Es rumort wieder bei Hertha BSC

Es geht diesmal nicht um die Schmach der Mannschaft, aktuell Tabellenplatz 14., nur 6 Punkte nach 7 Spielen, es trifft wieder einmal die Führung des Vereins, den Vorsitzenden der Geschäftsführung des Bundesligisten Carsten Schmidt. Er nimmt seinen Hut und verabschiedet sich nach nicht mal einem Jahr. Genannt werden rein private Gründe. Wer den ehemaligen Sky Chef kennt, weiß, dass vorläufig nichts anderes zu erfahren sein wird, als persönlichen Gründe für seinen Rücktritt. Von einem Krankheitsfall im unmittelbaren Familienumfeld ist die Rede.

Allerdings reagierte Investor Lars Windhorst gemeinsam mit Carsten Schmidt bestürzt darüber, „dass wieder Dinge an die Öffentlichkeit gebracht wurden, die vertraulich waren“. Hertha bestätigte Schmidts Amtsniederlegung zunächst nicht. Sportdirektor Arne Friedrich auf Anfragen über das Aus: „Ich kann dazu nichts sagen“. Schmidt hatte mit Hertha als CEO große Pläne, Herthas künftige Philosophie zu erarbeiten, den Verein wirtschaftlich zu stärken und neue Geschäftsfelder erschließen.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto: Hans-Peter Becker

Nicht nur wir Berliner wundern uns über die Häufung von negativen Schlagzeilen in so kurzer Zeit bei prominenten Führungspersonen. Im Rampenlicht der Präsident Werner Gegenbauer als starker Mann, dann die Geschehnisse um Michael Preetz, Bruno Labbadia, Jürgen Klinsmann, Jens Lehmann, namhafte Spielerverkäufe und Transfers, nun Carsten Schmidt. Besonders nachdenklich stimmt, dass Lars Windhorst als Investor ohne maßgeblichen Einfluss bei wichtigen Entscheidungen zu sein scheint. Mal ehrlich, würden Sie viel Geld geben, ohne Mitspracherecht. Ich jedenfalls nicht! Ich würde nicht eine Million aus Lust und Tollerei, ohne Gegenleistung verschenken. Lars Windhorst dagegen soll 375 Mill. Euro an Hertha verschenkt (?) haben, mit welchem Ergebnis?

Weil der sportliche Erfolg bisher ausblieb, die aktuellen Ergebnisse niederschmetternd sind, scheint Windhorst aufzubegehren. Das Geld brachte sportlich bisher keinen Erfolg, dafür jede Menge Unruhe. Wer hielt bei diesem Machtspiel den Investor mit seiner Holding bisher klein (?) – Windhorst ein Machertyp vom Scheitel bis zur Sohle degradiert zum fast machtlosen Zuschauer am Spielfeldrand. Kann das auf Dauer überhaupt gut gehen? Ein Machtkampf: Geld bestimmt die Welt!

Setzt sich, am nächsten Spieltag in Frankfurt auch die sportliche Krise fort. Fredi Bobic, als Geschäftsführer Sport jetzt mit weiteren Aufgaben betraut, weiß die Arbeit von Trainer Pal Dardai zu schätzen. Noch hat er Rückendeckung. Letztendlich bleibt der Trainer das schwächste Glied im Verein. Sollte er abgelöst werden, geht er eben wieder zurück und übernimmt die U 16.

Christian Zschiedrich    

Hertha verliert im Abstiegskampf und Union beschenkt den Trainer

Der 1. FC Union kann noch gewinnen. Am 22. Spieltag sorgte ein goldenes Tor von Grischa Prömel mal wieder für einen Dreier. Just an diesem Tag feierte Trainer Urs Fischer seinen 55. Geburtstag, insofern kam der Sieg zusätzlich gelegen. Eines ist so gut wie gewiss, die Hauptstadt hat in der kommenden Saison einen Platz in der Bundesliga sicher. Hinter dem zweiten Platz stehen mehr und mehr Fragezeichen.

