Union geht durch die Decke und Hertha punktet

Der 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 2022/23 wird den fußballbegeisterten Berlinern in besonderer Erinnerung bleiben. Hertha scheint auf dem langsamen Weg der Besserung zu sein und holte vor 40.643 Zuschauern im Olympiastadion immerhin einen Punkt. Partie gedreht, die zwischenzeitliche 2:1 Führung hielt nur fünf Minuten. Das Unentschieden wurde den gezeigten Leistungen auf dem Platz gerecht.

Einen Tag später, am Sonntag, 11. September traten die Eisernen aus Köpenick beim 1. FC Köln an. Der FC Bayern hatte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Federn gelassen und mit einem Sieg in Müngersdorf wären sie Tabellenführer, wenigstens bis zum Schlusspfiff in Freiburg. Ein durch Sheraldo Becker erzwungenes Eigentor nach nur vier Spielminuten brachte den Sieg. Union verschoss noch einen Elfer und erzielte ein Abseitstor. Mit 14 Punkten sind die Wuhlheider jetzt alleiniger Tabellenführer der Bundesliga. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, könnte davon eine ganze Weile seine zukünftigen Strom- oder Gasrechnungen begleichen. In Berlin, vereinzelt sogar in den Westbezirken, wurden Reste vom letzten Silvesterfeuerwerk verbraten. Das ist mehr als nur eine kleine Sensation. „Das Ding ist durch die Decke gegangen“, so die Worte von Präsident Dirk Zingler.

Für die Liga selbst ist das ein kleines Armutszeugnis. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Solide Handwerksarbeit zahlt sich aus. Vor allem kommt es auf die Abwehr an. Nur vier Gegentore in sechs Spielen und noch ohne Niederlage, das ist beachtlich.

Die nächsten Aufgaben lauten FSV Mainz 05 auswärts, für die Hertha und Union spielt zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, der Max Kruse ausgebootet hat.

Hans-Peter Becker

Foto: Christian Zschiedrich

Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha

Leverkusen wäre bestimmt leichter zu knacken gewesen als am kommenden Samstag Union im Berliner Olympiastadion. Der Einsatz enttäuschte Trainer Felix Magath. Hertha ist tatsächlich sechs Spiele vor Ultimo wieder auf einem direkten Abstiegsplatz.  Die Leistungen, vor allem in kämpferischer Hinsicht, waren von Bielefeld, Stuttgart und Augsburg besser. Bielefeld belohnte sich gegen die Stuttgarter mit dem 1:1 und Augsburg siegte mit 3:0 über den VfL Wolfsburg. Wolfsburg hat 31 Punkte, Augsburg 29 und Stuttgart 27 Punkte auf den Plätzen 14 bis 16.

Mit 40 Punkten ist man auf der sicheren Seite. Bielefeld ist mit Hertha punktgleich. Allerdings hat Hertha ein schlechteres Torverhältnis.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Die Köpenicker bekamen laut Analyse den Sieg von Köln „geschenkt“. Mit dem Wort Schenken sollte etwas vorsichtiger umgegangen werden. Ausgerechnet dem Käpt’n Jonas Hektor passierte der folgenschwere Abspielfehler in der 49. Minute. Awoniyi vollstreckte zum 1:0 in der Alten Försterei. Das Ziel Klassenerhalt ist mit 41 Punkten eingefahren. Jetzt erst will Trainer Urs Fischer ein neues Ziel ausgeben. Union will einen neuen Punkterekord. Gegen Hertha könnten es durchaus 44 Punkte werden. Für Hertha wäre der Abstieg noch nicht besiegelt. Nach dem Stadt-Derby stehen ja noch fünf Spiele an. Es wird immer enger.

