Zum Stand der Dinge in der Bundesliga

Noch drei Spiele, dann geht’s schon in die Rückrunde, in der Hertha in den letzten Jahren immer schlechter aussah, als in der Vorrunde. Ich traue Jürgen Klinsmann zu, Hertha vor dem Abstieg zu retten. Nach 14 Spielen sieht es nicht gut, eher alarmierend, aus. Hertha ist punktgleich mit  Düsseldorf, je 12, auf dem Relegationsplatz. Zum Glück gibt es mit je acht Punkten zwei Clubs die schlechter da stehen, den SC Paderborn und der 1. FC Köln. Seit der Drei-Punkte-Regelung ist das ein schneller änderbarer Zustand, das erlaubt immer wieder nach der Qualität der Teams zu fragen.

Klinsmann redet seinen Spielern Qualität ein. Er muss motivieren. Ich sehe die Qualität bei Hertha etwas kritischer. Individuelle Qualität ist in der Summe nicht gleich mannschaftliche Qualität. Wer hat den Kader zusammengestellt ? Wer hat den bereits nach nur 12 Spielen wieder geschassten Trainer verpflichtet ? Das Plakat in der Ostkurve während des Spiels gegen Dortmund sprach Bände.

Hoffen wir im kommenden Heimspiel gegen Freiburg auf die Wende. Der 1. Union muss zum SC Paderborn. Gegen Mannschaften, denen das Wasser bis zum Hals steht wird es schwer. Paderborn hat mit großem Kämpferherz in der Eliteliga beeindruckt und unglücklich Punkte liegen lassen.

Stolz darf Berlin auf seinen zweiten Bundesliga-Club sein. Nach 14 Spielen sind 19 Punkte auf dem Konto, immerhin sieben mehr, als der ambitionierte Lokalrivale vorweisen kann. Das muss der Hertha einfach wehtun. Noch vor Saison-Beginn trumpfte Michael Preetz immer mal wieder damit auf, dass Hertha sich über die Konkurrenz freue, aber zeigen werde, wer in Berlin die Nummer Eins ist.

Die Bayern dominierten jahrelang die Bundesliga. Meisterschaftsanwärter sind Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. Zwei Niederlagen in Folge, dass hat sich ja nicht einmal Niko Kovac erlaubt. Die Kaderzusammenstellung bei den Bayern wird kritisiert, fast wie bei der Hertha. Bei den Bayern sind es eher Luxusprobleme. Aktuell sind die Bayern – „nur“ – muss aus Bayern-Sicht gesagt werden, Tabellensiebenter. Clubs wie Bayer Leverkusen, der SC Freiburg, Schalke 04 und Borussia Dortmund sind davor platziert. Man stelle sich das Hohn-Gelächter vor, die Eisernen spielen bis Weihnachten weiter so effektiv und sammeln fleißig Punkte. Überholen sie bald die Bayern ? Ein bisschen träumen ist erlaubt. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Die Hürde in Paderborn muss erst einmal genommen werden.

Positiv, endlich wieder Spannung in der Bundesliga. Jeder kann jeden schlagen. Fußballfreunde, was wollt ihr mehr…

Christian Zschiedrich  

Die Eisernen schaffen auch die Borussia aus Gladbach

So langsam wird es unheimlich. Vor der Saison waren sie in der Wuhlheide etwas unzufrieden mit dem Spielplan ihrer Premierensaison. Die ersten zwölf Spiele hielten gleich einige Ligafavoriten parat. Gleich am ersten Spieltag stellte sich Champions-League Teilnehmer RB Leipzig vor und erteilte dem Neuling eine bittere Lehrstunde. Das blieb nicht folgenlos. Es ist erstaunlich wie schnell die Mannschaft aus den Fehlern lernte. Die Leidtragenden waren in den Heimspielen bisher der Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund, der ambitionierte Lokalrivale aus Charlottenburg und das Überraschungsteam aus Freiburg.

