Da hat sich Hertha BSC was eingebrockt !

0:3 in Frankfurt! Wie kann das sein, wo es um so viel ging, dass Hertha die erste Halbzeit verschläft. Das passt doch nicht. Die 2. Liga rückt näher. Hat Hertha wirklich nicht die Qualität fürs DFB-Oberhaus? Es scheint so. Selbst Aufsteiger Schalke 04 (aktuell 11 Punkte) rückt näher an Hertha BSC (14 Punkte) heran. Der Abstand zum Tabellenletzten beträgt nur noch 3 Punkte. Die Mannschaften über Hertha gehen von der ersten Minute ganz anders zu Werke. Vergleichsweise zu beobachten sind der größere Einsatzwille, einer für den anderen, die enorme Laufbereitschaft und Zweikampfführung. Da geht es mal ordentlich hart zur Sache. Augsburg schlägt Bayer Leverkusen 1:0 und der VfL Bochum gewinnt gar 5:2 gegen die TSG Hoffenheim. Da kursieren bereits Witze, ob Hertha vielleicht auf die 10fach in Folge sieglosen Hoffenheimer wartet. Schalke erkämpfte sich ein torloses Remis bei Borussia Mönchengladbach (immerhin zu Null!) und die Borussen sind der nächste Gegner in Berlin. Kann Hertha BSC mit dieser Einstellung gegen die Gladbacher einen Blumentopf gewinnen?

Genug der negativen Schlagzeilen. Kay Bernstein bekommt sogar Komplimente für die Entlassung von Fredi Bobic. Einig sind sich wiederum alle, dass dies kein günstiger Zeitpunkt war. Die vier Absagen im Transfergeschäft sprechen aktuell natürlich Bände. Was unter Fredi Bobic geschah, hat mich keineswegs überzeugt. Der Beginn war mit Windhorsts Millionen eigenartig. Insofern ist Bernstein in der Tat zu verstehen. Bobic brachte, so steht zu lesen, sage und schreibe 14 Mitarbeiter aus Frankfurt mit in die Hauptstadt. Das Geld hätte besser investiert werden können. Aber wen interessiert schon, ob das Ehrenamtliche, dagegen wäre nichts einzuwenden, oder kostspielige Ausgaben (Löhne) sind. Der Verein heißt aber Herrtha BSC, der in Verantwortung das Spiel mit sich machen ließ. Bobic soll, lobenswerterweise, einen Transferüberschuss erzielt haben. Gut so, plus die Millionen von Windhorst, welcher Verein kann schon so gut dastehen?

Die Antwort: Der zweite Berliner Bundesligaverein. Während ich die Zeilen tippe, stehen die Köpenicker an 1. Stelle der Eliteliga und Trainer Urs Fischer bäckt trotzdem weiter Bewusstsein kleine Brötchen. Sein Ziel waren zunächst 40 Punkte, so schnell wie möglich den Klassenerhalt sichern. Union hat nach 19 Begegnungen „erst“ 39. Es fehlt also immer noch ein Punkt, um nicht abzusteigen, ehe das nächste Ziel verkündet werden kann. Noch mehr hat mir die Einkaufspolitik – „Wir haben unsere Grenzen“ – imponiert. Es wurde wohl zu viel gefordert und Absprachen nicht eingehalten, also verzichteten die Eisernen.

Der VfL Wolfsburg wurde aus dem Pokal geschmissen, der 1. FC Union hat das Viertelfinale erreicht. Was ist mit Hertha BSC? Ach, lassen wir das. Sonst fange ich noch an, von beiden Vereinen die Ergebnisse der letzten vier Meisterschaftsspiele gegenüberzustellen. Der angeblich neue Investor ist ja auch noch nicht sicher. Oje Hertha BSC, das nächste Spiel sollte unbedingt gewonnen werden.

Christian Zschiedrich

Was ist los, einst so geliebte Hertha!

Wird 2023 wieder ein Schicksalsjahr für Hertha? Es sieht nicht gut aus, das Abstiegsgespenst schwebt ganz dicht über dem Verein. Der Auftakt nach der Winterpause ging gleich mit einer 1:3-Niederlage gegen den VfL Bochum in die Hose. Unerwartet und enttäuschend, wenn man den positiv klingenden Aussagen während der Vorbereitung traute. Bochum war zu Hause bissiger und wollten den Sieg mehr als die Herthaner. Diesen Einsatz, so hofften die Hertha-Anhänger, würden die Profis in der englischen Woche, im ersten Heimspiel des Jahres gegen den VfL Wolfsburg bestimmt auch zeigen. Das Ergebnis, zu Hause ein 0:5, blamabel, mir fehlen die Worte.

Wolfsburgs Trainer Niko Kovac, Ex-Berliner, könnte sich bestätigt fühlen, warum er der Hertha einen Korb verpasste und das Angebot in Berlin ablehnte. War denn wirklich abzusehen, was Werner Gegenbauer mit seinem Michael Preetz hinterlassen hat? Es gibt Insider, die behaupten: „Es wird Jahre dauern, ehe Hertha wieder ins ruhigere Fahrwasser kommen wird!“

Sportlich wurden ja angeblich Verstärkungen verpflichtet, weil soviel Geld vorhanden war, dass andere Vereine neidisch werden konnten. Jetzt sollen Hertha-Mitglieder wieder etwas spenden, leider ohne zu wissen, wohin das Geld, der Windhorst-Millionen versickert ist.

Christian Zschiedrich kommentiert: Foto: Sportick

Zum Rückrundenstart drängt sich der Vergleich mit dem 1. FC Union auf. In den beiden Spielen, in denen Hertha keinen Punkt ergattern konnte, holte Union, aktuell Tabellenzweiter, sechs Punkte und bleibt ein Bayern-Jäger. Mit 3:1 wurde die TSG Hoffenheim und dann auswärts 2:1-in Bremen gewonnen. Die Bilanz sind stolze 33 Punkte, Hertha hat als Tabellenvorletzter 14 Punkte, dazu ein negatives Torverhältnis, steht mit Schalke auf einem direkten Abstiegsplatz.

