Hertha rettet sich

Um ehrlich zu sein, auch der Kommentator gehörte zu den Skeptikern, was die Chancen der „Alten Dame“ für das Rückspiel in Hamburg anging. Das Fünkchen Hoffnung näherte sich rein aus der Tatsache, dass lediglich ein einziges Tor aufzuholen war. Zudem äußerte mein Kollege Frank Toebs:“Fußball ist ein verrückter Sport und man hat schon die tollsten Dinge erlebt.“ Wir hatten beide kurz zuvor das Endspiel um den Berliner AOK-Pokal gesehen, als der VSG Altglienicke durch gleich zwei Treffer in der Nachspielzeit der Sieg entrissen wurde.

Hertha versuchte ein schnelles Tor zu erzielen, ging, wie man so sagt, sofort vorne drauf. Erzwang gleich einen Eckball und nach nur vier Minuten war der Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht. Besser ging es nicht. Hertha Kapitän Boyata und Belfodil stiegen gemeinsam zum Kopfball hoch, vielleicht wurde der HSV Keeper dadurch leicht irritiert, das Ding war drin. Die Stimmung Volkspark gleich einmal etwas eingefroren und den HSV zum Nachdenken gebracht.

Mit zunehmender Spieldauer zeigten die aufgebotenen Herthaner eine in dieser Spielzeit selten gesehene mannschaftliche Geschlossenheit. Da ackerte einer für den anderen. Zu erwähnen ist, dass Kevin-Prince Boateng fast das gesamte Spiel absolvierte und seinen Beitrag als „agressiv-leader“ auf dem Platz ausfüllte. Er sah nach 30 Minuten die erste Gelbe Karte des Spiels.

Die Abwehr stand sicher, vor allem der im Hinspiel so schmerzlich vermisste Ascacibar räumte als einziger Sechser konsequent vor Abwehr auf. Auf den Außenverteidiger-Positionen ließen die beiden Routiniers Pekarik und Plattenhardt wenig zu. Im Tor hatte Christensen nicht allzu viel zu tun. Am Ende zählte die Statistik 10 Torschüsse für den HSV. Davon waren lediglich zwei richtig gefährlich.

Ähnlich verhielt es sich für den HSV-Keeper Heuer Fernandez. Der musste allerdings in der 63. Minute erneut den Ball passieren lassen. Diesmal war es ein direkt verwandelter Freistoß von Plattenhardt. Halblinks, ziemlich spitzer Winkel, direkt mit Schnitt auf das Tor gezirkelt, was für ein Traumtor vor der Tribüne, wo sich die ganz beinharten HSV versammeln. Die endgültige Entscheidung verpasste Jovetic, der frei auf den Torwart zulaufen konnte, leider zu zentral abschloss.

Nach einer über sechsminütigen Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Aytekin die Partie und somit war es amtlich. HSV Ikone Felix Magath hatte seine Mission erfüllt. Zudem bleibt sein Nimbus, als Trainer niemals abgestiegen zu sein, weiter erhalten.

Hertha bleibt das Schicksal eines erneuten Abstiegs erspart und der HSV muss einen neuen Anlauf nehmen. Hinzu kam die Tragik des aktuellen HSV Spielers Jonas Meffert. Er scheiterte bereits zum dritten Mal in der Relegation. 2015 mit dem Karlsruher SC, pikanterweise am HSV, er war es, der das umstrittene Handspiel begangen haben soll, das zu dem Freistoß führte, der das entscheidende Tor für den Verbleib in der Bundesliga ermöglichte. Im vergangenen Jahr 2021 verlor er als Spieler von Holstein Kiel gegen den 1. FC Köln, der Rest ist bekannt.

Berlin darf sich in der kommenden Saison wieder auf ein Stadtderby freuen, Hamburg auch und Felix Magath will Holzhacken gehen.

Hans-Peter Becker

Hertha vor der Relegation

Hertha hatte in Kienbaum zur Pressekonferenz geladen. Etwas eine halbe Stunde lang standen Fredi Bobic und Felix Magath den dort versammelten Journalisten Rede und Antwort. Der Aura von Kienbaum – dort wurden einige Weltmeister und Olympiasieger geformt – möge die Mannschaft beflügeln. Es spricht in der allgemeinen Einschätzung nicht viel für die Hertha. Der HSV, mit zuletzt vier Siegen, dagegen mussten die Berliner am letzten Spieltag den Nackenschlag hinnehmen, in buchstäblich letzter Sekunde, noch in die Relegation abgerutscht zu sein.

