Die „Alte Dame“ kommt nicht zur Ruhe

Was hat das zu bedeuten? Nach nur 10 Monaten verlässt der mit großen Erwartungen nach Berlin gekommene Carsten Schmidt bereits wieder den kriselnden Hauptstadtclub. Was seit einigen Stunden durch die Berliner Luft waberte, wurde nun ofiziell bestätigt.

„Hertha BSC und Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Hertha BSC, haben sich auf die sofortige Auflösung des Arbeitsverhältnisses geeinigt. Die Gründe für die Amtsniederlegung von Carsten Schmidt liegen im privaten Bereich. Die Aufgabenbereiche von Carsten Schmidt werden von den beiden Geschäftsführern Fredi Bobic und Ingo Schiller übernommen.“

Präsident Werner Gegenbauer äußert sich: „Mit Bedauern haben wir den Wunsch von Herrn Schmidt, seinen Dienstvertrag aufgrund von ausschließlich privaten Gründen umgehend aufzulösen, entgegengenommen. Nach vertrauensvollen Gesprächen haben wir seiner Bitte schweren Herzens entsprochen. Wir bedanken uns bei Carsten Schmidt ausdrücklich für die wertvolle Arbeit für Hertha BSC und wünschen ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft.“

Hertha scheint gelernt zu haben?

Für mich ist es auch, wie auf der virtuellen Mitgliederversammlung verkündet, ein Sieg der Vernunft, dass Trainer Pal Dardai mit seinem Team Andreas „Zecke“ Neuendorf und Admir Hamzagic, bis 2022 weitermachen darf. Es hätte wohl kaum ein Berliner und erst recht kein Hertha-Fan verstanden, wenn der Cheftrainer wieder ins hintere Glied zurückgemusst hätte. Letztendlich ist Hertha BSC mit Glück dem Abstieg entgangen und was der Trainer, unter widrigen Bedingungen geleistet hat, war bewundernswert.

Nochmals zur Erinnerung, Ngankam erzielte in der 73. Minute den Siegtreffer für Hertha auf Schalke. Wäre es nur Unentschieden ausgegangen, wer weiß ? Vielleicht hätte Hertha statt Köln durch die Mühle der Relegation gemusst. So war das Spiel in Hoffenheim nur Makulatur. War das eine miserable Saison!

Kommentar Christian Zschiedrich. Foto: Becker

Anerkennenswert, was Arne Friedrich leistete. Die Zusammenarbeit zwischen Sportdirektor und Cheftrainer passte. Die Zusammensetzung des Kaders passte nicht, das hatten beide nicht zu verantworten. Für die neue Saison wird Hertha hoffentlich ein besseres Händchen in der Kaderplanung haben. Nach dem Klassenerhalt hatte Pal Dardai darauf hingewiesen, dass es bei seinem Amtsantritt vorne und hinten nicht passte. Einige Profis hatten Probleme einfachste Regeln der taktischen Disziplin einzuhalten.

Pal Dardai ist Herthaner durch und durch. Für einen anderen Verein will er nicht arbeiten. Die Ansprüche bleiben bei Hertha BSC hochgesteckt. Der Trainer muss dem gerecht werden und die Mannschaft weiter entwickeln. Der bloße Klassenerhalt wird nicht das Saisonziel sein.

Präsident Werner Gegenbauer ist im Verein nicht unumstritten. Seine Sympathiewerte sind gesunken. Bei seiner Wiederwahl im Oktober 2020 hatte er lediglich einen Zuspruch von 56 Prozent. Selbstkritik ist angebracht. Hertha hat aktuell 38.407 Mitglieder. Sie freuen sich darüber, in Berlin wieder zahlenmäßig vor Union (37.464 Mitglieder) zu liegen. An der digital ausgetragenen Mitgliederversammlung nahmen 2.422 stimmberechtigte Mitglieder teil. Präsident Werner Gegenbauer überstand einen von Mario Pfeifer eingebrachten Antrag auf Abberufung – Ergebnis: 982 Stimmen für Gegenbauer, 622 für seine Abwahl, bei 95 Enthaltungen. Trotzdem, Hut ab vor Gegenbauer, der sich immerhin seit 2008 in der Führung behauptet. Es folgten nach dem gescheiterten Abwahlantrag erzürnte Kommentare: So ohne jegliche Alternative stürzt man keinen Präsidenten.

