Union gewinnt in Frankfurt – nachträgliches Geburtagsgeschenk für Urs Fischer

Die Ultras der Eintracht waren dem Spiel ferngeblieben, die Berliner ließen es sich nicht nehmen und füllten den Gästeblock im Frankfurter Stadion bis auf den letzten Platz. Die Heimfahrt am Rosenmontagabend war um so freudiger, den ihre Mannschaft hatte, nicht unbedingt erwartet, mit 2:1 den nunmehr dritten Auswärtssieg der Saison geholt. Für Urs Fischer, Unions Trainer feierte am 20. Februar seinen 54. Geburtstag, war es ein willkommenes nachträgliches Geschenk. Der Punktestand ist jetzt nach 23 Saisonspielen auf beachtliche 29 Zähler angewachsen, da müsste es doch mit dem Teufel zu gehen, wenn am Ende der Saison nicht der Klassenerhalt stehen sollte.

Beim Warmachen schallte der Hit von den Boom Town Rats „I Don’t Like Mondays“ über das Stadion. Für die Frankfurter Eintracht wurde es zu einem bösen Omen. Sie hatten Mühe in das Spiel zu kommen und verteilten zwei großzügige Geschenke an die Berliner. Die erste Hälfte endete torlos. In der 49. Minute leistete sich die Frankfurter Abwehr eine Slapstick-Einlage, frei nach dem Motto: „Nimm du ihn, ich hab ihn auch nicht“, konnte Sebastian Andersson ins verwaiste Tor schiessen. Es kam noch besser, ein durch Andersson erzwungenes Eigentor brachte in der 67. Minute die Eisernen mit 2:0 in Front. Der Unglücksrabe für Frankfurt war Abwehrspieler Evan Ndicka, zuvor hatte Torwart Kevin Trapp eine flache Hereingabe zu kurz abgewehrt.

Die Eisernen waren bis dahin wacher und lauffreudiger. Ein Spiel das mit enormen Kraftaufwand betrieben wurde. Die Unioner liefen über fünf Kilometer mehr als die Eintracht. Erneut war es ein Eigentor, diesmal auf der anderen Seite, dass die Frankfurter ins Spiel zurück brachte. Florian Hübner hatte Pech, das seine Rettungstat im eigenen Tor endete. Es wäre in der Schlussphase, Schiedrichter Deniz Aytekin ließ fünf Minuten nachspielen, fast schiefgegangen mit dem Auswärtsdreier. Mit Glück und Geschick überstanden die Eisernen die brenzligen Situationen und konnten am Ende jubeln und sich von ihren Fans feieren lassen. In der Tabelle haben die Eisernen Frankfurt überholt und sind – erstaunlich, erstaunlich – fast einstellig.

Hans-Peter Becker

SG Eintracht Frankfurt: Trapp – Ndicka (71. Rode), Hinteregger, Abraham, Chandler – Kohr, Hasebe – Kostic, Kamada, Durm (66. Silva) – Pacencia (4-2-3-1)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz –Friedrich, Hübner, Subotic– Ryerson, Andrich, Gentner (77. Prömel), Lenz – Malli (63. Ingvartsen), Andersson, Bülter (90. Kroos) 3-4-3

Tore: 0:1 Andersson (49.), 0:2 N´Dicka (67. ET), 1:2 Silva (79.)

Zuschauer: 46 500

Sebastian Andersson bleibt Eisern

Vor dem Spiel in Bremen gegen den SV Werder, haben die Verantwortlichen des 1. FC Union eine wichtige Personalie unter Dach und Fach gebracht.

Der 1. FC Union Berlin und Stürmer Sebastian Andersson haben sich auf eine Verlängerung der bisherigen Zusammenarbeit verständigt. Der 28-jährige Angreifer geht auch künftig für Union auf Torejagd und verlängert seinen bis Sommer 2020 datierten Vertrag vorzeitig.

