Die Wahl des BFV-Präsidiums verspricht Hochspannung

Am 28. August 2021 ist es so weit – im Palais am Funkturm. Der amtierende Präsident Bernd Schultz möchte gern wiedergewählt werden. Zum ersten Mal kandidiert eine Frau gegen den Amtsinhaber. Es ist keine geringere als die bekannte Fernsehmoderatorin Gaby Papenburg.

Ihr Wahlprogramm klingt radikal schon in den ersten Sätzen.

„Der Berliner Fußball-Verband braucht einen Neustart, 17 Jahre Verwaltung, Sprachlosigkeit und intransparente Führung sind genug. Die 170.000 Mitglieder haben einen modernen, effizienten und demokratischen Verband verdient, der sich in erster Linie als Dienstleister für seine Mitglieder versteht, ihre Wünsche und Bedürfnisse kennt, nachhaltige Entscheidungen trifft und zügig umsetzt.“

Sie fordert Ideen und Lösungen für eine zeitgemäße Verbandsarbeit. Was auffällt, dass die Probleme, die auch durch die Corona-Pandemie verursacht worden sind, im Programm des Teams Papenburg keine Rolle zu spielen scheinen. Es wird in dem Text nicht einmal explizit erwähnt.

Das Wahlprogramm des amtierenden Präsidenten eröffnet dagegen mit dem Satz: „Wir spielen wieder. Der Ball rollt. Mit den ggf. erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen, aber ohne Einschränkungen des Spielbetriebs.“

Elf Punkte nennt sein Programm zur Stärkung und Entwicklung der Berliner Fußballvereine. So werden „Organisatorische Überlegungen zum Spielbetrieb (Staffelgrößen, neue Formen wie
Play-Off oder Play-Down Spielrunden, neue Spielformen ohne Staffeln und
Punktwertung, Einführung von Walking Football, Einführung eines gemischten
Spielbetriebes)“ genannt.

„Ein wichtiger Punkt ist, für mehr Gendergerechtigkeit im Berliner Fußball und in der Gesellschaft zu sorgen. Anlässlich des Verbandstages soll für alle Gremien eine Quote von jeweils 30 % Frauen und Männer festgelegt werden.“ Dieser Satz findet sich im Programm des Teams Schultz und selbst nach mehrmaligen lesen bleibt er unverständlich.

In Ihren personellen Vorschlägen für das Präsidium benennen beide Teams jeweils zwei Frauen.

Ob Bernd Schultz die Vorstandsquerelen der letzten Monate bei der Wahl schaden werden, sei dahingestellt. Er gilt als ein Kämpfertyp und hält mit seinem Wahlprogramm, dargelegt in 10 Punkten dagegen. Da steckt Erfahrung drin und Wünsche an die Politik sind benannt.

Der Verbandstag wurde für den 28. August 2021 terminiert. Zweifellos hat Bernd Schultz sich um den Berliner Fußball verdient gemacht. Es ist aber auch Kritik laut geworden. Die Stimmen wurden lauter, die sich künftig eine Frau an der Spitze des größten Berliner Sportverbandes vorstellen können. Der ewige Bernd Schultz, seit 2004 im Amt, länger als Angela Merkel und sein Vorgänger Otto Höhne, könnte nach nun mehr 17 Jahren abgewählt werden.

Christian Zschiedrich

Viktoria Berlin vor dem Saisonstart

Nach dem 1. FC Union versucht sich mit dem „Altmeister“, dem FC Viktoria 1889 der zweite Berliner Verein in der dritthöchsten Spielklasse. Das Vereinswappen auf dem Wettkampf-Trikot wird von einem Meisterschaftsstern geziert. Es erinnert an die beiden Meistertitel, errungen in den Jahren 1908 und 1911. Der Verein hieß damals noch Turn und Fußballverein Viktoria 89.

2013 fusionierten der Lichterfelder FC und Victoria, dabei wurde die himmelblaue Vereinsfarbe übernommen, ergänzt durch einen roten Strich, der Farbe des ehemaligen LFC. Das Stadion in Lichterfelde wurde oder blieb die neue Heimstätte. Der bis 2013 existierende BFC Viktoria 1989 hatte zuletzt seine Heimstätte im Friedrich-Ebert Stadion in Tempelhof.