Hertha BSC, der Verein den mehr Geld für seinen Kader ausgegeben hat, als jeder andere in der Liga, steckt tief im Abstiegskampf. Gegen RB Leipzig war trotz einer Leistungssteigerung nichts zu holen. Irgendwie soll es gelingen erstklassig zu bleiben. Mit einem Kader, der auf alles andere, als auf Abstiegskampf eingestellt war. Langsam kommen böse Erinnerungen hoch. Seit dem 14. Spieltag hat Hertha nicht mehr gewonnen, das vierte Heimspiel in Folge verloren, zuletzt gab es das unter dem Trainer Otto Rehhagel und frei nach Wilhelm Busch, Wehe, Wehe, wenn ich auf das Ende sehe.

Der Abgang von Jürgen Klinsmann war merkwürdig, hat eines bewirkt, die Bräsigkeit der Herthaführung wurde aufgebrochen, hoffentlich nicht zu spät. Wie wird sich der Investor im Falle eines Abstieges verhalten? Er wurde dazu befragt, „darüber denken wir nicht nach“, war die Antwort. Selbst Pal Dardai scheint manchmal Zweifel zu haben. So äußerte er nach der Niederlage in Frankfurt: „Das ist eine junge Mannschaft. Sie haben sie zusammengekauft und wahrscheinlich einiges vergessen.“ Gegen Leipzig war das mangelhafte Mannschaftskonstrukt erkennbar. Bis zu seiner Auswechselung bemühte Sami Khedira darum, Struktur in das Spiel zu bringen. Das Ganze hat Potenzial für die Zukunft, leider muss jetzt die Gegenwart gemeistert werden. Nur mal so, Hertha hat jetzt 40 Gegentore kassiert. Nur zwei Mannschaften haben bisher mehr kassiert, Mainz und Schalke. Werfen sie mal ein Blick auf die Tabelle. Es bleibt hier die Frage, kann dieser Kader Abstiegskampf ?

Hans-Peter Becker

Jetzt sollten bei Hertha die richtigen Köpfe rollen

Bisher konnte Herthas Führung vom eigenen Versagen ablenken, indem schnell der Trainer gefeuert wurde. Doch so allmählich geht den Mitgliedern doch ein Licht auf. Diesmal liegt es nun keineswegs am Trainer. Zur Saisonhälfte nach 17 Spielen, nur 17 Punkte genügt nicht den Ansprüchen der Berliner, erst recht nicht, wenn der finanzielle Aufwand zu berücksichtigen ist, ökonomisch betrachtet, hier ist bisher Geld versenkt worden, da muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Das mit ins Kalkül gezogen, wer hat die Spieler geholt und wer hat in den letzten Jahren die Mannschaft zusammengestellt?

Bereits vor dem 16. Spieltag in Köln las ich u. a. auf der Website eines Anbieters von Sportwetten „Labbadia vor Entlassung“ und weiter, Hertha habe schon mit Tedesco und weiteren Trainern verhandelt. In meinem letzten Kommentar zu dem Thema schrieb ich aus Überzeugung: „Hertha solle froh sein, Labbadia zu haben“. Ich habe seine Arbeit und seine Entscheidungen genau verfolgt. Die schlechte Ergebnis-Statistik liegt nicht am Trainer! Inzwischen zweifle ich mehr denn je die Qualität der Akteure zur Geschlossenheit. Von harmlosen, blutleeren Auftritten ohne Mumm steht Woche für Woche (mit Ausnahme gegen Schalke) in den Kritiken zu lesen. Haarsträubend  der Gesamteindruck beim 0:1 in Bielefeld. Noch einmal, wer hat die Spieler geholt? Und wer sorgt mit für das „tolle“ Vereinsklima, einem leistungsstarken und effektiven „Wir“!

Hatte Klinsi „doch recht?  So titelte Sport Bild am 23. Dezember 2020 fett über zwei Seiten. Dazu abgebildet zwei “eng miteinander verflochtene“ Personen:  Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Nicht die herbeigeholten Arne Friedrich, Jens Lehmann oder Carsten Schmidt. “Katastrophale Versäumnisse von Preetz, Lügenkultur, Verachtenswert“! Wer sorgt denn für die seit Jahren stets kritisierte schlechte Stimmung im Verein? Einfach Peinlich!  

Sportlich geht es ohne Pause weiter. Am 18. Spieltag empfängt Hertha BSC Werder Bremen; am 19. auswärts bei Eintracht Frankfurt und dann Bayern München. Hoffen wir auf die 17 Spiele der Rückrunde und auf bessere Entscheidungen, diesmal nicht auf die häufige und übliche Trainer-Entlassung.

