Zuspieler-Comeback in neuer Arena

Das „Duell der Giganten“ zwischen dem VfB Friedrichshafen und den Berlin Recycling Volleys schreibt seit Jahren die spannendsten Geschichten im deutschen Volleyball und am Samstag (21. Nov um 14.00 Uhr) kommen definitiv neue hinzu: Nicht nur, dass es im Berliner Aufgebot ein Überraschungscomeback gibt, das Match der beiden Rivalen eröffnet auch die neue Heimspielstätte der Häfler, die Zeppelin CAT Halle A1, und das live im Free-TV auf SPORT1.

Wohl dem, der solche treuen, ehemaligen Spieler hat: Keine sechs Stunden nachdem am Montag bei Sergey Grankin ein Muskelfaserriss diagnostiziert wurde, stand BR Volleys Ex-Kapitän Sebastian Kühner bereits im Horst-Korber-Sportzentrum auf dem Court. Zunächst sollte der 33-Jährige die dezimierte Trainingsgruppe nur als zweiter Zuspieler auffüllen, jetzt reist Kühner sogar als Backup für Pierre Pujol mit an den Bodensee. Also genau dorthin, wo er 2019 mit dem Gewinn seiner sechsten Deutschen Meisterschaft ein gelungenes Karriereende feierte.

An jenem 12. Mai 2019 gewannen Kühner und die Hauptstädter ihren vorerst letzten Titel in der ZF Arena, denn inzwischen ist die geschichtsträchtige Spielstätte des VfB baufällig und geschlossen. Zur Erleichterung der Friedrichshafener und der gesamten deutschen Volleyball-Gemeinde konnte aber zügig eine Alternative gefunden werden. So schließt sich am Samstag ein Kreis, wenn das ewige Duell zwischen Friedrichshafen und Berlin die neue Zeppelin CAT Halle A1, eine aufwändig umgebaute Messehalle, vor leeren Rängen live im Free-TV einweiht.

„Die Friedrichshafener konnten diese Woche zwar in der neuen Arena trainieren, aber ich glaube nicht, dass sie unter den aktuellen Voraussetzungen damit einen richtigen Heimvorteil haben“, sieht BR Volleys Trainer Cedric Enard annähend Chancengleichheit beim Premierenspiel. Viel mehr beschäftigen den Franzosen die rein sportlichen Voraussetzungen: „Der VfB hat definitiv einen wesentlich stärkeren Kader als in der letzten Spielzeit, allein in der Breite mit beispielsweise vier Mittelblockern auf Topniveau. Auch ihr Mix aus Jugend und Erfahrung stimmt. Bei dieser individuellen Qualität wird das eine richtig schwierige Aufgabe.“

Der VfB-Kader wurde im Sommer nämlich gewaltig umgekrempelt. Cheftrainer Michael Warm und der neue Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt konnten gleich mehrere international renommierte Namen an den Bodensee lotsen. Der Slowene Dejan Vinčić ist ein erfahrener Zuspieler erster Güteklasse, Nicolas Maréchal lief schon für zahlreiche europäische Topvereine auf und wurde mit Frankreich im Jahr 2015 Europameister, der Kubaner David Fiel nahm mit Belchatow beispielweise an der FIVB Klub-Weltmeisterschaft teil. Dazu ist die Kombination im Diagonalangriff mit Linus Weber und dem umgeschulten Lukas Maase (zuvor in Düren als Mittelblocker) höchstinteressant. Zuletzt konnten sogar noch unverhoffte Nachverpflichtungen getätigt werden. Nationalspieler Marcus Böhme hielt sich beim VfB zunächst nur fit, jetzt steht er im Aufgebot und erhält regelmäßig seine Einsätze. Mit dem US-Amerikaner Avery Aylsworth ergab sich vor zehn Tagen noch die Vertragsunterzeichnung eines zweiten Liberos. 14 Spieler zählt Warms Team somit und alle sind für den Bundesliga-Klassiker am Wochenende einsatzfähig.

Obwohl beide Mannschaften einen Monat nach Saisonstart gewiss noch nicht zu ihrer Bestform gefunden haben, ist – wie immer bei diesem Match – ein Volleyball-Leckerbissen zu erwarten. Sebastian Kühner, der sich seit seinem Karriereende unter anderem mit Tennis fit hält, hat in dieser Woche eine intakte BR Volleys Mannschaft vorgefunden und sieht die Hauptstädter für den Schlagabtausch gewappnet: „Die Atmosphäre im Team ist gut und das Potenzial ohnehin riesig. Es ist noch immer früh in der Saison und ohne die letzten Automatismen vieles von der Tagesform abhängig.“

Ob Kühner zum Einsatz kommt oder nicht, für Trainer Enard ist das Interimsengagement seines ehemaligen Spielführers vor allem auf emotionaler Ebene wertvoll: „Basti gibt dem Team dank seiner Art direkt positive Energie. Für einen Block oder ein Ass ist er sowieso immer gut. Das hat er nicht verlernt.“ In Abwesenheit von Grankin wird, wie schon beim 3:0-Erfolg gegen Giesen, Pierre Pujol die BR Volleys als Kapitän auf den Court führen und das mit voller Überzeugung: „Ich brenne für diese Matches gegen Friedrichshafen. Jeder weiß um diese besondere Rivalität. Ich brauche zwar keine Extra-Motivation, aber klar würde ich gern auch gegen meinen guten Freund Nicolas Marechal gewinnen.“

Eine positive Neuigkeit gab es vor der Abreise noch aus dem BR Volleys Lazarett: Robin Baghdady fährt mit dem BR Volleys Team nach Friedrichshafen und freut sich unweit seiner Heimat, der Deutsch-Schweizer ist auf der anderen Seite des Bodensees in Münsterlingen geboren, nach fünfwöchiger Verletzungspause auf seine Rückkehr.

