Spiel gegen Augsburg gedreht

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Christian Zschiedrich

Nach 80 Sekunden, Hertha hatte den langen Weg aufs Spielfeld gerade mal geschafft, hieß es durch Laszlo Benes 0:1. Ein Rückstand der Platzherren kam den Gästen planerisch zu Hilfe. Andre‘ Hahn köpfte das Leder über Deyovaisio Zeefuik und Klünter zu Benes, der die Kugel im Lauf erfolgreich volley nahm. Hertha wirkte versteinert. Zudem fehlten die Verletzten Sami Khedira (Wadenverletzung), Matheus Cunha (Oberschenkelverletzung)und Nemanja Radonjic (Adduktorenverletzung). Pal Dardai bot dafür Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek und John Cordoba in der Startelf auf. Fast hätte Niederlechner in Minute 38 die Führung noch ausgebaut. Sein Kopfball ging an den Pfosten.

Die ersten 45 Minuten verliefen aus Sicht der Gastgeber total enttäuschend. Ich überlegte mir, wie ich nach evtl. erneuter Niederlage wohl titeln müsste. „Hertha, nach neun Spielen wieder nicht gewonnen“, („Kraftlose,  inkonsequente, blutleere und überforderte Hertha“, „Unausgereifte, halbherzige und einfallslose Hertha“. Dem Verlauf bis dahin entnahm ich überzeugend die Erkenntnis, Hertha weiß gar nicht worum es im Grunde geht. Ein langweiliges, „bedeutungsloses“ Spiel.

Pal Dardai war in der Halbzeitpause nicht laut geworden, brachte für Maximilian Mittelstädt den ebenfalls jungen Luca Netz und Matte’o Guendouzi für Santiago Ascacibar. Zum Siegen verdammt, muss der Coach außerdem die richtigen Worte gefunden haben. Wie auch immer, plötzlich zeigte Hertha großartige Moral und trat insgesamt viel zielstrebiger und bissiger auf. In der 62.Minute setzte Piatek seinem sonst herausragend parierenden Landskollegen Gikiewicz per Kopf zum Ausgleich ein Ei ins Nest. Das erste Tor seit drei Wochen. Die Maßflanke kam von Vladimir Darida.

Letztendlich dauerte es bis kurz vor Beendigung des Matches bis SR Florian Badstübner (89.) auf den Punkt zeigte. Er muss früher selbst mal Fußball gespielt haben und weiß demzufolge, dass es nur einer leichten Berührung bedarf, um einen Spieler im hohen Tempo zu Boden zu schicken. Mads Pedersen foulte Lucas Tousart. Den Kontakt gab es zweifelsfrei am Hacken. Der eingewechselte Dodi Lukebakio verwandelte den Elfmeter zum 2:1. So soll und darf es für die Berliner weitergehen. – am Samstag in Dortmund.

Christian Zschiedrich

Das Für und Wider zu Hertha BSC

Im Olympiastadion 0:3 gegen RB Leipzig verloren und trotzdem sah die Mannschaft von Pal Dardai nicht wie ein Absteiger aus. Diese meine positive Meinung könnte die Akteure eventuell beruhigen und weiterhin sicher wähnen. Moment mal, in den Spielen zuvor sahen sie ja auch ganz gut aus, ohne die nötigen Punkte trotz positiven Verlauf einzufahren. Der Hassgegner für Hertha ist zweifelsfrei Schalke 04. Hertha weiß doch hoffentlich, was die Stunde geschlagen hat. Bei Fortsetzung der fehlenden Effektivität könnte die nächste Partie in Wolfsburg auch verloren werden. Wolfsburg ist heuer verdammt stark. Schließlich ist da unten im Keller Mainz 05 enorm erstarkt. Selbst Bielefeld könnte im ausstehenden Spiel gegen Köln punkten. Das heißt, Hertha ist bereits auf dem Relegationsplatz gelandet. Bisher kam Lars Windhorst nur ins Grübeln. Jetzt spitzt sich die Lage arg zu. Hertha könnte am Ende Arm in Arm, ausgerechnet mit Schalke, absteigen.

Was mich positiv gegen Leipzig stimmte: Hertha war dem Championsleague-Teilnehmer gewachsen, hatte anfangs sogar mehr vom Spiel. Khedira spielte von Anfang an und zeigte mit 77% gewonnener Zweikämpfe mit welch guter Fitness er zu Hertha wechselt ist. Außerdem zeigte Pal Dardais Sohn  Marton Dardai eine überzeugende Leistung in der Startformation. Was immer mal im Fußball passieren kann, so in der 28. Minute, als  Marcel Sabitzer am Sonntagnachmittag aus 32 Metern einen traumhaften „Sonntagschuss“ unhaltbar ins Hertha-Tor  beförderte. Anerkanntermaßen ein Weltklassetor. Das 0:1 hielt bis zur 71. Minute.

