Der Kapitän kehrt nicht zurück

Pressefoto Credit: © Maximilian Franz

Die BR Volleys und ihre Fans müssen den Abschied einer den Verein und die Volleyball Bundesliga prägenden Figur hinnehmen. Der Kapitän und dreifache Deutsche Meister Sergey Grankin hat nach seiner Ankunft in Russland für sich entschieden, zur nächsten Saison nicht nach Deutschland zurückzukehren und stattdessen wieder in der heimischen Superliga zu spielen. Der Abgang des Olympiasiegers ist keine sportliche, sondern eine dem weltpolitischen Geschehen geschuldete Entscheidung.

„Granking“, „Maestro“, „Granisimo“: Sergey Grankin hat sich mit seinen Ausnahmefähigkeiten in vier Jahren bei den Berlin Recycling Volleys einige Spitznamen verdient und mindestens so viele Titel gewonnen. Dreimal wurde der Russe mit dem Hauptstadtclub Deutscher Meister (2019, 2021, 2022) und holte vor mehr als 10.000 Zuschauern den DVV-Pokal (2020). Zudem führte der 37-Jährige die Mannschaft in den letzten beiden Jahren als Kapitän auf das Spielfeld und dabei zweimal in das Viertelfinale der CEV Champions League. Neben Erfolgen bei allen drei Supercup-Teilnahmen (2019, 2020, 2021) stehen insgesamt 23 MVP-Medaillen in der Bundesliga und vier der neugeschaffenen BOUNCE HOUSE-Awards zu Buche. Viel mehr geht nicht!

„Was Sergey für unseren Verein in vier Spielzeiten geleistet hat, ist schlicht großartig. Er war die Lichtgestalt der Bundesliga. Seiner Qualität und Führungsstärke war es maßgeblich zu verdanken, dass uns im diesjährigen Playoff-Finale das Comeback geglückt ist und wir den 0:2-Rückstand noch gedreht haben“, sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand und erklärt, warum es nun dennoch zum schmerzlichen Abschied kommt: „Die nach reiflicher Überlegung getroffene Entscheidung ist ihm wirklich sehr schwergefallen, aber die politischen und familiären Umstände machen ein weiteres Engagement im Ausland schwierig. Bei uns sind seine Beweggründe auf Verständnis gestoßen. Deshalb haben wir seinem Wunsch entsprochen und den Vertrag aufgelöst.“ Obwohl sich Grankin auch in Berlin längst heimisch fühlte, wird der Zuspieler somit seinen ursprünglich noch bis 2023 laufenden Kontrakt nicht erfüllen. Trotz der vier Jahre in Deutschland ist er in seinem Heimatland eng verwurzelt und sieht die private Zukunft bei und mit seiner Familie in Russland.

Zum Abschied sagt Grankin selbst: „Ich möchte mich bei allen für vier unheimlich schöne Jahre in Berlin bedanken. Ich habe es genossen, für diesen Verein und in dieser Atmosphäre der Max-Schmeling-Halle zu spielen. Ich hoffe, in der aktuellen Situation kann man meine Entscheidung dennoch nachvollziehen. Eure Unterstützung war immer fantastisch. Danke!“ Sein neuer Verein ist noch nicht offiziell bekannt.

Die Spuren, die der Regisseur in Berlin hinterlässt, könnten tiefer kaum sein: Als Grankin im Januar 2019 zu seiner ersten und einzigen Auslandsstation nach Deutschland kam, ging sportlich direkt ein Ruck durch die Mannschaft, der noch zum Titelgewinn führte. Von Monat zu Monat taute der zunächst kühl wirkende Russe auf, bewies zu seiner ganzen sportlichen Klasse auch Nahbar- und Herzlichkeit. Auf diese Weise war Grankin nicht nur Zuschauermagnet im Volleyballtempel, sondern auch in den anderen Arenen der Liga. Ihn – vor allem in Kombination mit Benjamin Patch – auftreten und spielen zu sehen, hat viele neue Fans angezogen. Bei den letzten beiden Meistertiteln 2021 und 2022 unterstrich der Weltklassespieler in den entscheidenden Phasen eindrucksvoll seinen Wert für die Mannschaft.

Somit macht Kaweh Niroomand auch deutlich: „Sergey Grankin wird mit seiner Persönlichkeit und Qualität nicht zu ersetzen sein. Wir werden trotzdem versuchen, diese riesige Lücke bestmöglich zu schließen“, ist der 69-Jährige sich der Schwierigkeit der Aufgabe für Management und Trainerteam bewusst. Zweifellos wird Sergey Grankin in die Geschichte der Volleyball Bundesliga als einer ihrer besten Zuspieler aller Zeiten eingehen.

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Zwölfter Meistertitel vor ausverkauftem Haus

Die BR Volleys haben ihr Comeback im Playoff-Finale 2022 perfekt gemacht! In einem letzten, in allen Bereichen würdigen Endspiel siegte der alte und neue Deutsche Meister mit 3:1 (25:20, 19:25, 25:23, 25:22) gegen den VfB Friedrichshafen. 8.553 Zuschauer in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle bejubelten den letzten Sieg dieser Saison und damit den zwölften Meistertitel der Berliner.

Nach seinem starken Auftritt am Mittwoch durfte Samuel Tuia vor der tosenden Kulisse von Beginn an ans Netz und erzielte auch direkt die ersten zwei Punkte für die BR Volleys. Ein Angriff die Linie entlang und ein Ass des Insulaners brachten die Hauptstädter ins Spiel (2:2), aber insgesamt erwischten die Männer vom Bodensee emotionsgeladen den besseren Start (8:11). Zwei Blocks, von Sergey Grankin zum Ausgleich (14:14) und Samual Tuia zur Führung (16:15), gaben den Berlinern Schwung. Nun lief die Berliner Highlight-Maschine. Grankin setzte den nächsten Block, Timothée Carle versenkte sehenswert ohne Block und der Kapitän legte noch ein Ass nach (19:17). In einem starken Endspurt sicherte Nehemiah Mote seinem Team per Schnellangriff den ersten Satzgewinn (25:20).