Christian Zschiedrich

Es bedarf in Sachen Hertha schon wieder der Richtigstellung

Bisher bekamen wir aus Hertha-Quellen, so war es auch immer wieder zu lesen, Investor Lars Windhorst, der mit seiner Tennor-Gruppe 49,5 Prozent an Hertha hält, soll den Beratervertrag mit Jürgen Klinsmann gebrochen und ihn fallen gelassen haben. Gerne berufen wir uns auf die Mitteilung von Walter M. Straten, Windhorst habe den Beratervertrag bewusst nicht gekündigt; er lasse die Vereinbarung ganz im Gegenteil weiterlaufen. Der Investor will den allseits kritisierten Klinsmann nicht fallen lassen. Allerdings: Seine Tätigkeit ruhe erst einmal.

Der Ex-Bundestrainer und Weltmeister von 1990 bleibt sportlicher Berater der Tennor-Gruppe! Er hat mit seiner Flucht zwar falsch gehandelt, so allmählich macht sich aber auch ein klein wenig Verständnis dafür breit, in Berlin der Buhmann zu sein, in der Sache aber Vieles ans Licht gebracht zu haben, was der Hertha-Führung noch lange in den Ohren klingen wird. Er muss in Deutschland kein Traineramt wieder übernehmen.

Richtig gestellt werden muss auch, dass er als TV-Experte bei  RTL nicht rausflog, sondern auf eigenem Wunsch, wie RTL mitteilt, den Job aufgab und bei Länderspielen als Experte nicht mehr zur Verfügung stehe. Das sind für den neutralen Leser doch elementare Dinge, die nun in einem ganz anderen Licht stehen.

Christian Zschiedrich

Herthas Führung in die Enge gedrängt ?

Was bleibt, man muss einfach Mitleid und Bedauern mit der Hertha empfinden. Hoffen wir, dass am Freitagabend, 28.02.20, in Düsseldorf beim Mitkonkurrenten gewonnen wird, damit Hertha mal durchschnaufen kann und mit sportlichem Erfolg in etwas ruhigeres Fahrwasser gerät. Nicht auszudenken, wenn Hertha das Spiel verlieren sollte. Die Kacke ist ja ohnehin gewaltig am Dampfen. Bei nach wie vor anstehenden Schlammschlachten – das Thema ist längst nicht vorbei – gibt es erfahrungsgemäß nur Verlierer. Sollte das noch arbeitende Trainerteam ausscheiden müssen, wird garantiert weiter nachgelegt.

In meinen Kommentaren sagte ich voraus, dass wir später mehr über die Gründe des plötzlichen Ausscheidens von Jürgen Klinsmann erfahren werden. Seine Rechtfertigung kam schnell. Die Protokollseiten waren nach Aussagen von Klinsmann nur für Lars Windhorst bestimmt und sind wohl geleakt worden. Wie gelangten sie an die Öffentlichkeit? Eine der Möglichkeiten wäre, dass sie zufällig, in der Hektik des Geschehens, versehentlich liegengelassen  wurden.

Die momentane Schlammschlacht gipfelt darin, sich gegenseitig der Lügen zu bezichtigen. Wie geht Herthas Führung mit konkreten Vorwürfen um? Es seien größtenteils Unwahrheiten und zu Details wird keine Stellung bezogen. Liebe Vereinsführung, das sind Eigentore, das ist mir argumentativ zu dünn, es überzeugt mich nicht. Schauen wir genauer hin. Wer seine Meinung mit vollem Namen vertritt und aus seiner Sichtweise Dinge anprangert, sind das Lügen? Es ist harter Tobak, der Vereinsführung ins Stammbuch geschrieben.

Klinsmann stellt sich als derjenige dar, der Hertha für die Zukunft hätte fitmachen können. – „Die Geschäftsführung muss sofort komplett ausgewechselt werden.“ Seine Begründung: „Die Klubführung ist unbeweglich und inkompetent, die Infrastruktur unprofessionell. Der Manager habe den Kader falsch zusammengestellt.“ „Im Klub herrsche nach Innenleben-Beobachtungen eine Lügenkultur mit gezielten Indiskretionen“. Inkompetenz auf allen Ebenen in der Geschäftsleitung. Das ist deutlich und jeder weiß, wer diese Meinung vertritt. Dazu „(…) ohne jegliche Dynamik, zerstritten, eben inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen!“  

Ich verstehe die Rücktrittsforderungen und den Aufruf zur Neubesetzung (!), empfehle den Herren auf dem hohen Roß die Meinung anderer zu akzeptieren und über den Inhalt nachzudenken. Alles nur lügen ?

