Daumendrücken für Hertha in Mainz

Die Saison wird diesmal hoffentlich eine bessere für die Berliner, als die letzte, krisenhafte. Der Fan schaute voller Argwohn auf die Spiele und den meist abstiegsbedrohten Tabellenstand. Auch wenn es jetzt nach sechs Spielen keinen Anlass zur Freude gibt. Vielleicht ein bisschen beim 2:2 gegen Leverkusen wurde im Vergleich zur letzten Saison wenigstens Fußball gespielt. Insofern, es lohnt sich wieder ins Olympiastadion zu gehen. Am 7. Spieltag, zum Freitagabend gilt es in Mainz zu bestehen. Sollten sich da einige Spieler nicht mit der richtigen Einstellung auf das Feld begeben, könnte es ein Fiasko geben, zudem kehrt Hertha-Trainer Sandro Schwarz an seine einstige Wirkungsstätte zurück.

Kommentar Christian Zschiedrich © Foto: Sportick

Hertha steht dem Punktestand nach mit Wolfsburg und Stuttgart, jeweils fünf, auf dem Relegationsplatz. Hat sich Hertha, wäre wünschenswert, mit annehmbaren Ergebnissen gefestigt? Können wir mit konstanteren Leistungen, Spiel für Spiel, rechnen? Wenn nicht, ein Blick auf die Tabelle, hätte Hertha in Augsburg nicht gewonnen oder etwa gegen Leverkusen verloren, wo stünde Hertha vor dem 7. Spieltag? Die Krisenstimmung konnte vermieden werden. Das geht in der Bundesliga eben wirklich sehr schnell. Fast jeder kann jeden schlagen. Es ist sehr ausgeglichen, man schaue sich nur mal die Tabellenspitze an.

Das Selbstvertrauen kann bereits in nur einem Spiel wieder verloren gehen und reicht allein keineswegs. Wer glaubt, gegen Mainz ist es einfacher als gegen Leverkusen zu spielen, überall hängen die Trauben hoch. Mainz geht mit mannschaftlicher Geschlossenheit und großem Einsatz zu Werke. Sie geben bis zum Schluss nicht auf, gegen Augsburg gelang ihnen der Siegtreffer in der dritten Minute der Nachspielzeit. Gegen Mainz ist ein Erfolg möglich. Im Falle eines Sieges sähe, mit acht Punkten, die Welt gleich wieder viel freundlicher aus. Bis zum nächsten Heimspiel vergehen 2 Wochen, erst am 2. 10. kommt Hoffenheim ins Olympiastadion. Im Falle eines Erfolges in Mainz traue ich Hertha sogar die Punkte gegen Hoffenheim zu. Die TSG steht ja mit oben, will wieder ins internationale Geschäft. Jetzt erst einmal Mainz, das nächste Spiel ist ja immer das schwerste. Also haut euch ordentlich rein ins Match am Freitagabend.

Zu einer Vorschau aus Berliner Sicht gehört natürlich auch der 1. FC Union, bisher wurde der Tabellenführer in der Eliteliga noch gar nicht erwähnt. Der spielt zu Hause gegen Niko Kovac mit dem VfL Wolfsburg, in der Alten Försterei, am Sonntag, um 15.30 Uhr. Ein Sieg wird nicht einfach. Sollten die Wölfe in der Wuhlheide verlieren, wird die Luft für Kovac noch dünner.

Warum sind sie Spitzenreiter? Die mannschaftliche Geschlossenheit beeindruckt, wenn es auch international nicht so gut läuft. Mal sehen, wie es nach dem Spieltag aussehen wird.

Christian Zschiedrich

125 Jahre Berliner Fußball-Verband

Der Berliner Fußball-Verband beging am 11. September im Roten Rathaus mit einem Festakt ein stolzes Jubiläum, seinen 125. Geburtstag. Für den „roten Faden“ zur bewegten Geschichte des organisierten Fußballs sorgte Moderator Florian Zschiedrich vor zahlreichen Gästen aus den Mitgliedsvereinen, dem Berliner Sport, der Wirtschaft und Politik. Bei der Vielzahl der anwesenden Prominenz können hier nicht alle erwähnt werden. Zu Beginn sei zunächst DFB-Präsident Bernd Neuendorf genannt.

Der Berliner Fußball-Verband ist der älteste Landesverband Deutschlands. Der BFV ist sogar älter als der DFB. In Berlin wurde halt schon immer guter Fußball gespielt.

