Union geht durch die Decke und Hertha punktet

Der 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 2022/23 wird den fußballbegeisterten Berlinern in besonderer Erinnerung bleiben. Hertha scheint auf dem langsamen Weg der Besserung zu sein und holte vor 40.643 Zuschauern im Olympiastadion immerhin einen Punkt. Partie gedreht, die zwischenzeitliche 2:1 Führung hielt nur fünf Minuten. Das Unentschieden wurde den gezeigten Leistungen auf dem Platz gerecht.

Einen Tag später, am Sonntag, 11. September traten die Eisernen aus Köpenick beim 1. FC Köln an. Der FC Bayern hatte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Federn gelassen und mit einem Sieg in Müngersdorf wären sie Tabellenführer, wenigstens bis zum Schlusspfiff in Freiburg. Ein durch Sheraldo Becker erzwungenes Eigentor nach nur vier Spielminuten brachte den Sieg. Union verschoss noch einen Elfer und erzielte ein Abseitstor. Mit 14 Punkten sind die Wuhlheider jetzt alleiniger Tabellenführer der Bundesliga. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, könnte davon eine ganze Weile seine zukünftigen Strom- oder Gasrechnungen begleichen. In Berlin, vereinzelt sogar in den Westbezirken, wurden Reste vom letzten Silvesterfeuerwerk verbraten. Das ist mehr als nur eine kleine Sensation. „Das Ding ist durch die Decke gegangen“, so die Worte von Präsident Dirk Zingler.

Für die Liga selbst ist das ein kleines Armutszeugnis. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Solide Handwerksarbeit zahlt sich aus. Vor allem kommt es auf die Abwehr an. Nur vier Gegentore in sechs Spielen und noch ohne Niederlage, das ist beachtlich.

Die nächsten Aufgaben lauten FSV Mainz 05 auswärts, für die Hertha und Union spielt zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, der Max Kruse ausgebootet hat.

Hans-Peter Becker

Foto: Christian Zschiedrich

Magere Ausbeute für Berliner Profifußballer

In der Bundesliga reichte es nur zu einem Punkt und den holte Hertha BSC am Freitagabend mit einem 1:1 im Spiel gegen Aufsteiger Bochum. Kopfschütteln war angesagt bei denen, die mit den blauweißen halten. Es war, wie so oft in dieser Saison, eigentlich ganz gut begonnen und dann stark nachgelassen. Unerklärlich, warum agierte Hertha nach dem unglücklichen Gegentreffer durch Bochums Sebastian Polter immer nervöser. Mit dem Punkt, immerhin wurde nicht verloren, können die Gäste besser leben als der Club aus der Hauptstadt. Verlorenen Punkte sind der Rückrunde nicht mehr aufzuholen, Hertha steckt im unteren Tabellendrittel fest und gerät mehr und mehr unter den Zugzwang des „Gewinnenmüssens“. Das nächste Spiel in Fürth beim Tabellenletzten ist für ein weiteres Unentschieden gänzlich ungeeignet. Mal sehen, was den Herthanern noch einfällt. Die Abwehr schien nicht mehr ganz so wacklig und an der Präzision im Spielaufbau muss weiter gefeilt werden.

Der 1. FC Union verliert in Augsburg und leidet am überraschenden Weggang von Max Kruse, der in Wolfsburg gleich demonstrierte, dass er der Unterschiedsspieler ist, der jetzt bei den Eisernen fehlt. „Wir haben eigentlich gut begonnen. Aber dann haben wir keine Ruhe ins Spiel bekommen und Augsburg eingeladen. Im zweiten Durchgang waren wir dann wieder im Spiel, aber wenn du kein Tor schießt, kannst du eben nicht gewinnen. Mit dem ersten Augsburger Schuss in der zweiten Hälfte fällt dann das 2:0 und dann war es natürlich sehr schwierig.” (Zitat Union-Trainer Urs Fischer) Dass eben kein Tor geschossen wurde, lag mit am fehlenden Vorbereiter. Schade, jetzt könnte die große Chance auf eine Teilnahme an der Champions-League und den damit verbundenen Geldsegen verspielt werden. Der nächste Gegner im Heimspiel heißt Borussia Dortmund. Sie werden mit gehöriger Wut im Bauch die Aufgabe in Alten Försterei in Angriff nehmen, um die Klatsche gegen Leverkusen vergessen zu machen.

