Wer hat die bessere Zukunftsperspektive, Hertha oder Union?

Beide Hauptstadtclubs beendeten die letzte Saison punktgleich mit je 41 Punkten. Ganze sechs Tore trennte Platz 10 (Hertha) von Platz 11 (Union). Jetzt darf man gespannt sein, wie der Wettstreit für eine weitere erfolgreiche Zukunftsplanung ausgeht. Unions Manager Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer arbeiten gut abgestimmt und beachtlich erfolgreich zusammen. Der Coach meint sogar, überhaupt keine Probleme mit Typen wie Max Kruse zu haben. Bei Hertha kann Michael Preetz von großem Glück sprechen, das ist meine Meinung, planerisch Bruno Labbadia  an der Seite zu haben.

Unter Labbadia – nach dem Re-Start in Hoffenheim (Mitte Mai) mit einer Oldi-Mannschaft (durchschnittlich 28,1 Jahren) – setzte eine Verjüngungskur von jetzt 23,7 Jahren im Schnitt ein. Per Skjelbred (33), Vedad Ibisevic (35) und  Salomon Kalou (34) stehen als Abgänge fest. Zugänge haben dem Alter nach Perspektive, auch wenn, so jedenfalls urteilt Labbadia , die jungen Neuverpflichteten Zeit brauchen. Mit Lucas Tousart (23), Deyovaisio Zeefuik (22), kam mit Matheus Cunja (21) ein noch jüngerer dazu. Aus Freiburg kam Torwart Alexander Schwolow, mit 28 Jahren ein erfahrener Akteur.

Konkurrenz belebt garantiert das Geschäft. Außerdem währt Transferperiode diesmal besonders lang, bis 5. Oktober. Da kann sich noch viel tun. Der nach Berlin zurückgekehrte Ronny wird es trotz aller Entschlossenheit wahrscheinlich nicht in der Eliteliga schaffen. Anders verhält es sich bei dem Noch-Schalker Weston McKennie. Bis zur Stunde laufen da noch Verhandlungen mit Schalke.

Wie kann man Hertha nur mit Union vergleichen. Natürlich ist ein neuer Trikotsponsor für Hertha ein wesentlicher Teil für die Saisonkalkulation. Im Verhältnis zu Union scheint bei Hertha der Geldfluss schier grenzenlos zu sein. Werner Gegenbauer verkündete: „Wirtschaftlich stand unser Verein in seiner Geschichte nie besser da“. Investor Lars Windhorst hielt bisher 49,9% der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, die Quote beläuft sich nunmehr mit weiteren 150 Mio mit seiner Tennor Holding auf 66,6 Prozent. Das sind 374 Mio Euro in Herthas Kasse. Was ist eigentlich mit der 50+1 Regelung? Die Verantwortlichen fanden dafür ein passendes Konstrukt. „Gegen die 50+1-Regel, die besagt, dass nur Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen können, an denen der Verein die Mehrheit der Stimmanteile hält, verstößt dieses Konstrukt nicht. Die Anteile der Komplementär-GmbH werden weiter von Herthas Geschäftsführung gehalten.“

Einen solchen Handlungsspielraum wünscht sich jetzt zu Corona-Zeiten so mancher Club, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Der 1. FC Union muss da wesentlich kleinere Brötchen backen und weiß, dass das zweite Jahr für Aufsteiger oft das schwerste ist.

Was macht Torjäger Sebastian Andersson ? Vielleicht bleibt er trotz Ausstiegsklausel, so hoffen die Eisernen, weil Max Kruse auch einer fürs  Tore-Vorbereiten ist. Mit Kruse zusammen auf Torejagd zu gehen fördert nicht nur die Spielfreue, Andersson könnte von Kruse profitieren und damit seinen Marktwert erhöhen.

Im Fußball ist zwar alles möglich. Ob allerdings Union wieder pari mit Hertha aus der neuen Saison gehen wird, dem Kapital, den wirtschaftlichen Gegebenheiten nach, wird’s schwer.