Im Heimspiel gegen Union sollte nicht weiter an Boden eingebüßt werden. Zumal die Gangart der mit gefährdeten Vereine, mit Ausnahme von Bochum, dazu führte, dass sie punkten konnten. Augsburg gewann 1:0 gegen Gladbach und der VfB Stuttgart holte mit Trainer Bruno Labbadia in Sinsheim immerhin einen Punkt.

Apropos Labbadia, warum wurde der überhaupt bei Hertha entlassen. Ich fand ihn gar nicht so schlecht in Berlin. Es war ihm nur ein knappes Jahr in Berlin vergönnt. Seine Ausbeute eher mager, 28 Spiele lange stand er an der Seitenlinie – 8 Siege, 6 Unentschieden und 14 Niederlagen, 10,7 Punkte pro Spiel.

Hertha in der Krise. Nach dem 0:5 wurde Trainer Sandro Schwarz trotzdem eine Jobgarantie gegeben. Trainerentlassungen kosten eben Geld. Hertha wird das Stadtderby schon gewinnen?

Christian Zschiedrich

Union obenauf – Hertha rutscht ab

Es war der vorletzte Spieltag der Hinrunde, Hertha fast ganz unten und Union obenauf, das gewohnte Bild hat sich verfestigt. Hertha hatte in Bochum erst Pech und ergab sich dann dem Schicksal. Ganz anders die Eisernen, sie drehten das Spiel und zeigten unbändigen Einsatz.

Hertha spielte wie ein Absteiger. Absurd das zweite Gegentor, da kam die Leihgabe Keven Schlotterbeck völlig frei stehend zum Kopfball. Dafür gibt es spätestens seit der A-Jugend Extratraining. Es war übrigens der einzige Eckball, den Bochum im Spiel hatte. Die Hauptstädter hatten sechs Eckbälle, die allesamt kläglich zelebriert wurden. Der Gesamteindruck war nicht gut, so wird es ganz schwer mit dem Klassenerhalt. Unter Woche kommen die Wolfsburger vorbei und nur vier Tage später die Köpenicker, die zuvor in Bremen ran mussten. Nur so nebenbei, in der vergangenen Saison hatten die Herthaner nach 16 Spielen vier Punkte mehr auf dem Konto, am Ende stand die Relegation. Ob es wohl dieses Mal besser läuft? Die Mannschaft muss begreifen, dass ab jetzt jedes Spiel den Charakter eines Endspiels hat. Es muss gepunktet werden, sonst kommen in der nächsten Saison die Gegner aus Heidenheim, Hannover oder Paderborn.

Die Eisernen bauen weiter auf, nicht nur ihre Erfolgsbilanz, auch der Stadionausbau soll bald beginnen. Der aktuelle Tabellenstand ist eine hübsche Momentaufnahme, es wäre am Ende der Saison die Qualifikation für die großen Fleischtöpfe der Champions-League.

Hans-Peter Becker

Viktoria verliert gegen den VfL Bochum

Beide Trainer zeigten sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel der ersten Runde im DFB-Pokal zufrieden mit der gezeigten Leistung ihrer Mannschaft. Eine Gemeinsamkeit verbindet zudem beide, bevor sie die Profis ihres Vereins übernahmen, erwarben sie sich Verdienste als Übungsleiter der A-Jugend Bundesligamannschaften.

Thomas Reis Trainer des Vfl Bochum © Foto Hans-Peter Becker

Thomas Reis fand, dass seine Mannschaft hier das Ganze seriös heruntergespielt hat. Es war natürlich das Ziel, eine Runde weiterzukommen. Trotzdem weist du vor dem ersten Pflichtspiel nie so genau, wo die Mannschaft steht. Die Lockerheit der Vorbereitungsspiele ist weg, jeder spürt, jetzt wird es ernst und eine gewisse Nervosität ist einfach da.

Der Trainer der Himmelblauen Semih Keskin verwies zunächst auf den Schockmoment im Spiel, sein Spieler Enes Küc hatte sich in der 50. Spielminute schwer verletzt und musste vom Platz getragen werden. Nach einem Zweikampf war er unglücklich auf dem Boden gelandet. Den guten Wünschen einer baldigen Genesung schloss sich natürlich der Bochumer Trainer an. Reis war einst Trainer von Küc bei der Bochumer A-Jugend. Keskin fand lobende Worte für seine junge Mannschaft (Durchschnittsalter 21,6 Jahre), insgesamt hatten sie sich achtbar aus der Affäre gezogen. Wir waren hier der Underdog und wussten, viele Chancen werden sich für uns nicht ergeben. Wenn du deine Minimalchance nutzen willst, müssen die Angriffe konsequent zu Ende gespielt werden. Trotz der Niederlage glaube ich, meine junge Mannschaft hat einiges aus diesem Spiel gelernt und mitnehmen können.

Das Spiel war recht schnell entschieden. In der 18. Minute konnte Simon Zoller eine Flanke von Gerrit Holtmann verwerten. Das Nachsehen hatte dabei Diren-Mehmet Günay, der zwar eng an Zoller dran war, aber den Torschuss nicht verhindern konnte. Nur vier Minuten später klingelte es erneut und Takuma Assano brachte den Bundesligisten mit 2:0 in Führung. Es gab wohl niemanden unter den offiziell 5.573 Zuschauern, die in diesem Zwischenstand mehr als nur eine Vorentscheidung sahen.

