Jeffrey Jendryk zieht weiter

Pressefoto Credit: © Andreas Gora

Der US-Amerikaner Jeffrey Jendryk wird die BR Volleys mit noch unbekanntem Ziel verlassen. Nach seiner insgesamt dritten Saison im Berliner Trikot stellt sich der 26-Jährige zur nächsten Spielzeit einer neuen Herausforderung in einer anderen Liga. Nachdem sich der Mittelblocker im ersten Playoff-Finale eine Bänderverletzung zugezogen hatte, ist er inzwischen wieder vollständig genesen und geht mit dem Team USA in der Volleyball Nations League ans Netz.

Direkt vom College kommend überzeugte Jeff Jendryk schon in den Jahren 2018 bis 2020 bei den BR Volleys, ehe er sich anschließend in Polen bei Asseco Resovia Rzeszow versuchte. Nach seiner Rückkehr in die deutsche Hauptstadt war der Blockspieler in der zurückliegenden Spielzeit erneut ein unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft von Coach Cedric Enard. Aufgrund der Verletzung von Anton Brehme befand sich der US-Boy gemeinsam mit Nehemiah Mote im Dauereinsatz, bevor er sich im ersten Playoff-Endspiel gegen den VfB Friedrichshafen eine Bänderverletzung zuzog und deshalb im weiteren Verlauf der Finalserie nicht mehr eingreifen konnte.

Jendryk wurde vergangene Woche in den Kader der USA für die Volleyball Nations League berufen und will dort die Bühne nutzen, um sich für neue Aufgaben zu empfehlen. „Jeff hat wieder gezeigt, wie er auf seiner Position in der Bundesliga dominieren kann. Im Zusammenspiel mit Sergey war er im Angriff kaum zu stoppen. Wir wünschen ihm nur das Beste für seine nächste Station und sind uns sicher, dass er seine Karriere erfolgreich fortsetzen wird“, verabschiedet Geschäftsführer Kaweh Niroomand den zweifachen Deutschen Meister.

Jendryk selbst sendet zum Abschied einen lieben Gruß in Richtung der Berliner Fans: „Ich möchte mich bei allen im und um den Verein herzlich bedanken. Ohne euren ständigen Rückhalt hätten wir niemals eine derartig erfolgreiche Saison spielen können. Ich wünsche den BR Volleys und allen, die es mit dem Klub halten, weiterhin ganz viel Glück und neue Erfolge. ‘Jungle Cat‘ sagt Tschüss!“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Hertha vor der Relegation

Hertha hatte in Kienbaum zur Pressekonferenz geladen. Etwas eine halbe Stunde lang standen Fredi Bobic und Felix Magath den dort versammelten Journalisten Rede und Antwort. Der Aura von Kienbaum – dort wurden einige Weltmeister und Olympiasieger geformt – möge die Mannschaft beflügeln. Es spricht in der allgemeinen Einschätzung nicht viel für die Hertha. Der HSV, mit zuletzt vier Siegen, dagegen mussten die Berliner am letzten Spieltag den Nackenschlag hinnehmen, in buchstäblich letzter Sekunde, noch in die Relegation abgerutscht zu sein.

Felix Magath betonte:“…seit ich hier bin, hat die Mannschaft eine insgesamt positive Entwicklung genommen.“ Zwischen der 1. und 2. Bundesliga gibt es schon einen Unterschied und zudem waren die letzten vier Gegner des HSV nicht unbedingt Spitzenteams. „Es ist nicht der Worst Case eingetreten. Wir haben es geschafft, von Platz 17 auf 16 vorzudringen. Deshalb haben wir unser Minimalziel erreicht und den direkten Abstieg vermeiden können.“

Der HSV hat bereits 2014 und 2015 als Erstligist die Relegation erfolgreich gemeistert, während Hertha 2012 an Fortuna Düsseldorf scheiterte. Wie in der gesamten Saison müssen Personalprobleme gemeistert werden. Davie Selke und Marton Dardai stehen nicht zur Verfügung. Besonders schmerzlich ist, dass Santiago Ascacíbar, zuletzt eine feste Größe im Mittelfeld, für das Spiel gelb-gesperrt ist. Ein Fragezeichen steht noch hinter Marcel Lotka, der Torwart erlitt in Dortmund eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Es könnte sein, dass Oliver Christensen die Partie bestreiten muss, denn Alexander Schwolow ist bereits länger verletzt und auf keinen Fall einsatzfähig.

