BR Volleys – Interview mit Cedric Enard

Pressefoto Credit: © Maximilian Franz

Meistertrainer Cedric Enard prägt bei den Berlin Recycling Volleys inzwischen eine Ära. Nachdem der 46-jährige Franzose in den vergangenen vier Jahren jeweils einen Titel gewann und seinen Vertrag nun um zwei weitere Spielzeiten verlängerte, blickt er ungebrochen motiviert in die Zukunft. Den Sommer verbringt Enard als Nationalcoach Kroatiens, bevor der frühere Mittelblocker ab September wieder ehrgeizige Ziele mit dem Hauptstadtklub verfolgt.

Cedric, hattest Du Gelegenheit nach dem emotionalen Saisonfinale kurz zu verschnaufen?
Enard: „Ich konnte zwar den Moment genießen, aber leider blieb mir im Anschluss kaum eine Pause. Insgesamt war ich vier Tage in Frankreich und habe vor allem den Umzug meiner Familie organisiert, die wieder dauerhaft zurückkehren wird. Daher waren es stressige Tage, bis ich direkt nach Kroatien zu meinem neuen Nationalteam weitergereist bin.“

Du bereitest Dich mit den Kroaten also bereits auf die Aufgaben im Sommer vor?
Enard: „Korrekt, mit der European Golden League startet das erste Turnier schon in gut zwei Wochen. Das Finalturnier steigt am 18. und 19. Juni bei uns in Kroatien. Dann stehen für uns in den kommenden Monaten auch noch die Mediterranean Games in Algerien Ende Juni bis Anfang Juli und die Europameisterschaftsqualifikation im August an. So ist das Leben als Vereins- und Nationaltrainer in Doppelfunktion, aber das habe ich mir ausgesucht und macht mir auch Freude.“

Wie sehen die Ziele mit Kroatien dabei aus?
Enard: „Wir sind ambitioniert, wissen unsere Position aber auch einzuschätzen. Es gab in der Mannschaft einen kleinen Umbruch, so arbeite ich mit zwei sehr jungen Zuspielern. Wir müssen gucken, wie schnell die Entwicklung voranschreitet. In der Golden League sind Teams wie die Türkei oder Belgien favorisiert, aber als Ausrichter des Finalturniers wollen wir die Favoriten ärgern. Das Hauptaugenmerk wird auf der wichtigen EM-Qualifikation liegen. Diese wollen wir in der Zeit vom 03. bis 21. August unbedingt schaffen. Das ist auch das letzte Turnier des Sommers.“

Wann kannst Du dann in die Saisonvorbereitung bei den BR Volleys einsteigen?
Enard: „Ich werde noch eine Woche Urlaub mit der Familie machen und dann bin ich ab September in Berlin. Die entscheidende Phase der Vorbereitung inklusive der Testspiele kann ich also mit der Mannschaft gestalten. Zuvor wird mein Trainerteam wieder gute Arbeit machen und die Grundlagen schaffen, da bin ich sicher.“

Wie viel bedeutet es Dir, zwei weitere Jahre in Berlin dranzuhängen?
Enard: „Ich bin glücklich und stolz, in das fünfte und sechste Jahr bei den BR Volleys zu gehen. Ich kann für mich sagen: Ich lebe diesen Klub und dieses Projekt. Hier zu bleiben, war in meinem Kopf immer die erste Option. Der Wille dazu war von beiden Seiten spürbar. Als die Vereinsführung mir endgültig signalisierte, dass sie mit mir weiterarbeiten möchte, habe ich direkt zugesagt.“

Du hast die Lebenssituation Deiner Familie angesprochen. Wie wird sich diese zur neuen Saison verändern?
Enard: „Wir hatten in den vergangenen vier Jahren den glücklichen Umstand, dass wir mit der gesamten Familie, also meiner Frau Caro und unseren drei Töchtern, in Berlin leben konnten. Sie haben hier eine sehr gute Schule besucht und auch Deutsch gelernt. Unsere älteste Tochter hat im letzten Jahr bereits begonnen, in Frankreich zu studieren. Nun stehen auch für unsere mittlere wichtige Entscheidungen für den weiteren Lebensweg an. Wir möchten unseren Kindern alle Optionen für die Zukunft ermöglichen und damit sie genau das tun können, was sie möchten, ist der Weg zurück nach Frankreich der richtige und nötige Schritt. Caro hat eine neue Arbeitsstelle und kann fast ausschließlich aus dem Homeoffice arbeiten. Das bedeutet, wenn immer Schulferien sind, können sie zu mir nach Berlin kommen. Die Konstellation der letzten Jahre war Luxus. Die Situation jetzt kennen wir aus meiner Zeit in Tours und werden auch dies gut managen.“

Du hast mit den BR Volleys in jedem Jahr einen Titel gewonnen und alle möglichen Deutschen Meisterschaften geholt. Überspitzt gesagt: Was bleibt noch an Zielen und Motivation für Dein fünftes Jahr?
Enard: „Die Ziele bleiben unverändert. Das ist das Schöne an Berlin. Wir wollen und können um alle nationalen Titel spielen. Diese Bundesliga-Saison hat wieder gezeigt, dass niemand denken sollte, Erfolge sind selbstverständlich. Friedrichshafen hat im Pokal und Saisonfinale bewiesen, wie stark sie sind. Düren wird im nächsten Jahr – angestachelt von dem Verlauf des Halbfinals – extrem motiviert zurückkehren. Frankfurt hatte unheimlich viel Pech und wird mit weniger Verletzungen besser sein. Auch in Lüneburg formiert sich wieder etwas Gutes. Sich dem Kampf gegen diese Kontrahenten zu stellen, bleibt extrem reizvoll. Dann ist da die Champions League, in der wir diesen einen, kleinen Schritt weiter vorankommen wollen. Wir möchten uns wieder in eine Position bringen, die Chance auf das Halbfinale zu haben. Da spielt natürlich neben der Auslosung eine Rolle, wie es mit den russischen Vereinen im nächsten Jahr weitergeht.“

