Daumendrücken für Hertha BSC

Das letzte 34. Saisonspiel ging in Gladbach zwar 1:2 verloren, dennoch gibt es viele positive Signale beim Hauptstadtclub für die Zukunft. Neuer Sportdirektor ist Arne Friedrich (41), der im November 2019 von Jürgen Klinsmann zu Hertha, von 2002 bis 2010 in 231 Erstligapartien, davon sechs Jahre als Kapitän und der mit Trainer Bruno Labbadia in Bielefeld ein Jahr gemeinsam spielte, geholt. Er hat den Vertrag mit BSC bereits unterschrieben. Hertha hat also mit dem Geschäftsführer Sport Michael Preetz einen namhaften und fachkundigen Sportdirektor und einen erstklassigen Trainer. Dank Labbadia schaffte Hertha BSC nicht nur mit 41 Punkten den Klassenerhalt, sondern seit undenkbar vielen Jahren erstmals wieder in der Rückrunde mehr Punkte als in der Hinrunde.

In den Gazetten steht auch noch geschrieben, mit sechs Toren besser als der siegreiche Aufsteiger  1. FC Union (3:0 über Düsseldorf), ebenfalls 41 Punkte, holten sie die inoffizielle Stadtmeisterschaft. Was Stadtmeister  in der Eliteliga auch sein mag. Das Husarenstück am letzten Spieltag schaffte Werder Bremen mit dem 6:1 über den 1.FC Köln, den umjubelten, nicht mehr für möglich gehaltenen Relegationsplatz, dank auch Unions Sieg gegen Absteiger Düsseldorf. Bereits am Donnerstag, 2. Juli, kommt es zur Relegationsbegegnung  Werder Bremen – 1. FC Heidenheim, weil der Hamburger SV sein Heimspiel 1:5 gegen Sandhausen verlor und nur Vierter wurde – Heidenheim verlor zwar ebenfalls – 0:3 in Bielefeld – schaffte aber hinter Aufsteiger Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart trotz Niederlage die Relegation. Am Montag, 06. Juli, findet, ebenfalls um 20.30 Uhr, das Rückspiel in Heidenheim statt. Favorit dürfte der Bundesligavertreter sein.

Dresden und Wiesbaden steigen in Liga 3 ab. Der 1.FC Nürnberg muss mit 37 Punkten in die Relegation. Die punktgleichen Karlsruher retteten sich mit dem besseren Torverhältnis (2 Tore besser). Hochinteressant werden auch in Corona-Zeiten die Trainer- und Spielerwechsel. Wir bleiben natürlich dran an den Transfers. Totalschaden beim HSV und auf Schalke ist die Clubführung in der Kritik. Aufsichtsrat Clemens Tönnies wird ebenfalls die Schlagzeilen beherrschen. Dabei nicht zu vergessen, in vielen Clubs laufen zahlreiche Verträge aus.

Christian Zschiedrich

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich

Nicht nur die DFL – BFV erarbeitet Leitfaden für den Trainigsbetrieb

Nicht nur die Deutsche Fußball Liga auch der Berliner Fußball Verband kämpft und arbeitet intensiv für seine Sportvereine. Die DFL erreichte für die Bundesligen die Spielbereitschaft ab Samstag in sogenannten Geisterspielen. Diese wären im Amateurfußball nicht erstrebenswert. Die Amateur-Vereine bekommen keine TV-Gelder. Der Spielbetrieb ohne Zuschauereinnahmen wäre nur mit Zusatzkosten verbunden. Ob die erforderlichen Hygienemaßnahmen in den Vereinen zu erfüllen wären, dürfte fraglich sein, wohl eher unmöglich.

In Abstimmung mit der Charite‘ wurde seitens des BFV erreicht, dass ab Freitag, den 15. Mai 2020 – unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen – der Trainingsbetrieb in den Fußballvereinen und im Bereich des Landessportbundes wieder aufgenommen werden kann. Der BFV hat für seine Mitgliedsvereine, um die Wiederaufnahme bestens zu unterstützen, ein Konzept entwickelt. Es wurden genaue Vorgaben in Form einer Mustertrainingseinheit mit einem Leitfaden erarbeitet, der nicht nur die behördlichen Vorgaben zur Eindämmung des Corona-Virus enthält, er geht auch auf die sportspezifischen Belange ein.

