Viktoria holt sich den Pott

Am Abend wurde das jährliche Hochamt des Profifußballs zelebriert. Im Berliner Olympiastadion holte RB Leipzig in einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem SC Freiburg den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Es war restlos ausverkauft, eine Zusatztribüne errichtet, so konnten 74.322 Zahlende ins Stadion.

Zu mittäglicher Stunde desselben Tages, nur wenige Kilometer vom Olympiastadion entfernt, fand im Rahmen des Tages der Amateure das Endspiel um den Berliner Pokal statt. Bedauerlich, das muss man sagen, fast unter freiwilligem Ausschluss der Öffentlichkeit. Lediglich 1.215 Zahlende gab der wieder als Stadionsprecher engagierte Karsten Holland bekannt. Dabei war es eine alles andere als unattraktive Paarung im neuen Endspielort, dem Mommsenstadion. Der leider nun ehemalige Drittligist Viktoria spielte gegen die VSG Altglienicke. Es war ähnlich dramatisch, wie Stunden später im Olympiastadion.

Die Mannschaft, die die Saison im halbwegs bezahlten Fußball verbracht hatte, bestimmte über weite Strecken das Spiel. Nur das erste Tor im Spiel gelang den Volkssportlern, in der 40. Minute überwand Uzan Tugay den Torwart mit einer Bogenlampe. Philip Sprint sah da nicht gut aus. Es war das Tor aus dem Nichts, was sich so rein gar nicht andeutete.

In der zweiten Halbzeit hatte Viktoria weiter die größeren Spielanteile, während Altglienicke leidenschaftlich verteidigte und einige gefährliche Konter inszenierte. Der in der 60. Minute eingewechselte Paul-Vincent Manske hatte zweimal die Vorentscheidung auf dem Fuß und scheiterte.

Fotos:© Hans-Peter Becker

Der Traum vom Pokalsieg zerplatzte für den Regionalligisten auf die brutalst mögliche Weise. Zwei Tore in der Nachspielzeit durch Lukas Pinkert und Soufian Benyamina entrissen der Elf von Karsten Heine den Pott.

In der Pressekonferenz äußerte Heine seine Kritik an Schiedsrichter Pascal Wien. Eine Tätlichkeit von Viktoria-Kapitän Christoph Menz blieb ungeahndet. „Der Menzer hätte das Spiel nicht beenden dürfen.“ Trotzdem gratulierte er seinem Kollegen zum Sieg und Viktorias Trainer verkündete auf Nachfrage, dass er bei Viktoria nicht weitermachen wird. Sein Vertrag galt nur für die 3. Liga.

Im Kader der Himmelblauen wird es weitere Veränderungen geben. Umso bemerkenswerter war, dass sich die Mannschaft nach dem enttäuschenden Saisonende nochmals zu solch einer Energieleistung aufschwingen konnte.

Hans-Peter Becker

AOK Pokal Finale

21.05.2022 12:15 Uhr Mommsenstadion Berlin

VSG Altglienicke – FC Viktoria 1889 Berlin 1:2(1:0)

Mannschaftsaufstellungen

Viktoria: Sprint – Lewald – Makreckis (80. Hahn) – Theisen (77. Ogbaidze) – Küc – Falcao (65. Hovi) – Kapp – Seiffert – Jopek (65. Benyamina) – Pinckert – Menz

VSG Altglienicke: Bänge – Liebelt (ab 60. P.V. Manske) – Zeiger – Uzan (ab 69. Breitkreuz) – Derflinger (ab. 69. Skoda) – Inaler – Häußler – Belegu – J. Manske – Dem (ab 84. Pütt) – Brehmer

Schiedsrichter: Pascal Wien (SC Borsigwalde)

Assistenten: Fabian Zastrow, Marcel Mallassa, Gunnar Mielenz

Berliner Profifußball zwischen Hoffen und Bangen

Beginnen wir mit dem 1. FC Union, dem aktuellen Aushängeschild des hauptstädtischen Fußballs. Ihnen gelang jetzt endlich mal ein Sieg in Leipzig, bei den von den Fans der Eisernen überhaupt nicht geschätzten Rasenballern. Es wurde wieder am Anfang geschwiegen und am Schluss gejubelt. Es war ein Sieg des kleinen Mannes. Die Punkte könnten wertvoll werden, es winkt das international kleinere Geschäft in der zweiten oder dritten europäischen Spielklasse. Und mit ganz, ganz viel Glück sogar der Fleischtopf Champions-League. Die nächsten beiden Aufgaben heißen Absteiger Greuther Fürth zu Hause und SC Freiburg auswärts. So schön der Punktspielsieg in Leipzig auch war – Unioner geben niemals auf – umgekehrt wäre ihnen tausendmal lieber gewesen.