Bist Du optimistisch, dass das BR Volleys Team 2022/23 so stark sein wird wie die Meistermannschaft dieser Spielzeit?
Enard: „Wie Kaweh auf der Saisonabschlussfeier schon sagte, bestehen natürlich noch offene Fragen, die darauf maßgeblichen Einfluss haben. Dazu gibt es noch keine News und leider liegen nicht alle Faktoren in unserer Hand. Ich denke, wir haben mit einigen Vertragsverlängerungen auch starke Signale gesetzt. Mit Tim Carle, Ruben Schott, Cody Kessel, Marek Sotola, Nehemiah Mote und Adam Kowalski bleiben viele wichtige Spieler definitiv. Dazu freue ich mich unheimlich auf die Rückkehr von Anton Brehme. Mit seiner Art tut er der Mannschaft extrem gut und wird hoffentlich wieder körperlich vollständig fit eine Bereicherung für unser Spiel sein. In den nächsten Tagen und Wochen wird die ein oder andere neue Personalie hinzukommen, auf die sich die Fans freuen dürfen.“

Quelle:Christof Bernier/BR Volleys

Entschlossen zurückgeschlagen

Headcoach Cedric Enard forderte nach dem verlorenen Spiel zwei eine klare Reaktion und die zeigte sein Team am Mittwochabend in der Max-Schmeling-Halle. In 83 Minuten besiegten die BR Volleys die United Volleys mit 3:0 (25:18, 25:17, 25:22) und sicherten sich so die 2:1-Führung in der Playoff-Halbfinalserie. Nun gilt es, das gute Heimspiel auch auswärts zu bestätigen. Dann können die Berliner am Samstag (09. Apr um 19.00 Uhr) in der Ballsporthalle ihr Finalticket buchen und dem VfB Friedrichshafen ins Endspiel folgen.

Ruben Schott meldete sich wieder fit für dieses dritte Playoff-Halbfinale und gab dem zuletzt wackligen BR Volleys Team wieder Sicherheit. Obwohl die leichten Fehler aus Spiel zwei nicht sofort gänzlich abgestellt wurden, rissen die Berliner die 2.819 mit leidenschaftlicher Block-Abwehr-Arbeit mit. Die Asse von Benjamin Patch und Timothée Carle waren ebenso Highlights wie Nehemiah Motes Block gegen den Hinterfeldangriff seines Landsmannes Max Staples (8:6). Libero Santiago Danani und seine Nebenmänner gaben in der Abwehr weiter alles und belohnten sich dann vorn im Angriff und Block regelmäßig (17:11). Auch die Einwechslung von Cody Kessel machte sich bezahlt. Der US-Amerikaner trug sich direkt auf das Scoreboard ein und Patch machte mit seinem sechsten Punkt den ersten Satzgewinn perfekt (25:18).

Die Hausherren blieben ihrer Linie treu, waren gierig in der Abwehr und präsent im Block. Zwei Aufschlagserien von Jendryk, der sich gegenüber dem letzten Match ebenfalls deutlich steigerte, entschieden den zweiten Durchgang (7:3, 18:10). Zwischenzeitlich setzte es sogar drei Blocks in Folge (zweimal Grankin, einmal Mote). Anders als noch am Samstag zogen diesmal die Berliner Diagonalangreifer Daniel Malescha den Zahn, sodass Gästetrainer Christophe Achten kurzzeitig auf Routinier Jochen Schöps setzte. Carle beendete Satz zwei per krachendem Ass (25:17).

Wie bereits vor einer Woche steigerten sich die Gäste im dritten Durchgang und konnten sich nun häufiger gegen den Block der Männer in Orange durchsetzen (9:11). Erneut war es aber Jendryk, dessen Extraschichten in Aufschlag und Block sich auszahlen sollten. Seine Serie drehte den Satz (14:13) und der spätere MVP Schott unterstrich seine Wichtigkeit für die Mannschaft mit dem Ass zum 17:15. Die Hessen blieben in Kontakt (23:22), bis – natürlich nach einem Jendryk-Service – Patch mit seinem insgesamt 18. Punkt den Matchball zum Sieg verwandelte (25:22). Damit haben die Berliner nun zwei Chancen, ins Finale um die Deutsche Meisterschaft einzuziehen, wollen aber gleich die erste am Samstag in Frankfurt nutzen. Bereits als Finalist fest steht seit Mittwochabend auch der VfB Friedrichshafen, der sich mit dem dritten Sieg in der Serie gegen die SWD powervolleys Düren durchsetzte.

Stimmen zum Spiel
Cedric Enard: „Ich werde dem Team gleich in der Kabine sagen: Das war Volleyball! Das ist es, was es in den Playoffs braucht! Die Letzten zwei Tage war durchaus Anspannung spürbar, aber die Reaktion der Mannschaft heute war perfekt. Zwei Sätze waren nahezu alle Elemente gut und diesmal haben wir auch im dritten die Kontrolle nicht verloren. Aber das bringt uns alles wenig, wenn wir es am Samstag nicht bestätigen.“

Ruben Schott: „Wir haben heute unser wahres Gesicht gezeigt. Genau mit dieser Aggressivität müssen wir zu Werke gehen und auch bei einer Führung von vier, fünf Punkten nicht nachlassen. Frankfurt wird sich in Spiel vier garantiert wieder steigern und darauf müssen wir vorbereitet sein.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Matthew West, Marek Sotola

Topwerte
Patch 18 Punkte | Carle 10 Punkte, 2 Asse | Schott 9 Punkte, 67 % Angriffsquote | Grankin & Mote 3 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Zum ersten Sieg gebissen

Als Cody Kessel zum letzten Punkt des Abends blockte, fiel von den BR Volleys durchaus eine Last ab: Zum Auftakt in das Playoff-Halbfinale kämpften die Berliner in ihrer Max-Schmeling-Halle die United Volleys Frankfurt mit 3:1 (25:20, 25:17, 22:25, 25:23) nieder. Den ersten von drei nötigen Siegen für den Einzug ins Finale mussten sich die Gastgeber nach einer Schwächephase in Satz drei hart erarbeiten. Am Samstag findet die Serie in der Ballsporthalle Frankfurt ihre Fortsetzung (02. Apr um 19.00 Uhr).

