Ein Fleißpunkt für jeden – Unentschieden im Jahnsportpark

Es war Totensonntag in Berlin und das Wetter tat alles, um sich dessen würdig zu erweisen. Der Spielbeginn der Drittliga-Partie zwischen Viktoria und den Würzburger Kickers war für 13:00 Uhr angesetzt. Trotz der mittäglichen Stunde strahlten die Flutlichter. Der Absteiger aus Franken muss aufpassen, nicht in die Regionalliga durchgereicht zu werden. Der Saisonstart war ein Desaster. Der erste Saisonsieg gelang erst am 9. Spieltag, Sportdirektor und Trainer mussten gehen. Jetzt sind sie auch noch coronageschädigt.

So waren im Kader der Kickers einige Akteure, die erst drei Tage vor dem Spiel die häusliche Quarantäne beenden durften. Viktoria hatte zwar kein Problem mit der Pandemie, allerdings einige schmerzvolle Ausfälle zu verkraften. So waren Kapitän Christopher Menz und Innenverteidiger Patrick Kapp rot-gesperrt.

„Für uns stand die Frage, wie lange wird die Kraft reichen?“ Es reichte nicht ganz. In der ersten Halbzeit versuchten die Gäste hoch zu verteidigen und Viktoria bereits im Spielaufbau zu stören. In der 8. Minute ließ sich Yannis Becker den Ball abluchsen und war passiert. Die Gäste führten. Mirnes Pepic hatte mit einem genau gezirkelten Schuss in den Dreiangel Viktorias Schlussmann überwunden. Er bekam dafür sogar ein Kompliment von Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato . „Julian Krahl auf diese Art und Weise zu überwinden, das schafft nicht jeder.“

In der ersten Halbzeit sah es nicht gut aus für die himmelblauen Berliner. „In den ersten 25 Minuten wollten wir es erzwingen und haben nicht unseren Matchplan verfolgt, die Bälle zu früh verloren. Das war nicht gut.“ So kommentierte der Trainer das Geschehen.

Es wurde besser in der zweiten Halbzeit. Kurz nach Wiederbeginn hatte Falcao die Riesenchance zum Ausgleich. Viktoria übernahm das Kommando und drängte auf den Ausgleich. Auf der Bank saß wieder Torjäger Tolgay Cigerci. In der 71. Minute betrat er das Spielfeld für Falcao und in der 75. Minute verwandelte er einen Foulelfmeter und in der Nachspielzeit sogar die Möglichkeit für den Siegtreffer.

Die Gäste waren nach dem Schlusspfiff sichtlich erleichtert. Sie freuten sich mehr den errungenen Punkt. Seit Danny Schwarz in Würzburg das Zepter übernommen hat, haben die Kickers noch nicht verloren.

„Wir hatten viele Ballbesitzphasen, wollten nach vorne spielen. Das ist unsere Philosophie. Mich nervt, dass wir nicht gewonnen haben. Dennoch nehmen wir den Punkt dankend mit, weil wir wissen, wo wir herkommen.“ In diesen Worten des Viktoria-Trainers schwang etwas Enttäuschung mit.

Hans-Peter Becker

3. Liga 16. Spieltag

21.11.2021 13:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

FC Viktoria 89 Berlin – Würzburger Kickers 1:1 (0:1)

Berlin: Krahl – Gunte, Lewald, Hahn – Pinckert, Jopek, Becker, Beyreuther – Küc (84. Seiffert), Lucas Falcao (71. Cigerci), Ogbaidze (63. Verkamp).

Würzburg: Bonmann – Waidner, Schneider, Kraulich, Lungwitz – Meisel, Pepic, Atmaca (70. Adigo), Kopacz, Heinrich (82. Nikolov) – Pourié (76. Strohdiek).

Tore: 0:1 Pepic (8.), 1:1 Cigerci (75., Foulelfmeter).

Gelbe Karten: Meisel (70.), Kraulich (72.), Nikolov (88.)

Schiedsrichter: Kessel (Düsseldorf).