Sebastian Andersson verlängert seinen Vertrag © Foto: Hans-Peter Becker

Andersson wechselte im Sommer 2018 vom 1. FC Kaiserslautern nach Berlin-Köpenick, für die Roten Teufel hatte der heute 28-Jährige in 30 Spielen 12 Mal getroffen. Bei den Eisernen zählte der Mittelstürmer von Anfang an zum Stammpersonal und steuerte zwölf Treffer zum erstmaligen Aufstieg des 1. FC Union Berlin in die Bundesliga bei. In der Premierensaison im deutschen Fußballoberhaus gelang dem 190 cm großen Schweden am zweiten Spieltag das erste Tor der Union-Bundesligageschichte, dem Treffer in Augsburg ließ Sebastian Andersson bis dato sieben weitere Treffer folgen. Auch im DFB-Pokal trug sich Andersson für Union bereits doppelt in die Torschützenliste ein, in insgesamt 60 Pflichtspielen für Union lieferte der Angreifer neben 22 eigenen Treffern auch neun Torvorlagen. Durch die guten Leistungen im Verein erspielte sich der Stoßstürmer die Aufmerksamkeit von Schwedens Nationaltrainer Janne Andersson und gehörte zuletzt regelmäßig zum Kader der Nationalmannschaft seines Heimatlandes.

„Ich habe mich bei Union und in Berlin mit meiner Familie sehr schnell eingelebt und freue mich deshalb, meinen Vertrag hier zu verlängern. In den eineinhalb Jahren, in denen ich bisher hier spiele, gab es viele unglaublich schöne Momente. Ich möchte meinen Anteil dazu beitragen, dass wir davon in nächster Zeit noch mehr erleben. Als Mannschaft werden wir alles dafür geben, auch nächstes Jahr in der Bundesliga zu spielen“, kommentierte Sebastian Andersson seine Unterschrift.

„Wir freuen uns, dass wir Sebastian auch weiterhin an uns binden konnten. Sowohl im letzten Jahr, als auch in dieser Saison hat er sein Können unter Beweis gestellt und immer wieder gezeigt, wie wichtig er für unsere Mannschaft ist. Mit seinen guten Leistungen hat er natürlich viel Interesse geweckt, umso schöner ist es, dass wir nun Einigung erzielt und einen weitergehenden Vertrag unterschrieben haben“, zeigte sich Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, zufrieden.

Der neue Vertrag gilt für die Bundesliga und die 2. Bundesliga.
Quelle: 1. FC Union Berlin


Sieg und Remis – Punkte für die Berliner Profi-Clubs

Der 1.FC Union hat es schon wieder getan und einen Heimsieg eingefahren. Der achte Heimauftritt brachte den fünften Sieg, nur zwei Teams haben bisher mehr Heimpunkte geholt, Gladbach und Dortmund. Würde nur die Heimtabelle zählen, wären die Eisernen auf Kurs Champions-League. Nur so nebenbei, die Bayern haben aktuell zu Hause erst 13 Zähler auf die Habenseite bringen können. „Für einen kurzen Augenblick werden wir die Situation genießen, dann geht es konzentriert weiter. Wir haben noch nichts erreicht, die 19 Punkte reichen am Ende nicht für den Klassenerhalt“, so äußerte sich Unions Mittelfeldspieler Christian Gentner nach dem 2:0 Sieg gegen den 1. FC Köln am 14. Spieltag der Bundesliga.

Das Stadion war, inzwischen selbstverständlich, restlos ausverkauft. Wer über eine Eintrittskarte verfügte oder auf anderen Wegen unter den Augenzeugen weilen durfte, wusste was geboten wird. Bedingungsloser Kampf, kein Hochglanzfußball und genauso bedingungslose Unterstützung von den Rängen. Es passt im Moment alles beim 1. FC Union. Trainer Urs Fischer hat die optimalen settings gefunden, ein Spielsystem das funktioniert. Für das Spiel gegen Köln musste kurzfristig Neven Subotic in der Innenverteidigung ersetzt werden. Für ihn kam Publikumsliebling Michael Parensen in die Startelf und ein anderer Liebling durfte zum zweiten Mal in der Saison am Spielanfang auflaufen, gemeint ist Sebastian Polter. Die Anfangsphase gehörte etwas mehr den Gästen. In der 14. Minute vertändelten sie einen guten Angriffsversuch und in der 23. Minute musste Rafal Gikiewicz einen Freistoß aus der Torecke kratzen. Weiter ging es in der 26. Minute, da setzte Simon Terodde nach einer Flanke von Dominik Drexler den Ball nur knapp neben den Pfosten. Der Freistoß in der 29. Minute aus aussichtsreicher Position hätte die Führung sein müssen, erneut riesig gehalten. Dann kam es wie es kommen musste, erst hat man kein Glück und dann kommt Pech dazu. Kölns Birger Verstraete rutscht an der eigenen Strafraumgrenze aus, die Plätze werden im Dezember nicht besser, das eröffnete eine Schusschance für Sebastian Andersson. Der Ball wurde von Timo Horn zur Ecke geklärt. Erneut war Andersson zur Stelle und drückte den von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckball per Kopf in die Maschen.