Christian Zschiedrich

Ungeheuerlich, Hintergründe bei Hertha BSC

Welch eine Bestätigung für meine Kommentare „Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher sein“ vom 14.02.20 und „Bei Hertha brennt‘s lichterloh“ vom 24.02.20 und welch eine Bestätigung für die Preetz-Kritiker, die das seit geraumer Zeit gespürt haben. 15 Tage nach Michael Klinsmanns Rücktritt sind seine Protokolle veröffentlicht durch Torsten Rumpf und Robert Schreier. Was dort zusammengefasst auf 22 DIN-A4-Seiten seiner 76 Trainertage geschrieben steht, könnte den Verein in einen Schockzustand versetzen.

Das ist seitens der Vereinsführung weder zu entkräften, noch schön zu reden und ich frage mich, sind denn im Hertha-Präsidium nur Gegenbauer-Ja-Sager, nur Gefolgsmänner des Präsidenten? Hat denn keiner der Mitglieder Eier und Rückgrat. Jetzt muss doch das große Reinemachen kommen!

Geholt hat ihn – ohne Willkommenskultur seit dem 08.11.19 – Lars Windhorst, zunächst in den Aufsichtsrat bei Hertha BSC. Im Hause Gegenbauer wird Jürgen Klinsmann am 26.11.19 zum Cheftrainer bis zum Sommer ernannt und dabei die sportlichen Vollmachten als „carte blanche“ rund um die Mannschaftsführung besprochen und akzeptiert, Klinsmanns Stab mit Alexander Nouri, Markus Feldhoff, Andreas Köpke, Werner Leuthard und Arne Friedrich.

Nach der Weihnachtspause kommt es zu einigen Merkwürdigkeiten. Wer lancierte die Meldung am 14.01.20, Jürgen Klinsmann hätte keine gültige Trainerlizenz (?) – stimmte so nicht – denn offiziell hat sie bis Ende 2020 Gültigkeit. Während der einwöchigen Diskussion gab es keine Unterstützung seitens Hertha BSC, kein einziges Statement für den leitenden Angestellten Jürgen Klinsmann. Laut dem Klinsmann-Protokoll gab es nie ein Vertrauensverhältnis zwischen  Gegenbauer, der Geschäftsleitung und dem Trainerstab. Die Trainer wussten u.a. nicht, wie lange sie noch da sind, warteten auf den Anschlussvertrag.

Die Mannschaft wurde, wie die Ergebnisse zeigen, nach oben gebracht. Mit dem Sieg in Paderborn verbesserte sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf neun Punkte und der Mannschaft wurde ein Top-Fitness-Zustand, mit Defiziten im taktischen Bereich bescheinigt.

Klinsmann habe bei allen Winter-Einkäufen selbst die ersten Anrufe getätigt. Ascacibar, Piatek und Cunha – mit wachsendem Mehrwertpotential (bei Wiederverkäufen) – wären sonst wohl nicht zu Hertha gekommen. Die Stimmung in den Medien hat sich gewandelt. Festgehalten: In der Bild-Zeitung schreiben erkennbar plötzlich andere, nämlich die mit Michael Preetz Befreundete. Ganz erstaunlich die Bestätigung:“ Michael Preetz war auch bei anderen Indiskretionen der Informant“!  

Dazu passt: „Klinsmann habe nur die Cheftrainerrolle und sei an Weisungen der Geschäftsführung gebunden. Wir werden uns nicht in die vorgegebene Richtung bewegen“. Derlei konkrete Anzeichen verdichteten sich zunehmend mehr.  Jürgen Klinsmann schmiss also nicht unbegründet nach schlafloser Nacht hin. Wer die Fakten schwarz auf weiß erst jetzt verwundert zur Kenntnis nimmt, könnte beim nächsten Heimspiel zu denen gehören, die im Chor den Namen Jürgen Klinsmann rufen.