Die Stadionfrage spielte und spielt vor Saisonbeginn eine große Rolle. Nach dem Aufstieg stand Viktoria zunächst ohne ein Drittliga-Stadion da. Gespielt werden soll im Jahnsportpark im Prenzlauer Berg. Eigentlich sollten dort wegen Umbaumaßnahmen zunächst keine Sportveranstaltungen mehr stattfinden. Der Senat von Berlin hatte im Juni dieses Jahres eine vorübergehende Nutzung erlaubt. Wie auf der Pressekonferenz am 13. Juli zu erfahren war, für 2 Jahre. Die Umbaumaßnahmen werden frühestens 2023 weitergehen.

Gesperrt bleiben Teile der Haupttribüne. Für Umkleide- und Arbeitsräume mussten Container aufgestellt werden. Die Kosten dafür übernahm der Investor. Auf der Pressekonferenz sprach Zeljko Karajica von einer „mehr als fünfstelligen Summe“. So schnell wie möglich muss im Jahnsportpark zudem wieder eine Flutlichtanlage errichtet werden. Sonst ist die Spielgenehmigung seitens des DFB gefährdet. Viktorias Geschäftsführer Peer Jaekel sprach von einer Standleitung zum DFB bezüglich dieser Frage. Es verschiedene Optionen geprüft. Es könnte sogar die nicht mehr benötigte Flutlichtanlage des Stadions in Jena werden.

Einst musste ja auch der 1. FC Union während seiner Saison in der 3. Liga in den Jahnsportpark ausweichen. Die Heimstätte in Köpenick wurde umgebaut. Unions Saison endete damals mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Es wäre ein Wunder, sollte Viktoria gleiches gelingen. Der Klassenerhalt und eine stabile Saison zu spielen, liegt wohl eher im Bereich der Möglichkeiten. Mit dem FC Kaiserslautern (44 Jahre), MSV Duisburg (28), Eintracht Braunschweig (21), TSV 1860 München (20), Waldhof Mannheim (7) und 1. FC Saarbrücken (5) gehen sechs ehemaligen Bundesligisten an den Start, die über mehr Potenzial verfügen.

Nach der durch Corona verkürzten Saison in der Regionalliga Nord-Ost, lediglich 11 Spiele mussten die Himmelblauen absolvieren, verließen sieben Spieler den Verein und sechs Neue kamen. Vom 1. FC Köln wurde der Nachwuchstorwart Julian Krahl geholt und vom einstigen Ligarivalen VSG Altglienicke kam der offensive Mittelfeldspieler Tolcay Cigerci, der Bruder des Ex-Herthaners Tolga Cigerci. Von Rot-Weiß Essen, der Traditionsverein aus dem Westen hatte nur knapp den Aufstieg verpasst, wechselte Innenverteidiger Alexander Hahn zur Viktoria. Die anderen Neuen sind Stürmer Pasqual Verkamp (ehemals Carl Zeiss Jena), Lukas Pinckert, ein rechter Außenverteidiger von der Regionalliga Mannschaft des HSV und aus Hoffenheim wurde Linksverteidiger Deji Beyreuther verpflichtet.

Am Ende der Spielzeit muss gelingen, mindestens vier Vereine hinter sich zu lassen. Es gibt nur drei Akteure im Kader, die über Erfahrungen in der 3. Liga verfügen. Neben dem Kapitän Christoph Menz, sind das die Mittelfeldspieler Björn Jopek und Christopher Theisen. Auch der Trainer, mit dem die Mission begonnen wird, ist ein Neuling.

Benedetto Muzzicato, der Deutsch-Italiener steht vor einer großen Herausforderung. Parallel zu seinem Job muss er den Lehrgang zum Fußball-Lehrer absolvieren. Mit seiner Trainer A-Lizenz darf er in dieser Funktion nur in der Aufstiegssaison tätig werden.

Eine Frage ist noch offen. Kann die Premiere im Jahnsportpark stattfinden oder nicht? Es liegt eine Betriebsgenehmigung vor, allerdings hat der Spielausschuss des DFB als Veranstalter sein endgültiges okay nicht erteilt.

Pressefoto: FC Viktoria Berlin 1889/Vera Krings

Hans-Peter Becker

Viktoria verliert Testspiel

Der 1. FC Union Berlin gewinnt das Testspiel bei Drittliga-Aufsteiger Viktoria Berlin mit 5:2. Kevin Behrens bringt die Köpenicker früh in Führung (3.), Seiffert besorgt nach einer guten halben Stunde den 1:1-Halbzeitstand (31.). Nach dem Seitenwechsel bringt Marcus Ingvartsen Union erneut in Front (55.), Viktoria gelingt nach 59. Minuten der Ausgleich durch Küc. In der letzten halben Stunde übernimmt Union endgültig die Kontrolle und geht durch Timo Baumgartl erneut in Führung (66.). Andreas Voglsammer besorgt schließlich per Doppelpack den 5:2 Endstand (80., 85.).

