Jogi Löw muss über seinen Schatten springen

Von wegen, das hab ich einmal gesagt, ich falle doch nicht um, es bleibt dabei, das ist engstirnig. Jeder, ob in der Politik, Ehe, Erziehung, in schulischen Lernprozessen, der Ausbildung und garantiert auch im Sport macht Fehler. Ich kenne keinen ohne Fehler, aber Menschen, die aus Fehlern gelernt haben. Sturheit ist verwerflich, dumm und arrogant.

Wäre es so schlimm – nein – die ganze Nation würde verstehen wenn Jogi Löw sagen würde: Ich habe mich zwar damals festgelegt und war überzeugt von dem verkündeten Weg, aber die Entwicklung von einigen Leistungsträgern hat mich eingeholt und ich habe nachgedacht – revidiere mein Urteil in Sachen Jerome Boateng, Matts Hummels und Thomas Müller! Beifall und Anerkennung.

Dass in der Nationalelf stets die Besten stehen sollten, ist nach wie vor der Fall. Das Leistungsprinzip darf nicht ausser Kraft gesetzt werden, das ist eine unumgängliche Tatsache. Die Aussortierten bringen erstaunlich gute Leistungen, also sind sie auch in die Nationalelf zu berufen. Boateng, Hummels und Müller sind ab sofort wieder Nationalspieler.

Könnte sogar sein, dass Oliver Bierhoff seine Meinung zu dem Thema längst geändert und geahnt hat, welcher Sturm auf seinen Freund zukommt. Er wird ihn nicht auf Dauer schützen können – die Zeit bis März ist einerseits viel zu lang und andererseits wiederum viel zu kurz. Schließt euch im Kämmerlein ein, beantwortet tausend konkrete Fragen, analysiert und diskutiert über Vor- und Nachteile, das möglichst noch bevor sich das DFB-Präsidium zerreißt oder die Fans oder tägliche negative Meldungen in den Medien die Schlagzeilen beherrschen. Jogi, wir lieben und verehren dich doch – noch.

Christian Zschiedrich

Unentschieden in der Wuhlheide und Fanproteste

Der 1. FC Union Berlin hat am 24. Spieltag Zähler Nummer 30 geholt. Es kam zustande nach einem 2:2 in der Partie gegen den VfL Wolfsburg. Trotz eines verspielten 2:0 Vorsprung sprach Trainer Urs Fischer von einem wichtigen Punkt, über den er sehr froh ist. In der wieder restlos ausverkauften „Alten Försterei“ ging seine Mannschaft zunächst mit 2:0. Es waren zwei Freistöße von Kapitän Christopher Trimmel, die per Kopf von Sebastian Andersson und später von Marvin Friedrich (sein erster Saisontreffer) ins Tor buggsiert wurden. Aus dem Spiel heraus lief für die Eisernen wenig. Die Wolfsburger hatten gutes Rezept gegen die Angriffsversuche der Eisernen. Es haperte lediglich in der finalen Abschlusshandlung. Da bekamen die Eisernen meist rechtzeitig einen Fuß an den Ball.

In der ersten Halbzeit fiel ein Tor und das Spiel musste wegen einer Protestaktion der Fans zwei Mal unterbrochen werden. Ein Teil Fans protestierte gegen die Sprerre von Dortmunder Fans Auswärtsspielen ihres Vereins in Hoffenheim. Das Banner “ 2017, Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht! Fick Dich DFB ! Über die Wortwahl lässt sich streiten, Fußballer-Sprache. Als freie Meinungsäußerung geht das noch durch. Leider war das nicht alles, es wurden die Plakate mit Hopp im Fadenkreuz gezeigt und auf einem anderen wurde er als Hurensohn bezeichnet. Die Plakate mussten verschwinden und Spiel wurde fortgesetzt.

Gefordert war Stadionsprecher und Kommunikationschef Christian Arbeit, der auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu den Vorgängen Stellung nahm. Es wurde am selben Tag auch eine Erklärung des Präsidenten Dirk Zingler verbreitet.

„Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend. Vor der Herausforderung, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, stehen wir alle. Jeder Einzelne ist aufgefordert, ihr entgegenzuwirken“, positioniert sich Dirk Zingler grundsätzlich und wirbt darüber hinaus im konkreten Kontext des Fußballs für eine differenzierte Sicht.

