Viktoria holt sich den Pott

Am Abend wurde das jährliche Hochamt des Profifußballs zelebriert. Im Berliner Olympiastadion holte RB Leipzig in einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem SC Freiburg den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Es war restlos ausverkauft, eine Zusatztribüne errichtet, so konnten 74.322 Zahlende ins Stadion.

Zu mittäglicher Stunde desselben Tages, nur wenige Kilometer vom Olympiastadion entfernt, fand im Rahmen des Tages der Amateure das Endspiel um den Berliner Pokal statt. Bedauerlich, das muss man sagen, fast unter freiwilligem Ausschluss der Öffentlichkeit. Lediglich 1.215 Zahlende gab der wieder als Stadionsprecher engagierte Karsten Holland bekannt. Dabei war es eine alles andere als unattraktive Paarung im neuen Endspielort, dem Mommsenstadion. Der leider nun ehemalige Drittligist Viktoria spielte gegen die VSG Altglienicke. Es war ähnlich dramatisch, wie Stunden später im Olympiastadion.

Die Mannschaft, die die Saison im halbwegs bezahlten Fußball verbracht hatte, bestimmte über weite Strecken das Spiel. Nur das erste Tor im Spiel gelang den Volkssportlern, in der 40. Minute überwand Uzan Tugay den Torwart mit einer Bogenlampe. Philip Sprint sah da nicht gut aus. Es war das Tor aus dem Nichts, was sich so rein gar nicht andeutete.

In der zweiten Halbzeit hatte Viktoria weiter die größeren Spielanteile, während Altglienicke leidenschaftlich verteidigte und einige gefährliche Konter inszenierte. Der in der 60. Minute eingewechselte Paul-Vincent Manske hatte zweimal die Vorentscheidung auf dem Fuß und scheiterte.

Fotos:© Hans-Peter Becker

Der Traum vom Pokalsieg zerplatzte für den Regionalligisten auf die brutalst mögliche Weise. Zwei Tore in der Nachspielzeit durch Lukas Pinkert und Soufian Benyamina entrissen der Elf von Karsten Heine den Pott.

In der Pressekonferenz äußerte Heine seine Kritik an Schiedsrichter Pascal Wien. Eine Tätlichkeit von Viktoria-Kapitän Christoph Menz blieb ungeahndet. „Der Menzer hätte das Spiel nicht beenden dürfen.“ Trotzdem gratulierte er seinem Kollegen zum Sieg und Viktorias Trainer verkündete auf Nachfrage, dass er bei Viktoria nicht weitermachen wird. Sein Vertrag galt nur für die 3. Liga.

Im Kader der Himmelblauen wird es weitere Veränderungen geben. Umso bemerkenswerter war, dass sich die Mannschaft nach dem enttäuschenden Saisonende nochmals zu solch einer Energieleistung aufschwingen konnte.

Hans-Peter Becker

AOK Pokal Finale

21.05.2022 12:15 Uhr Mommsenstadion Berlin

VSG Altglienicke – FC Viktoria 1889 Berlin 1:2(1:0)

Mannschaftsaufstellungen

Viktoria: Sprint – Lewald – Makreckis (80. Hahn) – Theisen (77. Ogbaidze) – Küc – Falcao (65. Hovi) – Kapp – Seiffert – Jopek (65. Benyamina) – Pinckert – Menz

VSG Altglienicke: Bänge – Liebelt (ab 60. P.V. Manske) – Zeiger – Uzan (ab 69. Breitkreuz) – Derflinger (ab. 69. Skoda) – Inaler – Häußler – Belegu – J. Manske – Dem (ab 84. Pütt) – Brehmer

Schiedsrichter: Pascal Wien (SC Borsigwalde)

Assistenten: Fabian Zastrow, Marcel Mallassa, Gunnar Mielenz

Füchse für Saisonfinale gerüstet: 37:31 Sieg gegen Frisch Auf Göppingen

Der Hans, der Hans …der kann`s“ ! Mit diesem bewährten Schlachtruf feierte der Fan-Klub „Füchse-Power“ auch noch nach Spielende Hans Lindberg. Wieder mal war der Däne erfolgreichster Werfer der Gastgeber. Seine zehn Tore hatte er diesmal „gerecht“ aufgeteilt: Fünf vom 7-Meter-Punkt und fünf aus dem Spiel heraus. Wobei er dreimal nach unwiderstehlichem Sprint über das gesamte Spielfeld Konter erfolgreich abschloss.