So ist unter anderem vorgesehen, dass die Sportler zu Hause duschen und sich nur mit kontaktlosen Gesten begrüßen sollen. Beim Training dürfen höchstens acht Sportler eine Hälfte des Sportfeldes nutzen. Der Leitfaden wird auch den zuständigen Sportämtern zur Verfügung gestellt werden.

Christian Zschiedrich

Stabil in eigener Sache

Das kann zwar nicht jeder von sich oder über sich feststellen, es ist aber in jeder Beziehung optimal. In der Tat bekommen wir Anfragen, ob wir mit unserem Sportportal denn auch existenziell bedroht sind. Hier die Antwort:

Weshalb wir sorgenfrei in die Zukunft blicken können ist damit begründet, dass keiner ausschlöießlich von unserem Internetportal leben muss. Unsere Mitarbeiter schreiben täglich Kommentare auch für andere Publikationen. Diese Unabhängigkeit ist der Grundstein dafür, glaubhaft kritisieren zu können, wenn es unserer Meinung nach sein muss. Natürlich sind wir alle von der Gesundheit her bedroht und es könnte noch sehr, sehr schlimm werden. Das Wort brauche ich nicht einmal zu nennen. Jeder weiß Bescheid, jeder spürt es und jeder ist betroffen.

Medizinisch in allen Auswirkungen und Handlungen, wenn nur eingeschränkt, dann eben wirtschaftlich und existenziell. Wenn ich früher las und hörte, Sport sei die größte Nebensache der Welt, habe ich mich geärgert. Der Sport klang mir so zu abwertend, nebensächlich. Ich will hier nicht die ganzen gesellschaftlichen Vorteile durch den Sport und den Vereinen aufzählen. Jetzt gehöre ich zu denen, die hoffen, dass alle negativen Insolvenz-Prognosen, ob im Profi- oder Amateurbereich nicht eintreffen. Die Befürchtungen sind leider begründet.

Wir von Sportick können einfach Pause machen und sofort wieder aktiv in der Berichterstattung loslegen, wenn und wann immer Sport wieder betrieben werden sollte. Gedanken mache ich mir im Medienbereich zum Beispiel über die Fachzeitschriften und in Berlin insbesondere um die Fußball-Woche. Überlege mir, wie da geholfen werden könnte.

Zurückblickend half ich früher mit einer Spende dem 1.FC Union. Jeder wird sich erinnern, wie sehr Union am seidenen Faden hing. Viele glaubten, der Sargdeckel sei schon zu. So schlimm war Hertha zum Glück nicht dran, überstand dank namhafter Retter auch schwere Zeiten und ich war drauf und dran, auch da zu helfen, zumindest ich jahrelang Mitglied bei Hertha BSC war. Doch die Gründe lagen bei beiden Clubs auf der Hand. Diesmal ist der Feind im Verborgenen, oft nicht erkannt, also  unsichtbar und zunehmend tödlicher.

Heißt, der Sport ist keine Hauptsache mehr, höchstens noch zweitrangig. Wir von Sportick müssen uns keine Themen aus den Fingern saugen, greifen nur bei Außergewöhnlichem zur Feder und hoffen innständig, das Sportgeschehen baldigst wieder begleiten zu können. Aktuell die Lage stets einzuschätzen, Wissenschaftler und Politiker verkünden leider in den Nachrichten noch nichts Gutes.