Die Relegation wird in zwei Spielen entschieden. Dieser Hinweis ist wichtig, denn die bisher praktizierte Auswärtstorregel gilt nicht mehr. Sollte es beim Rückspiel in Hamburg nach 90 Minuten keine Entscheidung nach Punkten und dem Torverhältnis gefallen sein, geht es in Verlängerung bis zum dramatischen Ende im Elfmeterschießen.

Das Olympiastadion wird bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Eine Prognose wollte Magath diesmal nicht abgeben, wo er doch mit seiner Vorhersage der Relegationspaarung vor zwei Wochen eine prophetische Gabe bewiesen hatte.

Hans-Peter Becker

Klarer Derbysieg – Füchse gewinnen 34:25 gegen DHfK Leipzig

Die Spiele der Füchse gegen den SC DHfK hatten sich seit dem Aufstieg der Leipziger 2015 zu echten Derbys, zu hart umkämpften Partien auf Augenhöhe entwickelt. In der letzten Saison zum Beispiel gelang es den Berlinern nicht, gegen den sächsischen Rivalen zu gewinnen. Diesmal allerdings dominierten die Füchse eindeutig. Der 34:25-Sieg war am Ende auch in der Höhe verdient.

Der Start der Hausherren – furios. 4:0 nach vier Minuten. Leipzigs Coach Andrè Haber musste die früheste Auszeit der gesamten Bundesliga-Saison nehmen, um seine müde Truppe aufzurütteln.

Das Erfolgsrezept Füchse: im sechstletzten Saisonspiel: Klug herausgespielte Tore über den Kreis – hier glänze vor allem Mijajlo Marsen als Vollstrecker (7 Treffer) und schnelle Konter. Dabei nutzten die flinken Valter Chrintz und Milos Vujovic( mit acht Treffern erfolgreichster Fuchs) die zahlreichen Ballverluste der Leipziger. Mehrfach wurden die Außen von Keeper Dejan Milosavljev mit präzisen Zuspielen auf die Reise geschickt. Der Füchse-Torhüter glänzte darüber hinaus mit zahlreichen Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter. Mit dem 17:12 zur Pause war der Weg zum Sieg frühzeitig geebnet.

Ihr konzentriertes Spiel setzten die Füchse nach der Pause fort – diesmal ohne die gefürchteten „fünf schlimmen Minuten“ ohne Tore, die beim Spitzenspiel vor zwei Wochen in Magdeburg den Sieg und im Verlauf der Saison manchen Punkt gekostet hatten. Trainer Jaron Siewert zollte seinem Team deshalb Respekt für diese Leistung. „Wir hatten uns viel vorgenommen und die Mannschaft hat es prima umgesetzt“. Sportdirektor Stefan Kretzschmar lobte das durchgehend hohe Tempo im Spiel und „dass in dieser Saisonphase auch jüngere Spieler Akzente setzen“. Er meinte damit vor allem Max Beneke und Kreisläufer Jann Keno Jacobs (beide zwei Treffer).

Nach dem 34:25-Sieg bleiben im Rennen um den begehrten zweiten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. Punktgleich mit dem Dritten Flensburg und nur einen Punkt hinter dem THW Kiel. „Natürlich könnten wir spekulieren, ob Flensburg nächsten Sonntag Kiel schlägt und wir am letzten Spieltag dann Flensburg“, meine Jaron Siewert. „Das nützt aber nichts, wenn wir unsere Aufgaben nicht erfüllen. Die werden schwer genug“ Drei Heimspiele (Göppingen, Minden, Flensburg) und zwei Auswärtspartien (Erlangen, Balingen) warten bis zum 12. Juni noch auf die Füchse. An der Zielstellung allerdings lässt Stefan Kretzschmar keinen Zweifel: „Natürlich wollen wir alle fünf Spiele gewinnen.“