Seit fast 18 Jahren führt Bernd Schultz den Berliner Fußball Verband. Im Dachverband organisiert sind über 3.500 Mannschaften, mit mehr als 170.000 Mitgliedern, in 382 Vereinen. Es ist der größte Sportfachverband in der Bundeshauptstadt. Trotz der Pandemie stieg die Mitgliederzahl des BFV weiter an. Besonders sei auf die Erfolge im Berliner Jugend-Fußball verwiesen.

Moderator Florian Zschiedrich schlug einen Bogen von der Vergangenheit bis in die Zukunft. „In einer gespaltenen und später wiedervereinigten Stadt hat insbesondere der Fußball in diesen 125 Jahren ganz viel erlebt und durchgemacht. 125 Jahre voller Hoch- und Tiefpunkten. Umso erfreulicher der heutige Tag, der Festakt „125 Jahre BFV“ hier im Roten Rathaus“!

„Genau genommen feiern wir heute sogar Geburtstag. Denn auf den Tag genau am 11. September wurde vor 125 Jahren, 1897, der Vorgänger des heutigen BFV gegründet, der Verband Deutscher Ballspielvereine (VDB). Konkret: Von sieben Berliner Vereinen im „düsteren Keller, der Vereinskneipe des BFC Preussen, im heutigen Kreuzberg in der Bergmannstraße. Es war eine Versammlung im geselligen Rahmen, mit Menschen, die respektvoll und freundschaftlich miteinander umgegangen sind – genauso wie wir heute hier zusammenkommen“.

Die Historiker Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider haben geforscht und an der Ausstellung sowie der Festschrift mitgewirkt. Sie haben, was die Rolle des BFV während der Zeit des Nationalsozialismus betrifft, noch viele offene Fragen gefunden. Warum hat der Verband, die Zeit der NS-Diktatur nicht durch eine historische Studie aufarbeiten lassen?

Der Berliner Fußball-Verband als Nachfolger des Verbandes Berliner Ballspielvereine (VBB) bekennt sich dazu, dass während der Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Fußball, in den Vereinen und im Verband Unrecht geschehen ist. Er erklärt, dass die Geschehnisse, insbesondere den Ausschluss der jüdischen Mitglieder im Jahr 1933 kritisch hinterfragen sowie seine Rolle während der NS-Diktatur durch eine historische Studie aufarbeiten lassen will.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf ging in seinem Beitrag speziell auf den Frauenfußball ein. „Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass viele Mädchen in die Vereine eintreten wollen. Wir müssen dafür die Infrastruktur schaffen. Das ist auch ein aktuelles Thema“.

Fotos: © 2022 Frank Toebs

Als Gäste konnten unter anderen, Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Thomas Härtel, Präsident des LSB Berlin; Otto Höhne, BFV-Ehrenpräsident und aktiver Präsident von 1990 bis 2004, jetzt im Alter von 96 Jahren, mit einem Sonderapplaus bedacht und Luise „Lu“ Pfannenschmidt, mit 99 Jahren ältestes Mitglied des BFV, begrüßt werden. Luise Pfannenschmidt war viele Jahre Jahrzehnte aktiv beim FC Viktoria 1889, sogar im Alter von 73 Jahren Präsidentin des Vereins. Unter den Gästen war auch Uwe Hammer. Ihm gebührt das Verdienst, als BFV-Präsident von 1982 bis 1989, nach dem Fall der Berliner Mauer, die Pokalendspiele nach Berlin geholt zu haben. Herzlich begrüßt wurde der ehemalige Schiedsrichter Peter Gabor. Er leitete 158 Bundesliga-Spiele und 1987 das DFB-Pokalendspiel zwischen dem HSV und den Stuttgarter Kickers. Bis heute wurde das Pokalfinale 44 Mal im Berliner Olympiastadion ausgetragen.

Christian Zschiedrich

Angreifen ist die beste Verteidigung

Berlin hat – sehr erfreulich – sogar zwei Bundesligamannschaften in der Nummer 1 Sportart Fußball. Die sind ganz unterschiedlich in die neue Saison gestartet. Bei Union werden seit dem Aufstieg vor drei Jahren namhafte Abgänge scheinbar immer wieder mühelos kompensiert. Als aktuelles Beispiel sei hier Taiwo Awoniyi genannt. So etwas möchte Hertha auch gern schaffen, leider scheint, das der Alten Dame nicht zu gelingen. Dabei ruhten einige Hoffnungen auf einem gelungenen Saisonstart. Das Ergebnis ist ernüchternd. „Chancenlos“ berichtete Hans-Peter Becker aus der Alten Försterei. Und die Kommentare in Bild und Ton fallen drastischer denn je aus.