Unbeirrt stemmte sich der Pokalsieger gegen den Druck der Heimkulisse und setzte sich im zweiten Durchgang nach einer Aufschlagserie von Dejan Vincic früh ab (5:9). Der VfB war klar am Drücker (9:14), aber Tuia stemmte sich mit drei Punkten in Folge dagegen (13:15). Dennoch blieben die Herren in Blau stabil und hatten nach einem Ass von Simon Hirsch alles wieder unter Kontrolle (16:20). Auch die Einwechslung von Marek Sotola für Benjamin Patch änderte nichts daran, dass die Häfler ausglichen (19:25).

Das Team von Mark Lebedew stellte bis hierhin die deutlich bessere Annahme und das Match wog eines Finals würdig hin und her (11:9, 12:13). Auch die Schiedsrichterentscheidungen sorgten für hochkochende Emotionen und nun hatten die BR Volleys den kleinen Vorteil (18:16). Beide Teams schenkten sich nichts (23:23). Beim ersten Berliner Satzball waren dann Danani mit der Abwehr und Tim Carle mit dem Angriff entscheidend zur Stelle (25:23).

Friedrichshafen ließ sich abermals nicht aus der Ruhe bringen und auch weil die Mittelblocker Marcus Böhme und Lucas Van Berkel wieder stark performten, drehten sie Gäste das Geschehen erneut (6:3, 7:11). Cedric Enard setzte nun auf Ruben Schott, der mit seinen Aufschlägen wieder für den Ausgleich sorgte (12:12). Kommissar Klein hielt die nächste Aufschlagserie bereit und sorgte für Explosionsgefahr in der Arena (16:14). Mit einem weiteren Ass von Grankin bogen die BR Volleys auf die Zielgerade ein (22:18) und nach einer genialen Rettung von Santiago Danani machte Tim Carle den letzten Punkt des Abends und damit den zwölften Meistertitel für die Berliner perfekt (25:22)

Stimme zum Spiel
Cedric Enard: „Dieser Abend ist ein Traum für uns. Vor einer ausverkauften Halle und 8.500 Zuschauern so ein fünftes Spiel gegen den Dauerrivalen gespielt und gewonnen zu haben – mehr geht einfach nicht! Ich bin so stolz auf diese Gruppe und dieses Team, wie wir nach dem 0:2-Rückstand noch zurückgekommen sind. Ich werde einige Tage brauchen, um zurück auf die Erde zu kommen. Friedrichshafen war im Saisonfinale in Topform. Sie haben uns alles abverlangt, aber am Ende haben wir es glücklicherweise geschafft. Der Titel bleibt in Berlin!“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Samuel Tuia (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Ruben Schott, Cody Kessel, Marek Sotola, Matthew West

Topwerte
Carle 20 Punkte, 3 Blocks | Sotola 12 Punkte | Grankin 3 Asse

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Fotocredit:© Maximilian Franz

BR Volleys erzwingen Entscheidungsspiel

Die Playoff-Finals 2022 bekommen ihren Höhe- und Schlusspunkt am Samstagabend, 29. April im Berliner Volleyballtempel. Mit einem 3:1-Auswärtssieg (24:26, 26:24, 26:24, 25:20) beim VfB Friedrichshafen treiben die BR Volleys die Finalserie auf die Spitze. Nach dem nervenstarken Auftritt in der ratiopharm Arena Ulm/Neu-Ulm haben die Berliner nun erstmals in der Bundesliga-Geschichte die Chance, einen 0:2-Rückstand im Finale noch zu drehen.

Beide Mannschaften standen sich in diesem Finale vor 2.319 Zuschauern abermals in unveränderter Startformation gegenüber. Auf Berliner Seite reichte es bei Jeffrey Jendryk erneut nicht für mehr als das Trikot des zweiten Liberos, bei Friedrichshafen streifte sich Blair Bann dieses über. Die Hausherren traten erwartungsgemäß druckvoll auf und zeigten früh ihre bekannte Blockstärke. Benjamin Patch blieb an jener Häfler Wand hängen (2:4), doch Timothée Carle bügelte dies per Ass wieder aus (6:6). Einmal mehr in dieser Serie war Luciano Vicentin der Mann, der für Friedrichshafen lange den Unterschied machte (12:16). Ruben Schott fand hingegen nur kurzzeitig über den Aufschlag ins Spiel (19:20), tat sich aber erneut im Angriff schwer. Mit Nehemiah Mote am Service gelang den Berlinern beim zweiten Häfler Satzball zwar das wichtige Break (24:24), aber Hirsch nutzte die dritte Gelegenheit zur Satzführung für das Heimteam (24:26).

Wie schon beim ersten Spiel in der ratiopharm Arena erarbeitete sich der VfB zunächst weiter das Spielglück. Beim Zwischenstand von 8:10 in Satz zwei setzte Cedric Enard auf Samuel Tuia anstelle von Schott. Ein im Nachhinein entscheidender Eingriff. Berlin lief zunächst weiter hinterher, bis Georg Klein zum Service ging und sich das Blatt wendete. Nehemiah Mote blockte, der “Officer“ servierte das Ass und plötzlich führten die Hauptstädter (16:13). Bei den Hausherren stieg zwischenzeitlich die Fehlerquote, doch nach einem Block von Vicentin gegen Patch stand es pünktlich zur Crunchtime natürlich wieder pari (22:22). Doch Grankin & Co behielten die Nerven und Patch erschmetterte nach einem Hin und Her den Satzausgleich (26:24).

Diesen Moment steckte Friedrichshafen gut weg und legte in Person von Daniel Muniz wieder zu (7:10). Vicentin spielte unentwegt stark, während die Berliner Außenangreifer weiter für jeden Punkt hart arbeiten mussten (13:15). Nun ersetzte Marek Sotola Ben Patch, als der Rückstand auf 14:18 anwuchs. Zwei Blockpunkte konnte Tuia setzen, doch er musste auch den wichtigen gegen Vicentin schlucken (18:21). Aber der Franzose gab die Antwort am Aufschlag und mit Sotola meldete sich endlich auch ein Berliner gegen Vicentin im Block an (23:21). Natürlich spitzte sich auch dieser Satz bis zur Verlängerung zu, bis Muniz den Ball ins Aus jagte (26:24).

