Fünf Spielausfälle in der Regionalliga Nordost nerven

Die Tabelle gerät durcheinander und die Vorbereitung der Vereine ebenfalls. Am 24. Spieltag fielen drei Spiele aus. Auerbach – Viktoria 89, Lichtenberg 47 – Chemie Leipzig und Altglienicke – Nordhausen. Zwei Nachholspiele, Lichtenberg 47 – Meuselwitz und Nordhausen – Babelsberg 03 konnten ebenfalls nicht ausgetragen werden.  Wie’s künftig weitergeht, da stehen sogar in Berlin Fragezeichen sowohl im Poststadion als auch in der HoWoGe-Arena. Bekommt eventuell sogar Hertha II kurzfristig die Absage für das Freitagspiel in Nordhausen? 

Der sportliche Überblick: Der 1.FC Lok Leipzig hat sich mit drei Punkten Vorsprung und nur 22 Spielen an die Tabellenführung geschossen, gewann 3:1 (22.Spieltag) gegen Auerbach, ebenfalls 3:1 bei Optik in Rathenow (23.) und am 24.Spieltag 4:2 gegen Meuselwitz. Das sind nunmehr 47 Punkte, während Cottbus 2:3 in Auerbach patzte, aktuell aber 4:0 gegen Rathenow gewann. Energie hat nach 22 Spielen 44 Punkte und muss jetzt nach Meuselwitz (Tab.11., 24 Punkte).

Am 23. Spieltag gab es zwei Berliner Derbys. BAK 07 – Hertha II 3:1 und BFC Dynamo – VSG Altglienicke 1:2. Das sind für Altglienicke ebenfalls 44 Punkte. Schade, dass die Partie gegen Nordhausen ausfiel.  Jetzt muss Altglienicke, immerhin Tabellenzweiter, zum zwölften Chemie Leipzig. Das wird kein Zuckerschlecken. Doch Altglienicke konnte bisher bereits sechs Auswärtssiege verbuchen und spielt eine sehr beachtenswerte, gute  Saison. Schade, dass am 22. Spieltag aus Sicht der VSG das Derby 1:3 gegen BAK 07 1:3 verloren ging. Da holte übrigens Viktoria 89 ein 2:2 in Cottbus bei der aufstiegswilligen Energie-Mannschaft.

Am Samstag, 7.3.2020 13.30 Uhr, heißt es nun Babelsberg 03 (Vorletzter, nur 14 P.)  – Lichtenberg 47 (10., 25.P.), jedoch nur 21 gespielte Partien. Interessant wird aus Berliner Sicht, wenn denn gespielt wird, der Sonntag mit Berliner AK 07 (7.) – 1.FC Lok Leipzig. Da müssen sich die Sachsen warm anziehen. Heimvorteil hat bei bisher nur 20 Spielen Viktoria 89 (8., 29 P.) im Stadion Lichterfelde gegen Union Fürstenwalde (5.).  Der BFC Dynamo hat bereits 23 Spiele und ist spielfrei und wird darüber keineswegs traurig sein.

Christian Zschiedrich

Es bedarf in Sachen Hertha schon wieder der Richtigstellung

Bisher bekamen wir aus Hertha-Quellen, so war es auch immer wieder zu lesen, Investor Lars Windhorst, der mit seiner Tennor-Gruppe 49,5 Prozent an Hertha hält, soll den Beratervertrag mit Jürgen Klinsmann gebrochen und ihn fallen gelassen haben. Gerne berufen wir uns auf die Mitteilung von Walter M. Straten, Windhorst habe den Beratervertrag bewusst nicht gekündigt; er lasse die Vereinbarung ganz im Gegenteil weiterlaufen. Der Investor will den allseits kritisierten Klinsmann nicht fallen lassen. Allerdings: Seine Tätigkeit ruhe erst einmal.

Der Ex-Bundestrainer und Weltmeister von 1990 bleibt sportlicher Berater der Tennor-Gruppe! Er hat mit seiner Flucht zwar falsch gehandelt, so allmählich macht sich aber auch ein klein wenig Verständnis dafür breit, in Berlin der Buhmann zu sein, in der Sache aber Vieles ans Licht gebracht zu haben, was der Hertha-Führung noch lange in den Ohren klingen wird. Er muss in Deutschland kein Traineramt wieder übernehmen.

