Sieg und Niederlage unter dem Gabentisch

Für Herthas Torwart Alexander Schwolow war es die Rückkehr an den einstigen Arbeitsplatz. Der gebürtige Wiesbadener gehörte seit 2009 mit der einjährigen Unterbrechung in der Saison 2014/15 dem SC Freiburg an. Es dauerte lediglich bis zur 7. Spielminute, da musste er bereits den Ball aus dem Netz holen. Vincenco Grifo war der Nutznießer, nach einem Ballverlust der Hertha im Spielaufbau. Anschließend passierte nicht viel. Freiburg führte und Hertha war wie zuletzt gegen Mainz stets bemüht. Es dauerte bis zur 36. Minute, da konnte Maximilian Mittelstädt erstmals auf das Tor schießen. Sein Schuss wurde geblockt. In der 41. Minute erfolgte erst ein direkter Torschuss, der allerdings für Florian Müller, dem Freiburger Keeper kein Problem darstellte. Mehr gelang der „Alten Dame“ nicht in Halbzeit eins. Sie hatten sogar Glück, dass den Breisgauern kurz vor dem Pausentee nicht auf 2:0 erhöhten. Grifo hätte erneut zuschlagen können.

Nach der Kabinenpredigt schien es für die Berliner besser zu laufen. Es gelang der Ausgleich und beinahe die Führung. Doch die Freiburger waren gnadenlos effektiv. Erst gelang den Freiburgern die erneute Führung und dann wurde die alte Fußballregel, von den drei Ecken die ein Tor sein sollen, bestätigt. In der 67. Minute führten die Freiburger mit 3:1 und das waren Wirkungstreffer. Sie steckten zwar nicht auf, viel gelang ihnen nicht mehr. Es lief die Zeit davon. Den Schlussakkord setzten die Freiburger. Niels Petersen verwandelte einen Foulelfmeter. So wurde es Ergebnis-technisch eine unerwartete Klatsche für Hertha BSC. Lediglich 13 Punkte wurden geholt, der Abstand zu dem Konkurrenten aus Köpenick beträgt aktuell 8 Punkte. Hertha muss nach unten schauen, nur 3 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Wer hätte das gedacht!

Während die Hertha sich also quälte, blieb den Eisernen das Glück der Tüchtigen treu. Erneut wurde ein enormer Laufaufwand belohnt. Sie liefen fast 10 km mehr als die Dortmunder. Mit zwei Eckbällen schafften sie die Borussia aus Dortmund. Mit jetzt 21 Punkten bleiben sie über Weihnachten in den internationalen Rängen der Tabelle. Bemerkenswert, dass trotz des kleinen Kaders, trotz namhafterer Konkurrenz weiter fleißig gepunktet wird. Für den 1. FC Union ist das Fußballjahr noch nicht beendet. Im Pokal wird am Dienstag, 22.12., vor dem Fest, der SC Paderborn empfangen.

Die Halbserie ist noch nicht vorbei. Nach einer kurzen Weihnachtspause geht es am 2. Januar 2021 weiter. Der 1. FC Union macht sich auf den Weg zum SV Werder Bremen und die Hertha empfängt am selben Tag im heimischen Olympia-Stadion Schalke 04 zum Abstiegsduell.

Hans-Peter Becker

Hertha trudelt aus und Union ist fast am Ziel

Die Saison wird für beide Berliner Proficlubs ein verhältnismäßig gutes Ende nehmen. Die Hauptstadt wird in der kommenden Saison als einzige Bundesligastandort mit zwei Vereinen vertreten. Vor dem 32. Spieltag mag beim 1. FC Union noch ein kleines Fragezeichen stehen, die Restzweifel sollten recht schnell beseitigt sein. Ohne überheblich zu werden, ein Sieg gegen die faktisch abgestiegenen Paderborner ist Pflicht. Im Falle einer großen Überraschung, einer Niederlage gegen Paderborn, könnte die Partie am letzten Spieltag daheim gegen Düsseldorf nicht nur für die Gäste große Bedeutung erlangen. Von Austrudeln kann in Köpenick nicht die Rede sein, ganz im Gegensatz zum Ortsrivalen.

