FC Viktoria 1889 – Saison im Rückspiegel

Leider hat es der FC Viktoria nicht geschafft, die Klasse zu halten. Der Aufstieg kam ein bisschen wie aus dem Nichts. Bedingt durch die Pandemie konnten in der Regionalliga Nordost während der Spielzeit 2020/21 lediglich 13 von geplant 38 Spieltagen ausgetragen werden. Mit lediglich 11 absolvierten Spielen, die alle gewonnen wurden, konnten die Himmelblauen direkt aufsteigen, dank einer Quotientenregel und dem Rotationsprinzip, das 2021 den direkten Aufstieg für den Meister der Nordost-Staffel vorsah. Nach erfolgreicher Suche einer geeigneten Spielstätte, konnte es am 25.Juli 2021 losgehen. Vor 1.112 zahlenden Zuschauern wurde im Jahnsportpark das Premierenspiel gegen den Namensvetter aus Köln mit 2:1 gewonnen. Den ersten Drittliga-Treffer erzielte Yannis Becker nach 37. Minuten zum zwischenzeitlichen 1:1.

Marco Antwerpen, damals Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach der 0:4 Niederlage

Zum Auftakt, Berlin war vor Viktoria bisher nur mit dem 1. FC Union in dieser Liga vertreten, hatten sich, neben den im Tagesgeschäft tätigen Sportjournalisten, auch einige Edelfedern der Zunft akkreditieren lassen. Gesichtet wurden die Experten für die Fankultur, Anne Hahn und Frank Willman. Ein weiterer Augenzeuge des Spiels war Christoph Biermann. Ausreichend Stoff für ein Buch hat er wohl nicht gefunden. Es reichte nur für einen Artikel des Chefreporters der 11 Freunde. Der Fußballverein aus dem Berliner Süden ist feuilletonistisch schwerer zu greifen und hat zudem den Ruf, ein sogenannter Investoren-Verein zu sein. Biermann fasste das unter der Überschrift „Start up mit Tradition“ zusammen. Was den 11 Freunden sonst noch im Saisonverlauf berichtenswert erschien, stammte von anderen Autoren. Trotz der langen Geschichte des Vereins, so ziert das Logo einen Stern mit einer Zwei, lang ist es her, gemeint sind die Meistertitel von 1908 und 1911, existierte der Verein in der Fußballneuzeit weit unter dem überlokalen Wahrnehmungsradar.

Nach der ersten Saisonniederlage, 0:1 gegen Halle, verabschieden sich beide Trainer.

Ein Aufstieg in die 3. Liga ist mit Auflagen an die Spielstätte verbunden. Ein fernsehtaugliches Flutlicht und eine Rasenheizung sind vorgeschrieben. Das zur umfassenden Rekonstruktion vorgesehene Jahnstadion musste wieder in Betrieb genommen werden. Für das Flutlicht sorgte der Investor. Am 4. Spieltag war die Premiere, im künstlichen Licht musste Viktoria die erste Saisonniederlage gegen Halle hinnehmen. Ein Treffer von Terrence Boyd entschied das Spiel und Benedetto Muzzicato musste erstmals eine Niederlage erklären. Die Saison war zu diesem Zeitpunkt noch lang und die darauf folgende englische Woche brachte mit dem Auswärtspunkt in Zwickau und mit dem folgenden Heimsieg gegen den SV Waldhof vier weitere Punkte auf das Konto.

Fans des 1. FC Kaiserslautern

Am 30.Oktober ist Viktoria weiter voll im Plan, Borussia Dortmund II wird knapp, Dank eines späten Treffers von Lucas Falcao, mit 2:1 besiegt. In der Tabelle sind die Himmelblauen mit 21 Punkten auf Platz 3 zu finden. Bis zum Abschluss der Hinrunde wird allerdings nur ein einziger Punkt dazugekommen sein. Dieser Punkt, ein 0:0 am 18.Spieltag gegen Türkgücü München, wurde zum Muster ohne Wert. Durch die Insolvenz der Bayern wurden ihre Spiele aus der Wertung genommen. Ihr Fußballjahr 2021 beschließen sie mit einem 4:1 Auswärtssieg bei den rechtsrheinischen Kölnern im Sportpark Höhenberg. Es ist der Beginn der Rückrunde und der Aufsteiger kann mit 25 Punkten Weihnachten feiern.

Pressekonferenz

Eigentlich sollte das neue Fußballjahr 2022 für Viktoria am 15. Januar mit dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig beginnen. Corona machte die Planungen zu Makulatur. Das Virus hatte auch die Viktoria fest im Griff. Die Mannschaft tritt personell arg gebeutelt am 22. Januar auf dem Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern an. Das Hinspiel hatten sie sensationell mit 4:0 gewonnen, im Rückspiel waren sie chancenlos und verloren mit 0:2.

In der Winterpause verließ der Torjäger Tolcay Ciğerci den Verein in Richtung Türkei. Die sportliche Führung reagierte, nicht nur auf den Weggang des Torjägers (14 Spiele/7 Tore), auch auf die Erfolglosigkeit. Vier neue Spieler werden verpflichtet, Martin Gambos für das zentrale Mittelfeld, Cebrail Makreckis für die rechte offensive Seite, Stürmer Franck Evina, Bryang William Kayo für das offensive Mittelfeld und Brooklyn Kevin Ezeh als Allrounder für die linke Seite.

Neues Flutlicht

Das erste Heimspiel im Jahre 2022 konnte erst 13.Februar ausgetragen werden. Viktoria empfing den SC Verl. Ein kampfbetontes Spiel, dass nur 589 Zuschauer sehen wollten, endete 1:1. Spieler des Tages wurde Viktorias Torhüter Julian Krahl. Er hielt in der Nachspielzeit einen Elfer. Seit der 68. Minute waren die Himmelblauen dezimiert. Gambos sah innerhalb von drei Minuten zwei Mal Gelb.