Im Abendspiel machten die Münchner Bayern ihren Meistertitel perfekt, es wurde Titel Nummer 10 in Folge. Solch eine Serie konnte bisher nur der BFC Dynamo vorweisen, von 1979 bis 1989 in der Oberliga der DDR. Solche eine Dominanz tut keiner Fußballliga gut, aber was sollen sie machen, die Bayern? Bleibt der restlichen Konkurrenz erneut nur übrig, als brav zu gratulieren. Der BFC könnte es in diesem Jahr schaffen, in den wenigstens halbwegs bezahlten Fußball zurückzukehren. Meister der Regionalliga Nordost sind sie fast, es steht allerdings noch eine Relegation mit dem Meister der Nordstaffel aus.

Am Sonntagabend holte Hertha BSC drei ganz wichtige Punkte gegen den Abstieg. Mit viel Mühe wurden die mit gefährdeten Stuttgarter, vor 55.000 Zuschauern, im Oly mit 2:0 bezwungen. Der Rest war egal, das Hoffen und Bangen geht weiter.

Genauso ergeht es dem Berliner Drittligisten aus Lichterfelde. Es klappte nicht mit einem Punktgewinn in Würzburg, bei den fast abgestiegenen Kickers. Im Gegenteil, die können wieder etwas Hoffnung schöpfen nach ihrem 3:0 Erfolg über die Himmelblauen. Nächster Gegner im Jahnsportpark ist der 1. FC Saarbrücken, der leider keine Schützenhilfe leistete und sein Heimspiel gegen den SC Verl mit 1:2 verlor. Was Verl konnte, sollte Viktoria versuchen zu wiederholen. Ein Sieg gegen die Blau-Schwarzen aus dem Ludwigspark wäre nicht schlecht. Saarbrücken ist jetzt seit fünf Spielen sieglos, macht es wieder, wie gegen Magdeburg.

Hans-Peter Becker

Berliner Profifußball blieb sieglos

Gehen wir chronologisch vor. Das zurückliegende Fußballwochenende eröffnete Drittligist Viktoria am Freitagabend, 11. März, unter Flutlicht im Jahnsportpark mit dem Spiel gegen die 60er aus München. Vor der stattlichen Kulisse von 3.398 Zuschauern erwischten die Gäste den besseren Start und gingen bereits nach knapp drei Minuten in Führung. Es war ja die Heimspielpremiere für Farat Toku, den neuen Cheftrainer der Viktoria. Die Spielerbank wurde gewechselt und an der taktischen Ausrichtung gefeilt. Leider hatte das sehr frühe Gegentor den Matchplan schnell zu Makulatur werden lassen. Die Gäste schnuppern noch am möglichen Aufstieg. Sie nahmen verdient alle drei Punkte mit nach München. Viktorias Chancen auf den Klassenerhalt sind weiter intakt. Allerdings müssen dafür Siege her. Die nächste Gelegenheit bietet sich dafür bereits am Mittwoch, 16. März, wieder im Jahnsportpark, zu Gast ist der FSV Zwickau und sie sind ebenso abstiegsgefährdet.

Einen Tag später empfing in der Bundesliga der 1. FC Union den VfB Stuttgart und musste spät, erst in der Schlussminute den Ausgleich hinnehmen. „16.509 Teilnehmer im Stadion An der Alten Försterei“ vermeldete die offizielle Presseaussendung der Eisernen. Eine Hilfe für den Lokalrivalen aus Charlottenburg war es nicht, den im Abendspiel blieb Hertha in Gladbach ohne Punkte. Es kam wie es kommen musste, die Gesetze der Branche schlugen zu. Nach dem Schlusspfiff auf dem Bökelberg wusste Tayfun Korkut, dass er sich einen neuen Verein suchen muss.