FC Viktoria 1889 Berlin: Krahl (46. Sprint) – Becker (46. Yamada), Kapp, Lewald, Gunter (78. Gumaneh) – Cigerci (72. Hovi), Theisen (78. Heimur), Jopek (65. Sucsuz), Pinckert – Falcao (70. Ogbaidze), Seiffert (46. Küc)

1. FC Union Berlin: Busk – Dehl (46. Ryerson), Knoche (46. Jaeckel), Van Drongelen (46. Baumgartl), Gießelmann (46. Puchacz) – Öztunali (46. Wszolek), Andrich (46. Khedira), Griesbeck (46. Kade), Endo (46. Ingvartsen) – Haraguchi (46. Voglsammer), Behrens (46. Sanogo)

Tore: 0:1 Behrens (3.), 1:1 Seiffert (31.), 1:2 Ingvartsen (55.), 2:2 Küc (59.), 2:3 Baumgartl (66.), 2:4 Voglsammer (80.), 2:5 Voglsammer (85)

Die in weiß gekleideten Unioner erwischten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark einen Start nach Maß. Nico Gießelmann bediente Kevin Behrens per Freistoß aus dem Halbfeld, der Stürmer setzte sich im Kopfballduell durch und nickte die Kugel zur frühen Führung in die Maschen (3.). Union kontrollierte die Partie, FC-Keeper Julian Krahl lenkte einen wuchtigen Schuss von Levin Öztunali mit den Fingerspitzen über die Latte (14.). Union drängte auf den zweiten Treffer, einen Fernschuss von Keita Endo parierte Krahl jedoch im Nachfassen (13.). Nur eine Minute später versuchte Endo erneut sein Glück aus der Distanz, diesmal verfehlte der Schuss des Japaners den langen Pfosten nur knapp (14.). Während in der ersten halben Stunde Offensivaktionen der Hausherren Mangelware waren, markierte der Drittligist mit seinem ersten Angriff den Ausgleich zum 1:1 (31.). Nach einem feinen Pass in die Schnittstelle machte sich Moritz Seiffert alleine auf den Weg in Richtung Jakob Busk, behielt die Nerven und versenkte die Kugel im Netz. Viktoria agierte nun mutiger, ein Schuss von Falcao bereitete Jakob Busk jedoch keine Probleme (32.). Anschließend wirkt die Partie ein wenig zerfahren, erst kurz vor der Pause kamen die Köpenicker noch einmal gefährlich vor das Tor von Viktoria. Nico Gießelmann bediente per Ecke Kevin Behrens, diesmal streifte der Kopfball des Angreifers knapp über die Querlatte hinweg ins Toraus. Wenige Momente später beendete der Unparteiische die erste Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel tauschte Union-Trainer Urs Fischer seine Feldspieler wie geplant komplett aus, lediglich Torhüter Jakob Busk blieb auf dem Rasen. Julius Kade prüfte den eingewechselten Philip Sprint mit einem Flachschuss (48.), wenig später verpasste Malick Sanogo eine gut getretene Flanke von Julian Ryerson. Mit dem nächsten Angriff gelang Union der Führungstreffer (55.). Pawel Wszolek brachte den Ball von der rechten Seite ins Zentrum, Malick Sanogo verlängerte per Hacke und Marcus Ingvartsen drückte den Ball aus kurzer Entfernung über die Linie. Doch die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem Ballverlust im Aufbauspiel der Eisernen schaltete Viktoria schnell um, Enes Küc vollstreckte wuchtig und jagte die Kugel zum Ausgleich in die Maschen (59.). Auf der anderen Seite markierte Timo Baumgartl den nächsten Treffer für die Eisernen (66.). Nachdem der Innenverteidiger die Kugel zunächst an die Latte geköpft hatte, schaltete der Neuzugang am schnellsten und köpfte den Ball zur erneuten Führung in den Kasten. Tolcay Cigerci sorgte für das nächste Ausrufezeichen im Jahn-Sportpark, sein Schlenzer rauschte jedoch Zentimeter über die Querlatte hinweg (70.). Während die Hausherren munter durchwechselten blieb Union gefährlich. Sprint parierte mit einem guten Reflex gegen Sanogo (76.), vier Minuten später musste sich der Schlussmann jedoch geschlagen geben. Julius Kade, nach Ecke von Marcus Ingvartsen kurz angespielt, flankte in den Strafraum, Andreas Voglsammer besorgte per Kopf das 4:2 (80.). Wenig später legte der Angreifer nach: Julian Ryerson setzte Pawel Wszolek in Szene, der Pole behielt im Strafraum die Übersicht und legte für Voglsammer ab, der den siebten Treffer des Tages erzielte (85).