Nur drei Tage später stand das Nachholspiel gegen Eintracht Braunschweig an. Trainingsrückstand, keine richtige Vorbereitung und eine lange Verletztenliste, Viktoria bekam eine Klatsche verpasst. Das 0:6 war zugleich die höchste Niederlage während der gesamten Spielzeit. Braunschweig nahm Revanche, für die in der Hinrunde erlitten Niederlage. Das 4:0 in Braunschweig war höchste Sieg der Viktoria. Das darauffolgende Spiel bei Wehen-Wiesbaden ging verloren. Jetzt schwebte das Abstiegsgespenst über dem Verein. Das Spiel in der Hessischen Landeshauptstadt war das Letzte von Trainer Muzzicato. Die Trennung erfolgte im beiderseitigen Einvernehmen. Mehr und mehr zeichnete sich ab, dass Viktoria ein harter Abstiegskampf bevor stehen wird, zunehmende sportliche Erfolglosigkeit und die anstehende Qualifikation Muzzicatos zum Fußballlehrer führten zu dem Entschluss.

Für das Heimspiel gegen Freiburg II übernahm Co.Trainer David Pietrzyk die Verantwortung. Der Nachwuchs des Bundesligisten war effektiver und Viktoria verlor mit 0:2. Das nächste Spiel in Havelse wurde bereits mit einem neuen Trainer bestritten. Der Einstand von Farak Toku verlief durchwachsen, es reichte nur für einen Punkt beim Mitaufsteiger und Schlusslicht im Montagabendspiel in Hannover. In HDI-Arena, wo eigentlich Hannover 96 zu Hause ist, hatten lediglich 443 Zahlende Interesse an der Partie.

Farat Toku

Die Heimpremiere verlief für den neuen Trainer noch ernüchternder, gegen 1860 München wurde mit 0:2 verloren. Das Flutlichtspiel am Freitagabend, des 11.März lockte immerhin 3.398 Zuschauern in den Jahnsportpark. Ein bisschen Psychologie, die Mannschaftsbänke wurden getauscht und Toku verordnete seiner Mannschaft ein 4-4-2 System. Wann gibt mal wieder einen Dreier? Beim Zweitliga-Absteiger in Osnabrück war nicht zu holen und es kam das Heimspiel gegen den Spitzenreiter und späteren Meister 1. FC Magdeburg, alte Tradition gegen noch ältere. Ausgerechnet gegen die Truppe von Trainer Christian Titz gelang mal wieder ein Sieg. Den Erfolg brachte eine ausgeklügelte Defensivtaktik (5-2-2-1) Ein Tor aus dem Nichts von Jakob Lewald uns ein Treffer von Soufian Benyamina gleich nach der Halbzeitpause, Magdeburg brachte lediglich den Anschlusstreffer zustande. Die fast 3 Tausend Schlachtenbummler aus Sachsen-Anhalt fuhren enttäuscht nach Hause und Viktoria durfte wieder hoffen. Nach 31 Spielen hatte Viktoria 31 Punkte gesammelt.

Der Trainerwechsel schien endlich zu wirken. Der Sieg gegen Magdeburg konnte einen Spieltag später veredelt werden. Im Signal-Iduna Park wurde die 2. Mannschaft der Dortmunder Borussia mit 1:0 geschlagen. Das Siegtor erzielte erneut Benyamina. Gelingt jetzt mit einer kleinen Siegesserie der Klassenerhalt? Leider kam das Stoppschild im Abstiegsduell, Heimspiel am 34. Spieltag gegen den MSV Duisburg. Keeper Leo Weinkauf erwischte einen Sahne-Tag und spielte zu null, schlussendlich verloren sie mit 0:1. Die von Toku verordnete Defensivtaktik, die gegen Magdeburg so gut funktioniert hatte, ging nicht auf.

Ein richtiger Tiefschlag folgte in Würzburg, bei den so gut wie abgestiegenen Kickers wurde mit 0:3 verloren. Das war die berüchtigte, eine Niederlage zu viel. Es waren nur noch 2 Spiele zu absolvieren und der Blick auf die Tabelle machte nicht gerade Mut. Mit nur einem Punkt Vorsprung standen sie zwar über dem Strich, doch Verl blieb die Chance auf 9 Punkte, während für Viktoria nur 6 Punkte im Bereich des Möglichen lagen.

Arbeitsplatz

Das vorletzte Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken musste unbedingt gewonnen werden, der Freitagabend, allein das Flutlicht sorgte für ein dramatisches Fluidum und der Siegtreffer fiel in der Nachspielzeit. Der Glückliche für die Himmelblauen war Kimmo Hovi. Der SC Verl siegte einen Tag später in seinem Ausweichstadion, der Benteler-Arena in Paderborn mit 3:0 gegen den SV Wehen-Wiesbaden. Bis auf einen einzigen Punktwaren die Verler jetzt den Himmelblauen auf die Pelle gerückt und hatten zudem eine um 7 Treffer bessere Tordifferenz.

Am vorletzten Spieltag hatten die Viktorianer spielfrei. Eigentlich war anlässlich des letzten Auswärtsspieles der Saison eine Fahrt mit allen Vereinsmitarbeitern, als Dankeschön-Geste nach München geplant. So traf man sich auf dem Vereinsgelände am Wildspitzweg in Berlin-Mariendorf zum Grillen und gemeinsamen Schauen der Partie Dortmund II gegen den SC Verl. Lange sah es gut aus, Dortmund ging in Führung und sah wie der sichere Sieger aus. Verl drehte das Spiel, beim Stand von 2:1, erhielten die Dortmunder einen Hand 11-Meter, in der sechsten Minute der Nachspielzeit, zugesprochen. Schicksal spielte der Dortmunder Kapitän Franz Pfanne, sein Strafstoß wurde gehalten. Oh Nein, in der Tabelle vor dem letzten Spieltag zog der SC Verl mit 2 Punkten Vorsprung vorbei.