Das Match ist diesmal von besonderer Brisanz. In der vorangegangenen Saison war es Herthas Ziel, in Berlin die Nummer 1 in der Stadt zu sein. Jetzt könnte Union Hertha noch tiefer in den Abgrund stoßen. Das wünsche ich der Hertha nicht. Hin und wieder läuft es bei Hertha ganz gut, seltsamerweise gegen Spitzenteams in der Eliteliga. Mannschaften, den das Wasser bis zum Hals steht, machen in der Regel den erforderlichen Schritt mehr, als die besser postierten. Also ich finde, Hertha hat die Chance, die Partie für sich zu entscheiden. Felix Magath: „Es wäre doch gelacht …“

Magath wird seinen Spielern eine Anweisung mit auf das Feld geben: „Nur hautnah zu decken, reicht oft nicht, wenn eine Sekunde zu spät der Zweikampf erfolgt und der Gegenspieler eine Fußspitze schneller reagieren kann.“  Schauen wir auf das Torverhältnis: Hertha 30:62 und Union 34:38. Trotzdem, im Fußball ist bekanntlich alles möglich. Aber bitte nicht mit 12 Spieler auf dem Platz auflaufen. In einem meiner früheren Kommentare fragte ich: „Ist Hertha bundesligatauglich?“ Am Samstag beweist es die Alte Dame oder auch nicht?  

Christian Zschiedrich

Hertha rettet sich und Union wahrt Chance auf Europa

Es wurden zwei Unentschieden aus Berliner Sicht. In Leverkusen bot der 1. FC Union ein gutes Auswärtsspiel. Es ist bemerkenswert, dass die Fischer-Truppe auch spielerische Fortschritte gemacht hat, bei den technisch starken Leverkusenern phasenweise sogar das Spiel bestimmte. Das Ergebnis von 1:1 lässt weiter auf die Qualifikation für die Europa-Conference-League-Play-offs hoffen. Am letzten Spieltag treffen die Eisernen auf RB Leipzig. Das Team des scheidenden Trainers Julian Nagelsmann muss nicht mehr alles geben, der Vizemeister ist sicher. Der Mitbewerber Gladbach muss in Bremen antreten. Selbst, wenn es nicht mit Europa klappen sollte, sie können hochzufrieden sein an der „Alten Försterei“. In den bisherigen 33 Spielen wurden 47 Punkte geholt. Was am 27. Mai 2019 begann, vor knapp 24 Monaten könnte eine weitere Krönung erfahren.

Beim anderen Berliner Vertreter wurde nach dem Spiel in der Kabine gefeiert. Mit 35 Punkten bleibt man drin. Es war ein 0:0 gegen die abstiegsbedrohten Kölner. Beiden saß die Angst in Nacken. Die Folge war ein unansehnliches Gekicke, selbst für hartgesottene Fans eine Zumutung. Eigentlich ein Glück, dass nur ausgesuchtes Fachpublikum anwesend sein durfte. Seien wir jetzt nicht zu streng. Pal Dardai und sein Team hat es geschafft, trotz Quarantäne und einer alles andere als gut zusammengestellter Mannschaft, die Klasse zu halten. Die Punktevorgabe für eine mögliche Vertragsverlängerung wurde natürlich verfehlt. Mal sehen, wie sich die Verantwortlichen entscheiden werden. Schlecht wäre es nicht, wenn er weitermachen könnte.

Hans-Peter Becker

Herthas Rettung

Mann-o -mann, war Herthas Sieg wichtig! Nach dem Schlusspfiff mit der quälend langen Nachspielzeit hatte sich die „Alte Dame“ zwei Matchbälle für direkten Klassenerhalt erspielt. Die Nerven lagen blank, der Schiedsrichter zeigte dem erbosten Dardai Senior die gelbe Karte. Mit seinem spitzbübischen Lächeln kommentierte der Hertha-Trainer anschließend: „Wir haben uns die Meinung gesagt, alles ist gut.“

Das 2:1 erzielte der gebürtige Berliner Jessic Ngankam in der 74. Minute – eingewechselt kurz zuvor. Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er für Hertha. Neun Spiele in Folge stand Ngankam nicht im Kader. Dramatisch der Spielverlauf in der Veltins-Arena auf Schalke. Bloß nicht das erste Tor kassieren, sondern selbst die Führung erzielen, war die Devise. Trotz neun, nicht zur Verfügung stehenden Spieler wurde nicht gejammert. Geschwächt schien vor allem die Offensive. Dem Spiel war deutlich anzumerken, es fehlten der Hertha Angriffsspieler.