Jetzt, wo Michael Preetz und Werner Gegenbauer weg sind, möchte ich persönlich gern etwas Positives schreiben. Sagt mir bitte, was ? Worüber soll konstruktiv geurteilt werden(?) – galt ich doch als ein Kritiker mit besonderer klarer Wortwahl. Was in dieser Woche über Hertha zu lesen und zu hören sein wird, muss den Herthanern ordentlich in den Ohren klingen. Wie soll sich sonst etwas ändern. Natürlich können Auftaktspiele auch verloren gehen. Es fragt sich nur, wie? Das Wie macht mich besonders nachdenklich.

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert © Foto: Sportick

Angriff ist die beste Verteidigung. Sagt mir bitte nicht, dann hätte Hertha ja noch höher verloren. Was ist das für ein Fußball, wenn nach 36 Spielminuten das erste Mal (per Standard) auf das gegnerische Union-Tor geschossen wird! Solche Spiele möchte ich weder vor Ort, geschweige denn am Fernseher sehen. Erst recht nicht im Olympiastadion. Wer von den Hertha-Spielern kann einen gelungenen Pass, wie beispielsweise Mario Götze, in die Tiefe spielen? Wer das nicht kann, spielt eben quer und ganz viel zurück. War es die fehlende Einstellung oder gar Unfähigkeit?

Fredi Bobic und Neu-Trainer Sandro Schwarz, wussten die wirklich nicht, was sie sich mit Hertha angetan haben? Nico Kovac wusste es und sagte ab. Ob er sich aber mit dem VfL Wolfsburg eine viel bessere Wahl getroffen hat, sei dahingestellt. Ich habe immer noch die sauren Minen von Bobic und Schwarz beim 1.FC Union in Erinnerung. Die deuteten in Richtung Unfähigkeit. Wie soll das bloß enden, wie soll es nur weitergehen?

Der Blick voraus verheißt nichts Gutes! Am 2. Spieltag kommt Eintracht Frankfurt ins Olympiastadion, als Tabellenletzter. Bayern München hat die Frankfurter im eigenen Stadion total auseinander genommen. Heißt jetzt, Wiedergutmachung spielt gegen Wiedergutmachung. Aus Sicht der Hertha sollte gewonnen werden, danach hat Hertha bei Borussia Mönchengladbach zu bestehen. Noch problematischer wird es eine Woche darauf. Borussia Dortmund kommt nach Berlin. Ich kenne da einen Statistiker, seine Darlegung: „Aus ehemals 12 möglichen Punkten, das ist nicht mehr möglich, können es aber noch null werden“! Es bleibt das Prinzip Hoffnung, auf den Fußball-Gott.

Christian Zschiedrich

Bundesliga-Klassenerhalt! SV Reinickendorf bleibt erstklassig

Ü-30 Tennisherren des SV Reinickendorf feierten den Klassenerhalt© Foto: Sportick

Die Sektkorken knallten und ein lautes „Bundesliga, Bundesliga, hey, hey…“ schallte über die Tennisanlage im Norden Berlins. Der Center-Court wurde kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert und mittendrin: Die Herren-Ü 30-Mannschaft des SV-Reinickendorf, die sich gerade den Klassenerhalt in der Tennis-Bundesliga gesichert hatte. Buchstäblich auf den letzten Drücker, in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Showdown.

Dabei hatte die erste Bundesliga-Saison der Reinickendorfer Vereinsgeschichte alles andere als gut begonnen. Gegen den vermeintlichen Abstiegskonkurrenten TTK Sachsenwald gab es im ersten Saisonspiel in Hamburg eine 4:5-Niederlage, wobei das entscheidende Doppel ganz knapp mit 5:10 im entscheidenden Tiebreak des dritten Satzes verloren ging.

Von diesem Rückschlag hat sich das Bundesliga-Team aus Tegel-Süd aber nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil: Die nächste Partie beim Uhlenhorster HC Hamburg ging nach großem Kampf mit 7:2 an die Reinickendorfer und damit stand die Tür zur Rettung wieder offen.