Die Zeichen für Verbesserungen wurden verbal gegeben. Gegenbauer wird sich über Versäumnisse und Fehler seine Gedanken machen. Kein vorzeitiges Ende also, hoffentlich eine gute Perspektive für die Zukunft. Am 1. Juni 2021 trat Fredi Bobic sein Amt an. Wir bleiben am Ball und werden in Kürze über das Wirken von Carsten Schmidt, sein Einvernehmen mit Investor Lars Windhorst berichten und darüber hinaus, was es neues gibt vom Sportdirektor und Kaderplaner.

Was wurde zur neuen Saison noch verkündet? Es gibt es wohl keine Dauerkarten. Der Bier-Partner Berliner Kindl verlängert um weitere drei Jahre, Ärmelsponsor Hyundai verlängert bis 2022 und das neue Trikot soll Anfang Juli in den Handel kommen.

Christian Zschiedrich

Das Ende von Preetz und Labbadia

Am Sonntag, 24.01.2021 exakt um 11:33 Uhr war es offiziell:

Nach den enttäuschenden Ergebnissen und der negativen sportlichen Entwicklung der vergangenen Wochen hat sich das Präsidium von Hertha BSC nach eingehenden Beratungen dazu entschlossen, sich mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Sport Michael Preetz zu trennen.

Bis zum Ende der Saison wird Arne Friedrich in seiner Funktion als Sportdirektor die Verantwortung im sportlichen Bereich bei Hertha BSC übernehmen.

Ebenso ist Hertha BSC zu dem Entschluss gekommen, sich von Trainer Bruno Labbadia zu trennen.

Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.

Nur kurze Zeit nach dem 1:4 im Samstag Top-Spiel gegen Werder Bremen kam zuerst von „Bild am Sonntag“  die Meldung: „Hertha trennt sich von Trainer Labbadia“. Michael Preetz „wackele“ noch. Doch es dauerte gar nicht lange, bis verkündet wurde, dass auch Preetz nicht mehr Manger der Hertha ist. Sein letztes Interview als Manager des Hauptstadtclubs, hatte ich mit Interesse verfolgt und was Preetz sagte, fand ich nachvollziehbar und gut. Immerhin 25 Jahre bei diesem Club, das ist  eine lange Zeit, auch wenn er in der Führungsposition die Rückendeckung des Präsidenten benötigte. Das ist aber oft praktizierte Kunst.

 Plötzlich empfand ich Mitleid mit Michael Preetz. Zuvor war ich von der Ehrlichkeit des Trainers Bruno Labbadia im Interview mit Florian Zschiedrich angetan. Zum Spielverlauf gefragt, antwortete er, keine Argumente mehr für die Fehltritte zu haben. Allerdings bezog, dass der eine oder andere Journalist als allgemeine Aussage für die künftige Entwicklung. Dabei war ganz klar, mit welcher Intensität weiter gearbeitet werden soll, um endlich erfolgreich zu sein. Ein ganz anderes Paar Schuhe.

Wenn schon das Thema Ehrlichkeit genannt ist, dann ziehe ich den Hut vor den Hertha-Fans, die in der Pandemie vor dem Spiel vor dem Stadion demonstrierten und sehr bemüht waren, die Corona-Regeln einzuhalten. Außerdem wurde deutlich, dass sie Labbadia keine Schuld an der Misere geben, im Gegenteil, sie schienen ihn zu mögen. Es waren nicht etwa nur junge Anhänger, sondern gestandene Männer in Sorge um ihren Verein. Ein 40jähriges Mitglied wünschte sich spontane Veränderungen in der Führung und die Gesamtheit drückte auch plakativ aus: „Preetz es reicht“!

Man stelle sich vor, Hertha hätte nur wieder den Trainer entlassen. Bestimmt hätte Hertha wohl die größte Revolte in ihrer Vereinsgeschichte  und eine düstere Zukunft erlebt.  Die Demonstration war natürlich angemeldet und genehmigt – für zunächst 70 Personen. Es wurden 250, die sich zur Freude der Ordnungshüter mit Anstand an Abstand hielten. In der aktuellen Woche vorm Auswärtsspiel in Frankfurt werden den Herthanern viele negative Berichte zu Augen und Ohren kommen. Es war ja auch ein ereignisreicher Tag mit ersten drastischen Konsequenzen.