War trotz der Niederlage nicht unzufrieden, Samih Keskin, Trainer der Viktoria © Foto: Becker

Der Bochumer ließen es mit dieser Führung im Rücken etwas gemächlicher angehen und leisteten sich einigen Leerlauf. In solchen Situationen bietet sich die alte Mär vom Turnierpferd an, das nur so hoch springt, wie es unbedingt muss. Viktoria stemmte sich zudem mit Vehemenz gegen eine höhere Niederlage. Keskin hatte seine Mannschaft mit einer 5-3-2 Taktik auf den Rasen geschickt. Küc und Moritz Seiffert sollten vorn den Ballführenden attackieren. Nach dem Spiel gab der Torschütze zum 1:0, Simon Zoller zu, dass sie sich gegen Mannschaften, die mit einer 5er Kette in der Abwehr spielen schwerer tun würden.

Die zweite Spielhälfte bot ein unverändertes Bild. Bochum hatte mehr Ballbesitz und in der 65. Spielminute fiel der dritte Treffer für die Gäste. Es war eine Kontersituation. Ein Angriffsversuch der Viktorianer endete bei Bochums Keeper Manuel Riemann, ein schneller Abwurf, Vorarbeit von Zoller und Philipp Hoffmann kann vollenden. Der Vertreter der Regionalliga versuchte wenigstens noch das Ehrentor zu erzielen. Schlussendlich mussten sie die Überlegenheit des Bundesligisten anerkennen. „Es gab schon einige Sequenzen im Spiel wo wir gezeigt haben, dass wir Ihnen den Zahn hätten ziehen können, das ist uns nicht gelungen. Wie schon in der Vorbereitungen gegen den 1. FC Union, es kommt da eine andere Qualität auf Dich zu.“ Dieser Einschätzung des Kapitäns der Viktoria, Jakob Lewald ist zuzustimmen. Es liegen zwei Spielklassen zwischen den Kontrahenten und Fußballwunder passieren eben nicht allzu oft.

Für Viktoria beginnt in der kommenden Woche die Saison in der Regionalliga Nordost. Erster Gegner wird auswärts der FC Carl-Zeiss Jena sein, die sich als Landespokalsieger Thüringen gegen den VfL Wolfsburg mit einer 0:1 Niederlage ebenso achtbar aus der Affäre zogen.

Hans-Peter Becker

DFB-Pokal 1. Runde

30.07.2022 13:01 Uhr Jahn-Sportpark Berlin

FC Viktoria Berlin – VfL Bochum 0:3(0:2)

Mannschaftsaufstellung Viktoria

Köstenbauer – Lewald – Baca – Mladen C. – Günay – Inaler (76. Emghames) – Durmushan (77. Milos C.) – Theisen – Werbelow (62. Sucsuz) – Seiffert (77. Mattmüller) – Küc (50. Yilmaz) 5-3-2/3-5-1-1

Saisonbeginn für die Berliner Erstligisten

In einigen Bundesländern fangen zwar erst die großen Schulferien an, doch der vollgepackte Terminkalender im Profifußball sorgt für einen frühen Saisonbeginn. Vor Weihnachten steht zudem die Fußball WM in Katar auf dem Plan.

Die Saisonvorbereitungen der Berliner Erstligisten verliefen unterschiedlich. Der 1. FC Union war wie gewohnt recht früh dran, während Hertha ja leider erst später mit den konkreten Planungen beginnen konnte. Sie mussten in die Relegation und einen eventuellen Abstieg berücksichtigen.

Die endgültigen Kader beider Teams stehen wohl erst Ende August fest, das Transferfenster schließt exakt am 1. September um 18:00 Uhr. Der 1. FC Union hat aktuell 33 Profis im Kader, beim Rivalen aus Charlottenburg sind es 32, da wird sich noch einiges tun, sodass am Schluss eine Kaderstärke von 26 Spielern erreicht wird. Fredi Bobic muss einen Transferüberschuss erwirtschaften, die Eisernen konnten das bereits sehr schnell realisieren. Allein der Verkauf von Taiwo Awoniyi spülte 20,50 Mio EUR in die Vereinskasse. Das war es zu verschmerzen, dass man Grischa Prömel ablösefrei zur TSG Hoffenheim ziehen lassen musste.

Bei der Hertha brachte der Verkauf von Arne Maier bisher den höchsten Erlös, der FC Augsburg überwies 5 Mio EUR. Die momentane Kaderstärke von 32 wird sich auch hier weiter reduzieren, Fredi Bobic hat allerdings noch mehr zu tun, als sein Pendant bei den Eisernen Oliver Ruhnert.

In den Testspielen war der 1. FC Union erfolgreicher als die „Alte Dame“. Beide Trainer werden ihren Spielern trotzdem erklärt haben, dass diese Ergebnisse Makulatur sind, wenn das erste Pflichtspiel der Saison ansteht. Hertha BSC muss am Sonntag, 31. Juli, beim Zweitligaaufsteiger Eintracht Braunschweig antreten. Es sei daran erinnert, dass Hertha zu Beginn der Saison 20/21, coronabedingt fand das Spiel erst am 11. September statt, nach einer 4:5 Niederlage bereits in der 1. Runde die Segel im Pokal streichen musste. Vielleicht hilft es, dass Braunschweig die ersten beiden Spiele in der 2. Bundesliga vergeigt hat und jetzt mit null Punkten und 0 zu 5 Toren gemeinsam mit dem Karlsruher SC das Tabellenende ziert.

Der 1. FC Union muss am darauffolgenden Montag beim Regionalligisten Chemnitzer FC antreten, es ist die etwas leichtere Aufgabe – scheinbar, der Pokal hat ja angeblich seine eigenen Gesetze.