Dieser Satzgewinn war der Bigpoint für den Titelverteidiger. Tuia und Sotola machten ihren Job nun hervorragend und die BR Volleys kippten endgültig das Spiel (9:7). Der Franzose traf weiter sein Service und der Tscheche blieb mutig im Angriff (19:15). Jetzt agierten die Hauptstädter clever im Angriff und ließen keine Zweifel mehr am Auswärtssieg aufkommen (23:19). Nach einem Aufschlag von Matthew West war es natürlich Tuia, der den Ausgleich in der Serie perfekt machte (25:20). Damit dürfen die Berliner noch einmal in ihre Max-Schmeling-Halle zurückkehren und vor ihrem Publikum, das alles entscheidende fünfte Finale bestreiten. Es wartet ein Volleyballfest und würdiger Abschluss dieser Saison im Volleyballtempel.

Stimmen zum Spiel
Kaweh Niroomand: „Die Männer von der Bank haben heute den Unterschied gemacht. Samu Tuia war mit seiner Routine und Moral überragend. Er war der Weckruf für unsere Mannschaft. Auch Marek Sotola hat das phänomenal gemacht. Der Junge kommt in dieser Drucksituation auf den Court und löst das so cool. Am allermeisten freut mich dieser Sieg für unsere Fans. Nach dem, was bereits am Samstag in unserer Arena los war, wird die Max-Schmeling-Halle garantiert wieder brennen. “

Samuel Tuia: „Wir wussten, dass wir kämpfen müssen und uns keinen weiteren Fehler in dieser Serie mehr leisten durften. Das war ein Sieg des gesamten Teams und des Willens. Heute konnten wir von der Bank den wichtigen Impuls geben, den die Mannschaft brauchte. Darauf haben wir gewartet und das macht mich sehr glücklich. Jetzt fühlen wir uns einfach bereit für dieses fünfte Spiel zu Hause und freuen uns auf eine riesige Kulisse, vor der wir uns hoffentlich die Goldmedaille holen können.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Marek Sotola, Matthew West, Samuel Tuia

Topwerte
Carle 15 Punkte, 2 Asse | Patch 12 Punkte | Tuia 11 Punkte, 2 Asse, 2 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: Günter Kram

Zuversicht trotz VfB-Matchball

Pressefoto Credit: Maximilian Franz

Nachdem den BR Volleys am Samstag in ihrer Arena der erste Sieg im Playoff-Finale gelungen war, sind Glaube und Selbstvertrauen im Lager des elfmaligen Deutschen Meisters zurück. Übermütig werden die Berliner jedoch keinesfalls für Spiel vier am Mittwoch (27. Apr um 20.00 Uhr) in der ratiopharm Ulm/Neu-Ulm aufschlagen. Schließlich bekam man vor einer Woche zu spüren, wie viel Druck der VfB Friedrichshafen mit dem Heimvorteil entfachen kann. Trotzdem bleibt die Hoffnung, auch den zweiten Häfler Matchball abwehren und damit ein alles entscheidendes Duell erreichen zu können.

„Mit unserem Heimsieg haben wir jetzt sicher auch die Friedrichshafener zum Nachdenken gebracht“, blickt Außenangreifer Ruben Schott zuversichtlich auf das morgige Finalspiel. Ob der 3:0 Heimerfolg der Berliner wirklich ein Wirkungstreffer beim VfB Friedrichshafen war, muss sich nun am Mittwoch zeigen, denn bisher präsentierte sich die Mannschaft von Headcoach Mark Lebedew in dieser Finalserie bestens eingestellt und mental gefestigt.

Bei dem Sieg im heimischen Volleyballtempel konnten die BR Volleys erstmals in diesem Playoff-Finale auch die Schlüsselmomente für sich entscheiden. Zweimal stand es in der „Crunchtime“ 23:23, zweimal gelangen den Hauptstädtern die entscheidenden „Breaks“. Im ersten Durchgang war es der Aufschlag von Ben Patch, der den Unterschied machte. Wobei sein anschließender Jubel in Richtung Fanblock wohl die Szene dieses dritten Finalabends war. Im zweiten Durchgang wurde Georg Klein zum Helden. Ihm gelang die wichtige Abwehraktion vor Timothée Carles Angriffspunkt und auch seine anschießende Geste zur Tribüne zeigte die ganze Entschlossenheit des Heimteams. Der eigentliche Reservist, der beim Finalauftakt für den verletzten Jeff Jendryck einsprang, fasst die Hoffnung der Berliner in Worte: „Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Nun fühlt es sich anders an. Es war zwar nur ein erster Schritt, aber auch unser Gegner muss nun dem Druck zuhause standhalten. Nach Berlin und in eine Max-Schmeling-Halle mit dieser Atmosphäre wollen die Häfler ganz sicher nicht noch einmal kommen.“

Klein will weiterhin alles geben, auch um seinem verletzten Kollegen Jendryk noch einen Einsatz in diesem Finale zu ermöglichen. Nach seiner Bänderverletzung arbeitet der US-Amerikaner gewissermaßen 24/7 mit der medizinischen Abteilung, um der Mannschaft wieder helfen können. Jendryk wird zumindest mit in die Donaustadt reisen. Doch auch ohne den effizientesten Angreifer der Bundesliga konnten die BR Volleys im dritten Finalspiel überzeugen, verzichteten auf die sprichwörtliche Brechstange und agierten kontrollierter gegen den starken Block des VfB. Beim ersten Auswärtsspiel vor einer Woche verloren Sergey Grankin & Co phasenweise die Contenance, damit den Fokus und letztlich wichtige Punkte – das war diesmal anders.

Trainer Cedric Enard weiß: „Zweifellos wartet ein ganz schweres Match auf uns, denn unser Kontrahent hat die Chance, zu Hause die Meisterschaft zu feiern.“ Um dies zu verhindern, werden nicht nur eine besondere sportliche Leistung, sondern auch Leidenschaft, Mut und Nervenstärke erforderlich sein. Alles andere als ein weiterer enger Schlagabtausch wäre nach dem bisherigen Finalverlauf überraschend. Welche heiße Atmosphäre in der ratiopharm Arena herrschen wird, ist jedem im BR Volleys Lager nach den Erlebnissen vor einer Woche bewusst. Gut möglich, dass diese seitens der Gastgeber sogar noch gesteigert wird. Warum die BR Volleys diese Finalserie dennoch unbedingt auf die Spitze treiben wollen, bringt Coach Enard auf den Punkt: „Es wäre ein Traum, nochmal vor unserer Heimkulisse in der Max-Schmeling-Halle ein fünftes Finale spielen zu dürfen. Genau dafür werden wir antreten und kämpfen.“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys – dem Druck wieder nicht gewachsen

Im zweiten Spiel der Playoff-Finalserie setzte es für die BR Volleys mit 1:3 (25:21, 23:25, 22:25, 24:26) die zweite Niederlage. Erneut zeigte sich der VfB Friedrichshafen den Tick entschlossener und münzte seinen Heimvorteil in eine 2:0-Führung in den Finals um. Nun müssen die Berliner mit ihrem Publikum am Samstag (23. Apr um 18.30 Uhr) in ihrer Max-Schmeling-Halle das erste Matchball-Spiel der Männer vom Bodensee abwehren.