Garantiert wird spekuliert, war das Ende von Labbadia und Preetz ein Vorstandsbeschluss? Wer hat dafür gesorgt? War es der Präsident oder hat er nur vorzeitig mit Carsten Schmidt dem Michael Preetz gerade rechtzeitig einen Vorgesetzten vor die Nase gesetzt? Vielleicht überschlagen sich die Entscheidungen. Mich würde interessieren, was kostet der Rausschmiss von Labbadia und Preetz aus ihren Ämtern. Pal Dardai als Nachfolge-Coach halte ich als die beste Lösung, dann aber nicht nur als Interims-Trainer.  

Christian Zschiedrich

Fotos: © 2021 Christian Zschiedrich

Jetzt sollten bei Hertha die richtigen Köpfe rollen

Bisher konnte Herthas Führung vom eigenen Versagen ablenken, indem schnell der Trainer gefeuert wurde. Doch so allmählich geht den Mitgliedern doch ein Licht auf. Diesmal liegt es nun keineswegs am Trainer. Zur Saisonhälfte nach 17 Spielen, nur 17 Punkte genügt nicht den Ansprüchen der Berliner, erst recht nicht, wenn der finanzielle Aufwand zu berücksichtigen ist, ökonomisch betrachtet, hier ist bisher Geld versenkt worden, da muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Das mit ins Kalkül gezogen, wer hat die Spieler geholt und wer hat in den letzten Jahren die Mannschaft zusammengestellt?

Bereits vor dem 16. Spieltag in Köln las ich u. a. auf der Website eines Anbieters von Sportwetten „Labbadia vor Entlassung“ und weiter, Hertha habe schon mit Tedesco und weiteren Trainern verhandelt. In meinem letzten Kommentar zu dem Thema schrieb ich aus Überzeugung: „Hertha solle froh sein, Labbadia zu haben“. Ich habe seine Arbeit und seine Entscheidungen genau verfolgt. Die schlechte Ergebnis-Statistik liegt nicht am Trainer! Inzwischen zweifle ich mehr denn je die Qualität der Akteure zur Geschlossenheit. Von harmlosen, blutleeren Auftritten ohne Mumm steht Woche für Woche (mit Ausnahme gegen Schalke) in den Kritiken zu lesen. Haarsträubend  der Gesamteindruck beim 0:1 in Bielefeld. Noch einmal, wer hat die Spieler geholt? Und wer sorgt mit für das „tolle“ Vereinsklima, einem leistungsstarken und effektiven „Wir“!

Hatte Klinsi „doch recht?  So titelte Sport Bild am 23. Dezember 2020 fett über zwei Seiten. Dazu abgebildet zwei “eng miteinander verflochtene“ Personen:  Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Nicht die herbeigeholten Arne Friedrich, Jens Lehmann oder Carsten Schmidt. “Katastrophale Versäumnisse von Preetz, Lügenkultur, Verachtenswert“! Wer sorgt denn für die seit Jahren stets kritisierte schlechte Stimmung im Verein? Einfach Peinlich!  

Sportlich geht es ohne Pause weiter. Am 18. Spieltag empfängt Hertha BSC Werder Bremen; am 19. auswärts bei Eintracht Frankfurt und dann Bayern München. Hoffen wir auf die 17 Spiele der Rückrunde und auf bessere Entscheidungen, diesmal nicht auf die häufige und übliche Trainer-Entlassung.

Christian Zschiedrich

Hertha verliert und Werner Gegenbauer bleibt Präsident

Hertha BSC hat die Auswärtspartie nach anständiger Leistung mit 1:2 verloren. Über eine Stunde mussten sie mit einem Spieler weniger auskommen. Deyovaisio Zeefuik sah die gelb-rote Karte, nach einem Schubser an seinem Gegenspieler. Die Aktion hätte nicht jeder Schiedsrichter als gelbwürdig eingschätzt. Tobias Stieler hat es aber so entschieden. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1 und Hertha zeigte anschließend, dass sie durchaus auch etwas vom Abwehrspiel verstehen. Wie in München glitt ihnen der mögliche Punkt aus den Händen. Wieder war es ein Foulelfmeter, den Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer in der 77. Minute erfolgreich verwandelte.

