Comeback und Abschied

Mit einem 3:0-Erfolg (25:18, 25:14, 25:23) gegen den VC Olympia Berlin haben die BR Volleys am Freitagabend die Bundesliga Hauptrunde abgeschlossen. 14 Siege in 16 Spielen und somit 43 Punkte stehen für den Deutschen Meister damit zu Buche, der nun als Tabellenerster in die am 04./05. Februar startende Zwischenrunde geht. Die Zuschauer im Sportforum sahen ein Bild mit Seltenheitswert, denn Cheftrainer Cedric Enard setzte alle 14 Spieler seines Kaders und damit auch drei Zuspieler ein, wobei Kapitän Angel Trinidad zu seinem Comeback kam und Arash Dosanjh seinen Abschied gab.

Cedric Enard wollte am letzten Spieltag der Normalrunde zunächst nichts dem Zufall überlassen und setzte auf seine Bestformation, zu der im Vergleich zum 3:1-Heimsieg am Mittwoch gegen Düren diesmal auch Nehemiah Mote zählte. Der Auftakt gelang dank der Aufschläge von Johannes Tille und der Hinterfeld-Angriffe von Timothée Carle (3:0) und schnell hatte der Favorit das Spiel unter Kontrolle (12:9, 18:13). Beim Stand von 21:15 konnte Kapitän Angel Trinidad nach zweimonatiger Verletzungspause erstmals wieder das Feld betreten und führte bis zum ersten Satzgewinn erfolgreich Regie (25:18).

Mit einer Aufschlagserie sorgte Ruben Schott im zweiten Durchgang früh für klare Verhältnisse (7:1) und die BR Volleys konnten nach erfolgreichen Abwehraktionen Punkt um Punkt sammeln (18:9). Zwar bewies Jannes Wiesner, dass auch die Youngster auf der anderen Seite durchaus über Aufschlagqualität verfügen, doch mehr als den Rückstand etwas verkürzen konnten sie nicht (18:12). Wieder durfte Trinidad bis zum Satzgewinn das Zepter übernehmen (25:14). Einzig im Block ließen die BR Volleys Wünsche offen (nur ein direkter Blockpunkt in den ersten zwei Sätzen) und in Satz drei konnte sich der VCO im Angriff sogar noch häufiger durchsetzen (8:5, 16:13). Enard schöpfte die volle Breite seines Kaders aus und mit dem 21:17 auf der Anzeigetafel durfte dann auch der Letzte aus dem 14er-Aufgebot auf die Platte: Arash Dosanjh, der die Berliner am Montag Richtung BBTS Bielsko-Biala (POL) verlassen wird, kam ins Spiel und wollte per Zuspieltrick auch das Match beenden. Allerdings sah das Schiedsgericht einen Netzfehler und so war es doch Antti Ronkainen, der den Matchball verwandelte (25:23).

Während der ehemalige SCCer Wiesner es für den VCO auf starke 17 Punkte brachte, wurde Aufseiten der BR Volleys mit Nehemiah Mote ein Mittelblocker Topscorer (11 Punkte). Der MVP-Award ging allerdings an Ruben Schott, der mit fünf Assen glänzte, und Cedric Enard entschied sich mit Zuspieler Djifa Amedegnato für einen weiteren früheren SCCer.

Stimmen zum Spiel
Cedric Enard: „Ich wollte heute allen Spielern Einsatzzeit und auch Arash die Chance geben, sich bei den letzten Punkten von den Fans zu verabschieden. Er durfte sogar nochmal Kapitän sein und hätte ja auch beinahe das Match beendet. Viele waren etwas müde, aber deshalb war es wichtig, die Last zu verteilen. Wir können zufrieden sein und auch der VCO hat gut dagegengehalten.“

Arash Dosanjh: „Ich habe mich sehr gefreut, hier sein zu dürfen und für eine gewisse Zeit ein Teil dieses großartigen Vereins zu sein. Wir konnten die Hauptrunde heute mit einem schönen Sieg abschließen und jetzt wünsche ich meinem Team und allen, die es mit den BR Volleys halten, dass die Saison weiterhin so erfolgreich verläuft.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle + Ruben Schott (AA), Anton Brehme + Nehemiah Mote (MB), Johannes Tille (Z), Marek Sotola (D) und Satoshi Tsuiki (L) | Eingewechselt: Antti Ronkainen, Angel Trinidad, Matheus Krauchuk, Saso Stalekar, Adam Kowalski, Cody Kessel, Arash Dosanjh

Topwerte
Mote 11 Punkte, 2 Blocks | Schott 9 Punkte, 5 Asse | Carle 9 Punkte, 4 Asse
Nächstes Spiel
25. Jan | 19.30 Uhr | BR Volleys vs. Aluron CMC Warta Zawiercie / POL

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: Andreas Gora

BR Volleys – auf Ansturm folgte Dominanz

Mit einiger Verzögerung musste das Berlin-Brandenburg-Derby am Samstag angepfiffen werden, weil sich angesichts des Zuschauerandrangs noch kurz vor Spielbeginn lange Schlangen bildeten. 5.438 Volleyballfans in der Max-Schmeling-Halle wollten sich das Nachbarschaftsduell mit den Energiequelle Netzhoppers KW-Bestensee nämlich nicht entgehen lassen, das einen überaus klaren Verlauf nehmen sollte. Weil die BR Volleys ihre Leistung gegenüber dem ersten Heimspiel des neuen Jahres deutlich steigern konnten, war der 3:0-Heimsieg (25:16, 25:12, 25:17) zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Trotz der verlängerten Wartezeit bis zum Spielbeginn gingen die BR Volleys hellwach in das insgesamt 38. Bundesliga-Derby. Cedric Enard schickte seine aktuelle Bestbesetzung auf den Court, wobei erstmals auch wieder Angel Trinidad auf der Teamliste stehen konnte, Nehemiah Mote (mit Rückenbeschwerden) aber erneut eine Pause bekam. Die starke Kulisse sah einen deutlich engagierteren Start der Hauptstädter als noch am Mittwoch gegen Lüneburg und insbesondere im Block zeigte man sich sehr präsent. Logische Folge war die schnelle Führung (6:1, 11:4). Auch die Aufschlagqualität stimmte vom Beginn an. Stellvertretend dafür standen die Asse von Ruben Schott (14:7) und Marek Sotola (22:12). In einer wilden Satzschlussphase mit spektakulären Ballwechseln hatten die BR Volleys meist das bessere Ende für sich und so blockte der eingewechselte Brasilianer Krauchuk auch zum Gewinn des Auftaktdurchgangs (25:16).