Aus eigenem Erleben kann ich schildern, dass die Aktion der Waldseite in den anderen Sektoren des Stadions kontrovers diskutiert wurde. Von Zustimmung bis kompletter Ablehung reichte das Spektrum der Meinungen. Es steht zu befürchten, dass es am kommenden Spieltag weiter gehen könnte und dazwischen liegt das Viertelfinale im Pokal.

Spieldaten

1. FC Union Berlin: Gikiewicz –Friedrich, Hübner, Subotic– Trimmel, Andrich, Gentner (73. Prömel), Lenz – Malli (66. Ingvartsen), Andersson, Bülter (83. Ryerson)

VfL Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Knoche, Brooks, P. Otavio – Steffen (63. Mehmedi), Gerhardt, Arnold, Brekalo (88. Klaus) – Ginczek (77. Victor), Weghorst

Tore: 1:0 Andersson (41.), 2:0 Friedrich (56.), 2:1 Gerhardt (60.), 2:2 Weghorst (81.)

Zuschauer: 22 012

 

Finaltag der Amateure 2020 terminiert

Der Termin für den Finaltag der Amateure 2020 steht fest. Die fünfte Auflage der größten Fußball-Livekonferenz des Jahres steigt am 23. Mai 2020 und damit wieder am Tag des DFB-Pokalfinales. So war es schon beim 4. Finaltag, der dieses Jahr einen neuen Rekord verzeichnet hatte. 2,52 Millionen Zuschauer hatten in der Spitze bei der Übertragung der Landespokalendspiele eingeschaltet, so viele wie noch nie seit der Premiere des Finaltags 2016. Der Marktanteil kletterte bis auf 18,4 Prozent.

Auf Basis dieser guten Erfahrungen hat die Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten in Abstimmung mit dem TV-Partner ARD und den Sicherheitsbehörden beschlossen, auch den 5. Finaltag der Amateure am Tag des DFB-Pokalfinales anzusetzen. Wie gewohnt wird die ARD die Endspiele der Landespokalwettbewerbe in einer Livekonferenz im Ersten zeigen. Die Partien verteilen sich samstags auf drei Anstoßzeiten, die noch genau festgelegt werden müssen. Abends mündet der Pokaltag in der ARD dann in der Übertragung des DFB-Pokalfinales aus dem Berliner Olympiastadion.

Neben dem Engagement der Landesverbände und der Partnerschaft mit der ARD ist die Unterstützung der Polizei für die Durchführung des Finaltags unabdingbar. Die konstruktive Zusammenarbeit in der Vergangenheit hat gezeigt, dass Verbände, Veranstalter und die Sicherheitsbehörden hier auf Augenhöhe kooperieren, wofür alle am Finaltag Beteiligten dankbar sind.

Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, sagt: „Der 23. Mai 2020 wird in Berlin ganz im Zeichen des Fußballs stehen. Auf Grundlage der positiven Erfahrungen aus diesem Jahr, wird der BFV erneut alles daran setzen, den Berliner Fußball-Fans einen attraktiven Pokaltag zu bieten und den Finaltag der Amateure in der Hauptstadt würdig zu präsentieren.“

„Der Finaltag der Amateure hat sich als Feiertag des gesamten deutschen Fußballs etabliert“, sagt Dr. Rainer Koch, 1. DFB-Vizepräsident Amateure: „Der Zuspruch hat gezeigt, dass die Entscheidung, die Landespokalendspiele und das DFB-Pokalfinale am selben Tag auszutragen, goldrichtig war. Schließlich ist der Pokal der Wettbewerb aller knapp 25.000 Vereine in Deutschland. Wir können so die Einheit des deutschen Fußballs auf tolle Art und Weise zeigen.“

Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung, sagt: „Ich bin überzeugt, dass wieder viele Fans die Gelegenheit wahrnehmen werden, die Finalspiele der Landesverbände in den Stadien und in der ARD zu verfolgen, bevor abends das große Endspiel in Berlin ansteht. Ich freue mich sehr auf diesen beeindruckenden und ganz besonderen Pokaltag.“

Gemeinsames Ziel ist es, dass am 23. Mai 2020 – wie schon 2018 – alle 21 Landespokalendspiele im Rahmen des Finaltags ausgetragen werden, um die besondere Bühne für den Amateurfußball und seine Pokalwettbewerbe bestmöglich zu nutzen. Die Landespokalsieger qualifizieren sich für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Dort wartet auf jeden Amateurvertreter ein Gegner aus der Bundesliga oder 2. Bundesliga.

