Hertha rettet sich

Um ehrlich zu sein, auch der Kommentator gehörte zu den Skeptikern, was die Chancen der „Alten Dame“ für das Rückspiel in Hamburg anging. Das Fünkchen Hoffnung näherte sich rein aus der Tatsache, dass lediglich ein einziges Tor aufzuholen war. Zudem äußerte mein Kollege Frank Toebs:“Fußball ist ein verrückter Sport und man hat schon die tollsten Dinge erlebt.“ Wir hatten beide kurz zuvor das Endspiel um den Berliner AOK-Pokal gesehen, als der VSG Altglienicke durch gleich zwei Treffer in der Nachspielzeit der Sieg entrissen wurde.

Hertha versuchte ein schnelles Tor zu erzielen, ging, wie man so sagt, sofort vorne drauf. Erzwang gleich einen Eckball und nach nur vier Minuten war der Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht. Besser ging es nicht. Hertha Kapitän Boyata und Belfodil stiegen gemeinsam zum Kopfball hoch, vielleicht wurde der HSV Keeper dadurch leicht irritiert, das Ding war drin. Die Stimmung Volkspark gleich einmal etwas eingefroren und den HSV zum Nachdenken gebracht.

Mit zunehmender Spieldauer zeigten die aufgebotenen Herthaner eine in dieser Spielzeit selten gesehene mannschaftliche Geschlossenheit. Da ackerte einer für den anderen. Zu erwähnen ist, dass Kevin-Prince Boateng fast das gesamte Spiel absolvierte und seinen Beitrag als „agressiv-leader“ auf dem Platz ausfüllte. Er sah nach 30 Minuten die erste Gelbe Karte des Spiels.

Die Abwehr stand sicher, vor allem der im Hinspiel so schmerzlich vermisste Ascacibar räumte als einziger Sechser konsequent vor Abwehr auf. Auf den Außenverteidiger-Positionen ließen die beiden Routiniers Pekarik und Plattenhardt wenig zu. Im Tor hatte Christensen nicht allzu viel zu tun. Am Ende zählte die Statistik 10 Torschüsse für den HSV. Davon waren lediglich zwei richtig gefährlich.

Ähnlich verhielt es sich für den HSV-Keeper Heuer Fernandez. Der musste allerdings in der 63. Minute erneut den Ball passieren lassen. Diesmal war es ein direkt verwandelter Freistoß von Plattenhardt. Halblinks, ziemlich spitzer Winkel, direkt mit Schnitt auf das Tor gezirkelt, was für ein Traumtor vor der Tribüne, wo sich die ganz beinharten HSV versammeln. Die endgültige Entscheidung verpasste Jovetic, der frei auf den Torwart zulaufen konnte, leider zu zentral abschloss.

Nach einer über sechsminütigen Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Aytekin die Partie und somit war es amtlich. HSV Ikone Felix Magath hatte seine Mission erfüllt. Zudem bleibt sein Nimbus, als Trainer niemals abgestiegen zu sein, weiter erhalten.

Hertha bleibt das Schicksal eines erneuten Abstiegs erspart und der HSV muss einen neuen Anlauf nehmen. Hinzu kam die Tragik des aktuellen HSV Spielers Jonas Meffert. Er scheiterte bereits zum dritten Mal in der Relegation. 2015 mit dem Karlsruher SC, pikanterweise am HSV, er war es, der das umstrittene Handspiel begangen haben soll, das zu dem Freistoß führte, der das entscheidende Tor für den Verbleib in der Bundesliga ermöglichte. Im vergangenen Jahr 2021 verlor er als Spieler von Holstein Kiel gegen den 1. FC Köln, der Rest ist bekannt.

Berlin darf sich in der kommenden Saison wieder auf ein Stadtderby freuen, Hamburg auch und Felix Magath will Holzhacken gehen.

Hans-Peter Becker

Hertha steht am Abgrund

Die schlimmsten Befürchtungen werden war, selbst gegen den spielerisch limitierten HSV fand Hertha keine Mittel. Schlussendlich verloren sie, wenn auch etwas unglücklich, mit 0:1. Über das Niveau des Spiels muss nicht ein einziges Wort verloren werden. Beide stellten unter Beweis, warum sie nachsitzen müssen und nur der Glücklichere ans Ziel kommen wird.