Die Geschichten, die der Fußball schreibt. Wenn ein Trainer einen Spieler einwechselt, der den Siegtreffer markiert, bekommt der Coach anerkennende Worte und Schulterklopfen. Diesmal geschah das Gegenteil. Kurz bevor Mukiele das 0:2 erzielen konnte, unmittelbar zuvor kam Guendouzi von der Bank für S. Khedira und ausgerechnet dieser sonst souveräne Guendouzi verlor im Strafraum den Zweikampf und damit den Ball. Der „Genickbrecher“ in dieser Partie. Orban erhöhte in der 84. Minute per Kopf auf 3:0 für Leipzig. Zuvor ließ Hertha Chancen für einen möglichen Anschlusstreffer liegen.  

Hertha muss, aber wie soll Hertha in den nächsten Spielen punkten? Augsburg erzielte gegen Bayer Leverkusen ein beachtliches 1:1, lag sogar bis zur 94. Minute 1:0 in Front. Nun, gegen Augsburg und Leverkusen muss Hertha auch noch ran. Vor Leverkusen heißt der Gegner Dortmund. Also mal der Reihe nach, erst Wolfsburg und dann Augsburg, Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach. Die Negativserie muss gestoppt werden. Der 1. FC Union bestand bisher die Prüfungen auch ohne Max Kruse ganz passabel. Ich weiß, das ist für Hertha kein Trost, eher im Gegenteil: Zumindest einen Berliner Verein in der Eliteliga zu haben sollte aus Hertha-Sicht nicht „Eisern Union“ sein. Wie beliebt der 1. FC Union mittlerweile in Berlin ist, dafür sprechen die gestiegenen Mitgliederzahlen im Köpenicker Verein. Erstaunlicherweise haben die Unioner auch damit die Herthaner erfolgreich überholt.

Christian Zschiedrich

Das Ende von Preetz und Labbadia

Am Sonntag, 24.01.2021 exakt um 11:33 Uhr war es offiziell:

Nach den enttäuschenden Ergebnissen und der negativen sportlichen Entwicklung der vergangenen Wochen hat sich das Präsidium von Hertha BSC nach eingehenden Beratungen dazu entschlossen, sich mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Sport Michael Preetz zu trennen.

Bis zum Ende der Saison wird Arne Friedrich in seiner Funktion als Sportdirektor die Verantwortung im sportlichen Bereich bei Hertha BSC übernehmen.

Ebenso ist Hertha BSC zu dem Entschluss gekommen, sich von Trainer Bruno Labbadia zu trennen.

Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.

Nur kurze Zeit nach dem 1:4 im Samstag Top-Spiel gegen Werder Bremen kam zuerst von „Bild am Sonntag“  die Meldung: „Hertha trennt sich von Trainer Labbadia“. Michael Preetz „wackele“ noch. Doch es dauerte gar nicht lange, bis verkündet wurde, dass auch Preetz nicht mehr Manger der Hertha ist. Sein letztes Interview als Manager des Hauptstadtclubs, hatte ich mit Interesse verfolgt und was Preetz sagte, fand ich nachvollziehbar und gut. Immerhin 25 Jahre bei diesem Club, das ist  eine lange Zeit, auch wenn er in der Führungsposition die Rückendeckung des Präsidenten benötigte. Das ist aber oft praktizierte Kunst.

 Plötzlich empfand ich Mitleid mit Michael Preetz. Zuvor war ich von der Ehrlichkeit des Trainers Bruno Labbadia im Interview mit Florian Zschiedrich angetan. Zum Spielverlauf gefragt, antwortete er, keine Argumente mehr für die Fehltritte zu haben. Allerdings bezog, dass der eine oder andere Journalist als allgemeine Aussage für die künftige Entwicklung. Dabei war ganz klar, mit welcher Intensität weiter gearbeitet werden soll, um endlich erfolgreich zu sein. Ein ganz anderes Paar Schuhe.

Wenn schon das Thema Ehrlichkeit genannt ist, dann ziehe ich den Hut vor den Hertha-Fans, die in der Pandemie vor dem Spiel vor dem Stadion demonstrierten und sehr bemüht waren, die Corona-Regeln einzuhalten. Außerdem wurde deutlich, dass sie Labbadia keine Schuld an der Misere geben, im Gegenteil, sie schienen ihn zu mögen. Es waren nicht etwa nur junge Anhänger, sondern gestandene Männer in Sorge um ihren Verein. Ein 40jähriges Mitglied wünschte sich spontane Veränderungen in der Führung und die Gesamtheit drückte auch plakativ aus: „Preetz es reicht“!