Das Besondere ist dabei nicht nur Lindbergs konstant herausragende Form. Mit 213 Treffer ist er zur Zeit der Top-Goalgetter in der Bundesliga (85,3% Wurfeffektivität), sondern, dass er am 1.August seinen 41. Geburtstag feiern kann. Noch ist seine Vertragsverlängerung nicht offiziell verkündet worden. Sie scheint aber nur noch Formsache zu sein. Nicht nur Lindberg spielte gegen Frisch Auf Göppingen auf hohem Niveau. Die gesamte Füchse-Mannschaft präsentiert sich im Saisonendspurt in guter Form.

Rein tabellarisch war das Spiel gegen FA Göppingen ein Duell der Tabellen-Nachbarn – Vierter gegen Fünfter. Die Schwaben als die Besten vom „Rest“ der Bundesliga (hinter den „großen Vier“) hatten vor der Partie jedoch schon 13 Punkte Rückstand auf die Berliner.

Das Angriffsspiel der Füchse lief nach dem 0:1-Rückstand auf Hochtouren. Entscheidend absetzen konnten sie sich jedoch zunächst nicht, weil Göppingen nach Gegentoren mehrfach blitzschnell konterte und die noch nicht wieder formierte Füchse-Abwehr überraschte. Außerdem verzichtete Füchse-Coach Jaron Siewert lange Zeit auf Abwehrchef Viran Morros (der nach Saisonende in die Schweiz wechselt) und probierte verschiedene Deckungsvarianten aus. In der kämpferisch geprägten Partie konnten sich Berliner erst in der Schlussphase der ersten Hälfte absetzen. Zur Pause stand es 22:18

Nach Pause präsentierte sich Abwehr dann sattelfester und fand besseren Zugriff auf die Würfe der Göppinger. Dazu steigerte sich Torhüter Milosavljev (15 Paraden) und kaufte mit spektakulären Aktionen, u.a. ein gehaltener Siebenmeter von Nationalspieler Marcel Schiller) den Gästen den Schneid ab. In dem temporeichen Spiel ließ bei Gästen zunehmend die Konzentration nach. So gerieten die Füchse nicht mehr Gefahr und konnten den Gegner auf Abstand halten. Die 37 Tore sind Saisonbestwert für die Berliner.

Weiter geht es am Sonntag, 22. Mai, in Erlangen. Zeitgleich treffen am selben Tag die Mitkonkurrenten um den zweiten Tabellenplatz (Champions-League-Teilnahme) Flensburg und Kiel aufeinander.

Herbert Schalling

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 6, Holm 4, Andersson 2, Lindberg 10/5, Beneke 1, Vujovic 4, Marsenic 7, Drux 2

Hertha steht am Abgrund

Die schlimmsten Befürchtungen werden war, selbst gegen den spielerisch limitierten HSV fand Hertha keine Mittel. Schlussendlich verloren sie, wenn auch etwas unglücklich, mit 0:1. Über das Niveau des Spiels muss nicht ein einziges Wort verloren werden. Beide stellten unter Beweis, warum sie nachsitzen müssen und nur der Glücklichere ans Ziel kommen wird.

Felix Magaths Betrachtung der Dinge nach dem Spiel war merkwürdig. Gefragt, ob seine Mannschaft hier wie ein Erstligist aufgetreten sei, „das ja, aber der HSV eben auch.“ Für mich bot die Hertha dagegen bereits eine zweitligareife Leistung. Sie fanden keine Mittel und ließen sich so auf das Niveau des HSV runterziehen. Ganze anderthalb Torchancen im gesamten Spiel, der Treffer von Belfodil konnte wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben werden und in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit versemmelte Jovetic eine gute Einschussmöglichkeit. Das war alles. Der HSV hatte im Gegenzug, nach der Möglichkeit durch Jovetic, den Fußballgott auf seiner Seite. Eine verunglückte Flanke von Reis segelte ins Tor.

Es bleibt ja noch das Rückspiel und mal ehrlich, da braucht Hertha schon ein kleines Fußballwunder. Für die maßlos enttäuschten Fans der Blau-Weißen bleibt die Hoffnung, die ja bekanntlich zuletzt stirbt. Wir können auch Otto Rehhagel zitieren, ziemlich genau vor 10 Jahren, es war am 10. Mai 2012, 1:2 Niederlage im Relegationshinspiel gegen Fortuna Düsseldorf, „noch sind wir nicht abgestiegen“.