In dieses Playoff-Halbfinale starteten die BR Volleys mit ihrer etatmäßigen Besetzung um Kapitän Sergey Grankin. Vor 2.567 Zuschauern standen gemeinsam mit dem Olympiasieger Ruben Schott, Jeffrey Jendryk, Nehemiah Mote, Timothée Carle, Benjamin Patch und Libero Santiago Danani auf dem Court. Beide Kontrahenten waren im Block sofort präsent und machten den gegnerischen Angreifern das Leben schwer (4:4). Schotts Block gegen Malescha verlieh dem Ausdruck (8:6) und in der Folge waren es die Berliner, die sich häufiger durchsetzen konnten. Nach guten Aufschlägen von Patch (14:10) und Grankins punktgenauem Angriff mit Links (16:11) hatten die Hauptstädter zu ihrem Spiel gefunden (21:16). Tim Carle schlug den Ball durch den United-Block zum Gewinn des ersten Satzes (25:20). Die Hausherren kontrollierten in dieser Phase das Geschehen und spielten auch Durchgang zwei von vorn weg. Ein Ass von Schott sorgte für eine Vier-Punkte-Führung (9:5) und ein weiterer Servicewinner von Grankin erhöhte den Vorsprung noch einmal (17:12). Trotz schöner Abwehraktionen auf beiden Seiten blieben Patch & Co durchsetzungsstärker (22:14, 25:17).

Im dritten Spielabschnitt ereilte die BR Volleys das bekannte “Volleyball-Syndrom“. Nach zwei erfolgreichen Sätzen ging die Spannung etwas verloren und Frankfurt fand zurück ins Match. Nun stand der Block der Hessen wieder gegen Patch, Carle und Schott. Cedric Enard setzte bei 11:16 auf Cody Kessel anstelle von Carle, doch Frankfurt legte nun auch im Aufschlag zu. Die Uniteds um ihren besten Scorer Malescha (21 Punkte) nutzten den vierten Satzball zum Anschluss (22:25).  Jetzt mussten die Hauptstädter um jeden Punkt kämpfen und suchten die Leichtigkeit aus den ersten zwei Sätzen (8:8, 16:16). Auf Augenhöhe ging es in die Schlussphase von Durchgang vier (22:22) und nachdem sich erneut Schott gegen den Frankfurter Block durchsetzen konnte, hatten die Gastgeber Matchball. Enard – der zuvor wieder dem Franzosen Carle den Vorzug gab – verstärkte mit Kessel den Block und der US-Amerikaner zahlte das Vertrauen zurück. Der Dreierblock um den 30-Jährigen entschied das Match und brachte dem Hauptstadtclub den ersten Sieg in dieser “best of five“-Serie ein (25:23). MVP-Gold ging an Spielführer Grankin, der über seine Zuspielkünste hinaus auch fünf erfolgreiche Angriffe (83 %) und zwei Asse zum Heimerfolg beisteuerte.

Stimmen zum Spiel
Ruben Schott: „Irgendwie ging es uns in dieser Saison schon häufiger so wie heute. Wir haben zwei Sätze gut und dominant gespielt und im dritten etwas nachgelassen. Frankfurt war dann aber auch selbst deutlich stärker und hat das Aufschlag-Annahme-Duell für sich entschieden. Dieses Spiel hat gezeigt, dass wir die Spannung in dieser Serie permanent hochhalten müssen. Das muss für Samstag bei jedem im Kopf sein, um uns für Mittwoch das erste Matchball-Spiel vor unseren Fans zu erkämpfen.“
Kaweh Niroomand: „Man hat der Mannschaft angesehen, dass wir zwölf Tage keinen Wettkampf hatten. Das ist in den Playoffs nicht üblich und für Kopf und Körper nicht einfach. Deshalb haben wir uns schwergetan und streckenweise pomadig agiert. Wir brauchen im Saisonfinale unsere Bestform. Ein Spiel wie heute kann auf dem Weg dorthin hoffentlich helfen. Jetzt ist der Anfang gemacht, aber wir müssen dennoch zulegen.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Matthew West, Marek Sotola

Topwerte
Benjamin Patch 22 Punkte, 2 Blocks | Carle 16 Punkte | Jendryk 10 Punkte, 2 Blocks | Grankin 7 Punkte, 2 Asse


Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys untermauern Spitzenposition

Zum saisonübergreifend 26. Mal verließen die BR Volleys am Samstagabend das Spielfeld als Sieger. Bei den SWD powervolleys Düren, wo die Berliner am 20. März 2021 zuletzt ein Pflichtspiel verloren, gewannen Kapitän Sergey Grankin und sein Team am zweiten Spieltag der Zwischenrunde mit 3:1 (25:21, 25:23, 14:25, 25:19). Der Russe führte die Hauptstädter als MVP nach einer Schwäche in Satz drei zum letztlich einmal mehr souveränen Auswärtssieg.

Benjamin Patch, vor sieben Tagen im Heimspiel gegen Friedrichshafen der “Gamechanger“ für die Berliner, rückte vor 750 zugelassenen Zuschauern in der Arena Kreis Düren wieder in die Startformation. Die BR Volleys waren auf großen Druck der Hausherren eingestellt und wollten selbigen ebenfalls von Beginn an ausüben. Wie erhofft, rollte die Berliner Angriffsmaschinerie unter Sergey Grankins Regie im Auftaktsatz. Über die Zwischenstände 8:5 und 16:11 war der Deutsche Meister tonangebend. Düren kämpfte sich in fast schon üblicher Manier heran (20:19), aber dann zog Cedric Enard mit Matthew West für den Aufschlag den richtigen Joker. Der Service des ehemaligen Düreners machte den Unterschied, die BR Volleys setzten sich wieder ab (23:19) und ein Fehlaufschlag von Tomas Kocian sorgte für die 1:0-Satzführung des Tabellenführers (25:21).

Nach gutem Start der SWD powervolleys in Durchgang zwei brachte Timothée Carle per Ass und Hinterfeld-Angriff sein Team wieder auf Kurs (7:4). Das Heimteam verbuchte zwar die ersten direkten Blocks des Spiels durch Erik Röhrs und Marcin Ernastowicz (14:13), aber Patch gab per krachendem Angriff auf fünf Meter die passende Antwort (15:13). In Aufschlag und Block präsentierten sich die Powervolleys in dieser Phase ebenbürtig und Kapitän Michael Andrei packte gleich zweimal gegen Nehemiah Motes Schnellangriff zu (20:22). Es schlug die Stunde von Ruben Schott, der zum perfekten Zeitpunkt den Druck im Aufschlag erhöhte und den Durchgang wieder drehte (24:22, 25:23).