Man stelle sich vor, Hertha hätte nur wieder den Trainer entlassen. Bestimmt hätte Hertha wohl die größte Revolte in ihrer Vereinsgeschichte  und eine düstere Zukunft erlebt.  Die Demonstration war natürlich angemeldet und genehmigt – für zunächst 70 Personen. Es wurden 250, die sich zur Freude der Ordnungshüter mit Anstand an Abstand hielten. In der aktuellen Woche vorm Auswärtsspiel in Frankfurt werden den Herthanern viele negative Berichte zu Augen und Ohren kommen. Es war ja auch ein ereignisreicher Tag mit ersten drastischen Konsequenzen.

Garantiert wird spekuliert, war das Ende von Labbadia und Preetz ein Vorstandsbeschluss? Wer hat dafür gesorgt? War es der Präsident oder hat er nur vorzeitig mit Carsten Schmidt dem Michael Preetz gerade rechtzeitig einen Vorgesetzten vor die Nase gesetzt? Vielleicht überschlagen sich die Entscheidungen. Mich würde interessieren, was kostet der Rausschmiss von Labbadia und Preetz aus ihren Ämtern. Pal Dardai als Nachfolge-Coach halte ich als die beste Lösung, dann aber nicht nur als Interims-Trainer.  

Christian Zschiedrich

Fotos: © 2021 Christian Zschiedrich

Jetzt sollten bei Hertha die richtigen Köpfe rollen

Bisher konnte Herthas Führung vom eigenen Versagen ablenken, indem schnell der Trainer gefeuert wurde. Doch so allmählich geht den Mitgliedern doch ein Licht auf. Diesmal liegt es nun keineswegs am Trainer. Zur Saisonhälfte nach 17 Spielen, nur 17 Punkte genügt nicht den Ansprüchen der Berliner, erst recht nicht, wenn der finanzielle Aufwand zu berücksichtigen ist, ökonomisch betrachtet, hier ist bisher Geld versenkt worden, da muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Das mit ins Kalkül gezogen, wer hat die Spieler geholt und wer hat in den letzten Jahren die Mannschaft zusammengestellt?

Bereits vor dem 16. Spieltag in Köln las ich u. a. auf der Website eines Anbieters von Sportwetten „Labbadia vor Entlassung“ und weiter, Hertha habe schon mit Tedesco und weiteren Trainern verhandelt. In meinem letzten Kommentar zu dem Thema schrieb ich aus Überzeugung: „Hertha solle froh sein, Labbadia zu haben“. Ich habe seine Arbeit und seine Entscheidungen genau verfolgt. Die schlechte Ergebnis-Statistik liegt nicht am Trainer! Inzwischen zweifle ich mehr denn je die Qualität der Akteure zur Geschlossenheit. Von harmlosen, blutleeren Auftritten ohne Mumm steht Woche für Woche (mit Ausnahme gegen Schalke) in den Kritiken zu lesen. Haarsträubend  der Gesamteindruck beim 0:1 in Bielefeld. Noch einmal, wer hat die Spieler geholt? Und wer sorgt mit für das „tolle“ Vereinsklima, einem leistungsstarken und effektiven „Wir“!

Hatte Klinsi „doch recht?  So titelte Sport Bild am 23. Dezember 2020 fett über zwei Seiten. Dazu abgebildet zwei “eng miteinander verflochtene“ Personen:  Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Nicht die herbeigeholten Arne Friedrich, Jens Lehmann oder Carsten Schmidt. “Katastrophale Versäumnisse von Preetz, Lügenkultur, Verachtenswert“! Wer sorgt denn für die seit Jahren stets kritisierte schlechte Stimmung im Verein? Einfach Peinlich!  

Sportlich geht es ohne Pause weiter. Am 18. Spieltag empfängt Hertha BSC Werder Bremen; am 19. auswärts bei Eintracht Frankfurt und dann Bayern München. Hoffen wir auf die 17 Spiele der Rückrunde und auf bessere Entscheidungen, diesmal nicht auf die häufige und übliche Trainer-Entlassung.