Richtig gestellt werden muss auch, dass er als TV-Experte bei  RTL nicht rausflog, sondern auf eigenem Wunsch, wie RTL mitteilt, den Job aufgab und bei Länderspielen als Experte nicht mehr zur Verfügung stehe. Das sind für den neutralen Leser doch elementare Dinge, die nun in einem ganz anderen Licht stehen.

Christian Zschiedrich

Hertha: Glücklich und vogelwild einen Punkt geholt

Der etwas andere Spielbericht. Nach nur sage und schreibe neun Minuten lag der Ball bereits zweimal im Berliner Kasten, gehütet von Thomas Kraft. Ein Grund, gleich einmal auf Herthas Bank zu schauen. Da saßen Jarstein, Mittelstädt, Plattenhardt, Grujic, Leckie, Maier, Samardzik, Wolf und Ibisevic. Nicht zu kritisieren ist, dass da solch namhafte Akteure sitzen. Zu kritisieren ist, dass in einem so wichtigen Spiel, auf das so wichtige „eingespielt sein“ durch sieben neue Spieler in der Startformation verzichtet wurde. Es wirkte alles konfus auf dem Feld, wie das chaotische Durcheinander abseits des Spiels in den Tagen zuvor.

Die Startelf mit Kraft – Klünter, Rekik, Bayata, Torunarigha – Darida, Skjelbred, Lukebakio, Dilrosun – Piatek, Cunha hatte das Vertrauen von Trainer Alexander Nouri. Die Wechselei war verwunderlich, der schnelle Rückstand eine logische Folge. Das 0:1 nach 6 Minuten durch Karaman und das 0:2 nach 9 Minuten durch Thommy, beides waren Konter. Der zweite Treffer fiel nach einem Eckball für Hertha. Das Schicksal für dieses Spiel schien besiegelt, kurz vor dem Halbzeitpfiff legte Karaman nach und es stand 3:0 für die biederen Düsseldorfer. Die Körpersprache auf dem Feld war nicht bundesligatauglich. Uwe Rösler übrigens vertraute seiner Startformation aus dem zuletzt erfolgreichen Auftritt in Freiburg.

Kopfschütteln war angesagt, ein Glück, dass bereits 26 Punkte auf dem Konto sind. Böse Erinnerungen wurden wach, gegen Köln fünf Gegentore, selbst nichts zustande gebracht und erneut drei Gegentore oder anders gesagt, 135 Minuten gespielt und acht Dinger kassiert.

Zur Halbzeit wechselte Trainer Nouri. Für Dilrosun und Lukebakio war der Arbeitstag beendet, Mittelstädt und Wolf kamen. Die Düsseldorfer fühlten sich mit dem 3:0 Vorsprung bereits als der sichere Sieger, offenbarten aber im zweiten Durchgang, weshalb sie unten auf dem Relegationsplatz stehen. Thommy wollte unbedingt sein zweites Tor markieren und erzielte es auch, für die Hertha.  Sein Eigentor in der 64. Minute brachte die Berliner, die so unterirdisch in der ersten Halbzeit spielten, wieder zurück.

Herthas größere individuelle Klasse kam zum tragen und dazu eine andere Körpersprache. Das 3:2 fiel folgerichtig in Minute 66 durch Cunha – einer der Besten. Den Ausgleich, 3:3 in der 74. Minute erzielte Piatek acht Minuten später. Die Düsseldorfer meinten zwar, ihr Torwart Kastenmeier sei als erster am Ball gewesen. Schiedsrichter Stieler entschied auf Foulspiel gegen Piatek, der ganz sicher zum Ausgleich vom ominösen Punkt verwandelte.  Nun war sogar noch ein Sieg drin.