Jetzt hat es auch Hertha erwischt, gegen Frankfurt war nichts zu holen. Die Blau-Weißen liefen förmlich auf der Felge. Die komplette Halbzeit zwei mussten mit 10 Mann absolviert werden. Boyata sah in der Nachspielzeit glatt rot, für ein geschicktes Foul im Strafraum. Da musste schon die Lupe bemüht werden. Jetzt hoffen sie bei der Hertha nach der 1:4 Klatsche wenigstens auf eine milde Bestrafung des Rotsünders. Zum letzten Heimspiel kommt Leverkusen ins Olympiastadion, gewissermaßen zur Generalprobe für das Pokalfinale. Die Bayer-Elf will in die Champions-League und hat nichts zu verschenken. Zum nächsten Spieltag muss die Alte Dame weit reisen, bis in den Schwarzwald. Das Spiel beim SC Freiburg hat lediglich Bedeutung für die Geldtabelle.

Die Eisernen besannen sich in Köln auf ihre alten Tugenden. Sie wollten einfach den Sieg etwas mehr als der Mitaufsteiger. Spielerisch lief auf beiden Seiten nicht viel zusammen, zum Glück gibt es Eckbälle, hochgewachsenen Innenverteidiger und den ausgebufften Christian Gentner. Sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 war nicht nur sehenswert, es zu 99,8 % der Klassenerhalt und ein Empfehlungsschreiben für ein weiteres Jahr im Trikot der Eisernen. Oliver Ruhnert darf sich über seinen Schachzug freuen. Zu Beginn der Saison hatte die Verpflichtung des Ex-Stuttgarters für Verwunderung gesorgt. Mit dem VfB hatte er vor einem Jahr die bitteren Minuten des Abstiegs erleben müssen, stand vom Anpfiff bis Ende auf dem Rasen der Alten Försterei und stellte sich im Anschluss in der Mixed-Zone noch den Fragen der Journalisten. In seiner fußballerischen Heimat wollten sie ihn nicht mehr – so griffen die Eisernen zu. Er würde gern noch weiter spielen, am liebsten in Berlin.

Hans-Peter Becker

Hertha ist durch und Union braucht noch Punkte

Fußball gespielt wird in der laufenden Saison lediglich in den ersten drei Ligen. Ab der Regionalliga ist die Saison beendet. Mal sehen, wie es hier im Herbst weitergeht. Die beiden Berliner Bundesligisten haben sich am 30. Spieltag nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In Dortmund riss Herthas Siegesserie. Das 0:1 war die erste Niederlage unter dem neuen Hertha-Trainer Bruno Labbadia. Ein kleiner Fehler zu viel, ansonsten war die Alte Dame mit dem Meisterschaftsanwärter auf Augenhöhe. Ein Auswärtspunkt wäre nicht unverdient gewesen. Die Niederlage tut nicht weiter weh, nach der Corona-Siegesserie ist Hertha jenseits von gut und böse. In der nächsten Saison, wann immer sie auch beginnen wird, die blau-weißen aus Charlottenburg werden weiter erstklassig dabei sein. Die 10 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bei 12 noch zu vergebenden Punkten sollten reichen.

