ergebnis technisch nicht oder noch nicht niedergeschlagen. Bei der Eintracht in Frankfurt hielt die neu formierte Truppe von Pal Dardai (6 Neue in der Startformation) lange mit. Die größte Überraschung war, im Tor stand Rune Jarstein und der Routinier zeigte, dass er nichts verlernt hatte. Er hielt in der ersten Halbzeit den Kasten sauber. Hertha ging sogar in Führung. Das kleine Licht der Hoffnung bekam nur eine Minute, länger hielt die Führung nicht und in der Schlussphase wurde es bitter. Hertha verliert weiter und kommt der gefährlichen Zone der Tabelle näher. Der Relegationsplatz ist verdammt nah.

Viel Grund zum Optimismus gibt es rund um das Olympiastadion nicht. Es könnte sogar richtig bitter werden. Der nächste Gegner heißt Bayern München. Die Eisernen müssen nach Mainz und sollten sie dort punkten, käme das dem Ortsrivalen nicht ungelegen.

Hans-Peter Becker

Keine Punkte für die Eisernen

Die großen Bayern waren da und fast keiner durfte direkt dabei sein. Im Fernsehen wirkte das Spiel wie eine Umarmung unter Vollschutz. Rund um das Stadion an der Wuhlheide wurden 400 Polizisten aufgeboten. Ein paar Unentwegte waren gekommen, um wenigstens einen kleinen Blick auf das Stadion zu erhaschen. Zwei besonders Mutige waren auf einen Baum geklettert und wurden von den Sicherheitskräften per Platzverweis am weiteren zuschauen gehindert. Der Rest fotografierte artig durch den Zaun und ging wieder nach Hause oder fand noch einen Platz einer Kneipe mit Sky-Empfang.

Im Stadion war es ruhig. Man konnte das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Windes hören. Wer es in normalen Zeiten nicht bekommen hatte, erstaunlich, was sich die Spieler alles so zurufen. Mit deutscher Gründlichkeit wurde das Konzept zur Hygiene umgesetzt, teilweise bis zur Albernheit. Es erschließt sich nicht, dass die Sky-Reporter vor der Kamera, an der frischen Luft, Masken trugen.

Zum sportlichen dieser Veranstaltung: Die Eisernen hielten das Spiel lange offen, waren trotzdem gegen die Bayern auf verlorenem Posten. Müßig, darüber zu spekulieren ob es mit ihrem lautstarken Publikum im Rücken viel anders gekommen wäre. Markus Hoffmann vertrat seinen Chef Urs Fischer, der wegen eines Trauerfalls in seiner Familie, die Mannschaftsquarantäne verlassen hatte.

Im Sturm durfte Anthony Ujah für Sebastian Andersson starten und in der Abwehr ersetzte Keven Schlotterbeck, den gelb-gesperrten Marvin Friedrich. Im Mittelfeld bekam Grischa Prömel den Vorzug, so dass Christian Gentner zunächst mit vorschriftsmäßigen Mundschutz von der Bank aus zusah.

Die erste Halbzeit verlief ereignisarm. Die Führung in der 40. Minute fiel nach einer unglücklichen Aktion des erfahrenen Neven Sobotic, der im Strafraum gleichzeitig Ball und Gegner traf. Den unstrittigen Strafstoß verwandelte Robert Lewandowski sicher. Die Eisernen liefen mit enormen Aufwand die Räume zu, konnten aber kaum etwas für den eigenen Spielaufbau tun. Es sprangen lediglich 9 Torschüsse und 2 gute Chancen heraus. Die Bayern brauchten 80. Minuten um den Sack zuzubinden. Benjamin Pavard beförderte einen Eckball per Kopf ins Tor.

Die Bayern waren auf das Spiel der Eisernen gut vorbereitet. Die Versuche der Hausherren mit langen Pässen zum Erfolg zu kommen wurde von den Bayern erfolgreich unterbunden. In der Feinabstimmung müssen beide weiter zulegen, die erzwungene Spiel- und Trainingspause war deutlich zu bemerken. Bayern-Trainer Hansi Flick sprach nach dem Spiel von einem Arbeitssieg.

Mit dieser Niederlage bleiben die Köpenicker in der Tabelle einen Punkt hinter dem Rivalen aus Berlin-Charlottenburg. Am kommenden Freitag, 22.05. 2020 ist es wieder soweit, Derbytime unter Corona-Bedingungen.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Hübner. Schlotterbeck, Subotic – Trimmel, Andrich (70. Gentner), Prömel (85. Kroos), Lenz – Ingvartsen (81. Mees), Ujah (70. Andersson), Bülter (85. Ryerson)

FC Bayern München: Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Davies – Kimmich, Goretzka (71. Coman), Thiago – Müller (90. Cuisance), Lewandowski, Gnabry (85. Perisic)

Tore: 0:1 Lewandowski (40. FE), 0:2 Pavard (80.)