Viktoria holt sich den Pott

Am Abend wurde das jährliche Hochamt des Profifußballs zelebriert. Im Berliner Olympiastadion holte RB Leipzig in einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem SC Freiburg den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Es war restlos ausverkauft, eine Zusatztribüne errichtet, so konnten 74.322 Zahlende ins Stadion.

Zu mittäglicher Stunde desselben Tages, nur wenige Kilometer vom Olympiastadion entfernt, fand im Rahmen des Tages der Amateure das Endspiel um den Berliner Pokal statt. Bedauerlich, das muss man sagen, fast unter freiwilligem Ausschluss der Öffentlichkeit. Lediglich 1.215 Zahlende gab der wieder als Stadionsprecher engagierte Karsten Holland bekannt. Dabei war es eine alles andere als unattraktive Paarung im neuen Endspielort, dem Mommsenstadion. Der leider nun ehemalige Drittligist Viktoria spielte gegen die VSG Altglienicke. Es war ähnlich dramatisch, wie Stunden später im Olympiastadion.

Die Mannschaft, die die Saison im halbwegs bezahlten Fußball verbracht hatte, bestimmte über weite Strecken das Spiel. Nur das erste Tor im Spiel gelang den Volkssportlern, in der 40. Minute überwand Uzan Tugay den Torwart mit einer Bogenlampe. Philip Sprint sah da nicht gut aus. Es war das Tor aus dem Nichts, was sich so rein gar nicht andeutete.

In der zweiten Halbzeit hatte Viktoria weiter die größeren Spielanteile, während Altglienicke leidenschaftlich verteidigte und einige gefährliche Konter inszenierte. Der in der 60. Minute eingewechselte Paul-Vincent Manske hatte zweimal die Vorentscheidung auf dem Fuß und scheiterte.

Fotos:© Hans-Peter Becker

Der Traum vom Pokalsieg zerplatzte für den Regionalligisten auf die brutalst mögliche Weise. Zwei Tore in der Nachspielzeit durch Lukas Pinkert und Soufian Benyamina entrissen der Elf von Karsten Heine den Pott.

In der Pressekonferenz äußerte Heine seine Kritik an Schiedsrichter Pascal Wien. Eine Tätlichkeit von Viktoria-Kapitän Christoph Menz blieb ungeahndet. „Der Menzer hätte das Spiel nicht beenden dürfen.“ Trotzdem gratulierte er seinem Kollegen zum Sieg und Viktorias Trainer verkündete auf Nachfrage, dass er bei Viktoria nicht weitermachen wird. Sein Vertrag galt nur für die 3. Liga.

Im Kader der Himmelblauen wird es weitere Veränderungen geben. Umso bemerkenswerter war, dass sich die Mannschaft nach dem enttäuschenden Saisonende nochmals zu solch einer Energieleistung aufschwingen konnte.

Hans-Peter Becker

AOK Pokal Finale

21.05.2022 12:15 Uhr Mommsenstadion Berlin

VSG Altglienicke – FC Viktoria 1889 Berlin 1:2(1:0)

Mannschaftsaufstellungen

Viktoria: Sprint – Lewald – Makreckis (80. Hahn) – Theisen (77. Ogbaidze) – Küc – Falcao (65. Hovi) – Kapp – Seiffert – Jopek (65. Benyamina) – Pinckert – Menz

VSG Altglienicke: Bänge – Liebelt (ab 60. P.V. Manske) – Zeiger – Uzan (ab 69. Breitkreuz) – Derflinger (ab. 69. Skoda) – Inaler – Häußler – Belegu – J. Manske – Dem (ab 84. Pütt) – Brehmer

Schiedsrichter: Pascal Wien (SC Borsigwalde)

Assistenten: Fabian Zastrow, Marcel Mallassa, Gunnar Mielenz

Victoria steht im Halbfinale des Berliner Pokals

Der zukünftige Drittligist ist mit einem 3:0 Erfolg gegen Tennis Borussia in das Halbfinale des AOK-Pokals eingezogen. Die erste Halbzeit war ausgeglichen. Auf beiden Seiten gab es Chancen, den Führungstreffer zu erzielen. Es dauerte bis zur 59. Minute bis Moritz Seiffert die Himmelblauen in Führung brachte. Nur wenig später legte Mattis Daube nach und erhöhte auf 2:0. TeBe steckte nicht auf, zeigte aber sichtlich geschockt. Den Schlusspunkt der Partie setzte Shalva Ogbaidze in der vierten Minute der Nachspielzeit.