Doch Düsseldorf kam zurück und bejubelte mit 4:3 – kurz – den vermeintlichen Siegtreffer, es war Abseits, knapp, Glück für Hertha. Den Siegtreffer auf der anderen Seite und damit drei Auswärtspunkte hätte beinahe Cunha in der 90. Minute erzielen können, doch der stramme Schuss landete am Außenpfosten. Das Unentschieden hilft mehr der Hertha als den Düsseldorfern. Fortuna Trainer Uwe Rössler sprach nach dem Spiel „von einer gefühlten Niederlage“ und die Enttäuschung war ihm anzumerken.

Christian Zschiedrich

Herthas Führung in die Enge gedrängt ?

Was bleibt, man muss einfach Mitleid und Bedauern mit der Hertha empfinden. Hoffen wir, dass am Freitagabend, 28.02.20, in Düsseldorf beim Mitkonkurrenten gewonnen wird, damit Hertha mal durchschnaufen kann und mit sportlichem Erfolg in etwas ruhigeres Fahrwasser gerät. Nicht auszudenken, wenn Hertha das Spiel verlieren sollte. Die Kacke ist ja ohnehin gewaltig am Dampfen. Bei nach wie vor anstehenden Schlammschlachten – das Thema ist längst nicht vorbei – gibt es erfahrungsgemäß nur Verlierer. Sollte das noch arbeitende Trainerteam ausscheiden müssen, wird garantiert weiter nachgelegt.

In meinen Kommentaren sagte ich voraus, dass wir später mehr über die Gründe des plötzlichen Ausscheidens von Jürgen Klinsmann erfahren werden. Seine Rechtfertigung kam schnell. Die Protokollseiten waren nach Aussagen von Klinsmann nur für Lars Windhorst bestimmt und sind wohl geleakt worden. Wie gelangten sie an die Öffentlichkeit? Eine der Möglichkeiten wäre, dass sie zufällig, in der Hektik des Geschehens, versehentlich liegengelassen  wurden.

Die momentane Schlammschlacht gipfelt darin, sich gegenseitig der Lügen zu bezichtigen. Wie geht Herthas Führung mit konkreten Vorwürfen um? Es seien größtenteils Unwahrheiten und zu Details wird keine Stellung bezogen. Liebe Vereinsführung, das sind Eigentore, das ist mir argumentativ zu dünn, es überzeugt mich nicht. Schauen wir genauer hin. Wer seine Meinung mit vollem Namen vertritt und aus seiner Sichtweise Dinge anprangert, sind das Lügen? Es ist harter Tobak, der Vereinsführung ins Stammbuch geschrieben.

Klinsmann stellt sich als derjenige dar, der Hertha für die Zukunft hätte fitmachen können. – „Die Geschäftsführung muss sofort komplett ausgewechselt werden.“ Seine Begründung: „Die Klubführung ist unbeweglich und inkompetent, die Infrastruktur unprofessionell. Der Manager habe den Kader falsch zusammengestellt.“ „Im Klub herrsche nach Innenleben-Beobachtungen eine Lügenkultur mit gezielten Indiskretionen“. Inkompetenz auf allen Ebenen in der Geschäftsleitung. Das ist deutlich und jeder weiß, wer diese Meinung vertritt. Dazu „(…) ohne jegliche Dynamik, zerstritten, eben inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen!“  

Ich verstehe die Rücktrittsforderungen und den Aufruf zur Neubesetzung (!), empfehle den Herren auf dem hohen Roß die Meinung anderer zu akzeptieren und über den Inhalt nachzudenken. Alles nur lügen ?

Christian Zschiedrich

Ungeheuerlich, Hintergründe bei Hertha BSC

Welch eine Bestätigung für meine Kommentare „Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher sein“ vom 14.02.20 und „Bei Hertha brennt‘s lichterloh“ vom 24.02.20 und welch eine Bestätigung für die Preetz-Kritiker, die das seit geraumer Zeit gespürt haben. 15 Tage nach Michael Klinsmanns Rücktritt sind seine Protokolle veröffentlicht durch Torsten Rumpf und Robert Schreier. Was dort zusammengefasst auf 22 DIN-A4-Seiten seiner 76 Trainertage geschrieben steht, könnte den Verein in einen Schockzustand versetzen.