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Sportick

Schalke ging  früh, das 1:0 fiel nach sieben Minuten, durch Harrit in Führung und hatte weitere Chancen. Boyata beruhigte die Nerven, sein Kopfball, nach Flanke Plattenhardt, saß. Mit dem 1:1 wurden auch die Seiten gewechselt. Dilrosun ließ eine Möglichkeit in der 44. Minute liegen. Hertha wurde im zweiten Durchgang besser, Radonjic ans Außennetz, Piateks Kopfball parierte Fährmann und Boyata traf den Pfosten. Schließlich wuchtete Ngankam per Linksschuss aus 20 Meter ins Gehäuse. Ein weiteres wichtiges Tor von ihm in dieser Saison, er traf in München zum zwischenzeitlichen Ausgleich, da reichte es nicht ganz für einen Punkt. Diesmal war es der siegbringende Treffer.

Ab der 83. Minute mussten die Gäste aus Berlin in Unterzahl weiter spielen. Der eingewechselte Lukebakio, sah zum zweiten Mal Gelb. Eine nur als dämlich zu bezeichnende Aktion ließ dem Schiedsrichter keine andere Wahl.

Der Fußballgott stand in diesem Match auf Herthas Seite. Mustafi traf nach einem Standard zunächst per Kopf den linken Pfosten und beim Nachschuss scheiterte Raman am Aluminium. Es lief bereits die dritte Minute der Nachspielzeit. Der Fußballgott stand in diesem Match auf Herthas Seite.

Nach der Quarantäne holte Hertha sieben Punkte aus drei Spielen. 1:1 in Mainz, dem folgte ein 3:0 gegen Freiburg und der Sieg auf Schalke. Ein Unentschieden im letzten Heimspiel gegen die zuletzt mit 1:4 gegen den SC Freiburg untergegangenen Kölner, dann kann auch Hertha, aktuell 34 Punkte rein rechnerisch nicht mehr direkt absteigen und mit einem Sieg wäre auch die Relegation at acta gelegt. Der FC mit Friedhelm Funkel wird nicht mit allzu großem Selbstvertrauen nach Berlin kommen und steht mit dem Rücken zur Wand.

Da lohnt es sich, bis zum Umfallen zu kämpfen, der rettende Hafen ist in Sicht. Der Berliner Junge Jessic Ngankam muss infolge der Stürmerflaute von Anfang an spielen. Krzysztof Piatek zog sich auf Schalke einen Bruch des Sprunggelenks zu, Lukebakio gesperrt, Cunha und Cordoba, die beiden Top-Torschützen, sind weiter verletzt. Mittelstädt und Darida sind ebenfalls angeschlagen. Es wird Abstiegskampf pur werden im Berliner Olympiastadion. Mal sehen, ob sie bereits den ersten Matchball nutzen können?

Christian Zschiedrich

Union mit Kantersieg und Hertha kriegt wenigstens Punkte auf das Konto

Es ist momentan verkehrte Welt im Berliner Profi-Fußball nach sieben Spieltagen steht der 1. FC Union in der Tabelle auf einem Platz, wo man eigentlich die Konkurrenz aus Charlottenburg erwartet hätte. Die Bestandsaufnahme kann sich für die Mannschaft aus Köpenick sehen lassen. Es stehen drei Siege und drei Unentschieden in der Bilanz, lediglich zum Saisonauftakt mussten sie eine Heimniederlage gegen den FC Augsburg hinnehmen. Das war am 19. September und seitdem sind sie ungeschlagen. Skeptiker können jetzt einwenden, dass mit Ausnahme von Borussia Mönchengladbach kein Schwergewicht der Liga dabei war.

Da ist was dran, trotzdem ist im Vergleich zur Vorsaison eine Weiterentwicklung erkennbar. Waren sie in der Schlussphase der Aufstiegssaison leicht ausrechenbar, so konnte durch gute Kaderplanung der taktische und spielerische Instrumentenkasten erweitert werden. Der Kantersieg gegen die Arminia aus Bielefeld kann da als ein Höhepunkt dieser Entwicklung gelten. Aus Sicht der Eisernen kann von einem fast perfekten Spiel gesprochen werden. So in etwa äußerte sich auch der Kapitän der Eisernen Christopher Trimmel. Das Geisterspiel war sehr früh entschieden. Zur Pause führten die Gastgeber mit 3:0 und in der zweiten Halbzeit hatten die Bielefelder nicht wirklich was vor. Eher im Gegenteil, obwohl die Unioner merklich einen Gang runter schalteten kamen sie zu zwei weiteren Torerfolgen. Der 5:0 Sieg war der bisher höchste Sieg in der Bundesliga.