Am letzten Spieltag durften die Verler nicht gewinnen und die Viktoria war zum siegen verdammt. Es gelang nicht, die zwei Punkte aufzuholen, Verl lag bei Halbzeit zurück und im Jahnsportpark stand es bei der Pausenmusik 0:0. Das war zu wenig. Verl holte sich den einen notwendigen Punkt und Viktoria verabschiedete sich mit einem Torfestival aus der 3. Liga. Das vorläufig letzte Drittligaspiel endete, unter der Leitung von Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich, mit einer 3:4 Niederlage. Gegner war der SV Meppen. Das letzte Tor der Spielzeit für Viktoria erzielte Abwehrecke Tobias Gunte. Es war das 3:3, was nur eine knappe Minute Bestand hatte. Hätte er sich während der Saison nicht verletzt, fehlte im Januar und Februar, wären es mehr als 24 Einsätzen geworden. Er stammt aus dem Nachwuchs des Vereins, seit 2006 ist er ein Himmelblauer. Diesen Treffer, sein vierter in der Saison, hat ihm jeder gegönnt. Leider war er ohne Auswirkung auf das Ergebnis. Dass nach dem Abpfiff die Enttäuschung groß, einige Tränen vergossen wurden, war verständlich.

Das teilweise gesperrte Tribünen-Gebäude des Jahnsportparks.

Zur Abschiedsvorstellung hatten sich noch einmal 2.403 Zuschauer, darunter einige Hundert aus dem Emsland, eingefunden. Ein kleines Trostpflaster folgte eine Woche später, Viktoria holte sich den Berliner Pokal, in einer dramatischen Schlussphase wurde die VSG Altglienicke mit 2:1 bezwungen. In der abschließenden Pressekonferenz gab Trainer Toku bekannt, dass er in Berlin nicht weitermachen wird. Sein Vertrag galt nur für die 3. Liga.

In der Rückschau bleibt hier festzustellen, der Klassenerhalt war möglich. Zu Beginn des Jahres hatte leider Corona seine unheilvolle Hand mit im Spiel. So wurden in der Rückrunde lediglich 15 Punkte geholt, das war der zweitschlechteste Wert der Liga. Es sollte ebenso nicht vergessen werden, dass nur die wenigsten Akteure über Erfahrung in einer Profiliga verfügten. Bei der Erklärung von Niederlagen sprach der abgelöste Trainer Muzzicato davon, „dass nicht vergessen werden sollte, wo man herkommt.“ Der Sprung von der Regionalliga zur 3. Liga ist ein größerer, als von der 3. in die 2. Liga. In der Regionalliga reicht es gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte auch mit etwas weniger Einsatz für die nötigen Punkte. Es ist nicht so ausgeglichen, wie in den Profiligen.

Der Investor bleibt an Bord, wertvolle Erfahrungen konnten gesammelt werden und wenn am Schluss das Ziel auch nicht erreicht wurde, Viktoria will zurückkommen.

In der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals spielt Viktoria gegen den Bundesligisten VfL Bochum.

Hans-Peter Becker

Freiburg gewinnt auch in Berlin

Die Gäste aus Freiburg hatten eine Anreise von etwa 800 km, das entspricht der Entfernung von Berlin nach Lwiw und dort ist Krieg. Darauf wies Stadionsprecher Ingo Müller in seiner Ansprache vor der Drittliga-Begegnung im Jahnsportpark hin. Es ist nicht so einfach, angesichts der Nachrichten aus der Ukraine zur Tagesordnung, zur Berichterstattung über ein Fußballspiel überzugehen.

Für das Spiel hatten sich die Himmelblauen einiges vorgenommen. Punkte sammeln, wo es nur geht, der Blick auf die Rückrundentabelle zeichnet ein düsteres Bild. Lediglich vier Punkte wurden in sieben Spielen geholt. Mit diesem Punkteschnitt steigt man ab. Im Stadion war auch der entlassene Trainer Benedetto Muzzicato und der sah zunächst einen engagierten Auftritt seiner ehemaligen Mannschaft. An der Seitenlinie stand als Interimscoach sein bisheriger Co-Trainer David Pietrzyk. Er übernahm die taktische Grundaufstellung von Muzzicato und setzte auf Offensive. In seiner Startformation standen alle drei Winterneuzugänge.

Es schien, als könnten sie den Negativlauf brechen. Mit zunehmender Spieldauer schien der Führungstreffer für Viktoria nur eine Frage der Zeit zu sein. In der 30. Minute hätte er fallen müssen. Leider verfehlte der aufrückte Brooklyn Ezeh das leere Tor. Darauf er folgte ein Angriff, wo turbulent wurde im Freiburger Strafraum. Enes Küc dribbelte und Freiburgs Robert Wagner stellt sich zum Zweikampf, geht zu Boden und berührt dabei den Ball mit der Hand. Es gab hier keinen Strafstoß, den gab es allerdings im Gegenzug. Wieder war Wagner daran beteiligt, er wurde von Jakob Lewald zu Fall gebracht. Denn fälligen Foulelfer verwandelt Vincent Vermeij sicher. Julian Krahl, ja als Elfertöter bekannt, ahnt zwar richtige die Ecke, doch der Schuss ist gut platziert. Das war so richtig dumm gelaufen, der Gegentreffer fiel in einer Phase, als die Viktoria die Begegnung so richtig in den Griff zu bekommen schien und sich Hoffnung auf Punkte machen konnte.