In der 50. Minute war es erneut Andersson, ein Steilpass von Gentner, Schnelligkeit und technisches Können und der Ball war über der Linie. Anschließend hatten die Eisernen alles im Griff und verwalteten mit gewohntem Einsatz den Vorsprung. Der Mann des Spiels war zweifelsohne der Schwedische Nationalspieler in den Reihen der Eisernen, Sebastian Andersson. Er verdiente sich ein Sonderlob, nicht allein wegen seiner Saisontreffer sieben und acht, jetzt Platz vier der Torjägerwertung zusammen mit Marco Reus von Borussia Dortmund, immer anspielbar und sehr ballsicher.

Nach dem Schlusspfiff gab es Riesenjubel und eine Spitze in Richtung Köln. „Wir brauchen keinen Karneval, Unioner feiern überall.“

Der Spieltag wurde eröffnet mit der Partie des anderen Berliner Clubs. Lange sah nach einem Sieg für die „Alte Dame“ in Frankfurt aus, am Ende wurde es immerhin ein Punktgewinn. In der Tabelle hat der Aufsteiger aus Köpenick vor dem 15. Spieltag sieben Punkte Vorsprung vor den Herthanern.

Ihr Zwischenziel haben die Eisernen vorfristig erreicht, die jetzt noch ausstehenden drei Partien im zu Ende gehenden Jahr ihres Bundesligaaufstiegs, sind wie ein zusätzlicher Bonus. Im Blau-Weißen Lager werden sie ein bisschen neidisch in Richtung Köpenick blicken. Aus wenig bislang viel gemacht wurde bei den Eisernen, während die Alte Dame ihre Unpässlichkeit noch nicht ganz überwunden zu haben scheint. Dass sie nicht auf dem Relegationsplatz der nächsten Aufgabe entgegen schaut verdankt sie der Klatsche, die Fortuna Düsseldorf in Dortmund bezog.

Hans-Peter Becker

1. FC Union – Auswärtssieg in Mainz

Unions Trainer Urs Fischer veränderte seine Startelf für den Auftritt in Mainz gegenüber dem erfolgreichen Auftritt im Berliner Derby nur auf einer Position. Für Marius Bülter durfte Sebastian Polter auflaufen. Damit bewies Unions sportliche Führung viel Mut zur Offensive. In der taktischen Grundformation wurde mit zwei Stürmern begonnen. Eine 3er Abwehr, davor eine 4er Kette im Mittelfeld und im Angriff ein magisches Dreieck mit Marcus Ingvartsen hinter der Sebastian-Doppelspitze Polter und Andersson.

Sebastian Andersson – Doppelpack in Mainz Foto: © Hans-Peter Becker

Die Mainzer wollten sich vor ihrem Publikum für die herbe Auswärtsklatsche in Leipzig rehabilitieren. In 81. Minute wurde Rafal Gikiewicz endlich überwunden, es war lediglich der Anschlusstreffer zum 1:3. Die Gäste aus Berlin traten mit breiter Brust auf und kamen zu ihrem ersten Auswärtssieg in der Bundesliga. War das erste Tor in der 30. Minute noch mit etwas Matchglück verbunden, ein durch Invgvartsen erzwungenes Eigentor, fielen die anderen beiden Tore für die Eisernen zu einfach, Eckball, Kopfball und Tor. Sebastian Andersson war zur Stelle für die von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckbälle. Trimmel schlug die Bälle in Richtung Strafstoß-Punkt und der 1,90 m große schwedische Nationalstürmer lief aus dem Hintergrund an und wuchtete den Ball ins Tor. Der Zeitpunkt hätte besser nicht passen können. Das 2:0 fiel kurz vor dem Halbzeitpfiff und das 3:0 in der 51. Minute, als die Mainzer auf den Anschlusstreffer drängten.

Den Verwaltungsmodus eines sicheren Auswärtssieges müssen die Eisernen zukünftig besser hinkriegen. In der Schlussphase fiel das 2:3 und es war unnötigerweise für ein paar Minuten zittern angesagt. Nach dem Schlusspfiff feierten die Gäste, während die Mainzer auf den Relegationsplatz in der Tabelle abrutschten. Der 1. FC Union hat seinen Derbysieg veredelt und ist jetzt sogar in der Tabelle an dem Rivalen aus Charlottenburg vorbeigezogen. Die Alte Dame leistete sich eine 2:4 Heimniederlagen gegen RB Leipzig.