Im weiteren Saisonverlauf entwickelte sich dann der letzte Spieltag zum Tag der Entscheidung.

Die Ausgangslage war klar: Nur mit einem Heimsieg gegen den Dorstener TC konnten sich die Reinickendorfer ein weiteres Jahr Bundesliga-Tennis sichern.

Nach den ersten drei Einzeln stand es dann 1:2 und einmal mehr stand der SVR mit dem Rücken zur Wand. In dieser Situation zeigten die Berliner erneut, was Kämpferherz und Teamgeist bedeutet. Von den folgenden drei Einzel gingen zwei an den SV Reinickendorf. So stand es 3:3 stand vor den drei noch auszuspielenden Doppeln.

Hier schlug zum richtigen Zeitpunkt die stärkste Stunde des Teams. Alle drei Doppel konnten die Reinickendorfer für sich entscheiden. Die Timo Fleischfresser und Kristofer Stahlberg konnte ihre Partie sogar nach drei abgewehrten Matchbällen noch gewinnen. So stand letztlich ein 6:3 Sieg zu Buche. Die Bundesliga-Reise des SV Reinickendorf geht damit weiter.

Ein Verein, der zuvor noch nie in diesen Sphären Tennis gespielt hatte. Jetzt spielen die Ü-30 Herren aus Reinickendorf (namentlich: Marin Bradaric, Dacian Craciun, Timo Fleischfresser, Kristofer Stahlberg, Pilt Arnold, Tim Bauer, Daniel Gerlach, Richard Lieberenz und Florian Zschiedrich) tatsächlich ein weiteres Jahr in der höchsten Spielklasse, unter anderem gegen ehemalige Top-100-Spieler der Weltrangliste. Damit haben die SVR’ler nach dem sensationellen Aufstieg im letzten Jahr den nächsten (wohl noch wertvolleren) Meilenstein der Vereinsgeschichte erreicht.

All das passt zur Entwicklung der Reinickendorfer. In den letzten Jahren hat sich der Verein zu einem Leuchtturm im Berliner Tennis gemausert. Neben den Herren der Ü30-Bundesliga, stellt der Verein in diesem Jahr sowohl bei den Herren Ü40, als auch bei den Herren Ü55 jeweils den Ostdeutschen Meister und die 2. Herren Ü30, die Herren Ü50 und Ü60 haben sich jeweils den Titel des Berlin-Brandenburger Meisters gesichert.

Da darf sich der Center-Court auch schonmal in eine Tanzfläche verwandeln…

Christian Zschiedrich

Hoffnung auf bessere Zeiten bei Hertha BSC ?

Herthas neues Präsidium (von links): Ingmar Pering,, Hans-Joachim Bläsing, Vize Fabian Drescher, Präsident Kay Bernstein, Anne Jüngermann, Peer Mock-Stürmer, Tim Kauermann Foto: © City Press

In meinem letzten Kommentar schrieb ich unmittelbar nach der Wahl von Kay Bernstein, als feststand, dass Frank Steffel  – Urberliner, in Hermsdorf geboren, immerhin seit 2010 Herthaner – mindestens 390 Stimmen bei der Wahl im City Cube auf dem Messegelände fehlten. Er unterlag dem im Erzgebirge geborenen, aber in Berlin aufgewachsenen Ex-Ultra und laut eines Berliner Boulevard Blattes insgesamt 3 Mal mit Stadionverbot belegten Kay Bernstein. Das war eine faustdicke Überraschung.

Es wurde ja nicht nur ein neuer Präsident gewählt. Das gesamte Präsidium musste neu bestimmt werden. Nicht ganz unbedeutend war die Wahl des Vizepräsidenten, das hat ja auch seinen Stellenwert. Vorgesehen war hier Ingmar Pering, seit 2008 Mitglied im Hertha-Präsidium. Als feststand, dass Steffel durchgefallen war, zog Pering seine Kandidatur zurück. Er bleibt allerdings weiter einfaches Präsidiumsmitglied. Für mich nachvollziehbar. Ein bisschen schade ist es trotzdem. Warum?