Der Gegner im Halbfinale wird der BFC Dynamo sein. Die Halbfinals werden am 22. Mai ausgetragen, das Finale steigt im Rahmen des „Finaltags der Amateure“ am 29. Mai. Im anderen Halbfinale treffen der BAK und Pokalverteidiger Altglienicke aufeinander. Alles im Moment noch unter Vorbehalt der Entscheidung des Einspruchs des Oberligisten Blau-Weiß 90.

Was den „Finaltag der Amateure“ angeht, so wird neben Thüringen und Bremen, der Landesverband Südwest sein Finale erst später austragen. Hier sollen die Entscheidungen über die Finalteilnahme auf sportlichem Weg ausgetragen werden.

Hans-Peter Becker

Finalteilnehmer sind ermittelt

Die Teilnehmer am Berliner Pokalfinale sind ermittelt. Bei hochsommlicher Hitze und unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden am Samstag, 8. August die beiden Halbfinals nachgeholt. Standesgemäß setzte sich im Hubertus-Sportplatz der Regionlligist Viktoria Berlin gegen den zwei Klassen tiefer spielenden Berliner SC mit 3:0 durch. Der Gastgeber aus der Berlin-Liga konnte in der ersten Halbzeit halbwegs mithalten und lag nur mit 0:1 hinten. In der zweiten Halbzeit setzte sich größere individuelle Klasse des aufstrebenden Regionaligisten mehr und mehr durch, so dass am Ende ein klares Ergebnis in das Protokoll geschrieben werden konnte. Für den FC Viktoria beginnt bereits in einer Woche, am 15. August die neue Saison. Der Trainingszustand war entsprechend besser, als beim Vertreter aus der Berlin-Liga. So musste der BSC auf seinen Stammtorwart verzichten, der noch im Urlaub weilte. An seinem Ersatzmann lag es nicht, dass die angestrebte Überraschung ausblieb, im Gegenteil, er verhinderte eine höhere Niederlage.

Im Jahnsportpark wurde in einem Regionalliga-Duell zwischen dem BFC Dynamo und der VSG Altglienicke der andere Finalteilnehmer ausgespielt. Erwartet wurde ein spannendes Spiel. Der BFC erwischte einen rabenschwarzen Tag. Kaum hatten sie den Platz betreten, da lagen sie bereits hinten. Es war noch nicht ganz eine Minute gespielt, da zappelte der Ball bereits im Netz. Die Schützlinge von Karsten Heine und Torsten Mattuschka schraubten das Ergebnis auf 5:0, ehe dem BFC, kurz vor dem Schlusspfiff, der Ehrentreffer gelang und das Ganze für die Dynamos mit 1:5 etwas freundlicher aussehen ließ.

Das Finale um den Berliner AOK Pokal tragen so die VSG Altglienicke und der FC Viktoria 1889 Berlin am 22. August im Jahnsportpark aus. Die Anstoßzeit ist für 16:45 Uhr festgelegt und wahrscheinlich wird wieder ohne Publikum gespielt werden müssen. Die ARD zeigt Ausschnitte der Partie im Rahmen des Finaltags der Amateure.

Hans-Peter Becker

Berliner Pokalsieger – FC Viktoria 1889

Wir haben den Pokal – Jubel beim FC Viktoria © Foto: Becker/Sportick

Der FC Viktoria 1889 heißt der Sieger des Finale um den Berliner Fußball-Pokal des Jahrgangs 2019. Es waren einige Zuschauer mehr als erwartet zur ungewöhnlichen Anstoßzeit, Samstagvormittag 10:30 Uhr in den Jahn-Sportpark gepilgert. Es bildeten sich Schlangen vor den Kassen. Dort begehrten neben Fußballfreunden mit Fan Utensilien der beiden beteiligten Clubs auch solche Einlass, die Lederhosen und ein Trikot des FC Bayern trugen. Warum sich nicht auf diese Art die Wartezeit bis zum Anstoß des großen Finales im Olympiastadion vertreiben. Neben den Bayernfans nutzte auch der amtierende DFB-Präsident Dr. Reinhard Koch die Gelegenheit, dem Amateurfußball seine Aufwartung zu machen.