In der zweiten Hälfte verflachte das Spiel, die Chancen wurden weniger, die Räume enger und die Fehlpässe nahmen zu. In der 56. Minute versenkte zu allem Überfluss Vermeji einen Eckball per Kopf im Gehäuse von Viktoria. Das war ein Wirkungstreffer. Am Ende gewinnen die Gäste aus dem Freiburger Nachwuchs mit 2:0. Tags zuvor hatten ihre Profi-Kollegen aus der Bundesliga Hertha BSC mit 3:0 versenkt und somit die Abstiegssorgen der Berliner in der jeweiligen Liga weiter vergrößert.

Hans-Peter Becker

Fußball 3. Liga 28. Spieltag

27.02.2022 13:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

FC Viktoria 1889 Berlin – SC Freiburg U23 0:2(1:0)

Mannschaftsaufstellung Viktoria

Krahl – Kapp – Lewald – Pinckert (75. Hahn) – Makreckis (82. Yamada) – Jopek – Gambos – Ezeh – Küc (68. Hovi) – Falcao (68. Verkamp) – Ogbaidze (68. Seiffert)

Viktoria entlässt seinen Trainer

Die Niederlage am 27. Spieltag beim SV Wehen-Wiesbaden war den Verantwortlichen des FC Viktoria dann wohl eine zu viel. Nach dem vorangegangenen 0:6 Debakel zuvor im Nachholspiel gegen Eintracht Braunschweig, übrigens vor den Augen von Investor Zeljko Karajica, waren sie erneut chancenlos. Wie viel Schuld daran dem Trainer angelastet werden kann, sei dahingestellt. Die äußeren Umstände spielten Benedetto Muzzicato und seiner Mannschaft nicht unbedingt in die Karten. Die Vorbereitung auf die Fortsetzung der Saison nach der kurzen Weihnachtspause wurde empfindlich gestört, wichtige Akteure fielen entweder verletzungsbedingt oder durch Quarantäne aus.

„In der aktuellen Situation möchte ich den Weg frei machen für jemanden, der einen neuen Drive und neue Anreize in das Team bringen kann. Ich wünsche der Mannschaft und dem Verein nur das Beste und hoffe, dass am Ende der Klassenerhalt steht. Den hätten sich die Jungs wirklich verdient. Sie und alle im Team um die Mannschaft herum leisten großartige Arbeit.“: so wird der Trainer in der Pressemitteilung zitiert.

Dass die zuletzt gezeigten Leistungen ein Krisengespräch notwendig machten, war klar, es schien ergebnisoffen. Sonst wäre wohl wenig später ein Nachfolger präsentiert worden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, schnellstmöglich einen Nachfolger zu präsentieren, der optimal zu uns passt. Bestenfalls soll der neue Trainer noch in der kommenden Woche übernehmen. Wir nehmen uns bei der Entscheidungsfindung aber die notwendige Zeit“, so Peer Jaekel zur Nachfolger-Suche bei den Himmelblauen. Bis auf Weiteres übernimmt das Trainerteam um David Pietrzyk und Roman Steinweg das Training.

Benedetto Muzzicato kann sich jetzt voll und ganz auf den für ihn am 28. Februar beginnenden Fußball-Lehrer Lehrgang konzentrieren. Am Tag vor dem Spiel in Wiesbaden wurde extra eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Nach zwei von Corona geplagten Spielzeiten in der Regionalliga Nordost führte Muzzicato die Himmelblauen in der vergangenen Saison als Neuling in die 3. Liga. Aktuell ist der Stand, nach 25 Spieltagen – zwei Nachholspiele stehen noch aus – stehen insgesamt 27 Punkte und Platz 16 zu Buche. In den kommenden 13 Spielen muss sich Viktoria Berlin dem Abstiegskampf stellen.

Der neue Trainer soll hier einen neuen Impuls setzen und den Abwärtstrend stoppen.

Hans-Peter Becker

Foto: ® Hans-Peter Becker

Viktoria auf verlorenem Posten

Das Nachholspiel vom 21. Spieltag zwischen Eintracht Braunschweig und der gastgebenden Viktoria war schnell entschieden. Nach nur 20 Minuten lagen die Himmelblauen bereits mit 0:3 hinten. Das war dann auch der Spielstand zur Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit legten die Braunschweiger drei weitere Treffer nach. Grund zur Freude hatten am Mittwochabend unter Flutlicht im Jahnsportpark lediglich etwa 500 mitgereisten Fans des Traditionsclubs aus Niedersachsen. Es langte mal wieder für eine vierstellige Zuschauerzahl. Der Stadionsprecher bedankte sich bei offiziell 1.486 Kartenkäufern für ihr kommen.

Viktoria’s Trainer Benedetto Muzzicato hatte eine böse Vorahnung, wie er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel ausführte. Die englische Woche kommt zur Unzeit. Bei den vorangegangenen Trainingseinheiten hatte der Trainer kein gutes Gefühl. „Die Energie wird weniger, gerade in einer englischen Woche. Das kannst du nicht kompensieren.“ Bedingt durch Corona konnte keine ordentliche Vorbereitung durchgezogenen werden und dazu kommen Verletzungen wichtiger Spieler.

Sie zehren noch von Ihrem guten Saisonstart in der dritten Liga mit 17 Punkten nach sieben Spieltagen. Bereits damals warnte Muzzicato, „es kann nur um den Klassenerhalt gehen, alles andere wäre nicht realistisch.“ Im aktuellen Kader der Himmelblauen stehen lediglich zwei Spieler, mit Björn Jopek und Christoph Menz, die man als gestandene Drittligaprofis bezeichnen kann, alle anderen kommen aus der Regionalliga. Der gute Saisonstart hatte Begehrlichkeiten geweckt. Jetzt ist brutaler Abstiegskampf angesagt. „Die Jungs müssen ihr Herz auf dem Platz lassen, dass es nicht immer reicht, war uns immer klar.“

Trotz alledem, es fehlen weiter Punkte für das angestrebte Saisonziel. Am kommenden Samstag, 19.02.2022 steht der gewiss nicht einfache Gang zum SV Wehen-Wiesbaden an.