Christian Zschiedrich

Hertha BSC von Bielefeld niedergekämpft

Den Siegeswillen und Optimismus von Trainer Bruno Labbadia brachten die Spieler nicht auf den Rasen. Experten titulieren das in Fachpublikationen als „harmlose und blutleere Hertha“. Nach einem guten Spiel folgt also bei den Herthanern ein schwaches. Den Siegeswillen, die Leidenschaft und den körperlichen Einsatz präsentierten die Akteure von Uwe Neuhaus; sie kämpften die Berliner auf der Bielefelder Alm im wahrsten Sinne des Wortes nieder. Das widerspricht jedem finanziellen Vergleich. Natürlich gibt es Stimmen, dem 1:0 ginge doch ein klares Foul voraus. Ja es gab einen körperlichen Einsatz des Torschützen Yabo gegen Pekarik. Bei dem Rempler ging Pekarik zu theatralisch zu Boden. Die Berliner verlangten die Aberkennung des Treffers, doch der Kampf um den Ball wurde nicht als freistoßreif bewertet. Das Tor (64.) zählte. Was folgte war aus Berliner Sicht insgesamt total enttäuschend und widersprüchlich zum 3:0 am Wochenende davor.

Das Spiel war auch, was Angriffsfußball anbelangt, ansehnlich. Von hinten heraus folgte schnelles, konzentriertes Offensivspiel, von Mittelfeldspielern immer wieder angetrieben. Das diesmal Cunha in Bielefeld fehlte, darf doch nicht als Entschuldigung gelten. Freunde, habt ihr Union einmal darüber klagen hören, dass viele namhafte Spieler verletzt fehlen? Experten lobten besonders Darida. Von ihm war in Bielefeld recht wenig zu sehen. Gegen Schalke war er einer der Besten. Ich war besonders von Guendouzi angetan. Seine Spiellaune übertrug sich auf meine Stimmung. Er war ständig unterwegs und forderte immer wieder den Ball. Positiv, er wurde auch immer angespielt. Keine Ballverluste bei ihm, seine Pässe kamen an. Ich war bereit ihn in der Überschrift besonders hervorzuheben und offen zu bekunden, „ich habe mich in Guendouzi  verliebt“. Wohlwissend, dass unseren Lesern bekannt ist, dass ich damit seine Spielweise meinte. Prompt stellte sich der souveräne 3:0-Sieg ein.

Ich sagte mir, hoffentlich war das keine Eintagsfliege, mal sehen, wie sich das im nächsten Spiel in Bielefeld fortentwickelt. Zum Glück hab ich mit dem Lob gewartet, schlief in der 1. Halbzeit ein und sah dann auch nur eine typische alte Dame. Von wegen Geschlossenheit, von wegen Mannschaft, von wegen Ineinandergreifen, Enttäuschung pur. Da schau ich mir lieber künftig mehr Union-Spiele an. Da geht es Spiel für Spiel zur Sache. Das Samstag-Spiel gegen Wolfsburg hab ich selbstverständlich auch gesehen und den 2:0-Sieg in Bremen ebenfalls. Wolfsburg wollte in Folge der 0:2-Niederlage gegen Dortmund in der alten Försterei einiges ausbügeln.

Union geriet diesmal ungewohnt früh in Rückstand, 0:1 Steffen, schaffte aber bereits sechs Minuten später das 1:1 (16.) durch Becker. Union drehte das Match, direkter Freistoß durch Andrich. Per Handelfmeter, Weghorst, kam es zur Punkteteilung 2:2, weil zuvor das 3:1 nicht gegeben wurde, angebliche Torwartbehinderung. Ich schaute mir die Szene immer und immer wieder an und kam zu dem Entschluss: Auslegungssache. Der Torwart ist laut Regel im 5 m-Raum, in der Luft geschützt und darf im Sprung nicht angegangen werden. Das versteht jeder. Aber, hier soll es eine Behinderung durch den vor dem Torwart platzierten Angreifer gegeben haben, nur, der bewegte sich gar nicht. Einziger Fehler, er hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ging auch keinen Schritt zurück. Zu dem Kontakt am Boden stehenden kam es allein durch den Torwart, der kam so nicht an den Ball und umklammerte und schubste sogar den Angreifer. Weshalb dieser Treffer zurückgenommen wurde, die Entscheidungsträger sollten sich die Szene im stillen Kämmerlein zwecks Lerneffekt zur Genüge anschauen. Union nahm die Entscheidung sportlich hin.