Beim zweiten Berliner Vertreter sieht die Sache leider anders aus. Das Gröbste ist geschafft, die Ausgangslage könnte schlechter sein. Fakt ist, die bisher erreichten 32 Punkte werden nicht reichen. Die Knochenmühle Relegation wollen sich die Eisernen ersparen. Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04, war – mal abgesehen von den ersten zwanzig Minuten – sportliche Not gegen das Elend der Umstände. Es sah bis zur 28. Minute so aus, als würden die rot-weißen aus dem Berliner Osten endlich mal einen ungefährdeten Heimsieg einfahren können. Robert Andrich hatte mit seinem ersten Bundesligatreffer nach nur 11 Minuten für die Führung gesorgt und der zweite Treffer schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Es kam anders, die Knappen glichen aus, mit einem Tor aus dem berühmten Nichts. Robert Andrich ist bei den Eisernen etwas mehr für das Verhindern von Toren zuständig. Der gebürtige Potsdamer, aus dem Hertha-Nachwuchs stammend und zu Beginn der Saison aus Heidenheim gewechselt, hat sich bei Urs Fischer einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld erspielt. Für eine filigrane Spielweise ist er nicht bekannt. Gerade von einer gelb-rot Sperre zurückgekehrt, kassierte er gegen Schalke die zehnte Gelbe der Saison. Schalkes Torschütze Jonjoe Kenny, Leihgabe vom Premier-Ligisten FC Everton, wie Andrich mit 28 Saisoneinsätzen, bringt es erst auf vier gelbe Karten. Seine ausgefeilte Schusstechnik beendete die Hoffnung der Eisernen auf den ersten Sieg in der Corona-Runde. Gegen die ersatzgeschwächten Schalker, sie konnten nur mit 16 Spielern nach Berlin reisen, fanden die Gastgeber in der Alten Försterei keine spielerischen Mittel, um die kriselnden Schalker ernsthaft gefährden zu können.

Die Heimspiel ohne Zuschauer sind für den Aufsteiger bisher eher ein Fluch. Es stehen in der Wuhlheide deren zwei noch auf dem Plan. Der zukünftige Zweitligist Paderborn mit Trainer Steffen Baumgart und zum Saisonabschluss kommen die Düsseldorfer mit Steven Skrzybski. Da sollte doch was gehen.

Hans-Peter Becker

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich

Es geht dem Ende zu

Neun Partien bis Saisonende und aus Berliner Sicht der glückliche Umstand, dass der SC Paderborn, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf sehr schwächeln und bisher da unten nicht rausgekommen sind. Dennoch könnte noch ein Verein absteigen, an den die Fußballfreunde und er selbst nicht denken. Der Abstiegskampf scheint spannender als der Titelkampf zu werden. Die beiden letzten Clubs in der Tabelle halten erstaunlicherweise an ihren Trainern fest. Düsseldorf und Mainz haben die Coachs bekanntlich bereits gewechselt. Aktuell sieht Augsburg das Ziel Klassenerhalt gefährdet. Trainer Martin Schmidt erhielt zwar viel Lob für gute Spiele, doch die Bilanz vier Punkte aus neun Spielen waren zu wenig, Trainer Martin Schmidt muss gehen…

In Berlin ist die Situation bei Hertha (28 Punkte) zerfahren. Sie könnte sich sogar zum Saisonende zuspitzen. Der 1. FC Union (30 Punkte) ist als Tabellenelfter natürlich noch nicht gesichert und könnte ausgerechnet im Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München großes Pech haben, wenn wegen Corona in der Alten Försterei vor leeren Rängen gespielt werden müsste. Die Köpenicker brauchen die Zuschauer-Unterstützung. Das übrigens auch in der Woche darauf, beim Derby bei Hertha im Olympiastadion.  Unvorstellbar, wenn das anstatt vor Rekordbeteiligung  ohne Zuschauer ausgetragen werden muss. Die sieben Begegnungen danach sehen so aus:

28. Union – Mainz        /    Leipzig – Hertha

29. Gladbach – Union  /   Hertha – Augsburg

30. Union – Schalke     /   Dortmund – Hertha

31. Köln – Union          /    Hertha – Frankfurt

32. Union – Paderb.    /    Freiburg – Hertha

33. Hoffenh. – Union   /   Hertha – Leverkus.

34. Union – Düsseld.   /   Gladbach – Hertha  

Trainer Urs Fischer ist für die Eisernen ein Glücksfall. Von großer Gefährdung ist momentan mit 30 Punkten nicht zu sprechen. Mit einem Blick auf das Restprogramm ohnehin nicht. Am 32. Spieltag zu Hause gegen Paderborn und am letzten zu Hause gegen Düsseldorf dürften eventuell fehlende Punkte für den Klassenerhalt geholt werden können, zumal, Paderborn als Absteiger feststehen sollte. Gegen Bayern München, ob nun mit oder ohne  Zuschauer, darf – nach großem Kampf – ein Punktverlust einkalkuliert werden.

Ja, und sind Voraussagungen überhaupt noch zutreffend? Ich hörte im Olympiastadion den TV-Reporter über Herthas Beginn gegen Werder Bremen „Schlafwagenfußball“ sagen, die Heimmannschaft sei noch im Aufwärmprogramm. Es waren gerade mal fünf Minuten gespielt, als es 0:2 hieß. So geschehen eine Woche zuvor. In Düsseldorf hieß es ja sogar 0:3, um letztendlich Moral zu zeigen und wie gegen Werder dann doch noch einen Punkt zu holen. Hertha schaffte in 25 Spielen 28 Punkte. Ob nach so einem Beginn die Aufholjagd am Samstag in Hoffenheim auch möglich ist, sei dahingestellt.

Christian Zschiedrich

Zum Stand der Dinge in der Bundesliga

Noch drei Spiele, dann geht’s schon in die Rückrunde, in der Hertha in den letzten Jahren immer schlechter aussah, als in der Vorrunde. Ich traue Jürgen Klinsmann zu, Hertha vor dem Abstieg zu retten. Nach 14 Spielen sieht es nicht gut, eher alarmierend, aus. Hertha ist punktgleich mit  Düsseldorf, je 12, auf dem Relegationsplatz. Zum Glück gibt es mit je acht Punkten zwei Clubs die schlechter da stehen, den SC Paderborn und der 1. FC Köln. Seit der Drei-Punkte-Regelung ist das ein schneller änderbarer Zustand, das erlaubt immer wieder nach der Qualität der Teams zu fragen.

Klinsmann redet seinen Spielern Qualität ein. Er muss motivieren. Ich sehe die Qualität bei Hertha etwas kritischer. Individuelle Qualität ist in der Summe nicht gleich mannschaftliche Qualität. Wer hat den Kader zusammengestellt ? Wer hat den bereits nach nur 12 Spielen wieder geschassten Trainer verpflichtet ? Das Plakat in der Ostkurve während des Spiels gegen Dortmund sprach Bände.

Hoffen wir im kommenden Heimspiel gegen Freiburg auf die Wende. Der 1. Union muss zum SC Paderborn. Gegen Mannschaften, denen das Wasser bis zum Hals steht wird es schwer. Paderborn hat mit großem Kämpferherz in der Eliteliga beeindruckt und unglücklich Punkte liegen lassen.

Stolz darf Berlin auf seinen zweiten Bundesliga-Club sein. Nach 14 Spielen sind 19 Punkte auf dem Konto, immerhin sieben mehr, als der ambitionierte Lokalrivale vorweisen kann. Das muss der Hertha einfach wehtun. Noch vor Saison-Beginn trumpfte Michael Preetz immer mal wieder damit auf, dass Hertha sich über die Konkurrenz freue, aber zeigen werde, wer in Berlin die Nummer Eins ist.