Anthony Ujah traf per Kopf zum 1:0 Foto © Hans-Peter Becker

Überraschend sind die guten Leistungen in der Abwehr, nur – muss man sagen – 17 Gegentore in 12 Spielen – dass ist kein schlechter Wert für einen Aufsteiger. Zum Vergleich, der große FC Bayern hat auch schon 16 kassiert. Aus der stabilen Abwehr funktioniert das Umkehrspiel immer besser. Das Selbstbewußtsein gegen die Gladbacher Borussia war groß, seit zwei Spielen waren sie ungeschlagen. Dass die Gladbacher als Tabellenführer angereist waren, zeigte sich lediglich in der Anfangsphase. In der 7. und in der 12. Minute hätte es einschlagen können, da war das Glück auf Seiten der Eisernen. Die Führung fiel in der 15. Minute, ein Lehrspiel für ein schnelles Umschaltspiel und das Schaffen von Überzahl vor dem gegnerischen Strafraum. Wie gegen Freiburg musste ein früher Vorsprung verteidigt werden und daran scheiterten die Gladbacher. Vom Tabellenführer kam mit zunehmender Spieldauer immer weniger. Dafür betrieben die Eisernen einen enormen Laufaufwand, über 126. 000 km in der Addition für die gesamte Mannschaft. Hinzu kommt, dass sie ihr Spielsystem mit einem 3-5-2 bei Ballbesitz und einem entsprechenden 5-3-2 weiter perfektioniert haben.

Im Spiel gegen Gladbach verteidigten sie situationsbedingt mit zwei Viererketten. Dafür ließ sich meist Felix Kroos in die Abwehrkette fallen, zwischen Neven Subotic, der nach außen ging, und Keven Schlotterbeck. In einer Situation sicherte Stürmer Anthony Ujah auf der rechten Außenbahn für seinen Kapitän Christopher Trimmel ab. Gegen diese Geschlossenheit werden noch andere Mannschaften in der Alten Försterei Probleme bekommen.

Gladbachs Manager Max Eberl sprach den Unionern ein Kompliment aus, „sie haben unseren Spielaufbau erfolgreich gestört.“ Marco Rose, Gladbachs Trainer sprach von einem insgesamt verdienten Sieg für den 1. FC Union. Sein Spieler Florian Neuhaus unterstrich diese Einschätzung, dass Union einfach alles „wegverteidigt“ hat. Unions Innenverteidiger Keven Schlotterbeck sah den Vorteil auch der Geschlossenheit, „wir haben heute gearbeitet wie die Tiere.“

Lange können sich die Eisernen über den Sieg und jetzt erreichten 16 Punkte nicht freuen. Bereits am kommenden Freitag, 29. November müssen sie auf Schalke antreten.

Hans-Peter Becker

Spieldaten Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

23.11.2019 Stadion An der Alten Försterei 15:30 Uhr

Ergebnis 2:0 (1:0)

1.FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Subotic – Trimmel, Kroos (71. Schmiedebach), Gentner, Lenz – Ingvartsen (87. Ryerson) – Ujah (77. Bülter), Andersson 3-5-2/5-3-2

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Lainer, Ginter, Elvedi (61. Strobl), Wendt – Neuhaus (58. Stindl), Kramer, Zakaria – Hermann, Plea, Thuram (77. Embolo) 4-3-3

Tore: 1:0 Ujah (15.), 2:0 Andersson (90.+1)

Zuschauer: 22.012

Die Eisernen erwarten den Spitzenreiter

Egal wie das Spiel am Samstag, 23. November ausgehen wird, die Borussia aus Mönchengladbach würde selbst im Fall einer Niederlage Berlin trotzdem wieder als Tabellenführer verlassen. Beide Mannschaften konnten vor der Länderspielpause einen Dreier landen, Gladbach gewann daheim gegen den SV Werder Bremen, während der 1. FC Union in Mainz den ersten Bundesliga-Auswärtssieg feiern konnte. Am besten gleich richtig nachwaschen mit einem Sieg wird man sich in beiden Lagern sagen. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die vor Selbstbewußtsein nur so strotzen.

Beide Trainer haben keine größeren personellen Probleme. Die Mönchengladbacher müssen ohne den gelb-rot gesperrten Ramy Bensebaini auskommen, außerdem fehlen Tony Jantschke, Tobias Sippel und Andreas Poulsen verletzungsbedingt. Auf der anderen Seite fehlt Robert Andrich wegen einer Gelbsperre, außerdem nicht dabei die angeschlagenen Suleiman Abdullahi und Joshua Mees. Grischa Prömel, Akaki Gogia und Laurenz Dehl arbeiten nach ihren Verletzungen in der Reha an ihrer Rückkehr. Für den gesperrten Andrich wird aller Voraussicht nach Manuel Schmiedebach in die Startelf rücken und die Rolle auf der Sechserposition einnehmen. Gelingt die nächste Überraschung, der Vorsprung der Gladbacher Borussia könnte bis auf einen Zähler schrumpfen.