Zuschauer: 846

Erste Saisonniederlage für Viktoria

Der Jahnsportpark im Prenzlauer Berg erstrahlte im provisorischen Flutlicht. Ein transportabler Mast sorgte für die Ausleuchtung. Dazu sorgte der Kicker-Nachwuchs von Viktoria mit hellen Stimmen für Support. Im Gästeblock hatten sich 549 Zahlende eingefunden. Der Eintrittspreis am Kassenhäuschen betrug 17 Euro. Der größere Rest der insgesamt 2.512 Fußballinteressierten drückte den Himmelblauen die Daumen.

Als Schiedsrichter Arne Aarnink die Partie kurz vor 22:00 Uhr am Freitagabend abpfiff, war es amtlich. Der furios in die Saison gestartete Aufsteiger musste seine erste Niederlage in der 3. Liga hinnehmen.

Beide Trainer mussten mit verletzungsbedingten Problemen in ihren Kadern kämpfen. In Halle war man mit dem Saisonstart nicht zufrieden, zuletzt wurde eine 0:2 Heimschlappe gegen Braunschweig kassiert. Während Viktorias Trainer seine gegenüber dem Kaiserslauternspiel unverändert ließ, wechselte sein Kollege aus Halle überraschend auch auf der Torwartposition.

Die Anfangsphase des Spiels gehörte den neuen Hausherren des Friedrich Ludwig Jahn Sportparks. Ein früher Treffer gelang nicht. In der 14. Minute landete ein Schuss vom Hallenser Mittelfeldspieler Tom Zimmerscheid am Pfosten. Da hatten die Himmelblauen Glück. In der 19. und 22. Minute hatte Halle Glück, dass Enes Küc und Yannis Becker nur das Außennetz trafen.

In der 23. Minute wäre fast so weit gewesen, Terrence Boyd fälschte einen Eckball gefährlich ab, doch Sven Müller konnte parieren. Da hatte sich der Torwartwechsel für Halle bereits bezahlt gemacht. In der 28. Minute wurde aus dem „Fastunglücksraben“ der Schütze des goldenen Tores der Partie. Der wuchtige Mittelstürmer und 14-malige Nationalspieler der USA überwand mit einem Flachschuss, tunnelte dabei Viktorias Innenverteidiger Patrick Wolfgang Kapp, Viktorias Torwart. Julian Krahl, der erneut für Philip Sprint in die Startelf rückte, tauchte vergebens. Der Hallenser Anhang jubelte und der Torschütze übertrieb dabei, stieg auf den Zaun und musste sich für seine übertriebene Jubelarie die gelbe Karte anschauen.

Es war zu diesem Zeitpunkt noch nichts verloren. Viktoria versuchte direkt zu antworten. Die dickste Chance zum Ausgleich hatten die Himmelblauen in der 52. Minute. Nach guter Vorarbeit von Enes Küc brachte Lucas Falcao den Ball nicht im Tor unter. Sein Schuss war nicht platziert genug und landete in den Armen des Hallenser Torhüters. Sie kämpften unverdrossen weiter, ein Treffer gelang nicht.

Es blieb bei der ersten Niederlage in Liga 3 für den FC Viktoria 1899 Berlin.

An der Einstellung hatte Trainer Muzzicato nichts zu kritisieren. „Leider haben wir in den entscheidenden Momenten, nicht die richtigen getroffen.“

Diese Niederlage wird den Aufsteiger nicht umwerfen, zumal es mit einer englischen Woche weitergeht. Bereits am Dienstag, 24. August geht es weiter. Dann steht die Auswärtsaufgabe in Zwickau an.

Hans-Peter Becker

Viktoria siegt in Braunschweig

Der Neuling hat auch seine Auswärts-Premiere siegreich gestalten können. Vor 6.676 Zuschauern (7.500 hätten rein gedurft) wurde es eine unerwartet klare Angelegenheit für die himmelblauen Berliner, die allerdings im Braunschweiger Stadion in ihren weinroten Auswärtstrikots aufliefen.