Steffen Simon, als Sportchef des WDR verantwortlich für die Koordination der Livekonferenz im Ersten, unterstreicht: „Aus dem Abenteuer Finaltag ist ein festes Format geworden, mit dem wir gemeinsam ein Zeichen für die Basis setzen. Der Finaltag hat alles, was den Fußball so faszinierend macht: große Traditionsklubs, freche Außenseiter, Emotionen, Überraschungen, mitfiebernde Fans. Umso größer ist die Vorfreude auf die fünfte Auflage.“

Quelle: Berlin Fußballverband

Berliner Pokalsieger – FC Viktoria 1889

Wir haben den Pokal – Jubel beim FC Viktoria © Foto: Becker/Sportick

Der FC Viktoria 1889 heißt der Sieger des Finale um den Berliner Fußball-Pokal des Jahrgangs 2019. Es waren einige Zuschauer mehr als erwartet zur ungewöhnlichen Anstoßzeit, Samstagvormittag 10:30 Uhr in den Jahn-Sportpark gepilgert. Es bildeten sich Schlangen vor den Kassen. Dort begehrten neben Fußballfreunden mit Fan Utensilien der beiden beteiligten Clubs auch solche Einlass, die Lederhosen und ein Trikot des FC Bayern trugen. Warum sich nicht auf diese Art die Wartezeit bis zum Anstoß des großen Finales im Olympiastadion vertreiben. Neben den Bayernfans nutzte auch der amtierende DFB-Präsident Dr. Reinhard Koch die Gelegenheit, dem Amateurfußball seine Aufwartung zu machen.

Im Siegershirt und biergeduscht – Viktorias Trainer © Foto: Hans-Peter Becker

Ehrlicherweise muss hier angemerkt werden dass sich in diesem Finale zwei Mannschaften gegenüberstanden, die mehr oder minder unter Profibedingungen arbeiten. Viktoria gönnte der Mannschaft eine Hotelübernachtung, dazu die Anreise mit dem Bus, um für das Spiel besonders fokussiert zu sein. Als das Spiel begann, hatten noch längst nicht alle Zuschauer ihre Eintrittskarten erwerben können. Tore hat sie nicht verpasst und wenn überhaupt, hätte nur eins für den Regionalligisten, Viktoria fallen können. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis der Oberligist so etwas wie eine Torannäherung zustande brachte. Viktorias Kapitän und Torwart Stephan Flauder musste erst in der 36. Minute einen Ball fangen. Bis dahin hatte sein Gegenüber Ertugul Aktas einige Male durchatmen müssen. Die erste Halbzeit gehörte Viktoria, wenn auch die Krönung durch ein Tor fehlte.

Beide Trainer ließen ihre Mannschaft in einem 5-3-2 System gegen den Ball agieren und entsprechend war es ein 3-4-3 bei Ballbesitz. In der zweiten Hälfte änderte sich nichts, TeBe fand weiter kein Mittel, die gut stehende Abwehr der himmelblauen zu überwinden. In der 53. Minute hätte der Treffer für Viktoria fallen müssen, ein Schwimmfest in der TeBe-Abwehr, doch drei Einschussmöglichkeiten blieben ungenutzt. In der 61. Minute reagierte TeBe-Trainer Dennis Kutrieb und nahm Karim Benyamina aus dem Spiel. Er hatte bis dahin kaum einen Stich gesehen. Für ihn kam Bekai Jagne. Auch Thiago Rockenbach da Silva erlebte den Abpfiff nicht auf dem Spielfeld. Er machte in der 69. Minute Platz für Kerem Bülbül.