Felix Magath betonte:“…seit ich hier bin, hat die Mannschaft eine insgesamt positive Entwicklung genommen.“ Zwischen der 1. und 2. Bundesliga gibt es schon einen Unterschied und zudem waren die letzten vier Gegner des HSV nicht unbedingt Spitzenteams. „Es ist nicht der Worst Case eingetreten. Wir haben es geschafft, von Platz 17 auf 16 vorzudringen. Deshalb haben wir unser Minimalziel erreicht und den direkten Abstieg vermeiden können.“

Der HSV hat bereits 2014 und 2015 als Erstligist die Relegation erfolgreich gemeistert, während Hertha 2012 an Fortuna Düsseldorf scheiterte. Wie in der gesamten Saison müssen Personalprobleme gemeistert werden. Davie Selke und Marton Dardai stehen nicht zur Verfügung. Besonders schmerzlich ist, dass Santiago Ascacíbar, zuletzt eine feste Größe im Mittelfeld, für das Spiel gelb-gesperrt ist. Ein Fragezeichen steht noch hinter Marcel Lotka, der Torwart erlitt in Dortmund eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Es könnte sein, dass Oliver Christensen die Partie bestreiten muss, denn Alexander Schwolow ist bereits länger verletzt und auf keinen Fall einsatzfähig.

Die Relegation wird in zwei Spielen entschieden. Dieser Hinweis ist wichtig, denn die bisher praktizierte Auswärtstorregel gilt nicht mehr. Sollte es beim Rückspiel in Hamburg nach 90 Minuten keine Entscheidung nach Punkten und dem Torverhältnis gefallen sein, geht es in Verlängerung bis zum dramatischen Ende im Elfmeterschießen.

Das Olympiastadion wird bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Eine Prognose wollte Magath diesmal nicht abgeben, wo er doch mit seiner Vorhersage der Relegationspaarung vor zwei Wochen eine prophetische Gabe bewiesen hatte.

Hans-Peter Becker

Ein Punkt für Hertha in Dortmund?

Das reicht für den Klassenerhalt und es ist machbar. Selbst wenn Stuttgart das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen sollte, hätte Hertha am Ende 34 und Stuttgart 33 Punkte. Hertha hätte sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, allein was zuletzt zu Hause im Olympiastadion gegen Mainz den 71.000 Zuschauern von den Berlinern geboten wurde, muss zu denken geben. Ebenso muss der Saisonverlauf aufgearbeitet werden.

Sollte Hertha jedoch in Dortmund kein Unentschieden verteidigen können, damit muss im Leistungsvergleich einfach gerechnet werden, eher macht Stuttgart den Sieg über die bereits für Europa qualifizierten Kölner möglich, dann wären die 33 Punkte für beide Kontrahenten sowohl für die Schwaben und für die Berliner das Saison-Endprodukt. Es bedeutet einen Wechsel in der Tabelle. Aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses des VfB muss Hertha mit Sturz auf Platz 16 in die Relegation. Trainer Felix Magath hat angeblich damit gerechnet und sagt ein Finale ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV voraus.

Infolge meiner kritischen Worte bereits vor Saisonbeginn fiel ich bekanntermaßen bei Hertha in Ungnade. Es folgten Selbsttore in Pokal- und Meisterschaftsspielen. Ich wiederum hoffte, aus Freude für Berlin, doch Unrecht mit meinen Äußerungen zu haben und triumphiere jetzt keineswegs. „Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Mainz 05″ hielt ich mich sachlich zurück. Ebenso zuvor am 28. April kommentierte ich die Gefahr des Abstiegs im Beitrag „Der drittletzte Bundesligaspieltag“.

Am 20. April beschäftigte ich mich in meinem Artikel mit „Trainerbesetzung im Nachwuchsbereich“ und am 9. April musste ich, fachlich begründet, die „Machtdemonstration – Union gewinnt 4:1 vor 75.000 Zuschauern“ deutlich machen, wer die Nummer 1 in Berlin ist. Am 5. April mahnte ich bereits in der Überschrift: „Augsburg und Stuttgart enteilen der Hertha“. Sechs Spiele vor Ultimo stand Hertha punktgleich mit Bielefeld auf einem direkten Abstiegsplatz.

Chefredakteur Christian Zschiedrich

Im Vergleich mit Union beschäftigte ich mich – derzeit aktuell 54 Punkte und für die Europa-League qualifiziert – mit Finanz-Etats, Stichwort Lars Windhorst, den Investoren und Einnahmen. Am 21. März 2022 titelte ich: „Der erhoffte Sturz des Präsidenten“ und verwies auf die anstehende Mitglieder-Versammlung. Ein Thema, das bestimmt künftig viele Journalisten beschäftigen wird. Das geht nicht, ohne ein kritisches Wort zu verlieren, ganz gleich, ob es Hertha passt oder nicht.