Schott war mit insgesamt sieben Punkte der auffälligste Akteur im ersten Satz, dem zweiten drückte nun immer häufiger Sotola seinen Stempel auf (7:5). Doch für das Highlight sorgte wieder Schott, dessen Zuspiel auf Johannes Tille der eigentliche Ballverteiler höchstselbst zum 11:5 vollstreckte. Der etatmäßige Zuspieler legte auch noch eine Aufschlagserie nach (15:6) und so wurde der zweite Durchgang ebenso zu einer klaren Angelegenheit (21:10). Enard gab Cody Kessel, Arash Dosanjh und Krauchuk immer wieder Einsatzzeit. Wieder war es der brasilianische Diagonalspieler, der auch Satz zwei beendete (25:12). Die Netzhoppers hatten dem druckvollen Spiel der BR Volleys nur phasenweise etwas entgegenzusetzen. Gästecoach Tomasz Wasilkowski reagierte mit einem Zuspielerwechsel (Schmidgall für Keturakis), aber zwei Asse von Brehme (9:4) und weitere Breaks durch Sotola und Schott sorgten erneut früh für klare Verhältnisse (16:8). Kessel blieb in Durchgang drei auf der Platte und konnte sich ebenfalls im Angriff immer wieder durchsetzen (19:11). Ein Netzfehler machte den klaren Heimerfolg schließlich perfekt (25:17), womit die BR Volleys mit der vollen Ausbeute von sechs Punkten zu Hause in das neue Jahr gestartet sind. Als Bounce House MVP wurde Anton Brehme gewählt, der nun mit seinem Team in der nächsten Woche das richtungsweisende Champions-League-Match gegen Hebar Pazardzhik in Bulgarien vor seiner breiten Brust hat.

Stimmen zum Spiel
Cedric Enard: „In unserem Spiel war heute sehr viel Gutes. Wir haben vor allem das Level unseres Aufschlags deutlich nach oben geschraubt und das ist es, was wir auch in der Champions League nächste Woche brauchen werden. Daran müssen wir anknüpfen. Die Mannschaft hat die Vorgaben in diesen zwei Heimspielen umgesetzt und wieder Rhythmus aufgenommen. Wir konnten auch die Spielanteile etwas steuern. Jeder ist im neuen Jahr angekommen.“

Matheus Krauchuk: „Heute haben wir wieder gesehen, dass unsere gute Arbeit im Training und das hohe Niveau uns in solchen Spielen helfen. Wir haben unsere Leistung auf den Court gebracht. Es macht einfach Freude, solche Momente wie meine Satzbälle vor so vielen Zuschauern erleben zu können. Es herrschte wieder eine tolle Energie in unserer Max-Schmeling-Halle.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle + Ruben Schott (AA), Anton Brehme + Saso Stalekar (MB), Johannes Tille (Z), Marek Sotola (D) und Satoshi Tsuiki (L) | Eingewechselt: Antti Ronkainen, Matheus Krauchuk, Cody Kessel, Arash Dosanjh

Topwerte
Sotola 14 Punkte, 3 Asse, 2 Blocks | Schott 12 Punkte, 67 % Angriffsquote | Brehme 8 Punkte, 3 Asse, 2 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: Andreas Gora

BR Volleys fahren nach Mannheim!

Durch das Tollhaus ins Endspiel: Die BR Volleys stehen zum insgesamt elften Mal im großen DVV-Pokalfinale. Vor 2.725 Zuschauern in der ausverkauften Volksbank-Arena Hildesheim mussten die Berliner nach verlorenem Auftaktsatz eine Energieleistung aufs Parkett bringen, um sich die Chance auf den sechsten Pokalsieg zu erspielen. Angeführt von Topscorer Marek Sotola (30 Punkte) konnten sich die Hauptstädter letztlich mit 3:1 (21:25, 25:20, 25:21, 25:15) bei den Helios Grizzlys Giesen durchsetzen und treffen nun in der Neuauflage des Finals von 2020 am 26. Februar 2023 auf die SWD powervolleys Düren.

Für dieses wichtige und letzte Spiel des Jahres setzte Cedric Enard auf der Libero-Position wieder auf Satoshi Tsuiki und wechselte nach der 2:3-Bundesliga-Niederlage in Friedrichshafen auch im Mittelblock. Nehemiah Mote und Anton Brehme erhielten den Vorzug. Zu diesem Halbfinale war auch die Video-Challenge im Einsatz und die schlug zuerst zweimal zugunsten der Berliner aus. Dennoch waren es die Grizzlys, denen dank der Blocks der Nationalspieler Günthör und Baxpöhler die Anfangsphase gehörte (6:8). Nach zwei weiteren Breaks des Heimteams griff Enard zur Auszeit (11:14) und die Hauptstädter schafften mit Kapitän Ruben Schott am Service zunächst den Ausgleich (18:18). In Person von Colito und seinem druckvollen Aufschlag folgte dann aber die Entscheidung in Satz eins (18:23). Nach Marek Sotolas Angriff ins Aus jubelte das Hildesheimer Tollhaus (21:25).

Timothée Carle, der im Auftaktdurchgang nicht gut im Spiel war, meldete sich mit drei Assen in Folge in Satz zwei zurück (9:5). Von diesem Vorsprung konnten die Berliner zehren und ihre Block-Abwehr wurde stärker und stärker (17:13). Als Carle das nächste Mal zum Service durfte, servierte der Franzose ein weiteres Ass und nach einer Stunde stand es verdient 1:1 nach Sätzen (25:20). Noch fehlte die Leichtigkeit, aber immerhin war Sotola im Angriff absolut verlässlich (6:5). Der Tscheche punktete ebenfalls mit dem Service (13:9) und auch die Annahme der BR Volleys hatte sich stabilisiert. Dazu waren die Männer in den schwarzen Auswärtstrikots nun auch im Aufschlag überlegen (17:13, 24:19). Carle belohnte sich und sein Team für die Leistungssteigerung mit der 2:1-Satzführung (25:21). Damit hatten die Berliner den Grizzlys die Zähne gezogen. Sotola tat es Carle gleich und servierte im vierten Satz drei Asse in Folge (8:4).  Die Lösungen im Angriff stimmten auch in schwierigen Situationen und so ließ man Giesen nicht mehr an einer Rückkehr ins Match schnuppern (15:10, 20:13). Mit dem insgesamt 14. Ass beendete Antti Ronkainen das Spiel standesgemäß und machte den elften Finaleinzug der BR Volleys perfekt (25:15).