Zwei Etagen tiefer versuchte Viktoria vergeblich drei Punkte aus Mannheim mitzunehmen. Zweimal wurde eine Führung verspielt und am Ende standen sie mit einem 2:3 gänzlich mit leeren Händen da. Am nächsten Spieltag kommt der SC Verl in den Jahnsportpark. Es wäre das erste Heimspiel im Jahr 2022, zwei wurden coronabedingt verpasst und müssen nachgeholt werden.

Hans-Peter Becker

Max Kruse wechselt zum VfL Wolfsburg

Dass schlussendlich beim 1. FC Union nicht anderes als Profifußball gespielt wird, offenbarte sich am 30. Januar 2022. Erst tauchten Gerüchte auf, die schnell zur Gewissheit wurden. Unions wohl einziger Ausnahmespieler verlässt nach 45 Pflichtspielen, 19 Toren und 12 Vorlagen den Verein. Das Geld lockte. Sogar Präsident Dirk Zingler äußerte sich und ließ sich mit folgenden Worten zitieren: „Wenn er sich nun jedoch ganz bewusst gegen die Chance entscheidet, mit Union in dieser Saison Geschichte zu schreiben, akzeptieren wir das“ Diesen sportlichen Verlust lässt sich Union mit 5 Millionen EUR entschädigen.

Ein Grund für den Wechsel ist wohl Florian Kohfeldt, beide hatte beim SV Werder bereits zusammengearbeitet. Sein Gehalt dürfte sich deutlich von dem abheben, was ihm in Köpenick gezahlt werden konnte. Ihn sportlich zu ersetzen dürfte fast ein Ding der Unmöglichkeit sein. Zumal das Transferfenster am 31. Januar um 18 Uhr bereits schließt. Es wird gemunkelt, dass Sven Michel aus Paderborn ein Wunschkandidat ist. Auf der Liste stand er ja schon einmal. Allerdings ist er ein anderer Spielertyp als Kruse. Er ist als Stürmer mehr der klassische Zentrumsspieler und weniger die hängende Spitze mit Spielübersicht.

Kruse selbst hatte am Vorabend der Verkündung seines Wechsels an einer albernen Fernsehshow teilgenommen und etwas Geld gewonnen. So ist er eben, ein Typ, eine schillernde Persönlichkeit, er hat es in Köpenick mit Leistung zurückgezahlt. Jetzt wird in Wolfsburg, vielleicht ein letztes Mal, abkassiert. Mal sehen, ob der Ertrag auch für den VfL Wolfsburg stimmt. Ehrlich gesagt, muss dort die Not groß sein.

Hans-Peter Becker

Erneuter Derbysieg – Union schmeißt Hertha aus dem Pokal

Die Eisernen erwischten einen Auftakt nach Maß. Vom Anpfiff weg standen die Köpenicker der „Alten Dame“ auf den Füßen. So macht man einen verunsicherten Gegner noch unsicherer. In der 11. Minute flankte Kruse auf Voglsammer, alles andre als genau und mit einer artistischen Einlage, einem Seitfallzieher, erwischte er den Ball gerade so, da schlug es ein. Hertha brauchte eine Weile, um den Treffer zu verdauen. Die erste Torannäherung konnte erst in der 31. Minute notiert werden.

Zumindest versuchten es die Gastgeber im Olympiastadion sich in die Partie zu kämpfen. Es gelang wenig. Union konnte abwarten und verteidigte sehr effizient. Tayfun Korkut nahm bereits zur Halbzeitpause zwei Wechsel vor, das ist nie ein gutes Zeichen. In der Abwehr musste Klünter für Pekarik weichen und im Angriff Maolida für Richter. Hertha kam etwas besser in das Spiel. Kassierte aber in der 50. Minute erneut eine kalte Dusche, als Stark bei einem Rettungsversuch ein Eigentor fabrizierte.

Ein Hoffnungsschimmer tat sich auf, als Sredar mit einer schönen Einzelleistung auf 1:2 verkürzte. Postwendend stellten die Eisernen den alten Abstand wieder her. Einen Freistoß, getreten von Oczipka, spitzelte Knoche ins Tor. Die Hertha-Abwehr sah da ganz alt aus. Das Bemühen bei der Hertha war erkennbar, doch es reichte nicht, um die Eisernen irgendwie zu knacken. Der Anschlusstreffer zum 2:3 fiel in der Nachspiel, da war die Messe bereits gesungen.