Bei der Zusammenstellung des Kader, macht Union eher das Gegenteil. Mit Julius Kade, Lennard Maloney und Florian Flecker gehen jüngere Spieler. Mit Robin Knoche, VfL Wolfsburg und eben Max Kruse kommen ältere, erfahrene Spieler neu hinzu. Der von Fans geliebte Torsteher Rafal Gikiewicz wird von Andreas Luthe (Augsburg) ersetzt. Philipp Hofmann aus Karlsruhe steht auf der Liste der Köpenicker und ist dem Lebensalter nach in die Kategorie Erfahrung einzuordnen. Beim 1. FC Union ist demzufolge noch nicht aller Tage Abend in der Kaderplanung. Wir drücken dem Club die Daumen, wünschen uns Union weiter in der 1. Bundesliga. Berlin tun zwei Hauptstadtclubs gut.

Christian Zschiedrich

Der Doc der BR Volleys im Interview

„Wir können uns im Volleyball nicht in einer Blase bewegen“. Als Mannschaftsarzt hatte PD Dr. Oliver Miltner in diesem Sommer weitaus mehr für die BR Volleys zu tun als üblich. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Gründer von „DoctorBox“ war maßgeblich in die Erstellung des Hygienekonzepts involviert. Im Interview erklärt er die Herausforderungen, die es in diesem Zusammenhang zu bewältigen gab und geben wird.

Herr Miltner, wie wurde das Hygienekonzept für den Trainingsstart entwickelt?

Oliver Miltner: Wir haben uns natürlich an vorhandenen Konzepten, sei es aus dem Fußball, Handball oder Basketball, orientiert. Jeder hat seine Ansätze. Das Beste aus den verschiedenen Modellen haben wir auf uns und die Möglichkeiten im Volleyball adaptiert. Hinzukommen die notwendigen Auflagen der Volleyball Bundesliga, welche es ebenfalls zu beachten gilt. In einer Metropole wie Berlin, in der sich unsere Spieler letztlich immer noch frei bewegen werden, ist das logischerweise besonders herausfordernd. Wir können uns nicht isolieren und uns die gesamte Saison über in einer Blase bewegen, müssen aber den bestmöglichen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz der Spieler gewährleisten. Entstanden ist nun ein Maßnahmenkatalog, der Athleten, Trainer, Betreuer und Management bestmöglich schützen und das Infektionsrisiko minimieren soll. Es geht um Abgrenzung zu anderen Gruppen im Sportkomplex, Desinfizierung, den Mund-Nase-Schutz etc.. Ich glaube, das ist uns gut gelungen. Wie gut, das werden die nächsten Wochen zeigen.

Am Freitag wurde das gesamte BR Volleys Team getestet, sodass am Montag alle ins Mannschaftstraining einstiegen können. Wie liefen die Tests genau ab?

Miltner: Alle Spieler und der Betreuerstab sowie die Geschäftsstelle fanden sich gruppenweise und zeitlich versetzt in der sportmedizinischen Abteilung der Berliner Charité ein. Dort wurde ein klassischer Nasen- Rachen-Abstrich durchgeführt und anschließend ausgewertet. Am Samstagabend kamen die Testergebnisse, welche glücklicherweise alle negativ waren. Somit kann das Training beginnen. Auf einen Antikörpertest haben wir zunächst verzichtet. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Herrn Prof. Dr. Bernd Wolfarth von der Charité bedanken, der uns sowohl bei der Durchführung der Tests als auch bei der Erstellung des Hygienekonzepts mit seiner Expertise zur Seite stand.

Werden im Saisonverlauf stetig Tests durchgeführt?