Die Ergebnisse stimmen nicht. Der nächste Gegner im Olympiastadion – sofern Corona will – ist der VfL Wolfsburg.

Seit 2008 Hertha Präsident – Werner Gegenbauer
Fotos © herthabsc/city-press

Für die Hertha-Mitglieder war einen Tag später alle Aufmerksamkeit auf die Wahl des neuen Präsidiums gerichtet. Auf der Ost-Tribüne des Olympiastadions hatten sich 1.079 Mitglieder eingefunden. Die Wahl brachte keine Überraschung. Der amtierende Werner Gegenbauer, wurde ohne Gegenkandidat für weitere 4 Jahre im Amt bestätigt. Auf ihn entfielen 542 Stimmen, 421 stimmten dagegen und 49 enthielten sich. Vize-Präsident bleibt Thorsten Manske, er bekam 566 Stimmen, etwas mehr als Gegenbauer, trotzdem kein als zu großer Vertrauensbeweis der Hertha-Familie.

Die anderen Mitglieder des Präsidiums sind laut Pressemitteilung: „Im ersten Wahlgang wurden direkt gewählt: Fabian Drescher (797 Stimmen), Anne Jüngermann (781), Peer Mock-Stümer (788), Ingmar Pering (497) und Norbert Sauer (479). Alle Gewählten haben die Wahl angenommen.

Auf die anderen Kandidaten entfielen die folgenden Stimmen: Detlef Dahmes (329 Stimmen), Nils Korte (180), Michael Ottow (468), Klaus Teichert (421), Christian Wolter (360) und Marco Wurzbacher (469). Alle 6 Kandidaten*innen sind zum zweiten Wahlgang angetreten.

Das Ergebnis sah wie folgt aus: Auf Michael Ottow entfielen 411 Stimmen, auf Detelf Dahmes (185 Stimmen), Nils Korte (47 Stimmen), Klaus Teichert (275), Christian Wolter (354) und Marco Wurzbacher (317). Damit ist Michael Ottow erneut in das Präsidium gewählt worden.“

Quelle: Hertha BSC

Zwist und Streit vor der Mitgliederversammlung bei der Alten Dame

Was spielt sich hinter den Kulissen bei Hertha ab und könnte bei der Freiluft-Mitgliederversammlung am Sonntag, 25. Oktober 2020, zu einigen Nachfragen führen ? Die Alte Dame wird immer mal wieder von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Die interessierte Öffentlichkeit erfuhr in schöner Regelmäßigkeit von Zank und Streit in der Führungsebene. Der Mann an der Spitze ist seit 2008 Werner Gegenbauer, der sich mit Thorsten Manske seinen Vize-Präsidenten ins Boot holte. Dabei blieben in den letzten Jahren einige verdienstvolle Herthaner, genannt sei hier Jörg Thomas, auf der Strecke.

Sportvereine sind grundsätzlich froh, finanzstarke Persönlichkeiten im Vorstand zu haben. Werner Gegenbauer hat in Berlin einiges an Geld gescheffelt. Und das Präsidentenamt beim selbsternannten Hauptstadtclub war sicherlich kein Hindernis bei seinen Geschäften.

Für TV Sport in Berlin ließ ich einst kein Hertha-Trainingslager aus und unterhielt mich gern am Spielfeldrand mit dem Präsidenten. Ein Interview war immer drin, selbst in den Pausen von bewegten Mitgliederversammlungen, wenn nicht jeder Sender entsprechende Wünsche erfüllt bekam. Die Welt schien 2008 in Ordnung zu Zeiten, als Christian Wolter für das Präsidium und Werner Gegenbauer für den Vorsitz ihre Kandidatur bekannt gaben. Christian Wolter lagen zu der Zeit besonders Herthas Jugend und Amateurmannschaften am Herzen. Als erfolgreicher Unternehmer ist er ein großzügiger Sponsor, sozusagen von der Pike an.