Auf der Gästebank saß der langjährige Union Trainer Uwe Neuhaus und konnte nach dem Spiel nur konstatieren: „Ein Spiel kann man immer verlieren, aber nicht so.“ Das war in allen Belangen zu wenig was die Arminia in der Wuhlheide ablieferte. So konnten bei den Eisernen vor allem zwei Spieler glänzen. Es waren Sheraldo Becker und Max Kruse. Wenn der Paradiesvogel Kruse weiter solche Leistungen auf dem Platz abliefert, seien ihm seine gelegentlichen Eskapaden in der trotz Lockdown vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten in der Hauptstadt verziehen.

Eitel Sonnenschein bei den Eisernen und bei der „Alten Dame“ sieht es auch wieder etwas freundlicher aus. Es kamen wenigstens Punkte auf das Konto und das versprochene Geld soll ja im Laufe des Geschäftsjahres noch folgen. Für den gemeinen Fan der Hertha sind die Geschäfte von Investor Lars Windhorst so nebulös wie die Sichtverhältnisse in der WKK-Arena während des Auftritts der Hertha. Nach pomadiger erster Halbzeit, immerhin konnte Hertha eine 1:0 Führung mit in die Kabine nehmen, gelangen in der zweiten Halbzeit zwei weitere Treffer. Mit dem 3:0 Sieg wurde endlich der zweite Saisonsieg eingefahren und die unheilvolle Serie von fünf sieglosen Spielen durchbrochen.

Beide Berliner Clubs gehen mit einem Sieg in die Länderspielpause und können die Vorbereitung für die kommenden Aufgaben etwas ruhiger angehen. Am 21. November geht es weiter. Im Samstagabend-Spiel empfangt Hertha die Borussia aus Dortmund und einen Tag später beschließt der 1. FC Union mit seinem Auswärtsauftritt in Köln den 8. Spieltag.

Niederlage zum Saisonauftakt

Die 71. Spielminute der Bundesligapartie des 1. FC Union gegen den FC Augsburg wird in den Annalen des Vereins aus Köpenick wenigstens einen kleinen Ehrenplatz bekommen. Es war der Moment, wo der bisher prominenteste Neuzugang Max Kruse erstmals im Wettkampf-Trikot seines neuen Vereins den Rasen in einem Pflichtspiel betrat.

Indirekt sorgte er für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Die Abwehr der Augsburger konzentrierte sich wohl zu sehr auf die Nummer 10 im Uniontrikot und achtete zu wenig auf Marius Bülter. In der 75. Minute bekamen die auserwählten 5.000 Zuschauer in der „Alten Försterei“ den einzigen ordentlich abgeschlossenen Angriff ihrer Mannschaft zu sehen. Eine flache Hereingabe von der linken Angriffsseite nutzte Marius „das Biest“ Bülter und setzte den Ball in die Maschen. Sein ehemaliger Mannschaftkamerade Rafal Gikiewicz, jetzt im Tor des FC Augsburg, hatte keine Chance. Es kam Hoffnung auf, eine bis dahin laue Vorstellung doch noch zu einem guten Abschluss zu bringen. Mit Verlaub, der FC Augsburg gehört nicht zu den Meisterschaftaspiranten, ein Verein der mit den Eisernen auf Augenhöhe spielt.

Nach dem Ausgleich zogen die Gäste kurz das Tempo und holten sich in der 82. Minute die Führung zurück. In der 89. Minute machten die Gäste den Deckel drauf. Mit einer 1:3 Niederlage starteten die Eisernen in die Saison. Sebastian Andersson wurde, wie beim Pokal in Karlsruhe, schmerzlich vermisst. Bei seinem neuen Verein, dem 1. FC Köln schoss er bei der 2:3 Niederlage gegen Hoffenheim ein Tor selbst und bereitete einen weiteren Treffer vor. Die Eisernen suchen nach einem Ersatz und sind wohl bereits fündig geworden. Mittelstürmer Taiwo Awoniyi vom FC Liverpool wird ausgeliehen.