Christian Zschiedrich

Es geht dem Ende zu

Neun Partien bis Saisonende und aus Berliner Sicht der glückliche Umstand, dass der SC Paderborn, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf sehr schwächeln und bisher da unten nicht rausgekommen sind. Dennoch könnte noch ein Verein absteigen, an den die Fußballfreunde und er selbst nicht denken. Der Abstiegskampf scheint spannender als der Titelkampf zu werden. Die beiden letzten Clubs in der Tabelle halten erstaunlicherweise an ihren Trainern fest. Düsseldorf und Mainz haben die Coachs bekanntlich bereits gewechselt. Aktuell sieht Augsburg das Ziel Klassenerhalt gefährdet. Trainer Martin Schmidt erhielt zwar viel Lob für gute Spiele, doch die Bilanz vier Punkte aus neun Spielen waren zu wenig, Trainer Martin Schmidt muss gehen…

In Berlin ist die Situation bei Hertha (28 Punkte) zerfahren. Sie könnte sich sogar zum Saisonende zuspitzen. Der 1. FC Union (30 Punkte) ist als Tabellenelfter natürlich noch nicht gesichert und könnte ausgerechnet im Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München großes Pech haben, wenn wegen Corona in der Alten Försterei vor leeren Rängen gespielt werden müsste. Die Köpenicker brauchen die Zuschauer-Unterstützung. Das übrigens auch in der Woche darauf, beim Derby bei Hertha im Olympiastadion.  Unvorstellbar, wenn das anstatt vor Rekordbeteiligung  ohne Zuschauer ausgetragen werden muss. Die sieben Begegnungen danach sehen so aus:

28. Union – Mainz        /    Leipzig – Hertha

29. Gladbach – Union  /   Hertha – Augsburg

30. Union – Schalke     /   Dortmund – Hertha

31. Köln – Union          /    Hertha – Frankfurt

32. Union – Paderb.    /    Freiburg – Hertha

33. Hoffenh. – Union   /   Hertha – Leverkus.

34. Union – Düsseld.   /   Gladbach – Hertha  

Trainer Urs Fischer ist für die Eisernen ein Glücksfall. Von großer Gefährdung ist momentan mit 30 Punkten nicht zu sprechen. Mit einem Blick auf das Restprogramm ohnehin nicht. Am 32. Spieltag zu Hause gegen Paderborn und am letzten zu Hause gegen Düsseldorf dürften eventuell fehlende Punkte für den Klassenerhalt geholt werden können, zumal, Paderborn als Absteiger feststehen sollte. Gegen Bayern München, ob nun mit oder ohne  Zuschauer, darf – nach großem Kampf – ein Punktverlust einkalkuliert werden.

Ja, und sind Voraussagungen überhaupt noch zutreffend? Ich hörte im Olympiastadion den TV-Reporter über Herthas Beginn gegen Werder Bremen „Schlafwagenfußball“ sagen, die Heimmannschaft sei noch im Aufwärmprogramm. Es waren gerade mal fünf Minuten gespielt, als es 0:2 hieß. So geschehen eine Woche zuvor. In Düsseldorf hieß es ja sogar 0:3, um letztendlich Moral zu zeigen und wie gegen Werder dann doch noch einen Punkt zu holen. Hertha schaffte in 25 Spielen 28 Punkte. Ob nach so einem Beginn die Aufholjagd am Samstag in Hoffenheim auch möglich ist, sei dahingestellt.

Christian Zschiedrich

Fünf Spielausfälle in der Regionalliga Nordost nerven

Die Tabelle gerät durcheinander und die Vorbereitung der Vereine ebenfalls. Am 24. Spieltag fielen drei Spiele aus. Auerbach – Viktoria 89, Lichtenberg 47 – Chemie Leipzig und Altglienicke – Nordhausen. Zwei Nachholspiele, Lichtenberg 47 – Meuselwitz und Nordhausen – Babelsberg 03 konnten ebenfalls nicht ausgetragen werden.  Wie’s künftig weitergeht, da stehen sogar in Berlin Fragezeichen sowohl im Poststadion als auch in der HoWoGe-Arena. Bekommt eventuell sogar Hertha II kurzfristig die Absage für das Freitagspiel in Nordhausen? 