Pering galt vielen als ein Präsidiumsmitglied mit großem Sachverstand und vor allem Rückgrat. Einer, der dem Präsidenten Werner Gegenbauer auch mal, wenn es notwendig war, Paroli geboten haben soll. Keine einfache Situation, Gegenbauer wurde nachgesagt, nach dem Motto zu handeln, wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Als Rechtsanwalt fiel er im Gremium nicht so in Ungnade wie beispielsweise einst der Unternehmer Christian Wolter (Präsidiumsmitglied bis 2020). Obwohl Gegenbauer ja in Torsten Manske, einen von ihm auserkorenen Rechtsanwalt, als Mitläufer hatte. Wenn es also zu Zeiten der Präsidentschaft unter Gegenbauer, immerhin 14 Jahre lang, keine offene Auseinandersetzung, erst recht nicht mit Michael Preetz, gab, die Stimmung war schlecht. Das wiederum soll der Grund gewesen sein, weshalb der Groß-Sponsor Lars Windhorst die Abwahl von Werner Gegenbauer gefordert hatte. Dieses Ergebnis wurde erreicht.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Aber wie geht es nun weiter? Nach Perings Verzicht wurde Fabian Drescher mit großer Zustimmung der neue Vize. Entscheidend dürfte jetzt das Verhältnis von Bernstein zu Windhorst sein. Bernstein soll nicht unbedingt der erhoffte Präsident des Sponsors gewesen sein, bisher sind die 375 Millionen Euro verpufft. Steffels Netzwerk wäre, was den angestrebten Erfolgskurs betrifft, wohl vielversprechender gewesen. Es bleibt abzuwarten, was der neue Präsident hier anzubieten hat.

Windhorst selbst war gut beraten, keinen eigenen Kandidaten in die Wahlschlacht zu schicken. Frank Steffel beabsichtigte, wohl um seine Glaubwürdigkeit zu behalten, als Präsident der Füchse zurückzutreten. Das wiederum hat das Präsidium der Füchse inzwischen abgelehnt.

Ein Gespräch zwischen dem Sportdirektor Fredi Bobic und Kay Bernstein soll es bereits gegeben haben. Der Präsident hat bisher noch nicht mit Windhorst gesprochen. Franz Beckenbauer würde aktuell sagen: Schau’n war mal!

Christian Zschiedrich   

Kay Bernstein neuer Hertha-Präsident

Mein Kommentar schließt Anerkennung und Glückwünsche für den Sieger Kay Bernstein und die Frage nach dem Optimalen für den Club ein, denn für die Herthaner galt der Ur-Berliner Frank Steffel als Favorit bei der Präsidentenwahl bei 2.950 wahlberechtigten Hertha-Berlinern. Das Ergebnis fiel mit 1.670 Stimmen für Bernstein und 1.289 für Steffel ganz anders und höher als erwartet aus. Eine Niederlage auch für Aufsichtsrat-Chef Klaus Brüggemann, der Steffel für die Kandidatur gewinnen konnte. Dazu eine Niederlage für die Präsidiumsmitglieder Peer Mock-Stürmer und Lutz Kirchhof, die sich im Vorfeld der Allianz Steffel/Pering angeschlossen hatten.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Frank Steffel kann also Füchse-Präsident bleiben. Vielleicht war ein Wechsel zu Hertha sogar ein kleines Hindernis. Dass Kay Bernstein völlig unerfahren und zudem als Ex-Ultra ins Rennen ging, empfanden die Herthaner wohl nicht negativ und als ausschlaggebend. Zu Wenige schätzten dagegen das Vitamin B des Frank Steffel als nutzbringend ein. Der Ex-CDU-Abgeordnete war immerhin von 2009 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und dort im Sportausschuss tätig. Er kennt Gott und die Welt, hat nach wie vor gute Beziehungen zu den Entscheidungsträgern und ist Herthaner seit 2010. Beste Voraussetzungen für das Amt.

In Kenntnis dessen, was Frank Steffel – auch als erfolgreicher Unternehmer – für den Sport geleistet hat, war ich überzeugt, dass er mit diesen Fakten, zudem als erfahrener, guter Redner, in der Mitgliederversammlung mit seinen Ideen die Hertha-Gemeinde überzeugen kann – Irrtum. Herthas Mitglieder ließen sich davon leiten, dass Bernstein, früher Ultra bei den Harlekins, Vorsänger in Ostkurve und später Gründer einer Kommunikations- und Veranstaltungsagentur, gerade die Fanszene und Fan-Organisation bisher unterstützte. Bekanntlich wollen viele Hertha-Fans einen totalen Neuanfang, ganz im Gegensatz zu dem, was bisher in der Führung geboten wurde.