Das ist seitens der Vereinsführung weder zu entkräften, noch schön zu reden und ich frage mich, sind denn im Hertha-Präsidium nur Gegenbauer-Ja-Sager, nur Gefolgsmänner des Präsidenten? Hat denn keiner der Mitglieder Eier und Rückgrat. Jetzt muss doch das große Reinemachen kommen!

Geholt hat ihn – ohne Willkommenskultur seit dem 08.11.19 – Lars Windhorst, zunächst in den Aufsichtsrat bei Hertha BSC. Im Hause Gegenbauer wird Jürgen Klinsmann am 26.11.19 zum Cheftrainer bis zum Sommer ernannt und dabei die sportlichen Vollmachten als „carte blanche“ rund um die Mannschaftsführung besprochen und akzeptiert, Klinsmanns Stab mit Alexander Nouri, Markus Feldhoff, Andreas Köpke, Werner Leuthard und Arne Friedrich.

Nach der Weihnachtspause kommt es zu einigen Merkwürdigkeiten. Wer lancierte die Meldung am 14.01.20, Jürgen Klinsmann hätte keine gültige Trainerlizenz (?) – stimmte so nicht – denn offiziell hat sie bis Ende 2020 Gültigkeit. Während der einwöchigen Diskussion gab es keine Unterstützung seitens Hertha BSC, kein einziges Statement für den leitenden Angestellten Jürgen Klinsmann. Laut dem Klinsmann-Protokoll gab es nie ein Vertrauensverhältnis zwischen  Gegenbauer, der Geschäftsleitung und dem Trainerstab. Die Trainer wussten u.a. nicht, wie lange sie noch da sind, warteten auf den Anschlussvertrag.

Die Mannschaft wurde, wie die Ergebnisse zeigen, nach oben gebracht. Mit dem Sieg in Paderborn verbesserte sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf neun Punkte und der Mannschaft wurde ein Top-Fitness-Zustand, mit Defiziten im taktischen Bereich bescheinigt.

Klinsmann habe bei allen Winter-Einkäufen selbst die ersten Anrufe getätigt. Ascacibar, Piatek und Cunha – mit wachsendem Mehrwertpotential (bei Wiederverkäufen) – wären sonst wohl nicht zu Hertha gekommen. Die Stimmung in den Medien hat sich gewandelt. Festgehalten: In der Bild-Zeitung schreiben erkennbar plötzlich andere, nämlich die mit Michael Preetz Befreundete. Ganz erstaunlich die Bestätigung:“ Michael Preetz war auch bei anderen Indiskretionen der Informant“!  

Dazu passt: „Klinsmann habe nur die Cheftrainerrolle und sei an Weisungen der Geschäftsführung gebunden. Wir werden uns nicht in die vorgegebene Richtung bewegen“. Derlei konkrete Anzeichen verdichteten sich zunehmend mehr.  Jürgen Klinsmann schmiss also nicht unbegründet nach schlafloser Nacht hin. Wer die Fakten schwarz auf weiß erst jetzt verwundert zur Kenntnis nimmt, könnte beim nächsten Heimspiel zu denen gehören, die im Chor den Namen Jürgen Klinsmann rufen.

Ich bin mir sicher, ab sofort wird auch Michael Preetz nicht verschont bleiben, steht jetzt ohnehin im Rampenlicht. Deshalb abschließend die protokollierten Vorwürfe gegen den Manager Sport, verbunden mit der Frage, was muss in diesem Club noch alles passieren? Ich teile die Meinung: Du bist als Fußballer nur so gut wie dein Umfeld – bedeutet: Die Geschäftsleitung muss komplett ausgetauscht werden, sonst werden tolle Neuzugänge nach einiger Zeit zu Durchschnittsspielern. Und wie verhält es sich mit dem 17jährigen Jugendspieler, der wird (bei den Profis integriert) von ganz Europa gejagt.

