Am 28. August 2021 ist es so weit – im Palais am Funkturm. Der amtierende Präsident Bernd Schultz möchte gern wiedergewählt werden. Zum ersten Mal kandidiert eine Frau gegen den Amtsinhaber. Es ist keine geringere als die bekannte Fernsehmoderatorin Gaby Papenburg.
Ihr Wahlprogramm klingt radikal schon in den ersten Sätzen.
„Der Berliner Fußball-Verband braucht einen Neustart, 17 Jahre Verwaltung, Sprachlosigkeit und intransparente Führung sind genug. Die 170.000 Mitglieder haben einen modernen, effizienten und demokratischen Verband verdient, der sich in erster Linie als Dienstleister für seine Mitglieder versteht, ihre Wünsche und Bedürfnisse kennt, nachhaltige Entscheidungen trifft und zügig umsetzt.“
Sie fordert Ideen und Lösungen für eine zeitgemäße Verbandsarbeit. Was auffällt, dass die Probleme, die auch durch die Corona-Pandemie verursacht worden sind, im Programm des Teams Papenburg keine Rolle zu spielen scheinen. Es wird in dem Text nicht einmal explizit erwähnt.
Das Wahlprogramm des amtierenden Präsidenten eröffnet dagegen mit dem Satz: „Wir spielen wieder. Der Ball rollt. Mit den ggf. erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen, aber ohne Einschränkungen des Spielbetriebs.“
Elf Punkte nennt sein Programm zur Stärkung und Entwicklung der Berliner Fußballvereine. So werden „Organisatorische Überlegungen zum Spielbetrieb (Staffelgrößen, neue Formen wie
Play-Off oder Play-Down Spielrunden, neue Spielformen ohne Staffeln und
Punktwertung, Einführung von Walking Football, Einführung eines gemischten
Spielbetriebes)“ genannt.
„Ein wichtiger Punkt ist, für mehr Gendergerechtigkeit im Berliner Fußball und in der Gesellschaft zu sorgen. Anlässlich des Verbandstages soll für alle Gremien eine Quote von jeweils 30 % Frauen und Männer festgelegt werden.“ Dieser Satz findet sich im Programm des Teams Schultz und selbst nach mehrmaligen lesen bleibt er unverständlich.
In Ihren personellen Vorschlägen für das Präsidium benennen beide Teams jeweils zwei Frauen.
Ob Bernd Schultz die Vorstandsquerelen der letzten Monate bei der Wahl schaden werden, sei dahingestellt. Er gilt als ein Kämpfertyp und hält mit seinem Wahlprogramm, dargelegt in 10 Punkten dagegen. Da steckt Erfahrung drin und Wünsche an die Politik sind benannt.
Der Verbandstag wurde für den 28. August 2021 terminiert. Zweifellos hat Bernd Schultz sich um den Berliner Fußball verdient gemacht. Es ist aber auch Kritik laut geworden. Die Stimmen wurden lauter, die sich künftig eine Frau an der Spitze des größten Berliner Sportverbandes vorstellen können. Der ewige Bernd Schultz, seit 2004 im Amt, länger als Angela Merkel und sein Vorgänger Otto Höhne, könnte nach nun mehr 17 Jahren abgewählt werden.
Christian Zschiedrich
