Jens Lehmann als Mitglied im Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KgaA vorgeschlagen

Die TENNOR Holding B.V. hat als Vertreter im Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, der aus neun Mitgliedern besteht, zum einen den ehemaligen Nationaltorwart Jens Lehmann und zum anderen Marc Kosicke, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Projekt b und Berater von Trainern und Führungskräften im Fußball, benannt. Die Beiden müssen nun auf der nächsten Hauptversammlung des Gremiums in diesem Kreis bestätigt werden.

Lars Windhorst, Chairman der Tennor Holding BV, die 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha GmbH und Co. KG hält: „Ich freue mich sehr, dass sich Jens Lehmann und Marc Kosicke für uns bei Hertha engagieren werden. Beide bringen ein hohes Maß an Erfahrung und Professionalität mit. Sie werden beitragen, die hohen Ziele von Tennor und Hertha zu erreichen und den Verein gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.“

Michael Preetz, Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC: „Wir pflegen selbstverständlich einen regelmäßigen Austausch mit Lars Windhorst und sind über den Vorgang informiert worden. Wir begrüßen beide herzlich in ihrer neuen Funktion bei Hertha BSC.“

Jens Lehmann sammelte als Spieler in diversen Bundesliga- und internationalen Vereinen Erfahrungen. Außerdem gehörte er über viele Jahre als Torwart der deutschen Nationalmannschaft an.

Jens Lehmann: „Das Angebot von Lars Windhorst, an der weiteren Entwicklung von Hertha BSC mitzuarbeiten, habe ich gerne angenommen. Ich sehe dies aktuell als eines der interessantesten Projekte im Fußball.“

Marc Kosicke ist Gründer und Geschäftsführer der Agentur Projekt b und berät seit vielen Jahren erfolgreich Fußballtrainer, darunter Ralf Rangnick, Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann. Davor war er 15 Jahre lang für die Sportartikel-Hersteller Adidas und Nike tätig.

Marc Kosicke: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen von Lars Windhorst und TENNOR. Mit meiner Expertise im Fußballbusiness leiste ich gerne einen Beitrag zum Erreichen der großen Ziele, die sich Hertha zusammen mit Lars Windhorst gesetzt hat.“

Quelle: Hertha BSC

Hertha BSC regelt die Zukunft der ehemaligen Cheftrainer Pal Dardai und Ante Covic

Pal Dardai wird Trainer der U16 bei Hertha BSC – Ante Covic übernimmt zunächst kein Nachwuchsteam

Nach seiner einjährigen Auszeit kehrt Pal Dardai wie geplant im Sommer als Trainer zu Hertha BSC zurück. Er wird ab dem 01.07.2020 die U16-Mannschaft übernehmen und gleichzeitig als Koordinator für den Aufbaubaubereich der Hertha BSC Akademie fungieren.

Michael Preetz: „Wie im vergangenen Sommer vereinbart kehrt Pal in unsere Akademie zurück und darüber freuen wir uns sehr. Er hat während seiner Auszeit sicher den ein oder anderen Anruf von anderen Vereinen bekommen. Dass er aber den zwischen uns bestehenden Vertrag weiterhin einhalten möchte, zeigt seine tiefe Verbundenheit zu Hertha BSC. Wie gewohnt war daher auch dieses Gespräch mit Pal eher kurz. Für Hertha BSC und insbesondere die Akademie ist er als Trainer eine große Bereicherung.“

Pal Dardai: „Ich habe dieses Jahr Auszeit sehr genossen. Die Zeit hat mir gut getan. Ich konnte ein paar Dinge aufarbeiten und vor allem körperlich wieder voll auftanken, denn die viereinhalb Jahre Bundesliga waren schon sehr Kräfte raubend. Jetzt freue ich mich auf den Sommer und den Wiedereinstieg im Nachwuchsbereich. Ich habe immer betont, dass mir die Arbeit mit dem Nachwuchs großen Spaß macht. Junge Talente zu fordern und zu fördern, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben. Das ist eine wichtige Sache im Fußball. Zudem bin ich Herthaner, deshalb war es für mich auch keine Frage, dass ich selbstverständlich beim Teilgehaltsverzicht mitmache.“

Michael Preetz: „Auch mit Ante haben wir Gespräche über eine Rückkehr in den Nachwuchsbereich geführt und werden zu gegebener Zeit noch weitere führen. Die Tür bleibt für Ante auch weiterhin offen bei Hertha BSC. Denn Ante ist Herthaner und das hat er unter anderem damit gezeigt, in dem auch er den Teilgehaltsverzicht unterstützt hat.“

