Hertha BSC: Es kann nur besser werden

Die Ereignisse im Zusammenhang mit der Trainerentlassung überschlugen sich beim Berliner Hauptstadtclub. Klinsis „Jein“ unter bestimmten Voraussetzungen ist nun auch klar. Heute wissen wir, die Voraussetzungen heißen: Teammanager Arne Friedrich, zwei Co-Trainer  Alexander Nouri und Markus Feldhoff sowie Andy Köpke. Da wurde energisch hinter den Kulissen gewirkt. Jürgen Klinsmann macht’s in der Tat hundertprozentig. Torwarttrainer Zsolt Petry und Harald Gämperle, bisher hoch im Kurs von Michael Preetz, wurden tatsächlich freigestellt. Sie durften mit Ante Covic gleich mitgehen. Das ist wesentlich mehr, als das kaum vorhergesehene Stühlerücken.

Ich möchte nicht wissen, was der gewaltige Umbruch kostet. Hertha hat ja das Geld und getan werden musste was. Es bestätigt auch die Handlungsweise von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Michael Preetz wird gespürt haben, dass er in der Verantwortung abgeben muss. Denn einen dritten Abstieg in Liga Zwei unter seiner Regie hätte niemand mehr bei Hertha dem Manager Sport verziehen. „Wir haben die Schnauze voll“ (wie nach dem Augsburg-Spiel) lautet dann nicht nur „Trainer raus“.

Nun hat Micha einen erfolgsbesessenen Trainer mit einem ganzen namhaften Team etabliert. Der Fan stelle sich jetzt mal eine Abstimmung in der Hertha-Führung vor. Ich bin sogar davon überzeugt, dass Jürgen Klinsmann in einer entscheidenden Auseinandersetzung mit Michael Preetz das Rückgrat hat, dies öffentlich zu machen. Als ein Reporter in der Pressekonferenz beiläufig das Wort Machtübernahme fallen ließ,  reagierte Preetz spontan und steuerte dagegen.

Welche Rolle mag Präsident Werner Gegenbauer bei diesem Umbruch spielen? Der Name ist in diesem Zusammenhang überhaupt noch nicht gefallen. Ist er wirklich davon überzeugt, dass dies der einzig rettende Weg sein kann oder hat er gar genug des Regierens? Ich kann es mir nicht vorstellen, so gern ich nach wie vor Hintergründe beleuchte. Wer gibt schon gern freiwillig Macht ab… Sich weiterhin mit Hertha BSC zu beschäftigen, scheint mir angebracht zu sein. Der Einwurf „Machtübernahme“ könnte ganz und gar berechtigt sein.

Christian Zschiedrich

Hertha zieht die Reißleine

Es kam überraschend, Jürgen Klinsmann muss sein Mandat als Aufsichtsrat von Hertha BSC ruhen lassen. Er übernimmt bis zum Ende der Saison das Traineramt. Je mehr man darüber nachdenkt, je mehr macht es Sinn. Klinsmann ist seit einiger Zeit mit Hertha verbunden, sein Sohn Jonathan war hier zwei Jahre Profi und Investor Lars Windhorst hatte ihn als Fußball-Fachmann ins Boot geholt. Einige Spiele der Alten Dame hat er beobachtet. Sein aus Frankfurt an der Oder stammende Vater Siegfried Klinsmann, so war zu erfahren, war Hertha Fan. Ihm hätte es bestimmt gefallen, seinen Sohn als Trainer an der Seitenlinie zu sehen.

Unser Chefredakteur hat es geahnt, „Ex-Bundestrainer und seit kurzem Hertha-Vorstand Jürgen Klinsmann wird in Kenntnis der Probleme nicht von sich aus spontan handeln, doch hinter Klinsmann steht der Investor Lars Windhorst. Der will sein Geld gut angelegt wissen…“. Stellt sich schon die Frage, wie energisch wurde hinter den Kulissen gewirkt ? Der Vertrag mit Klinsmann läuft bis zum Ende Saison. Selbst dafür musste er länger überredet werden. Der Rückflug wurde storniert, das bevorstehende Thanksgiving-Fest muss ohne ihn gefeiert werden.

Seinen neuen Job will er gründlich machen, wenn auch zunächst nur befristet. Wie gründlich, zeigte sich kurz nach der Bekanntgabe. Nicht nur Klinsmann kommt, er wird zusätzlich seinen Trainerstab installieren. Arne Friedrich, der frühere Kapitän und Nationalspieler soll Teammanager werden, soll ähnliche Aufgaben erfüllen wie Sebastian Kehl in Dortmund. Ein neuer Torwart-Trainer soll kommen, kein geringerer als Andy Köpke, Oliver Bierhoff soll bereits sein okay gegeben haben. Mit Alexander Nouri und Markus Feldhoff stehen ab sofort auch zwei neue Assistenz-Trainer an Klinsmanns Seite. Was die Zukunft des bisherigen Torwart-Trainer Zsolt Petry und Harald Gämperle betrifft, dazu werden Gespräche geführt werden. Ob sie weiter eine Zukunft bei der Hertha haben, ist offen.