Es wird darauf ankommen, wie es den Eisernen gelingen wird, das gute Umschaltspiel der Gladbacher in den Griff zu bekommen. Allzu viele Standards, Freistöße und Eckbälle, sollten vermieden werden. Im bisherigen Saisonverlauf konnten die Fohlen aus solchen Gelegenheiten einige Treffer erzielen, sind darin das statistisch erfolgreichste Team.

Müßig, darauf hinzuweisen, dass es das erste Aufeinandertreffen in der Bundesliga ist. Ein Blick in die Geschichte verzeichnet lediglich eine einzige Begegnung, am 6. Februar 2001, da machten die Eisernen die Finalteilnahme nach einem Sieg über Borussia Mönchengladbach klar. Im Elfmeterschießen wurde Torwart Sven Beukert zum großen Held. Er meisterte zwei Elfer von Arie van Lent und Max Eberl, dem heutigen Sportdirektor der Gladbacher. Das ist Geschichte. Das Stadion war damals mit 18.500 Zuschauern restlos ausverkauft und das wird auch am Samstag so sein. Schiedsrichter der Partie wird Dr. Felix Brych sein. Das Spiel beginnt um 15:30 Uhr.

Hans-Peter Becker

Fußball-Berlin könnte Wünsche erfüllen und begeistern

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Leider blieb es bisher bei Wunsch-Träumerei. Beginnen wir ganz oben. Hertha muss im Oberhaus als Tabellenelfter  zum Glück nicht an Abstieg denken. Noch sind 6 Spiele offen. Bisher wurden 36 Punkten geholt, in Gladbach ist durchaus was zu machen. Borussia spielt keine gute Saison, zu viele Torchancen werden vergeben.

Das nächste Heimspiel gegen den 1.FC Köln sollte eine Begegnung für das Punktekonto sein. Die Kölner sind mit 20 Punkten und 27 Saisontoren wohl nicht mehr zu retten. In solchen Spielen ist dann nach mittelmäßiger Tabellensituation mehr die Gangart in Heimspielen gefragt. Und die hat mich und viele Berliner eben nicht begeistert. Nun wollen wir nicht den Stab über unseren Hauptstadtclub brechen. Durchaus positiv ist der 7. Platz der zweiten Mannschaft in der Regionalliga unter Ante Covic zu nennen und die zweiten Tabellenplätze der A- und B-Jugend in der Bundesliga der Jugendmannschaften. Da hat Hertha gute Arbeit verrichtet und etliche prominente Spieler hervorgebracht – vom investierten Geld einiges verdient oder hoffnungsvolle Talente in den Profi-Kader integriert.

Union hat es in der 2. Bundesliga schlimmer erwischt. 2 Punkte Vorsprung bis zum Relegationsplatz vor dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg. Der Klassenerhalt steht nicht infrage, oder ? Allerdings zuletzt vier sieglose Spiele und die Bilanz von Trainer Hofschneider steht total im Widerspruch zu den Zielen und eigenen Ansprüchen. Jens Keller wird sich bestimmt nicht die Hände reiben: „Da war ich doch wesentlich erfolgfreicher mit der Mannschaft“,

In der Regionalliga ist 9 Spiele vor Ultimo auf keinen Fall zu erwarten, dass sich Energie Cottbus (64 Punkte) noch die Butter vom Brot nehmen lässt. Dafür käme der Tabellenzweite in Frage und das ist mit 46 Punkten BFC Dynamo. Leider wurde in Meuselwitz mit 1:2 vergeigt. Unter der Woche allerdings wurde das Berliner Derby gegen Altglienicke mit 2:1 vom BFC gewonnen. Am kommenden Sonntag erwartet der BFC Germania Halberstadt. Hertha II empfängt am Samstag die abstiegsgefährdeten VfB Auerbach. Von den Berliner Vereinen hat sich die VSG Altglienicke mit dem 2:0-Heimsieg gegen Schlusslicht Luckenwalde auf Platz 13 (26 P.)  vorschieben können . Am Samstag heißt es in Nordhausen zu bestehen. Wacker Nordhausen allerdings zwang Viktoria 89 (33 P., jetzt. 11.) im Stadion Lichterfelde 0:2 in die Knie.