Ich war ein bisschen stolz, als damals, kurz vor der Wahl Christian Wolter, Thorsten Manske und Werner Gegenbauer zum Talk in die Sendung kamen. Ein solches Gespräch soll Gegenbauer mit dem RBB abgelehnt haben. Werner Gegenbauer wurde Präsident und Christian Wolter mit großer Zustimmung ins Präsidium gewählt. Gegenbauer löste damals Bernd Schiphorst ab, in seine Amtszeit fielen die Ausgliederung des Profibetriebs in eine Kapitalgesellschaft und die weitere sportlichen Konsolidierung des Vereins. Das sollte Werner Gegenbauer fortführen.

Von Reibereien im Vorstand sickerte immer mal was durch. Nachdenklich stimmten mich Äußerungen, Werner Gegenbauer vertrage keine Kritik und reduziere vieles auf ein einfaches Freund-Feind Denken. Vielleicht war das ein Grund, weshalb Christian Wolter in Ungnade gefallen war. Der Präsident bräuchte Ja-Sager und keine Besserwisser. Jedenfalls standen zwei Vorstandsmitglieder vier Jahre später, 2012 nicht wieder auf Gegenbauers den Mitglieder vorgelegter Wahlliste.

Man erinnerte sich an unsere Berichterstattung und die Talkrunde vor den Wahlen 2008. Die zwei abservierten Vorstandsmitglieder fragten an, dass aktuell zu wiederholen. Die Sendung hatte Zündstoff und kam erneut gut an. Werner Gegenbauer war diesmal nicht dabei. Die zwei Aussortierten wurden erneut in den Vorstand gewählt. Als Journalist hatte ich wohl bei Gegenbauer und der Presseabteilung von Hertha verspielt. Nebenbei sei erwähnt, dass es 2012 zu einer Gerichtsverhandlung gegen einen sich unklug verhaltenen Journalisten kam. Der Prozess endete mit einem Freispruch. Gegenbauer war persönlich geladen und nicht erschienen. Er wurde mit einem Ordnungsgeld belegt und bei Nichtzahlung sogar 3 Tage Haft angedroht. Der Vorgang, eigentlich ein gefundenes Fressen für den Berliner-Boulevard, fand erstaunlicherweise keine weitere Beachtung.

In meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ war ich vielleicht „zu kritisch mit unserer Hertha und mit Manager Michael Preetz“, umgegangen. Als Journalist und ehemaliges Hertha-Mitglied ließ ich es mir nicht nehmen, auf Mitgliederversammlungen unangenehme Fragen zu stellen. War es die Rache des kleinen Mannes ? Als Journalist wurde ich abserviert und bekam seitdem keine Akkreditierungen mehr.

Nun zurück zur Aktualität. Werner Gegenbauer will Präsident bleiben und Thorsten Manske soll wieder sein Vize werden. Für die acht weiteren Plätze im Präsidium kandidieren elf Personen. Präsidiumsmitglied Christian Wolter wird gegen Thorsten Manske für den Vize-Posten kandidieren. Das dürfte spannend werden.

Christian Zschiedrich

Wer hat die bessere Zukunftsperspektive, Hertha oder Union?

Beide Hauptstadtclubs beendeten die letzte Saison punktgleich mit je 41 Punkten. Ganze sechs Tore trennte Platz 10 (Hertha) von Platz 11 (Union). Jetzt darf man gespannt sein, wie der Wettstreit für eine weitere erfolgreiche Zukunftsplanung ausgeht. Unions Manager Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer arbeiten gut abgestimmt und beachtlich erfolgreich zusammen. Der Coach meint sogar, überhaupt keine Probleme mit Typen wie Max Kruse zu haben. Bei Hertha kann Michael Preetz von großem Glück sprechen, das ist meine Meinung, planerisch Bruno Labbadia  an der Seite zu haben.

Unter Labbadia – nach dem Re-Start in Hoffenheim (Mitte Mai) mit einer Oldi-Mannschaft (durchschnittlich 28,1 Jahren) – setzte eine Verjüngungskur von jetzt 23,7 Jahren im Schnitt ein. Per Skjelbred (33), Vedad Ibisevic (35) und  Salomon Kalou (34) stehen als Abgänge fest. Zugänge haben dem Alter nach Perspektive, auch wenn, so jedenfalls urteilt Labbadia , die jungen Neuverpflichteten Zeit brauchen. Mit Lucas Tousart (23), Deyovaisio Zeefuik (22), kam mit Matheus Cunja (21) ein noch jüngerer dazu. Aus Freiburg kam Torwart Alexander Schwolow, mit 28 Jahren ein erfahrener Akteur.