Im Parallelspiel setzten sich zuvor die SWD powervolleys Düren gegen den VfB Friedrichshafen mit 3:0 (25:19, 25:22, 25:22) durch. Damit ist der Titelverteidiger aus dem Wettbewerb ausgeschieden und wie schon bei ihrer letzten Finalteilnahme 2020 treffen die BR Volleys auf die Rheinländer. Es ist alles angerichtet für ein Volleyball-Spektakel der Extraklasse, bei dem neben dem Finale der Männer auch der SC Potsdam und der SSC Palmberg Schwerin bei den Frauen aufeinandertreffen. Die BR Volleys hoffen auf eine große Fanunterstützung und wollen schon in Kürze Infos zu Tickets und Fanreise nach Mannheim bekanntgeben.

Stimmen zum Spiel
Ruben Schott: „Wir sind einfach glücklich, dass wir es in diesem Jahr wieder gepackt haben. Wir waren im Pokal schon so oft verflucht und deshalb ist dieser Finaleinzug etwas Besonderes. Der knappe Sieg zuhause gegen Lüneburg im Viertelfinale hat uns auch für dieses Spiel das Selbstvertrauen gegeben. Wir haben nach dem Satzrückstand nicht an uns gezweifelt, weil uns vorher bewusst war, dass es hier nicht einfach werden würde. Darauf waren wir eingestellt. Umso mehr freuen wir uns über das Ticket für Mannheim!“  

Cedric Enard: „Das war ein wirklich schwieriges und zugleich würdiges Pokalhalbfinale vor dieser Kulisse. Ich kann sagen: Wir haben es geliebt, hier heute spielen zu dürfen. Giesen hat nach dem Bounce House Cup das nächste Topevent auf die Beine gestellt. Sie waren davon euphorisiert und haben klasse begonnen. Aber meine Mannschaft konnte sich wehren und hat sich so das Endspiel auf der ganz großen Bühne absolut verdient.“

Johannes Tille: „Ich war zweimal so knapp davor und freue mich jetzt einfach unheimlich, dass wir es jetzt geschafft haben. Dieser erste verlorene Satz hat genau die Wut entfacht, die wir gebraucht haben. Unser hervorragender Aufschlag war dann der Schlüssel. Mannheim wird großartig und wir hoffen, dass ganz viele Fans mit uns die Reise antreten.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle + Ruben Schott (AA), Anton Brehme + Nehemiah Mote (MB), Johannes Tille (Z), Marek Sotola (D) und Satoshi Tsuiki (L) | Eingewechselt: Antti Ronkainen, Cody Kessel, Arash Dosanjh

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: Justus Stegemann

Jeffrey Jendryk zieht weiter

Pressefoto Credit: © Andreas Gora

Der US-Amerikaner Jeffrey Jendryk wird die BR Volleys mit noch unbekanntem Ziel verlassen. Nach seiner insgesamt dritten Saison im Berliner Trikot stellt sich der 26-Jährige zur nächsten Spielzeit einer neuen Herausforderung in einer anderen Liga. Nachdem sich der Mittelblocker im ersten Playoff-Finale eine Bänderverletzung zugezogen hatte, ist er inzwischen wieder vollständig genesen und geht mit dem Team USA in der Volleyball Nations League ans Netz.

Direkt vom College kommend überzeugte Jeff Jendryk schon in den Jahren 2018 bis 2020 bei den BR Volleys, ehe er sich anschließend in Polen bei Asseco Resovia Rzeszow versuchte. Nach seiner Rückkehr in die deutsche Hauptstadt war der Blockspieler in der zurückliegenden Spielzeit erneut ein unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft von Coach Cedric Enard. Aufgrund der Verletzung von Anton Brehme befand sich der US-Boy gemeinsam mit Nehemiah Mote im Dauereinsatz, bevor er sich im ersten Playoff-Endspiel gegen den VfB Friedrichshafen eine Bänderverletzung zuzog und deshalb im weiteren Verlauf der Finalserie nicht mehr eingreifen konnte.

Jendryk wurde vergangene Woche in den Kader der USA für die Volleyball Nations League berufen und will dort die Bühne nutzen, um sich für neue Aufgaben zu empfehlen. „Jeff hat wieder gezeigt, wie er auf seiner Position in der Bundesliga dominieren kann. Im Zusammenspiel mit Sergey war er im Angriff kaum zu stoppen. Wir wünschen ihm nur das Beste für seine nächste Station und sind uns sicher, dass er seine Karriere erfolgreich fortsetzen wird“, verabschiedet Geschäftsführer Kaweh Niroomand den zweifachen Deutschen Meister.

Jendryk selbst sendet zum Abschied einen lieben Gruß in Richtung der Berliner Fans: „Ich möchte mich bei allen im und um den Verein herzlich bedanken. Ohne euren ständigen Rückhalt hätten wir niemals eine derartig erfolgreiche Saison spielen können. Ich wünsche den BR Volleys und allen, die es mit dem Klub halten, weiterhin ganz viel Glück und neue Erfolge. ‘Jungle Cat‘ sagt Tschüss!“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys – Interview mit Cedric Enard

Pressefoto Credit: © Maximilian Franz

Meistertrainer Cedric Enard prägt bei den Berlin Recycling Volleys inzwischen eine Ära. Nachdem der 46-jährige Franzose in den vergangenen vier Jahren jeweils einen Titel gewann und seinen Vertrag nun um zwei weitere Spielzeiten verlängerte, blickt er ungebrochen motiviert in die Zukunft. Den Sommer verbringt Enard als Nationalcoach Kroatiens, bevor der frühere Mittelblocker ab September wieder ehrgeizige Ziele mit dem Hauptstadtklub verfolgt.

Cedric, hattest Du Gelegenheit nach dem emotionalen Saisonfinale kurz zu verschnaufen?
Enard: „Ich konnte zwar den Moment genießen, aber leider blieb mir im Anschluss kaum eine Pause. Insgesamt war ich vier Tage in Frankreich und habe vor allem den Umzug meiner Familie organisiert, die wieder dauerhaft zurückkehren wird. Daher waren es stressige Tage, bis ich direkt nach Kroatien zu meinem neuen Nationalteam weitergereist bin.“

Du bereitest Dich mit den Kroaten also bereits auf die Aufgaben im Sommer vor?
Enard: „Korrekt, mit der European Golden League startet das erste Turnier schon in gut zwei Wochen. Das Finalturnier steigt am 18. und 19. Juni bei uns in Kroatien. Dann stehen für uns in den kommenden Monaten auch noch die Mediterranean Games in Algerien Ende Juni bis Anfang Juli und die Europameisterschaftsqualifikation im August an. So ist das Leben als Vereins- und Nationaltrainer in Doppelfunktion, aber das habe ich mir ausgesucht und macht mir auch Freude.“

