Viktoria Berlin vor dem Saisonstart

Nach dem 1. FC Union versucht sich mit dem „Altmeister“, dem FC Viktoria 1889 der zweite Berliner Verein in der dritthöchsten Spielklasse. Das Vereinswappen auf dem Wettkampf-Trikot wird von einem Meisterschaftsstern geziert. Es erinnert an die beiden Meistertitel, errungen in den Jahren 1908 und 1911. Der Verein hieß damals noch Turn und Fußballverein Viktoria 89.

2013 fusionierten der Lichterfelder FC und Victoria, dabei wurde die himmelblaue Vereinsfarbe übernommen, ergänzt durch einen roten Strich, der Farbe des ehemaligen LFC. Das Stadion in Lichterfelde wurde oder blieb die neue Heimstätte. Der bis 2013 existierende BFC Viktoria 1989 hatte zuletzt seine Heimstätte im Friedrich-Ebert Stadion in Tempelhof.

Die Stadionfrage spielte und spielt vor Saisonbeginn eine große Rolle. Nach dem Aufstieg stand Viktoria zunächst ohne ein Drittliga-Stadion da. Gespielt werden soll im Jahnsportpark im Prenzlauer Berg. Eigentlich sollten dort wegen Umbaumaßnahmen zunächst keine Sportveranstaltungen mehr stattfinden. Der Senat von Berlin hatte im Juni dieses Jahres eine vorübergehende Nutzung erlaubt. Wie auf der Pressekonferenz am 13. Juli zu erfahren war, für 2 Jahre. Die Umbaumaßnahmen werden frühestens 2023 weitergehen.

Gesperrt bleiben Teile der Haupttribüne. Für Umkleide- und Arbeitsräume mussten Container aufgestellt werden. Die Kosten dafür übernahm der Investor. Auf der Pressekonferenz sprach Zeljko Karajica von einer „mehr als fünfstelligen Summe“. So schnell wie möglich muss im Jahnsportpark zudem wieder eine Flutlichtanlage errichtet werden. Sonst ist die Spielgenehmigung seitens des DFB gefährdet. Viktorias Geschäftsführer Peer Jaekel sprach von einer Standleitung zum DFB bezüglich dieser Frage. Es verschiedene Optionen geprüft. Es könnte sogar die nicht mehr benötigte Flutlichtanlage des Stadions in Jena werden.

Einst musste ja auch der 1. FC Union während seiner Saison in der 3. Liga in den Jahnsportpark ausweichen. Die Heimstätte in Köpenick wurde umgebaut. Unions Saison endete damals mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Es wäre ein Wunder, sollte Viktoria gleiches gelingen. Der Klassenerhalt und eine stabile Saison zu spielen, liegt wohl eher im Bereich der Möglichkeiten. Mit dem FC Kaiserslautern (44 Jahre), MSV Duisburg (28), Eintracht Braunschweig (21), TSV 1860 München (20), Waldhof Mannheim (7) und 1. FC Saarbrücken (5) gehen sechs ehemaligen Bundesligisten an den Start, die über mehr Potenzial verfügen.

Nach der durch Corona verkürzten Saison in der Regionalliga Nord-Ost, lediglich 11 Spiele mussten die Himmelblauen absolvieren, verließen sieben Spieler den Verein und sechs Neue kamen. Vom 1. FC Köln wurde der Nachwuchstorwart Julian Krahl geholt und vom einstigen Ligarivalen VSG Altglienicke kam der offensive Mittelfeldspieler Tolcay Cigerci, der Bruder des Ex-Herthaners Tolga Cigerci. Von Rot-Weiß Essen, der Traditionsverein aus dem Westen hatte nur knapp den Aufstieg verpasst, wechselte Innenverteidiger Alexander Hahn zur Viktoria. Die anderen Neuen sind Stürmer Pasqual Verkamp (ehemals Carl Zeiss Jena), Lukas Pinckert, ein rechter Außenverteidiger von der Regionalliga Mannschaft des HSV und aus Hoffenheim wurde Linksverteidiger Deji Beyreuther verpflichtet.

Am Ende der Spielzeit muss gelingen, mindestens vier Vereine hinter sich zu lassen. Es gibt nur drei Akteure im Kader, die über Erfahrungen in der 3. Liga verfügen. Neben dem Kapitän Christoph Menz, sind das die Mittelfeldspieler Björn Jopek und Christopher Theisen. Auch der Trainer, mit dem die Mission begonnen wird, ist ein Neuling.

Benedetto Muzzicato, der Deutsch-Italiener steht vor einer großen Herausforderung. Parallel zu seinem Job muss er den Lehrgang zum Fußball-Lehrer absolvieren. Mit seiner Trainer A-Lizenz darf er in dieser Funktion nur in der Aufstiegssaison tätig werden.

Eine Frage ist noch offen. Kann die Premiere im Jahnsportpark stattfinden oder nicht? Es liegt eine Betriebsgenehmigung vor, allerdings hat der Spielausschuss des DFB als Veranstalter sein endgültiges okay nicht erteilt.

Pressefoto: FC Viktoria Berlin 1889/Vera Krings

Hans-Peter Becker

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