Ich fand es legitim, mich zu wehren und Hertha, ohne abhängig zu sein, die Stirn zu bieten. Wer will schon in unserem Land etwas von Pressefreiheit hören? Von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Hertha-Presseabteilung erfuhr ich, dass es nicht gut von mir war, in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ Dinge anzusprechen, die angeblich gegen den Hertha-Präsidenten gerichtet seien.

Verstehe es, wer will. Wie kann ein Journalist nur unangenehme Fakten aufgreifen? Um wenigstens positiv zu enden, Hertha versteht es eben, Saisonverläufe absolut spannend zu gestalten.

Christian Zschiedrich  

Der Pokal hat seine besonderen Reize

Allein deshalb, weil gewonnen werden muss. Es gibt kein Unentschieden. Nah dran, zumindest an einer Verlängerung von zweimal 15 Minuten, eventuell sogar am Elfmeterduell, war Viktoria Berlin gegen Arminia Bielefeld im Jahnstadion. Trainer Benedetto Muzzicato hatte seine Regionalliga-Mannschaft gegen den Zweitligisten auf eine geschlossene Verteidigungsarbeit eingestimmt. Bielefeld hatte demzufolge im ersten Spielabschnitt 74 Prozent Ballbesitz und dazu das frühe Tor – ein wuchtiger Kopfball aus acht Metern von  Voglsammer, der ungehindert einköpfen durfte. Das reichte der Arminia, dessen Trainer Uwe Neuhaus den Sieg „unspektakulär“ nannte. In der Tat war es ein glanzloses Weiterkommen. Sein Team konnte sich sogar bei Torwart Ortega bedanken, dass die Berliner Viktoria infolge der Rettungstaten gegen Brand (23.) und Becker (27.) nicht zum Ausgleich kam.

Die als Bundesliga-Deppen geltenden Verlierer vom Samstag heißen Augsburg und Mainz. Augsburg verlor 1:2 gegen Verl (Regionalligist) und Mainz zog in Kaiserslautern (3.Liga) mit 0:2 den Kürzeren.

Außerdem spielten am Freitag und Samstag:

KFC Uerdingen (3.Liga) – Borussia Dortmund (BL) 0:2

SV Sandhausen (2.Liga) – Mönchengladbach (BL) 0:1

FC Ingolstadt (3.Liga) – 1.FC Nürnberg (2.Liga) 0:1

1.FC Kaiserslautern (3.Liga) – FSV Mainz 05 (BL) 2:0

Wacker Nordhausen (RL) – Erzgeb. Aue (2.Liga) 1:4

SC Verl (RL) – FC Augsburg (BL) 2:1

Alemannia Aachen (RL) – B. 04 Leverkusen (BL) 1:4

1.FC Magdeburg (3.Liga) – SC Freiburg (BL) 0:1 n.V.

TuS Dassendorf (OL) – Dynamo Dresden (2.Liga) 0:3

FC Villingen (OL) – Fortuna Düsseldorf (BL) 1:3 n.V.

SV Drochtersen/Assel – Schalke 04 (BL) 0:5

FC Viktoria 89 (RL) – Arminia Bielefeld (2.Liga) 0:1

SSV Ulm 1846 (RL) – 1.FC Heidenheim (2.Liga) 0:2

KSV Baunatal (Hessenliga) – VfL Bochum (2.L.) 2:3

Würzburger Kickers (3.L.) – TSG Hoffenheim (BL) 4:5 i.E.

Atlas Delmenhorst (5. Liga) – Werder Bremen (BL) 1:6

Spiele am Sonntag: In den neun Sonntag-Nachmittag-Spielen gab es in zwei die Entscheidung erst im Elfmeterschießen. Lübeck gegen St. Pauli 3:3 nach regulärer Spielzeit und Verlängerung und St. Pauli gewinnt am Ende das Elfmeter-Duell. Mit hervorragender Moral wurde gar der 0:2-Rückstand wettgemacht. Bundesligist Paderborn kassierte in regulärer Spielzeit das 2:2 in Rödinghausen, verwandelte jedoch im Elfmeterschießen  alle zum 4:2 vom Punkt. Die hohen Kantersiege sprechen ansonsten eine deutliche Sprache.

Waldhof Mannheim (3.Liga) – E. Frankfurt (BL) 3:5

VfB Lübeck (RL) – FC St. Pauli (2.Liga)  2:4 i.E.

VfL Osnabrück (2.Liga) – RB Leipzig (BL) 2:3

1.FC Saarbrücken (RL) – J. Regensburg (2.Liga) 3:2

FSV Salmrohr (Rheinlandliga) – H. Kiel (2.Liga) 0:6

Oberneuland (5. Liga) – Darmstadt (2.L.) 1:6

Germania Halberstadt (RL) – 1.FC Union (BL) 0:6.

