Wenig Fußball, viel Leidenschaft – Rot Weiß gewinnt das Hauptstadtderby

Es war ein Derby, mit einem glücklichen Sieger. Die Eisernen investierten einfach mehr in dieses Spiel. Die Alte Dame war eine Stunde lang völlig indisponiert. Viel zu spät fingen sie an ihre Qualitäten einzubringen. Packende Torraumszenen gab fast nicht. Die Entscheidung fiel durch einen Strafstoß. In der 88. Minute versuchte sich Christian Gentner nach einer gelungenen Kombination mit einem Torschuss, den kann er ungehindert ausführen, der Ball geht daneben, Dedryck Boyata, Herthas Innenverteidiger will den Ball noch blocken und rauscht in den Schützen. Es war ein Foul nach vollzogener Aktion. Den verhängten Strafstoß nach Videobeweis verwandelte der eingewechselte Sebastian Polter. Das Derby war entschieden. Eine andere Entscheidung war in diesem qualitätsarmen Spiel nicht möglich. Den Eisernen wird das alles herzlich egal sein, wenigstens für eine Woche ist breites Grinsen angesagt.

Für den Zuschauer, sofern er nicht Fan der Eisernen ist, war das Spiel eine Zumutung. Die Gäste aus Berlin-Charlottenburg begannen mit einer 4-4-2 Staffelung. Gegenüber dem Pokalspiel gegen Dynamo Dresden veränderte Ante Covic seine Startelf auf sechs Positionen. Den Analysten von Hertha BSC war natürlich nicht entgangen, dass Union die letzten Siege durch Spiegelung der gegnerischen Taktik errungen hat. Hinzu kam eine große Laufbereitschaft und damit verbunden, die ständige Bereitschaft zum Gegenpressing. Urs Fischer veränderte seine Truppe gegenüber dem Pokalerfolg auf fünf Positionen hielt aber an dem 3-4-2-1 System fest. In der 1. Halbzeit erwies sich das als richtige Maßnahme. Man traute seinen Augen nicht, spielbestimmend waren die Rot-Weißen . Vor dem Strafraum der Herthaner waren sie allerdings mit ihrem Latein am Ende. Bis auf die Riesenchance durch Christopher Lenz in der 3. Spielminute, sein Kopfball prallte vom Innenpfosten wieder zurück, hatten die anderen insgesamt sechs Torschüsse bis zur Halbzeitpause keinerlei Torgefahr.

Was war mit der Alten Dame in Halbzeit 1 ? Es kam nichts, kein Zugriff, ganze zwei mickrige Torschüsse, genauso harmlos wie auf der anderen Seite. Die massive Mittelfeldpräsenz der Eisernen zwangen Herthas Aufbauspieler zu langen Pässen und da fehlte die Präzision. In der 42. Minute kam Hertha zu zwei Eckbällen. Union erkämpfte nicht einen einzigen. Es war bis zur Halbzeitpause eine Nullnummer auf der ganzen Linie.

Herthas Trainer reagierte, brachte Eduard Löwen für Per Skjelbred einen neuen Aufbauspieler und stellte die taktische Formation um. Hertha versuchte Unions Erfolgsrezept aus den Freiburgspielen zu kopieren. Sie spiegelten Unions taktische Formation und kamen etwas besser in das Spiel. Bei den Eisernen ersetzte Joshua Mees den indisponierten Marius Bülter. Viel besserer Fußball wurde in der 2. Halbzeit nicht gespielt. Die Entscheidung fiel folgerichtig durch einen Strafstoß, den Sebastian Polter in der 88. Minute verwandelte. Etwas glücklich gewinnt der 1. FC Union das erste Bundesliga Stadtderby, vor allem deshalb, weil sie mehr in das Spiel investierten und durch den gewohnt hohen läuferischen Aufwand – liefen über 5 km mehr – Hertha den Schneid abkauften.

Leider gab in dieser Halbzeit unschöne Szenen aus den Blöcken der Ultras. Der Schiedsricher Deniz Aytekin unterbrach in der 49. Minute das Spiel und schickte die Mannschaften vom Feld. Aus dem Block der Herta-Anhänger wurden Leuchtraketen abgefeuert. Es wird empfindliche Geldstrafen für beide Vereine geben. Das Derby hatte so einen negativen Höhepunkt, den keiner braucht.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Union Berlin: Rafal Gikiewicz – Marvin Friedrich, Keven Schlotterbeck, Neven Subotic – Christopher Trimmel, Robert Andrich, Christian Gentner, Christopher Lenz – Marcus Ingvartsen (90.+6 Julian Ryerson), Sebastian Andersson (80. Sebastian Polter), Marius Bülter (46. Joshua Mees). Trainer: Urs Fischer 3-4-2-1

Hertha BSC: Rune Jarstein – Lukas Klünter, Niklas Stark, Dedryck Boyata, Maximilian Mittelstädt (90.+2 Davie Selke) – Marius Wolf, Per Ciljan Skjelbred (46. Eduard Löwen), Marko Grujic, Javairo Dilrosun – Dodi Lukébakio, Vedad Ibisevic (82. Salomon Kalou). Trainer: Ante Covic 4-4-2/3-4-2-1

Tore: 1:0 Sebastian Polter (87.)