Konkurrenz belebt garantiert das Geschäft. Außerdem währt Transferperiode diesmal besonders lang, bis 5. Oktober. Da kann sich noch viel tun. Der nach Berlin zurückgekehrte Ronny wird es trotz aller Entschlossenheit wahrscheinlich nicht in der Eliteliga schaffen. Anders verhält es sich bei dem Noch-Schalker Weston McKennie. Bis zur Stunde laufen da noch Verhandlungen mit Schalke.

Wie kann man Hertha nur mit Union vergleichen. Natürlich ist ein neuer Trikotsponsor für Hertha ein wesentlicher Teil für die Saisonkalkulation. Im Verhältnis zu Union scheint bei Hertha der Geldfluss schier grenzenlos zu sein. Werner Gegenbauer verkündete: „Wirtschaftlich stand unser Verein in seiner Geschichte nie besser da“. Investor Lars Windhorst hielt bisher 49,9% der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, die Quote beläuft sich nunmehr mit weiteren 150 Mio mit seiner Tennor Holding auf 66,6 Prozent. Das sind 374 Mio Euro in Herthas Kasse. Was ist eigentlich mit der 50+1 Regelung? Die Verantwortlichen fanden dafür ein passendes Konstrukt. „Gegen die 50+1-Regel, die besagt, dass nur Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen können, an denen der Verein die Mehrheit der Stimmanteile hält, verstößt dieses Konstrukt nicht. Die Anteile der Komplementär-GmbH werden weiter von Herthas Geschäftsführung gehalten.“

Einen solchen Handlungsspielraum wünscht sich jetzt zu Corona-Zeiten so mancher Club, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Der 1. FC Union muss da wesentlich kleinere Brötchen backen und weiß, dass das zweite Jahr für Aufsteiger oft das schwerste ist.

Was macht Torjäger Sebastian Andersson ? Vielleicht bleibt er trotz Ausstiegsklausel, so hoffen die Eisernen, weil Max Kruse auch einer fürs  Tore-Vorbereiten ist. Mit Kruse zusammen auf Torejagd zu gehen fördert nicht nur die Spielfreue, Andersson könnte von Kruse profitieren und damit seinen Marktwert erhöhen.

Im Fußball ist zwar alles möglich. Ob allerdings Union wieder pari mit Hertha aus der neuen Saison gehen wird, dem Kapital, den wirtschaftlichen Gegebenheiten nach, wird’s schwer.

Bei der Zusammenstellung des Kader, macht Union eher das Gegenteil. Mit Julius Kade, Lennard Maloney und Florian Flecker gehen jüngere Spieler. Mit Robin Knoche, VfL Wolfsburg und eben Max Kruse kommen ältere, erfahrene Spieler neu hinzu. Der von Fans geliebte Torsteher Rafal Gikiewicz wird von Andreas Luthe (Augsburg) ersetzt. Philipp Hofmann aus Karlsruhe steht auf der Liste der Köpenicker und ist dem Lebensalter nach in die Kategorie Erfahrung einzuordnen. Beim 1. FC Union ist demzufolge noch nicht aller Tage Abend in der Kaderplanung. Wir drücken dem Club die Daumen, wünschen uns Union weiter in der 1. Bundesliga. Berlin tun zwei Hauptstadtclubs gut.

Christian Zschiedrich

Ungeheuerlich, Hintergründe bei Hertha BSC

Welch eine Bestätigung für meine Kommentare „Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher sein“ vom 14.02.20 und „Bei Hertha brennt‘s lichterloh“ vom 24.02.20 und welch eine Bestätigung für die Preetz-Kritiker, die das seit geraumer Zeit gespürt haben. 15 Tage nach Michael Klinsmanns Rücktritt sind seine Protokolle veröffentlicht durch Torsten Rumpf und Robert Schreier. Was dort zusammengefasst auf 22 DIN-A4-Seiten seiner 76 Trainertage geschrieben steht, könnte den Verein in einen Schockzustand versetzen.