Bleibt vom Berliner Regionalligaclub BAK 07 Erfreuliches zu berichten, 3:0 in Auerbach und 3:0 gegen Budissa Bautzen gewonnen, bedeutet aktuell Platz 3 mit 41 Punkten. Erfreuliches auch deshalb, weil  der frischgebackene Fußball-Lehrer Ersan Parlatan zurück beim Berliner AK ist. Er übernimmt zur neuen Saison das Traineramt im Poststadion.

Christian Zschiedrich

Erneut große Irritationen mit dem Videobeweis

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Also Freude macht mir und vielen Fußball-Fans der Schiri-Assistent in Köln bei den Spielen nicht. Er sorgt entgegen aller Ankündigungen für Unbehagen und in Leipzig und Gladbach für eine falsche Auslegung des Spielgeschehens. In Gladbach wurde das mögliche 2:0 und ein Elfmeter zurückgepfiffen, weil ein Zweikampf nach dem Betrachten der Videobilder als Foulspiel hätte geahndet werden müssen. Schiedsrichter Sascha Stegemann erkannte den Zweikampf zwischen Wendt und Oczipka als unstrittig „weiterspielen“ an und daraus entwickelte sich dann eine neue Spielsituation. Nach feiner Kombination über Raffael landete der Ball bei Grifo, der donnerte die Kugel aus kürzester Entfernung an die Latte, den Abpraller schoss Stindl zum 2:0 für Gladbach ein. Bis dahin war alles legal, kein Abseits, ein völlig regulärer Treffer. Doch er zählte nicht. Beim gepfiffenen Strafstoß hatte der Referee in der Tat gute Sicht auf den Zweikampf, gab ein entsprechendes Handzeichen zum Weiterspielen. Selbst wenn der Video-Assistent in Köln das an Hand der Fernsehbilder anders wahrgenommen hat, so war es höchstens eine interpretationsfähige „Fifty-Fifty-Entscheidung“ und kein Fehler des Unparteiischen. Stegemann hatte es auf dem Feld richtig wahrgenommen, Oczipka hatte den Zweikampf gesucht, mit den Arm gedrückt und sein späteres  Fallen geschickt erzwungen. Stegemann war nicht darauf reingefallen, wohl aber der Assistent in Köln.

Das geht aus meiner Sicht gar nicht und ist nach einer Äußerung von Gladbachs Trainer Dieter Hecking „bedenklich“, eine bewertete und abgeschlossene Zweikampfsituation heranzuziehen, um ein Tor abzuerkennen. Nach wieviel Sekunden ist das überhaupt machbar? Geht das noch Spielschluss? Peter Gagelmann, in schwierigen, strittigen Fällen „objektiver Experte“ überraschte die Sky-Zuschauer mit der Aussage, dass Situationen drum herum  und auch zuvor bei einem Tor zu bewerten seien. Ich hatte das Gefühl, er wollte den Video-Assistenten in Köln nur in Schutz nehmen, so wie er es in anderen zweifelhaften Situationen meiner Meinung nach oft versucht hat. In welcher Art hat Peter Gagelmann früher selbst Bundesliga-Spiele geleitet und wie oft lag er falsch ? Eine Berliner Boulevard-Zeitung titelte mal, „Schiedsrichter Gaga“. Der regelkundige, objektive Betrachter gehört eben nach wie vor zur Gilde der Schiedsrichter. Die anderen Sky-Experten, Ex-Profis mit viel Spielerfahrung trauen sich die Schwachpunkte aufzudecken. Da lasst uns lieber mal über eine falsche Entscheidung diskutieren.