Felix Magaths Betrachtung der Dinge nach dem Spiel war merkwürdig. Gefragt, ob seine Mannschaft hier wie ein Erstligist aufgetreten sei, „das ja, aber der HSV eben auch.“ Für mich bot die Hertha dagegen bereits eine zweitligareife Leistung. Sie fanden keine Mittel und ließen sich so auf das Niveau des HSV runterziehen. Ganze anderthalb Torchancen im gesamten Spiel, der Treffer von Belfodil konnte wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben werden und in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit versemmelte Jovetic eine gute Einschussmöglichkeit. Das war alles. Der HSV hatte im Gegenzug, nach der Möglichkeit durch Jovetic, den Fußballgott auf seiner Seite. Eine verunglückte Flanke von Reis segelte ins Tor.

Es bleibt ja noch das Rückspiel und mal ehrlich, da braucht Hertha schon ein kleines Fußballwunder. Für die maßlos enttäuschten Fans der Blau-Weißen bleibt die Hoffnung, die ja bekanntlich zuletzt stirbt. Wir können auch Otto Rehhagel zitieren, ziemlich genau vor 10 Jahren, es war am 10. Mai 2012, 1:2 Niederlage im Relegationshinspiel gegen Fortuna Düsseldorf, „noch sind wir nicht abgestiegen“.

Hans-Peter Becker

Hertha vor der Relegation

Hertha hatte in Kienbaum zur Pressekonferenz geladen. Etwas eine halbe Stunde lang standen Fredi Bobic und Felix Magath den dort versammelten Journalisten Rede und Antwort. Der Aura von Kienbaum – dort wurden einige Weltmeister und Olympiasieger geformt – möge die Mannschaft beflügeln. Es spricht in der allgemeinen Einschätzung nicht viel für die Hertha. Der HSV, mit zuletzt vier Siegen, dagegen mussten die Berliner am letzten Spieltag den Nackenschlag hinnehmen, in buchstäblich letzter Sekunde, noch in die Relegation abgerutscht zu sein.

Felix Magath betonte:“…seit ich hier bin, hat die Mannschaft eine insgesamt positive Entwicklung genommen.“ Zwischen der 1. und 2. Bundesliga gibt es schon einen Unterschied und zudem waren die letzten vier Gegner des HSV nicht unbedingt Spitzenteams. „Es ist nicht der Worst Case eingetreten. Wir haben es geschafft, von Platz 17 auf 16 vorzudringen. Deshalb haben wir unser Minimalziel erreicht und den direkten Abstieg vermeiden können.“

Der HSV hat bereits 2014 und 2015 als Erstligist die Relegation erfolgreich gemeistert, während Hertha 2012 an Fortuna Düsseldorf scheiterte. Wie in der gesamten Saison müssen Personalprobleme gemeistert werden. Davie Selke und Marton Dardai stehen nicht zur Verfügung. Besonders schmerzlich ist, dass Santiago Ascacíbar, zuletzt eine feste Größe im Mittelfeld, für das Spiel gelb-gesperrt ist. Ein Fragezeichen steht noch hinter Marcel Lotka, der Torwart erlitt in Dortmund eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Es könnte sein, dass Oliver Christensen die Partie bestreiten muss, denn Alexander Schwolow ist bereits länger verletzt und auf keinen Fall einsatzfähig.

Die Relegation wird in zwei Spielen entschieden. Dieser Hinweis ist wichtig, denn die bisher praktizierte Auswärtstorregel gilt nicht mehr. Sollte es beim Rückspiel in Hamburg nach 90 Minuten keine Entscheidung nach Punkten und dem Torverhältnis gefallen sein, geht es in Verlängerung bis zum dramatischen Ende im Elfmeterschießen.

Das Olympiastadion wird bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Eine Prognose wollte Magath diesmal nicht abgeben, wo er doch mit seiner Vorhersage der Relegationspaarung vor zwei Wochen eine prophetische Gabe bewiesen hatte.

Hans-Peter Becker

Ein Punkt für Hertha in Dortmund?

Das reicht für den Klassenerhalt und es ist machbar. Selbst wenn Stuttgart das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen sollte, hätte Hertha am Ende 34 und Stuttgart 33 Punkte. Hertha hätte sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, allein was zuletzt zu Hause im Olympiastadion gegen Mainz den 71.000 Zuschauern von den Berlinern geboten wurde, muss zu denken geben. Ebenso muss der Saisonverlauf aufgearbeitet werden.