Wie sehen die Ziele mit Kroatien dabei aus?
Enard: „Wir sind ambitioniert, wissen unsere Position aber auch einzuschätzen. Es gab in der Mannschaft einen kleinen Umbruch, so arbeite ich mit zwei sehr jungen Zuspielern. Wir müssen gucken, wie schnell die Entwicklung voranschreitet. In der Golden League sind Teams wie die Türkei oder Belgien favorisiert, aber als Ausrichter des Finalturniers wollen wir die Favoriten ärgern. Das Hauptaugenmerk wird auf der wichtigen EM-Qualifikation liegen. Diese wollen wir in der Zeit vom 03. bis 21. August unbedingt schaffen. Das ist auch das letzte Turnier des Sommers.“

Wann kannst Du dann in die Saisonvorbereitung bei den BR Volleys einsteigen?
Enard: „Ich werde noch eine Woche Urlaub mit der Familie machen und dann bin ich ab September in Berlin. Die entscheidende Phase der Vorbereitung inklusive der Testspiele kann ich also mit der Mannschaft gestalten. Zuvor wird mein Trainerteam wieder gute Arbeit machen und die Grundlagen schaffen, da bin ich sicher.“

Wie viel bedeutet es Dir, zwei weitere Jahre in Berlin dranzuhängen?
Enard: „Ich bin glücklich und stolz, in das fünfte und sechste Jahr bei den BR Volleys zu gehen. Ich kann für mich sagen: Ich lebe diesen Klub und dieses Projekt. Hier zu bleiben, war in meinem Kopf immer die erste Option. Der Wille dazu war von beiden Seiten spürbar. Als die Vereinsführung mir endgültig signalisierte, dass sie mit mir weiterarbeiten möchte, habe ich direkt zugesagt.“

Du hast die Lebenssituation Deiner Familie angesprochen. Wie wird sich diese zur neuen Saison verändern?
Enard: „Wir hatten in den vergangenen vier Jahren den glücklichen Umstand, dass wir mit der gesamten Familie, also meiner Frau Caro und unseren drei Töchtern, in Berlin leben konnten. Sie haben hier eine sehr gute Schule besucht und auch Deutsch gelernt. Unsere älteste Tochter hat im letzten Jahr bereits begonnen, in Frankreich zu studieren. Nun stehen auch für unsere mittlere wichtige Entscheidungen für den weiteren Lebensweg an. Wir möchten unseren Kindern alle Optionen für die Zukunft ermöglichen und damit sie genau das tun können, was sie möchten, ist der Weg zurück nach Frankreich der richtige und nötige Schritt. Caro hat eine neue Arbeitsstelle und kann fast ausschließlich aus dem Homeoffice arbeiten. Das bedeutet, wenn immer Schulferien sind, können sie zu mir nach Berlin kommen. Die Konstellation der letzten Jahre war Luxus. Die Situation jetzt kennen wir aus meiner Zeit in Tours und werden auch dies gut managen.“

Du hast mit den BR Volleys in jedem Jahr einen Titel gewonnen und alle möglichen Deutschen Meisterschaften geholt. Überspitzt gesagt: Was bleibt noch an Zielen und Motivation für Dein fünftes Jahr?
Enard: „Die Ziele bleiben unverändert. Das ist das Schöne an Berlin. Wir wollen und können um alle nationalen Titel spielen. Diese Bundesliga-Saison hat wieder gezeigt, dass niemand denken sollte, Erfolge sind selbstverständlich. Friedrichshafen hat im Pokal und Saisonfinale bewiesen, wie stark sie sind. Düren wird im nächsten Jahr – angestachelt von dem Verlauf des Halbfinals – extrem motiviert zurückkehren. Frankfurt hatte unheimlich viel Pech und wird mit weniger Verletzungen besser sein. Auch in Lüneburg formiert sich wieder etwas Gutes. Sich dem Kampf gegen diese Kontrahenten zu stellen, bleibt extrem reizvoll. Dann ist da die Champions League, in der wir diesen einen, kleinen Schritt weiter vorankommen wollen. Wir möchten uns wieder in eine Position bringen, die Chance auf das Halbfinale zu haben. Da spielt natürlich neben der Auslosung eine Rolle, wie es mit den russischen Vereinen im nächsten Jahr weitergeht.“

Bist Du optimistisch, dass das BR Volleys Team 2022/23 so stark sein wird wie die Meistermannschaft dieser Spielzeit?
Enard: „Wie Kaweh auf der Saisonabschlussfeier schon sagte, bestehen natürlich noch offene Fragen, die darauf maßgeblichen Einfluss haben. Dazu gibt es noch keine News und leider liegen nicht alle Faktoren in unserer Hand. Ich denke, wir haben mit einigen Vertragsverlängerungen auch starke Signale gesetzt. Mit Tim Carle, Ruben Schott, Cody Kessel, Marek Sotola, Nehemiah Mote und Adam Kowalski bleiben viele wichtige Spieler definitiv. Dazu freue ich mich unheimlich auf die Rückkehr von Anton Brehme. Mit seiner Art tut er der Mannschaft extrem gut und wird hoffentlich wieder körperlich vollständig fit eine Bereicherung für unser Spiel sein. In den nächsten Tagen und Wochen wird die ein oder andere neue Personalie hinzukommen, auf die sich die Fans freuen dürfen.“

Quelle:Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys erzwingen Entscheidungsspiel

Die Playoff-Finals 2022 bekommen ihren Höhe- und Schlusspunkt am Samstagabend, 29. April im Berliner Volleyballtempel. Mit einem 3:1-Auswärtssieg (24:26, 26:24, 26:24, 25:20) beim VfB Friedrichshafen treiben die BR Volleys die Finalserie auf die Spitze. Nach dem nervenstarken Auftritt in der ratiopharm Arena Ulm/Neu-Ulm haben die Berliner nun erstmals in der Bundesliga-Geschichte die Chance, einen 0:2-Rückstand im Finale noch zu drehen.

Beide Mannschaften standen sich in diesem Finale vor 2.319 Zuschauern abermals in unveränderter Startformation gegenüber. Auf Berliner Seite reichte es bei Jeffrey Jendryk erneut nicht für mehr als das Trikot des zweiten Liberos, bei Friedrichshafen streifte sich Blair Bann dieses über. Die Hausherren traten erwartungsgemäß druckvoll auf und zeigten früh ihre bekannte Blockstärke. Benjamin Patch blieb an jener Häfler Wand hängen (2:4), doch Timothée Carle bügelte dies per Ass wieder aus (6:6). Einmal mehr in dieser Serie war Luciano Vicentin der Mann, der für Friedrichshafen lange den Unterschied machte (12:16). Ruben Schott fand hingegen nur kurzzeitig über den Aufschlag ins Spiel (19:20), tat sich aber erneut im Angriff schwer. Mit Nehemiah Mote am Service gelang den Berlinern beim zweiten Häfler Satzball zwar das wichtige Break (24:24), aber Hirsch nutzte die dritte Gelegenheit zur Satzführung für das Heimteam (24:26).