In der 81. Minute war es soweit, Rafael Brand vollendete eine glänzende Vorarbeit von Timo Gebhart. Der Treffer war überfällig und völlig verdient. In allerletzter Minute wäre TeBe fast noch der Ausgleich geglückt. Es war die erste Flanke im Spiel der Borussen die bis in den Strafraum durchkam und der erst zuvor eingewechselte Murat Turhan, Winterneuzugang von Optik Rathenow, war mit dem Kopf zur Stelle, irgendwie schaffte es Flauder den Ball zu fangen. Zwei taktische Wechsel in der Nachspielzeit durch Viktoria Trainer Alexander Arsovic, dann war die Spielzeit vorüber. Viktoria holte sich den Pokal und hofft jetzt auf einen attraktiven Gegner in der ersten Hauptrunde. Es war ein feiner Zug von Alexander Arsovic, dass er in der Pressekonferenz erwähnte, dass der Sieg auch Jörg Goslar gehört. Goslar, dem Ende April mitgeteilt wurde, dass sein Vertrag, trotz Klassenerhalt nach Abzug von neun Punkten durch das Insolvenzverfahren und trotz Erreichens des Pokalfinales, nicht verlängert wird, wurde vom den Vereinsgremien dann doch sofort freigestellt. Eigentlich wollte er die Saison professionell zu Ende bringen und beim Finale die Mannschaft ein letztes Mal in einem Pflichtspiel betreuen.

Bis zum nächsten Jahr im Wembley des Berliner Amateurfußballs oder woanders? © Foto: Hans-Peter Becker

Entsprechend niedergeschlagen war der unterlegene Oberligist. Nach dem verpassten Aufstieg in die Regionalliga, gab es erneut einen Dämpfer für Tennis Borussia. Während für der FC Viktoria die Saison beendet ist, stehen in der Oberliga noch zwei Spieltage auf dem Programm. TeBe will nach Aussage von Trainer Dennis Kutrieb alles daransetzen, um den zweiten Platz zu verteidigen.

Letztlich zufrieden können die Organisatoren mit der Zuschauerzahl sein, es wurden deutlich mehr als die lediglich erwarteten 1.500. Das Spiel sahen offiziell bekanntgegebene 2.712 Zuschauer.

Hans-Peter Becker

Der 1. FC Union blickt durch die Tür zur Bundesliga

Ist es nur noch ein Spiel oder muss die Saison für die Eisernen durch die Relegation verlängert werden ? Die Relegation ist bereits sicher, das Restrisiko, dass der HSV nach Punkten zwar gleichziehen kann, ist bei dem Torverhältnis zu vernachlässigen. Der Grundstein wurde mit einem überzeugenden 3:0 Sieg gegen den 1. FC Magdeburg gelegt.

In der seit Wochen ausverkauften „Alten Försterei“ brachte Grischa Prömel mit seinem artistischen Treffer zur 1:0 Führung nach 8 Minuten früh auf die Siegerstraße. Magdeburg hatte nichts zu bieten, es waren von den abgegebenen 12 Torschüssen, lediglich ganze zwei darunter, die die Qualität eines möglichen Torerfolges in sich trugen. Diese mangelnde Durchschlagskraft, nur 34 Tore in der laufenden Spielzeit, der schlechteste Wert aller Zweitligisten, war mit dafür verantwortlich, dass die Magdeburger wieder runter müssen.

Nach dem Schlusspfiff des sehr großzügig leitenden Schiedsrichters Robert Schröder aus Hannover sanken die Spieler in Blau-Weiß zu Boden und einige fingen an zu weinen. Während die Rot-Weißen feierten, sie hatten getan was notwendig war. Die erreichten 56 Punkte und der damit so gut wie sichere Tabellenplatz Drei sind der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte seit der deutschen Vereinigung. Gratulationen wollte man im Lager der Eisernen dafür nicht entgegenehmen. Verständlich, den der Fahrstuhl nach oben ist noch nicht betreten worden und im ungünstigen Fall geht die Tür wieder zu.

Es war zudem Respekt, den Urs Fischer gegenüber seinem Kollegen Michael Oenning bekundete: „Es ist heute nicht einfach: auf der einen Seite ein Trainer, der noch etwas gewinnen kann, auf der anderen Seite ein Coach, der gerade abgestiegen ist.“

Leider gab es zum Ende des Spiels Szenen, die keiner in einem Stadion sehen will. Magdeburger Fans versuchten die Plexiglasscheiben, die den Gästeblock abgrenzen, einzutreten. Vereinzelt wurden Metallteile in Richtung Spielfeld und Zuschauer geworfen. Einsatzkräfte der Polzei mussten vorübergehend für Ordnung sorgen. Das Spiel war unterbrochen. Im Block an der Waldseite, dort wo die Ultras des 1. FC Union stehen, wurden ein Banner und Fan-Utensilien des 1. FC Magdeburg gezeigt. Sebastian Polter begab sich an den Zaun, darauf verschwanden die Sachen aus dem Sichtfeld.