Sollte Hertha jedoch in Dortmund kein Unentschieden verteidigen können, damit muss im Leistungsvergleich einfach gerechnet werden, eher macht Stuttgart den Sieg über die bereits für Europa qualifizierten Kölner möglich, dann wären die 33 Punkte für beide Kontrahenten sowohl für die Schwaben und für die Berliner das Saison-Endprodukt. Es bedeutet einen Wechsel in der Tabelle. Aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses des VfB muss Hertha mit Sturz auf Platz 16 in die Relegation. Trainer Felix Magath hat angeblich damit gerechnet und sagt ein Finale ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV voraus.

Infolge meiner kritischen Worte bereits vor Saisonbeginn fiel ich bekanntermaßen bei Hertha in Ungnade. Es folgten Selbsttore in Pokal- und Meisterschaftsspielen. Ich wiederum hoffte, aus Freude für Berlin, doch Unrecht mit meinen Äußerungen zu haben und triumphiere jetzt keineswegs. „Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05″ hielt ich mich sachlich zurück. Ebenso zuvor am 28. April kommentierte ich die Gefahr des Abstiegs im Beitrag „Der drittletzte Bundesligaspieltag“.

Am 20. April beschäftigte ich mich in meinem Artikel mit „Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich“ und am 9. April musste ich, fachlich begründet, die „Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern“ deutlich machen, wer die Nummer 1 in Berlin ist. Am 5. April mahnte ich bereits in der Überschrift: „Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha“. Sechs Spiele vor Ultimo stand Hertha punktgleich mit Bielefeld auf einem direkten Abstiegsplatz.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Im Vergleich mit Union beschäftigte ich mich – derzeit aktuell 54 Punkte und für die Europa-League qualifiziert – mit Finanz-Etats, Stichwort Lars Windhorst, den Investoren und Einnahmen. Am 21. März 2022 titelte ich: „Der erhoffte Sturz des Präsidenten“ und verwies auf die anstehende Mitglieder-Versammlung. Ein Thema, das bestimmt künftig viele Journalisten beschäftigen wird. Das geht nicht, ohne ein kritisches Wort zu verlieren, ganz gleich, ob es Hertha passt oder nicht.

Ich fand es legitim, mich zu wehren und Hertha, ohne abhängig zu sein, die Stirn zu bieten. Wer will schon in unserem Land etwas von Pressefreiheit hören? Von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Hertha-Presseabteilung erfuhr ich, dass es nicht gut von mir war, in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ Dinge anzusprechen, die angeblich gegen den Hertha-Präsidenten gerichtet seien.

Verstehe es, wer will. Wie kann ein Journalist nur unangenehme Fakten aufgreifen? Um wenigstens positiv zu enden, Hertha versteht es eben, Saisonverläufe absolut spannend zu gestalten.

Christian Zschiedrich  

Aussichtsreich im Aufstiegskampf

Der 1. FC Union Berlin bleibt weiter im Aufstiegsrennen. Obwohl der Vierte gegen den Zweiten der Tabelle spielte war die Rede von einem Krisengipfel. Beiden Teams war gemeinsam, dass sie seit dem fünf Spielen auf einen Sieg warten. Nach dem 31. Spieltag steht eins fest, der HSV muss weiter warten und der 1. FC Union hat die Sieglosserie beendet.

Als Schiedsrichter Sascha Stegemann den letzten Pfiff der Partie tätigte kannte der Jubel keine Grenzen. Mit 2:0 wurde der HSV geschlagen und die Aussichten im Aufstiegskampf verbessert. Zur Stärkung des Mannschaftsgeistes wurde ein Kurztrainingslager in Kienbaum mit abschließenden Grillabend angesetzt. Ein voller Erfolg, die Mannschaft war bereit. Der HSV wurde niedergekämpft. Ging die erste Halbzeit noch torlos vorüber, führten zwei katastrophale Abwehrfehler in der 46. und 84. Minute zu den Toren. Erst vertändelte Gideon Jung den Ball vor dem eigenen Strafraum und ermöglichte Zulj den Führungstreffer, so war es ähnlich in der Schlussphase, als ein individueller Fehler, Grischa Prömel seinen Sonntagsschuss ermöglichte.

