Wichtiger Sieg gegen Wolfsburg trotz der Tennisbälle

Wer meint, Tennisbälle können kein Unheil anrichten, hatte bisher den noblen Sport im Auge und bestimmt nur positive Erfahrung machen können. Die gelben kleinen Spielobjekte lagen finanzierbar allgemein in der Gunst der Sportler und Sportinteressierten. Der optisch viel größere Fußball ist mit dem Auge viel besser zu verfolgen. Die Bälle als solche stehen keineswegs am Pranger, wohl aber die Handhabung zu Protestzwecken bei einem Fußballspiel. Zugegeben, die Aufmerksamkeit scheint sehr groß zu sein. Gewaltfreie Proteste sind in dieser Form dennoch sehr ärgerlich und hoffentlich nur eine Zeiterscheinung. Allerdings scheinen die Folgen noch gar nicht absehbar. Bisher gab es ja auch keine Verletzten, weil das Werfen mehrerer Tennisbälle während eines Fußballspiels auf das Spielfeld sofort unterbrochen wurde und ruhen musste. Bisheriger Rekord in der Alten Försterei ist eine Unterbrechung von 40 Minuten in der Samstagbegegnung der ersten Bundesliga, gestern am 10. Februar 2024 gegen den VfL Wolfsburg. Das Spiel befand sich haarscharf, „bis hierher und keinen Tennisball weiter“, am Abbruch. Die Mannschaften hatten auch demonstrativ die Umkleidekabinen aufgesucht.

Wogegen demonstriert wurde, scheint noch gar nicht Allen bekannt zu sein. Es geht um das künftige Investorengeschäft seitens der Deutschen Fußballliga DFL. Erstaunlich, wie schnell in vielen Stadien Tennisbälle flogen und das nicht etwa einseitig. Im Gegenteil, wenn die Fans des Heimatvereins aufhörten, fingen die Anhänger der Gäste auf der anderen Seite an, ihre Fracht loszuwerden. So jedenfalls in der Alten Försterei. Werten wir es schon als Zeichen der vorherigen Absprache. Wenn nach 40-minütiger Unterbrechung die Partie gegen Wolfsburg zum Glück fortgesetzt werden konnte, so wartet doch der nächste Spielabbruch geradezu. Der DFB wird auf die großartige Idee von Strafen kommen und die Vereine obendrein zur Kasse bitten. Schließlich wollen die Protestler aber ausgerechnet den Vereinen helfen, wenn auch total unausgegoren . Da muss nicht nur die DFL Überzeugungsarbeit verrichten., ehe größeres Unheil geschieht.

Ärgerlich ist es auf jeden Fall für diejenigen, die nur Fußball sehen wollen, sogar zu Abendspielen anreisen (wie lange noch) und erst weit nach Mitternacht zu Hause ankommen. Für Menschen in Berufsarbeit könnte die Stimmung entgegen dem Verständnis für die Protestler ganz schnell kippen. Bloß keine Auseinandersetzungen auf den Rängen, um sich Werfer zur Brust zu nehmen. Dann klebt euch lieber, ein Scherz, auf den Stadionsitzen fest. Der Scherz sei deshalb erlaubt, um zu verdeutlichen, wie weit ist es sinnvoll bei Protesten zu gehen, um optimale Unterstützung zu bekommen und auf keinen Fall das Gegenteil zu erreichen. Denn selbst Zuschauer, nicht vor Ort, sondern zu Hause an den Bildschirmen meinen, „es reicht nach wenigen Minuten“.

In der mehrmals unterbrochenen Partie gab es ohnehin viel Zündstoff. Niko Kovac stand als Trainer der Wölfe und nun verschärft nach dem sechsten Spiel ohne Sieg in der Kritik. Bei Union durfte Trainer Nenad Bjelica nach seiner Sperre für drei Spiele wieder an der Seitenlinie stehen. Beide kroatischen Trainer sind Freunde, spielten gemeinsam in der Nationalmannschaft Kroatiens. Bjelica ist ja durch seinen Ausraster beim Bayern-Spiel ebenfalls in die Schußlinie geraten. Diesen Vorfall wollten Anhänger der Eisernen gern nutzen, sofort den in Köln frei gewordenen Coach Steffen Baumgart zu verpflichten. Bjelica hat aber auch seine Fürsprecher bei Union. Die Szenen nach Spielschluss, dem erkämpften 1:0, dem so wichtigen Heimsieg im Abstiegskampf, verdeutlichten die Sympathien. Eine Niederlage wäre fatal gewesen.

Nach 32 Minuten ging es für kurze Zeit weiter. Nach den Abbruch-Drohungen durch Schiedsrichter Jöllenbeck gab es eine 21-minütige Nachspielzeit im ersten Durchgang. Jenz holte sich in höchster Not im Sprungduell mit Schäfer eine blutige Nase (45.+19), wurde draußen behandelt. Den goldenen Treffer erzielte Doekhis beim darauf folgendem Eckball unmittelbar vor Halbzeit in Überzahl. Das entscheidende Tor hätte infolge des Fehlens ihres Verteidigers nicht zählen dürfen, bemängelten die Gäste. Bereits davor hatte Rönnow im Tor der Unioner sich wiederholt ausgezeichnet und dann im zweiten Durchgang die Eisernen mit glänzenden Paraden vor einem Gegentreffer bewahrt. Er hatte damit den Wolfsburgern ihre vielen Großchancen zunichte gemacht. Die lobenswerte Defensive der Platzherren erinnerte an die mannschaftliche Geschlossenheit in der Vorsaison. Die erfolgreiche Abwehrschlacht war die Grundlage für den knappen 1:0-Sieg.