Es bleibt alles beim alten, Union zieht souverän seine Kreise und Hertha ist weiter auf der Suche nach Beständigkeit. Das wird eine schwere Rückrunde, mehr als der Klassenerhalt ist wohl nicht drin. Hertha, das machte auch dieses Spiel deutlich, fehlte es erneut an Struktur und Stabilität. Die Eisernen hatten eine Spielidee, hinzu kam die Stabilität und Struktur, die bei Hertha fehlte. In der Bundesligatabelle liegen aktuell neun Punkte zwischen beiden Mannschaften und genau das spiegelte sich der Begegnung wider. Union dominierte nicht auf dem Platz, sie funktionierten einfach besser. Neuzugang Dominique Heintz vom SC Freiburg funktionierte, als würde er schon einige Jahre bei den Eisernen spielen.

Verdient ziehen die Köpenicker in das Viertelfinale ein und haben weiter die Chancen auf das Finale in der Heimstätte von Hertha BSC. Vier Zweit- und vier Bundesligisten sind noch im Lostopf. Die großen Favoriten sind raus, in dieser Runde erwischte Dortmund und Gladbach.

In der Bundesliga haben beide jetzt schwere Aufgaben vor der Brust. Union reist nach Gladbach, dort kriselt es ähnlich wie bei der Hertha. Zum Abschluss des Spieltages kommt der FC Bayern ins Olympiastadion. Na das kann ja was werden!

Hans-Peter Becker

Hauptstadtderby – fünfte Auflage mit Maske

Das Stadion in Köpenick soll – Stand vom Donnerstag, 18. November – wieder bis auf den allerletzten Platz gefüllt sein. Ob es wirklich so kommen wird, abwarten. Eins ist gewiss, um 18:30 Uhr erfolgt der Anstoß und nach 90 regulären Spielminuten plus Nachspielzeit wird ein Ergebnis zu verkünden sein. Ein Fußballspiel beginnt mit 0:0. Das sollte nach Lage der Dinge nicht das Endergebnis sein. Die „Alte Dame“ aus Charlottenburg hat in der laufenden Saison bereits 24 Gegentore hinnehmen müssen, eine schlechtere Bilanz hat nur Aufsteiger Greuther Fürth. Abgesehen vom Saisonauftakt gegen Augsburg, haben die Eisernen in ihren Heimspielen immer getroffen, sogar gegen die Bayern.

Es ist nicht übertrieben, den Köpenickern eine leichte Favoritenstellung zuzuschreiben. Etwas anders sehen das Dardai und Bobic,:“Es gibt keinen Favoriten.“ Sieht man sich die Bilanz der bisherigen Spiele an, so konnte die Auswärtsmannschaft noch nicht gewinnen. Die Mannschaft von Urs Fischer erscheint eingespielter als der Rivale aus dem ehemaligen Westen. Blicken wir auf die zurückliegenden 11 Spieltage, so haben 7 Akteure der Eisernen auch genau diese Zahl an Einsätzen aufzuweisen. Bei der Hertha sind es nur deren zwei, die Torhüter sind hier nicht mitgezählt, denn Schwolow und Luthe haben bisher in allen Punktspielen in der Startelf gestanden.

Urs Fischer hat seiner Mannschaft basierend auf einem 3-5-2 System eine grundlegende Spielidee vermitteln können. Der durchschnittliche Ballbesitz liegt nur bei 41 %, man lauert auf Konter oder versucht in der torgefährlichen Zone Standards zu erzwingen. Urs Fischer hat Hertha natürlich genau beobachtet und geht davon aus, dass gegen Hertha auch spielerische Lösungen gefunden werden müssen.

Pal Dardai dagegen experimentiert. Begonnen hat mit einer 4er Kette in der Abwehr. Die beiden siegreichen Spiele gegen Bochum und Fürth bestritten die Herthaner mit einer 3er Kette und nach dem desaströsen Auftritt in Leipzig kehrten sie zum 4-3-3 (Auswärtserfolg in Frankfurt) bzw. 4-2-3-1 beim Unentschieden gegen Leverkusen zurück. Gegen Union wird er vermutlich ähnlich spielen lassen.

Was die Kader betrifft, so gibt auf beiden Seiten einige Ausfälle. In der Abwehr fehlt der wegen einer Roten Karte gesperrte Boyata, Darida ist verletzt und Klünter nach einer Verletzung noch im Aufbautraining.