Fredi Bobic wird sich wohl zurückhaltend, neutral dazu äußern und die Angestellten bei BSC Hertha werden sich kaum selbst demontieren, eher der Club selbst.

Christian Zschiedrich

Ein Punkt für Hertha in Dortmund?

Das reicht für den Klassenerhalt und es ist machbar. Selbst wenn Stuttgart das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen sollte, hätte Hertha am Ende 34 und Stuttgart 33 Punkte. Hertha hätte sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, allein was zuletzt zu Hause im Olympiastadion gegen Mainz den 71.000 Zuschauern von den Berlinern geboten wurde, muss zu denken geben. Ebenso muss der Saisonverlauf aufgearbeitet werden.

Sollte Hertha jedoch in Dortmund kein Unentschieden verteidigen können, damit muss im Leistungsvergleich einfach gerechnet werden, eher macht Stuttgart den Sieg über die bereits für Europa qualifizierten Kölner möglich, dann wären die 33 Punkte für beide Kontrahenten sowohl für die Schwaben und für die Berliner das Saison-Endprodukt. Es bedeutet einen Wechsel in der Tabelle. Aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses des VfB muss Hertha mit Sturz auf Platz 16 in die Relegation. Trainer Felix Magath hat angeblich damit gerechnet und sagt ein Finale ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV voraus.

Infolge meiner kritischen Worte bereits vor Saisonbeginn fiel ich bekanntermaßen bei Hertha in Ungnade. Es folgten Selbsttore in Pokal- und Meisterschaftsspielen. Ich wiederum hoffte, aus Freude für Berlin, doch Unrecht mit meinen Äußerungen zu haben und triumphiere jetzt keineswegs. „Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05″ hielt ich mich sachlich zurück. Ebenso zuvor am 28. April kommentierte ich die Gefahr des Abstiegs im Beitrag „Der drittletzte Bundesligaspieltag“.

Am 20. April beschäftigte ich mich in meinem Artikel mit „Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich“ und am 9. April musste ich, fachlich begründet, die „Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern“ deutlich machen, wer die Nummer 1 in Berlin ist. Am 5. April mahnte ich bereits in der Überschrift: „Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha“. Sechs Spiele vor Ultimo stand Hertha punktgleich mit Bielefeld auf einem direkten Abstiegsplatz.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Im Vergleich mit Union beschäftigte ich mich – derzeit aktuell 54 Punkte und für die Europa-League qualifiziert – mit Finanz-Etats, Stichwort Lars Windhorst, den Investoren und Einnahmen. Am 21. März 2022 titelte ich: „Der erhoffte Sturz des Präsidenten“ und verwies auf die anstehende Mitglieder-Versammlung. Ein Thema, das bestimmt künftig viele Journalisten beschäftigen wird. Das geht nicht, ohne ein kritisches Wort zu verlieren, ganz gleich, ob es Hertha passt oder nicht.

Ich fand es legitim, mich zu wehren und Hertha, ohne abhängig zu sein, die Stirn zu bieten. Wer will schon in unserem Land etwas von Pressefreiheit hören? Von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Hertha-Presseabteilung erfuhr ich, dass es nicht gut von mir war, in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ Dinge anzusprechen, die angeblich gegen den Hertha-Präsidenten gerichtet seien.

Verstehe es, wer will. Wie kann ein Journalist nur unangenehme Fakten aufgreifen? Um wenigstens positiv zu enden, Hertha versteht es eben, Saisonverläufe absolut spannend zu gestalten.

Christian Zschiedrich  

Hertha BSC: Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05

Die Auffassung – ob medial oder bei den Hertha-Fans – die Alte Dame sei ja schon so gut wie gerettet, stimmt einfach nicht. So jedenfalls sagt einer ganz laut, der es wissen muss: Trainer Felix Magath. Gerettet ist der Tabellenneunte Mainz 05 mit 42 Punkten. Das ist gut so für die Berliner. Erfahrungsgemäß kämpfen (bis zum Umfallen) die mehr, deren Existenz in Liga Eins noch nicht in trockenen Tüchern ist. Hertha hat bis zum vorletzten Spieltag 33 Punkte gesammelt. Am letzten Spieltag hat Hertha beim BVB in Dortmund anzutreten. Ob Hertha da Punkte holen kann, darf in dieser Saison bezweifelt werden. Umso mehr zählt das Ergebnis im „Topspiel“ im Olympiastadion. Sollte Hertha beide Spiele verlieren und der VfB Stuttgart entsprechend punkten, müssen nicht die Schwaben, sondern die Berliner in die Relegation. Herthas miserables Torverhältnis 35:67, Stuttgart 37:56, muss rechnerisch auch bedacht werden.