Den Berliner Landespokal hat ja Viktoria Berlin gewonnen, für die Himmelblauen das Trostpflaster für den leider verpassten Klassenerhalt in Liga 3. Sie eröffnen am Samstag, 30. Juli den Reigen der Berliner Pokalauftritte und empfangen im Jahnsportpark den Bundesligisten VfL Bochum. Wer da der haushohe Favorit ist, dürfte zweifelsfrei feststehen. In den letzten 9 Jahren schied der jeweilige Landespokalsieger bereits in der ersten Runde aus. Die Niederlagen fielen meist deutlich aus, erinnert sei an die 1:9 Niederlage des BFC Dynamo, damals im Olympiastadion, gegen den 1. FC Köln. Allerdings gab es vor 10 Jahren auch mal eine faustdicke Überraschung, als der BAK im Poststadion die TSG Hoffenheim, Regionalliga gegen Bundesliga, sage und schreibe mit einer 0:4 Niederlage wieder nach Hause schickte. Sollte der neu formierten Mannschaft (21 Abgänge und 16 Neuzugänge) von Trainer Semih Keskin eine ähnliche Überraschung gelingen? Nach der zu erwartenden Niederlage folgt trotzdem ein warmer Regen für die Vereinskasse, für das Erreichen der 1. Runde erhält jeder der 64 Teilnehmer 209.246 EUR aus den Vermarktungserlösen.

Christian Zschiedrich

FC Viktoria 1889 – Saison im Rückspiegel

Leider hat es der FC Viktoria nicht geschafft, die Klasse zu halten. Der Aufstieg kam ein bisschen wie aus dem Nichts. Bedingt durch die Pandemie konnten in der Regionalliga Nordost während der Spielzeit 2020/21 lediglich 13 von geplant 38 Spieltagen ausgetragen werden. Mit lediglich 11 absolvierten Spielen, die alle gewonnen wurden, konnten die Himmelblauen direkt aufsteigen, dank einer Quotientenregel und dem Rotationsprinzip, das 2021 den direkten Aufstieg für den Meister der Nordost-Staffel vorsah. Nach erfolgreicher Suche einer geeigneten Spielstätte, konnte es am 25.Juli 2021 losgehen. Vor 1.112 zahlenden Zuschauern wurde im Jahnsportpark das Premierenspiel gegen den Namensvetter aus Köln mit 2:1 gewonnen. Den ersten Drittliga-Treffer erzielte Yannis Becker nach 37. Minuten zum zwischenzeitlichen 1:1.

Marco Antwerpen, damals Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach der 0:4 Niederlage

Zum Auftakt, Berlin war vor Viktoria bisher nur mit dem 1. FC Union in dieser Liga vertreten, hatten sich, neben den im Tagesgeschäft tätigen Sportjournalisten, auch einige Edelfedern der Zunft akkreditieren lassen. Gesichtet wurden die Experten für die Fankultur, Anne Hahn und Frank Willman. Ein weiterer Augenzeuge des Spiels war Christoph Biermann. Ausreichend Stoff für ein Buch hat er wohl nicht gefunden. Es reichte nur für einen Artikel des Chefreporters der 11 Freunde. Der Fußballverein aus dem Berliner Süden ist feuilletonistisch schwerer zu greifen und hat zudem den Ruf, ein sogenannter Investoren-Verein zu sein. Biermann fasste das unter der Überschrift „Start up mit Tradition“ zusammen. Was den 11 Freunden sonst noch im Saisonverlauf berichtenswert erschien, stammte von anderen Autoren. Trotz der langen Geschichte des Vereins, so ziert das Logo einen Stern mit einer Zwei, lang ist es her, gemeint sind die Meistertitel von 1908 und 1911, existierte der Verein in der Fußballneuzeit weit unter dem überlokalen Wahrnehmungsradar.

Nach der ersten Saisonniederlage, 0:1 gegen Halle, verabschieden sich beide Trainer.

Ein Aufstieg in die 3. Liga ist mit Auflagen an die Spielstätte verbunden. Ein fernsehtaugliches Flutlicht und eine Rasenheizung sind vorgeschrieben. Das zur umfassenden Rekonstruktion vorgesehene Jahnstadion musste wieder in Betrieb genommen werden. Für das Flutlicht sorgte der Investor. Am 4. Spieltag war die Premiere, im künstlichen Licht musste Viktoria die erste Saisonniederlage gegen Halle hinnehmen. Ein Treffer von Terrence Boyd entschied das Spiel und Benedetto Muzzicato musste erstmals eine Niederlage erklären. Die Saison war zu diesem Zeitpunkt noch lang und die darauf folgende englische Woche brachte mit dem Auswärtspunkt in Zwickau und mit dem folgenden Heimsieg gegen den SV Waldhof vier weitere Punkte auf das Konto.

Fans des 1. FC Kaiserslautern

Am 30.Oktober ist Viktoria weiter voll im Plan, Borussia Dortmund II wird knapp, Dank eines späten Treffers von Lucas Falcao, mit 2:1 besiegt. In der Tabelle sind die Himmelblauen mit 21 Punkten auf Platz 3 zu finden. Bis zum Abschluss der Hinrunde wird allerdings nur ein einziger Punkt dazugekommen sein. Dieser Punkt, ein 0:0 am 18.Spieltag gegen Türkgücü München, wurde zum Muster ohne Wert. Durch die Insolvenz der Bayern wurden ihre Spiele aus der Wertung genommen. Ihr Fußballjahr 2021 beschließen sie mit einem 4:1 Auswärtssieg bei den rechtsrheinischen Kölnern im Sportpark Höhenberg. Es ist der Beginn der Rückrunde und der Aufsteiger kann mit 25 Punkten Weihnachten feiern.

Pressekonferenz

Eigentlich sollte das neue Fußballjahr 2022 für Viktoria am 15. Januar mit dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig beginnen. Corona machte die Planungen zu Makulatur. Das Virus hatte auch die Viktoria fest im Griff. Die Mannschaft tritt personell arg gebeutelt am 22. Januar auf dem Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern an. Das Hinspiel hatten sie sensationell mit 4:0 gewonnen, im Rückspiel waren sie chancenlos und verloren mit 0:2.

