Hertha hatte in Kienbaum zur Pressekonferenz geladen. Etwas eine halbe Stunde lang standen Fredi Bobic und Felix Magath den dort versammelten Journalisten Rede und Antwort. Der Aura von Kienbaum – dort wurden einige Weltmeister und Olympiasieger geformt – möge die Mannschaft beflügeln. Es spricht in der allgemeinen Einschätzung nicht viel für die Hertha. Der HSV, mit zuletzt vier Siegen, dagegen mussten die Berliner am letzten Spieltag den Nackenschlag hinnehmen, in buchstäblich letzter Sekunde, noch in die Relegation abgerutscht zu sein.
Felix Magath betonte:“…seit ich hier bin, hat die Mannschaft eine insgesamt positive Entwicklung genommen.“ Zwischen der 1. und 2. Bundesliga gibt es schon einen Unterschied und zudem waren die letzten vier Gegner des HSV nicht unbedingt Spitzenteams. „Es ist nicht der Worst Case eingetreten. Wir haben es geschafft, von Platz 17 auf 16 vorzudringen. Deshalb haben wir unser Minimalziel erreicht und den direkten Abstieg vermeiden können.“
Der HSV hat bereits 2014 und 2015 als Erstligist die Relegation erfolgreich gemeistert, während Hertha 2012 an Fortuna Düsseldorf scheiterte. Wie in der gesamten Saison müssen Personalprobleme gemeistert werden. Davie Selke und Marton Dardai stehen nicht zur Verfügung. Besonders schmerzlich ist, dass Santiago Ascacíbar, zuletzt eine feste Größe im Mittelfeld, für das Spiel gelb-gesperrt ist. Ein Fragezeichen steht noch hinter Marcel Lotka, der Torwart erlitt in Dortmund eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Es könnte sein, dass Oliver Christensen die Partie bestreiten muss, denn Alexander Schwolow ist bereits länger verletzt und auf keinen Fall einsatzfähig.
Die Relegation wird in zwei Spielen entschieden. Dieser Hinweis ist wichtig, denn die bisher praktizierte Auswärtstorregel gilt nicht mehr. Sollte es beim Rückspiel in Hamburg nach 90 Minuten keine Entscheidung nach Punkten und dem Torverhältnis gefallen sein, geht es in Verlängerung bis zum dramatischen Ende im Elfmeterschießen.
Das Olympiastadion wird bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Eine Prognose wollte Magath diesmal nicht abgeben, wo er doch mit seiner Vorhersage der Relegationspaarung vor zwei Wochen eine prophetische Gabe bewiesen hatte.
Hans-Peter Becker