Beim HSV muss man sich Sorgen machen, reicht das Vermögen, um sofort wieder aufzusteigen oder muss eine weitere Runde in der 2. Liga gedreht werden ? Hinzukommen einige Baustellen im Kader. So wird Lewis Holtby nicht mehr für den HSV spielen. Nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass es keine Zukunft mehr in Hamburg hat, wollte er auch nicht mehr mit Berlin fahren. HSV Trainer Hannes Wolf konnte seine Enttäuschung in der Pressekonferenz kaum verbergen und Kapitän Aaron Hunt hatte Mühe, die richtigen Worte zu finden. In der zweiten Halbzeit fand der HSV nicht statt.

Die Quittung ist jetzt der aktuelle Platz 4 der Tabelle, punktgleich mit dem 1. FC Union, der über das bessere Torverhältnis verfügt. Überraschend auf Platz zwei ist aktuell der SC Paderborn und die spielen noch gegen den HSV.

Bei den Verantwortlichen des 1. FC Union konnten sie sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Es sind noch 9 Punkte zu vergeben, bei maximaler Ausbeute wäre der Relegationsplatz gesichert. Für das Selbstvertrauen war der Sieg förderlich.

Hans-Peter Becker

Eine Art Endspiel – der HSV in der Wuhlheide

Der 31. Spieltag führt den Hamburger Sportverein weiter ostwärts nach Berlin in die „Alte Försterei“. Als sie das letzte Mal in Berlin ein Pflichtspiel zu absolvieren hatten, spielten sie noch eine Klasse höher und verloren am 28. 10. 2017 mit 1:2 im Olympiastadion. Beide wollen eine Klasse höher und der gastgebende 1. FC Union braucht einen Sieg. Ein Unentschieden würde mehr den Hamburgern helfen.

Es kribbelt, das Spiel ist seit Wochen restlos ausverkauft. Selbst auf der Pressetribüne muss zusammengerückt werden, ein Vorgeschmack auf eventuell kommende Erstligazeiten. Ein Spiel, das es lange nicht gab, für den 1. FC Union, es geht um viel. Keine einfache Situation, beide Vereine schwächeln, sind seit dem 26. Spieltag ohne Sieg. „Das wird ein Duell auf Augenhöhe,“ so lautete ein Statement vom Hamburger Trainer Hannes Wolf und ähnlich sieht es sein Kollege auf der Seite der Eisernen Urs Fischer.

Besondere Maßnahmen, wie Mannschaftshotel oder ähnliches soll es nicht geben, alles so normal wie immer, die Anspannung kommt von ganz allein. Im Kasten der Unioner wird wohl Rafal Gikiewicz stehen, der Kopftreffer aus dem letzten Spiel ist wohl ohne weitere Nachwirkungen geblieben. In der Innenverteidigung steht ein Fragezeichen hinter Florian Hübner, der an muskulären Problemen laboriert. Für den Ersatz stünden Michael Parensen und Marc Torrejon bereit. Der in Fürth geschonte Manuel Schmiedebach dürfte wieder in die Startelf rücken. Er ist allerdings mit neun gelben Karten belastet. Er könnte den Unterschied zum HSV beim Spielaufbau ausmachen. Urs Fischer erwartet den HSV als Mannschaft, die mitspielt und nicht nur kontern will. Das müsste den Eisernen entgegenkommen.

Im Sturmzentrum darf man gespannt sein, wie das Duell Pierre-Michael Lassoga gegen Sebastian Polter ausgeht. Hannes Wolf hat angekündigt, ein paar neue Varianten im Angriff geübt zu haben. Wie beim Auswärtsspiel in Köln, wird der HSV das Spiel in eine 4-1-4-1 Staffelung beginnen, während die Eisernen dem ein 4-3-3 entgegensetzen könnten. Oder hat sich Urs Fischer was ganz anderes ausgedacht ? Die Personalsituation ist in Hamburg etwas angespannter. In der Abwehr wird Kyriakos Papadopoulos vermisst und die Frage ist: Wie fit ist Aaron Hunt ?

Das Spiel am Sonntag, 28.04. wird unter der Leitung von Schiedsrichter Sascha Stegemann stehen. In dieser Saison sein erster Einsatz in der „Alten Försterei“. Er leitete allerdings bereits zwei Auswärtsspiele des 1. FC Union, in Heidenheim und Regensburg. Hoffen wir auf Spannung Fairness, es geht buchstäblich um die Wurst.