Durch den Ausfall von Jeffrey Jendryk (Bänderverletzung) rückte Georg Klein in die Startformation des Titelverteidigers und auch beim VfB Friedrichshafen gab es gegenüber Spiel eins genau einen zwangsläufigen Wechsel. Der schon beim Auftakt dieser Serie überzeugende Daniel Muniz ersetzte Vojin Cacic (Achillessehnenriss). Auch wenn Diagonalangreifer Simon Hirsch sich – anders als noch am Samstag – sofort mit zwei erfolgreichen Angriffen gut im Match anmeldete, erwischten die Berliner den besseren Start. Eine erfolgreiche Video-Challenge und ein Ass von Benjamin Patch leiteten die gute Anfangsphase ein (5:4, 12:9). Als die Gastgeber aufkamen, legte Sergey Grankin den Ball seelenruhig auf den berühmten “Markplatz“ (16:15). Patch verwandelte in der Folge die schweren Bälle (21:21), die entscheidenden Breaks erzielten aber Timothée Carle per Ass ins Eck und Ruben Schott per Angriff (25:21).

Die Hausherren gaben vor 2.076 Zuschauern die schnelle Antwort auf diesen Satzverlust. Als Muniz gegen Patch blockte, bat Cedric Enard zur Auszeit (4:8). Nun trumpfte Friedrichshafen mit dem starken Block immer mehr auf (6:12). Klein ersetzte in der Mitte Jendryk formidabel und brachte die BR Volleys zur Crunchtime wieder in Schlagweite (20:21). Satz zwei wurde dann durch den Pfiff von Schiedsrichter Dr. Mirco Till beendet, der entschied, dass Grankin den Ball außerhalb der Antenne zurück ins Häfler Feld gespielt haben soll (23:25).

Satz drei wurde daraufhin mit einer roten Karte gegen den Berliner Kapitän eröffnet und die Pokalsieger vom Bodensee waren nun wieder druckvoller (4:8), doch Nehemiah Motes krachender Block gegen Muniz brachte die Hauptstädter zurück in den Durchgang (11:11). Kurze Aufschläge waren bei beiden Teams ein oft genutztes, taktisches Mittel. Auf den nächsten Friedrichshafener Zwischenspurt reagierte Enard mit der Einwechselung von Samuel Tuia (14:17). Die BR Volleys verpassten aber ihre Chancen aufzuschließen (19:22) und Tuia blieb am erneut starken Block der Männer in Weiß hängen (22:25).

Obwohl Grankin & Co längst nicht am Limit spielten, nahmen sie Kampf in der hitzigen Atmosphäre aber weiter an (8:8, 14:14). Carle und Patch trugen ihr Team im Angriff, aber Vicentin und Hirsch standen ihnen in nichts nach. Wieder war es Motes Block gegen Vicentin, der den Berlinern Auftrieb gab (21:20). Im Anschluss an die nächste heiße Diskussion und einer doppelten Challenge hatten die BR Volleys Satzball. Aber die Gastgeber waren erneut nervenstärker und nach einem Ball von Patch in den Block und einem weiteren von Carle ins Aus jubelte der VfB über den zweiten Erfolg in dieser Serie (24:26). Somit sind die BR Volleys unter Zugzwang und müssen jedes weitere Spiel gewinnen, um noch eine Wende zu schaffen. Den Anfang braucht es am Samstag im Volleyballtempel zu Berlin.

Stimmen zum Spiel
Kaweh Niroomand: „Das war eine heiß umkämpfte, intensive Volleyball-Schlacht hier in Neu-Ulm. Wir haben wieder unsere Chancen nicht genutzt. Das müssen wir uns vorhalten. Uns mangelt es in diesen Finalspielen einfach an Konstanz. Friedrichshafen ist da auf manchen Positionen stabiler. Jetzt müssen wir mit einem Sieg zuhause irgendwie die Wende schaffen.“

Nehemiah Mote: „Noch bevor der erste Aufschlag in diesen Finals gespielt ist, setzen wir uns selbst schon unter einen merkwürdigen Druck und stehen unter Spannung. Das hemmt uns und wir spielen dadurch nicht frei. Mit dieser Anspannung misslingen uns manchmal selbst einfachste Dinge. Jetzt müssen wir uns aus diesem Loch kämpfen und das schaffen wir nur mit unseren Zuschauern. Es fehlt nicht viel. Wir brauchen einen Brustlöser.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Georg Klein (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Marek Sotola, Samuel Tuia, Matthew West

Topwerte
Patch 22 Punkte | Carle 16 Punkte | Klein 12 Punkte, 92 % Angriffsquote | Mote 11 Punkte, 6 Blocks

Spiel 3 | 23. Apr | Samstag | 18.30 Uhr | Max-Schmeling-Halle

BR Volleys – ein schwieriges Unterfangen

Nach dem Auftaktspiel der Playoff-Finalserie 2022 liegt das berühmt-berüchtigte Momentum aufseiten des VfB Friedrichshafen. Dieses nun am Mittwoch (20. Apr um 20.00 Uhr) auswärts in der ratiopharm Arena Ulm/Neu-Ulm zurückzugewinnen, wird für die BR Volleys ein äußerst schwieriges Unterfangen. Nach kurzem „Wundenlecken“ während der Osterfeiertage, wird der Titelverteidiger in Match zwei aber nichts unversucht lassen, eine Antwort auf dem Court zu geben.