Das ist seitens der Vereinsführung weder zu entkräften, noch schön zu reden und ich frage mich, sind denn im Hertha-Präsidium nur Gegenbauer-Ja-Sager, nur Gefolgsmänner des Präsidenten? Hat denn keiner der Mitglieder Eier und Rückgrat. Jetzt muss doch das große Reinemachen kommen!

Geholt hat ihn – ohne Willkommenskultur seit dem 08.11.19 – Lars Windhorst, zunächst in den Aufsichtsrat bei Hertha BSC. Im Hause Gegenbauer wird Jürgen Klinsmann am 26.11.19 zum Cheftrainer bis zum Sommer ernannt und dabei die sportlichen Vollmachten als „carte blanche“ rund um die Mannschaftsführung besprochen und akzeptiert, Klinsmanns Stab mit Alexander Nouri, Markus Feldhoff, Andreas Köpke, Werner Leuthard und Arne Friedrich.

Nach der Weihnachtspause kommt es zu einigen Merkwürdigkeiten. Wer lancierte die Meldung am 14.01.20, Jürgen Klinsmann hätte keine gültige Trainerlizenz (?) – stimmte so nicht – denn offiziell hat sie bis Ende 2020 Gültigkeit. Während der einwöchigen Diskussion gab es keine Unterstützung seitens Hertha BSC, kein einziges Statement für den leitenden Angestellten Jürgen Klinsmann. Laut dem Klinsmann-Protokoll gab es nie ein Vertrauensverhältnis zwischen  Gegenbauer, der Geschäftsleitung und dem Trainerstab. Die Trainer wussten u.a. nicht, wie lange sie noch da sind, warteten auf den Anschlussvertrag.

Die Mannschaft wurde, wie die Ergebnisse zeigen, nach oben gebracht. Mit dem Sieg in Paderborn verbesserte sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf neun Punkte und der Mannschaft wurde ein Top-Fitness-Zustand, mit Defiziten im taktischen Bereich bescheinigt.

Klinsmann habe bei allen Winter-Einkäufen selbst die ersten Anrufe getätigt. Ascacibar, Piatek und Cunha – mit wachsendem Mehrwertpotential (bei Wiederverkäufen) – wären sonst wohl nicht zu Hertha gekommen. Die Stimmung in den Medien hat sich gewandelt. Festgehalten: In der Bild-Zeitung schreiben erkennbar plötzlich andere, nämlich die mit Michael Preetz Befreundete. Ganz erstaunlich die Bestätigung:“ Michael Preetz war auch bei anderen Indiskretionen der Informant“!  

Dazu passt: „Klinsmann habe nur die Cheftrainerrolle und sei an Weisungen der Geschäftsführung gebunden. Wir werden uns nicht in die vorgegebene Richtung bewegen“. Derlei konkrete Anzeichen verdichteten sich zunehmend mehr.  Jürgen Klinsmann schmiss also nicht unbegründet nach schlafloser Nacht hin. Wer die Fakten schwarz auf weiß erst jetzt verwundert zur Kenntnis nimmt, könnte beim nächsten Heimspiel zu denen gehören, die im Chor den Namen Jürgen Klinsmann rufen.

Ich bin mir sicher, ab sofort wird auch Michael Preetz nicht verschont bleiben, steht jetzt ohnehin im Rampenlicht. Deshalb abschließend die protokollierten Vorwürfe gegen den Manager Sport, verbunden mit der Frage, was muss in diesem Club noch alles passieren? Ich teile die Meinung: Du bist als Fußballer nur so gut wie dein Umfeld – bedeutet: Die Geschäftsleitung muss komplett ausgetauscht werden, sonst werden tolle Neuzugänge nach einiger Zeit zu Durchschnittsspielern. Und wie verhält es sich mit dem 17jährigen Jugendspieler, der wird (bei den Profis integriert) von ganz Europa gejagt.

