Jetzt sollten bei Hertha die richtigen Köpfe rollen

Bisher konnte Herthas Führung vom eigenen Versagen ablenken, indem schnell der Trainer gefeuert wurde. Doch so allmählich geht den Mitgliedern doch ein Licht auf. Diesmal liegt es nun keineswegs am Trainer. Zur Saisonhälfte nach 17 Spielen, nur 17 Punkte genügt nicht den Ansprüchen der Berliner, erst recht nicht, wenn der finanzielle Aufwand zu berücksichtigen ist, ökonomisch betrachtet, hier ist bisher Geld versenkt worden, da muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Das mit ins Kalkül gezogen, wer hat die Spieler geholt und wer hat in den letzten Jahren die Mannschaft zusammengestellt?

Bereits vor dem 16. Spieltag in Köln las ich u. a. auf der Website eines Anbieters von Sportwetten „Labbadia vor Entlassung“ und weiter, Hertha habe schon mit Tedesco und weiteren Trainern verhandelt. In meinem letzten Kommentar zu dem Thema schrieb ich aus Überzeugung: „Hertha solle froh sein, Labbadia zu haben“. Ich habe seine Arbeit und seine Entscheidungen genau verfolgt. Die schlechte Ergebnis-Statistik liegt nicht am Trainer! Inzwischen zweifle ich mehr denn je die Qualität der Akteure zur Geschlossenheit. Von harmlosen, blutleeren Auftritten ohne Mumm steht Woche für Woche (mit Ausnahme gegen Schalke) in den Kritiken zu lesen. Haarsträubend  der Gesamteindruck beim 0:1 in Bielefeld. Noch einmal, wer hat die Spieler geholt? Und wer sorgt mit für das „tolle“ Vereinsklima, einem leistungsstarken und effektiven „Wir“!

Hatte Klinsi „doch recht?  So titelte Sport Bild am 23. Dezember 2020 fett über zwei Seiten. Dazu abgebildet zwei “eng miteinander verflochtene“ Personen:  Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Nicht die herbeigeholten Arne Friedrich, Jens Lehmann oder Carsten Schmidt. “Katastrophale Versäumnisse von Preetz, Lügenkultur, Verachtenswert“! Wer sorgt denn für die seit Jahren stets kritisierte schlechte Stimmung im Verein? Einfach Peinlich!  

Sportlich geht es ohne Pause weiter. Am 18. Spieltag empfängt Hertha BSC Werder Bremen; am 19. auswärts bei Eintracht Frankfurt und dann Bayern München. Hoffen wir auf die 17 Spiele der Rückrunde und auf bessere Entscheidungen, diesmal nicht auf die häufige und übliche Trainer-Entlassung.

Christian Zschiedrich

Nach 14 Jahren mal wieder ein Sieg auf Schalke

Christian Zschiedrich berichtet. Foto: Hans-Peter Becker

Und das überzeugend und verdient mit 2:0 (1:0). Nach 14 Jahren ohne Sieg hat Hertha BSC wieder ein Auswärtsspiel bei Schalke 04 nach 10 Niederlagen in Folge gewonnen. In einer Manier, wie ich lange, lange die Hertha nicht gesehen habe. Pal Dardai und Co-Trainer Widmayer vertrauten den Spielern, die beim 1:0 gegen Nürnberg begonnen hatten. Für den verletzten Plattenhardt kam Neuzugang Grujic zu seinem Startelfdebüt. Der Gewinner des Spiels war in überragender Form Mittelfeldmann Ondrej Duda mit seinen beiden Toren (15. und 90 + 6) vor 60.181 Zuschauern in der Veltins-Arena. Bei ihm scheint der Knoten – nicht nur der Tore wegen – nun endgültig geplatzt zu sein. Schalkes Trainer Domenico Tedesco gab WM-Teilnehmer und Neuzugang Rudy prompt die Chance von Beginn an im zentralen Mittelfeld der Königsblauen. Doch das taktische Vorhaben wurde von den Berlinern durchschaut. Duda  kaufte Rudy den Schneid ab, er sah keinen Stich und wurde kurz nach Beginn der zweiten Hälfte ausgewechselt.

Herthas Aufstellung: Jarstein – Lazaro, Stark, Rekik, Torunarigha – Maier – Kalou, Grujic, Duda, Mittelstädt – Ibisevic. Rekik verletzte sich ohne gegnerische Einwirkung sehr früh und wurde nach nur sechs Minuten durch Bundesliga-Debütant Dilrosun (Vorlagengeber zum 1:0)  ersetzt. Lustenberger kam für Ibisevic (67.) und Jastrzembski (90 + 4) für Kalou.

Die Berliner kamen nie in die Bredouille, machten den Schalker Fehlstart (0 Punkte) perfekt. Für die Königsblauen verschoss Caligiuri (13.) einen Elfmeter. Grujic hatte die Flanke auf Naldo mit den Fingern der ausgestreckten Hand hoch über den Kopf berührt. Das Zeichen bekam Schiedsrichter Sascha Stegemann vom Videomann aus Köln. Schalke kam, meist einfallslos anrennend, zu keinen Großchancen. Der eingewechselte Burgstaller (90.+2) und Uth (90.+3) hatten sehr spät die Möglichkeit zum Ausgleich, scheiterten aber am glänzend reagierenden Jarstein. Konoplyanka foulte als letzter Mann den erst Sekunden zuvor eingewechselten Hertha-Joker Jastrzembski und musste mit Rot vom Platz. Den anschließenden Freistoß versenkte Duda zum 2:0-Endstand hart und präzise in die Maschen.

Schalke hatte mehr Ballbesitz 58% zu 42%, mehr Ecken 9:0 und sogar mehr Torschüsse 16:5, aber Hertha gewann mit einer effektiven Leistung, die für diese Saison weitere Erfolge erhoffen lässt. Nach der Länderspielpause muss Schalke am Samstagabend, 15.09. (18.30 Uhr), 15. September, in Gladbach antreten. Hertha spielt erneut auswärts am 15.09. (15.30 Uhr) in Wolfsburg.

Christian Zschiedrich