Hochkochende Emotionen, nervenaufreibende Video-Challenges und Matchbälle für beide Mannschaften. Das erste „Duell der Giganten“ im Playoff-Finale war das erwartete Volleyballspektakel. Das dürfte sich auch in den weiteren Partien dieser Serie kaum ändern, wobei nach der 2:3-Heimniederlage nun die BR Volleys gefordert sind, überhaupt für mehr als drei Spiele zu sorgen. Die Hauptstädter konnten ihre 2:0-Satzführung und zwei Matchbälle nicht in den erhofften, immens wichtigen Auftaktsieg ummünzen.

Am Ostersonntag hatte die Mannschaft Zeit, den knappen Ausgang (14:16 im Tiebreak) zu verarbeiten, am Montag bat Coach Cedric Enard sein Team wieder in die Trainingshalle und am Dienstag stand für Jeffrey Jendryk der MRT-Termin an. Der Mittelblocker war in Satz zwei des Auftaktspiels umgeknickt und wurde von seinen Mitspielern vom Parkett getragen. „Jeff hat eine Bänderverletzung am rechten Sprunggelenk. Für Spiel zwei am Mittwoch wird er definitiv ausfallen. Alles weitere werden wir in den kommenden Tagen sehen“, begräbt Geschäftsführer Kaweh Niroomand noch nicht alle Hoffnungen auf eine Rückkehr des US-Amerikaners im Saisonfinale.

Trotz dieses personellen Rückschlags und der Auftaktniederlage ist der Siegeswille des BR Volleys Teams ungebrochen. Selbstbewusste Friedrichshafener, die sich von einem 0:2-Satzrückstand nicht aus der Bahn werfen ließen, zeigten sich letztlich entschlossener und entrissen den Hauptstädtern damit den Heimvorteil – und vielleicht auch psychologischen Vorteil? Benjamin Patch, Berlins Punktbester in Spiel eins, sieht das anders: „Es ist doch so, die Geschichte der BR Volleys und der Finals gegen Friedrichshafen ist stets geprägt von Höhen und Tiefen, in den letzten Jahren meist mit dem glücklicheren Ende für uns. Das ist aber nicht selbstverständlich und muss sich jedes Mal aufs Neue hart erarbeitet werden. Wir sind nach dem ersten Duell weder gestresst noch ängstlich. Ich würde sogar sagen, wir sind glücklich, einen Gegner wie Friedrichshafen zu haben.“

Um die Finalserie wieder offen zu gestalten, wird jedoch auch eine Leistungssteigerung notwendig sein. Vor allem im Mittelblock und Außenangriff zeigte sich Friedrichshafen am Samstag stärker. Was insbesondere daran lag, dass Daniel Muniz den verletzten Leistungsträger Vojin Cacic (Achillessehnenriss und Saisonende) hervorragend vertrat und Lucas van Berkel ein überragendes Spiel machte. Mit allein sieben Blockpunkten setzte der Kanadier die Häfler Dominanz aus dem Halbfinale gegen Düren fort. Gegen diesen hohen VfB-Block dauerhaft ein Mittel zu finden, wird eine große Herausforderung für die BR Volleys sein. Wenn mit einer guten Annahme die Grundlage gelegt werden kann, sind Variabilität und Tempo im Angriff wichtig. Für diese Elemente ist Kapitän Sergey Grankin zuständig, der sich gemeinsam mit seiner Mannschaft am Mittwoch in Ulm zurück in dieses Playoff-Finale kämpfen und spielen will.

Playoff-Finale
Spiel 2 | 20. Apr | Mittwoch | 20.00 Uhr | ratiopharm arena
Spiel 3 | 23. Apr | Samstag | 18.30 Uhr | Max-Schmeling-Halle
Mögliches Spiel 4 | 27. Apr | Mittwoch | 20.00 Uhr | ratiopharm arena
Mögliches Spiel 5 | 30. Apr | Samstag | 18.30 Uhr | Max-Schmeling-Halle

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Zum ersten Sieg gebissen

Als Cody Kessel zum letzten Punkt des Abends blockte, fiel von den BR Volleys durchaus eine Last ab: Zum Auftakt in das Playoff-Halbfinale kämpften die Berliner in ihrer Max-Schmeling-Halle die United Volleys Frankfurt mit 3:1 (25:20, 25:17, 22:25, 25:23) nieder. Den ersten von drei nötigen Siegen für den Einzug ins Finale mussten sich die Gastgeber nach einer Schwächephase in Satz drei hart erarbeiten. Am Samstag findet die Serie in der Ballsporthalle Frankfurt ihre Fortsetzung (02. Apr um 19.00 Uhr).

In dieses Playoff-Halbfinale starteten die BR Volleys mit ihrer etatmäßigen Besetzung um Kapitän Sergey Grankin. Vor 2.567 Zuschauern standen gemeinsam mit dem Olympiasieger Ruben Schott, Jeffrey Jendryk, Nehemiah Mote, Timothée Carle, Benjamin Patch und Libero Santiago Danani auf dem Court. Beide Kontrahenten waren im Block sofort präsent und machten den gegnerischen Angreifern das Leben schwer (4:4). Schotts Block gegen Malescha verlieh dem Ausdruck (8:6) und in der Folge waren es die Berliner, die sich häufiger durchsetzen konnten. Nach guten Aufschlägen von Patch (14:10) und Grankins punktgenauem Angriff mit Links (16:11) hatten die Hauptstädter zu ihrem Spiel gefunden (21:16). Tim Carle schlug den Ball durch den United-Block zum Gewinn des ersten Satzes (25:20). Die Hausherren kontrollierten in dieser Phase das Geschehen und spielten auch Durchgang zwei von vorn weg. Ein Ass von Schott sorgte für eine Vier-Punkte-Führung (9:5) und ein weiterer Servicewinner von Grankin erhöhte den Vorsprung noch einmal (17:12). Trotz schöner Abwehraktionen auf beiden Seiten blieben Patch & Co durchsetzungsstärker (22:14, 25:17).