Bei den Eisernen steht ein Fragezeichen hinter Kruse und Behrens ist nach einem positiven Covid-Test in Quarantäne. Am Donnerstagmorgen hatte sich Jaeckel kränklich gefühlt, das Testergebnis steht noch aus.

Das Spiel findet unter 2G Bedingungen statt. Geimpft oder Genesen und eine Eintrittskarte, so dürfen 22.012 Zuschauer dabei sein. Aufgrund der aktuellen Situation sind die Fans aufgefordert, sich zusätzlich testen zu lassen und ständig vor Ort eine Maske zu tragen. Mal sehen, ob das funktioniert. Die Ultras von Hertha und Union jedenfalls wollen an ihrem Boykott festhalten.

Hans-Peter Becker

1. FC Union – Niederlage in Prag

Der 1. FC Union Berlin muss sich im ersten UEFA Conference League-Gruppenspiel gegen Slavia Prag mit 1:3 geschlagen geben. Nach einer starken Anfangsphase der Unioner gingen die Hausherren durch einen Fernschuss in Führung. Den nächsten Rückschlag mussten die Köpenicker in der 39. Minute verkraften, als Paul Jaeckel nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte sah. In Unterzahl lieferten die Unioner nach der Pause einen großen Kampf, der eingewechselte Behrens konnte den verdienten Ausgleich erzielen. In den Schlussminuten gelang den Hausherren ein Doppelschlag, dem die Eisernen nichts mehr entgegensetzen konnten.

Im ersten Spiel der Gruppenphase der UEFA Europa Conference League setzte Union-Coach Urs Fischer in der Defensive auf eine Dreierkette. Im Vergleich zum Heimspiel gegen den FC Augsburg ersetzte Paul Jaeckel Timo Baumgartl in der Dreierkette, anstelle von Nico Gießelmann startete Tymoteusz Puchacz auf der linken Defensivseite. Für den angeschlagenen Kevin Möhwald rückte außerdem Genki Haraguchi in die Startelf.

Union startete mutig ins Spiel, setzte Slavia teilweise früh unter Druck und kam bereits in der dritten Minute zum ersten Abschluss. Levin Öztunali hatte sich auf der rechten Seite durchgesetzt, Awoniyi behauptete den Ball im Strafraum und legte für Max Kruse ab, dieser verzog beim Abschluss jedoch leicht und verfehlte das Tor (3.). Während Union das Spiel in der Anfangsphase ruhig aufbaute, wurden die Hausherren nach rund zehn Minuten mutiger und setzten die Gäste mehr und mehr unter Druck. Lukas Masopust setzte einen Schuss noch knapp neben das Tor (10.), zwei Minuten später entschärfte Andreas Luthe einen tückischen Aufsetzer von Ibrahim Traoré mit den Fingerspitzen und lenkte die Kugel zur Ecke (12.). Auf dem nassen Rasen ließen die Hausherren den Ball gut laufen und zeigten immer wieder ihre technischen Qualitäten, beim Führungstreffer half jedoch auch ein Quäntchen Glück mit. Rechtsverteidiger Alexander Bah versuchte sich mit einem direkten Abschluss nach einer Ecke, erwischte den Ball allerdings eher mit dem Schienbein. Auf dem nassen Rasen hoppelte der Ball in Richtung Tor, vorbei an allen Abwehrspielern und Angreifern und schlug schließlich in den Maschen ein (18.). Trotz des Rückstands blieben die Köpenicker weiter gut im Spiel, offensiv suchte das Team von Urs Fischer immer wieder den umtriebigen Taiwo Awoniyi. Mit einem sehenswerten Flugball in die Tiefe setzte Robin Knoche Kruse in der 31. Minute in Szene, die scharfe Hereingabe des Angreifers verpasste Sturmpartner Awoniyi nur um Zentimeter. Fünf Minuten vor der Pause mussten die Köpenicker den zweiten Rückschlag des Abends hinnehmen. Der bereits in der sechsten Spielminute verwarnte Paul Jaeckel brachte an der Mittellinie einen Gegenspieler zu Fall, Schiedsrichter Fabio Verissimo werte das als taktisches Foul und verwies den 23-jährigen Abwehrspieler des Feldes (40.). Union stellte auf Viererkette um und hielt die Hausherren bis zur Halbzeit vom eigenen Tor entfernt, sodass Schiedsrichter Verissimo die erste Hälfte beim Stand von 0:1 aus Sicht der Eisernen beendete.