Die Bayern dominierten jahrelang die Bundesliga. Meisterschaftsanwärter sind Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. Zwei Niederlagen in Folge, dass hat sich ja nicht einmal Niko Kovac erlaubt. Die Kaderzusammenstellung bei den Bayern wird kritisiert, fast wie bei der Hertha. Bei den Bayern sind es eher Luxusprobleme. Aktuell sind die Bayern – „nur“ – muss aus Bayern-Sicht gesagt werden, Tabellensiebenter. Clubs wie Bayer Leverkusen, der SC Freiburg, Schalke 04 und Borussia Dortmund sind davor platziert. Man stelle sich das Hohn-Gelächter vor, die Eisernen spielen bis Weihnachten weiter so effektiv und sammeln fleißig Punkte. Überholen sie bald die Bayern ? Ein bisschen träumen ist erlaubt. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Die Hürde in Paderborn muss erst einmal genommen werden.

Positiv, endlich wieder Spannung in der Bundesliga. Jeder kann jeden schlagen. Fußballfreunde, was wollt ihr mehr…

Christian Zschiedrich  

Hertha BSC: Es liegt nicht am Trainer

Es hilft auch nicht, der Mannschaft zu bescheinigen, dass sie ja eigentlich gar nicht so schlecht gespielt hat. Mit Pech ist das allein nicht zu begründen. Bestimmt kennt jeder von uns das Sprichwort: Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech hinzu. Arme Hertha!

Mein Vorschaubericht: Oje gegen den Tabellenletzten. Der Club ziert nun, nach vier Spieltagen mit nur einem Punkt, die Rote Laterne. In Mainz wurde – wie befürchtet – mit 1:2 verloren. Wenn‘s nicht am Trainer liegt, an was dann? Ich bemängelte, dass Hertha relativ spät auf dem Transfermarkt aktiv wurde. Außerdem wurde die Qualität in der Vorbereitung mit Ausnahme der Start gegen Bayern München nicht realistisch genug eingeschätzt. Was Trainer zu den Niederlagen äußerte, hat Hand und Fuß. Wir stehen ja erst am Beginn der Saison, reicht nicht als Erklärung. Am 5. Spieltag heißt die Heimpartie Hertha gegen Aufsteiger Paderborn – Letzter gegen Vorletzter.

Steffen Baumgart wird es schwer haben, sich mit seinem Team in der Bundesliga zu halten. Dennoch besteht die Gefahr, dass Hertha abermals gar nicht so schlecht, aber nicht effektiv genug spielt. Was dann? Jetzt schon werden erste Befürchtungen laut, dass der Manager Sport, Michael Preetz, verantwortlich vor seinem dritten Abstieg aus der Bundesliga steht. Erfahrungsgemäß ist der Trainer in einer gefährlicheren Position. Eine Trainer-Degradierung hilft oft, die Problembehandlung nur etwas aufzuschieben. Was wird Hertha machen? Am besten wäre gewinnen, gewinnen und mit sportlicher Leistung in Demut und Bescheidenheit die trüben Gedanken verscheuchen.

Christian Zschiedrich

Hertha BSC: Oje gegen den Tabellenletzten FSV Mainz 05

Das ist in Anbetracht der Situation für Hertha zehnmal schlimmer, als wenn es gegen Dortmund oder Bayern ginge. Hertha kann um Gottes willen gegen den undankbaren Gegner nur schlecht aussehen. In punkto Einsatz und Kampfeswillen wird Hertha sowieso unterliegen. Eine Niederlage aber können sich Ante Covic und seine „Mannen“ gegen Coach Sandro Schwarz und Co. gar nicht mehr erlauben. Ich hoffe, die Spieler wissen auch, worum es geht.