Hans-Peter Becker

Spieldaten:

1. FSV Mainz 05: Zentner – Brosinski, St. Juste, Niakhaté, Martín (77. Burkhardt) – Öztunali (52. Maxim), Baku, Fernandes, Boetius (61. Onisiwo) – Quaison, Szalai 4-4-2 mit Raute

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck (32. Parensen), Subotic – Trimmel, Gentner, Andrich, Lenz – Ingvartsen – Andersson (88. Ujah), Polter (76. Kroos) 3-4-1-2

Zuschauer: 24.349

Tore: 0:1 Brosinski (ET, 30.), 0:2 Andersson (45.+2), 0:3 Andersson (51.), 1:3 Onisiwo, 2:3 Brosinski (90. + 4)

Mit Kampf und Matchglück zum zweiten Bundesligasieg

Marius Bülter – sein dritter Saisontreffer stellte früh die Weichen auf Sieg ® Foto: Hans-Peter Becker

Die Eisernen haben ihre Niederlagenserie beendet. Zu der kämpferischen Leistung gesellte sich endlich die Portion Matchglück, die es manchmal braucht. Ein Sonntagsschuss von Marius Bülter, es lief noch die erste Spielminute, fand den Weg ins Tor. Knapp 10 Minuten später hätte Marcus Ingvartsen den Vorsprung ausbauen können. Sein Schuss landete am Pfosten. Er wäre für den Torwart nicht zu halten gewesen.

Für den Freiburger Torwart war nach 22 Minuten die Partie beendet. Die Gäste versuchten dagegen zu halten, hatten bis zur Halbzeit mehr Ballbesitz, waren allerdings nicht sehr effektiv. Sie brauchten eine Weile, um den Schock des sehr frühen Rückstandes zu verdauen. In der 26. Minute jubelte die Alte Försterei erneut. Der Treffer von Sebastian Andersson fand wegen eines Foulspiels keine Anerkennung. Er hatte sich in der Schutzzone des Torwartes beim Kampf um den Ball mit unlauteren Mitteln eingesetzt.

Der kurzfristig umformierten Abwehr des 1. FC Union – Michael Parensen mußte für Neven Subotic (muskuläre Probleme) ran – gelang es, die spielstarken Freiburger weitgehend vom eigenen Tor fernzuhalten. Erstmals gingen sie in ihrer noch jungen Bundesligageschichte mit einer Führung in die Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit setzten die Gäste aus dem Breisgau alles auf eine Karte, was blieb ihnen auch anders übrig. Trainer Christian Streich stellte taktisch um und brachte mit Niels Petersen einen zusätzlichen Stürmer. Optisch wirkten die Freiburger überlegen. Die Eisernen setzten einen leidenschaftlichen Kampf dagegen. Wie gegen Dortmund, war es erneut eine bemerkenswerte Laufleistung die zum Sieg beitrug. Über 124.00 Kilometer spulten die Akteure in den roten Trikots ab. Die endgültige Belohnung erfolgte in der 84. Minute, als Marcus Ingvartsen das 2:0 besorgte.

Der auswärts bisher ungeschlagene SC Freiburg musste die Heimreise ohne Punkte antreten.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

1. FC Union: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Parensen – Trimmel, Gentner (77. Kroos), Andrich, Lenz – Ingvartsen, Andersson (82. Ujah), Bülter (89. Mees)

SC Freiburg: Schwolow (23. Thiede) – Schmid, Heintz, Koch, Lienhart, Günter – Haberer, Abrashi (46. Petersen), Höfler, Höler (58. Grifo) – Waldschmidt

Schiedsrichter: Benjamin Cortus, Florian Heft, Christian Bandurski, Marcel Unger

Zuschauer: 22.012

Tore: 1:0 Bülter (1.), 2:0 Ingvartsen (84.)

1. FC Union verliert ein hektisches Spiel

Sie hatten sich mehr ausgerechnet die Eisernen im Heimspiel gegen die ersatzgeschwächte Mannschaft des SV Werder Bremen. Dass es am Ende nicht einmal für einen Punkt reichte war auch der Mangel an Erfahrung beim 1. FC Union. Es war über die gesamte Spieldauer eine zerfahrene und hektische Partie. „Ein Fußballspiel, das ganz schön genervt hat“, wie Unions Pressesprecher Christian Arbeit in der Pressekonferenz die Sache auf den Punkt brachte.