Trainer Benedetto Muzzicato nahm in seiner Startelf nur zwei Veränderungen vor. Für Moritz Seiffert spielte Enes Küc und im Tor musste Julian Krahl für den verletzten Philip Sprint ran. Der Aufsteiger schockte den Absteiger und siegte mit sage und schreibe 4:0 bei der Eintracht in Braunschweig. Ein gellendes Pfeifkonzert für die eigene Mannschaft, während die Gäste ihr Glück kaum fassen konnten.

An der taktischen Grundausrichtung wurde nicht geändert. Ein 3-4-3 bei eigenem Ballsitz und mit einer 5-3-2 Staffelung sollte Druck auf den Gegner gemacht werden. Das 1:0 gelang bereits nach fünf Spielminuten, Tolcay Cigerci verwandelte per Kopf eine Vorlage von Küc. Fast im Gegenzug wäre den gelb-blauen Braunschweigern der Ausgleich gelungen. Zuwenig Tempo und Ungenauigkeiten im Spiel, so stellten die Braunschweiger die Berliner vor keine großen Aufgaben. In der 31. Minute führte ein Fehler im Spielaufbau zur 2:0 Führung und erneut war es Cigerci der ins Tor traf.

Das Umkehrspiel der Viktoria war sehenswert. Als Lucas Falcao in der 65. Minute auf 3:0 erhöhte war bereits mehr als die Vorentscheidung gefallen. In der 69. Minute setzte Lucas Finn Pinckert noch einen drauf und machte die Sensation perfekt. Mit 0:4 gingen die Braunschweiger im eigenen Stadion gegen den Aufsteiger aus Berlin unter.

Mit sechs Punkten und einem Torverhältnis von 6:1 ist Viktoria für die nächsten zwei Wochen der Spitzenreiter der 3. Liga. Im DFB-Pokal treten sie ja nicht an. In aller Ruhe können sie sich jetzt auf die nächste Aufgabe vorbereiten. Der 1. FC Kaiserslautern kommt in den Jahnsportpark. Der FC Viktoria sucht noch einen Trikotsponsor und will seine Anhängerschaft vergrößern. Sollten die gezeigten Leistungen aus den ersten beiden Spielen ihre Fortsetzung finden, hätten sie gute Argumente.

Hans-Peter Becker

Mannschaftsaufstellung Viktoria Berlin

Krahl – Falcao (67. Seiffert) – Lewald – Jopek (90. Verkamp) – Gunte – Kapp – Becker – Pinckert – Menz – Küc (81. Theisen) – Ciğerci (81. Benyamina) (3-4-3/5-3-2) Trainer: Benedetto Muzzicato

Tore:
0:1 Cigerci (5′)
0:2 Cigerci (32′)
0:3 Falcão (65′)
0:4 Pinckert (69′)

Viktoria Berlin vor dem Saisonstart

Nach dem 1. FC Union versucht sich mit dem „Altmeister“, dem FC Viktoria 1889 der zweite Berliner Verein in der dritthöchsten Spielklasse. Das Vereinswappen auf dem Wettkampf-Trikot wird von einem Meisterschaftsstern geziert. Es erinnert an die beiden Meistertitel, errungen in den Jahren 1908 und 1911. Der Verein hieß damals noch Turn und Fußballverein Viktoria 89.

2013 fusionierten der Lichterfelder FC und Victoria, dabei wurde die himmelblaue Vereinsfarbe übernommen, ergänzt durch einen roten Strich, der Farbe des ehemaligen LFC. Das Stadion in Lichterfelde wurde oder blieb die neue Heimstätte. Der bis 2013 existierende BFC Viktoria 1989 hatte zuletzt seine Heimstätte im Friedrich-Ebert Stadion in Tempelhof.