Der 1.FC Union beeindruckte in Halberstadt. Urs Fischer vertraute in seiner Anfangsformation auf fünf Sommer-Neuzugänge: Becker, Bülter, Schlotterbeck, Ingvartsen und Gentner durften allesamt ran. Das Team scheint für die Eliteliga bereit zu sein.

Schlotterbeck besorgte die 1:0-Führung in der 27.Minute. So wurden auch die Seiten gewechselt. Apropos Wechsel, Urs Fischer brachte Mees in der 60. für Becker. In der 65. erhöhte Andersson auf 2:0 und keine zwei Minuten später, sozusagen per Doppelschlag, war Lenz der Vollstrecker zum 3:0. Der eingewechselte Mees besorgte in der 71. das 4:0, Andrich (76.) das 5:0 und Ujah (in der 71. Andersson sorgte kurz vor Ultimo (89.) für das Endresultat von 6:0.

VfB Eichstätt (RL) – Hertha BSC (BL)  1:5. Freude auch bei der Hertha, die sich im Pokal sonst Jahr für Jahr sehr schwer tat. Ein erhebendes Gefühl eine Runde überstanden zu haben. Gegen Regionalligist Eichstätt gab es zwar kein 15:1, aber immerhin fünf Tore zum deutlichen 5:1. Ein früher Doppelschlag durch Darida(11.) und Ibisevic(12.) gab schnell die Richtung vor. Wenn das so weitergeht, wird’s historisch anmutend. Ibisevic(31.)  gelang dann vor der Pause noch das 3:0. Torunariglu sah in Minute 18 die Gelbe. Ante Covic wechselte ihn zur Pause gegen Esswein aus. Nach dem Wechsel war erstaunlicherweise Eichstädt (52.) durch Kügel mit dem 1:3 am Zuge. Das 4:1 (62.) gelang Kalou und Esswein zeigte sich nach langer Zeit in Pflichtspielen mit dem Treffer zum 5:1(75.) dankbar für seine Einwechslung.

SV Rödinghausen (RL) – SC Paderborn (BL) 3:4 i.E.

MSV Duisburg (3.Liga) – Greuther Fürth (2.Liga) 2:0

Chemnitzer FC (3.Liga) – Hamburger SV (2.Liga) 5:6 i.E. In zwei von den drei Abendspielen fiel die Entscheidung erst im Elfmeterschießen. Welch eine Dramatik und Hochspannung. Chemnitz war drauf und dran, den HSV aus dem Wettbewerb zu kippen, führte in der regulären Spielzeit 2:1 und sogar in der Endphase des Elfmeterduells. Dann aber flatterten die Nerven, wie bei Wehen Wiesbaden. Der 1.FC Köln rettete sich mit viel Glück und Geschick und dank Torsteher Horn, der drei Elfmeter in Folge parierte.

Wehen Wiesbaden (2.Liga) – 1.FC Köln (BL) 2:3 i.E.

Spiele am Montag:

Hansa Rostock (3.Liga) – VfB Stuttgart (2.Liga) 9:1

Karlsruher SC (2.Liga) – Hannover 96 (2.Liga) 2:0

Hallescher FC (3.Liga) – VfL Wolfsburg (BL) 3:5

Energie Cottbus (RL) – Bayern München (BL) 1:3. 22.500 Zuschauer sahen eine mit Leidenschaft kämpfende Pele Wollitz-Truppe, die die Räume für die Bayern eng machten und kaum ein Durchkommen ermöglichten. Torlos blieb es bis zur 32.Minute. Die Torwart-Leihgabe vom 1.FC Union, Moser; hielt prächtig, reagierte auch den Kopfball von Coman(32.), Lewandowski erzeilte das 0:1 unhaltbar im Nachschuß. Mit 0:1 wurden die Seiten gewechselt. Dann dauerte es bis Minute 65. Coman zog nach innen und vollstrechte aus 19 Metern ins lange Eck zum 0:2. Das 0:3 blieb dann wieder Lewandowski (85.) vorenthalten, er lenkt Goretzkas Schuß ins Netz.. In der 90. Minute hielt der eingewechselte Goretzka Taz im Strafraum – Foulelfmeter, den Taz selbst sicher verwandelte, er verlud Keeper Neuer ins falsche Eck.