Hans-Peter Becker

Mit Tsuiki geht die Sonne auf – ein Japaner für die BR Volleys

Die BR Volleys haben einen neuen Libero und Strahlemann aus dem Land der aufgehenden Sonne: Libero Satoshi Tsuiki wechselt aus Frankfurt in die Hauptstadt und unterschreibt an der Spree einen Zweijahresvertrag. Der 30-jährige Japaner ist damit der erste Spieler der Vereinsgeschichte aus Fernost.

© Pressefoto Credit: Corinna Beck

Ganze neunmal stand Satoshi Tsuiki den BR Volleys in der vergangenen Saison gegenüber. Mit den United Volleys Frankfurt, für die er insgesamt zwei Jahre lang aktiv war, kam es in Supercup, Pokal, Bundesliga und Playoffs zum Dauerduell mit den Berlinern. Dabei erhielt der Libero von seinem neuen Coach Cedric Enard dreimal die MVP-Medaille und war einmal in der Max-Schmeling-Halle notgedrungen sogar als Zuspieler im Einsatz. Zur kommenden Spielzeit wird der Japaner nun die Netzseite wechseln: „Das neue Trikot wird vielleicht kurze Zeit komisch für mich sein, denn so viele Vereinswechsel hatte ich in meiner Karriere noch nicht. Aber ich freue mich unheimlich auf diese neue Aufgabe. Die BR Volleys sind definitiv ein weltweit bekannter Klub und es ist für mich eine große Ehre, dieses Angebot aus Berlin bekommen zu haben“, formuliert Tsuiki seine Antrittsworte mit der typisch japanisch freundlichen und respektvollen Art.

Lange Zeit war der 1.74 Meter große Annahme- und Abwehrspezialist im Volleyball und in seiner Heimat als „Ide“ bekannt. Mit der Heirat nahm er den Namen seiner Frau Tsuiki an: „Mein Spitzname ist Sato. Das hätte ich gern auch auf dem Trikot stehen und so werde ich am liebsten genannt“. Von 2013 bis 2020 stand noch Ide auf dem Jersey, als er für die Toray Arrows aus Mishima City die Bälle verteidigte und im Jahr 2017 mit dem Club das Triple aus Pokal und nationaler sowie asiatischer Meisterschaft feierte. In Frankfurt konnte er mit dem Gewinn des DVV-Pokals 2021 ebenfalls einen großen Erfolg verzeichnen.

Tsuiki durfte während seiner Karriere also Volleyball aus zwei verschiedenen Welten kennenlernen: „In Japan wird der Sport in einem gut funktionierenden Konstrukt gespielt, aber die Professionalität ist nicht auf demselben Niveau wie hier. Die Spieler sind oft an die jeweiligen Firmen gebunden und nur wenige haben die Möglichkeit, sich wie ich im Ausland zu versuchen. Hier in Europa stehen die Ergebnisse und das Abschneiden viel stärker im Vordergrund. Es ist eine etwas andere Sicht auf den Sport. Mir gefällt diese ambitionierte Herangehensweise.“

BR Volleys Geschäftsführer Kaweh Niroomand schätzt nicht nur den spürbaren Ehrgeiz, sondern auch die Klasse des Neuzugangs: „Mit Satoshi Tsuiki gewinnen wir einen sehr flexiblen Libero hinzu, der in allen Bereichen eine hohe Qualität mitbringt. Was er kann, hat er in den vergangenen zwei Jahren in der Bundesliga eindrucksvoll bewiesen. Satoshi ist stabil in der Annahme, extrem stark in der Abwehr und hat ein gutes Zuspiel.“ Hinzukommt die japanische Mentalität, die in Person von Tsuiki erstmals ein BR Volleys Team bereichert: Extrem fleißig, sehr ehrgeizig und dabei zugleich zuvorkommend.