In der Winterpause verließ der Torjäger Tolcay Ciğerci den Verein in Richtung Türkei. Die sportliche Führung reagierte, nicht nur auf den Weggang des Torjägers (14 Spiele/7 Tore), auch auf die Erfolglosigkeit. Vier neue Spieler werden verpflichtet, Martin Gambos für das zentrale Mittelfeld, Cebrail Makreckis für die rechte offensive Seite, Stürmer Franck Evina, Bryang William Kayo für das offensive Mittelfeld und Brooklyn Kevin Ezeh als Allrounder für die linke Seite.

Neues Flutlicht

Das erste Heimspiel im Jahre 2022 konnte erst 13.Februar ausgetragen werden. Viktoria empfing den SC Verl. Ein kampfbetontes Spiel, dass nur 589 Zuschauer sehen wollten, endete 1:1. Spieler des Tages wurde Viktorias Torhüter Julian Krahl. Er hielt in der Nachspielzeit einen Elfer. Seit der 68. Minute waren die Himmelblauen dezimiert. Gambos sah innerhalb von drei Minuten zwei Mal Gelb.

Nur drei Tage später stand das Nachholspiel gegen Eintracht Braunschweig an. Trainingsrückstand, keine richtige Vorbereitung und eine lange Verletztenliste, Viktoria bekam eine Klatsche verpasst. Das 0:6 war zugleich die höchste Niederlage während der gesamten Spielzeit. Braunschweig nahm Revanche, für die in der Hinrunde erlitten Niederlage. Das 4:0 in Braunschweig war höchste Sieg der Viktoria. Das darauffolgende Spiel bei Wehen-Wiesbaden ging verloren. Jetzt schwebte das Abstiegsgespenst über dem Verein. Das Spiel in der Hessischen Landeshauptstadt war das Letzte von Trainer Muzzicato. Die Trennung erfolgte im beiderseitigen Einvernehmen. Mehr und mehr zeichnete sich ab, dass Viktoria ein harter Abstiegskampf bevor stehen wird, zunehmende sportliche Erfolglosigkeit und die anstehende Qualifikation Muzzicatos zum Fußballlehrer führten zu dem Entschluss.

Für das Heimspiel gegen Freiburg II übernahm Co.Trainer David Pietrzyk die Verantwortung. Der Nachwuchs des Bundesligisten war effektiver und Viktoria verlor mit 0:2. Das nächste Spiel in Havelse wurde bereits mit einem neuen Trainer bestritten. Der Einstand von Farak Toku verlief durchwachsen, es reichte nur für einen Punkt beim Mitaufsteiger und Schlusslicht im Montagabendspiel in Hannover. In HDI-Arena, wo eigentlich Hannover 96 zu Hause ist, hatten lediglich 443 Zahlende Interesse an der Partie.

Farat Toku

Die Heimpremiere verlief für den neuen Trainer noch ernüchternder, gegen 1860 München wurde mit 0:2 verloren. Das Flutlichtspiel am Freitagabend, des 11.März lockte immerhin 3.398 Zuschauern in den Jahnsportpark. Ein bisschen Psychologie, die Mannschaftsbänke wurden getauscht und Toku verordnete seiner Mannschaft ein 4-4-2 System. Wann gibt mal wieder einen Dreier? Beim Zweitliga-Absteiger in Osnabrück war nicht zu holen und es kam das Heimspiel gegen den Spitzenreiter und späteren Meister 1. FC Magdeburg, alte Tradition gegen noch ältere. Ausgerechnet gegen die Truppe von Trainer Christian Titz gelang mal wieder ein Sieg. Den Erfolg brachte eine ausgeklügelte Defensivtaktik (5-2-2-1) Ein Tor aus dem Nichts von Jakob Lewald uns ein Treffer von Soufian Benyamina gleich nach der Halbzeitpause, Magdeburg brachte lediglich den Anschlusstreffer zustande. Die fast 3 Tausend Schlachtenbummler aus Sachsen-Anhalt fuhren enttäuscht nach Hause und Viktoria durfte wieder hoffen. Nach 31 Spielen hatte Viktoria 31 Punkte gesammelt.

Der Trainerwechsel schien endlich zu wirken. Der Sieg gegen Magdeburg konnte einen Spieltag später veredelt werden. Im Signal-Iduna Park wurde die 2. Mannschaft der Dortmunder Borussia mit 1:0 geschlagen. Das Siegtor erzielte erneut Benyamina. Gelingt jetzt mit einer kleinen Siegesserie der Klassenerhalt? Leider kam das Stoppschild im Abstiegsduell, Heimspiel am 34. Spieltag gegen den MSV Duisburg. Keeper Leo Weinkauf erwischte einen Sahne-Tag und spielte zu null, schlussendlich verloren sie mit 0:1. Die von Toku verordnete Defensivtaktik, die gegen Magdeburg so gut funktioniert hatte, ging nicht auf.

Ein richtiger Tiefschlag folgte in Würzburg, bei den so gut wie abgestiegenen Kickers wurde mit 0:3 verloren. Das war die berüchtigte, eine Niederlage zu viel. Es waren nur noch 2 Spiele zu absolvieren und der Blick auf die Tabelle machte nicht gerade Mut. Mit nur einem Punkt Vorsprung standen sie zwar über dem Strich, doch Verl blieb die Chance auf 9 Punkte, während für Viktoria nur 6 Punkte im Bereich des Möglichen lagen.

Arbeitsplatz

Das vorletzte Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken musste unbedingt gewonnen werden, der Freitagabend, allein das Flutlicht sorgte für ein dramatisches Fluidum und der Siegtreffer fiel in der Nachspielzeit. Der Glückliche für die Himmelblauen war Kimmo Hovi. Der SC Verl siegte einen Tag später in seinem Ausweichstadion, der Benteler-Arena in Paderborn mit 3:0 gegen den SV Wehen-Wiesbaden. Bis auf einen einzigen Punktwaren die Verler jetzt den Himmelblauen auf die Pelle gerückt und hatten zudem eine um 7 Treffer bessere Tordifferenz.