Urs Fischer war mit dem ersten Testspiel seiner Mannschaft durchaus zufrieden: „Ich habe heute einen guten Auftritt gesehen, bei dem die Jungs alles versucht haben. Dass in der Vorbereitung noch nicht alles passt, ist auch klar. Bei den Gegentoren waren die Ballverluste zu einfach, aber ansonsten hat meine Mannschaft das heute wirklich gut gemacht und hat sich ihre Chancen erarbeitet.“

Beide Mannschaften testen am Samstag, 17. Juli weiter. Der 1. FC Union empfängt in der Alten Försterei Dynamo Dresden und fast zeitgleich spielt Viktoria in Kienbaum gegen den Chemnitzer FC.

Quelle: 1. FC Union Berlin e.V. /Hannes Hahn

Irrer Kriegsvergleich des England-Trainers

So widersprüchlich es klingen mag, ich bin Gareth Southgate dafür dankbar, mich ganz persönlich an das menschenverachtende Verhalten seiner Landsleute im Krieg erinnert zu haben.

„Es haben auch Leute versucht, bei uns einzufallen, und wir hatten den Mut, uns dagegen zu wehren. Man kann nicht verhehlen, dass die Energie im Stadion gegen Deutschland teilweise daher kam“ und etwas weiter „Ich habe es nie gegenüber den Spielern erwähnt, aber ich weiß, dass das dabei auch eine Rolle gespielt hat.“

Wen wundert es, ich habe mich über den Sieg der Italiener im Finale der Europa-Meisterschaft so richtig gefreut.  Zur EM-Nachlese ist es mir ein Bedürfnis dem lieben Trainer Englands zu antworten. Winston Churchill hatte befohlen, in Dresden kurz vor Kriegsende Menschen abzufackeln. Ja, der Krieg war bereits entschieden, Flüchtlinge aus Schlesien und Ostpreußen, die glaubten, dem Krieg entronnen zu sein und Dresden sicher erreicht zu haben, wurden sinnlos geopfert. In einer Stadt, in der es keine Kriegsindustrie gab, ausgerechnet dieser Fluchtweg wurde ihnen gemeinsam mit den vielen Einheimischen zum Verhängnis. Churchill bekam dafür einen Orden mehr angeheftet.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Headlight Pictures

Das habe ich nie vergessen, mich nicht mehr so oft daran erinnert. Als Kind habe ich von meinem Heimatort in der Nähe von Dresden die Flammen gesehen. Jetzt, nach dem bekannt wurde, mit welch irrem Vergleich der englische Trainer seine Motivation für das Spiel gegen Deutschland zog, ist es wieder hautnah. Das „Abfackeln“ wehrloser Menschen, welch „wunderbares“ Verhalten der Engländer damals.

Bestimmt entgegnet mir jetzt der eine oder andere, das gehöre nicht mehr hierher. In der Nachlese zur Europameisterschaft  habe ich lange überlegt. Die „sportliche Motivation“ des England-Trainers gegen Deutschland war auf der Titelseite einer großen Sportzeitschrift abgedruckt. Unfassbar peinlich, unpassend und sogar dämlich.

Was Deutschland unter Hitler veranstaltet hat, wurde zu Recht verurteilt. Genauso sinnlos war das Abfackeln von Menschen. Daran hat sich nach 76 Jahren nichts geändert. „Danke“ Gareth Southgate. Die Erinnerung ist in mir wieder wach geworden.

Christian Zschiedrich

Kaderplanungen bei Hertha und Union

Das wichtige 2:1 erzielte der gebürtige Berliner Jessic Ngankam in der 74. Minute – eingewechselt kurz zuvor. Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er für Hertha. Neun Spiele in Folge zuvor stand er nicht im Kader. Dramatisch war der Spielverlauf in der Veltins-Arena auf Schalke am 31. Spieltag.

Vielleicht rette Ngankam Hertha BSC auf Schalke vor dem Abstieg. Er ist aus Herthas Jugend hervorgegangen. Nun kam die Kunde von der schweren Knieverletzung. Nicht nur das Kreuzband soll kaputt sein. Tragisch für ihn. Er war nicht für Herthas neuen Saison-Kader geplant, sondern nach Fürth ausgeliehen.