Durch den mutigen Schritt ins Ausland hatte „Sato“ sich im Jahr 2020 erhofft, den Sprung zu den Olympischen Spielen in Tokio zu schaffen, doch leider fand er bei den “Heimspielen“ damals keine Berücksichtigung. Auch diesen Sommer wird er statt bei der Nationalmannschaft „mit Reisen und etwas Arbeit in Japan verbringen“, bevor er sich in Berlin erneut für Olympia – dann 2024 in Paris – empfehlen will. „In Japan ist das Niveau unter den Liberos unheimlich hoch. Ich kämpfe um eine der bestbesetzten Positionen der Welt. Dennoch bleibt Olympia ein Ziel von mir.“ Auf dem Weg dorthin will der sympathische Neuzugang für die BR Volleys „in jedem Spiel die beste Leistung auf den Court bringen“.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Spandau will die Weichen für die Meisterserie stellen

Für diese beiden deutschen Wasserballvereine entwickeln sich die sportlichen Herausforderungen derzeit auf Höchsttempo: DSV-Pokal, Hauptrunde der Champions League und Best-of-Five-Finalserie der 101. Deutschen Meisterschaft. Zweimal waren bisher die Niedersachsen im Vorteil. Sie gewannen den Pokal und erreichten die Teilnahme am Final 8 der Champions League im Juni in Belgrad.

Jetzt geht es um die Meisterschaft. Am Mittwoch, 18. Mai steht in Hannoverschen Volksbad Limmer (18 Uhr) der Auftakt der Best-of-Five-Serie beim Hauptrunden-Zweiten Waspo an. Danach folgen am Samstag, 21. Mai und Sonntag, 22. Mai zwei Partien in Berlin-Schöneberg. Hat einer der beiden Rivalen danach bereits drei Siege auf dem Konto ist laut 04-Präsident Hagen Stamm „der Kuchen gegessen“. Ein Szenario, das nach den Erfahrungen vergangener Jahre durchaus möglich ist, denn in vielen Begegnungen war mit Gästeerfolgen der Heimvorteil praktisch außer Kraft gesetzt. Steht es nicht 3:0 für einen der beiden Titelbewerber, geht es weiter mit Spiel 4 in Hannover (25.5. in Hannover) und ein 2:2-Zwischenstand danach brächte das ultimative Finalmatch am 28. Mai in Berlin mit sich.

Über die Bedeutung des Auftaktmatches gibt es keine zwei Meinungen. „Mit einem Erfolg in die Serie zu gehen, gibt einen mentalen Vorsprung, aber entschieden ist damit gar nichts“, sagt Trainer Kovacevic. In das Duell am Mittwoch gehen die beiden Titelaspiranten mit annähernd gleichen Voraussetzungen. Sie bieten ihren besten Formationen auf. Spandau setzte zuletzt zunehmend auf die jungen Akteure. Hannover konnte sich auf seine routinierten, auch international für ihre Heimatländer erfolgreichen Spieler verlassen. In den Einzelpartien gegeneinander waren zwar die Berliner rein quantitativ sogar öfters siegreich, aber unterm Strich hatten die Niedersachsen die bessere Erfolgsquote.

Jetzt treffen die Kontrahenten zum sechsten Mal in Folge seit 2016 in der Finalserie aufeinander, insgesamt zum elften Male. Spandau hat den Titel letztmals 2019 gewonnen. Nach den beiden Triumphen 2020 und 2021 strebt Hannover nun den Dreier an. Spandau will genau das verhindern. „Wir sind gewappnet und werden alles einsetzen, was wir draufhaben. Dass dabei Kopf und Körper eine Einheit bilden müssen, liegt auf der Hand“, sagt der Trainer. In den Halbfinals gegen Ludwigsburg zeigte sich der Rekordmeister auf gutem Wege. Dort weiterzumachen und nicht stehenzubleiben, ist das Motto für die Endspielserie.

Quelle: Peter Röhle/Wasserfreunde Spandau 04

Jeffrey Jendryk zieht weiter

Pressefoto Credit: © Andreas Gora

Der US-Amerikaner Jeffrey Jendryk wird die BR Volleys mit noch unbekanntem Ziel verlassen. Nach seiner insgesamt dritten Saison im Berliner Trikot stellt sich der 26-Jährige zur nächsten Spielzeit einer neuen Herausforderung in einer anderen Liga. Nachdem sich der Mittelblocker im ersten Playoff-Finale eine Bänderverletzung zugezogen hatte, ist er inzwischen wieder vollständig genesen und geht mit dem Team USA in der Volleyball Nations League ans Netz.