Ich bin mir sicher, ab sofort wird auch Michael Preetz nicht verschont bleiben, steht jetzt ohnehin im Rampenlicht. Deshalb abschließend die protokollierten Vorwürfe gegen den Manager Sport, verbunden mit der Frage, was muss in diesem Club noch alles passieren? Ich teile die Meinung: Du bist als Fußballer nur so gut wie dein Umfeld – bedeutet: Die Geschäftsleitung muss komplett ausgetauscht werden, sonst werden tolle Neuzugänge nach einiger Zeit zu Durchschnittsspielern. Und wie verhält es sich mit dem 17jährigen Jugendspieler, der wird (bei den Profis integriert) von ganz Europa gejagt.

Zutreffende Vorhaltungen an Michael Preetz: Jahrelange katastrophale Versäumnisse in allen Bereichen des Leistungssport und eine genauso katastrophale aktuelle Kaderplanung. Kein Anspruchsdenken an die Mitarbeiter, kein Prämien- und Motivationssystem für Trainer und Betreuer, schlechte Saisonvorbereitung. Der Klub wäre ohne Trainerwechsel auf Abstiegswegen gewesen. Es gibt wohl kein Vertrauensverhältnis zwischen der Geschäftsleitung und Trainer-Team. Aber, es scheint eine Lügenkultur zu geben, die das Vertrauensverhältnis der Spieler zerstört hat. Ein Hauptstadtclub müsste auch die Vision Richtung Europa haben und dementsprechend aufgestellt sein. Welche Vision hat Hertha?

Christian Zschiedrich  

Bei Hertha brennt‘s lichterloh

Vor Anpfiff der Begegnung des Heimspiels gegen Köln war ich überzeugt davon, endlich mal wieder einen in sportlicher Hinsicht zum Wohle des Berliner Fußballs positiven Bericht verfassen zu können. Nach den ersten 45 Minuten, ohne einen Torschuss der Hertha registriert zu haben, schwanden die dem Fußball zugewandten Gedanken. Mich beschäftigte das in den sozialen Netzwerken nach Jürgen Klinsmanns Hinschmeißens deutlich zu lesende, vor allem die klaren Forderungen an Michael Preetz, doch endlich das Weite zu suchen. Natürlich war überwiegend Klinsmanns Davonlaufen unverstanden bis verächtlich niedergeschrieben worden. War es wirklich so unbedacht und unüberlegt?

Ein ganzer Kerl wäre bei der Stange geblieben und hätte versucht, sich durchzusetzen und den Herren in der Führung klar zu machen, um erfolgreich zu sein, muss ich auch die volle Verantwortung für das „Himmelfahrtskommando“ tragen, so sehr sich Michael Preetz auch in seiner Funktion dann überstimmt fühlen mag. Änderungen herbeizuführen waren doch unumgänglich und die von Klinsmann eingeschlagene Richtung wurde allerseits anerkannt. War es nun die Erkenntnis seitens des Ex-Nationaltrainers, sich gegen die Hertha-Führung nicht behaupten zu können ? Muss ich mir das aussichtslos antun, werden seine Überlegungen gewesen sein. Später erfahren wir vielleicht mehr darüber. Selbst ein Jürgen Klinsmann nimmt nicht gerne den absehbar großen Imageverlust in Kauf.

Das vorletzte Heimspiel, ein 1:3 gegen Mainz war schon unverzeihlich, das letzte 0:5 gegen Köln ist mit dem Wort bitter nicht abgetan und zu erklären. Jetzt brennt die Luft! Ursachenforschung steht an und da sieht Michael Preetz gar nicht gut dabei aus. Wenn er noch einen Funken Ehre im Leibe hat, tritt er endlich von sich aus zurück.

Ich schätzte bisher die sachliche und fachliche Kompetenz der Fußball-Woche sehr. Wenn ein Fachblatt wie eben die Fußball-Woche auf der Titelseite die Überschrift wählt: „Hertha macht sich zum Gespött der Fans“, dann ist es – liebes Präsidium – an der Zeit zu handeln. Ich bin zwar kein Hertha-Mitglied mehr, schreibe aber gern über den Volkssport Nummer1 in unserer Hauptstadt und wähle als aktiver Journalist mit Bedacht und in sportlicher Pflicht: Treten Sie zurück, lieber Michael Preetz!  Schlimmer kann es für einen Hauptstadtclub doch gar nicht kommen.