Herbert Schalling

Für die Füchse erfolgreich: Wiede1, Holm 2, Andersson 3, Lindberg 2, Langhoff 1, Chrintz 5, Beneke 2, Jakobs 2, Vujovic 8, Marsenic 7, Drux 1

Union steigt weiter auf, Hertha hat es vergeigt und Viktoria steigt ab

Im Berliner Profifußball sind fast alle Messen gesungen. Der 1. FC Union krönt seinen unaufhaltbar zu seienden Aufstieg mit der Teilnahme an der zweiten europäischen Spielklasse. Es gibt etwas mehr Geld und zum Glück gibt es ja in Berlin das Olympiastadion, wo dann die hoffentlich hochkarätigen Gegner empfangen werden müssen. Dafür darf Union brav Miete zahlen, obwohl man doch ein schmuckes Eigenheim besitzt. Am letzten Spieltag wurde Aufsteiger Bochum mit 3:2 besiegt und der Urlaub kann beginnen.

Wir sind so wie wir sind,
Drum liebt man uns, drum hasst man uns.
Wir sind so wie wir sind,
Das Berliner Sorgenkind!
Von der Bundesliga träumen wir,
Drum trainieren wir tagtäglich.
Wir steigen einmal wieder auf
Fiffi Kronsbein macht es möglich.

Diese Zeilen aus einem sehr alten Hertha-Lied passen genau zur aktuellen Situation. Aus dem ersehnten Punkt in Dortmund wurde nichts, während Stuttgart mehr Glück hatte und mit einem Last-Minute-Treffer Hertha in die Relegation schickte. Das zweitschlechteste Torverhältnis der Liga könnte den Charlottenburgern noch zum Verhängnis werden. Zwei Mannschaften kommen als Relegationsgegner infrage, der HSV oder Darmstadt. Mehr spricht wohl für den HSV. Ein Alptraum wird wahr, Felix Magath hätte die Aufgabe, seine alte Liebe zu versenken. Er war dort Spieler, Manager und Trainer. Vielleicht bleibt ihm das ja erspart. Dieser Saisonabschluss ist sinnbildlich für die gesamte Spielzeit, keine Kontinuität und das mit einem Kader, der ganze andere Möglichkeiten gehabt hätte. Hinter den Kulissen scheint es bereits zu brodeln, wenn jetzt ein weiterer Abstieg dazu kommt, dürfte Hertha mal wieder alle Schlagzeilen füllen. Das Olympiastadion wird in der kommenden Woche stark frequentiert sein. Am Donnerstag, 19. Mai empfängt Hertha seinen Relegationsgegner und 48 Stunden später steht das Pokalfinale an. Am 23. Mai, so gegen 23:00 Uhr ist es Gewissheit und die Frage beantwortet, ob Berlin in der nächsten Saison nur einen oder weiterhin zwei Bundesligisten haben wird.

Ob die Hauptstadt weiter in der 3. Liga vertreten sein wird, ist zurzeit noch offen. Für den FC Viktoria hat es leider nicht gereicht. Am Ende fehlten drei Punkte. Ein starker Saisonstart konnte nicht ausgebaut werden. Personelle Verstärkungen und ein Trainerwechsel brachten nicht den gewünschten Effekt. Am letzten Spieltag hätte ein Sieg gegen den SV Meppen nur dann gereicht, wenn der SC Verl sein Spiel gegen den MSV Duisburg verloren hätte. Die Chance war minimal, Verl spielte Unentschieden und Viktoria verlor mit 3:4. Als kleines Trostpflaster winkt am 21. Mai im Mommsenstadion, das Finale im Berliner Pokal. Auf der Tribüne im Jahnsportpark saß, mit Karsten Heine, Torsten Mattuschka und Roman Linke, die geballte Kompetenz des Finalgegners aus Altglienicke. In der 70. Minute, kurz nachdem die Emsländer das 3:1 erzielt hatten, verließen sie das Stadion. Einen Tag später stand das Spiel zum Abschluss der Regionalliga-Saison gegen den BFC Dynamo an.