Ein Blitzstart der Rheinländer brachte Grankin & Co in Satz drei gehörig unter Zugzwang (0:3, 4:8). Cody Kessel kam ins Spiel, aber Düren zog davon (6:13). Während Sebastian Gevert & Co nun stark aufspielten, gab Enard Patch und Grankin eine Verschnaufpause (8:16). Der eingewechselte Filip John nutzte den ersten Satzball der Gastgeber zum 2:1-Anschluss (14:25). Zurück in der Ursprungsformation konnten die Berliner ihren Druck im Aufschlag wieder deutlich erhöhen (8:5). Der klar verlorene Satz war abgeschüttelt und Grankin gab dem Angriffsspiel seiner Mannschaft nun wieder den perfekten Rhythmus. Der spätere MVP blockte nun auch noch selbst (16:10, 21:14) und der Berliner Topscorer Benjamin Patch veredelte den perfekten Über-Kopf-Pass von Schott zum wettbewerbsübergreifend 21. Sieg der Saison und insgesamt 26. Erfolg in Serie. Weiterhin ungeschlagen gehen die Berliner damit in das so wichtige DVV-Pokal-Halbfinale beim VfB Friedrichshafen. Am Mittwochabend (02. Feb) geht es in Ulm um den Einzug ins Endspiel.

Stimmen zum Spiel
Erik Röhrs (DUR): „Wir hatten nach der langen Pause zum Anfang des Spiels ein bisschen Probleme. Berlin ist zum Neustart natürlich ein Brocken. Es hat sich durch das Match gezogen, dass uns in manchen Phasen die letzte Konsequenz und das Selbstvertrauen gefehlt haben. Wir haben zeitweise gut dagegengehalten und es ist schade für uns, denn wir hatten das Gefühl, dass auch mehr drin war. Den wichtigen zweiten Satz hat Ruben mit starken Aufschlägen für die BR Volleys gewonnen.“

Ruben Schott: „Ich bin stolz, wie wir uns als Team hier heute wieder durchgesetzt haben. Der dritte Satz hatte Parallelen zum verlorenen Satz gegen Friedrichshafen. Wir haben zu viele Punkte in Folge abgegeben. Diese Schwächephasen sind dann kaum noch zu kompensieren. Die Reaktion in Satz vier war wieder hervorragend. Trotzdem darf uns das am Mittwoch im Pokal und in der Champions League so nicht passieren, denn in beiden Wettbewerben wollen wir unbedingt noch eine Runde weiterkommen.“

BR Volleys Formation
Ruben Schott und Timothée Carle (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Matthew West, Cody Kessel, Marek Sotola

Topwerte
Patch 16 Punkte, 76 % Angriffsquote | Carle 11 Punkte, 2 Asse | Jendryk 10 Punkte, 2 Blocks
Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Fotocredit: Powervolleys

BR Volleys – Platz eins gesichert

Die BR Volleys gehen in der Saison 21/22 als bestplatziertes Team in die Zwischenrunde: Dieser Etappenerfolg ist dem Deutschen Meister nach dem 14. Sieg in der Volleyball Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Im Berlin-Brandenburg-Derby gaben die Gastgeber zwar ihren ersten Satz der Saison in eigener Arena ab, doch – auch dank eines überragenden Georg Klein – entschieden die Hauptstädter das Duell gegen die Energiequelle Netzhoppers KW-Bestensee mit 3:1 (22:25, 25:18, 25:15, 25:19).

Bereits beim Verkünden der Startformation brannte im Volleyballtempel ein erstes Mal großer Jubel auf: Der reaktivierte Georg Klein durfte vor dem Berliner Publikum sein Starting-Six-Comeback geben und wie es ein guter Kapitän eben macht, bekam der Mittelblocker von Sergey Grankin direkt den erfolgreich verwandelten Pass (2:1). Die BR Volleys nahmen den Schwung aus dem Champions League unter der Woche zunächst mit (11:8), aber schnell hatten sich die Gäste mit der kürzesten Anreise aller Bundesligisten in das Match gearbeitet. Tomasz Wasilkowski zauberte im Diagonalangriff den jungen Max Schulz aus dem Hut und der trumpfte auf (13:13, 16:18). Während die Netzhoppers-Brust von Punkt zu Punkt breiter wurde, hakte es im Berliner Spiel (20:21). Schließlich legte der Mann mit den meisten Assen der Liga, Theo Timmermann, ein entscheidendes nach (22:25).

Im zweiten Spielabschnitt kam Sergey Grankin allmählich auf Touren und auch Samuel Tuia konnte sich mit gutem Service hervortun (14:8). Georg Klein fügte sich währenddessen weiter ein, als wäre er nie weg gewesen. Fünf von fünf Angriffen hatte der 30-Jährige Mitte des zweiten Satzes verwandelt und auch zum Schiedsrichter nahm er nach strittiger Situation bereits Kontakt auf (17:11). Sotola war erneut Berlins Punktemaschine und zügig war der erste Satzverlust in eigener Arena wettgemacht, als Klein krachend blockte (25:18). Nun hatten die Hauptstädter, bei denen weiterhin Anton Brehme und Cody Kessel fehlten, das Match unter Kontrolle und die nächsten Ausrufezeichen setzten wieder Klein und Carle per Block (14:9). Die wackeren Gäste aus Brandenburg mussten im Angriff federn lassen, auch weil der eingewechselte Adam Kowalski in der Abwehr zwischenzeitlich heiß lief (21:13) und wer blockte zum nächsten Satzgewinn? Natürlich Georg Klein (25:15).