Hans-Peter Becker

Fußball 3. Liga 21. Spieltag

16.02.2022 19:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

FC Viktoria 1889 Berlin – Eintracht Braunschweig 0:6 (0:3)

Mannschaftsaufstellung FC Viktoria 1889 Berlin

Krahl – Hahn – Kapp – Lewald – Ezeh (71. Sucsuz) – Jopek (71. Menz) – Ogbaidze (46. Cvjetinovic) – Pinckert – Küc (62. Makreckis) – Falcao (62. Evina) – Seiffert

Viktoria Berlin verpflichtet Mittelfeldspieler Martin Gambos

Kurz vor Ende der aktuellen Winter-Transferperiode verpflichtet Viktoria Berlin den slowakischen Mittelfeldspieler Martin Gambos. Der 24-Jährige kommt vom slowakischen Erstligisten Zlate Moravce und spielte darüber hinaus für die slowakischen U-Nationalmannschaften (U18-U21).

„Martin ist sehr talentiert, hat ein überragendes Positionsspiel und kann eine gute Balance in ein Spiel bringen. Er durfte in der Slowakei in der ersten Liga spielen und auch international schon Erfahrung sammeln. Ich bin davon überzeugt, dass Martin sehr gut in unser Profil passt und unsere Spielidee schnell verstehen wird. Er macht einen sehr smarten Eindruck. Ich freue mich, dass er unser Mittelfeld verstärken wird“, betont Chefcoach Benedetto Muzzicato.

Martin Gambos sagt über seinen neuen Verein: „Aufgrund meiner Vergangenheit bei 1860 München habe ich die 3. Liga immer mal wieder verfolgt. Dabei ist mir Viktoria Berlin als Neuling in der Liga auch positiv aufgefallen. Ich sehe den Klub als einen guten Verein, um mich weiterzuentwickeln. Ich freue mich sehr über diese Chance, wieder in Deutschland Fußball zu spielen. Bisher wurde ich großartig aufgenommen, jeder versucht mir meinen Start in der neuen Stadt zu erleichtern. Ich möchte in dieser Saison so viele Spiele wie möglich machen und der Mannschaft dabei helfen in der Tabelle möglichst weit oben zu stehen.“

Sportdirektor Rocco Teichmann sagt über den Neuzugang: „Martin Gambos war bereits seit einiger Zeit Thema bei uns. Mit Björn Jopek, Christoph Menz und mittlerweile auch Diren Günay hat Martin sicherlich auch Konkurrenz auf seiner Position, aber genau dort wollten wir im Winter noch einmal nachbessern und das ist uns mit seiner Verpflichtung gut gelungen.“

Gambos wurde in der Slowakei geboren, kam mit zwölf Jahren nach Deutschland, spielte bei Jahn Regensburg und viele Jahre beim aktuellen Drittligisten 1860 München. Für eine Leihe kehrte er in die Slowakei zurück, spielte dann noch eine Saison bei den Münchnern, ehe er die letzten vier Jahre in der Slowakei bei den Erstligisten MSK Zilina, Spartak Trnava, FK Senica und zuletzt Zlate Moravce unter Vertrag stand.

Unterdessen wird die Leihe von US-Amerikaner Bryang Kayo, der im Sommer vom VfL Wolfsburg zu den Himmelblauen kam, mit sofortiger Wirkung beendet. Er kehrte zunächst zu den Wölfen zurück und geht von dort auf Leihbasis zum Regionalligisten 1. FC Nürnberg II.
Auch die Leihe von Torhüter Elian Clasen zu Union Fürstenwalde wird beendet. Bis zum Saisonende kehrt er in seine Heimatstadt zurück und spielt per Leihgeschäft bei Altona 93 in der Regionalliga Nord.

Quelle: FC Viktoria 1889 Fußball

Fotocredit: Viktoria Berlin

Berliner Profi-Fußball im Überblick

Etwas mehr als die Hälfte der Saison ist absolviert und so richtig zufrieden sein kann nur der Bundesligist aus dem Stadtteil Köpenick. „Alles bestens!“, kann man ihnen nur zurufen. Mal wieder das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten herausgeholt oder Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Der Sieg in Gladbach setzte dem Ganzen die Krone auf. Gladbach kämpfte glücklos und die Eisernen hatte das bessere Ende für sich. Jetzt stehen sie nach 20 Spieltagen auf einem Platz, der die Teilnahme an Champions League bedeuten würde. Eigentlich nicht zu fassen, da kann der Lokalrivale aus dem Westend nur kopfschüttelnd daneben stehen.

Hertha BSC ist eine einzige große Baustelle. In allen Mannschaftsteilen wirkten sie gegen die Bayern überfordert. Der Stadionsprecher begrüßt die Zuschauer nach wie vor mit „und hier kommt Berlins Nummer 1…“ und der Investor, wahrscheinlich nur er, denkt in ganz großen Dimensionen. Erstmal muss gründlich entkernt werden, dann mal schauen, wie tragfähig der Rohbau noch ist. Fredi Bobic ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Corona tat das übrige, zu Jahresbeginn mussten gleich 6 Profis gleichzeitig in Quarantäne. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet und Bobic räumt den Kader auf. Letzter Neuzugang ist Stuttgarts Ex-Kapitän, Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf. Er wird dringend benötigt, Hertha verfügt, nach Anzahl der Gegentore, über die zweitschlechteste Defensive. Es hakt allerdings in allen Mannschaftsteilen.

Die Bundesliga macht Pause, Union testet gegen Lodz und vermeldet mit Kevin Möhwald einen aktuellen Corona-Fall. Hertha hat bisher keinen Test geplant und trainiert fleißig für die kommenden Wochen der Wahrheit. Die nächsten Gegner heißen VfL Bochum und Greuther Fürth, worauf es da ankommt, muss wohl nicht weiter erörtert werden.