Hans-Peter Becker

Berliner Profifußball im Wachkoma!

Die Überschrift habe ich aus einem tweet des geschätzten Kollegen Andreas Lorenz übernommen. Die Bilanz der beiden Berliner Proficlubs ist seit den letzten Wochen äußerst mau. In den letzten fünf Spieltagen brachten es Hertha und Union bei zehn Spielen auf null Siege, vier Unentschieden, sechs Niederlagen. Das sind vier von dreißig Punkten bei 8:20 Toren! und um weiter den oben genannten Kollegen zu zitieren: „Kämpfen, Jungs – der BER steht geschlossen hinter euch!“

Herthas Saison wird wahrscheinlich ein bisschen oder etwas mehr hinter den Erwartungen zurück bleiben. Der Klassenerhalt ist nach der Niederlage des VfB Stuttgart sicher und im positiven Fall ist ein einstelliger Tabellenplatz noch möglich. Das Spiel gegen Hannover am Ostersonntag vor über 38.000 Zuschauern – immerhin – war arm an spielerischer Klasse. War irgendwie egal, in der nächsten Saison werden beide höchstens im Pokal oder im Rahmen eines Spiels in Freundschaft aufeinandertreffen können oder es geschieht ein Wunder und Hannover schafft die Relegation.

Hertha sucht einen neuen Trainer und der 1. FC Union weiter die Form um endlich aufzusteigen. Am kommenden Sonntag, 28. April steht das wohl wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte an. Ein Sieg gegen HSV würde die „Pfanne nochmals heiß machen“. Die Eisernen sind inzwischen die aktuell „dienstälteste“ Mannschaft der 2. Bundesliga. Seit 10 Jahren halten sie diese Spielklasse, wäre mal Zeit für was neues. Ob es in diesem Jahr reicht ?

Das Thema Pal Dardai ist einen Beitrag zuvor ausführlich besprochen worden. Er hat dem Verein, ohne sich Anzubiedern, wieder ein Gesicht geben durch seine sympathische Art und er ist der erfolgreichste Trainer in der Ära des Sportdirektors Michael Preetz. Das beide grundverschiedene Typen sind, hat sich anfangs als förderlich erwiesen. In letzter Zeit gab es Meinungsverschiedenheiten, die wohl bis zum Zerwürfnis führten. Viele kleine Dinge die es nicht mehr möglich machten, um weiter zusammen zu arbeiten. Am Schluss könnte es Pal Dardai vielleicht recht gewesen sein, wieder auf seinen Arbeitsplatz im Nachwuchs zurückkehren zu können. Zwei Beispiele mögen das verdeutlichen, bei der Besetzung des Co. Trainer Postens, Rainer Widmayer geht nach Stuttgart, wollte Dardai wohl etwas anderes als Preetz und es gab die Vorkommnisse um Paul Keuter.

Mit diesem Kader wäre, mit weniger Verletzungspech und viel Glück, ähnliches zu schaffen gewesen wie aktuell in Frankfurt. Jetzt muss es ein Anderer richten und Hertha ist bei der Trainersuche mehr Glück zu wünschen, als bei den Bemühungen nach dem Baugrund für das neue Stadion. Ein Kandidat hat das Angebot gerade ausgeschlagen.

Hans-Peter Becker

Keine Aufstiegsform und weiter sieglos

Als Schiedsrichter Dr. Martin Thomsen zur Halbzeit pfiff, war die Situation für den 1. FC Union gemalt in den schönsten Farben des Frühlings. Die Eisernen führten mit 1:0 und die parallel spielenden Mit-Konkurrenten hatten Federn gelassen, Kiel und Paderborn gingen Unentschieden in die Pause und aus Hamburg kam die Kunde, dass Erzgebirge Aue mit einem 1:0 Vorsprung gegen den HSV in die Halbzeitpause gegangen ist.

Die Führung für die Eisernen war glücklich. Der Treffer war ein Geschenk, speziell von Fürths Innenverteidiger Marco Caliguri. Der erfahrene Profi ermöglichte durch einen individuellen Fehler den Führungstreffer für die Wuhlheider. In der 35. Minute traf Joshua Mees für die rot-weißen Farben. In der 38. Minute geschah eine Foul von Felix Kroos, der dafür die gelbe Karte sah. Über das Foul an seinem Mannschaftkollegen David Atanga war Daniel Keita-Ruel so erbost, dass er Felix Kroos handgreiflich anging. Naja, ein Stoßen, ein theatralisches Hinfallen, gelb und eine energische Ermahnung hätten es wohl auch getan. So gab es Rot und Fürth spielte dezimiert weiter.