1 zu 0 ist auch gewonnen, erst recht in einem so bedeutungsvollen Match. Wolfsburgs Negativserie setzt sich fort. Union vergrößerte den Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 zunächst auf sechs Punkte. Am 22. Spieltag heißt es für Wolfsburg im Heimspiel gegen Borussia Dortmund jede sich bietende Chance zu nutzen. Union muss reisen und auswärts gegen die TSG Hoffenheim antreten.

Christian Zschiedrich

Mehr „Auf“ als „Ab“ für die Berliner in der NOFV Oberliga Nord

Die Ergebnisse des 15. Spieltages sprechen eine deutliche Sprache:

FC Hertha 03 – Optik Rathenow 2:0

Tennis Borussia – Rostocker FC 2:1

Eintracht Mahlsdorf – RSV Eintracht 7:1

CFC Hertha 06 – Sparta Lichtenberg 2:1

SV Tasmania – Dynamo Schwerin 4:3

SC Staaken – Union Fürstenwalde 4:1

TSG Neustrelitz – Lichtenberg 47 1:1

TuS Makkabi – Anker Wismar 0:0

Sechs Siege und zwei Unentschieden für die Berliner Clubs, in seltener Erfolgsbilanz. In der Oberliga Nord sind aktuell neun Vereine aus der Hauptstadt vertreten. Die Zehlendorfer führen nun mit 41 Punkten die Tabelle an. Am kommenden Sonntag, 11. Februar, empfängt um 14.00 Uhr, Ernst-Reuter-Sportfeld, Hertha 03 den Tabellenelften Anker Wismar. Nach Lage der Dinge könnte in diesem Jahr der langersehnte Aufstieg in die Regionalliga fällig werden. Seltenheitswert hat die Tabelle ohnehin. Von Rang 2 bis 8 folgen ausschließlich Berliner Vereine. Lichtenberg 47 mit 38, Tennis Borussia mit 30 und Sparta Lichtenberg mit 26 Punkten. Ein Berliner Club sollte den Aufstieg garantiert schaffen.

Tennis Borussia, am kommenden Spieltag treffen beide Charlottenburger Teams, Freitag, 9.2.2024, 19.00 Uhr, letztmalig im altehrwürdigen Mommsenstadion aufeinander. Wohin es für TeBe geht, steht noch gar nicht fest. Gesucht wird für den Rest der Spielzeit noch eine Ausweichspielstätte. Ebenso fraglich ist, ob für den Tabellensechsten Hertha 06 der Abstieg am Grünen Tisch entschieden wird. Ein Insolvenzverfahren, steht noch nicht fest, bedeutet nach den Regeln des NOFV, ganz gleich, mit welchem Ausgang, den Abstieg. Man hofft ab Mitte Februar wieder auf den gewohnten Platz an der Sömmeringstraße spielen zu können.

Der Tabellenachte Eintracht Mahlsdorf hat nach 15 Spielen immerhin 23 Punkte, 30 Spieltage sind es nur, weil in der Oberliga nur 16 Mannschaften die Liga füllen. Mit 7:1 gewinnt man auch nicht aller Tage. Zum 16. Spieltag kommt der Rostocker FC (12.), Sonntag, 11.2.2024, 13.30 Uhr, zum Rosenhag. Auf Rang 10 steht mit 19 Punkten der SC Staaken. Das sind sechs Punkte vor den Relegationsplätzen. Am Samstag, 14.00 Uhr, kommt der RSV Eintracht (14., 13 Punkte) zum Sportpark nach Staaken.

Am Sonntag, 11.2.2024, 12.00 Uhr, steht auf der Julius-Hirsch-Sportanlage das Berlin-Derby TuS Makkabi – Lichtenberg 47 an. Sparta Lichtenberg hingegen muss auswärts nach Schwerin, Samstag, 14:00 Uhr. Alles in allem sieht es doch für die Berliner recht gut aus und so soll es auch bleiben.

Christian Zschiedrich

Hü und Hot beim BFC Dynamo

Der BFC Dynamo hat sich in dieser Saison sportlich allerhand vorgenommen. Der BFC Dynamo soll im Sportforum ein drittligataugliches Stadion bekommen. Wozu fragten sich zum 14. Spieltag etliche der 2.099 Zuschauer, wenn der BFC im Heimspiel gegen den Drittletzten der Regionalliga Nordost Hansa Rostock II nicht gewinnen kann und das beim Besuch des Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der beim 0:0 in viele enttäuschende Gesichter sah und Tore zumindest für die Berliner Heimmannschaft vermisste. Wozu der BFC allerdings in der Lage ist, bewies er prompt zum 15. Spieltag vor 7.543 Zuschauern in Cottbus. Mit dem 1:0 gelangen drei Auswärtspunkte durch den Treffer von Rufat Dadashov (73.) in dem sonst ausgeglichenen Spiel zu holen.

Allerdings ging es nicht nur auf dem Spielfeld sehr hektisch zu. Energie kassierte kurz hintereinander (73. und 75. Minute) gleich zwei Rote Karten durch Schiedsrichter Jens Klemm. Putze wegen Foulspiel direkt vor der Trainerbank und Thiele ließ sich in der anschließenden Rudelbildung zu einem Kopfstoß (Tätlichkeit) gegen Al-Azzawe hinreißen. Die Partie stand wegen Pyrotechnik im Gästeblock vor dem Abbruch. Immer wieder flogen Feuerwerkskörper in Richtung Spielfeld. Schiedsrichter Klemm aus Gröditz schickte beide Mannschaften in die Kabine. Nach zehnminütiger Unterbrechung musste der Stadionsprecher den unmissverständlichen Hinweis geben, dass das Spiel beim nächsten Vorfall nicht fortgesetzt werde.