Christian Zschiedrich  

Hertha war dem SC Freiburg nicht gewachsen

Hoffentlich bin ich nicht vom Kommentator des Spiels beeinflusst worden, der Hertha im Tiefschlaf sah. Ich habe die Begegnung nicht live sehen können, aber doch das ganze Spiel im Fernsehen. Demnach muss Hertha noch hundert Millionen mehr investieren, um Fußball wie die Freiburger oder Mannschaften aus der Spitzengruppe bieten zu können. Besonders schlimm empfanden die Hertha-Fans die erste Halbzeit, in der fehlte nicht nur der Angriffsfußball, sondern die Spielweise insgesamt war zum Wegschauen oder zum Weglaufen. Kein Tempo und Torszenen waren auch nicht zu sehen.

Hertha schien auf dem Vormarsch, auf dem Weg zu sein, mit dem Ziel, besser als Union zu landen, hahaha! Den Vergleich lassen wir lieber. Drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, das spricht Bände. Es wäre meiner Meinung nach verkehrt, den blamablen, miserablen Start auf den Trainer zu schieben. Seid froh, Bruno Labbadia zu haben! Es liegt wirklich nicht am Trainer, das hat tiefere Gründe. Labbadia soll bloß nicht von selbst sagen, das tue ich mir nicht weiter an! Ohne ihn kann Hertha BSC  dem  „geliebten“ Schalke 04 die Hände reichen. Und was das bedeuten würde, wissen nicht nur Insider. Der Blick geht eindeutig nach unten.

Zur Halbzeit hätte ich gern die Kabinenpredigt gehört, wie den Großverdienern ins Gewissen geredet wurde. Ja, Hertha kann viel besser spielen, die ersten 45 Minuten waren grausam. So geschehen nach der Halbzeitpause. Die Belohnung war der 1:1 Ausgleich. War es plötzlich Powerfußball, war es Leidenschaft, war es das zu erwartende Aufbäumen? Es war nur von kurzer Dauer. Wer es nicht wissen sollte, ein richtungsweisendes Spiel  endete für Hertha mit 1:4. Labbadias Mimik verriet alles. Seine Anweisungen haben einen großen Erfahrungswert, sind fachlich genau das Richtige, nur umgesetzt wird davon nichts. Hertha präsentierte sich auf dem Platz selten als Mannschaft. Schaut einfach mal nach Köpenick.

Christian Zschiedrich

Hauptstadtderby in der Vorschau

Sammeln wir mal einige Argumente: Wenn es um den Marktwert der Mannschaften geht, heißt es 11 : 0 für Hertha. Als, wenn es so leicht gehen würde. Allein der Blick auf die Tabelle nach neun Spielen lässt staunen. Union hat 16 Punkte, Hertha die Hälfte und das keineswegs grundlos. Hertha hat im letzten Spiel in Leverkusen mit dem 0:0 endlich zu einer defensiven Stabilität gefunden. Das zeichnete bisher Union aus. Obwohl, gegen Frankfurt ließen sie ausgerechnet die ein bisschen vermissen. Die Fans sehen lieber ein 3:3 statt ein 0:0. Union hat bisher 21 Tore geschafft, Hertha bringt es auf 15 Treffer. Dennoch gibt es Experten, die auf Hertha tippen.

Die Taktik „hinten dicht, vorne schießt der liebe Gott vielleicht ein Tor“, könnte dazu führen, dass sich die Mannschaften im Derby gegenseitig neutralisieren. Wer verliert schon gern in so einem Spiel? Also, es geht 0:0 aus oder? Wer schießt eher ein Tor: Der Gott bei Union heißt Max Kruse – bei Hertha Matheus Cunha. Piatek ist noch nicht so weit.  Marcel Reif: „Kruse gehört in die Nationalelf“. Da gehe ich voll mit. Jogi darf weitermachen. Ihm sei unter die Nase gerieben, dass früher Bundestrainer sich über die Form der Spieler auch Auskunft bei seinen Bundesligakollegen einholten. Es sollten stets die Besten nominiert werden!

Herthas Spielstruktur ist mit Mittelfeldakteur Matteo Guendouzi, Leihgabe von Arsenal, besser geworden. Carsten Schmidt hat sein Amt als Vorstandsvorsitzender angetreten. Angeblich wird jetzt aufgeräumt. Michael Preetz hat jetzt einen Vorgesetzten. Die Idee dazu soll der Präsident gehabt haben. Wollte er Manager Preetz entlasten, zumal Arne Friedrich als Sportdirektor ja auch etwas tun möchte? Man darf auf die weiteren Entwicklungen gespannt sein. Was ist eigentlich aus dem ehemaligen Pressesprecher Peter Bohmbach geworden? Vom Archiv-Keller hört man nicht viel.

Unions Vorzüge in Sachen Personal liste ich lieber nicht auf. Das könnte mir als Rache ausgelegt werden. Das Hauptstadtderby muss erneut ohne Zuschauer auskommen. Im März spielten beide in der Riesenschüssel schon ohne Fans, leider.