Ein Fußballspiel hat eine zweite Halbzeit und die gehörte der gastgebenden Spielvereingung. In der 67. Minute machte Caliguri quasi seinen Fehler wieder gut und besorgte den Ausgleichstreffer, nach einem Eckball. Ab der 70. Minute waren die Mannschaftstärken auch wieder ausgeglichen. Nicolai Rapp sah nach groben Foul glatt Rot. Über diese Karte gab es nichts zu diskutieren.

Union versuchte zu kontern, die Bank half mit Spielerwechseln. Es brachte nichts. Am Ende durften die Eisernen froh sein, dass sie hier einen Punkt mitnehmen konnten. Der HSV hatte in der zweiten Halbzeit ausgeglichen. Wie ein potentieller Aufsteiger spielte am Ostersamstag nur Aufsteiger SC Paderborn. Sie gewannen in Kiel und zogen in der Tabelle an den Eisernen vorbei. Die Aufstiegschance ist weiter gegeben, unentschiedene Ergebnisse helfen allerdings im Endspurt nicht weiter. Es war, nebenbei bemerkt, das Unentschieden Nummer 14 in der laufenden Saison.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

SpVgg Greuther Fürth:
Burchert – Sauer, Jaeckel, Caligiuri, Wittek (69. Raum) – Atanga (46. Redondo), Seguin, Ernst – Green – Reese (90. Omladic), Keita-Ruel

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Rapp, Reichel – Zulj, Prömel, Kroos (68. Andersson) – Abdullahi (63. Mané), Polter (77. Gogia), Mees

Schiedsrichter: Dr. Martin Thomsen, Jan Neitzel-Petersen, Dominik Jolk, Tobais Fritsch

Zuschauer: 9 650

Tore: 0:1 Mees (35.), 1:1 Caligiuri (67.)

Auswärts in Fürth

Der 1. FC Union muss zu Ostern reisen. Am Ostersamstag, 20.04. geht es um die begehrten Punkte im Fürther Ronhof. Die gastgebende Spielvereinigung könnte mit einem Dreier allerletzte Zweifel am Klassenerhalt ausräumen, während die Eisernen einen Sieg genauso gut gebrauchen könnten. Parallel tritt der HSV im Volksparkstadion gegen Erzgebirge Aue, da wird öfter geschaut werden, wie es steht. Sollten die Hamburger die noch ausstehenden fünf Spiele gewinnen, würden sie direkt aufsteigen. Die Eisernen haben das bessere Torverhältnis und der HSV muss am 31. Spieltag in der „Alten Försterei“ antreten .

Für das Spiel in Fürth gilt es, an die gezeigte Leistung der letzten dreißig Spielminuten gegen Jahn Regensburg anzuknüpfen. Mut und Selbstvertrauen sind gefragt. Große taktische Umstellungen sind von Urs Fischer nicht zu erwarten. Es gibt wohl Überlegungen, mit zwei Stürmern zu beginnen, „aber klar ist auch, die Mannschaft fühlt sich wohl in dem System, was wir die gesamte Saison über gespielt haben,“ so äußerte sich der Trainer auf Pressekonferenz zum Spieltag. Er ergänzte: „lassen wir uns überraschen.“ Es sollte vor allem den Gegner überraschen, den es drängt der Eindruck auf, dass die Spielidee der Eisernen zu schnell entschlüsselt werden kann. Es wurde die Idee zur Sprache gebracht, gleich mit zwei Stürmern im Zentrum zu beginnen. Als es zuletzt praktiziert wurde, am 18. Spieltag in Aue, ging das mit einer 0:3 Niederlage gewaltig in die Hose.

Personell hat Urs Fischer keine größeren Sorgen. Für Fabian Schönheim steht seit längerem fest, er in dieser Saison nicht mehr spielen kann. Ausfallen wird Errol Zejnullahu, er musste wegen muskulärer Probleme das Training abbrechen und ein Einsatz von Florian Hübner ist nicht sicher. Für seine Position in der Innenverteidigung stehen Michael Parensen, Nicolai Rapp oder Marc Torrejon zur Verfügung. Weiter zu beachten, dass Manuel Schmiedebach, Florian Hübner und Christopher Lenz im Falle einer gelben Karte für Spiel gegen den Hamburger Sportverein gesperrt wären.