Zutreffende Vorhaltungen an Michael Preetz: Jahrelange katastrophale Versäumnisse in allen Bereichen des Leistungssport und eine genauso katastrophale aktuelle Kaderplanung. Kein Anspruchsdenken an die Mitarbeiter, kein Prämien- und Motivationssystem für Trainer und Betreuer, schlechte Saisonvorbereitung. Der Klub wäre ohne Trainerwechsel auf Abstiegswegen gewesen. Es gibt wohl kein Vertrauensverhältnis zwischen der Geschäftsleitung und Trainer-Team. Aber, es scheint eine Lügenkultur zu geben, die das Vertrauensverhältnis der Spieler zerstört hat. Ein Hauptstadtclub müsste auch die Vision Richtung Europa haben und dementsprechend aufgestellt sein. Welche Vision hat Hertha?

Christian Zschiedrich  

Bei Hertha brennt‘s lichterloh

Vor Anpfiff der Begegnung des Heimspiels gegen Köln war ich überzeugt davon, endlich mal wieder einen in sportlicher Hinsicht zum Wohle des Berliner Fußballs positiven Bericht verfassen zu können. Nach den ersten 45 Minuten, ohne einen Torschuss der Hertha registriert zu haben, schwanden die dem Fußball zugewandten Gedanken. Mich beschäftigte das in den sozialen Netzwerken nach Jürgen Klinsmanns Hinschmeißens deutlich zu lesende, vor allem die klaren Forderungen an Michael Preetz, doch endlich das Weite zu suchen. Natürlich war überwiegend Klinsmanns Davonlaufen unverstanden bis verächtlich niedergeschrieben worden. War es wirklich so unbedacht und unüberlegt?

Ein ganzer Kerl wäre bei der Stange geblieben und hätte versucht, sich durchzusetzen und den Herren in der Führung klar zu machen, um erfolgreich zu sein, muss ich auch die volle Verantwortung für das „Himmelfahrtskommando“ tragen, so sehr sich Michael Preetz auch in seiner Funktion dann überstimmt fühlen mag. Änderungen herbeizuführen waren doch unumgänglich und die von Klinsmann eingeschlagene Richtung wurde allerseits anerkannt. War es nun die Erkenntnis seitens des Ex-Nationaltrainers, sich gegen die Hertha-Führung nicht behaupten zu können ? Muss ich mir das aussichtslos antun, werden seine Überlegungen gewesen sein. Später erfahren wir vielleicht mehr darüber. Selbst ein Jürgen Klinsmann nimmt nicht gerne den absehbar großen Imageverlust in Kauf.

Das vorletzte Heimspiel, ein 1:3 gegen Mainz war schon unverzeihlich, das letzte 0:5 gegen Köln ist mit dem Wort bitter nicht abgetan und zu erklären. Jetzt brennt die Luft! Ursachenforschung steht an und da sieht Michael Preetz gar nicht gut dabei aus. Wenn er noch einen Funken Ehre im Leibe hat, tritt er endlich von sich aus zurück.

Ich schätzte bisher die sachliche und fachliche Kompetenz der Fußball-Woche sehr. Wenn ein Fachblatt wie eben die Fußball-Woche auf der Titelseite die Überschrift wählt: „Hertha macht sich zum Gespött der Fans“, dann ist es – liebes Präsidium – an der Zeit zu handeln. Ich bin zwar kein Hertha-Mitglied mehr, schreibe aber gern über den Volkssport Nummer1 in unserer Hauptstadt und wähle als aktiver Journalist mit Bedacht und in sportlicher Pflicht: Treten Sie zurück, lieber Michael Preetz!  Schlimmer kann es für einen Hauptstadtclub doch gar nicht kommen.

Christian Zschiedrich

Michael Preetz sollte sich nicht zu sicher fühlen

Als Ante Covic als neuer Hertha-Trainer,  der zehnte unter Preetz Regie, vorgestellt wurde, erlaubte ich mir die Frage, ob Ante im Falle einer Amtsenthebung in untergeordneter Funktion für Hertha weitermachen würde. Michael Preetz bremste mich abwertend aus, sinngemäß das bedarf keiner jetzigen Stellungnahme. Dabei war ich überzeugt davon, dass sich jeder Trainer bei Amtsantritt fragen sollte, was ist wenn ich als eingefleischter Herthaner scheitere.