Der sportliche Überblick: Der 1.FC Lok Leipzig hat sich mit drei Punkten Vorsprung und nur 22 Spielen an die Tabellenführung geschossen, gewann 3:1 (22.Spieltag) gegen Auerbach, ebenfalls 3:1 bei Optik in Rathenow (23.) und am 24.Spieltag 4:2 gegen Meuselwitz. Das sind nunmehr 47 Punkte, während Cottbus 2:3 in Auerbach patzte, aktuell aber 4:0 gegen Rathenow gewann. Energie hat nach 22 Spielen 44 Punkte und muss jetzt nach Meuselwitz (Tab.11., 24 Punkte).

Am 23. Spieltag gab es zwei Berliner Derbys. BAK 07 – Hertha II 3:1 und BFC Dynamo – VSG Altglienicke 1:2. Das sind für Altglienicke ebenfalls 44 Punkte. Schade, dass die Partie gegen Nordhausen ausfiel.  Jetzt muss Altglienicke, immerhin Tabellenzweiter, zum zwölften Chemie Leipzig. Das wird kein Zuckerschlecken. Doch Altglienicke konnte bisher bereits sechs Auswärtssiege verbuchen und spielt eine sehr beachtenswerte, gute  Saison. Schade, dass am 22. Spieltag aus Sicht der VSG das Derby 1:3 gegen BAK 07 1:3 verloren ging. Da holte übrigens Viktoria 89 ein 2:2 in Cottbus bei der aufstiegswilligen Energie-Mannschaft.

Am Samstag, 7.3.2020 13.30 Uhr, heißt es nun Babelsberg 03 (Vorletzter, nur 14 P.)  – Lichtenberg 47 (10., 25.P.), jedoch nur 21 gespielte Partien. Interessant wird aus Berliner Sicht, wenn denn gespielt wird, der Sonntag mit Berliner AK 07 (7.) – 1.FC Lok Leipzig. Da müssen sich die Sachsen warm anziehen. Heimvorteil hat bei bisher nur 20 Spielen Viktoria 89 (8., 29 P.) im Stadion Lichterfelde gegen Union Fürstenwalde (5.).  Der BFC Dynamo hat bereits 23 Spiele und ist spielfrei und wird darüber keineswegs traurig sein.

Christian Zschiedrich

Es bedarf in Sachen Hertha schon wieder der Richtigstellung

Bisher bekamen wir aus Hertha-Quellen, so war es auch immer wieder zu lesen, Investor Lars Windhorst, der mit seiner Tennor-Gruppe 49,5 Prozent an Hertha hält, soll den Beratervertrag mit Jürgen Klinsmann gebrochen und ihn fallen gelassen haben. Gerne berufen wir uns auf die Mitteilung von Walter M. Straten, Windhorst habe den Beratervertrag bewusst nicht gekündigt; er lasse die Vereinbarung ganz im Gegenteil weiterlaufen. Der Investor will den allseits kritisierten Klinsmann nicht fallen lassen. Allerdings: Seine Tätigkeit ruhe erst einmal.

Der Ex-Bundestrainer und Weltmeister von 1990 bleibt sportlicher Berater der Tennor-Gruppe! Er hat mit seiner Flucht zwar falsch gehandelt, so allmählich macht sich aber auch ein klein wenig Verständnis dafür breit, in Berlin der Buhmann zu sein, in der Sache aber Vieles ans Licht gebracht zu haben, was der Hertha-Führung noch lange in den Ohren klingen wird. Er muss in Deutschland kein Traineramt wieder übernehmen.

Richtig gestellt werden muss auch, dass er als TV-Experte bei  RTL nicht rausflog, sondern auf eigenem Wunsch, wie RTL mitteilt, den Job aufgab und bei Länderspielen als Experte nicht mehr zur Verfügung stehe. Das sind für den neutralen Leser doch elementare Dinge, die nun in einem ganz anderen Licht stehen.