Mit dem Sieg in Cottbus gelingt dem Team von Dirk Kunert wieder der Sprung auf Platz 2. Der Greifswalder FC begnügte sich mit einem 2:2 in Zwickau, hat dadurch nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den BFC. Energie Cottbus hat mit 28 Punkten auf Platz 3 jetzt einen Punkt weniger als der BFC und ist drei Punkte hinter Greifswald. Von Platz 4 bis 6 folgen Babelsberg, Viktoria 89 und VSG Altglienicke. Der BAK 07 scheint sich weiter zu stabilisieren sich und gewann 3:2 mit einem Treffer in der 88. Minute gegen Babelsberg, Viktoria 89 verlor auf Schneeboden in Chemnitz 1:2. Erfreulich aus Berliner Sicht, Hertha II gewann 2:0 in Erfurt.

Am Sonntag, 26.11.2023 trennten sich im Leipziger Derby in Leutzsch Chemie und Lok 1:1. Bereits in der 1. Minute jubelte der grün-weiße Anhang, Lok konnte in der 30. Minute ausgleichen. Wie nicht anders zu erwarten, es war hektisch und hitzig vor 4.999 Zuschauern im altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark.

In Berlin gab es am Sonntag ebenso ein Unentschieden. Im Jahnsportpark sahen 720 Zuschauer ein torloses Unentschieden. Immerhin ein Punkt für den neuen Trainer Murat Salar.

Der bevorstehende 16. Spieltag: Donnerstag, 30.11.23, 19.00 Uhr, Amateurstadion, Hertha BSC II – Hansa Rostock II, Freitag, 01.12.23, 19.00 Uhr, Stadion Lichterfelde Viktoria 89 – RW Erfurt. Zeitgleich der 1. FC Lok Leipzig – Berliner AK 07. Samstag, 02.12., 13.00 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion, Babelsberg 03 – FSV Zwickau. Samstag, 14.00 Uhr, Ernst-Abbe-Sportfeld, Carl Zeiss Jena – ZFC Meuselwitz, 16.00 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen, BFC Dynamo – Chemie Leipzig, Sonntag, 03.12.23, 13.00 Uhr, Chemnitzer FC – FC Eilenburg, FSV Luckenwalde – Energie Cottbus, Werner-Seelenbinder-Stadion, Greifswalder FC – VSG Altglienicke.

Christian Zschiedrich

Sportliche Erkenntnisse, überwiegend negativer Art

Wir von einst TV Sport in Berlin hatten 25 Jahre lang den Berliner Fußball im Blick und freuten uns über jeden erwähnenswerten Erfolg, im Spitzen- und Amateursport.

Nach den letzten beiden blamablen Niederlagen der Deutschen Elf gegen die Türkei und Österreich kommt ein Kommentator überhaupt nicht mehr an der Frage vorbei „Was ist mit dem deutschen Fußball los?“ Keineswegs gehöre ich zu denen, die sofort am neuen Trainer zweifeln, ob Nagelsmann der richtige Coach für Deutschland ist. Die Frage stellt sich doch nicht nach zwei Niederlagen zu Beginn seines Wirkens. Der Teufel liegt tiefer im Detail.

Was mit dem Berliner Profi-Fußball los ist, kennen wir zur Genüge und ist Woche für Woche in Tabellenform ablesbar. Nun hat es leider auch den 1. FC Union erwischt. Die Eisernen sind ihrem Coach Urs Fischer ewig zu Dank verpflichtet. Nach 14 Pflichtspielniederlagen war er nicht mehr zu halten. Die das Treuerisiko, notfalls mit ihm abzusteigen, eingegangen wären, wurden überstimmt. Die Tabelle weist den letzten Platz nach 11 Meisterschaftsspielen mit nur 6 Punkten aus. Da ist Hertha BSC als Tabellenzwölfter, 17 Punkte nach 13 Spielen in Liga 2 viel besser. Nicht ohne Grund fordert Trainer Pal Dardai 3 Siege bis Weihnachten. Bereits am Freitag, 24.11.2023,wissen wir in Hannover, ob’s gelingt.

Während der Länderspielpause wurde in Berlin das Achtelfinale im Landespokal ausgespielt. Haushoher Favorit beim Aufeinandertreffen der Regionalligisten BFC Dynamo – Berliner AK 07 war natürlich der Tabellendritte BFC Dynamo. Beim BAK stellt sich die Frage nach fehlenden Finanzen. Präsident Han ist auch als Hauptsponsor ausgeschieden. Der im Poststadion ehemals sportlich so glänzende BAK steht nach 14 Spielen mit 8 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Zur großen Verwunderung schmissen die Athleten 2:1 den BFC Dynamo aus dem Pokal.

Vielleicht schafft der BAK, am Freitag, 19.00 Uhr, den in dieser Saison stark aufspielenden Babelsbergern das Siegen zu lehren. Babelsberg 03 wird sich die Punkte so schnell nicht abnehmen lassen. Herthas Zweite steht mit 15 Punkten gar nicht so rosig auf Platz 12. Am Samstag, muss Hertha II ins Steigerwaldstadion nach Erfurt (8.). Der FC Viktoria 89 (26 Punkte) hat ebenfalls kein einfaches Auswärtsspiel im Stadion an der Gellertstraße in Chemnitz am Samstag. Sogar noch etwas schwerer wird es der BFC Dynamo, Samstag, in Cottbus im Stadion der Freundschaft bei Energie haben. Am Sonntag, empfängt Altglienicke (9.) im Jahnsportpark Carl Zeiss Jena (10.). Das Wochentags-Nachholspiel gewann Altglienicke gegen den Chemnitzer FC 2:1. Das Leipziger Derby zum 15. Spieltag im Alfred-Kunze-Sportpark, Chemie empfängt Lok Leipzig, der 11 spielt gegen den 12.