Gelbe Karten: Keven Schlotterbeck (Union Berlin), Dedryck Boyata (Hertha BSC)

Schiedsrichter: Deniz Aytekin

Zuschauer: 22.012 im Stadion An der Alten Försterei

Mit Kampf und Matchglück zum zweiten Bundesligasieg

Marius Bülter – sein dritter Saisontreffer stellte früh die Weichen auf Sieg ® Foto: Hans-Peter Becker

Die Eisernen haben ihre Niederlagenserie beendet. Zu der kämpferischen Leistung gesellte sich endlich die Portion Matchglück, die es manchmal braucht. Ein Sonntagsschuss von Marius Bülter, es lief noch die erste Spielminute, fand den Weg ins Tor. Knapp 10 Minuten später hätte Marcus Ingvartsen den Vorsprung ausbauen können. Sein Schuss landete am Pfosten. Er wäre für den Torwart nicht zu halten gewesen.

Für den Freiburger Torwart war nach 22 Minuten die Partie beendet. Die Gäste versuchten dagegen zu halten, hatten bis zur Halbzeit mehr Ballbesitz, waren allerdings nicht sehr effektiv. Sie brauchten eine Weile, um den Schock des sehr frühen Rückstandes zu verdauen. In der 26. Minute jubelte die Alte Försterei erneut. Der Treffer von Sebastian Andersson fand wegen eines Foulspiels keine Anerkennung. Er hatte sich in der Schutzzone des Torwartes beim Kampf um den Ball mit unlauteren Mitteln eingesetzt.

Der kurzfristig umformierten Abwehr des 1. FC Union – Michael Parensen mußte für Neven Subotic (muskuläre Probleme) ran – gelang es, die spielstarken Freiburger weitgehend vom eigenen Tor fernzuhalten. Erstmals gingen sie in ihrer noch jungen Bundesligageschichte mit einer Führung in die Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit setzten die Gäste aus dem Breisgau alles auf eine Karte, was blieb ihnen auch anders übrig. Trainer Christian Streich stellte taktisch um und brachte mit Niels Petersen einen zusätzlichen Stürmer. Optisch wirkten die Freiburger überlegen. Die Eisernen setzten einen leidenschaftlichen Kampf dagegen. Wie gegen Dortmund, war es erneut eine bemerkenswerte Laufleistung die zum Sieg beitrug. Über 124.00 Kilometer spulten die Akteure in den roten Trikots ab. Die endgültige Belohnung erfolgte in der 84. Minute, als Marcus Ingvartsen das 2:0 besorgte.

Der auswärts bisher ungeschlagene SC Freiburg musste die Heimreise ohne Punkte antreten.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

1. FC Union: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Parensen – Trimmel, Gentner (77. Kroos), Andrich, Lenz – Ingvartsen, Andersson (82. Ujah), Bülter (89. Mees)

SC Freiburg: Schwolow (23. Thiede) – Schmid, Heintz, Koch, Lienhart, Günter – Haberer, Abrashi (46. Petersen), Höfler, Höler (58. Grifo) – Waldschmidt

Schiedsrichter: Benjamin Cortus, Florian Heft, Christian Bandurski, Marcel Unger

Zuschauer: 22.012

Tore: 1:0 Bülter (1.), 2:0 Ingvartsen (84.)

Flutlicht am Freitagabend: Union empfängt Eintracht

Am Freitag, dem 27.09.2019, empfängt der 1. FC Union Berlin anlässlich des 6. Spieltags der Fußball-Bundesliga die SG Eintracht Frankfurt. Der Anpfiff der Partie erfolgt um 20:30 Uhr, das Stadion An der Alten Försterei öffnet um 18:30 Uhr.

Rückblick auf den vergangenen Spieltag: Union unterliegt Leverkusen, Frankfurt forciert Remis mit Dortmund
Am 5. Spieltag waren die Eisernen zu Gast bei Bayer 04 Leverkusen. An einem gebrauchten Tag aus Berliner Sicht wollte dem Aufsteiger wenig gelingen. Die Gastgeber trafen innerhalb von fünf Minuten doppelt (20., 25.) und verteidigten im weiteren Verlauf des Spiels unaufgeregt die Führung. Union musste die letzten 25 Minuten nach einem Platzverweis für Sebastian Polter in Unterzahl bestreiten. Mit einem Mann weniger auf dem Platz gelang es der Mannschaft von Urs Fischer nicht, sich gegen den Champions League-Teilnehmer durchzusetzen. Die Partie endete mit 0:2 aus Köpenicker Sicht.