Direkt vom College kommend überzeugte Jeff Jendryk schon in den Jahren 2018 bis 2020 bei den BR Volleys, ehe er sich anschließend in Polen bei Asseco Resovia Rzeszow versuchte. Nach seiner Rückkehr in die deutsche Hauptstadt war der Blockspieler in der zurückliegenden Spielzeit erneut ein unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft von Coach Cedric Enard. Aufgrund der Verletzung von Anton Brehme befand sich der US-Boy gemeinsam mit Nehemiah Mote im Dauereinsatz, bevor er sich im ersten Playoff-Endspiel gegen den VfB Friedrichshafen eine Bänderverletzung zuzog und deshalb im weiteren Verlauf der Finalserie nicht mehr eingreifen konnte.

Jendryk wurde vergangene Woche in den Kader der USA für die Volleyball Nations League berufen und will dort die Bühne nutzen, um sich für neue Aufgaben zu empfehlen. „Jeff hat wieder gezeigt, wie er auf seiner Position in der Bundesliga dominieren kann. Im Zusammenspiel mit Sergey war er im Angriff kaum zu stoppen. Wir wünschen ihm nur das Beste für seine nächste Station und sind uns sicher, dass er seine Karriere erfolgreich fortsetzen wird“, verabschiedet Geschäftsführer Kaweh Niroomand den zweifachen Deutschen Meister.

Jendryk selbst sendet zum Abschied einen lieben Gruß in Richtung der Berliner Fans: „Ich möchte mich bei allen im und um den Verein herzlich bedanken. Ohne euren ständigen Rückhalt hätten wir niemals eine derartig erfolgreiche Saison spielen können. Ich wünsche den BR Volleys und allen, die es mit dem Klub halten, weiterhin ganz viel Glück und neue Erfolge. ‘Jungle Cat‘ sagt Tschüss!“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Hertha vor der Relegation

Hertha hatte in Kienbaum zur Pressekonferenz geladen. Etwas eine halbe Stunde lang standen Fredi Bobic und Felix Magath den dort versammelten Journalisten Rede und Antwort. Der Aura von Kienbaum – dort wurden einige Weltmeister und Olympiasieger geformt – möge die Mannschaft beflügeln. Es spricht in der allgemeinen Einschätzung nicht viel für die Hertha. Der HSV, mit zuletzt vier Siegen, dagegen mussten die Berliner am letzten Spieltag den Nackenschlag hinnehmen, in buchstäblich letzter Sekunde, noch in die Relegation abgerutscht zu sein.

Felix Magath betonte:“…seit ich hier bin, hat die Mannschaft eine insgesamt positive Entwicklung genommen.“ Zwischen der 1. und 2. Bundesliga gibt es schon einen Unterschied und zudem waren die letzten vier Gegner des HSV nicht unbedingt Spitzenteams. „Es ist nicht der Worst Case eingetreten. Wir haben es geschafft, von Platz 17 auf 16 vorzudringen. Deshalb haben wir unser Minimalziel erreicht und den direkten Abstieg vermeiden können.“

Der HSV hat bereits 2014 und 2015 als Erstligist die Relegation erfolgreich gemeistert, während Hertha 2012 an Fortuna Düsseldorf scheiterte. Wie in der gesamten Saison müssen Personalprobleme gemeistert werden. Davie Selke und Marton Dardai stehen nicht zur Verfügung. Besonders schmerzlich ist, dass Santiago Ascacíbar, zuletzt eine feste Größe im Mittelfeld, für das Spiel gelb-gesperrt ist. Ein Fragezeichen steht noch hinter Marcel Lotka, der Torwart erlitt in Dortmund eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Es könnte sein, dass Oliver Christensen die Partie bestreiten muss, denn Alexander Schwolow ist bereits länger verletzt und auf keinen Fall einsatzfähig.

Die Relegation wird in zwei Spielen entschieden. Dieser Hinweis ist wichtig, denn die bisher praktizierte Auswärtstorregel gilt nicht mehr. Sollte es beim Rückspiel in Hamburg nach 90 Minuten keine Entscheidung nach Punkten und dem Torverhältnis gefallen sein, geht es in Verlängerung bis zum dramatischen Ende im Elfmeterschießen.

Das Olympiastadion wird bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Eine Prognose wollte Magath diesmal nicht abgeben, wo er doch mit seiner Vorhersage der Relegationspaarung vor zwei Wochen eine prophetische Gabe bewiesen hatte.