Hertha will nicht wieder in Abstiegsnöte geraten und hofft, dass Suat Serdar, für 7 Millionen Euro von Schalke 04 gewechselt, bei Herthas Sturm-Problemen helfen kann. Es hat sich herumgesprochen, dass Hertha Geld hat. Fredi Bobic wird bei der Kaderzusammenstellung mehr als den Verantwortlichen in den Jahren zuvor zugetraut.

Prince Boateng soll die Mannschaft auf und neben dem Platz führen. Seine Fitness lässt wohl noch zu wünschen übrig, es ist ja noch Zeit bis zum ersten Punktspiel.

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto: Hans Becker

Einen fähigen Kaderplaner kann auch der 1. FC Union vorweisen. Der Verein, hat in der vergangenen Saison den Rivalen aus Charlottenburg überflügelt. Wie wird es in der kommenden Saison aussehen, kann Hertha den Spieß wieder umdrehen? Wir sind am Ball und beobachten das Geschehen erforderlich kritisch.

Der 1. FC Union musste einige Leistungsträger abgeben. Erfahrungsgemäß ist der erneute Umbruch, Union verpflichtete bisher elf neue Spieler, eine ganze  Mannschaft, nie ganz einfach. Es braucht wieder eine Portion an Glück.

Bei der Hertha wird es zunächst darauf ankommen, dass die Chemie in der Führungsetage wieder stimmt. In Köpenick scheinen die Wege kürzer zu sein. Von Querelen in der sportlichen Leitung ist nichts bekannt. Wenn das Geld nicht so reichlich vorhanden ist, kommt es umso mehr auf die Geschlossenheit der Mannschaft an. Das hat in der letzten Saison gut funktioniert.

Im Fußball soll fast alles möglich sein. Warten wir ob, die Eisernen ihr Husarenstück wiederholen können. Schlussendlich führte der Weg bis in die neu geschaffene Conference League. Da laufen bereits die Qualifikationsrunden. Die Eisernen greifen erst in der Play-off Runde (ab dem 19. August) in das Geschehen ein. Sollten sie sich dort qualifizieren, müssen sie ihren Kader breiter aufstellen.

Für Olympia nominiert sind vier Spieler, die in Berlin unter Vertrag stehen. Zwei Unioner und zwei Herthaner, gerecht aufgeteilt, wurden von Trainer Stefan Kuntz berufen. Die Unioner Max Kruse und  Cedric Teuchert und von der Hertha Arne Meier und Jordan Torunarigha treten in Japan an. Max Kruse, voller Elan, freut sich und möchte sich auch in der Olympia-Auswahl beweisen. Arne Meier ist momentan erkrankt und bangt um Tokio. Am 22. Juli startet für die DFB-Auswahl das Turnier in Yokohama gegen Brasilien.

Christian Zschiedrich

Einige Überraschungen zur neuen Saison

Die Bundesliga beginnt am Freitag, dem 13.8.2021 mit Borussia Mönchengladbach – Bayern München. Einen Tag später empfängt der 1.FC Union Bayer Leverkusen und Hertha BSC muss dann am Sonntag, 15.8. beim 1.FC Köln antreten. Neue Anstoßzeiten sind zu beachten.  Es könnte eine spannende Saison werden, leider, wie seit Jahren, nur der Abstiegskampf. An der Spitze wird es eher wieder langweilig zugehen. Die üblichen Verdächtigen werden wieder die Plätze an den Fleischtöpfen unter sich ausmachen. Wer kommt am besten durch die Pandemie? Hertha will eine stabile Saison spielen, Europa ist noch nicht das Ziel. Der 1. FC Union baut schon mal vor. „Das wird eine schwere Saison“, lässt sich Urs Fischer zitieren. Die Eisernen spielen ja international und ziehen dafür ins Olympiastadion um. Sie müssen, den UEFA-Regeln sei Dank.

Wie immer geht es los bei den Erstligisten, mit den Spielen in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals, diesmal ab dem 6. August. Für unsere Berliner Bundesligisten bestimmte das Los Reisen zu Drittligisten. Hertha BSC fährt in den Norden nach Meppen und der 1.FC Union südwärts zu Türkgücü nach München.  Der dritte Berliner Vertreter könnte der BFC Dynamo sein. Zugelost wurde der VfB Stuttgart. Ein Gerichtsentscheid steht allerdings noch aus. Blau Weiß 90 hat ja bekanntermaßen Protest eingelegt. Die Zeit läuft allmählich davon. Der BFC hatte ja das Finale im Berliner Pokal gegen den BAK 07 für sich entschieden. Die Oberligisten sollten verzichten.