Während diese Zeilen geschrieben werden, stellt sich sein Nachfolger in einer Pressekonferenz vor. Otto Rehhagel ist jetzt wirklich zu alt und findet in Felix Magath hoffentlich nicht seinen Nachfolger. Er konnte damals den Abstieg, trotz Gerichtsprozess, nicht verhindern. „

Wie kam Bobic eigentlich auf Magath, den wenige auf dem Zettel hatten? „Mit diesem Gedanken habe ich schon länger gespielt. Das ist auch die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Arbeitgeber, dass ich mir immer Gedanken machen muss, was könnte sein, wenn …“ Bobic müsse auch nicht „den typischen Reflexen folgen“, sondern auch der Intuition und seiner Erfahrung.“

Hertha ist ja noch nicht abgestiegen, trotzdem, wer ist in dieser Situation bereit das Amt zu übernehmen? Doch nur ein Trainer, der alles für sich schon erreicht hat, nicht mehr an seine berufliche Zukunft denken muss. Selbst wenn es nicht gelingen sollte, Hertha absteigen muss, Felix Magath bleibt Felix Magath. Da kann man nur gutes Gelingen wünschen. Es ist auch eine Maßnahme von Fredi Bobic , die passen muss, sonst ist sein Projekt gescheitert.

Hans-Peter Becker

Viktoria Berlin hat einen neuen Trainer

Farat Toku (Mitte) ist neuer Cheftrainer von Viktoria Berlin. Fotocredit: Viktoria Berlin

Die Himmelblauen haben einen neuen Cheftrainer: Der 41-jährige Bochumer Farat Toku übernimmt ab sofort das Berliner Drittliga-Team und wird dabei von den Co-Trainern David Pietrzyk und Richard Krohn, Athletik-Trainer Roman Steinweg, Torwart-Trainer Marco Sejna und Physiotherapeut Javier Cordero unterstützt. In der 3. Liga stehen für Viktoria Berlin noch elf Spiele auf dem Programm. Hinzu kommt der Berliner Landespokal-Wettbewerb.

Rocco Teichmann, Sportdirektor der Himmelblauen, erklärt: „Im Rahmen unserer Suche konnten wir aus einer Vielzahl von Bewerbern und Empfehlungen einen kleinen Kandidatenkreis formen. Erstmals in der Geschichte von Viktoria Berlin mussten wir einen Trainer mit Pro Lizenz und der damit notwendigen Qualifikation für die 3. Liga finden. Farat passt mit seinem Temperament und seinen Qualitäten optimal zu uns.“

„Menschlich und fußballerisch lassen sich sehr viele Parallelen zu Viktoria Berlin ziehen. Ich stehe für vieles, wofür der Klub auch steht und habe das Gefühl, dass es zwischen uns passt. Wir wollen nun fleißig sein und in den kommenden Tagen und Wochen intensiv arbeiten, um unser Ziel, den Klassenerhalt, frühestmöglich zu erreichen. Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung“, sagt Viktorias neuer Cheftrainer Farat Toku.

Peer Jaekel, Geschäftsführer von Viktoria Berlin, ergänzt: „Es ist uns gelungen, mit Farat Toku einen Trainer zu gewinnen, von dem wir uns kurz-, mittel- und langfristig die Weiterentwicklung der Mannschaft und jedes einzelnen Spielers sowie das Erreichen der sportlichen Ziele erhoffen. In vielen intensiven Gesprächen hat er uns mit seiner emotionalen und direkten Ansprache überzeugt.“

Farat Toku war von Januar 2015 bis Oktober 2019 Trainer des Regionalligisten SG Wattenscheid 09. Zwischenzeitlich übernahm er dort auch die Funktion des Sportlichen Leiters. Im März 2020 begann Toku den Lehrgang zum Fußball-Lehrer, den er im Mai 2021 erfolgreich abschloss.

Schafft er die Trendwende? Aktuell stehen die Himmelblauen nur knapp über dem Strich. Am Mittwoch, 2. März lieferten sie in Halle im Nachholspiel zwar eine gute kämpferische Leistung, unterlagen in der Schlussphase deutlich mit 1:4. Es fehlten im Angriff die berühmten Mittel. Es gelang zwar der Führungstreffer, mehr allerdings nicht.