Es ist müssig darüber zu spekulieren wer angefangen hat, im Stadion sind auch Zuschauer, die sich einfach am Fußball erfreuen wollen und denen Ultra-Rituale gänzlich egal sind. Auf jeden Fall sind Strafen seitens des DFB zu erwarten.

Hans-Peter Becker

Der Rücktritt des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel

Beim „11mm“-Fußballfilmfestival im Berliner Kino Babylon präsentierte er sich Ende März noch als Präsident mit Herz für die kleinen Vereine. In der Tat war er da sehr rührig. Als Gast beim Berliner Fußball Verband, im Rahmen eines Neujahrsempfangs gab er Christian Zschiedrich ein optimistisches Interview.

Reinhard Grindel beim 11mm Filmfestival in Berlin © Foto: Frank Toebs

Jetzt zwangen Reinhard Grindel eine Luxusuhr und eine Geldzahlung ohne Gegenleistung an ihn zum Rücktritt. Bei der Einweihung der Hall of Fame des Fußballs vollzog Grindel seinen letzten Auftritt als DFB-Präsident. Sichtlich bedrückt brachte Grindel die Eröffnung in Dortmund hinter sich.

Grindel war angetreten, genau diese Unregelmäßigkeiten aufzudecken und zu vermeiden. Eine herbe Enttäuschung! Ein Politiker auf dem Thron des DFB? Manche sehen sich jetzt wohl in ihrer Ansicht bestätigt, dass das von Anfang an nur eine Notlösung sein konnte.

Beim Deutschen Fußball Verband wird der Wunsch immer lauter, an die Spitze eine Führungspersönlichkeit mit prominenter Fußball-Vergangenheit zu berufen. Da werden Namen wie Oliver Bierhoff oder Philipp Lahm gehandelt. Im September kommt es zur Neuwahl des Präsidenten, Reinhard Rauball und Rainer Koch übernehmen bis dahin interimsmäßig.

Frank Toebs

Neujahrsempfang des Berliner Fußball-Verbandes im Olympiastadion

DFB Präsident Reinhard Grindel © Foto: Frank Toebs

Ein nicht seltener Gast des Berliner Verbandes, DFB-Präsident Reinhard Grindel, sprach beim Neujahrsempfang nicht nur die Stadt betreffende Themen an. Per Du mit dem ersten Mann des BFV, Bernd Schultz, gab es eine deutliche Warnung an den Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) nicht nur Maximalpositionen zu vertreten, wenn es um die anstehende Regionalligareform geht. „Auch in der Politik muss sich jeder bewegen“, meinte er. Sonst würden am Ende die Mehrheiten bei nächster Gelegenheit darüber abstimmen, wie es mit dem Aufstieg der Regionalliga-Meister weitergehen soll. Gemeint war wohl auch das dann mögliche Ende des NOFV-wie von einigen bereits vorausgesagt.

Der Berliner Verband hat mittlerweile etwa 150.000 Mitglieder. Viele, die auch spielen möchten, sind aber nur auf Wartelisten, weil es bereits oft soweit ist, dass nur die begabtesten Kinder aufgenommen werden. Staatssekretär Alexander Dzembritzki und Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes, diskutierten darüber und über die Forderungen die Interessen des Sports noch mehr durchzusetzen.

Den Goldenen Fußball 2019 erhielt Frank Michalak, der eine sehr berührende Rede hielt. Er sprach nicht in seiner Eigenschaft als Vorstand der AOK-Nordost, sondern als Fußballer und Trainer. Das machte ihn sehr symphatisch.

Sieger in der BFV-Kampagne „Fairplay-Geste 2019“ wurde der Kapitän des 1.FC Afrisko II, Robin Claus. Dieser war am Sonnabend verhindert. Er wurde von einem Vorstandsmitglied und Spieler des Klubs hervorragend vertreten. Claus hatte in einer Partie absichtlich einen Elfmeter verschossen. Dadurch konnte die Erregung bei allen Beteiligten wieder heruntergefahren werden. Im Anschluss an die Übergabe des Schecks über 750 Euro gab es noch Diskussionsbedarf bei Reinhard Grindel und dem Vertreter Afriskos.