Quelle: Hertha BSC

Bei Hertha brennt‘s lichterloh

Vor Anpfiff der Begegnung des Heimspiels gegen Köln war ich überzeugt davon, endlich mal wieder einen in sportlicher Hinsicht zum Wohle des Berliner Fußballs positiven Bericht verfassen zu können. Nach den ersten 45 Minuten, ohne einen Torschuss der Hertha registriert zu haben, schwanden die dem Fußball zugewandten Gedanken. Mich beschäftigte das in den sozialen Netzwerken nach Jürgen Klinsmanns Hinschmeißens deutlich zu lesende, vor allem die klaren Forderungen an Michael Preetz, doch endlich das Weite zu suchen. Natürlich war überwiegend Klinsmanns Davonlaufen unverstanden bis verächtlich niedergeschrieben worden. War es wirklich so unbedacht und unüberlegt?

Ein ganzer Kerl wäre bei der Stange geblieben und hätte versucht, sich durchzusetzen und den Herren in der Führung klar zu machen, um erfolgreich zu sein, muss ich auch die volle Verantwortung für das „Himmelfahrtskommando“ tragen, so sehr sich Michael Preetz auch in seiner Funktion dann überstimmt fühlen mag. Änderungen herbeizuführen waren doch unumgänglich und die von Klinsmann eingeschlagene Richtung wurde allerseits anerkannt. War es nun die Erkenntnis seitens des Ex-Nationaltrainers, sich gegen die Hertha-Führung nicht behaupten zu können ? Muss ich mir das aussichtslos antun, werden seine Überlegungen gewesen sein. Später erfahren wir vielleicht mehr darüber. Selbst ein Jürgen Klinsmann nimmt nicht gerne den absehbar großen Imageverlust in Kauf.

Das vorletzte Heimspiel, ein 1:3 gegen Mainz war schon unverzeihlich, das letzte 0:5 gegen Köln ist mit dem Wort bitter nicht abgetan und zu erklären. Jetzt brennt die Luft! Ursachenforschung steht an und da sieht Michael Preetz gar nicht gut dabei aus. Wenn er noch einen Funken Ehre im Leibe hat, tritt er endlich von sich aus zurück.

Ich schätzte bisher die sachliche und fachliche Kompetenz der Fußball-Woche sehr. Wenn ein Fachblatt wie eben die Fußball-Woche auf der Titelseite die Überschrift wählt: „Hertha macht sich zum Gespött der Fans“, dann ist es – liebes Präsidium – an der Zeit zu handeln. Ich bin zwar kein Hertha-Mitglied mehr, schreibe aber gern über den Volkssport Nummer1 in unserer Hauptstadt und wähle als aktiver Journalist mit Bedacht und in sportlicher Pflicht: Treten Sie zurück, lieber Michael Preetz!  Schlimmer kann es für einen Hauptstadtclub doch gar nicht kommen.

Christian Zschiedrich

Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher fühlen

Als Ante Covic als neuer Hertha-Trainer,  der zehnte unter Preetz Regie, vorgestellt wurde, erlaubte ich mir die Frage, ob Ante im Falle einer Amtsenthebung in untergeordneter Funktion für Hertha weitermachen würde. Michael Preetz bremste mich abwertend aus, sinngemäß das bedarf keiner jetzigen Stellungnahme. Dabei war ich überzeugt davon, dass sich jeder Trainer bei Amtsantritt fragen sollte, was ist wenn ich als eingefleischter Herthaner scheitere.

Inzwischen ist der elfte Trainer von uns gegangen, nicht etwa stilvoll, Windhorst bezeichnete es als Kurzschlussreaktion. Das Für und Wider des Himmelfahrtentschlusses sollte ernsthaft hinterfragt werden. Anhand meiner kritischen Berichte mache ich auch keinen Hehl daraus, froh zu sein, wenn sich die Gelegenheit ergibt, in der Führung bei Hertha eine spürbare Veränderung herbei zu führen. Seit Jahren tritt Hertha als Hauptstadtclub in Mittelmäßigkeit auf der Stelle. Außerdem reichten mir die zwei Abstiege unter Sportdirektor Michael Preetz.