Im dritten Spielabschnitt ereilte die BR Volleys das bekannte “Volleyball-Syndrom“. Nach zwei erfolgreichen Sätzen ging die Spannung etwas verloren und Frankfurt fand zurück ins Match. Nun stand der Block der Hessen wieder gegen Patch, Carle und Schott. Cedric Enard setzte bei 11:16 auf Cody Kessel anstelle von Carle, doch Frankfurt legte nun auch im Aufschlag zu. Die Uniteds um ihren besten Scorer Malescha (21 Punkte) nutzten den vierten Satzball zum Anschluss (22:25).  Jetzt mussten die Hauptstädter um jeden Punkt kämpfen und suchten die Leichtigkeit aus den ersten zwei Sätzen (8:8, 16:16). Auf Augenhöhe ging es in die Schlussphase von Durchgang vier (22:22) und nachdem sich erneut Schott gegen den Frankfurter Block durchsetzen konnte, hatten die Gastgeber Matchball. Enard – der zuvor wieder dem Franzosen Carle den Vorzug gab – verstärkte mit Kessel den Block und der US-Amerikaner zahlte das Vertrauen zurück. Der Dreierblock um den 30-Jährigen entschied das Match und brachte dem Hauptstadtclub den ersten Sieg in dieser “best of five“-Serie ein (25:23). MVP-Gold ging an Spielführer Grankin, der über seine Zuspielkünste hinaus auch fünf erfolgreiche Angriffe (83 %) und zwei Asse zum Heimerfolg beisteuerte.

Stimmen zum Spiel
Ruben Schott: „Irgendwie ging es uns in dieser Saison schon häufiger so wie heute. Wir haben zwei Sätze gut und dominant gespielt und im dritten etwas nachgelassen. Frankfurt war dann aber auch selbst deutlich stärker und hat das Aufschlag-Annahme-Duell für sich entschieden. Dieses Spiel hat gezeigt, dass wir die Spannung in dieser Serie permanent hochhalten müssen. Das muss für Samstag bei jedem im Kopf sein, um uns für Mittwoch das erste Matchball-Spiel vor unseren Fans zu erkämpfen.“
Kaweh Niroomand: „Man hat der Mannschaft angesehen, dass wir zwölf Tage keinen Wettkampf hatten. Das ist in den Playoffs nicht üblich und für Kopf und Körper nicht einfach. Deshalb haben wir uns schwergetan und streckenweise pomadig agiert. Wir brauchen im Saisonfinale unsere Bestform. Ein Spiel wie heute kann auf dem Weg dorthin hoffentlich helfen. Jetzt ist der Anfang gemacht, aber wir müssen dennoch zulegen.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Cody Kessel, Matthew West, Marek Sotola

Topwerte
Benjamin Patch 22 Punkte, 2 Blocks | Carle 16 Punkte | Jendryk 10 Punkte, 2 Blocks | Grankin 7 Punkte, 2 Asse


Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

BR Volleys – Playoff-Auftakt nach Maß

Mit einem souveränen 3:0-Heimerfolg (25:17, 25:13, 25:19) sind die BR Volleys am Sonntag, 13. März in die Bundesliga-Playoffs 2022 gestartet. Die Berliner ließen gegen stark ersatzgeschwächte, aber tapfer kämpfende Helios Grizzlys Giesen zu keinem Zeitpunkt Zweifel am Ausgang dieses ersten Spiels der „best of three“-Serie aufkommen. Am Samstag kann man damit in Hildesheim bereits das Halbfinal-Ticket buchen, doch zuvor wartet das Rückspiel in der K.o.-Phase der Champions League am Mittwoch (16. Mrz um 18.30 Uhr) gegen Itas Trentino in der Max-Schmeling-Halle.

Nachdem der Tabellensechste WWK Volleys Herrsching am Vorabend mit einem 3:2-Auswärtssieg beim VfB Friedrichshafen für die erste Überraschung dieser Playoffs sorgte (3:2), waren die BR Volleys gewarnt und wollten nicht ebenfalls auf dem falschen Fuß erwischt werden. 2.524 Zuschauer im Volleyballtempel sahen Georg Klein anstelle von Nehemiah Mote beginnen. Während der Australier vor dem Königsklassen-Match am Mittwoch noch einmal eine Pause bekam, sollten Sergey Grankin, Benjamin Patch, Timothée Carle, Ruben Schott, Jeffrey Jendryk und Libero Santiago Danani im Rhythmus bleiben.

Die BR Volleys also gewissermaßen in Topbesetzung, der Gegner aus Giesen hingegen stark dezimiert: Die Grizzlys konnten mit lediglich acht Spielern anreisen. Es fehlten unter anderem Diagonalangreifer Colito und Mittelblocker Seybering, sodass mit Max Bödder ein Spieler der zweiten Mannschaft in der Startaufstellung stand. So hatten die Gäste gegen konzentrierte Hauptstädter von Beginn an einen schweren Stand. Ruben Schott gab seinem Team mit einer Aufschlagserie direkt Sicherheit (6:1). Die Berliner spielten in der Folge einen souveränen Auftaktsatz, auch weil Ben Patch in der heimischen Arena wieder einen sehr guten Tag erwischte und sieben seiner acht Angriffe im ersten Durchgang in Punkte umwandelte (9:4, 16:9, 21:14). Schott benötigte zwei Anläufe, um den ersten Satzgewinn perfekt zu machen (25:17).

Das Bild blieb in Satz zwei ein ähnliches. Sergey Grankin & Co übernahmen früh die Kontrolle und diktierten mit sicherer Annahme und gutem Angriffsspiel das Geschehen (11:3). Der Leichtigkeit und Spielfreude gaben Grankins Zuspiel-Trick und das anschließend verschmitzte Grinsen Ausdruck (18:9). Giesen konnte ohne große Wechseloptionen den Lauf der Gastgeber nicht stoppen und so war der Gewinn von Durchgang zwei nur eine Frage der Zeit (25:13). Cedric Enard hatte bereits zum Ende des zweiten Satzes Marek Sotola ins Spiel gebracht, der dauerhaft auf der Platte blieb. Zwar hatten die Grizzlys um ihren Topscorer Stijn van Tilburg in Durchgang drei noch einmal mehr entgegenzusetzen (5:7), doch die BR Volleys beseitigten schnell aufkommende Fragezeichen. Der Tscheche Sotola war bester Punktesammler in diesem Durchgang und Außenangreifer Schott in allen Elementen weiterhin eine Bank (10:10, 14:11, 21:16). Nach eineinhalb Stunden Spielzeit verwandelte Klein den Matchball für die Berliner (25:19), die damit noch einen weiteren Sieg für den Halbfinaleinzug benötigen.