Christian Zschiedrich

Ergebnisse Berliner Landespokal – Achtelfinale:

SG Blankenburg – FC Viktoria 89 0:7

Tennis Borussia – Lichtenberg 47 0:1

Friedenauer TSC – TuS Makkabi 0:3

Berliner SC – Frohnauer SC 3:5

Stern 1900 – Sparta Lichtenberg 0:1

Eintracht Mahlsdorf – FC Hertha 03 2:4

Berliner AK 07 – BFC Dynamo 2:1

© Foto 2019 Hans-Peter Becker

13. Regionalliga Spieltag, Berliner Clubs, 3 Heimspiele, 2 Auswärtsspiele

Interessante Konstellation in der Regionalliga Nordost nach dem 12. Spieltag. Vor allem verschafften sich fürs kommende Wochenende (03.-5.11.2023) die drei Berliner Clubs mit Heimvorteil in den Auseinandersetzungen beste Erfolgsaussichten. Das Berlin-Derby BFC Dynamo – FC Viktoria 89 endete vor 1.808 Zuschauern im Sportforum 3:3. Es war nervenaufreibend. BFC-Trainer Dirk Kunert sah in der 80. Minute die Gelb-Rote Karte. Dynamo hätte zwar gern zwei Punkte mehr behalten, holte immerhin einen 1:3 Rückstand auf. Im Siegesfalle hätte der BFC als Tabellenführer in Erfurt starten können, da Spitzenreiter Greifswalder FC zu Hause Energie Cottbus nicht bezwingen konnte (1:1), ist es nur der eine Punkt (Greifswald 1., 26 Punkte) und BFC Dynamo (2., 25 Punkten), die sich weiterhin so eng duellieren. Allerdings folgen Babelsberg 03, Energie Cottbus (4.), FC Viktoria (5.) und VSG Altglienicke (6.) in der Spitzengruppe.

Viktoria 89 empfängt nun bereits am Freitag, 3.11.2023, 19.00 Uhr, im Stadion Lichterfelde den FSV Luckenwalde, den Tabellen7., mit aktuell 19 Punkten. Gegen Hertha BSC II gewann der FSV 2:0. Schlusslicht BAK 07 (8 Punkte) spielte beim punktgleichen FC Eilenburg 2:2 und hat ebenfalls am Freitag Heimrecht im Poststadion gegen Carl Zeiss Jena (10., 16 Punkte). Die VSG Altglienicke konnte beim Chemnitzer FC aus Krankheitsgründen der Chemnitzer nicht antreten – neuer Termin ist Dienstag, 21.11.2023. Am Samstag, 4.11.2023, 13.00 Uhr, kommt ZFC Meuselwitz ins Jahnstadion. Der ZFC gewann mit 1:0 zu Hause gegen den FSV Zwickau, aktuell Vorletzter der Tabelle. Für Hertha BSC II ist ebenfalls am Samstag,13:00 Uhr Anstoß im Chemnitzer Stadion an der Gellertstraße.

Unsere Vorstädter in Babelsberg, scheinen eine sehr erfolgreiche Saison zu spielen. Mit dem 1:0 gegen Hansa Rostock II sind die 03er jetzt punktgleich mit dem BFC Dynamo; ebenfalls nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer Greifswalder FC. Allerdings steht am Sonntag (6.11.2023) auswärts in Cottbus, Stadion der Freundschaft keine leichte Aufgabe bevor. Energie liegt nur einen Punkt hinter Babelsberg 03. Bleibt ein wenig Wehmut für einen Berliner, jahrelang erfolgreichen Verein. Der Berliner AK (18., 8 Punkte., 7:24 Tore,) kämpft auch gegen den großen finanziellen Aderlass und dem damit verbundenen mannschaftlichen Umbruch. Carl Zeiss Jena hat zwar Chemie Leipzig 1:0 besiegt und rangiert jenseits zwischen Gut und Böse, darf in Berlin gern zum Punktelieferant werden. Was den BAK auch hoffnungsvoll stimmen sollte, gleich drei Vereine, nur besserem Torverhältnis, haben auch nur deren acht Punkte: FSV Zwickau, Hansa Rostock II und FC Eilenburg. Es bleibt oben und unten spannend.

Christian Zschiedrich

Union – das war vorauszusehen

So überaus erfolgreich die letzte Saison auch war, mitunter spielten die Eisernen ja über ihre Möglichkeiten und hatten obendrein verdientermaßen Glück in den entscheidenden Phasen. Dass sich das in dieser Saison nicht unbedingt wiederholen wird, befürchtete der ein und andere Union-Anhänger. Dass es, wie nicht nur die Medien verkünden, zum freien Fall kommen wird und dass heuer dem Stand nach gegen den Abstieg gespielt werden wird, eine solche Diskrepanz war nicht eingeplant.

Union verlor leider, erneut, wichtige Spieler, befand sich demzufolge im Umbruch. Die Neuen versprachen, dem Namen nach, gleichwertigen Ersatz. Das hat man häufig, dass noch so gute Spieler berechtigte, höhere Erwartungen schüren, wen aber wundert es, wenn das Ineinandergreifen im Mannschaftsgefüge nicht immer effiziente Resultate hervorbringen.