Was Jürgen Klinsmann anpackte, war für viele Berliner genau richtig. „Wenn, dann mache ich es richtig zu hundert Prozent“. Er war bereit, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. In dem Punkt schieden sich aber die Geister. Den Ex-Nationaltrainer mit den Kompetenzen auszustatten, war mit Preetz & Co nicht drin. Der Sportdirektor erkannte sofort, was bleibt mir denn da? Einen Michael Preetz stellt man nicht so leicht ins Abseits. Doch Hut ab vor Trainern, die auch bei der Spieler-auswahl allein verantwortlich sein wollen und ankündigen, wenn‘s schief geht, bin ich der alleinige Verantwortliche.

Genau dafür war und ist Jürgen Klinsmann bekannt. Er hätte dieses Vertrauen nach Lage der Dinge auch bekommen müssen, denn er hatte ja zurückliegend mit dieser Methode seine großen Erfolge feiern können. Jeder weiß, die Erfolge von Sportdirektor Preetz sind dagegen sehr bescheiden. Wer will denn schon überflüssig werden. Der Kampf um die Macht ist leider so. Bestimmt darf Preetz zu Gute gehalten werden, dass in so einer Situation viele genauso reagieren und vorbeugen würden.

Denn Preetz kann sich ja der Rückendeckung von Präsident Werner Gegenbauer sicher sein – wirklich? Gegenbauer verband ja sogar einst sein Schicksal mit dem Erhalt von Preetz. Das ist seit der Nichteröffnung des Berliner Flughafens aber einige Jahre her. Die Zeiten könnten sich geändert haben. Schließlich waren einst Dieter Hoeneß und Werner Gegenbauer auch Freunde. Nun, den Abgang von Hoeneß und dem Ende der Freundschaft, das kennen die Herthaner.

Finanziell hat Jürgen Klinsmann keine Sorgen. Selbstverständlich wird der schnelle Rückzug von Klinsmann in den sozialen Medien angeprangert. Bestimmt hat Klinsi den Image-Schaden für sich selbst nicht richtig eingeschätzt. Daher erfahren wir bestimmt bald, dass es dafür genug Gründe gab. Sie werden den von mir hier erwähnten Kern treffen. Bleibt zu hoffen, dass Hertha auch den Ernst der Lage erkennt und in den nächsten Spielen sportlich reagiert und Punkte einfährt.

Christian Zschiedrich

Hertha BSC verpflichtet Santiago Ascacibar

Der defensive Mittelfeldspieler wechselt vom Zweitligisten VfB Stuttgart an die Spree und unterzeichnet einen langfristigen Vertrag beim Hauptstadtclub.

Berlin – Pünktlich vor der Abreise ins Trainingslager nach Orlando (Florida, USA) verpflichtet der Hauptstadtclub seinen ersten Winter-Neuzugang: Vom Zweitligisten VfB Stuttgart schließt sich Santiago Ascacibar den Blau-Weißen an. Der 22-jährige argentinische Nationalspieler erweitert die personellen Alternativen von Cheftrainer Jürgen Klinsmann im defensiven Mittelfeld. Der Blondschopf unterzeichnete am Neujahrstag (01.01.20) einen langfristigen Vertrag und wird gleich mit seiner neuen Mannschaft ins Vorbereitungscamp in die Vereinigten Staaten mitreisen.

Michael Preetz kommentierte den Transfer: „Santiago ist als Spielertyp im zentralen Mittelfeld flexibel einsetzbar. Mit seinen 22 Jahren ist er ein junger und entwicklungsfähiger Mittelfeldspieler, der sehr zweikampfstark ist. Wir freuen uns sehr, einen weiteren sehr talentierten Spieler in unseren Reihen zu haben.“ Neuzugang Santiago Ascacibar ergänzte: „Ich bin glücklich, dass der Wechsel in der Winterpause geklappt hat. Nach den Gesprächen mit Michael Preetz und Jürgen Klinsmann glaube ich, dass ich mich bei Hertha BSC als Spieler weiterentwickeln kann und wir hier gemeinsam viel erreichen können. Darauf freue ich mich sehr und kann es kaum erwarten, meine neue Mannschaft kennenzulernen. Wir werden alles daran setzen, in der Rückrunde weiter nach oben zu kommen.“

Ascacibar, der seine ersten Schritte im Profifußball bei Estudiantes in seiner Heimat vollzog, wechselte im Sommer 2017 nach Deutschland zum VfB. 74 Spiele bestritt Herthas Neuzugang für die Schwaben in den beiden höchsten deutschen Spielklassen. Seine Leistungen brachten ihm zudem auch Nominierungen für die argentinische A-Nationalelf, bei der er viermal das Trikot der ‚Albiceleste‘ überstreifte.