Nicht pausiert wird in Liga 3, es steht sogar eine englische Woche an. Viktoria hat am Dienstag, 25. Januar trotzdem nicht gespielt, der Grund, sie ahnen es, weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. In der Pressemitteilung liest sich das folgendermaßen:

Aufgrund von behördlich angeordneter Kontaktpersonen-Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt in Berlin wird das Drittliga-Spiel zwischen dem Halleschen FC und Viktoria Berlin auf Grundlage von §15 der Durchführungsbestimmungen zur DFB-Spielordnung abgesetzt.

Bei den Himmelblauen traten im Rahmen des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag drei weitere Corona-Fälle auf. Darüber hinaus befinden sich zwei weitere Personen aus dem Mannschaftsgefüge mit Grippesymptomen in häuslicher Isolation.

Der neue Spieltermin wird nach Rücksprache mit dem Halleschen FC und Viktoria Berlin schnellstmöglich bekannt gegeben.

Die Absage des Spiels erfolgte erst 3 Stunden vor dem Anpfiff. Mal sehen, wie es weitergeht, am Samstag, 29. Januar steht das Heimspiel gegen den FSV Zwickau an. Viktoria hat den Kader nachgebessert und muss aufpassen, jetzt nicht weiter nach unten durchgereicht zu werden. Die Neuzugänge bzw. Leihspieler könnten sofort weiterhelfen. Für den Klassenerhalt sollten es mindestens 42 Punkte oder mehr sein. Nach 21 von 38 Spielen kann der Aufsteiger und absolute Liganeuling auf 26 Punkte verweisen. So 6 bis 7 Siege und dazu das eine oder andere Unentschieden und die Sache wäre geritzt. Ein bisschen Sorge bereitet die geringe Zuschauerresonanz. Im Jahnsportpark ist der Verein weiter weg von seiner eigentlichen Heimat im Süden Berlins, andere Dinge konnten unter Dach und Fach gebracht werden. In Kaiserslautern liefen die Himmelblauen erstmals mit einem Trikotsponsor auf der Brust auf. Das Spiel im Fritz-Walter-Stadion war für Viktoria ernüchternd. Fehlende Vorbereitung und Fitness machten sich bemerkbar, die Niederlage war diesmal nicht zu verhindern. Das Hinspiel im Jahnsportpark hatten die Muzzicato-Schützlinge überraschend klar gewonnen.

Hans-Peter Becker

Cebrail Makreckis wechselt von Borussia Dortmund II zu Viktoria Berlin

Die Himmelblauen verpflichten in der Winter-Transferperiode mit Cebrail Makreckis einen weiteren Spieler. Der Mittelfeldspieler kommt von der U23 von Borussia Dortmund zu den Himmelblauen. 

„Ich freue mich sehr auf meine neue Herausforderung bei Viktoria Berlin und darüber, weiterhin in der 3. Liga an den Start zu gehen. Jeder im Klub macht einen sehr engagierten Eindruck. Hier passiert viel im Hintergrund und auch die Mannschaft ist hoch motiviert. Ich möchte in der restlichen Saison nun dabei helfen, dass wir möglichst weit oben mitspielen, will viele Scorerpunkte sammeln und meinen Beitrag dazu leisten, dass wir die Saison erfolgreich abschließen“, sagt Cebrail Makreckis über seinen Wechsel zu Viktoria Berlin.

„Cebo ist jung, hat eine gute Ausbildung genossen und verfügt über Drittliga-Erfahrung aus der Hinserie. Bei Borussia Dortmund hat er auf einem sehr guten Level trainiert“, sagt Chefcoach Benedetto Muzzicato über den Mittelfeldspieler und erklärt: „Für uns ist Cebo ein sehr flexibler Spieler, den ich gerne im zentralen Mittelfeld sehen möchte, auch wenn er bei Dortmund aufgrund seiner Dynamik und Schnelligkeit auf den Außenbahnen eingesetzt wurde. Ich mag es aber auch, dynamische Spieler in der Mitte zu haben und Cebo hat bewiesen, dass er technisch gut ist, in Drucksituationen effektiv Lösungen finden kann und einen guten Abschluss hat. Er wird uns sicherlich bereichern, wenn es uns gelingt, sein Potenzial auszuschöpfen.“

„Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit den Verantwortlichen von Borussia Dortmund II diese Einigung finden konnten. Cebo ist ein Spieler, der aufgrund seiner Mentalität einen hohen Mehrwert in unser Team bringt. Wenn man bedenkt, dass er in seinen Kurzeinsätzen ein Tor und einen Assist gemacht hat, ist das schon einmal ordentlich. Wir wissen aber auch, dass noch mehr in ihm steckt“, sagt Sportdirektor Rocco Teichmann.

Cebrail Makreckis wurde in der Jugend bei Bayer Leverkusen ausgebildet. Nach einer Leih-Saison bei Bergisch Gladbach 09 spielte er noch eine Saison in der U19 von Bayer Leverkusen, ehe er im Juli 2020 zum Bonner SC wechselte. Vom Bonner SC ging es für Makreckis dann zur U23 von Borussia Dortmund, wo er in der Hinrunde der Saison 2021/22 auf 15 Einsätze kam.

Quelle: FC Viktoria Berlin/Vera Krings

Fotocredit:© Viktoria Berlin

Von Königsblau zu Himmelblau – Brooklyn Ezeh wechselt zur Viktoria

Berlins Drittligist hat auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Bisher konnten lediglich Abgänge vermeldet werden.

Der 20-jährige Brooklyn Ezeh wechselt vom Regionalligisten Schalke 04 II zu Viktoria Berlin. Bei den Himmelblauen soll der linke Verteidiger die Mannschaft des Drittligisten auf seiner Position verstärken. Am Montag, dem 17. Januar 2022 startete Brooklyn Ezeh bereits mit den Himmelblauen ins Training.