Die Eintracht empfing am letzten Spieltag den BVB. In einer packenden Partie sah es beim Stand von 2:1 aus Borussen-Sicht lange aus, als würde Dortmund die drei Punkte mit nach Hause nehmen. Ein unglückliches Eigentor von Thomas Delaney in der 88. Minute markierte jedoch den Ausgleich des Spiels. Frankfurt verwaltete das Ergebnis geschickt und erzwang so die Punkteteilung.

Gegnercheck: Union will ersten Sieg gegen Frankfurt erkämpfen
Die Eisernen trafen bereits sieben Mal auf die Eintracht aus Frankfurt, zuletzt im Rahmen der Saison 2011/12 in der 2. Bundesliga. Das Hinspiel in Frankfurt endete 1:3 aus Berliner Sicht, im Rückspiel setzte es sogar ein 0:4. Auch in den vorherigen Begegnungen waren drei Unentschieden die besten Ergebnisse, die Union erzielen konnte. Umso höher ist nun die Motivation, den ersten Dreier gegen die Hessen einzufahren.

Der Cheftrainer der SGE, Adi Hütter, kann fast auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. Einzig Innenverteidiger Marco Russ fehlt wegen eines Achillessehnenrisses.

Urs Fischer muss im Union-Lager mehrere Angeschlagene vermelden. Grischa Prömel arbeitet weiterhin an seiner Genesung, Florian Hübner hingegen konnte das Mannschaftstraining bereits mehrfach vollständig absolvieren. Ob der Innenverteidiger für seinen ersten Saison-Einsatz bereits zur Verfügung steht, ließ der Trainer der Eisernen genau wie die Verfügbarkeit von Christopher Lenz und Suleiman Abdullahi auf der Pressekonferenz noch offen. Stattdessen gab er seine Einschätzung zum anstehenden Gegner preis:

„Frankfurt wird ein schwieriger Gegner. Sie sind international vertreten und haben eine tolle Saison hinter sich. Auch in den letzten Spielen fand ich die Eintracht stark, auch wenn gegen Arsenal das schlechte Ergebnis über die gute Leistung hinwegtäuscht. Die Mannschaft hat unglaublichen Zug zum Tor, schaltet schnell und verfügt über hohe individuelle Qualität. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber einmal mehr gilt es, sich dieser zu stellen.“

.Marco Miethe

Der Nächste, bitte !

Zum dritten Bundesliga-Heimspiel erwartet der 1. FC Union den SV Werder Bremen. Es ist fast genau 10 Jahre her, da spielten beide Teams in der 1. Pokalrunde gegeneinander. Im aktuellen Kader stehen sogar noch zwei Spieler, die damals dabei waren. Auf seiten der Eisernen spielte Michael Parensen und auf Bremerseite wirkte Philipp Bargfrede (wurde in der 60. Minute für Mesut Özil eingewechselt) mit. Da Bargfrede nach einer Knie OP weiter pausieren muss, könnte Parensen wenigstens auf der Union-Bank sitzen. Damals waren die Eisernen als frischgebackener Zweitligist dem Pokalverteidiger hoffnungslos unterlegen und verloren mit 0:5.

So eindeutig wie damals sind die Rollen nicht verteilt. Den SV Werder mit Trainer Florian Kohfeldt plagen Verletzungssorgen, daraus erklärt sich größtenteils der schwache Start mit zwei Niederlagen und acht Gegentoren nach drei Spieltagen. Vor dem Spiel in der Wuhlheide fehlen dem Bremer Trainer allein acht Spieler wegen diverser Verletzungen. Vor allem ist die Abwehr von personellen Umstellungen betroffen.

Für Urs Fischer ist die Situation entspannter. Keven Schlotterbeck ist für diese Begegnung weiter gesperrt und wegen Verletzungen ausfallen werden Florian Hübner, Marcus Ingvartsen und Grischa Prömel. Hinter einem Einsatz von Sheraldo Becker steht ein kleines Fragezeichen.

Es könnte wieder torreicheres Heimspiel werden mit einer ähnlichen taktischen Grundausrichtung wie zuletzt gegen Dortmund. Bei der Verteilung der Tore hofft die ausverkaufte „Alte Försterei“ wieder auf ein siegbringendes Verhältnis. „Es gilt, die Leistung gegen Dortmund zu bestätigen. Da haben wir viele Dinge gut gelöst, die müssen wir auch am Sonnabend wieder gut machen. Das wird ein schwieriges Spiel, aber auch eine interessante Aufgabe, der wir uns stellen müssen.“ so Urs Fischer auf der Pressekonferenz zum Spieltag.