Christian Zschiedrich

Hertha: Glücklich und vogelwild einen Punkt geholt

Der etwas andere Spielbericht. Nach nur sage und schreibe neun Minuten lag der Ball bereits zweimal im Berliner Kasten, gehütet von Thomas Kraft. Ein Grund, gleich einmal auf Herthas Bank zu schauen. Da saßen Jarstein, Mittelstädt, Plattenhardt, Grujic, Leckie, Maier, Samardzik, Wolf und Ibisevic. Nicht zu kritisieren ist, dass da solch namhafte Akteure sitzen. Zu kritisieren ist, dass in einem so wichtigen Spiel, auf das so wichtige „eingespielt sein“ durch sieben neue Spieler in der Startformation verzichtet wurde. Es wirkte alles konfus auf dem Feld, wie das chaotische Durcheinander abseits des Spiels in den Tagen zuvor.

Die Startelf mit Kraft – Klünter, Rekik, Bayata, Torunarigha – Darida, Skjelbred, Lukebakio, Dilrosun – Piatek, Cunha hatte das Vertrauen von Trainer Alexander Nouri. Die Wechselei war verwunderlich, der schnelle Rückstand eine logische Folge. Das 0:1 nach 6 Minuten durch Karaman und das 0:2 nach 9 Minuten durch Thommy, beides waren Konter. Der zweite Treffer fiel nach einem Eckball für Hertha. Das Schicksal für dieses Spiel schien besiegelt, kurz vor dem Halbzeitpfiff legte Karaman nach und es stand 3:0 für die biederen Düsseldorfer. Die Körpersprache auf dem Feld war nicht bundesligatauglich. Uwe Rösler übrigens vertraute seiner Startformation aus dem zuletzt erfolgreichen Auftritt in Freiburg.

Kopfschütteln war angesagt, ein Glück, dass bereits 26 Punkte auf dem Konto sind. Böse Erinnerungen wurden wach, gegen Köln fünf Gegentore, selbst nichts zustande gebracht und erneut drei Gegentore oder anders gesagt, 135 Minuten gespielt und acht Dinger kassiert.

Zur Halbzeit wechselte Trainer Nouri. Für Dilrosun und Lukebakio war der Arbeitstag beendet, Mittelstädt und Wolf kamen. Die Düsseldorfer fühlten sich mit dem 3:0 Vorsprung bereits als der sichere Sieger, offenbarten aber im zweiten Durchgang, weshalb sie unten auf dem Relegationsplatz stehen. Thommy wollte unbedingt sein zweites Tor markieren und erzielte es auch, für die Hertha.  Sein Eigentor in der 64. Minute brachte die Berliner, die so unterirdisch in der ersten Halbzeit spielten, wieder zurück.

Herthas größere individuelle Klasse kam zum tragen und dazu eine andere Körpersprache. Das 3:2 fiel folgerichtig in Minute 66 durch Cunha – einer der Besten. Den Ausgleich, 3:3 in der 74. Minute erzielte Piatek acht Minuten später. Die Düsseldorfer meinten zwar, ihr Torwart Kastenmeier sei als erster am Ball gewesen. Schiedsrichter Stieler entschied auf Foulspiel gegen Piatek, der ganz sicher zum Ausgleich vom ominösen Punkt verwandelte.  Nun war sogar noch ein Sieg drin.

Doch Düsseldorf kam zurück und bejubelte mit 4:3 – kurz – den vermeintlichen Siegtreffer, es war Abseits, knapp, Glück für Hertha. Den Siegtreffer auf der anderen Seite und damit drei Auswärtspunkte hätte beinahe Cunha in der 90. Minute erzielen können, doch der stramme Schuss landete am Außenpfosten. Das Unentschieden hilft mehr der Hertha als den Düsseldorfern. Fortuna Trainer Uwe Rössler sprach nach dem Spiel „von einer gefühlten Niederlage“ und die Enttäuschung war ihm anzumerken.

Christian Zschiedrich

Herthas Führung in die Enge gedrängt ?