Am vorletzten Spieltag hatten die Viktorianer spielfrei. Eigentlich war anlässlich des letzten Auswärtsspieles der Saison eine Fahrt mit allen Vereinsmitarbeitern, als Dankeschön-Geste nach München geplant. So traf man sich auf dem Vereinsgelände am Wildspitzweg in Berlin-Mariendorf zum Grillen und gemeinsamen Schauen der Partie Dortmund II gegen den SC Verl. Lange sah es gut aus, Dortmund ging in Führung und sah wie der sichere Sieger aus. Verl drehte das Spiel, beim Stand von 2:1, erhielten die Dortmunder einen Hand 11-Meter, in der sechsten Minute der Nachspielzeit, zugesprochen. Schicksal spielte der Dortmunder Kapitän Franz Pfanne, sein Strafstoß wurde gehalten. Oh Nein, in der Tabelle vor dem letzten Spieltag zog der SC Verl mit 2 Punkten Vorsprung vorbei.

Am letzten Spieltag durften die Verler nicht gewinnen und die Viktoria war zum siegen verdammt. Es gelang nicht, die zwei Punkte aufzuholen, Verl lag bei Halbzeit zurück und im Jahnsportpark stand es bei der Pausenmusik 0:0. Das war zu wenig. Verl holte sich den einen notwendigen Punkt und Viktoria verabschiedete sich mit einem Torfestival aus der 3. Liga. Das vorläufig letzte Drittligaspiel endete, unter der Leitung von Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich, mit einer 3:4 Niederlage. Gegner war der SV Meppen. Das letzte Tor der Spielzeit für Viktoria erzielte Abwehrecke Tobias Gunte. Es war das 3:3, was nur eine knappe Minute Bestand hatte. Hätte er sich während der Saison nicht verletzt, fehlte im Januar und Februar, wären es mehr als 24 Einsätzen geworden. Er stammt aus dem Nachwuchs des Vereins, seit 2006 ist er ein Himmelblauer. Diesen Treffer, sein vierter in der Saison, hat ihm jeder gegönnt. Leider war er ohne Auswirkung auf das Ergebnis. Dass nach dem Abpfiff die Enttäuschung groß, einige Tränen vergossen wurden, war verständlich.

Das teilweise gesperrte Tribünen-Gebäude des Jahnsportparks.

Zur Abschiedsvorstellung hatten sich noch einmal 2.403 Zuschauer, darunter einige Hundert aus dem Emsland, eingefunden. Ein kleines Trostpflaster folgte eine Woche später, Viktoria holte sich den Berliner Pokal, in einer dramatischen Schlussphase wurde die VSG Altglienicke mit 2:1 bezwungen. In der abschließenden Pressekonferenz gab Trainer Toku bekannt, dass er in Berlin nicht weitermachen wird. Sein Vertrag galt nur für die 3. Liga.

In der Rückschau bleibt hier festzustellen, der Klassenerhalt war möglich. Zu Beginn des Jahres hatte leider Corona seine unheilvolle Hand mit im Spiel. So wurden in der Rückrunde lediglich 15 Punkte geholt, das war der zweitschlechteste Wert der Liga. Es sollte ebenso nicht vergessen werden, dass nur die wenigsten Akteure über Erfahrung in einer Profiliga verfügten. Bei der Erklärung von Niederlagen sprach der abgelöste Trainer Muzzicato davon, „dass nicht vergessen werden sollte, wo man herkommt.“ Der Sprung von der Regionalliga zur 3. Liga ist ein größerer, als von der 3. in die 2. Liga. In der Regionalliga reicht es gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte auch mit etwas weniger Einsatz für die nötigen Punkte. Es ist nicht so ausgeglichen, wie in den Profiligen.

Der Investor bleibt an Bord, wertvolle Erfahrungen konnten gesammelt werden und wenn am Schluss das Ziel auch nicht erreicht wurde, Viktoria will zurückkommen.

In der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals spielt Viktoria gegen den Bundesligisten VfL Bochum.

Hans-Peter Becker

Der drittletzte Bundesligaspieltag

Die momentane, wieder hoffnungsvollere Situation für Hertha BSC war für viele Berliner gar nicht mehr erwartet worden. Unter der Regie von Felix Magath hat Hertha bisher drei von fünf Spielen tatsächlich gewonnen. Hertha steht mit nunmehr 32 Punkten auf Platz 15 und über dem Strich. Nicht auszudenken, wäre das „6-Punkte“-Match gegen den VfB Stuttgart nicht gewonnen worden. So aber rangiert nun Stuttgart, aktuell 28 Punkte, auf dem 16. und somit dem Relegationsplatz. Für die Schwaben könnte es drei Spiele vor Ultimo noch schlechter kommen, wenn sie ihr Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg – 5:0-Sieger über Mainz 05 – nicht gewinnen sollten. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Hertha muss in Bielefeld gegen die schwächelnde Arminia antreten und könnte alles klarmachen. Haben die Berliner den VfB Stuttgart tiefer in den Abgrund befördert, so wird Magaths eventueller vierter Sieg in der Endphase zwar rein rechnerisch noch nicht der endgültige Klassenerhalt sein, aber so gut wie. Bielefeld bliebe bei 26 Punkten und Hertha hätte vor den zwei letzten Spielen dann 35.

Bei allem Hertha-Jubel, Magath sieht immer noch die Gefahr, falls Hertha gegen den Tabellen-Vorletzten verlieren sollte. Verfrühte Gelassenheit sei fehl am Platze, noch sei der Klassenerhalt gefährdet. „Man sieht, dass wir wieder eine Mannschaft sind“, so Herthas Trainer. Euphorie erfordere im Fußball auch anderseits eine Nüchternheit. Er wisse nicht, wer nach diesem Stuttgart-Spiel bei Hertha euphorisch werden sollte. In der Pressekonferenz präsentierte Magath eine gewaltige Mängelliste. Mit ihm kann man ewig darüber diskutieren, ob Glück in der Tat immer erkämpft werden kann. Ich erkenne bei diesem taktischen Vorgehen eine ganze Menge Erfahrung. Schließlich hat er es immer geschafft, Mannschaften vor dem Abstieg zu bewahren – mitunter sogar in fast aussichtslosen Lagen. Trotz oder gerade wegen seines Alters, könnte ihm Hertha viel zu verdanken haben, am letzten, dem 34. Spieltag wissen wir es. Hertha muss auswärts am 14. Mai nach Dortmund. Das letzte Heimspiel der Saison, gegen den FSV Mainz 05, derzeit Tabellenzehnter, gesichert mit 39 Punkten.  