Christian Zschiedrich

1. FC Union muss nacharbeiten

Es hätte der größte Moment in der Vereinsgeschichte seit dem Pokalgewinn im Jahre 1967 sein können. Suleiman Abudullahi wäre ein Logenplatz in der Vereinschronik sicher gewesen, wenn er in der in der 6. Minute der Nachspielzeit den Ball an Bochum Torwart Manuel Riemann vorbei bekommen hätte. Auf der Linie ist Bochum Torwart einer der Besten, ein souveräner Beherrscher seines Strafraumes wird er wohl nicht mehr. Da fällt einem hätte, hätte Fahrradkette ein, es blieb so beim Endergebnis von 2:2. Die Könige des Remis hatten in Bochum wieder zugeschlagen. Sie zogen nach Punkten gleich mit Steffen Baumgarts SC Paderborn, das Torverhältnis beförderte die Ostwestfalen direkt in die Bundesliga.

Die Eisernen müssen nachsitzen und sind versetzungsgefährdet. Noch kann alles gut werden und die verpasste Chance von Bochum muss sich nicht zum Trauma auswachsen. Selbst die Schützenhilfe der Dresdner Dynamos wurde liegengelassen. Beim Public Viewing im Stadion „An der Alten Försterei“ und in der berühmten Fankneipe „Abseitsfalle“ durchlebten die Anhänger, die nicht mit nach Bochum gefahren waren, ein Wechselbad der Gefühle. Erst war es aussichtslos, Paderborn ging schnell in Dresden in Führung, Ausgleich in Dresden und der Rückstand in Bochum, viel Bier musste fließen zur Beruhigung der Nerven.

Das buchstäbliche Schnecken-Rennen hinter dem 1. FC Köln hielt am letzten Spieltag an. Paderborn ging die Luft aus und die Eisernen kamen zu spät in den Schlussspurt. Die beiden Tore in der Schlussphase waren zu wenig, dicht daneben ist auch vorbei. Die Aussicht auf die sichere Relegationschance wirkte sich auf beide nicht gut aus. Während im Lager der Eisernen sich ein bisschen Frust breitmachte, kannte der Jubel in Dresden keine Grenzen. Christian Fiel, der Trainer der Dynamos konnte reinen Herzens seinem ehemaligen Mannschaftskameraden und jetzigen Trainerkollegen Steffen Baumgart zum Aufstieg gratulieren. Was für eine verrückte Geschichte des Trainers Steffen Baumgart, als er nach Paderborn geholt wurde konnte er den Abstieg aus der 3. Liga nicht verhindern, durfte aber in der Liga bleiben, weil 1860 München aus wirtschaftlichen Gründen runter musste und es folgten zwei Aufstiege in Folge.

Baumgart hatte den Paderbornern einen bedingungslosen Angriffsfußball verordnet und es geschafft, den eher limitierten Kader zu einer Einheit zu verschweißen. Kaderplaner Markus Krösche holte genau die passenden Verstärkungen, an erster Stelle ist hier Philipp Klement zu nennen. In Berlin waren die Paderborner mit ihrem beherzten Angriffsfußball erfolgreich. Nach dem 1. FC Köln stellten sie mit 76 Toren den erfolgreichsten Angriff. Die Eisernen dagegen verfügten über die erfolgreichste Abwehr mit nur 33 Gegentoren. Auf Platz Zwei kommt in dieser Wertung der HSV mit 42 Gegentreffern. Es ist eine Binsenweisheit im Fußball, der Sturm schießt die Tore und die Abwehr gewinnt das Spiel oder holt die Meisterschaft. Für den 1. FC Union scheint die Regel außer Kraft gesetzt. Man tat sich schwer gegen defensiv agierende Mannschaften. Es reichte nur zu 14 Saisonsiegen, es dauerte zwar bis zum 18. Spieltag bis die erste Niederlage hingenommen werden musste, bis dahin waren bereits 10 Unentschieden.

Jetzt wartet der VfB Stuttgart, die Chancen stehen 50 zu 50 ? Seit Wiedereinführung der Relegation 2009 hat es erste zweimal der Zweitligist geschafft am Ende aufzusteigen. Bei den Eisernen soll Druck von der Mannschaft genommen werden, schließlich haben die Stuttgarter mehr zu verlieren.

Hans-Peter Becker

Der 1. FC Union blickt durch die Tür zur Bundesliga

Ist es nur noch ein Spiel oder muss die Saison für die Eisernen durch die Relegation verlängert werden ? Die Relegation ist bereits sicher, das Restrisiko, dass der HSV nach Punkten zwar gleichziehen kann, ist bei dem Torverhältnis zu vernachlässigen. Der Grundstein wurde mit einem überzeugenden 3:0 Sieg gegen den 1. FC Magdeburg gelegt.

In der seit Wochen ausverkauften „Alten Försterei“ brachte Grischa Prömel mit seinem artistischen Treffer zur 1:0 Führung nach 8 Minuten früh auf die Siegerstraße. Magdeburg hatte nichts zu bieten, es waren von den abgegebenen 12 Torschüssen, lediglich ganze zwei darunter, die die Qualität eines möglichen Torerfolges in sich trugen. Diese mangelnde Durchschlagskraft, nur 34 Tore in der laufenden Spielzeit, der schlechteste Wert aller Zweitligisten, war mit dafür verantwortlich, dass die Magdeburger wieder runter müssen.