Hertha BSC steht ja ohnehin auf dem letzten Platz und wird im Falle einer Niederlage berechtigterweise bundesweit ausgelacht. Wieso „schon auf dem letztem Platz?“ Die Tabelle  stammt nicht von mir. Es ist die offizielle Torschuss-Tabelle, in der Hertha mit 2 Toren die Rote Laterne einnimmt. Bild Berlin nennt das Berliner Team „Harmlos-Hertha!  In drei Saisonspielen schoss Hertha 16 x aufs Tor des Gegners. Kein Team schießt seltener auf das Tor. Zum Vergleich: Bremen schoss 42 mal, Dortmund 41 mal in den drei Spielen aufs gegnerische Tor. Die effizienten Bayern erzielten 11 Tore, Aufsteiger Paderborn 4 Tore. Das Angriffsspiel der Hertha, o Gott, darf man bei der Effizienz überhaupt von Angriffsspiel sprechen…

Apropos Aufsteiger Paderborn und Union: Die sind klar besser!  Paderborn kommt übrigens mit Trainer Steffen Baumgart nach der Begegnung gegen Mainz ins Berliner Olympiastadion. Was wird das wohl für ein Gekicke? Herthas Verlautbarungen nach hatte man sich einen ganz anderen Saisonstart versprochen.  Dann freut euch schon mal aufs Winter-Trainingslager auf Florida.

Christian Zschiedrich

1. FC Union muss nacharbeiten

Es hätte der größte Moment in der Vereinsgeschichte seit dem Pokalgewinn im Jahre 1967 sein können. Suleiman Abudullahi wäre ein Logenplatz in der Vereinschronik sicher gewesen, wenn er in der in der 6. Minute der Nachspielzeit den Ball an Bochum Torwart Manuel Riemann vorbei bekommen hätte. Auf der Linie ist Bochum Torwart einer der Besten, ein souveräner Beherrscher seines Strafraumes wird er wohl nicht mehr. Da fällt einem hätte, hätte Fahrradkette ein, es blieb so beim Endergebnis von 2:2. Die Könige des Remis hatten in Bochum wieder zugeschlagen. Sie zogen nach Punkten gleich mit Steffen Baumgarts SC Paderborn, das Torverhältnis beförderte die Ostwestfalen direkt in die Bundesliga.

Die Eisernen müssen nachsitzen und sind versetzungsgefährdet. Noch kann alles gut werden und die verpasste Chance von Bochum muss sich nicht zum Trauma auswachsen. Selbst die Schützenhilfe der Dresdner Dynamos wurde liegengelassen. Beim Public Viewing im Stadion „An der Alten Försterei“ und in der berühmten Fankneipe „Abseitsfalle“ durchlebten die Anhänger, die nicht mit nach Bochum gefahren waren, ein Wechselbad der Gefühle. Erst war es aussichtslos, Paderborn ging schnell in Dresden in Führung, Ausgleich in Dresden und der Rückstand in Bochum, viel Bier musste fließen zur Beruhigung der Nerven.

Das buchstäbliche Schnecken-Rennen hinter dem 1. FC Köln hielt am letzten Spieltag an. Paderborn ging die Luft aus und die Eisernen kamen zu spät in den Schlussspurt. Die beiden Tore in der Schlussphase waren zu wenig, dicht daneben ist auch vorbei. Die Aussicht auf die sichere Relegationschance wirkte sich auf beide nicht gut aus. Während im Lager der Eisernen sich ein bisschen Frust breitmachte, kannte der Jubel in Dresden keine Grenzen. Christian Fiel, der Trainer der Dynamos konnte reinen Herzens seinem ehemaligen Mannschaftskameraden und jetzigen Trainerkollegen Steffen Baumgart zum Aufstieg gratulieren. Was für eine verrückte Geschichte des Trainers Steffen Baumgart, als er nach Paderborn geholt wurde konnte er den Abstieg aus der 3. Liga nicht verhindern, durfte aber in der Liga bleiben, weil 1860 München aus wirtschaftlichen Gründen runter musste und es folgten zwei Aufstiege in Folge.