Es könnte als Videospiel in die Geschichte dieser Saison eingehen. In der ersten Viertelstunde des Spiels zeigte Schiedsrichter Tobias Welz zwei Mal auf den Elfmeterpunkt. Den Strafstoß für Bremen hätte man nicht geben müssen, da wurde Bremens Kapitän Klaassen von Torwart Gikiewicz und Verteidiger Lenz in die Zange genommen. Er wollte eine etwas verunglückte Rückgabe abfangen. Das Foul war eher schwalbenartig. Die Ausführung des Strafstoßes stand bevor, der Schiedsrichter griff sich ans Ohr, der Kölner Keller, Entscheidung überprüfen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Welz blieb bei seiner Entscheidung und Bremen ging mit 1:0 in Führung, der Gefoulte verwandelte selbst. Kopfschütteln im Stadion und andernorts, was hatte der Schiedsrichter gesehen. Die ausgleichende Gerechtigkeit kam nur ein paar Minuten später, ein berechtigter Handelfmeter, der zunächst nur im Keller in Köln registriert wurde. Sebastian Andersson trug sich mit Saisontreffer drei in die Liste der Torschützen ein.

Bis zur Halbzeitpause versuchten beide Fußball zu spielen. Ein Spielrythmus fanden beide nicht. In der zweiten Halbzeit erkämpften sich die Eisernen mehr Spielanteile. Die Gäste blieben gefährlich und gingen in der 55. Minute in Führung. Zunächst hielt Gikiewicz einen Elfer, daraus resultierte ein Eckball und der war genau getimt, ein wuchtiger Kopfstoß von Füllkrug saß. Union lag hinten und versuchte das zu verändern. Die Spieluhr lief runter und die Hektik nahm zu. Der Torstand blieb. Zwei Spieler flogen noch mit gelb-rot vom Platz. Vor allem die letzten 10 Spielminuten hatten nicht mehr allzuviel mit Fußball gemein. Spiele dieser Art gewinnt meist die Mannschaft mit der größeren Erfahrung in der Spielklasse, die Eiseren zahlten Lehrgeld. Die nächste Aufgabe wartet in Leverkusen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten:

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Subotic, Lenz – Becker (73. Gogia), Andrich, Gentner (84. Abdullahi), Bülter – Andersson, Ujah (67. Polter) 4-4-2

SV Werder Bremen: Pavlenka – Lang, Selassie, Groß, Friedl – Klaassen, Sahin, Eggestein (84. Pizzarro) – Osako (68. Sargent), Füllkrug, Bittencourt (90. Goller) 4-3-3

Zuschauer: 22.012

Tore: 0:1 Klaassen (5.), 1:1 Andersson (14.), 1:2 Füllkrug (55.)

1. FC Union schafft die Sensation

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, der 1. FC Union erkämpfte sich mit dem Glück des Tüchtigen den ersten Sieg in der Bundesliga. Die Anzeigetafel kündete von der Sensation, der Championsleague Teilnehmer und Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund musste sich mit 1:3 in Berlin Köpenick geschlagen geben. Dortmunds Kapitän Marco Reus bekannte: „Wir haben uns dumm angestellt.“ Vielleicht wurden die Eisernen etwas unterschätzt. Sie agierten mit enormer Laufbereitschaft. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die Eisernen fast 7 km mehr liefen als die Dortmunder. War die Führung durch den Mann des Spiels Marius Bülter insofern glücklich, dass es den Eckball nicht hätte geben dürfen, der dem Treffer vorausging, so verdienten sich die Wuhlheider mit zunehmender Spieldauer den Erfolg.

Die Eisernen waren effektiv, nutzten als spielerisch unterlegene Mannschaft zwei Eckbälle und einen der wenigen Abwehrfehler der Dortmunder für ihre Tore. Union hatte lediglich 26 % Ballbesitz und dazu eine unterirdische Passquote von 64%. Mit diesen Werten kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen. Manchmal eben doch, wenn du, wie es Urs Fischer ausdrückte, eklig bist. Rennen bis zum Umfallen. Die Dortmunder ließen nicht viel zu, konnten aber mit ihrer Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer immer weniger anfangen. Den Kombinationen der Dortmunder fehlte es an Tempo und der letzten Präzision.