Geduld, Geduld! Die hat weiß Gott der 1. FC Union. Und der Fußball-Gott scheint in allen Belangen gegen jegliches Aufbäumen der Köpenicker zu sein. Allein das Beispiel der Roten Karte von Schiedsrichter Sascha Stegemann gegen Trainer Urs Fischer, er beleidigte niemand und äußerte sich auch nicht laut. Regel hin und Regel her, muss man sich in einer solchen Situation mit einer Roten Karte profilieren?

Ich formuliere deshalb eine reine Gefühlslage und den Anschein von denen, die der falschen Annahme waren, der Schiedsrichter wolle gegen den gutmütigsten Unioner eine Lachnummer produzieren oder aber den Trainer so provozieren, dass der die Fassung verliert und handgreiflich wird. Natürlich war Urs Fischer in seiner und der Lage des Vereins nach bis in die Haarspitzen enorm angespannt. So wie es gute engagierte Trainers sein müssen. Um das zu erahnen, braucht man nicht viel Fingerspitzengefühl. Zum Glück ließ er sich nicht provozieren, er beherrschte sich und erklärte, doch nichts Anstößiges getan oder geäußert zu haben.

Wiederholt bekam der 1. FC Union Komplimente, gut gespielt und mit Pech verloren zu haben. Der Verlierer kann sich dafür nichts kaufen. Dafür kann selbstverständlich auch kein Unparteiischer was. Für das im Absatz zuvor zu Papier gebrachtes aber auf jeden Fall.

Die Rote Karte für Rani Khedira, nach genau einer Stunde Spielzeit, da regte sich keiner groß auf. Er hat zum Glück, mit zu hohem Bein und im Zweikampf zu spät kommend seinen Gegenspieler nicht verletzt. Sein Gegenspieler war voll im Tempo schneller. Khedira wäre sonst, wie wir ihn kennen, geschickter gewesen. Er sah in seinen vielen Bundesligaeinsätzen bisher noch keine Rote Karte. Ich erwähne die Hinausstellung auch nur als Fakt, passend zum Spiel, wie das Eigentor von Knoche.

Wer einmal selbst Fußball gespielt hat, erkennt in der Zeitlupe das in Brusthöhe zu hohe Bein von Khedira, das er jedoch, ganz deutlich, sofort zurücknimmt. Sein Bein sofort im Kniegelenk abwinkelte und damit Schlimmeres selbst verhinderte. Ich weiß, es muss nicht zu Verletzungen führen, die Gefahr ist laut Regel bereits zu ahnden. Dennoch, es war kein gefährliches gestreckte Bein! Gerade wieder genesen, wird Khedira in den nächsten drei wichtigen Spielen gesperrt fehlen. Wer kein Glück hat, da kommt eben Pech hinzu. Zudem, wer unten in der Tabelle steht, muss eine Menge mehr Ungereimtheiten ertragen. Er hat versucht, sich beim Foul fair zu verhalten. So manch taktisches Foul wird allwöchentlich weniger bestraft.

Christian Zschiedrich kommentiert

Zurück zu Urs Fischer und den elf verlorenen Pflichtspielen. Seit vielen Jahren beobachte ich Trainerentlassungen (nicht nur in der Bundesliga), wenn – spätestens nach fünf Pflichtspielen in Folge – kein Punktgewinn zu Buche schlägt, muss der Trainer als schwächtes Glied in der Kette gehen. Es gibt Ausnahmen, gut, beim 1. FC Köln (Pokalaus in Kaiserslautern) sind es mittlerweile sechs Spiele. Es folgen jetzt für Steffen Baumgart machbare Partien gegen Augsburg und Bochum. Aber wehe wenn…. am 12. Spieltag kommt Bayern München.

Die große Ausnahme der 1. FC Union – 11 Niederlagen und es folgen jetzt Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen. Es waren fünf atemberaubende, erfolgreiche Jahre unter Urs Fischer. Bundesliga-Aufstieg 2019, Klassenerhalt 2020, Qualifikation für die Europa Conference League 2021, 2022 für die Europa League und die Krönung, für die Champions League 2023. Das ist nicht nur außergewöhnlich, das werden die Eisernen ihrem Trainer Urs Fischer nie vergessen! Für mich war die rote Karte überzogen.

Er hatte ja bereits vor dieser Saison, entgegen aller Erwartungen, das geahnt und gewarnt, Verdienste hin und her. Präsident Dirk Zingler wird sich bei allem Dafürsprechen bestimmt für den Erhalt von Urs Fischer einsetzen, aber sich gezwungenermaßen die Frage stellen müssen, „doch handeln“ zu müssen! Oder soll er sich einmal vorhalten lassen, geschlafen zu haben und nicht Herr der Situation gewesen zu sein. Ich möchte den Präsidenten trösten. Wenn in dieser Saison alles in die Hose gehen sollte – noch ist es nicht so weit – ich würde Union und dem Präsidenten selbst im Falle eines Abstiegs in der Tat die Stange halten. Nur dann nämlich ist die Gewähr, mit dieser Mannschaft und diesem Trainer sofort wieder aufzusteigen. Die Mannschaft hört auf ihn. Außerdem, die Rückendeckung kann Wunder bewirken. Die Eisernen werden sich fangen – mit Urs Fischer.