Die eigens für das Derby von den UCOH Allstars feat. Frank Zander kreierte neue Hertha-Melodie wird so ohne Zuschauer auskommen müssen. Nach dem ersten Anhören ist das nicht für jeden Geschmack ein Ohrstreichler. Die in der Stadt verteilten Hertha-Fahnen waren gelungener. Vielleicht gehen ja die Zahlen für kostenfreie Probe-Abos nach oben. Das ist eine Mindestvoraussetzung für all jene, die das Spiel live sehen wollen. Rein sportlich gesehen stellt sich die Sache so dar, Hertha darf nicht weiter verlieren und die Eisernen können in der Gunst nur gewinnen. Alles ist drin.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sitzt, was die Live-Berichterstattung betrifft, nur noch am Katzentisch. Um so mehr Mühe gibt er sich in der Vor- und Nachberichterstattung. In der späten Nacht, einen Tag später, darf dann das alt-ehrwürdige Sportstudio was bringen. Da wird ein gewisser F. Z. über das Derby berichten, vielleicht passiert ja nach dem Spiel was Aktuelles.

Christian Zschiedrich

Verkehrte Welt im Berliner Profifußball nach dem 8. Spieltag

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert

Eine Heimniederlage von Hertha BSC und ein Auswärtssieg von Union beim 1.FC Köln steht zu Buche. Gut, gegen Dortmund kann man verlieren. Hertha sah eine Halbzeit lang recht gut aus, führte sogar etwas überraschend zur Halbzeit 1:0 durch Cunhas Treffer in der 33. Minute. Doch Dortmund machte mit einem Doppelschlag, direkt nach Wiederbeginn, zweimal durch Haaland (47. + 49.) ernst, drehte die Partie entscheidend. Ja, dieser Haaland!

Der norwegische Stürmer ist nicht nur schnell, sogar sehr schnell. Er hat enormes Durchsetzungsvermögen und ist obendrein mit seinen technischen Fertigkeiten im Zweikampf und im zielorientierten Dribbling mit großen Abschlussinstinkt ausgestattet. Da bringt selbst die gute alte Manndeckung nicht viel. „Bleib an ihm dran und wenn Haaland auf Toilette geht, gehst du mit.“

Dann wäre ja die Möglichkeit, einen zweiten Mann gegen Haaland zu beordern. Der fehlt aber dann im Abwehrverbund. Die Lücken nutzen eben die Mitspieler von Haaland, dann schießen Reus oder andere die Tore. Toll, diese Qualität in der Bundesliga zu erleben. Da macht das Zusehen Freude. Haaland vollendete in Minute 62 seinen Hattrick und Dortmund führte 3:1. Guerreiro traf zum 4:1 (70.), ehe Cunha auf 2:4 (79.) per Foulelfmeter für Hertha verkürzen konnte. Die 3-Tore-Differenz stellte schließlich Haaland (80.) mit seinem 4. Treffer auf 5:2 für die Gäste wieder her.

Hertha verlor etwas unter Wert. Dortmund dominierte und gewann hochverdient. Das sei aber auch unserer zweiten Bundesliga-Mannschaft zugestanden – trotz vieler Verletzte ein knapp verdienter Sieg in Köln durch Awoniyi (27.) 0:1 und Kruse (72.) zum 2:1 per Elfmeter im Nachschuss. Erfolgreiche Mannschaften brauchen solche Stürmer wie Haaland, Cunha und Kruse.

Die Liga verneigt sich aktuell vor den Eisernen. Trotzdem bleiben sie in der Wuhlheide auf dem Teppich. Von internationalen Plätzen redet keiner, das ist mehr als angebracht. Die dicken Brocken warten noch und da ist es gut, solch ein Punktepolster angesammelt zu haben.

Eigentlich wurde Hertha dort erwartet wo der 1. FC Union gerade steht. Tabellenplatz fünf mit 15 Punkten und einem soliden Verhältnis von18:8 Toren und Hertha ? Nach acht Spielen bedeuten 7 Punkte, 15:18 Tore, Tabellenplatz dreizehn. Bis zu den Abstiegsrängen sind es 4 Punkte Vorsprung und Hertha muss am 9. Spieltag nach Leverkusen. Bloß nicht weiter abrutschen!

Unions Präsident Dirk Zingler wird im stillen Kämmerlein über das bisher Erreichte schmunzeln, was mit weniger finanziellen Mitteln als mit Herthas Millionen-Einsatz herausgekommen ist. Na gut, die Saison ist noch lang ! Union spielt jetzt gegen Eintracht Frankfurt und hat in der Aufstiegssaison in Frankfurt gewonnen, allerdings das Heimspiel verloren.