Quelle: Viktoria Berlin

Berliner Profi-Fußball im Überblick

Etwas mehr als die Hälfte der Saison ist absolviert und so richtig zufrieden sein kann nur der Bundesligist aus dem Stadtteil Köpenick. „Alles bestens!“, kann man ihnen nur zurufen. Mal wieder das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten herausgeholt oder Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Der Sieg in Gladbach setzte dem Ganzen die Krone auf. Gladbach kämpfte glücklos und die Eisernen hatte das bessere Ende für sich. Jetzt stehen sie nach 20 Spieltagen auf einem Platz, der die Teilnahme an Champions League bedeuten würde. Eigentlich nicht zu fassen, da kann der Lokalrivale aus dem Westend nur kopfschüttelnd daneben stehen.

Hertha BSC ist eine einzige große Baustelle. In allen Mannschaftsteilen wirkten sie gegen die Bayern überfordert. Der Stadionsprecher begrüßt die Zuschauer nach wie vor mit „und hier kommt Berlins Nummer 1…“ und der Investor, wahrscheinlich nur er, denkt in ganz großen Dimensionen. Erstmal muss gründlich entkernt werden, dann mal schauen, wie tragfähig der Rohbau noch ist. Fredi Bobic ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Corona tat das übrige, zu Jahresbeginn mussten gleich 6 Profis gleichzeitig in Quarantäne. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet und Bobic räumt den Kader auf. Letzter Neuzugang ist Stuttgarts Ex-Kapitän, Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf. Er wird dringend benötigt, Hertha verfügt, nach Anzahl der Gegentore, über die zweitschlechteste Defensive. Es hakt allerdings in allen Mannschaftsteilen.

Die Bundesliga macht Pause, Union testet gegen Lodz und vermeldet mit Kevin Möhwald einen aktuellen Corona-Fall. Hertha hat bisher keinen Test geplant und trainiert fleißig für die kommenden Wochen der Wahrheit. Die nächsten Gegner heißen VfL Bochum und Greuther Fürth, worauf es da ankommt, muss wohl nicht weiter erörtert werden.

Nicht pausiert wird in Liga 3, es steht sogar eine englische Woche an. Viktoria hat am Dienstag, 25. Januar trotzdem nicht gespielt, der Grund, sie ahnen es, weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. In der Pressemitteilung liest sich das folgendermaßen:

Aufgrund von behördlich angeordneter Kontaktpersonen-Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt in Berlin wird das Drittliga-Spiel zwischen dem Halleschen FC und Viktoria Berlin auf Grundlage von §15 der Durchführungsbestimmungen zur DFB-Spielordnung abgesetzt.

Bei den Himmelblauen traten im Rahmen des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag drei weitere Corona-Fälle auf. Darüber hinaus befinden sich zwei weitere Personen aus dem Mannschaftsgefüge mit Grippesymptomen in häuslicher Isolation.

Der neue Spieltermin wird nach Rücksprache mit dem Halleschen FC und Viktoria Berlin schnellstmöglich bekannt gegeben.

Die Absage des Spiels erfolgte erst 3 Stunden vor dem Anpfiff. Mal sehen, wie es weitergeht, am Samstag, 29. Januar steht das Heimspiel gegen den FSV Zwickau an. Viktoria hat den Kader nachgebessert und muss aufpassen, jetzt nicht weiter nach unten durchgereicht zu werden. Die Neuzugänge bzw. Leihspieler könnten sofort weiterhelfen. Für den Klassenerhalt sollten es mindestens 42 Punkte oder mehr sein. Nach 21 von 38 Spielen kann der Aufsteiger und absolute Liganeuling auf 26 Punkte verweisen. So 6 bis 7 Siege und dazu das eine oder andere Unentschieden und die Sache wäre geritzt. Ein bisschen Sorge bereitet die geringe Zuschauerresonanz. Im Jahnsportpark ist der Verein weiter weg von seiner eigentlichen Heimat im Süden Berlins, andere Dinge konnten unter Dach und Fach gebracht werden. In Kaiserslautern liefen die Himmelblauen erstmals mit einem Trikotsponsor auf der Brust auf. Das Spiel im Fritz-Walter-Stadion war für Viktoria ernüchternd. Fehlende Vorbereitung und Fitness machten sich bemerkbar, die Niederlage war diesmal nicht zu verhindern. Das Hinspiel im Jahnsportpark hatten die Muzzicato-Schützlinge überraschend klar gewonnen.