Die Stadionfrage spielte und spielt vor Saisonbeginn eine große Rolle. Nach dem Aufstieg stand Viktoria zunächst ohne ein Drittliga-Stadion da. Gespielt werden soll im Jahnsportpark im Prenzlauer Berg. Eigentlich sollten dort wegen Umbaumaßnahmen zunächst keine Sportveranstaltungen mehr stattfinden. Der Senat von Berlin hatte im Juni dieses Jahres eine vorübergehende Nutzung erlaubt. Wie auf der Pressekonferenz am 13. Juli zu erfahren war, für 2 Jahre. Die Umbaumaßnahmen werden frühestens 2023 weitergehen.

Gesperrt bleiben Teile der Haupttribüne. Für Umkleide- und Arbeitsräume mussten Container aufgestellt werden. Die Kosten dafür übernahm der Investor. Auf der Pressekonferenz sprach Zeljko Karajica von einer „mehr als fünfstelligen Summe“. So schnell wie möglich muss im Jahnsportpark zudem wieder eine Flutlichtanlage errichtet werden. Sonst ist die Spielgenehmigung seitens des DFB gefährdet. Viktorias Geschäftsführer Peer Jaekel sprach von einer Standleitung zum DFB bezüglich dieser Frage. Es verschiedene Optionen geprüft. Es könnte sogar die nicht mehr benötigte Flutlichtanlage des Stadions in Jena werden.

Einst musste ja auch der 1. FC Union während seiner Saison in der 3. Liga in den Jahnsportpark ausweichen. Die Heimstätte in Köpenick wurde umgebaut. Unions Saison endete damals mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Es wäre ein Wunder, sollte Viktoria gleiches gelingen. Der Klassenerhalt und eine stabile Saison zu spielen, liegt wohl eher im Bereich der Möglichkeiten. Mit dem FC Kaiserslautern (44 Jahre), MSV Duisburg (28), Eintracht Braunschweig (21), TSV 1860 München (20), Waldhof Mannheim (7) und 1. FC Saarbrücken (5) gehen sechs ehemaligen Bundesligisten an den Start, die über mehr Potenzial verfügen.

Nach der durch Corona verkürzten Saison in der Regionalliga Nord-Ost, lediglich 11 Spiele mussten die Himmelblauen absolvieren, verließen sieben Spieler den Verein und sechs Neue kamen. Vom 1. FC Köln wurde der Nachwuchstorwart Julian Krahl geholt und vom einstigen Ligarivalen VSG Altglienicke kam der offensive Mittelfeldspieler Tolcay Cigerci, der Bruder des Ex-Herthaners Tolga Cigerci. Von Rot-Weiß Essen, der Traditionsverein aus dem Westen hatte nur knapp den Aufstieg verpasst, wechselte Innenverteidiger Alexander Hahn zur Viktoria. Die anderen Neuen sind Stürmer Pasqual Verkamp (ehemals Carl Zeiss Jena), Lukas Pinckert, ein rechter Außenverteidiger von der Regionalliga Mannschaft des HSV und aus Hoffenheim wurde Linksverteidiger Deji Beyreuther verpflichtet.

Am Ende der Spielzeit muss gelingen, mindestens vier Vereine hinter sich zu lassen. Es gibt nur drei Akteure im Kader, die über Erfahrungen in der 3. Liga verfügen. Neben dem Kapitän Christoph Menz, sind das die Mittelfeldspieler Björn Jopek und Christopher Theisen. Auch der Trainer, mit dem die Mission begonnen wird, ist ein Neuling.

Benedetto Muzzicato, der Deutsch-Italiener steht vor einer großen Herausforderung. Parallel zu seinem Job muss er den Lehrgang zum Fußball-Lehrer absolvieren. Mit seiner Trainer A-Lizenz darf er in dieser Funktion nur in der Aufstiegssaison tätig werden.

Eine Frage ist noch offen. Kann die Premiere im Jahnsportpark stattfinden oder nicht? Es liegt eine Betriebsgenehmigung vor, allerdings hat der Spielausschuss des DFB als Veranstalter sein endgültiges okay nicht erteilt.

Pressefoto: FC Viktoria Berlin 1889/Vera Krings

Hans-Peter Becker