Berliner Fußball-Enthusiasten blicken auch auf den 6. Tabellenplatz, der bedeutet Teilnahme an der Europa-League. Mit 50 Punkten rangiert da ein zweiter Berliner Verein – trotz namhafter Abgänge. Bereits am Freitag, 29. April, empfängt der 1. FC Union in der Alten Försterei die SpVgg Greuther Fürth, den Tabellenletzten und wieder Zweitligisten. Eine Woche später heißt es in Freiburg beim Tabellenvierten (jetzt 52 Punkte) zu bestehen und am letzten Spieltag, zu Hause in der Alten Försterei, gegen den VfL Bochum eventuell fehlende Punkte zu holen. Dazu meine Feststellung: Union ist reif für Europa!  

Christian Zschiedrich

Magere Ausbeute für Berliner Profifußballer

In der Bundesliga reichte es nur zu einem Punkt und den holte Hertha BSC am Freitagabend mit einem 1:1 im Spiel gegen Aufsteiger Bochum. Kopfschütteln war angesagt bei denen, die mit den blauweißen halten. Es war, wie so oft in dieser Saison, eigentlich ganz gut begonnen und dann stark nachgelassen. Unerklärlich, warum agierte Hertha nach dem unglücklichen Gegentreffer durch Bochums Sebastian Polter immer nervöser. Mit dem Punkt, immerhin wurde nicht verloren, können die Gäste besser leben als der Club aus der Hauptstadt. Verlorenen Punkte sind der Rückrunde nicht mehr aufzuholen, Hertha steckt im unteren Tabellendrittel fest und gerät mehr und mehr unter den Zugzwang des „Gewinnenmüssens“. Das nächste Spiel in Fürth beim Tabellenletzten ist für ein weiteres Unentschieden gänzlich ungeeignet. Mal sehen, was den Herthanern noch einfällt. Die Abwehr schien nicht mehr ganz so wacklig und an der Präzision im Spielaufbau muss weiter gefeilt werden.

Der 1. FC Union verliert in Augsburg und leidet am überraschenden Weggang von Max Kruse, der in Wolfsburg gleich demonstrierte, dass er der Unterschiedsspieler ist, der jetzt bei den Eisernen fehlt. „Wir haben eigentlich gut begonnen. Aber dann haben wir keine Ruhe ins Spiel bekommen und Augsburg eingeladen. Im zweiten Durchgang waren wir dann wieder im Spiel, aber wenn du kein Tor schießt, kannst du eben nicht gewinnen. Mit dem ersten Augsburger Schuss in der zweiten Hälfte fällt dann das 2:0 und dann war es natürlich sehr schwierig.” (Zitat Union-Trainer Urs Fischer) Dass eben kein Tor geschossen wurde, lag mit am fehlenden Vorbereiter. Schade, jetzt könnte die große Chance auf eine Teilnahme an der Champions-League und den damit verbundenen Geldsegen verspielt werden. Der nächste Gegner im Heimspiel heißt Borussia Dortmund. Sie werden mit gehöriger Wut im Bauch die Aufgabe in Alten Försterei in Angriff nehmen, um die Klatsche gegen Leverkusen vergessen zu machen.

Zwei Etagen tiefer versuchte Viktoria vergeblich drei Punkte aus Mannheim mitzunehmen. Zweimal wurde eine Führung verspielt und am Ende standen sie mit einem 2:3 gänzlich mit leeren Händen da. Am nächsten Spieltag kommt der SC Verl in den Jahnsportpark. Es wäre das erste Heimspiel im Jahr 2022, zwei wurden coronabedingt verpasst und müssen nachgeholt werden.

Hans-Peter Becker

Hertha braucht jetzt jegliche Unterstützung

Noch kann Berlins Bundesligist gerettet werden, doch die Lage ist bitterernst. Die Enttäuschung über den selbsternannten Big City-Club kann nach der Horror-Woche hör- und lesbar kaum schlimmer sein. Nicht nur für die eigenen Fans sind die Leistungen und das Auftreten nicht nachvollziehbar, der Image-Verlust ist enorm groß. Wo stünde denn der Hauptstadtclub, wenn Lars Windhorst nicht als großzügiger Sponsor eingetreten wäre?

Selbst die eigenen treuen Mitglieder sind Hertha momentan leid. Einige Ultras stürmten vor dem Bayern-Spiel ein nicht öffentliches Training und wollten dabei einige Spieler zur Rede stellen. Es sollen, wie erst jetzt bekannt wurde, etwa 80 Anhänger aus der organisierten Fanszene gewesen sein. Das sind alles keine guten Nachrichten.

Das 1:4 gegen die Bayern war noch „schmeichelhaft“. Die Pokalschmach im Derby gegen Union und die vorangegangene 1:3-Pleite gegen Köln, da werden böse Erinnerungen wach. Die Kommentare in der Presse. „Chancenlos“ ist zwar treffend, aber noch milde ausgedrückt. „Harmlos“, keine Spielidee, ständig wechselnde Startaufstellungen, wo soll das hinführen.

Geht die Partie gegen den VfL Bochum auch verloren, kommen die Sehnsüchte nach Pal Dardai und Bruno Labbadia hoch. Zwei Trainer von insgesamt 12 in den letzten 10 Jahren. Die Chemie zwischen Fredi Bobic und Pal Dardai stimmte nicht mehr oder noch nie so richtig, geholt wurde Korkut, ein anderer Trainertyp. Intern wird gemunkelt, nachzulesen in einer großen deutschen Sport-Illustrierten, dass es einige Profis geben soll, die den Trainer nicht ernst nehmen.