Wie schon beim ersten Spiel in der ratiopharm Arena erarbeitete sich der VfB zunächst weiter das Spielglück. Beim Zwischenstand von 8:10 in Satz zwei setzte Cedric Enard auf Samuel Tuia anstelle von Schott. Ein im Nachhinein entscheidender Eingriff. Berlin lief zunächst weiter hinterher, bis Georg Klein zum Service ging und sich das Blatt wendete. Nehemiah Mote blockte, der “Officer“ servierte das Ass und plötzlich führten die Hauptstädter (16:13). Bei den Hausherren stieg zwischenzeitlich die Fehlerquote, doch nach einem Block von Vicentin gegen Patch stand es pünktlich zur Crunchtime natürlich wieder pari (22:22). Doch Grankin & Co behielten die Nerven und Patch erschmetterte nach einem Hin und Her den Satzausgleich (26:24).

Diesen Moment steckte Friedrichshafen gut weg und legte in Person von Daniel Muniz wieder zu (7:10). Vicentin spielte unentwegt stark, während die Berliner Außenangreifer weiter für jeden Punkt hart arbeiten mussten (13:15). Nun ersetzte Marek Sotola Ben Patch, als der Rückstand auf 14:18 anwuchs. Zwei Blockpunkte konnte Tuia setzen, doch er musste auch den wichtigen gegen Vicentin schlucken (18:21). Aber der Franzose gab die Antwort am Aufschlag und mit Sotola meldete sich endlich auch ein Berliner gegen Vicentin im Block an (23:21). Natürlich spitzte sich auch dieser Satz bis zur Verlängerung zu, bis Muniz den Ball ins Aus jagte (26:24).

Dieser Satzgewinn war der Bigpoint für den Titelverteidiger. Tuia und Sotola machten ihren Job nun hervorragend und die BR Volleys kippten endgültig das Spiel (9:7). Der Franzose traf weiter sein Service und der Tscheche blieb mutig im Angriff (19:15). Jetzt agierten die Hauptstädter clever im Angriff und ließen keine Zweifel mehr am Auswärtssieg aufkommen (23:19). Nach einem Aufschlag von Matthew West war es natürlich Tuia, der den Ausgleich in der Serie perfekt machte (25:20). Damit dürfen die Berliner noch einmal in ihre Max-Schmeling-Halle zurückkehren und vor ihrem Publikum, das alles entscheidende fünfte Finale bestreiten. Es wartet ein Volleyballfest und würdiger Abschluss dieser Saison im Volleyballtempel.

Stimmen zum Spiel
Kaweh Niroomand: „Die Männer von der Bank haben heute den Unterschied gemacht. Samu Tuia war mit seiner Routine und Moral überragend. Er war der Weckruf für unsere Mannschaft. Auch Marek Sotola hat das phänomenal gemacht. Der Junge kommt in dieser Drucksituation auf den Court und löst das so cool. Am allermeisten freut mich dieser Sieg für unsere Fans. Nach dem, was bereits am Samstag in unserer Arena los war, wird die Max-Schmeling-Halle garantiert wieder brennen. “

Samuel Tuia: „Wir wussten, dass wir kämpfen müssen und uns keinen weiteren Fehler in dieser Serie mehr leisten durften. Das war ein Sieg des gesamten Teams und des Willens. Heute konnten wir von der Bank den wichtigen Impuls geben, den die Mannschaft brauchte. Darauf haben wir gewartet und das macht mich sehr glücklich. Jetzt fühlen wir uns einfach bereit für dieses fünfte Spiel zu Hause und freuen uns auf eine riesige Kulisse, vor der wir uns hoffentlich die Goldmedaille holen können.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Marek Sotola, Matthew West, Samuel Tuia

Topwerte
Carle 15 Punkte, 2 Asse | Patch 12 Punkte | Tuia 11 Punkte, 2 Asse, 2 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: Günter Kram

Ein Auftaktsatz, der Hoffnung macht

Es braucht den Volleyballtempel! Die BR Volleys haben alles versucht, konnten aber im Hinspiel des CEV Champions League Viertelfinals bei Itas Trentino nichts Zählbares mitnehmen. Mit 0:3 (25:27, 19:25, 22:25) unterlagen die Berliner dem italienischen Tabellendritten und können nun nur noch über den “Golden Set“ die Überraschung schaffen. In sechs Tagen (16. Mrz um 18.30 Uhr) empfangen Kapitän Sergey Grankin & Co den Finalisten des Vorjahres zum Rückspiel und benötigen eine magische Europapokalnacht in der Max-Schmeling-Halle.

Nehemiah Mote, in den letzten Tagen gewissermaßen 24/7 unter den Fittichen der medizinischen Abteilung, meldete sich einsatzfähig für dieses mit Spannung erwartete erste Viertelfinale. So stand auch in der BLM Group Arena von Trento das BR Volleys Team auf dem Court, das in der Gruppenphase Zenit St. Petersburg zweimal schlug. Und der erste Punkt des Abends sollte direkt zeigen, wie es gehen kann: Taktischer Aufschlag Ruben Schott, starke Abwehr des Nationalspielers und erfolgreicher Angriff Benjamin Patch. Aber die selbstbewussten Gastgeber stoppten den guten Anfangsdrive der Männer aus der deutschen Hauptstadt per Block von Matey Kaziyski gegen Patch (2:5). Die Berliner spielten trotzdem lange einen klasse Auftaktsatz. Die Asse von Schott und Patch sorgten für den Ausgleich (11:11) und Sergey Grankin setzte gegen Kaziyski auch den ersten erfolgreichen Berliner Block (13:11, 18:16). Giulio Pinali, den Heimtrainer Angelo Lorenzetti überraschend im Diagonalangriff aufbot, wendete mit seinem Service das Blatt (18:20). Die BR Volleys blieben stabil, glichen aus und wehrten zwei Satzbälle kämpferisch ab (25:25). Der Deutsche Meister war drauf und dran, das Momentum zu kippen, doch Trentino sicherte sich nach einem weiteren Pinali-Aufschlag den an diesem Abend richtungsweisenden Durchgang (25:27).