Christian Zschiedrich

Hertha BSC auf dem richtigen Weg

Grafik: Sportick

Ich hätte beinahe getitelt: Es lohnt sich (fast) wieder zu Hertha zu gehen. Zwar verloren, aber an Attraktivität gewonnen! Und damit ja keiner auf die Idee kommt, Trainer Dardai die Schuld an der Niederlage und an Tabellenplatz 14 zu geben, der Trainer ist und bleibt ein Glücksfall für Hertha BSC. So jedenfalls wird man höchst selten noch einmal in Rückstand (0:3 nach 20 Minuten) geraten. Das war nicht normal. Stindl (5.) fällt nach Fersenabpraller von Mitchell Weiser der Ball vor die Füße, 0:2(14.) Hazard Handelfmeter nach Videobeweis und 0:3 Raffael spektakuläre Granate aus 23 Metern hoch in den Winkel. Ausgerechnet Schweinehund Raffael läuft gegen seinen Ex-Verein stets zur Höchstform auf. Danach kam aber Hertha. Pal Dardai hatte sein Team erstmals mit dem 18jährigen Arne Maier in der Startelf zudem offensiv eingestellt – in der Erkenntnis, die bisherige Spielweise bringt den Club keinen Schritt weiter. Richtig, total richtig! Taktisch hätte man natürlich auch versuchen können, gegen Gladbach einen Punkt zu „ermauern“. Da wäre garantiert auch ein Fehler in 90 Minuten der Hertha unterlaufen. Hertha hätte zwar nur 0:1 verloren, doch die Zuschauer wären frustriert wieder nach Hause gelaufen und hätten gezürnt: „Das ist ja nicht mit anzusehen“. Also Dardai’ s und die Vorbereitungen des Trainerteams finden meine Anerkennung. Hertha steuerte nach dem 1:3 (28.) endlich mal wieder Ibisevic und Weiser (71.) 2:3 in sehenswerter Aufholjagd dominant und vehement  auf das 3:3 zu, ehe die konterstarken Gäste über den eingewechselten Herrmann mit Musterpass auf Raffael (77.) das 2:4, den Endstand erzielten. Es war richtig guter Fußball, ein richtig gutes Fußballspiel. So macht es Spaß, die Hertha spielen und kämpfen zu sehen.

Christian Zschiedrich

Hertha benötigte zwei Standards zum 2:1 über Hamburg

Marvin Plattenhardt trat den Eckball zum 1:0 durch Niklas Stark. Foto: Christian Zschiedrich

Und atmete erleichtert auf, das so wichtige Spiel für sich entschieden zu haben. Dass es schwer werden würde, war vorher klar. Wenn sich zwei Mannschaften gegenüberstehen, die seit sieben Pflichtspielen verunsichertsind und nicht mehr gewonnen haben, da ist wohl nicht mehr zu erwarten – viele Unterbrechungen, zerfahrene Aktionen mit den üblichen Ungenauigkeiten. Kein Wunder also, dass zwei Standards herhalten mussten, um zum Erfolg zu kommen. 1:0 (17.) Kopfball Stark, nach Eckball Plattenhardt, 2:0 (50.) Kopfball Rekik, Eckball Weiser. HSV-Trainer Gisdol wechselte den erst 17jährigen Arp (56.) für Ekdal ein. Der brachte enorm viel Schwung in das Angriffsspiel der Hamburger und erzielte das 2:1(73.), volley nach Ablage von Papadopoulos. Ab der 73. Minute brachte Dardai wieder für seinen Kapitän Ibisevic Neuzugang Selke. Hertha zitterte sich zum Sieg. Maier (87.) kam noch für Lazaro und Torunarigha /90 + 1) für Kalou.

Für mich erstaunlich die Aussage des Berliner Coachs: Hertha sei deshalb unter Druck geraten, weil „Fans und Medien“ von außen eine Krise herbei geredet hätten. Er selbst habe kein bisschen Druck verspürt. Nun, das Wort „Krise“ hatte ich nicht in den Mund genommen. Meine Kritik war tiefgreifender. Ich sprach und spreche von unattraktiver Spielweise und begründete, weshalb sich viele Berliner nicht mit dem Club identifizieren können. Darüber wiederum wurde kein Wort verloren. Meiner Meinung nach aber sollte darüber nachgedacht werden. Sonnt Euch bitte nicht mit 13 Punkten über den 10. Tabellenplatz im Mittelfeld der Tabelle. Ich erinnere einfach an die zwei Heimniederlagen in Folge und das Pokal-Aus am vergangenen Mittwoch, ganz zu schweigen von den mauen Auftritten in der Europa League. Jetzt am Donnerstag kommt Luhansk zum Rückspiel. Am kommenden Sonntag, 5.11., ist beim Tabellendreizehnten VfL Wolfsburg bei entsprechender Effizienz der eine oder andere Punkt drin. Am Samstag, 18.11., ist dann das nächste Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.
Christian Zschiedrich