Nach dem Schlusspfiff des sehr großzügig leitenden Schiedsrichters Robert Schröder aus Hannover sanken die Spieler in Blau-Weiß zu Boden und einige fingen an zu weinen. Während die Rot-Weißen feierten, sie hatten getan was notwendig war. Die erreichten 56 Punkte und der damit so gut wie sichere Tabellenplatz Drei sind der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte seit der deutschen Vereinigung. Gratulationen wollte man im Lager der Eisernen dafür nicht entgegenehmen. Verständlich, den der Fahrstuhl nach oben ist noch nicht betreten worden und im ungünstigen Fall geht die Tür wieder zu.

Es war zudem Respekt, den Urs Fischer gegenüber seinem Kollegen Michael Oenning bekundete: „Es ist heute nicht einfach: auf der einen Seite ein Trainer, der noch etwas gewinnen kann, auf der anderen Seite ein Coach, der gerade abgestiegen ist.“

Leider gab es zum Ende des Spiels Szenen, die keiner in einem Stadion sehen will. Magdeburger Fans versuchten die Plexiglasscheiben, die den Gästeblock abgrenzen, einzutreten. Vereinzelt wurden Metallteile in Richtung Spielfeld und Zuschauer geworfen. Einsatzkräfte der Polzei mussten vorübergehend für Ordnung sorgen. Das Spiel war unterbrochen. Im Block an der Waldseite, dort wo die Ultras des 1. FC Union stehen, wurden ein Banner und Fan-Utensilien des 1. FC Magdeburg gezeigt. Sebastian Polter begab sich an den Zaun, darauf verschwanden die Sachen aus dem Sichtfeld.

Es ist müssig darüber zu spekulieren wer angefangen hat, im Stadion sind auch Zuschauer, die sich einfach am Fußball erfreuen wollen und denen Ultra-Rituale gänzlich egal sind. Auf jeden Fall sind Strafen seitens des DFB zu erwarten.

Hans-Peter Becker

Nächste Aufgabe wartet in Darmstadt

Der 1. FC Union muss am 31. Spieltag nach Darmstadt reisen. Es ist der letzte Spieltag der Saison, der sich von Freitag bis Montag erstrecken wird. Die Eisernen spielen erst am Sonntag. Die direkten Konkurrenten Paderborn und der HSV haben da ihre Spiele bereits absolviert. Im Falle eines Sieges und Nichterfolgen der beiden anderen, wäre der Sprung auf Platz Zwei möglich. Wäre das zusätzlicher nervlicher Ballast oder würde das zusätzlich motivieren ? Es fällt nicht leicht, auf dem Teppich zu bleiben.

Für die Darmstädter geht es rein sportlich um nichts mehr. Der Klassenerhalt steht fest. Lediglich in der Geldrangliste sind, durch die Verbesserung des Tabellenplatzes, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Dafür können sie befreit aufspielen und genau das könnte gefährlich werden für den 1. FC Union. Der Kapitän der Darmstädter ist gebürtiger Berliner, der Ex-Herthaner Fabian Holland. In der BZ wird er mit folgenden Worten zitiert: „Die Siege in Köln und Hamburg waren natürlich überragend. Wir nehmen jetzt auch keine Rücksicht auf die Unioner und ihre Bundesliga-Absichten. Wir wollen gewinnen und uns nichts vorwerfen lassen. Union steht auf Relegationsplatz 3, einen Punkt hinter Paderborn.“

Urs Fischer hat kaum personelle Probleme und könnte mit einer ähnlichen Aufstellung und taktischen Grundausrichtigung wie zuletzt gegen den HSV agieren lassen. Sollte Florian Hübner nicht zu hundert Prozent fit sein, könnte ihn wieder Michael Parensen vertreten. In die Startelf zurückkehren wird nach seiner Gelbsperre Kapitän Christopher Trimmel.

An der nötigen Unterstützung in Hessen wird es nicht fehlen. Das Stadion am Böllenfalltor wird momentan um- und ausgebaut. Der Gästeblock ist mit seiner aktuellen Kapazität von 1.600 Plätzen restlos ausverkauft. Die Partie wird geleitet von Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock, ein gutes Ohmen, er leitete in dieser Saison das Spiel der Eisernen in Ingolstadt. Es wurde ein 2:1 Erfolg, so etwas ähnliches haben sie sich auch für den ersten Maisonntag vorgenommen.

Hans-Peter Becker

Berliner Profifußball im Wachkoma!