Hans-Peter Becker

Otto „Rehakles“ Rehhagel im Kino

Otto Rehhagel auf dem Podium mit Moderator Norbert König Foto: © Frank Toebs

Einen der Höhepunkte beim 18. 11mm-Fußball-Filmfestival gab es am Freitagabend, 13. Mai. Besucht von „König Otto“ (so auch der Filmtitel) persönlich, wetteiferten die Besucher nach Filmende um ein Selfie mit dem Startrainer.

König Otto von der Presse und Autogrammjägern umringt. Foto © Frank Toebs

Erfolgreich bei Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern, aber vor allem 2004 als Coach der griechischen Nationalmannschaft hat er legendären Ruhm erlangt.
Denn niemand hatte den Titel beim EM-Turnier in Portugal auf dem Zettel. Otto Rehhagel wusste sich jedoch, mit einer nicht talentierten, am Ende aber disziplinierten Mannschaft, seinen Platz im griechischen Götterhimmel zu sichern. Rehakles haben sie ihn damals getauft.

Im Kino Babylon hielt der Essener kurz vor den Fotowünschen der Besucher ein spontanes, leidenschaftliches Plädoyer für Frieden und Völkerverständigung. Schließlich klappte es durch Respekt und Verständnis für andere Kulturen auch als Trainer, eine vorher bescheiden agierende Nationalmannschaft zum Erfolg zu führen – ohne ein Wort griechisch.

Frank Toebs

BR Volleys – Interview mit Cedric Enard

Pressefoto Credit: © Maximilian Franz

Meistertrainer Cedric Enard prägt bei den Berlin Recycling Volleys inzwischen eine Ära. Nachdem der 46-jährige Franzose in den vergangenen vier Jahren jeweils einen Titel gewann und seinen Vertrag nun um zwei weitere Spielzeiten verlängerte, blickt er ungebrochen motiviert in die Zukunft. Den Sommer verbringt Enard als Nationalcoach Kroatiens, bevor der frühere Mittelblocker ab September wieder ehrgeizige Ziele mit dem Hauptstadtklub verfolgt.

Cedric, hattest Du Gelegenheit nach dem emotionalen Saisonfinale kurz zu verschnaufen?
Enard: „Ich konnte zwar den Moment genießen, aber leider blieb mir im Anschluss kaum eine Pause. Insgesamt war ich vier Tage in Frankreich und habe vor allem den Umzug meiner Familie organisiert, die wieder dauerhaft zurückkehren wird. Daher waren es stressige Tage, bis ich direkt nach Kroatien zu meinem neuen Nationalteam weitergereist bin.“

Du bereitest Dich mit den Kroaten also bereits auf die Aufgaben im Sommer vor?
Enard: „Korrekt, mit der European Golden League startet das erste Turnier schon in gut zwei Wochen. Das Finalturnier steigt am 18. und 19. Juni bei uns in Kroatien. Dann stehen für uns in den kommenden Monaten auch noch die Mediterranean Games in Algerien Ende Juni bis Anfang Juli und die Europameisterschaftsqualifikation im August an. So ist das Leben als Vereins- und Nationaltrainer in Doppelfunktion, aber das habe ich mir ausgesucht und macht mir auch Freude.“

Wie sehen die Ziele mit Kroatien dabei aus?
Enard: „Wir sind ambitioniert, wissen unsere Position aber auch einzuschätzen. Es gab in der Mannschaft einen kleinen Umbruch, so arbeite ich mit zwei sehr jungen Zuspielern. Wir müssen gucken, wie schnell die Entwicklung voranschreitet. In der Golden League sind Teams wie die Türkei oder Belgien favorisiert, aber als Ausrichter des Finalturniers wollen wir die Favoriten ärgern. Das Hauptaugenmerk wird auf der wichtigen EM-Qualifikation liegen. Diese wollen wir in der Zeit vom 03. bis 21. August unbedingt schaffen. Das ist auch das letzte Turnier des Sommers.“