Was bleibt, man muss einfach Mitleid und Bedauern mit der Hertha empfinden. Hoffen wir, dass am Freitagabend, 28.02.20, in Düsseldorf beim Mitkonkurrenten gewonnen wird, damit Hertha mal durchschnaufen kann und mit sportlichem Erfolg in etwas ruhigeres Fahrwasser gerät. Nicht auszudenken, wenn Hertha das Spiel verlieren sollte. Die Kacke ist ja ohnehin gewaltig am Dampfen. Bei nach wie vor anstehenden Schlammschlachten – das Thema ist längst nicht vorbei – gibt es erfahrungsgemäß nur Verlierer. Sollte das noch arbeitende Trainerteam ausscheiden müssen, wird garantiert weiter nachgelegt.

In meinen Kommentaren sagte ich voraus, dass wir später mehr über die Gründe des plötzlichen Ausscheidens von Jürgen Klinsmann erfahren werden. Seine Rechtfertigung kam schnell. Die Protokollseiten waren nach Aussagen von Klinsmann nur für Lars Windhorst bestimmt und sind wohl geleakt worden. Wie gelangten sie an die Öffentlichkeit? Eine der Möglichkeiten wäre, dass sie zufällig, in der Hektik des Geschehens, versehentlich liegengelassen  wurden.

Die momentane Schlammschlacht gipfelt darin, sich gegenseitig der Lügen zu bezichtigen. Wie geht Herthas Führung mit konkreten Vorwürfen um? Es seien größtenteils Unwahrheiten und zu Details wird keine Stellung bezogen. Liebe Vereinsführung, das sind Eigentore, das ist mir argumentativ zu dünn, es überzeugt mich nicht. Schauen wir genauer hin. Wer seine Meinung mit vollem Namen vertritt und aus seiner Sichtweise Dinge anprangert, sind das Lügen? Es ist harter Tobak, der Vereinsführung ins Stammbuch geschrieben.

Klinsmann stellt sich als derjenige dar, der Hertha für die Zukunft hätte fitmachen können. – „Die Geschäftsführung muss sofort komplett ausgewechselt werden.“ Seine Begründung: „Die Klubführung ist unbeweglich und inkompetent, die Infrastruktur unprofessionell. Der Manager habe den Kader falsch zusammengestellt.“ „Im Klub herrsche nach Innenleben-Beobachtungen eine Lügenkultur mit gezielten Indiskretionen“. Inkompetenz auf allen Ebenen in der Geschäftsleitung. Das ist deutlich und jeder weiß, wer diese Meinung vertritt. Dazu „(…) ohne jegliche Dynamik, zerstritten, eben inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen!“  

Ich verstehe die Rücktrittsforderungen und den Aufruf zur Neubesetzung (!), empfehle den Herren auf dem hohen Roß die Meinung anderer zu akzeptieren und über den Inhalt nachzudenken. Alles nur lügen ?

Christian Zschiedrich

Ungeheuerlich, Hintergründe bei Hertha BSC

Welch eine Bestätigung für meine Kommentare „Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher sein“ vom 14.02.20 und „Bei Hertha brennt‘s lichterloh“ vom 24.02.20 und welch eine Bestätigung für die Preetz-Kritiker, die das seit geraumer Zeit gespürt haben. 15 Tage nach Michael Klinsmanns Rücktritt sind seine Protokolle veröffentlicht durch Torsten Rumpf und Robert Schreier. Was dort zusammengefasst auf 22 DIN-A4-Seiten seiner 76 Trainertage geschrieben steht, könnte den Verein in einen Schockzustand versetzen.

Das ist seitens der Vereinsführung weder zu entkräften, noch schön zu reden und ich frage mich, sind denn im Hertha-Präsidium nur Gegenbauer-Ja-Sager, nur Gefolgsmänner des Präsidenten? Hat denn keiner der Mitglieder Eier und Rückgrat. Jetzt muss doch das große Reinemachen kommen!

Geholt hat ihn – ohne Willkommenskultur seit dem 08.11.19 – Lars Windhorst, zunächst in den Aufsichtsrat bei Hertha BSC. Im Hause Gegenbauer wird Jürgen Klinsmann am 26.11.19 zum Cheftrainer bis zum Sommer ernannt und dabei die sportlichen Vollmachten als „carte blanche“ rund um die Mannschaftsführung besprochen und akzeptiert, Klinsmanns Stab mit Alexander Nouri, Markus Feldhoff, Andreas Köpke, Werner Leuthard und Arne Friedrich.