Hans-Peter Becker

Offensivspieler Tolcay Ciğerci verlässt Viktoria Berlin Richtung Türkei

Tolcay Ciğerci im Spiel gegen den 1. FC Kaiserlautern © Foto: Viktoria Berlin

Tolcay Ciğerci, der bei den Himmelblauen von seinen Offensivqualitäten zu überzeugen wusste, wechselt gegen Ablöse zum türkischen Zweitligisten Samsunspor. Dort erhält er einen Vertrag bis 2023.

„Nach intensiven Gesprächen haben wir Tollis Wunsch nach einem Wechsel in die Türkei zugestimmt. Wenn zudem bestimmte wirtschaftliche Angebote gemacht werden, die wir als aufstrebender Drittligist nicht ablehnen können, stehen wir einem Transfer auch nicht im Wege“, sagt Rocco Teichmann, Sportdirektor von Viktoria Berlin und erklärt: „Wir verstehen uns als Verein, der Spieler ausbildet, besser macht und ihnen den Weg in höhere Ligen ebnet, sei es in Deutschland oder im Ausland. Das ist Teil unserer Vereinsphilosophie. Tolli ist sehr talentiert und technisch versiert. Er hat uns mit seiner hohen offensiven Qualität bereichert. Wir freuen uns, dass er die Chance bekommt, sich in der zweiten Liga in der Türkei unter Beweis zu stellen und wünschen ihm viel Erfolg bei Samsunspor.“

Tolcay Ciğerci betont: „Ich hatte eine sehr gute Zeit bei Viktoria Berlin und habe mich hier sehr wohlgefühlt, was sicherlich auch anhand meiner Leistungen zu erkennen war. Der Ehrgeiz und die Visionen des Klubs sind beeindruckend. Nichtsdestotrotz geht für mich mit dem Wechsel in die Türkei ein langgehegter Traum in Erfüllung und ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung. Ich danke den Verantwortlichen von Viktoria Berlin für das Vertrauen der vergangenen Monate und wünsche dem Klub, dass er sich im Profifußball etabliert.“

Der 26-jährige Ciğerci kam im Sommer 2021 zu Viktoria Berlin. Er absolvierte insgesamt 14 Spiele für den Klub in der 3. Liga, ist mit sieben Toren und sieben Vorlagen Topscorer der Himmelblauen. Der derzeit achtplatzierte Klub Samsunspor ist die erste Station für Ciğerci in der Türkei. In Deutschland wurde er beim VfB Peine und VfL Wolfsburg ausgebildet. Anschließende Stationen waren der HSV, die SpVgg Greuther Fürth, der Berliner AK, die VSG Altglienicke und schließlich Viktoria Berlin.

Quelle: Viktoria Berlin/Vera Krings

© Foto: Viktoria Berlin

Hertha gewinnt, Union ermöglicht einen historischen Sieg und Viktoria schwächelt

Am Samstag, 11. Dezember, zur regulären Anstoßzeit empfing Hertha Arminia Bielefeld zum Kellerduell. So trostlos wie die Szenerie im Olympiastadion, nur 5.000 durften rein, war auch die Darbietung der beiden Bundesligisten. Es war nicht vergnügungssteuerpflichtig. Es setzte sich die talentierte Mannschaft durch oder manchmal schießt Geld eben doch Tore. Der Kicker titelte „Ohne Glanz, aber hochverdient“, es wurden drei wichtige Punkte. Die Abstiegszone ist nicht näher gerückt. Bis Weihnachten warten noch zwei harte Nüsse im Rahmen einer englischen Woche, erst auswärts in Mainz und anschließend Borussia Dortmund. Irgendwie durchkommen heißt die Devise.