Wann kannst Du dann in die Saisonvorbereitung bei den BR Volleys einsteigen?
Enard: „Ich werde noch eine Woche Urlaub mit der Familie machen und dann bin ich ab September in Berlin. Die entscheidende Phase der Vorbereitung inklusive der Testspiele kann ich also mit der Mannschaft gestalten. Zuvor wird mein Trainerteam wieder gute Arbeit machen und die Grundlagen schaffen, da bin ich sicher.“

Wie viel bedeutet es Dir, zwei weitere Jahre in Berlin dranzuhängen?
Enard: „Ich bin glücklich und stolz, in das fünfte und sechste Jahr bei den BR Volleys zu gehen. Ich kann für mich sagen: Ich lebe diesen Klub und dieses Projekt. Hier zu bleiben, war in meinem Kopf immer die erste Option. Der Wille dazu war von beiden Seiten spürbar. Als die Vereinsführung mir endgültig signalisierte, dass sie mit mir weiterarbeiten möchte, habe ich direkt zugesagt.“

Du hast die Lebenssituation Deiner Familie angesprochen. Wie wird sich diese zur neuen Saison verändern?
Enard: „Wir hatten in den vergangenen vier Jahren den glücklichen Umstand, dass wir mit der gesamten Familie, also meiner Frau Caro und unseren drei Töchtern, in Berlin leben konnten. Sie haben hier eine sehr gute Schule besucht und auch Deutsch gelernt. Unsere älteste Tochter hat im letzten Jahr bereits begonnen, in Frankreich zu studieren. Nun stehen auch für unsere mittlere wichtige Entscheidungen für den weiteren Lebensweg an. Wir möchten unseren Kindern alle Optionen für die Zukunft ermöglichen und damit sie genau das tun können, was sie möchten, ist der Weg zurück nach Frankreich der richtige und nötige Schritt. Caro hat eine neue Arbeitsstelle und kann fast ausschließlich aus dem Homeoffice arbeiten. Das bedeutet, wenn immer Schulferien sind, können sie zu mir nach Berlin kommen. Die Konstellation der letzten Jahre war Luxus. Die Situation jetzt kennen wir aus meiner Zeit in Tours und werden auch dies gut managen.“

Du hast mit den BR Volleys in jedem Jahr einen Titel gewonnen und alle möglichen Deutschen Meisterschaften geholt. Überspitzt gesagt: Was bleibt noch an Zielen und Motivation für Dein fünftes Jahr?
Enard: „Die Ziele bleiben unverändert. Das ist das Schöne an Berlin. Wir wollen und können um alle nationalen Titel spielen. Diese Bundesliga-Saison hat wieder gezeigt, dass niemand denken sollte, Erfolge sind selbstverständlich. Friedrichshafen hat im Pokal und Saisonfinale bewiesen, wie stark sie sind. Düren wird im nächsten Jahr – angestachelt von dem Verlauf des Halbfinals – extrem motiviert zurückkehren. Frankfurt hatte unheimlich viel Pech und wird mit weniger Verletzungen besser sein. Auch in Lüneburg formiert sich wieder etwas Gutes. Sich dem Kampf gegen diese Kontrahenten zu stellen, bleibt extrem reizvoll. Dann ist da die Champions League, in der wir diesen einen, kleinen Schritt weiter vorankommen wollen. Wir möchten uns wieder in eine Position bringen, die Chance auf das Halbfinale zu haben. Da spielt natürlich neben der Auslosung eine Rolle, wie es mit den russischen Vereinen im nächsten Jahr weitergeht.“

Bist Du optimistisch, dass das BR Volleys Team 2022/23 so stark sein wird wie die Meistermannschaft dieser Spielzeit?
Enard: „Wie Kaweh auf der Saisonabschlussfeier schon sagte, bestehen natürlich noch offene Fragen, die darauf maßgeblichen Einfluss haben. Dazu gibt es noch keine News und leider liegen nicht alle Faktoren in unserer Hand. Ich denke, wir haben mit einigen Vertragsverlängerungen auch starke Signale gesetzt. Mit Tim Carle, Ruben Schott, Cody Kessel, Marek Sotola, Nehemiah Mote und Adam Kowalski bleiben viele wichtige Spieler definitiv. Dazu freue ich mich unheimlich auf die Rückkehr von Anton Brehme. Mit seiner Art tut er der Mannschaft extrem gut und wird hoffentlich wieder körperlich vollständig fit eine Bereicherung für unser Spiel sein. In den nächsten Tagen und Wochen wird die ein oder andere neue Personalie hinzukommen, auf die sich die Fans freuen dürfen.“