Nach der Weihnachtspause kommt es zu einigen Merkwürdigkeiten. Wer lancierte die Meldung am 14.01.20, Jürgen Klinsmann hätte keine gültige Trainerlizenz (?) – stimmte so nicht – denn offiziell hat sie bis Ende 2020 Gültigkeit. Während der einwöchigen Diskussion gab es keine Unterstützung seitens Hertha BSC, kein einziges Statement für den leitenden Angestellten Jürgen Klinsmann. Laut dem Klinsmann-Protokoll gab es nie ein Vertrauensverhältnis zwischen  Gegenbauer, der Geschäftsleitung und dem Trainerstab. Die Trainer wussten u.a. nicht, wie lange sie noch da sind, warteten auf den Anschlussvertrag.

Die Mannschaft wurde, wie die Ergebnisse zeigen, nach oben gebracht. Mit dem Sieg in Paderborn verbesserte sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf neun Punkte und der Mannschaft wurde ein Top-Fitness-Zustand, mit Defiziten im taktischen Bereich bescheinigt.

Klinsmann habe bei allen Winter-Einkäufen selbst die ersten Anrufe getätigt. Ascacibar, Piatek und Cunha – mit wachsendem Mehrwertpotential (bei Wiederverkäufen) – wären sonst wohl nicht zu Hertha gekommen. Die Stimmung in den Medien hat sich gewandelt. Festgehalten: In der Bild-Zeitung schreiben erkennbar plötzlich andere, nämlich die mit Michael Preetz Befreundete. Ganz erstaunlich die Bestätigung:“ Michael Preetz war auch bei anderen Indiskretionen der Informant“!  

Dazu passt: „Klinsmann habe nur die Cheftrainerrolle und sei an Weisungen der Geschäftsführung gebunden. Wir werden uns nicht in die vorgegebene Richtung bewegen“. Derlei konkrete Anzeichen verdichteten sich zunehmend mehr.  Jürgen Klinsmann schmiss also nicht unbegründet nach schlafloser Nacht hin. Wer die Fakten schwarz auf weiß erst jetzt verwundert zur Kenntnis nimmt, könnte beim nächsten Heimspiel zu denen gehören, die im Chor den Namen Jürgen Klinsmann rufen.

Ich bin mir sicher, ab sofort wird auch Michael Preetz nicht verschont bleiben, steht jetzt ohnehin im Rampenlicht. Deshalb abschließend die protokollierten Vorwürfe gegen den Manager Sport, verbunden mit der Frage, was muss in diesem Club noch alles passieren? Ich teile die Meinung: Du bist als Fußballer nur so gut wie dein Umfeld – bedeutet: Die Geschäftsleitung muss komplett ausgetauscht werden, sonst werden tolle Neuzugänge nach einiger Zeit zu Durchschnittsspielern. Und wie verhält es sich mit dem 17jährigen Jugendspieler, der wird (bei den Profis integriert) von ganz Europa gejagt.

Zutreffende Vorhaltungen an Michael Preetz: Jahrelange katastrophale Versäumnisse in allen Bereichen des Leistungssport und eine genauso katastrophale aktuelle Kaderplanung. Kein Anspruchsdenken an die Mitarbeiter, kein Prämien- und Motivationssystem für Trainer und Betreuer, schlechte Saisonvorbereitung. Der Klub wäre ohne Trainerwechsel auf Abstiegswegen gewesen. Es gibt wohl kein Vertrauensverhältnis zwischen der Geschäftsleitung und Trainer-Team. Aber, es scheint eine Lügenkultur zu geben, die das Vertrauensverhältnis der Spieler zerstört hat. Ein Hauptstadtclub müsste auch die Vision Richtung Europa haben und dementsprechend aufgestellt sein. Welche Vision hat Hertha?

Christian Zschiedrich