Einen Tag später musste Drittligist Viktoria im Emsland-Stadion (seit 2014 Hänsch-Arena) beim SV Meppen antreten. Der Abwärtstrend konnte leider nicht gestoppt werden. Es begann zudem unglücklich für die Himmelblauen. In der 15. Spielminute sah Abwehrspieler Lukas Pinckert gelb-rot. Das machte die Aufgabe gegen die bestens aufgelegten Emsländer unlösbar. Der SV Meppen war in der vergangenen Saison sportlich abgestiegen, blieb nur drin, weil der KFC Uerdingen sich zurückzog, jetzt sorgen sie für Fuore und liefern die beste Hinrunde als Drittligist ab. Viktoria unterlag mit 0:3 und es hätte durchaus schlimmer kommen können. Der junge Torwart Julian Krahl verhinderte schlimmeres. Es war der letzte Spieltag der Hinrunde in Liga 3. Insgesamt sieht die Bilanz für den Liganeuling aus Berlin trotzdem nicht so schlecht aus. Es sind 6 Siege, 5 Unentschieden und 8 Niederlagen zu bilanzieren. Tabellenplatz 12 und 23 Punkte nach der Hinrunde, vor der Saison hätten sie das sofort unterschrieben, man sollte nicht vergessen, wo die Mannschaft herkommt. Die Rückrunde beginnt allerdings bereits am 4. Advent. Bevor die kurzen Weihnachtsferien beginnen, reisen die Viktorianer nach Köln zum Namensvetter in den Sportpark Höhenberg auf der rechten Rheinseite. Das Hinspiel, ihre Drittliga-Premiere, konnte Viktoria im Sommer mit 2:1 siegreich gestalten.

Eine Auswärtsniederlage holte sich ebenso der 1. FC Union ab. Für den Gegner Greuther Fürth war es ein historischer Sieg, der erste seit dem Aufstieg und zudem im umgebauten Ronhof-Sportpark. Zuschauer gab es keine, in Bayern wurden wieder Geisterspiele angeordnet. Die Eisernen wirkten kraftlos. Es war eines der wenigen Spiele bisher, wo sie weniger liefen als der Gegner. Was bedeuten schon 63 % Ballbesitz, wenn das Tor nicht getroffen wird und nicht einmal die bessere Zweikampfquote hilft. Sie ließen nur 3 Eckbälle der Fürther zu. Einer davon brachte den historischen Sieg für die Kleeblätter. Im Anschluss an einen Eckball war es der Norweger Havard Nielsen der den Ball in die Maschen drückte. Hatte er sich vorher gegen seinen Gegenspieler Kevin Behrens mit unerlaubten Mitteln Platz verschafft? Der Schiedsrichter ließ es durchgehen. Nach mehrmaliger Ansicht der Zeitlupe, es war eine fiffty-fiffty Entscheidung. Für Urs Fischer war es eine Fehlentscheidung, sein Kapitän in Fürth, Grischa Prömel, selbst kein Kind von Traurigkeit, sah das entspannter: „Das muss man nicht pfeiffen.“ Insgesamt taten sich die Eisernen schwer, gegen sehr tief stehende und aufopferungsvoll verteidigende Fürther das Spiel zu machen. So wurde es die vierte Saisonniederlage für den 1. FC Union.

Hans-Peter Becker

Niederlagen freies Wochenende im Berliner Profifußball

Los ging es am Freitagabend, 3. Dezember, 13.500 Zuschauer waren in der Alten Försterei zugelassen und RB Leipzig ereilte das gleiche Schicksal wie zuvor der Alten Dame aus Charlottenburg. Was nützt es Dir einen talentierteren Kader, als der Gegner zu haben, wenn vor dem Tor einfach nichts passiert? Das Gegentor, zwischenzeitlich stand es 1:1, war ein kleines Geschenk von Union-Keeper Luthe an die Leipziger. Schlussendlich wurde es der fünfte Heimsieg der Saison. Nur zwei Teams haben zu Hause mehr Punkte geholt als die Eisernen. Die Niederlage war dann auch eine zu viel für Trainer Jesse Marsch. Er sah die Niederlage nicht von der Bank aus, er war coronabedingt im Homeoffice.

Nur auswärts stockt es bei den Eisernen, da hat der Lokalrivale sogar die Nase vorn und in der Fremde einen Punkt mehr geholt. Zuletzt waren sie in Stuttgart nicht ganz erfolglos. Immerhin wurde nach einem verpatzten Start noch ein respektables Ergebnis erzielt. Das 2:2 war verdient, es war sogar mehr drin. Ein Tabellennachbar wurde auf Distanz gehalten. Bis zur Halbzeit der Saison sind es noch drei Spiele. Nächster Gegner ist die ebenfalls abstiegsgefährdete Elf von Arminia Bielefeld.