Im Siegershirt und biergeduscht – Viktorias Trainer © Foto: Hans-Peter Becker

Ehrlicherweise muss hier angemerkt werden dass sich in diesem Finale zwei Mannschaften gegenüberstanden, die mehr oder minder unter Profibedingungen arbeiten. Viktoria gönnte der Mannschaft eine Hotelübernachtung, dazu die Anreise mit dem Bus, um für das Spiel besonders fokussiert zu sein. Als das Spiel begann, hatten noch längst nicht alle Zuschauer ihre Eintrittskarten erwerben können. Tore hat sie nicht verpasst und wenn überhaupt, hätte nur eins für den Regionalligisten, Viktoria fallen können. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis der Oberligist so etwas wie eine Torannäherung zustande brachte. Viktorias Kapitän und Torwart Stephan Flauder musste erst in der 36. Minute einen Ball fangen. Bis dahin hatte sein Gegenüber Ertugul Aktas einige Male durchatmen müssen. Die erste Halbzeit gehörte Viktoria, wenn auch die Krönung durch ein Tor fehlte.

Beide Trainer ließen ihre Mannschaft in einem 5-3-2 System gegen den Ball agieren und entsprechend war es ein 3-4-3 bei Ballbesitz. In der zweiten Hälfte änderte sich nichts, TeBe fand weiter kein Mittel, die gut stehende Abwehr der himmelblauen zu überwinden. In der 53. Minute hätte der Treffer für Viktoria fallen müssen, ein Schwimmfest in der TeBe-Abwehr, doch drei Einschussmöglichkeiten blieben ungenutzt. In der 61. Minute reagierte TeBe-Trainer Dennis Kutrieb und nahm Karim Benyamina aus dem Spiel. Er hatte bis dahin kaum einen Stich gesehen. Für ihn kam Bekai Jagne. Auch Thiago Rockenbach da Silva erlebte den Abpfiff nicht auf dem Spielfeld. Er machte in der 69. Minute Platz für Kerem Bülbül.

In der 81. Minute war es soweit, Rafael Brand vollendete eine glänzende Vorarbeit von Timo Gebhart. Der Treffer war überfällig und völlig verdient. In allerletzter Minute wäre TeBe fast noch der Ausgleich geglückt. Es war die erste Flanke im Spiel der Borussen die bis in den Strafraum durchkam und der erst zuvor eingewechselte Murat Turhan, Winterneuzugang von Optik Rathenow, war mit dem Kopf zur Stelle, irgendwie schaffte es Flauder den Ball zu fangen. Zwei taktische Wechsel in der Nachspielzeit durch Viktoria Trainer Alexander Arsovic, dann war die Spielzeit vorüber. Viktoria holte sich den Pokal und hofft jetzt auf einen attraktiven Gegner in der ersten Hauptrunde. Es war ein feiner Zug von Alexander Arsovic, dass er in der Pressekonferenz erwähnte, dass der Sieg auch Jörg Goslar gehört. Goslar, dem Ende April mitgeteilt wurde, dass sein Vertrag, trotz Klassenerhalt nach Abzug von neun Punkten durch das Insolvenzverfahren und trotz Erreichens des Pokalfinales, nicht verlängert wird, wurde vom den Vereinsgremien dann doch sofort freigestellt. Eigentlich wollte er die Saison professionell zu Ende bringen und beim Finale die Mannschaft ein letztes Mal in einem Pflichtspiel betreuen.

Bis zum nächsten Jahr im Wembley des Berliner Amateurfußballs oder woanders? © Foto: Hans-Peter Becker

Entsprechend niedergeschlagen war der unterlegene Oberligist. Nach dem verpassten Aufstieg in die Regionalliga, gab es erneut einen Dämpfer für Tennis Borussia. Während für der FC Viktoria die Saison beendet ist, stehen in der Oberliga noch zwei Spieltage auf dem Programm. TeBe will nach Aussage von Trainer Dennis Kutrieb alles daransetzen, um den zweiten Platz zu verteidigen.

Letztlich zufrieden können die Organisatoren mit der Zuschauerzahl sein, es wurden deutlich mehr als die lediglich erwarteten 1.500. Das Spiel sahen offiziell bekanntgegebene 2.712 Zuschauer.