Christian Zschiedrich

Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher fühlen

Als Ante Covic als neuer Hertha-Trainer,  der zehnte unter Preetz Regie, vorgestellt wurde, erlaubte ich mir die Frage, ob Ante im Falle einer Amtsenthebung in untergeordneter Funktion für Hertha weitermachen würde. Michael Preetz bremste mich abwertend aus, sinngemäß das bedarf keiner jetzigen Stellungnahme. Dabei war ich überzeugt davon, dass sich jeder Trainer bei Amtsantritt fragen sollte, was ist wenn ich als eingefleischter Herthaner scheitere.

Inzwischen ist der elfte Trainer von uns gegangen, nicht etwa stilvoll, Windhorst bezeichnete es als Kurzschlussreaktion. Das Für und Wider des Himmelfahrtentschlusses sollte ernsthaft hinterfragt werden. Anhand meiner kritischen Berichte mache ich auch keinen Hehl daraus, froh zu sein, wenn sich die Gelegenheit ergibt, in der Führung bei Hertha eine spürbare Veränderung herbei zu führen. Seit Jahren tritt Hertha als Hauptstadtclub in Mittelmäßigkeit auf der Stelle. Außerdem reichten mir die zwei Abstiege unter Sportdirektor Michael Preetz.

Was Jürgen Klinsmann anpackte, war für viele Berliner genau richtig. „Wenn, dann mache ich es richtig zu hundert Prozent“. Er war bereit, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. In dem Punkt schieden sich aber die Geister. Den Ex-Nationaltrainer mit den Kompetenzen auszustatten, war mit Preetz & Co nicht drin. Der Sportdirektor erkannte sofort, was bleibt mir denn da? Einen Michael Preetz stellt man nicht so leicht ins Abseits. Doch Hut ab vor Trainern, die auch bei der Spieler-auswahl allein verantwortlich sein wollen und ankündigen, wenn‘s schief geht, bin ich der alleinige Verantwortliche.

Genau dafür war und ist Jürgen Klinsmann bekannt. Er hätte dieses Vertrauen nach Lage der Dinge auch bekommen müssen, denn er hatte ja zurückliegend mit dieser Methode seine großen Erfolge feiern können. Jeder weiß, die Erfolge von Sportdirektor Preetz sind dagegen sehr bescheiden. Wer will denn schon überflüssig werden. Der Kampf um die Macht ist leider so. Bestimmt darf Preetz zu Gute gehalten werden, dass in so einer Situation viele genauso reagieren und vorbeugen würden.

Denn Preetz kann sich ja der Rückendeckung von Präsident Werner Gegenbauer sicher sein – wirklich? Gegenbauer verband ja sogar einst sein Schicksal mit dem Erhalt von Preetz. Das ist seit der Nichteröffnung des Berliner Flughafens aber einige Jahre her. Die Zeiten könnten sich geändert haben. Schließlich waren einst Dieter Hoeneß und Werner Gegenbauer auch Freunde. Nun, den Abgang von Hoeneß und dem Ende der Freundschaft, das kennen die Herthaner.

Finanziell hat Jürgen Klinsmann keine Sorgen. Selbstverständlich wird der schnelle Rückzug von Klinsmann in den sozialen Medien angeprangert. Bestimmt hat Klinsi den Image-Schaden für sich selbst nicht richtig eingeschätzt. Daher erfahren wir bestimmt bald, dass es dafür genug Gründe gab. Sie werden den von mir hier erwähnten Kern treffen. Bleibt zu hoffen, dass Hertha auch den Ernst der Lage erkennt und in den nächsten Spielen sportlich reagiert und Punkte einfährt.

Christian Zschiedrich

Hertha – so verliert ihr auch in Paderborn

Nun auch das Heimspiel gegen Mainz 05 1:3 zu verlieren, ist nach Lage der Dinge mehr als peinlich. Plötzlich stimmen bei Hertha die Ergebnisse nicht mehr. Zuvor auf Schalke aus dem Pokal geflogen und in der Meisterschaft mitten im Abstiegskampf 21 Spiele 23 Punkte Tabellenplatz 14. Mit einem zu erwartendem Sieg hätte sich Hertha aus dem Tabellenkeller schießen können. 35.000 Zuschauer fanden sich anscheinend mit der Gangart ab. Die Fans sind keineswegs mehr in Erwartung eines begeisternden oder mitreißenden Spiels, aber gewonnen werden sollte zumindest. Erst recht zu Hause  gegen Mitkonkurrenten. Nach so einer harmlosen Darbietung trommeln Trainer in der Regel  zum verschärften Straftraining. Jürgen Klinsmann gab seinen Spielern nach der blamablen Niederlage (zur Belohnung) erst einmal zwei Tage frei, „damit sie die Köpfe frei bekommen“.