Auf die entsprechende Nachfrage, ob auch der neue Trainerstab nur bis zum Saisonende bleibt wurde ein zurückhaltendes ja in den Raum geworfen. Das ist fast nicht vorstellbar. Könnte die ganze Aktion nicht den Beginn einer schleichenden Machtübernahme bedeuten ? Michael Preetz betonte zwar, dass alles in vertrauensvoller Zusammenarbeit über die Bühne ging, da bleiben doch einige Fragen offen.

Das rein sportliche ist fast ein wenig in den Hintergrund gerückt. Nach der Pressekonferenz bat der neue Trainer gleich zu einer Einheit auf den Trainingsplatz. Möglichst wieder nach oben klettern heißt jetzt die Devise. Der Kader muss zunächst akzeptieren, dass Abstiegskampf angesagt ist, dafür ist es, obwohl erst 12 Spiele absolviert sind, nicht zu früh. So ein desolater Auftritt, wie zuletzt in Augsburg, darf sich nicht wiederholen.

Hans-Peter Becker

Gelingt der erste Auswärtssieg der Saison ?

Urs Fischer, guter Saisonstart – gelingt jetzt der erste Auswärtssieg ? Foto:© Hans-Peter Becker

Der 1. FC Union ist in dieser Saison noch ungeschlagen. Am Montagabend, 1.10. beschliessen den 8. Spieltag mit der Auswärtspartie in Ingolstadt. Während den Eisernen der Saison-Start geglückt ist, mit 13 Punkten aus 7 Spielen, ist bei den Ingolstädter das Gegenteil der Fall. Personell ähnlich gut ausgestattet wie die Berliner, gelang erst ein einziger Sieg, zwei Unentschieden und vier Niederlagen. Es war den Verantwortlichen der Schanzer zu wenig, nach der 0:1 Heimniederlage-Niederlage gegen den FC St. Pauli wurde der Trainer Stefan Leitl entlassen. Für das folgende Auswärtsspiel in Köln gab es eine Interimslösung. Als neuer Trainer wurde vor einigen Tagen Alexander Nouri vorgestellt, zuvor soll es Absagen von Jens Keller und Markus Weinzierl gegeben haben.

Bei der obligaten Pressekonferenz vor dem Spiel war der Trainerwechsel beim nächsten Gegner ein Thema. Unions Trainer Urs Fischer ging auf die Bremer Vergangenheit des neuen Ingolstädter Trainers ein. Als Trainer des SV Werder ließ er bevorzugt mit einer 3er Kette (3-5-2) spielen. Im Training soll er in Ingolstadt sich daraus ergebende taktische Varianten geübt haben. Wie aussagekräftig daher das Videostudium der bisherigen Ingolstädter Spiele ist, läßt sich schwer sagen. „Auf jeden Fall werden wir gut vorbereitet sein.“

Was die Startelf betriff, da hat der Trainer wieder mehr Qual in der Wahl. Von den 28 Profis sind nur zwei momentan nicht einsatzfähig. Es betrifft den dritten Torwart Lennart Moser und den Innenverteidiger Marc Torrejon.

Er ist zwar wieder im Kader, allerdings reicht die Kraft keinesfalls für 90 Minuten, die Rede ist von Sebastian Polter. Er könnte wieder eine Joker-Rolle übernehmen. Gegenüber dem Spiel gegen Kiel sind keine großen Änderungen zu erwarten. Rotiert Ken Reichel wieder für Christopher Lenz zurück ? Die anderen Posten in der 4er Abwehrkette sind vergeben.

Trotz englischer Woche, konnten die Eisernen eine fast normale Vorbereitung absolvieren, Dank der Ansetzung als Montag-Spiel. Da war sogar ein freier Tag für die Profis drin. Die Voraussetzungen stehen also nicht schlecht, um den ersten Auswärtssieg der Saison einzufahren. Es wäre gut, im Falle einer Führung, das zweite Tor nachlegen zu können. In den drei Auswärtsspielen gelangen den Wuhlheidern bislang nur zwei Tore. In Sandhausen wurde zu Null gespielt.

Das Spiel am Montagabend, 1.10. wird um 20:30 Uhr im Audi-Sportpark zu Ingolstadt angepfiffen werden. Leiter der Partie wird Sebastian Dankert aus Rostock sein. Stand vom letzten Samstag, waren etwa 500 Karten für den Gästeblock verkauft, für Kurzentschlossene, die den weiten Weg von Berlin nach Ingolstadt auf sich nehmen wollen, sind Eintrittskarten zu haben.

Hans-Peter Becker