Die Überschrift habe ich aus einem tweet des geschätzten Kollegen Andreas Lorenz übernommen. Die Bilanz der beiden Berliner Proficlubs ist seit den letzten Wochen äußerst mau. In den letzten fünf Spieltagen brachten es Hertha und Union bei zehn Spielen auf null Siege, vier Unentschieden, sechs Niederlagen. Das sind vier von dreißig Punkten bei 8:20 Toren! und um weiter den oben genannten Kollegen zu zitieren: „Kämpfen, Jungs – der BER steht geschlossen hinter euch!“

Herthas Saison wird wahrscheinlich ein bisschen oder etwas mehr hinter den Erwartungen zurück bleiben. Der Klassenerhalt ist nach der Niederlage des VfB Stuttgart sicher und im positiven Fall ist ein einstelliger Tabellenplatz noch möglich. Das Spiel gegen Hannover am Ostersonntag vor über 38.000 Zuschauern – immerhin – war arm an spielerischer Klasse. War irgendwie egal, in der nächsten Saison werden beide höchstens im Pokal oder im Rahmen eines Spiels in Freundschaft aufeinandertreffen können oder es geschieht ein Wunder und Hannover schafft die Relegation.

Hertha sucht einen neuen Trainer und der 1. FC Union weiter die Form um endlich aufzusteigen. Am kommenden Sonntag, 28. April steht das wohl wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte an. Ein Sieg gegen HSV würde die „Pfanne nochmals heiß machen“. Die Eisernen sind inzwischen die aktuell „dienstälteste“ Mannschaft der 2. Bundesliga. Seit 10 Jahren halten sie diese Spielklasse, wäre mal Zeit für was neues. Ob es in diesem Jahr reicht ?

Das Thema Pal Dardai ist einen Beitrag zuvor ausführlich besprochen worden. Er hat dem Verein, ohne sich Anzubiedern, wieder ein Gesicht geben durch seine sympathische Art und er ist der erfolgreichste Trainer in der Ära des Sportdirektors Michael Preetz. Das beide grundverschiedene Typen sind, hat sich anfangs als förderlich erwiesen. In letzter Zeit gab es Meinungsverschiedenheiten, die wohl bis zum Zerwürfnis führten. Viele kleine Dinge die es nicht mehr möglich machten, um weiter zusammen zu arbeiten. Am Schluss könnte es Pal Dardai vielleicht recht gewesen sein, wieder auf seinen Arbeitsplatz im Nachwuchs zurückkehren zu können. Zwei Beispiele mögen das verdeutlichen, bei der Besetzung des Co. Trainer Postens, Rainer Widmayer geht nach Stuttgart, wollte Dardai wohl etwas anderes als Preetz und es gab die Vorkommnisse um Paul Keuter.

Mit diesem Kader wäre, mit weniger Verletzungspech und viel Glück, ähnliches zu schaffen gewesen wie aktuell in Frankfurt. Jetzt muss es ein Anderer richten und Hertha ist bei der Trainersuche mehr Glück zu wünschen, als bei den Bemühungen nach dem Baugrund für das neue Stadion. Ein Kandidat hat das Angebot gerade ausgeschlagen.

Hans-Peter Becker

Die Schönheit der Chance – Jahn Regensburg in der Alten Försterei

Am Ende der Pressekonferenz lieferte Unions Pressesprecher die passende Überschrift für den Vorbericht. Der 1. FC Union hat nach wie vor die realistische Chance, direkt aufzusteigen. Die unerwartete und tragische Niederlage des Hamburger Sportvereins gegen den 1. FC Magdeburg hat den Punkt, den die Eisernen aus Dresden mitgebracht hatten, vielleicht vergoldet. Erstaunlich, den die Bilanz der Eisernen aus den letzten drei Spielen war ernüchternd, lediglich ein Punkt konnte geholt werden. Der HSV machte es nicht besser.

Der HSV spielt in Köln, die im Nachholspiel in Duisburg ein 4:4 erreichten und mit einem Sieg beim Gipfeltreffen den Sekt für die Aufstiegsfeier kalt stellen könnten. Sie hätten dann zehn Punkte Vorsprung und dazu das beste Torverhältniss bei noch fünf ausstehenden Spielen. Aus Berliner Sicht werden kräftig die Daumen für die Kölner gedrückt werden, besonders dann, wenn die eigene Aufgabe gegen Jahn Regensburg zuvor erfolgreich gelöst wurde. Damit ist die „Schönheit der Chance“ geschildert, am Freitag, 12. April ab 18:30 Uhr werden die Eisernen alles versuchen, den zehnten Heimsieg der Saison einzufahren. Mit 31 Punkten sind sie bisher die erfolgreichste Heimmannschaft der Liga.