Hans-Peter Becker

BFC-Dynamo im Halbfinale

Auf der Suche nach einer passenden Übersetzung des Namens ATICI stehen sich zwei Varianten kompromisslos gegenüber: Ein Schütze und nach anderen, unsicheren Quellen ein Aufschneider. Da sich am Sonntag Dynamo-Winterzugang und noch Reservespieler Kemal Atici als einziger Torschütze auszeichnete, glauben wir der mündlichen Auskunft. Nomen est omen. Bleibt man beim Lateinischen könnte auch « er kam, sah und siegte » gesagt werden. Beim Pokal-Viertelfinale Blau-Weiß 90 vs. BFC Dynamo sorgte die sofortige Präsenz und Torgefahr, die der Mittelstürmer nach der Einwechselung (66.) zeigte, für den Unterschied. Der cool erzielte Treffer des Jokers zum 0:1 zehn Minuten vor Abpfiff zerstörte am Sonntag alle Hoffnungen auf eine Überraschung durch die Heimelf. Ein begabter Schütze sorgte so für den Einzug ins Halbfinale.

©Foto: Frank Toebs

Gastgeber Blau-Weiß hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, wollte unbedingt auf dem Kunstrasen an der Rathausstraße spielen. Ein intensiv erarbeitetes Sicherheitskonzept sollte die Unbelehrbaren unter den Fans zähmen helfen. Die Polizei, mit zahlreichen Kräften vertreten, hatte der Austragung in dieser Form auch zugestimmt. Genutzt hat dieser Schachzug, der zum Heimsieg führen sollte, letztlich nichts. Ein wenig Pech war bei den Latten-und Pfostentreffern der Hausherren zwar schon dabei. Offensiv war man aber bis auf den Taktgeber Kevin Gutsche nicht schlagkräftig genug gegen die Defensive des Regionalligisten. Präsident Michael Meister bedankte sich vor und nach dem Spiel ausdrücklich bei allen fleißigen Helfern, die beim Aufbau und der Organisation für die Partie beteiligt waren. „Zum Glück blieb dann auch alles friedlich“, freute er sich trotz der Niederlage.

© Foto: Frank Toebs
© Foto: Frank Toebs

Beim Kontrahenten hatte der neue Trainer Matthias Mauksch in seinem ersten Pflichtspiel das Glück, das man manchmal bei Einwechslungen braucht. Atici und er kennen sich auch bereits von ihrer früheren Zusammenarbeit bei Union Fürstenwalde. Für Mauksch liegt nun bereits der Fokus auf der Partie am Freitag gegen Spitzenreiter Chemnitzer FC (Jahn-Sportpark).
Wer von dem Auftritt des Oberligisten aus Berlin-Tempelhof und der Leistung der klassenhöheren Dynamos vor nahezu 700 Besuchern etwas enttäuscht wurde, sollte eines nicht vergessen: Die Elf des DDR-Rekordmeisters ist zur Zeit nur Drittletzter der Regionalliga Nordost. Dazu fehlen mit Spielmacher Bilal Cubukcu und weiteren Akteuren kaum zu ersetzende Spieler schon seit längerer Zeit. Blau-Weiß hatte anfangs etliche Saisonpartien ohne einen erzielten Treffer bestritten, liegt als Aufsteiger aktuell immer noch im unteren Feld der NOFV-Oberliga Nord!

