Spiele gegen krasse Außenseiter sind eine äußerst undankbare Aufgabe. Verliert der Favorit, sind Häme und Beifall der Konkurrenz garantiert. Ein Sieg dagegen wird als erfüllte Pflichtaufgabe abgehakt. Für die Füchse war die Partie gegen den noch sieglosen Tabellenletzten aus Wetzlar noch aus anderen Gründen wichtig. Nach Niederlagen in der Bundesliga (gegen Lemgo und in Flensburg) und in der Champions League (in Veszprem) galt es, wieder Punkte und Selbstvertrauen zu sammeln. Nach den anstrengenden Wochen spendierte Trainer Krickau seinen Außenspielern Hakun West av Teigum und Tim Freihöfer eine Verschnaufpause. Zusätzlich musste er auf die verletzten Nils Lichtlein und Lauro Pichiri verzichten.
Die Handball-Spielgemeinschaft, seit 1998 fester Bestandteil der Bundesliga, erwies sich in der ersten Hälfte als unbequemer Gegner. Mit einem körperlich akzentuierten Spiel wollten die Gäste das Berliner Tempospiel unterbinden. Deshalb fiel es den Hausherren zunächst schwer, den tabellarischen Abstand auch im Spielergebnis abzubilden. Dazu kam, wie bereits in den vergangenen Spielen, die fehlende Stabilität im Füchse-Spiel. Passagen flüssigen Handballs und Phasen mit Fehlern und vergebenen Chancen wechselten einander ab. Mitte des ersten Abschnitts wurde jedoch erstmals ein Vier-Tore-Vorsprung herausgeworfen – 10:6/16.
Emotionaler Höhepunkt war anschließend das Comeback von Fabian Wiede. Fast auf den Tag genau kehrte der Linkshänder nach einem Jahr wieder ins Füchse-Team zurück. Am 23. Oktober 2025 hatte er sich das Kreuzband im rechten Knie gerissen. Exakt zweieinviertel Minuten nach seiner Einwechslung traf der 32‑Jährige zum 14:11/24. Mit einem zweiten Treffer markierte er auch den Halbzeitstand – 18:14. Zufrieden mit der Rückkehr des Urgesteins zeigte sich auch Trainer Nicolej Krickau. „Mit zwölf Monaten harter Arbeit war er vor dem heutigen Tag sehr nervös und deswegen sind wir alle dankbar, dass sein Comeback ohne Probleme verlief. Er hat das verdient.“
Nach dem Wechsel ließ der Widerstand der HSG Wetzlar sichtbar nach. Die Gastgeber vergrößerten ihren Vorsprung rasch – 25:19/40- ohne vor den 8808 Zuschauern spielerischen Glanz zu verbreiten. Notierenswert, dass Torhüter Andreas Palicka ein zweites Tor – direkt übers komplette Feld in den leeren Gäste-Kasten geworfen – zum Ergebnis beisteuerte. Im Gefühl des nunmehr sicheren Sieges ließ die Genauigkeit im Spiel der Füchse in der Schlussphase nach. So konnte der neun-Tore-Vorsprung – 34:25/54 – nicht gehalten werden. Am Ende stand das 36:30 und die Einschätzung des Trainers. „Für alle sichtbar wurde, dass heute zu wenige Spieler ihre normale Leistung gezeigt haben. Wir sind natürlich happy über unsere zwei Punkte, aber spielerisch waren wir individuell sowie kollektiv auf einem unzufriedenstellenden Niveau. Am Donnerstag, 29.11.2026, steht das letzte CL-Vorrundenspiel gegen Partizan Belgrad an. Am Sonntag, 1.11. 2026, spielen die Füchse beim ThSV Eisenach.
Für die Berliner dabei: Ludwig, Palicka (9 Paraden, 2 Tore); Wiede (2), Darj, Prantner (5), Simak, Ariño (2), Grøndahl (5/5), Gidsel (12), Freihöfer, Langhoff (2), Zaepfel (4), av Teigum, Marsenić (2).
Herbert Schalling