Baumgart hatte den Paderbornern einen bedingungslosen Angriffsfußball verordnet und es geschafft, den eher limitierten Kader zu einer Einheit zu verschweißen. Kaderplaner Markus Krösche holte genau die passenden Verstärkungen, an erster Stelle ist hier Philipp Klement zu nennen. In Berlin waren die Paderborner mit ihrem beherzten Angriffsfußball erfolgreich. Nach dem 1. FC Köln stellten sie mit 76 Toren den erfolgreichsten Angriff. Die Eisernen dagegen verfügten über die erfolgreichste Abwehr mit nur 33 Gegentoren. Auf Platz Zwei kommt in dieser Wertung der HSV mit 42 Gegentreffern. Es ist eine Binsenweisheit im Fußball, der Sturm schießt die Tore und die Abwehr gewinnt das Spiel oder holt die Meisterschaft. Für den 1. FC Union scheint die Regel außer Kraft gesetzt. Man tat sich schwer gegen defensiv agierende Mannschaften. Es reichte nur zu 14 Saisonsiegen, es dauerte zwar bis zum 18. Spieltag bis die erste Niederlage hingenommen werden musste, bis dahin waren bereits 10 Unentschieden.

Jetzt wartet der VfB Stuttgart, die Chancen stehen 50 zu 50 ? Seit Wiedereinführung der Relegation 2009 hat es erste zweimal der Zweitligist geschafft am Ende aufzusteigen. Bei den Eisernen soll Druck von der Mannschaft genommen werden, schließlich haben die Stuttgarter mehr zu verlieren.

Hans-Peter Becker

Alles auf Sieg und auf Dynamo hoffen !

Ist es das letzte Saisonspiel für den 1. FC Union ? „Könnte sein, wenn wir unsere Aufgabe in Bochum erfolgreich lösen“, die etwas besseren Karten hat Paderborn, einen Punkt mehr und dazu 7 Tore mehr in der Differenz. Alles auf Sieg, ein Unentschieden könnte selbst bei einer Niederlage von Paderborn zu wenig sein. Für den VfL Bochum geht es zwar um nichts mehr, trotzdem wird das Spiel alles andere als einfach werden. Die Mannschaft hatte nach dem letzten Spiel zwei Tage frei. Seit Mittwoch wurde wieder trainiert und als besondere Maßnahme wird bereits am Freitag die Anreise nach Bochum angetreten.

Beim VfL Bochum wollen sie die Saison „positiv beenden“. Trainer Robin Dutt musste im Gegensatz zu Urs Fischer wieder auf eine längere Verletztenliste verweisen. Es werden fehlen Dominik Baumgartner (Bänderriss) und Chung Yong Lee (Knieprobleme), Danilo Soares (Lebensmittelvergiftung), Jannik Bandowski (Rippenprellung) und Robbi Kruse (krank). Fragezeichen stehen aktuell noch hinter den Namen Tim Hoogland und Simon Zoller. In der Abwehr muss der VfL erneut umbauen.

Im Lager der Eisernen gibt man sich siegesgewiss und hofft auf Schützenhilfe von Dynamo in schwarz-gelb. In Dresden wo der SC Paderborn alles versuchen wird, den direkten Aufstieg klarzumachen, stehen zwei ehemalige Mannschaftskameraden als Trainer am Rande. Christian Fiel und Steffen Baumgart spielten einst gemeinsam für den 1. FC Union. Zwei Fußballgötter in Dresden und ein erfolgreiches Spiel in Bochum, das müsste doch klappen. Wenn nicht, die Chance in der Relegation bleibt. Alles auf Sieg, mehr kannst du nicht machen.

Über 5.000 Anhänger der Eisernen werden in Bochum vor Ort sein und hoffen auf den historischen Moment. Er könnte eintreten, wenn Schiedsrichter Harm Osmers gegen 17:15 Uhr am 19. Mai des Jahres 2019 im Ruhrstadion abpfeift.

Im Stadion „An der Alten Försterei“ können die Fans das Spiel live verfolgen und die Bierfässer sind vor Ort. Sollte der historische Moment gelingen wird es wohl eine Riesenfete geben und der eine oder andere Fan der Eisernen am Montag spontan einen Tag Urlaub beantragen.

Hans-Peter Becker