Das Spiel am Samstag, 14.09. beginnt um 15:30 Uhr und wird unter der Leitung von Schiedsrichter Tobias Welz stehen. Die Eisernen dürften eher angenehme Erinnerungen an diesen Schiedsrichter haben. Er pfiff in diesem Jahr, am 31.01. das Spitzenspiel zwischen dem 1. FC Union und den 1. FC Köln in der Alten Försterei. Mit nur 29% Ballbesitz gewannen die Hausherren mit 2:0 durch Tore von Florian Hübner und Marcel Hartel.

Hans-Peter Becker

1. FC Union schafft die Sensation

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, der 1. FC Union erkämpfte sich mit dem Glück des Tüchtigen den ersten Sieg in der Bundesliga. Die Anzeigetafel kündete von der Sensation, der Championsleague Teilnehmer und Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund musste sich mit 1:3 in Berlin Köpenick geschlagen geben. Dortmunds Kapitän Marco Reus bekannte: „Wir haben uns dumm angestellt.“ Vielleicht wurden die Eisernen etwas unterschätzt. Sie agierten mit enormer Laufbereitschaft. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die Eisernen fast 7 km mehr liefen als die Dortmunder. War die Führung durch den Mann des Spiels Marius Bülter insofern glücklich, dass es den Eckball nicht hätte geben dürfen, der dem Treffer vorausging, so verdienten sich die Wuhlheider mit zunehmender Spieldauer den Erfolg.

Die Eisernen waren effektiv, nutzten als spielerisch unterlegene Mannschaft zwei Eckbälle und einen der wenigen Abwehrfehler der Dortmunder für ihre Tore. Union hatte lediglich 26 % Ballbesitz und dazu eine unterirdische Passquote von 64%. Mit diesen Werten kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen. Manchmal eben doch, wenn du, wie es Urs Fischer ausdrückte, eklig bist. Rennen bis zum Umfallen. Die Dortmunder ließen nicht viel zu, konnten aber mit ihrer Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer immer weniger anfangen. Den Kombinationen der Dortmunder fehlte es an Tempo und der letzten Präzision.

Urs Fischer brachte drei Neue für die Startelf, in der Innenverteidigung spielte Marvin Friedrich für den gesperrten Keven Schlotterbeck. Im defensiven Mittelfeld kam Manuel Schmiedebach für den verletzten Grischa Prömel zu seinem ersten Startelfeinsatz der Saison und im offensiven Mittelfeld begann Anthony Ujah für Suleiman Abdullahi. Die beiden Stürmer kamen nur selten zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sie waren meist der erste Wellenbrecher für Dortmunder Angriffsbemühungen. So glänzte Andersson als offensivster Spieler der Eisernen, neben seinem Tor zum 3:1 auch mit der zweitbesten Laufleistung im Spiel.

Marius Bülter – 2 Tore gegen Dortmund © Foto: Hans-Peter Becker

Zum Mann des Spiels avancierte bei aller Prominenz auf dem Rasen der Wuhlheide, ein eher unbekannterer Nachwuchsmann. So überraschend wie das Ergebnis, schnürte der Neuzugang und noch nicht so prominente offensive Mittelfeld-Akteur Marius Bülter einen Tore-Doppelpack. Er spielte in der Saison 2017/18 noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West und war erst vor wenigen Wochen mit dem 1. FC Magdeburg nach der Niederlage beim 1. FC Union aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Eine schöne Geschichte, die der Fußball hier geschrieben hat. Der 26jährige in Ibbenbühren geborene Bülter ist ein Spätstarter, hat keine Ausbildung in einem Fußball -Internat eines namhaften Clubs durchlaufen. Für diese Saison ist er vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen. Das Fußballmärchen erfährt hier noch eine Steigerung.

Es war kein Spiel für Fußballfeinschmecker, das wird An der Alten Försterei schwer zu realisieren sein. Es könnte den Weg aufzeigen, was in dieser Saison möglich ist. Immerhin hat der 1. FC Union bereits vier Punkte gesammelt, während der Rivale aus Charlottenburg mit einem lediglich einem Punkt eher in den Startlöchern hängen geblieben ist. Nach der Länderspielpause steht erneut ein Heimspiel auf dem Programm. Werder Bremen darf sich dann mit den Bedingungen und der Spielstärke des 1. FC Union auseinandersetzen.