„Ich habe mich für Viktoria Berlin entschieden, da es ein toller Verein ist, um sich weiterzuentwickeln. Ich habe den Eindruck, dass Viktoria Berlin ein Klub ist, der viele Ambitionen hat, auch wenn er noch nicht lange in der 3. Liga spielt. Man erkennt die Ambitionen, den Klub aufzubauen, erfolgreich zu sein und vielleicht auch einmal höher zu spielen. Ich möchte allen zeigen, was ich drauf habe, so viele Spiele wie möglich machen und mit der Mannschaft möglichst viele Erfolge einfahren“, sagt der Hamburger über seinen neuen Klub und seine Ziele bei Viktoria Berlin.

Für Cheftrainer Benedetto Muzzicato ist der Transfer von Brooklyn Ezeh ein Gewinn für alle Beteiligten: „Brooklyn stand bereits einmal bei mir im Fokus, hat sich damals aber für die Aussicht entschieden, bei den Profis von Schalke mitzutrainieren. Er ist ein sehr interessanter Junge mit einer starken Physis, viel Tempo und einem starken linken Fuß. Mit ihm gewinnen wir einen Spieler, der gefährliche Standards schlagen kann. In den Gesprächen konnte man spüren, dass er sich verbessern will, hungrig ist und dass er ein Spieler ist, den man eher bremsen als motivieren muss. Es gilt nun, ihm zeitnah unsere Spielidee näherzubringen, ihm aber auch Zeit zu geben, diese zu verinnerlichen. Ich freue mich, dass wir ihn sportlich inspirieren konnten und er sich für uns und den Schritt in die 3. Liga entschieden hat.“

„Brooklyn ist ein hochtalentierter Junge mit sehr viel Potential. Er bringt viel Energie mit und entspricht genau dem Profil, das wir gesucht haben, um auf seiner Position für uns Mehrwerte zu schaffen. Brooklyn soll auf der linken Seite einen gewissen Konkurrenzkampf aufleben lassen, der dazu dient, dass man sich in der Leistungsfähigkeit steigert“, sagt Sportdirektor Rocco Teichmann über den Neuzugang.

Der gebürtige Hamburger Brooklyn Ezeh wurde beim Hamburger SV ausgebildet. Er wechselte im Juli 2020 dann zu den Königsblauen. In der U23 von Schalke 04, die in der Regionalliga West spielt, kam Ezeh seitdem auf insgesamt 42 Einsätze.

Quelle: FFC Viktoria Berlin/Vera Krings

Pressefoto: © Viktoria Berlin

Ein Fleißpunkt für jeden – Unentschieden im Jahnsportpark

Es war Totensonntag in Berlin und das Wetter tat alles, um sich dessen würdig zu erweisen. Der Spielbeginn der Drittliga-Partie zwischen Viktoria und den Würzburger Kickers war für 13:00 Uhr angesetzt. Trotz der mittäglichen Stunde strahlten die Flutlichter. Der Absteiger aus Franken muss aufpassen, nicht in die Regionalliga durchgereicht zu werden. Der Saisonstart war ein Desaster. Der erste Saisonsieg gelang erst am 9. Spieltag, Sportdirektor und Trainer mussten gehen. Jetzt sind sie auch noch coronageschädigt.

So waren im Kader der Kickers einige Akteure, die erst drei Tage vor dem Spiel die häusliche Quarantäne beenden durften. Viktoria hatte zwar kein Problem mit der Pandemie, allerdings einige schmerzvolle Ausfälle zu verkraften. So waren Kapitän Christopher Menz und Innenverteidiger Patrick Kapp rot-gesperrt.

„Für uns stand die Frage, wie lange wird die Kraft reichen?“ Es reichte nicht ganz. In der ersten Halbzeit versuchten die Gäste hoch zu verteidigen und Viktoria bereits im Spielaufbau zu stören. In der 8. Minute ließ sich Yannis Becker den Ball abluchsen und war passiert. Die Gäste führten. Mirnes Pepic hatte mit einem genau gezirkelten Schuss in den Dreiangel Viktorias Schlussmann überwunden. Er bekam dafür sogar ein Kompliment von Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato . „Julian Krahl auf diese Art und Weise zu überwinden, das schafft nicht jeder.“

In der ersten Halbzeit sah es nicht gut aus für die himmelblauen Berliner. „In den ersten 25 Minuten wollten wir es erzwingen und haben nicht unseren Matchplan verfolgt, die Bälle zu früh verloren. Das war nicht gut.“ So kommentierte der Trainer das Geschehen.

Es wurde besser in der zweiten Halbzeit. Kurz nach Wiederbeginn hatte Falcao die Riesenchance zum Ausgleich. Viktoria übernahm das Kommando und drängte auf den Ausgleich. Auf der Bank saß wieder Torjäger Tolgay Cigerci. In der 71. Minute betrat er das Spielfeld für Falcao und in der 75. Minute verwandelte er einen Foulelfmeter und in der Nachspielzeit sogar die Möglichkeit für den Siegtreffer.

Die Gäste waren nach dem Schlusspfiff sichtlich erleichtert. Sie freuten sich mehr den errungenen Punkt. Seit Danny Schwarz in Würzburg das Zepter übernommen hat, haben die Kickers noch nicht verloren.

„Wir hatten viele Ballbesitzphasen, wollten nach vorne spielen. Das ist unsere Philosophie. Mich nervt, dass wir nicht gewonnen haben. Dennoch nehmen wir den Punkt dankend mit, weil wir wissen, wo wir herkommen.“ In diesen Worten des Viktoria-Trainers schwang etwas Enttäuschung mit.