Sollte Hertha in Leverkusen tatsächlich verlieren und weiter abrutschen, kommt die Abstiegzone bedrohlich näher. Ein Glück, dass es einen Verein gibt, bei den Hertha-Fans „besonders beliebt“, der mit 3 Punkten die Rote Laterne trägt. Auf Schalke hat es mächtig im Karton gerappelt. Drei Spieler wurden rasiert, getroffen hat es auch den Ex-Herthaner Ibisevic, der wohl preiswerteste Profi der Liga muss den Verein zum Jahresende verlassen. Schalke muss in Gladbach antreten, ob es dort gut ausgehen wird ist sehr zu bezweifeln. Die Borussen spielten zuletzt zu Hause nur 1:1 gegen Augsburg. Ein Ergebnis, dass die Schalker sofort unterschreiben würden.  

 Christian Zschiedrich

Jogi Löw muss über seinen Schatten springen

Von wegen, das hab ich einmal gesagt, ich falle doch nicht um, es bleibt dabei, das ist engstirnig. Jeder, ob in der Politik, Ehe, Erziehung, in schulischen Lernprozessen, der Ausbildung und garantiert auch im Sport macht Fehler. Ich kenne keinen ohne Fehler, aber Menschen, die aus Fehlern gelernt haben. Sturheit ist verwerflich, dumm und arrogant.

Wäre es so schlimm – nein – die ganze Nation würde verstehen wenn Jogi Löw sagen würde: Ich habe mich zwar damals festgelegt und war überzeugt von dem verkündeten Weg, aber die Entwicklung von einigen Leistungsträgern hat mich eingeholt und ich habe nachgedacht – revidiere mein Urteil in Sachen Jerome Boateng, Matts Hummels und Thomas Müller! Beifall und Anerkennung.

Dass in der Nationalelf stets die Besten stehen sollten, ist nach wie vor der Fall. Das Leistungsprinzip darf nicht ausser Kraft gesetzt werden, das ist eine unumgängliche Tatsache. Die Aussortierten bringen erstaunlich gute Leistungen, also sind sie auch in die Nationalelf zu berufen. Boateng, Hummels und Müller sind ab sofort wieder Nationalspieler.

Könnte sogar sein, dass Oliver Bierhoff seine Meinung zu dem Thema längst geändert und geahnt hat, welcher Sturm auf seinen Freund zukommt. Er wird ihn nicht auf Dauer schützen können – die Zeit bis März ist einerseits viel zu lang und andererseits wiederum viel zu kurz. Schließt euch im Kämmerlein ein, beantwortet tausend konkrete Fragen, analysiert und diskutiert über Vor- und Nachteile, das möglichst noch bevor sich das DFB-Präsidium zerreißt oder die Fans oder tägliche negative Meldungen in den Medien die Schlagzeilen beherrschen. Jogi, wir lieben und verehren dich doch – noch.

Christian Zschiedrich

Hertha vor Dortmund

Der 3:0-Erfolg in Augsburg am 7. Spieltag sollte mehr Vertrauen und Selbstsicherheit geben. Infolge der Nationalspiele wurde der Spieltags-Rhythmus unterbrochen. Es geschah inzwischen einiges. Hertha musste etliche Spieler für ihre Heimatnation abstellen. Das hat Vor- und Nachteile. Diesmal könnte es durch die Erfolge in den Spielen mit Hertha-Beteiligung weiteres Zutrauen für einige Leistungsträger geben, insbesondere Dodi Lukebakio für Belgien im Einsatz und sowie für den Polen Krzysztof Piatek. Ganz abgesehen davon, dass auch Lucien Favre mit hochkarätigen Spielern nach Berlin kommt. Den Berlinern bleibt die Hoffnung, gegen Dortmund meist ganz gut ausgesehen und mitunter erfolgreich gespielt zu haben.

Blicken wir vor dem Aufeinandertreffen am Samstagabend, 21.11.2020 lieber nicht auf die Tabelle – oder doch ? Schließlich gibt es einen zweiten Berliner Verein, mit 12 Punkten auf Tabellenplatz 5, aktuell die Qualifikation für das internationale Geschäft. Hat zwar im November, nach sieben Spieltagen nicht viel zu bedeuten, aber immerhin. Einen Tag nach dem Herthaspiel sind die Profis von der „Alten Försterei“ in Müngersdorf beim 1. FC Köln zu Gast. Dortmund hält nach der Niederlage gegen Bayern mit 15 Punkten Anschluss auf Platz 3 zur Spitze. Dortmund sollte in Berlin keine Punkte lassen. Haaland soll es wieder richten… Das Länderspiel seiner Norweger gegen Rumänien in Bukarest wurde aufgrund eines positiv getesteten Spielers abgesagt. So hatte Berlins Torsteher Rune Jarstein Pause. Hertha möchte seinen derzeitigen Ersatzkeeper gegen Dortmund im Kader sehen, das letzte Wort hat das Gesundheitsamt. Er soll, wie Unions Ryerson in 10tägige Quarantäne.