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volley verlieren – Serie ist gerissen

Erstmals seit 545 Tagen haben die BR Volleys wieder ein Spiel in der Volleyball Bundesliga verloren. Gegen leidenschaftlich auftretende Volleyball Bisons aus Bühl mussten sich die Berliner am Samstagabend mit 1:3 (22:25, 18:25, 28:26, 22:25) geschlagen geben. Konnte man im dritten Satz noch einen Matchball abwehren, beendete der zwölfte Block der Gastgeber die Begegnungen nach vier intensiven Sätzen.

Cedric Enard hatte zuvor eindringlich vor den gut in die Saison gestarteten Bisons aus Bühl gewarnt und zunächst schienen die Worte des Berliner Headcoaches auch Gehör gefunden zu haben. Mit Ben Patch und Sergey Grankin in der Startaufstellung begannen die BR Volleys gut (7:3, 14:10), leisteten sich insgesamt aber zu viele Aufschlagfehler und ließen das hochmotivierte Heimteam auf diese Weise ins Spiel kommen. In der Crunchtime des Auftaktdurchgangs wackelte die Annahme mehrfach bei Aufschlägen von Bühls Zuspieler Stefan Thiel und Außenangreifer Niklas Kronthaler nutzte die sich bietenden Gelegenheiten konsequent. Ein Block gegen Patch bedeutete den ersten Satzverlust der Saison (22:25). Die Männer vom Rande des Schwarzwaldes wirkten fortan willensstärker und die Berliner kamen nur über die Diagonalposition oder mit dem Schnellangriff regelmäßig am Block der Hausherren vorbei (5:5, 11:13). Enard wechselte Cody Kessel und Pierre Pujol ein, den Ton gaben aber weiterhin vor allem Kronthaler und der zweite Bühler Außen Lopez an. Sie führten ihre Mannschaft zum nächsten Satzgewinn (18:25).

Das Aufbäumen der Hauptstädter aber kam. Im dritten Satz schenkten sich beide Mannschaften nichts. Die Berliner, bei denen weiter Pujol Regie (MVP-Silber) führte, spielten nun elanvoller und hatten beim Stand von 24:23 ihren ersten Satzball der Partie. Dieser wurde vergeben und nach Rot gegen Pujol (wegen anhaltender Diskussionen mit dem Schiedsrichter), hatte Bühl erstmals die Chance auf den Sieg. In einer hitzigen Endphase drückte aber schließlich Tuia den Ball zum 1:2-Anschluss ins Feld (28:26). Auch im vierten Satz stand das Match auf Messers Schneide und die BR Volleys waren knapp im Vorteil (21:20). Doch wie schon in Durchgang eins verlor man plötzlich den Faden. Patch wurde wiederholt von plötzlich auftretenden Tongeräuschen in der Halle irritiert und ließ sich anschließend zweimal vom späteren MVP Lopez blocken (21:24). Zum Abschluss der Begegnung stand der Bühler Block noch ein letztes Mal (22:25), womit die erste nationale Niederlage der BR Volleys seit dem 05. Mai 2019 besiegelt war.

Stimme zum Spiel
Cedric Enard: „Ich ärgere mich sehr über dieses Spiel. Jede Serie kann reißen, aber nicht so. Heute haben wir gesehen, was passieren kann, wen wir nicht bereit sind, um ans Limit zu gehen. Die Spieler waren wohl etwas überrascht vom Kampf, der uns hier erwartet hat. Ich hatte davor gewarnt. Nur weil “BR Volleys“ auf dem Trikot steht, gewinnt man ein Spiel nicht. Man muss sich jeden Sieg jeden Tag hart erarbeiten und das hat heute gefehlt. Wir hatten mit 16:10 einen guten Start, aber dann kam es zum Bruch in unserem Spiel. Letztlich war es über vier Sätze zu wenig in Aufschlag und Angriff. Bühl ist eine gute Mannschaft, das wussten wir vorher und sie haben es heute eindrucksvoll bestätigt. Daher Glückwunsch an den Gegner. Das, was uns letztes Jahr ausgezeichnet hat, dieser unbedingte Siegeswille, muss neu entwickelt werden. Also werden wir das Match heute analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Samuel Tuia (AA), Éder und Renan Michelucci (MB), Benjamin Patch (Z), Sergey Grankin (D) und Julian Zenger (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Pierre Pujol, Davy Moraes

Topwerte
Patch 19 Punkte, 2 Blocks | Michelucci 11 Punkte, 2 Blocks | Éder 10 Punkte, 2 Asses

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Nächste Spiele
04. November | 19.00 Uhr | Sportforum | vs. VC Olympia Berlin
14. November | 18.30 Uhr | Max-Schmeling-Halle | vs. Helios Grizzlys Giesen