Die Fürther haben für das Spiel eigene Ziele, jede Verbesserung in der Tabelle erhöht die Zuwendung aus den TV-Geldern. Sollten sie am Saisonende sich vom momentan gehaltenen Platz 11 nur um einen einzigen verbessern können, würde das 500.000 EUR mehr in die Kasse spülen.

Erstaunlich, trotz Osterferien waren drei Tage vor dem Spiel fast 1.500 Karten für den Gästeblock im Sportpark Ronhof Thomas Sommer abgesetzt. An mangelnder Unterstützung wir die Mission im Frankenland nicht scheitern. Auf der A9 werden einige Autos mit Union-Aufklebern rollen. Das Spiel beginnt um 13:00 Uhr. Es sind sommerliche Temperaturen zu erwarten.

Hans-Peter Becker

Neues vom Berliner Profifußball – Pal Dárdai hört auf

Am Dienstag, 16.04. wurde es offiziell, die sportliche Leitung von Hertha BSC beruft Pal Dardai von seiner Funktion als Cheftrainer der Profimannschaft ab. Bis zum Saisonende wird Dardai die Mannschaft weiter betreuen. „Ungeachtet von dieser Entscheidung bleibt das generelle Vertragsverhältnis von Dárdai mit Hertha BSC bestehen, nachdem er dann im Sommer 2020 wieder als Nachwuchstrainer einsteigen wird.“ Das heißt dann wohl, er macht ein Sabbat-Jahr.

Pal Dardai und sein Co. Rainer Widmayer Grafik: Christian Zschiedrich

Es lief nicht mehr so gut bei der „Alten Dame“, ob das allein am Trainer lag, sei dahin gestellt. Das Verletzungspech hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass jetzt fünf Spiele in Folge verloren wurden. Hertha hat höhere Ziele, als nach einer passablen Hinrunde, zum Saisonende dann im grauen Mittelmaß zu versinken. In den letzten beiden Jahren wurden jeweils nur 19 Punkte in der Rückrunde geholt und aktuell steht die Mannschaft mit 11 Punkten auf Platz 13 der Rückrundentabelle. Die Trennung soll einvernehmlich erfolgt sein. Michael Preetz wird mit folgenden Worten zitiert: „Pál Dárdai hat sich nicht nur als Rekordspieler, sondern nun auch in den vergangenen viereinhalb Jahren als Cheftrainer der Lizenzspielermannschaft große Verdienste um Hertha BSC erworben. Viereinhalb Jahre sehr guter und konstruktiver Zusammenarbeit sind eine sehr lange Zeit im Profigeschäft. Nun sind wir jedoch gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass ein neuer Impuls im Sommer der richtige Schritt für Hertha BSC ist.“

Neben Pal Dardai wird, wie bereits länger bekannt, sein Co. Trainer Rainer Widmayer zum Ende der Saison aufhören. Er wechselt zum VfB Stuttgart und wird dort in gleicher Funktion tätig sein. Der VfB hat den Klassenerhalt noch nicht gesichert. Noch ist entschieden, in welcher Liga Widmayer in der nächsten Saison arbeiten wird.

Blicken wir auf den 1. FC Union, der ja noch Hoffnung hat, in der nächsten Saison ein Ligakonkurrent für die „Alte Dame“ zu werden. Der 29. Spieltag wurde abgeschlossen mit dem Gipfeltreffen in Köln. Alles Daumendrücken für den FC nutzte nichts, das Unentschieden gegen Jahn Regensburg wurde nicht, wie der Punkt aus Dresden, vergoldet. Der HSV schlug sich in Köln mehr als passabel und nahm einen wichtigen Punkt mit nach Hause. Der Vorsprung mit drei Punkten wurde verteidigt. Die Eisernen haben allerdings das bessere Torverhältnis und spielen am übernächsten Spieltag, am Sonntag, 28. April in der „Alten Försterei“ gegen den HSV. Warten wir ab, unter welcher Konstellation das Spiel stehen wird. Zuvor hat der HSV ein Heimspiel gegen Erzgebirge Aue und parallel spielen am Ostersamstag die Eisernen in Fürth. Eine Niederlage sollte vermieden werden.

Hans-Peter Becker