Hans-Peter Becker

So gewinnt man auch die Berliner

Was ich in der Alten Försterei gesehen habe, ließ mein Herz höher schlagen. So stellen sich die Berliner begeisterten Fußball voller Leidenschaft vor. Da springt sprichwörtlich der Funke auf die Zuschauer über. Da ist Stimmung, da wird man von den Sitzen gerissen obwohl fast alles Stehplätze sind. Ich habe das Bedürfnis, einen zweiten Bundesliga-Kommentar zu schreiben.

Gebe zu, ich bin Dortmund-Fan. Natürlich habe ich in unserer Tipprunde als edler Anhänger auf Sieg für Dortmund getippt. Schließlich war ich aber vom aufopferungsvollen Kampf von Union so mitgerissen, habe mitgefiebert und die Daumen gedrückt: Das ist Fußball ! Ich war beim 3:1-Sieger der Eisernen über Championsleague-Club Dortmund voll dabei.

Einzelheiten berichtet bei uns wie immer Hans-Peter Becker von und über Union. Ich bin in der Regel für Hertha zuständig. Emotionalität weiß selbstverständlich auch Hans Becker zu schätzen. Ich bin auf seinen Bericht gespannt. Künftig können wir interessante Vergleiche anstellen. Großartig, dass Berlin zwei Bundesligisten hat. Und warum läuft es bei Hertha nicht? Das hat garantiert mehrere Gründe, aber einen ganz vordringlichen: Mir drängt sich der Eindruck auf, Hertha hat vergessen „Gras zu fressen“.

Christian Zschiedrich

Null Punkte, null Tore zur Premiere

Ein historischer Moment, der 1. FC Union Berlin kämpfte erstmals um Punkte in der Bundesliga. In der DDR-Oberliga, dem Spielklassen-Pendant während der deutschen Teilung, wurden insgesamt 520 Spiele absolviert, 19 Spielzeiten lang waren sie erstklassig. Ob sie diese Werte jemals in der Bundesliga erreichen können ?

Der erste Gegner ist in Leipzig beheimatet, nicht Lok oder Chemie, nein der mit Brausemillionen geschaffene Club durfte als erster die Tauglichkeit des Neulings testen. Etwas abseits, links neben der Trainerbank sitzt bei jedem Heimspiel der Sportgeschäftsführer der Eisernen Oliver Ruhnert. Er schimpfte still vor sich hin und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Was die Profis da auf den Rasen brachten war schlicht nicht erstligatauglich. Als der Schiedsrichter Markus Schmidt aus Stuttgart die Partie abpfiff stand auf der Anzeigetafel Union 0 und bei den Gästen 4. Es war für die Bundesliga-Premiere der Eisernen ein gnädiges Ergebnis. Die Leipziger schluderten mit ihren Chancen. Sonst wäre es schlimmer gekommen.

Es war ein 4-2-3-1 System was die Unioner dem 3-5-2 der Leipziger entgegensetzen wollten. Frühes Stören der Angriffsversuche, dabei die Anspiele auf die gefährlichen Sturmspitzen der Leipziger Timo Werner und Yossuf Poulsen zu erschweren, das war der Plan. Es. funktionierte nicht einmal im Ansatz. Kurz nach Beendigung des Stimmungsboykotts, in der Anfangsviertelstunde schwiegen die Unionfans, das freute den vollbesetzten Gästeblock, fiel der Führungstreffer für die Gäste. In der 16. Minute traf Marcel Halstenberg mit einem wundervollen Schlenzer. Einsam stand er im Strafraum, von allen Gegenspielern verlassen und sorgte für den ersten Bundesligagegentreffer für das 56. Mitglied. Sie waren auf der rechten Verteidigungsseite durchgekommen. Poulsen und Marcel Sabitzer hatten vorbereitet. Das war eine kalte Dusche, anschließend schickte der Himmel über Berlin leider keine Engel zur Hilfe, sondern öffnete die Schleusen. Ein Tor für Leipzig wurde wieder aberkannt, wegen Handspiels. In der 32. Minute war dann alles regelkonform als Sabitzer den Ball von der Strafraumkante ins Tor wuchtete. Unions Torwart Rafal Gikiewicz wollte das Spiel schnell machen. Sein Abwurf auf Trimmel geriet zu ungenau. Das war die Vorgeschichte des 0:2. Der Treffer war eine Kopie des zweiten Gegentores im Vorbereitungsspiel gegen Celta Vigo. Solche Fehler werden in dieser Liga bestraft.