Der Gegner Jahn Regensburg reist mit der Euphorie des bereits erreichten Saisonzieles nach Berlin. Mit 41 Punkten haben sie ihr Plansoll übererfüllt und können befreit aufspielen. Bei den Eisernen dagegen steigt der Druck, jetzt bloß nicht in Schönheit sterben. Urs Fischer steht, bis auf Fabian Schönheim, der gesamte übrige Kader zur Verfügung. Mit Fragezeichen versehen sind die Einsatzmöglichkeiten von Christopher Lenz, Suleiman Abdullahi und Errol Zejnullahu. Auf Seiten der Regensburger sind keine Ausfälle zu vermelden.

Die Eisernen werden das Spiel machen und dabei auf der Hut vor der Konterstärke der Gäste sein müssen. Der Jahn spielt sehr körperbetont und versucht, das Mittelfeld mit langen Bällen zu überbrücken, so die Einschätzung von Fischer zur Spielweise. Vielleicht ist der neu verlegte Rasen im heimischen Stadion das Zünglein an der Waage, um endlich mal wieder einen Heimsieg zu erringen. Zuletzt gelang dies auch gegen eine Mannschaft aus Bayern. Am 8. März wurde Ingolstadt mit einer 0:2 Niederlage nach Hause geschickt.

Das Stadion „An der Alten Försterei“ ist, was den Heimbereich betrifft, ausverkauft. An der Tageskasse werden lediglich Tickets für den Gästeblock erhältlich sein. Aus Regensburg werden zwischen vier- bis sechshundert Schlachtenbummler erwartet. Geleitet wird das Spiel von Harm Osmers.

Hans-Peter Becker

Niederlagen im Berliner Profifußball

Am Donnerstag, 21. März stimmen die Vereine der 2. Bundesliga darüber ab, ob wie in der höchsten Spielklasse bereits vorhanden, der Videobeweis eingeführt werden soll. Die Niederlage des 1. FC Union in Heidenheim hätte auch nach Videobeweis Bestand gehabt. Ein bisschen Pech und widrige Witterungsverhältnisse machten die technischen Vorteile der Eisernen zunichte. Tiefes Geläuf bei Dauerregen erschwerten die Spielkontrolle, dazu wollten die Heidenheimer in der zweiten Halbzeit den Sieg etwas mehr als die Berliner. Es gelang zwar durch Robert Zulj kurz vor der Halbzeitpause die Führung, am Ende gewannen die Heidenheimer.

Die Folgen hielten sich in Grenzen, zwar schmolz das Punktepolster zu den Mitkonkurrenten ab Tabellenplatz vier, dafür blieb der Abstand zum direkten Aufstiegsplatz zwei. Der Hamburger Sportverein leistete sich eine 1:2 Heimniederlage gegen Darmstadt, die drei wichtige Punkte im Abstiegskampf einsammelten. Das Spiel zu drehen schaffte auch Aufsteiger Paderborn und die kommen nach der Länderspielpause in die Alte Försterei. Sollte der HSV seine Schwächephasen nicht in den Griff bekommen und sie müssen noch in Berlin antreten, der direkte Aufstieg für die Eisernen bliebe im Sichtfeld. Die Relegation sollte vermieden werden, vorgesehen für den 23. und 27. Mai und es könnte, wenn Schalke so weitermacht, die Rückkehr von Steven Skrzybski bedeuten.

Union verlor am Freitagabend und die Alte Dame machte es knapp 24 Stunden später nicht besser. Im ausverkauften Olympiastadion hatte der Gast aus Dortmund nach leidenschaftlichen und kämpferischen Verlauf knapp die Nase vorn. Einen Punkt hätten die Herthaner verdient gehabt, die Bundesliga ist halt kein Wunschkonzert. Es läuft gerade nicht und die graue Maus kommt wieder mehr zum Vorschein. Der Schiedsrichter Tobias Welz hatte einen schlechten Tag. Er übersah einen klaren Foulelfmeter, den Hertha hätte bekommen müssen, okay dafür war der Handelfer umstritten. Übersehen hatte er zunächst die Kindergartenaktion von Herthas Kapitän Vedad Ibisevic. Der hatte gezeigt, dass er als Handballer gut treffen kann. Dortmunds Torwart Roman Bürki bekam den Ball an den Kopf. Ein Assistent und der Keller in Köln hatten es gesehen, glatt Rot war die Folge.

Die Alte Dame verabschiedet sich langsam von allen Ambitionen und wird die Saison im Windschatten der eigenen Erwartungen zu Ende bringen. Vier Heimspiele sind es noch, die Gäste kommen aus Düsseldorf, Hannover, Stuttgart und Leverkusen.

Hans-Peter Becker