Der Mittelblocker hatte in Satz vier sogar noch ein Ass für die 1.866 Zuschauer parat (2:0) und sein Nebenmann Nehemiah Mote wurde in der Folge von Jeffrey Jendryk entlastet. Unbeirrt gingen die BR Volleys ihren Weg und das Derby war in Durchgang vier frühzeitig entschieden (8:5, 16:10). Zum Matchball war Klein diesmal nicht auf dem Court um zu blocken und so machte ein Aufschlagfehler der Gäste den wettbewerbsübergreifend achten Heimsieg der Saison für die Berliner perfekt (25:19). Der Volleyballtempel ahnte, was kommen würde: Wasilkowski wählte Klein zum MVP, der vom Publikum entsprechend gefeiert wurde. 626 Tage nach dem abrupten Saisonabbruch 19/20 und seinem virtuellen Abschiedsspiel bekam der angehende Polizist damit noch einmal unverhofft seinen ganz großen Auftritt vor den eigenen Fans.

Stimmen zum Spiel
Cedric Enard: „Es war ein komisches Spiel, aber das war irgendwie auch erwartbar. Es ist nur menschlich, zwischen zwei so wichtigen Matches den Fokus nicht direkt zu finden. Am Mittwoch haben wir in Lissabon ein ganz wichtiges Spiel gewonnen und am kommenden Mittwoch geht es in Friedrichshafen um extrem viel. Da ist dieser erste Satz verkraftbar. Das Ergebnis ist am Ende zufriedenstellend, auch wenn wir heute auf manchen Positionen in der Annahme Probleme hatten. Für Georg freue ich mich einfach unheimlich. Dieser feine Kerl hat sich das einfach verdient.“

Georg Klein: „Ich glaube, nach dem guten Start haben wir vielleicht gedacht, es wird heute ein Selbstläufer. Aber so einfach ist das gegen die Netzhoppers nicht, die hier gut aufgetreten sind. Wir konnten uns zum Glück retten und der eine Satzverlust schärft die Sinne. Es war ein geiles Gefühl, mein Comeback in der Max-Schmeling-Halle zu geben und dem Team so helfen zu können. Mit meiner Performance kann ich dabei auch ganz zufrieden sein. Die Krönung des Tages war, dass ich das vor den Augen meiner Familie noch einmal so erleben durfte.“

BR Volleys Formation
Samuel Tuia und Timothée Carle (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Marek Sotola (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Adam Kowalski, Ruben Schott, Matthew West

Topwerte
Sotola 19 Punkte, 2 Asse, 2 Blocks | Klein 12 Punkte, 4 Blocks, 80 % Angriffsquote | Tuia 12 Punkte, 2 Asse

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys – Auftakt in der Champions-League

Pressefoto Credit: Maximilian Franz

Für das BR Volleys Team und dessen Fans hat das Warten ein Ende, denn der Deutsche Meister startet am Mittwoch (01. Dez um 19.30 Uhr) endlich in die CEV Champions League Volley 2022. Bei ihrer zehnten Teilnahme an der Königsklasse in Serie treffen die Berliner erstmals auf einen Gegner aus Serbien. Zum Auftakt im höchsten europäischen Wettbewerb wollen Sergey Grankin & Co gegen Vojvodina Novi Sad ans Limit gehen, um vor eigenem Publikum in der Max-Schmeling-Halle bestenfalls die ersten wichtigen Punkte einzusammeln.

Seitdem die BR Volleys in der Saison 2012/13 die Rückkehr in die CEV Champions League feierten, empfing der Hauptstadtclub Gäste aus aller Herren Länder – ein Kontrahent aus Serbien war allerdings noch nicht dabei. Somit kommt am Mittwoch mit Vojvodina Novi Sad ein weitestgehend unbekannter Gegner auf die Berliner zu, was dem ohnehin schon mit großer Spannung erwarteten internationalen Auftakt zusätzliche Würze verleiht. Novi Sad schlägt dabei mit der Empfehlung von fünf nationalen Meistertiteln in Folge in der Max-Schmeling-Halle auf. Der Serientitelträger aus dem Land des Europameisters von 2019 brachte in seiner Clubgeschichte zahlreiche große Namen hervor, allen voran die Spieler- und, spätestens seit dem letztjährigen Champions-League-Triumph mit ZAKSA Kędzierzyn Koźle, auch Trainer-Legende Nikola Grbić. Aber auch aktuelle Stars der Volleyballszene wie Marko Podraščanin oder Marko Ivović zogen von Novi Sad hinaus in die weite Welt und zu den Topclubs Europas.

Der eine oder andere der insgesamt 14 Akteure im Kader von Cheftrainer Slobodan Boškan hat sicher Ähnliches im Sinn und will sich dafür in dieser Spielzeit auf internationalem Parkett empfehlen. Lediglich zwei Legionäre, nämlich der Bulgare Radoslav Parapunov und der russische Staatsbürger Rafal Miguel, stehen im Aufgebot von Vojvodina. In der heimischen Liga müht sich der Titelverteidiger derzeit noch etwas durch die Hauptrunde, verlor nach zuvor vier Siegen in Folge am Freitag mit 2:3 bei Ribnica Kraljevo – also gegen den Verein, der sich jüngst im CEV-Cup gegen die SVG Lüneburg durchsetzte.

Obwohl Sergey Grankin international nahezu alles gesehen hat, ist der Gegner für den BR Volleys Kapitän dennoch schwer einzuschätzen: „Man wird nicht von ungefähr Meister in einem Land wie Serbien, aber wie stark unser Kontrahent wirklich ist, werden wir wohl erst wissen, wenn wir uns am Netz gegenüberstehen.“ Überhaupt möchte der Berliner Spielmacher viel mehr auf seine Mannschaft schauen: „Die CEV Champions League ist seit Saisonbeginn ein großes Thema für uns. Wir fiebern diesem Auftakt lange entgegen und sind entsprechend motiviert. Der Modus verzeiht keine Fehler, deshalb müssen wir zuhause direkt punkten.“

Zwar hat das BR Volleys Team in den vergangenen Wochen intensiv auf den Startschuss in der Königsklasse hingearbeitet, perfekte Voraussetzungen bestehen leider dennoch nicht. Außenangreifer Cody Kessel, in dieser Saison regelmäßig mit überzeugenden Leistungen in der Bundesliga, musste am Wochenende gegen Lüneburg pausieren. Ein leichte Knöchelverletzung setzte ihn außer Gefecht, wobei Trainer Cedric Enard Hoffnung hat: „Er kann womöglich am Mittwoch wieder eine Option sein. Das wird sich erst kurzfristig entscheiden.“ Verzichten muss der Coach beim ersten Aufschlag auf Europas größter Volleyballbühne weiterhin auf Anton Brehme. Der Nationalspieler wird jedoch von einem anderen Mittelblocker aus Leipzig vertreten: Georg Klein darf sich (nach seinem Karriereende im Frühjahr 2020) unverhofft noch einmal den Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle präsentieren und diese werden garantiert nicht nur den Rückkehrer herzlich empfangen, sondern auch ihr Team im Anschluss unermüdlich unterstützen.