Christian Zschiedrich

Der BFC Preussen marschiert

Beim Aufeinandertreffen Erster gegen Zweiter hatte der Verfolger Türkspor Berlin kaum eine Chance, nach vorn lief trotz Ballbesitz recht wenig, von zwingenden Schüssen auf das von Kühn gehütete Preussen-Tor konnte auch keine Rede sein. Patrick Breitkreuz dagegen schoß in der 26. Minute aus 26 Metern gewaltig auf das Gäste-Tor und vom Innenpfosten landete der Ball im Netz zum 1:0. Doch die Preussen wollten wohl kein zweites Tor nachlegen. Ihr Coach Daniel Volbert war mit dem Verwalten der knappen Führung überhaupt nicht einverstanden. Das geht erfahrungsgemäß oft ins Auge, doch Türkspor Berlin kam gegen die Abwehr des Tabellenführers einfach nicht an. Sicheres Verwalten ist letztendlich auch ein Mittel zum Erfolg. So endgültig in der Nachspielzeit, in der 94. Minute, vollstreckte Egzon Ismali den Foulelfmeter (Ghandour an Günther) zum 2:0. Damit verschaffte sich der BFC Preussen einen beruhigenden Acht-Punkte-Vorsprung vor dem ärgsten Verfolger. Am Sonntag, 29.10.2023, steht im Volkspark Mariendorf die Begegnung TSV Mariendorf (5.) – BFC Preussen an. Mariendorf (19 Punkte) gewann bei Hilalspor in der Wiener Straße mit 3:1.

Entscheidendes verkündeten die Füchse vom Wackerweg. Steven Haubitz löst den 62-jährigen Mario Reichel als Chefcoach ab und prompt gewannen die Füchse 5:1 gegen Tabellenneunten 1. FC Wilmersdorf. Das vollzog sich zehn Monate nach Reichels Rückkehr zum Wackerweg. Wie so oft, bleiben die Gründe bei Trainer-Wechseln, so auch hier, im Verborgenen. Immerhin bestehen als Tabellendritter bei noch ausstehenden 14 Spielen (rechnerisch 42 Punkten) weiter gute Aussichten. Bereits am Freitag, 27.10.2023, müssen die Spandauer Kickers (10.), 19.30 Uhr zum Wackerweg, Kienhorststraße. Steven Haubitz hat auch einen neuen Co-Trainer mit Sascha Schrödter, der ebenfalls eine Füchse-Vergangenheit als Spieler und in der vergangenen Saison als Co-Trainer von Tuurjalai Zazai bei Türkspor ausfüllte.

Wir berichteten ja über die eigenartige Schiedsrichter-Entscheidung, zur Erinnerung, das Spiel Frohnauer SC – SD Croatia wurde nicht angepfiffen. Das Sportgericht entschied nun über Frohnaus Einspruch, Ergebnis, die Partie muss neu angesetzt werden. Aktuell siegten die Frohnauer mit 3:0 bei Blau-Weiß 90.

Auf den drei Abstiegsrängen stehen weiter der Berliner SC, Blau-Weiß 90 und VSG Altglienicke II – zweiter Saisonsieg 3:0, am 10. Spieltag bei den Spandauer Kickers. Ein Lebenszeichen sendete der SV Empor, siegte beim Schlusslicht Berliner SC deutlich mit 4:0 und kletterte, nun mit 10 Punkten, auf Rang 14. Das Sportamt Charlottenburg sperrte das Mommsenstadion, sodass der SC Charlottenburg das Spiel gegen SD Croatia, jetzt mit zwei Hängepartien, dennoch 14 Punkte, nicht austragen konnte.

Christian Zschiedrich

Weiter so mit den Berliner Erfolgen in der NOFV-Oberliga Nord

Nach den Coronawirren hat die NOFV Oberliga Nord wieder die Sollstärke mit 16 Vereinen erreicht. Darunter sind neun Clubs aus Berlin und von den 16 stehen nach 10 Spieltagen, sage und schreibe sieben Berliner der Reihe nach von Platz Eins bis Sieben. Nach 10 Spielen rangiert FC Hertha 03 mit 30 Punkten an der Tabellenspitze. Die Zehlendorfer haben alle 10 Spiele gewonnen und haben es am Sonntag, dem 29.10., ab 12.00 Uhr, (11. Spieltag), mit dem TuS Makkabi (6.), 16 Punkte, (bei einer Hängepartie), auf der Julius-Hirsch-Sportanlage, zu tun.

Nur etwas abgeschlagen rangieren mit je 13 Punkten der SC Staaken und Eintracht Mahlsdorf auf den Plätzen 10 und 11. Das kann jetzt bereits als eine Zweiklassengesellschaft bezeichnet werden. Staaken und Mahlsdorf ist sogar zuzutrauen, dass sie in Kürze zu Hertha 06 (7.), Makkabi (6.), Sparta Lichtenberg (5.), Tasmania (4.), Tennis Borusssia (3.), Lichtenberg 47 (2.) und Hertha 03 (1.) aufschließen. Dann stünden alle neun Berliner Verein nacheinander aufgereiht vor den Anderen. Aus Berliner Sicht ist Hertha 03 der Aufstieg in die Regionalliga zu wünschen. Fraglich ist allerdings, ob sie es schlussendlich wirklich wollen.

Lichtenberg 47 (9 Siege, gewann zuletzt 5:2 gegen den Rostocker FC (14.) und so langsam, aber mit weitem Abstand zur Spitze, kommt TeBe (18 Punkte) in Fahrt, gewann auswärts mit 3:1 in Rathenow. Die Differenz zu Hertha 03 beträgt 12 Punkte. Wenn die Zehlendorfer nicht wieder, wie gehabt, einbrechen, dürfte es in dieser Saison sehr schwer werden, den Aufstiegsplatz zu erreichen. TeBe empfängt bereits am Freitagabend, 28.10.2023, 20.00 Uhr, im Mommsenstadion Anker Wismar (9.) und Lichtenberg 47 muss am Samstag, 28.10.2023, 13.00 Uhr, beim Tabellen-Siebten Hertha 06 in der Sömmeringstraße ran.