Zutreffende Vorhaltungen an Michael Preetz: Jahrelange katastrophale Versäumnisse in allen Bereichen des Leistungssport und eine genauso katastrophale aktuelle Kaderplanung. Kein Anspruchsdenken an die Mitarbeiter, kein Prämien- und Motivationssystem für Trainer und Betreuer, schlechte Saisonvorbereitung. Der Klub wäre ohne Trainerwechsel auf Abstiegswegen gewesen. Es gibt wohl kein Vertrauensverhältnis zwischen der Geschäftsleitung und Trainer-Team. Aber, es scheint eine Lügenkultur zu geben, die das Vertrauensverhältnis der Spieler zerstört hat. Ein Hauptstadtclub müsste auch die Vision Richtung Europa haben und dementsprechend aufgestellt sein. Welche Vision hat Hertha?

Christian Zschiedrich  

Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher fühlen

Als Ante Covic als neuer Hertha-Trainer,  der zehnte unter Preetz Regie, vorgestellt wurde, erlaubte ich mir die Frage, ob Ante im Falle einer Amtsenthebung in untergeordneter Funktion für Hertha weitermachen würde. Michael Preetz bremste mich abwertend aus, sinngemäß das bedarf keiner jetzigen Stellungnahme. Dabei war ich überzeugt davon, dass sich jeder Trainer bei Amtsantritt fragen sollte, was ist wenn ich als eingefleischter Herthaner scheitere.

Inzwischen ist der elfte Trainer von uns gegangen, nicht etwa stilvoll, Windhorst bezeichnete es als Kurzschlussreaktion. Das Für und Wider des Himmelfahrtentschlusses sollte ernsthaft hinterfragt werden. Anhand meiner kritischen Berichte mache ich auch keinen Hehl daraus, froh zu sein, wenn sich die Gelegenheit ergibt, in der Führung bei Hertha eine spürbare Veränderung herbei zu führen. Seit Jahren tritt Hertha als Hauptstadtclub in Mittelmäßigkeit auf der Stelle. Außerdem reichten mir die zwei Abstiege unter Sportdirektor Michael Preetz.

Was Jürgen Klinsmann anpackte, war für viele Berliner genau richtig. „Wenn, dann mache ich es richtig zu hundert Prozent“. Er war bereit, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. In dem Punkt schieden sich aber die Geister. Den Ex-Nationaltrainer mit den Kompetenzen auszustatten, war mit Preetz & Co nicht drin. Der Sportdirektor erkannte sofort, was bleibt mir denn da? Einen Michael Preetz stellt man nicht so leicht ins Abseits. Doch Hut ab vor Trainern, die auch bei der Spieler-auswahl allein verantwortlich sein wollen und ankündigen, wenn‘s schief geht, bin ich der alleinige Verantwortliche.

Genau dafür war und ist Jürgen Klinsmann bekannt. Er hätte dieses Vertrauen nach Lage der Dinge auch bekommen müssen, denn er hatte ja zurückliegend mit dieser Methode seine großen Erfolge feiern können. Jeder weiß, die Erfolge von Sportdirektor Preetz sind dagegen sehr bescheiden. Wer will denn schon überflüssig werden. Der Kampf um die Macht ist leider so. Bestimmt darf Preetz zu Gute gehalten werden, dass in so einer Situation viele genauso reagieren und vorbeugen würden.

Denn Preetz kann sich ja der Rückendeckung von Präsident Werner Gegenbauer sicher sein – wirklich? Gegenbauer verband ja sogar einst sein Schicksal mit dem Erhalt von Preetz. Das ist seit der Nichteröffnung des Berliner Flughafens aber einige Jahre her. Die Zeiten könnten sich geändert haben. Schließlich waren einst Dieter Hoeneß und Werner Gegenbauer auch Freunde. Nun, den Abgang von Hoeneß und dem Ende der Freundschaft, das kennen die Herthaner.

Finanziell hat Jürgen Klinsmann keine Sorgen. Selbstverständlich wird der schnelle Rückzug von Klinsmann in den sozialen Medien angeprangert. Bestimmt hat Klinsi den Image-Schaden für sich selbst nicht richtig eingeschätzt. Daher erfahren wir bestimmt bald, dass es dafür genug Gründe gab. Sie werden den von mir hier erwähnten Kern treffen. Bleibt zu hoffen, dass Hertha auch den Ernst der Lage erkennt und in den nächsten Spielen sportlich reagiert und Punkte einfährt.

Christian Zschiedrich