Nicht verloren hat am Samstag, 4. Dezember Viktoria Berlin. Für die Himmelblauen war es das letzte Heimspiel in diesem Jahr. Im inzwischen heimischen Jahnsportpark war leider das Interesse mäßig, dafür kann sich die bisher als Aufsteiger vorzuzeigende Bilanz durchaus sehen lassen. Es war ein 0:0 der besseren Sorte. Der Gast aus München hatte zuletzt den Trainer gewechselt, blieb aber trotzdem im sechsten Spiel in Folge ohne Sieg. Zum Spieler des Tages wurde Türkgücü’s Torwart Franco Flückinger gewählt. Ebenfalls einiges zu tun hatte sein Kollege bei Viktoria Julian Krahl. In der Schlussphase sah Abwehrspieler Jakob Lewald Gelb-Rot, sodass der Punkt für Viktoria fast noch in Gefahr geriet.

Hans-Peter Becker

Ein Fleißpunkt für jeden – Unentschieden im Jahnsportpark

Es war Totensonntag in Berlin und das Wetter tat alles, um sich dessen würdig zu erweisen. Der Spielbeginn der Drittliga-Partie zwischen Viktoria und den Würzburger Kickers war für 13:00 Uhr angesetzt. Trotz der mittäglichen Stunde strahlten die Flutlichter. Der Absteiger aus Franken muss aufpassen, nicht in die Regionalliga durchgereicht zu werden. Der Saisonstart war ein Desaster. Der erste Saisonsieg gelang erst am 9. Spieltag, Sportdirektor und Trainer mussten gehen. Jetzt sind sie auch noch coronageschädigt.

So waren im Kader der Kickers einige Akteure, die erst drei Tage vor dem Spiel die häusliche Quarantäne beenden durften. Viktoria hatte zwar kein Problem mit der Pandemie, allerdings einige schmerzvolle Ausfälle zu verkraften. So waren Kapitän Christopher Menz und Innenverteidiger Patrick Kapp rot-gesperrt.

„Für uns stand die Frage, wie lange wird die Kraft reichen?“ Es reichte nicht ganz. In der ersten Halbzeit versuchten die Gäste hoch zu verteidigen und Viktoria bereits im Spielaufbau zu stören. In der 8. Minute ließ sich Yannis Becker den Ball abluchsen und war passiert. Die Gäste führten. Mirnes Pepic hatte mit einem genau gezirkelten Schuss in den Dreiangel Viktorias Schlussmann überwunden. Er bekam dafür sogar ein Kompliment von Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato . „Julian Krahl auf diese Art und Weise zu überwinden, das schafft nicht jeder.“

In der ersten Halbzeit sah es nicht gut aus für die himmelblauen Berliner. „In den ersten 25 Minuten wollten wir es erzwingen und haben nicht unseren Matchplan verfolgt, die Bälle zu früh verloren. Das war nicht gut.“ So kommentierte der Trainer das Geschehen.

Es wurde besser in der zweiten Halbzeit. Kurz nach Wiederbeginn hatte Falcao die Riesenchance zum Ausgleich. Viktoria übernahm das Kommando und drängte auf den Ausgleich. Auf der Bank saß wieder Torjäger Tolgay Cigerci. In der 71. Minute betrat er das Spielfeld für Falcao und in der 75. Minute verwandelte er einen Foulelfmeter und in der Nachspielzeit sogar die Möglichkeit für den Siegtreffer.

Die Gäste waren nach dem Schlusspfiff sichtlich erleichtert. Sie freuten sich mehr den errungenen Punkt. Seit Danny Schwarz in Würzburg das Zepter übernommen hat, haben die Kickers noch nicht verloren.

„Wir hatten viele Ballbesitzphasen, wollten nach vorne spielen. Das ist unsere Philosophie. Mich nervt, dass wir nicht gewonnen haben. Dennoch nehmen wir den Punkt dankend mit, weil wir wissen, wo wir herkommen.“ In diesen Worten des Viktoria-Trainers schwang etwas Enttäuschung mit.