Urs Fischer brachte drei Neue für die Startelf, in der Innenverteidigung spielte Marvin Friedrich für den gesperrten Keven Schlotterbeck. Im defensiven Mittelfeld kam Manuel Schmiedebach für den verletzten Grischa Prömel zu seinem ersten Startelfeinsatz der Saison und im offensiven Mittelfeld begann Anthony Ujah für Suleiman Abdullahi. Die beiden Stürmer kamen nur selten zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sie waren meist der erste Wellenbrecher für Dortmunder Angriffsbemühungen. So glänzte Andersson als offensivster Spieler der Eisernen, neben seinem Tor zum 3:1 auch mit der zweitbesten Laufleistung im Spiel.

Marius Bülter – 2 Tore gegen Dortmund © Foto: Hans-Peter Becker

Zum Mann des Spiels avancierte bei aller Prominenz auf dem Rasen der Wuhlheide, ein eher unbekannterer Nachwuchsmann. So überraschend wie das Ergebnis, schnürte der Neuzugang und noch nicht so prominente offensive Mittelfeld-Akteur Marius Bülter einen Tore-Doppelpack. Er spielte in der Saison 2017/18 noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West und war erst vor wenigen Wochen mit dem 1. FC Magdeburg nach der Niederlage beim 1. FC Union aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Eine schöne Geschichte, die der Fußball hier geschrieben hat. Der 26jährige in Ibbenbühren geborene Bülter ist ein Spätstarter, hat keine Ausbildung in einem Fußball -Internat eines namhaften Clubs durchlaufen. Für diese Saison ist er vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen. Das Fußballmärchen erfährt hier noch eine Steigerung.

Es war kein Spiel für Fußballfeinschmecker, das wird An der Alten Försterei schwer zu realisieren sein. Es könnte den Weg aufzeigen, was in dieser Saison möglich ist. Immerhin hat der 1. FC Union bereits vier Punkte gesammelt, während der Rivale aus Charlottenburg mit einem lediglich einem Punkt eher in den Startlöchern hängen geblieben ist. Nach der Länderspielpause steht erneut ein Heimspiel auf dem Programm. Werder Bremen darf sich dann mit den Bedingungen und der Spielstärke des 1. FC Union auseinandersetzen.

Hans-Peter Becker

Erstes Bundesligator und Punkt

In der 80. Minute war es soweit, der kurz zuvor zusammen mit Sebastian Polter eingewechselte Sebastian Anderson erzielte das erste Bundesligator für den 1. FC Union. Es war der Ausgleich zum 1:1 und bis zum Schlusspfiff änderte sich an dem Spielstand nichts mehr. Ein Riesenklops im Aufbauspiel der Augsburger war der Torpremiere vorausgegangen. Jetzt hat der fünfmalige Nationalspieler Schwedens einen Ehrenplatz in der Vereinschronik der Eisernen sicher. Großen Anteil an dem Treffer hat auch Sebastian Polter, der zusammen mit Andersson in der 71. Minute eingewechselt wurde. Augsburgs Tin Jedvaj spielte den Fehlpass, Polter lief allein auf den Torwart zu und legte quer auf seinen Sturmpartner, der dann keine Mühe hatte, erfolgreich abzuschliessen.

Freudige Gesichter, das Unentschieden ist ein gefühlter Sieg für die Unioner. In der ersten Halbzeit war auf beiden Seiten die Verunsicherung nach den Klatschen zum Auftakt zu bemerken. Urs Fischer brachte vier Spieler in der Startaufstellung. In der Innenverteidigung spielte Neven Subotic für Marvin Friedrich, im offensiven Mittelfeld begannen Marcus Ingvartsen und Sheraldo Becker, zunächst als einzige Sturmspitze durfte sich Anthony Ujah versuchen. Christian Gentner konnte wegen einer Verletzung nicht spielen. Bei Ballbesitz sortierte sich die taktische Formation in einem 4-2-3-1 und gegen den Ball versuchten Ujah und je nach Situation einer der drei offensiven Mittelfeldspieler den ballführenden Augsburger anzulaufen, dahinter formierten sich zwei Viererketten. In der ersten Halbzeit wirkte Union in der Abwehr sehr kompakt, allerdings gab es kaum nennenswerte Aktionen vor dem Augsburger Tor. Die erste halbwegs brauchbare Torchance hatten die Berliner in der 27. Minute durch Ujah und in der 35. Minute verfehlte ein Schuss Marius Bülter nur knapp das Ziel.