Der 23-jährige Nigerianer wechselte 2015 von der Imperial Academy zu den Reds und sammelte in den vergangenen Jahren auf Leihbasis beim FSV Frankfurt, NEC Nijmengen (Niederlande), KAA Gent und Royal Mouscron (beides in Belgien) Erfahrung. In der vergangenen Spielzeit lief der Stoßstürmer für den FSV Mainz 05 auf. Das Trikot der Hessen trug der Mittelstürmer, der in Mainz Großteils auf anderen Positionen zum Einsatz kam, in 12 Pflichtspielen und erzielte im Duell gegen den 1. FC Köln sein erstes Bundesligator. Auch im Rückspiel gegen den 1. FC Union Berlin stand Awoniyi im Stadion An der Alten Försterei auf dem Rasen. Nach Ablauf der Leihvereinbarung bei den Rheinhessen kehrte Taiwo Awoniyi zunächst zurück zum FC Liverpool und stürmt ab sofort für den 1. FC Union Berlin.

Die Frage ist, ob damit das Thema Philipp Hofmann vom Tisch ist. Union würde den großgewachsenen Mittelstürmer (1,95m) gern verpflichteten. Nur liegen die Vorstellungen über die Höhe der fälligen Ablöse weitauseinander. Der Bedarf wäre da, das hat das Spiel gegen die Augsburger gezeigt. Beim Spiel des KSC in Hannover stand Hofmann nicht im Kader.

„Die erste Hälfte war sehr ausgeglichen, die Führung für Augsburg ist aus meiner Sicht aus dem Nichts gefallen. Der FCA war heute sehr effizient, auch weil wir bei den Gegentoren nicht konsequent genug waren. Da hat uns dreimal die letzte Entschlossenheit gefehlt. In der zweiten Hälfte hat man gesehen, dass wir versucht haben Druck aufzubauen, der Ausgleich war aus meiner Sicht verdient. Die Augsburger waren aber effektiver, deshalb war der Sieg letztendlich auch verdient“, so Unions Cheftrainer Urs Fischer nach dem Spiel.

Im Rahmen des zweiten Spieltags der Bundesliga trifft der 1. FC Union Berlin am kommenden Sonnabend, dem 26.09.2020 auswärts auf Borussia Mönchengladbach. Der Anpfiff im Borussia-Park erfolgt um 15:30 Uhr.

Hans-Peter Becker/Hannes Hahn 1. FC Union Presse

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel, Friedrich, Knoche, Lenz (86. Gießelmann) – Gentner (25. Griesbeck), Andrich, Prömel (71. Teuchert) – Becker (71. Kruse), Ingvartsen (86. Mees), Bülter (4-3-3)

FC Augsburg: Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – D. Caligiuri (86. Oxford), Khedira, Gruezo (86. Jensen), Vargas (76. Hahn) – Niederlechner (76. Finnbogason), Gregoritsch (89. Strobl) (4-4-2)

Schiedsrichter: Marco Fritz, Thomas Stein, Benedikt Kempkes, Markus Schmidt

Tore: 0:1 Vargas (41.), 1:1 Bülter (75.), 1:2 Gregoritsch (82.), 1:3 Hahn (89.)

Andersson verläßt die Eisernen

Nun also doch, spätestens nach Verpflichtung von Max Kruse war unter den journalistischen Beobachtern des 1. FC Union spekuliert worden, ob Sebastian Andersson weiter in Köpenick bleibt. Am 15. September wurde es offiziell bestätigt, der Stürmer wechselt zum Ligakonkurrenten 1. FC Köln. Die Domstädter reagierten damit auf den Weggang von Jhon Andrés Córdoba Copete, kurz Córdoba, der sich ausgerechnet dem Stadtrivalen Hertha BSC anschloss.