Die Eisernen wirkten jetzt angeschlagen. Die Drainage des Rasens in der Alten Försterei bekam langsam Probleme mit dem starken Regen. Union fand nicht mehr statt und kam in der 44. Minute durch Timo Werner einen weiteren Treffer eingeschenkt. Die erste Halbzeit in der Bundesliga hatten sie sich ein wenig anders vorgestellt. Ein Punktgewinn oder mehr war aus Sicht der Eisernen in das Reich der Phantasie gerückt. RB Leipzig war dabei, den Wuhlheidern eine Lektion zu erteilen.

Nach der Pause stellte Urs Fischer seine Mannschaft taktisch um. Christian Gentner blieb in der Kabine und Anthony Ujah kam auf den Platz. Taktisch sortierte sich der Aufsteiger jetzt in einem 4-4-4-2 System, dafür musste ein defensiver Mittelfeld-Spieler weichen. Die Leipziger schalteten in den Verwaltungsmodus und das reichte. Union blieb weiter harmlos, trotz großen Bemühens. Der Gegner war besser, hatte die bessere Raumaufteilung und in den entscheidenden Situationen größere individuelle Qualität zu bieten. In der 67. Minute besorgte der eingewechselte Christopher Nkunku das 4:0. Für Union ging es nur noch um das erste Bundesliga-Tor. Es reichte nicht einmal dafür. Auch die eingewechselten Offensivkräfte Sheraldo Becker und Sebastian Polter konnten daran etwas ändern. RB Leipzig war eine Nummer zu groß.

Die Frage, wer den ersten Bundesliga-Treffer für den 1. FC Union erzielt wird vielleicht am zweiten Spieltag in Augsburg beantwortet. Es treffen die beiden Teams aufeinander, die eine Klatsche zu verdauen haben.

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Schlotterbeck, Lenz – Prömel, Gentner (46. Ujah) – Abdullahi, Andrich, Bülter – Andersson (69. Polter)

RB Leipzig: Gulásci – Mukiele, Konaté, Orban – Klostermann, Demme (62. Laimer), Kampl (73. Forsberg), Halstenberg – Sabitzer, Poulsen, Werner (65. Nkunku)

Zuschauer: 22.012 + 455

Tore: 0:1 Halstenberg (16.), 0:2 Sabitzer (31.), 0:3 Werner (42.), 0:4 Nkunku (69.)

1. FC Union – Niemals vergessen und endlich dabei !

Der 1. FC Union startet am Sonntag, 18.August in die neue Saison. Das Abenteuer Bundesliga beginnt und gleich zum ersten Heimspiel wollen die Eisernen beweisen, dass ein etwas anderer Club jetzt am Konzert der Großen teilnimmt. Fußball pur im heimischen Stadion, so weit das noch geht im Millionenspiel. Zur Halbzeitpause ist in den Stadien meist Bespaßung des Publikums auf Kindergeburtstagsniveau angesagt, in der „Alten Försterei“ wird es – wie in Zweitliga-Zeiten – anders sein, eingespielt wird hörbare, handverlesene Musik und Vereinsnachrichten verkündet. Eine Besonderheit dabei, es wird an verstorbene Vereinsmitglieder gedacht, „passt gut auf uns da oben.“, mit diesen Worten geht es stets in die zweite Halbzeit.

In einer Pressemitteilung machte der 1. FC Union jetzt auf eine besondere Aktion zum ersten Heimspiel gegen RB Leipzig aufmerksam:

„In der Relegation gelang dem 1. FC Union Berlin am 27.05.2019 erstmals der Aufstieg in die Bundesliga. Endlich dabei im Fußball-Oberhaus: ein Traum wurde wahr und tausende Unioner lagen sich jubelnd in den Armen. Mit einem Heimspiel starten die Eisernen nun in knapp vier Wochen in ihre Premierensaison in der Bundesliga und die Vorfreude ist riesig. Lange wurde dieser Tag herbeigesehnt und auf dem Platz und auf den Rängen alles dafür getan. Unzählige Unioner, die den Verein in der Vergangenheit auf seinem Weg unterstützt und begleitet haben, werden diesen historischen Spieltag nicht mehr selbst miterleben können. All jene werden schmerzlich vermisst und so wurde im Kreise der Union-Familie die Idee geboren, ihrer mit einer ganz besonderen Aktion zu gedenken. Anlässlich des Bundesliga-Auftakts am 18.08.2019 kann jeder Unioner seinen verstorbenen Angehörigen auf einem Banner mit ins Stadion An der Alten Försterei bringen.“

Die Banner sind 70*70 cm groß und bestehen aus reiß-und feuerfestem Tyvc-Stoff und zum obligatorischen Preis einer Union-Stehplatzkarte in Höhe von 13 Euro zu erwerben.

Das ist eine gute Idee, dazu gelebte Tradition und vielleicht hilft es der Mannschaft, quasi mit der Unterstützung von „ganz oben“ gegen RB was Zählbares zu erreichen.