Trentino blieb über die Mitte, vor allem durch den starken Ex-Berliner Srecko Lisinac, dominant und die Berliner verloren in Satz zwei früh ihren Rhythmus (4:7, 4:11). Mit den Einwechslungen von Samuel Tuia und Marek Sotola versuchte Cedric Enard dem entgegenzuwirken. Jeffrey Jendryk war in diesem Satz in allen Elementen der stärkste Berliner, doch auch er konnte per Block und Ass keine Wende herbeiführen (13:18). Trentino spielte in dieser Phase fehlerfrei und stellte verdient auf 0:2 (19:25). Zuspieler Grankin ging in Satz drei voran, erzielte früh zwei Punkte selbst und es keimte noch einmal Hoffnung auf (6:4). Die Italiener zeigten sich aber unbeeindruckt, wehrten besser ab und hatten in Linkshänder Alessandro Michieletto ihren kaum zu stoppenden Angreifer (12:14). Bis zum 21:21-Zwischenstand hielten die BR Volleys noch Kontakt, doch dann stand der Block gegen Patch (21:23). Der erfahrene Kaziyski verwandelte im Anschluss zweimal humorlos zum Matchgewinn für die Italiener (22:25).

Obwohl Trentino damit in eigener Arena Stärke demonstrierte, ist aus Sicht des Deutschen Meisters noch nichts verloren. Zwei gute Sätze der BR Volleys machen Hoffnung für das Rückspiel in der Max-Schmeling-Halle. Mit einem 3:0 oder 3:1-Heimsieg würde man den “Golden Set“ (Entscheidungssatz bis 15 Punkte) erzwingen und das ist nun das große Ziel für das Match vor heimischem Publikum am Mittwoch.

Stimmen zum Spiel
Ruben Schott: „Wir haben zu Beginn im Aufschlag zu viele Fehler gemacht und auch mit den Aufschlägen, die im Feld landeten, nicht ausreichend Druck entfacht. Der Annahmeriegel von Trentino war aber auch gut. Aus der Abwehr hatten wir gegen Ende von Satz eins unsere Möglichkeiten. Da hätte das Spiel einen anderen Verlauf nehmen können. Nachdem unsere eingewechselten Spieler es im zweiten Satz noch gut gemacht haben, waren wir im dritten Durchgang wieder nah dran. Mit Blick auf das Rückspiel braucht es eine Steigerung im eigenen Aufschlag. Wir müssen noch mutiger agieren und dann wird das mit unseren Fans im Rücken noch ein heißes Rückspiel in Berlin.“

Cedric Enard: „Der erste Satz war der so wichtige Durchgang, um hier in dieses Viertelfinale zu kommen. Beide Mannschaften hatten es verdient, diesen zu gewinnen, aber wir haben unsere Chance verpasst. Diese Gelegenheit musst du auf dem Niveau unter den besten Acht Europas nutzen. Danach wurde es schwer, weil Trentino großen Druck aufgebaut hat. Heute steht ein 0:3 auf der Anzeigetafel, aber dieses Viertelfinale hat noch ein zweites Kapitel. Die ganz sicher besondere Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle wird unserer Mannschaft den nötigen Push für ein spannendes Rückspiel geben. Aber vorher haben wir ein wichtiges Playoff-Match am Sonntag gegen Giesen.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Matthew West, Marek Sotola, Cody Kessel, Samuel Tuia

Topwerte
Jendryk 11 Punkte, 3 Blocks, 88 % Angriffsquote | Schott 10 Punkte, 2 Asse | Carle 9 Punkte
Christof Bernier

BR Volleys – Heimserie gerissen

Dass die Fallhöhe nach einer euphorischen Champions-League-Woche hoch sein könnte, war den Berlin Recycling Volleys bewusst, dennoch schlugen sie am Mittwochabend unerwartet hart auf dem Bundesliga-Boden auf. Im fünften Spiel der Zwischenrunde verlor der Tabellenführer erstmals in dieser Saison ein Heimspiel und musste sich starken SWD powervolleys Düren mit 1:3 (22:25, 23:25, 30:28, 17:25) geschlagen geben. Die Hauptstädter und ihre 2.341 Zuschauer in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle erlebten einen ziemlich gebrauchten Abend, an dem ein kurzes Aufbäumen in Satz drei längst nicht genügte, um den Rheinländern den Sieg streitig zu machen.

In diesem Duell zwischen dem Ersten und dem Zweiten der Volleyball Bundesliga vertraten auf beiden Seiten die Assistenten ihre Cheftrainer. Während Cedric Enard aufgrund eines möglichen Coronafalls im näheren Umfeld als Vorsichtmaßnahme dem Volleyballtempel fernblieb, konnte auch Rafal Murczkiewicz nicht nach Berlin reisen. Dürens Kapitän Tomas Kocian erging es gleich und so trat eine junge Dürener Mannschaft um Eric Burggräf, Erik Röhrs und Filip John in der Startformation zu diesem dritten Klassiker der Saison an.

Der Tabellenzweite aus Düren spielte von Beginn an unbedarft auf, während das BR Volleys Team sich unheimlich schwertat, den Fokus und die Einstellung zu dieser Begegnung zu finden. Zweieinhalb Sätze agierten die bis dahin in der Bundesliga ungeschlagenen Gastgeber pomadig. In Angriff und Aufschlag fehlten der Punch, in der Annahme waren Libero Santiago Danani und seine durchwechselnden Außenangreifer fahrig. So sicherten sich abwehrstarke Powervolleys, bei denen der eingewechselte Sebastian Gevert zwischenzeitlich kaum mehr zu stoppen war, verdient die ersten zwei Sätze (22:25, 23:25).

In Durchgang drei waren die Dürener längst auf die Siegerstraße eingebogen (14:21, 17:23) und erarbeiteten sich drei erste Matchbälle (21:24), aber die BR Volleys bekamen noch einmal die Kurve und entlohnten die zahlreichen Besucher zumindest ein Stück weit für ihre Anreise. Alle drei Matchbälle wehrte man ab (24:24) und Marek Sotola schlug in der Folge zwei Asse zum vermeintlichen Satzgewinn. Doch der zweite Service wurde zur Verwunderung aller “Aus“ gegeben und es folgte die rote Karte gegen einen tobenden Kapitän Sergey Grankin (26:27). Aber man könnte sagen, zumindest waren nun Emotionen auf dem Court. Berlin zog zu diesem Zeitpunkt erneut den Kopf aus der Schlinge, denn ein sichtlich erzürnter Grankin verwertete schließlich selbst zum 1:2-Satzanschluss und brachte den Volleyballtempel doch noch zum Beben (30:28).