Rein finanziell betrachtet, ist das für die Eisernen ein richtig gutes Geschäft. Andersson wechselte 2018 ablösefrei vom damaligen Zweitligaabsteiger, 1. FC Kaiserlautern nach Berlin. Sein Marktwert wurde mit etwa 1,25 Mill. EUR taxiert. Nach 34 Pflichtspielen in 2. und 33 in der Bundesliga konnte er seinen Marktwert auf über 7 Mill. steigern. Erst im Februar 2020 hatten die Eisernen mit ihm verlängert. Eine sehr weise Entscheidung, sonst wäre er ablösefrei gewechselt. „Einen Spieler mit der Qualität von Sebastian abzugeben ist für uns als Verein nicht einfach. Er war ein elementarer Bestandteil unserer Mannschaft, den wir nun gemeinsam versuchen müssen zu ersetzen…Jetzt mussten wir akzeptieren, dass er großes Interesse bei anderen Vereinen geweckt hat und uns war zu jeder Zeit klar, dass es wirtschaftliche Rahmenbedingungen gibt, unter denen wir Spieler ziehen lassen müssen.“

Sebastian Andersson verläßt die Eisernen © Foto: Hans-Peter Becker

Trainer Urs Fischer muss sich jetzt Gedanken machen, wie Andersson zu ersetzen sein wird. Für die Spielweise der Eisernen in der Bundesliga war er wie geschaffen. Das Spiel des 1. FC Union war und das wird auch in der kommenden Spielzeit so bleiben, nicht unbedingt auf Dominanz und Ballbesitz ausgelegt. Konterfußball und Ausnutzen der Fehler des Gegners, diese Maxime wurden selbst in den Heimspielen versucht umzusetzen. Sein nun ehemaliger Mannschaftskamerad Robert Andrich brachte es gegenüber der Fachzeitschrift „Kicker“ auf die kurze Formel. Der 1. FC Köln hat jetzt einen Angreifer, der „aus Scheiße öfter Gold macht.“ Etwas drastisch in der Sprache der Fußballer ausgedrückt, aber es trifft den Kern. Beim Pokalspiel in Karlsruhe fehlte er jedenfalls an allen Ecken und Enden. Er stand dort nicht mehr im Kader und Ersatzmann Cedric Teuchert konnte ersteinmal nicht überzeugen und wurde nach einer Stunde Spielzeit ausgewechselt

Die Summe, die der 1. FC Union für Andersson kassieren wird, soll bei rund 6 Mill. EUR liegen. Ansonsten, wie üblich, vereinbarten über die Ablösemodalitäten beide Vereine Stillschweigen. Für den inzwischen 29jährigen Sebastian Andersson dürfte sich der Vereinswechsel finanziell lohnen. Der Transfermakt ist zudem bis Anfang Oktober geöffnet, so dass die Eisernen sich in einiger Ruhe nach Ersatz umschauen können.

Hans-Peter Becker

nur der 1. FC Union blieb übrig

„Erreicht Hof mit Müh und Not“, der 1. FC Union quälte sich in Karlsruhe und hatte Glück in der Verlängerung, da gelang ausgerechnet Nico Schlottebeck das goldene Tor. Schlotterbeck spielte zwei Jahre, von 2015-2017, für den Nachwuchs des KSC. Im Gegensatz zum Auftritt der Hertha, stand bei den Eisernen wenigstens die Abwehr. Die Karlsruher versuchten es zu oft mit hohen Flanken in den Strafraum, die von hochgewachsenen Verteidigung der Unioner abgeräumt wurden. Packende Torraumszenen waren Mangelware und ein Klassenunterschied überhaupt nicht zu sehen. Über diesen mauen Auftritt werden die Eisernen intern reden müssen. In der Auswertung dürfte Urs Fischer, der ja ein eher ruhiger Zeitgenosse ist, etwas lauter geworden sein.

Zum Auftakt des Pokalwochenendes hatte sich Hertha in Braunschweig…, ja was ? Nimmt man das nackte Ergebnis, 4:5 verloren, war es eine Blamage. Beide Mannschaften spielten quasi ohne Abwehr. Bei dem Rückkehrer in die 2. Bundesliga war praktisch jeder Schuss ein Treffer und Hertha Angriffsleistungen sind eigentlich zu loben. Nur, so ganz ohne Abwehr ist kein Spiel zu gewinnen. Die Braunschweiger hatten zudem eine übergroße Portion Matchglück. Hertha ist schon raus aus dem Pokal und vor dem Bundesligastart kann einem Angst und Bange werden. Der neue Flughafen in Berlin ist keine so große Baustelle mehr, wie die Hertha-Mannschaft. Im Gegensatz zum BER hat Hertha noch Geld auf dem Konto.