Hans-Peter Becker

Klarer Derbysieg – Füchse gewinnen 34:25 gegen DHfK Leipzig

Die Spiele der Füchse gegen den SC DHfK hatten sich seit dem Aufstieg der Leipziger 2015 zu echten Derbys, zu hart umkämpften Partien auf Augenhöhe entwickelt. In der letzten Saison zum Beispiel gelang es den Berlinern nicht, gegen den sächsischen Rivalen zu gewinnen. Diesmal allerdings dominierten die Füchse eindeutig. Der 34:25-Sieg war am Ende auch in der Höhe verdient.

Der Start der Hausherren – furios. 4:0 nach vier Minuten. Leipzigs Coach Andrè Haber musste die früheste Auszeit der gesamten Bundesliga-Saison nehmen, um seine müde Truppe aufzurütteln.

Das Erfolgsrezept Füchse: im sechstletzten Saisonspiel: Klug herausgespielte Tore über den Kreis – hier glänze vor allem Mijajlo Marsen als Vollstrecker (7 Treffer) und schnelle Konter. Dabei nutzten die flinken Valter Chrintz und Milos Vujovic( mit acht Treffern erfolgreichster Fuchs) die zahlreichen Ballverluste der Leipziger. Mehrfach wurden die Außen von Keeper Dejan Milosavljev mit präzisen Zuspielen auf die Reise geschickt. Der Füchse-Torhüter glänzte darüber hinaus mit zahlreichen Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter. Mit dem 17:12 zur Pause war der Weg zum Sieg frühzeitig geebnet.

Ihr konzentriertes Spiel setzten die Füchse nach der Pause fort – diesmal ohne die gefürchteten „fünf schlimmen Minuten“ ohne Tore, die beim Spitzenspiel vor zwei Wochen in Magdeburg den Sieg und im Verlauf der Saison manchen Punkt gekostet hatten. Trainer Jaron Siewert zollte seinem Team deshalb Respekt für diese Leistung. „Wir hatten uns viel vorgenommen und die Mannschaft hat es prima umgesetzt“. Sportdirektor Stefan Kretzschmar lobte das durchgehend hohe Tempo im Spiel und „dass in dieser Saisonphase auch jüngere Spieler Akzente setzen“. Er meinte damit vor allem Max Beneke und Kreisläufer Jann Keno Jacobs (beide zwei Treffer).

Nach dem 34:25-Sieg bleiben im Rennen um den begehrten zweiten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. Punktgleich mit dem Dritten Flensburg und nur einen Punkt hinter dem THW Kiel. „Natürlich könnten wir spekulieren, ob Flensburg nächsten Sonntag Kiel schlägt und wir am letzten Spieltag dann Flensburg“, meine Jaron Siewert. „Das nützt aber nichts, wenn wir unsere Aufgaben nicht erfüllen. Die werden schwer genug“ Drei Heimspiele (Göppingen, Minden, Flensburg) und zwei Auswärtspartien (Erlangen, Balingen) warten bis zum 12. Juni noch auf die Füchse. An der Zielstellung allerdings lässt Stefan Kretzschmar keinen Zweifel: „Natürlich wollen wir alle fünf Spiele gewinnen.“

Herbert Schalling

Für die Füchse erfolgreich: Wiede1, Holm 2, Andersson 3, Lindberg 2, Langhoff 1, Chrintz 5, Beneke 2, Jakobs 2, Vujovic 8, Marsenic 7, Drux 1

Union steigt weiter auf, Hertha hat es vergeigt und Viktoria steigt ab

Im Berliner Profifußball sind fast alle Messen gesungen. Der 1. FC Union krönt seinen unaufhaltbar zu seienden Aufstieg mit der Teilnahme an der zweiten europäischen Spielklasse. Es gibt etwas mehr Geld und zum Glück gibt es ja in Berlin das Olympiastadion, wo dann die hoffentlich hochkarätigen Gegner empfangen werden müssen. Dafür darf Union brav Miete zahlen, obwohl man doch ein schmuckes Eigenheim besitzt. Am letzten Spieltag wurde Aufsteiger Bochum mit 3:2 besiegt und der Urlaub kann beginnen.