Hans-Peter Becker

3. Liga 16. Spieltag

21.11.2021 13:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

FC Viktoria 89 Berlin – Würzburger Kickers 1:1 (0:1)

Berlin: Krahl – Gunte, Lewald, Hahn – Pinckert, Jopek, Becker, Beyreuther – Küc (84. Seiffert), Lucas Falcao (71. Cigerci), Ogbaidze (63. Verkamp).

Würzburg: Bonmann – Waidner, Schneider, Kraulich, Lungwitz – Meisel, Pepic, Atmaca (70. Adigo), Kopacz, Heinrich (82. Nikolov) – Pourié (76. Strohdiek).

Tore: 0:1 Pepic (8.), 1:1 Cigerci (75., Foulelfmeter).

Gelbe Karten: Meisel (70.), Kraulich (72.), Nikolov (88.)

Schiedsrichter: Kessel (Düsseldorf).

Zuschauer: 846

Berliner Profifußball im Überblick

Es war alles dabei, was die Berliner Proficlubs an Ergebnissen zu bieten hatten. In der 3. Liga bot Aufsteiger Viktoria beim Spitzenreiter 1. FC Magdeburg einen großen Kampf. Ein Auswärtspunkt lag durchaus im Bereich des möglichen. Schmerzlich wird Torjäger Tolcay Cigerci (bisher 6 Tore und 5 Vorlagen9 vermisst. Lucas Falcao lief in der 46. Minute allein auf das Magdeburger Tor zu und hatte nicht die Nerven, um den Ball im Tor unterzubringen. Auch die Magdeburger scheiterten reihenweise, so blieb der Treffer von Connor Krempicki, nach bereits vier Minuten der Einzige der Partie. Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato blieb seiner offensiv ausgerichteten Linie treu und lobte den Auftritt seiner Mannschaft. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass die Ergebniskrise bei den Himmelblauen weiter anhält. Aus den letzten fünf Spielen wurde lediglich ein Punkt geholt. Am nächsten Spieltag kommt die zweite Vertretung von Borussia Dortmund in den Jahn-Sportpark.

Einen Vertreter in der 2. Bundesliga hat Berlin zur Zeit nicht zu bieten. In der Beletage des deutschen Fußball agieren Hertha BSC und der 1. FC Union. Die „Alte Dame“ löste ihre Heimaufgabe mit dem 1:0 Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Ein hart geführtes Spiel, wenig Torchancen, es war wenig ansehnlich. Immerhin war das Olympiastadion nach den aktuell gültigen Corona-Regeln ausverkauft. Es war nicht schön, dafür erfolgreich und wird für weiteres Selbstvertrauen sorgen. Dazu ein Hoch auf den Videobeweis, er bewahrte Hertha vor einem Rückstand. Die nächsten Gegner sind auswärts, die TSG Hoffenheim, dann kommt Bayer Leverkusen und die Alte Försterei.

So haben wir die Überleitung zu den Eisernen, die mit einer gefühlten Niederlage aus Stuttgart zurückkamen. Sie hatten am Sonntagabend die Sache im Griff, allerdings müssen sie sich ankreiden lassen, nicht energisch genug auf das zweite Tor gegangen zu sein. So kam es wie kommen musste, die nie aufsteckenden Stuttgarter, seit der 57. Minute sogar in Unterzahl, schafften noch den Ausgleich. In der 3. Minute der Nachspielzeit landete ein abgefälschter Schuss von Faghir im der Tor Eisernen. Sie hatten es tatsächlich vermasselt, während der VfB sein Glück kaum fassen konnte.

“Wir hatten den Gegner und den Ball im Griff und waren sehr gut im Spiel. Am Schluss musst Du den Sack zumachen, wenn sich die Möglichkeiten ergeben. Stuttgart hat mit einer Chance den Ausgleich erzielen können. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was die Mannschaft heute gezeigt hat, nach einem sehr schwierigen Auswärtsspiel in Rotterdam. Sie verdient ein großes Kompliment.” so fasste Urs Fischer das Spiel seiner Mannschaft zusammen.

Hertha und Union sind jetzt im Pokal gefordert. Bereits am kommenden Dienstag, 26.10. muss Hertha in Münster beim Regionallisten ran. Union reist einen Tag später nach Mannheim und will gegen den Drittligisten SV Waldhof weiterkommen.

Hans-Peter Becker