Grafik © Sportick

Wenn Hertha absteigen sollte, hat das, trotz aller Erfahrung des Clubs, Auswirkungen nicht nur für die Angestellten im Verein. Schalke 04, Werder Bremen und der Hamburger SV können aktuell ein Lied davon singen. Entscheidungen über den Verbleib der nominell auflaufenden Spieler und sogar einige Finanzpoker um ausgeliehene Spieler, es geht um zehn Profis, stehen dann zu Buche. Augsburg würde gern mit Vorkaufsrecht den leistungsmäßig überzeugenden Arne Maier behalten. Omar Alderete (Florenz) und Krzysztof Piatek (Italien) haben sich in ihren Vereinen empfohlen. Die bereits abgestiegene SpVgg. Fürth möchte gern mit Jessic Ngankam die Kaufoption ziehen. Daishawn Redan (Zwolle Niederlande) ist der Verbleib noch nicht bestätigt. Zwolle ist in der 1. Liga auch noch nicht gerettet.

Vor der vertragsmäßigen Rückkehr zu Hertha BSC stehen ´fünf Spieler, die natürlich davon ausgehen, weiter in der 1. Bundesliga ihr Geld zu verdienen. Dodi Lukebakio (Wolfsburg), Jordan Torunarigha (Gent), Javairo Dilrosun (Bordeaux), Deyovaisio Zeefuik (Blackburn) und Eduard Löwen (Bochum). Da kommt auf Fredi Bobic einiges an Arbeit und viel Verhandlungsgeschick zu.

Die 05er haben ihre Klasse in der Eliteliga schon öfter bewiesen und Spiele in den Schlussminuten dank ihrer superschnellen Außen- und torgefährlichen Stürmer gedreht. Das heißt, Hertha muss bis zum Schlusspfiff konzentriert zur Sache gehen. In Erinnerung sei der Treffer der Bielefelder bei ansonsten dominantem Spiel der Hertha. Garantiert wird wieder einige Minuten nachgespielt werden. Felix Magath hat die Mannschaft garantiert darauf einstellt, und das Team wird es hoffentlich diesmal vor 70.000 Fans umsetzen. Einsatz, Kampf und Leidenschaft wird von voraussichtlich folgender Startelf gefordert und eben auch von allen Wechselspielern wann und wo auch immer.

So könnte Hertha beginnen: Lotka – Pekarik, Boyata, Kempf, Björkan – Ascacíbar, Tousart – Darida, Boateng, Serdar – Selke. Magath dürfte auf das zuletzt bewährte 4-2-3-1 System vertrauen

Die Arena öffnet am 07.05.2022 um 16.30 Uhr. Hertha erwartet ein ausverkauftes Haus. Der öffentliche Nahverkehr in Berlin will, wie alle Herthaner, sein Bestes geben.

Christian Zschiedrich

Der drittletzte Bundesligaspieltag

Die momentane, wieder hoffnungsvollere Situation für Hertha BSC war für viele Berliner gar nicht mehr erwartet worden. Unter der Regie von Felix Magath hat Hertha bisher drei von fünf Spielen tatsächlich gewonnen. Hertha steht mit nunmehr 32 Punkten auf Platz 15 und über dem Strich. Nicht auszudenken, wäre das „6-Punkte“-Match gegen den VfB Stuttgart nicht gewonnen worden. So aber rangiert nun Stuttgart, aktuell 28 Punkte, auf dem 16. und somit dem Relegationsplatz. Für die Schwaben könnte es drei Spiele vor Ultimo noch schlechter kommen, wenn sie ihr Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg – 5:0-Sieger über Mainz 05 – nicht gewinnen sollten. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Hertha muss in Bielefeld gegen die schwächelnde Arminia antreten und könnte alles klarmachen. Haben die Berliner den VfB Stuttgart tiefer in den Abgrund befördert, so wird Magaths eventueller vierter Sieg in der Endphase zwar rein rechnerisch noch nicht der endgültige Klassenerhalt sein, aber so gut wie. Bielefeld bliebe bei 26 Punkten und Hertha hätte vor den zwei letzten Spielen dann 35.