Beide Teams starteten bei weiterhin strömendem Regen ohne personelle Veränderungen in die zweite Halbzeit, Union setzte in Unterzahl weiterhin auf die Viererkette. Traoré sorgte für den ersten Abschluss in Abschnitt zwei, sein Schlenzer aus knapp 20 Metern verfehlte das Tor jedoch deutlich. Wenig später war die Partie für mehrere Minuten unterbrochen. Zwei Abwehrspieler der Hausherren waren zusammengeprallt, Innenverteidiger Taras Kacharaba blieb liegen und musste schließlich verletzt vom Feld. Ihn ersetzte Ladislav Takacs in der Abwehr, im Angriff kam Jan Boril für Tecl neu ins Spiel (53.). Trotz der personellen Unterzahl blieb Union mutig und erspielte sich Chancen. Khedira verzog in der 55. Minute nur knapp, drei Minuten später erzielten die Köpenicker den vermeintlichen Ausgleich. Nach einem schnellen Ballgewinn bediente Kruse Awoniyi, der Nigerianer beförderte das Leder zwar in die Maschen, aufgrund einer Abseitsstellung verweigerten die Unparteiischen dem Treffer allerdings die Anerkennung. In der 59. Minute wechselte Fischer gleich vierfach. Grischa Prömel, Andreas Voglsammer, Sheraldo Becker und Kevin Behrens kamen neu in die Partie, Khedira, Öztunali, Awoniyi und Kruse verließen dafür den Platz. Union machte es den Hausherren schwer und agierte aggressiv, Slavia verlegte sich aufs Kontern. Während die Gastgeber in der 69. Minute mit Ivan Schranz und Nicolae Stanciu für Masopust und Lingr frische Kräfte auf den Rasen brachten, gelang den Köpenickern in Unterzahl der Ausgleich. Sheraldo Becker setzte sich über die rechte Seite durch und bediente den ebenfalls eingewechselten Kevin Behrens, der sich nicht zweimal bitten ließ und zum umjubelten 1:1-Ausgleich traf (70.). Die Hausherren reagierten mit wütenden Angriffen und belagerten die Eisernen fast die gesamte Schlussphase lang. Gut fünf Minuten vor Ende konnten die seit mittlerweile 45 Minuten in Unterzahl spielenden Unioner dem Druck des amtierenden tschechischen Meisters nicht mehr Stand halten. Innerhalb von drei Minuten traf erst Kuchta nach einem abgeprallten Ball per Abstauber (84.). Kurz darauf zog der ebenfalls frische Schranz fulminant von der Sechzehnerkante ab. Luthe kam zwar noch an den Ball, aber er konnte die Richtung der zusätzlich nassen Kugel nicht mehr entscheidend verändern und der Ball zappelte im Netz (88.). Zwar gab es aufgrund der langen Verletzungspause acht Minuten obendrauf, doch weder Slavia noch Union hatten dem Spielstand in der Zugabe etwas hinzuzufügen. Die knappe Stunde in Unterzahl hinterließ besonders in den letzten zehn Minuten deutliche Spuren bei den Eisernen.

“Wir haben heute ein Spiel verloren, in dem wir ein wenig Lehrgeld bezahlt haben. Zu Beginn brauchten wir ein bisschen, um in die Partie zu finden und hatten trotz des Rückstands und der roten Karte die Möglichkeit zum Ausgleich. In der Pause hat sich die Mannschaft viel vorgenommen und es wirklich sehr gut gemacht, deshalb war es ärgerlich, das zweite Gegentor eher zufällig zu bekommen. Das dritte Tor kann dann in so einem Spiel passieren, wenn man hinten aufmacht”, so Cheftrainer Urs Fischer nach dem Spiel.  

Am kommenden Sonntag, dem 19.09.2021, tritt der 1. FC Union Berlin in der Bundesliga bei Borussia Dortmund an. Der Anpfiff im Signal-Iduna-Park erfolgt um 17:30 Uhr.