Hans-Peter Becker

3. Liga 16. Spieltag

21.11.2021 13:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

FC Viktoria 89 Berlin – Würzburger Kickers 1:1 (0:1)

Berlin: Krahl – Gunte, Lewald, Hahn – Pinckert, Jopek, Becker, Beyreuther – Küc (84. Seiffert), Lucas Falcao (71. Cigerci), Ogbaidze (63. Verkamp).

Würzburg: Bonmann – Waidner, Schneider, Kraulich, Lungwitz – Meisel, Pepic, Atmaca (70. Adigo), Kopacz, Heinrich (82. Nikolov) – Pourié (76. Strohdiek).

Tore: 0:1 Pepic (8.), 1:1 Cigerci (75., Foulelfmeter).

Gelbe Karten: Meisel (70.), Kraulich (72.), Nikolov (88.)

Schiedsrichter: Kessel (Düsseldorf).

Zuschauer: 846

Spätes Glück – Viktoria gewinnt im Aufsteigerduell gegen Dortmund II

In der 3. Liga tummeln sich auch die 2. Mannschaften von Borussia Dortmund und dem FC Freiburg. Ob es zur Attraktivität der Liga beiträgt, ist eher zu bezweifeln. Rein vom Standpunkt des Fußballs betrachtet bringen sie ein hohes Niveau mit ein. Sie sind Ausbildungsmannschaften Nachwuchsspieler haben hier die Chance sich gegen gestandene Profis zu beweisen.

Am 14. Spieltag stellte sich Borussia Dortmund II im Jahnsportpark bei der Berliner Viktoria vor. Beides sind Neulinge in der Liga, in der Tabelle eng beieinander und mit ähnlichem Saisonverlauf. Nach einer längeren Phase des Abtastens zeigte sich die größere individuelle Klasse der Gäste. Bekanntester Spieler aufseiten der Gäste war Dan-Axel Zagadou, der großgewachsenen französische Innenverteidiger kann auf bisher 13 Einsätze in der Championsleague verweisen. Dieser Spieler war es dann auch, der 26. Minute mit seinem Aufbaupass auf Berkan Taz, für die erste verheißungsvolle Torchance im Spiel sorgte. Taz legte die Kugel gekonnt auf Richmond Tachie, dessen Schuss geht rechts am Tor vorbei. Dortmund wurde in dieser Phase immer stärker. Doch in der 38. Minute bekamen sie die kalte Dusche. Ausgangspunkt war ein misslungener Befreiungsschlag von Dortmunds Torwart, der wurde von Viktorias Erhan Yilmaz abgefangen, Enis Küc geht sofort steil und erzielt den ersten Treffer der Partie förmlich aus dem Nichts.

Noch vor der Halbzeitpause schlugen die Jung-Borussen zurück. Torschütze war Berkan Taz, ein gebürtiger Berlin, fußballerische Ausbildung bei den Reinickendorfer Füchsen und Hertha 03. Vor der Saison war er vom 1. FC Union nach Dortmund gewechselt. Mit dem 1:1 ging es in die Pause. Die Dortmunder waren bis dahin das bessere Team.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild im sonnendurchfluteten Jahnsportpark. Das Momentum änderte sich allmählich. Es begann mit einer Riesenchance für die Viktorianer durch Sofian Benyamina, der schießt nur den Keeper an und den Nachschuss kann Küc nicht im Tor unterbringen. Es schließen sich zwei gute Möglichkeiten für Dortmund an und wieder haben die Gäste mehr Ballbesitz. In der 64. Minute nahm Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato einen Doppelwechsel vor. Es fehlte bis dahin an der Präzision im Angriffsspiel. Das lag auch am Fehlen vom Mittelfeldantreiber Björn Jopek, der kurzfristig ausfiel. Mit der Einwechselung von Lucas Falcao und Deji Beyreuther kam mehr Präzision und somit mehr Druck ins Spiel.

Die Erlösung kam in der 86. Minute eine schöne Einzelleistung des eingewechselten Falcao brachte die Entscheidung. Enttäuschung bei den Dortmundern, lange sah es so aus, als könnten sie was mitnehmen. „Das zieht sich bei uns wie ein roter Faden durch die letzten drei Spiele. Wir sind dominant, haben viel Ballbesitz, leider fehlt uns in den Abschusssituationen die Präzision und es passiert in der Abwehr der eine Fehler zu viel. Diese Aussetzer müssen wir abstellen, wir sind eine junge Mannschaft und müssen lernen, notfalls einen Ball über die Seitenauslinie zu klären.“ Enrico Maaßen musste so die dritte Niederlage in Folge seines Teams erklären.

„Dortmund war in den ersten 35 Minuten klar das bessere Team und hat uns dominiert. Wir waren viel zu passiv und sind dann glücklich in Führung gegangen, lassen aber auch wieder einen Gegentreffer zu kurz vor der Pause. Daher haben wir anschließend ohne Wechsel etwas umgestellt. Ich wollte den Jungs die Chance geben, mit einer anderen Idee in die zweite Halbzeit zu gehen. Und das hat dann auch gepasst. Wir hatten anschließend viele gute Momente. Für Enes und Falcao freut es mich sehr, aber auch für Shalva Ogbaidze, der heute seinen zweiten Assist geben konnte. Die drei Punkte nehmen wir gerne mit gegen ein gutes Team mit einem guten Trainer.“, so fasste Viktorias Trainer das Geschehen zusammen.

Hans-Peter Becker

30.10.2021 3. Liga 14. Spieltag

14:00 Uhr Jahnsportpark

FC Viktoria 98 – Borussia Dortmund II 2:1(1:1)

2.458 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung FC Viktoria Berlin 98

Krahl – Gunte – Kapp – Lewald – Becker – Yilmaz (64. Beyreuther) – Menz (80. Theisen) – Pinckert – Seiffert (64. Falcao) – Küc – Benyamina (82. Ogbaidze) (5-3-2)