Quelle: 1. FC Union Berlin/Hans-Peter Becker

Erster Test erfolgreich

Der 1. FC Union ist mit einem Sieg in die Saisonvorbereitung gestartet. Am Samstagnachmittag, 6. Juli wurde die dänische Mannschaft von Bröndby Kopenhagen mit 2:1 geschlagen. Das Spiel war die offizielle Saisoneröffnung, nach dem der Trainingsauftakt ein Woche zuvor vollzogen wurde. Im Stadion „An der Alten Försterei“ wollten sich 12.307 Zuschauer einen ersten Eindruck von ihrem Bundesliganeuling verschaffen.

Vor dem Spiel wurde der gesamte Kader vorgestellt. Aktuell gehören sage und schreibe 35 Profis zur Mannschaft. Es dauerte etwas bis der Stadionsprecher die Liste abgearbeitet hatte. Lediglich Suleiman Abdullahi war nicht anwesend. Er hängt weiter wegen fehlender Papiere in seinem Heimatland fest. Mit dabei waren die beiden letzten Neuzugänge mit den bekannteren Namen Neven Sobotic und Christian Gentner. Gentners Verpflichtung war ja erst am Abend zuvor verkündet worden.

Auf dem Platz waren anschließend beide nicht zu sehen, im Gegensatz zu Marcel Bülter, der ohne ein Mannschafttraining, in der ersten Halbzeit im linken offensiven Mittelfeld spielte und den Trainer durchaus zufriedenstellen konnte. Für die Eisernen war es der erste Test währed die Gäste aus der dänischen Hauptstadt ihre Generalprobe für den kommenden Donnerstag, 11. Juli, hatten. Da spielen sie in der ersten Quali-Runde der Euro-League gegen den finnischen Vertreter Inter Turku. Zudem beginnt am folgenden Wochenende bereits die Meisterschaft in der obersten dänischen Liga. In den Reihen der Gäste stand neben dem Ex-Dynamo Dresden Marvin Schwäbe mit Simon Hedlund ein Ex-Unioner. Er wechselte erst im Januar nach Dänemark, so konnte in der Halbzeitpause seine offizielle Verabschiedung nachgeholt werden. „Und niemals vergessen“ rief er den Fans der Eisernen zu.

Gästeblock während des Spiels 1. FC Union vs Bröndby IF © Foto: Hans-Peter Becker

Urs Fischer wechselte zur Halbzeit die komplette Mannschaft. Union hatte mehr vom Spiel ein Treffer fiel nicht. Die Tore bekamen die Fans erst in der zweiten Halbzeit geboten. In der 63. Minute brachte Sebastian Polter die Eisernen in Führung, nutzte dabei einen mißglückten Ausflug des deutschen Torwarts Marvin Schwäbe eiskalt aus. Der Ausgleich gelang den Gästen in der 83. Minute, als der eingewechselte finnische Nationalspieler Paulus Arajuuri nach einem Eckball mit einem wuchtigen Kopfstoß Jakob Busk im Union-Tor keine Chance ließ. Der Däne Busk, der in der zweiten Halbzeit das Tor vor dem Gästeblock hütete, musste bei jeder Aktion Pfiffe der etwa 100 mitgereisten Bröndby-Fans über sich ergehen lassen. Bis 2016 spielte er für den FC Kopenhagen, dem nicht gerade beliebten Stadtrivalen von Bröndby IF. Verständlich, dass der Ausgleichstreffer des großgewachsenen finnischen Verteidigers besonders gefeiert wurde.

Für den Siegtreffer sorgte Joshua Mees in der Schlussminute des Spiels. Ein gelungener Auftakt für die Eisernen, die in beiden Halbzeitaufstellungen vor allem ein 4-2-3-1 System probten. Die Mannschaft reist jetzt nach Österreich. Im Trainigslager gilt es die konditionellen Grundlagen zu legen und das Spielverständnis weiter zuentwickeln, für eine dann hoffentlich erfolgreiche Saison in der Bundesliga.

Hans-Peter Becker

Aufstellungen:

1.FC Union Berlin:

Nicolas (45. Busk) – Trimmel (45. Ryerson), Dietz (45. Rapp), Schlotterbeck (45. Parensen), Lenz (45. Reichel) – Andrich (45. Schmiedebach), Kroos (45. Prömel) – Gogia (45. Flecker), Kade (45. Mees), Bülter (45. Hartel) – Ujah (45. Polter)

Bröndby IF:

Schwäbe, Gammelby (45. Arajuuri), Jung, Hermannsson, Mensah, Kaiser (74. Fisker), Tibbling (62. Lindstrom), Vigen Christensen, Hedlund, Wilczek (70. Uhre), Erceg (45. Radosevic)

Zuschauer: 12.307

Tore: 1:0, Polter, 63.; 1:1, Arajuuri, 81., 2:1, Mees, 90.