Frank Toebs

Meteor 06 – Pokalüberraschung blieb aus

90 Minuten waren für den Berlin-Ligisten Spandauer Kickers nicht ausreichend, um in der 1. Pokalrunde das Ticket für die nächste Runde zu buchen.
Meteor 06, ein von Trainer Tobias Löffler gut vorbereiteter Bezirksligist, war nah dran an einer Überraschung. Aber eben nur nah dran. In der 108 Minute, also in der Verlängerung, fiel doch noch der Siegtreffer für die zur Zeit etwas indisponierten Spandauer durch Einwechselspieler Alex Riedel. Die Leistung der Hausherren war nur bei der Chancenverwertung mangelhaft. Ibrahima Cissé hatte Möglichkeiten für zwei Spiele, nur wollte der Ball eben nicht ins Tor. Kurios vor Beginn: Der Schiri bemängelte zurecht die gekürzten Stutzen und darunter sichtbaren schwarzen Socken bei Cissé. Das Spiel musste nach „Umkleidung“ daher fast zehn Minuten später beginnen. Verzichten mussten die Weddinger auf zwei Torwarte der ersten Mannschaft, so dass Mustafa Demir, der nicht ganz austrainiert ist, im Kasten stand. Da nur zwei Schüsse aufs Tor kamen, von denen einer dann noch abgefälscht die Linie überschritt, ist seine Leistung aber nicht zu bemängeln.
Gäste-Trainer Lukasz Lach war nicht überrascht, dass seine Elf derartige Schwierigkeiten bekommen könnte. „Sie haben ein paar Routiniers in ihren Reihen, die Fußball spielen können“, meinte er. Für seine Mannschaft müsse es demnächst heißen, die Negativerlebnisse zu vergessen und vor allem die Trainingintensität zu steigern. Dann könne man in der Verbandsliga auch wieder etwas vorankommen.
Bei einer Pokalpartie auf eigenem Platz- bei schönem Spätsommerwetter gegen einen Vertreter der Berlin-Liga- wäre früher immer Meteors Urgestein, Heinz Boock, unter den Zuschauern gewesen. Das wird wohl in Zukunft nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich sein. Boock, der am 7. Oktober seinen 89. Geburtstag feiern wird, ist nach Stürzen und einigen Kreislaufproblemen, an das Haus gebunden. Verbunden ist er weiter seinen Blau-Gelben. Auch wenn er keiner Whatsapp-Gruppe angehört, ist er durch die Fußball-Woche immer bestens über die Berliner Amateurklassen informiert. Über die höheren Ligen und den Fußball im Ausland sowieso, denn dafür gibt es ja die einschlägigen Fernsehkanäle.

Frank Toebs
Unser Autor betreibt unter www.experte-vom-dorfplatz.de auch einen eigenen Blog mit Themen zum Amateurfußball.

Fotos: © Frank Toebs

Die dritte Kraft im Berliner Fußball ?

Wer ist eigentlich nach den beiden Bundesliga-Clubs Hertha und Union die dritte Kraft im Berliner Fußball ? Eine Mannschaft aus Berlin in der untersten Profiliga, der vom DFB verwalteten 3. Liga gibt es nicht. Der FC Energie aus dem brandenburgischen Cottbus hat es geschafft aufzusteigen. In der viertklassigen, meist von semiprofessionellen Vereinen bestückten Regionalliga tummeln sich ja einige Berliner. Der BFC Dynamo, der Berliner AK, die VSG Altglienicke – dank Cottbus weiter drin – , Herthas Zweite und Victoria 89. Wir lassen mal Herthas Zweite außen vor bei der Beurteilung, wer sich als dritte Kraft eignen könnte. Aktuell ist es wohl der Serienmeister der untergegangenen DDR, der BFC Dynamo. Es strömt immer noch ein Hauch Tradition über die Ränge des Jahnsportparks wenn die Weinroten Heimspiel haben. In der zurückliegenden Saison wollten insgesamt 34.574 Zuschauer die 17 Heimspiele sehen, das entspricht einem Schnitt von 2.033. Das war der viertbeste Wert in der Regionalliga Nordost, übertroffen von Aufsteiger Cottbus als Zuschauerzugpferd Nummer eins, gefolgt von den beiden Leipziger Mannschaften Lok und Chemie.

In der Zuschauergunst in Berlin auf Platz Zwei liegt der FC Viktoria 89. Allerdings mit großem Abstand zum BFC Dynamo. Die 17 Heimspiele in Lichterfelde wollten insgesamt 7.127 Zuschauer sehen, das ergibt einen Schnitt von 509, äußerst bescheiden im Vergleich mit dem BFC Dynamo. Während der BFC auch sportlich die Nase, zuletzt mit dem Gewinn des Berliner Pokals, vorn hat, machen die sonst eher unscheinbaren, himmelblauen Viktorianer mit einer Pressemeldung auf sich aufmerksam.

Die Advantage Sports Union Ltd., Hongkong (ASU), und der FC Viktoria 1889 Berlin haben eine Einigung über eine intensive zukünftige Zusammenarbeit getroffen. Zweck der Vereinbarung soll eine langfristige Kooperation sein, die die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins, insbesondere der 1. Herrenmannschaft, sicherstellt und dabei auch die Verfolgung höherer sportlicher Ziele ermöglicht.“ Etwas weiter heißt es, „Mit der ASU, einem weltweit tätigen und auf die Vermarktung von Sportmannschaften spezialisierten Unternehmen, strebt Viktoria nun eine Partnerschaft an, mit der diese Ziele umgesetzt werden können und verfolgt nunmehr auch die vom DFB empfohlene Ausgliederung des professionellen Spielbetriebs, welche die Basis für ein nachhaltiges Engagement der ASU bildet.“ In der Bild räsoniert Roberto Lamprecht darüber, „Pumpen China-Milliardäre 90 Mio in Berliner Viertligisten, versehen mit einer zweiten Überschrift „Vorbild RB Leipzig“. Es könnte Sinn machen, den im nächsten Jahr steigt der Meister der Nordost-Staffel direkt auf. Man könnte dann, mit entsprechender Finanzkraft, wie einst Leipzig, ab durch die Dritte dem Bereich des Fußballs annähern, wo richtig Geld verdient werden kann. Schließlich soll sich das Investment eines Tages lohnen. Ob das allein den Zuschauerschnitt anheben wird, ist fraglich.