Quelle: Marcus Jung/Jessica Bork Hertha BSC

Niederlagen für die Clubs aus der Hauptstadt

Es war nicht die Stunde der Berliner Profi-Clubs, dieser 13. Spieltag der Saison 2019/20. Im Freitagspiel verloren die Eisernen mit 1:2 auf Schalke, dabei sah es lange nach einem Punktgewinn aus. Ein individueller Fehler von Innenverteidiger Neven Subotic leitete den Siegtreffer für die Schalker ein. Das Matchglück hatte die Eisernen verlassen. Beim Ausgleichstreffer war der Schiedsrichter auf ihrer Seite, der wohl mehr auf eine Schwalbe hereinfiel und auf Foulstrafstoß entschied. Ansonsten lieferte der Aufsteiger eine gute Leistung ab, musste sich letzlich der Leistungssteigerung des Gegners in Halbzeit Zwei sowie der größeren individuellen Klasse der Schalker geschlagen geben.

Keine 24 Stunden später startete die Alte Dame mit neuem Trainerstab in das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Die Problemzonen wurden sofort sichtbar. Motiviert und nervös nahmen die Spieler in Blau und Weiß die Partie auf. Bereits in der Anfangsphase bekamen sie einen brutalen Doppelschlag verpasst. Die Abwehr wackelte weiter, das waren Gegetreffer 26 und 27 und erst 13 Spiele absolviert. Nach nur 17. Minuten lagen sie 0:2 hinten und Jürgen Klinsmann war das sonst so freundliche Gesicht eingefroren. Dass die Hertha anschließend nicht auseinander fiel, sondern kämpfte war das einzig positive an diesem Spiel. Die Belohnung folgte in der 34. Minute, mit dem Anschlusstreffer durch Vladimir Darida. Kurz vor der Pause flog Dortmunds Mats Hummels mit Gelb-Rot vom Platz. Aus den über 45 Minuten Überzahl konnten die Herthaner nichts machen. Ein Tor von Davie Selke fand nach Videobeweis keine Anerkennung.

Vor Jürgen Klinsmann und seinem Team liegt jetzt eine Menge Arbeit. Auf der Tribüne saß Lars Windhorst und wird sich seinen Teil gedacht haben. Das bemerkenswerteste an diesem Spiel war ein Interview mit dem Manager Michael Preetz. Er wurde gefragt, ob sich jetzt seine Rolle im Verein verändern wird. Verärgert ließ er den Reporter wissen, “ ..einem Acki Watzke würden sie solch eine Frage wohl nicht stellen…“.

Hertha, mit größeren Ambitionen in die Saison gestartet, hat erst 11 Punkte und ist auf den Relegationsplatz abgerutscht. Fortuna Düsseldorf ist durch ein bemerkenswertes 1:1 bei der TSG Hoffenheim auch noch vorbeigezogen. Da werden böse Erinnerungen wach an die Saison 2009/10.

Hans-Peter Becker

Hertha BSC: Es kann nur besser werden

Die Ereignisse im Zusammenhang mit der Trainerentlassung überschlugen sich beim Berliner Hauptstadtclub. Klinsis „Jein“ unter bestimmten Voraussetzungen ist nun auch klar. Heute wissen wir, die Voraussetzungen heißen: Teammanager Arne Friedrich, zwei Co-Trainer  Alexander Nouri und Markus Feldhoff sowie Andy Köpke. Da wurde energisch hinter den Kulissen gewirkt. Jürgen Klinsmann macht’s in der Tat hundertprozentig. Torwarttrainer Zsolt Petry und Harald Gämperle, bisher hoch im Kurs von Michael Preetz, wurden tatsächlich freigestellt. Sie durften mit Ante Covic gleich mitgehen. Das ist wesentlich mehr, als das kaum vorhergesehene Stühlerücken.

Ich möchte nicht wissen, was der gewaltige Umbruch kostet. Hertha hat ja das Geld und getan werden musste was. Es bestätigt auch die Handlungsweise von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Michael Preetz wird gespürt haben, dass er in der Verantwortung abgeben muss. Denn einen dritten Abstieg in Liga Zwei unter seiner Regie hätte niemand mehr bei Hertha dem Manager Sport verziehen. „Wir haben die Schnauze voll“ (wie nach dem Augsburg-Spiel) lautet dann nicht nur „Trainer raus“.