Miltner: Wir halten uns als Verein an die Vorgaben, die wir von der Liga und dem Land Berlin erhalten. Die Häufigkeit der Testungen ist nicht entscheidend. Keiner von uns hat den Umgang mit einer Pandemie gelernt, deshalb wird flexibles Reagieren wichtig sein. Wir müssen einfach bestmögliche Voraussetzungen schaffen, um unsere Spieler gesund zu halten. Sie müssen auch verinnerlichen, wie sie sich bei uns und abseits des Sports zu verhalten haben. Jedem muss bewusst sein, was eine Infektion für das Team bedeuten kann. Aber ich habe da Vertrauen in unsere Spieler. Sie sind alle erwachsen. Wir werden in regelmäßigen Abständen testen. Ich erachte z. B. Tests vor und nach Champions-League-Reisen als notwendig,  nsbesondere wenn wir in Risikoregionen reisen. Bei unserem Losglück der letzten Jahre werden wir bestimmt wieder nach Russland dürfen.

Noch einmal zurück zu den Antikörpertests. Warum wurden diese nicht ebenfalls direkt durchgeführt?

Miltner: Wir sehen sie aktuell, im ersten Schritt, nicht als zwingend notwendig an. Es ist nicht verpflichtend, aber vielleicht holen wir dies zu einem späteren Zeitpunkt nach. Die Möglichkeiten dazu haben wir jedenfalls. Ich habe zusammen mit einem Labor in München den BeTroBox COVID-19 Antikörpertest entwickelt. Es handelt sich um einen Trockenbluttest, den man sich über www.doctorbox.de bequem nach Hause schicken lassen kann.

Parallel stehen auch die beliebten Fitnesstest im OrthoTrain in der Friedrichstraße an. Dort gelangen die Spieler an ihre körperlichen Grenzen, oder?
Miltner: Nach vier Stunden Belastung für Schulter, Knie, Wirbelsäule usw. sollte das definitiv der Fall sein. Im Anschluss wird jeweils eine individuelle Analyse erstellt, welche dann die Grundlage für das Athletiktraining bildet. Dies fließt in die Arbeit von Timo Kirchenberger ein. Ist der körperliche Zustand nicht ideal, wird das Krafttraining vorrangig ins OrthoTrain verlagert, wo Frank Kretzschmar die Jungs ins Schwitzen bringt. Ihn kennen die wenigsten Fans, aber er ist ein wichtiger Teil des Teams und bei den Spielern sehr beliebt.

Gibt es Spieler, mit denen die Arbeit an ihren Körpern besonders Freude macht?
Miltner: Ich freue mich auf die Jungen sowie die Älteren gleichermaßen. Wir hatten nun schon Robin und Anton bei uns. Mit ihnen werden wir in die Tiefe gehen und jetzt die körperlichen Grundlagen für eine lange Karriere legen. Da ist noch viel Potenzial. Wenn ich heute z.B. einen Srecko Lisinac, einen Björn Höhne oder Ruben Schott sehe, weiß ich, wie wertvoll unsere Arbeit ist. Und das wissen auch die Spieler. Man bleibt mit vielen in Kontakt. Bezugnehmend auf die ältere Garde freue ich mich natürlich ebenso auf Pierre, Sergey oder den Brasilianer Éder. Sie halten ihren Körper schon über viele Jahre in Schuss, um auf Topniveau zu spielen. Mit ihnen ist es ein anderes Arbeiten, macht aber nicht weniger Spaß. Allein am Beispiel von Pierre sieht man, dass es sich auszahlt. Er kam 2017 mit körperlichen Beschwerden zu uns. Jetzt geht er in seine dritte Saison hier, weil er weiß, was er an uns und Berlin hat. Dafür mache ich diesen Job.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Tennis Borussia Berlin mit leisen Tönen

Es gibt vor Saisonbeginn als Regionalliga-Aufsteiger keinen Anlass, etwa große Töne wie zu „Göttinger Zeiten“ zu schwingen. Einhergehend mit dem sportlichen Erfolg gab es die internen Streitigkeiten mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und Geldgeber Jens Redlich und einer Gruppe um Franziska Hoffmann und Christian Gäbler. Günter Brombosch wurde im Juli 2019 als Vorsitzender zusammen mit Vorstandsmitglied Steffen Friede „eingesetzt“ und es folgten ein Jahr lang zermürbende gerichtliche Auseinandersetzungen. Jens Redlich und Jörg Zimmermann verloren. Das Urteil: Der neue Vorstand um Günter Brombosch wurde nun gerichtlich bestätigt. Es heißt: Der den Club erschütternde und schädigende Machtkampf sei beendet. Doch was hat er gebracht? Für den Verein nichts Gutes. Im Grunde kann es bei solchen öffentlichen Krawallen nur Verlierer geben.