Zulassungsregelung
Für alle Zuschauer und Veranstaltungsteilnehmer im Volleyballtempel gilt die 2G-Regel (geimpft oder genesen) sowie wieder eine permanente Maskenpflicht (auch am Sitzplatz). Schüler im Alter von 6 bis 17 Jahren erhalten unter Vorlage ihres Schülerausweises (kein Impf- oder Genesenennachweis nötig) Zugang zur Arena. Zusätzlich empfiehlt der Hauptstadtclub allen Besuchern, sich vorab freiwillig einem Covid-Test zu unterziehen. Dieser kann beispielsweise direkt auf dem Weg zur Max-Schmeling-Halle im nahegelegen Bürgertestzentrum am Jahn-Sportpark durchgeführt werden.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Cody Kessels Kämpferherz schlägt weiter für Berlin

Die eine oder andere Freudenträne hat Cody Kessel vor exakt drei Wochen verdrückt, als der 29-Jährige seine erste Deutsche Meisterschaft mit den Berlin Recycling Volleys feiern durfte. Ehe der US-Amerikaner in den Finals gegen den VfB Friedrichshafen heiß lief, waren sich Spieler und Verein bereits einig: Man wollte den gemeinsamen Weg weitergehen. Nun ist auch die Tinte auf dem Vertrag trocken, denn bevor Kessel zum Trainingscamp der US-Nationalmannschaft abhob, unterzeichnete der Außenangreifer für ein weiteres Jahr in Berlin.

„Es war uns wichtig, Cody hier zu halten, weil er in den vergangenen beiden Jahren dank seines engagierten Auftretens zu einem Gesicht unserer Mannschaft geworden ist“, erklärt Geschäftsführer Kaweh Niroomand über den sprungstarken Außen-Annahme-Spieler und betont: „Was Cody für das Team beitragen kann, hat er nicht zuletzt in den Playoffs eindrucksvoll gezeigt.“ Der US-Boy war nämlich nicht nur in den Finals gegen Friedrichshafen eine prägende Figur. Kessel setzte schon im Halbfinale gegen die SWD powervolleys Düren enorm wichtige Impulse. Als es beim „Do or Die“-Match im Rheinland zur Entscheidung kam, sprang Kessel mit der für ihn typischen Energie in die Bresche und hatte einen maßgeblichen Anteil am 3:1-Auswärtssieg und dem damit verbundenen Finaleinzug. Ähnliches gelang ihm im richtungsweisenden ersten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Am Bodensee kam es dank seiner Hilfe nach einem 0:2-Rückstand zur Wende. Dadurch hatte Kessel sich einen Stammplatz erarbeitet und überzeugte in der gesamten Serie, bis der elfte Meistertitel schließlich eingefahren war.

Somit erfüllte sich der 1.97-Meter-Mann einen Traum, auf den er sehr lange und intensiv hingearbeitet hat: „Dieser Erfolg bedeutet mir wirklich viel. Abgesehen von unserem Pokalsieg 2020 ist das mein erster großer Titel. Die Dramaturgie mit dem Rückstand im Halbfinale und einem schwierigen Start im Finale machten es noch einmal emotionaler“, blickt Kessel zurück. Seine Leistungen fanden auch in der Heimat Beachtung und so durfte er sich jüngst über einen Anruf von John Speraw, seines Zeichens Trainer von Team USA, und eine Einladung ins Trainingscamp freuen. Aktuell kann Cody Kessel sich also in Kalifornien für die anstehenden Aufgaben (Volleyball Nations League, Olympia, NORCECA Championships) empfehlen. Je nach Einsatzzeiten für die US-Mannschaft wird er im Spätsommer – sicher zur Freude zahlreicher BR Volleys Fans – nach Berlin zurückkehren. Dann wünscht sich die Nummer Elf vor allem, „endlich wieder vor unseren Fans und großer Kulisse in der Max-Schmeling-Halle spielen zu können. Es gibt schlicht nichts Vergleichbares.“

Auch Cedric Enard freut sich auf Kessels Rückkehr. Der BR Volleys Coach weiß, was er an seinem Angreifer hat: „Cody ist ein Energiespender für unser Team, einfach ein großartiger Mannschaftsspieler und Kämpfer. Mit seiner Handlungshöhe liegt seine Qualität vor allem im Angriff und Block, in der oberen Annahme ist er ebenso stark. Er ist ein sehr guter Einwechselspieler, hat aber auch jederzeit das Potenzial, Starter zu sein.“ Dabei wird der Konkurrenzkampf im Berliner Außenangriff in der Saison 21/22 nicht geringer, im Gegenteil. Aber mit seiner gewohnt positiven Art fiebert Kessel auch dieser Herausforderung entgegen: „Ich mag den teaminternen Wettstreit. Das ist es, was mich individuell und uns als gesamte Mannschaft ständig besser macht, um unsere ehrgeizigen Ziele in allen Wettbewerben zu erreichen.“

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Sechs Deutsche Meister verlassen die BR Volleys

Am Donnerstagabend, 15. April durften die Berlin Recycling Volleys den elften Meistertitel ihrer Vereinsgeschichte bejubeln und feierten ihren Erfolg im Anschluss so, wie es die Pandemie-Lage zuließ. Mit dem Saisonende dreht sich wie immer auch das Personalkarussell: Sechs Abgänge aus dem Meisterteam 2021 stehen fest. Neben dem brasilianischen Trio werden unter anderem Vizekapitän Pierre Pujol und Libero Julian Zenger den Hauptstadtclub verlassen.