Stimmen zum Spiel
Marek Sotola: „Ich glaube, das war der Start, den wir uns erhofft hatten. Eine gute Leistung vor 2.500 Zuschauern gibt uns die nötige Sicherheit für die kommenden Spiele. Giesen war durch Corona und einige Ausfälle sichtbar geschwächt. Das zweite Spiel in deren Halle und vor vielen Fans wird am Samstag deutlich schwieriger. Jetzt fiebern wir aber alle dem Match am Mittwoch entgegen. Meine Familie und Freunde reisen extra aus Tschechien an, insgesamt neun Personen. Ich hoffe, wir können ihnen und uns ein großes Spiel bescheren.“

Georg Klein: „Giesen hat mit dem schmalen Aufgebot von nur acht Spielern das Möglichste getan. Aus unserer Sicht war wichtig, diesen Gegner konsequent unter Kontrolle zu halten. Das ist uns gut gelungen und deshalb können wir zufrieden sein. Ich konnte heute meinen Job machen und Nemo noch einmal eine Pause verschaffen, sodass er und wir als gesamtes Team am Mittwoch in bestmöglicher Verfassung gegen Trento antreten können.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Georg Klein und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Marek Sotola, Matthew West, Cody Kessel

Topwerte
Schott 13 Punkte, 2 Asse, 65 % Angriffsquote | Patch 10 Punkte, 77 % Angriffsquote | Jendryk 8 Punkte, 3 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Ein Auftaktsatz, der Hoffnung macht

Es braucht den Volleyballtempel! Die BR Volleys haben alles versucht, konnten aber im Hinspiel des CEV Champions League Viertelfinals bei Itas Trentino nichts Zählbares mitnehmen. Mit 0:3 (25:27, 19:25, 22:25) unterlagen die Berliner dem italienischen Tabellendritten und können nun nur noch über den “Golden Set“ die Überraschung schaffen. In sechs Tagen (16. Mrz um 18.30 Uhr) empfangen Kapitän Sergey Grankin & Co den Finalisten des Vorjahres zum Rückspiel und benötigen eine magische Europapokalnacht in der Max-Schmeling-Halle.

Nehemiah Mote, in den letzten Tagen gewissermaßen 24/7 unter den Fittichen der medizinischen Abteilung, meldete sich einsatzfähig für dieses mit Spannung erwartete erste Viertelfinale. So stand auch in der BLM Group Arena von Trento das BR Volleys Team auf dem Court, das in der Gruppenphase Zenit St. Petersburg zweimal schlug. Und der erste Punkt des Abends sollte direkt zeigen, wie es gehen kann: Taktischer Aufschlag Ruben Schott, starke Abwehr des Nationalspielers und erfolgreicher Angriff Benjamin Patch. Aber die selbstbewussten Gastgeber stoppten den guten Anfangsdrive der Männer aus der deutschen Hauptstadt per Block von Matey Kaziyski gegen Patch (2:5). Die Berliner spielten trotzdem lange einen klasse Auftaktsatz. Die Asse von Schott und Patch sorgten für den Ausgleich (11:11) und Sergey Grankin setzte gegen Kaziyski auch den ersten erfolgreichen Berliner Block (13:11, 18:16). Giulio Pinali, den Heimtrainer Angelo Lorenzetti überraschend im Diagonalangriff aufbot, wendete mit seinem Service das Blatt (18:20). Die BR Volleys blieben stabil, glichen aus und wehrten zwei Satzbälle kämpferisch ab (25:25). Der Deutsche Meister war drauf und dran, das Momentum zu kippen, doch Trentino sicherte sich nach einem weiteren Pinali-Aufschlag den an diesem Abend richtungsweisenden Durchgang (25:27).

Trentino blieb über die Mitte, vor allem durch den starken Ex-Berliner Srecko Lisinac, dominant und die Berliner verloren in Satz zwei früh ihren Rhythmus (4:7, 4:11). Mit den Einwechslungen von Samuel Tuia und Marek Sotola versuchte Cedric Enard dem entgegenzuwirken. Jeffrey Jendryk war in diesem Satz in allen Elementen der stärkste Berliner, doch auch er konnte per Block und Ass keine Wende herbeiführen (13:18). Trentino spielte in dieser Phase fehlerfrei und stellte verdient auf 0:2 (19:25). Zuspieler Grankin ging in Satz drei voran, erzielte früh zwei Punkte selbst und es keimte noch einmal Hoffnung auf (6:4). Die Italiener zeigten sich aber unbeeindruckt, wehrten besser ab und hatten in Linkshänder Alessandro Michieletto ihren kaum zu stoppenden Angreifer (12:14). Bis zum 21:21-Zwischenstand hielten die BR Volleys noch Kontakt, doch dann stand der Block gegen Patch (21:23). Der erfahrene Kaziyski verwandelte im Anschluss zweimal humorlos zum Matchgewinn für die Italiener (22:25).

Obwohl Trentino damit in eigener Arena Stärke demonstrierte, ist aus Sicht des Deutschen Meisters noch nichts verloren. Zwei gute Sätze der BR Volleys machen Hoffnung für das Rückspiel in der Max-Schmeling-Halle. Mit einem 3:0 oder 3:1-Heimsieg würde man den “Golden Set“ (Entscheidungssatz bis 15 Punkte) erzwingen und das ist nun das große Ziel für das Match vor heimischem Publikum am Mittwoch.