Fest steht, die Kaderplanung und der Start des neuen Trainers Markus Zschiesche wird wirtschaftlich infolge des kleineren Etats als zuletzt in der Oberliga erschwert. Den Spielern muss reiner Wein eingeschenkt werden. Das sind in der Tat keine optimalen Bedingungen für das Ziel Klassenerhalt. In Zeiten von Corona war es stiller um TeBe geworden. Einkehrende und anhaltende Ruhe sei den Lilaweißen in Charlottenburg gewünscht. Vielen anderen Clubs sind Sponsorenverträge oder finanzielle Zusagen weggebrochen. Die Existenzkämpfe sind offensichtlich. Da scheint es sogar ein Wunder zu sein, dass bei den traditionsreichen Borussen davon gesprochen werden kann, mit einem Bauunternehmen einen neuen Hauptsponsor gewonnen zu haben. Die Regionalliga verlangt auch ökonomisch einen hohen Einsatz.

Wer den Club im Mommsenstadion bisher und immer wieder über Wasser gehalten hat, ist Insidern nicht verborgen geblieben. Mitunter schien ja der Sargdeckel schon zuzugehen. In solchen Momenten nützt vielleicht dieser Appell: Jens Redlich hat ja zweifelsfrei nicht nur den Retter gespielt, sondern trotz Fehler auch Gutes getan. Dass nunmehr bei einem eventuellen Misserfolg in der Regionalliga mit drohendem Abstieg und erneuten Zerreißproben Lichter ausgehen werden, wird garantiert nicht im Sinne von Jens Redlich sein. Jeder Tennisborusse kann nach zurückliegenden Erfahrungen doch nur weitblickend am Verein und nicht an personellen Vorstandsproblemen interessiert sein!

Unterstützt doch jetzt Günter Brombosch. Der hat vom Fußball Ahnung und ist arbeitswillig. Jens Redlich gebe ich hiermit auf den Weg, Windhorst lässt bei Hertha als Geldgeber im großen Stil auch andere arbeiten. Wer also auch als Sponsor bei TeBe in Erscheinung tritt oder treten mag, der denke über den Vergleich mit guten und wünschenswerten Taten einmal nach. Der Berliner Fußball braucht einen guten Unterbau und nicht ein weiteres Sterben von Traditionsvereinen.

Christian Zschiedrich

Auch ich freue mich auf Max Kruse

Er ist ein Spieler und Mensch besonderer Güte. Ich zähle zu denen, die den 1.FC Union voller Überzeugung für den Coup  beglückwünschen. Und lieber Hans-Peter Becker, über deinen großartigen Bericht „Max Kruse wird ein Eiserner“ vom heutigen Tag habe ich mich sehr gefreut. Hatte schon befürchtet, du würdest eventuell zu denen zählen, die Vorsichtsmaßnahmen anmahnen und seine Party-Escapaden, weswegen er nach 14 Einsätzen in der Nationalelf von Jogi Löw aus dem Kader flog, allesamt aufzählen und deshalb Anpassungen konzeptioneller Art wie viele Journalisten kritisch hinterfragen. Kompliment, dein Bericht trifft das Wesentliche wie so oft fachlich, sachlich und sehr informativ!