Quelle:Christof Bernier/BR Volleys

Wasserfreunde – Zeit, dass sich was dreht

Keine Zeit für Ruhepausen und zum Zurücklehnen – im Gegenteil, die Wasserball-Männer der Wasserfreunde Spandau 04 müssen aufwachen, zulegen, reagieren, Haltung zeigen. Ganz nach Herbert Grönemeyers Hit von 2006 heißt es nach den jüngsten Niederlagen in Pokal (9:17-Finalschlappe gegen Waspo Hannover) und am Dienstag daheim in der Champions League gegen international bestens durchschnittliche Rote Sterne aus Belgrad (11:12) dem Motto huldigen: „Zeit, dass sich was dreht!“

Die Deutsche Meisterschaft ist Spandaus letzte Saisonchance auf einen wertigen Titel, doch vor ein weiteres Championat der Berliner – es wäre das 38. seit 1979 – sind zwei schwere Hürden gesetzt. Zunächst das in Hin- und Rückspiel ausgetragene Halbfinale gegen Ausscheidungsrunden-Neuling SV Ludwigsburg 08 und dann die Best-of-Five-Finalserie gegen den Gewinner des zweiten Halbfinals zwischen ASC Duisburg und Titelverteidiger Waspo Hannover, der gerade überzeugend Pokalsieger geworden ist und dreimal Meister in den vergangenen vier Saisons war.

Kaum jemand zweifelt am Erfolg der beiden Favoriten in den Halbfinals und am Zustandekommen des Dauer-Endspiels der Erzrivalen. Nach allgemeiner Erwartung dürfte bereits nach den Auswärtsauftritten von Spandau am 12. Mai und Hannovers Gastspiel am Freitag, den 13., in Duisburg die Finalfrage weitgehend geklärt sein. Die Rückspiele für die Wasserfreunde und Waspo stehen am 15. Mai an.

Quelle: Peter Röhle/Wasserfreunde Spandau 04

Wasserball – Bundesliga Saison 2021/2022

Deutsche Meisterschaft Halbfinale Hinspiel Männer

12. Mai 2022

SV Ludwigsburg 08 – Wasserfreunde Spandau 04

Spielbeginn: 19:30 Uhr, Freibad Hoheneck, Otto-Konz-Weg 1, 71642 Ludwigsburg

Ein Punkt für Hertha in Dortmund?

Das reicht für den Klassenerhalt und es ist machbar. Selbst wenn Stuttgart das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen sollte, hätte Hertha am Ende 34 und Stuttgart 33 Punkte. Hertha hätte sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, allein was zuletzt zu Hause im Olympiastadion gegen Mainz den 71.000 Zuschauern von den Berlinern geboten wurde, muss zu denken geben. Ebenso muss der Saisonverlauf aufgearbeitet werden.

Sollte Hertha jedoch in Dortmund kein Unentschieden verteidigen können, damit muss im Leistungsvergleich einfach gerechnet werden, eher macht Stuttgart den Sieg über die bereits für Europa qualifizierten Kölner möglich, dann wären die 33 Punkte für beide Kontrahenten sowohl für die Schwaben und für die Berliner das Saison-Endprodukt. Es bedeutet einen Wechsel in der Tabelle. Aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses des VfB muss Hertha mit Sturz auf Platz 16 in die Relegation. Trainer Felix Magath hat angeblich damit gerechnet und sagt ein Finale ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV voraus.