Bereits im Juli nehmen die 2. Bundesliga und die 3. Liga den Spielbetrieb auf. Schalke 04 gegen den Hamburger SV, gleich am 1. Spieltag, was will man mehr. Die 3. Liga eröffnet mit der Partie VfL Osnabrück gegen den MSV Duisburg. Aufsteiger Viktoria 89, nun endlich wieder ein Berliner Verein in der 3. Liga, hatte zunächst Probleme mit der Spielstätte. Die entscheidende Hürde wurde genommen. Das Jahnstadion darf genutzt werden. Alle anderen Bemühungen, auch im Umland, scheiterten. Die Premiere in der neuen Liga erfolgt am Sonntag, 25. Juli gegen den Namensvetter aus Köln. Mal sehen, welcher Verein seinen Namen zu Recht trägt oder gibt ein Unentschieden zum Auftakt.

Christian Zschiedrich kommentiert Foto: Headlight Pictures

Die Regionalliga Nord Ost beginnt am 25. Juli. Aufsteiger Tasmania trifft zum Auftakt auf Babelsberg 03.

Die Oberliga behandeln wir in Kürze gesondert. Corona brachte einiges durcheinander. Geplant sind 38 Spieltage, sechs mehr als vorgesehen, Sorgen und Probleme genug. 172 Mannschaften sind zum Auftakt der 1. Hauptrunde des Berliner Pokals, am 8. August, beteiligt. Für die Qualifikationsrunde wurden 44 Spiele ab Dienstag, 27. Juli ausgelost.  Dahingestellt sei, ob aus den vielen Testspielen (bis runter in den Kreisklassen) Aufschluss über künftige Qualitäten gezogen werden kann. Zum Meisterschaftsbeginn kann vieles bereits Makulatur sein. Ebenso, was beschert uns die Pandemie?

Christian Zschiedrich

Interner Test statt internationaler Vergleich

Das für den heutigen Sonnabend angesetzte Testspiel des 1. FC Union Berlin gegen FK Dukla Prag konnte nicht wie geplant stattfinden. Nachdem der tschechische Zweitligist vor Berlin in einen Stau geriet, wurde der Anstoß der Partie zunächst verlegt, später musste der geplante Vergleich schließlich abgesagt werden. Statt des internationalen Testspiels bekamen die geduldig wartenden Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei schließlich einen internen Vergleich der Unioner zu sehen, den das Trainerteam gemeinsam mit den Schiedsrichtern auf zweimal 30 Minuten festlegte.

1. FC Union Berlin (weiß): Luthe – Ryerson (31. Sanogo), Friedrich, Van Drongelen, Gießelmann – Wszolek, Andrich, Kade, Endo – Kruse, Abdullahi

1. FC Union Berlin (rot): Busk – Dajaku, Jäckel, Baumgartl, Dehl – Öztunali, Griesbeck, Khedira, Ingvartsen – Voglsammer, Behrens

Schiedsrichter: Alexander Sather, Toni Bauer, Tino Stein

Tore: 0:1 Behrens (38.), 1:1 Abdullahi (40.), 1:2 Dajaku (47.), 1:3 Dajaku (59.)

Das Team in den roten Trainingsshirts startete gefährlicher ins Spiel: nach einer guten Kombination zwischen Sebastian Griesbeck und Leon Dajaku legte Andreas Voglsammer die Kugel am Strafraum ab, Marcus Ingvartsens Schuss rauschte abgefälscht nur knapp am Pfosten vorbei (6.). Wenig später war es erneut Ingvartsen, der sein Glück per Direktabnahme versuchte, Andreas Luthe parierte jedoch sicher mit einer sehenswerten Flugeinlage (11.). Auf der anderen Seite setzte Robert Andrich Keita Endo in Szene, der Japaner scheiterte am gut reagierenden Jakob Busk, den Nachschuss kratzte Timo Baumgartl von der Torlinie (14.). Nur eine Zeigerumdrehung später kam Team Rot nach einer Ecke noch einmal gefährlich vor das Tor von Luthe, doch auch diesmal landete die Kugel abgefälscht neben dem Kasten. Trotz der Anfeuerungsrufe der gut gelaunten Unioner im Stadion gelang keinem der beiden Mannschaften bis zur Pause ein Treffer, sodass sich die Köpenicker nach 30 Minuten in eine verkürzte Halbzeitpause verabschiedeten.