Vieles, neben dem Sportlichen, spricht für Max Kruse. Nicht nur, dass er ablösefrei zu haben war, sondern dass er trotz wirtschaftlich höher dotierter  Angebote, bei seinen Qualitäten, sich für die Köpenicker entschieden hat. In Bremen war er zunächst von 2006 – 2009 und dann von 2016 bis 2019 der Topspieler. Ohne ihn ging’s bekanntlich gegen den Abstieg. Kruse ist mit seinen jetzt 32 Jahren älter und erfahrener geworden und ist immer noch im leistungsfähigsten Alter. Die größere Erfahrung schlägt sich auch in seinen Entscheidungen nieder. Ich zweifle nicht mal, ob er ins Konzept der Eisernen passt.

Für Fenerbahce Istanbul ist seine Bilanz in der Türkei: 20 Spiele, sieben Treffer, sieben Torvorlagen. Kruse kündigte seinen Vertrag – verständlich wegen Gehaltsrückständen seit Februar. Kruse weiß wo das Tor steht und kann Spiele allein entscheiden. In seinen bisher 250 Bundesliga-Spielen kommt er auf 74 Tore und 68 Torvorbereitungen. Unions Anhänger dürfen sich auf ein wohl bessertes Offensivspiel freuen. Die Einkaufspolitik ist lobenswert. Das Gehaltgefüge scheint gewahrt zu bleiben.

Christian Zschiedrich

Wie gehts weiter im Berliner Amateurfußball

Der Berliner Pokalsieger 2020 soll am 22. August im Rahmen der von den 21 Landesverbänden ausgerichteten „Finaltag der Amateure“ ermittelt werden. Die ARD wird in drei Blöcken, je sieben Spiele per Konferenzschaltung übertragen. So ist es geplant, allerdings hat am 15. Juli der Landesverband Sachsen-Anhalt beschlossen, die Pokalsaison abzubrechen und nach Absprache mit den anderen Halbfinalisten, den 1. FC Magdeburg kampflos als Teilnehmer an der 1. DFB-Pokal Runde zu benennen. Folgen etwa noch andere Landesverbände diesem Beispiel ?

Wer in der ersten DFB-Pokalrunde  aufeinander trifft, wird bereits am Sonntag, 26. Juli 2020 ausgelost. So wissen die jeweiligen Finalisten bereits vorher, ob sich die Anstrengung lohnt. Zuschauer dürfen wohl nicht ins Stadion, sollte gespielt werden können.

In Berlin, wie in allen anderen Landesverbänden, sind die Halbfinalbegegnungen auszutragen, teilweise sind sogar Achtel- und Viertelfinals offen. In Berlin sollen am 8. August der Berliner SC – Viktoria 89 (Hubertusallee) und BFC Dynamo – VSG Altglienicke (Jahnstadion) spielen. Die erste DFB-Pokal-Runde der Männer findet vom 11. bis 14. September statt. Bereits Mitte August müssen die Pokalsieger dem DFB ein Hygienekonzept für die notwendigen Ausnahmeregelung vorlegen. Kevin Langner, Geschäftsführer des BFV, geht davon aus, dass im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark leider ohne Zuschauer gespielt werden muss.

Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat den Behörden bereits vor einer Woche ein detailliertes Hygienekonzept für die Wieder-Aufnahme des Spielbetriebs unter Wettkampfbestimmungen vorgelegt. Bis in den Oktober hinein sind nach jetzigem Stand Test- und Pflichtspiele in Berlin  untersagt. Der Berliner Senat ist nunmehr gefordert. Kuriosum:  Der SV BW Hohen-Neuendorf bräuchte als Brandenburger Verein nicht auszuweichen, obwohl er am Spielbetrieb in Berlin teilnimmt. In Bayern, von der Pandemie ursprünglich stark betroffen, und in Brandenburg darf gespielt werden, wenn auch ohne Zuschauer.