Inzwischen ist der elfte Trainer von uns gegangen, nicht etwa stilvoll, Windhorst bezeichnete es als Kurzschlussreaktion. Das Für und Wider des Himmelfahrtentschlusses sollte ernsthaft hinterfragt werden. Anhand meiner kritischen Berichte mache ich auch keinen Hehl daraus, froh zu sein, wenn sich die Gelegenheit ergibt, in der Führung bei Hertha eine spürbare Veränderung herbei zu führen. Seit Jahren tritt Hertha als Hauptstadtclub in Mittelmäßigkeit auf der Stelle. Außerdem reichten mir die zwei Abstiege unter Sportdirektor Michael Preetz.

Was Jürgen Klinsmann anpackte, war für viele Berliner genau richtig. „Wenn, dann mache ich es richtig zu hundert Prozent“. Er war bereit, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. In dem Punkt schieden sich aber die Geister. Den Ex-Nationaltrainer mit den Kompetenzen auszustatten, war mit Preetz & Co nicht drin. Der Sportdirektor erkannte sofort, was bleibt mir denn da? Einen Michael Preetz stellt man nicht so leicht ins Abseits. Doch Hut ab vor Trainern, die auch bei der Spieler-auswahl allein verantwortlich sein wollen und ankündigen, wenn‘s schief geht, bin ich der alleinige Verantwortliche.

Genau dafür war und ist Jürgen Klinsmann bekannt. Er hätte dieses Vertrauen nach Lage der Dinge auch bekommen müssen, denn er hatte ja zurückliegend mit dieser Methode seine großen Erfolge feiern können. Jeder weiß, die Erfolge von Sportdirektor Preetz sind dagegen sehr bescheiden. Wer will denn schon überflüssig werden. Der Kampf um die Macht ist leider so. Bestimmt darf Preetz zu Gute gehalten werden, dass in so einer Situation viele genauso reagieren und vorbeugen würden.

Denn Preetz kann sich ja der Rückendeckung von Präsident Werner Gegenbauer sicher sein – wirklich? Gegenbauer verband ja sogar einst sein Schicksal mit dem Erhalt von Preetz. Das ist seit der Nichteröffnung des Berliner Flughafens aber einige Jahre her. Die Zeiten könnten sich geändert haben. Schließlich waren einst Dieter Hoeneß und Werner Gegenbauer auch Freunde. Nun, den Abgang von Hoeneß und dem Ende der Freundschaft, das kennen die Herthaner.

Finanziell hat Jürgen Klinsmann keine Sorgen. Selbstverständlich wird der schnelle Rückzug von Klinsmann in den sozialen Medien angeprangert. Bestimmt hat Klinsi den Image-Schaden für sich selbst nicht richtig eingeschätzt. Daher erfahren wir bestimmt bald, dass es dafür genug Gründe gab. Sie werden den von mir hier erwähnten Kern treffen. Bleibt zu hoffen, dass Hertha auch den Ernst der Lage erkennt und in den nächsten Spielen sportlich reagiert und Punkte einfährt.

Christian Zschiedrich

Hertha – so verliert ihr auch in Paderborn

Nun auch das Heimspiel gegen Mainz 05 1:3 zu verlieren, ist nach Lage der Dinge mehr als peinlich. Plötzlich stimmen bei Hertha die Ergebnisse nicht mehr. Zuvor auf Schalke aus dem Pokal geflogen und in der Meisterschaft mitten im Abstiegskampf 21 Spiele 23 Punkte Tabellenplatz 14. Mit einem zu erwartendem Sieg hätte sich Hertha aus dem Tabellenkeller schießen können. 35.000 Zuschauer fanden sich anscheinend mit der Gangart ab. Die Fans sind keineswegs mehr in Erwartung eines begeisternden oder mitreißenden Spiels, aber gewonnen werden sollte zumindest. Erst recht zu Hause  gegen Mitkonkurrenten. Nach so einer harmlosen Darbietung trommeln Trainer in der Regel  zum verschärften Straftraining. Jürgen Klinsmann gab seinen Spielern nach der blamablen Niederlage (zur Belohnung) erst einmal zwei Tage frei, „damit sie die Köpfe frei bekommen“.