Augsburg hatte bis zur Pause mehr vom Spiel. Insgesamt hielt sich spielerische Niveau im unteren Wertungsbereich auf. In der zweiten Hälfte stieg wenigstens der Unterhaltungswert. In der 48. Minute kam Union zu einer Konterchance, allerdings war der entscheidende Pass von Sheraldo Becker zu unsauber. Das erste Tor im Spiel fiel dann in der nach knapp einer Stunde Spielzeit durch den Schweizer U-21 Nationalspieler und Augsburger Neuzugang Ruben Vargas, der von der Vorarbeit durch Florian Niederlechner profitieren konnte. In der Abwehre konnte Keven Schlotterbeck das entscheidende Zuspiel von seinem ehemaligen Freiburger Mannschaftskollegen nicht verhindern.

Sebastian Andersson – Schütze des ersten Bundeligatores © Foto: Hans-Peter Becker

Die Berliner Bank reagierte auf den Rückstand. Zunächst kam Suleiman Abdullahi für den eher enttäuschenden Sheraldo Becker und ab der 71. Minute stellte Fischer im Angriff auf ein 4-2-2 um. Für Ujah kam Sebastian Polter und für Ingvartsen spielte Sebastian Andersson. Die Maßnahme wäre fast ins Auge gegangen. Eigentlich hätte Niederlechner in der 73. Minute für die Entscheidung des Spiels sorgen müssen. Wieder verliert Schlotterbeck den Zweikampf, doch Niederlechner trifft zum großen Glück für die Eisernen das Tor nicht. Der Ausgang ist bekannt. Christopher Lenz traf zunächst in 78. Minute mit einer eher verunglückten Flanke den Pfosten und 80. Minute, nach 170 Bundeliga-Minuten folgte die Torpremiere.

Leider verloren in der 83. Minute die Eisernen Innenverteidiger Schlotterbeck durch eine glatt rote Karte. Es war die negative Krönung der vielen Zweikämpfe zwischen den beiden Ex-Freiburgern. Die Entscheidung des Schiedsrichters Robert Schröder war hart, aber vertretbar. So musst du in der Mittelzone nicht einsteigen, dazu, wenn auch nicht in voller Absicht, mit der offenen Sohle auf die Wade des Gegenspielers. Für die restlichen Minuten rückte Grischa Prömel in die Innenverteidigung. In der Nachspielzeit versuchte Polter einen Elfer zu schinden. Es war es „Trikotzupfer“, aber kein 100%iger Strafstoß, das Spiel lief weiter und mit der letzten Angriffsaktion hätten die Eisernen das Spiel noch unglücklich verlieren können.

Das Unentschieden war dem Spielverlauf entsprechend, der 1. FC Union ist mehr als nur ein Punktelieferant. Nach dem Schlusspfiff konnten sich die Profis zu Recht feiern lassen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten: Fußball-Bundesliga 2. Spieltag

FC Augsburg: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Khedira, Max – Baier, Gruezo (74. Oxford) – Vargas (66. Richter), Hahn, Gregoritsch – Niederlechner (88. Finnbogason)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Subotic, Schlotterbeck, Lenz – Prömel, Andrich – Becker (68. Abdullahi), Ingvartsen (71. Andersson), Bülter – Ujah (71. Polter)

Zuschauer: 27.703

Tore: 1:0 Vargas (59.), 1:1 Andersson (80.)

1. FC Union – souverän in Halberstadt

So stellt sich das ein Trainer vor, mit Respekt und Konzentration die Aufgabe im Pokal bei einem vermeintlich Kleinen zu lösen. Die Liga-Kollegen aus Mainz und Augsburg hatten sich bereits zum Pokaldepp gemacht. Vielleicht das mahnende Beispiel, jedenfalls lösten die Eisernen ihre Aufgabe beim Regionalligisten Germania Halberstadt souverän. Die 3.000 mitgereisten Fans konnten am Ende einen 6:0 Auswärtssieg feiern.

Es dauerte eine Weile bis der Widerstand des Regionalligsten gebrochen. Zur Halbzeitpause führten die Eisernen, trotz spielerischer Überlegenheit, nur knapp mit 1:0. Der Bann war erst gebrochen, als in der 67. Minute Sebastian Andersson der zweiten Treffer für den Erstligisten markieren konnte. Es folgten noch vier weitere Tore.