„Jeder in dieser Meistermannschaft hatte einen wichtigen Anteil am Erfolg. Wir haben uns zusammen durch diese enorm schwierige Saison gekämpft und uns am Ende mit dem Titel belohnt. Das Team ist gewachsen und hat allen Widerständen zum Trotz beim Saisonfinale seine Bestleitung gebracht. Darauf dürfen wir alle gemeinsam unheimlich stolz sein“, zog der Geschäftsführer Kaweh Niroomand ein versöhnliches Fazit einer turbulenten Spielzeit, in deren Anschluss mehrere Spieler das BR Volleys Team verlassen werden. Zu diesen Akteuren zählen die drei Brasilianer Renan Michelucci, Davy Moraes sowie Éder. Die beiden Erstgenannten werden auf ihrer Suche nach mehr Spielanteilen in die französische Liga wechseln. Olympiasieger Éder, der nicht zuletzt in den Playoffs seinen großen Wert für die Mannschaft untermauerte, kehrt in sein Heimatland zurück.

Schmerzlich vermissen wird man auf und neben dem Court zukünftig Pierre Pujol. Den Franzosen, der im Anschluss an den Titelgewinn einmal mehr seine Qualitäten als “Feierbiest“ unter Beweis stellte, zieht es nach Italien. Dass Pujol aber weitaus mehr war, betonte Niroomand bei seiner Verabschiedung: „Pierre war für dieses Team viel wichtiger, als es in der öffentlichen Wahrnehmung den Anschein machte. Er war der Antreiber, Motivator und Wortführer. Außerdem hat er sportlich immer abgeliefert, wenn die Mannschaft ihn brauchte. Pierre hat unserem Verein in seinen insgesamt drei Jahren hier sehr viel gegeben.“

Der Libero der deutschen Nationalmannschaft Julian Zenger wird in der Saison 21/22 ebenfalls nicht mehr für die Berliner auflaufen. Der 23-Jährige wurde mit dem Hauptstadtclub Pokalsieger, gewann zweimal den Supercup und nun seinen ersten Meistertitel. „Julian ist ein sehr feiner Kerl und hervorragender Spieler, bei dem ich mir durchaus vorstellen kann, dass wir ihn irgendwann wieder in Berlin sehen“, so Niroomand über Zenger, dessen Entwicklungspotenzial noch keineswegs erschöpft ist. Mit Youngster Robin Baghdady wird der Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Der großgewachsene Außenangreifer, der aufgrund einer langwierigen Verletzungspause in dieser Saison nicht wie erhofft zum Zug kommen konnte, benötigt in seinem Alter mehr Einsatzzeit. Diese wird der hochveranlagte Deutsch-Schweizer in einem anderen Team mit weniger starkem Konkurrenzkampf und Leistungsdruck definitiv bekommen.

Gleichzeitig werden wichtige Eckpfeiler der Meistermannschaft 2021 auch in Zukunft das BR Volleys Trikot tragen. Sergey Grankin (bis 2023) sowie Benjamin Patch (bis 2024) haben ihre Verträge in den vergangenen Wochen bereits verlängert. Das französische Außenangreifer-Duo Timothée Carle und Samuel Tuia sowie Mittelblocker Anton Brehme hatten längerfristige Kontrakte. Mit Cody Kessel und Adam Kowalski will der Verein weiterhin zusammenarbeiten und auch mit Denys Kaliberda werden zurzeit Gespräche geführt. Der gesamte Trainerstab mit Cedric Enard, Lucio Oro und Rafal Zajac wird seine Arbeit in identischer Besetzung fortführen.

Wenn sich die BR Volleys zur Saison 2021/2022 wieder treffen, ist hoffentlich etwas mehr Normalität in das gesellschaftliche Leben und den Sport zurückgekehrt. Denn so schön der Meisterschaftserfolg war, so gern hätte man diesen mit allen, die Klub und Team seit Jahren die Treue halten, zusammen gefeiert. Das macht Kaweh Niroomand in seinen abschließenden Worten deutlich: „Wir bedanken uns bei allen Fans, Partnern und Unterstützen, die in dieser herausfordernden Saison und schwierigen Situation bedingungslos zu uns gestanden haben. Unsere BR Volleys Familie hat trotz der räumlichen Distanz ihren starken Zusammenhalt eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wir sehnen nun dem Tag entgegen, an dem wir uns alle gemeinsam im Volleyballtempel wiedersehen können!“

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Elfter Meistertitel für die BR Volleys

Die BR Volleys haben ihr Meisterstück vollbracht: Mit 3:0 (25:21, 25:18, 25:21) gewann der alte und neue Deutsche Meister das dritte Finalspiel gegen den VfB Friedrichshafen. Damit haben die Berliner eine turbulente Saison erfolgreich abgeschlossen und sich den elften Titel der Vereinsgeschichte gesichert.

Während die BR Volleys in diesem dritten Finale aus dem Vollen schöpfen konnten, ging Friedrichshafen arg gebeutelt in das Match. Martti Juhkami und Avery Aylsworth standen nicht im Kader, Nehemiah Mote wurde angeschlagen nur als Libero aufgeboten und Kapitän Dejan Vincic nahm ebenfalls auf der Bank Platz.  Die Vorzeichen sprachen nach dem 3:0-Erfolg am Sonntag also deutlich für den Hauptstadtclub. Und so eröffnete Sergey Grankin das Finale auch direkt mit einem „Ass für den Nachwuchs“, denn für jeden Berliner Servicewinner spendet Berlin Recycling 100 Euro. Insgesamt fanden aber die Gastgeber etwas besser ins Spiel und diktierten die Anfangsphase unter anderem mit einem Block gegen Samuel Tuia (5:8). Aber der gebürtige Insulaner ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und servierte bereits das dritte Berliner Ass zum Ausgleich (12:12). Der VfB brachte die Hauptstädter in Zugzwang (14:17), bis Benjamin Patch den Finger gnadenlos in die VfB-Annahme-Wunde hielt. Eine Aufschlagserie des Amerikaners (inklusive drei weiteren Assen) katapultierte die BR Volleys zu einer 23:17-Führung. So konnte Tuia wenig später den ersten Satzgewinn für die Männer in Schwarz erschmettern (25:21).