Mit Sicherheit werden die Herthaner sich bei Union bedanken, die in Bremen 2:0 gewannen. Tore: Zweimal Bülter (52. +  72.). Werder rutscht damit auf Platz 17 ab. Paderborn übrigens findet mit dem Remis (1:1) auf Schalke bis auf einen Punkt Anschluss an die abstiegsgefährdeten Plätze. Und wenn ihr Trainer Steffen Baumgart seinen Spielern sagt, ihr müsst  Gras fressen, dann fressen seine Akteure auf dem Platz auch Gras. Ihr Einsatz, Kampfgeist und die Körpersprache sind lobenswert. Vergleichbar mit den Eisernen aus Köpenick. Der 1.FC Union hat sich mit 26 Punkten etwas Luft verschafft, aktuell Tabellenplatz 11.

Christian Zschiedrich

Weiter ungeschlagen in der Bundesliga

Auch ohne ihren Cheftrainer Cedric Enard gewannen die BR Volleys am Sonntagabend, 19.01.2020 bei den Helios Grizzlys Giesen mit 3:0 (25:16, 25:23, 25:16). Vor einer schönen Kulisse von 2.311 Zuschauern zeigten die Berliner ein überzeugendes Spiel, bei dem Kyle Ensing (17 Punkte) und Sergey Grankin (siebte MVP-Medaille der Saison) aus einer starken Teamleistung herausstachen.

Lucio Oro vertrat seinen krankheitsbedingt in Berlin ans Bett gefesselten Cheftrainer Cedric Enard an der Seitenlinie und schickte Moritz Reichert, Cody Kessel, Nicolas Le Goff, Jeffrey Jendryk, Sergey Grankin, Kyle Ensing und Julian Zenger in Hildesheim auf den Court. Die Berliner knüpften an ihren starken Endspurt gegen die Netzhoppers vom Donnerstag an und zeigten sich in allen Elementen druckvoll. Als Le Goff im Block punktete, waren die Hauptstädter bereits mit 8:3 vorn. Konzentriert verteidigten die Gäste ihre Führung (15:10) und nach einem Schnellangriff von Jendryk war der Auftaktsatz entschieden (25:16).

Allen voran Kyle Ensing war gut aufgelegt, steuerte auch im zweiten Satz Punkt für Punkt bei und sorgte dafür, dass der lautstarke Gästeblock unter den 2.300 Zuschauern in der Hildesheimer Arena regelmäßig jubeln durfte. Doch den zweiten Satz konnten die Gastgeber ausgeglichen gestalten (10:12, 16:14). Moritz Reichert & Co konnten sich nicht entscheidend absetzen (22:22), bis der Block von Ensing und Le Goff im richtigen Moment stand (24:22). Anschließend verwandelte der französische Mittelblocker den zweiten Satzball (25:23). Auch den längsten Ballwechsel des Tages entschieden die Berliner für sich (5:4) und gaben in Satz drei weiter den Ton an. Grankin setzte seine Nebenleute weiter perfekt in Szene (13:6, 17:10) und als auch noch Reicherts Aufschlag von der Netzkante ins Giesener Feld tropfte, standen neun Matchbälle zu Buche. Im zweiten Anlauf beendete wieder ein Mittelbocker, diesmal Jendryk, den Satz und das Match (25:16).

Stimmen zum Spiel
Lucio Oro: „Wir haben im Allgemeinen gut gespielt. Im zweiten Satz hat unsere Annahme etwas geschwächelt, dadurch haben wir es uns schwer gemacht. Aber die gesamte Mannschaft hat sich gesteigert und besonders Kyle Ensing war stark. Sergey hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft und wir haben über alle Positionen hochprozentig gepunktet.“

Moritz Reichert: „Es war wichtig, dass wir heute gegenüber dem Spiel am Donnerstag konzentrierter zu Werke gehen. Das hat gut funktioniert und so war es ein souveräner Sieg. Der Aufschlag hat den Unterschied gemacht. Man braucht diesen Servicedruck um Gegner wie Giesen zu dominieren. Die Tendenz ist aufsteigend und wir wollen nun gegen die AlpenVolleys zuhause nachlegen.“