Quelle: Hannes Hahn/1. FC Union Berlin

Spieldaten

UEFA Conference League

Slavia Prag – 1. FC Union Berlin 3:1(1:0)

16.09.2021 18:45 Sinobo Stadium (Prag)

Slavia Prag: Mandous – Bah, Ousou, Kacharaba (53. Takacs), Dorley – Traoré (81. Krmencik) – Ekpai, Lingr (69. Stanciu), Sevcik, Masopust (69. Schranz) – Tecl (53. Boril)

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel, Friedrich, Knoche, Jaeckel, Puchacz (76. Ryerson) – Öztunali (59. Voglsammer), Khedira (59. Prömel), Haraguchi – Awoniyi (59. Behrens), Kruse (59. Becker)

Zuschauer: 15.286
Schiedsrichter: Fabio Verissimo, Rui Teixeira, Pedro Almeida, André Narciso
Tore: 1:0 Bah (18.), 1:1 Behrens (70.), 2:1 Kuchta (84.), 3:1 Schranz (88.)

Beide Berliner Bundesligisten eine Runde weiter

Am Samstag war der BFC dran, am Sonntag absolvierten die beiden Berliner Bundesligisten ihre erste Pflichtspiellaufgabe der neuen Saison. Zur Halbzeit der für 15:30 Uhr angesetzten Spiele führte nur ein Bundesligist gegen das unterklassige Team. Es war der 1. FC Union. Max Kruse erzielte den Treffer für die Eisernen in der 23. Minute. Er nutzte dabei einen Fehler des Drittligisten im Spielaufbau. Es blieb bei dem knappen Sieg in München. Routiniert brachten die Wuhlheider vor 2.841 Zuschauern im „Stadion An der Grünwalder Straße“ das Ganze über die Zeit. Die statistischen Daten weisen auf ein ausgeglichenes Spiel hin. Ende gut, Alles gut.

Während die Eisernen im Süden bei Türkgücü München die erste Visitenkarte der Saison abgaben, musste der Lokalrivale aus Charlottenburg in den hohen Norden ins Emsland reisen. Der Gegner war auch hier ein Vertreter aus Liga 3. In der Hänsch-Arena zu Meppen waren 5.813 Zuschauer zugelassen, darunter einige Fans der Hertha.

Nach gutem Beginn tat sich die Alte Dame immer schwerer und geriet in der zweiten Halbzeit sogar einige Male in arge Bedrängnis. Es war Davie Selke, der in der ersten Minute der Nachspielzeit einen von Marvin Plattenhardt getretenen Eckball aus Nahdistanz in die Maschen köpfte. Am Ende war es auch hier egal, wie der Sieg zustande gekommen ist, in einer Woche spätestens interessiert es keinen mehr.

Hans-Peter Becker

Kaderplanungen bei Hertha und Union

Das wichtige 2:1 erzielte der gebürtige Berliner Jessic Ngankam in der 74. Minute – eingewechselt kurz zuvor. Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er für Hertha. Neun Spiele in Folge zuvor stand er nicht im Kader. Dramatisch war der Spielverlauf in der Veltins-Arena auf Schalke am 31. Spieltag.

Vielleicht rette Ngankam Hertha BSC auf Schalke vor dem Abstieg. Er ist aus Herthas Jugend hervorgegangen. Nun kam die Kunde von der schweren Knieverletzung. Nicht nur das Kreuzband soll kaputt sein. Tragisch für ihn. Er war nicht für Herthas neuen Saison-Kader geplant, sondern nach Fürth ausgeliehen.

Hertha will nicht wieder in Abstiegsnöte geraten und hofft, dass Suat Serdar, für 7 Millionen Euro von Schalke 04 gewechselt, bei Herthas Sturm-Problemen helfen kann. Es hat sich herumgesprochen, dass Hertha Geld hat. Fredi Bobic wird bei der Kaderzusammenstellung mehr als den Verantwortlichen in den Jahren zuvor zugetraut.

Prince Boateng soll die Mannschaft auf und neben dem Platz führen. Seine Fitness lässt wohl noch zu wünschen übrig, es ist ja noch Zeit bis zum ersten Punktspiel.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto: Hans Becker

Einen fähigen Kaderplaner kann auch der 1. FC Union vorweisen. Der Verein, hat in der vergangenen Saison den Rivalen aus Charlottenburg überflügelt. Wie wird es in der kommenden Saison aussehen, kann Hertha den Spieß wieder umdrehen? Wir sind am Ball und beobachten das Geschehen erforderlich kritisch.