Nun hat Micha einen erfolgsbesessenen Trainer mit einem ganzen namhaften Team etabliert. Der Fan stelle sich jetzt mal eine Abstimmung in der Hertha-Führung vor. Ich bin sogar davon überzeugt, dass Jürgen Klinsmann in einer entscheidenden Auseinandersetzung mit Michael Preetz das Rückgrat hat, dies öffentlich zu machen. Als ein Reporter in der Pressekonferenz beiläufig das Wort Machtübernahme fallen ließ,  reagierte Preetz spontan und steuerte dagegen.

Welche Rolle mag Präsident Werner Gegenbauer bei diesem Umbruch spielen? Der Name ist in diesem Zusammenhang überhaupt noch nicht gefallen. Ist er wirklich davon überzeugt, dass dies der einzig rettende Weg sein kann oder hat er gar genug des Regierens? Ich kann es mir nicht vorstellen, so gern ich nach wie vor Hintergründe beleuchte. Wer gibt schon gern freiwillig Macht ab… Sich weiterhin mit Hertha BSC zu beschäftigen, scheint mir angebracht zu sein. Der Einwurf „Machtübernahme“ könnte ganz und gar berechtigt sein.

Christian Zschiedrich

Hertha zieht die Reißleine

Es kam überraschend, Jürgen Klinsmann muss sein Mandat als Aufsichtsrat von Hertha BSC ruhen lassen. Er übernimmt bis zum Ende der Saison das Traineramt. Je mehr man darüber nachdenkt, je mehr macht es Sinn. Klinsmann ist seit einiger Zeit mit Hertha verbunden, sein Sohn Jonathan war hier zwei Jahre Profi und Investor Lars Windhorst hatte ihn als Fußball-Fachmann ins Boot geholt. Einige Spiele der Alten Dame hat er beobachtet. Sein aus Frankfurt an der Oder stammende Vater Siegfried Klinsmann, so war zu erfahren, war Hertha Fan. Ihm hätte es bestimmt gefallen, seinen Sohn als Trainer an der Seitenlinie zu sehen.

Unser Chefredakteur hat es geahnt, „Ex-Bundestrainer und seit kurzem Hertha-Vorstand Jürgen Klinsmann wird in Kenntnis der Probleme nicht von sich aus spontan handeln, doch hinter Klinsmann steht der Investor Lars Windhorst. Der will sein Geld gut angelegt wissen…“. Stellt sich schon die Frage, wie energisch wurde hinter den Kulissen gewirkt ? Der Vertrag mit Klinsmann läuft bis zum Ende Saison. Selbst dafür musste er länger überredet werden. Der Rückflug wurde storniert, das bevorstehende Thanksgiving-Fest muss ohne ihn gefeiert werden.

Seinen neuen Job will er gründlich machen, wenn auch zunächst nur befristet. Wie gründlich, zeigte sich kurz nach der Bekanntgabe. Nicht nur Klinsmann kommt, er wird zusätzlich seinen Trainerstab installieren. Arne Friedrich, der frühere Kapitän und Nationalspieler soll Teammanager werden, soll ähnliche Aufgaben erfüllen wie Sebastian Kehl in Dortmund. Ein neuer Torwart-Trainer soll kommen, kein geringerer als Andy Köpke, Oliver Bierhoff soll bereits sein okay gegeben haben. Mit Alexander Nouri und Markus Feldhoff stehen ab sofort auch zwei neue Assistenz-Trainer an Klinsmanns Seite. Was die Zukunft des bisherigen Torwart-Trainer Zsolt Petry und Harald Gämperle betrifft, dazu werden Gespräche geführt werden. Ob sie weiter eine Zukunft bei der Hertha haben, ist offen.

Auf die entsprechende Nachfrage, ob auch der neue Trainerstab nur bis zum Saisonende bleibt wurde ein zurückhaltendes ja in den Raum geworfen. Das ist fast nicht vorstellbar. Könnte die ganze Aktion nicht den Beginn einer schleichenden Machtübernahme bedeuten ? Michael Preetz betonte zwar, dass alles in vertrauensvoller Zusammenarbeit über die Bühne ging, da bleiben doch einige Fragen offen.

Das rein sportliche ist fast ein wenig in den Hintergrund gerückt. Nach der Pressekonferenz bat der neue Trainer gleich zu einer Einheit auf den Trainingsplatz. Möglichst wieder nach oben klettern heißt jetzt die Devise. Der Kader muss zunächst akzeptieren, dass Abstiegskampf angesagt ist, dafür ist es, obwohl erst 12 Spiele absolviert sind, nicht zu früh. So ein desolater Auftritt, wie zuletzt in Augsburg, darf sich nicht wiederholen.