Mit dem Gewinn des Auftaktdurchgangs hatten die Berliner das Zepter in der Zeppelin-Halle übernommen. In Satz zwei führte die Mannschaft von Cedric Enard durchgängig und wieder war es Patch, der das nächste Ausrufezeichen (diesmal per Singleblock) setzte (14:9). Friedrichshafen war dem Aufschlagdruck der Gäste ohne wichtige Wechseloptionen nicht konstant gewachsen und so blieben die BR Volleys das dominierende Team (19:13, 22:15). Satz zwei durfte Cody Kessel per Angriff die Linie herunter in trockene Tücher packen (25:18). Wie schon in Spiel zwei folgte auch diesmal das Aufbäumen des nie aufsteckenden VfB, bei dem nun Spielführer Vincic auf der Platte stand (10:12, 12:15). Aber der Titelverteidiger blieb selbstbewusst und hatte diesmal in Anton Brehme die nötige Power von der Serviceline (18:17). Der eingewechselte Denys Kaliberda hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Berliner sich drei Matchbälle erspielten (24:21) und den letzten Punkt der Saison 20/21 setzte Linus Weber zum grenzenlosen Berliner Jubel ins Aus (25:21).

Stimmen zum Spiel
Anton Brehme: „Ich bin einfach überglücklich, mit diesem Team nach dieser schwierigen Saison Deutscher Meister zu sein. Wir haben uns im ersten Spiel dieser Serie zurückgekämpft und es danach zwei Spiele brillant durchgezogen.  Jetzt wird gefeiert und dann werden die Füße hochgelegt.“
Cody Kessel: „Mir fehlen die Worte. Ich spiele jetzt fünf Jahre in der deutschen Liga und bin endlich Champion. Ich bin überzeugt, wir hätten uns auch im letzten Jahr diesen Titel geholt, und deshalb fühlt es sich wie ein doppelter Lohn an. Wir haben gute Netzhoppers, ganz starke Dürener und am Ende den bis zu diesem Finale dominanten VfB besiegt. Wir dürfen stolz auf uns sein. Wir hätten all das so gern mit unseren Fans durchlebt. Aber ich hoffe, wir konnten ihnen heute etwas zurückgeben.“

BR Volleys Formation
Cody Kessel und Samuel Tuia (AA), Éder und Anton Brehme (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Julian Zenger (L) | Eingewechselt: Denys Kaliberda

Topwerte
Patch 18 Punkte, 4 Asse, 2 Blocks | Kessel 8 Punkte, 2 Blocks | Tuia 7 Punkte

Quelle: BR Volleys

Finalspektakel jetzt in Berlin

Mit einem Volleyball-Feuerwerk haben der VfB Friedrichshafen und die BR Volleys die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft eröffnet. Das Match eins der „best of five“-Serie bot alles, was sich die Fans der Sportart am hohen Netz davon erhoffen konnten. Letztlich waren die Berliner der glückliche Sieger und haben nun am Sonntag (11. Apr um 17.00 Uhr) in der heimischen Max-Schmeling-Halle eine Möglichkeit, ihre Führung auszubauen.

„Wir haben erst ab dem dritten Satz an diesem Finale teilgenommen“, bringt Cheftrainer Cedric Enard den Start des BR Volleys Teams in die Endspiele gegen den VfB Friedrichshafen auf den Punkt. „Deutlich zu viele Fehler in Annahme, Aufschlag und Angriff“ sowie „eine Art Spiegelbild unserer Saison“ hatte der Franzose gesehen. Denn erst nach großen Anlaufschwierigkeiten und einer Stunde Spielzeit zeigte sein Team, was es zu leisten im Stande ist. In allen Elementen konnte sich der Titelverteidiger steigern und legte auswärts eine furiose Aufholjagd hin. Dabei gaben auch die Wechsel von Enard wichtige Impulse. „Pierre hat das sehr gut gemacht und Cody konnte insbesondere in der Blockarbeit gegen Linus Weber immens helfen“, verteilt der Trainer noch zwei Tage später ein Sonderlob. Schlüssel zum ersten Sieg war auch, dass Benjamin Patch das Duell der beiden Diagonalangreifer gegen den bärenstarken Weber mit vier Punkten mehr und vier Fehlern weniger für sich entschied.

Obwohl sich das Blatt noch zum Guten wendete, gab es auch schlechte Nachrichten: Nachdem die Berliner im Verlauf der Hauptrunde immer wieder von Verletzungssorgen geplagt waren, blieb man davon während der Playoffs zum Glück nahezu verschont. Am Donnerstag holte die BR Volleys das alte Leid jedoch wieder ein. Inzwischen wurde bei Renan Michelucci eine Außenbandverletzung diagnostiziert, bei Pierre Pujol gab es nach muskulären Problemen hingegen Entwarnung. „Ich bin erleichtert, dass es bei Beiden nicht ganz so schlecht aussieht. Wir brauchen jeden Spieler im Kader, das hat man Donnerstag deutlich gesehen.“ Gegen einen stark aufspielenden Gegner und viele Widerstände haben sich Sergey Grankin und Co die 1:0-Führung in der Finalserie erkämpft und dieses “Break“ will man nun auf heimischem Boden verteidigen. Enard macht deutlich: „Jetzt, wo wir Match eins geholt haben, wollen wir unseren Vorteil natürlich nicht wieder abgeben. Dafür müssen wir jedoch von Beginn an so auftreten, wie wir das erste Duell beendet haben.“

Beim Endspielauftakt wurde ein ums andere Mal deutlich, wie sehr beide Mannschaften diesen Titel wollen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fortsetzung am Sonntag in Berlin dem zweieinhalbstündigen Marathon-Match in nichts nachsteht. Maximale Intensität und hohes Niveau wird es auch im Volleyballtempel geben, in den an einem solchen Tag außerhalb der Pandemiezeit wohl bis zu 8.000 Zuschauer strömen würden. Ein Spektakel erwartet Cedric Enard trotzdem: „Es ist ein Finale und das spürt man bei jedem Ballwechsel, bei jeder Aktion, bei jedem Punkt.“

Christof Bernier