Zum Start der zweiten Hälfte ersetzte Malick Sanogo Julian Ryerson, Pawel Wszolek rückte dafür auf die rechte Abwehrposition. Die erste gefährliche Aktion verbuchten erneut die in Rot gekleideten Unioner. Voglsammer setzte sich wuchtig gegen Rick van Drongelen durch, im Abschluss fand Ingvartsen jedoch erneut seinen Meister in Andreas Luthe (36.). Doch die Führung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Rani Khedira eroberte den Ball im Strafraum der in weiß-grün gekleideten Köpenicker und legte ab für Kevin Behrens. Der Angreifer behielt die Übersicht und schob locker zum 0:1 ein (38.). Nur zwei Minuten später sorgte Suleiman Abdullahi für den Ausgleich. An der Strafraumgrenze freigespielt, zögerte der Stürmer nicht lange und wuchtete die Kugel in die lange Ecke (40.). Team Rot wurde erneut durch Behrens gefährlich, diesmal köpfte der Angreifer jedoch knapp über die Latte (44.). Mit einem Angriff über die rechte Seite tauchte Leon Dajaku in der 47. Minute im Strafraum auf, sein abgefälschter Abschluss trudelte zur Führung der roten Mannschaft über die Linie (47.). Jakob Busk parierte in der 49. Minute im Nachfassen einen Schuss von Sanogo (49.), der entscheidende Treffer gelang jedoch der Mannschaft in den roten Trikots (59.). Leon Dajaku entledigte sich mit einem geschickten Haken seines Gegenspielers, anschließend brachte er den Ball Maß genau in der langen Ecke zum 1:3-Endstand unter.

Im nächsten Testspiel trifft der 1. FC Union Berlin im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark auf Viktoria Berlin. Der Anstoß erfolgt am Mittwoch, dem 14.07.2021, um 17:30 Uhr.

Quelle: Hannes Hahn/1. FC Union Berlin

Jessic Ngankam auf Leihbasis nach Fürth

Herthas Eigengewächs schließt sich für ein Jahr dem Aufsteiger aus Mittelfranken an.

Eine weitere Personalie dieses Transfersommers steht fest: Jessic Ngankam schließt sich für die anstehende Spielzeit 2021/22 der SpVgg Greuther Fürth an. „Für Jessic ist es jetzt wichtig, möglichst viele Spielminuten in der Bundesliga zu bekommen. Deshalb wird ihm dieser Schritt für seine persönliche Entwicklung guttun“, kommentiert unser Geschäftsführer Sport Fredi Bobic das Leihgeschäft. „Ich freue mich auf die Möglichkeit, in Fürth viele wichtige Erfahrungen zu sammeln. Ich sehe das als große Gelegenheit, Spielpraxis auf höchstem Niveau zu sammeln“, unterstreicht unser Eigengewächs.

Der gebürtige Berliner trägt seit 2006 das Trikot unseres Hauptstadtclubs und durchlief seitdem die Nachwuchsmannschaften unserer Akademie. Seit Mai 2020 zählt der A-Junioren Meister von 2018 als Profi zu unserem Bundesliga-Kader. Dabei erzielte Ngankam bisher zwei Tore in 19 Einsätzen in Deutschlands höchster Spielklasse – darunter den viel umjubelten 2:1-Siegtreffer in Gelsenkirchen in der abgelaufenen Serie, der einen Meilenstein auf unserem gemeinsamen Weg zum Ligaerhalt darstellte.

Quelle: Hertha BSC

BR Volleys – Spielplan veröffentlicht

Ab dem 06. Oktober 2021 fliegt in der Volleyball Bundesliga wieder der Ball und die BR Volleys kehren in ihren Volleyballtempel zurück. Wie die VBL am Montag (05. Jul) im Zuge der Spielplan-Veröffentlichung bekannt gab, empfängt der Deutsche Meister zum Heimauftakt die Helios Grizzlys Giesen. Weil nur neun Teams in der Saison 2021/22 an den Start gehen, beschloss der Ligaverband zudem eine Modusreform, welche zur Folge hat, dass die Hauptrunde bereits Anfang Januar abgeschlossen sein soll.