Der 1. FC Union musste einige Leistungsträger abgeben. Erfahrungsgemäß ist der erneute Umbruch, Union verpflichtete bisher elf neue Spieler, eine ganze  Mannschaft, nie ganz einfach. Es braucht wieder eine Portion an Glück.

Bei der Hertha wird es zunächst darauf ankommen, dass die Chemie in der Führungsetage wieder stimmt. In Köpenick scheinen die Wege kürzer zu sein. Von Querelen in der sportlichen Leitung ist nichts bekannt. Wenn das Geld nicht so reichlich vorhanden ist, kommt es umso mehr auf die Geschlossenheit der Mannschaft an. Das hat in der letzten Saison gut funktioniert.

Im Fußball soll fast alles möglich sein. Warten wir ob, die Eisernen ihr Husarenstück wiederholen können. Schlussendlich führte der Weg bis in die neu geschaffene Conference League. Da laufen bereits die Qualifikationsrunden. Die Eisernen greifen erst in der Play-off Runde (ab dem 19. August) in das Geschehen ein. Sollten sie sich dort qualifizieren, müssen sie ihren Kader breiter aufstellen.

Für Olympia nominiert sind vier Spieler, die in Berlin unter Vertrag stehen. Zwei Unioner und zwei Herthaner, gerecht aufgeteilt, wurden von Trainer Stefan Kuntz berufen. Die Unioner Max Kruse und  Cedric Teuchert und von der Hertha Arne Meier und Jordan Torunarigha treten in Japan an. Max Kruse, voller Elan, freut sich und möchte sich auch in der Olympia-Auswahl beweisen. Arne Meier ist momentan erkrankt und bangt um Tokio. Am 22. Juli startet für die DFB-Auswahl das Turnier in Yokohama gegen Brasilien.

Christian Zschiedrich

Wer schießt gern ein Extra-Tor?

Der 1. FC Union hat sein Fußballmärchen um ein weiteres Kapitel ergänzen können. Was am 27. Mai 2019 begann, Klassenerhalt nach dem ersten Jahr in der Bundesliga und nun Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb nach dem zweiten Jahr. Eigentlich zu schön um wahr zu sein. Der Jubel kannte am 22. Mai 2021 nach dem Schlusspfiff der letzten Saisonpartie gegen RB Leipzig keine Grenzen. Wie heißt es so schön in der Hymne des Vereins, geschmettert von Nina Hagen? „Wer schießt gern ein Extra-Tor – Eisern Union !“ Dieses Extra-Tor erzielte – ausgerechnet – Max Kruse, Unions einziger Unterschiedsspieler und Paradiesvogel. Der Spieler, der eigentlich auf den neugeschaffenen Wettbewerb keinen Bock hat. Nun darf er dort aller Voraussicht nach antreten.

Das Abschneiden ihrer Eisernen in der von Corona geplagten Saison war zusätzlich Balsam auf die Seelen der Fußballromantiker. Zu dieser Fraktion gehört ein Großteil der Anhänger des Vereins aus dem Berliner Osten. Es waren wieder ein paar Zuschauer im Stadion zugelassen. Der harte Rest versammelte sich davor und feierte den glücklichsten Sieg in dieser Saison.

Der Gegner aus Leipzig wurde in den ersten fünfzehn Minuten an-geschwiegen. Leipzig machte das Spiel, ging in Führung und spielte die Eisernen mehr und mehr an die Wand. „Gib niemals auf und glaub an Dich – ja dann wird der Sieg auch Dir gehör’n.“ Die Beschwörungsformel wirkte. Dem glücklichen Ausgleich folgte der noch glücklichere Siegtreffer. Die Leipziger hatten ihre Chancen versemmelt und es gewinnt nicht immer der Bessere. Wie üblich, liefen die Unioner wieder fast zwei Kilometer mehr als der Gegner und hatten diesmal Glück, dass ihre Fehler im Spielaufbau nicht bestraft wurden. Schlussendlich, um hier ein Lieblingswort von Urs Fischer ins Spiel zu bringen, stand ein Andreas Luthe im Tor, „der schien heute acht Arme zu haben.“

Der siebente Platz in der Schlusstabelle ist auch der Lohn für den läuferischen Aufwand, den die Eisernen betreiben mussten. Sie sind der Kilometer-Meister der Bundesliga. In die Statistik geht der Wert von 4.089,08 km ein, so viel musste keine andere Mannschaft laufen. Das war die Strecke, die den wertvollen Tabellenplatz einbrachte. Spielerisch haben sie sich weiter entwickelt, ein kleines Indiz ist hier die Fair-Play Wertung. In der Aufstiegssaison waren es 84 Punkte und am Ende dieser Spielzeit konnte der Wert auf 63 gedrückt werden.