In seinem Verein Spandauer Kickers bereits seit Gründung 1975 erster Vorsitzender, war es in der Jesse-Owens-Lounge nun an der Zeit, die Goldene Ehrennadel des Verbandes an Jürgen Pufahl zu vegeben. Pufahl, ein Notar, ist schon seit längerem Vizepräsident „Recht“ beim BFV. Hier hat er sich hervorragende Verdienste um Themen wie Verschmelzungen von Vereinen und ähnlich erworben.

Frank Toebs

www.experte-vom-dorfplatz.de

„Nur nach Hause…“ – Ärger mit der Hymne

„Hertha läuft Gefahr den DFB zu kopieren. Das wird einen mächtigen Keil zwischen Verein und Fans treiben. Offensichtlich haben die Entscheidungsträger in ihrem Leben nie in der Kurve gestanden. Sich am US-Profisport zu orientieren funktioniert nicht und „Dickes B“ passt einfach nicht zu Hertha.“ Diese Äußerung eines Hertha-Fans ist Leserbrief der Zeitung „Die Welt“, in dem Artikel geht es um die neue Einlaufhymne bei den Heimspielen. Jahrelang wußten die Fans, wenn Frank Zanders Lied „Nur nach Hause gehn wir nicht“ gespielt wurde, die Spieler kommen, jetzt geht`s los. Diese Tradition wurde mit Beginn der aktuellen Saison geändert. Der Song „Dickes B“ soll es ab sofort sein, das Lied von Frank Zander soll früher gespielt werden, 15 Minuten vor dem Anpfiff. Da ist so mancher Stadionbesucher beim Bier holen. So geschah es zum ersten Heimspiel gegen Nürnberg. Während „Dickes B“ von Seeed über die Lautsprecher lief, die Spieler den Rasen betraten, sang die Ostkurve „nur nach Hause gehn wir nicht“.

Gibt es eine Begründung für diesen Entschluss ? Die Fans jedenfalls fühlen sich übergangenen und Frank Zander findet diese Entscheidung falsch und hofft, dass die Hertha-Fans die Vereinsführung zu einer Korrektur dieser Entscheidung bewegen können. Im Moment sieht es danach nicht aus. Dieser Ärger ist hausgemacht und unnötig. Im Fußball gibt es das Eigentor, es sollte tunlichst vermieden werden. Müssen bei den noch kommenden 16 Heimspiele die Fans ihre geliebte Hymne weiter selbst singen? Gibt es als Kompromiss jetzt vor jedem Heimspiel einen Live-Auftritt von Frank Zander oder denkt die Markenting-Abteilung nochmals nach? Man weiß es nicht, andernorts ist man eher amüsiert, siehste, did is Berlin wa, da kannste dir nur wundern.

Hans-Peter Becker

Die dritte Kraft im Berliner Fußball ?

Wer ist eigentlich nach den beiden Bundesliga-Clubs Hertha und Union die dritte Kraft im Berliner Fußball ? Eine Mannschaft aus Berlin in der untersten Profiliga, der vom DFB verwalteten 3. Liga gibt es nicht. Der FC Energie aus dem brandenburgischen Cottbus hat es geschafft aufzusteigen. In der viertklassigen, meist von semiprofessionellen Vereinen bestückten Regionalliga tummeln sich ja einige Berliner. Der BFC Dynamo, der Berliner AK, die VSG Altglienicke – dank Cottbus weiter drin – , Herthas Zweite und Victoria 89. Wir lassen mal Herthas Zweite außen vor bei der Beurteilung, wer sich als dritte Kraft eignen könnte. Aktuell ist es wohl der Serienmeister der untergegangenen DDR, der BFC Dynamo. Es strömt immer noch ein Hauch Tradition über die Ränge des Jahnsportparks wenn die Weinroten Heimspiel haben. In der zurückliegenden Saison wollten insgesamt 34.574 Zuschauer die 17 Heimspiele sehen, das entspricht einem Schnitt von 2.033. Das war der viertbeste Wert in der Regionalliga Nordost, übertroffen von Aufsteiger Cottbus als Zuschauerzugpferd Nummer eins, gefolgt von den beiden Leipziger Mannschaften Lok und Chemie.