Während es direkt am ersten Spieltag (06. Okt) zu einer Neuauflage des DVV-Pokalfinals 2021 zwischen den Energiequelle Netzhoppers KW-Bestensee und den United Volleys Frankfurt kommt, empfangen die Berlin Recycling Volleys an jenem Mittwochabend zeitgleich die Helios Grizzlys Giesen zu ihrem Heimauftakt. Die Sehnsucht nach der dauerhaften Zuschauerrückkehr ist groß, auch weil der Deutscher Meister nur drei Tage später bei der SVG Lüneburg zur Eröffnung der neuen Arena Lüneburger Land gastieren darf. Dort erwartet die Mannschaft von Cedric Enard garantiert ein Volleyballfest, an das sich intensive Wochen anschließen.

Die Bundesliga-Hauptrunde soll nämlich planmäßig schon am 09. Jan abgeschlossen sein, denn wegen der reduzierten Anzahl an teilnehmenden Vereinen wird der Spielmodus zur Saison 2021/22 angepasst. Neu ist eine Zwischenrunde, in der in zwei Gruppen (Plätze 1-4 sowie 5-8 der Hauptrunde) die Ausgangspositionen für die sich anschließenden Playoffs um die Meisterschaft ermittelt werden. Außerdem werden im Zuge der neuen Medienstrategie der 1. Bundesliga Männer und der Ausweitung des Streaming-Angebots möglichst viele Matches zeitversetzt beginnen, um den Volleyballfans in Deutschland mehr Live-Content als je zuvor zu bieten. Für die Besucher im Volleyballtempel bedeutet dies geänderte Anpfiff-Zeiten. Samstags fliegt der erste Aufschlag jeweils um 17.30 Uhr oder 20.00 Uhr, sonntags um 15.00 Uhr oder 17.30 Uhr.

Die Heimspiele der BR Volleys im Überblick:

06.10.2021 | 19.30 Uhr | BR Volleys vs. Helios Grizzlys Giesen
20.10.2021 | 19.30 Uhr | BR Volleys vs. TSV Unterhaching
23.10.2021 | 17.30 Uhr | BR Volleys vs. WWK Volleys Herrsching
03.11.2021 | 19.30 Uhr | BR Volleys vs. United Volleys Frankfurt
27.11.2021 | 17.30 Uhr | BR Volleys vs. SVG Lüneburg
04.12.2021 | 17.30 Uhr | BR Volleys vs. VfB Friedrichshafen
18.12.2021 | 20.00 Uhr | BR Volleys vs. Energiequelle Netzhoppers
06.01.2021 | 19.30 Uhr | BR Volleys vs. SWD powervolleys Düren
Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

EM Notizen

Jetzt hat es auch das DFB-Team erwischt. Die 15-jährige Amtszeit von Jogi Löw endete im Londoner Wembley-Stadion mit einer Niederlage im EM-Achtelfinale gegen England. Favoritenstürze, wirkliche oder vermeintliche, kennzeichneten die erste Ko.-Runde. Der amtierende Weltmeister und ebenso der Europameister wurden vorzeitig in den Urlaub geschickt.

Der ganz große Turnierfavorit war das DFB-Team eher nicht, auch wenn das in der Pressekonferenz einen Tag nach der Niederlage anderes gesehen wurde. So war Oliver Bierhoff bis zum Englandspiel davon überzeugt, dass die Mannschaft bis zum Ende hätte marschieren können. Seine Personalie steht wohl nicht zur Disposition, warum eigentlich nicht? Die verschwendeten drei Jahre und das Mittelmaß hat er mitzuverantworten.

Die Mannschaft hat großen Einsatz gezeigt, damit spielte Löw vor allem auf das Spiel gegen Portugal an. Da steht wohl doch mehr ein Fragezeichen. Bedingungslosen Einsatz habe ich mehr bei anderen Mannschaften gesehen, die jetzt zu Recht im Viertel-Finale stehen.

Um hier kurz nochmals auf das verlorene Spiel gegen England einzugehen. Es war ein machbarer Gegner. Umso mehr schmerzt das Ergebnis. Nach dem Rückstand hatte Thomas Müller, der Aussortierte, die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich. Das Schicksal, der Fußball-Gott wollte nicht mehr. Der Kredit war nach dem Ungarn-Spiel aufgebraucht.

Die EM geht weiter mit interessanten Partien und Deutschland ist nicht der Nabel der Fußballwelt. Nehmen wir es sportlich.

Jogi Löw wäre wohl besser 2018 nach der WM in Russland zurückgetreten. Seine Kritiker hatten recht. Er hinterlässt seinem Nachfolger kein leichtes Erbe.

Hans-Peter Becker