Wir sind so wie wir sind,
Drum liebt man uns, drum hasst man uns.
Wir sind so wie wir sind,
Das Berliner Sorgenkind!
Von der Bundesliga träumen wir,
Drum trainieren wir tagtäglich.
Wir steigen einmal wieder auf
Fiffi Kronsbein macht es möglich.

Diese Zeilen aus einem sehr alten Hertha-Lied passen genau zur aktuellen Situation. Aus dem ersehnten Punkt in Dortmund wurde nichts, während Stuttgart mehr Glück hatte und mit einem Last-Minute-Treffer Hertha in die Relegation schickte. Das zweitschlechteste Torverhältnis der Liga könnte den Charlottenburgern noch zum Verhängnis werden. Zwei Mannschaften kommen als Relegationsgegner infrage, der HSV oder Darmstadt. Mehr spricht wohl für den HSV. Ein Alptraum wird wahr, Felix Magath hätte die Aufgabe, seine alte Liebe zu versenken. Er war dort Spieler, Manager und Trainer. Vielleicht bleibt ihm das ja erspart. Dieser Saisonabschluss ist sinnbildlich für die gesamte Spielzeit, keine Kontinuität und das mit einem Kader, der ganze andere Möglichkeiten gehabt hätte. Hinter den Kulissen scheint es bereits zu brodeln, wenn jetzt ein weiterer Abstieg dazu kommt, dürfte Hertha mal wieder alle Schlagzeilen füllen. Das Olympiastadion wird in der kommenden Woche stark frequentiert sein. Am Donnerstag, 19. Mai empfängt Hertha seinen Relegationsgegner und 48 Stunden später steht das Pokalfinale an. Am 23. Mai, so gegen 23:00 Uhr ist es Gewissheit und die Frage beantwortet, ob Berlin in der nächsten Saison nur einen oder weiterhin zwei Bundesligisten haben wird.

Ob die Hauptstadt weiter in der 3. Liga vertreten sein wird, ist zurzeit noch offen. Für den FC Viktoria hat es leider nicht gereicht. Am Ende fehlten drei Punkte. Ein starker Saisonstart konnte nicht ausgebaut werden. Personelle Verstärkungen und ein Trainerwechsel brachten nicht den gewünschten Effekt. Am letzten Spieltag hätte ein Sieg gegen den SV Meppen nur dann gereicht, wenn der SC Verl sein Spiel gegen den MSV Duisburg verloren hätte. Die Chance war minimal, Verl spielte Unentschieden und Viktoria verlor mit 3:4. Als kleines Trostpflaster winkt am 21. Mai im Mommsenstadion, das Finale im Berliner Pokal. Auf der Tribüne im Jahnsportpark saß, mit Karsten Heine, Torsten Mattuschka und Roman Linke, die geballte Kompetenz des Finalgegners aus Altglienicke. In der 70. Minute, kurz nachdem die Emsländer das 3:1 erzielt hatten, verließen sie das Stadion. Einen Tag später stand das Spiel zum Abschluss der Regionalliga-Saison gegen den BFC Dynamo an.

Hans-Peter Becker

Otto „Rehakles“ Rehhagel im Kino

Otto Rehhagel auf dem Podium mit Moderator Norbert König Foto: © Frank Toebs

Einen der Höhepunkte beim 18. 11mm-Fußball-Filmfestival gab es am Freitagabend, 13. Mai. Besucht von „König Otto“ (so auch der Filmtitel) persönlich, wetteiferten die Besucher nach Filmende um ein Selfie mit dem Startrainer.

König Otto von der Presse und Autogrammjägern umringt. Foto © Frank Toebs

Erfolgreich bei Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern, aber vor allem 2004 als Coach der griechischen Nationalmannschaft hat er legendären Ruhm erlangt.
Denn niemand hatte den Titel beim EM-Turnier in Portugal auf dem Zettel. Otto Rehhagel wusste sich jedoch, mit einer nicht talentierten, am Ende aber disziplinierten Mannschaft, seinen Platz im griechischen Götterhimmel zu sichern. Rehakles haben sie ihn damals getauft.

Im Kino Babylon hielt der Essener kurz vor den Fotowünschen der Besucher ein spontanes, leidenschaftliches Plädoyer für Frieden und Völkerverständigung. Schließlich klappte es durch Respekt und Verständnis für andere Kulturen auch als Trainer, eine vorher bescheiden agierende Nationalmannschaft zum Erfolg zu führen – ohne ein Wort griechisch.

Frank Toebs