Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher fühlen

Als Ante Covic als neuer Hertha-Trainer,  der zehnte unter Preetz Regie, vorgestellt wurde, erlaubte ich mir die Frage, ob Ante im Falle einer Amtsenthebung in untergeordneter Funktion für Hertha weitermachen würde. Michael Preetz bremste mich abwertend aus, sinngemäß das bedarf keiner jetzigen Stellungnahme. Dabei war ich überzeugt davon, dass sich jeder Trainer bei Amtsantritt fragen sollte, was ist wenn ich als eingefleischter Herthaner scheitere.

Inzwischen ist der elfte Trainer von uns gegangen, nicht etwa stilvoll, Windhorst bezeichnete es als Kurzschlussreaktion. Das Für und Wider des Himmelfahrtentschlusses sollte ernsthaft hinterfragt werden. Anhand meiner kritischen Berichte mache ich auch keinen Hehl daraus, froh zu sein, wenn sich die Gelegenheit ergibt, in der Führung bei Hertha eine spürbare Veränderung herbei zu führen. Seit Jahren tritt Hertha als Hauptstadtclub in Mittelmäßigkeit auf der Stelle. Außerdem reichten mir die zwei Abstiege unter Sportdirektor Michael Preetz.

Was Jürgen Klinsmann anpackte, war für viele Berliner genau richtig. „Wenn, dann mache ich es richtig zu hundert Prozent“. Er war bereit, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. In dem Punkt schieden sich aber die Geister. Den Ex-Nationaltrainer mit den Kompetenzen auszustatten, war mit Preetz & Co nicht drin. Der Sportdirektor erkannte sofort, was bleibt mir denn da? Einen Michael Preetz stellt man nicht so leicht ins Abseits. Doch Hut ab vor Trainern, die auch bei der Spieler-auswahl allein verantwortlich sein wollen und ankündigen, wenn‘s schief geht, bin ich der alleinige Verantwortliche.

Genau dafür war und ist Jürgen Klinsmann bekannt. Er hätte dieses Vertrauen nach Lage der Dinge auch bekommen müssen, denn er hatte ja zurückliegend mit dieser Methode seine großen Erfolge feiern können. Jeder weiß, die Erfolge von Sportdirektor Preetz sind dagegen sehr bescheiden. Wer will denn schon überflüssig werden. Der Kampf um die Macht ist leider so. Bestimmt darf Preetz zu Gute gehalten werden, dass in so einer Situation viele genauso reagieren und vorbeugen würden.

Denn Preetz kann sich ja der Rückendeckung von Präsident Werner Gegenbauer sicher sein – wirklich? Gegenbauer verband ja sogar einst sein Schicksal mit dem Erhalt von Preetz. Das ist seit der Nichteröffnung des Berliner Flughafens aber einige Jahre her. Die Zeiten könnten sich geändert haben. Schließlich waren einst Dieter Hoeneß und Werner Gegenbauer auch Freunde. Nun, den Abgang von Hoeneß und dem Ende der Freundschaft, das kennen die Herthaner.

Finanziell hat Jürgen Klinsmann keine Sorgen. Selbstverständlich wird der schnelle Rückzug von Klinsmann in den sozialen Medien angeprangert. Bestimmt hat Klinsi den Image-Schaden für sich selbst nicht richtig eingeschätzt. Daher erfahren wir bestimmt bald, dass es dafür genug Gründe gab. Sie werden den von mir hier erwähnten Kern treffen. Bleibt zu hoffen, dass Hertha auch den Ernst der Lage erkennt und in den nächsten Spielen sportlich reagiert und Punkte einfährt.