Mit Sicherheit werden die Herthaner sich bei Union bedanken, die in Bremen 2:0 gewannen. Tore: Zweimal Bülter (52. +  72.). Werder rutscht damit auf Platz 17 ab. Paderborn übrigens findet mit dem Remis (1:1) auf Schalke bis auf einen Punkt Anschluss an die abstiegsgefährdeten Plätze. Und wenn ihr Trainer Steffen Baumgart seinen Spielern sagt, ihr müsst  Gras fressen, dann fressen seine Akteure auf dem Platz auch Gras. Ihr Einsatz, Kampfgeist und die Körpersprache sind lobenswert. Vergleichbar mit den Eisernen aus Köpenick. Der 1.FC Union hat sich mit 26 Punkten etwas Luft verschafft, aktuell Tabellenplatz 11.

Christian Zschiedrich

Nun geht es wieder um Punkte

Welch ein Auftakt im Profibereich:   Von heute, Donnerstag, 09. Januar an noch sieben Tage, am Freitag, 17. Januar 2020, 20:30 Uhr, in Gelsenkirchen Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach. Am Samstag, 18.01. 18.30 Uhr, RB Leipzig – 1.FC Union und am Sonntag, 19.01., 15.30 Uhr, Hertha BSC – FC Bayern München.

Chefcoach David Wagner weilt mit seinem Team vom 03.01. bis heute in Murcia/Spanien und absolviert morgen, 10.01. noch ein Testspiel beim Hamburger SV. Trainer Marco Rose bereitet seine Borussen in Jerez de la Frontera vor.

Wir erinnern uns. Hertha holte in den letzten drei Spielen unter Klinsi sieben Punkte (kein Gegentor), der 1. FC Union verspielte, total unnötig, in den  letzten zwei Begegnungen (1:1 in Paderborn und 1:2 in Düsseldorf) fünf Punkte, schloss die Hinrunde dennoch mit einem Punkt besser als Hertha BSC (19) ab. Jetzt heißt es am kommenden Samstag beim Tabellenführer RB Leipzig zu bestehen. RB ist natürlich klarer Favorit. Erstaunlicherweise bereitet sich Leipzig unter Trainer Julian Nagelsmann nicht in einem Trainingslager auf die Rückrunde vor – trainiert daheim. Union weilt mit Urs Fischer vom 4. – 12.01. in Campoamor/Spanien und absolviert auf dem Trainingsplatz des Golf-Hotels am Samstag, 11.01. noch ein Testspiel gegen Ferencvaros Budapest.  

Jürgen Klinsmann führte Hertha BSC mit 26 Spielern vom 02.01. – 10.01. nach Orlando/Florida, USA. Am 10.01. wird offiziell noch einmal in Saint Petersburg, Florida, USA, getestet. Infolge der erhöhten Konkurrenzsituation wurde Eduard Löwen zum Ligakonkurrenten FC Augsburg ausgeliehen. Sozusagen in Konsequenz der Verpflichtung des argentinischen Nationalspielers Santiago Ascacibar vom VfB Stuttgart, dem defensiven Spieler im zentralen Mittelfeld. Hertha ist sich zwar mit dem Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka einig, doch Arsenal hat plötzlich die ursprünglichen 25 Millionen auf 30 Millionen erhöht – heißt: Der Wechsel könnte noch platzen.

Herthas Auftakt zur Rückrunde in München ist alles andere als von Pappe. Bayern-Torjäger Lewandowski ist 18 Tage nach seiner Leisten-Operation wieder fit. Natürlich will der Tabellendritte wieder an die Spitze. Sie absolvierten ein Trainingslager vom 04.01. – 10.01. in Doha/Katar. Einen letzten Test vor der Reise nach Berlin gibt es am 11.01. beim 1. FC Nürnberg.

Im Profigeschäft hat er einen Namen: Claus-Dieter Wollitz. Pele schied bekanntlich in Cottbus als Chefcoach aus – sah wohl aus finanziellen Gründen keine Perspektive, steigt jetzt beim Tabellendritten FC Magdeburg ein. Er folgt auf Stefan Krämer.  

Christian Zschiedrich