Der Blick auf weitere Berliner Clubs, ebenfalls am Samstag, 14.00 Uhr, heißt es „Am Rosenhag“, Mahlsdorf gegen Rathenow; Sonntag, 29.10.2023, ab 13.30 Uhr, Neustrelitz -Tasmania, um 14.00 Uhr, an der Fischerstraße empfängt Sparta Lichtenberg die RSV Eintracht, zuletzt 5:1-Sieger in Fürstenwalde und zeitgleich im Sportpark Staaken, spielt der SC Staaken gegen den Vorletzten der Tabelle, Dynamo Schwerin.

Christian Zschiedrich

Lobeshymnen für Berliner in der Regionalliga Nordost

Der 11. Spieltag ziert bis auf Hertha BSC II keine weitere Niederlage und damit verschafften sich Berliner Vereine verbesserte Tabellenpositionen in der Regionalliga. Und diese eine Niederlage resultiert aus einem Berlin-Derby im Amateurstadion beim Heimrecht von Herthas Zweite gegen den BFC Dynamo. Mit einem 2:1 Auswärtssieg überflügelt der BFC Dynamo, jetzt mit 24 Punkten, um einen Zähler Energie Cottbus auf Tabellenplatz Zwei – nun, nur einen Punkt schlechter als Tabellenführer Greifswalder FC. BFC Coach Dirk Kunert freute sich über die Treffer 1:0 (45.) Stockinger und 2:0 (57.) Dadashow vor 1.212 Zuschauer am Freitagabend, 20.10.2023. Das 1:2 in der 93. Minute, durch Wollschlägers Kopfball, kam zu spät. Die Trainer Stephan Schmidt (Hertha BSC) und Dirk Kunert (BFC) kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Hertha und dem VfL Wolfsburg. Hertha bleibt mit 15 Punkten auf Tabellenplatz 11 und für Dirk Kunert, der vierte Pflichtspiel-Erfolg, wird vorausschauend der 12. Spieltag im Sportforum beim Heimspiel gegen Viktoria 89 das nächste Berlin-Derby von besonderer Bedeutung. Aber aufgepasst(!), der FC Viktoria 89 besiegte am Sonntag, 22.10.2023 immerhin den 1. FC Lok Leipzig mit sage und schreibe 5:0. Es kriselt weiter bei der Loksche und die Diskussionen um Trainer Almedin Civa wieder zunehmen.

Energie Cottbus kann und sollte Wiedergutmachung für die 0:2-Heimpleite gegen Carl Zeiss Jena, jetzt Tabellen11., beim Spitzenreiter Greifswalder FC, Sonntag, 29.10.2023, betreiben. Mit einem Sieg und drei Punkten können sie in Greifswald dann neuer Tabellenführer werden, vorausgesetzt, das schafft der BFC Dynamo nicht zu Hause im Sportforum. Spannend und eng geht es oben zu. Sogar Babelsberg 03, siegte 1:0 in Erfurt, ist mit 22 Punkten weiter gut im Rennen und erwartet am Sonntag, 29.10., 13.00 Uhr, Hansa Rostock II (8 Punkte) im Karl-Liebknecht-Stadion.

Die VSG Altglienicke ist aktuell Tabellenfünfter mit 19 Punkten. Die Schützlinge von Karsten Heine sagten sich, was Viktoria kann, können wir schon lange. In Zwickau siegten sie ebenfalls mit 5:0 und bereits am Freitag, 27.10.2023 ab 19.00 Uhr, kommt der Chemnitzer FC ins Jahnstadion. Wir wollen keinen Berliner Club in der Regionalliga vergessen. Der Berliner AK 07 spielte vor 212 Zuschauern zu Hause im Poststadion gegen ZFC Meuselwitz 1:1. Mit dem Remis-Punkt stehen die Athleten mit derzeit nur sieben Zählern weiter auf dem letzten Platz. Der Laternen-Inhaber lässt sich, leistungsmäßig im Aufwind, beim FC Eilenburg (Vorletzter, ebenfalls 7 Punkte) hoffentlich die 3-Punkte-Möglichkeit nicht entgehen. Am 12. Spieltag müssen weiter Punkte her.

Christian Zschiedrich

Der Landespokal in der Länderspielpause

Pokalspiele sind durch positive Überraschungen von unterklassigen Vereinen Jahr für Jahr von Interesse. Allein deshalb, weil mit wenigen Spielen im Vergleich zu Meisterschaftspielen, Titel in Verbindung mit emotionalem Aufschwung und Geldern gewonnen werden können. Das hilft oft existenziell nicht nur höher einzuschätzenden Clubs, sondern auch sogenannten kleinen Vereinen. Da gab es die tollsten Geschichten. Persönlich erlebte ich das mit Hellas Nordwest in Berlin. Uns gelang, auf dem Weg ins Endspiel namhafte Traditionsvereine aus dem Wettbewerb zu schmeißen. Als Trainer war ich mit Interviews besonders gefragt und die Spieler meinten unmittelbar vor dem Finale gegen Wacker 04, so etwas als Amateur noch nicht erlebt zu haben. Plötzlich erschien zu den Trainingseinheiten ungewohnt viel Presse. Spieler sollten sich doch einmal symbolisch die Kletterstange hinauf angeln, dann wurden besondere Schussszenen von ausgesuchten Spielern und letztlich auch ein Mannschaftsfoto aufgenommen. Das alles schadete dem Vereinsimage keineswegs, im Gegenteil, die Aufmerksamkeit tat gut, auch wenn an ein geordnetes Training dabei kaum noch zu denken war. Bei den Fußballern in aller Munde zu sein, förderte sogar im Amateurbereich den Zugewinn, Spieler für die neue Saison zu bekommen. Die Brisanz war zu spüren, die Frage, schaffen wir, der Klassentiefere es, den Oberligisten im Pokalendspiel an der Plumpe zu besiegen? Nein, Wacker gewann unter Trainer Klaus Basikow mit 4:1 (2:1).

Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Drei Jahre darauf wurde ich mit dem aus der 2. Liga abgestiegenen Spandauer SV Berliner Pokalsieger. Die zudem gewonnene Frankreich-Fahrt durfte ich als Trainer aber nicht mehr erleben, wurde kurz zuvor entlassen. Als heute noch schlechtester Zweitligist-Absteiger, mit enorm vielen Gegentoren und Niederlagen, waren besondere Probleme zu bewältigen und der Start in die Oberliga-Saison demzufolge schwierig. Im Laufe der Saison verbesserten wir uns von Spiel zu Spiel und holten in der Tabelle entsprechend auf. Dazu die Story, als Berliner Vertreter waren wir ja im Lostopf der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals und mussten am 7.8.1976 nach Niederembt zum NRW-Verbandsligisten ins Stadion Elsdorf reisen. Der SSV kann ja doch noch gewinnen. Wir überstanden tatsächlich die 1. Hauptrunde, siegten sogar verdient, Ergebnis 3:1 (1:0). Siehe dazu die dokumentierte Story von Hans Peter Becker auf www.sportick.eu/die-schillernde-pappfigur-des-spandauer-sv-berliner-fussballgeschichten-teil-2 vom 12.08.2020. Gerade, als wir fünf Spieltage vor Saison-Ultimo die Tabellenführung geschafft hatten, bekam ich, trotz des Erfolges, den Laufpass. Ja, das gab es in der Tat. Ausschlaggebend war eine riesengroße Dummheit von mir, meinen Vorgänger auf dem Trainerposten genervt in einer Mannschaftssitzung als „schillernde Pappfigur“ zu betiteln. Das war er ja gar nicht – der war inzwischen im Vorstand zum 1. Vorsitzenden aufgestiegen.

Kurz die Folgen zusammengefasst. Der SSV verpflichtete sofort einen in Berlin sehr bekannten und erfolgreichen Trainer. Viele Spieler und sogar Vorstandsmitglieder verstanden meine Entlassung, eben wieder oben stehend, in der Endphase nicht. Alle ausstehenden fünf Spiele wurden verloren. Ich selbst verstand die Welt nicht mehr. Mir blieb im Endeffekt nur die Klage. Den Prozess gewann ich mit Pauken und Trompeten. Ab sofort widmete ich mich der Pressearbeit. Schrieb für Fach- und Lokalzeitungen und beantragte eine Lizenz bei der Medienanstalt für die lokale Fernsehsendung TV Sport in Berlin, die sich in 25 Jahren gewaltig mauserte.

Der in Berlin ehemals glänzende Spandauer Sportverein, den gibt es leider nicht mehr. 2016 wurde er aus dem Vereinsregister gelöscht. Während meiner Häusle-Bauzeit hatte ich verständlicherweise vorübergehend nicht mehr die Zeit, einen Verein zu trainieren. Vor meiner Haustür rannte mir der C-Klassen-Verein SC Heiligensee hinterher und die Tür ein. Nur zweimal Training in der Woche und überschaubare Vorbereitungs- und Wettkampfzeit mit der Mannschaft, beim wiederholten Besuch ließ ich mich doch überreden, wieder Trainer, wenn auch in der untersten Klasse zu werden. Wie das Schicksal es so wollte, wurde uns im Berlin-Pokal Oberligist Spandauer SV zugelost. Voller Ehrgeiz wollten wir die zu erwartende Niederlage in Grenzen halten und das Gesicht wahren. Welch ein Paukenschlag, der C-Klassenverein SC Heiligensee gewann 1:0 und schmiss damit den Oberligisten aus dem Berlin-Pokal. Ich hab noch nicht einmal recherchiert, ob es so etwas überhaupt bereits einmal gegeben hat!

Nun zum aktuellen Länderpokal. Solche Überraschungen fielen diesmal in der dritten Runde aus. Die namhaften Vereine, die in den letzten Jahren das Finale erreichten oder sogar das Endspiel gewannen, ließen sich in der 3. Hauptrunde des Landespokals den Sieg nicht nehmen. So gewann der Regionalligist BFC Dynamo mit 2:0 gegen den Oberligisten SV Tasmania. SD Croatia aus der Berlin-Liga verlor 0:3 gegen den Berliner AK. Mit dem gleichen Ergebnis siegte Eintracht Mahlsdorf (Oberliga) beim BFC Preussen (Berlin-Liga) 3:0. Deutlicher machte es Viktoria 89 (Regionalliga) beim BSV Heinersdorf (Landesliga) mit 5:0. Im Spiel Landesliga – Oberliga, Berolina Stralau (Landesliga) – TuS Makkabi (Oberliga) stand es am Ende1:4. Selbst der Frohnauer SC (Berlin-Liga) siegte 5:1 bei der DJK Neukölln (Landesliga). Berlin-Ligist SC Charlottenburg hatte es beim Bezirks-Ligisten Union 06 schon schwerer, mit 2:1 weiterzukommen. Zweistellig, mit 12:0 endete das Match beim SC Siemensstadt (Kreisliga B) für Lichtenberg 47 (Oberliga). „Nur“ mit halb so vielen Toren 6:1 ging die Partie für Stern 1900 (Berlin-Liga) bei Deportivo Latino (Kreisliga B) erfolgreich aus.

Christian Zschiedrich