Keiner weiss wann es in den Amateurligen weitergeht. Dafür sorgen interne Streitigkeiten beim FC Spandau 06 für Schlagzeilen. Die Fronten zwischen dem kommissarisch amtierenden Präsidenten Wilhelm Degenhardt und der Gruppe um Ex-Trainer Thomas Heim sind verhärtet. Sie wehren sich gegen die geplante Kooperation mit Club Italia. Heim und Co. befürchten, dass Spandau 06, ohne den Namen Spandau, in der Folgesaison Club Italia Berlin 06 heißen könnte. Spandau wäre aus dem Namen getilgt. Sponsor  „Florida“ hat dem Verein bereits seit Januar den Rücken zugewandt. Die Vereine wollen erst einmal mit altem Namen auflaufen. Laut Heim wurde sogar die Jahreshauptversammlung bei Spandau 06 aus diesem Grund abgebrochen.

Christian Zschiedrich

Daumendrücken für Hertha BSC

Das letzte 34. Saisonspiel ging in Gladbach zwar 1:2 verloren, dennoch gibt es viele positive Signale beim Hauptstadtclub für die Zukunft. Neuer Sportdirektor ist Arne Friedrich (41), der im November 2019 von Jürgen Klinsmann zu Hertha, von 2002 bis 2010 in 231 Erstligapartien, davon sechs Jahre als Kapitän und der mit Trainer Bruno Labbadia in Bielefeld ein Jahr gemeinsam spielte, geholt. Er hat den Vertrag mit BSC bereits unterschrieben. Hertha hat also mit dem Geschäftsführer Sport Michael Preetz einen namhaften und fachkundigen Sportdirektor und einen erstklassigen Trainer. Dank Labbadia schaffte Hertha BSC nicht nur mit 41 Punkten den Klassenerhalt, sondern seit undenkbar vielen Jahren erstmals wieder in der Rückrunde mehr Punkte als in der Hinrunde.

In den Gazetten steht auch noch geschrieben, mit sechs Toren besser als der siegreiche Aufsteiger  1. FC Union (3:0 über Düsseldorf), ebenfalls 41 Punkte, holten sie die inoffizielle Stadtmeisterschaft. Was Stadtmeister  in der Eliteliga auch sein mag. Das Husarenstück am letzten Spieltag schaffte Werder Bremen mit dem 6:1 über den 1.FC Köln, den umjubelten, nicht mehr für möglich gehaltenen Relegationsplatz, dank auch Unions Sieg gegen Absteiger Düsseldorf. Bereits am Donnerstag, 2. Juli, kommt es zur Relegationsbegegnung  Werder Bremen – 1. FC Heidenheim, weil der Hamburger SV sein Heimspiel 1:5 gegen Sandhausen verlor und nur Vierter wurde – Heidenheim verlor zwar ebenfalls – 0:3 in Bielefeld – schaffte aber hinter Aufsteiger Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart trotz Niederlage die Relegation. Am Montag, 06. Juli, findet, ebenfalls um 20.30 Uhr, das Rückspiel in Heidenheim statt. Favorit dürfte der Bundesligavertreter sein.

Dresden und Wiesbaden steigen in Liga 3 ab. Der 1.FC Nürnberg muss mit 37 Punkten in die Relegation. Die punktgleichen Karlsruher retteten sich mit dem besseren Torverhältnis (2 Tore besser). Hochinteressant werden auch in Corona-Zeiten die Trainer- und Spielerwechsel. Wir bleiben natürlich dran an den Transfers. Totalschaden beim HSV und auf Schalke ist die Clubführung in der Kritik. Aufsichtsrat Clemens Tönnies wird ebenfalls die Schlagzeilen beherrschen. Dabei nicht zu vergessen, in vielen Clubs laufen zahlreiche Verträge aus.