Christian Zschiedrich

Keine Punkte für Berlin in der Bundesliga

Duplizität der Ereignisse bei den beiden Berliner Proficlubs, die jeweiligen waren Gegner waren vor dem Spiel die haushohen Favoriten. Zu Gast beim Tabellenführer war der 1. FC Union und unterlag standesgemäß mit 1:3. So darf man verlieren, achtbar aus der Affäre gezogen, diese Floskeln dürfen bemüht werden, trotzdem standen die Eisernen in Leipzig auf verlorenem Posten. Die Eisernen wurden unterstützt von über 7.000 Fans, die die ersten 15 Spielminuten im Stadion schweigend verbrachten. Ein stummer Protest gegen das Konstrukt RB Leipzig. Den Torjubel nach 10 Minuten ließen sie sich nicht nehmen, ihre Mannschaft ging da durch Marius Bülter in Führung. Während der Aufsteiger alles raus haute, bot der Tabellenführer eine unterirdische Leistung, schlampiges Passspiel, Unkonzentriertheiten und kein Tempo in den Aktionen spielten dem Aufsteiger in die Karten. Verwundert wird Fußball-Deutschland den Zwischenstand zur Kenntnis genommen haben. Ab der 50. Minute wurden die Verhältnisse gerade gerückt, Timo Werner traf mit episch ins Tor. Eine Instinkt-Handlung, kurzer Blick zum Ball, zwischen Gedanke und Handlung vergingen höchstens Nanosekunden, viel zu schnell für die Abwehr hämmerte er den Ball unter die Latte. Der Treffer von Marcel Sabitzer nach einem Eckball drehte das Spiel. RB wurde etwas besser, trotzdem weit entfernt von der Form eines Tabellenführers, so blieb die Spannung etwas erhalten. Erst in der 83. Minute machte erneut Timo Werner alles klar. Es reichte für RB Leipzig. Die Eisernen bekamen ihre Grenzen aufgezeigt. „Man muss anerkennen, dass Leipzig eine Nummer größer war.“ und „Ich habe ein tolles Spiel meiner Jungs gesehen. Sie haben alles versucht, aber mehr war nicht drin.“ Die Aussagen von Christian Gentner und Trainer Urs Fischer beschreiben es sehr treffend. RB Leipzig ist kein Maßstab, da müssen sich die Eisernen an anderen Bundesligisten orientieren, zum Beispiel am kommenden Gegner, dem FC Augsburg.

Eine Nummer zu groß und kein Maßstab war der FC Bayern München für die Hertha, dem nach eigener Wahrnehmung zukünftigen „Big City-Club“. Bis zur 60. Minute hielten die Herthaner irgendwie mit. Leider besteht ein Fußballspiel aus mindestens 90 Minuten. Thomas Müller traf nach ziemlich genau einer Stunde zum 1:0 für die Bayern und das zeigte Wirkung. Hertha drohte auseinanderzufallen. Sie kassierten noch drei Tore. Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache. Es ist – wie beim Aufsteiger und Lokalrivalen – Abstiegskampf angesagt. Hertha bleibt bei 19 Punkten und Union hat ein Pünktchen mehr. Die gefährlichen Tabellenränge sind weiter bedrohlich nah.

Hans-Peter Becker

Was tut sich bei Hertha im Fall Alexander Esswein?

Im Sommer 2016 holte Hertha Esswein vom FC Augsburg. Das in der Überzeugung, dass der schnelle und torgefährliche Spieler, der für Augsburg mit seinen Toren und Torvorlagen sogar Spiele entschied, eine Fortsetzung in Berlin finden möge. In zweieinhalb Jahren kam er zu 45 Einsätze in der Bundesliga. Verständlicherweise waren vier Tore Hertha BSC zu wenig. Daraufhin wurde Esswein an den VfB Stuttgart ausgeliehen. Es lang danach aus, als würde das Leihgeschäft in eine feste Anstellung münden. Hertha rechnete sich 2 Millionen Ablöse für Esswein aus. Doch Stuttgart stieg ab. Esswein kehrte zwangsläufig, wie es schien nur geduldet und ohne Erwartungen, nach Berlin zurück.

Nicht nur im Trainingslager in Stegersbach überraschte Esswein, sondern insgesamt in der Vorbereitung als schneller Mann für exzellenten Konterfußball, viel Laufbereitschaft und dazu mit erstaunlich großem Aktionsradius und dazu scheint er wieder zu wissen, wo das Tor steht. Er trifft wieder, so wie es sich für einen guten Offensivspieler gehört.

Angeblich muss ihm der Trainerwechsel von Dardai zu Covic beflügelt und gut getan haben. Was das doch in der Tat ausmachen kann. Bei Dardai stand er in der gesamten Hinrunde nur einmal im Kader, ohne Einsatz. Zwei Pflichtspiele hat Hertha in dieser Saison absolviert. Esswein durfte in beiden auflaufen. Im DFB-Pokal in Eichstätt kam er zur zweiten Halbzeit, bereitete ein Tor vor und traf selbst zum 5:1. Ante Covic wechselte ihn dann gegen Bayern München als ersten Spieler, vor Davie Selke, ein. Wenn das nicht als Vertrauen und ein gutes Signal zu werten ist. Trainer Ante Covic schaut nicht auf Vergangenes zurück, sondern nach vorn und auf das, was er in den Trainingseinheiten und Vorbereitungsspielen sah.

Am 2. September schließt in Deutschland erst die Transferperiode. Sollte nun noch ein Angebot für Alexander Esswein kommen, wie verhält sich Hertha BSC? Man darf gespannt sein.  

Christian Zschiedrich