Infolge meiner kritischen Worte bereits vor Saisonbeginn fiel ich bekanntermaßen bei Hertha in Ungnade. Es folgten Selbsttore in Pokal- und Meisterschaftsspielen. Ich wiederum hoffte, aus Freude für Berlin, doch Unrecht mit meinen Äußerungen zu haben und triumphiere jetzt keineswegs. „Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05″ hielt ich mich sachlich zurück. Ebenso zuvor am 28. April kommentierte ich die Gefahr des Abstiegs im Beitrag „Der drittletzte Bundesligaspieltag“.

Am 20. April beschäftigte ich mich in meinem Artikel mit „Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich“ und am 9. April musste ich, fachlich begründet, die „Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern“ deutlich machen, wer die Nummer 1 in Berlin ist. Am 5. April mahnte ich bereits in der Überschrift: „Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha“. Sechs Spiele vor Ultimo stand Hertha punktgleich mit Bielefeld auf einem direkten Abstiegsplatz.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Im Vergleich mit Union beschäftigte ich mich – derzeit aktuell 54 Punkte und für die Europa-League qualifiziert – mit Finanz-Etats, Stichwort Lars Windhorst, den Investoren und Einnahmen. Am 21. März 2022 titelte ich: „Der erhoffte Sturz des Präsidenten“ und verwies auf die anstehende Mitglieder-Versammlung. Ein Thema, das bestimmt künftig viele Journalisten beschäftigen wird. Das geht nicht, ohne ein kritisches Wort zu verlieren, ganz gleich, ob es Hertha passt oder nicht.

Ich fand es legitim, mich zu wehren und Hertha, ohne abhängig zu sein, die Stirn zu bieten. Wer will schon in unserem Land etwas von Pressefreiheit hören? Von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Hertha-Presseabteilung erfuhr ich, dass es nicht gut von mir war, in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ Dinge anzusprechen, die angeblich gegen den Hertha-Präsidenten gerichtet seien.

Verstehe es, wer will. Wie kann ein Journalist nur unangenehme Fakten aufgreifen? Um wenigstens positiv zu enden, Hertha versteht es eben, Saisonverläufe absolut spannend zu gestalten.

Christian Zschiedrich  

Berliner Profifußball im Überblick

Das Saison ist fast zu Ende und Positives gibt es nur vom 1. FC Union zu berichten. Der SC Freiburg hatte vor seinem Heimspiel gegen die Eisernen intakte Chancen, an der geldgetränkten Champions – League teilnehmen zu dürfen. Eine Antrittsprämie von über 15 Millionen Euro hätte gewunken. So sorgte Union dafür, dass die Rasenballer aus Leipzig an den tapferen Breisgauern vorbeiziehen konnten und sich den zu erwartenden Geldsegen am letzten Spieltag wohl nicht mehr nehmen lassen. In der verkleinerten Europa League 3,6 Millionen Euro sowie in der neu geschaffenen Europa Conference League 2,94 Millionen sind die Startgelder dagegen eher bescheiden. Insofern ist Urs Fischers Aussage zutreffend: Was machen wir da oben?

Der andere (noch) Erst-Bundesligist verlor vor über 70.000 Zuschauern verdient mit 1:2 und muss weiter um den Klassenerhalt zittern. Was war das denn? Brave Mainzer, gallig war nur ihr Trainer, wenn ihr nicht spielen wollt, dann machen wir halt ein bisschen was für die Zuschauer und so wurde das Ganze zu einem peinlichen Auftritt der „Alten Dame“. Der Treffer von Davie Selke zum vermeintlichen 2:2 wurde aberkannt, na ja, war aber bezeichnend für dieses Spiel. Sagt bloß nicht weiter, dass da Berufsfußballer auf dem Rasen standen. Geht für die Hertha die Saison jetzt nach 34. Spieltagen zu Ende oder kommt noch eine Relegation? Wer weiß das schon? Fragen über Fragen, die Bayern haben die Hertha auch nicht gerettet.