Der Klassenerhalt war recht früh in Sack und Tüten. So konnte Oliver Ruhnert bereits die ersten Neuverpflichtungen für das nunmehr dritte Bundesligajahr verkünden. Dieser Erfolg weckt natürlich Begehrlichkeiten. So wird sicherlich der eine oder andere Profi dem Ruf des Geldes folgen. Christopher Lenz steht bereits länger als Abgang fest, er wechselt zu Eintracht Frankfurt. Ebenso verlassen werden Akaki Gogia, Christian Gentner und Florian Hübner die Wuhlheide. Die Leihverträge mit Torwart Loris Karius und Innenverteidiger Nico Schlotterbeck sind beendet. Gerüchte ranken sich um weitere Abgänge, hier fallen die Namen Robert Andrich, Taiwo Awoniyi und Marvin Friedrich. Eine Personalie ist geklärt. Max Kruse wird weiter für Eisernen spielen.

Hans-Peter Becker

Ein glücklicher Punkt für die Eisernen und wieder nichts für Hertha

Am Samstag, 27. Februar 2021 verließen die Hertha-Profis mit einer 0:2 Niederlage den Rasen in Wolfsburg. Der VfL war seit 2015 so etwas wie ein Auswärts-Lieblingsgegner. Ein Punkt war immer drin, die letzte Niederlage datierte vom 19. September 2015. Es war der 9. Spieltag der Saison 2015/16, Hertha verlor nach zwei Treffern von Bas Dost mit 0:2 und der Trainer der Hertha hieß Pal Dardai. Eine Überschrift hieß damals „Hertha im Pech“ und genau das wiederholte sich knapp fünfeinhalb Jahre später. Hertha spielte so gut wie es gerade können und Wolfsburg schoss die Tore, wieder genau zwei. Das erste war ein Eigentor, sieht immer blöd aus. Einer der schnellsten Innenverteidiger der Liga, Lucas Klünter kam zu spät oder zu früh, egal Ridle Baku konnte flanken und das unbedrängt, da war es passiert. Wolfsburg hatte bis dahin, immerhin waren bereits 37 Minuten gespielt, nicht einmal auf das Hertha Tor geschossen. Der Fußballphilosoph kann da nur sagen, „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“. Hertha traf nicht und kassierte folgerichtig einen weiteren Treffer in der 89. Minute. Deckel darauf und Pal Dardai musste, wie 2015, dem gegnerischen Trainer zum Sieg gratulieren. Abstiegskampf ist jetzt angesagt, mit Kratzen und Beißen, 11 Drecksäcke müsst ihr sein. Geht das mit diesem Kader oder beantragen Dardai und „Zecke“ Neuendorf eine Spielgenehmigung für sich. Spaß beiseite, jetzt kommt ein Gegner auf Abstiegskandidaten-Augenhöhe, gegen Augsburg wird ein Dreier fast zur Pflicht.

Es wird immer enger und dazu kommt Verletzungspech. Da zieht eine düstere Vorahnung auf am Horizont. Ausgerechnet zusammen mit Schalke 04 könnte man absteigen aus der Bundesliga, das Höchste der Höchststrafen für den Hertha-Fan. Würden die Königsblauen nicht gerade die Schlagzeilen beherrschen, wäre wohl die „Alte Dame“ am Pranger. Da wurden bis jetzt mal so richtig ein paar Millionen verknallt.

Bei Eisernen gab es nicht zu verknallen. Da wird solide Hausmannskost gekonnt und manchmal glücklich zu Punkten verarbeitet. Gegen die TSG Hoffenheim reichte es zu einem Punkt, mehr war diesmal nicht drin. Nach einer guten Anfangsphase kam nicht mehr. Max Kruse verwandelte einen Strafstoß und mehr war nicht. Die Eisernen gewannen nicht ein Mal die Laufwertung und profitierten von der Abschlussschwäche der Hoffenheimer. In der Tabelle haben sie jetzt 16 Punkte Vorsprung vor dem Ortsrivalen. Die Fußballnostalgiker wird das freuen.

Hans-Peter Becker