Bei allem Hertha-Jubel, Magath sieht immer noch die Gefahr, falls Hertha gegen den Tabellen-Vorletzten verlieren sollte. Verfrühte Gelassenheit sei fehl am Platze, noch sei der Klassenerhalt gefährdet. „Man sieht, dass wir wieder eine Mannschaft sind“, so Herthas Trainer. Euphorie erfordere im Fußball auch anderseits eine Nüchternheit. Er wisse nicht, wer nach diesem Stuttgart-Spiel bei Hertha euphorisch werden sollte. In der Pressekonferenz präsentierte Magath eine gewaltige Mängelliste. Mit ihm kann man ewig darüber diskutieren, ob Glück in der Tat immer erkämpft werden kann. Ich erkenne bei diesem taktischen Vorgehen eine ganze Menge Erfahrung. Schließlich hat er es immer geschafft, Mannschaften vor dem Abstieg zu bewahren – mitunter sogar in fast aussichtslosen Lagen. Trotz oder gerade wegen seines Alters, könnte ihm Hertha viel zu verdanken haben, am letzten, dem 34. Spieltag wissen wir es. Hertha muss auswärts am 14. Mai nach Dortmund. Das letzte Heimspiel der Saison, gegen den FSV Mainz 05, derzeit Tabellenzehnter, gesichert mit 39 Punkten.  

Berliner Fußball-Enthusiasten blicken auch auf den 6. Tabellenplatz, der bedeutet Teilnahme an der Europa-League. Mit 50 Punkten rangiert da ein zweiter Berliner Verein – trotz namhafter Abgänge. Bereits am Freitag, 29. April, empfängt der 1. FC Union in der Alten Försterei die SpVgg Greuther Fürth, den Tabellenletzten und wieder Zweitligisten. Eine Woche später heißt es in Freiburg beim Tabellenvierten (jetzt 52 Punkte) zu bestehen und am letzten Spieltag, zu Hause in der Alten Försterei, gegen den VfL Bochum eventuell fehlende Punkte zu holen. Dazu meine Feststellung: Union ist reif für Europa!  

Christian Zschiedrich

Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich Saison 2022/23 bei Hertha BSC

Die Planungen für die kommende Spielzeit laufen bei Hertha BSC auf Hochtouren. Lassen wir die Profi-Mannschaft mal außen vor. Da steht ja noch nicht fest, in welcher Liga sie spielen werden. Natürlich erwarten alle Herthaner den Erfolg in letzten vier Endspielen. Als Nächtes steht am Sonntag, 24. April, das „6-Punkte“-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart an.

Im Trainerbereich haben die Planungen ansonsten ihren Abschluss gefunden. Akademie-Leiter Pablo Thiam und sein Team stehen hinter der Besetzung der Cheftrainerposten: „Uns war es ein Anliegen, die Trainerpositionen im Großfeldbereich für die neue Saison so früh wie möglich zu besetzen und damit Planungssicherheit zu schaffen. Wir wollten den eingeschlagenen Weg mit Kontinuität fortsetzen“.

Eine Ära geht dabei zu Ende: Michael Hartmann verlässt Hertha BSC.

Bei Herthas U19 verlässt Michael Hartmann nach neun Jahren den Verein und wird vom bisherigen U17-Coach und angehenden Fußballlehrer Oliver Reiß beerbt. Hertha erinnert und dankt Michael Hartmann für sein jahrelanges Engagement, vor allem der Gewinn der A-Junioren-Meisterschaft 2018 bleibt unvergessen. Die Nachbesetzung des freigewordenen Postens als Cheftrainer der U17 steht noch nicht fest. Mit Ante Covic behält die U23 ihren Cheftrainer, der sie in der laufenden Saison durch zuletzt sieben Heimsiege in Folge aktuell auf den dritten Platz der Rückrundentabelle geführt hat.

Einen Tausch gibt es bei der U16 und U15. Der bisherige U15 Coach Malik Fathi übernimmt die U16. Rejhan Hasanovic geht den umgekehrten Weg. Die U14 wird auch in der kommenden Saison von Tobias Jung betreut. Die U13 behält mit Kleinfeldkoordinator Michael Dobner ebenfalls ihr Gesicht an der Seitenlinie.   

Christian Zschiedrich