Urs Fischer zeigte sich auf der Pressekonferenz nach der Partie zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft:
„Ich habe heute ein gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen, was auch damit zu tun hatte, dass Halberstadt mitgespielt hat. In der ersten Halbzeit hat mir die Effizienz gefehlt, da hatten wir gute Möglichkeiten, unsere Führung auszubauen. In der zweiten Halbzeit hat das besser funktioniert, da haben wir das Maximum aus unseren Chancen herausgeholt. Es war ein gutes und wichtiges Spiel für uns, auch mit Hinblick auf den kommenden Sonntag“, so der Schweizer.

Der aktuell große Kader der Eisernen führt zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Vor der Bundesligapremiere am kommenden Wochenende, spielen die Eisernen am Montag, 12.08. erneut gegen einen Regionalligisten.
In einem Testspiel gegen Lichtenberg 47 erhalten vorrangig die Akteure Spielpraxis, die in der Pokalpartie gegen Halberstadt nicht eingesetzt wurden.

DFB-Pokal 1. Runde VfB Germania Halberstadt – 1. FC Union Berlin

VfB Germania Halberstadt:
Sowade – Ambrosius, Pläschke, Schulze – Bretgeld, Twardzik, Messing (17. Korsch), Tchakoumi (55. Menke) – Blaser, Yilmaz (76. Januario)

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Trimmel, Parensen, Schlotterbeck, Lenz – Gentner, Prömel – Becker (60. Mees), Ingvartsen, Bülter – Andersson (71. Ujah)

Schiedsrichter: Tobias Reichel, Asmir Osmanagic, Tobias Endriß, Tim Skorczyk

Zuschauer: 5.966

Tore: 0:1 Schlotterbeck (27.), 0:2 Andersson (65.), 0:3 Lenz (67.), 0:4 Mees (71.), 0:5 Andrich (76.), 0:6 Ujah (89.)

Hans-Peter Becker


Die Aufstiegschance ist gestiegen !

Der 1. FC Union hat den VfB Stuttgart mächtig geärgert und die Ausgangssituation für dem Relegationsrückspiel zu seinen Gunsten verändert. Nach dem überraschenden 2:2 im Hinspiel griffen die Stuttgarter zu Durchhalteparolen. „Es ist erst Halbzeit und die Entscheidung fällt erst nach dem nächsten Spiel.“ Der Verlauf des Spiels war so nicht erwartet worden. Die Eisernen hatten das knappe Scheitern in Bochum erstaunlich gut weggesteckt, ein Kompliment an die sportliche Leitung, die die Psyche der Spieler wieder aufgerichtet hatte.

Ein Blick in die Spielstatistik zeigt, zwar hatten die Stuttgarter mehr Ballbesitz, gewannen mehr Zweikämpfe, in der Laufleistung dagegen hatten die Köpenicker klar die Oberhand. Die Spieler des 1. FC Union liefen in der Endabrechnung fast 2 Kilometer mehr als die Stuttgarter. Sie mussten das Spiel nicht machen, konnten auf den Gegner reagieren und das tat ihnen sichtlich gut. Ein 4-2-3-1 im flexiblen Wechsel mit einem 4-3-3 war bei den Offensivaktionen zu sehen. In der Sturmspitze, als Zielspieler verdiente sich Sebastian Andersson Bestnoten, für den 1: 1 Ausgleich durch Suleiman Abdullahi lieferte er die Vorlage. Es waren kleine Änderungen die Urs Fischer vornahm, auf der linken Offensivseite bekam Marcel Hartel mal wieder einen Startelfeinsatz. Er hatte es schwer gegen den französischen Weltmeister Benjamin Pavard und wurde gegen Joshua Mees ausgetauscht.

In der Schlussphase waren die Eisernen sogar einer Sensation nahe, zwei Riesenmöglichkeiten zum Siegtreffer boten sich. Im Verlaufe des Spiels kassierten Kapitän Christopher Trimmel und der für Manuel Schmiedebach eingewechselte Felix Kroos, gelbe Karten mit Folgen. Das Rückspiel können sie nur von der Tribüne aus verfolgen, auf dem Rasen nicht mithelfen.

Eines ist klar, gewonnen haben die Eisernen noch nichts, die Chancen stehen jetzt 50 zu 50, haben sich verbessert. Im Rückspiel wird es spannend, Stuttgart mehr zu verlieren, sie müssen gewinnen oder mindestens drei Tore schießen und höchstens drei zulassen. Die Spannung steigt jetzt von Tag zu Tag. Es könnte was ganz Großes in der Luft liegen.

Hans-Peter Becker