Blicken wir noch kurz auf die beiden Vereine die bereits dort sind, wo Viktoria eventuell mal landen will. Der 1. FC Union hat aktuell noch keinen Trainer für die neue Saison gefunden. Es geistern einige Namen durch die Foren, warten wir auf die entsprechende Pressemitteilung. Beim Lokalrivalen gab es erfreuliches zu vermelden. Die U-19 ist Meister geworden, im Endspiel wurde in Oberhausen Schalke 04 geschlagen. Ein Herzstück der Mannschaft war Stürmer Muhammed Kiprit. Jetzt wurde bekannt, dass das Sturm-Talent den von Hertha angebotenen Vertrag mit einer Laufzeit von 3 Jahren abgelehnt hat. Der Deutsch-Türke war 2015 von Tennis Borussia in das Nachwuchsleistungszentrum von Hertha BSC gewechselt. Sein Umfeld wird als ungeduldig beschrieben. Beraten wird Kiprit von der Agentur FSB, die in Trier ansässig ist. Hinter FSB stehen die Namen Fritz Fuchs, ein ehemaliger Fußball-Trainer, Alexander Bergweiler, Rechtsanwalt und Sahr Senesie, ein ehemaliger Fußballprofi. Senesie ist der Halbbruder und Berater des 23fachen deutschen Nationalspielers Antonio Rüdiger. Er soll sich um die weitere Karriere von Kiprit kümmern und hoffentlich betreut er ihn gut. Laut dem Fachmagazin Kicker sollen sich die Anfragen an Hertha BSC in Grenzen halten. Zumal er nicht ablösefrei ist, sein Vertrag läuft bis zum Ende der Saison 2018/19. Große Erfahrungen im Männerbereich konnte er bisher nicht sammeln. In der Regionalliga wurde er lediglich am 2. Spieltag, es war eine 1:4 Niederlage bei Union Fürstenwalde, für 39 Minuten eingesetzt. Eine feste Größe war er in der A-Junioren Bundesliga-Mannschaft. Vielleicht bleibt er in Berlin, wenn das Geld bei Viktoria ab jetzt so reichlich fließen soll und die Ziele so ambitioniert sind.

Hans-Peter Becker

BFC Dynamo verteidigt Pokal

Der BFC Dynamo verteidigte am Pfingstmontag, 21. Mai den Berliner Fußball Pokal. In der Geschichte des Pokals seit 1990 gelang dies erst zwei Vereinen Tennis Borussia und Türkiyemspor. Für den Verein aus Hohenschönhausen war es die siebente Finalteilnahme, während der Berliner Sportclub zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte überhaupt das Endspiel erreichte.

Es lief bereits die 86. Spielminute der haushohe Favorit, der BFC Dynamo aus der Regionalliga führte mit 2:0. Für die Tore im sonnen überfluteten Jahn – Sportpark sorgte Rufat Dadashov, der in der 17. und 62. Minute traf. Für den Mittelstürmer war es der letzte Auftritt für die Dynamos. In der kommenden Saison wird er für Preußen Münster in der 3. Liga auf Torejagd gehen. So gelang ihn besonderes Abschiedsgeschenk für seinen alten Verein. In der zurückliegenden Saison kam er in 25. Ligaspielen zum Einsatz und war mit 25 Toren nicht nur der erfolgreichste Schütze für seinen Verein, auch in Regionalliga Nordost wurde dieser Wert nicht übertroffen. Am 28. Spieltag zog er sich im Heimspiel gegen Halberstadt eine Innenband-Verletzung zu. Für das Pokal-Endspiel wollte er unbedingt wieder fit werden. Es gelang und wie !