Eiserner Aufstieg – Fußball pur in der Bundesliga

Berlin freut sich, was in München einige Zeit gang und gäbe war, trifft jetzt in der kommenden Saison in der Fußball-Bundesliga auf die Hauptstadt zu. Bist du Blauer oder Roter ? Gesunder Konkurrenzkampf und ein bisschen Abgrenzung, das gehört einfach dazu, meinte Unions Geschäftsführer Kommunikation und Stadionsprecher Christian Arbeit in einem Radiointerview zu früher Stunde nach fast durchfeierter Nacht. Leichtsinniger Weise hatte das versprochen, genauso wie er im Wintertrainingslager geäußert hatte, dass er im Aufstiegsfall seine langen Haare opfern würde. Der Aufstiegsfall trat dann tatsächlich ein.

Montagabend, 27. Mai 2019 um exakt 22:28 Uhr war es vollbracht. Unzählige Märchen wurden wahr, der 1. FC Union Berlin spielt in einer Liga mit Borussia Dortmund, Bayern München, Schalke 04 und, und, aus dem Aschenbrödel wurde eine Goldmarie. Zwei Unentschieden reichten dem Zweitligisten zum Aufstieg und für den VfB Stuttgart endete eine Katastrophen-Saison in einem Desaster. Das Spiel bot logischerweise keine fußballerische Feinkost, vielmehr wurde geackert, dass es einem Wunder gleich kam, das einige Akteure nach dem Spiel noch feiern konnten.

In der Anfangsphase durften die Eisernen sich von den Vorzügen des Videobeweises überzeugen lassen. Stuttgart hatte mit einem sehenswerten Freistoßtreffer die frühe Führung erzielt. Ohne Videobeweis hätte der Treffer gezählt. Trotz klarer Abseitsstellung, wenn auch zunächst passiv, blieb die Fahne des Assistenten unten. In den Fernsehbildern war deutlich zu erkennen, dass Stuttgarts Nicolas Gonzales die Sicht des Torwartes behindert hatte. Warum er dort überhaupt hinging ?

Urs Fischer, der Aufstiegstrainer © Foto: Hans-Peter Becker

In der ersten Hälfte hatten die Eisernen Glück, dass den Gästen kein regulärer Treffer gelang. Nach vorn brachten sie nichts zustande. In der zweiten Hälfte verstärkten die Stuttgarter ihre Angriffsbemühungen. Mario Gomez kam für den Unglücksraben Gonzales. Die Spieluhr lief herunter und Eisern stand die Null. Ein gefährlicher Spielstand, je näher der Schlusspfiff rückte. Fast wären die schlimmsten Befürchtungen Realität geworden. Union traf zweimal nur den Pfosten, während Benjamin Pavard in der 89. Minute Rafal Giekewicz zu einer Parade zwang. Der Schiedsrichter zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an. Urs Fischer hatte sich einen Spieler für einen taktischen Wechsel aufgespart. Michael Parensen, der einzig verbliebene Akteur des Zweitligaaufstiegs von 2009 kam für Robert Zulj. So wurde es für ihn eine ganz besondere Geschichte. Schiedsrichter Christian Dingert beendete die Partie, torlos in Berlin und 2:2 in Stuttgart, das reichte.

Die Ränge leerten sich, alles strömte aufs Spielfeld. Einige sicherten sich ein Stück Rasen. Zuvor hatte Mannschaft historisches vollbracht. Präsident Dirk Zingler erlebte den Schlusspfiff und somit den größten Moment seines Vereins auf der Toilette. Es waren wohl die Nerven, die mächtig auf die Blase drückten. Als er 2004 von seinem Vorgänger Jürgen Schlebrowski das Amt übernahm folgte gleich der Abstieg von der Regional- in die Oberliga. Der Verein fast am Ende, es begann eine Sisyphosarbeit. Zingler erinnerte daran, dass es in der schweren Zeit zwischen 2004 bis 2007 Menschen gab, die den Verein nicht untergehen ließen. Teilweise wurde ohne Gehalt weiter gearbeitet. All denen sollte gedankt werden.

Der 1. FC Union ist jetzt ganz oben angekommen. Die Bundesliga darf sich auf einen etwas anderen Verein in ihren Reihen freuen. Das inzwischen viel zu kleine Stadion bietet zu den Heimspielen nur soviel Kommerz wie nötig und dabei so viel Fußball wie möglich. Union ist heute bereits das, was hip und cool genannt wird.

Hans-Peter Becker

Bundesliga, die Ossis kommen © Foto: Hans-Peter Becker