Christian Zschiedrich

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich

Nicht nur die DFL – BFV erarbeitet Leitfaden für den Trainigsbetrieb

Nicht nur die Deutsche Fußball Liga auch der Berliner Fußball Verband kämpft und arbeitet intensiv für seine Sportvereine. Die DFL erreichte für die Bundesligen die Spielbereitschaft ab Samstag in sogenannten Geisterspielen. Diese wären im Amateurfußball nicht erstrebenswert. Die Amateur-Vereine bekommen keine TV-Gelder. Der Spielbetrieb ohne Zuschauereinnahmen wäre nur mit Zusatzkosten verbunden. Ob die erforderlichen Hygienemaßnahmen in den Vereinen zu erfüllen wären, dürfte fraglich sein, wohl eher unmöglich.

In Abstimmung mit der Charite‘ wurde seitens des BFV erreicht, dass ab Freitag, den 15. Mai 2020 – unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen – der Trainingsbetrieb in den Fußballvereinen und im Bereich des Landessportbundes wieder aufgenommen werden kann. Der BFV hat für seine Mitgliedsvereine, um die Wiederaufnahme bestens zu unterstützen, ein Konzept entwickelt. Es wurden genaue Vorgaben in Form einer Mustertrainingseinheit mit einem Leitfaden erarbeitet, der nicht nur die behördlichen Vorgaben zur Eindämmung des Corona-Virus enthält, er geht auch auf die sportspezifischen Belange ein.

So ist unter anderem vorgesehen, dass die Sportler zu Hause duschen und sich nur mit kontaktlosen Gesten begrüßen sollen. Beim Training dürfen höchstens acht Sportler eine Hälfte des Sportfeldes nutzen. Der Leitfaden wird auch den zuständigen Sportämtern zur Verfügung gestellt werden.

Christian Zschiedrich

Stabil in eigener Sache

Das kann zwar nicht jeder von sich oder über sich feststellen, es ist aber in jeder Beziehung optimal. In der Tat bekommen wir Anfragen, ob wir mit unserem Sportportal denn auch existenziell bedroht sind. Hier die Antwort:

Weshalb wir sorgenfrei in die Zukunft blicken können ist damit begründet, dass keiner ausschlöießlich von unserem Internetportal leben muss. Unsere Mitarbeiter schreiben täglich Kommentare auch für andere Publikationen. Diese Unabhängigkeit ist der Grundstein dafür, glaubhaft kritisieren zu können, wenn es unserer Meinung nach sein muss. Natürlich sind wir alle von der Gesundheit her bedroht und es könnte noch sehr, sehr schlimm werden. Das Wort brauche ich nicht einmal zu nennen. Jeder weiß Bescheid, jeder spürt es und jeder ist betroffen.

Medizinisch in allen Auswirkungen und Handlungen, wenn nur eingeschränkt, dann eben wirtschaftlich und existenziell. Wenn ich früher las und hörte, Sport sei die größte Nebensache der Welt, habe ich mich geärgert. Der Sport klang mir so zu abwertend, nebensächlich. Ich will hier nicht die ganzen gesellschaftlichen Vorteile durch den Sport und den Vereinen aufzählen. Jetzt gehöre ich zu denen, die hoffen, dass alle negativen Insolvenz-Prognosen, ob im Profi- oder Amateurbereich nicht eintreffen. Die Befürchtungen sind leider begründet.

Wir von Sportick können einfach Pause machen und sofort wieder aktiv in der Berichterstattung loslegen, wenn und wann immer Sport wieder betrieben werden sollte. Gedanken mache ich mir im Medienbereich zum Beispiel über die Fachzeitschriften und in Berlin insbesondere um die Fußball-Woche. Überlege mir, wie da geholfen werden könnte.

Zurückblickend half ich früher mit einer Spende dem 1.FC Union. Jeder wird sich erinnern, wie sehr Union am seidenen Faden hing. Viele glaubten, der Sargdeckel sei schon zu. So schlimm war Hertha zum Glück nicht dran, überstand dank namhafter Retter auch schwere Zeiten und ich war drauf und dran, auch da zu helfen, zumindest ich jahrelang Mitglied bei Hertha BSC war. Doch die Gründe lagen bei beiden Clubs auf der Hand. Diesmal ist der Feind im Verborgenen, oft nicht erkannt, also  unsichtbar und zunehmend tödlicher.