Stimmen zum Spiel
Ruben Schott: „Wir haben zu Beginn im Aufschlag zu viele Fehler gemacht und auch mit den Aufschlägen, die im Feld landeten, nicht ausreichend Druck entfacht. Der Annahmeriegel von Trentino war aber auch gut. Aus der Abwehr hatten wir gegen Ende von Satz eins unsere Möglichkeiten. Da hätte das Spiel einen anderen Verlauf nehmen können. Nachdem unsere eingewechselten Spieler es im zweiten Satz noch gut gemacht haben, waren wir im dritten Durchgang wieder nah dran. Mit Blick auf das Rückspiel braucht es eine Steigerung im eigenen Aufschlag. Wir müssen noch mutiger agieren und dann wird das mit unseren Fans im Rücken noch ein heißes Rückspiel in Berlin.“

Cedric Enard: „Der erste Satz war der so wichtige Durchgang, um hier in dieses Viertelfinale zu kommen. Beide Mannschaften hatten es verdient, diesen zu gewinnen, aber wir haben unsere Chance verpasst. Diese Gelegenheit musst du auf dem Niveau unter den besten Acht Europas nutzen. Danach wurde es schwer, weil Trentino großen Druck aufgebaut hat. Heute steht ein 0:3 auf der Anzeigetafel, aber dieses Viertelfinale hat noch ein zweites Kapitel. Die ganz sicher besondere Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle wird unserer Mannschaft den nötigen Push für ein spannendes Rückspiel geben. Aber vorher haben wir ein wichtiges Playoff-Match am Sonntag gegen Giesen.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Matthew West, Marek Sotola, Cody Kessel, Samuel Tuia

Topwerte
Jendryk 11 Punkte, 3 Blocks, 88 % Angriffsquote | Schott 10 Punkte, 2 Asse | Carle 9 Punkte
Christof Bernier

BR Volleys gewinnen in Serbien

Mit ihrem dritten Sieg in der laufenden Champions-League-Saison sind die Berlin Recycling Volleys am Mittwochabend ihrem Ziel Viertelfinale einen großen Schritt nähergekommen. Der 3:0-Erfolg (27:25, 25:20, 25:23) bei Vojvodina Novi Sad lässt die Berliner nächste Woche (16. und 17. Feb) mit zwölf Punkten im Gepäck zum Showdown nach St. Petersburg reisen. Um die K.o.-Runde zu erreichen, kann nun noch jeder in Russland erkämpfte Satz und Punkt wertvoll werden.

Die spannende Frage, wer in diesem vierten Königsklassenmatch im Außenangriff beginnen durfte, beantwortete Headcoach Cedric Enard mit Ruben Schott und Timothée Carle. Neben ihnen starteten wie gewohnt Nehemiah Mote, Jeffrey Jendryk, Benjamin Patch, Kapitän Sergey Grankin und Libero Santiago Danani. Mit Spielbeginn setzten die lauten Fangesänge der enthusiastischen Heimfans ein und die BR Volleys zeigten sich von der Kulisse durchaus beeindruckt. Die serbischen Gastgeber, zuletzt in der Königsklasse mit 3:0 bei Zenit St. Petersburg erfolgreich, spielten entsprechend selbstbewusst auf (3:6, 5:10). Auch mit ihren ersten zwei Video-Challenges hatten die Berliner und Coach Enard keinen Erfolg und es wurde früh eine mentale Bewährungsprobe (12:16). Beim Zwischenstand von 19:22 ersetzte Samuel Tuia seinen Landsmann Carle, die Wende aber brachte der gute Service von Jendryk (23:23). Mit einem Ausflug von Ben Patch in die Bande, wobei beim US-Amerikaner anschließend am Knie Blut floss, sicherten sich die Berliner den Vorteil und Mote verwandelte zum Satzgewinn (27:25).

Wie im Hinspiel war auch an diesem Abend der Ausgang des Auftaktdurchgangs ein Wirkungstreffer für die Serben. Gegen deren zwei einzige Legionäre Baranek (CZE/Außen-Annahme) und Parapunov (BUL/Diagonal) stand der Block um Jendryk nun deutlich besser (6:2, 13:8). Die BR Volleys waren das emotionalere Team auf dem Court und, auch wenn die Hausherren den Rückstand noch einmal verkürzen konnten (18:16, 21:17), war es der eingewechselte Marek Sotola, der zum nächsten Satzgewinn blockte (25:20). Die im ersten Spielabschnitt noch etwas wacklige Annahme hatte sich längst stabilisiert, dafür leisteten sich Patch & Co im Angriff noch eine kurze Schwächephase (10:6, 13:16). Grankins Ass und seine gute Ballverteilung brachten den Bundesliga-Tabellenführer im dritten und letzten Satz jedoch zurück in die Spur (19:18). Schließlich zeigte Novi Sad erneut Nerven (24:22) – so auch beim von Baranek verschlagenen Aufschlag zum Berliner Matchgewinn (25:23).

Die Entscheidung über das Weiterkommen fällt nun in einer Woche in St. Petersburg, wo das BR Volleys Team an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (16. und 17. Feb) gegen den russischen Vizemeister antritt. Gelingt dort ein Sieg, wäre man als Gruppensieger sicher weiter. Bei zwei Niederlagen entscheidet der Quervergleich zu den anderen vier Gruppen, in dem der deutsche Vertreter mit vier Siegen (davon ein 3:0 gewertetes Spiel gegen Benfica Lissabon) und zwölf Punkten aktuell sehr gut im Rennen liegen würde.

Stimmen zum Spiel
Cedric Enard: „Es war an der Zeit, etwas zu beweisen, und das haben wir getan. Wir sind nach einem nicht einfachen Start mental stark geblieben und haben uns aus eigener Kraft heraus gesteigert. Jeffrey hat ein hervorragendes Spiel gemacht, aber auch Sergey hat den Matchplan gut umgesetzt. Ein Sonderlob geht heute auch an unsere gesamte Annahme um Ruben, Santiago, Tim und natürlich Samu, die den Grundstein für den Sieg gelegt hat. Mit nun zwölf Punkten haben wir alle Chancen auf das Weiterkommen. So hatten wir es uns erhofft.“

MVP Jeffrey Jendryk: „Der Schlüssel zum Sieg war, dass unser Angriff heute ins Rollen gekommen ist. Wir haben im ersten Satz noch die Kurve bekommen und uns diesen Durchgang verdient gesichert. Jetzt fahren wir mit Selbstvertrauen nach St. Petersburg, wissen aber genau, welch schwere Aufgabe dort auf uns wartet. Ich glaube aber an unser Team und die Möglichkeit, sich dort mit einem guten Spiel sogar den Gruppensieg zu sichern.“

BR Volleys Formation
Timothée Carle und Ruben Schott (AA), Nehemiah Mote und Jeffrey Jendryk (MB), Sergey Grankin (Z), Benjamin Patch (D) und Santiago Danani (L) | Eingewechselt: Matthew West, Marek Sotola, Samuel Tuia

Topwerte
Jendryk 11 Punkte, 4 Blocks, 75 % Angriffsquote | Patch 11 Punkte | Carle 11 Punkte
Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Pressefoto Credit: CEV