Fast wäre der Triumph noch in Gefahr geraten. Die gut gekühlten Sektflaschen standen schon bereit, die letzten Spielminuten lediglich eine Formsache. Dadashov wurde in der letzten Spielminute ausgewechselt, sein Trainer Rene Rydlewicz wollte ihm den Sonderapplaus der 6.428 Zuschauer, in der Mehrzahl Fans der Weinroten, gönnen. Der Berliner Sportclub aus der Berlin-Liga handelte nach dem Motto: „Wir haben keine Chance und die werden wir nutzen.“ Sie rannten bis zum Schluss und wurden belohnt. In der ersten Minute der Nachspielzeit zeigte Schiedsrichter Stefan Paffrath auf den ominösen Punkt. Er hatte zuvor ein Foul im Strafraum gesehen. Der Kapitän des Berliner SC, Louis Arnst, der sich für ein Jahr, in der Saison 2014/15 erneut bei Hertha BSC II versucht hatte, verwandelte sicher. Arnst hatte bereits in der Jugend für Hertha BSC gespielt.  Für seinen aktuellen Trainer Wolfgang Sandhowe war der Mann des Spiels, so seine Aussage in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Dazu ergänzte er:“es ist eine Augenweide, ihn spielen zu sehen.“

Es wurde noch hektischer in der verbleibenden Nachspielzeit. Zunächst sah Omid Saberdest vom Berliner SC die rote Karte. Es sollen beleidigende Worte in Richtung Schiedsrichter gefallen sein. Mit der letzten Aktion des Spiels, einem Eckball für den BSC wäre ihnen fast der Ausgleich geglückt. Schließlich waren sie vorbei, die Minuten der Nachspielzeit und der 2:1 Erfolg für den BFC Dynamo in Sack und Tüten.

Die Sensation blieb aus. Die größere individuelle Klasse der Dynamos war, trotz enormen läuferischen Aufwands der Truppe aus der sechsten Liga, nicht wettzumachen. Der Trainer des BSC Wolfgang Sandhowe zog alle taktischen Register und konditionell hatten die Amateure keinerlei Nachteile. Der inzwischen 64jährige Sandhowe, ausgestattet mit der Qualifikation eines Fußball-Lehrers hat einiges erlebt. So war er u.a. Co.-Trainer bei Galatasaray Istanbul in der Türkei und in dieser Funktion beim 1. FC Nürnberg unter Hermann Gerland tätig, als Cheftrainer war er in Braunschweig und Magdeburg, um nur einige Stationen zu nennen. Der erfahrene Coach war nicht unzufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. „Ich denke, dass wir den Verein hier würdig vertreten haben.“ Beim Berliner SC scheint der Umtriebige sein Glück gefunden zu haben.

Das Spiel hatte im Wembley des Berliner Fußballs einen würdigen Rahmen. Die Siegerehrung wurde durch einen Platzsturm der Fans des BFC Dynamo etwas verzögert. Es blieb friedlich und alle waren zufrieden. Der BFC Dynamo darf sich erneut über die stattliche Antrittsprämie für den DFB-Pokal freuen und hofft jetzt auf einen attraktiven Gegner im August, der möglichst für ein ausverkauftes Haus sorgen soll.
Hans-Peter Becker

Eindruck von der Pokalbegegnung Club Italia gegen 1.FC Afrisko

Foto: Frank Toebs

Mit Mühe zum Sieg. 1:0 Kelly (45.), 1:1 Kohlsdorf (63.), 2:1 Mikelatze (68.), 3:1 Zlatan (83.).

In der ersten Hauptrunde des Berliner Pokals standen sich mit Club
Italia und 1. FC Afrisko zwei Teams gegenüber, die schon im Namen tragen, was ihr Hintergrund
(Vordergrund?) ist. Der höherklassigen Elf von Club Italia (Landesliga) gelang dabei ein
glücklicher 3:1- Erfolg in einer Partie, die einen spielstarken Vertreter der Kreisliga A zeigte.
Es war kein Klassenunterschied am Sonntag auszumachen.

Trainer Thomas „Icke“ Häßler und sein Gegenüber Said Müller verstanden sich gut und
Häßler lobte den ballsicheren Kontrahenten. „Es könnte sein, dass wir den Gegner doch etwas unterschätzt haben“, meinte er. Bei den Gastgebern standen allerdings auch noch einige Urlauber und verletzte Spieler nicht zur Verfügung.

Frank Toebs