In der Zuschauergunst in Berlin auf Platz Zwei liegt der FC Viktoria 89. Allerdings mit großem Abstand zum BFC Dynamo. Die 17 Heimspiele in Lichterfelde wollten insgesamt 7.127 Zuschauer sehen, das ergibt einen Schnitt von 509, äußerst bescheiden im Vergleich mit dem BFC Dynamo. Während der BFC auch sportlich die Nase, zuletzt mit dem Gewinn des Berliner Pokals, vorn hat, machen die sonst eher unscheinbaren, himmelblauen Viktorianer mit einer Pressemeldung auf sich aufmerksam.

Die Advantage Sports Union Ltd., Hongkong (ASU), und der FC Viktoria 1889 Berlin haben eine Einigung über eine intensive zukünftige Zusammenarbeit getroffen. Zweck der Vereinbarung soll eine langfristige Kooperation sein, die die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins, insbesondere der 1. Herrenmannschaft, sicherstellt und dabei auch die Verfolgung höherer sportlicher Ziele ermöglicht.“ Etwas weiter heißt es, „Mit der ASU, einem weltweit tätigen und auf die Vermarktung von Sportmannschaften spezialisierten Unternehmen, strebt Viktoria nun eine Partnerschaft an, mit der diese Ziele umgesetzt werden können und verfolgt nunmehr auch die vom DFB empfohlene Ausgliederung des professionellen Spielbetriebs, welche die Basis für ein nachhaltiges Engagement der ASU bildet.“ In der Bild räsoniert Roberto Lamprecht darüber, „Pumpen China-Milliardäre 90 Mio in Berliner Viertligisten, versehen mit einer zweiten Überschrift „Vorbild RB Leipzig“. Es könnte Sinn machen, den im nächsten Jahr steigt der Meister der Nordost-Staffel direkt auf. Man könnte dann, mit entsprechender Finanzkraft, wie einst Leipzig, ab durch die Dritte dem Bereich des Fußballs annähern, wo richtig Geld verdient werden kann. Schließlich soll sich das Investment eines Tages lohnen. Ob das allein den Zuschauerschnitt anheben wird, ist fraglich.

Blicken wir noch kurz auf die beiden Vereine die bereits dort sind, wo Viktoria eventuell mal landen will. Der 1. FC Union hat aktuell noch keinen Trainer für die neue Saison gefunden. Es geistern einige Namen durch die Foren, warten wir auf die entsprechende Pressemitteilung. Beim Lokalrivalen gab es erfreuliches zu vermelden. Die U-19 ist Meister geworden, im Endspiel wurde in Oberhausen Schalke 04 geschlagen. Ein Herzstück der Mannschaft war Stürmer Muhammed Kiprit. Jetzt wurde bekannt, dass das Sturm-Talent den von Hertha angebotenen Vertrag mit einer Laufzeit von 3 Jahren abgelehnt hat. Der Deutsch-Türke war 2015 von Tennis Borussia in das Nachwuchsleistungszentrum von Hertha BSC gewechselt. Sein Umfeld wird als ungeduldig beschrieben. Beraten wird Kiprit von der Agentur FSB, die in Trier ansässig ist. Hinter FSB stehen die Namen Fritz Fuchs, ein ehemaliger Fußball-Trainer, Alexander Bergweiler, Rechtsanwalt und Sahr Senesie, ein ehemaliger Fußballprofi. Senesie ist der Halbbruder und Berater des 23fachen deutschen Nationalspielers Antonio Rüdiger. Er soll sich um die weitere Karriere von Kiprit kümmern und hoffentlich betreut er ihn gut. Laut dem Fachmagazin Kicker sollen sich die Anfragen an Hertha BSC in Grenzen halten. Zumal er nicht ablösefrei ist, sein Vertrag läuft bis zum Ende der Saison 2018/19. Große Erfahrungen im Männerbereich konnte er bisher nicht sammeln. In der Regionalliga wurde er lediglich am 2. Spieltag, es war eine 1:4 Niederlage bei Union Fürstenwalde, für 39 Minuten eingesetzt. Eine feste Größe war er in der A-Junioren Bundesliga-Mannschaft. Vielleicht bleibt er in Berlin, wenn das Geld bei Viktoria ab jetzt so reichlich fließen soll und die Ziele so ambitioniert sind.