Der vorletzte Spieltag in der 3. Liga, brachte leider nicht die wünschenswerten Ergebnisse für Viktoria Berlin. Am letzten Spieltag haben sie es nicht mehr selbst in der Hand, für den Klassenerhalt zu sorgen. Der SC Verl muss gegen Duisburg verlieren und Viktoria muss gegen Meppen gewinnen. Es sieht nicht gut aus, die Niederlage beim Absteiger Würzburger Kickers, kann die berühmte eine zu viel gewesen sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Hans-Peter Becker

Wasserfreunde – nach Pokalpleite Reaktion in der Champions League?

Fotocredit: © Wasserfreunde Spandau 04

Viel Zeit hatten die Wasserfreunde Spandau 04 nicht, um die Final-Pleite am vergangenen Samstag gegen Waspo Hannover in der nationalen Pokal-Endrunde in Duisburg zu verarbeiten. Waspo gewann den „Pott“ zum fünften Male in den letzten sechs Jahren. Dieses 9:17 war keine Niederlage, wie sie einfach einmal vorkommen kann, sondern es war die höchste gegen einen nationalen Kontrahenten seit 1979, dem Beginn der Spandauer Wasserball-Dominanz. 31 Titel holten sich die Berliner seitdem wettbewerbsübergreifend. Doch aktuell könnte es möglich werden, dass Waspo den Erzrivalen aus der Hauptstadt in der Rolle des Prinzipals gefährdet. 12 Championaten haben die Hannoveraner seit 2017 in Meisterschaft, Pokal und Supercup gewonnen, Spandau brachte es auf vier Erfolge (Meister 2017 und 2019, Pokalsieger 2020, Supercup-Gewinner 2021).

Auch in der Champions League, in der die beiden deutschen Top-Teams in der gleichen Hauptrundengruppe vertreten sind, ist Hannover den Spandauern voraus. Als feststehender Vierter des Achterfeldes hat Waspo die Qualifikation für das Final 8 der Königsklasse im Juni in Belgrad schon vor dem abschließenden 14. Spieltag sicher, Spandau ist als Sechster nicht qualifiziert. An den aktuellen Platzierungen kann sich unabhängig von den Resultaten in den Heimspielen am Dienstag (Hannover gegen Jug Dubrovnik, Spandau gegen Roter Stern Belgrad) nichts mehr ändern. Ändern wollen die Wasserfreunde allerdings den ernüchternden Eindruck, den sie zuletzt im Pokalfinale gegen Hannover hinterlassen haben.

Sieht man das Resultat von Duisburg als Summe der Einzelleistungen, dann ist dieses eher zu niedrig als zu hoch ausgefallen. Insofern darf man die CL-Abschiedsvorstellung sogar als eine Chance für Spandau zur Rehabilitation und Wiedergutmachung ansehen. Roter Stern Belgrad ist als Tabellen-Letzter des Oktetts ziemlich weit weg von früheren Erfolgszeiten (u.a. mit Champions-League-Sieg), doch den einzigen Sieg im laufenden Wettbewerb verbuchten die Serben Ende Oktober 2021 mit 12:9 ausgerechnet gegen die Berliner.

2013 hatten die Serben vor Heim-Publikum in Belgrad die Königsklasse mit 8:7 im Endspiel des damaligen Final 4 gegen Jug Dubrovnik gewonnen und den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erreicht. Einstweilen haben beide Rivalen – sowohl die Wasserfreunde als auch Roter Stern – ähnliche Probleme in ihrer sportlichen Daseinsbestimmung. Ein Sieg in der anstehenden Partie ohne Qualifikationschance für Höheres hat so dennoch einen gewissen moralischen Wert. Für Spandau heißt es, so Trainer Kovacevic, „aufzustehen und zeigen, dass man leistungsstärker als im Pokalfinale ist“.

Schon wenige Tage nach dem CL-Abschluss beginnt am Donnerstag die DM-Halbfinal-Playoffserie gegen SV Ludwigsburg. Für den Rekordmeister ist es die letzte Saisonchance alte Klasse zu beweisen.

Quelle: Wasserfreunde Spandau/Peter Röhle

Len Champions League

Wasserfreunde Spandau 04 – Roter Stern Belgrad

Spielort: Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg, Sachsendamm 11, 10829 Berlin

Spielbeginn: Dienstag, 10.05.2022, 19:00 Uhr