Ein für die kommende Saison hochverdienter und erstklassiger Spieler mit Berliner Vergangenheit wäre ablösefrei zu haben – Jerome Boateng, allerdings mit 32 Jahren nicht mehr im allerbesten Profialter. Er hat sogar wieder zur alten Stärke gefunden. Er könnte der alten Dame zu Glanz verhelfen.  Der in Berlin geborene  Jerome Boateng, zweimalige Triple-Sieger, könnte die erforderliche und zuverlässige Intentifikationsfigur werden und zur Behebung der Abwehrschwäche der schlecht gestarteten Hertha beitragen. Michael Preetz ist meiner Meinung nach gezwungen zu handeln!

Weiter aufgefallen sind:

Peter Pekarik: Seine Zeit schien in Berlin abgelaufen. Unter Trainer Bruno Labbadia wurde Pekarik wieder zum Stammspieler. Welch ein Phänomen, Herthas Verteidiger ist mit 34 Jahren stärker denn je und fährt für sein Land wieder zur EM.

Lazar Samardzic : Im Sommer war der Spielmacher nach drei Bundesligaeinsätzen, er spielte seit 2009 bei Hertha, für eine Million weg, wechselte zu RB Leipzig. Das Training sei unter Nagelsmann auf Championsleague-Niveau und fordere ihn mehr als bei Hertha in Berlin. Folgerichtig sei der Schritt gewesen. Das dürfte den Hertha-Verantwortlichen in den Ohren klingen.   

Matteo Guendouzi : Von Arsenal ausgeliehen soll er in Berlin weiter praktische Erfahrung bekommen. Trainer Labbadia findet den Lockenkopf als Achter ideal zur Bereicherung des Hertha-Spiels. In dem Zusammenhang äußerte Michael Preetz,  in diesem Winter nicht wie zuletzt außergewöhnliche Transfers vorzunehmen. Hertha investierte knapp 80 Millionen unter anderem für Piatek, Cunha und Tousart. In der Kasse herrscht jetzt erstmal Ebbe!

Investor Lars Windhorst: 100-Mio-Euro blieben vom Investor bisher aus, sollen aber zu einem späteren Zeitpunkt fließen. Das Geschäftsjahr läuft bis zum Juni 2021. Hertha hatte eher mit dem Geld gerechnet.

Jordan Torunariga : Den Verteidiger erwischte es doppelt. Erst die schwere Verletzung am Syndesmoseband und dann der positive Corona-Test mitten in der Reha. Die Folge: Quarantäne! War er doch gerade ins individuelle Training eingestiegen. Jetzt versucht Hertha ihn per Cybertraing zu belasten.

Stürmer Jhon Cordoba: Fällt mit einer Bänderverletzung im linken Sprunggelenk, zugezogen in Augsburg, langfristig für die restliche Hinrunde aus. Der Augsburger Neu-Nationalspieler Felix Udokhai hatte ihn kurz vor Halbzeit im Strafraum umgetreten. Später entschuldigte sich Udokhai bei Cordoba und bedauerte die Folge, das Hinrunden-Aus.

Sportdirektor Arne Friedrich : Spricht wie Oliver Bierhoff und Jogi Löw: „Wir sind auf dem richtigen Weg“. Der Kader sei stärker als in der letzten Saison. Eine neue Note bringe Mittelfeldspieler Matteo Guendouzi ins Gefüge. Er sei sehr ballsicher, fordere immer den Ball. Torwart Alexander Schwolow sei nach dem unglücklichen Pokal-Auftakt immer stärker und selbstbewusster geworden. Er habe Führungs-Qualitäten. Außerdem werden auch Deyovaiso Zeefuk und Omar Alderede  „ihren Weg bei uns gehen“. Sprachliche Barrieren werden mit Hilfe von Sprachlehrer Alcir Pereira mit wöchentlich 3 mal Sprachunterricht abgebaut. Das fördert das Zusammenleben, insbesondere das erforderliche Wachsen der Spielkultur.  

Christian Zschiedrich