BR Volleys Formation
Cody Kessel und Moritz Reichert (AA), Jeffrey Jendryk und Nicolas Le Goff (MB), Sergey Grankin (Z), Kyle Ensing (D) und Julian Zenger (L) | Eingewechselt: Georg Klein, Pierre Pujol, JT Hatch

Christof Bernier









Derby zum Jahresauftakt

Die Weihnachts- und Länderspielpause ist vorüber und das BR Volleys Team geht voller Elan in das neue Jahrzehnt. Trotz der Nachwehen von Verletzungspech und Olympia-Qualifikation wollen die Hauptstädter den Schwung aus einer Hinrunde ohne Niederlage mitnehmen und am Donnerstag (16. Jan um 19.00 Uhr) in ihrer heimischen Max-Schmeling-Halle gegen die Netzhoppers KW-Bestensee erfolgreich ins Jahr 2020 starten. Das Berlin-Brandenburg-Derby wird mit Robert Kromm als TV-Experte live auf SPORT1 zu sehen sein.

Mit Nicolas Le Goff kehrte Anfang der Woche zumindest ein Akteur mit breitem Lächeln vom olympischen Qualifikationsturnier zurück ins BR Volleys Training. Der Mittelblocker präsentierte sich im Nationaltrikot in Topform und hatte speziell im Finale gegen Deutschland maßgeblichen Anteil daran, dass die Franzosen das letzte und begehrte Olympia-Ticket nach Tokio lösten – zum Leidwesen seiner beiden Vereinskollegen Moritz Reichert und Julian Zenger, deren Olympia-Traum platzte. Entsprechend trainingsfreie Zeit räumte Coach Cedric Enard seinen Schützlingen nach Ende des Turniers ein: „Es war insbesondere mental für alle Teams eine intensive Woche. Da bedurfte es der nötigen Erholung“, erklärt der 43-jährige Franzose.

Ebenfalls noch in der Erholungs- oder besser Genesungsphase befinden sich Samuel Tuia (Muskelfaserriss) und Benjamin Patch (Achillessehnenanriss) nach ihren Verletzungen. Die Beiden trainieren zwar punktuell wieder mit der Mannschaft und erhöhen sukzessive die Intensität, ein Einsatz zum Rückrundenauftakt am Donnerstagabend dürfte jedoch zu früh kommen. „Es ist nicht sinnvoll, hier ein Risiko einzugehen“, weiß Enard, dass er sich auf sein übriges Personal verlassen kann. Mit diesem arbeitet der Coach nach den zehn freien Tagen zum Jahreswechsel seit dem 02. Januar wieder im Training. „Jeder hat die Zeit genossen und Kraft für die nun anstehenden Herausforderungen getankt. Wir wollen gegen die Netzhoppers gut zurück in die Bundesliga kommen und danach warten auch schon schwierige Aufgaben in der Champions League und natürlich ist auch das Pokalfinale bereits in Sichtweite.“

Die erste Prüfung wird dabei das dritte Derby dieser Saison gegen die „Randberliner“ sein (3:1 in der Liga, 3:0 im Pokal). Die Nachbarn aus Brandenburg durchlebten bislang eine durchwachsene Spielzeit. Mit fünf Punkten Rückstand auf den letzten Playoff-Platz gehen die Königs Wusterhausener in den zweiten Teil der Hauptrunde. Der TV Rottenburg ist der Kontrahent, den die Schützlinge von Coach Mirko Culic gern noch abfangen würden, dabei darf der Blick nach hinten allerdings nicht außer Acht gelassen werden. Denn die Heitec Volleys Eltmann, die trotz der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens weiterhin am VBL-Spielbetrieb teilnehmen, rangieren als Tabellenletzter nur drei Punkte hinter den Netzhoppers. Vor dem Jahreswechsel setzte es zwei knappe Tiebreak-Niederlagen gegen Rottenburg und auswärts in Herrsching. So eng soll es nach Enard im freundschaftlichen Derby am Donnerstag nicht zugehen: „Drei Punkte sind unser Ziel.“  

Christof Bernier