Heißt, der Sport ist keine Hauptsache mehr, höchstens noch zweitrangig. Wir von Sportick müssen uns keine Themen aus den Fingern saugen, greifen nur bei Außergewöhnlichem zur Feder und hoffen innständig, das Sportgeschehen baldigst wieder begleiten zu können. Aktuell die Lage stets einzuschätzen, Wissenschaftler und Politiker verkünden leider in den Nachrichten noch nichts Gutes.

Christian Zschiedrich

Es geht dem Ende zu

Neun Partien bis Saisonende und aus Berliner Sicht der glückliche Umstand, dass der SC Paderborn, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf sehr schwächeln und bisher da unten nicht rausgekommen sind. Dennoch könnte noch ein Verein absteigen, an den die Fußballfreunde und er selbst nicht denken. Der Abstiegskampf scheint spannender als der Titelkampf zu werden. Die beiden letzten Clubs in der Tabelle halten erstaunlicherweise an ihren Trainern fest. Düsseldorf und Mainz haben die Coachs bekanntlich bereits gewechselt. Aktuell sieht Augsburg das Ziel Klassenerhalt gefährdet. Trainer Martin Schmidt erhielt zwar viel Lob für gute Spiele, doch die Bilanz vier Punkte aus neun Spielen waren zu wenig, Trainer Martin Schmidt muss gehen…

In Berlin ist die Situation bei Hertha (28 Punkte) zerfahren. Sie könnte sich sogar zum Saisonende zuspitzen. Der 1. FC Union (30 Punkte) ist als Tabellenelfter natürlich noch nicht gesichert und könnte ausgerechnet im Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München großes Pech haben, wenn wegen Corona in der Alten Försterei vor leeren Rängen gespielt werden müsste. Die Köpenicker brauchen die Zuschauer-Unterstützung. Das übrigens auch in der Woche darauf, beim Derby bei Hertha im Olympiastadion.  Unvorstellbar, wenn das anstatt vor Rekordbeteiligung  ohne Zuschauer ausgetragen werden muss. Die sieben Begegnungen danach sehen so aus:

28. Union – Mainz        /    Leipzig – Hertha

29. Gladbach – Union  /   Hertha – Augsburg

30. Union – Schalke     /   Dortmund – Hertha

31. Köln – Union          /    Hertha – Frankfurt

32. Union – Paderb.    /    Freiburg – Hertha

33. Hoffenh. – Union   /   Hertha – Leverkus.

34. Union – Düsseld.   /   Gladbach – Hertha  

Trainer Urs Fischer ist für die Eisernen ein Glücksfall. Von großer Gefährdung ist momentan mit 30 Punkten nicht zu sprechen. Mit einem Blick auf das Restprogramm ohnehin nicht. Am 32. Spieltag zu Hause gegen Paderborn und am letzten zu Hause gegen Düsseldorf dürften eventuell fehlende Punkte für den Klassenerhalt geholt werden können, zumal, Paderborn als Absteiger feststehen sollte. Gegen Bayern München, ob nun mit oder ohne  Zuschauer, darf – nach großem Kampf – ein Punktverlust einkalkuliert werden.

Ja, und sind Voraussagungen überhaupt noch zutreffend? Ich hörte im Olympiastadion den TV-Reporter über Herthas Beginn gegen Werder Bremen „Schlafwagenfußball“ sagen, die Heimmannschaft sei noch im Aufwärmprogramm. Es waren gerade mal fünf Minuten gespielt, als es 0:2 hieß. So geschehen eine Woche zuvor. In Düsseldorf hieß es ja sogar 0:3, um letztendlich Moral zu zeigen und wie gegen Werder dann doch noch einen Punkt zu holen. Hertha schaffte in 25 Spielen 28 Punkte. Ob nach so einem Beginn die Aufholjagd am Samstag in Hoffenheim auch möglich ist, sei dahingestellt.

Christian Zschiedrich