Beim Aufsteiger VfL Bochum werden Herthas Akteure erneut erfahren, was Kämpfen heißt. Auf dem Papier ist Hertha natürlich auf jeder Position stärker besetzt, es fehlte bisher an Geschlossenheit, zu viele Gegentore wurden bereits in der Anfangsphase kassiert, so konnte ein eigener Matchplan zu selten realisiert werden.

Bleibt Hertha nach dem 21. Spieltag weiter bei 22 Punkten stehen? Ich wünschte, es käme anders. Man könnte sich etwas vom Druck befreien, zumal anschließend der nächste Aufsteiger auf dem Plan steht. Gegen Schlusslicht Fürth, zuletzt mit aufsteigender Formkurve, ist auch noch nicht gewonnen. So ist die Frage berechtigt: Gehört Hertha wirklich noch in die Bundesliga? Warten wir die nächsten Spiele ab, sie sind ein Wahrsager, es muss gepunktet werden.

Letztendlich stehen noch einige Getreue zu ihrer Hertha und drücken dem Club die Daumen. Das ist nach Lage der Dinge mehr denn je nötig. Dass Berlin einen zweiten erfolgreichen Bundesliga-Club hat, ist kein Trost, es tut den Herthanern sogar im Herzen weh.

Christian Zschiedrich

Berliner Profi-Fußball im Überblick

Etwas mehr als die Hälfte der Saison ist absolviert und so richtig zufrieden sein kann nur der Bundesligist aus dem Stadtteil Köpenick. „Alles bestens!“, kann man ihnen nur zurufen. Mal wieder das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten herausgeholt oder Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Der Sieg in Gladbach setzte dem Ganzen die Krone auf. Gladbach kämpfte glücklos und die Eisernen hatte das bessere Ende für sich. Jetzt stehen sie nach 20 Spieltagen auf einem Platz, der die Teilnahme an Champions League bedeuten würde. Eigentlich nicht zu fassen, da kann der Lokalrivale aus dem Westend nur kopfschüttelnd daneben stehen.

Hertha BSC ist eine einzige große Baustelle. In allen Mannschaftsteilen wirkten sie gegen die Bayern überfordert. Der Stadionsprecher begrüßt die Zuschauer nach wie vor mit „und hier kommt Berlins Nummer 1…“ und der Investor, wahrscheinlich nur er, denkt in ganz großen Dimensionen. Erstmal muss gründlich entkernt werden, dann mal schauen, wie tragfähig der Rohbau noch ist. Fredi Bobic ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Corona tat das übrige, zu Jahresbeginn mussten gleich 6 Profis gleichzeitig in Quarantäne. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet und Bobic räumt den Kader auf. Letzter Neuzugang ist Stuttgarts Ex-Kapitän, Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf. Er wird dringend benötigt, Hertha verfügt, nach Anzahl der Gegentore, über die zweitschlechteste Defensive. Es hakt allerdings in allen Mannschaftsteilen.

Die Bundesliga macht Pause, Union testet gegen Lodz und vermeldet mit Kevin Möhwald einen aktuellen Corona-Fall. Hertha hat bisher keinen Test geplant und trainiert fleißig für die kommenden Wochen der Wahrheit. Die nächsten Gegner heißen VfL Bochum und Greuther Fürth, worauf es da ankommt, muss wohl nicht weiter erörtert werden.

Nicht pausiert wird in Liga 3, es steht sogar eine englische Woche an. Viktoria hat am Dienstag, 25. Januar trotzdem nicht gespielt, der Grund, sie ahnen es, weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. In der Pressemitteilung liest sich das folgendermaßen:

Aufgrund von behördlich angeordneter Kontaktpersonen-Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt in Berlin wird das Drittliga-Spiel zwischen dem Halleschen FC und Viktoria Berlin auf Grundlage von §15 der Durchführungsbestimmungen zur DFB-Spielordnung abgesetzt.

Bei den Himmelblauen traten im Rahmen des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag drei weitere Corona-Fälle auf. Darüber hinaus befinden sich zwei weitere Personen aus dem Mannschaftsgefüge mit Grippesymptomen in häuslicher Isolation.

Der neue Spieltermin wird nach Rücksprache mit dem Halleschen FC und Viktoria Berlin schnellstmöglich bekannt gegeben.

Die Absage des Spiels erfolgte erst 3 Stunden vor dem Anpfiff. Mal sehen, wie es weitergeht, am Samstag, 29. Januar steht das Heimspiel gegen den FSV Zwickau an. Viktoria hat den Kader nachgebessert und muss aufpassen, jetzt nicht weiter nach unten durchgereicht zu werden. Die Neuzugänge bzw. Leihspieler könnten sofort weiterhelfen. Für den Klassenerhalt sollten es mindestens 42 Punkte oder mehr sein. Nach 21 von 38 Spielen kann der Aufsteiger und absolute Liganeuling auf 26 Punkte verweisen. So 6 bis 7 Siege und dazu das eine oder andere Unentschieden und die Sache wäre geritzt. Ein bisschen Sorge bereitet die geringe Zuschauerresonanz. Im Jahnsportpark ist der Verein weiter weg von seiner eigentlichen Heimat im Süden Berlins, andere Dinge konnten unter Dach und Fach gebracht werden. In Kaiserslautern liefen die Himmelblauen erstmals mit einem Trikotsponsor auf der Brust auf. Das Spiel im Fritz-Walter-Stadion war für Viktoria ernüchternd. Fehlende Vorbereitung und Fitness machten sich bemerkbar, die Niederlage war diesmal nicht zu verhindern. Das Hinspiel im Jahnsportpark hatten die Muzzicato-Schützlinge überraschend klar gewonnen.

Hans-Peter Becker