Wer nun eine komplette Trendwende vermutete, machte die Rechnung allerdings ohne die Mannschaft von Co-Trainer Björn-Arne Alber. Düren schüttelte sich kurz und machte in Satz vier unbeirrt weiter (4:9). Die Berliner hingegen verfielen schnell wieder in die bereits zuvor gesehenen Muster und fanden im Angriff nicht zu ihrem Spiel. Die hohe Fehlerquote nutzte der Gast konsequent aus (11:15, 14:22) und der starke Pole Marcin Ernastowicz verwandelte diesmal direkt den ersten der sieben weiteren Matchbälle zum Auswärtssieg (17:25). In einem aus Berliner Sicht tabellarisch bedeutungslosen Spiel setzte es somit gut zwei Wochen vor Playoff-Start einen Denkzettel, auf dem geschrieben steht, dass man sich auch auf nationaler Ebene weiter jeden Punkt und jeden Sieg hart erarbeiten muss.

Stimmen zum Spiel
Nehemiah Mote: „Es ist ein sehr enttäuschender Abend. Wir freuen uns auf jedes Heimspiel und die Auftritte vor unseren Fans sind Motivation genug. Heute konnten wir das nicht zeigen. Das tut uns leid. Düren war das klar bessere Team und hat sich diesen Erfolg verdient. In der Vergangenheit konnten wir uns auch bei Rückständen auf unsere Qualitäten verlassen und haben speziell zuhause Sätze noch gedreht. Sie haben uns heute gezeigt, dass das nie selbstverständlich ist. Wir müssen immer aktiv und aggressiv bleiben, wenn wir gewinnen wollen. Aber wir sind ein Team, das daraus lernt.“

Lucio Oro: „Das war ohne Frage kein gutes Spiel von uns. Dafür brauchen wir nicht auf die Zahlen auf dem Statistikbogen zu schauen. Das hat jeder in der Arena gesehen. Wir haben als Team schlecht aufgeschlagen und konnten uns im Angriff nicht durchsetzen. Düren war stärker im Aufschlag und hat besser Block-Abwehr gespielt, deshalb völlig verdienter Glückwunsch an die Gäste.“

BR Volleys Formation
Samuel Tuia und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Matthew West, Marek Sotola, Timothée Carle, Cody Kessel

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

BR Volleys – Platz eins gesichert

Die BR Volleys gehen in der Saison 21/22 als bestplatziertes Team in die Zwischenrunde: Dieser Etappenerfolg ist dem Deutschen Meister nach dem 14. Sieg in der Volleyball Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Im Berlin-Brandenburg-Derby gaben die Gastgeber zwar ihren ersten Satz der Saison in eigener Arena ab, doch – auch dank eines überragenden Georg Klein – entschieden die Hauptstädter das Duell gegen die Energiequelle Netzhoppers KW-Bestensee mit 3:1 (22:25, 25:18, 25:15, 25:19).

Bereits beim Verkünden der Startformation brannte im Volleyballtempel ein erstes Mal großer Jubel auf: Der reaktivierte Georg Klein durfte vor dem Berliner Publikum sein Starting-Six-Comeback geben und wie es ein guter Kapitän eben macht, bekam der Mittelblocker von Sergey Grankin direkt den erfolgreich verwandelten Pass (2:1). Die BR Volleys nahmen den Schwung aus dem Champions League unter der Woche zunächst mit (11:8), aber schnell hatten sich die Gäste mit der kürzesten Anreise aller Bundesligisten in das Match gearbeitet. Tomasz Wasilkowski zauberte im Diagonalangriff den jungen Max Schulz aus dem Hut und der trumpfte auf (13:13, 16:18). Während die Netzhoppers-Brust von Punkt zu Punkt breiter wurde, hakte es im Berliner Spiel (20:21). Schließlich legte der Mann mit den meisten Assen der Liga, Theo Timmermann, ein entscheidendes nach (22:25).

Im zweiten Spielabschnitt kam Sergey Grankin allmählich auf Touren und auch Samuel Tuia konnte sich mit gutem Service hervortun (14:8). Georg Klein fügte sich währenddessen weiter ein, als wäre er nie weg gewesen. Fünf von fünf Angriffen hatte der 30-Jährige Mitte des zweiten Satzes verwandelt und auch zum Schiedsrichter nahm er nach strittiger Situation bereits Kontakt auf (17:11). Sotola war erneut Berlins Punktemaschine und zügig war der erste Satzverlust in eigener Arena wettgemacht, als Klein krachend blockte (25:18). Nun hatten die Hauptstädter, bei denen weiterhin Anton Brehme und Cody Kessel fehlten, das Match unter Kontrolle und die nächsten Ausrufezeichen setzten wieder Klein und Carle per Block (14:9). Die wackeren Gäste aus Brandenburg mussten im Angriff federn lassen, auch weil der eingewechselte Adam Kowalski in der Abwehr zwischenzeitlich heiß lief (21:13) und wer blockte zum nächsten Satzgewinn? Natürlich Georg Klein (25:15).

Der Mittelblocker hatte in Satz vier sogar noch ein Ass für die 1.866 Zuschauer parat (2:0) und sein Nebenmann Nehemiah Mote wurde in der Folge von Jeffrey Jendryk entlastet. Unbeirrt gingen die BR Volleys ihren Weg und das Derby war in Durchgang vier frühzeitig entschieden (8:5, 16:10). Zum Matchball war Klein diesmal nicht auf dem Court um zu blocken und so machte ein Aufschlagfehler der Gäste den wettbewerbsübergreifend achten Heimsieg der Saison für die Berliner perfekt (25:19). Der Volleyballtempel ahnte, was kommen würde: Wasilkowski wählte Klein zum MVP, der vom Publikum entsprechend gefeiert wurde. 626 Tage nach dem abrupten Saisonabbruch 19/20 und seinem virtuellen Abschiedsspiel bekam der angehende Polizist damit noch einmal unverhofft seinen ganz großen Auftritt vor den eigenen Fans.

Stimmen zum Spiel
Cedric Enard: „Es war ein komisches Spiel, aber das war irgendwie auch erwartbar. Es ist nur menschlich, zwischen zwei so wichtigen Matches den Fokus nicht direkt zu finden. Am Mittwoch haben wir in Lissabon ein ganz wichtiges Spiel gewonnen und am kommenden Mittwoch geht es in Friedrichshafen um extrem viel. Da ist dieser erste Satz verkraftbar. Das Ergebnis ist am Ende zufriedenstellend, auch wenn wir heute auf manchen Positionen in der Annahme Probleme hatten. Für Georg freue ich mich einfach unheimlich. Dieser feine Kerl hat sich das einfach verdient.“