Hans-Peter Becker

Herthas Trainer auf Bewährung

Ich bin sogar der Meinung, dass er sich wohl nicht behaupten kann. Sein Abgang ist nur noch eine Frage der Zeit. Ex-Bundestrainer und seit kurzem Hertha-Vorstand Jürgen Klinsmann wird in Kenntnis der Probleme nicht von sich aus spontan handeln, doch hinter Klinsmann steht der Investor Lars  Windhorst. Der will sein Geld gut angelegt wissen, ob so Erfolg zu kaufen ist, wird unterschiedlich beurteilt.

Als Ante Covic zur neuen Saison als Cheftrainer vorgestellt wurde, erlaubte ich mir in der Pressekonferenz die Frage, ob Ante, wenn es schiefgeht, so handeln werde wie Pal Dardai? Die Frage wurde als unverständlich und unangebracht angesehen. Ich gestehe, ein Fürsprecher für Ante Covic gewesen zu sein.

Hertha-Coach Ante Covic © Fotocredits herthabsc/citypress

Im September kommentierte ich, dass es bei Hertha nicht am Trainer liegt und nicht helfe, der Mannschaft wieder zu bescheinigen, nicht so schlecht gespielt zu haben. Es zählt eben nur das Ergebnis. So erging es auch Niko Kovac bei Bayern München. Dabei war seine Ausbeute gar nicht so schlecht. Wenn bei aller Kontroverse am Ende bei Hertha herauskommen sollte, Niko Kovac wird der Nachfolger von Ante Covic, er hätte sofort meine Sympathie.

Ante Covic spielt auf Bewährung bei der Hertha und wird sie nicht bestehen ? Das muss jeder Trainer, der so ein Amt übernimmt, einkalkulieren. Herthas nächste Aufgaben sind nicht von Pappe. Bekanntlich ist im Fußball alles möglich. Gegen prominente Mannschaften sah Hertha nicht so schlecht aus. Gegen Spitzenmannschaften musste der Trainer nicht zusätzlich motivieren. Je reizvoller die Aufgabe, umso beherzter war der Einsatz. Vielleicht hilft ihm die Mannschaft, die Ergebniskrise zu überwinden und lässt ihn nicht im Stich, wie offensichtlich die Spieler des FC Bayern ihren Trainer Nico Kovac.  

Christian Zschiedrich

Hertha BSC: Es liegt nicht am Trainer

Es hilft auch nicht, der Mannschaft zu bescheinigen, dass sie ja eigentlich gar nicht so schlecht gespielt hat. Mit Pech ist das allein nicht zu begründen. Bestimmt kennt jeder von uns das Sprichwort: Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech hinzu. Arme Hertha!

Mein Vorschaubericht: Oje gegen den Tabellenletzten. Der Club ziert nun, nach vier Spieltagen mit nur einem Punkt, die Rote Laterne. In Mainz wurde – wie befürchtet – mit 1:2 verloren. Wenn‘s nicht am Trainer liegt, an was dann? Ich bemängelte, dass Hertha relativ spät auf dem Transfermarkt aktiv wurde. Außerdem wurde die Qualität in der Vorbereitung mit Ausnahme der Start gegen Bayern München nicht realistisch genug eingeschätzt. Was Trainer zu den Niederlagen äußerte, hat Hand und Fuß. Wir stehen ja erst am Beginn der Saison, reicht nicht als Erklärung. Am 5. Spieltag heißt die Heimpartie Hertha gegen Aufsteiger Paderborn – Letzter gegen Vorletzter.

Steffen Baumgart wird es schwer haben, sich mit seinem Team in der Bundesliga zu halten. Dennoch besteht die Gefahr, dass Hertha abermals gar nicht so schlecht, aber nicht effektiv genug spielt. Was dann? Jetzt schon werden erste Befürchtungen laut, dass der Manager Sport, Michael Preetz, verantwortlich vor seinem dritten Abstieg aus der Bundesliga steht. Erfahrungsgemäß ist der Trainer in einer gefährlicheren Position. Eine Trainer-Degradierung hilft oft, die Problembehandlung nur etwas aufzuschieben. Was wird Hertha machen? Am besten wäre gewinnen, gewinnen und mit sportlicher Leistung in Demut und Bescheidenheit die trüben Gedanken verscheuchen.

Christian Zschiedrich