Vergessen wir nicht den Dritten im Bunde, die VSG Altglienicke, verspätet qualifiziert als Sieger des Berliner Pokals. Sie hatten ja das Heimrecht mit dem 1. FC Köln getauscht und standen in der Kölner Arena auf verlorenem Posten. In Berlin wäre es ihnen nicht anders ergangen. So sparten sie eine Menge Geld. Mit viel Selbstvertrauen versuchten die Schützlinge von Karsten Heine dagegen zu halten. In der 17. Minute sorgte eine strittige Elfmeterentscheidung für die frühe Kölner Führung. Den vom Kölner Kapitän geschossenen Strafstoß hätte VSG-Keeper Bätge fast gemeistet. Bis zur Halbzeitpause bauten die Kölner ihre Führung auf 3:0 aus. Das Spiel war frühzeitig entschieden. Die VSG steckte nie und versuchte wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen. Am Ende siegte der Effzeh standesgemäß mit 6:0.

Hans-Peter Becker

Bei Hertha brennt‘s lichterloh

Vor Anpfiff der Begegnung des Heimspiels gegen Köln war ich überzeugt davon, endlich mal wieder einen in sportlicher Hinsicht zum Wohle des Berliner Fußballs positiven Bericht verfassen zu können. Nach den ersten 45 Minuten, ohne einen Torschuss der Hertha registriert zu haben, schwanden die dem Fußball zugewandten Gedanken. Mich beschäftigte das in den sozialen Netzwerken nach Jürgen Klinsmanns Hinschmeißens deutlich zu lesende, vor allem die klaren Forderungen an Michael Preetz, doch endlich das Weite zu suchen. Natürlich war überwiegend Klinsmanns Davonlaufen unverstanden bis verächtlich niedergeschrieben worden. War es wirklich so unbedacht und unüberlegt?

Ein ganzer Kerl wäre bei der Stange geblieben und hätte versucht, sich durchzusetzen und den Herren in der Führung klar zu machen, um erfolgreich zu sein, muss ich auch die volle Verantwortung für das „Himmelfahrtskommando“ tragen, so sehr sich Michael Preetz auch in seiner Funktion dann überstimmt fühlen mag. Änderungen herbeizuführen waren doch unumgänglich und die von Klinsmann eingeschlagene Richtung wurde allerseits anerkannt. War es nun die Erkenntnis seitens des Ex-Nationaltrainers, sich gegen die Hertha-Führung nicht behaupten zu können ? Muss ich mir das aussichtslos antun, werden seine Überlegungen gewesen sein. Später erfahren wir vielleicht mehr darüber. Selbst ein Jürgen Klinsmann nimmt nicht gerne den absehbar großen Imageverlust in Kauf.

Das vorletzte Heimspiel, ein 1:3 gegen Mainz war schon unverzeihlich, das letzte 0:5 gegen Köln ist mit dem Wort bitter nicht abgetan und zu erklären. Jetzt brennt die Luft! Ursachenforschung steht an und da sieht Michael Preetz gar nicht gut dabei aus. Wenn er noch einen Funken Ehre im Leibe hat, tritt er endlich von sich aus zurück.

Ich schätzte bisher die sachliche und fachliche Kompetenz der Fußball-Woche sehr. Wenn ein Fachblatt wie eben die Fußball-Woche auf der Titelseite die Überschrift wählt: „Hertha macht sich zum Gespött der Fans“, dann ist es – liebes Präsidium – an der Zeit zu handeln. Ich bin zwar kein Hertha-Mitglied mehr, schreibe aber gern über den Volkssport Nummer1 in unserer Hauptstadt und wähle als aktiver Journalist mit Bedacht und in sportlicher Pflicht: Treten Sie zurück, lieber Michael Preetz!  Schlimmer kann es für einen Hauptstadtclub doch gar nicht kommen.

Christian Zschiedrich