Hans-Peter Becker

Herthas unrühmlicher Führungsstil

Chefredakteur Christian Zschiedrich. Foto Sportick

Der öffentliche Brief von Christian Zschiedrich an Hertha BSC hat seine Wirkung nicht verfehlt. Von Beruf aktiver Journalist, ist sich der in Berlin verdienstvolle und geehrte Pressevertreter sicher, nur infolge zu kritischer Fragen und Kommentare lediglich bei Hertha in Ungnade gefallen zu sein. Denn in der Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Verbänden und Institutionen wird seine journalistische Arbeit anerkannt und geschätzt. Warum und wieso kann Hertha nicht über den Dingen stehen?  Hertha scheint der Auffassung zu sein, wen interessiert das schon, wenn wir dem zeigen, was eine Harke ist. Da haben wir schon ganz andere gefügig gemacht. Es ist dennoch wert, hin und wieder erzählt zu werden und daran zu erinnern.

 

Die Feststellung: Seit drei Spielzeiten verweigert Hertha BSC trotz redaktioneller Aufträge die Akkreditierung für einen Mann mit nachweislicher Redaktionsarbeit und offiziellem Verbands-Presseausweis. 25 Jahre lang war Zschiedrich für die lokale Sportsendung TV Sport in Berlin verantwortlich. Zwangsläufig führte das zu einem hohen Bekanntheitsgrad. Kuschen kennt er nicht.  Rückgrat haben nicht alle Menschen. Er scheut die Auseinandersetzung nicht und sagt, was gesagt werden muss. Aktuell  betreut Zschiedrich verantwortlich auch das Internetportal www.sportick.eu. Die Ablehnung der Akkreditierung zu den Heimspielen begründet die Hertha-Pressestelle nur mündlich. Angeblich habe Zschiedrich gegen DFL-Bestimmungen verstoßen. Aber nach Rücksprache mit der DFL, mit der TVSIB jahrelang vertraglich kooperierte, war das dort nicht einmal bekannt.

 

Zeitlich befristet wurde der Ausschluss von den Heimspielen nicht. Hertha darf sich „rühmen“, Zschiedrich wie einen Gewalttäter auszuschließen, für immer. Ist das rechtens und moralisch in unserem Land zu vertreten? Jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, wer in sein Wohnzimmer eintreten darf. Nur ist das Olympiastadion Herthas Wohnzimmer? Sind die Bundesligaspiele nicht hochkommerzielle, öffentliche Veranstaltungen unter der Regie des DFB/DFL? Sollte Hertha nicht das „Recht“ und die Pflicht haben,  für einen guten Ruf und Fairplay zu wirken?

 

Zschiedrich wurde zu Beginn der vergangenen Saison aufgefordert, keinen Antrag auf eine Tages-Akkreditierung mehr zu stellen. Welche Veranstaltungen von sportlichem Wert und Interesse für die Allgemeinheit sind, sollte jede Redaktion selbst entschieden dürfen.  Zu Beginn dieser Saison 2017/18 wurde der Antrag auf Dauer-Akkreditierung wieder ohne Begründung abgelehnt. Also blieb  die Möglichkeit, z.B. gegen Werder Bremen eine Tages-Akkreditierung zu beantragen. Der Antrag wurde form- und fristgerecht eingereicht. Wieder keine Antwort.

 

Vielleicht ist Hertha überlastet, den Anforderungen nicht gewachsen und reagiert deshalb nicht. Zwei Tage vor dem Spiel gegen Werder Bremen wurde schriftlich an den fälligen Bescheid erinnert – ob positiv oder negativ, er kam nicht. Herthas Pressestelle schießt trotz personellen Wechsels Eigentore, pflegt eben in dieser Art und Weise das sportliche Zusammenleben  in unserer Sport-, Haupt- und Weltstadt (würdelos). Da fragt sich doch den Fakten nach, wer verstößt hier wohl gegen die DFL-Bestimmungen?

 

Freigegeben: Christian Zschiedrich