Georg Klein: „Ich glaube, nach dem guten Start haben wir vielleicht gedacht, es wird heute ein Selbstläufer. Aber so einfach ist das gegen die Netzhoppers nicht, die hier gut aufgetreten sind. Wir konnten uns zum Glück retten und der eine Satzverlust schärft die Sinne. Es war ein geiles Gefühl, mein Comeback in der Max-Schmeling-Halle zu geben und dem Team so helfen zu können. Mit meiner Performance kann ich dabei auch ganz zufrieden sein. Die Krönung des Tages war, dass ich das vor den Augen meiner Familie noch einmal so erleben durfte.“

BR Volleys Formation
Samuel Tuia und Timothée Carle (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Marek Sotola (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Adam Kowalski, Ruben Schott, Matthew West

Topwerte
Sotola 19 Punkte, 2 Asse, 2 Blocks | Klein 12 Punkte, 4 Blocks, 80 % Angriffsquote | Tuia 12 Punkte, 2 Asse

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Volleys siegen in Lissabon

In überzeugender Manier sicherten sich die BR Volleys am Mittwochabend den ersten Auswärtssieg dieser Champions-League-Saison und damit drei weitere, wichtige Punkte. Im Duell des deutschen gegen den portugiesischen Meister gaben die Berliner in drei von vier Sätzen deutlich den Ton an und gewannen bei Benfica Lissabon mit 3:1 (25:19, 25:16, 15:25, 25:19). Punktgleich mit Zenit St. Petersburg führt der Bundesligist die Gruppe D somit weiter an, bevor es am 12. Januar 2022 im Volleyballtempel zum mit Spannung erwarteten, direkten Duell mit den Russen kommt.

Aufgrund der Ausfälle von Cody Kessel (Knöchel) und Anton Brehme (Knie) sowie des Fehlens von Georg Klein (privat), schlugen die Berliner in der „Sports Hall Benfica Lisboa“ zwar mit dezimiertem Kader aber dennoch mit ihrer aktuell stärksten Startformation auf. Nachdem Benjamin Patch seinen ersten Angriff eher Richtung Zuschauertribüne als des Gegners Feld jagte, legten die BR Volleys ihre Anfangsnervosität zügig ab. Timothée Carle (Block und Aufschlag) und Jeffrey Jendryk (Angriff und Block) drückten der Startphase ihren Stempel auf (9:6). Über weite Strecken begleiteten euphorische Fangesänge des Heimpublikums das Spielgeschehen, aber die 18 weitgereisten Berliner Fans hielten lautstark dagegen. Das leidenschaftliche Aufbäumen der Hausherren wehrten die BR Volleys mit Ruhe und Klasse im längsten Ballwechsel des Abends entscheidend zum 18:14-Zwischenstand ab. Tim Carle zeigte auf internationaler Bühne sein gesamtes Repertoire im Angriff (23:18) und schlug auch das Ass beim Satzball (25:19).

Die Berliner spielten zwar nicht fehlerfrei, waren aber klar tonangebend. Der verdiente Lohn war eine erneut deutliche Führung in Durchgang zwei nach einer Aufschlagserie von Nehemia Mote (7:2). Die Präsenz des Deutschen Meisters beim portugiesischen Pendant belegte ein „Einerblock“ von Kapitän Segrey Grankin (10:4) und auch in der Folge kamen die Hausherren kaum an den Berliner Blockhänden vorbei (18:8). Die BR Volleys zeigten dem neunmaligen Titelträger Portugals in dieser Phase die Grenzen auf und so nutzte Ruben Schott per Hinterfeld-Angriff die Chance, auf 2:0 nach Sätzen zu stellen (25:16).

Im dritten Durchgang gelang es den „Adlern“ dann die Berliner Annahme um Libero Santiago Danani stärker unter Druck zu setzen, allen voran durch den Österreicher Wohlfahrtstätter, und plötzlich geriet die Mannschaft von Cedric Enard ins Hintertreffen (8:13). Hatten Grankin & Co die Arena zwischenzeitlich etwas abgekühlt, war die Atmosphäre vom Spielbeginn nun zurück. Die Linie im eigenen Service ging völlig verloren und als die BR Volleys gar mit 12:17 ins Hintertreffen gerieten, gab Enard Patch, Grankin und Carle eine Verschnaufpause. Satz drei ging deutlich an die Gastgeber (15:25). In ursprünglicher Besetzung konnte die Leistungsdelle aber schnell ausgeglichen werden und mit starken Angriffsquoten gewannen die Gäste wieder die Kontrolle (4:1, 9:5). Der Aufschlag war zurück im Berliner Spiel und mit ihm auch die erfolgreiche Block-Abwehr-Arbeit (15:11, 23:17). „Berlin! Berlin!“ schallte es von den Rängen, als der “7. Mann“ wie die Männer auf dem Court die Oberhand zurückgewannen. 2.300 Kilometer fern der Heimat konnten die Berliner schließlich mit ihren Fans den zweiten, wichtigen Sieg in dieser Champions-League-Saison bejubeln (25:19). Nun kommt es für die BR Volleys um den MVP des Abends, Tim Carle, am 12. Januar in der Max-Schmeling-Halle zum Gipfeltreffen mit St. Petersburg, die parallel in Novi Sad noch deutlicher gewannen (25:22, 25:13, 25:20).

Stimmen zum Spiel
Timothée Carle: „Das war kein leichtes Spiel für uns, aber wir haben auch nichts anderes erwartet. Wir sind unheimlich fokussiert in dieses Match gegangenen und hatten einen perfekten Start. Im dritten Satz hat Benfica deutlich besser aufgeschlagen und stark abgewehrt, aber wir konnten antworten und haben im vierten Durchgang die nötige Reaktion gezeigt. Wir möchten in diesem Wettbewerb so weit wie möglich kommen und da waren das heute drei sehr wichtige Punkte für uns.“

Benjamin Patch: „Das war ein gutes Spiel, in dem beide Mannschaften hart gekämpft haben. Wenn du im Volleyball ein wenig die Energie verlierst, ist es schwierig, diese wiederzufinden. An diesem Punkt hat Benfica uns mit starken Aufschlägen erwischt. Wir haben aber erneut bewiesen, wie wir als Team zusammenstehen und zurückkommen können. Ende des dritten Satzes hatte ich leichte körperliche Probleme, bin aber umso glücklicher, dass ich im vierten Satz wieder meinen Beitrag zu diesem Sieg leisten konnte. Die sechs Punkte aus zwei Spielen sind der Start, den wir uns gewünscht und erarbeitet haben.“

BR Volleys Formation
Ruben Schott und Timothée Carle (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Adam Kowalski, Matthew West, Marek Sotola, Samuel Tuia

Topwerte
Carle 18 Punkte, 3 Asse, 2 Blocks, 76 % Angriffsquote | Patch 14 Punkte | Schott 11 Punkte, 77 % Angriffsquote | Danani 90 % positive Annahme

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Fotocredit: CEV